<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Verlag | MEDIENWOCHE</title>
	<atom:link href="https://medienwoche.ch/tag/verlag/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://medienwoche.ch</link>
	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Wed, 26 May 2021 12:56:27 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	
	<item>
		<title>Unser aller Darth Vader</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/05/01/unser-aller-darth-vader/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2012/05/01/unser-aller-darth-vader/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 01 May 2012 09:17:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Printverlage]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Axel Springer]]></category>
		<category><![CDATA[Bild]]></category>
		<category><![CDATA[Verlag]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=7537</guid>

					<description><![CDATA[<p>Am 2. Mai 2012 würde Axel Springer 100 Jahre alt. Der umstrittene deutsche Verleger hinterlässt nicht nur die «Bild»-Zeitung und einer der grössten Zeitungsverlage in Europa. Er kämpfte für die deutsche Wiedervereinigung und für die Aussöhnung zwischen Deutschen und Juden. Die Stasi bespitzelte den Mann in seinem eigenen Büro, das DDR-Fernsehen widmete ihm einen monumentalen <a href="https://medienwoche.ch/2012/05/01/unser-aller-darth-vader/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/05/01/unser-aller-darth-vader/">Unser aller Darth Vader</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am 2. Mai 2012 würde Axel Springer 100 Jahre alt. Der umstrittene deutsche Verleger hinterlässt nicht nur die «Bild»-Zeitung und einer der grössten Zeitungsverlage in Europa. Er kämpfte für die deutsche Wiedervereinigung und für die Aussöhnung zwischen Deutschen und Juden. Die Stasi bespitzelte den Mann in seinem eigenen Büro, das DDR-Fernsehen widmete ihm einen monumentalen Propagandafilm. Seiner fünften Ehefrau gemäss war er «eine eigenartige Mischung aus tiefer Ernsthaftigkeit und fröhlicher Leichtigkeit».<br />
<span id="more-30470"></span><br />
«Axel Springer war der Darth Vader meiner Kindheit», schreibt «Zeit»-Redaktorin Mariam Lau und Peter Glotz hält fest, dass Springer zwischen 1968 und 1972 «die kontroverseste Figur» Deutschlands war. Wenn Christian Kracht an Springer denkt, sieht er auch <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Der_gro%C3%9Fe_Gatsby">Jay Gatsby</a>. Und Frank Schirrmacher schreibt: «Er besass, was der Traum jedes Intellektuellen ist: die Reproduktionsmittel der Bewusstseinsindustrie.»</p>
<h2><center>«Frauenheld der allerextremsten Form»</center></h2>
<p>Das steht in «Axel Springer – Neue Blicke auf den Verleger», 2005 herausgegeben vom Konzernchef Mathias Döpfner. In der Mitte des Buchs sind Fotos von Axel Springer zu sehen. Wie er die Hand der Hörzu-Werbefigur <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mecki">Mecki</a> schüttelt. Wie er die Hand von Königin Elisabeth II. schüttelt. Wie er die Hand von Papst Paul VI. schüttelt. Oft dabei, daneben: Friede Springer, seine fünfte Ehefrau, seit seinem Tod die starke Frau im Verlag. Im Buch ist nur ein Text von ihr zu finden. Sie schreibt:</p>
<blockquote><p><small>Axel Springer war eine eigenartige Mischung<br />
aus tiefer Ernsthaftigkeit und fröhlicher Leichtigkeit.<br />
Ich habe die letzten 20 Jahre, die ich für die bedeutendsten<br />
in seinem Leben halte, an seiner Seite verbracht.<br />
Ich war seine beste Freundin, seine Ehefrau, Mitarbeiterin, zuweilen<br />
Köchin, Fahrerin und zum Schluss auch seine Krankenschwester.<br />
Auch wenn es komisch klingt, ich habe nicht mein,<br />
sondern sein Leben geführt und möchte keine Minute missen.<br />
Mehr als 30 Jahre jünger, habe ich viel gelernt.<br />
Es war eine erfüllte Zeit &#8211; nicht nur für mich.<br />
Es war die große Liebe für uns beide.</small></p></blockquote>
<p>Als 23-Jährige antwortete die damalige Friede Riewerts im Sommer 1965 auf eine Anzeige in der «Welt am Sonntag»: «Villenhaushalt sucht Kindermädchen». Sie wurde im Hause Axel Springer angestellt, wenig später waren Axel und Friede ein Paar, 1978 heirateten die beiden. Wie in der im Propyläen-Verlag (gehörte zur Axel Springer AG*) erschienenen <a href="http://www.ullsteinbuchverlage.de/listtb/buch.php?id=13300&#038;page=suche&#038;auswahl=a&#038;pagenum=1&#038;page=buchaz&#038;PHPSESSID=d8eec462cfd70aaa0b406ac077689cfd">Biografie</a> zu lesen ist, war sie für Axel von beruhigender Wirkung:</p>
