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	<title>Blickwinkel | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Sat, 26 Mar 2022 06:31:20 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Vier Zerwürfnisse und ein Ziel: Wie die SVP die Halbierungsinitiative voranpeitscht</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2022/03/26/vier-zerwuerfnisse-und-ein-ziel-wie-die-svp-die-halbierungsinitiative-voranpeitscht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 26 Mar 2022 06:31:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blickwinkel]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[SRG]]></category>
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		<category><![CDATA[Arena]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Parteimitglieder der SVP wird man bis auf Weiteres nicht mehr in der SRF-«Arena» sehen. Ein weiterer Schachzug im Kampf gegen die SRG – und Stimmungsmache für die Halbierungsinitiative.</p>
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		<item>
		<title>Facebook und die Aufgabe des staatlichen Gewaltmonopols</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2018/09/19/facebook-und-die-aufgabe-des-staatlichen-gewaltmonopols/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 19 Sep 2018 10:51:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blickwinkel]]></category>
		<category><![CDATA[Auf dem Radar]]></category>
		<category><![CDATA[Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Regulierung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine auf den ersten Blick plausibel erscheinende und in letzter Zeit vermehrt vernommene Forderung geht dahin, dass Facebook das Grundrecht auf Meinungsfreiheit genau gleich gewährleisten solle, wie das für den Staat auch gilt. Für Malte Engeler, Datenschutzspezialist und Richter in Schleswig-Holstein, eine abwegige Vorstellung. «Um die Macht der Digitalkonzerne zu regulieren, ist eine solche verfassungsrechtliche Verrenkung nicht nur unnötig, sie wäre sogar ein wahrer Bärendienst an unserem modernen Demokratieverständnis», hält Engeler in einem Gastbeitrag auf netzpolitik.org fest. Denn: «Nur Gesetzgeber, Verwaltung und Justiz sollen Staatsgewalt ausüben und sind im Gegenzug der Achtung der Grundrechte verpflichtet. Private im Umkehrschluss ebenfalls den Grundrechten zu verpflichten, ist also nicht möglich, ohne Facebook gleichzeitig als der Staatsgewalt ebenbürtig anzuerkennen. Eine unmittelbare Grundrechtsbindung von Facebook &#038; Co ist daher im Grunde nur eines: Die Aufgabe des staatlichen Gewaltmonopols gegenüber den Digitalkonzernen.»</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/09/19/facebook-und-die-aufgabe-des-staatlichen-gewaltmonopols/">Facebook und die Aufgabe des staatlichen Gewaltmonopols</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Eine auf den ersten Blick plausibel erscheinende und in letzter Zeit vermehrt vernommene Forderung geht dahin, dass Facebook das Grundrecht auf Meinungsfreiheit genau gleich gewährleisten solle, wie das für den Staat auch gilt. Für Malte Engeler, Datenschutzspezialist und Richter in Schleswig-Holstein, eine abwegige Vorstellung. «Um die Macht der Digitalkonzerne zu regulieren, ist eine solche verfassungsrechtliche Verrenkung nicht nur unnötig, sie wäre sogar ein wahrer Bärendienst an unserem modernen Demokratieverständnis», hält Engeler in einem Gastbeitrag auf netzpolitik.org fest. Denn: «Nur Gesetzgeber, Verwaltung und Justiz sollen Staatsgewalt ausüben und sind im Gegenzug der Achtung der Grundrechte verpflichtet. Private im Umkehrschluss ebenfalls den Grundrechten zu verpflichten, ist also nicht möglich, ohne Facebook gleichzeitig als der Staatsgewalt ebenbürtig anzuerkennen. Eine unmittelbare Grundrechtsbindung von Facebook &#038; Co ist daher im Grunde nur eines: Die Aufgabe des staatlichen Gewaltmonopols gegenüber den Digitalkonzernen.»</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/09/19/facebook-und-die-aufgabe-des-staatlichen-gewaltmonopols/">Facebook und die Aufgabe des staatlichen Gewaltmonopols</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Mittendrin statt nur dabei – ob ich will oder nicht</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/07/18/mittendrin-statt-nur-dabei-ob-ich-will-oder-nicht/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Carmen Epp]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 Jul 2016 09:33:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blickwinkel]]></category>
		<category><![CDATA[Standpunkt>Blickwinkel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Streaming-Dienste wie Periscope oder Facebook Live bringen den Zuschauer mitten ins Geschehen, live und unzensiert. Wie wichtig die Gatekeeper-Funktion von professionellem Journalismus angesichts dieser neuen Konkurrenz ist oder sein müsste, hat unsere Kolumnistin in den letzten Tagen gleich mehrfach erlebt. Es war der 14. Juli, ein normaler Donnerstagabend, mein Freund und ich lagen auf dem <a href="https://medienwoche.ch/2016/07/18/mittendrin-statt-nur-dabei-ob-ich-will-oder-nicht/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Streaming-Dienste wie Periscope oder Facebook Live bringen den Zuschauer mitten ins Geschehen, live und unzensiert. Wie wichtig die Gatekeeper-Funktion von professionellem Journalismus angesichts dieser neuen Konkurrenz ist oder sein müsste, hat unsere Kolumnistin in den letzten Tagen gleich mehrfach erlebt.<br />
<span id="more-27780"></span><br />
Es war der 14. Juli, ein normaler Donnerstagabend, mein Freund und ich lagen auf dem Sofa, assen Chips und schauten uns eine DVD an. Ein Horrorfilm mit allem, was dazu gehört: Spannung, Gänsehaut und ja, auch Leichen und Blut, sehr viel Blut. Dass ich bald vom fiktiven zum realen Horror wechseln würde, hätte ich da noch nicht geahnt.</p>
<p>Als der Abspann des Films lief, schaute ich auf mein Handy. Mehrere Push-Meldungen füllten das Display: irgendwas mit Nizza, einem weissen LKW und Todesopfern. Zwei, drei Daumenwische auf Twitter später erschien ein Video in meinem Feed, das sogleich zu laufen begann. Es dauerte eine Weile, bis ich realisierte, was da gezeigt wurde: Die Promenade des Anglais, gesäumt von leblosen Körpern in ihrem eigenen Blut, gefilmt von einem Mann, der von Leiche zu Leiche lief und unentwegt fragte: «C’est quoi ça?» Irgendjemand hatte den Persicope-Live-Stream in meinen Feed geteilt.</p>
<p>Live-Streaming-Dienste wie Periscope oder Facebook Live werden immer beliebter. Gemeinsam erreichen die beiden Kanäle weltweit gegen zwei Milliarden Nutzer. Diese eröffnen mit ihren Streams einen neuen, unmittelbaren Blick auf alles, was in der Welt gerade geschieht. Damit sind jedoch auch Gefahren verbunden, die weit über die Fragen von Daten- und Persönlichkeitsschutz hinausgehen. So werden die Zuschauer immer öfters Zeugen verstörender Szenen (http://www.watson.ch/Digital/Facebook/873692061-Schl%C3%A4ge&#8211;Schiessereien&#8211;Suizide&#8211;Immer-wieder-filmen-Nutzer-bei-Periscope-und-Facebook-verst%C3%B6rende-Ereignisse).</p>
<p>Im professionellen Journalismus hingegen wird traditionsgemäss auf das Zeigen von Bildern mit Leichen oder Gewalt verzichtet. Zwar verletzten redaktionelle Medien diese Regel vermehrt, aber der Nutzer weiss immerhin, von welchen Titeln er solch unethisches Verhalten erwarten muss. Aber auch dahinter steckt meist ein aktiver Entscheid: Ja, wir zeigen es. Der Journalist fungiert dabei als Gatekeeper, als «Schrankenwärter», der entscheiden kann, was er zeigt wird und was nicht.</p>
<p>So auch Richard Gutjahr. Der Deutsche Journalist und Blogger befand sich zur Zeit des Anschlags in Nizza und hielt die Fahrt des weissen LKWs in die Menschenmenge auf seinem Handy fest – noch ohne zu wissen, welches Drama sich da gleich abspielen wird. Das Video zeigt zwar keinen expliziten Inhalt. Trotzdem hat sich Gutjahr dagegen entschieden ((http://www.spiegel.de/politik/ausland/richard-gutjahr-journalist-filmte-den-anschlag-von-nizza-a-1103106.html), das Material bei Twitter oder Facebook zu veröffentlichen. «Stattdessen habe ich alles an die Redaktion des WDR geschickt. Dort entscheiden Profis, was veröffentlicht werden sollte und wie.»</p>
<p>Auch die TV-Stationen, die ich die Nacht hindurch beobachtet habe, verzichteten darauf, solche Bilder zu zeigen. Auf CNN warnte die Sprecherin gar explizit davor, sich diese Videos anzuschauen und bat darum, sie nicht zu teilen – aus Respekt vor den Angehörigen und den Opfern. Denselben Appell hatte zuvor auch die Französische Polizei auf Twitter verbreitet. Tags darauf rief auch SRF3 (https://api.crowdradio.de/cdn/i/1/b/cr-3-p/c/l-srf-srf-3/t/1/f/container/n/7cbc38fb-0bc9-45d6-ae14-eed5a8d627b9/e/html) unter dem Hashtag #caredontshare zu Mitgefühl statt Sensationsgier auf.</p>
<p>Wie vergänglich dieser hehre Vorsatz sein kann, zeigte sich keine 24 Stunden später, am Abend des 15. Juli als ich erneut unverhofft Push-Meldungen auf meinem Handy sah: ein Putschversuch in der Türkei, Tumulte in Istanbul und Ankara. Statt auf Twitter zu klicken, zappte ich diesmal direkt auf CNN. Und konnte meinen Augen kaum glauben: Die TV-Station, die noch am Abend zuvor davor warnte, sich verstörendes Videomaterial anzuschauen, zeigte fast genau so verstörende Live-Bilder von Istanbul. Menschen auf der Bosporus-Brücke, die leblose Körper weg trugen, ein offenbar verletzter Mann, der sich hinter einer Leitplanke in Sicherheit legte, und eine Gruppe von Personen, die einen Panzer belagerten, während in unmittelbarer Nähe Schüsse fielen.</p>
<p>Auch wenn die Bilder aus Istanbul, die CNN sendete, weniger blutig waren, so schockierten sie mich doch mehr als das Video der mit Leichen gesäumten Promenade in Nizza. Bei Letzterem war es ein offenbar geschockter Mann, der – aus welchen Gründen auch immer – das Grauen live gefilmt hat, ohne sich dessen Wirkung bewusst zu sein. Bei den Bildern aus Istanbul hingegen waren es Medienprofis, die sich entschieden haben, solche Livebilder über den Sender laufen zu lassen, unzensiert und kommentiert von Sprechern, die sich genau so erstaunt darüber zeigten, was da gerade live in die Welt hinaus getragen wurde. Gatekeeper: Fehlanzeige.</p>
<p>Das Beispiel zeigt, dass Live-Streaming bei Ereignissen von öffentlichem Interesse wie jenen in Nizza oder in der Türkei auch den Journalismus vor neue Herausforderungen stellt. Noch bevor sich die Journalisten vor Ort ein Bild machen können, kursiert bereits eine Fülle an Videomaterial im Netz. Die Konkurrenz, das sind nun nicht mehr nur die anderen Medien, sondern potenziell alle Personen vor Ort, die als Laien-Reporter schnell eine grosse Reichweite erreichen können.</p>
