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	<title>Verbrechen | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>Der Sinn der Kampusch-Kampagne</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Herwig G. Höller]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 12 Mar 2012 09:40:11 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Kampusch und kein Ende: «20 Minuten Online» will den Entführungsfall «neu erzählen» und berichtet seit Mitte Februar in einer aufwändigen Serie. Viele wundern sich: weshalb? Und weshalb jetzt? Was das Ganze mit Männerphantasien, einer Krimiserie und subtiler Wahlkampfhilfe für die FPÖ zu tun hat. Eine österreichische Sichtweise. Nahezu verdächtig viel haben sie sich angetan, die <a href="https://medienwoche.ch/2012/03/12/der-sinn-der-kampusch-kampagne/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/03/12/der-sinn-der-kampusch-kampagne/">Der Sinn der Kampusch-Kampagne</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Kampusch und kein Ende: «20 Minuten Online» will den Entführungsfall «neu erzählen» und berichtet seit Mitte Februar in einer aufwändigen Serie. Viele wundern sich: weshalb? Und weshalb jetzt? Was das Ganze mit Männerphantasien, einer Krimiserie und subtiler Wahlkampfhilfe für die FPÖ zu tun hat. Eine österreichische Sichtweise.</strong></p>
<p>Nahezu verdächtig viel haben sie sich angetan, die Kollegen aus der Schweiz: Da wurden Ermittlungsakten eingesammelt und aufbereitet, Interviews gedreht, zahlreiche Texte verfasst, Infografiken erstellt und Videos geschnitten. Und obwohl es in dieser Geschichte nicht ansatzweise einen Bezug zur Schweiz gibt, hat es just dieser österreichische Fall, die Entführung der Natascha Kampusch, der Online-Redaktion von «20 Minuten» <a href="http://www.20min.ch/kampusch/" target="_blank">extrem angetan</a>. Zum kürzlichen Fernsehinterview im ORF machte man gleich einen <a href="http://www.20min.ch/kampusch/story/-Eine-Beziehung-mit-dem-Taeter-ist-absurd--24191158" target="_blank">Liveticker</a> – wenig überraschende Statements eines Verbrechensopfers wurden derart zum unglaublich Wichtigen hochstilisiert. In ihrer Übertriebenheit grenzt diese Kampusch-Berichterstattung von 20min.ch dabei bisweilen an Realsatire.</p>
<p>Die Geschichte einer zehnjährigen Wienerin, die von einem Radiotechniker entführt wird, ist in groben Zügen bekannt. Erst nach acht Jahren kann Natascha Kampusch fliehen, Entführer Wolfgang Priklopil begeht infolge Selbstmord – im Sommer 2006 schrieb der Fall weltweit Schlagzeilen. In Österreich sorgte er seitdem für innenpolitische Diskussionen – vor allem in Bezug auf mögliche Ermittlungspannen. Gleichzeitig machten Verschwörungstheorien über einen «Kinderpornoring» die Runde.</p>
<p>Natürlich schrieben auch ausländische Medien darüber: Zuletzt sorgte ein kurzer Artikel <a href="http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,817604,00.html" target="_blank">im deutschen Nachrichtenmagazin «Spiegel»</a> Ende Februar für Wirbel. Der konservative Politiker Werner Amon, er ist Mitglied in einem parlamentarischen Ausschuss zum Thema, hatte erklärt, dass die (von Staatsanwaltschaft und Gericht präferierte, Anm.) Einzeltätertheorie nur schwer aufrechtzuerhalten sei. Wobei kritische Beobachter diese Aussage einerseits als Ablenkung von Korruptionsskandalen, die auch Amons ÖVP betreffen, verstanden wurde. Andererseits hat die Redaktion in Hamburg womöglich die kriminalistische Kompetenz eines österreichischen Parlamentariers und der hiesigen parlamentarischen Ausschüsse massgeblich überschätzt.</p>
<p>Auch 20min.ch berichtete über den parlamentarischen Ausschuss. Und titelte mit «Die Bombe liegt im Parlamentskeller». Verglichen mit allen anderen Medien steht der Kampusch-Overkill des Schweizer Onlinemediums bislang völlig einzigartig da. In einer gnadenlosen boulevardesken Zuspitzung wurden Verschwörungstheorien breitgewalzt – und, ohne dass es dafür ein erkennbares öffentliches Interesse gäbe, auf Beteiligte und insbesondere auch das Opfer ins Visier genommen.</p>
<p>Kampusch selbst wird implizit stets vorgeworfen, gelogen zu haben. Würde man ihren Aussagen glauben, gäbe es keinen Grund mehr über einen «Kinderpornoring» zu spekulieren. Gleichzeitig bliebt substantiell Neues aus. Das «exklusiv» veröffentlichte Foto der Leiche des Entführers beweist noch lange nicht, dass dieser nicht Selbstmord begangen habe.</p>
