<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Tom Kummer | MEDIENWOCHE</title>
	<atom:link href="https://medienwoche.ch/tag/tom-kummer/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://medienwoche.ch</link>
	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Tue, 15 Jan 2019 11:52:16 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.9.1</generator>
	<item>
		<title>Weltwoche: Tom Kummer ist gar nicht Tom Kummer</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2019/01/15/weltwoche-tom-kummer-ist-gar-nicht-tom-kummer/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 15 Jan 2019 00:44:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Tom Kummer]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=65198</guid>

					<description><![CDATA[<p>Die Weltwoche veröffentlichte einen Text von Tom Kummer zum Fall Relotius. Nun zeigt sich: Der offene Brief an den «Spiegel»-Journalisten stammt gar nicht von Kummer, sondern aus der Feder eines Weltwoche-Autors.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/01/15/weltwoche-tom-kummer-ist-gar-nicht-tom-kummer/">Weltwoche: Tom Kummer ist gar nicht Tom Kummer</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Weltwoche veröffentlichte einen Text von Tom Kummer zum Fall Relotius. Nun zeigt sich: Der offene Brief an den «Spiegel»-Journalisten stammt gar nicht von Kummer, sondern aus der Feder eines Weltwoche-Autors.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/01/15/weltwoche-tom-kummer-ist-gar-nicht-tom-kummer/">Weltwoche: Tom Kummer ist gar nicht Tom Kummer</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Tom Kummer zum Fall Relotius: «… und wenn wir scheitern, dann schon tragisch.»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2018/12/21/tom-kummer-zum-fall-relotius-und-wenn-wir-scheitern-dann-schon-tragisch/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 21 Dec 2018 17:20:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Tom Kummer]]></category>
		<category><![CDATA[Fälschung]]></category>
		<category><![CDATA[Fall Relotius]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=64671</guid>

					<description><![CDATA[<p>Während die vorweihnachtlichen Schlagzeilen vom Fall Claas Relotius beherrscht werden, stellt sich dem Betrachter mitunter die Frage, wie jene öffentlichen Selbstreinigungsakte der Zeitungsmedien eigentlich zu lesen sind &#8211; und was sie mit Blick auf die Geschichte des journalistischen Fakes bedeuten. Wir haben uns darüber mit demjenigen unterhalten, der es am besten wissen muss: Tom Kummer, <a href="http://www.buchjahr.uzh.ch/?p=3534">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/12/21/tom-kummer-zum-fall-relotius-und-wenn-wir-scheitern-dann-schon-tragisch/">Tom Kummer zum Fall Relotius: «… und wenn wir scheitern, dann schon tragisch.»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Während die vorweihnachtlichen Schlagzeilen vom Fall Claas Relotius beherrscht werden, stellt sich dem Betrachter mitunter die Frage, wie jene öffentlichen Selbstreinigungsakte der Zeitungsmedien eigentlich zu lesen sind &#8211; und was sie mit Blick auf die Geschichte des journalistischen Fakes bedeuten. Wir haben uns darüber mit demjenigen unterhalten, der es am besten wissen muss: Tom Kummer, der vor knapp zwanzig Jahren mit fingierten Hollywood-Interviews selbst dem Journalismus ein veritables Skandalon bescherte.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/12/21/tom-kummer-zum-fall-relotius-und-wenn-wir-scheitern-dann-schon-tragisch/">Tom Kummer zum Fall Relotius: «… und wenn wir scheitern, dann schon tragisch.»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Tom Kummer: «‹Bad Boy›, das kommt meinem Wesen nahe»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/08/28/tom-kummer-bad-boy-das-kommt-meinem-wesen-nahe/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 28 Aug 2016 10:26:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Tom Kummer]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=11973</guid>

					<description><![CDATA[<p>Tom Kummer, der mit erfundenen Starinterviews spektakulär aufflog, ist zurück in seiner Heimatstadt Bern. Als Tennislehrer und Romanautor. Auf dem Court gibt sich Tom Kummer unbeeindruckt von seinem Absturz. Protokoll eines misslungenen Gesprächs.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/08/28/tom-kummer-bad-boy-das-kommt-meinem-wesen-nahe/">Tom Kummer: «‹Bad Boy›, das kommt meinem Wesen nahe»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Tom Kummer, der mit erfundenen Starinterviews spektakulär aufflog, ist zurück in seiner Heimatstadt Bern. Als Tennislehrer und Romanautor. Auf dem Court gibt sich Tom Kummer unbeeindruckt von seinem Absturz. Protokoll eines misslungenen Gesprächs.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/08/28/tom-kummer-bad-boy-das-kommt-meinem-wesen-nahe/">Tom Kummer: «‹Bad Boy›, das kommt meinem Wesen nahe»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Tom Kummer: «Welche Wirklichkeit bitte?»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2014/10/03/tom-kummer-welche-wirklichkeit-bitte/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 03 Oct 2014 13:29:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Tom Kummer]]></category>
		<category><![CDATA[Borderline Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=1149</guid>

					<description><![CDATA[<p>Den Journalismus entheucheln. Das wollte Tom Kummer, als er vor über 20 Jahren als «Tempo»-Reporter begann und die objektiven Dinge der Welt in subjektiver Radikalität darstellte. Heute hat er mit solchen Drehungen nichts mehr am Hut. Transatlantische Korrespondenz mit einem legendären Reporter.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/10/03/tom-kummer-welche-wirklichkeit-bitte/">Tom Kummer: «Welche Wirklichkeit bitte?»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Den Journalismus entheucheln. Das wollte Tom Kummer, als er vor über 20 Jahren als «Tempo»-Reporter begann und die objektiven Dinge der Welt in subjektiver Radikalität darstellte. Heute hat er mit solchen Drehungen nichts mehr am Hut. Transatlantische Korrespondenz mit einem legendären Reporter.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/10/03/tom-kummer-welche-wirklichkeit-bitte/">Tom Kummer: «Welche Wirklichkeit bitte?»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>«Wie heisst er, Köppel?»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2013/07/11/wie-heisst-er-koeppel/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2013/07/11/wie-heisst-er-koeppel/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Jul 2013 10:12:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Tom Kummer]]></category>
		<category><![CDATA[Roger Köppel]]></category>
		<category><![CDATA[Das Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Reportagen]]></category>
		<category><![CDATA[Daniel Puntas Bernet]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Promi]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Prominente]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=14734</guid>

					<description><![CDATA[<p>Interviewerfinder Tom Kummer beklagt ein seit zehn Jahren andauerndes Schreibverbot, dabei publiziert er immer wieder in Schweizer Medien. Doch statt seine Verfehlungen einzusehen und aufzuarbeiten, verdrängt er sie, nicht mal an Roger Köppel mag er sich erinnern. Der Mythos Tom Kummer lebt und Tom Kummer lebt vom Mythos Tom Kummer. Zu Besuch bei einer Lesung <a href="https://medienwoche.ch/2013/07/11/wie-heisst-er-koeppel/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/07/11/wie-heisst-er-koeppel/">«Wie heisst er, Köppel?»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Interviewerfinder Tom Kummer beklagt ein seit zehn Jahren andauerndes Schreibverbot, dabei publiziert er immer wieder in Schweizer Medien. Doch statt seine Verfehlungen einzusehen und aufzuarbeiten, verdrängt er sie, nicht mal an Roger Köppel mag er sich erinnern. Der Mythos Tom Kummer lebt und Tom Kummer lebt vom Mythos Tom Kummer. Zu Besuch bei einer Lesung in Berlin.<br />