<p>Es gibt zwei Möglichkeiten für Medienschaffende, auf diese neue Konkurrenz zu reagieren: Entweder sie berufen sich auf ihre Funktion als Gatekeeper wie Gutjahr und Co. und bewahren so ihre Glaubwürdigkeit, indem sie das Geschehene abbilden und gleichzeitig die Opfer und deren Angehörigen schützen. Oder sie wollen mithalten mit dem, was in den Sozialen Medien ungefiltert verbreitet wird. Welche der beiden Wege der Glaubwürdigkeit eines Mediums nützt oder schadet, hängt von dessen ethischen Grundsätze und dem Geschäftsmodell ab. So oder so werden redaktionelle Medien nicht darum herumkommen, eine eigene Live-Video-Strategie auszuarbeiten. Das haben die Vorfälle in Nizza und Istanbul einmal mehr deutlich gemacht.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/07/18/mittendrin-statt-nur-dabei-ob-ich-will-oder-nicht/">Mittendrin statt nur dabei – ob ich will oder nicht</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Wenn man plötzlich fordern statt liefern muss</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/07/04/wenn-man-ploetzlich-fordern-statt-liefern-muss/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Antonio Fumagalli]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 Jul 2016 10:53:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Standpunkt>Blickwinkel]]></category>
		<category><![CDATA[Standpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Blickwinkel]]></category>
		<category><![CDATA[Gotthard]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Aargauer Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Berufsalltag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Für eine einzige Zeitungsausgabe übernahm unser Kolumnist eine neue Rolle: Bei ihm liefen die Fäden für eine Sondernummer zur Eröffnung des Gotthard-Basistunnels zusammen. Warum er dabei «auf die Welt kam» – und warum ihn stets das schlechte Gewissen begleitete. Bei aller gewünschten Selbstbestimmung als Journalist kann es eine durchaus willkommene Entlastung sein, wenn einem ein <a href="https://medienwoche.ch/2016/07/04/wenn-man-ploetzlich-fordern-statt-liefern-muss/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Für eine einzige Zeitungsausgabe übernahm unser Kolumnist eine neue Rolle: Bei ihm liefen die Fäden für eine Sondernummer zur Eröffnung des Gotthard-Basistunnels zusammen. Warum er dabei «auf die Welt kam» – und warum ihn stets das schlechte Gewissen begleitete.<br />
<span id="more-27689"></span><br />
Bei aller gewünschten Selbstbestimmung als Journalist kann es eine durchaus willkommene Entlastung sein, wenn einem ein Entscheid abgenommen wird. So erging es mir, als ich Anfang April nach einem dreimonatigen <a href="https://medienwoche.ch/2016/01/18/selbstzensur-aus-angst-vor-der-hexe/">Aufenthalt in Nicaragua</a> wieder in den Redaktionsalltag der Aargauer Zeitung einstieg. Gleich bei der ersten Sitzung wurde mir mitgeteilt, dass wir die Ausgabe vom 28. Mai monothematisch der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels widmen werden. Und vor allem: Dass ich dafür verantwortlich sein soll – sozusagen als Blattmacher für eine Nummer.</p>
<p>Natürlich hätte ich mich dagegen wehren können, aber warum auch? Ganz ohne Bauchschmerzen verliess ich die Sitzung dennoch nicht. Auch wenn es noch weit weg war, ahnte ich: Das wird eine komplett neue und mit vielen Unwägbarkeiten verbundene Aufgabe.</p>
<p>Wie geht man solch ein Projekt an? Ja, wie soll so eine Sondernummer überhaupt aussehen? An dieser Stelle nicht unwichtig zu erwähnen: Es liefen bei mir zwar die Fäden zusammen, aber die grundlegenden Entscheidungen fällte ich nicht in Eigenregie, sondern in Absprache mit dem eisenbahnaffinen Chefredaktor und seinem Stellvertreter, seines Zeichens Blattmacher im normalen Tagesgeschäft. Das letzte Wort war stets bei ihnen.</p>
<p>Wir definierten: Die Mantelbund der Zeitung kommt praktisch monothematisch daher. Das wären inklusive Werbung dann also fast zwanzig Seiten Gotthard. Dafür bringen wir im Vorfeld kaum Artikel zum Thema, wie das andere Zeitungen gemacht haben. Die Aktualität und die notwendigste Vorschau, etwa auf den gleichentags stattfindenden Champions-League-Final, findet auf maximal vier Seiten am Ende des Bundes statt. Die klassische Einteilung nach Ressorts entfällt und die Front- und Backpage müssen so aussehen, dass die Leser zwar merken, ihre angestammte Zeitung in den Händen zu halten, gleichzeitig aber sofort das Sonderkonzept erkennen.</p>
<p>Für die Feinplanung setzten wir auf Basisdemokratie. Eines Montags &#8211; einen guten Monat vor Publikationsdatum &#8211; sassen alle Ressortleiter zusammen und brachten ihre Ideen ein. Ich sammelte, ergänzte und schrieb endlich ein Konzept, das jede Seite mitsamt dazugehörigen Artikeln definierte.</p>
<p>Das alles brauchte Zeit – Zeit, die ich normalerweise im Redaktionsalltag nicht habe. Meine Vorgesetzten haben mich stets ermuntert und es mir ermöglicht, dass ich sie mir auch nehmen konnte. Auch von Seiten meiner Redaktionskollegen kam nie ein negatives Wort. Dennoch begleitete mich ihnen gegenüber an vielen Tagen, an denen ich mich ausschliesslich der Sonderausgabe widmete, ein schlechtes Gewissen. Grundlos, ich weiss. Und dennoch vorhanden. Denn während ich abklärte, ob die Werbung auf Seite 13 vielleicht in den Regionalbund verlegt werden könnte, damit die Kulturredaktorin den «Mythos Gotthard» in angemessener Zeilenzahl erklären konnte, schrieben meine Kollegen wie üblich Inland-Artikel für den Folgetag. «Ich arbeite heute an der Gotthard-Nummer, sorry», geht einem nicht ganz einfach über die Lippen, wenn an der nachmittäglichen Redaktionssitzung noch ein Autor für den Front-Kommentar gesucht wird.</p>
<p>Von solchen Tagen gab es einige. Denn mit dem Konzept alleine wars natürlich noch nicht getan. Was ich sonst immer nur aus umgekehrter Perspektive erlebte, blühte mir jetzt selbst: Plötzlich war es an mir, für die verschiedenen Ideen Autoren zu suchen (sofern sie sich nicht selbst schon gemeldet hatten), mit ihnen die Stossrichtung ihrer Artikel abzusprechen, sie auf die nahende Deadline hinzuweisen, Grafiker zu instruieren, mit der Foto-Redaktion Bilder auszuwählen, Texte gegenzulesen und Anmerkungen anzubringen. Stets musste ich die Gesamtausgabe im Hinterkopf haben, damit keine inhaltlichen und gestalterischen Doubletten entstanden. Kurz: Ich musste fordern und nicht wie üblicherweise einfach nur liefern.</p>
<p>Auch der Web-Auftritt musste besprochen werden. Online können Überthemen naturgemäss weniger gut zurückgehalten und portioniert werden, wenn man sich nicht – mehr noch als bei der Zeitung – den Vorwurf machen will, es zu verpassen. Einige Erzählformen, etwa das Quiz, das im Print auch stattfand und natürlich Bewegtbilder, eignen sich digital besser. Dennoch ist nicht wegzudiskutieren, dass der Fokus auf der gedruckten Ausgabe lag. Nicht zuletzt, weil wir uns erhofften, dass manche Leser die Sonderausgabe zur Seite legen und aufbewahren.</p>
<p>Zum ersten Mal in meinem Berufsleben musste ich überdies finanzielle Überlegungen anstellen: Was kriegt ein altgedienter Historiker für sein Lesestück über die Geschichte der alpenquerenden Eisenbahnverbindungen? Und darf man auf die Forderung eines Fachverlags eingehen, ein Foto gratis verwenden zu dürfen, sofern man das dazugehörige Buch mitsamt Coverbild am Ende des Artikels erwähnt? Fast wäre es mir zum Verhängnis geworden, dass ich neben einem längeren Artikel auch «Beigemüse» wie die Leserservice-Seite oder das Gotthard-Quiz selbst verfassen wollte &#8211; denn die Zeit dafür lief mir davon.</p>
<p>Wie immer, wenn man eine Deadline hat &#8211; diese Kolumne lässt grüssen! &#8211; geht es am Ende ja dann doch irgendwie. Es ging sogar ziemlich gut, sowohl redaktionsintern wie auch von aussen gab es überwiegend <a href="https://twitter.com/ChristianDorer/status/736514523398557696" target="_blank">positive Rückmeldungen auf die unübliche Samstagsausgabe</a>. In der Nacht auf Sonntag schlief ich wie ein Stein. Ob ich vom Gotthard träumte, weiss ich nicht mehr.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/07/04/wenn-man-ploetzlich-fordern-statt-liefern-muss/">Wenn man plötzlich fordern statt liefern muss</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ich liebe Facebook. Facebook stresst mich.</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/05/09/ich-liebe-facebook-facebook-stresst-mich/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nik Niethammer]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 May 2016 11:28:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blickwinkel]]></category>
		<category><![CDATA[Standpunkt>Blickwinkel]]></category>
		<category><![CDATA[Standpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Social Media]]></category>
		<category><![CDATA[Facebook]]></category>
		<category><![CDATA[Privatsphäre]]></category>
		<category><![CDATA[Stress]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Man möchte es lieber nicht wissen und erfährt es trotzdem: Facebook ist nicht nur ein Fenster zur Welt, sondern auch eines in den Intimbereich von vermeintlichen Freunden, die uns eigentlich ganz fremd sind. Unser Kolumnist über seine Hassliebe zur grössten Social-Media-Plattform. Ein einziges Mal nur möchte ich erleben, dass Herr H. einen Pups seiner zweijährigen <a href="https://medienwoche.ch/2016/05/09/ich-liebe-facebook-facebook-stresst-mich/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/05/09/ich-liebe-facebook-facebook-stresst-mich/">Ich liebe Facebook. Facebook stresst mich.</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Man möchte es lieber nicht wissen und erfährt es trotzdem: Facebook ist nicht nur ein Fenster zur Welt, sondern auch eines in den Intimbereich von vermeintlichen Freunden, die uns eigentlich ganz fremd sind. Unser Kolumnist über seine Hassliebe zur grössten Social-Media-Plattform.<br />
<span id="more-27348"></span><br />
Ein einziges Mal nur möchte ich erleben, dass Herr H. einen Pups seiner zweijährigen Tochter nicht in die digitale Welt rotzt. Einmal nur wünsche ich mir, Frau M. möge ihre Füsse am Strand von Maspalomas nicht in die Kamera strecken. Und Herr K. soll bitteschön den Mund halten, wenn er mit seinem Zwergpudel wieder für grosse Hunde war. Es. Interessiert. Mich. Nicht.</p>
<p>Ich habe mich Herrn Zuckerberg lange verweigert. Er will die virtuelle Weltherrschaft. Warum soll ich ihn dabei unterstützen? Warum soll ich mein Privatleben mit der Öffentlichkeit teilen? Warum? Am 15. Juni 2011 um 15.46 Uhr bin ich doch schwach geworden. Ein typischer Fall von Gruppendruck: Es kann nicht schlecht sein, was eine Milliarde Menschen gut findet (inzwischen sind es 1,6 Milliarden). Seit fünf Jahren nun erlebe ich mit Facebook anregende, aufregende, langweilige und kurzweilige Momente. Und ein paar Mal musste ich mich dermassen ärgern, dass ich gar nicht mehr vom Baum runter wollte.</p>