<blockquote><p>Die Aussenwelt bestaunte die gut gestylte Fassade des jungen Presselords, in der Redaktion diskutierte er hemdsärmlig als Journalist unter Journalisten, was aber heftige Szenen nicht ausschloss, im Gespräch oder in der Korrespondenz mit guten Freunden gab er sich spöttisch und selbstironisch, dem Mütterchen schrieb er liebe, fürsorgliche Briefe, bei Auseinandersetzungen im kleinen und kleinsten Kreis erschreckte er nicht selten mit schlimmen Wutanfällen. Irgendwie stand er immer unter Dampf. Wenn er sich erregte, wurden Telefone oder Mappen voller Akten zu Boden geworfen, Vorhänge heruntergerissen und Türen zugeknallt. Lange Jahre irritierte das seine nächste Umgebung. Einmal vergass er sich so sehr, dass er seinen Chauffeur ohrfeigte. Als sein Zorn verraucht war, schämte er sich dessen und kaufte dem Betreffenden einen roten Sportwagen. Erst viel später, als sein Schilddrüsenerkrankung erfolgreich therapiert wurde und zugleich die ruhige Friede Springer in sein Leben trat, wurde es mit seinen Wutanfällen besser.</p></blockquote>
<p>Fünfmal war Axel Springer verheiratet, aber Frauen hatte er noch viel mehr (siehe dazu den Film <a href="https://www.youtube.com/watch?v=3p8ZOeujtKY">«Axel Springer &#8211; Ein deutscher Verleger»</a> ab Minute 9). «Ein Frauenheld der allerextremsten Form», nennt ihn Mathias Döpfner, «ein unglaublicher Schwerenöter». Friede Springer glaubt, dass er für jeden Lebensabschnitt die passende Frau gefunden hat.</p>
<h2><center>Die 68er</center></h2>
<p>Für viele (Journalisten) ist Springer und sein Verlag auch heute noch ein Hassobjekt, ein Feindbild, was mit den Ereignissen um 1968, dem Eintreten für den Kapitalismus und der Solidarität von Springer mit Israel zu tun hat, die von vielen als bedingungslos eingestuft wird. Der Axel-Springer-Verlag arbeitete in den letzten Jahren daran, die Sichtweise auf die Zeit um 1968 zu verändern, die «neuen Blicke auf den Verleger» sind nur ein Beispiel. So lud der Verlag 2009 zu einer <a href="http://www.axelspringer.de/presse/Axel-Springer-laedt-ein-zum-Springer-Tribunal-2009-quot_881566.html">Neuauflage des «Springer-Tribunals» von 1968</a> ein, das aufgrund von <a href="http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,644461,00.html">Absagen von 68ern</a> wie Peter Schneider und Daniel Cohn-Bendit nicht zustande kam.</p>
<p>Zuletzt machte es gar den Anschein, als würde sich der Verlag bemühen um eine Aufarbeitung der Beziehung zu <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCnter_Wallraff">Günter Wallraff</a>, der sich unter dem Pseudonym Hans Esser bei «Bild» anstellen liess und danach über die Arbeitsmethoden berichtete (<a href="http://www.wdr.de/unternehmen/presselounge/pressemitteilungen/2011/11/20111117_wallraff.phtml">Bedauern von Mathias Döpfner</a> / <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/der-gute-mann-von-axel-springer/">Kommentar von Stefan Niggemeier</a>). Demgegenüber wird Wallraff in der «Welt am Sonntag» vom 22. April unter dem Titel <a href="http://www.welt.de/print/wams/article106212127/Kam-Ali-aus-Ost-Berlin.html">«Kam Ali aus Ost-Berlin?»</a> über fünf Seiten kritisch mit seiner Vergangenheit konfrontiert. Es werden bereits <a href="https://www.taz.de/!92114/">2003</a> und <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13525107.html">1987 im «Spiegel»</a> ausgebreitete Vorwürfe noch einmal aufbereitet, genauer analysiert wird eine Mitarbeit von «IM Fischer» alias Frank Berger am Bestseller «Ganz unten». Wallraff sagt dazu, er selbst habe nie «wissentlich und willentlich» mit der Stasi zusammengearbeitet.</p>
<p>Mit der Website <a href="http://www.medienarchiv68.de/">Medienarchiv68.de</a> wurde auch die immer wieder geäusserte Kritik an den damals von Springer-Zeitungen zu den Studentenprotesten erschienen Artikel offensiv angegangen. Konzernchef Döpfner zieht das Fazit, dass wenn man genauer hinschaue, sich ein differenziertes Bild ergebe:</p>
<blockquote><p>Die These, das Haus Axel Springer sei eine zentral gelenkte Meinungsmaschine gewesen, welche die Studentenbewegung verhindern wollte, bestätigt sich jedenfalls nicht.</p></blockquote>
<p>Weitere Stimmen aus den Medien dazu <a href="http://meedia.de/internet/die-pressestimmen-zum-medienarchiv68/2010/01/19.html">sammelte Meedia.de</a>.</p>
<p>Die aufgeheizte Stimmung damals führte zu Opfern. Der Student <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Benno_Ohnesorg">Benno Ohnesorg</a> stirbt am 2. Juni 1967, durch einen Schuss des Berliner Polizisten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Karl-Heinz_Kurras">Karl-Heinz Kurras</a>, einem Waffennarr, der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Inoffizieller_Mitarbeiter">inoffizieller Mitarbeiter</a> der Stasi sowie gleichzeitig SPD- und SED-Mitglied ist. Verantwortlich gemacht für die Tat wird die Berichterstattung der Springer-Zeitungen. Fünf Jahre später, am 19. Mai 1972, werden im Hamburger Axel-Springer-Haus 17 Mitarbeiter bei einem RAF-Anschlag verletzt. Axel Springer ist bis zu seinem Lebensende Tag und Nacht von Leibwächtern umgeben. Für ihn ein Tabuthema, wie in seiner <a href="http://www.ullsteinbuchverlage.de/listtb/buch.php?id=13300&#038;page=suche&#038;auswahl=a&#038;pagenum=1&#038;page=buchaz&#038;PHPSESSID=d8eec462cfd70aaa0b406ac077689cfd">Biographie</a> nachzulesen ist:</p>
