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	<title>Die MEDIENWOCHE - Das digitale Medienmagazin</title>
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	<description>Das digitale Medienmagazin</description>
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		<title>Alle Wege führen… wohin und wieso?</title>
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		<pubDate>Wed, 22 May 2013 22:36:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Journalismus bleibt ein begehrtes Berufsziel. Das schlechte Image der Medien tut der Beliebtheit keinen Abbruch. Untrüglicher Hinweis darauf sind die immer reichhaltigeren Ausbildungsangebote. Doch wozu ein Studium für einen Beruf, der ganz bewusst kein geschützter ist? Ein Gespräch. Aus der Perspektive von Ausbildung und Praxis diskutieren vier Fachleute über das Wie und Wieso und Wozu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Journalismus bleibt ein begehrtes Berufsziel. Das schlechte Image der Medien tut der Beliebtheit keinen Abbruch. Untrüglicher Hinweis darauf sind die immer reichhaltigeren Ausbildungsangebote. Doch wozu ein Studium für einen Beruf, der ganz bewusst kein geschützter ist? Ein Gespräch.<br />
<span id="more-14192"></span><br />
Aus der Perspektive von Ausbildung und Praxis diskutieren vier Fachleute über das Wie und Wieso und Wozu der Journalismus-Ausbildung. Es sind dies: <a href="http://www.maz.ch/aktuell/news/402.asp" target="_blank">MAZ-Studienleiterin</a> <a href="http://www.journalism-reloaded.ch/" target="_blank">Alexandra Stark</a>, ZHAW-Dozent Nick Lüthi und <a href="http://konradweber.ch/" target="_blank">Konrad Weber</a>, Multimedia-Redaktor und Journalismus-Student. Geleitet wird das Gespräch (in Schweizer Dialekt) von Yves Kilchör, <a href="http://www.radioblindpower.ch/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=34&amp;Itemid=35" target="_blank">Radiomoderator</a> und <a href="http://campus.nzz.ch/studium/blind-durchs-studium" target="_blank">Student</a>.</p>
<p><iframe width="100%" height="166" scrolling="no" frameborder="no" src="https://w.soundcloud.com/player/?url=http%3A%2F%2Fapi.soundcloud.com%2Ftracks%2F93365480&amp;color=ff6600&amp;auto_play=false&amp;show_artwork=false"></iframe></p>
<p>Dieses Gespräch ist Teil der Bachelor-Arbeit von Yves Kilchör. Er schliesst damit sein Journalismus-Studium an der ZHAW in Winterthur ab. Weitere Folgen der noch namenlosen Sendung zu Medien und ihren Machern sind geplant. Anregungen und Namensvorschläge gerne unten als Kommentar.</p>
 <p><a href="http://medienwoche.ch/beta/?flattrss_redirect&amp;id=14192&amp;md5=755c057ef89baacb025a56232a529f92" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://medienwoche.ch/beta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Noch «viele Zufälligkeiten» im Newsroom</title>
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		<pubDate>Tue, 21 May 2013 23:37:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nick Lüthi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Blick]]></category>
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		<description><![CDATA[Vor drei Jahren hat die «Blick»-Gruppe ihre Redaktionen in einem Newsroom neu aufgestellt. Wo die Grenzen der kanalübergreifenden Zusammenarbeit liegen, zeigt eine aktuelle Untersuchung am Beispiel des «Blick»-Politikressorts. Den einen gilt er als Zukunftsmodell redaktioneller Organisation. Andere sehen im Newsroom das Schreckbild industrieller Nachrichtenproduktion. Hierzulande befeuerte Ringier die Debatte mit dem Entscheid, die Redaktionen der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vor drei Jahren hat die «Blick»-Gruppe ihre Redaktionen in einem Newsroom neu aufgestellt. Wo die Grenzen der kanalübergreifenden Zusammenarbeit liegen, zeigt eine aktuelle Untersuchung am Beispiel des «Blick»-Politikressorts.<br />
<span id="more-14178"></span><br />
Den einen gilt er als Zukunftsmodell redaktioneller Organisation. Andere sehen im Newsroom das Schreckbild industrieller Nachrichtenproduktion. Hierzulande befeuerte Ringier die Debatte mit dem Entscheid, die Redaktionen der «Blick»-Gruppe räumlich und organisatorisch zusammenzuführen. Das Branchenblatt «Schweizer Journalist» nannte damals den «Blick»-Newsroom das «wichtigste Projekt» im Schweizer Journalismus. Drei Jahre nach dem Start ist es ruhig geworden um den Newsroom, mit dem die Trennwände zwischen «Blick», «Blick am Abend», «Sonntagsblick» und blick.ch eingerissen wurden.</p>
<p>Doch wie bewährt sich die neue Struktur im Alltag? Wie konvergent arbeiten «Blick»-Journalisten heute? Eine <a href="http://medienwoche.ch/beta/wp-content/uploads/2013/05/projektbericht_gysi.pdf">unabhängige Studie</a> liefert erstmals Antworten auf diese Fragen. Reto Gysi von Wartburg, <a href="http://www.fuw.ch/article/reto-gysi/" target="_blank">Redaktor bei der «Finanz und Wirtschaft»</a>, hat im Rahmen seines Studiums <a href="http://www.maz.ch/aktuell/news/492.asp" target="_blank">«New Media Journalism»</a> an MAZ und Leipzig School of Media das Politikressort der «Blick»-Gruppe näher angeschaut. Dazu absolvierte er während der Frühjahrssession der eidgenössischen Räte ein Praktikum in der «Blick»-Bundeshausredaktion, die seit einem Jahr ebenfalls als Newsroom organisiert ist. Insgesamt neun Leute arbeiten für «Blick» in Bern.</p>
<p>Die wohl wichtigste Voraussetzung für konvergentes Arbeit sei erfüllt, stellt Gysi von Wartburg in seiner Studie fest. «Eine eigentliche Verweigerungshaltung, für einen anderen Kanal als das eigene Stammmedium zu schreiben, ist nicht feststellbar.» Das sind mehr als nur hehre Absichtsbekundungen. Eine Auszählung sämtlicher Artikel aus dem Politikressort während dreier Wochen im März zeigt, dass Beiträge von allen neun Mitarbeitern in mindestens zwei der vier Kanäle veröffentlicht wurden. Insofern sei das Ziel erreicht, «dass alle für mehrere Kanäle schreiben.»</p>
<p>Dieser Befund sagt aber noch nichts über den tatsächlichen Grad der multimedialen Integration aus. Regelmässig bi-medial arbeiten im «Blick»-Politikressort nämlich nur die drei Mitarbeitenden, die primär für blick.ch zuständig sind. Sie schreiben auch regelmässig für den «Blick am Abend» und gelegentlich für den «Blick». Die Mitarbeiter mit gedruckten Stammmedien dagegen sind vorerst Printjournalisten geblieben. Ihre Artikel werden zwar auch online veröffentlicht, aber ohne ihr eigenes Zutun. Aus einem einfachen Grund: Längst nicht alle «Blick»-Journalistinnen und -Journalisten beherrschen das Online-Redaktionssystem.</p>
<p>Anspruch und Wirklichkeit klaffen auch anderswo im Newsroom noch auseinander. Die kanalübergreifenden Karrieren einzelner Themen kommen praktisch kaum vor, obwohl das ein deklariertes Ziel der Redaktion wäre. «Dass ein vom &#8216;Blick am Abend&#8217; aufgegriffenes Thema vom Politikressort im &#8216;Blick&#8217; weitergezogen wird, liess sich im Untersuchungszeitraum empirisch nicht feststellen», hält Reto Gysi von Wartburg in seiner Untersuchung fest.</p>
<p>Vom Ziel eines integrierten Newsrooms befindet sich das Politikressort vom «Blick» ein Jahr nach seiner Neustrukturierung noch weit entfernt. In den Abläufen steckt noch viel altes Denken drin. So steht die Tageszeitung innerhalb des Ressorts immer noch zuoberst in der Prestige-Hierarchie: «Hat jemand eine wirklich gute Geschichte, will er oder sie damit lieber in den &#8216;Blick&#8217;, als sie zuerst über blick.ch zu verbreiten», schreibt Gysi von Wartburg in seiner Studie. Vieles geschieht auch unbewusst. «Man entscheidet viel und schnell», sagt «Blick»-Politikchef Jürg Auf der Maur. «Und es hat, wie auf jeder Zeitungsredaktion, viel Zufälligkeiten drin.» Erschwerend für die Kommunikation kommt dazu, dass Ressortleiter Auf der Maur hauptsächlich in Zürich arbeitet und sein Team in Bern.</p>
<p>Zumindest punktuell hat der Newsroom die Arbeit des Politikressorts in die angestrebte multimediale und konvergente Richtung verändert. Da die Journalistinnen und Journalisten nicht mehr nach Kanälen getrennt arbeiten, wird mehr untereinander diskutiert. Ausserdem würden die unterschiedlichen Gestaltungsmöglichkeiten in den vier Kanälen ausgenutzt und Geschichten bewusster platziert. Dass man erst am Anfang eines langen Prozesses steht, ist sich Ressortleiter Jürg Auf der Maur bewusst. Man müsse die Newsroom-Idee noch stärker implementieren, schreibt er in seiner Beurteilung der Studienarbeit. Dabei setzt man vor allem auf den Faktor Zeit. Durchaus ein mögliches Erfolgsrezept, da nachrückende jüngere Kollegen mit konvergenter Arbeit aus Ausbildung und Praktika besser vertraut sind, als altgediente Redaktoren, die nur schon Mühe haben ein CMS zu bedienen.</p>
 <p><a href="http://medienwoche.ch/beta/?flattrss_redirect&amp;id=14178&amp;md5=da5a60b9931039942e73e5194ab00d7a" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://medienwoche.ch/beta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Der Krise zum Trotz</title>
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		<pubDate>Fri, 17 May 2013 11:18:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Adrian Lobe</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Bernard Arnault]]></category>