<p>Bevor Sie fragen: Es gibt von mir nullkommanichts Privates auf Facebook. Keine überbelichteten Selfies vor Burgruinen in der Abendsonne, weder vorteilhafte noch unvorteilhafte Familienbilder, keine Fotos von frühreifen Spargeln, die mir im hippen Landgasthof gereicht wurden, keine «Eingecheckt»-Posts aus Niederhelfenschwil.</p>
<p>Facebook fragt mich jeden Tag ziemlich direkt und ziemlich fantasielos: «Was machst Du gerade?» Meistens antworte ich nicht. Geht dich überhaupt nichts an, denke ich. Andere sind da entschieden mitteilsamer. «6 Kilometer gejoggt». Die Info wird sofort ins Netz gestellt. Mir wär die Nachricht peinlich. Nur 6 Kilometer&#8230; – «Bin mit Rosie im Sternen». Die Welt muss es wissen. Sofort. Ich denke: Wer ist Rosie? Und was hat sie mit ihrem Haupthaar gemacht?</p>
<p>Vielleicht ist es Ihnen auch schon aufgefallen: Intelligenz schützt nicht vor peinlichen Posts.</p>
<p>Da gibt es den Geltungssüchtigen, der von seiner Geschäftsreise nach Hamburg aus dem Hotel postet: «Bin grad aufgestanden». Zum Fremdschämen. Es gibt den Witzbold,  der unlustige Filmchen verbreitet («Ich schmeiss mich weg») und sie immer als erstes liked. Und es gibt den Essensposer, der von jedem randvollen Tellern Bilder verschickt mit dem Vermerk «Lecker».</p>
<p>Es gibt die «Mein-Kind-ist das-Tollste-Mutter», die mich am Leben ihres Fünfjährigen teilhaben lässt. Ich kenne ihn inzwischen so gut wie einen kleinen Bruder, obwohl wir uns nie begegnet sind. Ich weiss, dass er mit Lego-Star-Wars spielt und Fischbrötchen mag. Ich weiss, dass er einmal Polizist werden möchte und Müllwagenfahrer und Sprengmeister. Ich weiss, dass er vor kurzem zum ersten Mal beim Freund übernachtete und schlecht geschlafen hat, weil sein Tigerpijama zwickte. Ich würde die Frau ja gerne einmal fragen, ob sie die privatesten Geschichten und Bilder ihres Sohnes auch in den Hausflur hängen würde. «Ich doch nicht», würde Sie vermutlich entrüstet antworten! Sehen Sie&#8230;</p>
<p>Wo ich grad dabei bin: Ich mag keine Weltverbesser-Poser, die mich nötigen, eine Petition zum Schutz des Breitmaulfrosches zu unterschreiben. Ich verabscheue Baby-Spammer, die mich mit unscharfen Bilder ihrer verhunzelten Neugeborenen belästigen. Ich bin genervt ob der «Wir-sind-Spitze-drauf-Mitteiler», die am thailändischen Strand um einen Stein tanzen und für das Video unfassbare 179 Likes einsammeln.</p>
<p>Was also tun? Ich strafe Facebook-Trolls mit Nichtbeachtung. Auch der Post der neuen Wandleuchte mit 257 «Gefällt mir» wird stoisch ignoriert. Wer nervt, hetzt, niveaulosen Mist postet, Gewaltfantasien gegen Flüchtlinge ins Netz kübelt oder einen Artikel der AfD teilt, fliegt bei mir raus. Verschwörungstheoretiker, Spieleinlader, Gruppenhinzufüger und «Zu-allem-was-sagen-Müsser» ebenso.</p>
<p>Mit einer entrümpelten Timeline macht Facebook deutlich mehr Spass. Das Netzwerk ist meine tägliche Presseschau, ist private Pinwand, Inspiration und Zeitvertreib. Und der wichtigste Booster für die Onlinetexte des Schweizer Eltern-Magazins, das ich leite.</p>
<p>Höchste Zeit, mal danke zu sagen für viele kluge, witzige, traurige Texte und Bilder aus Blogs, deren Existenz ich bisher nicht kannte. Danke für jeden meinungsfreudigen, geistreichen Kommentar zu meinen Texten und geteilten Inhalten. Und vielen Dank für das grossartige Carpool-Karaoke-Video des britischen Komikers James Corden mit Gwen Stefani, Julia Roberts und George Clooney. Wie hätte ich je erfahren, dass der Hollywood-Beau mit seiner tiefen Stimme kaum einen Ton trifft.</p>
<p>Bild: <a href="https://www.flickr.com/photos/ekivemark/7843824274/" target="_blank">Flickr/Mark Scrimshire (CC BY 2.0)</a></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/05/09/ich-liebe-facebook-facebook-stresst-mich/">Ich liebe Facebook. Facebook stresst mich.</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Mehr Angriff, bitte!</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/04/11/mehr-angriff-bitte/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Antonio Fumagalli]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 Apr 2016 10:23:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blickwinkel]]></category>
		<category><![CDATA[Standpunkt>Blickwinkel]]></category>
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		<category><![CDATA[Büne Huber]]></category>
		<category><![CDATA[Eishockey]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Sportler-Interviews sind am Schweizer Fernsehen oft sehr dröge. Das Publikum hat sich daran gewöhnt und geisselt den Reporter, der mal etwas griffiger zur Sache geht, sogleich als Spielverderber. Dass es auch anders geht, zeigen die Sportmagazine von ARD und ZDF. Wenn alles, was zuvor gespielt wurde, nichts mehr zählt, dann ist im Schweizer Eishockey Playoff-Zeit. <a href="https://medienwoche.ch/2016/04/11/mehr-angriff-bitte/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/04/11/mehr-angriff-bitte/">Mehr Angriff, bitte!</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Sportler-Interviews sind am Schweizer Fernsehen oft sehr dröge. Das Publikum hat sich daran gewöhnt und geisselt den Reporter, der mal etwas griffiger zur Sache geht, sogleich als Spielverderber. Dass es auch anders geht, zeigen die Sportmagazine von ARD und ZDF.<br />
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Wenn alles, was zuvor gespielt wurde, nichts mehr zählt, dann ist im Schweizer Eishockey Playoff-Zeit. Da fliegen die Fäuste eher mal, da sind die Stadien voller, da sind mehr Emotionen im Spiel. Das gilt auf, aber auch neben dem Eisfeld &#8211; zum Beispiel im Umgang der (mehr oder minder) Beteiligten gegenüber den Medien.</p>
<p>Letzte Woche haben wir gleich mehrere schöne Müsterchen erleben dürfen: Am meisten zu reden gab das Interview von Patent-Ochsner-Frontmann Büne Huber mit dem Bezahlsender Teleclub. Es geniesst schon kurz nach der Veröffentlichung Kultstatus. Die Reporter-Leistung beschränkte sich allerdings auf das Glück, den Gesprächspartner im Moment einer akuten Mitteilungsbedürftigkeit vor das Mikrofon gekriegt zu haben und ihm dieses dann fünf Minuten lang gerade hinhalten zu können.</p>
<p><iframe src="https://www.youtube.com/embed/4c-b00Nsivw" height="338" width="450" allowfullscreen="" frameborder="0"></iframe></p>
<p>Journalistisch schon interessanter war hingegen ein Interview von Schweizer Fernsehen SRF während Spiel drei der Play-Off-Finalserie zwischen dem HC Lugano und dem SC Bern. Unmittelbar nach Ende der regulären Spielzeit und vor Beginn der Verlängerung knöpfte sich der Reporter Damien Brunner vor. Dem Lugano-Spieler glitt kurz zuvor nach einer gegnerischen Attacke vor dem Tor der Stock aus der Hand. Penalty oder Schwalbe? Brunner fällt dem Sportjournalisten sofort ins Wort, als dieser ihn bittet, die strittige Szene nochmals gemeinsam anzuschauen. Doch der Fernsehmann lässt sich glücklicherweise nicht mit der Aussage «Es ist Foul» abspeisen, sondern hakt nach und weist den Spieler zweimal darauf hin, dass er den Stock etwas gar leicht fallen liess. Zuviel für Brunner: Er schmeisst dem Reporter «Wetsch mi verarsche?» an den Kopf und läuft davon.</p>
<p><iframe name="Aquilas Geheimnis (23): Die Kraft des Fernrohrs" src="https://tp.srgssr.ch/p/srf/embed?urn=urn:srf:ais:video:c8ad785e-66a0-4ed4-9fab-cd06eb3cabff" height="253" width="450" frameborder="0"></iframe></p>
<p>Der SRF-Journalist musste sich in der Folge auf den sozialen Medien, aber auch in den Kommmentarspalten der Onlineportale einiges anhören. Sein Vorgehen sei unprofessionell gewesen, die Fragen unsportlich, ihm sei es nur darum gegangen, eine spektakuläre Antwort herauszukitzeln, ja er sei gar untragbar am Eisrand. Der Tenor war klar gegen ihn. Ein Teil des Publikums hat sich offensichtlich an die Wohlfühl- und Weichspühlwortwechsel am Spielfeldrand gewöhnt und verwechselt das mit Journalismus.</p>
<p>Nicht nur, aber auch gerade darum braucht es umso mehr solcher provokativer Interviews in der Schweizer Sportwelt! Viel zu oft müssen wir uns brave Fragen à la «Erzählen Sie von Ihren Emotionen», «Was geht Ihnen durch den Kopf?», «Warum hat der Plan nicht funktioniert?» anhören. Dass darauf keine substanzielle Replik kommt, liegt auf der Hand – wie die Frage, so die Antwort.</p>
<p>Die Spieler und Trainer fühlen sich so nicht aus den Reserven gelockt und kriegen eine dankbare Plattform, um ihre mit Kommunikationsprofis einstudierten Standardsätze runterzurattern. Sie unterscheiden sich in der Regel nur in Nuancen. Bestes Beispiel dafür sind die Schweizer Fussballnationalspieler. Was da jeweils an «Analyse» über den Sender läuft, ermuntert zum sofortigen Weiterzappen. Würde man das Gesicht verdecken und die Stimme verfälschen, man könnte einen Shaqiri kaum von einem Lichtsteiner oder einem Seferovic unterscheiden.</p>
<p>Ein wichtiger Grund für die uniformen und unpersönlichen Aussagen liegt in der Professionalisierung der Sportkommunikation – und ja, nicht jeder Fussballer bringt gleich viel rhetorisches wie sportliches Talent mit. Aber es ist auch die Interviewtechnik der Journalisten. Dabei würde es nur schon helfen, wenn die Sportreporter statt einer Frage einfach mal eine &#8211; wenn möglich provokative &#8211; Aussage in den Raum stellen würden. Wohl würde es vermehrt zu Eklats wie unlängst mit Damien Brunner kommen, aber sowohl Unterhaltungswert als auch Erkenntnisgewinn würden mit Sicherheit gesteigert. Und diskreditieren sich Sportler nicht selbst, wenn sie einfach das Gespräch abbrechen? Auf lange Sicht können sie sich das nicht leisten.</p>
<p>Dass es auch anders geht, sieht man in Deutschland. Mag sein, dass da auch Mentalitätsunterschiede mitspielen, aber die Kollegen etwa bei der Sportschau auf ARD oder dem aktuellen Sportstudio auf ZDF schaffen es immer wieder, den Sportlern mit angriffiger Fragetechnik überraschende, pointierte und deshalb auch spannende Aussagen zu entlocken. Es kommt vor, dass die anschliessende Interviewrunde packender ist als das vorhergehende Bundesligaspiel &#8211; was bei der Qualität des deutschen Fussballs etwas heissen will.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/04/11/mehr-angriff-bitte/">Mehr Angriff, bitte!</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Von der gedruckten zur digitalen Vielfalt</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/03/29/von-der-gedruckten-zur-digitalen-vielfalt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nik Niethammer]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Mar 2016 07:21:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Standpunkt>Blickwinkel]]></category>
		<category><![CDATA[Standpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Blickwinkel]]></category>
