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	<title>Andrea Bleicher | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>Palastrevolution</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Dec 2013 22:11:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im August 2013 herrschte einmal mehr Unruhe in der Führung des «Blick» und seinem Politikressort. Ein Protest des Newsroom-Kaders scheiterte, René Lüchinger wurde Chefredaktor. Mehrere langjährige Mitarbeiter gingen oder mussten gehen, so der die politische Linie prägende Henry Habegger. Im Richtungsstreit der Boulevardzeitung verlieren die in den letzten Jahren dominierenden linkskonservativen Kräfte an Einfluss. Teil <a href="https://medienwoche.ch/2013/12/09/palastrevolution/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Im August 2013 herrschte einmal mehr Unruhe in der Führung des «Blick» und seinem Politikressort. Ein Protest des Newsroom-Kaders scheiterte, René Lüchinger wurde Chefredaktor. Mehrere langjährige Mitarbeiter gingen oder mussten gehen, so der die politische Linie prägende Henry Habegger. Im Richtungsstreit der Boulevardzeitung verlieren die in den letzten Jahren dominierenden linkskonservativen Kräfte an Einfluss. Teil 2 unserer Serie zum Ringier-Verlag.<br />
<span id="more-16830"></span><br />
Die Frage nach dem «Blick»-Chef und und der Linie der Boulevardzeitung ist immer wieder neu ein Thema. Während die deutsche «Bild», politisch konservativ und mit sinkender Auflage kommerziell erfolgreich, seit 13 Jahren vom heute auch erst 49-jährigen Kai Diekmann geleitet wird, <a href="http://www.nzz.ch/aktuell/feuilleton/medien/18-blick-chefs-in-54-jahren-1.18137276">wechseln die Verantwortlichen bei der Schweizer Boulevardzeitung ständig</a>: Jürg Lehmann (1999), Werner de Schepper (2003), Rolf Cavalli (2007, interimistisch), Bernard Weissberg (2007), Ralph Grosse-Bley (2010).</p>
<h3>Abgänge langjähriger Mitarbeiter</h3>
<p>Nach der Trennung im Februar 2013 von Ralph Grosse-Bley («in bestem Einvernehmen») ergriff Andrea Bleicher die ihr interimistisch übertragene Leitung mit Enthusiasmus und stellte mehrere Mitarbeiter ein. Hinter den Kulissen wurde im März bereits René Lüchinger kontaktiert, was vermuten lässt, dass Bleicher gar nie eine echte Chance hatte, ihre interimistische Chefposition zu behaupten. Um Bleicher zu halten, wurde das Angebot an Sie, zu Lüchingers Stellvertreterin herabbefördert zu werden, mehrfach finanziell aufgebessert, die Rede ist von bis zu 300&#8217;000 Franken Jahreslohn. Dass schlussendlich sowohl Bleicher als auch ihr Lebenspartner Rolf Cavalli nach vielen Jahren Mitarbeit die Firma verliessen, hat die Ringier-Führung ernstlich überrascht, auch wenn sie durchaus informiert war über die private Beziehung der beiden. Mit Cavalli hat man sich dem Vernehmen nach noch um Ferientage gestritten. Nach 16 Jahren treuer Mitarbeit.</p>
<p>Am 11. August berichtete die NZZ am Sonntag über Lüchingers Berufung als Chefredaktor, was die Woche darauf eine breite Solidarisierungsaktion der «Blick»-Redaktion mit Bleicher auslöste, die in einem <a href="http://www.presseverein.ch/2013/08/meuterei-auf-der-blick/">Brief an Marc Walder</a> gipfelte («ein abermaliges Experiment mit ungewissem Ausgang»). Lüchinger, der bisher kaum je unbequem aufgefallen ist und mit Boulevard nur wenig Erfahrung hat, erhielt einen Dreijahresvertrag. Er ist zwar als fleissiger Arbeiter bekannt, aber man spottet schon, er werde sich wohl danach frühpensionieren lassen und nach Spanien gehen, um seinen Ruhestand zu geniessen.</p>
<p>Die Mitarbeiter-Aktion nützte nichts. Die Verunsicherung danach war aber so gross, dass neben Florian Fels (CEO Publishing), René Lüchinger, Christine Maier, Frank A. Meyer, Michael Ringier und weiteren mehr sich tatsächlich auch CEO Marc Walder mit der in einem Grosskonzern doch eher nachrangigen Personalie eines Politik-Redaktors befassen musste. Warum? Weil sich letztlich niemand endgültig dafür verantwortlich zeigen wollte, den Meyer-Vertrauten Henry Habegger zu entlassen &#8211; zu oft wurden Leute, die Meyer nahe standen, bald darauf auch zu Ex-Ringier-Mitarbeitern. Veranlasst hat den fristlosen Rauswurf von Habegger dann Florian Fels, dabei seit März 2013. Wie intern mitgeteilt wurde, sei Habeggers Verhalten in diesem konkreten Fall nur der Tropfen, der ein ohnehin volles Fass zum Überlaufen gebracht habe.</p>