<span id="more-14734"></span><br />
Was ist schon Wahrheit? Das MEDIENWOCHE-Gespräch mit Helmut-Maria Glogger ist übertitelt mit <a href="https://medienwoche.ch/2013/06/26/alle-moechten-mit-mir-befreundet-sein/">«Alle möchten mit mir befreundet sein»</a>. Im Text dann findet sich der Satz «Alle, über die ich geschrieben habe, möchten mit mir mehr befreundet sein als ich mit ihnen». Tatsächlich gesagt hat er wohl einen irgendwie ähnlichen Satz oder auch zwei, vermutlich in Dialekt, womöglich mit Füllwörtern, Pausen oder Ähs. So sprechen wir Menschen. Journalisten haben die Aufgabe, die gefallenen Sätze in eine gefällige Form zu bringen, ohne den Inhalt zu verfälschen. Doch was ist noch eine zulässige Verkürzung und was schon eine unzulässige Verfälschung? Darüber streiten sich Journalisten mit Gesprächspartnern und Pressestellen jeden Tag.</p>
<p>Tom Kummer hat nicht unzulässig verkürzt, er hat unzulässig verlängert oder einfach erfunden. Öffentlich bezweifelte zuerst der <a href="https://www.focus.de/kultur/medien/presse-frei-erfunden-nie-gefuehrt_aid_183541.html">Focus im Mai 2000</a> die Echtheit von Interviews, die er mit Sharon Stone, Kim Basinger, Brad Pitt und Courtney Love geführt zu haben vorgibt. Mit oder ohne Wissen der Redaktion? «Das Verhältnis zwischen uns blieb ungeklärt», sagt Tom Kummer dazu in Berlin, sie seien süchtig gewesen nach dem Stoff, den er geliefert hat, nach den Bändern hätten sie nie gefragt. Roger Köppel, der mehrere Interviews im Magazin des Tages-Anzeigers druckte, bevor er nach einem Jahr misstrauisch wurde, Kummer auf die Schliche kam und die Zusammenarbeit beendete, sagte dazu im <a href="https://medienwoche.ch/2011/11/25/ich-misstraue-der-masse/">MEDIENWOCHE-Interview</a>:</p>
<blockquote><p>«Kummer erzählte danach gerne, dass er seine Stücke mit Wissen der Chefredaktoren als Kunstform verkaufte – das ist eine dreiste Lüge. Schliesslich verrechnete er dafür Spesen – die waren sehr real und kein artistisches Konzept.»</p></blockquote>
<p>Wir sitzen im Freitag-Store in Berlin, ich konfrontiere Kummer mit diesem Zitat, <a href="https://soundcloud.com/ronniegrob/tom-kummer-an-einer-lesung-in">er antwortet so</a> (ab 0:40 Minuten):</p>
<p><iframe width="100%" height="166" scrolling="no" frameborder="no" src="https://w.soundcloud.com/player/?url=http%3A%2F%2Fapi.soundcloud.com%2Ftracks%2F99507439%3Fsecret_token%3Ds-Ubocq&amp;color=ff6600&amp;auto_play=false&amp;show_artwork=false"></iframe></p>
<blockquote><p>«Der Spesen-Vorwurf ist natürlich gravierend [Gelächter im Publikum]. Vergessen wir dabei, dass ich natürlich recherchiert habe für die Interviews (und auch wirklich, wie ich finde, Spesen verdient habe). Es ist ein total bescheuerter Vorwurf, weil … ich habe … ich kann mich auch gar nicht mehr richtig erinnern, wie das ablief eigentlich. Aber, wie heisst er, Köppel? Köppel nimmt das immer wieder auf, ich denke, das ist seine einzige Verteidigungsstrategie in diesem Fall. Er hat immerhin etwa 15 Interviews gedruckt von mir, nie nach Bändern gefragt, nie nach irgendwelchen Beweiselementen &#8211; und er sagt, es habe etwas mit Vertrauen zu tun. Wie ich schon gesagt habe, das Verhältnis mit den Redaktionen war nicht definiert, sie haben die Geschichten auf die Titelblätter gebracht und offenbar hat es für die Chefredaktion auch funktioniert.»</p></blockquote>
<p>Kummer sieht blendend aus an diesem Juniabend, ein braungebrannter California Boy, von dem niemand denken würde, dass er schon 50 Jahre alt ist. Gewisse Sätze spricht er aus wie ein Amerikaner, der gerade deutsch lernt, auch Hollywood kommt als Halliwud aus seinem Mund. Er trägt schwarze Converse, blaue Jeans, später dann auch seine dickrandige schwarze Brille. Und ein ausgewaschenes graues T-Shirt mit dem Schriftzug «Woodstock», über dem ein gelber Vogel auf einer Gitarre steht.</p>
<p>Über seinen Auftritt in Berlin geschrieben wurde einige Artikel, in den Leads dazu heisst es: «Ein Gefallener kehrt zurück» (<a href="http://www.spex.de/2013/07/01/tom-kummer-borderline-reportagen-lesung/">spex.de</a>), «Jetzt hat er wieder eine Reportage geschrieben» (<a href="http://www.tagesspiegel.de/medien/tom-kummer-zu-gast-in-berlin-hey-seid-ihr-bekifft-/8422366.html">tagesspiegel.de</a>), «jetzt ist er wieder da» (<a href="http://berlinergazette.de/tom-kummer-wirklichkeit/">berlinergazette.de</a>). Tatsächlich war er nie weg, seine Rückkehr ist ein Mythos, wie auch seine Abwesenheit: <a href="https://www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=2001/01/10/a0177">Schon 2001</a> durfte er wieder Kolumnen schreiben für das inzwischen aufgegebene Post-Portal yellowworld.ch. 2003 verfasste er drei Reportagen für den Trend-Bund der «SonntagsZeitung», von 2007 bis 2009 neun lange Texte für den «Bund» und am 5. Februar 2009 eine Reportage über die Super Bowl in der WOZ. 2005 gründete er übrigens die «School of Borderline Journalism». Bei Borderline-Journalismus, erzählte er damals der Werbewoche, handle es sich um eine «Sonderform des New Journalism».</p>
<p>Mal sagt Kummer, er sei kein Journalist, mal bezeichnet er sich als einer, und das am gleichen Abend. Ein Borderline-Journalist sei er aber keiner, dieser Titel sei ihm von den Medien angehängt worden, auch um ihn zu isolieren:</p>
<blockquote><p>«Ich sehe mich als erzählenden Journalist, vielleicht als Schriftsteller. Das einzig Borderline-ige war das Verhältnis zu den Redaktionen. (&#8230;) Das Spannende am Journalist sein für mich ist, dass man mit einer sehr festgefahrenen Form, dieser Objektivitätserwartung des Lesers, spielen kann. Das mag ein gemeines Spiel sein, für einige ein faszinierendes Spiel. Es gibt viele Leser, die sich genau das wünschen, dieses Spiel zwischen Wirklichkeit und Fiktion. Diese nicht definierte Position des erzählenden Journalisten finde ich spannender als die des Schriftstellers.»</p></blockquote>
<p>Überhaupt, die Leser hätten sich nie beklagt über seine Texte, nur die Journalisten. Das sei heute noch so, bestätigt Daniel Puntas Bernet von «Reportagen». Die im aktuellen Heft abgedruckte Tom-Kummer-Geschichte über den Grenzzaun zwischen Mexiko und den USA habe sehr viele positive Reaktionen ausgelöst: «Wir haben nur zwei negative Rückmeldungen gekriegt, beide von Journalisten.» Der Roadtrip unter dem Titel <a href="http://reportagen.com/content/borderline">«Borderline»</a> wurde mit einem Vorwort als Beipackzettel versehen: Kummers Wort, keine «Anreicherung der Realität» betrieben zu haben, sei «derselbe Grad des Vertrauens, den wir auch allen anderen Autoren zukommen lassen». «Obwohl wir nicht selbst auf seiner Reise mit dabei waren, können wir sie immerhin anhand der Fotos nachvollziehen, die Kummer unterwegs geschossen hat.»</p>
<p>Er habe Personen immer intelligenter gemacht, als sie möglicherweise sind, sagt Kummer, und das könnte ein Grund sein, warum es kaum je zu Protesten gekommen ist &#8211; die Stars, die Agenten, die Redaktoren, die Leser, glauben möchten das alle gerne. Was Wahrhaftigkeit angeht, dürfen sich alle an die eigene Nase fassen, gibt es doch kaum jemanden, der die wahrgenommene Realität noch nie etwas zugespitzt hat, um eine bessere Wirkung zu erzielen. Aus dem Publikum fragt einer, ob er auch schon Protagonisten gecastet habe. Es sei doch durchaus Usus bei grossen Reportagenschreibern, einige für eine Geschichte in Frage kommende Personen zuerst mal zu casten, und dann mit einer von ihnen die Geschichte zu machen. Tom Kummer hat davon noch nie gehört (ich bisher auch nicht).</p>
