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	<title>Walter Roderer | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>Der grosse Neid der Kleingeister</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 31 May 2012 09:52:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Standpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Journalisten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die grossen Namen werden in der Schweiz beargwöhnt. Wer die gemeinen Pfade verlässt, mit Fleiss und Können etwas wagt oder bewegt, gar Erfolg hat, muss mit Neid und Häme rechnen. Unter den Journalisten herrscht Angst vor dem Ausbruch aus der Konformität. Als Samstagabendshow war «Verstehen Sie Spass?» nur sieben Jahre im Programm der ARD, in <a href="https://medienwoche.ch/2012/05/31/der-grosse-neid-der-kleingeister/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die grossen Namen werden in der Schweiz beargwöhnt. Wer die gemeinen Pfade verlässt, mit Fleiss und Können etwas wagt oder bewegt, gar Erfolg hat, muss mit Neid und Häme rechnen. Unter den Journalisten herrscht Angst vor dem Ausbruch aus der Konformität.<br />
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Als Samstagabendshow war «Verstehen Sie Spass?» nur sieben Jahre im Programm der ARD, in den goldenen Jahren dieses Formats, von 1983 bis 1990. 22 Jahre nach dem Abschied wird die Meldung vom Tod von Kurt Felix zum <a href="http://www.presseverein.ch/2012/05/abschied-von-kurt-felix/">Aufmacher</a> gleich dreier grosser deutscher Boulevardzeitungen: B.Z., Berliner Kurier und Express.</p>
<p>Und in der Schweiz? Wird der Fall ordnungsgemäss mit einem Artikel oder zwei abgehandelt, nur die Ringier-Presse liefert etwas mehr. Ein Blick zurück zeigt, dass es nie anders war. Über Kurt Felix und «Verstehen Sie Spass?» berichteten in den 1980er-Jahren fast ausschliesslich die Blick-Titel, Tele und Heftli wie die Glückspost und die Schweizer Woche. Von den Zeitungen kam kaum etwas und wenn, dann ein Daumen nach unten. Ein Artikel der Luzerner Neusten Nachrichten beispielsweise sammelte 1985 unter dem Titel «Biederes, saftloses Geplausche» folgendes: Kurt Felix «stört nur», «ist zu steif», ist «steif wie ein frisch gebügelter Hemdkragen» und geht «je länger, desto mehr mit seinen prominenten Opfern zu weit». Dem St. Galler Tagblatt war 1987 für Felix nur sein bestes Personal gut genug, ihm wurde <a href="http://blog.tagesanzeiger.ch/deadline/index.php/583/versprochener-sex-mit-paola-und-andere-erinnerungen-an-kurt-felix/">ein 21-jähriger Volontär</a> namens Constantin Seibt vorbeigeschickt. Wie sich Kurt W. Zimmermann <a href="http://www.weltwoche.ch/index.php?id=544953">erinnert</a>, war damals ein Lob für Kurt Felix «so etwas wie ein journalistischer Kami­kaze».</p>
<p>Ohne in die Dümmlichkeit abzugleiten, hat Felix Unterhaltung für die breite Masse gemacht. Doch das ist offenbar nichts, wofür man gelobt wird. Erfolgreiche Kulturschaffende, die sich nicht intellektuell geben, werden in beschriftete Schubladen gesteckt und vergessen: Volksschauspieler (Ruedi Walter), Blödler (Peach Weber), Geldmaschine (DJ Bobo) oder Buchhalter (Walter Roderer). Kulturschaffende dagegen, die sich intellektuell geben, werden von den Journalisten als grosse Geister hofiert und immer wieder hervorgeholt: Max Frisch, Adolf Muschg, Martin Walser. Auf den Inhalt kommt es nicht an: Wenn es ein Gedicht ist und von Günter Grass, dann kann es noch so dumm sein, um nicht breit verhandelt zu werden.</p>
<p>Der biedere Walter Roderer war wohlgelitten, aber als er 1992 in Lokalzeitungen Inserate gegen den EWR-Beitritt schaltete, konnte die Kulturelite plötzlich nicht mehr über ihn lachen. «Rechtsextremer Kabarettist und trauriger Spassmacher» wurde er von Niklaus Meienberg im «Spiegel» genannt. Der Sonntagsblick schrieb von «Rodis EWR-Hetze». Und Felix E. Müller sprach Roderer in der Weltwoche jegliche schauspielerische Fähigkeiten ab: «Walter Roderer ist, was er spielt, und seine Programme können nicht länger zur Hinterfragung, sondern bloss noch als Bestätigung dieser Schweizer Realität gelten.» Über die ausbleibenden Zuschauer seiner Tournee titelte der «Blick» am 19. Februar 1993 dann riesengross: «Roderer: Bitterer Abschied» («Hat ‹Rodi Ratlos› den richtigen Zeitpunkt für den Abgang verpasst?»).</p>