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		<description><![CDATA[Zeitungskrise? In Frankreich erscheint seit Mittwoch eine neue Tageszeitung. L’Opinion wurde vom ehemaligen Chefredakteur des Figaro gegründet und publiziert vor allem Analysen und Meinungsstücke. Die Redaktion zählt rund 20 Journalisten. Allerdings: Die Eigentumsverhältnisse sind unklar. Mit von der Partei sein könnte Bernard Arnault vom Luxusgüterkonzern LVMH. Französische Zeitungsleser konnten am Mittwoch an den Kiosks eine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zeitungskrise? In Frankreich erscheint seit Mittwoch eine neue Tageszeitung. L’Opinion wurde vom ehemaligen Chefredakteur des Figaro gegründet und publiziert vor allem Analysen und Meinungsstücke. Die Redaktion zählt rund 20 Journalisten. Allerdings: Die Eigentumsverhältnisse sind unklar. Mit von der Partei sein könnte Bernard Arnault vom  Luxusgüterkonzern LVMH.<br />
<span id="more-14166"></span><br />
Französische Zeitungsleser konnten am Mittwoch an den Kiosks eine Neuheit in Augenschein nehmen: <a href="http://www.lopinion.fr/" target="_blank">L’Opinion</a> (auf Deutsch: Die Meinung). Die Tageszeitung, die einen Umfang von acht bis zwölf Seiten hat, erscheint von Montags bis Freitags und kostet im Einzelbezug 1,50 Euro. L’Opinion wird fürs erste an 8000 Zeitungsständen in Paris und in den großen Städten Frankreichs verkauft. Am Mittwochvormittag waren am Kiosk «Sèvres-Babylone» in Paris die meisten Exemplare bereits vergriffen. «Das verkauft sich gut», sagt der Kioskbesitzer. Nur das kryptische Kürzel «M 000118» – die Vertriebsnummer für das Presseerzeugnis – hat den Mann irritiert. «Komisch, die gibt es doch erst seit heute!».</p>
<p>Das letzte Mal, dass eine neue kostenpflichtige Zeitung in Frankreich in Druck ging, war vor knapp 20 Jahren: 1994 erschien die Tageszeitung Info-Matin. Der Preis damals: drei Francs. 1996 wurde das Blatt aus Kostengründen wieder eingestellt. Den Printmedien in Frankreich geht es heute nicht besser. Obwohl die Presseprodukte zwischen 2009 und 2011 laut Rechnungshof mit fünf Milliarden Euro subventioniert wurden und ein ermäßigter Mehrwertsteuersatz von 2,1 Prozent gilt, sind Anzeigen und Auflagen in den letzten Jahren kontinuierlich geschrumpft. L’Opinion stemmt sich gegen diesen Abwärtstrend.</p>
<p>Es sei ein «optimistisches Signal an all diejenigen, die glauben, dass Printmedien wichtig sind», schreibt Chefredakteur <a href="http://fr.wikipedia.org/wiki/Nicolas_Beytout" target="_blank">Nicolas Beytout</a> im Editorial der ersten Ausgabe. Über eineinhalb Jahre hat der einstige Chefredakteur des Tageszeitungen Les Echos und Le Figaro die Publikation mit seinem Team minutiös vorbereitet. In den nagelneuen Redaktionsräumen im 16. Pariser Arrondissement herrscht ein Aufbruchsgeist. Neben Nicolas Beytout kommt Remi Godeau von L’Est Républicain aus Lothringen und Luc de Barochez, zuvor Chefredakteur der Online-Ausgabe des Figaro. <a href="http://www.lopinion.fr/redaction" target="_blank">20 weitere Redaktorinnen und Redaktoren</a> ergänzen das Team. Beytout setzt auf eine flache Hierarchie. «Kein stellvertretender Chefredakteur, kein Ressortleiter – nur Journalisten, die ihre Arbeit machen», sagte er der Gratiszeitung «Metro».</p>
<p>«L’Opinion» hat sich ein «liberales, europäisches und pro-wirtschaftliches» Leitbild auf die Fahnen geschrieben. Die Artikel decken die Bereiche Politik, Wirtschaft und Internationales ab. Die erste Ausgabe kommt schlicht und unaufgeregt daher: vier Spalten, übersichtliche Texte, wenig Bilder, viel Weißfläche. Dass L’Opinion überhaupt als gedruckte Ausgabe erscheint (im Gegensatz zu rue89 oder Mediapart), liegt daran, dass Print nach Einschätzung der Redaktion mehr Werbeeinnahmen generiert als eine reine Internetzeitung. Der Herausgeber Christophe Chenut sagte gegenüber dem Radiosender France Info: «Letztlich kommen unsere Einnahmen zu 40 Prozent aus dem Anzeigengeschäft, zu 60 Prozent aus Abonnements und Einzelverkauf.» Die Papierausgabe wird von einem Webauftritt ergänzt, der sich aus Videoanalysen, Meinungsbeiträgen und einem täglich produzierten TV-Journal («L’Opinion Soir») speist. Um die Integralität der Artikel (auf Smartphones, Tablets) sehen zu können, ist ein Bezahlabonnement von 21 Euro pro Monat erforderlich.</p>
<p>Allein, wer die Zeitung besitzt, ist nicht klar. Fakt ist, dass Chefredakteur Beytout 10 Prozent am Kapitalstock hält. Die anderen Aktionäre der Holding «Bey Medias» sind unbekannt. Für den Journalisten Jean Stern, Auteur des Buches «Les patrons de la presse nationale – tous mauvais» (ed. La Fabrique) besteht ein Transparenzproblem. «Seit den Verordnungen von 1944 müssen die Eigentümer der Zeitungen bekannt sein. Das System der Holding erlaubt es, die eigentlichen Aktionäre der Pressetitel zu verdecken», sagte er gegenüber France Info.</p>
<p>Im Fall von L’Opinion wird spekuliert, dass der milliardenschwere Unternehmer <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bernard_Arnault" target="_blank">Bernard Arnault</a>, Besitzer von Les Echos und dem Luxusgüterkonzern LVMH, mit sechs Millionen Euro Kapital eingestiegen ist. Daneben soll Claude Perdriel, u.a. Eigentümer der Wochenzeitung Le Nouvel Observateur, beteiligt sein. Der Chefredakteur schweigt beharrlich. «Die seltsame Stille um Nicolas Beytout», kommentierte die Online-Zeitung «rue89». Laut Le Monde ist Bernard Arnault – der reichste Mann Frankreichs lebt seit wenigen Monaten im belgischen Steuerexil – gar nicht mit seinem Mischkonzern LVMH (u.a. Louis Vuitton, Bulgari, Tag Heuer) beteiligt, sondern mit einer ominösen Tochtergesellschaft. «Die mysteriösen Investoren von L’Opinion», titelte Le Monde bereits im Vorfeld der Erscheinung. Die undurchsichtige Eigentümerstruktur lässt bezweifeln, ob mit L’Opinion wirklich ein Wandel in der Medienlandschaft eintritt. In Aufmachung und Inhalten hebt sich L’Opinion nur schwer vom Wirtschaftsblatt «Les Echos» ab. Mangels Originalität könnte das Blatt bald ein Schattendasein in den Zeitungsläden von Frankreich führen.</p>
 <p><a href="http://medienwoche.ch/beta/?flattrss_redirect&amp;id=14166&amp;md5=db09fbc5c4ddb362c6344a07a5e33155" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://medienwoche.ch/beta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Online-Werbung ist kaputt</title>
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		<pubDate>Wed, 15 May 2013 11:06:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nick Lüthi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Adblocker]]></category>
		<category><![CDATA[mobile]]></category>
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		<description><![CDATA[Wenn deutsche Zeitungsverlage ihre Leser ermahnen, im Netz doch bitte die Werbung anzuschauen und nicht auszublenden, kämpfen sie weitgehend gegen Windmühlen. Denn der Adblocker sitzt auch im Kopf. Wer die Werbung nicht technisch ausblendet, ignoriert sie einfach. Wenn sich die Geschichte im Mobile-Bereich nicht wiederholen soll, müssen sich die Medienunternehmen etwas einfallen lassen. Doch es [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn deutsche Zeitungsverlage ihre Leser ermahnen, im Netz doch bitte die Werbung anzuschauen und nicht auszublenden, kämpfen sie weitgehend gegen Windmühlen. Denn der Adblocker sitzt auch im Kopf. Wer die Werbung nicht technisch ausblendet, ignoriert sie einfach. Wenn sich die Geschichte im Mobile-Bereich nicht wiederholen soll, müssen sich die Medienunternehmen etwas einfallen lassen. Doch es gibt Hoffnung.<br />
<span id="more-14149"></span><br />
Die Erkenntnis ist fast so alt wie das Web selber. Bereits 1998 stellten die <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Banner_blindness" target="_blank">Forscher Benway und Lane</a> fest, dass selbst die auffälligsten bunt blinkenden Werbeeinblendungen auf Webseiten <a href="http://www.internettg.org/newsletter/dec98/banner_blindness.html" target="_blank">kaum wahrgenommen werden</a>. Das hat sich bis heute nicht geändert. Der durchschnittliche Banner, sagen Usability-Experten, werde von vielen Leuten nur noch als lückenfüllende Farbfläche wahrgenommen und mental ausgeblendet. Hinweise auf diese Ignoranz liefern auch Umfragen wie jene, die jüngst herausgefunden haben will, dass sich ein Grossteil der Netznutzer nicht mehr an den Inhalt der zuletzt gesehen Werbeeinblendung zu erinnern vermag. Auch wenn man entgegnen mag, dass das bei Aussenwerbung oder Zeitungsinseraten nicht anders sei, ändert dies an der schwachen Beachtung der Online-Werbung auch nicht besser.</p>
<p>Wer sich trotzdem gestört fühlt, weil der angeborene Filtermechanismus versagt oder die Werbung so aufdringlich ist, dass es kein Entkommen gibt, kann technisch für Abhilfe sorgen. Das wird auch massenhaft getan. Werbeausblender gehören zu den beliebtesten Browser-Erweiterungen. Allein das populäre <a href="http://adblockplus.org/de/chrome" target="_blank">Adblock Plus</a> bringt es auf über 100 Millionen Installationen weltweit, 10 Millionen davon allein in Deutschland.</p>
<p>Bannerblindheit und die beliebten Adblocker zeichnen ein eher betrübliches Bild der Befindlichkeit von Online-Werbung; zumindest derjenigen Formen, auf die klassische Medienunternehmen bisher gesetzt haben. Vor diesem Hintergrund ist der Aufruf deutscher Verlage an ihre Leserschaft zu verstehen, sich doch bitte die <a href="http://www.presseportal.de/pm/82036/2470142/nachrichten-websites-rufen-gemeinsam-gegen-die-nutzung-von-adblockern-auf" target="_blank">Werbung anzuschauen</a> und nicht wegzufiltern. Bei rund einem Viertel aller Seitenaufrufe würde die Auslieferung der Werbung verhindert. Nun wolle man die Leser dafür sensibilisieren, auf die Blocker-Software zu verzichten und so «eine Basis dafür zu schaffen, auch zukünftig möglichst umfassende Nachrichtenangebote im Internet anbieten zu können.»</p>