<p>Nach der Veranstaltung gibt es Biere, auf denen «Bier» steht und Weissweinschorlen auf denen «Weinschorle» steht, ein Besucher, ein Leser, bemerkt, dass Tom Kummer stets Ausflüchte hat, sobald ihn jemand festnageln will. So ist es: In den dreizehn Jahren seit dem Skandal ist ihm nichts besseres als die Verdrängung eingefallen. Statt die Geschichte mal ehrlich aufzuarbeiten, lässt er es bis heute zu, sich von diesen Fragen in unangenehmer Weise löchern zu lassen. Spricht man ihn konkret auf Fakten an, windet er sich, entzieht er sich, blockt er ab. «Ich hatte zehn Jahre lang Schreibverbot, ist das nicht genug?», sagt er dann, «die Entrüstung ist mir auch zehn Jahre danach nicht erklärbar», und: «Es sind nun dreizehn Jahre vergangen seit dieser Affäre, ich mag mich nicht mehr erklären. Das ist jetzt Pressegeschichte.»</p>
<p>Der Mythos Tom Kummer lebt und Tom Kummer lebt vom Mythos Tom Kummer. Jedes Jahr werden journalistische Neueinsteiger mit den Taten bekannt gemacht, von denen sein Ruf lebt und über die er nicht mehr sprechen möchte. «Kummer ist Unterrichtsgegenstand, wenn man Journalismus studiert», bemerkt Puntas. Es überrascht nicht, dass die Lesung rappelvoll ist mit Menschen um die 30, die alle diesen doch sehr sympathischen <a href="http://www.imdb.com/title/tt1692183/">«Bad Boy»</a> sehen wollen. Ein Image, das Kummer selbst und jene, die ihn in ihren Veröffentlichungen aufnehmen, sorgfältig und ausdauernd pflegen.</p>
<p>Diese Marke, dieser Mythos ist nach wie vor stark und zieht verlässlich Aufmerksamkeit an. Seine Story heisst auch 2013 «Borderline», wie kokett, wie vorhersehbar, wie langweilig. Kommt auch noch mal etwas Neues? Will er seinen Lebensabend damit verbringen, den Mythos zu pflegen und ihm auch noch den letzten Cent abzupressen? Werden sich Leute wie ich damit beschäftigen und ihm dabei behilflich sein? Oder hat er die Kraft, sich neu zu erfinden?</p>
<p>Als Schreiber hat Tom Kummer eine Zukunft verdient, denn schreiben kann er sehr gut, und er tut es auch: «Ich schreibe unter Pseudonymen, in Blogs, in den USA, in Kunstkatalogen». Vielleicht ist er ja längst wieder zurück in der Welt des Journalismus. Ein ungeläuterter Tom Kummer bleibt ein guter Schriftsteller, aber Journalist sollte einer, der die Suche nach der Wahrheit als Faktenhuberei belächelt, wohl besser nicht sein, auch nicht unter Pseudonym.</p>
<p>Bei aller berechtiger Kritik nicht vergessen sollte man:</p>
<p>&#8211; Kummer hat stets bestens unterhalten, was man leider von den wenigsten Schweizer Journalisten behaupten kann.</p>
<p>&#8211; Kummer hat ein Motiv für seine Taten, nämlich die unerträgliche Ödnis PR-getriebener «Star»-Interviews.</p>
<p>&#8211; Kummer hat die Herren, die seine Werke druckten und als Journalismus durchgehen liessen, einfach herrlich genarrt, mit oder ohne ihr Wissen.</p>
<p><small>Die Lesung in der Reihe <a href="http://www.freitag.ch/amdonnerstag">&#8222;Freitag am Donnerstag&#8220;</a>, eine Kooperation des Magazins «Reportagen» und der Taschenmanufaktur «Freitag», fand am 27. Juni 2013 im Freitag-Store an der Max-Beer-Strasse 3 in Berlin statt.</small></p>
<p>Siehe dazu auch: <a href="https://medienwoche.ch/2013/07/11/ohne-ruecksicht-auf-verluste/">Tom Kummer &#8211; Ein Blick in das Archiv</a></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/07/11/wie-heisst-er-koeppel/">«Wie heisst er, Köppel?»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://medienwoche.ch/2013/07/11/wie-heisst-er-koeppel/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>4</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>«Ohne Rücksicht auf Verluste»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2013/07/11/ohne-ruecksicht-auf-verluste/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2013/07/11/ohne-ruecksicht-auf-verluste/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Jul 2013 10:10:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Tom Kummer]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=14827</guid>

					<description><![CDATA[<p>Ein Blick in das Archiv zeigt, wie Tom Kummer jene narrte, die seine Texte druckten und als Journalismus verkaufen liessen. Charles Bronson sprach über seinen Garten, Bruce Willis über die Hirschjagd und Joaquin Phoenix über sich liebende Hunde. Das Vorwort der im Juli 1997 im Deutschen Taschenbuch Verlag (dtv) erschienenen Interviewsammlung «Gibt es etwas Stärkeres <a href="https://medienwoche.ch/2013/07/11/ohne-ruecksicht-auf-verluste/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/07/11/ohne-ruecksicht-auf-verluste/">«Ohne Rücksicht auf Verluste»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ein Blick in das Archiv zeigt, wie Tom Kummer jene narrte, die seine Texte druckten und als Journalismus verkaufen liessen. Charles Bronson sprach über seinen Garten, Bruce Willis über die Hirschjagd und Joaquin Phoenix über sich liebende Hunde.</strong></p>
<p>Das Vorwort der im Juli 1997 im Deutschen Taschenbuch Verlag (dtv) erschienenen Interviewsammlung «Gibt es etwas Stärkeres als Verführung, Miss Stone?» beginnt Ulf Poschardt, heute in der <a href="http://www.welt.de/services/article7893735/Impressum.html">Chefredaktion der «Welt»</a>, mit dem Satz «Einsames Denken ist armes Denken» &#8211; er erwähnt darin Platon und zitiert einen Text von Ludwig Feuerbach aus dem Jahr 1843. Ein aus heutiger Sicht wunderbares Stück, aus dem wir nur die allerbesten Passagen zitieren möchten:</p>
<blockquote><p><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2013/07/stone-194x300.jpg" alt="" title="Titelseite von «Gibt es etwas Stärkeres als Verführung, Miss Stone?» (dtv, 1997)" width="194" height="300" class="alignright size-medium wp-image-14798" />Wer mit Stars spricht, trifft meist auf Menschen, die Tausende von Interviews gegeben haben. Er hat es mit Leuten zu tun, für die Informations- vermittlung Routine geworden ist und die sich, ebenso wie die Journalisten, mit ihrer Rolle abgefunden haben. Diese Menschen sind erst einmal überrascht, wenn sie einem Gesprächspartner und nicht einem Fragensteller gegenübersitzen. Sie sind überrascht und herausgefordert zugleich. Wer die Herausforderung annimmt &#8211; so zeigen es die nachfolgenden Texte &#8211; wird reich belohnt: Er sieht, wie seine Welt in Bewegung gerät und rotiert; er denkt beim Sprechen, spricht beim Denken, muss zuhören und reagieren, muss antworten und fragen zugleich. Ein Star, der mit Tom Kummer spricht, lernt. Und wie man sieht, hat das vielen Spass gemacht. Von Pamela Anderson bis Johnny Lydon, von Sharon Stone bis Quentin Tarantino.<br />
Für den Leser wie für die Redaktionen, die Tom Kummer beliefert, sind die Ergebnisse gewöhnungsbedürftig. Zu sehr hat sich bei ihnen die Routine aus traditionellen Interviews als nicht hinterfragte Erwartung eingeschlichen. (…)</p>
<p>Wer die penible Art der Vorbereitung kennt, die sich Tom Kummer vor jedem Interview abnötigt, weiss, dass solche Dialoge harte Arbeit sind. Sie beginnt mit der gewissenhaften Anhäufung von Wissen, steigert sich zu höchster Konzentration während des Interviews und endet schliesslich mit dem stilistischen Feilen beim Abschreiben der Bänder. (…)</p>
<p>Kummer hat sich entschieden, im Rahmen des klassischen Journalismus seine Autorenschaft einzubringen und ihr Spass und Intelligenz zu injizieren. Ohne Rücksicht auf Verluste &#8211; und, wie dieses Buch beweist, mit Erfolg.</p></blockquote>
<p>Was von Tom Kummer ist echt und was nicht? So genau weiss man das bis heute nicht, es gibt kein Gerichtsverfahren, das Klarheit geschaffen hätte. Die Vergehen der Beteiligten sind nicht klar umrissen, sie ziehen es vor, über die genauen Details zu schweigen. Dem Film <a href="http://www.imdb.com/title/tt1692183/?ref_=fn_al_tt_1">«Bad Boy Kummer»</a> von Miklós Gimes stand nur Kummer selbst zur Verfügung, und auch der zieht es bis heute vor, in den entscheidenden Fragen eine ausweichende Haltung einzunehmen.</p>
