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	<title>Autobiografie | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Wed, 19 Dec 2018 11:23:08 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Buch: Peter Hossli über sein Engagement an der Wirklichkeit</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2018/12/18/buch-peter-hossli-ueber-sein-engagement-an-der-wirklichkeit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Ruoff]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Dec 2018 15:25:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Autobiografie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Schweizer Reporter Peter Hossli blickt zurück auf sein bisheriges Berufsleben. Mit Geschichten, Anekdoten und Reflexionen beantwortet er die Frage: Warum schreibst Du? Peter Hossli eröffnet die Sammlung seiner Erinnerungen mit einer amerikanischen Geschichte. Sie beginnt in seinem Buch in einem Hotel in Las Vegas. Zusammen mit einem deutschen Fotografen. Für ein Interview mit dem <a href="https://medienwoche.ch/2018/12/18/buch-peter-hossli-ueber-sein-engagement-an-der-wirklichkeit/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der Schweizer Reporter Peter Hossli blickt zurück auf sein bisheriges Berufsleben. Mit Geschichten, Anekdoten und Reflexionen beantwortet er die Frage: Warum schreibst Du?</strong><br />
<img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/12/MW-Peter-Hossli-Die-erste-Miete-ging-an-die-Maffia_20181218.jpg" alt="" width="1456" height="976" class="alignnone size-full wp-image-64543" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/12/MW-Peter-Hossli-Die-erste-Miete-ging-an-die-Maffia_20181218.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/12/MW-Peter-Hossli-Die-erste-Miete-ging-an-die-Maffia_20181218-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/12/MW-Peter-Hossli-Die-erste-Miete-ging-an-die-Maffia_20181218-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/12/MW-Peter-Hossli-Die-erste-Miete-ging-an-die-Maffia_20181218-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/12/MW-Peter-Hossli-Die-erste-Miete-ging-an-die-Maffia_20181218-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
Peter Hossli eröffnet die Sammlung seiner Erinnerungen mit einer amerikanischen Geschichte. Sie beginnt <a href="https://www.werdverlag.ch/bücher/rückblicke-erfahrungen/die-erste-miete-ging-an-die-mafia/" rel="noopener" target="_blank">in seinem Buch</a> in einem Hotel in Las Vegas. Zusammen mit einem deutschen Fotografen. Für ein Interview mit dem ehemaligen Polizisten Joe Pistone, der unter dem Decknamen Donnie Brasco in New York eine Mafia-Gang unterwanderte und sie dann hat hochgehen lassen.</p>
<p>In Wirklichkeit begann die Geschichte, als Peter Hossli seiner Tochter Yuki ein sauberes Kleid überzog, weil sie sich beim Essen mit Sauce bekleckert hatte. Und dabei hörte der Reporter aus dem Radio vom Moderator den Satz: «Das war eine Besprechung von Joe Pistones Autobiografie ‹Donnie Brasco: Unfinished Busines›&#8216;.» Das traf ihn «wie ein Blitz. Es gibt diese Millisekunden, die das Gehirn eines Reporters anwerfen und überfluten mit Fragen», schreibt er.</p>
<p>Es ist «der Blitz», den kreativer Journalismus braucht. Und «kreativ» heisst hier: Wirklichkeit suchen, Fragen stellen, den Stoff durcharbeiten, den Kern der Wirklichkeit oder, bescheidener, einen Kern der Wirklichkeit herausschälen. Und mitteilen.</p>
<p>Es braucht diesen kreativen Kick für jede Art von Journalismus. Es braucht ihn für jede Recherche. Sicher für den Start, den spontanen Glauben, dass die Person im Zentrum eine Geschichte ist oder Geschichten bringt. Aber es braucht diesen Antrieb auch für die vielleicht langwierige, hindernisreiche Suche nach dem richtigen Blickwinkel, der hinter der äusseren Erscheinung den Charakter einer Person entdeckt oder hinter allen Schutzbehauptungen die Triebkraft einer Entwicklung. Irgendwann in dem Interview sagt der Polizist Pistone alias Brasco, der Mafioso, er sei aufgewachsen in Paterson, New Jersey, «wo Italo-Amerikaner wie ich entweder Cops oder Gangster werden.» Das ist eine der Einzelheiten in Hosslis Reportage, die ein Schlaglicht wirft auf eine Konstellation, in der das Schicksal des Einzelnen wie durch Zufall bestimmt wird: Polizist oder Verbrecher wie entscheidet es sich?</p>