<p>Hintergrund für die Entlassung von Habegger, der bei der «Schweiz am Sonntag» vorerst einen neuen Job als Politikredaktor gefunden hat, war eine Auseinandersetzung mit dem eben erst von Andrea Bleicher neu eingestellten stv. Politchef der «Blick»-Gruppe, Andreas Kunz (der in einem Weltwoche-Text 2008 die Rechnung aufstellte, dass der konzernweite Schaden, den Frank A. Meyer bei Ringier bisher angerichtet habe, sich auf rund 300 Millionen Franken belaufe). Nach dem Abgang von Andrea Bleicher geriet Kunz bald in Konflikt mit Henry Habegger und Irene Harnischberg, die seine Artikel intern aggressiv kritisierten. In der Folge erhielten die beiden Redaktoren eine von den Kadermitarbeitern in der «Blick»-Gruppe getragene, schriftliche Abmahnung &#8211; von illoyalem Verhalten war darin die Rede, von Beschimpfungen anderer Mitarbeiter und eigenmächtigem Verhalten.</p>
<h3>Fall «Carlos»</h3>
<p>Kunz, entnervt von der Auseinandersetzung, kündigte am 27. August, just an jenem Tag, als er die Titelgeschichte zeichnete, einem Dienstag (Titelschlagzeile: «Sozial-Wahn! Zürcher Jugend-Anwalt zahlt Messerstecher (17) Privatlehrer, 4 1/2-Zimmer-Wohnung und Thaibox-Kurse. Kosten: 22 000 Fr pro Monat»). Der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fall_%C2%ABCarlos%C2%BB">Fall «Carlos»</a> war auch am Mittwoch («Zu brutal für den Knast!»), Donnerstag («‹Der Staat macht ihn zur Killermaschine›») und Freitag («Samurai-Kurse für einen Mutter-Prügler!») Titelschlagzeile, immer mit Kunz als Lieferant der Story. Weil Kunz mit dem Aufgreifen des Fall «Carlos» den «Blick» für eine Woche wieder in das Zentrum der nationalen Aufmerksamkeit rückte, was sonst selten bis nie passiert, sorgten sich die Ringier-Kader mit mehreren Sitzungen um seinen Verbleib &#8211; am Ende blieb er jedoch bei der Kündigung, was jene, die sich um ihn bemühten, enttäuschte. Für Kunz ist die Sache «abgeschlossen», er <a href="http://www.tamedia.ch/de/pressekontakt/medienmitteilungen/2013/pressrelease/andreas_kunz_wird_stellvertretender_chefredaktor_der_sonntagszeitung_neue_gestaltung_und_blattar/">übernimmt</a> nun die stv. Chefredaktion der «Sonntagszeitung», gemeinsam <a href="http://www.tamedia.ch/de/pressekontakt/medienmitteilungen/2013/pressrelease/andrea_bleicher_wird_neue_stellvertretende_chefredaktorin_der_sonntagszeitung/">mit Andrea Bleicher</a>.</p>
<h3>Verwaistes Politik-Ressort</h3>
<p>Seit ihrem Abgang hat die «Blick»-Redaktion gleich vier interimistische Chefs, dafür ist das Politikressort nach dem Abgang von Kunz, Habegger und dem bisherigen Chef, Jürg Auf der Maur, verwaist. Erkundigt man sich zur Absetzung von Habegger, so ist von einer Palastrevolution, von einem grossen Befreiungsschlag die Rede, denn Habegger war sozusagen der Abgesandte von Meyer in Zürich. Wenn auch nicht in allen Fragen gleicher Meinung, teilt er grundsätzlich Meyers Weltanschauung und setzte sie erfolgreich im «Blick»-Politikressort durch. Chefredaktoren, die ihn kritisch hinterfragten, beschied er auch mal selbstbewusst, sein Chef heisse Meyer. Gegenüber der MEDIENWOCHE gibt Habegger zur Sache keine Auskunft, bei «Interna» verfahre er immer so. Nach seinem Verständnis sind Journalisten «keine Akteure».</p>
<p>Mit den Abgängen von Henry Habegger (16 Jahre bei Ringier) und Clemens Studer (ehemaliger stv. Chefredaktor, 13 Jahre bei Ringier, ging im Februar) schwinden jene Kräfte, die den «Blick»-Politikteil gegen den Grossteil der Leserschaft auf gewerkschaftlich-sozialdemokratischer Linie gehalten haben. Werner Vontobel, seit vielen Jahren der Garant für eine solche Haltung in Wirtschaftsfragen, bleibt an Bord. Für Habegger wurde schnell Ersatz gefunden &#8211; ausgerechnet im Pressesprecher der SP Schweiz, <a href="http://www.akbonline.ch/">Andreas Käsermann</a>. Der war überrascht von der Anfrage, hatte aber Interesse am Job und unterzeichnete deshalb einen bis zum 3. Februar befristeten Vertrag. Er werde die SP in seiner Berichterstattung nun aber weder strafen noch bevorzugen, auch wenn nun einige vermuten würden: «Es stimmt: Ich wähle links, ich stimme links, ich habe schon als Bundeshausjournalist meine Denke gehabt», sagt er auf Anfrage, und natürlich ist es so, dass auch jene Politikjournalisten, die ihre politische Haltung verschleiern, eine haben. Käsermann gibt aber zu, dass er sich als Pressesprecher der SVP nicht beworben hätte: «Das hätte ich nicht glaubwürdig vertreten können.»</p>