<p>Neben Reportagen aus Oklahoma, Mürren und Mexiko (zwei verschiedene), Interviewverwertungen und anderen Texten, oft über 20&#8217;000 Zeichen) druckte «Das Magazin» Tom-Kummer-Interviews mit &#8230;</p>
<ul>
<li>Sean Penn (04.05.1996)</li>
<li>Johnny Rotten (John Lydon, 22.06.1996)</li>
<li>John McEnroe (06.07.1996)</li>
<li>Dennis Rodman (09.11.1996)</li>
<li>Quentin Tarantino (15.03.1997)</li>
<li>Johnny Depp (26.04.1997)</li>
<li>David Hockney (28.06.1997)</li>
<li>Charles Bronson (06.09.1997)</li>
</ul>
<p>Der damalige «Magazin»-Chefredaktor hiess René Bortolani. Von Oktober 1997 bis zum Juli 2001 übernahm Roger Köppel die Verantwortung:</p>
<ul>
<li>Mike Judge (22.11.1997)</li>
<li>Tommy Hilfiger (29.11.1997)</li>
<li>Demi Moore (21.02.1998)</li>
<li>Fredi M. Murer (07.03.1998)</li>
<li>Pam Grier (11.04.1998)</li>
<li>Rodney King (30.05.1998)</li>
<li>Joaquin Phoenix (06.06.1998)</li>
<li>David Duchovny (08.08.1998)</li>
<li>Rod Martin (Kurzinterview, 21.11.1998)</li>
<li>Mariko Mori (21.11.1998)</li>
<li>Joe Coleman (12.12.1998)</li>
<li>Bruce Willis (16.01.1999)</li>
<li>Julia Hill, genannt Butterfly (13.02.1999)</li>
<li>Charlize Theron (13.03.1999)</li>
</ul>
<p>«Jung und gefrässig», ein Stück über die Agenten in Hollywood, vom 24. April 1999, 24314 Zeichen, war die letzte Publikation. Danach blieb das Magazin ein Jahr lang Kummer-frei, bevor Roger Köppel am 27. Mai 2000 sein Editorial der «Causa Kummer» widmete:</p>
<blockquote><p>«Das Magazin» hat sich im Frühjahr 1999 fristlos von Tom Kummer getrennt, nachdem in einer nicht publizierten Reportage gravierende Unzulänglichkeiten zu Tage getreten waren. Beweise für gefälschte Interviews, die Kummer in diversen deutschen Magazinen, aber auch in Buchform bei dtv publiziert hatte, lagen damals keine vor. Diese Situation hat sich durch den Bericht in «Focus» und die offenbar verbrieften Aussagen der Hollywoodagenten nun geändert. Wir haben bisher vergeblich versucht, Tom Kummer für eine Stellungnahme in dieser Sache zu erreichen. Wir werden aber unsere Leserschaft über den Fortgang der Ermittlungen auf dem Laufenden halten. Schon jetzt möchte ich mich im Namen des «Magazins» für die unwissentliche Verbreitung von gefälschten Beiträgen bei allen Leserinnen und Lesern entschuldigen. Auch wir haben uns von einem begnadeten Märchenerzähler verführen lassen.</p></blockquote>
<p>Märchen, die von Elitejournalisten redigiert und gedruckt wurden. Hier ein paar Auszüge aus den im «Magazin» des Tages-Anzeigers erschienenen Interviews:</p>
<blockquote><p><strong>Welche Sempervivum mögen Sie am besten?</strong><br />
Jupiterbart, diese mittelgrossen, auffälligen Rosetten von dunkler, schwarz-purpurner Farbe. Ihre äusseren Blätter haben eine grünliche Spitze. Sie sind glatt, lang und dünn und sehr spitzig. Ich bin richtig vernarrt in sie. Die silbrigen Randwimpern kontrastieren gut zur Blattfarbe.</p></blockquote>
<p><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Bronson">Charles Bronson</a>, erschienen am 6. September 1997</p>
<blockquote><p><strong>Ihre Stimme gilt als sexy, weil sie leicht verkommen wirkt.</strong><br />
Mein Vater hat zu mir einmal gesagt: Du sprichst wie ein Typ und starrst wie eine Nymphomanin, so gehst du mir nicht aus dem Haus. Ich bin trotzdem gegangen.</p></blockquote>
<p><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Demi_Moore">Demi Moore</a>, erschienen am 21. Februar 1998</p>
<blockquote><p><strong>Was sind das für Frauen, die mit Ihnen heute in Kontakt kommen möchten?</strong><br />
Das kann ich Ihnen ziemlich genau erklären, weil mir immer wieder die gleiche Scheisse passiert. Ich sitze irgendwo in einem Lokal. Frauen setzen sich zu mir und wollen meine Geschichte hören. Sie flirten mit mir, aber ich begreife das nicht gleich. Plötzlich rufe ich meine Frau zu Hause an, sage ihr, dass es später wird und dass sie nicht auf mich warten soll. Und plötzlich &#8211; ganz ehrlich &#8211; finde ich mich mit so einer Frau im Bett. Das habe ich aber gar nicht vorgehabt. Alles läuft dann wie am Schnürchen ab. Die Frauen sind stolz darauf, mit Rodney King ins Bett zu gehen. Erst viel zu spät wird mir klar, dass ich so eine Frau ziemlich hart gevögelt habe. Zweimal, dreimal. Aber warum? Weil ich einfach kein freier Mensch mehr bin. Weil man mich fertigmachen will.</p></blockquote>
<p><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rodney_King">Rodney King</a>, erschienen am 30. Mai 1998</p>
<blockquote><p><strong>Glaubst du, wenn Hunde es miteinander treiben, dann lieben sie sich auch?</strong><br />
Also, sie haben bestimmt keine Bedenken gegen oralen Sex, wenn du mich fragst. Ich bin sogar ganz sicher, dass sie sich lieben. Besonders im Sonnenlicht, im goldenen Sonnenlicht von Kalifornien, da ficken Hunde nicht einfach so. Hunde sind göttlich, GOD &#8230; DOG &#8211; Gott rückwärts buchstabiert. Meine Güte, jetzt reden wir schon fast wie Tiere.</p></blockquote>
<p><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Joaqu%C3%ADn_Phoenix">Joaquin Phoenix</a>, erschienen am 6. Juni 1998</p>
<blockquote><p><strong>Sie liegen also neben Ihrer Frau. Und wenn Sie merken, dass Thea nicht einschlafen kann. Was dann?</strong><br />
Wenn ich spüre, dass sie sich mit bösen Gedanken quält, dann massiere ich ihre Stirn, bis sie einschläft. Wenn sie immer noch unruhig bleibt, was ganz selten geschieht, dann versuche ich, sie zu erotisieren. Lehnt sie ab, dann weiss ich, dass ihr niemand helfen kann. Dann lasse ich sie einfach in Ruhe. Es hat dann keinen Sinn, ihr irgendwelche Ratschläge zu erteilen. Es ist dann viel besser, ganz ruhig auf meiner Seite wegzutauchen.</p></blockquote>
<p><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/David_Duchovny">David Duchovny</a>, erschienen am 8. August 1998</p>
<blockquote><p><strong>Ich würde ganz gerne wissen, wie Ihr Alltag ohne Demi aussieht?</strong><br />
Ich war gerade auf Hirschjagd in den Bergen. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.<br />
<strong>Waren Sie erfolgreich?</strong><br />
Ich bin über einen toten Biber gestolpert. Das war alles.</p></blockquote>
<p><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Bruce_willis">Bruce Willis</a>, erschienen am 16. Januar 1999</p>
<blockquote><p><strong>Butterfly, wie pflegst du deinen Körper?</strong><br />
Manchmal reibe ich meine Haut mit abgefallener Rinde ein. Oder auch mit dem Kot eines Bussards, der sein Nest weiter oben eingerichtet hat. Eigentlich pflege ich mich innerlich, nicht äusserlich. Vielleicht ist das mein Geheimnis.</p></blockquote>
<p><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Julia_Hill">Julia Butterfly Hill</a>, erschienen am 13. Februar 1999</p>
<blockquote><p><strong>Hat Geld deine Karriere beeinflusst?</strong><br />
Indirekt ja. Nach zwei Wochen in Hollywood wurde mir ein Check aus New York nachgeschickt, Geld, das ich mir bei einem Modeljob verdient hatte, 1200 Dollar. Der Kassier bei der First Interstate auf dem Sunset Boulevard verweigerte mir die Auszahlung, weil der Check aus New York kam. Da bin ich geplatzt. Ich habe diesen verdammten Kassier angeschrien, wie ich noch nie jemanden angeschrien habe. Endlich hatte ich ein Gesicht gefunden, in das ich meine ganze Frustration hineinbrüllen konnte. Am liebsten hätte ich ihn zu Brei geschlagen, dabei fiel ich fast um, weil ich hochhackige Schuhe trug und ein enges Kleid. Ich trat mit den Füssen gegen die Schaltertür. Der Kassier hatte längst die Polizei gerufen. Und ich sagte ihm, wenn das verdammte Sicherheitsglas nicht zwischen uns wäre, dann würde ich ihm die Worte mit der Faust ins Maul schlagen. Ich sass wie ein Haufen Elend am Boden.</p></blockquote>
<p><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Charlize_Theron">Charlize Theron</a>, erschienen am 13. März 1999</p>