<blockquote><p>Über seine psychische Belastung durch die Bedrohung hat sich öffentlich nicht geäussert. Auch in seinen Briefen kam er künftig kaum darauf zu sprechen. Doch wenn ein sensibler Mensch jahrelang im Schatten eines jähen Anschlags auf ihn selbst oder seine nächsten Angehörigen steht, verändert ihn das. Am meisten fürchtete er sich vor einer Entführung mit anschliessender Folter. Nach der Entführung des Arbeitgeber-Präsidenten Hanns Martin Schleyer trug er zeitweilig eine Kapsel mit Zyankali um den Hals, «weil ich Schmerzen schlecht ertrage».</p></blockquote>
<p>Axel Springer verabscheute Extremismus: die Ablehnung jeglicher Art von politischem Totalitarismus hatte er bereits 1967 in die nach wie vor aktuellen, später von vier auf fünf Punkte erweiterten <a href="http://www.axelspringer.de/artikel/Grundsaetze-und-Leitlinien_40218.html">Unternehmensgrundsätze</a> geschrieben. Ebenso wichtig war ihm die Aussöhnung zwischen Deutschen und Juden, die Verteidigung der Sozialen Marktwirtschaft und das Eintreten für die Wiedervereinigung Deutschlands, für die er kämpfte und die er um vier Jahre verpasste. Sein <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Axel-Springer-Hochhaus">Berliner Verlagshaus</a> baute er direkt an die damalige Grenze zum sowjetischen Sektor, von Ostberlin aus waren die auf dem Dach des Gebäudes in einer Laufschrift angezeigten, aktuellen Nachrichten von Weitem zu sehen. Die Grundsteinlegung fand am 25. Mai 1959 statt, zu einem Zeitpunkt, als Springer einer der wenigen war, der an die deutsche Wiedervereinigung glaubte.</p>
<h2><center>Die DDR</center></h2>
<p>Wie verhasst und gefürchtet Axel Springer in der DDR-Führung war, zeigt der sehr sehenswerte WDR-Film <a href="https://www.youtube.com/watch?v=_83xk3kZxlM">&#8222;Bespitzelt Springer! Wie die Stasi einen Medienkonzern ausspähte&#8220;</a> von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tilman_Jens">Tilman Jens</a> (2009):</p>
<p><iframe width="460" height="342" src="https://www.youtube.com/embed/_83xk3kZxlM" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Das Ministerium für Staatssicherheit platzierte nicht nur eine Sekretärin in sein Büro (als «IM Grunewald» eine von drei Chefsekretärinnen Springers), die dem Geheimdienst brühwarm Interna rückmeldete, der Sender Adlershof produzierte auch mit grossem Aufwand den Fünfteiler <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ich_%E2%80%93_Axel_C%C3%A4sar_Springer">«Ich, Axel Cäsar Springer»</a>. 600 Sendeminuten des DDR-Fernsehens, die 10 Millionen Ostmark gekostet hatten und von 1968 bis 1970 ausgestrahlt wurden (siehe dazu das Video oben ab Minute 14:30). In diesem Film wird er als Witzfigur dargestellt, die angeblich alkoholkrank, impotent und homosexuell ist (ab Minute 19:30).</p>
<p>Das Willy-Brandt-Zitat, wonach die DDR «weder deutsch noch demokratisch, noch eine Republik» sei, nahm Axel Springer freudig auf, in seinen Zeitungen wurde die «DDR» stets in Anführungsstrichen geschrieben. «An diese Tatsache sollen uns die Anführungsstriche ständig gemahnen», schrieb er als <a href="http://www.axelspringer.de/artikel/Deshalb-bleiben-wir-bei-den-Anfuehrungsstrichen_2197176.html">Antwort auf einen Leserbrief eines «Welt»-Lesers</a>. Der «Spiegel» notierte <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13495372.html">im Januar 1989</a>: «Die Praxis der orthographischen Nichtanerkennung wird in Bild, Welt, Hörzu und allen anderen Titeln mit eiserner Konsequenz durchgehalten.»</p>
<h2><center>Die Bild-Zeitung</center></h2>
<p>Unter dem nicht sehr originellen Namen «Neue Bild Zeitung» kopierte die DDR ab 1959 auch «Bild», allerdings ohne Erfolg, weil ohne Inspiration und nur in kleiner Auflage. Auf die Idee von «Bild» kam Springer in der <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Fleet_Street">Fleet Street</a> in London, als er die dortigen Tabloids studierte. Zu Beginn bestand die Zeitung tatsächlich fast nur aus Bildern, das Produkt war damals so revolutionär, dass Springer die Lancierung gegen grossen Druck aus dem eigenen Haus durchsetzte. In einem <a href="https://www.youtube.com/watch?v=uLbU8-bMU-I">Interview 1982</a> erzählte er (ab Minute 13):</p>
<blockquote><p>Meine Direktoren besuchten mich draussen in Blankenese, wo ich damals wohnte, und als ich ihnen davon erzählte, hielt sie nur die Tatsache, dass ich der Chef war, zurück, laut zu lachen. Aber als sie mich dann fragten, ob ich denn schon einen Titel hätte, und ich sagte «Bild», dann prusteten sie also los. Trotzdem wurde die Zeitung gemacht und nach einigem Hin und Her ist sie dann ganz schnell in die Millionenhöhe gekrabbelt und wurde ein ausserordentlicher Erfolg.</p>
<p><em>Gerade dieses Blatt bringt Ihnen ja immer wieder heftige Angriffe ein. Wie kontern sie das eigentlich?</em></p>