<p>Der moralische Appell von Spiegel, Zeit, FAZ und SZ wird in den Weiten des Web verhallen und die Quote derjenigen im Promillebereich versanden, die ihren Adblocker mit einem schlechten Gewissen deinstallieren. Im Gegenteil: Wie Adblock Plus, der populärste Blocker heute bekanntgab, haben die Downloads der Sperrsoftware seit Montag <a href="https://twitter.com/AdblockPlus/status/334311179973435392" target="_blank">deutlich zugenommen</a>, ebenso verzeichnete der Filteranbieter einen erhöhten Spendeneingang. Damit ist klar: Dieser Schuss ging nach hinten los.</p>
<p>Der millionenfache Einsatz von Adblockern zeigt zudem, auf welch tönernen Füssen der Deal steht, auf den sich Verlage bisher meinten abstützen zu können: Kostenlose Inhalte gegen Werbung entpuppt sich zunehmend als Schimäre. Wobei die Abstimmung mit dem Plug-in nicht missverstanden werden darf. Sie bedeutet nicht, dass Werbung im Netz partout nicht goutiert würde. Nur befindet sich die Toleranzschwelle ziemlich tief. Was nicht weiter erstaunt. Während rundum im Netz an smarten Werbeformaten gefeilt wird, treiben es die Medienanbieter besonders bunt. Das Spektrum nervtötender Werbeformen scheint noch längst nicht ausgeschöpft zu sein. Wobei sich vor allem Grossverlage mit <a href="http://www.newsnetz.ch/showcase.html" target="_blank">besonderer «Kreativität»</a> hervortun. Einzelne Fachmedien, wie etwas das IT-Magazin golem.de, das sich auch an der Kampagne beteiligen, <a href="http://www.golem.de/news/in-eigener-sache-bitte-schalte-deinen-adblocker-aus-1305-98523.html" target="_blank">beschränken sich bei der Wahl der Werbeformate</a> selbst, im Bemühen darum, ihre Leser nicht unnötig zu belästigen.</p>
<p>Besonders heikel wird es bei der immer beliebteren Online-Nutzung mit dem Smartphone. Der kleine Bildschirm lässt sich noch viel leichter mit Werbung vollkleistern. Deshalb stehen auch hier die Adblocker zum Download bereit. Wenn die Medienunternehmen nicht bald schon erneut an die Moral des Publikums appellieren wollen, können sie es sich nicht leisten, die bisherigen Fehler zu wiederholen.</p>
<p>Dass man es besser machen kann, zeigt ein Beispiel aus dem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schibsted" target="_blank">norwegischen Medienkonzern Schibsted</a>; nichts Revolutionäres, aber mit einem kleinen, feinen Unterschied zu bekannten Anzeigeformaten. Nach dem Öffnen der iPhone-App des Svenska Dagbladet präsentiert sich zwar auch der gesamte Smartphone-Bildschirm von Werbung überdeckt (siehe Bild rechts). Aber: Man muss kein Kreuzchen suchen und mit dem Daumen treffen, um die Anzeige wegzuklicken. Stattdessen lässt sich das Werbeelement mit dem Daumen nach oben schieben, mit der gleichen Bewegung, wie man sich sonst durch die App bewegt. Und mehr noch: Die Anzeige lässt sich wie ein Kubus drehen. Das schafft zusätzliche Werbefläche und regt den Spieltrieb an. Der Nutzer entschiedet selbst, wie viel Werbung er sehen möchte.</p>
<p>Wahrlich nichts Weltbewegendes, aber wesentlich nutzerfreundlicher als sonst übliche Mobilwerbung. Mit einer konsequenten Kundenorientierung könnte sich das Schicksal der massenweise geblockten Web-Anzeigen abwenden lassen. Es sind die Medien selbst, die aus dem Anti-Adblock-Appell Lehren ziehen sollten. Sie müssen den ersten Schritt machen.</p>
 <p><a href="http://medienwoche.ch/beta/?flattrss_redirect&amp;id=14149&amp;md5=009689610679862aa0dfaa8e07874685" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://medienwoche.ch/beta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Nachhilfe für die Weltwoche</title>
		<link>http://medienwoche.ch/2013/05/10/nachhilfe-fuer-die-weltwoche/</link>
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		<pubDate>Fri, 10 May 2013 12:52:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ronnie Grob</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Milo Rau]]></category>
		<category><![CDATA[Roger Köppel]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Weltwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Wochenzeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Zürcher Prozesse]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Gerichtsshow der «Zürcher Prozesse» von Milo Rau stellte sich als hervorragende Anlage für eine gepflegte Diskussionskultur heraus. Nun ist es an der Weltwoche, aus den daraus gewonnenen Erkenntnissen Konsequenzen zu ziehen. Das einzige politische Wochenmagazin der Schweiz verfügt über eine hervorragende Ausgangslage, um zu einer breit anerkannten Leitschrift zu werden. Die von Milo Rau [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Gerichtsshow der «Zürcher Prozesse» von Milo Rau stellte sich als hervorragende Anlage für eine gepflegte Diskussionskultur heraus. Nun ist es an der Weltwoche, aus den daraus gewonnenen Erkenntnissen Konsequenzen zu ziehen. Das einzige politische Wochenmagazin der Schweiz verfügt über eine hervorragende Ausgangslage, um zu einer breit anerkannten Leitschrift zu werden.<br />
<span id="more-14038"></span><br />
Die von Milo Rau inszenierten «Zürcher Prozesse» übertrafen die zuvor an das Ereignis gestellten Erwartungen in erfreulicher Weise. Ihre strenge Form ermöglichte einen befruchtenden Austausch zu einer landesweit immer wieder gestellten und diskutierten Frage, nämlich: «Wie stehst Du zur Weltwoche?». Es wurde am Sonntag in der Zürcher Altstadt so gepflegt und gesittet debattiert wie gleichentags <a href="http://www.direktedemokratie.com/2013/05/08/landsgemeinde-2013-direkte-demokratie-in-glarus/">an der Landsgemeinde in Glarus</a>. Die beiden diszipliniert durchgeführten und fruchtbar beendigten Debatten-Ereignisse stehen in grellem Gegensatz zur Stammtisch-Kultur der Elite, wie sie mitunter an Podiumsdiskussionen oder in den vielen ARD-Talkshows zu beobachten ist. Man versammelt sich dort unter seinesgleichen, stellt sich selbst dar, wird nach jedem Satz lauter, hört einander nicht zu und schneidet dem Gegenüber das Wort ab.</p>
<p>Die angeklagte Weltwoche wurde von den Geschworenen mit 6 gegen 1 Stimme freigesprochen. Das stets verlässlich gegen Weltwoche und Basler Zeitung anschreibende Medienmagazin «Edito + Klartext» nahm es zum Anlass, jene Geschworene zum <a href="http://dev.edito.ch/de/2013/05/07/die-geschworene-die-die-weltwoche-schuldig-sprach-2/">Interview</a> zu bitten, die die Weltwoche verurteilt hatte, Patrizia Fedier, 84. Sie sagte:</p>
<blockquote><p>«Es war für mich auch sehr spannend zu hören, der Anteil der ‹Weltwoche› an der Presseauflage mache nur sieben Prozent aus. Ich war sehr erstaunt: Wenn der Anteil wirklich so klein ist, weshalb hat die ‹Weltwoche› mit ihren Artikeln eine so grosse Popularität? Dann habe ich verstanden, dass viele Medien und Personen reproduzieren, was die ‹Weltwoche› schreibt – auch wenn sie eigentlich dagegen sind.»</p></blockquote>
<p>Klare Analyse, die Weltwoche ist ein Leitmedium, so wie in Deutschland «Spiegel» und «Bild». Gemacht von einem kleinen Trupp unabhängiger Journalisten, wenn man denn glauben darf, was Redaktor Alex Baur zu Protokoll gegeben hat (<a href="http://www.srf.ch/player/tv/videoembed?id=ee1da1c2-df18-458e-a3d7-b7a3fd4c1fb2&#038;width=624&#038;height=351&#038;mode=inline&#038;autoplay=true">ab Minute 6</a>):</p>
<blockquote><p>«Ich habe schon auf vielen Redaktionen gearbeitet, und selten habe ich einen derart offenen und liberalen Geist erlebt, wie ich ihn auf der Weltwoche Tag für Tag erlebe. Da wird gestritten und debattiert, dass es eine Freude ist und manchmal auch eine Qual. Aber schlussendlich habe ich immer das geschrieben, was ich für richtig hielt. Und da hat mir niemand irgendwelche Devisen erteilt, weder Köppel, noch Herr Tettamanti, noch Herr Blocher, noch irgendwer. Und ich kann ihnen sagen, die anderen Autoren der Weltwoche, die halten das auch so.»</p></blockquote>
<p>Inklusive dem Chefredaktor und seinem Stellvertreter sind es gerade mal 15 Personen, die die Schweiz und manchmal auch das Ausland aufmischen (ohne Korrespondenten und freie Mitarbeiter, gemäss Impressum). Im Vergleich die Sonntagszeitung: <a href="http://sonntagszeitung.ch/impressum/">64</a>. Die NZZ am Sonntag: <a href="http://www.nzz.ch/impressum">60</a>. Die WOZ: <a href="http://www.woz.ch/impressum/redaktion">19</a>. Das Magazin: <a href="http://leserbriefe.dasmagazin.ch/impressum/">8</a>. Mit 15 festen Personen jede Woche bis zu 80 Seiten hinzukriegen mit in aller Regel lesenswerten Artikeln, das ist eine schöne Leistung, an der sich der Rest der Schweizer Medienlandschaft messen darf. Der Output einiger anderer Redaktionen ist quantitativ und qualitativ geringer.</p>
<p>Die Ankläger gingen voller Selbstbewusstsein in den Prozess, und kamen voller Zweifel wieder heraus. Wieso bloss sind nicht mal Geschworene einer Gerichtsshow zu überzeugen, die Weltwoche zu verurteilen? <a href="http://www.woz.ch/1319/die-zuercher-prozesse/diskriminierung-als-geschaeft">Die WOZ schrieb</a> zum 6:1-Entscheid der Jury:</p>
