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	<title>The Guardian | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Fri, 04 Mar 2022 10:15:54 +0000</lastBuildDate>
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		<title>«Es ist wichtig, dass die Menschen verschiedene Seiten einer Frage kennen»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2022/03/04/es-ist-wichtig-dass-die-menschen-verschiedene-seiten-einer-frage-kennen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Johannes Hapig]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 04 Mar 2022 10:15:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[The Guardian]]></category>
		<category><![CDATA[Alan Rusbridger]]></category>
		<category><![CDATA[Prospect]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als «Guardian»-Chefredaktor hat Alan Rusbridger digitale Pionierarbeit geleistet, den NSA-Skandal ans Licht gebracht und bei der Verbreitung der Wikileaks-Enthüllungen geholfen. Nun ist er in den Journalismus zurückgekehrt als Herausgeber des Monatsmagazins «Prospect». Ein Gespräch über Medienmanagement, Medienwandel und Musizieren als Weg zum Gleichgewicht. «In den ersten neun oder zehn Jahren meiner journalistischen Laufbahn habe ich <a href="https://medienwoche.ch/2022/03/04/es-ist-wichtig-dass-die-menschen-verschiedene-seiten-einer-frage-kennen/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Als «Guardian»-Chefredaktor hat Alan Rusbridger digitale Pionierarbeit geleistet, den NSA-Skandal ans Licht gebracht und bei der Verbreitung der Wikileaks-Enthüllungen geholfen. Nun ist er in den Journalismus zurückgekehrt als Herausgeber des Monatsmagazins «Prospect». Ein Gespräch über Medienmanagement, Medienwandel und Musizieren als Weg zum Gleichgewicht.</strong><br />
<a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Alan-Rusbridger-The-Guardian-20220203.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Alan-Rusbridger-The-Guardian-20220203-300x201.jpg" alt="" width="300" height="201" class="alignnone size-medium wp-image-95276" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Alan-Rusbridger-The-Guardian-20220203-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Alan-Rusbridger-The-Guardian-20220203-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Alan-Rusbridger-The-Guardian-20220203-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Alan-Rusbridger-The-Guardian-20220203-470x315.jpg 470w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Alan-Rusbridger-The-Guardian-20220203-728x485.jpg 728w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/03/MW-Alan-Rusbridger-The-Guardian-20220203.jpg 1456w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><br />
<div class="question"><h4>Johannes Hapig:</h4> <p>Nachdem Sie zwei Jahrzehnte lang der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Alan_Rusbridger" rel="noopener" target="_blank">Chefredaktor des «Guardian»</a> waren, wurden Sie zunächst Rektor am Lady Margaret Hall College in Oxford. Was hat Sie nun zur Rückkehr in den Journalismus bewogen?</p>
</div><div class="answer"><h4>Alan Rusbridger:</h4> <p>Auch während ich in Oxford tätig war, habe ich den einen oder anderen Artikel geschrieben. Ich habe ausserdem regelmässig Kolumnen veröffentlicht und zwei Bücher fertig gestellt; mit dem Schreiben habe ich also nie aufgehört. Wissen Sie, dafür bleibt ja kaum Zeit, wenn man eine Zeitung wie den «Guardian» leitet. Da kann man parallel nicht Reporter sein. Und das wollte ich eigentlich – wieder vermehrt als Reporter arbeiten. Dann hat mir <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Prospect_(Zeitschrift)" rel="noopener" target="_blank">«Prospect»</a> die Chefredaktoren-Stelle angeboten und ich habe zugesagt. So spielt es manchmal, das Leben.</p>
</div></p>
<blockquote><p>«In den ersten neun oder zehn Jahren meiner journalistischen Laufbahn habe ich nie über eine Stelle als Redaktor nachgedacht.»</p></blockquote>
<p><div class="question"><h4>Hapig:</h4> <p>Man kann da durchaus einige Parallelen zu Ihren frühen Jahren beim «Guardian» erkennen: In einem Ihrer Bücher notieren Sie, dass Sie dort anfangs weder Redaktor, geschweige denn Chefredaktor werden wollten. Sie wollten «nur» Journalist sein.</p>
</div><div class="answer"><h4>Rusbridger:</h4> <p>Ja, ich bin dort direkt nach der Universität als einfacher Autor eingestiegen. Und das habe ich sechs Jahre lang mit Freude gemacht. Dann habe ich fast drei Jahre lang Kolumnen geschrieben. In den ersten neun oder zehn Jahren meiner journalistischen Laufbahn habe ich also nie über eine Stelle als Redaktor nachgedacht. Ich war überzeugt, da hätte man ein ziemlich langweiliges Leben (lacht). Redaktoren waren für mich Leute, die nie ihr Büro verlassen und nie das empfinden dürfen, was für mich die «Freude an aktueller Berichterstattung» ist. Aber dann wurde ich von meinem Vorgesetzten darum gebeten, selbst ein wenig zu redigieren und stellte fest, dass mir das ganz gut gefiel.</p>
</div><br />
</p>
<p><div class="question"><h4>Hapig:</h4> <p>Welche Rolle spielten persönliche Ambitionen für Ihren Aufstieg innerhalb der «Guardian»-Hierarchie?</p>
</div><div class="answer"><h4>Rusbridger:</h4> <p>Das ist eine interessante Frage. Warum werden Menschen befördert? Meiner Meinung nach hat das seltener mit Ehrgeiz zu tun, als man landläufig vermutet. Ich glaube, die ehrgeizigsten Menschen sind manchmal dann jene, die am Ende doch keinen Erfolg haben, weil sie beinahe zu «hungrig» sind; weil sie zu energisch versuchen, andere aus dem Weg zu drängen. Ich glaube, es gibt wichtigere, aber immer noch weithin unterschätzte Aspekte – dass man nett zu den Leuten ist, mit denen man arbeitet; dass man nicht launisch oder überbordend pessimistisch agiert. Dass man bereit ist, sich einzubringen; dass man ein gutes Urteilsvermögen und einen ausgeprägten Sinn für Humor hat.</p>
</div></p>
<blockquote><p>«Nach einer Reise durch die USA Anfang der 1990er-Jahre hatte ich das Gefühl, dass ich meine Kolleginnen und Kollegen wachrütteln muss.»</p></blockquote>