<h3>Personelle Engpässe</h3>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2013/12/bli_20131206_0_0_a2.jpg" alt="" title="Blick vom 6. Dezember 2013, Seite 2" width="200" height="294" class="alignleft size-full wp-image-17274" />Ausgewählt wurde Käsermann auch, weil Mitarbeiter der «Blick»-Politikabteilung, die sich den Ruf einer «Schlangengrube» erarbeitet hat, derzeit verzweifelt gesucht werden, angeblich geht man die Impressen der Konkurrenz Name für Name durch. Politik findet derzeit im «Blick» kaum noch statt. Am vergangenen Freitag waren auf der Seite 2, bei der deutschen «Bild» Pflichtlektüre für die Politiker, Geschenkideen zu lesen sowie ein Bericht, dass die Oberstufe Wädenswil 40&#8217;000 Franken gewonnen hatte. Auch die an sich begehrenswerte Stelle des «Blick»-Politikchefs, die in den letzten vier Jahren von Clemens Studer, Michael Perricone und Jürg Auf der Maur besetzt wurde, wird von vielen abgelehnt. Könnte nicht Frank A. Meyer mal diesen Posten übernehmen und im Newsroom das Zepter schwingen? Dafür müsste er aber Berlin verlassen und Verantwortung übernehmen &#8211; was ausgeschlossen erscheint. Von Ringier kontaktiert wurden unter anderem Constantin Seibt (Tages-Anzeiger) und Christof Moser (Schweiz am Sonntag). Doch so richtig kann man sich Seibt nicht vorstellen beim «Blick», und auch Moser hat kürzlich öffentlich <a href="https://twitter.com/christof_moser/statuses/401029672341086208">Freiheit vor Führungsaufgaben</a> gestellt.</p>
<p>Immerhin eine Personalie konnte inzwischen vermeldet werden. Der Anfang Juni angekündigte Autorenpool der «Blick»-Gruppe, der <a href="http://www.kleinreport.ch/news/blick-geht-mit-neuem-autorenpool-die-offensive-75396/">am 1. November seine Arbeit aufnehmen wollte</a>, hat nach fünf Monaten neben Leiter Peter Hossli einen ersten Mitarbeiter gefunden: <a href="http://www.ringier.com/de/medien/medienmitteilungen/jean-francois-tanda-neu-im-autorenpool-der-blick-gruppe">Jean François Tanda</a>. Der «Blick»-Autorenpool ist übrigens eine <a href="http://www.kleinreport.ch/news/autorenpool-fuer-die-blick-gruppe-44989/">aufgewärmte Idee aus dem Jahr 2002</a>, die damals augenscheinlich keinen dauerhaften Erfolg nach sich zog. Neben den Stellen im Politikressort ist weiterhin auch der Blick.ch-Chefsessel unbesetzt, den sich derzeit Thomas Enderle und Benjamin Rüegg teilen (ad interim).</p>
<p>Die linkskonservative Fraktion um Meyer hat nach dem Abgang von Werner de Schepper 2008 die zweite Niederlage erlitten. Auch wenn nun der Weg für nachhaltige Reformen in der Zeitung freier ist als auch schon, scheuen die Journalisten vor Ringier wie Pferde vor der Klapperschlange. Mit der fristlosen Entlassung von Henry Habegger durch Florian Fels ist ein Schritt getan, es braucht aber wohl noch weitere grundlegende Veränderungen, damit die Marke «Blick» zu einer Adresse wird, die gute Journalisten anzieht. An Intrigen, Mobbing und Missachtung der Kompetenzbereiche haben verständlicherweise nur wenige ein Interesse.</p>
<h3>Ausblick</h3>
<p>Die von Fels geleitete «Blick»-Gruppe steht vor der wichtigen Frage, wie es mit den Konvergenz-Bestrebungen weitergeht. Mit dem Newsroom existiert dafür eine gute Grundlage, die letzten Entscheidungen zielten aber eher in eine andere Richtung: Weder René Lüchinger noch Christine Maier sind für herausragende Onlinekompetenz bekannt und mit <a href="http://www.blickamabend.ch/">Blickamabend.ch</a> wird diesen Donnerstag ein neues Fass aufgemacht, das seine Verträglichkeit mit <a href="http://www.blick.ch/">Blick.ch</a> erst noch beweisen muss.</p>
<p>Was die Leser wirklich interessiert und empört, zeigte kürzlich Roger Baur. <a href="http://www.blick.ch/news/schweiz/bern/berner-politiker-erhoehen-sich-den-lohn-um-50-prozent-id2543348.html">Sein Text</a> über sich selbst den Lohn erhöhende Berner Kantonsparlamentarier wurde bisher über 5000 mal bei Facebook geteilt.</p>