<p>Warum sich 20min.ch so intensiv mit Kampusch beschäftigt, bleibt auf den ersten Blick nicht nachvollziehbar. Sie habe sich laut «diversen Dokumenten» mehr als einmal widersprochen, heisst es etwa <a href="http://www.20min.ch/videotv/?vid=237644&amp;cid=164" target="_blank">im Video, das die Serie vorstellt</a>. Oder: «Die geheimen Akten zeigen, dass sich die Story anders abgespielt haben dürfte.» Gerade aus einer ausländischen, distanzierteren Sicht müsste das eine ziemlich dünne Suppe sein. Es bedarf also anderer Erklärungsmodelle.</p>
<p>Der Fall Kampusch zeichnet sich seit jeher dadurch aus, dass er insbesondere auf ältere Männer eine grosse Ausstrahlungskraft ausübt. Vor allem Justizvertreter zeigten sich anfällig. Gedanken darüber, was diesem armen Mädchen und vielleicht auch noch anderen alles angetan worden sein könnte, lassen gleich mehrere österreichische Richter nicht mehr los: Bereits kurz nach dem Verschwinden der damaligen Schülerin startete ein pensionierter Bezirksrichter private Ermittlungen.</p>
<p>Nach dem Ende von Kampuschs Gefangenschaft beschäftigte sich eine Evaluierungskommission mit der Causa – zwei pensionierte Höchstrichter aus der Kommission glauben seit damals aufrichtig an ungeklärte Hintergründe des Kriminalfalls. Und gingen Whistleblower-artig an die Öffentlichkeit – im festen Glauben künftige Verbrechen damit verhindern zu können.</p>
<p>Womöglich ist auch die 20min.ch-Redaktion der Faszination eigener Vorstellungen erlegen und psychologisch da hineingekippt. Und glaubt nun wie die erwähnten Richter, durch das öffentliche Thematisieren dieses Falles etwas gegen «Kinderpornoringe» unternehmen zu können. Kampagnen gegen pädophile Täter sind dem Boulevard nicht fremd – insbesondere die mittlerweile eingestellte britische Wochenzeitung News of the World hatte sich diesbezüglich einen Namen gemacht.</p>
<p>Die «Kampusch-Story» von 20min.ch, so suggeriert insbesondere das Überblicksvideo zur Serie, erinnert in einer Aufmachung bisweilen eher an einen fiktiven Krimi. Dieser spielt natürlich mit Klischees von einem armen Mädchen und bösen Männern aus Österreich, die offensichtlich – Freud lässt grüssen – Probleme mit ihrer Sexualität haben. Der Seriencharakter sorgt zudem für Kundenbindung.</p>
<p>Was die Zugriffszahlen betrifft, hat das Sujet offenbar sein Ziel nicht verfehlt. 20min.ch-Chefredaktor Hansi Voigt schrieb auf Twitter von «Allzeit-Rekorden». Eine Expansion von «20 Minuten» nach Österreich bezeichnete Voigt dagegen – passend zur Kampusch-Serie – als «Verschwörungstheorie». Jedenfalls verdeutlicht die Serie eindrucksvoll, wie problematisch es sein kann, wenn Medien Ermittlungsakten zugespielt bekommen und sie diese vor allem für reisserische Aufmacher verwenden. Was dann oft nur noch ganz wenig mit der so wichtigen Kontrollfunktion der «Vierten Gewalt» zu tun hat.</p>
<p>Auch der österreichische Kontext sollte nicht ausser Acht gelassen werden: 20min.ch wurde reichhaltig mit Ermittlungsakten eingedeckt, die Quellen werden nicht offengelegt. Zahlreiche Personen kommen dafür in Frage, aber auch Medien und Politiker verfügen über Akten. Ein besonderes Interesse den Fall aufzublasen hat die Rechtsaussenpartei FPÖ, die diesbezüglich zuletzt auffällig aggressiv agierte.</p>
<p>Wohl nicht zufällig hat kürzlich ein Wiener Polizist und FPÖ-Funktionär auf eigene Faust versucht, DNA-Proben einer angeblichen Tochter von Natascha Kampusch sicherzustellen. Das FPÖ-Kalkül liegt auf der Hand: 2013 wird der österreichische Nationalrat neu gewählt und je mehr man im langsam beginnenden Wahlkampf über das rechte Lieblingsthema «Kinderschänder» sprechen kann, desto besser. In einer Google-Welt kann hier auch 20min.ch hilfreich sein.</p>
<p><small><strong>Internetoffensive der österreichischen Justiz</strong><br />
Das Wiener Justizministerium hat am vergangenen Freitag (9.3.) ein zentrales Dokument zur Causa Kampusch <a href="http://www.edikte.justiz.gv.at/edikte/ee/eeedi16.nsf/alldoc/aae4675638ce58e0c12579bc00382dd3!OpenDocument" target="_blank">ins Internet gestellt</a>. Der pensionierte Höchstrichter Johann Rzeszut, der auch prominent auf 20min.ch vorkommt, hatte 2010 all jene Staatsanwälte, die an der Einstellung des Verfahrens beteiligt waren, wegen Amtsmissbrauch angezeigt. Die Oberstaatsanwaltschaft Innsbruck entschied am 23.11.2011, dass die Einstellung von Ermittlungen rechtmässig war. In der nun veröffentlichten Einstellungsbegründung wird dies auf mehr als 300 Seiten ausführlich erörtert.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/03/12/der-sinn-der-kampusch-kampagne/">Der Sinn der Kampusch-Kampagne</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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