<p><div class="question"><h4>Hapig:</h4> <p>Wenn in Hollywood-Filmen grosse Medienunternehmen gezeigt werden, haben diese sehr oft einen exzentrischen, strengen Chefredaktor, der nur schreiend mit seinem Team kommuniziert. «Wir müssen das bis morgen früh gedruckt haben, sonst rollen hier Köpfe!»&#8230; Aber die Attribute, die Sie schildern, sind das genaue Gegenteil dieses Klischees.</p>
</div><div class="answer"><h4>Rusbridger:</h4> <p>Ich glaube, es gibt tatsächlich ein paar Zeitungen, die so funktionieren; es gibt solche Chefredaktoren durchaus auch heute noch. Das ist wohl auch eine Frage der Unternehmenskultur: Der «Guardian» wird, wie Sie vielleicht wissen, von einer Stiftung getragen; es gab also keine Eigentümerschaft, die Druck auf mich ausübte oder meine Freiheiten einschränkte. Das machte es mir wiederum einfacher, horizontale Strukturen zu etablieren…</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Hapig:</h4> <p>…und, soweit ich das von aussen beurteilen kann, kontinuierlich auf Innovationen zu setzen: Unter Ihrer Führung wurde der «Guardian» eine der ersten Zeitungen in Europa, die eine konsequente Digitalisierungs-strategie verfolgte. Wie kam es dazu?</p>
</div><div class="answer"><h4>Rusbridger:</h4> <p>Ich habe in den früher 1990er Jahren eine Reise quer durch die Vereinigten Staaten gemacht. Amerika war da bereits wesentlich «vernetzter» als Grossbritannien. Obwohl die Technologie noch in den Kinderschuhen steckte, konnte man bei Zeitungen wie der «Chicago Tribune» oder der «San Jose Mercury News» und in gewissem Masse auch bei der «New York Times» regelrecht in eine Glaskugel schauen. Beim «Guardian» hatten wir damals &#8230; einen Computer. Man musste kein Genie sein, um zu denken: «In zehn Jahren werde ich die ganze Zeitung mit Lichtgeschwindigkeit auf meinem Computerbildschirm empfangen, ohne jegliche Vertriebskosten. Und das wird nicht gut für das Medium Print sein.» Als ich wieder in England war, hatte ich das Gefühl, dass ich meine Kolleginnen und Kollegen «wachrütteln» muss. Und das war der Beginn eines Prozesses, der sowohl aufregend als auch, ja, manchmal ein wenig beängstigend war.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Hapig:</h4> <p>Da Sie diese Dualität ansprechen: Fiel es Ihnen leicht, grundlegende Veränderungen in Ihrer Branche anzunehmen, oder wünschten Sie sich manchmal zurück in weniger aufreibende Zeiten?</p>
</div><div class="answer"><h4>Rusbridger:</h4> <p>Was ich sagen kann ist, dass ich wahrscheinlich zu jedem anderen Moment innerhalb der vergangenen dreihundert Jahren eine andere Art von Redaktor gewesen wäre als jener, zu dem diese Zeiten des Umbruchs mich machten. Niemand wusste ja, wie genau die Geschichte ausgeht – wie die Digitalisierung sich entwickeln; was bleiben und was vergehen würde. Hätte man da postuliert: «Ich bin der Messias. Folgt mir, ich werde euch in das gelobte Land führen», dann wäre man apriori zum Scheitern verurteilt gewesen. Vielmehr musste man verschiedene Gruppen von Menschen ins Boot holen – die, die voll und ganz hinter dem Projekt standen und die Notwendigkeit der Digitalisierung erkannten; jene, die bereit waren, sich von guten Argumenten überzeugen zu lassen … und dann noch die, die das alles für verrückt hielten (lacht).</p>
</div></p>
<blockquote><p>«Meine Methode ist es immer gewesen, so viel wie möglich mit den Leuten zu sprechen, gerade in herausfordernden Situationen.»</p></blockquote>
<p><div class="question"><h4>Hapig:</h4> <p>Wie blieben Sie Skepsis und Widerspruch gegenüber offen? Mit zunehmender Verantwortung in einem Unternehmen oder einer Redaktion nimmt ja oft die Anzahl derer, die einen kritisieren, ab … ?</p>
</div><div class="answer"><h4>Rusbridger:</h4> <p>Ja, das macht ein so grosses Projekt wie die Implementierung einer Digitalstrategie noch komplexer. Man muss Menschen um sich herum haben, die weitestgehend mit einem d’accord sind, sonst bekommt man nichts zu Stande. Gleichzeitig muss man aber auch bereit sein, Gegenargumente zu hören. Es ist also eine Gratwanderung. Meine Methode ist es immer gewesen, so viel wie möglich mit den Leuten zu sprechen, gerade in herausfordernden Situationen. Man muss kontinuierlich erklären, was man tun will, warum man es tun will und bereit sein, von den Kolleginnen und Kollegen zu lernen.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Hapig:</h4> <p>«Lernen» ist ein gutes Stichwort: Journalisten auf der ganzen Welt haben von Ihnen und Ihren Kollegen gelernt; insbesondere, wenn es um investigativen Journalismus geht. Sie haben einen Pulitzer-Preis für die Veröffentlichung der NSA-Enthüllungen erhalten, Sie haben über WikiLeaks berichtet. Der «Guardian» geriet in den Fokus von Regierungen und Geheimdiensten, es gab Einschüchterungsversuche. Wie brachten Sie die Courage auf, immer weiterzumachen?</p>
</div><div class="answer"><h4>Rusbridger:</h4> <p>Nun, ich denke, darauf gibt es zwei Antworten. Die eine ist: Das ist unser Job.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Hapig:</h4> <p>Das ist eine charmante Betrachtungsweise, weil sie so nüchtern klingt.</p>
</div><div class="answer"><h4>Rusbridger:</h4> <p>Es gibt einen sehr vulgären britischen Ausdruck, der lautet: «Piss or get off the pot». Gibt es dafür eine Entsprechung in der Schweiz? Wenn Du nicht pinkeln willst, dann geh runter von der Toilette und lass jemand anderen drauf … (lacht). Wenn ich an die Menschen denke, die wirklich Risiken eingegangen sind – Reporter, die Monate, manchmal Jahre ihres Lebens an einer Geschichte arbeiteten, die sich in gefährliche Situationen begaben –, dann war meine Aufgabe, diese Stories auf zuverlässige Art und Weise in die Zeitung zu bringen, ein Klacks dagegen. Aber wenn einem das trotzdem Angst macht, dann sollten man nicht Chefredaktor werden. Die zweite Antwort ist, und das nimmt Bezug auf das, was ich vorhin gesagt habe: Wenn man ein wunderbares Team und eine Organisation hat, die ein bestimmtes Idealbild von Journalismus verteidigt, dann schöpft man daraus seine Kraft. Manchmal brauchten wir ausgezeichnete Technologen, die Dinge verschlüsselten und uns sagen konnten, wie wir uns im digitalen Raum verhalten sollen. Wir hatten fantastische Anwälte, die selbst sehr mutig und clever agiert haben. Manchmal ging es auch um PR: Als wir etwa die <a href="https://www.theguardian.com/us-news/the-nsa-files" rel="noopener" target="_blank">Snowden-Stories</a> brachten und ich deshalb sogar vor dem Parlament aussagen musste, hatten wir Unterstützung in der Öffentlichkeitsarbeit. Alle Beteiligten halfen und stützten sich gegenseitig.</p>