<p><b>Übersicht der <a href="https://medienwoche.ch/tag/ringier2013/">Ringier-Serie</a>:</b><br />
1. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2013/12/05/koenigshaus-der-anstaendigen/">Königshaus der Anständigen</a><br />
2. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2013/12/09/palastrevolution/">Palastrevolution</a><br />
3. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2013/12/17/golden-boy-der-begueterten-kapitalistenhasser/">Golden Boy der begüterten Kapitalistenhasser</a></small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/12/09/palastrevolution/">Palastrevolution</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Sieg der Schwachen</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2013/08/20/sieg-der-schwachen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 20 Aug 2013 13:24:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Andrea Bleicher]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Andrea Bleicher verliert den Machtkampf gegen die Ringier-Führungsspitze und verlässt das Unternehmen per sofort, Rolf Cavalli folgt ihr. Installiert wird mit René Lüchinger ein loyaler «Blick»-Chef, der es gut kann mit der Werbung, aber Langeweile verspricht. Chefredaktoren in der Schweiz sind je länger je weniger gewichtige Publizisten, sondern führungsloyale Verlagsadlaten. Fangen wir an mit den <a href="https://medienwoche.ch/2013/08/20/sieg-der-schwachen/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Andrea Bleicher verliert den Machtkampf gegen die Ringier-Führungsspitze und verlässt das Unternehmen per sofort, Rolf Cavalli folgt ihr. Installiert wird mit René Lüchinger ein loyaler «Blick»-Chef, der es gut kann mit der Werbung, aber Langeweile verspricht. Chefredaktoren in der Schweiz sind je länger je weniger gewichtige Publizisten, sondern führungsloyale Verlagsadlaten.<br />
<span id="more-15536"></span><br />
Fangen wir an mit den Neuen, den Siegern:</p>
<p><a href="http://www.ringier.com/de/medien/medienmitteilungen/rene-luechinger-wird-chefredaktor-des-blick">Neuer «Blick»-Chefredaktor</a> ist der 54-jährige René Lüchinger, einst Chefredaktor von «Facts» und «Bilanz», irgendwann aber ohne Job &#8211; die «Weltwoche» nahm sich seiner an und liess ihn firmenfreundliche Porträts schreiben: Interessante Einsichten manchmal, langweiliges PR-Gesülze in anderen Fällen, <a href="http://www.weltwoche.ch/weiche/hinweisgesperrt.html?hidID=546433">hier ein Beispiel</a>. Seine Anteile an der Corporate-Publishing-Agentur <a href="http://www.luechingerpublishing.com/">Lüchinger Publishing GmbH</a> wird er mit dem Jobantritt abgeben.</p>
<p>Sein Stellvertreter wird der 49-jährige Andreas Dietrich, der journalistisch zuletzt als Mitglied der Chefredaktion des «Tages-Anzeigers» die zweimal täglich erscheinende iPad-Ausgabe verantwortete, ein gescheitertes Projekt. Aktueller Arbeitgeber (seit Januar) ist die Kommunikationsagentur Ammann, Brunner &amp; Krobath AG. Sein <a href="https://www.linkedin.com/profile/view?trk=tyah2&amp;locale=de_DE&amp;id=207830752">LinkedIn-Profil</a> weist Erfahrungen aus als «Berater» und «PR-/Werbetexter».</p>
<p>Aufgefallen sind die beiden bisher mit einigen guten Stücken und, mit zunehmendem Alter, gar nicht mehr. Die Bissigkeit jüngerer Tage ist bei beiden der Gemütlichkeit gewichen, nicht die Eigenschaft, die es in einer Boulevard-Chefredaktion braucht. Unter dieser Führung ist ein langweiliger und publizistisch ärmlicher «Blick» zu erwarten, der vermehrt die Ringier-Verwertungskette bedient und sich weniger um journalistische Erfordernisse kümmert.</p>