<blockquote><p>«Den Entscheid begründet die Geschworene Erika Nart so: ‹Um es wie im Fussball zu sagen: Der Ball hat die Linie berührt, aber nicht überquert.› Die Glarnerin Nart ist beruflich im Sozialbereich tätig. Während des dreitägigen Prozesses hat sie an der Neumarktbar jeden Abend bei Weisswein mit ‹Weltwoche›-Autor Alex Baur fraternisiert.»</p></blockquote>
<p>Scharf beobachtet! Aber was, wenn die Weltwoche von «fraternisieren» schreibt über eine Geschworene, die sich erlaubt, Weisswein zu trinken mit einem WOZ-Redaktor?</p>
<p>Nicht nur die Beschuldigte, auch die Kläger müssen sich hinterfragen. In der Urteilsverkündung der Geschworenen hiess es (<a href="http://www.srf.ch/player/tv/videoembed?id=66bcc8e5-b125-4a03-b7c9-57e5e69d3b74&#038;width=624&#038;height=351&#038;mode=inline&#038;autoplay=true">ab Minute 5</a>):</p>
<blockquote><p>«Die Anklage war teils zu wenig glaubwürdig, es geschahen zu viele Angriffe gegenüber Abwesenden. Die Anklage hat sich teils im selben beklagenden Muster wie die Weltwoche verhalten.»</p></blockquote>
<p>Die Doppelmoral der Kläger steht gross im Raum. Man darf die Weltwoche schon anklagen wegen «Schreckung der Bevölkerung». Aber wie viele Medien und Journalisten dürften sich gleich daneben auf die Anklagebank setzen? Vogelgrippe, Schweinegrippe, radioaktive Strahlung, Handystrahlung, Waldsterben, EHEC, die Liste der von den Medien verbreiteten Schrecknisse ist endlos. Nur mit den <a href="http://medienwoche.ch/2011/07/08/die-rechnung-fur-die-panikmache/">Folgen der Panikmache</a> möchte man nichts zu tun haben (die trägt in der Regel am Ende der Steuerzahler). Die beiden anderen Anklagepunkte, «Rassendiskriminierung» sowie «Gefährdung der verfassungsmässigen Ordnung», sind breit auslegbar: Diskriminiert werden von den Medien jeden Tag Menschen, und von einem guten Rechercheur werden sich staatliche Organe schnell mal in ihrer Ordnung gestört fühlen.</p>
<p>Roger Köppel selbst <a href="http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2013-19/editorial-der-prozess-die-weltwoche-ausgabe-192013.html">gibt sich nach dem Prozess einsichtig</a>:</p>
<blockquote><p>«Offensichtlich ist es der Weltwoche nicht immer gelungen, eine kritische Leserschaft von der Lauterkeit ihrer Ziele und Mittel zu überzeugen. Ohne ­eigenes Ungenügen hätte es keine fundierte Kritik und damit auch keine ‹Zürcher Prozesse› gegeben. Wir nehmen das Verfahren daher als Auftrag und Ansporn, uns noch intensiver darum zu bemühen, auch jene Leser mitzunehmen, die dem Blatt nicht auf Anhieb zu folgen bereit sind.»</p></blockquote>
<p>Köppels Weltwoche verfügt über eine hervorragende Ausgangslage. Sie könnte viel mehr sein, als vornehmlich ein Medium für «swiss native men», wie man sich das Woche für Woche anhand der Vornamen auf der Leserbriefseite zusammenreimen kann:</p>
<p><strong>Kaum Konkurrenz:</strong> Sie steht im Markt der Schweizer Wochenpublikationen nur der (lauen) Konkurrenz der WOZ und den Schweizer Seiten der «Zeit» gegenüber (während es haufenweise Sonntagszeitungen gibt).<br />
<strong>Neue Leser:</strong> Sie könnte der Schweizer «Spiegel» sein, wenn sie sich vermehrt auch Fragen öffnen würde, die abseits von Politik, Wirtschaft und Geschichte liegen oder sich auch mal darum kümmern würde, was wohl liberale Frauen gerne lesen würden.<br />
<strong>Neue Märkte:</strong> Sie könnte expandieren in den ganzen deutschsprachigen Raum, wenn sie sich die unnötigen Pauschalisierungen und Provokationen austreiben könnte, was «Schreiben, was ist» ja bekanntlich genau nicht ist.<br />
<strong>Neue Einkünfte:</strong> Sie könnte ein Leitblatt des liberalen Aufbruchs werden, vielleicht sogar finanziert von ihren eigenen Lesern (<a href="http://medienwoche.ch/2013/03/20/lernen-von-kalle/">wie die Taz</a>).<br />
<strong>Neue Verbreitungsgebiete:</strong> Sie könnte die vielen potentiell «Weltwoche»-freundlichen Leser im Internet erobern &#8211; wenn sie denn den Mut dazu hätte.</p>
<p>Die «Zürcher Prozesse» haben Sachlichkeit in eine viel zu emotional geführte Debatte gebracht. Weil die Teilnehmer dazu gezwungen waren, den Argumenten der Gegner auch mal länger zu folgen, hat sich sogar die eine oder andere Sichtweise verschoben oder erweitert. Und tatsächlich machen der daueraufgeregte Claudio Zanetti und der bis ins Mark empörte Robert Misik einfach einen besseren Eindruck, wenn ihr Puls im Normalbereich schlägt. Wer seine Ziele stets mit äusserstem Engagement verfolgt, neigt zur Verblendung und dazu, seine eigene Position nicht mehr zu reflektieren. Auch die Ausdrucksweise entfernt sich dann vom Reden und verkommt zum Rumbrüllen, <a href="https://soundcloud.com/peter-breuer-3/loudest-of-rainer-bruederle">hier ein Beispiel von Rainer Brüderle</a>. Gute Argumente kommen auch an, wenn sie fair, in gefälliger Weise und ohne unzulässige Verkürzungen und Verallgemeinerungen geäussert werden. Nichts mehr verlangt die Öffentlichkeit von der Weltwoche.</p>
<p>Es ist wirklich ganz einfach, Michel Friedman <a href="http://www.srf.ch/player/tv/videoembed?id=be221e82-ebb7-4e51-80a1-01b90c2853ca&#038;width=624&#038;height=351&#038;mode=inline&#038;autoplay=true">brachte es auf den Punkt</a>:</p>
<blockquote><p>«<em>Die</em> ist immer Aufhetzung.»</p></blockquote>
<p>Also lasst uns doch versuchen, nicht zu oft von <em>denen</em> zu reden &#8211; es sei denn, man könne <em>sie</em> konkret mit statistischem, wissenschaftlichem oder anderem relevanten Material zu Gruppen zusammenführen. Ganz egal, ob es Muslime, Christen, Juden, Männer, Frauen, Homosexuelle, Heterosexuelle, Veganer, Russinnen, IV-Bezüger, SRF-Mitarbeiter, SVP-Mitglieder, Roma, Weltwoche-Redaktoren, Afrikaner oder Autofahrerinnen sind. «Schreiben, was ist» erfordert genauere Angaben.</p>
 <p><a href="http://medienwoche.ch/beta/?flattrss_redirect&amp;id=14038&amp;md5=b38acc929056a9da71ed7ac5737eb93a" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://medienwoche.ch/beta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Der «Herr der Quoten» stellt kritische Fragen</title>
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		<pubDate>Wed, 08 May 2013 08:05:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nick Lüthi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Forschung]]></category>
		<category><![CDATA[Kantar]]></category>
		<category><![CDATA[Matthias Steinmann]]></category>
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		<description><![CDATA[Der langjährige SRG-Forschungsleiter und Telecontrol-Erfinder Matthias Steinmann kommentiert die verfahrene Situation um die Einführung einer neuen Erhebungsmethode für die TV-Zuschauerzahlen. Als möglichen Ausweg aus dem Desaster sieht er den Abbruch der Übung. Erst einmal hat er sich bisher öffentlich dazu geäussert. Ende Februar nahm Matthias Steinmann im Sonntagsblick kurz Stellung zu den Problemen mit der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der langjährige SRG-Forschungsleiter und Telecontrol-Erfinder Matthias Steinmann kommentiert die verfahrene Situation um die Einführung einer neuen Erhebungsmethode für die TV-Zuschauerzahlen. Als möglichen Ausweg aus dem Desaster sieht er den Abbruch der Übung.<br />
<span id="more-14015"></span><br />
Erst einmal hat er sich bisher öffentlich dazu geäussert. Ende Februar nahm Matthias Steinmann im Sonntagsblick kurz Stellung zu den Problemen mit der Einführung einer neuen Erhebungsmethode für die TV-Zuschauerzahlen in der Schweiz. Ansonsten hat sich der altgediente Medienforscher wohlweislich zurückgehalten, nachdem sich die Stiftung Mediapulse gegen das von ihm entwickelte Telecontrol-System entschieden hatte.</p>
<p>Seit Anfang Jahr sollte die Firma Kantar verlässliche Zuschauerzahlen liefern. Die Zahlen gibt es inzwischen, aber die Branche hat kein Vertrauen in die neue Quote. Nicht nachvollziehbar halten Sender und Vermarkter die teils starken Abweichungen gegenüber den früheren Werten. Ein Teil der Regionalsender will deshalb auf die Dienste von Mediapulse und Kantar <a href="http://medienwoche.ch/2013/04/04/exit-szenario-liegt-auf-dem-tisch/" target="_self">verzichten</a>. Andere wiederum blockieren die Veröffentlichung der angezweifelten Zuschauerzahlen <a href="http://www.persoenlich.com/news/medien/mediapulse-daten-d-rfen-doch-nicht-publiziert-werden-306011#.UYoCnytOr3E" target="_blank">auf gerichtlichem Weg</a>.</p>
<p>Angesichts der tiefgreifenden Vertrauenskrise wollte Steinmann nicht mehr länger schweigen. In einer <a href="http://monsieurdigital.files.wordpress.com/2013/05/auffc3a4lligkeiten-und-fragestellungen-neues-messsystem-29-4-2013-2.pdf">Stellungnahme</a>, die er ehemaligen Mitarbeitern und Geschäftspartnern hat zukommen lassen, geht der Medienforscher mit seinen Nachfolgern hart ins Gericht. Das zehnseitige Dokument wurde ohne Wissen Steinmnns auf einem <a href="http://monsieurdigital.wordpress.com/2013/05/03/mediapulse-prof-dr-matthias-steinmann-meldet-sich-zu-wort/" target="_blank">Blog veröffentlicht</a>. Gegenüber der MEDIENWOCHE hat Steinmann die Autorschaft bestätigt. Darüber hinaus wollte er aber nicht Stellung nehmen.</p>