</div></p>
<blockquote><p>«Journalismus bedeutete drei Jahrhunderte lang, dass wir praktisch «senden» konnten, was wir wollten.»</p></blockquote>
<p><div class="question"><h4>Hapig:</h4> <p>Wir haben darüber gesprochen, wie sich der Journalismus, wie sich die redaktionelle Seite der Dinge verändert hat. Wie hat sich denn die Leserschaft in den vergangenen Jahren entwickelt?</p>
</div><div class="answer"><h4>Rusbridger:</h4> <p>Es scheint fast etwas platt, das heute zu sagen, aber vor zwanzig Jahren war das nicht unbedingt offensichtlich: Journalismus bedeutete drei Jahrhunderte lang, dass wir praktisch «senden» konnten, was wir wollten. Man publizierte ein- und dieselbe Nachricht für hunderte, tausende, Millionen von Menschen, und es gab keinen Möglichkeit für diese, darauf zu reagieren. Ausser vielleicht, der Redaktion einen Brief zu schreiben. Journalisten hatten also die totale Kontrolle. So sah die Welt noch aus, als ich 1995 die Leitung des «Guardian» übernahm. Heute gibt es vier Milliarden Menschen auf der Erde, die die Möglichkeit haben, ihre Meinung zu äussern, zu berichten oder das Gelesene in Frage zu stellen. Es war und ist, denke ich, das Schwierigste für Journalisten, diese Tatsache anzunehmen. Wir hatten das Spielfeld lange für uns allein. Und jetzt fordern die Leute uns heraus, beleidigen uns und sind unhöflich zu uns. Oder betätigen sich selbst als Reporter. Ich kann mir nichts vorstellen, das das Gefühl der Exklusivität, das Journalisten so lange Zeit hatten, stärker untergraben würde.</p>
</div></p>

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<p><div class="question"><h4>Hapig:</h4> <p>Was ist Ihrer Meinung nach eine angemessene Reaktion?</p>
</div><div class="answer"><h4>Rusbridger:</h4> <p>Man kann auf verschiedene Arten reagieren. Einige Nachrichtenorganisationen haben sozusagen die Zugbrücke hochgezogen: «Wir wissen, dass die Leserschaft da draussen ist, aber wir wollen nichts von ihnen hören. Wir wissen nicht, wie wir eine Beziehung aufbauen sollen, also wollen wir diese Beziehung lieber gar nicht haben. Und wenn dieses oder jenes auf Twitter über uns gesagt wird, sind wir sind nicht interessiert.» Andere hingegen haben kein Problem damit, mit der Leserschaft zu interagieren und fördern sogar, dass man sie korrigiert. Die sagen dann beispielsweise: «Oh, Sie sind ein Gehirnchirurg. Sie wissen wahrscheinlich mehr über das Thema als unser Medizin-Korrespondent. Vielleicht möchten Sie ja einige unserer Artikel kritisch analysieren, ehe wir sie publizieren?»</p>
</div></p>
<blockquote><p>«Ich habe den Eindruck, dass viele Themen nur noch vor dem Hintergrund einer extremen Polarisierung thematisiert werden.»</p></blockquote>
<p><div class="question"><h4>Hapig:</h4> <p>Glauben Sie denn, dass die Leserinnen und Leser Zeit für so etwas haben; dass ihnen überhaupt noch Zeit und die nötige Aufmerksamkeit für anspruchsvollen, tiefgründigen Journalismus bleiben?</p>
</div><div class="answer"><h4>Rusbridger:</h4> <p>Es mag wie eine weitere Plattitüde klingen, aber in der Tat hat sich in den letzten zehn, fünfzehn Jahren mit der Erfindung von Smartphones und Tablets alles beschleunigt: Die Leute schalten morgens ihr Mobiltelefon ein und wollen den ganzen Tag über pointiert auf dem Laufenden gehalten werden. Der geistige Raum zum Nachdenken; die Zeit, in der man mit Menschen spricht, ein Buch liest oder recherchiert, ist viel weniger geworden. Das bedeutet aber auch, dass der Journalismus – zum Beispiel mit einem Monatsmagazin wie «Prospect» – die Chance hat, diesen Raum wieder zu öffnen. Darüber hinaus halte ich es für essentiell, dass wir dem Motto «escape the echo chamber» folgen. Ich habe den Eindruck, dass viele Themen nur noch vor dem Hintergrund einer extremen Polarisierung thematisiert werden. Aber Dinge sind nicht immer nur links oder rechts, nicht immer nur schwarz oder weiss. Es ist so wichtig, dass die Menschen zwei Seiten einer Frage kennen, drei Seiten einer Frage. In Grossbritannien gibt es zum Beispiel die wichtige Diskussion über die Rechte von Trans-Personen, die sich zunehmend als unmöglich erweist, weil die Argumente von beiden Seiten derart mit Wut und Frustration aufgeladen sind. In <a href="https://www.prospectmagazine.co.uk/issues/january-february-2022" rel="noopener" target="_blank">meiner ersten Ausgabe von «Prospect»</a> sprechen daher <a href="https://www.prospectmagazine.co.uk/essays/gender-wars-two-opposing-perspectives-on-the-trans-and-womens-rights-debate" rel="noopener" target="_blank">Vertreter zweier unterschiedlicher Positionen</a> über das Thema; wir stellen gegenläufige Thesen nebeneinander. In der Hoffnung, dass sich so ein ruhiger, reflektierter Dialog ergibt.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Hapig:</h4> <p>Eine grosse Aufgabe.</p>
</div><div class="answer"><h4>Rusbridger:</h4> <p>Nun, in dem Essay, den ich für die erste Ausgabe des Magazins geschrieben habe, sage ich der Leserschaft: «Wir werden Ihnen nie diktieren, was Sie wählen oder denken sollen.» Aber wir werden den Menschen Optionen geben. Ich empfinde es als grosse Befreiung, dass ich mich nicht für eine Seite entscheiden muss. Und der Sinn des Magazins ist nicht, die eine oder andere Seite des politischen Spektrums zu unterstützen. Ich kann mir gut vorstellen, viele Dinge zu veröffentlichen, bei denen ich persönlich mich unwohl fühle oder mit denen ich nicht einverstanden bin – denn das spielt keine Rolle! Und das ist ungeheuer spannend, weil es bedeutet, dass wir Ideen folgen können, mit denen wir uns selbst ebenso wie unsere Leserschaft herausfordern.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Hapig:</h4> <p>Zum Abschluss möchte ich Sie noch etwas fragen, das Ihr Buch <a href="https://uebenundmusizieren.de/artikel/play-it-again/" rel="noopener" target="_blank">«Play It Again»</a> betrifft. Dort schreiben Sie darüber, wie Sie ein hoch komplexes Chopin-Stück lernten, um sich vom Stress des Berufsalltags zu erholen. Welche Rolle spielt die Musik in Ihrem Leben?</p>