<blockquote><p>Wer Geschichten über das Leben schreibt, erfährt auch etwas über sich selber.</p></blockquote>
<p>Der Reporter ist Teil dieser Welt. Er habe einige Jahre in New York am Fischmarkt gewohnt, erzählt Hossli dem Cop, und Pistone fragt: «Wo am Fischmarkt?» Hossli: «42 Peck Slip, oberhalb des Café Paris.» Pistone: «Die Mafia und ich trafen uns oft im Café Paris.»</p>
<p>Wer Geschichten über das Leben schreibt, erfährt auch etwas über sich selber. Und Hosslis erste Geschichte erzählt nicht nur, wie der Reporter an seine Stories kommt, wenn er mit offenen Sinnen, Augen, Ohren, wachem Denken und sensiblen Empfindungen durchs Leben geht. Sie erzählt uns in ihren Geschichten auch schon, wie uns mit den einzelnen Menschen ganze Kulturen und Lebenswelten entgegentreten, mit denen wir verbunden sind. Auch wenn wir es nicht wissen.</p>
<p>Der Titel seiner Story-Sammlung heisst: «Die erste Miete ging an die Mafia.» Es ist eine Sammlung von 29 Geschichten. Es sind, genau gesagt, Geschichten über die Entstehung von Geschichten. Sie geben Einblick in das Handwerk von Medienschaffenden, Journalisten, Fotografinnen. Es sind Berichte über Wege zum Erfolg und zum Misserfolg, lautes Nachdenken über Regeln und Regelverletzungen, von anderen und von Hossli selber. </p>
<blockquote><p>Die «Schreibtischtäter» unter den Medienschaffenden sind auf Hosslis Beliebtheitsskala offenkundig nicht sehr hoch angesiedelt.</p></blockquote>
<p>Das selbstverschuldete Misstrauen gegenüber den Medien ist für ihn ein Thema, weil diese Medien immer wieder selber «Fake News» publiziert haben, weil sie sich haben hereinlegen lassen von Betrügern, in den USA, Grossbritannien, auch in der Schweiz. Der Fehler lag häufig genug bei Redaktoren am Schreibtisch, auf der Jagd nach Reichweite und mit fehlendem professionellem kritischem Blick. Diese «Schreibtischtäter» sind auf Hosslis Beliebtheitsskala offenkundig nicht sehr hoch angesiedelt. Im Motto für sein Buch lässt er die Regisseurin Cindy Sherman («Office Killer») sagen: «Die meisten Journalisten verachte ich, darum müssen sie in meinem Film sterben. Die Opfer sind aber nicht die Autoren der Artikel, sondern die Redaktoren und die Geschäftsleiter. Menschen, die selber schreiben, mag ich.»</p>
<p>Hosslis Geschichten über die Entstehung seiner Geschichten lesen sich gut. Es sind<br />
Geschichten von Begegnungen mit anderen Welten, in Europa, der Schweiz, Asien und Afrika. Ich habe sie über längere Zeit gelesen, neben der eigenen Schreib- und Konzeptarbeit, als Einzelstücke, andere Leserinnnen haben die 365 Seiten an einem Wochenende verschlungen. Beides geht. Und ich denke: Das Buch gehört auf den Nachttisch aller Medienschaffenden, oder auf den Schreibtisch, oder greifbar ins Buchregal.</p>
<p>Es geht Hossli immer um einzelne Menschen, ob sie nun an der Spitze der Macht stehen oder im Elend von Hunger, Durst und Flucht gefangen sind. Es geht in all diesen Stories um die Lebensgeschichte von Einzelnen, die sogenannte «kleine Geschichte» – auch die Geschichte von Machthabern ist manchmal «kleine Geschichte» –, in der sich die sogenannte «grosse Geschichte» vollzieht. Und diese «grosse» Geschichte ist die Geschichte unserer Zeit: Geschichte der Gegenwart. Beim Reporter Peter Hossli bündelt sie sich immer in den Personen.</p>
<blockquote><p>Die Medienfreiheit muss auch in der Schweiz im journalistischen Alltag immer neu erkämpft werden, gegen Manipulations- und Druckversuche und rechtliche Einschränkungen.</p></blockquote>
<p>Manchmal auf fast banale Weise, wie bei dem Interview, das Hossli in Bern geführt hat und nun auf der Zugfahrt nach Zürich abhörte, und wo er ganz unvermittelt mit der Frage konfrontiert war: «Wie war Schneider-Ammann?» Der Fragesteller war Jürg Wildberger, vormals Moderator beim Schweizer Fernsehen und Chefredaktor bei «Facts», jetzt Berater beim einflussreichen PR-Büro der «Konsulenten», die in Politik, Wirtschaft und Medien mitmischen. Hossli hatte während Tagen vergeblich versucht, ein Gespräch mit dem Bundesrat zu bekommen, weil Johann Schneider-Ammann vor seinem Posten im Bundesrat Firmengelder steuergünstig auf der britischen Insel Jersey angelegt hatte. Aber sein Kommunikationschef blockte ab. Das Interview schien ihm nicht nötig. Die Steueroptimierung war ja ganz legal.</p>