		<category><![CDATA[Archiv]]></category>
		<category><![CDATA[Presse]]></category>
		<category><![CDATA[Sonntagszeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Mediengeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bis vor noch nicht allzu langer Zeit galten die Sonntagszeitungen als letzte Bastion der gedruckten Presse. Doch nun erodiert auch diese deutlich. Ein Blick zurück von der digitalen Gegenwart in die Gründungszeiten zeigt eine ungekannte Vielfalt an sonntäglichem Zeit(ungs)vertrieb. Unser Kolumnist hat sich im gut dokumentierten Archiv seines Vaters umgesehen. Es gab eine Zeit, da <a href="https://medienwoche.ch/2016/03/29/von-der-gedruckten-zur-digitalen-vielfalt/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/03/29/von-der-gedruckten-zur-digitalen-vielfalt/">Von der gedruckten zur digitalen Vielfalt</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Bis vor noch nicht allzu langer Zeit galten die Sonntagszeitungen als letzte Bastion der gedruckten Presse. Doch nun erodiert auch diese deutlich. Ein Blick zurück von der digitalen Gegenwart in die Gründungszeiten zeigt eine ungekannte Vielfalt an sonntäglichem Zeit(ungs)vertrieb. Unser Kolumnist hat sich im gut dokumentierten Archiv seines Vaters umgesehen.<br />
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Es gab eine Zeit, da verbrachte ich den Sonntag vor allem mit Zeitunglesen: ich stürmte frühmorgens den Kiosk meines Vertrauens, packte drei oder vier Sonntagszeitungen unter den Arm und verdrückte mich ins nächste Café. Dann schüttelte ich die Beilagen aus den Blättern, filetierte die einzelnen Bücher und gab mich der Lektüre hin. Gerne bis in den Nachmittag hinein, gerne ungestört.</p>
<p>Diese Zeiten sind vorbei. Heute lasse ich lesen. Mindestens drei News-Portale bieten ausführliche Presseschauen, ich weiss schon vor dem Frühstück, was geht. Ein Blick in die Timeline von Facebook und Twitter genügt – und ich spare mir den Gang an den Kiosk. Beispiele? Das grosse <a href="http://www.blick.ch/sport/rad/cancellara-auf-abschiedstour-vor-leben-ohne-radsport-habe-ich-respekt-id4850057.html" target="_blank">Interview mit Fabian Cancellara</a> über seine letzte Saison im Sonntagsblick – online gelesen. Die <a href="http://www.schweizamsonntag.ch/ressort/medien/tamedia_kein_bonus_fuer_leser/" target="_blank">scharfe Kritik von Christof Moser</a> am 6-Milionen-Bonus von Tamedia-Tonini in der Schweiz am Sonntag – frühmorgens auf Twitter rauf und runter geteilt. Die Credit Suisse, die 3,2 Milliarden für externe Berater zahlt – <a href="http://sonntagszeitung.ch/read/sz_27_03_2016/nachrichten/Credit-Suisse-zahlt-3-2-Milliarden-Franken-fuer-externe-Berater-59699" target="_blank">eine Geschichte aus der «Sonntagszeitung»</a> vom Ostersonntag – genau so.</p>
<p>Ein Blick in die MACH Basic-Studie 2015-2 zeigt: immer mehr lesen am Sonntag kein bedrucktes Papier mehr. Innerhalb eines Jahres haben alle grossen Sonntagstitel zwischen 4000 (NZZaS) und 28000 Leser (SoBli) verloren. Tendenz: steigend.</p>
<p>Zahlen, die den Verlegern den Angstschweiss auf die Stirn treiben. War die Sonntagspresse doch lange Zeit der Musterschüler im erodierenden Zeitungsmarkt, der umworbene Kanal der Werbewirtschaft. Wie es dazu kam – ein Blick zurück in die Anfänge der Schweizer Sonntagspresse offenbart Erstaunliches.</p>
<p>Wussten Sie, dass 1862 mit dem Appenzeller Sonntagsblatt die erste Sonntagszeitung der Schweiz erschien – aber nicht am 7. Tag der Woche, sondern an einem Samstag! Im selben Jahr belebten mit der «Schweizerischen Sonntags-Zeitung» und der Tribune Dimanche gleich zwei weitere Printtitel den Sonntag. 1889 ging der Huber-Verlag in Frauenfeld mit dem Sonntags-Blatt der Thurgauer Zeitung auf Leserfang. Die Zeitung umfasste acht Seiten Text, Inserate gab es keine.</p>
<p>80 Jahre und ein paar versprengte Versuche später erschien die erste Ausgabe des Sonntagsblick – mit einer Fussball-Schlagzeile: «Basel in der letzten Minute gerettet – 2:2 gegen Sion.» Am 23. März 1969 im Tabloid-Format gestartet, wechselte der SoBli noch im selben Jahr zum Broadsheet, kehrte aber 1976 zum kleinen Format zurück. Das Blatt aus dem Haus Ringier entwickelte sich fulminant und lag nach wenigen Jahren bei weit über 200&#8217;000 verkauften Exemplaren (beglaubigte Auflage heute: 179&#8217;586). Spezielle Ereignisse liessen den Verkauf jeweils sprunghaft ansteigen. So setzte das Blatt zum Tod von Romy Schneider am 30. Mai 1982 300&#8217;000 Exemplare ab. Der Sonntag als neuer Lesertag war definitiv lanciert.</p>
<p>In den folgenden Jahren schossen neue Sonntagsblätter wie Pilze aus dem Boden – das Sonntags-Journal (Jean Frey Verlag), das Sonntagsblatt des St. Galler Tagblatts, die Basler Zeitung am Sonntagabend oder die Sonntagszeitung der Berner Zeitung überlebten aber nur wenige Jahre.</p>
<p>1986 taten sich sechs Deutschschweizer Verlage zusammen und lancierten das Neues Sonntags-Blatt, von Viktor Giacobbo als die «Zeitung mit dem Sack am Ständer» verhöhnt. Die Zeitung konnte an 1600 Verkaufständern aus einem Plastiksack gefischt werden; dass jede dritte Zeitung gestohlen wird, hatten die Verleger im Budget eingerechnet. Das Blatt blieb mit rund 100&#8217;000 Exemplaren weit hinter den Erwartungen; der Schnellschuss, als Antwort auf die angekündigte SonntagsZeitung aus dem Haus Tamedia lanciert, verschwand Ende 1987 wieder vom Markt. Die Konkurrenz kommentierte bitterbös: «Sie tanzte nur einen Sommer“.</p>
<p>Zwischen 1987 und 2013 wurden in der Deutschschweiz nicht weniger als zehn neue Sonntagsblätter lanciert – fünf haben überlebt: Die SonntagsZeitung, die erste abonnierte SonntagsZeitung der Schweiz; die NZZ am Sonntag, die Zentralschweiz am Sonntag, der Sonntag (nach der Fusion 2013 mit der Südostschweiz am Sonntag entstand die Schweiz am Sonntag) und die Ostschweiz am Sonntag.</p>
<p>Das wohl überflüssigste Produkt wurde 2004 auf den Markt geworfen: Cracks for Kids, die «weltweite erste Sonntagszeitung für Kinder». Ziel der Macher war es, eine Sonntagszeitung speziell nur für Kinder herauszugeben, «damit Vater und Mutter am Sonntag in Ruhe IHRE Zeitung lesen können.» Das Konzept war wenig durchdacht und der Titel ziemlich bescheuert – nach zwölf Ausgaben fuhr Cracks vor Kids furios gegen die Wand.</p>
<p>Falls Sie sich jetzt fragen, woher ich das alles weiss: Nun, ich sitze sozusagen an der Quelle. Mein Vater ist gelernter Schriftsetzer und hat vor 60 Jahren seine grosse Sammlerleidenschaft entdeckt: Zeitungen. Heute besitzt er über 1100 Exemplare von mehr als 500 Titeln; Erst- und Letztausgaben, viele Sonder- und 200 Jubiläumsausgaben. Alle sind sie fein säuberlich erfasst und in säurefreien Kartonschachteln abgelegt. In den Anfängen kaufte er Titel in Antiquitätenläden und bei Archivaren, erkundigte sich bei Hausrenovationen nach alten Zeitungen, die früher als Isolationsmaterial verwendet wurden. Später schrieb er Verlage direkt an und bat um ein erstes oder letztes Exemplar. Oder wildfremde Menschen schickten ihm Schuhschachteln voll bedruckten Papiers, das sie beim Räumen von Kellern und Estrichen entdeckt hatten.</p>
<p>Die Geschichte der Schweizer Sonntagspresse hat es meinem Vater besonders angetan. Aber eine Prognose, wie es auf dem Sonntagsmarkt weiter geht, wagt auch er nicht. Während also sein Sohn immer weniger bedrucktes Zeitungspapier liest, hofft der Vater, dass sich Verleger in den letzten sonntagszeitungsfreien Flecken der Schweiz – Schaffhausen und Wallis – endlich ein Herz fassen…</p>
<p>Mein Vater wäre der erste, der die neuen Titel in seine Sammlung aufnehmen und für die Nachwelt bewahren würde.</p>
<p><strong><small>Hinweis: 2010 übergab Raimund Niethammer seine Sammlung der Kantonsbibliothek Vadiana in St. Gallen. Sie wurde in den Bibliothekskatalog aufgenommen, ist elektronisch abrufbar und kann vor Ort eingesehen werden.</small></strong></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/03/29/von-der-gedruckten-zur-digitalen-vielfalt/">Von der gedruckten zur digitalen Vielfalt</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Wir zeigen alles</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/02/29/wir-zeigen-alles/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Antonio Fumagalli]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 29 Feb 2016 14:38:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Standpunkt>Blickwinkel]]></category>
		<category><![CDATA[Standpunkt]]></category>
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		<category><![CDATA[El Nuevo Diario]]></category>
		<category><![CDATA[Nicaragua]]></category>
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		<category><![CDATA[Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[MAZ]]></category>
		<category><![CDATA[Persönlichkeitsschutz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nicht alle Medien halten den Persönlichkeitsschutz gleich hoch. Um das zu sehen, muss man nicht nach Nicaragua gehen, wo unser Kolumnist derzeit ein Stage absolviert. Doch dort treibt die öffentliche Zurschaustellung die grässlichsten Blüten – und das nicht einmal nur auf dem Boulevard. «Periodismo con valores», also «Journalismus mit Werten», steht gleich unter dem Titel <a href="https://medienwoche.ch/2016/02/29/wir-zeigen-alles/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Nicht alle Medien halten den Persönlichkeitsschutz gleich hoch. Um das zu sehen, muss man nicht nach Nicaragua gehen, wo unser Kolumnist derzeit ein Stage absolviert. Doch dort treibt die öffentliche Zurschaustellung die grässlichsten Blüten – und das nicht einmal nur auf dem Boulevard.<br />
<span id="more-26847"></span><br />
«Periodismo con valores», also «Journalismus mit Werten», steht gleich unter dem Titel von «El Nuevo Diario» – jener nicaraguanischen Tageszeitung, bei der ich seit Anfang Januar <a href="http://stages.mazblog.ch/category/2016/nicaragua-antonio-fumagalli/" target="_blank">ein befristetes Stage absolviere</a>. Nun, über Werte lässt sich genüsslich streiten, erst recht über die Ozeane hinweg. Um dafür Munition zu erhalten, reicht manchmal ein Blick auf die Titelseite des «Nuevo Diario». Wird man auf der Front nicht fündig, dann mit grosser Wahrscheinlichkeit auf den hinteren Seiten.</p>
<p>Kaum ein Tag vergeht, an dem sich in unserer Zeitung nicht irgendein mutmasslicher Straftäter mit Bild, vollem Namen und biographischen Angaben wiederfindet. Da wird Adrián Salmerón – ein 24-jähriger Händler aus der Kleinstadt Séboca, der beschuldigt wird, in Costa Rica ein Tötungsdelikt verübt zu haben – auf dem vierspaltigen Frontbild gezeigt. Oder der Taxifahrer Rubén Alberto Marenco aus Potosí, der für seine 39 Jahre schon erstaunlich viele graue Haare hat und des Drogenhandels verdächtigt wird. Die Liste könnte ewig weitergeführt werden.</p>