</div><div class="answer"><h4>Rusbridger:</h4> <p>Viele Berufe können zu einer Art der Besessenheit führen; das ganze Leben beherrschen. Und ich denke, das gilt ganz besonders für den Journalismus, denn – naja, Nachrichten gibt es immer. Die Tatsache, dass man Feierabend macht und ins Bett geht hält die Nachrichten nicht davon ab, zu «erscheinen». Man muss also etwas finden, das einem hilft, von Zeit zu Zeit zu «entkommen». Ich lese den ganzen Tag im Büro, deswegen fällt es mir schwer, damit zu entspannen. Meine zwanzig Minuten Musik am Tag helfen mir viel besser, bei klarem Verstand zu bleiben (lacht). Als ich «Play It Again» schrieb, sprach ich mit einer Reihe von Neurowissenschaftlern und bat sie um eine wissenschaftliche Einschätzung: Sie sagten mir, simpel gesprochen, dass man beim Musizieren einfach einen anderen Teil des Gehirns benutzt, und dass das gut ist. In diesen zwanzig Minuten ruht sich der Teil des Gehirns aus, der sonst zwanghaft über Nachrichten nachdenken würde. Ich kann es nicht vollständig beweisen, aber es scheint sehr hilfreich zu sein, um ein Gleichgewicht zu finden.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Hapig:</h4> <p>Da bekomme ich direkt Lust, das auch zu versuchen. Ich habe früher einmal Gitarre gespielt, das aber irgendwann sein gelassen.</p>
</div><div class="answer"><h4>Rusbridger:</h4> <p>Ja. Versuchen Sie es noch einmal. Oder, wie es im Buch heisst: «Play It Again».</p>
</div></p>
<p><small>Das Gespräch führte der Autor am 10. Dezember 2021 via Zoom. Es ist zuerst in der Ausgabe 1-2/2022 von <a href="https://www.werbewoche.ch/de/" rel="noopener" target="_blank">«m&#038;k – Das Magazin für Marketing und Kommunikation»</a> erschienen. Wir bedanken uns für die Möglichkeit, das Interview auch in der MEDIENWOCHE veröffentlichen zu dürfen.</small></p>
<p><small>Bild: Keystone</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2022/03/04/es-ist-wichtig-dass-die-menschen-verschiedene-seiten-einer-frage-kennen/">«Es ist wichtig, dass die Menschen verschiedene Seiten einer Frage kennen»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Zahme Zeitung: Der «Guardian» schwimmt im Mainstream</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2021/05/18/zahme-zeitung-der-guardian-schwimmt-im-mainstream/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2021/05/18/zahme-zeitung-der-guardian-schwimmt-im-mainstream/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Peter Stäuber]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 May 2021 10:00:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[The Guardian]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=88559</guid>

					<description><![CDATA[<p>Noch vor wenigen Jahren wäre der Befund schmeichelhafter ausgefallen. Doch jetzt, anlässlich seines zweihundertsten Geburtstags, muss sich der britische «Guardian» Wankelmut und Opportunismus ins Stammbuch schreiben lassen. Peter Stäuber über linke Kritik am linksliberalen Leitblatt. «200 Jahre Wahrheitssuche» – so lautet der Slogan des «Guardian» zu seinem zweihundertsten Geburtstag. Die renommierte britische Zeitung, die im <a href="https://medienwoche.ch/2021/05/18/zahme-zeitung-der-guardian-schwimmt-im-mainstream/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Noch vor wenigen Jahren wäre der Befund schmeichelhafter ausgefallen. Doch jetzt, anlässlich seines zweihundertsten Geburtstags, muss sich der britische «Guardian» Wankelmut und Opportunismus ins Stammbuch schreiben lassen. Peter Stäuber über linke Kritik am linksliberalen Leitblatt.</strong><br />
<img decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/05/MW-The-Guardian-200-years-20210518b.jpg" alt="" width="1410" height="945" class="alignnone size-full wp-image-88634" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/05/MW-The-Guardian-200-years-20210518b.jpg 1410w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/05/MW-The-Guardian-200-years-20210518b-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/05/MW-The-Guardian-200-years-20210518b-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/05/MW-The-Guardian-200-years-20210518b-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/05/MW-The-Guardian-200-years-20210518b-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1410px) 100vw, 1410px" /><br />
«200 Jahre Wahrheitssuche» – so lautet der Slogan des «Guardian» zu seinem zweihundertsten Geburtstag. Die renommierte britische Zeitung, die im Mai 1821 als «The Manchester Guardian» ihre erste Ausgabe druckte, feiert sich dieser Tage als eine meinungsstarke, unabhängige Zeitung, die niemandem Rechenschaft schuldet ausser der Öffentlichkeit. Ihre Mission sei es, «die Mächtigen zur Verantwortung zu ziehen, ungeachtet der Konsequenzen», schreibt Chefredakteurin <a href="https://www.theguardian.com/media/2021/may/05/guardian-200-anniversary-covid-pandemic-journalism-editor-mission" rel="noopener" target="_blank">Katharine Viner</a> in einem längeren Artikel zum Jubiläum – und nicht selten würden die «Guardian»-Recherchen den Zorn mächtiger Interessenvertreter provozieren, darunter die Polizei, Politiker und Geheimdienste.<br />
</p>
<p>Tatsächlich kann der «Guardian» auf eine beeindruckende Tradition der investigativen Recherche zurückblicken. Seine Berichterstattung hat immer wieder Aufsehen erregt, Debatten angestossen und Politiker unter Zugzwang gesetzt. Besonders mit dem Beginn des digitalen Zeitalters wurde die Publikation zu einer wichtigen Anlaufstelle für Whistleblower – nicht zuletzt aufgrund ihrer globalen Bedeutung (siehe Kasten). Allein im vergangenen Jahrzehnt hat die Zeitung etliche Fälle von institutionellem Machtmissbrauch, dubiosen Finanz-Tricksereien und schweren Verfehlungen der Regierung ans Tageslicht gebracht.</p>