<p>Bis es dann plötzlich klappte, kurzfristig, reibungslos. Der Kommunikationschef wollte noch die Fragen haben. Hossli lehnte ab, und lieferte nur ein paar weitgefasste Themenfelder, in denen die Fragen Platz hatten.</p>
<p>Wildberger: «Wir haben das Interview eingefädelt, für Dich und für die NZZ.» Die «Konsulenten» hatten offenkundig ein Mandat. Ein Interview in der «NZZ» und im Boulevard-Massenblatt «Sonntagsblick» sollten eine kleine Imagepolitur werden für Johann Schneider-Ammann, den Vertreter der Wirtschaft im Schweizer Bundesrat. Der Journalist wird dabei ein bisschen instrumentalisiert, im Normalfall ohne es zu wissen, und in der grossen Geschichte werden auf Jersey oder in Panama oder an einem anderen sonnigen Ort weiterhin Millionen- und Milliardenbeträge steuerlich auf plusminus Null optimiert. Und für den Fall, dass doch einmal etwas ruchbar wird, steht das dicht geknüpfte Netz der Kommunikationsbeauftragten, PR-Unternehmern und Steuerberatern bereit, deren Fäden bis in die Chefetagen der Medienhäuser reichen. Sie sind dazu berufen, grösseren Rufschaden durch weitere Veröffentlichungen abzuwenden und zu verhindern, dass der brave Steuerzahler doch irgendwann den Aufstand macht.<br />
Beim ehrenwerten Reporter, der dem Bundesrat schon längst ein paar berechtigte Fragen stellen wollte und sie jetzt auch gestellt hat, bleibt «ein schaler Nachgeschmack», wenn man ihm lachend bedeutet, dass er gerade mal benutzt worden ist. Die Medienfreiheit muss auch in der Schweiz im journalistischen Alltag immer neu erkämpft werden, gegen Manipulations- und Druckversuche und rechtliche Einschränkungen.</p>
<p>Selbst die grosse Weltgeschichte beginnt bei Hossli als kleine, intime Anekdote. Es war die schöne norwegische Grafikerin, die er schon lange hatte ansprechen wollen, und die ihn nun ihrerseits im Empire State Building anspricht, am 11. September 2001, kurz nach 9 Uhr, mit der Bemerkung: «Ein Flugzeug steckt im World Trade Center.» «Was für ein Flugzeug?» Sie wusste es nicht und verschwand.</p>
<blockquote><p>9/11 fesselt die Aufmerksamkeit unserer Medien bis heute und macht uns für Anderes nahezu blind.</p></blockquote>
<p>Und da kam auch schon der Anruf aus der «Facts»-Redaktion in Zürich. Bevor er die Dimension der Ereignisse ganz begreifen konnte, griff auch schon die professionelle Reporter-Routine. Fotografen sind in der Situation nicht greifbar. Also kauft Hossli eine digitale Kamera, betreibt sie mit auswechselbaren Einweg-Batterien – einen Akku hätte er aufladen müssen –, fotografiert, was er sieht, befragt die Menschen, die er trifft, macht «Facts» zum ersten Magazin in Europa, das Porträts von Betroffenen zeigen kann, und weiss am nächsten Tag, dass er am Anfang eines historischen Bebens steht. Es erschüttert bis heute die ganze geostrategische Zone von Zentralasien über den Orient bis nach Nordafrika, und es führt in den USA zur Abfolge von George W. Bush über Barack Obama bis zu Donald Trump. Das fesselt die Aufmerksamkeit unserer Medien bis heute und macht uns für Anderes nahezu blind.</p>
<p>Blind für die kleinen Geschichten wie die von Ayan Dagan zum Beispiel, der jungen Übersetzerin für «Save the Children», die Peter Hossli und seinen Fotografen durch ihr Land geführt und ihnen journalistische Geschichten gebracht hat. Irgendwann durchbricht sie die Stille der Fahrt durch die somalische Wüste mit der Frage: «Warum schreibst Du?» Sie stellt damit die Frage, die den Reporter Peter Hossli selber immer und überall vorantreibt: «Warum?»<br />