<p>Immer gilt: Die Männer, ja es sind fast ausschliesslich Männer, sehen auf den Bildern denkbar unvorteilhaft aus. Vor allem aber: Es sind Taten, die sie mutmasslich ausgeführt haben. Kein Richter hat je darüber befunden und auch ein Geständnis liegt nicht immer vor.</p>
<p>Als ich den hiesigen Chefredaktor darauf ansprach, zuckte er nur mit der Schulter. Solange man keine Kinder zeige und im Text darauf hinweise, dass die Straftäter eben nur beschuldigt und nicht verurteilt seien, sei das kein Problem – weder juristisch noch moralisch. Die Behörden würden jeweils die Zeitung informieren, wann und wo man einen Angeklagten zu sehen bekomme.</p>
<p>Es ist an sich schon problematisch, dass das nicaraguanische Rechtssystem gemäss internationaler Einschätzung westlichen Standards nicht genügt. Man hört, dass bei stockenden Ermittlungen auch schon willkürlich Leute verhaftet worden sind, damit die Polizei einen «Erfolg» vorweisen kann. In solchen Fällen ist es die Praxis der Zeitungen, Verdächtige mit voller Identität zu präsentieren, natürlich besonders perfid &#8211; und wirft ein besonders schiefes Licht auf die ethische Befindlichkeit der Medien.</p>
<p>Zu einfach wäre es jedoch, diese journalistische Gepflogenheit einfach als Ausdruck von fehlenden juristischen und berufsethischen Regeln abzukanzeln, wie es in einem Entwicklungsland mit schwachen Institutionen halt vorkommt. Auch die USA mit einer langen Rechts- und Medien-Tradition kennen eine durchaus vergleichbare Form davon: Den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Perp_walk" target="_blank">sogenannten «Perp Walk»</a>, wobei «perp» für «perpetrator» (Straftäter) steht. In Handschellen, vorgeführt von grimmig schauenden Polizisten, absolviert der Beschuldigte dabei einen eigentlichen Spiessrutenlauf zwischen filmenden und fotografierenden Medienvertretern. Besonders beliebt ist die Praxis in New York City seit den 1980er-Jahren, wo sich der damalige Staatsanwalt (und spätere Bürgermeister) Rudy Giuliani damit profilieren konnte.</p>
<p>Nun sind aber auch die in den USA öffentlich vorgeführten Personen halt eben keine verurteilten Straftäter, sondern nur Angeklagte. Nicht, dass die Unschuldsvermutung im Land der unbegrenzten Möglichkeiten nicht gelten würde. Nur wird das Interesse der Öffentlichkeit stärker gewichtet als der Persönlichkeitsschutz der Angeklagten. Abgesehen davon, dass eine abschreckende Wirkung auf potentielle Täter erhofft wird, sollen die Medien den Behörden im wahrsten Sinn des Wortes auf die Finger schauen. Auch dann, wenn sich diese an den Oberarm eines Beschuldigten klemmen. Umso mehr gilt das, wenn es sich prominente Persönlichkeiten handelt. Getreu dem Grundsatz: «Vor dem Gesetz sind alle gleich.» Ex-IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn kann ein Lied davon singen, die Bilder von seinem «Perp Walk» im Jahr 2011 haben schon fast Ikonen-Status – was in seinem Heimatland Frankreich für empörte Reaktionen sorgte.</p>
<p>Zu Recht, finde ich. Nicht weil DSK besonders schützenswert wäre. Sondern weil Gerichte – was gerade in seinem Fall dann passiert ist – Angeklagte selbstverständlich vom Verdacht freisprechen können. Staatsanwälte können sich, genauso wie Gerichte, irren. Der Schaden, der dem zu Unrecht Angeklagten davor durch den «walk of shame» zugeführt wurde, ist irreparabel – mit dem Internet als ewiges Gedächtnis sowieso. Da hilft auch das Gerichtsurteil gegen Google wenig, dank dem man das Löschen eigener Einträge beantragen darf.</p>
<p>In Nicaragua wird die öffentliche Zurschaustellung in den Medien allerdings noch auf eine besonders fragwürdige Art praktiziert. Nicht nur mutmassliche Straftäter werden vorgeführt, sondern auch Opfer jeglicher Art – von Verbrechen, Unfällen oder Naturkatastrophen. Und zwar auf allen Kanälen: In unserer Zeitung wird immerhin noch darauf geachtet, dass das Gesicht von Toten nicht erkennbar ist – das Leichentuch, das den 35-jährigen Rodolfo Andrades bedeckt, der im vom Moisés Alí Rodas Calderón gelenkten Kleinbus verunglückte, durfte der Leser dennoch sehen.</p>
<p>Im Radio konnte man derweil hören, dass der 26-jährige Ronald Ariel Ponce Andrade verhaftet werden konnte. Er habe seine Frau Junieth Cacéres getötet, weil sie ihn mit einem anderen betrügt habe und er ihr zuvor schon zweimal vergeben habe. Nur der Name des Liebhabers fehlte.</p>
<p>Am aggressivsten gehen gewisse TV-Stationen vor, insbesondere zwei Regierungssender. Pünktlich zur Mittagszeit werden die Verbrechen und Unfälle der vergangenen Tagen genussfertig aufbereitet, wobei mutmassliche Täter und Opfer aus schamloser Nähe gezeigt werden. Bei Bildern von blutverschmierten Strassenverkehrsopfern bleibt einem da schon mal die frittierte Banane im Hals stecken. Schlimmer aber noch ist, was diese Sendungen bei allzeit bereiten Handy-Kameras in der Bevölkerung auslösen: Sie rufen die niedrigsten Instinkte der Leute hervor – in der Hoffnung, dass es ihre Aufnahmen danach ins Fernsehen schaffen.</p>
<p>Eine Freundin fuhr kürzlich per Zufall bei Matagalpa an einer Stelle vorbei, an der nur wenige Minuten zuvor ein Bus von der Strasse abgekommen war und den Hang hinunterstürzte. Eine erstes Feuerwehrauto war zwar bereits zur Stelle, aber im Innern des Buses waren noch zahlreiche Passagiere gefangen. Und was machten die dutzenden Zaungäste? Sie hielten hemmungslos auf alles mit der Kamera drauf, teilweise aus nächster Nähe. Wie die Polizei später erklärte, wurden in jenem Bus über fünfzig Personen verletzt. Sieben starben.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/02/29/wir-zeigen-alles/">Wir zeigen alles</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Ein Leben ohne ist möglich. Aber nicht sinnvoll.</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/02/15/ein-leben-ohne-ist-moeglich-aber-nicht-sinnvoll/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2016/02/15/ein-leben-ohne-ist-moeglich-aber-nicht-sinnvoll/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nik Niethammer]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Feb 2016 09:18:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blickwinkel]]></category>
		<category><![CDATA[Standpunkt>Blickwinkel]]></category>
		<category><![CDATA[Standpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Apps]]></category>
		<category><![CDATA[Smartphone]]></category>
		<category><![CDATA[iPhone]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Zeig mir deinen Homescreen und ich sage dir, wer du bist oder zumindest: wie du dich digital organisierst. Ein Blick auf das Smartphone unseres Kolumnisten zeigt vor allem eins: Der Mann hält Ordnung. Keine unbeantwortete Meldung, «Inbox zero» ist möglich. Neulich fiel einer Kollegin das Handy ins Klo. Sehr grosse Aufregung, Wehklagen, Weltuntergangsstimmung. Ohne ihr <a href="https://medienwoche.ch/2016/02/15/ein-leben-ohne-ist-moeglich-aber-nicht-sinnvoll/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Zeig mir deinen Homescreen und ich sage dir, wer du bist oder zumindest: wie du dich digital organisierst. Ein Blick auf das Smartphone unseres Kolumnisten zeigt vor allem eins: Der Mann hält Ordnung. Keine unbeantwortete Meldung, «Inbox zero» ist möglich.<br />
<span id="more-26786"></span><br />
Neulich fiel einer Kollegin das Handy ins Klo. Sehr grosse Aufregung, Wehklagen, Weltuntergangsstimmung. Ohne ihr Handy sei sie nichts. Nein: weniger als nichts. Vom Leben abgetrennt. Wie furchtbar, sagen die einen. Wie angenehm, die anderen.</p>
<p>Aber jetzt mal ehrlich – Hand hoch: Wer mag sein Handy nicht? Frei nach Loriot – ein Leben ohne ist möglich. Aber nicht sinnvoll. Mein Hosentelefon ist mein Alleskönner, ist mobiles Büro, Notizzettel, Archiv, Kamera, Radio, Agenda, Kompass, Taschenlampe, Höhenmesser. Kürzlich habe ich mit meinem Handy einen Nagel eingeschlagen. Ach ja, und telefonieren kann es auch.</p>
<p>Auf meinem Iphone 6 sind jetzt gerade 134 Apps installiert. Ich habe 16&#8217;391 Fotos abgelegt und 577 Videos, die insgesamt 73 GB belegen. Ich habe meinen Homescreen straff geordnet und schichte selten um. Wenn doch, muss es gute Gründe geben – ich hab schon den ganzen Screen wieder umgebaut, weil mich eine App am neuen Ort gestresst hat.</p>
<p>Mein Homescreen ist eher klassisch aufgebaut: <strong>Facebook</strong> (2066 Freunde, keine Anfragen ausstehend), <strong>Twitter</strong> (718 Follower, ich folge 891), <strong>LinkedIn</strong> (2020 Kontakte) und <strong>Xing</strong> (498 Kontakte). Die Auswahl der Bilder für unser ElternMagazins organisiere ich via <strong>Dropbox</strong>. Mit <strong>WhatsApp</strong> kommuniziere ich privat und beruflich; auch das Telefonieren funktioniert erstaunlich gut. Ich will mir allerdings nicht vorstellen, wer da alles mithören kann.</p>
<p>In meinem <strong>Mail</strong>-Account herrscht Ordnung wie im Feinkostladen. Im Posteingang hängt keine einzige ungelesene Nachricht, obwohl 15 Newsletter und durchschnittlich 60 Mails pro Tag eingehen. Ich versuche jede Nachricht innerhalb eines Tages zu beantworten. Immer mit Anrede. Immer mit Betreff. Oft schick ich sofort eine kurze Statusmeldung: «Ich habe Ihre Mail erhalten, melde mich später.» Mit <strong>Notizen</strong> organisiere ich meine Projekte und Ideen. Hatte ich früher stets Stift und Notizblock dabei, tippe ich heute to do-Listen, Einkaufszettel, kluge Gedanken und die Geburtstagswunschzettel unserer Kinder in mein Handy.</p>
<p>Meine Lieblingsapp derzeit: <strong>Hipstamatic</strong>; Objekt «Jane», Film «Blanko». Hat die meisten Filter, macht die besten Bilder – grossartig. Shazam verzückt mich beinahe täglich. Ich liebe Musik, habe die App in unmittelbarer Daumennähe platziert. <strong>Shazam</strong> ist mit <strong>Spotify</strong> verlinkt; meine Playlist umfasst aktuell 749 Titel, täglich kommen neue dazu. Wann ich zum letzten Mal eine CD gekauft habe? Das muss Jahre her sein. «Globi bei der Feuerwehr» – für unsere Kinder. Spotify-Premium lasse ich mir 9,99 Euro/Monat kosten; ich würde auch das doppelte bezahlen. Eine Kritik? Ich mag den Song «Wild Horses» von Mick Jagger. Kein Treffer auf Spotify. Schade, der Titel wurde nicht freigegeben. Vielleicht kann mal jemand Mick sagen, er soll sich nicht so anstellen.</p>
<p>Auf Seite 2: <strong>Pinterest</strong>, <strong>Instagram</strong>. <strong>Periscope</strong>, (coole Sache, ich hab mir kürzlich ein Live-Konzert von AC/DC in Adelaide angesehen), <strong>Snapchat</strong>, <strong>Snapseed</strong>, <strong>Vimeo</strong>, und <strong>Flickr</strong>. Ich bin auf allen Plattformen angemeldet, stöbere regelmässig drauf rum.</p>