<p>Aus heutiger Sicht liest sich das recht lustig, doch Bortolani, Köppel und Poschardt haben diese Interviews über viele Monate hinweg gedruckt und, natürlich, als Wahrheit verkauft. Wo waren die Zweifel dieser Herren, die der anderen Redaktoren, die der Leser? Warum wurde Kummer nie verklagt? Es ist eine Kaffeefahrtweisheit, aber ohne Leute, die sich täuschen lassen, können sich Täuscher nicht entfalten.</p>
<p>Ich möchte nicht sagen, dass mir so etwas nie passieren könnte. Aber wenn sich Chefredaktoren so täuschen lassen können (oder doch wollen?), was für Quatsch wird wohl aktuell so gedruckt, gesendet, gebloggt?</p>
<p>Siehe dazu auch: <a href="https://medienwoche.ch/2013/07/11/wie-heisst-er-koeppel/">Tom Kummer &#8211; Eine Lesung in Berlin</a></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/07/11/ohne-ruecksicht-auf-verluste/">«Ohne Rücksicht auf Verluste»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://medienwoche.ch/2013/07/11/ohne-ruecksicht-auf-verluste/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>5</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>«Ich misstraue der Masse»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/11/25/ich-misstraue-der-masse/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2011/11/25/ich-misstraue-der-masse/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 25 Nov 2011 10:03:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gespräche]]></category>
		<category><![CDATA[Roger Köppel]]></category>
		<category><![CDATA[Axel Springer]]></category>
		<category><![CDATA[Christoph Blocher]]></category>
		<category><![CDATA[Tom Kummer]]></category>
		<category><![CDATA[Rudolf Augstein]]></category>
		<category><![CDATA[Weltwoche]]></category>
		<category><![CDATA[SVP]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=5635</guid>

					<description><![CDATA[<p>Weltwoche-Verleger und -Chefredaktor Roger Köppel ist eine der schillerndsten Persönlichkeiten in den Schweizer Medien. Von der Branche als unverbesserlicher Rechtsausleger abgestempelt, zeigt sich Köppel im grossen Medienwoche-Interview auch von seinen überraschenden Seiten. So erklärt er, weshalb er auch linke und grüne Politiker wählt, wie das genau gemeint war, als er vor elf Jahren das Ende <a href="https://medienwoche.ch/2011/11/25/ich-misstraue-der-masse/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/11/25/ich-misstraue-der-masse/">«Ich misstraue der Masse»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Weltwoche-Verleger und -Chefredaktor Roger Köppel ist eine der schillerndsten Persönlichkeiten in den Schweizer Medien. Von der Branche als unverbesserlicher Rechtsausleger abgestempelt, zeigt sich Köppel im grossen Medienwoche-Interview auch von seinen überraschenden Seiten. So erklärt er, weshalb er auch linke und grüne Politiker wählt, wie das genau gemeint war, als er vor elf Jahren das Ende der SVP herbeischrieb und warum er noch nie einen Marathon gelaufen ist.<br />
<span id="more-28947"></span><br />
<strong>Herr Köppel, Sie sind jetzt 46 Jahre alt. Sie sind, so sehen das gerade in Deutschland viele, der wichtigste oder wenigstens bekannteste Schweizer Journalist. Sind Sie am Höhepunkt ihres Lebens, ihrer Karriere angelangt? Oder was kommt noch?</strong><br />
Ich stelle mir diese Frage eigentlich nicht, ich habe nie Karriereplanung betrieben. Das Gefühl, ich hätte alles erreicht und könne mich jetzt zurücklehnen, habe ich auf jeden Fall nicht. Im Gegenteil: Ich bin Unternehmer und muss mich behaupten im Konkurrenzkampf gegen starke Mitkonkurrenten. Ob der Zenit überschritten ist, das sieht man dann erst im Rückblick, das weiss ich nicht (lacht).</p>
<p><strong>Die Weltwoche wird immer wieder angegriffen, nun auch mit Mitteln des Cyberkriegs. Die Website Weltwoche.ch war Anfang November von verschiedenen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Denial_of_Service">Distributed Denial of Service (DDoS)</a>-Attacken betroffen und fast eine Woche nicht erreichbar. Was ist geschehen?</strong><br />
Ich weiss es nicht genau, ehrlich gesagt. Aber es handelt sich offenbar um eine hinterlistige, gemeine Attacke, die mit grosser Firepower geführt wurde. Unser Provider hat mit viel Einsatz versucht, das Problem zu beheben, doch das hat sich als sehr schwierig herausgestellt. Das Ereignis hat meine Vorurteile gegenüber dem Internet als Tummelfeld von Wahnsinnigen und Anonymen, die aus dem Hinterhalt agieren, verstärkt &#8211; womit ich keineswegs alle, die sich im Internet betätigen, in Sippenhaft nehmen möchte. Ich bin bestürzt über den Angriff: Die Weltwoche ist ein Blatt der Meinungsäusserungsfreiheit, und auch wenn man inhaltlich nicht mit uns einverstanden ist, so ist das noch lange kein Grund, uns die Scheiben einzuwerfen.</p>
<p><strong>Der Angriff scheint aber keine grosse Aufregung ausgelöst zu haben. Sie würden doch ganz anders reagieren, wenn die Auslieferung der Printausgabe sabotiert würde, oder?</strong><br />
Das ist richtig. Aber auch wenn wir unser Geld hauptsächlich über die Printausgabe verdienen, so ist es doch ein Angriff auf die Weltwoche, was unsäglich ist.</p>
<p><strong>Für andere Journalisten war es auch kein grosses Thema.</strong><br />
Ich habe mich auch gewundert, dass es nicht grösser aufgegriffen wurde. Handkehrum: Die Weltwoche ist als unabhängiger Kleinverlag ein unangenehmer, da erfolgreicher Konkurrent. Warum sollen uns die Grossen helfen?</p>
<p><strong>Der Axel-Springer-Verlag oder auch 20min.ch verdienen sehr viel Geld im Digitalgeschäft. Macht Sie das neidisch?</strong><br />
Nein. Wir legen den Fokus nach wie vor auf journalistischen Inhalt und Print. Ich konzentriere mich voll auf die Weltwoche und ihren sehr behördenkritischen Journalismus. Das Investitionsvolumen, um einen konkurrenzfähigen Online-News-Webdienst aufzubauen, habe ich derzeit gar nicht. So ein Projekt wäre für mich unternehmerisch ein zu grosses Risiko, eine Verzettelung der Kräfte.</p>
<p><strong>«Ich bin einer der neugierigsten Menschen, die ich kenne», sagten Sie <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Koeppel-Ich-bin-einer-der-neugierigsten-Menschen-die-ich-kenne/story/21509152">Tagesanzeiger.ch 2009</a>, als sie zum &#8222;grössten Intellektuellen der Schweiz&#8220; gekürt wurden. Neue Kommunikationstechnologien wie zum Beispiel Twitter scheinen Sie allerdings nicht zu interessieren. Warum?</strong><br />
Das stimmt, Sie decken da einen blinden Fleck in mir auf. Sagen wir es so: Ich bin sicher ein neugieriger Mensch, aber keiner, der jedem neuen Hype hinterherrennt. Als Historiker bin ich, vielleicht auch zum eigenen Schaden, manchmal etwas sehr skeptisch. Tatsächlich bemerke ich viele Rückmeldungen aus dem Netz, zum Beispiel über Facebook, und ja, vielleicht kann man diesen Kanal kreativer bespielen, als ich das tue. Wiederum bin ein grosser Verfechter der Konzentration der Kräfte: Es geht darum, die Weltwoche als unabhängige und kritische Zeitung immer besser zu machen.</p>
<p><strong>Die Internetstrategie der Weltwoche war bisher zerfahren. Es wurde mal das ausprobiert, dann mal das, inzwischen sind im Prinzip nur noch Eigen-Promo-Hinweise frei verfügbar. Warum?</strong><br />
Ich bin zum Schluss gekommen, nur noch das zu machen, womit ich Geld verdiene. Früher gaben wir zu viele Artikel gratis ab. Das wurde korrigiert. Heute ist das Internet ein Aussenschaufenster, ein Abo-Kanal und ein Service für Abonnenten.</p>
<p><strong>Die junge Generation bewegt sich immer weiter weg von den Printprodukten und nutzt stattdessen das Web, auch mobil. Wie führen Sie die jungen Leute an ihr Produkt heran?</strong><br />
Indem die Weltwoche relevante Missstände aufdeckt und Diskussionen anstösst. Wir haben uns nie besonders bei den jungen Lesern angebiedert, und doch werden wir von vielen gelesen. Ein Blatt wie die Weltwoche lebt von seiner journalistischen Aufdeckungsleistung, seiner journalistischen Brisanz und Intensität. Wenn wir das hinkriegen, haben wir Leser, wenn nicht, dann haben wir weniger Leser. Da nützen mir auch die raffiniertesten Formen der Darreichung nichts.</p>