<p>Zu den Highlights zählt der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/News-International-Skandal" rel="noopener" target="_blank">Abhörskandal</a> von 2011, als der «Guardian» aufdeckte, dass Murdoch-Journalisten rechtswidrig Sprachnachrichten von Promis und Privatpersonen abgehört hatten. Die Affäre erschütterte die britische Presse wie kein Ereignis zuvor. Sie führte zur Schliessung des Revolverblatts «News of the World» und zur Inhaftierung seines ehemaligen Chefredakteurs. Auch bei den Enthüllungen der sogenannten Panama- und den Paradise-Papers über Steuerhinterziehung war der «Guardian» federführend beteiligt. Ebenso deckten seine Journalisten auf, dass der britische Staat illegal Terror-Verdächtige in Länder auslieferte, wo sie gefoltert wurden. Und schliesslich sorgte die Zeitung dafür, dass der Whistleblower Edward Snowden 2013 seine Insider-Informationen über die Massenüberwachung der US-amerikanischen und britischen Geheimdienste an die Öffentlichkeit brachte – <a href="https://www.theguardian.com/world/interactive/2013/nov/01/snowden-nsa-files-surveillance-revelations-decoded" rel="noopener" target="_blank">einer der grössten Überwachungsskandale</a> überhaupt.</p>
<blockquote><p>Dass der «Guardian» solche Enthüllungen publizieren kann und damit immer wieder aufs Neue seine Unabhängigkeit von politischen Interessen und Akteuren dokumentiert, ist auch seinem Finanzierungsmodell geschuldet.</p></blockquote>
<p>Im Unterschied zu den anderen grossen britischen Zeitungen wird er nicht von Medienmogulen verlegt, wie etwa die «Times» und die «Sun» von Rupert Murdoch, oder der «Telegraph» der Gebrüder Barclay, die den Chefredakteuren stets auf die Finger schauen.</p>
<p>Der «Guardian» gehört dem Scott Trust Limited, einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung, deren einziger Zweck darin besteht, die finanzielle Zukunft des «Guardian» und der Sonntagszeitung «The Observer» sicherzustellen. Das Stiftungsvermögen, über das der Scott Trust verfügt, beläuft sich auf rund eine Milliarde Pfund. Der Vorstand des Unternehmens hält sich aus allen redaktionellen Entscheidungen zurück: «Der Trust hat offiziell keine Meinungen», schreibt der langjährige (1995­–2015) Chefredakteur <a href="https://www.nybooks.com/articles/2021/05/27/two-centuries-of-the-guardian/?printpage=true" rel="noopener" target="_blank">Alan Rusbridger</a> in der New York Review of Books. Er selbst habe den Vorsitzenden des Scott Trusts zuweilen um Rat gebeten – «aber es stand mir frei, diesen zu ignorieren, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen.» Als manche Parlamentsabgeordneten den Trust zu überreden versuchten, die Berichterstattung über die Snowden-Enthüllungen zu stoppen, erwiderte dieser, dass er «buchstäblich keinerlei Befugnis habe zu intervenieren».<br />
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							<h3 style="margin-bottom:20px;display:block;width:100%;margin-top:10px">Ein Weltblatt </h3>
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							<p>Der «Guardian» ist eine wichtige linksliberale Stimme unter den britischen Medien. Nebst einschlägigen Recherchen, sei es über Korruption in der Unternehmenswelt oder institutionellen Rassismus, berichtet die Zeitung immer wieder ausführlich über britische Sozial- und Gesundheitspolitik. Zudem gibt er linken Kolumnisten eine regelmässige Plattform, darunter Owen Jones und George Monbiot.</p>

<p>Seine Bedeutung geht über die Landesgrenzen hinaus. In den vergangenen Jahren hat sich der «Guardian» als globale Online-Publikation etabliert: «Guardian US», mit einem grossen Redaktionsbüro in New York, wurde 2011 lanciert, zwei Jahre später kam der «Guardian Australia» hinzu. Der «Guardian» zählt weltweit zu den meistgelesenen englischsprachigen Nachrichtenportalen: Mit über 315 Millionen Leser*innen pro Monat kommt er in einem internationalen <a href="https://www.pressgazette.co.uk/top-50-news-websites-most-popular-march-2020-telegraph-biggest-month-on-month-rise/" rel="noopener" target="_blank">Ranking</a> gleich hinter der BBC, CNN, der «New York Times», «Mail Online» und «Yahoo Finance». Die Guardian Media Group, die den «Guardian» und den «Observer» herausgibt, beschäftigt derzeit rund <a href="https://www.pressgazette.co.uk/guardian-job-cuts-covid-19-annual-results/" rel="noopener" target="_blank">1500 Angestellte</a>, davon über 800 in den Redaktionen. (Allerdings kündigte sie im Sommer einen Stellenabbau von 180 Jobs an.)</p>

<p>Bis 1961 wurde der «Manchester Guardian» in der nordenglischen Stadt publiziert, dann folgte der Umzug nach London. 2008 wurde ein neues, modernes Redaktionsgebäude gleich hinter dem Bahnhof King's Cross eröffnet. 2015 trat Katharine Viner als erste Frau den Posten als Chefredakteurin an – sie wurde eingesetzt, nachdem sich eine Mehrheit der Mitarbeiter*innen in einer Abstimmung für sie ausgesprochen hatten. Viner, die seit 1997 bei der Zeitung arbeitet, war zuvor verantwortlich für den Aufbau des «Guardian Australia».</p>						  </div>
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Die Sonderstellung des «Guardian» innerhalb der britischen Medien hat auch damit zu tun, dass er ein linksliberales Blatt inmitten einer konservativ dominierten Presselandschaft ist. Das bringt ihm nicht nur Freunde. In den Worten von <a href="https://www.pressgazette.co.uk/paul-dacre-singles-out-ex-guardian-editor-alan-rusbridger-for-attack-in-society-of-editors-speech/" rel="noopener" target="_blank">Paul Dacre</a>, bis 2018 Chefredakteur der konservativen «Daily Mail», verbindet der «Guardian» «widerliche Selbst-Verherrlichung und moralische Überlegenheit mit einer tief sitzenden Verachtung für den Rest der Presse».</p>
<p>Allerdings wird der «Guardian» auch von links attackiert. Die Zeitung sei «nie ein verlässlicher Verbündeter sozialistischer oder anti-imperialistischer Stimmen» gewesen, und er habe für die Linke niemals «jene Funktion ausgeübt, die die ‹Mail› oder der ‹Telegraph› für die Wähler auf der rechten Seite ausüben», schreibt der Medienwissenschaftler <a href="https://www.gold.ac.uk/media-communications/staff/freedman/" rel="noopener" target="_blank">Des Freedman</a>, Herausgeber des <a href="https://www.plutobooks.com/9780745343358/capitalisms-conscience/" rel="noopener" target="_blank">neuen Buches</a> «Capitalism’s Conscience: 200 Years of the Guardian» (2021). Freedman, der an der Goldsmiths Universität in London unterrichtet, hat eine kritische Analyse des «Guardian»-Journalismus vorgelegt, die sich aus Beiträgen von Akademiker*innen wie auch ehemaligen Guardian-Journalisten zusammensetzt.</p>