<p>Unterwegs lese ich am liebsten <strong>Süddeutsche Zeitung</strong>, <strong>Spiegel online</strong>, <strong>BILD</strong>, <strong>NZZ</strong> und <strong>Tages-Anzeiger</strong>. Ich habe mehr als 40 Zeitungs- und Zeitschriften-Apps installiert. <strong>Blendle</strong>, <strong>Flipboard</strong> und <strong>Issuu</strong> sind meine Favoriten.</p>
<p>Einige Seiten steure ich regelmässig via Browser (<strong>Firefox</strong>) an: serienjunkies.de (macht die besten Recaps meiner Lieblingserien Fargo, The Bridge und Narcos), radsport-news.com (alle News rund um den Radsport) und den neuen Blog von Stefan Niggemeier uebermedien.de («Wir wollen Medien besser kritisieren»).</p>
<p>«10 vor 10» und «heute-show» schaue ich auf <strong>Zattoo</strong> (der Premium-Dienst kostet 99,99 Euro/Jahr), die Radklassiker und die Tour de France auf dem <strong>Europlayer</strong> von Eurosport – dafür lass ich 59,99 Euro/Jahr springen. Ich nutzte regelmässig die Mediatheken von <strong>SRF</strong>, <strong>ARD</strong> und <strong>ZDF</strong>, die Radioapp von <strong>SRF3</strong> (warum stürzt die so oft ab?) und von <strong>SWR3</strong> – mein Lieblingssender mit meinen Lieblingsmoderatoren Kai Karsten und Kristian Thees. Ich bin mit Frank Laufenberg und Elmar Hörig gross geworden – die reiferen Leser unter Ihnen werden sich erinnern&#8230;</p>
<p><strong>MountainBike Pro</strong> trackt meine BikeTouren – seit Beginn der Aufzeichnungen im Januar 2014 hab ich exakt 142&#8217;358 Höhenmeter in den Beinen. Spiele? Fehlanzeige. Halt, nein, da ist ein Spiel, die <strong>Ski Challenge</strong> von Swisscom. Nutz ich allerdings selten. Kann süchtig machen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/02/15/ein-leben-ohne-ist-moeglich-aber-nicht-sinnvoll/">Ein Leben ohne ist möglich. Aber nicht sinnvoll.</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Verantwortliche Redaktorin für das Ressort «Hund»</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Carmen Epp]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Feb 2016 12:07:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Standpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Blickwinkel]]></category>
		<category><![CDATA[Standpunkt>Blickwinkel]]></category>
		<category><![CDATA[Fachpresse]]></category>
		<category><![CDATA[Tierwelt]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Magazin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Jahr ist es nun her, als unsere Kolumnistin vom Lokaljournalismus im Kanton Uri zur «Tierwelt» wechselte. In der Zwischenzeit zeigt sich: Die Arbeit blieb dieselbe, die Aussenwahrnehmung ist anders – ausserhalb der Leserschaft kennt man die «Tierwelt» nur als Inserateplattform. Es war ein Schritt ins Unbekannte, den ich heute vor genau einem Jahr wagte. <a href="https://medienwoche.ch/2016/02/01/verantwortliche-redaktorin-fuer-das-ressort-hund/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Jahr ist es nun her, als unsere Kolumnistin vom Lokaljournalismus im Kanton Uri zur «Tierwelt» wechselte. In der Zwischenzeit zeigt sich: Die Arbeit blieb dieselbe, die Aussenwahrnehmung ist anders – ausserhalb der Leserschaft kennt man die «Tierwelt» nur als Inserateplattform.<br />
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Es war ein Schritt ins Unbekannte, den ich heute vor genau einem Jahr wagte. Weg aus meiner Heimat, dem Kanton Uri, in die Redaktion der «Tierwelt» nach Zofingen. Nicht nur der Arbeitsplatz wechselte; auch die Arbeit war nun eine völlig andere. Zumindest inhaltlich. Schrieb ich vorher über Lokalpolitik, Gemeindeversammlungen, Projekte und Gerichtsverhandlungen im Urnerland, war ich nun verantwortlich für ein Ressort, das es so wohl nirgends sonst gibt: Hund.</p>
<p>Zugegeben: Das mag banal klingen. Und ich muss zugeben, dass auch ich mir anfangs nicht so recht vorstellen konnte, dass man Woche für Woche was Neues und Interessantes über die Welt der Hunde schreiben kann. Über Fütterung, Erziehung und Haltung ist bald alles gesagt, und irgendwann ist selbst die exotischste Hunderasse mit einem Porträt abgehandelt.</p>
<p>Diese anfängliche Skepsis war denn auch die grösste Herausforderung für mich als frisch gebackene «Hunde-Redaktorin»: Gab vorher die Agenda viele der Themen vor, lag es nun an mir, eben diese zu finden. Als Verantwortliche für die monatlichen Rubriken Reisen und Ausflüge betrat ich ausserdem Neuland, das mich v<a href="https://medienwoche.ch/2015/05/17/mit-gemischten-gefuehlen-auf-reisen/">or neue medienethische Fragen stellte</a>.</p>
<p>Nun ist ein Jahr vergangen, und mit einiger Verwunderung stelle ich fest: Die Hundewelt ist vielseitiger als ich anfänglich dachte, die Themen gehen mir noch lange nicht aus. Und auch die Sache mit den Reisen und Ausflügen läuft: Zum Einen gibt es viele Reisejournalisten, die uns ihre Texte dankbar verkaufen, und was die Pressereisen angehen, so kann ich als Verantwortliche meine Redaktionskollegen jeweils im Vorfeld auf die Gratwanderung aufmerksam machen. Auch sonst unterscheidet sich die Arbeit bei der «Tierwelt» – bis auf den Inhalt – kaum von einem anderen Magazin: Ich recherchiere, treffe Leute, hole Meinungen ein und schreibe.</p>
<p>Der grösste Unterschied zu meiner Arbeit beim «Urner Wochenblatt» liegt in der Wahrnehmung von Aussen. Auch wenn jemand den Kanton Uri kaum kannte und noch nie ein «Urner Wochenblatt» gelesen hatte, so konnten selbst Nicht-Medienleute sich etwas darunter vorstellen, wenn ich von meinem Arbeitsplatz erzählt habe: Lokaljournalismus halt. Die «Tierwelt» hingegen ist bei Nichtlesern oft nur als «das Heft mit den Inseraten» bekannt – dass die nur die Hälfte des Heftes ausmachen und wir Woche für Woche journalistische Inhalte bieten, ist den wenigsten bekannt.</p>
<p>Das ist frustrierend, aber auch ein Ansporn, eben diese Inhalte auch Nichtlesern schmackhaft zu machen. Schliesslich richtet sich die «Tierwelt» an ein Publikum, das oft unterschätzt wird, lebt doch hierzulande in jedem vierten Haushalt eine Katze, in jedem zehnten ein Hund, hinzu kommen die zahlreichen Kleintierzüchter in der Schweiz. Nicht umsonst liegt die Auflage der «Tierwelt» bei über 66&#8217;000. Das sind immerhin 1000 Exemplare mehr als jene der «Weltwoche» – ein Vergleich, der Nichtleser aufhorchen lässt und ich auch nach einem Jahr immer wieder gerne bringe.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/02/01/verantwortliche-redaktorin-fuer-das-ressort-hund/">Verantwortliche Redaktorin für das Ressort «Hund»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Selbstzensur aus Angst vor der «Hexe»</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Antonio Fumagalli]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 Jan 2016 09:33:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Standpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Blickwinkel]]></category>
		<category><![CDATA[Standpunkt>Blickwinkel]]></category>
		<category><![CDATA[Medienfreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[MAZ]]></category>
		<category><![CDATA[Nicaragua]]></category>
		<category><![CDATA[Stage]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Unser Kolumnist absolviert derzeit ein Stage bei «El Nuevo Diario» in Nicaragua &#8211; und hat dabei Einblick in eine Medienlandschaft, die weit davon entfernt ist, die vierte Gewalt im Staat zu sein. Ernsthaft zwar, aber nie verärgert und schon gar nicht böse – so lernte ich Orlando, einen Fotografen der nicaraguanischen Tageszeitung «El Nuevo Diario» <a href="https://medienwoche.ch/2016/01/18/selbstzensur-aus-angst-vor-der-hexe/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Unser Kolumnist absolviert derzeit ein Stage bei «El Nuevo Diario» in Nicaragua &#8211; und hat dabei Einblick in eine Medienlandschaft, die weit davon entfernt ist, die vierte Gewalt im Staat zu sein.<br />
<span id="more-26548"></span><br />
Ernsthaft zwar, aber nie verärgert und schon gar nicht böse – so lernte ich Orlando, einen Fotografen der nicaraguanischen Tageszeitung «El Nuevo Diario» in den ersten<br />
Tagen <a href="http://www.maz.ch/stages/stages/aktuell-unterwegs/" target="_blank">meines Aufenthalts</a> kennen. Bis an jenem Mittwoch, um 17.01 Uhr in der ehemaligen Kolonialstadt Leòn. Sein Gesicht verfinsterte sich, hastig zog er mich zur Seite. «Du hast gerade einen grossen Fehler begangen», liess er mich in typischem Nica-Spanisch, das «s» verschluckend, wissen.</p>
<p>Nun, was hatte ich getan? Orlando, der mich schon zweimal auf Reportage begleitet hat, wollte mir unbedingt das Dach von Leòns Kathedrale zeigen. Er selbst brauchte von dort oben ein paar Fotos für einen Artikel. Dummerweise erbaten wir exakt eine Minute nach dem Ende der offiziellen Besuchszeiten um Einlass. Also versuchte ich einen vermeintlichen Trumpf auszuspielen: Wir seien Journalisten und möchten uns für einen Artikel gerne einen kurzen Überblick verschaffen, erklärte ich dem Türsteher. Ich dachte, dass dies für einen Touristen-Hotspot wie die Kathedrale nur positiv sein kann. In der Schweiz hätte eine solche Flucht nach vorne durchaus erfolgreich sein können. Nicht so hier. Die Türe blieb verschlossen und Orlando hielt mir kurz darauf eine Standpauke. Wir könnten nur hoffen, dass am kommenden Morgen ein anderer Türsteher Dienst habe (was dann auch der Fall war), sagte er. Ansonsten kämen wir nur mit der persönlichen Genehmigung des Tourismus-Ministers auf die Kathedrale.</p>
<p>Ich liess mir erklären: In Nicaragua hat man als Journalist gegenüber behördlichen Stellen per se das Nachsehen. Medienschaffende sind der Regierung, die seit 2007 wieder vom einstigen Revolutionsführer Daniel Ortega angeführt wird, suspekt. Wer eine Information will, braucht einen direkten Kontakt in ein Ministerium oder muss aus den offiziellen Verlautbarungen zitieren. Eine Website mit den Ansprechpartnern, wie wir sie <a href="https://www.admin.ch/gov/de/start/service/kontakt/medienstellen.html" target="_blank">in der Schweiz kennen</a>? Hier undenkbar. Entsprechend konnten es meine nicaraguanischen Redaktionskollegen fast nicht glauben, als mir das Schweizer Justizministerium innert Tagesfrist und ziemlich ausführlich schilderte, wie der Gefängnisalltag eines Auslieferungshäftlings – zu denen auch ein nicaraguanischer Fifa-Funktionär gehört – aussieht. Für eine solche Antwort hätte man mich hier wochenlang vertröstet, um die Anfrage letztlich versanden zu lassen, sagten mir die Kollegen.</p>
<p>Das Erstaunliche an der behördlichen Verweigerungshaltung: Ich arbeite hier für eine Zeitung, die der sandinistischen Regierung überaus freundlich gestimmt ist. Dem war allerdings nicht immer so, bis ins Jahr 2009 – Ortega war damals bereits wieder an der Macht – war die Zeitung gemäss der Schilderungen meiner Redaktionskollegen der (zerstückelten) Opposition näher. Dann übernahm eine der wichtigsten Banken des Landes, über welche die Regierung Löhne und weitere Zahlungen abwickelt, das Ruder. Die Bank ihrerseits ist in erster Linie an politischer Stabilität interessiert. Einige führende Journalisten verliessen den «Nuevo Diario» im Zuge dieser Übernahme, andere passten sich an.</p>