<p><strong>Sie nennen als Vorbild der Weltwoche den «Spiegel» der 1960er-Jahre unter Verleger <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Augstein">Rudolf Augstein</a>. Ich habe 2008 mal <a href="http://netzwertig.com/2008/02/22/der-spiegel-im-vergleich-1969-vs-2008/">eine Ausgabe von 1969 analysiert</a>. Optisch machte die mir einen sehr grauen, inhaltlich einen verschwurbelten Eindruck, Autoren waren kaum als solche gekennzeichnet.</strong><br />
Ich will mich keinesfalls mit Rudolf Augstein gleichsetzen, aber der von ihm geprägte Satz «Schreiben, was ist», auch dann, wenn es anderen nicht passt, prägt mich auch. Der Wille, die andere Seite zu zeigen, den Konsens herauszufordern, die Mächtigen und Beliebten sachlich fundiert zu kritisieren, aus dem Mainstream auszubrechen – da ist für mich Augstein ein grosses Vorbild. Das ist der Massstab, an dem eine Weltwoche gemessen werden muss. Heute ist der «Spiegel» eine mächtigere, eine saturiertere Instanz, aber Augstein musste noch untendurch, der wurde verhaftet aufgrund von Recherchen. Vom Establishment wurde Augstein nicht akzeptiert, Adenauer verfluchte regelrecht den «Spiegel». Wer die Mächtigen herausfordert, muss einstecken können.</p>
<p><strong>Zu «Schreiben, was ist»: Die Geschichte «Etikettenschwindel für die Bauern» in der <a href="http://www.weltwoche.ch/no_cache/die-weltwoche/aktuelle-ausgabe.html?tx_kbwwfrontend_pi4[issue_year]=2011&#038;tx_kbwwfrontend_pi4[issue_number]=10">Weltwoche vom 9. März 2011</a> musste in praktisch sämtlichen Punkten berichtigt werden. Wie kann sowas passieren?</strong><br />
Das ist ein klarer Managementfehler meinerseits. Eine Autorin, die sonst über andere Themen sehr gut schreibt, hat in dieser Geschichte einen elementaren Rechnungsfehler gemacht, durch eine Verkettung von unglücklichen Umständen geriet der Artikel so ins Blatt. Wir haben unsere Fehlleistung transparent gemacht und uns <a href="http://www.weltwoche.ch/die-weltwoche/details/article/irrefuehrende-zahlen.html">entschuldigt</a>. Das aber ist ein Nebenschauplatz. Die grossen Enthüllungen der Weltwoche waren und sind wasserdicht.</p>
<p><strong>Wenn wir schon bei den Fehlern sind: Was für Fehler haben Sie bisher gemacht in Ihrer Karriere, ausser einem Verriss von DJ Bobo, den Sie mal öffentlich bedauert haben?</strong><br />
Der Artikel über DJ Bobo ist eine Jugendsünde. Der wurde aus einer falschen Arroganz heraus geschrieben und war auch journalistisch nicht genügend. Es tut mir leid, weil ich Bobo für einen glänzenden Unterhaltungsunternehmer halte.</p>
<p><strong>Was ist mit <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tom_Kummer">Tom Kummer</a>? Sie haben in Ihrer Zeit bei «Das Magazin» mehrere, lange, frei erfundene Kummer-Interviews veröffentlicht: Demi Moore, Bruce Willis, David Duchovny, Charlize Theron. Was haben Sie daraus gelernt?</strong><br />
Ich übernahm Tom Kummer von meinem Vorgänger René Bortolani als Bestandteil des Teams. Bei ihm und auch bei Journalisten von anderen Zeitungen, er schrieb ja damals auch für den «Spiegel» und für die Magazine von «Zeit» und «Süddeutsche Zeitung», informierte ich mich über Kummer – und alle legten ihre Hand für ihn ins Feuer; er war ein gefragter Mann. Ich erklärte Kummer mein Konzept beim «Magazin» und wies ihn darauf hin, dass Zuspitzungen nicht nötig seien. Ich setzte auch stärker auf Politik als auf Glamour und Stars. In Los Angeles sah ich zudem Bücher von ihm in der Auslage, Interviews mit Sharon Stone. Da gehen Sie davon aus, dass es nicht frei erfunden sein kann. Tatsächlich konnte ich mir nicht vorstellen, dass jemand so dreist vorgeht.<br />
Nach einem Jahr Zusammenarbeit kam ein Bildredaktor auf mich zu und erzählte, dass er zu einer Kummer-Story über Kampfsport in Los Angeles keine Bilder finde. Nachdem Kummer, konfrontiert mit diesen Fragen, keine klare Antworten geben konnte, beauftragte ich einen Freund, diese Geschichte nachzurecherchieren – es stellte sich heraus, dass es das so gar nicht gab. Darauf beendete ich die Zusammenarbeit und informierte die Kollegen beim Magazin der «Süddeutschen Zeitung».<br />
Kummer erzählte danach gerne, dass er seine Stücke mit Wissen der Chefredaktoren als Kunstform verkaufte – das ist eine dreiste Lüge. Schliesslich verrechnete er dafür Spesen – die waren sehr real und kein artistisches Konzept.</p>
<p><strong>Im <a href="http://www.kummer-film.ch/">Film von Miklos Gimes</a> fragt Tom Kummer nach der Naivität von Ihnen und Ulf Poschardt (und ihren Mitarbeitern). Was antworten Sie? </strong><br />
Miklos Gimes war als Bortolanis Stellvertreter jahrelang Kummers Chef. Es gibt auch ein gewisses Grundvertrauen, das man langjährigen Mitarbeitern entgegenbringt. Dieses Vertrauen hat Tom Kummer leider verletzt, und heute macht er sich über jene lustig, die ihm vertraut haben. Bei mir hat er sich übrigens nie entschuldigt, auch wenn er unter Umständen meine Karriere als damals junger Chefredaktor hätte gefährden können. Ich nehme es als eine Lektion entgegen, heute bin ich skeptischer.</p>
<p><strong>Wenn ich diese Interviews, die definitiv nichts mit Journalismus zu tun haben, heute lese, dann finde ich sie teilweise zum Schreien lustig. Können Sie sich an das Interview mit <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rodney_King">Rodney King</a> erinnern? Das hatte über 40.000 Zeichen!</strong><br />
Meine damalige, ehrliche Meinung war: Vielleicht haben sich die Interviews nicht immer genau so zugetragen, aber sie wurden so autorisiert vom Interviewten. Das ist ja heute, beispielsweise beim «Spiegel», auch eine legitime Praxis.</p>
<p><strong>In der Weltwoche gibt es keine langen Reportagen. Hat das etwas zu tun mit Tom Kummer?</strong><br />
Nein, aber Journalisten sind keine Schriftsteller. Man soll sich kurz fassen. Die Recherche zählt.</p>
<p><strong>Mir scheint das Leichte etwas verloren gegangen zu sein bei der Weltwoche.</strong><br />
Tatsächlich konzentriere ich mich heute stärker auf die Behandlung relevanter Themen. Wir leben in ernsten Zeiten. Die Leute merken, dass die EU nicht funktioniert. Die frivolen neunziger Jahre sind vorbei. Die linken Illusionen verpuffen endgültig. Grundwerte werden wichtiger. Das prägt auch die Weltwoche.</p>
<p><strong>Sie haben immer wieder George W. Bush verteidigt, auch seine militärischen Interventionen im Irak. Als Vermächtnis hinterlassen hat er mehrere offene Kriegsschausplätze und einen Haufen Schulden. Während Clinton das Haushaltsdefizit reduziert hat, ist es unter Bush (und auch unter Reagan) gestiegen. Warum haben Sie Bush immer wieder gelobt?</strong><br />
Man musste gegen das einseitig-aggressive Bush-Bild in den deutschsprachigen Medien andere Seiten herausheben. Die gewaltige Verteufelung dieses Präsidenten beunruhigte mich. Mit der Weltwoche setzte ich mich für Meinungsvielfalt ein. Ich würde jeden Artikel noch heute genau so drucken. Hier sehen Sie die Bedeutung einer Weltwoche: Man muss Gegensteuer geben, damit nicht die Meinungseinfalt triumphiert. Wenn alle in die gleiche Richtung rennen, wird es gefährlich. Die Demokratie braucht eine möglichst vielschichtige Meinungslandschaft. Grossverlage allerdings tendieren dazu, dem Mainstream zu huldigen und abweichende Meinungen zu diffamieren. Deshalb braucht es mutige Journalisten, die den Konsens mit guten Argumenten aufmischen.</p>
<p><strong>Es fällt auf, dass Sie vom Krieg, von militärischen Auseinandersetzungen sehr fasziniert sind. Kürzlich schrieben Sie im <a href="http://blog.persoenlich.com/?p=3123">«Persönlich»-Blog</a>: «Es wäre mir eine Ehre und eine Freude gewesen, unter dem grossen Chefredaktor Peter Uebersax zu dienen.» Andere Journalisten hätten wohl von «Spass» statt «Ehre» und von «zusammenarbeiten» statt «unter Übersax dienen» geschrieben. Was hat es auf sich mit diesen militärischen Vergleichen, die auffällig oft ihre Texte durchziehen?</strong><br />