<blockquote><p>Nie sorgte der «Guardian» bei der britischen Linken für mehr Frustration als während der Zeit des Parteilinken Jeremy Corbyn als Labour-Vorsitzender von 2015 bis 2019.</p></blockquote>
<p>Gary Younge, der bis 2020 Auslandskorrespondent und Kolumnist beim «Guardian» war, bezeichnet die Publikation als eine Vertreterin des «liberalen Establishments, die nicht besonders links ist, obwohl sie in bestimmten Momenten jene Position einnehmen kann». Während der Corbyn-Jahre sei die Zeitung «zusammen mit dem Rest der Presse im Mainstream» geschwommen. Das habe er in den Redaktionsräumen gemerkt, wo es «rufschädigend war, Corbyn nicht fertigzumachen». Nahm man ihn als Labour-Vorsitzenden ernst, habe man riskiert, selbst nicht ernst genommen zu werden, schreibt Younge.</p>
<p>Selbstverständlich sei die Redaktion des «Guardian» keine Diktatur, sagt Des Freedman im Gespräch mit der Medienwoche. Niemand habe den Journalisten gesagt, was sie zu schreiben haben. «Aber dennoch gab es einige sehr einflussreiche Akteure in leitenden Positionen, die Corbyn gegenüber feindlich eingestellt waren – und diese übertönten jene Stimmen, die in Erfahrung bringen wollen, weshalb Corbyn ein bedeutendes Phänomen ist», sagt Freedman. «Und genau das ist so unglaublich: Es fehlte völlig an der Neugier an diesem Phänomen – dass ein vormaliger Hinterbänkler auf einmal Premierminister werden könnte.»</p>
<p>Damit lief die Berichterstattung auch der erklärten Mission des «Guardian» zuwider: stets die Fakten darzulegen. Seit der ersten Ausgabe des «Guardian» im Jahr 1821 sei es sein Zweck, den Leser*innen die Tatsachen zu übermitteln, damit sie sich eine Meinung bilden können, schreibt Katharine Viner. Laut Freedman hatte der «Guardian» diesen Vorsatz bei seiner Corbyn-Berichterstattung offenbar vergessen:</p>
<blockquote><p>«Er hat nicht die Fakten aufgedeckt und jenes Interesse gezeigt, die wir von einer liberalen Zeitung erwarten können.»</p></blockquote>
<p>Auch ist die Berichterstattung des «Guardian» zu Sicherheitsfragen und Geheimdiensten in den vergangenen Jahren zahmer geworden. Die Investigativjournalisten Matt Kennard und Mark Curtis legen in ihrem Kapitel dar, wie die Nachrichtendienste den «Guardian» nach den Snowden-Enthüllungen unter Druck setzten, um weitere peinliche Leaks zu verhindern. 2013 war der «Guardian» die «einzige grössere Zeitung, auf die sich Whistleblower in den US-amerikanischen und britischen Geheimdiensten verlassen konnten», um ihre Dokumente an die Öffentlichkeit zu bringen – für die Sicherheitsdienste eine unhaltbare Situation.</p>
<p>So machten sie sich daran, die unbequeme Zeitung an die Kandare zu nehmen. Berüchtigt ist die Episode, als Mitarbeiter des britischen Nachrichtendiensts GCHQ, der für die Massenüberwachung verantwortlich war, im «Guardian»-Büro auftauchten und die Redakteure zwangen, die Harddisks mit den Snowden-Dokumenten <a href="https://www.theguardian.com/world/video/2014/jan/31/snowden-files-computer-destroyed-guardian-gchq-basement-video" rel="noopener" target="_blank">mit Hammer und Bohrern zu zertrümmern</a>. Es war eine symbolische Aktion – Kopien des Materials waren längst bei der «New York Times». Aber die Machtdemonstration machte offensichtlich Eindruck: In der Folge bemühte sich der «Guardian», diesen Institutionen nicht mehr zu sehr auf die Füsse zu treten.</p>
<p>So fügte er sich zunehmend den Weisungen der Sicherheitsdienste, insbesondere dem Defence and Security Media Advisory Committee (<a href="https://dsma.uk/" rel="noopener" target="_blank">DSMA</a>), abgekürzt «D-Notice-Komitee». Diese Institution ist ein zentrales Instrument für den britischen Sicherheitsapparat, um über die Presse Einfluss auszuüben, sagt Freedman. Das Komitee, das vom Verteidigungsministerium geführt wird und in dem auch eine Handvoll Journalisten sitzen, hat den Zweck, «versehentliche Veröffentlichung von Informationen zu verhindern, die britische Militär und Geheimoperationen gefährden würden», wie es <a href="https://dsma.uk/how-the-system-works/" rel="noopener" target="_blank">auf der Website heisst</a>. Ist eine Zeitung im Besitz bestimmter geheimer Informationen, kann das Gremium eine «D-Notice» ausgeben, um von der Veröffentlichung abzuraten – keine verbindliche Anordnung, aber eine Aufforderung, der die meisten Zeitungen Folge leisten. Nach der Snowden-Enthüllung beispielsweise gab das Komitee eine D-Notice gegen die Berichterstattung aus – mit der Folge, dass fast alle Zeitungen wie auch die BBC nur am Rand, wenn überhaupt, vom Skandal berichteten.</p>
<p>Der «Guardian», der sich immer wieder quer stellte, war ein Aussenseiter. Aber wenige Wochen nach der Snowden-Affäre meldete das D-Notice-Komitee, dass der «Dialog [mit dem Guardian] vernünftig ist und sich bessert.» Die Annäherung gipfelte darin, dass der «Guardian» selbst ein Redaktionsmitglied ins Komitee entsandte. Seither hat die Zeitung immer wieder gefällige Geschichten über den Sicherheitsapparat publiziert – etwa Interviews mit dem Chef des Inlandgeheimdiensts oder dem der Anti-Terror-Einheit bei der Londoner Polizei. Zudem haben viele erfahrene Geheimdienst-Reporter wie Richard Norton-Taylor oder Ian Cobain die Zeitung mittlerweile verlassen. Des Freedman stellt darum fest:</p>
<blockquote><p>«In den vergangenen fünf Jahren haben die Sicherheitsdienste den ‹Guardian› unter ihre Fittiche genommen».</p></blockquote>