<p>Das Dokument, das der Doyen der schweizerischen Publikumsforschung als «persönliche Gedanken» verstanden wissen will, lässt an der Arbeit von Kantar und Mediapulse keinen guten Faden: «Das ganze &#8216;Desaster&#8217; ist meiner Ansicht nach die Folge einer falschen Strategie.» Damit meint Steinmann den Entscheid, mit einer neuen Firma und einer komplett neuen Methode <a href="http://www.nzz.ch/aktuell/feuilleton/medien/tv-wettrennen-zurueck-an-den-start-1.17895978" target="_blank">bei null zu beginnen</a>, anstatt das Bestehende weiterzuentwickeln. Da die «Schweizer TV-Forschungsverhältnisse zu den kompliziertesten der Welt gehören», sei «spezifische Erfahrung» mit den lokalen Bedingungen eine zentrale Voraussetzung für den Erfolg. Wenig verwunderlich also, tut sich eine Firma schwer, die erstmals im Schweizer Markt tätig ist. Was Steinmann meint, ist klar, ohne dass er es explizit schreibt: Mit seinem Telecontrol wäre es nie zu einem vergleichbaren Desaster gekommen.</p>
<p>Nun überrascht es zuerst einmal wenig, wenn Steinmann das eigene Produkt für die bessere Lösung hält. Um dem Eindruck der Befangenheit entgegenzutreten, verweist Steinmann auf sein <a href="http://www.derbund.ch/bern/Professor-Steinmann-kauft-Schloss-Wyl/story/18815882" target="_blank">Rentnerdasein</a> und das getrübte Verhältnis zur <a href="http://www.gfk.ch/company/organisation/affiliates/index.de.html" target="_blank">Telecontrol-Firma GfK</a>, mit der er einen mehrjährigen Rechtsstreit ausgefochten hatte. Dass ihm nicht an einer Abrechnung gelegen ist, zeigt auch der sachliche Ton Schreibens. Frei von Ressentiments stellt Steinmann Fragen und kommentiert die Vorgänge rund um die neu aufgestellte TV-Forschung.</p>
<p>Aus seinen Beobachtungen schliesst der ehemalige Medienprofessor, dass wissenschaftliche Grundvoraussetzungen schlicht nicht erfüllt seien. Mängel sieht Steinmann insbesondere beim Aufbau des Panels. Es bilde die Realität nicht ausreichend ab, mit der Folge, dass die erhobenen Daten weder reliabel noch ausreichend valide seien. Also im Prinzip unbrauchbar, weil nicht das gemessen werden kann, was zu messen vorgegeben wird.</p>
<p>Schliesslich durchkreuzt Steinmann zwei zentrale Argumentationslinien der Firma Mediapulse. Immer wieder warnten die Medienforscher davor, die neuen Zuschauerzahlen mit den alten <a href="http://medienwoche.ch/2013/03/01/excel-ohne-wert/" target="_self">zu vergleichen</a> und daraus Aussagen über Zugewinne oder Verluste ableiten zu wollen. Steinmann hält dazu fest: «Diese Vergleiche können von Fachleuten durchaus durchgeführt werden.» Auch bei der Frage zum Parallelbetrieb sieht es Steinmann anders. Mediapulse hatte eine Überlappung von alter und neuer Messmethode auf einen Monat beschränkt. Ein längerer Parallelbetrieb hätte in der Branche für Verunsicherung gesorgt, da zwei «Währungen» gleichzeitig im Markt kursierten. Steinmann findet einen Parallelbetrieb gerade deshalb wichtig, um Vertrauen in die neue Methode zu schaffen.</p>
<p>Trotz zahlreicher Anregungen und Vorschläge, wie die verfahrene Situation doch noch zu retten wäre, stellt Steinmann zum Schluss die rhetorische Frage, «ob nicht ein Ende mit Schrecken einem Schrecken ohne Ende vorzuziehen wäre.» Was das genau heisst, lässt der Medienforscher offen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass er damit primär personelle Massnahmen meint. In dem Sinn könnte man die unerbetene Stellungnahme auch als Blindbewerbung um eine Rolle als Troubleshooter lesen. Mediapulse-Verwaltungsratspräsident Marco de Stoppani signalisierte schon im Februar gegenüber der Weltwoche, dass er bereit wäre, das Feld zu räumen, «sollte es der Sache dienen». Dass es Steinmann um die Sache geht, hat er mit seinem Schreiben deutlich deklariert.</p>
 <p><a href="http://medienwoche.ch/beta/?flattrss_redirect&amp;id=14015&amp;md5=3fb3df434be8cb278a9d0616b75e367d" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://medienwoche.ch/beta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Eine seltene Chance</title>
		<link>http://medienwoche.ch/2013/05/07/eine-seltene-chance/</link>
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		<pubDate>Tue, 07 May 2013 11:10:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nick Lüthi</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In Zukunft sollen alle Schweizer Haushalte und auch die Mehrheit der Unternehmen eine Medienabgabe zahlen. Noch bevor die Gesetzesvorlage ins Parlament kommt, drohen die Verleger bereits mit dem Referendum. Ganz unabhängig von deren Motiven, verlangt die Tragweite des Systemwechsels nach einer möglichst soliden öffentlichen Legitimation. Für die SRG ist es eine Chance. Der Weg ist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In Zukunft sollen alle Schweizer Haushalte und auch die Mehrheit der Unternehmen eine Medienabgabe zahlen. Noch bevor die Gesetzesvorlage ins Parlament kommt, drohen die Verleger bereits mit dem Referendum. Ganz unabhängig von deren Motiven, verlangt die Tragweite des Systemwechsels nach einer möglichst soliden öffentlichen Legitimation. Für die SRG ist es eine Chance.<br />
<span id="more-14001"></span><br />
Der Weg ist vorgespurt. Nach den Vorstellungen des Bundesrats lassen sich Radio und Fernsehen in Zukunft nur noch finanzieren, wenn alle Haushalte und grösseren Unternehmen <a href="http://www.bakom.admin.ch/empfangsgebuehren/03812/03817/index.html?lang=de" target="_blank">eine Abgabe bezahlen</a>. Das bisherige Modell mit einer geräteabhängigen Gebühr habe ausgedient. Mit einer Gesetzesrevision soll das alte System nun abgelöst und die neue Medienabgabe eingeführt werden. Bis es so weit ist, wird es noch <a href="http://medienwoche.ch/2012/07/04/der-lange-weg-zur-medienabgabe/" target="_self">ein paar Jahre dauern</a>. Die Prognosen bewegen sich zwischen 2017 und 2019. Dennoch sorgt die Vorlage bereits heute für rote Köpfe.</p>
<p>Der Verband Schweizer Medien («Verlegerverband») und die Aktion Medienfreiheit haben kürzlich angekündigt, das neue Finanzierungsregime für den öffentlichen Rundfunk allenfalls <a href="http://www.aargauerzeitung.ch/schweiz/schweizer-medien-pruefen-referendum-gegen-haushaltssteuer-126500713" target="_blank">mit dem Referendum bekämpfen</a> zu wollen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist das freilich nicht mehr als ein erstes Säbelrasseln und ein Fingerzeig in Richtung Parlament, den Interessen der Verleger bei der Ausarbeitung der Vorlage angemessen Rechnung zu tragen. Noch weiss niemand, wie das Gesetz nach den parlamentarischen Beratungen aussehen wird. Zu strittigen Punkten, etwa zur Abgabepflicht für alle Unternehmen mit einem Jahresumsatz ab 500&#8217;000 Franken, ist das letzte Wort noch lange nicht gesprochen.</p>
<p>Bei der SRG zeigt man sich derweil wenig überrascht, dass schon jetzt kritische Stimmen gegen die Medienabgabe laut werden. Generaldirektor Roger de Weck will heute aber nur so viel dazu sagen: «Beschliesst das Parlament ein neues Modell der Finanzierung von SRG und von konzessionierten privaten Sendern, ist es ein demokratisches Recht, dagegen das Referendum zu ergreifen.» Er würde weder als Bürger noch als SRG-Generaldirektor würde ich einen solchen demokratischen Vorgang scheuen. Ob er es letztlich auch für sinnvoll hält, dass die Bevölkerung über die Finanzierung von Radio und Fernsehen abstimmen könnte, lässt de Weck offen.</p>
<p>Andere Führungspersonen der SRG können einer Referendumsabstimmung über die Finanzierung von Radio und Fernsehen durchaus etwas abgewinnen. Schliesslich würde ein positiver Entscheid der SRG und den gebührenfinanzierten Lokalsendern eine ungleich grössere Legitimation geben. Eine Bekenntnis an der Urne zum Service public wiegt ungleich schwerer als jedes günstige Umfrageergebnis. Ein negativer Entscheid würde dagegen den öffentlichen Rundfunk nicht grundsätzlich infrage stellen, sondern nur seine Finanzierung. Anstelle einer Haushalt- und Unternehmensabgabe würde weiter eine geräteabhängige Gebühr erhoben. So betrachtet kann die SRG bei einer Abstimmung über die Medienabgabe mehr gewinnen, als dass sie verlieren würde.</p>
<p>Ganz unabhängig von eigennützigen Überlegungen der SRG gebietet allein die (medien)politische Tragweite des geplanten Systemwechsels eine möglichst breite Verankerung in der Bevölkerung. Denn bei der Medienabgabe geht es um mehr als «nur» um die Finanzierung von Radio und Fernsehen. Wie verschiedentlich formuliert wurde, handelt es sich dabei um eine eigentliche <a href="http://medienwoche.ch/2012/05/10/400-franken-fuer-die-demokratie/" target="_self">«Demokratieabgabe»</a>. Von den Leistungen der damit unterstützten Medien profitierten «letztlich alle und nicht nur diejenigen, die Radio- und Fernsehprogramme konsumieren», steht in einem Bericht des Bundesrats zu lesen. Ein Referendum gegen die Medianabgabe – aus welchen Gründen es auch immer ergriffen würde – böte die seltene Chance, eine bedeutende medienpolitische Weichenstellung einer breiten öffentlichen Diskussion zuzuführen.</p>
 <p><a href="http://medienwoche.ch/beta/?flattrss_redirect&amp;id=14001&amp;md5=924d8ceaaac1cebea8ed75cf6f005c0e" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://medienwoche.ch/beta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Die sieben Todsünden der Nachrichtenportale</title>
		<link>http://medienwoche.ch/2013/05/03/die-sieben-todsuenden-der-nachrichtenportale/</link>