Und sie erzählt ihm ihre eigene Geschichte. «Sie redet unverblümt und schnell», schreibt Hossli, und sie erzählt, wie sie mit 10 Jahren beschnitten wurde. Anya berichtet «sachlich, emotionslos», wie sie sich als Teenager verliebt hat, von ihrem Freund verlassen, später vom Chef vergewaltigt wurde, abtreiben musste. Die Geschichte der Beschneidung ist die Geschichte nahezu aller Frauen in Somalia. – Auf dem Heimflug, sechs Stunden, fragt sich Hossli, warum Anya ihm diese Geschichte erzählt hat. Wie er zu diesem Vertrauen gekommen ist. Und ob er die Geschichte veröffentlichen dürfe. Er hat Anya nicht gefragt. Aber es ist – hier in der extremsten Form – die Geschichte einer Unterdrückung, die seit Jahrhunderten weltumspannend praktiziert wird, und die wir noch immer nicht überwunden haben. </p>
<blockquote><p>Distanz schafft Vertrauen, redliches Interesse öffnet das Gegenüber, sorgfältig ausdauernde handwerkliche Arbeit bringt Leser.</p></blockquote>
<p>Peter Hossli hätte Anyas Geschichte veröffentlicht, wäre es die klassische Interview-Situation gewesen zwischen der Befragten und dem Reporter. Er hätte geschrieben, was sie gesagt hatte, wie er das bei Bundesräten und Bundesrätinnen bei allem tat, was «on the record» gesagt worden war, auch wenn die Kommunikationschefs das nicht mochten. Aber Anya war Teil des Teams, es war eine kollegiale, freundschaftliche Beziehung. So hat er ihr aus der Schweiz nochmals geschrieben und sie noch einmal getroffen, als sie für «Save the Children» in Italien war, und sie gefragt.</p>
<p>Distanz schafft Vertrauen, redliches Interesse öffnet das Gegenüber, sorgfältig ausdauernde handwerkliche Arbeit bringt Leser, echte, hartnäckige Neugier ist die Triebkraft – das sind nur einige Leitbegriffe, die Peter Hossli in den Reflexionen über seinen Journalismus ins Spiel bringt.</p>
<p>Der Reporter gehört aber nicht zu dem, was er beschreibt, erklärt er; er berichtet über andere. Aber mitten im Überlebenskampf um die World Trade Türme in New York wird ihm klar, dass auch er dazu gehört.</p>
<p>Er weiss um dieses Spannungsfeld. Er lässt den früheren Tagesthemen-Moderator Hanns Joachim Friedrichs über «einen guten Journalisten» sagen, dass er «überall dabei ist, aber nirgendwo dazugehört.» Aber er zitiert auch den «Spiegel»-Gründer Rudolf Augstein mit dem Satz: «Ein leidenschaftlicher Journalist kann keinen Artikel schreiben, ohne im Unterbewusstsein die Wirklichkeit ändern zu wollen.»</p>
<p>Das zeigt sich auch bei Peter Hossli. Guter Journalismus ist professionelles und am Ende eben auch menschliches Engagement an der Wirklichkeit.</p>
<p><small>Bild: Motiv von Cover <a href="https://www.werdverlag.ch/b%C3%BCcher/r%C3%BCckblicke-erfahrungen/die-erste-miete-ging-an-die-mafia/" rel="noopener" target="_blank">«Die erste Miete ging an die Mafia», Peter Hossli, Werd-Verlag, 2018; 29 Franken. Fotograf: Stefan Falke</a>.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/12/18/buch-peter-hossli-ueber-sein-engagement-an-der-wirklichkeit/">Buch: Peter Hossli über sein Engagement an der Wirklichkeit</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Der Erste, Beste, Eitelste</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2014/03/13/der-erste-beste-eitelste/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Mar 2014 10:17:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Autobiografie]]></category>
		<category><![CDATA[Radio 24]]></category>
		<category><![CDATA[Radio1]]></category>
		<category><![CDATA[SRF]]></category>
		<category><![CDATA[Roger Schawinski]]></category>
		<category><![CDATA[Schawinski]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Roger Schawinski legt mit bald 69 Jahren eine mutige, gefühlvolle Autobiografie vor. Mit seiner aussergewöhnlichen Karriere hat er die Schweizer Medienbranche in fast allen Bereichen vorwärts gebracht. Schawinskis Kritiker und Neider müssen sich fragen, was sie ihm abseits von Oberflächlichkeiten entgegenzusetzen haben. «Alles, was wir erdachten, war neu, spannend und manches sogar sensationell.» Roger Schawinski, <a href="https://medienwoche.ch/2014/03/13/der-erste-beste-eitelste/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Roger Schawinski legt mit bald 69 Jahren eine mutige, gefühlvolle Autobiografie vor. Mit seiner aussergewöhnlichen Karriere hat er die Schweizer Medienbranche in fast allen Bereichen vorwärts gebracht. Schawinskis Kritiker und Neider müssen sich fragen, was sie ihm abseits von Oberflächlichkeiten entgegenzusetzen haben.<br />