<p>Wenn das eine flott linke Zeitung wäre, eine richtig linke Zeitung, dann würde überhaupt gar keine Opposition da sein. (&#8230;)</p></blockquote>
<p>Das stimmt natürlich nur teilweise. «Bild» wird auch heute noch aus vielfältigen Gründen verabscheut, und das oft völlig zurecht. Ein aktueller Ausschnitt dieser Gründe ist in den Beiträgen von <a href="http://www.bildblog.de/">Bildblog.de</a> nachzulesen.</p>
<h2><center>Verleger geworden, Verleger geblieben</center></h2>
<p>Es wäre wohl vielen recht gewesen, wenn Springer seinen ursprünglichen Berufswunsch, Sänger zu werden, verwirklicht hätte. Doch er ist Verleger geworden und gegen alle Opposition Verleger geblieben. Wie wäre wohl der Konflikt zwischen den 68ern und Axel Springer ohne die Aktivitäten der Stasi abgelaufen? Wäre die Situation eskaliert, wenn nicht Stasi-IM Kurras Benno Ohnesorg erschossen hätte? Wäre die Stasi ohne Spion in Springers Büro jemals so gut informiert gewesen? Die Losung der rebellierenden Studenten, «Enteignet Springer», stammt übrigens ursprünglich von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Ulbricht">Walter Ulbricht</a>, dem SED-Generalsekretär und DDR-Staatsratsvorsitzenden höchstpersönlich (ein Zitat aus einer Rede von 1966) &#8211; sie wurde von Doppelagent <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Barthel_%28Journalist%29">Walter Barthel</a> der studentischen, westdeutschen Linken eingeimpft (siehe Video oben ab Minute 20:30). Die Springer-<a href="http://www.ullsteinbuchverlage.de/listtb/buch.php?id=13300&#038;page=suche&#038;auswahl=a&#038;pagenum=1&#038;page=buchaz&#038;PHPSESSID=d8eec462cfd70aaa0b406ac077689cfd">Biographie</a> von Hans-Peter Schwarz hält fest:</p>
<blockquote><p>Dank der detaillierten Studie von Hubertus Knabe über die Stasi im Westen ist ein Sachverhalt unbestreitbar: die Steuerungsgremien der Berliner Studentenbewegung &#8211; der SDS, der AStA der Freien Universität, die «November-Gesellschaft» oder der Republikanische Club in der Wielandstrasse &#8211; waren fast durchweg von Stasi-Spitzeln und von Einflussagenten durchsetzt. Dasselbe gilt für bundesweit operierende Organisationen wie «Die Falken» und den Arbeitsausschuss der «Kampagne für Abrüstung», bei denen die Forderung nach der Enteignung Springers schon im Juli 1967 zum Hauptthema wurde.</p></blockquote>
<p>Es bleibt, zu fragen, ob der Springer-Verlag das Vermächtnis von Axel Springer in seinem Sinne verwaltet. Die Unternehmensgrundsätze sind, wenn auch verändert, nach wie vor in Kraft und werden auch umgesetzt: Auf das <a href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/gedicht-zum-konflikt-zwischen-israel-und-iran-was-gesagt-werden-muss-1.1325809">Grass-Gedicht</a> reagierte die «Welt am Sonntag», in dem sie drei Redakteure zu Benjamin Netanjahu nach Israel schickte und ihn für eine Doppelseite interviewte, darauf folgend ein ganzseitiger Bericht über Israelis in Berlin (Ausgabe vom 22. April). Eine markt- und pressefreiheitsfeindliche, protektionistische Kungelei mit der Regierung, wie das von Christoph Keese im Auftrag des Verlags propagierte <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Leistungsschutzrecht_f%C3%BCr_Presseverleger">Leistungsschutzrecht für Presseverleger</a> hätte Axel Springer selbst aber wohl kaum je vertreten.</p>
<p><small><a href="https://www.youtube.com/watch?v=0MOttjKNqls">«Axel Springer, Verleger &#8211; Feindbild &#8211; Privatmann»</a> (am 1. Mai, 20.15 Uhr auf arte und am 2. Mai, 22.55 Uhr auf SF1)<br />
<a href="https://www.youtube.com/watch?v=3p8ZOeujtKY">«Axel Springer &#8211; Ein deutscher Verleger»</a> (am 1. Mai, 21.45 Uhr auf BR und am 2. Mai, 21 Uhr auf Phoenix)<br />
<a href="https://www.youtube.com/watch?v=_83xk3kZxlM">«Bespitzelt Springer! Wie die Stasi einen Medienkonzern ausspähte»</a> (2009)<br />
<a href="https://www.youtube.com/watch?v=uLbU8-bMU-I">Axel Springer im Gespräch mit Gerhard Löwenthal</a> (1982)</p>
<p>Offenlegung: Ronnie Grob arbeitet regelmässig für Bildblog.de.</p>
<p><strong>* Nachtrag / Korrektur</strong>, 2. Mai 2012, 12 Uhr: Der Propyläen Verlag gehört nicht (wie wir behaupteten) zur Axel Springer AG, sondern seit 2003 zur Ullstein Buchverlage GmbH und somit zum Bonnier-Konzern. Danke für den Hinweis <a href="http://weblogs.evangelisch.de/weblogs/altpapier/2012/05/02/er-liebte-israel-und-teetische">an das &#8222;Altpapier&#8220;</a>.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/05/01/unser-aller-darth-vader/">Unser aller Darth Vader</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://medienwoche.ch/2012/05/01/unser-aller-darth-vader/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>1</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>E-Book: Gross sind nur die Phantasien</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/08/11/schweiz-hartes-pflaster-fur-e-book/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2011/08/11/schweiz-hartes-pflaster-fur-e-book/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Torsten Haeffner]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Aug 2011 08:58:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Buchhandel]]></category>