<p>Jeder, der publiziert, hat das zu erwartende Echo im Hinterkopf, gerade auch das der Kollegen. Wer keinen Ärger möchte, verbreitet keine neuen Ideen, sondern das, was die Vorgesetzten, die Mitarbeiter und die Leser von ihm erwarten. Das erzeugt einen «besorgniserregenden Hang zum Gleichklang» in den Medien, wie selbst ein Giovanni di Lorenzo <a href="http://www.zeit.de/2012/22/DOS-Interview-Schirrmacher/komplettansicht">erkennt</a>, «Zeit»-Chefredaktor und sowas wie ein Hohepriester der Mitte:</p>
<blockquote><p>«Das Merkwürdige dabei ist, dass der Konformitätsdruck nicht von bösen Regierungen oder finsteren Wirtschaftsmächten ausgeübt wird. Vielmehr kommt er aus unserer eigenen Mitte, er geht von den Journalisten, Lesern und Zuschauern aus.»</p></blockquote>
<p>Es herrscht das Prinzip der Gleichmacherei: Jene, die hinausragen, werden immer wieder auf das Mittelmass zurück gestutzt. Einerseits ist das heilsam, weil so keine kopflose Herde auf die Idee kommt, blind dem grossen Führer zu folgen (Schweizer Journalisten könnte sowas nur bei Roger Federer passieren). Andererseits ist es furchtbar kleingeistig, keine Grösse zuzulassen. Doch um kritisch beäugt zu werden, reicht es schon aus, im Kleinen vom gemeinhin begangenen Pfad abzuweichen: Als ich ankündigte, auf gut Glück nach Berlin zu ziehen, brach niemand in Begeisterung aus. Stattdessen wurde ich (korrektermassen) auf Fragen zu meiner Altersvorsorge aufmerksam gemacht.</p>
<p>Wenn Roger Köppel erzählt, er habe sich hoch verschuldet, um die Weltwoche zu kaufen, glaubt ihm das niemand. Stattdessen wird seine Unabhängigkeit in Frage gestellt.</p>
<p>Wenn Urs Gossweiler seine Mikrozeitungs-Pläne in Zürich zurückzieht, weil das Risiko zu gross ist, dann grinst man hämisch über diese Grossspurigkeit.</p>
<p>Wenn es Roger Schawinski nur jede zweite oder dritte Woche schafft, die wichtigste Person der Woche in seiner Sendung zu haben, dann machen sich die Twitterer gerne darüber lustig.</p>
<p>Wenn Peter Hogenkamp eine Firma gründet, die versucht, mit Blogs Geld zu verdienen, dann kommt gleich mal <a href="http://www.blogwerk.com/2006/08/20/mit-blogs-auf-die-grosse-kasse-hoffen-artikel-in-der-sonntagszeitung/">die Sonntagszeitung</a>, <a href="http://www.blogwerk.com/2006/08/20/peter-hogenkamp-hat-es-sich-nicht-wirklich-einfacher-vorgestellt/">um sich zur Lohnpolitik zu äussern</a>.</p>
<p>Wir leben in Zeiten eines grossen informationstechnischen, wirtschaftlichen und staatspolitischen Umbruchs. Wer bloss soll die Welt voranbringen, wenn nicht die Klügsten etwas wagen? Auch wenn es sich die Miesmacher nicht eingestehen wollen: es sind die Pioniere, die die Welt neu gestalten. Und nicht die konservative Mehrheit, die irgendwann nicht mehr anders kann, als die neue Realität zu akzeptieren und dann auch noch so tut, als hätte sie die Veränderung schon immer bejaht &#8211; siehe dazu den zeitlos glänzenden Text <a href="http://www.eurozine.com/articles/2009-12-01-passig-de.html">«Standardsituationen der Technologiekritik»</a> von Kathrin Passig.</p>
<p>Ob Schawinski, Köppel, Felix oder auch Blocher und Ziegler: Sie sterben als grosse Pioniere, Publizisten, Unterhalter und Politiker. Vor allem aber als Menschen, die selbst nachgedacht, eigenständig gehandelt und sich auch durch Kritik nicht vom Kurs abbringen liessen. Sogar die zu Lebzeiten vielgehassten Niklaus Meienberg und Peter Uebersax sind posthum zu Legenden geworden. An geistlose Miesmacher, die selbst nie etwas neu gedacht oder gar gewagt haben, wird sich dagegen zurecht niemand erinnern. Gegen Neid auf andere gibt es übrigens ein Allheilmittel: eigener, verdienter Erfolg.</p>
<p><small>Offenlegung: Als Medienkritiker ist Ronnie Grob seit 2006 ein Miesmacher. Und eine Firma hat er auch noch nie eine gegründet.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/05/31/der-grosse-neid-der-kleingeister/">Der grosse Neid der Kleingeister</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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