<p>Alles Neue und Umwälzende beim «Blick» ist nämlich mit dem Abgang von Andrea Bleicher gestoppt. Nach der Absetzung von Ralph Grosse-Bley im Februar (<a href="http://www.persoenlich.com/news/medien/ringier-ralph-grosse-bley-neu-zust-ndig-f-r-blick-k-ferspiel-308744#.UhMtQryjjZ4">der heute zuständig ist für Blick-«Käferspiele»</a>), bewegte die selbstbewusste Interims-Chefredaktorin einiges. Sie stellte fröhlich viele neue Mitarbeiter ein (mehrheitlich Frauen), gewährte einige Interviews und machte einen angriffigen und dennoch gefälligen «Blick». Die unter Grosse-Bley notorischen Presseratsbeschwerden versiegten plötzlich. Bleicher bewies, dass man eine Boulevardzeitung machen kann, ohne täglich Grenzen zu überschreiten. Ihre Personalentscheide waren progressiv und liessen Hoffnung auf Veränderung aufkeimen. Die öffentlichen Auftritte dagegen hinterliessen eher Verwirrung, zum Beispiel das <a href="http://www.srf.ch/sendungen/focus/andrea-bleicher-blick-chefredaktorin-ja-wir-machen-fehler">Gespräch mit der SRF-3-Talksendung «Focus»</a>. Bleicher hörte sich darin nicht wirklich an wie die Stimme einer grossen Boulevardzeitung (fehlende Interview-Skills könnten aber auch ein Ausbildungsversäumnis sein von Seiten Ringier).</p>
<p>Die vor allem von Weltwoche-Medienkolumnist Kurt W. Zimmermann geäusserte Kritik an Bleicher blieb oberflächlich und <a href="http://blog.tagesanzeiger.ch/blogmag/index.php/7654/von-cowboys-und-blondinen/">befasste sich ernsthaft mit Haarfarben</a> («Es begegneten sich eine Blonde und eine Dunkle»). «Lustlosen Blut-Boulevard wie aus dem Mittelalter» warf er Bleicher vor und dozierte, heutige Boulevardzeitungen müssten Celebrity-Quatsch betreiben. Ausserdem fehle der Zeitung, trotz dem täglichen Seite-1-Girl, der Sex. Die Wahrheit ist: Gedruckte Boulevardzeitungen verlieren an Auflage, weil die ihn lesenden Senioren wegsterben, mit dem Inhalt hat das oft weniger zu tun. Als sehr kurzes Gedankenexperiment: Was hätte Zimmermann geschrieben, wenn Bleicher keinen «Crime» geliefert hätte? Eben.</p>
<p>Auch wenn es möglicherweise Gründe für die Absetzung von Bleicher und Cavalli gibt, von denen die Öffentlichkeit nichts weiss, ist der Entscheid der Ringier-Führung ein Paradebeispiel, wie man ein motiviertes Redaktionsteam entmutigt. Marc Walder hat die eigene Macht im Verlag zu beachtlicher Grösse auswachsen lassen, was mehr und mehr <a href="https://medienwoche.ch/2013/04/05/ein-walder-steht-die-maennlein/">an das System Merkel erinnert</a>. Im Konfliktfall trennt sich die Führungsspitze auch von langjährigen, augenscheinlich hochloyalen Mitarbeitern wie Cavalli, der dem Unternehmen immerhin 16 Jahre gedient hat. Es ist auch eine Zementierung der eigenen Unfähigkeit, Kritik anzunehmen und umzusetzen. In einem Brief hat sich ein grosser Teil des Führungskaders gegen die schon im Vorfeld bekannt gewordene Ablösung gestellt. Nun wird es unter dem neuen Chefredaktor arbeiten müssen &#8211; was eine grosse Herausforderung sein wird sowohl für Lüchinger als auch für die Belegschaft. Zu erwarten ist eine <a href="https://twitter.com/mathieuvonrohr/status/369755735350976512">«peinliche erste Redaktionssitzung»</a>. Ein Chef muss enorm stark sein, um ein Führungskader für sich zu gewinnen, das sich nahezu geschlossen gegen ihn ausgesprochen hat. Ob Lüchinger solche Kräfte entfalten kann, wird sich weisen.</p>
<blockquote class="twitter-tweet"><p>Gute Lösung gegen die Chef-Fluktuation bei <a href="https://twitter.com/Blickch">@Blickch</a>: halbe Belegschaft wird Interims-Nachfolge-Übergangs-Chefredaktor.</p>
<p>— Viktor Giacobbo (@viktorgiacobbo) <a href="https://twitter.com/viktorgiacobbo/statuses/369778176764821505">August 20, 2013</a></p></blockquote>
<p><script src="//platform.twitter.com/widgets.js"></script></p>
<p>Bis zu Lüchingers Antritt übernehmen Felix Bingesser sowie Thomas Ley, Dominik Hug und Fabian Zürcher die redaktionelle Verantwortung für den «Blick» &#8211; letztere drei haben den <a href="http://www.persoenlich.com/news/medien/ringier-aufstand-des-blick-redaktionskaders-308633#.UhNYN7yjjZ5">Brief gegen die Absetzung von Bleicher</a> unterschrieben (die ursprüngliche Fassung, die später von persoenlich.com kommentarlos ausgetauscht wurde). In der es hiess, «mit dem jetzt geplanten Wechsel an der Blick-Spitze ist die Grenze unseres Verständnisses erreicht. Wir halten ihn für ein abermaliges Experiment mit ungewissem Ausgang».</p>
<p>Die Ringier-Experimente gehen also weiter. Besonders verschaukelt vorkommen dürfen sich jene Angestellten, die von Bleicher (mit dem offensichtlichen Einverständnis von Ringier) geholt worden sind und sich nun neu orientieren dürfen. Aber Ringier hat Geld zum Verschwenden, im Zweifel zahlt man einfach alle anständig aus und lässt sie einen neuen Job suchen.</p>