		<category><![CDATA[Diogenes]]></category>
		<category><![CDATA[E-Buch]]></category>
		<category><![CDATA[Thalia]]></category>
		<category><![CDATA[E-Book]]></category>
		<category><![CDATA[Buch]]></category>
		<category><![CDATA[Verlag]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=4250</guid>

					<description><![CDATA[<p>Seit geraumer Zeit wird folgende Kunde um die Welt gereicht: Das E-Book löst demnächst das traditionelle Buch ab. Verleger werden arm, Buchhändler arbeitslos und Autoren reich, weil sie künftig den Grossteil der Einnahmen aus dem Verkauf selbst einstreichen. Alles Mumpitz. E-Books bleiben einstweilen ein Nischengeschäft. Dafür sorgen die Verleger, aber auch die Hersteller von E-Book-Readern. <a href="https://medienwoche.ch/2011/08/11/schweiz-hartes-pflaster-fur-e-book/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/08/11/schweiz-hartes-pflaster-fur-e-book/">E-Book: Gross sind nur die Phantasien</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="alignleft" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2011/08/5012930273_e7f19d0f98_m.jpg" alt="" width="120" height="160" /> Seit geraumer Zeit wird folgende Kunde um die Welt gereicht: Das E-Book löst demnächst das traditionelle Buch ab. Verleger werden arm, Buchhändler arbeitslos und Autoren reich, weil sie künftig den Grossteil der Einnahmen aus dem Verkauf selbst einstreichen. Alles Mumpitz. E-Books bleiben einstweilen ein Nischengeschäft. Dafür sorgen die Verleger, aber auch die Hersteller von E-Book-Readern.<br />
<span id="more-28903"></span><br />
Weshalb das elektronische Buch, trotz anders lautender Ankündiungen, vorläufig nicht vom Fleck kommt, ist im Prinzip schnell erklärt: Die Verlage haben kein Interesse, ihre Träume von einer dauerhaften Buchpreisbindung sowie wertschöpfende Produktionsbereiche (Druck, Papier, Buchbinderei etc.) aufzugeben. Und die E-Reader-Produzenten stellen sich einstweilen selbst ein Bein, solange sie den Wildwuchs an Dateiformaten nicht eindämmen und solange sie sich nicht auf miteinander kompatible Standards einigen. So müssen Autoren – wie auch der Schreiber dieser Zeilen selbst – einstweilen die Hoffnung begraben, über Nacht zu Millionären zu werden, wie es <a href="http://futurezone.at/digitallife/3777-jeder-kann-in-die-bestseller-listen-kommen.php" target="_blank">angeblich Amanda Hocking oder John Locke erging</a>.</p>
<p>Das Geschäft mit E-Books und E-Book-Readern steckt nach wie vor in der Pionierphase. Es geht zu wie im Wilden Westen. Gross sind nur die Phantasien: Amazon verkündete jüngst stolz, mittlerweile <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,763586,00.html" target="_blank">mehr E-Books als Papierbücher zu verkaufen</a>. Unklarheit herrscht allerdings, ob der Run auf die Amazon-E-Books vielleicht nur ein PR-Gag war, weil der Vergleich zwischen E-Books und Hardcover-Büchern (also ohne Paperbacks) gezogen wurde. Auch Kindle meldet laufend neue Verkaufserfolge, Google bringt <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,773851,00.html" target="_blank">einen eigenen Reader auf den Markt</a>. Und das Schweizer Handelsunternehmen Digitec führt mittlerweile fast dreissig verschiedene E-Reader-Typen im Sortiment – und natürlich noch mehr Tablet-PCs, auf denen man auch gut lesen kann. Führend bei den E-Readern sind laut Nadine Widmer, Digitec-Mediensprecherin, die Produkte Sony PRS-350, Amazon Kindle 3, Barnes &amp; Noble Nook (2nd) WiFi.</p>
<p>Die Verlage hingegen agieren weit weniger dynamisch als die Reader-Hersteller oder Händler: Gerade 25.000 deutschsprachige Bücher sind als E-Books erhältlich, wobei die Krux darin liegt, dass viele dieser E-Books nur auf gewissen Readern zu lesen sind. Zum Vergleich: Das Angebot an englischsprachiger Literatur umfasst 2,4 Millionen Titel – und dies, obwohl auf Deutsch jährlich mehr Bücher publiziert werden als in jeder anderen Sprache.</p>
<p>Der Diogenes-Verlag führt kein einziges E-Book in seinem Sortiment. Diogenes, laut Eigendefinition der grösste rein belletristische Verlag Europas, hat offenbar auch keine Strategie. Anders ist nicht erklärbar, warum Diogenes-Mediensprecherin Ruth Geiger auf die zweimalig gestellten fünf Fragen der MEDIENWOCHE nur mit Schweigen reagierte.</p>
<p>Die Verlagsgruppe Random House führt aktuell laut ihrer Sprecherin Claudia Limmer immerhin mehr als 4300 Titel als E-Books, wobei die Preispolitik dieses Verlags einen anfangs staunend zurücklässt: Die Printausgabe des vom deutschen Feuilleton erst gefeierten, dann verrissenen Hegemann-Romans «Axolotl Roadkill» kostet in der Printversion 8.99 Euro. Das E-Book, bei dessen Produktion keine oder weit geringere Kosten für Papier, Druck, Distribution etc. entfallen, kriegt der Käufer nur für einen Euro günstiger. [<a href="https://medienwoche.ch/2011/08/11/schweiz-hartes-pflaster-fur-e-book/#1193">Korrigendum</a>: «Axolotl Roadkill» erschien bei Ullstein und nicht bei Random House]</p>