<p>Eine ähnliche Entwicklung lässt sich auch bei der Presseregulierung beobachten. Der «Guardian» hatte die Debatte um Korruption und kriminelle Umtriebe in der britischen Presse mit der Aufdeckung des Murdoch-Abhörskandals zwischen 2009 und 2011 selbst angestossen. Die öffentliche Untersuchung unter dem Vorsitz des Richters Brian Leveson, die darauf folgte, machte im November 2012 eine Reihe von Vorschlägen für eine robustere Regulierung. Unter anderem forderte Leveson, dass die neue Regulierungsbehörde bei Vergehen bedeutende Strafen verhängen könne – und dass die Behörde gesetzlich verankert werden soll. Das stiess bei vielen Verlegern und Redakteuren auf Ablehnung; sie klagten, dass dies einer staatlichen Kontrolle über die Presse gleichkomme. Eine unbegründete Angst: Die Behörde, wie sie Leveson vorschwebte, wäre unabhängig von der Regierung und könnte weder von Ministern noch vom Parlament beeinflusst werden.</p>
<p>Der «Guardian» jedoch hielt sich weitgehend aus der Debatte raus und lehnte es ab, sich entschlossen für die robustere Regulierung einzusetzen, die Leveson empfahl – sehr zum Frust der Opfer des Abhörskandals sowie vieler seiner Leser*innen, wie Natalie Fenton in «Capitalism’s Conscience» schreibt. Ein entscheidender Grund für diesen Sinneswandel sei gewesen, dass der Rest der Presse den «Guardian» in der Folge seiner Enthüllungen mehr oder weniger als Aussätzigen behandelte. Er habe einen unausgesprochenen Kodex gebrochen, laut dem die Presse nicht über die Verfehlungen der Kollegen berichten sollen – ein «System der Omertà, an dem die New Yorker Mafia Gefallen fände», in den Worten des konservativen Journalisten Peter Oborne. Der Abhörskandal hatte das Selbstbild der britischen Presse zertrümmert und offengelegt, dass das System der Medienaufsicht kaum so einwandfrei funktioniere, wie die Branche selbst behauptete, schreibt Fenton. Und die anderen Zeitungen schäumten vor Wut. Anstatt dass der Rest der Presse den Journalisten des «Guardian» gratulierte, «ging man ihnen aus dem Weg, oder, schlimmer, schwärzte sie in Editorials an», schreibt Fenton.</p>
<p>Es gab handfeste Drohungen. Alan Rusbridger schreibt in seinem Buch <a href="https://www.secession-verlag.com/node/1936" rel="noopener" target="_blank">«Breaking News»</a> (2018), dass ihn ein führender Manager eines Zeitungskonzerns aufgefordert habe, sich wie der Rest der Presse den Vorschlägen Levesons zu widersetzen. «Wenn du nicht das tust, was wir wollen, dann will ich nicht in deiner Haut stecken», habe der Manager gesagt. Vor allem bestand laut Fenton die Sorge, dass der Guardian von potenziellen Kollaborationen mit anderen Zeitungen ausgeschlossen bleiben könnte; damals suchte die Branche nach Möglichkeiten, die finanziellen Einbussen durch sinkende Auflagen irgendwie wettzumachen, etwa durch kostensparende Zusammenarbeit.</p>
<p>So krebste der Guardian zurück. Die Zeitung, die zunächst als mutiger Whistleblower aufgetreten war und die Verfehlungen anderer Journalisten ans Tageslicht gebracht habe, legte seine Pfeife weg und passte sich an, schreibt Fenton. Zwar wurde 2013 eine neue Medienaufsicht gegründet, der sich aber nur die wenigsten Zeitungen unterstellten. Die grösseren Titel gründeten eine andere Organisation zur Selbstregulierung, die jedoch ähnlich zahnlos ist wie ihr Vorgänger. Der «Guardian» hat sich keinem der beiden Regulierer angeschlossen. «Die Presseregulierung ist heute genauso schwach wie vor Leveson», sagt Des Freedman. «Hätte der ‹Guardian› sich stattdessen hinter die Leveson-Vorschläge gestellt, wäre die Sache möglicherweise anders ausgegangen.»</p>
<p>Für Freedman ist die Episode typisch für den Guardian und die Art von Liberalismus, die er verkörpert: «Einen Moment lang führt er das Problem vor Augen, aber wenn es darum geht, eine Lösung zu finden – und wir sprechen hier nicht von einer Revolution, sondern von einer effektiven Regulierung – verliert er die Nerven.»</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/05/18/zahme-zeitung-der-guardian-schwimmt-im-mainstream/">Zahme Zeitung: Der «Guardian» schwimmt im Mainstream</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<item>
		<title>«Guardian»-Chefin Katherine Viner: «Wir wollen Hoffnung geben»</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 07 Jun 2019 09:40:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[The Guardian]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als Katharine Viner Chefredakteurin des «Guardian» wurde, schrieb das Blatt große Verluste. Aber sie hatte einen mutigen Plan &#8211; und eine Vision für die Zukunft des Journalismus.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/06/07/guardian-chefin-katherine-viner-wir-wollen-hoffnung-geben/">«Guardian»-Chefin Katherine Viner: «Wir wollen Hoffnung geben»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Als Katharine Viner Chefredakteurin des «Guardian» wurde, schrieb das Blatt große Verluste. Aber sie hatte einen mutigen Plan &#8211; und eine Vision für die Zukunft des Journalismus.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/06/07/guardian-chefin-katherine-viner-wir-wollen-hoffnung-geben/">«Guardian»-Chefin Katherine Viner: «Wir wollen Hoffnung geben»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<item>
		<title>Einstiger Chefredaktor des «Guardian»: «Nur wer phantastischen Journalismus bietet, wird überleben»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2019/05/11/einstiger-chefredaktor-des-guardian-nur-wer-phantastischen-journalismus-bietet-wird-ueberleben/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 11 May 2019 04:14:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[The Guardian]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Er hat die britische Medienszene geprägt und ist vehementer Verfechter eines neuen Qualitätsjournalismus: Alan Rusbridger, Ex-Chefredaktor des «Guardian». Er sagt: Wer bevormundet, verliert. Und wer Lesehungrige durch eine Paywall vom Lesen abhängt, schaufelt am eigenen Grab.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/05/11/einstiger-chefredaktor-des-guardian-nur-wer-phantastischen-journalismus-bietet-wird-ueberleben/">Einstiger Chefredaktor des «Guardian»: «Nur wer phantastischen Journalismus bietet, wird überleben»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Er hat die britische Medienszene geprägt und ist vehementer Verfechter eines neuen Qualitätsjournalismus: Alan Rusbridger, Ex-Chefredaktor des «Guardian». Er sagt: Wer bevormundet, verliert. Und wer Lesehungrige durch eine Paywall vom Lesen abhängt, schaufelt am eigenen Grab.