Das ist vielleicht eine Art später Reflex auf den sprachlichen Pazifismus und die sprachliche Korrektheit, die mir vom Kindergarten über alle Schulen bis zu den Universitäten verordnet wurde, ein Aufbegehren gegen sprachliche Konventionen, die durch die politische Korrektheit geprägt sind. Peter Uebersax war eine überragende journalistische Persönlichkeit, auch ein Freund, und ja, ich hätte sehr gerne unter ihm gearbeitet.</p>
<p><strong>Sie machen mir den Eindruck eines feinsinnigen Menschen, der Jazz oder Klassik hört. Warum werden die Weltwoche-Leser eigentlich immer wieder mit AC/DC, Krokus und Chris von Rohr gequält?</strong><br />
Ach, ich muss meine Kultiviertheit nicht an die grosse Glocke hängen. Ich höre sehr gern Jazz, aber neuerdings auch Mozart-Opern. Von der Rockband AC/DC bin ich beeindruckt, ich habe auch mal ein Interview mit Angus Young geführt [siehe dazu auch <a href="http://www.weltwoche.ch/index.php?id=517227">«Triumph des Banalen»</a>, Ausgabe 17/2007]. Chris von Rohr finde ich einen guten Mann, vielleicht sind um seinen 60. Geburtstag etwas viele Artikel erschienen.</p>
<p><strong>Gleiches gilt für die Titelbilder der Weltwoche. Seit Jahren sind rund 30 Prozent aller Cover ästhetisch grauenhaft, zum Teil sind es holzschnittartige, wild zusammenkopierte Collagen.</strong><br />
Finden Sie? Das Weltwoche-Coverblatt muss klar, einfach, leicht verständlich sein. Einige unserer Collagen-Bilder finde ich sehr gelungen, sie erinnern mich an die Ästhetik von Filmplakaten. Andere sind nicht so gelungen.</p>
<p><strong>Eine erste Medienwoche-Anfrage haben Sie abgesagt mit der Begründung, dass sie vor den Parlamentswahlen beruflich zu sehr eingespannt seien. Haben Sie selbst auch mitgekämpft im Wahlkampf? Wenn ja, für was?</strong><br />
Ich habe in diesem Wahlkampf auch mitgekämpft &#8211; für die Weltwoche als unbequeme Stimme der Vernunft.</p>
<p><strong>Was haben Sie gewählt?</strong><br />
Ich habe die SVP-Liste eingeworfen, panaschiert mit ein paar Politikern der FDP, die ich gut finde und ein paar intelligenten Kollegen von den Grünen und den Linken, man muss ja schauen, dass von dieser Seite nicht nur die Ideologen nach Bern gehen. Aber ich stehe dazu: Angesichts der heutigen Herausforderungen decken sich viele meiner Positionen mit der SVP, die sich am stärksten für die Unabhängigkeit der Schweiz einsetzt. Was mich journalistisch allerdings nicht daran hindert, diese Partei und ihre Exponenten zu kritisieren im Heft.</p>
<p><strong>Mein Eindruck ist: Sie haben sich von einem Linksliberalen zu einem Rechtsliberalen zu einem Nationalkonservativen gewandelt. Und mit Ihnen die Weltwoche. Stimmen Sie zu?</strong><br />
Wenn man unter «nationalkonservativ» die Erhaltung der freiheitlichen Institutionen der Schweiz versteht, dann stimmt das, dann hat das für mich eine grössere Bedeutung erhalten publizistisch. Ich habe mir bereits 1999 im «Magazin» «Gedanken zur Genialität des Schweizer Mittelmasses» gemacht, das war fast am Höhepunkt der Schweiz-Heimatmüdigkeit und EU-Beitrittseuphorie. Ich verstehe mich als Liberalkonservativer: Das Liberale als das aufbrechende, aufsprengende, freiheitlich-anarchische – das Konservative als das mässigende Element.<br />
Wenn allerdings «nationalkonservativ» heisst: Stacheldraht um die Schweiz, Abschottung gegenüber der Welt, die Schweiz den Schweizern – dann trifft das sicher nicht auf mich zu. Ich setze mich für eine freiheitliche, unabhängige Schweiz ein, die an ihren Erfolgsfaktoren festhält. Dieses Modell ist durch die zunehmend undemokratische EU immer mehr unter Beschuss geraten. Übrigens war die Weltwoche immer ein Titel, der sich für die unabhängige Schweiz engagierte. Denken Sie nur an die Rolle der Zeitung im Zweiten Weltkrieg.</p>
<p><strong>Im Oktober 2000 verkündeten Sie im «Magazin» «das Ende der SVP». Sie schrieben damals: «Wir wagen die Behauptung: Die SVP wird uns als die dominierende Kraft der Schweizer Politik in Zukunft nicht mehr beschäftigen müssen.» Warum lagen Sie mehrfach falsch?</strong><br />
Weil ich als Mitglied der Chefredaktion des linken «Tages-Anzeigers» offenbar noch nicht den Mut hatte, ohne Verrenkungen die SVP zu loben. Das nämlich war der Hauptinhalt des Artikels: Eine von Verteufelungen freie Analyse der SVP. Mit dem Schlusssatz wollte ich wohl meine innerredaktionellen Gegner besänftigen &#8230;</p>
<p><strong>Auf mich wirken Sie zwar wie ein unabhängiger Geist, die Weltwoche wirkt aber doch arg verbandelt mit der SVP. Die Wechselwirkungen der Weltwoche-Themen und der <a href="http://www.teleblocher.ch/">«Tele-Blocher»</a>-Themen sind erstaunlich. Ich habe den Eindruck, Sie stehen mit Christoph Blocher in regelmässigem Kontakt.</strong><br />
Wir haben gerade nach den Wahlen die schonungsloseste und härteste Kritik der SVP als Titelstory gebracht. Ich stehe politisch wohl irgendwo zwischen FDP und SVP, aber ich bin selber in keiner Partei. Mit Blocher stehe ich in regelmässigem Kontakt, weil er nach wie vor der Kristallisationspunkt unserer Politik ist und zugleich ein sehr anregender, interessanter Gesprächspartner mit einem grossen Themengespür. Blocher hat vor zwanzig Jahren einsam auf weiter Flur die EU kritisiert. Er hat in allen Punkten recht behalten, aber in der neidischen Schweiz nie die gebührende Anerkennung gefunden.</p>
<p><strong>Sie führen Sie ihre Firma nach dem im Buch <a href="http://www.amazon.de/Das-Blocher-Prinzip-F%C3%BChrungsbuch-Matthias-Ackeret/dp/3858011886/">&#8222;Blocher-Prinzip&#8220;</a> beschriebenen Antragssystem. Warum?</strong><br />
Ich versuche es zumindest. Es ist ein anspruchsvolles Führungssystem, das verhindert, dass Mitarbeiter zu Ja-Sagern werden. Sie nehmen stattdessen Verantwortung wahr und führen die Firma selbst mit, von unten nach oben, indem sie ihre Vorgesetzten mit Anträgen unter Druck setzen.</p>
<p><strong>In zwei Titelgeschichten und mehreren Folgegeschichten äusserte ihr Redaktor Philipp Gut kurz vor den Wahlen gegenüber der St. Galler Regierungsrätin Karin Keller-Sutter einen «Verdacht auf Begünstigung und Amtsmissbrauch» und bezichtigte sie der Lüge. Am 23. Oktober wurde sie mit grosser Mehrheit zur Ständerätin gewählt, mit fast doppelt so vielen Stimmen wie Toni Brunner.</strong><br />
Gut deckte relevante Missstände auf bei einer der beliebtesten Schweizer Politikerinnen. Das löste dann sofort politische Solidarisierungsaktionen aus, weil es sich nicht gehört, eine weithin geschätzte Frau zu kritisieren. Sogar St. Galler SVPler bedrängten mich, mit den Artikeln aufzuhören, es nütze doch nur Keller-Sutter. Solche Überlegungen spielten für mich nie eine Rolle. Wir machten einfach unseren journalistischen Job.</p>
<p><strong>Könnte es sein, dass die Wähler sich aus Trotz gegen die Weltwoche wendeten?</strong><br />
Das glaube ich. Auch andere Medien pflegen einen Anti-Weltwoche-Reflex und greifen gewisse Geschichten nur zögerlich auf. Wir bleiben dran an den Geschichten und exponieren uns. Ich erinnere an unsere Recherchen zum Zürcher Sozialamt, da wurden wir anfänglich auch ausgelacht von der NZZ oder dem Tages-Anzeiger. Am Ende musste die verantwortliche Stadträtin zurücktreten, weil es einfach stimmte, was wir aufdeckten.</p>
<p><strong>Nach eigenen Angaben sind Sie «alleiniger Eigentümer der Weltwoche». Wie erklären Sie sich, dass es trotzdem seit Jahren immer wieder Diskussionen über die Besitzverhältnisse gibt?</strong><br />