<p>Bei genauerem Hinsehen wird hinter dieser Preispolitik eine verhalten aggressive Strategie erkennbar: Random House sieht das E-Book keineswegs als Verdränger des Papierbuchs, sondern will damit laut Claudia Limmer «neue und zusätzliche Leser und Zielgruppen ansprechen». Sprich: Nicht alle Konsumenten lesen Bücher, manche aber E-Books.</p>
<p>Auf diese Differenzierung zwischen Papierbuch-Lesern und E-Book-Lesern setzt offenbar auch die Thalia Bücher AG, der grösste Schweizer Buchhändler: Wachstumsraten von 200 Prozent verbucht der nach Eigenaussagen «führende Anbieter von E-Readers und E-Books im deutschsprachigen Raum», wenngleich die Umsätze der E-Books prozentual zu den gedruckten Büchern «noch im einstelligen Bereich bewegen», berichtet Thalia-Mediensprecherin Irina Jermann.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/08/11/schweiz-hartes-pflaster-fur-e-book/">E-Book: Gross sind nur die Phantasien</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://medienwoche.ch/2011/08/11/schweiz-hartes-pflaster-fur-e-book/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>1</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Schawi, de Weck und die neue SRG</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/02/03/roger-de-weck-krempelt-die-srg-um/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2011/02/03/roger-de-weck-krempelt-die-srg-um/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Urs Gossweiler]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 03 Feb 2011 14:46:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Standpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Schweizer Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Verlag]]></category>
		<category><![CDATA[Urs Gossweiler]]></category>
		<category><![CDATA[SRF]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Jungfrau Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Roger Schawinski]]></category>
		<category><![CDATA[SF]]></category>
		<category><![CDATA[SRG]]></category>
		<category><![CDATA[Verleger]]></category>
		<category><![CDATA[Service public]]></category>
		<category><![CDATA[Roger De Weck]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=485</guid>

					<description><![CDATA[<p>Gastbeitrag von Urs Gossweiler, Verleger der Jungfrau Zeitung und Präsidiumsmitglied Verband Schweizer Medien Das grosse Thema von heute waren weder die Unruhen in Ägypten noch der straffällig gewordene Sozialtherapeut. Das grosse Thema heute war Roger Schawinski, der zu seiner «ersten Liebe», dem Schweizer Fernsehen, zurückkehrt. Dabei ist seine Abkehr vom Anti-SRG-Kurs gar keine Überraschung. Bereits <a href="https://medienwoche.ch/2011/02/03/roger-de-weck-krempelt-die-srg-um/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/02/03/roger-de-weck-krempelt-die-srg-um/">Schawi, de Weck und die neue SRG</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Gastbeitrag von Urs Gossweiler, Verleger der Jungfrau Zeitung und Präsidiumsmitglied Verband Schweizer Medien</em></p>
<p>Das grosse Thema von heute waren weder die Unruhen in Ägypten noch der straffällig gewordene Sozialtherapeut. Das grosse Thema heute war Roger Schawinski, der zu seiner «ersten Liebe», dem Schweizer Fernsehen, zurückkehrt. Dabei ist seine Abkehr vom Anti-SRG-Kurs gar keine Überraschung. Bereits Mitte der 90-er Jahre hatte sich Schawinski für den Posten des SRG-Generaldirektors beworben. Armin Walpen machte jedoch das Rennen. Spannender und genialer ist die Geschichte aus der Sicht von Roger de Weck: Er integriert einen der grössten Kritiker der SRG gleich ins System und macht ihn somit mundtot.<span id="more-28708"></span><br />

            <div class="form-block-bg">
                <div class="form-block-wrap">
                    <div id="myDIV" class="form-block">
                        <div class="new-form">
                            <h2 class="h2">Unterstützen Sie unabhängigen und kritischen Medienjournalismus. Werden Sie jetzt Gönner/in.</h2><p>Journalismus braucht Herzblut, Zeit – und Geld. Mit einem Gönner-Abo helfen Sie, unseren unabhängigen Medienjournalismus nachhaltig zu finanzieren. Ihr Beitrag fliesst ausschliesslich in die redaktionelle und journalistische Arbeit der MEDIENWOCHE.</p>

                            <div class="buttons-row">
                                 <button class="new-form__button" type="button" onclick="window.location='https://medienwoche.ch/goenner-abo/wie-viel-ist-ihnen-unabhaengiger-journalismus-wert/'">JETZT GÖNNER/IN WERDEN</button>
                                 <button id="elem" class="new-form__button new-form__button--accent" type="button">login</button>