<span id="more-18468"></span></p>
<div align="right"><small>«Alles, was wir erdachten, war neu, spannend und manches sogar sensationell.»<br />
Roger Schawinski, «Wer bin ich?», Seite 179.</small></div>
<p></p>
<p>Der kleine Radiopionier von damals hat heute in der Deutschschweiz die volle Medienmacht: Vorabdrucke, Interviews, Rezensionen seiner Autobiografie <a href="http://www.keinundaber.ch/buecher_und_records/buecher/wer_bin_ich/index.html">«Wer bin ich?»</a>, wo man hinschaut. Wer alle und jeden kennt, muss nicht betteln um besondere Aufmerksamkeit. Will er etwas zur Medienbranche loswerden, steht sein Hausmedium <a href="http://www.persoenlich.com/">Persoenlich.com</a> jederzeit bereit. Will er sonst was einbringen, so besitzt er immerhin zwei Radios und führt mehrere Talksendungen. Und sonst schreibt er eben mal wieder ein Buch. Um es zu präzisieren: Er hat die volle Medienmacht, was die Entfaltung seiner eigenen Person angeht. Im Teich der Schweizer Medien bleibt er ein kleiner, unberechenbarer, angriffiger Fisch, von den grösseren Tieren gefürchtet, aber auch gönnerhaft ignoriert.</p>
<h3>Baden im Ganges</h3>
<p>Das Buch hätte «ein strenges Lektorat benötigt», <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/buecher/Er-ist-sich-selbst-der-Beste/story/27065589">moniert der Tages-Anzeiger</a>, und ja, einige Passagen hätten eleganter formuliert werden können. Doch so ist es dem Gesprochenen näher, und das passt perfekt zur Autobiografie von Roger Schawinski. «Die Leidenschaft bei ihm ist immer gross oder ganz gross», stellt ein davon völlig ermüdeter Jean-Martin Büttner fest. Und natürlich hat er recht: Schawinskis Leben ist einfach glamourös! Seine allererste Liebesnacht verbringt er im Hilton in Istanbul. Seinen ersten richtigen Artikel schreibt er über Hippies («Die blaue Blume von San Francisco» in der Weltwoche). Seine Matura erledigt er in wenigen Monaten, mit dem besten Notendurchschnitt aller Geprüften: 5,45. Seine Doktorarbeit über die Auswirkungen des Tourismus auf Entwicklungsländer verfasst er mit 27, als «einer der ersten Ökonomen, der sich ernsthaft mit dieser Problematik zu befassen schien». Für Jimmy Cliff besorgt er Gras im Autonomen Jugendzentrum AJZ. Und wenn er am Ufer eines weltbekannten Flusses steht, macht er nicht wie andere ein Foto und geht wieder. Sondern er steigt hinein: «Ich wagte sogar das rituelle Untertauchen im völlig verschmutzten Ganges, obwohl dies aus hygienischer Sicht natürlich grober Unfug war.»</p>
<p><iframe width="460" height="345" src="//www.youtube.com/embed/J3odyso0ivU?rel=0" frameborder="0" allowfullscreen></iframe><br />
<small>Harald Schmidt liest Roger Schawinski (<a href="https://www.youtube.com/watch?v=J3odyso0ivU">Video auf YouTube</a>)</small></p>
<p>Mit den Erlebnissen des quirligen Reporters Roger könnte man mindestens so viele Bücher füllen wie mit jenen des Reporters <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tim_und_Struppi">Tintin</a>. Der ewig junge und ewig neugierige Roger ist zwar nicht im Kongo und nicht in Tibet, aber in Amerika und fast überall sonst. Bricht in Grenada eine Revolution aus, ist Roger vor Ort &#8211; so wie er auch den Summer of Love in San Francisco miterlebt. Die Story, wie Schawinski mit einem Piratensender von Italien aus das Radiomonopol der SRG stürzt, hätte Hergé nicht besser erfinden können. Die Zeit bei Radio24 hat Schawinski, um es vorsichtig auszudrücken, positiv in Erinnerung:</p>
<blockquote><p>Alles, was wir erdachten, war neu, spannend und manches sogar sensationell.</p></blockquote>