<p>Andrea Bleicher ist nun eine valable Kandidatin für die Spitze der «SonntagsZeitung», die nach dem Abgang von Martin Spieler dringend (offiziell ab 2014) <a href="https://medienwoche.ch/2013/02/04/chefredaktor-am-sonntag/">eine neue Führung braucht</a>. Sie wäre die richtige Person, um den eingeschlafenen Laden aufzumischen. Allerdings wurde sie von dieser Zeitung bereits übergangen, <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Jung-hartnaeckig-fordernd/story/18576085">als sie Inlandchefin werden wollte</a>. Ganz generell scheinen Schweizer Verlage bei der Besetzung von Spitzenpositionen eher auf Führungstreue und Aussenwirkung zu setzen als auf publizistische Leistungen. Die Anzahl von Chefredaktoren, die nicht vor allem Managementaufgaben erfüllen, schwindet &#8211; vielleicht sollten sie umbenannt werden in «Verlagsadlaten».</p>
<p>Als Detail am Rande. So wirbt der «Blick» heute für sich selbst:</p>
<blockquote class="twitter-tweet"><p>
Soeben die neuste Blick-Werbung erhalten. Meister der Koordination. <a href="https://twitter.com/search?q=%23ringier&amp;src=hash">#ringier</a> <a href="https://twitter.com/Mark_Balsiger">@Mark_Balsiger</a> <a href="http://t.co/6xBYVMA2Mm">pic.twitter.com/6xBYVMA2Mm</a></p>
<p>— Christoph Lauener (@ChLauener) <a href="https://twitter.com/ChLauener/statuses/369761775891533824">August 20, 2013</a>
</p></blockquote>
<p><script src="//platform.twitter.com/widgets.js"></script></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/08/20/sieg-der-schwachen/">Sieg der Schwachen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Vielfalt statt Frauenquote</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2013/07/15/vielfalt-statt-frauenquote/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Jul 2013 12:32:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es braucht eine Förderung der vielen nicht in den Redaktionen vertretenen Gruppen. Quoten sind jedoch abzulehnen: Sie führen lediglich dazu, dass nicht in erster Linie die Leistung Grund für eine Beförderung ist. Eine Diversity-Charta könnte eine Lösung sein. Markus Somm von der Basler Zeitung nennt das Ziel der Chefredaktion des Tages-Anzeigers, bis 2016 einen redaktionellen <a href="https://medienwoche.ch/2013/07/15/vielfalt-statt-frauenquote/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/07/15/vielfalt-statt-frauenquote/">Vielfalt statt Frauenquote</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Es braucht eine Förderung der vielen nicht in den Redaktionen vertretenen Gruppen. Quoten sind jedoch abzulehnen: Sie führen lediglich dazu, dass nicht in erster Linie die Leistung Grund für eine Beförderung ist. Eine Diversity-Charta könnte eine Lösung sein.<br />
<span id="more-15037"></span><br />
Markus Somm von der Basler Zeitung nennt das Ziel der Chefredaktion des Tages-Anzeigers, bis 2016 einen redaktionellen Frauenanteil von 30 Prozent zu erlangen (<a href="http://www.persoenlich.com/news/medien/tages-anzeiger-die-m-nner-sind-den-letzten-jahren-massiv-bevorteilt-worden-307711#.UeJiYVOzDZ4">«Stauffacher-Deklaration»</a>), eine <a href="http://www.persoenlich.com/news/medien/frauenquote-die-f-hrung-bleibt-m-nnerhand-307786#.UeGXslOzDZ4">«schmerzfreie Symbolpolitik»</a>:</p>
<blockquote><p>Wäre es der Chefredaktion ernst, hätte sie ja längst den Tatbeweis erbringen können, indem einer der Kollegen einer Kollegin umgehend den Platz überlassen hätte. Man deklariert hochtrabend eine Quote für die Nachfolger, die einem nicht betrifft.</p></blockquote>
<p>So reagieren sie leider immer, die Herren auf den Chefsesseln der Schweizer Medienlandschaft, wenn es darum geht, Neues zuzulassen:</p>
<p>Internet? Extrem wichtig und mit Sicherheit die Zukunft! Aber bis zu meiner Pension mache ich lieber weiter mit Gedrucktem.</p>
<p>Frauen? Junge? Alte? Secondos? Ausländer? Randregiönler? Hat es definitiv zu wenig in den Redaktionen, gerade in Führungspositionen! Nach meiner Pension müssen unverzüglich welche angestellt werden.</p>
<p>Nicht-Akademiker? Ja gut, aber können die überhaupt schreiben? Also wir brauchen dann schon gebildete Leute.</p>
<p>Es war auch früher nicht anders. Niklaus Meienberg schrieb in <a href="http://netzwertig.com/2007/12/24/niklaus-meienberg-wer-will-unter-die-journalisten/">«Wer will unter die Journalisten – eine Berufsberatung 1972»</a>:</p>