<p>Was seither abläuft, kann am besten mit «Selbstzensur» beschrieben werden: Im Wissen, dass die Chefredaktion missliebige – ergo: regierungskritische – Artikel aus dem Blatt kippt, versuchen es die Journalisten gar nicht mal erst. Ein Beispiel: Eine Redaktionskollegin vermittelte mir kürzlich den Kontakt zu einer Gesundheitsexpertin, die in den 1980er-Jahren der Revolutions-Regierung angehörte. Gleichzeitig fügte sie an, dass es sich nicht lohne, diese für ein Statement anzufragen – weil sie in der Zeitung ohnehin nicht erwähnt werden dürfe. Wie die meisten der damaligen Mitstreiter hat die Ex-Ministerin nämlich mit Ortega gebrochen und gehört nun einer Oppositionsgruppierung an. Mit diesem Schritt ist sie für unsere Zeitung zum roten Tuch geworden.</p>
<p>Neben der Chefredaktion und den Ressortleitern überwacht offenbar ein eigens dazu abgestellter Kadermann der Bank, dass die publizistische Ausrichtung der Zeitung nicht aus dem Ruder läuft (das «offenbar», weil ich diesen Mann noch nie gesehen habe – alle kennen ihn aber). Gefällt ihm ein Artikel nicht, ruft er am nächsten Tag an. Auch wichtige Inserenten – etwa Telekomunternehmen – werden verschont. Einige Redaktoren gehen gar davon aus, dass der «Kontrolleur» noch am Abend die wichtigsten Artikel des folgenden Tages überprüft.</p>
<p>Exemplarisch zeigt sich unsere Hofberichterstattung auch im Umgang mit der wohl schillernsten Frau des Landes: Firstlady Rosario Murillo, in der Bevölkerung wahlweise auch als «la bruja» (die Hexe) oder «la chayo» (Eigenwort) bekannt. Sie ist jedoch weit mehr als einfach nur die Frau des Präsidenten. Innenpolitisch gibt sie in Nicaragua den Ton an. Und sie ist mit Abstand die Kommunikativste im Lande: Jeden (!) Mittag hält sie per Telefon eine Art Pressekonferenz ab, bei der sie sich zu allen möglichen Themen äussert – von den Arbeitslosenzahlen über den Tourismusboom bis hin zum bevorstehenden Vulkanausbruch. Denn sie ist offizielle Sprecherin der Regierung (wohlgemerkt: derjenigen ihres Mannes). Entsprechend oft erscheint sie in der Zeitung. Früher hat man sie dabei schlicht als «primera dama» betitelt, doch das hat sie irgendwann geärgert. Also hat sie interveniert. Seither heisst sie bei uns «Coordinadora del Consejo de Comunicación y Ciudadanía» (so viel wie: «Koordinatorin des Kommunikations- und Bürgerrats»).</p>
<p>Es sind dies persönliche Einblicke in eine Medienlandschaft, die weit davon entfernt ist, ihre Rolle als vierte Gewalt im Staat wahrzunehmen. Ohnehin teilt sie sich in ein regierungsfreundliches und in ein -kritisches Lager auf – wobei Ersteres längst Überhand genommen hat. Etwas dazwischen gibts kaum. Alle TV-Kanäle bis auf zwei sind staatlich kontrolliert. Und von den grossen Printprodukten gilt nur noch «La Prensa» als regierungskritisch. Diese nimmt ihre Rolle dafür mit umso mehr Furor wahr. Nennt sie Machthaber Daniel Ortega, tut sie dies in Anlehnung auf dessen juristisch überaus umstrittene Regierungstätigkeit konsequent mit folgendem Zusatz: «el presidente inconstitucional» – «der verfassungswidrige Präsident».</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/01/18/selbstzensur-aus-angst-vor-der-hexe/">Selbstzensur aus Angst vor der «Hexe»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Blendle – Glücksfall und Dilemma</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/01/04/blendle-gluecksfall-und-dilemma/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Nik Niethammer]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 Jan 2016 11:18:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Standpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Blickwinkel]]></category>
		<category><![CDATA[Standpunkt>Blickwinkel]]></category>
		<category><![CDATA[Paywall]]></category>
		<category><![CDATA[Blendle]]></category>
		<category><![CDATA[Startup]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wie ich gelernt habe, Blendle zu lieben. Und warum der Online-Kiosk den Journalismus nicht allein aus der Krise führen wird. Unser Kolumnist über Blendle als Glücksfall und Dilemma. Sie sind gelb und rot und blau und liegen übereinander gestapelt in der untersten Schublade meines alten Schuhschranks. Duzende Klarsichthüllen mit fein säuberlich herausgetrennten Zeitungsseiten. Das war <a href="https://medienwoche.ch/2016/01/04/blendle-gluecksfall-und-dilemma/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Wie ich gelernt habe, Blendle zu lieben. Und warum der Online-Kiosk den Journalismus nicht allein aus der Krise führen wird. Unser Kolumnist über Blendle als Glücksfall und Dilemma.<br />
<span id="more-26431"></span><br />
Sie sind gelb und rot und blau und liegen übereinander gestapelt in der untersten Schublade meines alten Schuhschranks. Duzende Klarsichthüllen mit fein säuberlich herausgetrennten Zeitungsseiten.</p>
<p>Das war lange Zeit beinahe zwanghaft: mochte ich einen Text, wollte ich ihn behalten. Physisch. Herausragende Reportagen, brillante Interviews, kluge Meinungsstücke – ab ins Körbchen. Bedrucktes Papier, aufbewahrt für die Ewigkeit.</p>
<p>Nun staubt die Sammlung vor sich hin. Mein Archiv ist heute das Internet, die Klarsichthüllen heissen Twitter und Facebook. Längst nicht jeden Text, der mir gefällt, poste ich. Danke, Herr Zuckerberg, für den «Nur ich»-Button. Ich nutze das Netzwerk wie eine Pinnwand: da wird alles fest getackert, was beim Stöbern im Netz hängen bleibt: Reportagen, Longreads, Blog-Einträge, Kommentare, Analysen; eben alle Texte, die mich ansprechen, inspirieren, irritieren. Manchmal schreibe ich kurze Notizen zu einzelnen Links, hebe einen Satz hervor, der mich besonders berührt.</p>
<p>Seit drei Monaten wird mein tägliches Verlangen nach gutem Journalismus auf eine ganz neue Art befriedigt: jeden Morgen zwischen 7.28 Uhr und 7.48 Uhr, via Mail, hübsch aufbereitet, mundgerecht serviert.</p>
<p>Blendle sei dank!</p>
<p>Blendle ist für mich der Ort, an dem es garantiert lesenswerten wertvollen Journalismus zu entdecken gibt. Und der es einem leicht macht, dafür zu bezahlen.</p>
<p>Als das holländische Startup am 14. September 2015 in Deutschland an den Start ging, habe ich mich noch am selben Tag registriert. Ich habe dem digitalen Kiosk meine persönlichen Interessen mitgeteilt – Medien, Familie, Politik, Radsport und einige mehr – seither empfiehlt mir Blendle jeden Morgen sechs Lesegeschichten, sorgfältig ausgewählt und kommentiert von einer Redaktion und prominenten Kuratoren. «Es gibt Artikel, die vergisst man nie. Das hier ist so einer. Berührend und persönlich berichtet er vom Leben einer jungen Frau, die ohne Lithium wahnsinnig wird, doch mit Lithium stirbt. <a href="https://blendle.com/i/neon/ich-glaube-nicht-an-gott-aber-ich-glaube-an-lithium/bnl-neon-20150810-67851_ich_glaube_nicht_an_gott_aber_ich_glaube_an_lithium" target="_blank">Unbedingt lesen.</a>» Die Geschichte stand im Magazin NEON, und weil NEON die Geschichte nicht online gestellt hat, und ich NEON nicht abonniert habe, hätte ich diesen Text wohl nie zu lesen bekommen.</p>
<p>Mein Fazit nach drei Monaten Blendle: Der Online-Kiosk macht ziemlich vieles richtig. Die Auswahl an Texten aus über 100 Titeln ist beeindruckend, wenn gleich viele Zeitungen und Zeitschriften noch fehlen (in der Schweiz sind nur die NZZ und das Magazin «Reportagen» vertreten). Die Preise sind moderat, variieren für die meisten Texte zwischen 25 und 89 Cent, teurer wird’s, wenn man eine ganze Ausgabe kaufen möchte (die Süddeutsche Zeitung kostet aktuell 1.99 Euro, der STERN 2.74 Euro). Ich kaufte auf Blendle im Schnitt für 15 Euro pro Monat rund 20 hochwertige Geschichten und Denkstücke. Zugang und Bedienung sind extrem benutzerfreundlich, die Oberfläche ist aufgeräumt und schlicht gehalten. Ich kann Zeitungen und Magazine durchblättern, mit der integrierten Suchfunktion nach Stichworten oder Themen suchen, mir viel gelesene Artikel anzeigen lassen oder Menschen folgen und sehen, welche Stücke sie lesen und empfehlen. Alle Texte bleiben in meinem Archiv gespeichert – und wenn mir ein Stück nicht gefällt, krieg ich mein Geld zurück.</p>
<p>Die Geld-zurück-Nummer hab ich erst einmal beansprucht, nachdem ich mich bei meiner Kaufentscheidung von den Blendle-Leuten habe verführen lassen. Ein Text aus dem STERN wurde in die Stratosphäre geteasert («Super smart, super lehrreich und absolut lesenswert»), erwies sich dann aber als ziemlich lau. Einmal den Button «Erhalte Dein Geld zurück» geklickt – und die 25 Cent waren wieder auf meinem Guthaben-Konto. Coole Sache, versuchen Sie mal am Kiosk ein Magazin zurückzugeben, weil die Titelgeschichte Schrott war. Eben!</p>
<p>«Blendle rettet den Journalimus. Und führt die Verlagshäuser aus der Krise.» Ein steile These, die ich trotz meiner Begeisterung für Blendle nicht teile. Aus diesen Gründen:</p>
<ul>
<li>Blendle wird auch auf lange Frist den Verlagen nicht die Einnahmen bringen, die bei den Abos und Werbeerlösen wegbrechen.</li>
<li>Blendle, quasi das iTunes der Medien, kann sich nur dann durchsetzen, wenn alle grossen Verlage ihre Text-Ware im Online-Kiosk anbieten.</li>
<li>Verlage werden weiterhin – wenn auch teilweise zeitverzögert &#8211; hochwertige und einzigartige Inhalte kostenlos abgeben und nicht hinter einer Bezahlschranke verstecken. Zeitungen erhoffen sich so mehr Reichweite und höhere Werbeerlöse auf ihren Portalen. Solange guter Journalismus im Netz weiterhin kostenlos ist, bleibt Blendle ein Nischenprodukt.</li>
<li>Wer Blendle regelmässig nutzt, wird immer weniger darauf achten, woher ein Artikel stammt, den er gerade gelesen hat. Die Grenzen zwischen den einzelnen Titel verschwimmen. Wenn es aber in Zukunft egal ist, wo ein grossartiger Text erschienen ist und ob in derselben Ausgabe einer Zeitung oder eines Magazins noch weitere grossartige Texte stehen, dann bedeutet das nichts weniger als das Ende der Zeitungen und Magazine in der heutigen Form.</li>
</ul><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/01/04/blendle-gluecksfall-und-dilemma/">Blendle – Glücksfall und Dilemma</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Basteln an der Ich-AG</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/11/30/basteln-an-der-ich-ag/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Antonio Fumagalli]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Nov 2015 13:51:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Standpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Blickwinkel]]></category>