Es ist erklärungsbedürftig und nicht a priori verständlich, wenn ein junger Journalist, der nicht einer Milliardärsfamilie entstammt, einen traditionsreichen Titel übernimmt. Ausserdem hätten die anderen Verlage die Weltwoche ebenfalls gern im Portfolio, deshalb ist von dieser Seite wenig Sympathie zu erwarten. Ich habe den Ablauf des Kaufs immer transparent gemacht: Ich habe mein gesamtes Vermögen eingebracht, ich habe Bankkredite aufgenommen und mich hoch verschuldet. Nun bin ich verdammt dazu, Rendite zu produzieren und erfolgreich zu sein. Es gibt niemand, der mir Geld gibt. Vielleicht gäbe mir jemand Geld, wenn ich in Schwierigkeiten geriete, das kann ich nicht sagen. Ich bin ein zu 100 Prozent unabhängiger Unternehmer. Dass das kritisch betrachtet wird, überrascht nicht: Ein Aufstieg eines Newcomers vom angestellten Chefredaktor zum Verleger löst Misstrauen aus. Das einzige, was die alten Verkäufer und ich nicht transparent gemacht haben, ist der Kaufpreis. Was legitim ist.</p>
<p><strong>Meine These ist: Sie haben gemerkt, dass wenn Sie nichts weiter dazu sagen, ständig weiter diskutiert wird und so die Weltwoche im Gespräch bleibt. Darum haben Sie kein Interesse daran, die Diskussion mit Transparenz zu beenden.</strong><br />
Sagen wir mal, ich würde irgendeinen Preis bekannt geben für den Kauf, so und so viele Millionen Franken. Dann würden sofort Folgefragen auftauchen: Von welcher Bank und von welchem Konto wurde dieser Betrag überwiesen? Können Sie beweisen, dass ihr Kreditgeber keine Geheimverträge abgeschlossen hat mit jemandem, der eine Bürgschaft für Sie abgegeben hat?<br />
Leider musste ich vor diesem Hintergrund <a href="http://www.medienspiegel.ch/archives/002621.html">die NZZ verklagen</a>: Das Blatt sprach mir als Unternehmer die Kreditwürdigkeit ab, indem es ohne Belege andeutete, ich hätte geheime Financiers oder stünde in Abhängigkeit von &#8222;Dunkelmännern&#8220;. Das stimmt nicht. Und gegen solche Behauptungen eines Mitkonkurrenten muss ich mich wehren, auch wenn ich der NZZ viel verdanke und dort auch meine journalistische Lehre absolviert habe. Ich habe nichts dagegen, wenn ich für meinen Kurs oder meine Inhalte kritisiert werde, aber hier wurde meine Integrität als Geschäftsmann in Frage gestellt.<br />
<small><strong>Anmerkung der Redaktion:</strong> Die NZZ bestreitet diese Sichtweise.<br />
Darüber wird in einem laufenden Verfahren gestritten.</small></p>
<p><strong>Wie solide ist denn Ihr Unternehmen nun? Die einen weisen auf einen Niedergang der Auflage und sprechen von Fremdfinanzierung, die anderen sagen, sie haben sich mit der Weltwoche längst eine goldene Nase verdient.</strong><br />
Die Weltwoche ist ein erfolgreiches Unternehmen, das auch im schwierigen Umfeld immer Gewinn geschrieben hat. Sie muss allerdings auch Gewinne schreiben, sonst könnte ich meine Kredite nicht bedienen. Von einer goldenen Nase kann keine Rede sein. Die Abozahlen steigen, beim Kiosk und den telefonisch erhobenen Leserzahlen leiden wir. Derzeit investiere ich in den Inhalt, wir suchen neue Mitarbeiter.</p>
<p><strong>Was ist eigentlich langweiliger: Politische Korrektheit oder politische Inkorrektheit?</strong><br />
Politische Korrektheit. Ist nicht nur langweilig, sondern auch schädlich.</p>
<p><strong>Ich behaupte: <a href="http://www.radio1.ch/podcasts/roger_roger/">&#8222;Roger vs. Roger&#8220;</a> ist doppelte Selbstverliebtheit und halber Erkenntnisgewinn. Und Sie?</strong><br />
In meinem Fall ist es für den Hörer ein klarer Erkenntnisgewinn, im anderen Fall gebe ich Ihnen zu 100 Prozent recht (lacht).</p>
<p><strong>Wer redigiert Ihre Editorials?</strong><br />
Peter Keller und Philipp Gut.</p>
<p><strong>Wie viele Ausländer oder Secondos sind bei der Weltwoche angestellt?</strong><br />
Weiss ich nicht auswendig, aber es sind einige, ich bin selbst ein halber Deutscher.</p>
<p><strong>Was schätzen Sie: Wie viel Prozent aller Journalisten wählen linke Parteien?</strong><br />
93 Prozent.</p>
<p><strong>Joggen Sie immer noch?</strong><br />
Ja, jede Woche dreimal für 45 &#8211; 60 Minuten.</p>
<p><strong>Sind Sie schon mal einen Marathon gelaufen?</strong><br />
Nein. Ich misstraue der Masse.</p>
<p><strong>Wann stehen Sie morgens auf?</strong><br />
Zwischen 3:45 Uhr und 7 Uhr.</p>
<p><strong>Haben Sie chronischen Schlafmangel?</strong><br />
Das kann vorkommen, doch lange kann ich das nicht mit mir herumschleppen. Ich gehe eher früh zu Bett, 6 bis 7 Stunden Schlaf sind normal.</p>
<p><strong>Was halten Sie vom dominierenden SVP-Wahlkampfspruch &#8222;Schweizer wählen SVP&#8220;? Der Spruch ist doch, logisch gesehen, ziemlicher Quatsch, oder nicht?</strong><br />
Nein. Der liberale Schriftsteller Gottfried Keller schrieb im vorletzten Jahrhundert einen Essay, in dem er definierte, was ein Schweizer sei: Ein Schweizer ist gemäss Keller ein Mensch, der die Gesetze der unabhängigen Demokratie Schweiz liebt. Für Keller war ein Deutscher, der die Schweizer Rechtsordnung liebt, ein genau so guter Schweizer wie der Eingeborene, dessen Urahnen am Morgarten gekämpft haben. Kellers Definition der Schweizerischen Identität über die Schweizerische Rechtsordnung ist eine Vorwegnahme des SVP-Slogans, die eben auch darauf abhebt, dass man als Schweizer die Unabhängigkeit unserer Rechtsordnung befürworten muss.</p>
<p><strong>Warum wird die Weltwoche weiter an Abonnenten geschickt, die nach einem Probeabo explizit darauf verzichten?</strong><br />
Das machen alle Zeitungen, weil es offenbar manchmal schwierig ist, das zu stoppen. Ich entschuldige mich präventiv bei allen, die unser Blatt gegen ihren Willen erhalten. Wobei es gerade denen gut tun würde, mal etwas von der anderen Seite zu lesen.</p>
<p><strong>Auf «Journal 21» schreibt Schriftsteller Dante André Franzetti eine Kolumne namens <a href="http://www.journal21.ch/category/tags/roger-rightwing">&#8222;Roger Rightwing&#8220;</a>. Kennen Sie die? Wer könnte damit gemeint sein?</strong><br />
Das ist mir gar noch nicht aufgefallen. Offenbar habe ich Silvio Berlusconi, das bisherige Primär-Feindbild von Dante André Franzetti (den ich übrigens schätze), abgelöst.</p>
<p><strong>Wie viele Bücher lesen Sie im Jahr?</strong><br />
Pro Monat eines, als doppelter Vater habe ich noch weniger Zeit als früher.</p>
<p><strong>Nur Sachbücher oder auch Belletristik?</strong><br />
Sachbücher. Matthias Ackeret konnte mich allerdings kürzlich wieder für Ernest Hemingway begeistern.</p>
<p><strong>Bisher haben Sie noch kein Buch veröffentlicht.</strong><br />
Nein, kein wichtiges. Ich bin offenbar doch eher Mittelstrecken- als Marathonläufer.</p>
<p><strong>Wie viele Stunden pro Tag sind sie persönlich im Netz unterwegs?</strong><br />
Bewusst etwa eine Stunde.</p>
<p><strong>Wie sind Sie kommunikationstechnisch ausgestattet?</strong><br />
Blackberry. iPad. Windows.</p>
<p><strong>Wie ist der Zustand des Schweizer Journalismus?</strong><br />
Gut, könnte obrigkeitsskeptischer sein.</p>
<p><strong>Müsste Ihr Vorbild nicht eher Axel Springer heissen oder wäre das zu simpel? Haben Sie überhaupt Vorbilder?</strong><br />
Axel Springer ist eine grosse Figur, der Augsteinsche Geist ist mir aber vielleicht näher. Grosse Sympathien habe ich für <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Harold_Ross">Harold Ross</a>, den Gründer des &#8222;New Yorker&#8220;: &#8222;If you can&#8217;t be funny, be interesting.&#8220; Von meiner Natur her bin ich Eklektiker. Obwohl ich als Journalist vieles kritisieren muss, bin ich jemand, der eigentlich alles unter dem Aspekt der Verwertbarkeit für mich anschaut. Ich habe keine festgefügten Schlachtordnungen in meinem Kopf, sondern zapfe alle möglichen Inspirationsquellen an.</p>
<p><small>Das Gespräch mit Roger Köppel wurde am 9. November in Zürich geführt.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/11/25/ich-misstraue-der-masse/">«Ich misstraue der Masse»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://medienwoche.ch/2011/11/25/ich-misstraue-der-masse/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>12</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