<blockquote><p>Hat der Kandidat nicht «studiert», aber doch schon geschrieben, so wird ihm der abgeschlossene Akademiker vorgezogen, der noch nicht geschrieben hat. Eine normale Redaktion zieht den unbeschriebenen Akademling schon deshalb vor, weil er sich durch eigenes und eigensinniges Schreiben noch keine besondere Persönlichkeit schaffen konnte. Er ist unbeschränkt formbar und verwurstbar. Er hat auf der Uni gelernt, wie man den Mund hält und die Wut hinunterschluckt, wenn man dem Abschluss zustrebt. Er ist besser dressiert als einer, der sofort nach der Matura oder Lehre schreibt.</p></blockquote>
<p>Unter die Journalisten kommen also in aller Regel Studierte aus Akademikerhaushalten, die sich unterordnen können. Wer lange Arbeitszeiten auf sich nimmt, auch gegen den Quatsch von oben uneingeschränkt loyal ist, Wochenendschichten schiebt und mehr Präsenz zeigt als die Konkurrenz, wird irgendwann zum Chef befördert. Und dort bleibt er dann, so lange er die Minimalanforderungen solide erfüllt, manchmal bis zur Pension. Macht er etwas, das sich konkret in Werbegelder ummünzen lässt, wird er in Ruhe gelassen, was auch immer er publizistisch leistet. Aus diesen Gründen ist <a href="https://medienwoche.ch/2012/12/05/fehlende-vielfalt/">der typische Chefredaktor der Schweiz</a> oft ein weisser Mann um die 50 mit akademischer Bildung.</p>
<p>Frauen, in diesen Fragen vielleicht lebensklüger, haben oft kein Interesse an stumpfsinnigen, endlosen Arbeitszeiten, sie wünschen sich ein Leben mit Freizeit und sozialen Kontakten ausserhalb des Journalismus. Viele Menschen lehnen Führungsaufgaben ja deswegen ab, weil sie wissen, dass Lebensqualität nicht mit der Vergabe von Titeln oder der Gehaltsstufe zu tun hat. Sie sind eher interessiert daran, in Ruhe eine Arbeit zu leisten, die Sinn macht und sie erfüllt.</p>
<p>Dabei ist es ja nicht so, als hätte es im Schweizer Journalismus noch keine Frauen gegeben: Laure Wyss, Margrit Sprecher, Michèle Roten, um nur drei zu nennen, haben sich ohne Quote durchgesetzt. Und mal ehrlich: Eine Berufung aufgrund der Quote hat etwas unglaublich Peinliches. Sie ist schon deshalb abzulehnen, weil damit der Verdacht verknüpft ist, sie sei nicht aufgrund von Leistungen erfolgt.</p>
<p>Journalismus ist wie Film oder Tanz ein extrem wettbewerbsintensives Feld. Um irgendwie hineinzukommen, nehmen Journalisten tiefe (oder auch gar keine) Honorare in Kauf, fragwürdige Arbeitsbedingungen und setzen sich sogar (als Anwälte des freien Wortes) einen Maulkorb auf, was die wahren Probleme am Arbeitsplatz angeht. Dass bei dieser angespannten Wettbewerbssituation immer wieder die gleichen Typen auf dem Chefsessel landen, ist schon erstaunlich. Wer an der Macht ist, will keine Konkurrenz, schon gar nicht durch Leute, die seine Sichtweise in Frage stellen. Wie sagte es <a href="http://www.persoenlich.com/news/medien/die-oberste-bankenspitze-wollte-dass-wanner-unsere-ubs-berichterstattung-stoppt-286182#.UeGt-FOzDZ4">Patrik Müller 2009</a>: «Bei Ringier habe ich erlebt, dass gewisse Chefs Angst haben, bessere Leute zu engagieren, weil ihnen diese gefährlich werden könnten.»</p>
<p>Die Forderung einer Frauenquote ist ein guter Diskussionsanstoss, doch es geht um mehr. <a href="http://www.persoenlich.com/news/medien/frauenquote-die-f-hrung-bleibt-m-nnerhand-307786#.UeGXslOzDZ4">Lesen wir weiter</a>, warum Markus Somm «grundsätzlich gegen Quoten» ist, Vielfalt aber für wichtig hält. Es brauche «eine Art politische Diversity» in der Redaktion, aber auch Journalisten «aus unterschiedlichen Milieus» &#8211; nur so könne er möglichst viele seiner Leser ansprechen.</p>
<blockquote><p>Aber Diversity beschränkt sich nicht bloss aufs Geschlecht. Genauso entscheidend ist eine gute Mischung zwischen alten und jungen Journalisten, Schweizern und Ausländern, Secondos und Einheimischen, Akademikern und Leuten, die dem Teufel vom Karren gefallen sind.</p></blockquote>