                                 <button id="hide" data-admin-url="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-admin/admin-ajax.php " data-post-id="28708" class="new-form__button new-form__button--accent" type="button">IM MOMENT NICHT</button>
                            </div>
                        </div>
                    </div>
                </div>
            </div>
            [rml_read_more]</p>
<p>De Weck vollzieht nötigen Wandel</p>
<p>Beim Thema SRG spielt Schawinski jedoch nur eine Nebenrolle. Die Hauptrolle hat der neue Kapitän Roger de Weck, den ich 1993 das erste Mal traf. Der jetzige SRG-Generaldirektor war zu der Zeit Chefredaktor des Zürcher Tages-Anzeigers. Sein damaliger Verleger Hans Heinrich Coninx brachte uns zusammen. Ich sollte de Weck und den übrigen Managern von Tamedia meine Vision der Medienintegration vorstellen. Ich vertrat damals wie heute die Ansicht, dass durch die Digitalisierung die Mauern zwischen den elektronischen und gedruckten Medien eingerissen werden. Zudem entstehe eine neue Plattform, die die Medienkonsumenten und die Medienproduzenten online miteinander verbinde. Das Wort Internet existierte damals noch nicht in Medienkreisen. Heute, rund zwei Jahrzehnte später, vollzieht Roger de Weck diesen Wandel beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk der Schweiz und provoziert damit seinen ehemaligen Arbeitgeber in Zürich und alle anderen privaten Medienhäuser massiv. Die SRG breitet sich auf allen Kanälen weiter aus und will nun – trotz einem jährlichen Budget von 1,6 Milliarden Franken (!) – auch die eigenen Webdienste mit kommerzieller Werbung anreichern. Damit drängt sie die privaten Anbieter endgültig an den Rand. Der Bundesrat zögert offiziell noch, der SRG diese letzte Hürde aus dem Weg zu räumen. Wie immer, wenn der Veranstalter der «Arena» etwas von den Politikern will, sagen diese aber am Ende ja. Vorher soll sich die SRG allerdings mit den Verlegern gütlich einigen.</p>
<p>Mit der SRG ins Boot steigen, lohnt sich nicht</p>
<p>Wir Verleger wiederum sind schon oft mit der SRG ins gleiche Boot gestiegen, um ein paar Jahre später als Verlierer wieder auszusteigen. Dies war so bei der Einführung der TV-Spots, als eine gemeinsame Vermarktungsgesellschaft gegründet wurde. Später beim Gebührensplitting für ein paar private TV-Stationen. Nun soll eine unheilige Allianz im Web entstehen. Diesmal erweckt es zumindest den Anschein, dass die Verleger dies nicht wollen. Doch kann man der SRG den Weiterausbau im Internet verbieten? Natürlich nicht. Klassisches Fernsehen wird sich in den nächsten Jahren rasant verändern. Insbesondere bei der Distribution. Webbasierende Dienste wie Zattoo, Wilmaa, kino.to, Newssites von TV-Stationen oder Video-on-Demand auf dem iPad sind nur einige davon. Dieser Entwicklung kann und darf sich die SRG nicht verschliessen. Roger de Weck hat dies erkannt. Erst seit Anfang Jahr im Amt, drückt er mächtig auf die Tube. Sowohl intern mittels Fusion von Radio und TV in den jeweiligen vier Landesteilen als auch gegen Aussen mittels politischem Lobbying.</p>
<p>De Weck weckt hohe Erwartungshaltung</p>
<p>Soll man die SRG also gewähren lassen? Von wegen! Vielmehr braucht es endlich eine klare Strategie wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk mit dem vielen, vielen Steuergeld dem Land einen wirklichen Dienst erweisen kann. Dem brillanten Kopf de Weck einen Ratschlag zu geben, ist vermessen. Doch ein bisschen mehr Offenheit gegenüber der Welt und mehr Interesse an einer vielfältigen Medienkultur würde man der Spitze der SRG derzeit wünschen. Letztmals traf ich de Weck an der Dreikönigstagung des Schweizer Medieninstituts in Zürich. Im Zürcher World Trade Center – gegenüber vom Leutschenbach – hielt der Intellektuelle seine erste Grundsatzrede als SRG-Generaldirektor. Er beklagte die starke ausländische Konkurrenz, forderte mehr finanzielle Mittel und pochte trotzig auf eine autonome Schweizer Lösung. Der sonst glühende Verfechter einer europäischen Integration sprach bei dieser Tagung eher wie ein Bauernverbandspräsident oder wie der Migrationsbeauftragte der SVP (alles Böse kommt aus dem Ausland). Von der de Weck-geführten SRG erwarte ich mehr, als mit staatlich verordneten Gebührengeldern die private Konkurrenz zu erdrücken. Die SRG sollte drei Schwerpunkte verfolgen:<br />
Förderung der Integration und des Informationsaustauschs zwischen den Landesteilen – Weltweite Verbreitung von freien, neutralen Informationen – Internationale Stärkung des Medienplatzes Schweiz</p>
<p>Regionale Isolation statt Integration</p>