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		<pubDate>Fri, 03 May 2013 09:24:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ronnie Grob</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nachrichtenportale machen ihren Lesern das Leben oft unnötig schwer. Doch hinter vielen unverständlichen Eigenarten steht ein grosser Druck der Werbeindustrie, dem die Nachrichtenportale gehorsam nachgeben. Hier die sieben nervigsten Ausprägungen des aktuell existierenden Online-Journalismus: Klau von Inhalten Klick-Irrsinn Fehlende Links, vage Quellenangaben Sinnlose Links auf eigene Storys «Qualitätsjournalismus» Falsche Versprechen Mehr statt weniger Klau von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nachrichtenportale machen ihren Lesern das Leben oft unnötig schwer. Doch hinter vielen unverständlichen Eigenarten steht ein grosser Druck der Werbeindustrie, dem die Nachrichtenportale gehorsam nachgeben. Hier die sieben nervigsten Ausprägungen des aktuell existierenden Online-Journalismus:<br />
<span id="more-13796"></span>
<ol>
<li><a href="#klau">Klau von Inhalten</a></li>
<li><a href="#irrsinn">Klick-Irrsinn</a></li>
<li><a href="#links">Fehlende Links, vage Quellenangaben</a></li>
<li><a href="#links2">Sinnlose Links auf eigene Storys</a></li>
<li><a href="#qualitätsjournalismus">«Qualitätsjournalismus»</a></li>
<li><a href="#teaser">Falsche Versprechen</a></li>
<li><a href="#mehr">Mehr statt weniger</a></li>
</li>
</ol>
<p><a name="klau"><strong>Klau von Inhalten</strong></a></p>
<p><img src="http://medienwoche.ch/beta/wp-content/uploads/2013/05/screenshot-1.jpg" alt="" title="Ausschnitt aus «Sieben Laster» von Pieter Brueghel dem Älteren" width="120" height="120" class="alignleft size-full wp-image-13968" />Die Zeitungsverleger fühlen sich von Google beklaut, weil Google und andere Aggregatoren Ausschnitte ihrer veröffentlichten Texte in Zitatlänge automatisiert anzeigen. Und fordern deswegen ein Leistungsschutzrecht für Presseverleger. Dabei ist es umgekehrt: Nachrichtenportale von Zeitungsverlegern klauen Inhalte aus dem zum Google-Konzern gehörenden Videoportal YouTube. Und zwar nicht nur ab und an mal, sondern recht regelmässig. Ein paar Beispiele von Schweizer Nachrichtenportalen in der Bildergalerie rechts.</p>
<p><a href="http://bazonline.ch/digital/wild-wide-web/10-000-iPhones-fuer-ein-Domino/story/26099442">Newsnet</a> bietet ein <a href="https://www.youtube.com/watch?v=tj7al6MXu7U">Fremdvideo</a> als eigenes an, gibt «Quelle: Youtube/Aatma Studio» an, verlinkt Quelle nicht.</p>
<p><a href="http://www.blick.ch/life/mit-wingsuit-durch-ein-felsloch-was-fuer-ein-sprung-id2274334.html">Blick.ch</a> bietet ein <a href="https://www.youtube.com/watch?v=8L8UCfxmtSw">Fremdvideo</a> als eigenes an, blendet im Video «Quelle: Youtube.com/EpicTVadventure» ein, verlinkt Quelle nicht.</p>
<p><a href="http://www.20min.ch/videotv/?vid=306287&#038;cid=16">20min.ch</a> bietet ein <a href="https://www.youtube.com/watch?v=940NtUR-p3Q">Fremdvideo</a> als eigenes an, gibt «Quelle: YoutTube/DPTVisor» an, verlinkt Quelle.</p>
<p>Korrekt wäre es, die Videos mit dem von YouTube angebotenen Emded-Code einzubinden, so besteht ein Link zur Originalquelle, die Seitenabrufe werden mitgezählt, je nach dem kann ein Videoanbieter so <a href="https://support.google.com/youtube/?hl=en&#038;topic=2676320#topic=1115889">Geld verdienen mit YouTube</a>. Doch einige Nachrichtenportale laden solche Videos im eigenen Player hoch und geben sie so de facto als Eigene aus. So verunmöglichen sie die Monetarisierung des Urhebers, vergrössern aber den eigenen Traffic und verkaufen damit auch noch Werbung.</p>
<p><a name="irrsinn"><strong>Klick-Irrsinn</strong></a></p>
<p><img src="http://medienwoche.ch/beta/wp-content/uploads/2013/05/screenshot-2.jpg" alt="" title="Ausschnitt aus «Sieben Laster» von Pieter Brueghel dem Älteren" width="120" height="120" class="alignleft size-full wp-image-13969" />Kennen Sie das?</p>
<p>Ein Nachrichtenportal will von Ihnen wissen, ob Sie einen Artikel gerne verteilt auf <a href="http://www.sueddeutsche.de/leben/knigge-fuer-die-feiertage-so-kommen-sie-gefahrlos-durch-weihnachten-1.1558394">16 Seiten</a> / <a href="http://www.zeit.de/2013/16/99-fragen-werner-herzog">8 Seiten</a> / <a href="http://www.cicero.de/berliner-republik/alternative-fuer-deutschland-lucke-wir-lehnen-auslaenderfeindlichkeit-ab/54127">3 Seiten</a> lesen möchten oder doch lieber nur auf einer Seite.</p>
<p><img src="http://medienwoche.ch/beta/wp-content/uploads/2013/05/screenshot-sueddeutsche.de_.jpg" alt="" title="Screenshot sueddeutsche.de" width="258" height="33" class="alignnone size-full wp-image-13894" /><small>Bild: Screenshot sueddeutsche.de</small></p>
<p><img src="http://medienwoche.ch/beta/wp-content/uploads/2013/05/screenshot-zeit.de_.jpg" alt="" title="Screenshot zeit.de" width="314" height="26" class="alignnone size-full wp-image-13897" /><small>Bild: Screenshot zeit.de</small></p>
<p><img src="http://medienwoche.ch/beta/wp-content/uploads/2013/05/screenshot-cicero.de_.jpg" alt="" title="Screenshot cicero.de" width="180" height="37" class="alignnone size-full wp-image-13892" /><small>Bild: Screenshot cicero.de</small></p>
<p>Die Antwort fällt sicher nicht leicht. Schliesslich haben wir uns ja durch den jahrzehntelangen Gebrauch von Printmedien so an das Blättern gewöhnt, dass wir fast nicht mehr ohne können.</p>
<p>Die richtige Antwort lautet: Die Verlagshäuser verkaufen den Werbetreibenden Seitenaufrufe, und jeder Klick treibt diese Zahl in die Höhe. Deshalb werden auch Bilder eher in Galerien angezeigt als untereinander oder nebeneinander. Aus Usability-Sicht sind in Einzelteile aufgespaltete Seiten einfach nur Unsinn.</p>
<p><a name="links"><strong>Fehlende Links, vage Quellenangaben</strong></a></p>
<p><img src="http://medienwoche.ch/beta/wp-content/uploads/2013/05/screenshot-4.jpg" alt="" title="Ausschnitt aus «Sieben Laster» von Pieter Brueghel dem Älteren" width="120" height="120" class="alignleft size-full wp-image-13971" />Mit Links und Hyperlinks können Quellen, die im Internet verfügbar sind, verlinkt werden. So wird dem Leser transparent, woher ein Zitat kommt, worauf sich ein Satz bezieht, was genau in der Originalquelle steht. Mit einem Klick auf den Link macht er sich ein Bild &#8211; und kommt wieder zurück, um weiter zu lesen. Aus journalistischer Sicht ist die Verlinkung von Quellen im Netz nicht ein Soll, sondern ein Muss. Auch allgemeine Quellenangaben wie «Quelle: YouTube» oder «Quelle: Twitter» sind ungenügend. Wäre ein Online-Fischhändler, der seinen Kunden «Fische» mit «Herkunft: Meer» verkaufen will, erfolgreich? Wohl eher nicht.</p>
<p>Was für viele Blogger selbstverständlich ist, machen Online-Portale oftmals einfach nicht: Weil sie Printinhalte online nicht anders aufbereiten, weil sie technisch dazu nicht in der Lage sind, weil sie solche Fragen für Details halten oder weil sie befürchten, dass Leser plötzlich merken, dass es im Internet mehr gibt als das eigene Angebot (als hätten sie das nicht schon längst gemerkt).</p>
<p>Im <a href="http://www.internet-manifest.de/">Internet-Manifest</a> heisst es dazu:</p>
<blockquote><p>Links sind Verbindungen. Wir kennen uns durch Links. Wer sie nicht nutzt, schließt sich aus dem gesellschaftlichen Diskurs aus. Das gilt auch für die Online-Auftritte klassischer Medienhäuser. (…) Referenzen durch Verlinkungen und Zitate – auch und gerade ohne Absprache oder gar Entlohnung des Urhebers – ermöglichen überhaupt erst die Kultur des vernetzten Gesellschaftsdiskurses und sind unbedingt schützenswert.</p></blockquote>
<p><a name="links2"><strong>Sinnlose Links auf eigene Storys</strong></a></p>
<p><img src="http://medienwoche.ch/beta/wp-content/uploads/2013/05/screenshot-5.jpg" alt="" title="Ausschnitt aus «Sieben Laster» von Pieter Brueghel dem Älteren" width="120" height="120" class="alignleft size-full wp-image-13972" />Statt Links zu setzen, wenn es Sinn macht, verlinken sich viele Nachrichtenhäuser selbst, und das exzessiv mit Hyperlinks auf Storys aus dem eigenen Angebot. Der Leser soll im eigenen Universum herumirren und so möglichst viele Seitenaufrufe generieren. Nichts gegen Eigenverlinkungen, wenn es Sinn macht, aber oft macht es überhaupt keinen Sinn.</p>
<p>Die «Welt» beispielsweise verlinkt eigene «Themen» im Text so, dass es schmerzt. Im Text <a href="http://www.welt.de/print/die_welt/literatur/article115660240/Wolf-unter-Schafen.html">«Wolf unter Schafen»</a> geht es um ein nicht aufgeführtes Theaterstück von Maxim Biller. Der Begriff «Deutschland» wird mit einem Flugzeug-Symbol ergänzt und führt zur Seite <a href="http://www.welt.de/themen/deutschland-reisen/">welt.de/themen/deutschland-reisen/</a>, was mit dem Text «Die besten Tipps zu Urlaub in Deutschland finden Sie in unserem Themenspecial» angekündigt wird:</p>
<p><img src="http://medienwoche.ch/beta/wp-content/uploads/2013/05/screenshot-welt.de_.jpg" alt="" title="Screenshot welt.de" width="440" height="89" class="alignnone size-full wp-image-13895" /><small>Bild: Screenshot welt.de</small></p>
<p>Noch schlimmer dann einige Absätze weiter die Verlinkung von «Mini» mit «Neuheiten, Fahrberichte und Tests zu Mini finden Sie in unserem Themenspecial», was zur Seite <a href="http://www.welt.de/themen/mini/">welt.de/themen/mini</a> führt.</p>
<p><img src="http://medienwoche.ch/beta/wp-content/uploads/2013/05/screenshot-welt.de-2.jpg" alt="" title="Screenshot welt.de" width="441" height="27" class="alignnone size-full wp-image-13896" /><small>Bild: Screenshot welt.de</small></p>