<p>Auf dem Cover strahlt Schawinski sein durchschlagendes Gewinnerlächeln; es ist nicht verzagt, nicht überheblich, nicht verängstigend, sondern vielmehr stark und sicher. Das englische «firm» trifft es wohl am besten (fest, kräftig, stabil, beständig, haltbar, hart, knackig, kompakt, standfest, schlägt der Übersetzer vor). Überhaupt verkörpert Schawinski alle Eigenschaften des US-amerikanischen Lebensstils (siehe dazu auch die lesenswerte Rezension von <a href="http://www.watson.ch/!859023666">Simone Meier auf watson.ch</a>) Oder kennt jemand einen, der den <em>pursuit of happiness</em> gewissenhafter verfolgt? Schawinski glaubt an sich und seine Leistungen, will es immer bis ganz nach oben schaffen, verteidigt im Zweifel die Freiheit und hilft ganz selbstverständlich jenen, die nicht so «lucky» sind wie er. So hat er das landwirtschaftliche Gymnasium Liceo Agricola Radio 24 in Valdivia (Chile) gegründet und finanziert, wo «bisher weit über 2000 Schüler aus den unteren sozialen Schichten ausgebildet» wurden.</p>
<h3>Sieben Täfelchen Schokolade</h3>
<p>Rein finanziell hat sein Leben nicht besonders «lucky» begonnen, viele Erlebnisse seiner Jugend klingen nicht anders wie die von armen Einwandererfamilien überall. Auch heute noch trifft man sich in diesen Familien am Samstag, freut sich masslos über einen neuen Teppich, den man sich beim Rauchen abgespart hat und kauft am Kiosk eine Schokolade, um sie gerecht innerhalb der Familie aufzuteilen, «sodass jeder seine sieben Täfelchen erhielt» (Seite 21). Wie die Schawinskis damals hat auch eine syrische, irakische oder afghanische Familie in der Schweiz heute eine im Wohnzimmer schlafende Grossmutter und einen 22-jährigen Sohn, der in einer Krisensituation aktiv mithelfen möchte: Vor dem Sechs-Tage-Krieg 1967 will Schawinski spontan nach Israel fahren und kommt immerhin bis nach Paris. «Ich musste sofort aktiv werden, wenn ich meine Selbstachtung bewahren wollte.»</p>
<p>Was einem gelingen kann, der seinen Fähigkeiten und seinem Glück fast grenzenlos traut, hat Schawinski eindrücklich bewiesen. Als Oppositioneller aus bescheidenen Verhältnissen hat er die Medien dieses Landes in den letzten 40 Jahren so stark bewegt wie Christoph Blocher die Politik. Für Blocher findet er auch warme Worte, privat sei der nämlich «differenziert, gut informiert, witzig und angenehm». Warum er die Politik seiner SVP ablehnt, steht im Buch.</p>
<blockquote><p>Toleranz fehlt vielfach bei jenen Menschen, die sich nicht vorstellen können, dass sie aufgrund von unerwarteten Ereignissen auch einmal in die Position des Schwächeren geraten können.</p></blockquote>
<p>Wer den beiden wettbewerbsorientierten Männern etwas entgegensetzen will, musste sich schon immer gewaltig anstrengen, und muss es heute noch. Schön zu lesen sind darum die Seitenhiebe auf Weggefährten, so auf jene, die heroisch gegen den Kommerz redeten, nur um etwas später selbst reich zu werden mit kommerziellen Aktivitäten. Und auf die Bürokraten und die Konservativen, deren Lebensleistung daraus besteht, Projekte und Entwicklungen verhindert und verzögert zu haben. Den «Gegenspielern» ist ein ganzes Kapitel gewidmet, und weil das nicht ausreicht, um die vielen Menschen aufzulisten, mit denen Schawinski im Streit war, gibt es mit «Weitere Gegenspieler» gleich noch ein zweites. Subjektiv rekapituliert werden Gegner von Niklaus Meienberg bis Armin Walpen &#8211; besonders unterhaltsam sind die fast vier Seiten über Frank A. Meyer. Bei einigen ist Schawinski gar nicht mehr so richtig klar, warum genau er sie bis aufs Blut bekämpft hat oder warum sie mit ihm gebrochen haben (bei Markus Gilli aus Sicht Schawinskis: «als Folge eines nichtigen Zwischenfalls»). Was bei anderen teilweise tiefe Wunden zu hinterlassen haben scheint &#8211; Schawinski hat&#8217;s vergessen, verdrängt oder entschieden, nach vorne zu blicken.</p>
<p><iframe src='https://www.srf.ch/player/tv/giacobbo--mueller-vom-09-11-2008/videoembed/vis-a-vis-mit-roger-schawinski?id=406ea5ea-75c2-4e7f-847e-5c10cd412557&#038;mode=embed' width='460' height='259' frameborder='0' name='Giacobbo / Müller vom 09.11.2008'></iframe><br />
<small>«Giacobbo/Müller» 2008 mit einem fiktiven Gespräch zwischen Frank A. Meyer und Roger Schawinski (<a href="http://www.srf.ch/player/tv/giacobbo--mueller/video/vis-a-vis-mit-roger-schawinski?id=406ea5ea-75c2-4e7f-847e-5c10cd412557">Video auf srf.ch</a>)</small></p>