<p>1994 bewilligte der damalige Medienminister Adolf Ogi dem Intendanten Roy Oppenheim den neuen SRG-Sender Schweiz 4. Oppenheim wollte damit eine Art «Best of» aller SRG-Sender, ausgestrahlt in allen vier Landesteilen, lancieren. Nach jahrelangem Kampf gelang es dem Deutschschweizer Programmdirektor Peter Schellenberg Schweiz 4 in SF 2 umzuwandeln. Statt mehr Schweiz für alle Landesteile erhielt die Region Deutschschweiz zwei TV-Kanäle. Logischerweise wollten dies kurzum auch die Romandie und das Tessin. Statt die Integration unter den Landesteilen zu fördern, zementierte die SRG den Röstigraben und erhöhte auf sprachregionaler Ebene die Schlagkraft bei gleichbleibender Isolation. Bewilligt hat dies der Zürcher Medienminister Moritz Leuenberger. Dieser ist auch verantwortlich für eine isolationistische Radio- und Lokal-TV-Landschaft.</p>
<p>Gesamtschweizerisches Programm</p>
<p>In unserer Familie gibt es die schöne Tradition, dass alle 30 Jahre ein Gossweiler die Rekrutenschule in Fribourg absolviert. Dadurch kommt man als Deutschschweizer mit der Französisch sprechenden Schweiz in Berührung. Die Armee bildet so eine Brückenfunktion zwischen den Landesteilen. Heute hat der Fribourger de Weck die Chance, mit seiner SRG wirkungsvoller das Gleiche zu tun. Das bedeutet mehr Koproduktionen zwischen den Landesteilen, mehr mehrsprachige Programme und mehr gesamtschweizerische Aktionen. Dies bringt zwar nicht mehr Quote, jedoch mehr Zusammenhalt und gegenseitiges Verständnis zwischen Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch sprechenden Schweizern. Eine mögliche Massnahme wäre die Einstellung aller zweiten Senderketten der Sprachregion, bei gleichzeitigem Aufbau eines echten, mehrsprachigen und gesamtschweizerischen Programms. Die dadurch erzielten, hohen Einsparungen fliessen in den internationalen Ausbau der SRG.</p>
<p>SRG als internationaler Informationsdienstleister</p>
<p>Wie Henry Dunant im 19. Jahrhundert die Vision umsetzte, dass die Schweiz der ganzen Welt humanitäre Dienste erweisen kann, könnte Roger de Weck im 21. Jahrhundert der ganzen Welt freie Informationen liefern. Nicht flächendeckend, jedoch mit Fokus auf Krisengebiete. Eines davon ist beispielsweise der Balkan. Politisch noch nicht gefestigt, mit einer hohen Anzahl Emigranten in der Schweiz, ist diese Weltgegend sehr wichtig für die Weiterentwicklung von Europa. Unlängst hat der öffentlich-rechtliche Rundfunk Grossbritanniens, die BBC, angekündigt, aus Kostengründen die Newsdienste in Serbischer, Mazedonischer und Albanischer Sprache zu streichen. Dies ist umso bedauerlicher, da in diesen Ländern die freie Presse noch nicht gewährleistet ist. Hier könnte die SRG nun im Interesse der Schweiz und Europa in die Bresche springen. Auch in Ungarn, wo die neue Regierung in Budapest zunehmend die freien Informationsangebote zensiert, könnte die SRG zur unabhängigen Meinungsbildung beitragen. Weitere Tätigkeitsfelder: Russland, China oder Iran. Mit diesen Diensten würde die Zivilgesellschaft vor Ort und das Image der Schweiz weltweit als neutraler, freier Staat gestärkt. Derzeit passiert bei der SRG genau das Gegenteil. Swissinfo, das in Ansätzen solche Ziele verfolgt, muss von Jahr zu Jahr mehr sparen, damit die SRG das Geld im Kampf gegen die inländische private Konkurrenz zur Verfügung hat.</p>
<p>Für einen starken Medienplatz Schweiz</p>
<p>Darüber hinaus könnte Roger de Weck den Medienplatz Schweiz insgesamt stärken. Fernsehschaffende aus aller Welt sollten sich hier treffen, um Ideen auszutauschen, Know-how-Transfer zu gewährleisten und die internationale Pressefreiheit zu stärken. Mit der Goldenen Rose von Montreux führte die SRG während Jahrzehnten eine der wichtigsten TV-Messen durch. Gleichzeitig produzierte sie am Schluss eine Unterhaltungssendung, die weltweit ausgestrahlt wurde. Statt diese geniale Idee weiter auszubauen, verkaufte die SRG den gesamten Event. Heute findet die Goldene Rose in Luzern unter Ausschluss der internationalen Medienszene statt.</p>
<p>Wegbereiter de Weck</p>
<p>Zwischen unserem ersten Treffen 1993 und dem vorerst letzten im 2011, traf ich Roger de Weck noch ein einziges Mal. Es war vor ein paar Jahren, als Roger Köppel, Verleger und Chefredaktor der Weltwoche, einen runden Geburtstag feierte. Er tat dies in Berlin, weil er damals als Chef der Tageszeitung Die Welt amtete. Eingeladen war auch Roger Schawinski, zu der Zeit als Chef von Sat.1 ebenfalls in Berlin wohnhaft. Den beiden den Weg geebnet hat der dritte Roger, nämlich Roger de Weck, als Chefredaktor der Zeit in Hamburg. Es erfüllte mich als Schweizer Verleger mit Stolz, mit diesen drei Rogers in Berlin zu feiern. Heute wünsche ich mir, dass Roger de Weck als neuer SRG-Generaldirektor wiederum ein Wegbereiter wird. Ein Wegbereiter für eine integrationsfördernde, weltoffene und innovationsstarke SRG.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/02/03/roger-de-weck-krempelt-die-srg-um/">Schawi, de Weck und die neue SRG</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://medienwoche.ch/2011/02/03/roger-de-weck-krempelt-die-srg-um/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>2</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