<p>Da wünscht man sich eigentlich nur noch, die Bezahlmauer von Welt.de würde einen vor solchem Blödsinn schützen.</p>
<p><a name="qualitätsjournalismus"><strong>«Qualitätsjournalismus»</strong></a></p>
<p><img src="http://medienwoche.ch/beta/wp-content/uploads/2013/05/screenshot-6.jpg" alt="" title="Ausschnitt aus «Sieben Laster» von Pieter Brueghel dem Älteren" width="120" height="120" class="alignleft size-full wp-image-13973" />Wie es möglich ist, dem Publikum einerseits «Qualitätsjournalismus» anzupreisen und ihm andererseits Hingeschludertes und Falsches zu präsentieren, das hat Newsnetz (heute: Newsnet) <a href="http://blog.ronniegrob.com/2009/09/09/qualitatsjournalismus-mit-newsnetz-11/">in den ausgehenden Nullerjahren besonders eindrücklich gezeigt</a>. Wer sich abheben will, muss nicht Qualitätsjournalismus liefern, sondern Qualität. <a href="https://www.taz.de/!114854/">So sieht das</a> auch das Aushängeschild der Marke «Tages-Anzeiger», Constantin Seibt:</p>
<blockquote><p>Etwas wirklich Einleuchtendes braucht das Präfix «Qualität» nicht. Es gibt keinen Qualitätssex oder Qualitäts-Rolls-Royce. Der einzige Ort, wo man sonst von Qualität spricht, sind Billigläden.</p></blockquote>
<p>Im Netz können alle Mist liefern, und alle Qualität. Johannes Boie von der «Süddeutschen Zeitung» hat es kürzlich gut <a href="http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/570324">auf den Punkt gebracht</a>:</p>
<blockquote><p>Die Grenze verläuft nicht zwischen den Millionen Nutzern auf Twitter und den Nachrichtenredaktionen, sie verläuft zwischen sauberer Recherche und Unsinn. Doch nur von professionellen Journalisten kann man letztlich verlangen, alles zu tun, um Unsinn zu vermeiden, egal, ob sie ihrem Job gerade auf Twitter, im TV oder in einer Zeitung nachgehen.</p></blockquote>
<p>Journalisten machen nicht nur Tippfehler, manchmal schiessen sie auch richtig grosse Böcke. Das ist menschlich, es stellt sich die Frage, wie bemüht man ist, Fehler zu vermeiden und wie man damit umgeht. Eine Marke, die für Print ein Korrektorat beschäftigt, aber online Kraut und Rüben zulässt, macht sich unglaubwürdig.</p>
<p><a name="teaser"><strong>Falsche Versprechen</strong></a></p>
<p><img src="http://medienwoche.ch/beta/wp-content/uploads/2013/05/screenshot-3.jpg" alt="" title="Ausschnitt aus «Sieben Laster» von Pieter Brueghel dem Älteren" width="120" height="120" class="alignleft size-full wp-image-13970" /></p>
<p>Ist ein <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Teaser">Teaser</a> in jedem Fall eine Todsünde? Sicher nicht. Aber es muss jedem Leser klar sein, dass nicht unbedingt journalistische Gründe dafür verantwortlich sind, dass die eigentlich interessante Nachricht im Vorspann verschwiegen wird.</p>
<p>Problematisch bei der inflationären Verwendung solcherart erzeugten Klickanreize ist erstens die Abstumpfung des Publikums, das irgendwann auf gar nichts mehr klickt. Und zweitens die Nähe des Journalismus zur Werbeindustrie, die mit unverlangten Zuschriften (&#8220;Öffnen Sie dieses Schreiben sofort, um &#8230;&#8221;) und Klick-mich-an-Betteleien nach Aufmerksamkeit giert.</p>
<p><img src="http://medienwoche.ch/beta/wp-content/uploads/2013/05/screenshot-spiegel.de_.jpg" alt="" title="Screenshot spiegel.de" width="450" height="103" class="alignnone size-full wp-image-13893" /><small>Klassischer Teaser. Bild: Screenshot spiegel.de</small></p>
<p><a name="mehr"><strong>Mehr statt weniger</strong></a></p>
<p><img src="http://medienwoche.ch/beta/wp-content/uploads/2013/05/screenshot-7.jpg" alt="" title="Ausschnitt aus «Sieben Laster» von Pieter Brueghel dem Älteren" width="120" height="120" class="alignleft size-full wp-image-13976" />Das hier ist Punkt 7 einer Liste, und Listen gibt es, weil Leute gerne Listen lesen.</p>
<p>Aber gehören <a href="http://www.welt.de/partnerschaft/article1782342/Wie-lang-wie-oft-wo-und-mit-wem.html">329 Fotos</a>, die irgendwas mit Sex zu tun haben, wirklich in das Angebot einer Zeitungsmarke?</p>
<p>Es kann jede Tabelle als klickbare Liste anzeigt werden.<br />
Es kann jedes Ereignis in einem Live-Ticker dargestellt werden.<br />
Es kann jede Frage in eine Umfrage gepackt werden.<br />
Es kann jede Frage zu einem spekulativen Artikel werden.<br />
Es kann jede Firma mit dem Börsenkurs verlinkt werden.<br />
Es kann jede Gruppe von Fotos in einer Galerie gezeigt werden.<br />
Es kann jeden Tag gefragt werden, ob man das Portal als Startseite einrichten will.</p>
<p>Doch nicht alles, was gemacht werden kann, muss auch gemacht werden.</p>
 <p><a href="http://medienwoche.ch/beta/?flattrss_redirect&amp;id=13796&amp;md5=7dcfa9083c141c8c3b5e6481010fe1ff" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://medienwoche.ch/beta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Amtl. bew. Kanalexplosion</title>
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		<pubDate>Wed, 01 May 2013 14:11:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nick Lüthi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>

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		<description><![CDATA[Die SRG erhält schier unbeschränkten Spielraum im Internet. Am Mittwoch hat der Bundesrat die Konzession entsprechend angepasst. Demnach ist die Verbreitung von Programmen im Internet nun Radio und Fernsehen gleichgestellt – auch was die Werbung angeht. Einschränkungen gibt es lediglich bei den Online-Textnachrichten. Die Medienmitteilung des Bundesrats vom Mittwochmorgen trägt den irreführenden Titel «Moderate Öffnung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die SRG erhält schier unbeschränkten Spielraum im Internet. Am Mittwoch hat der Bundesrat die Konzession entsprechend angepasst. Demnach ist die Verbreitung von Programmen im Internet nun Radio und Fernsehen gleichgestellt – auch was die Werbung angeht. Einschränkungen gibt es lediglich bei den Online-Textnachrichten.<br />
<span id="more-13873"></span><br />
Die Medienmitteilung des Bundesrats vom Mittwochmorgen trägt den irreführenden Titel <a href="http://www.news.admin.ch/message/index.html?lang=de&amp;msg-id=48684" target="_blank">«Moderate Öffnung des Internets für die SRG»</a>. Damit soll wohl vermieden werden, schlafende Hunde zu wecken oder das Augenmerk auf die wirklich wichtigen Punkte zu lenken. Denn wer auch die Erläuterung zum Bundesratsbeschluss aufmerksam liest, merkt schnell: von «moderat» kann keine Rede sein. Der Bundesrat hat einen medienpolitischen Entscheid gefällt mit weitreichenden Folgen. Mit der Änderung der SRG-Konzession, die am 1. Juni in Kraft tritt, wird das Internet als Verbreitungskanal Radio und Fernsehen gleichstellt.</p>
<p>Gemäss der neuen Konzession darf die SRG nun auch «Sendungen über politische, wirtschaftliche, kulturelle und sportliche Ereignisse von sprachregionaler oder nationaler Bedeutung originär über das Internet verbreiten». Bisher waren solche Live-Übertragungen im Netz meldepflichtig. Der SRG steht damit eine unbeschränkte Anzahl neuer Kanäle zur Verfügung. Und mehr noch: Da solche Online-Verbreitung als Teil des konzessionierten Programms gilt, gibt es für die Werbung keine online-spezifischen Einschränkungen. Die Live-Streams können vermarktet werden als handle es sich um Fernsehprogramme.</p>
<p>Die neue Konzessionsbestimmung lockert nicht nur den Spielraum für Livesendungen im Internet, sondern auch für vorproduzierte Inhalte, die «On-Demand» als Stream oder Podcast angeboten werden. Da auch hier der bisher erforderliche Bezug zu einem Radio- oder Fernsehprogramm wegfällt, kann die SRG nun auch Sendungen anbieten, die sie alleine für die Verbreitung im Internet produziert hat. In diesem Kontext sind auch die Äusserungen von SRG-Präsident Raymond Loretan zu verstehen: «Ein wichtiger Punkt ist die Schaffung spezifischer, internettauglicher Inhalte», schrieb Loretan im <a href="http://gb.srgssr.ch/de/2012/vorwort/bericht-des-praesidenten/" target="_blank">Vorwort zum Jahresbericht</a> 2012 der SRG. Wie die MEDIENWOCHE weiss, ist die Planung für reine Online-Formate bereits weit fortgeschritten. Die SRG hat nur noch auf das grüne Licht des Bundesrats gewartet. Schon in diesem Jahr sollen erste Produktionen zu sehen sein.</p>
<p>Gemessen an den weitreichenden Lockerungen zugunsten der SRG wirken die Einschränkung bei den Online-Nachrichten, die der Bundesrat heute ebenfalls beschlossen hat, marginal bis bedeutungslos. News-Artikel auf den Webseiten der SRG dürfen künftig nur noch maximal 1000 Zeichen umfassen. Es sei denn, die Nachricht bezieht sich auf eine Radio- oder Fernsehsendung. Dann bleibt der Umfang uneingeschränkt. Da kurze Texte durchaus einem Publikumsbedürfnis entsprechen, sorgt die Einschränkung im redaktionellen Prozess für Mehraufwand, weil nun auf die Zeichenzahl geachtet werden muss.</p>
<p>Umso erstaunlicher nimmt sich vor diesem Hintergrund die Reaktion der Verleger aus, die bisher damit auffielen, gegen jede reale und vermutete Ausweitung der Online-Aktivitäten der SRG lautstark zu opponieren. Verlegerpräsident Hanspeter Lebrument zeigte sich in einer ersten Reaktionen <a href="http://www.srf.ch/player/radio/popupaudioplayer?id=e826987f-cf53-4be2-9cbd-09bc4dd18950&amp;starttime=37.62" target="_blank">«mit der Gesamtlösung zufrieden»</a>. Eine Aussage, die eigentlich einer Kapitulation gleichkommt – oder der Erkenntnis geschuldet ist, dass die SRG doch nicht der «Hauptfeind» der Verleger ist. Trösten können sich die Verleger mit dem weiterhin gültigen Verbot von Werbung auf den SRG-Webseiten, das der Bundesrat bereits im letzten Herbst beschlossen hat.</p>