<p>Zu Schawinskis grossen bekannten Stärken zählen Mut, Intelligenz, Tempo, Charme und Intuition. Eher unbeachtet dagegen bleibt seine ausgeprägte Sensibilität, die sich im Positiven durch Einfühlungsvermögen und grosse Gefühle äussert (im Buch fliessen sehr viele Tränen, meistens bei Schawinski selbst), und im Negativen durch Mimosenhaftigkeit und Empfindlichkeit. Man möchte ihm zurufen: Roger, jetzt nimm doch nicht immer alles so persönlich! Doch hätte er seinen Weg gemacht, wenn er den Ereignissen gegenüber gleichgültig geblieben wäre? Nein. Es ist mutig von Schawinski, seine Gefühle in einer Autobiografie offenzulegen, eine weitere Pioniertat in dieser Branche der distanzierten Eitelkeit. In der man auf öffentlich gemachte Kritik vornehmlich mit grosser persönlicher Betroffenheit reagiert. Und dann öffentlich behauptet, sie gar nicht wahrgenommen zu haben.</p>
<h3>Number One</h3>
<p>In Sachen konfrontative 1:1-Interviews kann dem gerne unbequem und unangenehm auftretenden Schawinski keiner das Wasser reichen, auch im deutschsprachigen Ausland kommen einem höchstens die Frühversionen von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_K%C3%BCppersbusch_%28Journalist%29">Friedrich Küppersbusch</a> oder <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Michel_Friedman">Michel Friedman</a> in den Sinn. Er hat den Mut, den jeder Journalist in sich tragen oder wenigstens anstreben sollte: nämlich unerbittlich ehrlich zu sein, zuerst gegen sich selbst, und dann gegen alle anderen. Allzu ehrliche Menschen sind generell eher unbeliebt, weshalb jene, die verehrt werden möchten, sich gerne damit begnügen, einen rechtschaffenen Eindruck zu hinterlassen und es verstehen, im richtigen Moment zu schweigen &#8211; welches Modell das narzisstischere ist, sei dem Betrachter überlassen.</p>
<p>Die grosse, allseits bekannte Schwäche von Roger Schawinski ist die Eitelkeit. Sie hindert ihn manchmal daran, souverän zu sein (was ihn sympathisch macht). Und sie hindert ihn manchmal daran, zuzuhören (was die Qualität beeinträchtigt). Viktor Giacobbo schreibt im Kapitel «Die Sicht von Aussen»:</p>
<blockquote><p>Das ist er: Brillante Number One auf allen Ebenen, aber beim Zuhören höchstens auf Platz vierezwänzg.</p></blockquote>
<p>Schawinski geht pickelhart immer auf das Persönlichste, seine Standard-Eröffnungsfrage «Wer sind Sie?» ist das Programm seiner Fragetechnik. Das Erstaunliche dabei ist das auseinanderdriftende Selbst- und Fremdbild: Während er keine Hemmungen hat, alles herauszukitzeln, was ein anderer verbergen möchte und andere munter bewertet, einstuft und kritisiert, so ist er geradezu empört, wenn das jemand bei ihm tut oder versucht. Es fällt ihm  offensichtlich ausgesprochen schwer, Fremdbilder von sich zu akzeptieren. Sein Selbstbild dagegen ist bis auf wenige temporäre persönliche Krisen intakt und geschlossen. Der staunenden Öffentlichkeit wird es gerne und bei jeder Gelegenheit vorgeführt, die Publikation einer Autobiografie konnte deshalb kaum jemanden überraschen. Keith Richards hat doch auch eine geschrieben.</p>
<h3>Fulltime-Job Schawinski</h3>
<p>Roger Köppel erklärte kürzlich in einer Homestory der «Schweizer Illustrierten» lachend, er sei «schon mehr als froh», dass es seine Frau «überhaupt mit ihm, dem Egozentriker, aushalte». Und was macht die Frau von Roger Schawinski, <a href="http://bazonline.ch/leben/gesellschaft/Ich-glaube-ich-war-extrem-offen-und-ehrlich-/story/17084326">gemäss Roger Schawinski</a>? «Sie verfolgt seit Jahren das ganze Leben von Roger Schawinski zu Hause, sie verfolgt die TV-Sendungen, die Radio-Sendungen, die Kolumnen. Das ist für sie beinahe ein Fulltime-Job, erklärt sie mir immer.» Dass die beiden mit dem grossen Sendungsbewusstsein wöchentlich bei «Roger vs. Roger» gegeneinander antreten, ist nicht verwunderlich. Mit verbissenem Eifer kämpfen sie mit dem ebenbürtigen Gegner um Sendezeit, um Argumente, um Meinungsführerschaft &#8211; und ein bisschen ist es natürlich auch Sparring-Training, für die wirklich wichtigen öffentlichen Diskussionen.</p>