<p>Der Frauenbeauftragten des Tages-Anzeigers, Simone Meier, <a href="http://www.persoenlich.com/news/medien/tages-anzeiger-die-m-nner-sind-den-letzten-jahren-massiv-bevorteilt-worden-307711#.UeGXx1OzDZ4">ist es egal</a>, wenn Männer durch eine Frauenquote benachteiligt werden, schliesslich seien Männer «in den letzten Jahren beim ‹Tagi› massiv bevorteilt worden». So eine Haltung kann man haben, auf eine erspriessliche Zusammenarbeit zwischen den Geschlechtern deuten solche Aussagen aber nicht hin. Besonders schwach von Meier ist es, <a href="http://www.persoenlich.com/news/medien/srf-auch-simone-meier-l-sst-roger-schawinski-abblitzen-307860#.UeHBVFOzDZ4">sich den Fragen von Roger Schawinski nicht stellen zu wollen</a>. Wem es egal ist, das andere Geschlecht zu diskriminieren, damit das eigene zum Zug kommt, sollte schon den Mut aufbringen, diese Argumentation zu verteidigen.</p>
<p>Dass das Anliegen bei der Tages-Anzeiger-Chefredaktion «auf total offene Türen» stösst, überrascht nicht, denn etwas anderes kann sich die politische Korrektheit anmahnende Redaktion gar nicht leisten. Aber man muss nicht reden, man muss handeln. So wie Andrea Bleicher, die nach ihrem Antritt beim «Blick» Frauen gleich scharenweise angestellt hat. Das Geplauder beim Tagi <a href="http://www.blick.ch/news/wer-schweigt-ist-selber-schuld-id2369094.html">hält sie für verzichtbar</a>:</p>
<blockquote><p>Als wäre man mit einer Zeitmaschine in die 80er-Jahre zurückgereist, wurde auch eine «Frauenbeauftragte» ernannt.<br />
Die soll sich der Frage annehmen, weshalb es beim «Tages-Anzeiger» so wenige Frauen gibt.<br />
Ganz einfach. Weil man so wenige angestellt hat. Warum gibt es so wenige Ressortleiterinnen? Noch einfacher. Weil man lieber Männer befördert hat.<br />
Nicht schwafeln! Machen! Tuts doch einfach, stellt Frauen an! Dafür braucht es keine «Deklaration».</p></blockquote>
<p>Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass es sehr viele gute Männer gibt im Journalismus und dass sich oft gar nicht so viele Frauen bewerben. Der Tagi wird derzeit von einem Mann geführt, doch Tamedia hat Chefredaktorinnen: Sandra Jean (Le Matin), Ariane Dayer (Le Matin Dimanche) und Silvia Binggeli (Annabelle). Und auch Ringier setzt Frauen an die Spitze von Redaktionen, zuletzt wurde Christine Maier die Führung des Sonntagsblick anvertraut, und vielleicht ringt man sich auch noch dazu durch, Andrea Bleicher das «ad interim», das sie schon seit über fünf Monaten im Impressum zu führen gezwungen ist, wegzunehmen.</p>
<p>Es sind die Konservativen, die der Vielfalt im Wege stehen. Sie sind es, die Frauen, Secondos, Ausländern, Jungen, Alten, Randregiönlern und Nicht-Akademikern keine Meinungsmacht geben wollen. Weil es ihre eigene Meinungsmacht beschränken würde. Ein Blick in die SMD ist aufschlussreich: Kaum eine Zeitung hat die Diskussion über die Frauenquote in den Redaktionen aufgegriffen.</p>
<p>Leute, die andere Gene und eine andere Sozialisation haben, werden die Sache nicht immer besser machen, aber mit Sicherheit etwas anders. Manchmal reicht es, in einer Diskussionsrunde eine Frau, einen Ausländer oder einen Nicht-Studierten zu haben, um eine Gewissheit der Runde umzustürzen. Solche Leute sind fähig, einem Unternehmen echt neue Inputs zu geben und sie einem Teil der Leserschaft nahe zu bringen. Damit eine Gruppe klug ist, braucht sie Diversität, also unterschiedliche Teile, die sich voneinander unabhängig eine Meinung bilden. Ein gangbarer Weg wäre vielleicht eine Diversity-Charta, die ebenso verbindlich ist wie eine Quotenregelung, aber nicht starre Zahlen vorschreibt, sondern die Verpflichtung zu einer durchmischten Redaktion festhält.</p>
<p>In vielen Redaktionen melden sich immer wieder die gleichen Meinungsführer zu Wort &#8211; solange die anderen bei den Konferenzen schweigen und Interviewanfragen ablehnen, ängstlich sind und konfrontationsscheu, wird sich an der bestehenden Lage nichts ändern. Um von der Meinungsmacht ein grösseres Stück zu erhalten, müssen die Minderheiten (Ausländer, Junge, etc.) und Mehrheiten (Frauen) aufstehen, reden, schreiben, senden, bloggen. Nur so kann es zu Vielfalt und einem echten Wettbewerb kommen. Nur so können Kartelle und Monopole zum Einsturz gebracht werden.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/07/15/vielfalt-statt-frauenquote/">Vielfalt statt Frauenquote</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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