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/05/11/einstiger-chefredaktor-des-guardian-nur-wer-phantastischen-journalismus-bietet-wird-ueberleben/">Einstiger Chefredaktor des «Guardian»: «Nur wer phantastischen Journalismus bietet, wird überleben»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>The Guardian vermeldet erstmalig seit 1998 schwarze Zahlen – und hat nicht mal eine Paywall</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2019/05/02/the-guardian-vermeldet-erstmalig-seit-1998-schwarze-zahlen-und-hat-nicht-mal-eine-paywall/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 May 2019 11:01:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[The Guardian]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>21 Jahre ist es her, dass der britische Guardian schwarze Zahlen geschrieben hat. Nun hat der Medienkonzern, zu dem auch der Observer gehört, einen Gewinn von 800&#8217;000 Pfund vermeldet. Noch vor drei Jahren war es ein dickes Minus im zweistelligen Millionenbereich. Bemerkenswert ist der geschäftliche Umschwung auch deshalb, weil das britische Qualitätsmedium auf eine Paywall <a href="https://meedia.de/2019/05/02/the-guardian-vermeldet-erstmalig-seit-1998-schwarze-zahlen-und-hat-nicht-mal-eine-paywall/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>21 Jahre ist es her, dass der britische Guardian schwarze Zahlen geschrieben hat. Nun hat der Medienkonzern, zu dem auch der Observer gehört, einen Gewinn von 800&#8217;000 Pfund vermeldet. Noch vor drei Jahren war es ein dickes Minus im zweistelligen Millionenbereich. Bemerkenswert ist der geschäftliche Umschwung auch deshalb, weil das britische Qualitätsmedium auf eine Paywall verzichtet.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/05/02/the-guardian-vermeldet-erstmalig-seit-1998-schwarze-zahlen-und-hat-nicht-mal-eine-paywall/">The Guardian vermeldet erstmalig seit 1998 schwarze Zahlen – und hat nicht mal eine Paywall</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>«Guardian»-Chefin Viner: «Wir werden bei all unserer Arbeit sinnstiftend sein»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2017/11/17/guardian-chefin-viner-wir-werden-bei-all-unserer-arbeit-sinnstiftend-sein/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Nov 2017 13:42:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Auf dem Radar]]></category>
		<category><![CDATA[The Guardian]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=50008</guid>

					<description><![CDATA[<p>In einem langen Essay leitet die Chefredaktorin der britischen Zeitungen «Guardian» die Legitimation und die Aufgaben für den Journalismus im 21. Jahrhundert her. Was das für den redaktionellen Alltag bedeutet, fasst Katherine Viner so zusammen: «Wir werden Ideen entwickeln, die helfen, die Welt zu verbessern, nicht nur kritisieren; wir werden mit den Lesern und anderen <a href="https://www.theguardian.com/news/2017/nov/16/a-mission-for-journalism-in-a-time-of-crisis">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/11/17/guardian-chefin-viner-wir-werden-bei-all-unserer-arbeit-sinnstiftend-sein/">«Guardian»-Chefin Viner: «Wir werden bei all unserer Arbeit sinnstiftend sein»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>In einem langen Essay leitet die Chefredaktorin der britischen Zeitungen «Guardian» die Legitimation und die Aufgaben für den Journalismus im 21. Jahrhundert her. Was das für den redaktionellen Alltag bedeutet, fasst Katherine Viner so zusammen: «Wir werden Ideen entwickeln, die helfen, die Welt zu verbessern, nicht nur kritisieren; wir werden mit den Lesern und anderen zusammenarbeiten, um grössere Wirkung zu erzielen; wir werden diversifizieren, um eine reichhaltigere Berichterstattung aus einem repräsentativen Newsroom zu bieten; wir werden bei all unserer Arbeit sinnstiftend sein; und wir werden, um das alles zu untermauern, fair über Menschen und Macht berichten und Sachen herausfinden.»</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/11/17/guardian-chefin-viner-wir-werden-bei-all-unserer-arbeit-sinnstiftend-sein/">«Guardian»-Chefin Viner: «Wir werden bei all unserer Arbeit sinnstiftend sein»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Der totale Vertrauensverlust</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2017/08/06/der-totale-vertrauensverlust/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 06 Aug 2017 08:06:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Auf dem Radar]]></category>
		<category><![CDATA[The Guardian]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der britische «Guardian» zeichnet die Geschichte nach des inzwischen mit Händen greifbaren Vertrauensverlusts der Medien. Was sich mit dem Murdoch-Abhörskandal 2011 andeutete, explodierte förmlich mit dem politischen Chaos auf der Insel im Zuge von Schottland-Referendum, Brexit und Grenfell-Brandkatastrophe. «Die Medien», von den Fundamentalkritikern oft als monolithischer Block adressiert, werden von links bis rechts, von oben <a href="https://www.theguardian.com/media/2017/aug/06/can-you-trust-mainstream-media">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/08/06/der-totale-vertrauensverlust/">Der totale Vertrauensverlust</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der britische «Guardian» zeichnet die Geschichte nach des inzwischen mit Händen greifbaren Vertrauensverlusts der Medien. Was sich mit dem Murdoch-Abhörskandal 2011 andeutete, explodierte förmlich mit dem politischen Chaos auf der Insel im Zuge von Schottland-Referendum, Brexit und Grenfell-Brandkatastrophe. «Die Medien», von den Fundamentalkritikern oft als monolithischer Block adressiert, werden von links bis rechts, von oben und unten für missliebige Entwicklungen verantwortlich gemacht in einem bisher nicht gekannten Mass. Davon profitieren neue Publikationen, die sich aber oft ausserhalb der bisher anerkannten journalistischen Ethik bewegen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/08/06/der-totale-vertrauensverlust/">Der totale Vertrauensverlust</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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