<p><small>Bild: <a href="http://www.flickr.com/photos/billburris/" target="_blank">Flickr/Bill Burris</a> <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/" target="_blank">(CC BY-SA 2.0)</a></small></p>
 <p><a href="http://medienwoche.ch/beta/?flattrss_redirect&amp;id=13873&amp;md5=0611d67aee6675e33ebb62c7a4a1c626" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://medienwoche.ch/beta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Taten statt Sonntagsreden</title>
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		<pubDate>Wed, 01 May 2013 08:00:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Mattern</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Diplomatie]]></category>
		<category><![CDATA[Medienfreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[NZZ am Sonntag]]></category>
		<category><![CDATA[Osteuropa]]></category>
		<category><![CDATA[OSZE]]></category>
		<category><![CDATA[Paul Flückiger]]></category>
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		<description><![CDATA[Mit dem OSZE-Vorsitz im kommenden Jahr will die Schweiz auch die Situation der Medien aufs Tapet bringen. Die Vorbereitungen dazu laufen bereits heute. An einer von der Schweizer Botschaft mitorganisierten Konferenz sammelten in Warschau Journalisten, Aktivisten und Diplomaten Berichte über Verletzungen der Medienfreiheit in Osteuropa. Morde, Drohungen, gesetzliche Gängelung und eine harsche Sparpolitik in den [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mit dem OSZE-Vorsitz im kommenden Jahr will die Schweiz auch die Situation der Medien aufs Tapet bringen. Die Vorbereitungen dazu laufen bereits heute. An einer von der Schweizer Botschaft mitorganisierten Konferenz sammelten in Warschau Journalisten, Aktivisten und Diplomaten Berichte über Verletzungen der Medienfreiheit in Osteuropa.<br />
<span id="more-13863"></span><br />
Morde, Drohungen, gesetzliche Gängelung und eine harsche Sparpolitik in den Medienunternehmen: Die Gefahren und Berufsrisiken für Journalisten sind heutzutage mannigfaltig und wachsen stetig. Das war auch Thema auf der Konferenz <a href="http://www.osce.org/fom/100070" target="_blank">«Safety of Journalists – Current Challenges»</a> letzte Woche in Warschau. Praktiker und Theoretiker suchten gemeinsam nach Auswegen aus der Misere. Das Hauptaugenmerk der Veranstaltung Schwerpunkt lag auf der Situation in den Ländern Osteuropas.</p>
<p>Organisiert hatte die Tagung neben dem polnischen Aussenministerium und der österreichischen Botschaft die diplomatische Vertretung der Schweiz. Die Ergebnisse der Veranstaltung sollen als Empfehlungen in den <a href="http://www.news.admin.ch/message/?lang=de&amp;msg-id=43379" target="_blank">Schweizer Vorsitz der OSZE</a> im kommenden Jahr einfliessen.</p>
<p>Thérèse Obrecht Hodler, die Präsidentin der <a href="http://www.rsf-ch.ch/node/580" target="_blank">Schweizer Sektion von «Reporter ohne Grenzen»</a> präsentierte die Fakten: 2012 wurden nachweisslich weltweit 89 Journalisten getötet, 879 verhaftet, 1993 bedroht oder misshandelt. Alle vier bis fünf Tage werde mittlerweile irgendwo auf der Welt ein Journalist getötet. Das letzte Jahr war ein besonders schlimmes gewesen, was vor allem dem Syrien-Konflikt geschuldet ist.</p>
<p>Ein grosses Problem stelle die geringe Aufklärungsquote bei Verbrechen gegen Journalisten dar, sagte Dunja Mijatovic, bei der OSZE zuständig für den <a href="http://www.osce.org/fom" target="_blank">Bereich Pressefreiheit</a>. Dies gelte auch für die 57 – mehrheitlich europäischen – OSZE-Staaten. Dort wurden im vergangenen Jahr 30 Morde verübt. Dabei sei keines der Vergehen auf eine «rechtstaatliche Weise aufgeklärt» worden.</p>
<p>Sylvie Coudray, bei der Unesco für den Bereich «Kommunikation und Information» verantwortlich, verwies auf den laufenden <a href="http://www.unesco.org/new/en/communication-and-information/freedom-of-expression/safety-of-journalists/" target="_blank">Uno-Aktionsplan zur «Sicherheit von Journalisten»</a>. Der vor einem Jahr beschlossene Entwurf soll unter anderem Regierungen anregen, Gesetze zur Meinungsfreiheit zu verabschieden.</p>
<p>Anregungen genügen jedoch nicht. «Die internationalen Organisationen können die Journalisten nicht wirklich schützen», so die deutliche Kritik von Thérèse Obrecht Hodler. Resolutionen werden zwar von den jeweiligen Staaten unterschrieben, jedoch nicht eingehalten. Neben konkreten Sicherheitsmassnahmen für Reporter schlug sie darum ein Monitoring der Länder vor, damit ein Bruch der Vereinbarung registriert und publiziert wird. «Doch ein Land wie Russland will sich nicht so einfach an den Pranger stellen lassen», sagte die Schweizerin im nachfolgenden Gespräch. Wichtig war ihr zudem, dass beim Schutz von Medienschaffenden nicht zwischen «klassischen» Journalisten, Bloggern und Social-Media-Aktivisten unterschieden werde. «Alle, die ein Problem haben, ihre Meinung frei zu äußern, können sich an uns wenden», sagte OSZE-Vertreterin Mijatovic.</p>
<p>Russland und Weissrussland gehören zu den europäischen Ländern, wo Journalisten am stärksten Repressionen ausgesetzt sind. In der Diskussion über den Umgang mit diesen Staaten tat sich eine Kluft zwischen den Theoretikern und Praktikern auf.</p>
<p>Während OSZE-Frau Mijatovic ihre Kontakte nach Weissrussland als Stärkung der Zivilgesellschaft verteidigte, hielt Natallia Radzina jegliche Aktion, die den weissrussischen Präsidenten Lukaschenko nicht wirklich bedroht, für wenig sinnvoll.Die Chefredakteurin des weissrussischen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Charta_97" target="_blank">Nachrichtenportals Charter97</a> kennt die Repression aus eigener Erfahrung: Sie wurde im Dezember 2010 während der Proteste gegen die Präsidentschaftswahlen von der weissrussischen Polizei geschlagen und inhaftiert. Nach einer Asyl-Odyssee leitet sie heute von Polen aus das Portal.</p>
<p>Auch weitere weissrussische Journalistinnen berichteten von Restriktionen; so würden Zeitungen mit hohen Gebühren für Druck und Papier belastet, Informanten könnten nicht ausreichend geschützt werden, zudem würden dort Freelancer, Journalisten ohne Angestelltenverhältnis, als «Illegale» betrachtet. Einig waren sich die Konferenz-Teilnehmer, dass die Unterscheidung zwischen «klassischen Journalisten», Bloggern und Social-Media-Aktivisten unnötig sei, wenn es um den Schutz von Journalisten gehe.</p>
<p>Mit Gummiparagrafen «Beschädigung des Ansehens» und «Ausdruck von Extremismus» könnten in Russland kritische Journalisten leicht verklagt werden, so Boris Timoschenko, Mitglied der 1991 gegründeten «Stiftung zur Verteidigung von Glasnost».</p>
<p>In der Ukraine bedrohe die Internet-Boulevard-Kultur den klassischen Journalismus, den kaum noch jemand finanzieren möchte, so Oksana Romaniuk von «Reporter ohne Grenzen» in Kiew. Florian Kellermann, der während der «Orangenen Revolution» als freier Korrespondent berichtete, stellte fest, dass sich die besten einheimischen Journalisten mittlerweile einen Brotberuf wie Versicherungsagent gesucht hätten.</p>
<p>Die Sparpolitik der Verlage trifft aber auch westliche Auslands-Reporter. Der Schweizer Journalist <a href="http://www.weltreporter.net/mitglieder.php?id=24" target="_blank">Paul Flückiger</a> beschrieb an der Konferenz, wie das Modell des «entsandten Korrespondenten», der wie ein Diplomat alle paar Jahre das Land wechselt, unter Druck gerät. Und auch die Arbeitsbedingungen für freien Korrespondenten verschlechtern sich. Flückiger, der unter anderem für die «NZZ am Sonntag» aus Polen berichtet, sieht vor allem ein Problem darin, dass die Spesenpauschalen heruntergefahren werden. Flückiger berichtete, wie er einmal kurz vor einer Verhaftung gestanden hatte in Transnistrien. Dabei wäre unklar gewesen, wer in einer solchen Extremsituation für ihn aufgekommen wäre. So komme es halt, dass Kollegen zunehmend Aufträge ohne Versicherung und Finanzierungsabkommen annehmen würden.</p>
<p>Sein Status sei natürlich mit demjenigen von freien Kollegen in Ländern wie in Weissrussland nicht vergleichbar, sagte Flückiger weiter. In Minsk arbeiteten einheimische Journalisten für westliche Medien, die es sich nicht leisten können oder wollen, eigene Korrespondenten zu finanzieren. Diese nicht angestellten Mitarbeiter arbeiten nach weissrussischem Recht illegal und seien so den Repressalien der Staatsmacht ausgesetzt, weiss Flückiger.</p>
<p>Für die Schweizer Diplomatie sind das unhaltbare Zustände. <a href="http://www.simongeissbuhler.ch/" target="_blank">Simon Geissbühler</a> von der Schweizer Botschaft in Warschau hofft auf Veränderungen, die von der Konferenz ausgehen: «Sonntagsreden gibt es schliesslich genug.» Im kommenden Jahr wird die Schweiz mit dem OSZE-Vorsitz Gelegenheit haben, den Worten Taten folgen zu lassen.</p>
 <p><a href="http://medienwoche.ch/beta/?flattrss_redirect&amp;id=13863&amp;md5=a8116c1e91a99857f4ae7c25ee7a960c" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://medienwoche.ch/beta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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