		<category><![CDATA[Standpunkt>Blickwinkel]]></category>
		<category><![CDATA[Twitter]]></category>
		<category><![CDATA[Facebook]]></category>
		<category><![CDATA[Ich-AG]]></category>
		<category><![CDATA[Promotion]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstvermarktung]]></category>
		<category><![CDATA[Social Media]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ohne Eigenwerbung geht nichts: Gerade junge Journalistinnen und Journalisten promoten sich auf Twitter, Facebook und persönlichen Websites, was das Zeug hält – schliesslich soll man ja eine Marke sein. Doch wie viel Selbstvermarktung ist zu viel? Schön, haben Sie auf diese Kolumne geklickt. Vielleicht schauen Sie regelmässig bei der Medienwoche vorbei und lesen diejenigen Artikel, <a href="https://medienwoche.ch/2015/11/30/basteln-an-der-ich-ag/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/11/30/basteln-an-der-ich-ag/">Basteln an der Ich-AG</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ohne Eigenwerbung geht nichts: Gerade junge Journalistinnen und Journalisten promoten sich auf Twitter, Facebook und persönlichen Websites, was das Zeug hält – schliesslich soll man ja eine Marke sein. Doch wie viel Selbstvermarktung ist zu viel?<br />
<span id="more-26281"></span><br />
Schön, haben Sie auf diese Kolumne geklickt. Vielleicht schauen Sie regelmässig bei der Medienwoche vorbei und lesen diejenigen Artikel, die Sie interessieren. Vielleicht aber – und das ist der wahrscheinlichere Fall – sind Sie via Twitter oder Facebook darauf gestossen.</p>
<p>Ich habe den Link zu meiner Kolumne ebenfalls auf Social Media geteilt, allerdings nur auf Twitter. Und auch dort mit einem gewissen Widerwillen. Gerne gebe ich zu: Die sogenannten sozialen Medien mit ihren Möglichkeiten zur Selbstdarstellung, verbunden mit meiner beruflichen Tätigkeit – sie überfordern mich. Ich habe den richtigen Umgang noch immer nicht gefunden.</p>
<p>Was sind wir Journalisten eigentlich? Sind wir nichts anderes als ein Maurer und arbeiten anstatt mit Mörtel und Spachtel mit Buchstaben und Geschichten? Auch wir verrichten – sofern wir festangestellt sind – zuerst einmal eine Arbeit zugunsten unseres Unternehmens und werden dafür entlöhnt. Nicht mehr und nicht weniger. Es ist eine abwechslungsreiche, herausfordernde und schöne Arbeit, aber es ist eine Arbeit. Oder verlangt die Medientätigkeit, gerade weil sie per se öffentlich und damit gesellschaftlich relevant ist, von uns Autoren auch Diskussionsbeiträge, die über die Publikation in unserem Medium hinausgeht?</p>
<p>Was damit einhergeht: Ein Journalist ist automatisch eine Marke. Und eine Marke will gepflegt sein, wie in einem MAZ-Kurs mal gepredigt wurde. Mehr als in anderen Berufen baut man auf den eigenen Namen. Kein Wunder gibt es kaum Journalisten und Journalistinnen, die bei der Heirat den Namen des Partners annehmen – es würde die Aufbauarbeit mit einem Schlag zurückwerfen. Das Internet legt uns dazu Werkzeuge in die Hand, die vor einer Generation noch undenkbar gewesen wären. Nie war es einfacher, an der Ich-AG herumzubasteln. Facebook und Twitter sind nur die prominentesten Plattformen, eine ganze Reihe von Berufskollegen – gerade in meiner Altersklasse – betreibt mittlerweile eine eigene Website. Das ermöglicht künftigen Arbeitgebern, rasch einen Überblick über das (selektionierte) Schaffen zu gewinnen. Es erleichtert vielleicht den Dialog mit den Lesern. Aber es befeuert auch eine Eitelkeit, die in der Branche ohnehin schon stark ausgeprägt ist.</p>
<p>Mich selbst stellt das immer wieder vor ein Dilemma. Ich weiss, wie wichtig Marketing in eigener Sache ist – in Zeiten von klammen Redaktionsbudgets sowieso. Ich weiss auch, dass einem gerade im Berufsleben wenig geschenkt wird. Wer nicht laut genug in die Menge ruft, wird viel eher überhört. Und doch mag ich nicht auf allen Kanälen daueraktiv sein. Womit ist zu rechtfertigen, dass ich über die eigene Zeitung hinaus die ganze Welt an meiner Arbeit und meinen Gedanken teilhaben lasse?</p>
<p>Mein persönliches Rezept habe ich noch nicht gefunden. So bleibt meine Präsenz in den sozialen Medien diffus: Mal poste ich was, dann wieder wochenlang nichts. Ich nehme auch nur selten an Diskussionen auf Facebook und Twitter teil. Und auf die eigene Website verzichte ich bislang – auch, weil ich nicht als freier Journalist arbeite und nur beschränkt darauf angewiesen bin, mich zu «verkaufen». Das spart Zeit und Nerven – zum Preis, dass der Aktienwert der eigenen Ich-AG darunter leidet.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/11/30/basteln-an-der-ich-ag/">Basteln an der Ich-AG</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Kalkulierte Provokation</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/11/16/kalkulierte-provokation/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Nik Niethammer]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 16 Nov 2015 09:43:50 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[SVP]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wer sich öffentlich äussert, gerät schnell in die Versuchung, Halbgares weiterzutwittern, irgendetwas Unbestätigtes zu liken und so die Spekulationsmaschine auf Hochtouren zu bringen. Davor sind auch Medienschaffende nicht gefeit. Es wird aber kein Essen besser, wenn dir alle ihren Senf auf den Teller spucken. Beobachtungen nach dem Tod von Helmut Schmidt und den Anschlägen von <a href="https://medienwoche.ch/2015/11/16/kalkulierte-provokation/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/11/16/kalkulierte-provokation/">Kalkulierte Provokation</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wer sich öffentlich äussert, gerät schnell in die Versuchung, Halbgares weiterzutwittern, irgendetwas Unbestätigtes zu liken und so die Spekulationsmaschine auf Hochtouren zu bringen. Davor sind auch Medienschaffende nicht gefeit. Es wird aber kein Essen besser, wenn dir alle ihren Senf auf den Teller spucken. Beobachtungen nach dem Tod von Helmut Schmidt und den Anschlägen von Paris.<br />
<span id="more-26114"></span><br />
Die Nachricht vom Tod des Jahrhundertpolitikers Helmut Schmidt war keine Stunde alt, als sich die deutsche CDU-Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach zu Worte meldete. «Wir können nicht mehr Ausländer verdauen, das gibt Mord und Totschlag» – dieses Zitat Schmidts aus dem Jahr 1981 verbreitete Steinbach auf Twitter. Und versuchte mit einem 34 Jahre alten Spruch eines eben Verstorbenen Stimmung zu machen gegen die Flüchtlinge in Deutschland. Der Tweet wurde hundertfach geteilt; eine Welle der Empörung schwappte durchs Netz und gipfelte in Kommentaren wie diesem: «Einfach nur geschmack- und pietätlos, was aus dem Hirn einer kotzhässlichen Nazi-Tochter da entfleucht. Geh in den Wald, friss Zyankali, du asoziales Stück Dreck».</p>
<p>Während ich diese Zeilen schreibe, treffen immer neue Meldungen aus Paris ein. Barak Obama spricht von einem «Anschlag auf die Menschheit», Angela Merkel sagt sichtlich bewegt «wir weinen mit ihnen». Ich bin geschockt, traurig über diesen erbärmlichen Anschlag, der uns alle zum Ziel hatte, unsere Werte, unsere Freiheit, die Art, wie wir leben. Ich versuche zu verstehen, was passiert ist, steure immer neue Newsseiten an, lese Liveticker, stelle gleichzeitig das Radio an und CNN – ein Reflex aus der Golfkriegszeit.</p>
<p>Wer sich hilflos fühlt, sehnt sich nach Informationen. Informationen sind die wichtigste Nahrung gegen Unsicherheit. Ich sehne mich nach jemandem, der mir erklärt, was das zu bedeuten hat. Der keine Spekulationen liefert, sondern Fakten. Der vielleicht auch einmal sagt: «Wir wissen nichts Neues. Aber wenn wir etwas Neues wissen, teilen wir es mit Dir. Genau hier.»</p>
<p>Während ich also fassungslos dem Nachrichtenstrom folge, nutzen Wirrköpfe und Scharfmacher die Anschläge für ihre rechten Parolen: «Ich schätze mal, der Terror von Paris wird auch unsere Debatten über offene Grenzen und einer Viertelmillion unregistrierter junger islamischer Männer im Lande in eine ganz neue frische Richtung bewegen», schreibt «Welt»-Autor Matthias Matussek auf Facebook. Und beendet seinen Kommentar mit einem lachenden Smiley.</p>
<p>Und Roger Liebi, Präsident der SVP Stadt Zürich, twittert: «Schlimm, dass man zugelassen hat, dass sich die islamische Brut in unserer Gesellschaft ausbreiten konnte. Wer warnte, wurde verunglimpft.» Die Reaktion folgt postwendend: «Ich verunglimpfe jetzt auch mal ganz direkt, ohne meine sonst übliche sarkastische Zurückhaltung: ARSCHLOCH», schreibt eine Userin.</p>
<p>Was haben Steinbach, Matussek und Liebi gemeinsam? Sie wissen genau, was sie tun. Sie missbrauchen tragische Ereignisse für ihre eigenen Zwecke. Sie zündeln, provozieren und vertrauen auf den Empörungsreflex. Sie halten uns ein Stöckchen hin – und wir alle springen. Der Aufschrei ist gewollt, der Erregungssturm kalkuliert.</p>
<p>Steinbach, Matussek und Liebi können das aushalten. Erst durch die Vervielfältigung in den sozialen Medien, erst durch die zahlreichen Kommentare, katapultieren sie sich ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Steinbachs Entgleisungen wurden von FAZ.de, Spiegel online und zahlreichen weiteren News-Seiten aufgegriffen.</p>
<p>Was also tun? Bringen wir unsere Abscheu anders zum Ausdruck. Indem wir Dumpfbacken und Hetzer einfach nicht beachten. Ignorieren. Totschweigen. Heizen wir den Krawall nicht weiter an, lassen wir uns von Leuten wie Steinbach, Matussek und Co. nicht länger instrumentalisieren. Das ist schwierig, keine Frage. Gerade Medienschaffende tragen eine besondere Verantwortung. Sie sollten Hetzbotschaften von relevanten Meinungsäusserungen unterscheiden können und nicht selbst an der Eskalationsspirale mitdrehen. Das geschieht auch, wenn man Hetzer als solche kennzeichnet und sich von ihnen distanziert.</p>
<p>So meldete sich zwei Stunden nach dem Post von Matussek Jan-Eric Peters, Chefredaktor der Welt-N24-Gruppe auf Facebook: «Die zivilisierte Welt hat gerade andere Probleme als ein durchgeknalltes Posting. Aber damit das klar ist: Ich distanziere mich im Namen der ‹Welt›, die für andere Werte steht, für Freiheit und Menschlichkeit. Die Gedanken unserer Redaktion gehören den Opfern von Paris. Alles weitere intern nach dieser langen Nacht, die noch nicht zu Ende ist.» Im Fall von SVP-Mann Roger Liebi, der nach zahlreichen empörten Reaktionen seinen Twitter-Account gelöscht hat und sich in eine falsche Ecke gedrängt sah, übernehme ich das gerne gleich selbst: «Einfach mal Klappe halten.»</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/11/16/kalkulierte-provokation/">Kalkulierte Provokation</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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