<p>Schawinski wird einen unsouveränen Umgang mit Fremdbildern mit Sicherheit bestreiten und behaupten, dass es ihm um nichts mehr als die Fakten geht. Klar. Die Welt aus der Sicht von Schawinski sieht nun mal ganz anders aus. Wer kritisch über ihn schreibt, kann nach Angaben vieler Journalisten die Uhr stellen, denn etwa um 7:30 Uhr morgens (Zeitungsartikel) oder nach Eintreffen des Google Alerts ruft ein aufgebrachter Roger Schawinski an, der sofortige Richtigstellungen liefert und fordert. Mich hat er noch nie angerufen, was daran liegen könnte, dass ich noch nie besonders kritisch über ihn geschrieben habe. Aber muss ich das denn? Es kritisieren ihn doch schon so viele andere. Meistens solche, die selbst die Welt kaum je mit etwas Eigenem oder Neuem bereichert haben. Eine Schweizer Medienlandschaft ohne den Einfluss von Schawinski möchte man sich gar nicht vorstellen; sie wäre steif, rückständig, obrigkeitshörig, grau, verstaubt, vielleicht ein bisschen so wie in Österreich.</p>
<p><iframe src='https://www.srf.ch/player/tv/giacobbo--mueller-vom-06-02-2011/videoembed/schawinski-bei-sf?id=64d83d5d-0288-4a75-a3f1-cced4c7d1e8a&#038;mode=embed' width='460' height='259' frameborder='0' name='Giacobbo / Müller vom 06.02.2011'></iframe><br />
<small>«Giacobbo/Müller» vor dem Start von «Schawinski» 2011 (<a href="http://www.srf.ch/player/tv/giacobbo--mueller/video/schawinski-bei-sf?id=64d83d5d-0288-4a75-a3f1-cced4c7d1e8a">Video auf srf.ch</a>)</small></p>
<p>Ein Wirtschaftsverband wie Economiesuisse sollte, statt mit Millionen von Franken Abstimmungen zu beeinflussen, das Geld besser investieren in die Frage, wie Unternehmer wie Schawinski entstehen können. Immerhin hat Schawinski locker bewiesen, dass einiges, vom dem der Staat behauptet hat, ausschliesslich dafür zuständig sein zu können, auch von der Privatwirtschaft erledigt werden kann. Erstaunlich viele der aktuellen Aushängeschilder des Schweizer Fernsehens wurden von ihm entdeckt und gefördert, hinzu kommen aktive Chefredaktoren wie Markus Gilli, Matthias Ackeret oder Peter Röthlisberger (<a href="https://medienwoche.ch/2011/12/15/und-wo-sollen-die-alle-arbeiten/">hier eine Auflistung</a>).</p>
<p>Wo sind die Schawinskis von heute? Wer ist ihr Mentor? Wer gibt ihnen Geld, Macht, Führungspositionen? Auf Seite 242 steht:</p>
<blockquote><p>Jedes meiner Projekte zog eine ganz bestimmte Gruppe von Leuten an, die das Abenteuer suchten. Es waren junge Menschen, die bei einem vielversprechenden neuen Medium unbedingt von Anfang an dabei sein wollten.</p></blockquote>
<p><a href="http://www.watson.ch/">Watson</a> könnte so ein Projekt sein. Nicht wenige talentierte Journalisten haben dafür ihren vermeintlich sicheren Job aufgegeben, denn der Raum für Neues innerhalb der etablierten Medienmarken ist eng. Der stetige Abbau klassisch journalistischer Stellen hat zu erstarrten Führungspositionen geführt, zu einer Riege von Mittelalten und Alten, die nicht bereit sind, Macht abzugeben. Oder kennt jemand einen, der mit 26 SRF-Reportagen aus Argentinien und Chile machen darf, mit 28 ein TV-Magazin gründen darf («Kassensturz») und mit 31 eine von Gottlieb Duttweiler gegründete Zeitung neu lancieren darf («Tat»)? Eben. Schawinski durfte.</p>
<h3>Was wird der nächste «Turning Point»?</h3>
<p>Lesenswert sind vor allem Anfang und Schluss des Buchs, hinein gehört aber natürlich auch die genaue Auflistung der vielen in diesem Leben durchgeführten Projekte. Im letzten Kapitel («Und nun?») wird es nochmals richtig persönlich. «Ich glaube an die grosse Liebe» und «Ich denke oft an die Menschen, die ich vermisse» schreibt er da, und stellt fest, dass sich sein Leben bisher alle sieben Jahre geändert habe. Und er fragt, neugierig wie ein junger Hund, welcher «turning point» ihm nun mit 70 als nächstes bevorstehe.</p>
<p>Wie wär&#8217;s mit dem Abenteuer Internet, Roger Schawinski? Viel mehr als mit Radio1 ist dort auch nicht zu verlieren.</p>
<p><small>&#8211; Roger Schawinski: Wer bin ich? Kein &#038; Aber, 415 Seiten, Fr. 39.90<br />
&#8211; <a href="https://medienwoche.ch/2012/09/03/ich-habe-so-viel-mehr-erreicht-als-ich-mir-jemals-vorgestellt-habe/">MEDIENWOCHE-Interview</a> mit Roger Schawinski von 2012</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/03/13/der-erste-beste-eitelste/">Der Erste, Beste, Eitelste</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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