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	<title>Boris Johnson | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Tue, 18 Jan 2022 08:18:46 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Will Boris Johnson die BBC kaputtsparen?</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2022/01/18/will-boris-johnson-die-bbc-kaputtsparen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Jan 2022 08:18:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[BBC]]></category>
		<category><![CDATA[Boris Johnson]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die BBC bangt um ihre Zukunft. Denn die Regierung Johnson hat angekündigt, die Gebührenfinanzierung für den öffentlich-rechtlichen Sender für zwei Jahre einzufrieren und längerfristig sogar abzuschaffen.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die BBC bangt um ihre Zukunft. Denn die Regierung Johnson hat angekündigt, die Gebührenfinanzierung für den öffentlich-rechtlichen Sender für zwei Jahre einzufrieren und längerfristig sogar abzuschaffen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2022/01/18/will-boris-johnson-die-bbc-kaputtsparen/">Will Boris Johnson die BBC kaputtsparen?</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Welche Entwicklung nimmt die BBC unter ihrer neuen Führung?</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2020/11/07/welche-entwicklung-nimmt-die-bbc-unter-ihrer-neuen-fuehrung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 07 Nov 2020 10:06:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[BBC]]></category>
		<category><![CDATA[Boris Johnson]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der britische Premierminister Boris Johnson will Paul Dacre, den früheren Chefredakteur der konservativen Tageszeitung «Daily Mail», zum Vorsitzenden der Medienaufsichtsbehörde Ofcom berufen lassen und Charles Moore, ein ehemaliger Chefredakteur der ebenfalls konservativen Zeitung «Daily Telegraph», soll neuer Vorsitzender der BBC werden.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Der britische Premierminister Boris Johnson will Paul Dacre, den früheren Chefredakteur der konservativen Tageszeitung «Daily Mail», zum Vorsitzenden der Medienaufsichtsbehörde Ofcom berufen lassen und Charles Moore, ein ehemaliger Chefredakteur der ebenfalls konservativen Zeitung «Daily Telegraph», soll neuer Vorsitzender der BBC werden. </p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/11/07/welche-entwicklung-nimmt-die-bbc-unter-ihrer-neuen-fuehrung/">Welche Entwicklung nimmt die BBC unter ihrer neuen Führung?</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<item>
		<title>Druck von allen Seiten auf die britische BBC</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2020/03/02/druck-von-allen-seiten-auf-die-britische-bbc/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Mar 2020 09:08:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[BBC]]></category>
		<category><![CDATA[Boris Johnson]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die britische Regierung will die Einnahmen kappen – und die digitale Revolution verlangt nach massiven Umschichtungen.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die britische Regierung will die Einnahmen kappen – und die digitale Revolution verlangt nach massiven Umschichtungen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/03/02/druck-von-allen-seiten-auf-die-britische-bbc/">Druck von allen Seiten auf die britische BBC</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<item>
		<title>Little Trump? Boris Johnson greift kritische Medien an</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2020/02/18/little-trump-boris-johnson-greift-kritische-medien-an/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Feb 2020 08:29:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Grossbritannien]]></category>
		<category><![CDATA[Boris Johnson]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Manche vergleichen die Entwicklung in der Medienlandschaft Grossbritanniens bereits mit den Entwicklungen in den USA, andere sprechen nicht nur hinter vorgehaltener Hand von der «Arroganz der Macht». Seitdem der Tory Boris Johnson Premierminister in Grossbritannien ist, verändert sich die Situation für die Medien rasant.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Manche vergleichen die Entwicklung in der Medienlandschaft Grossbritanniens bereits mit den Entwicklungen in den USA, andere sprechen nicht nur hinter vorgehaltener Hand von der «Arroganz der Macht». Seitdem der Tory Boris Johnson Premierminister in Grossbritannien ist, verändert sich die Situation für die Medien rasant.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/02/18/little-trump-boris-johnson-greift-kritische-medien-an/">Little Trump? Boris Johnson greift kritische Medien an</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>BBC: Störsender unerwünscht</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2020/02/18/bbc-stoersender-unerwuenscht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Feb 2020 08:27:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Boris Johnson]]></category>
		<category><![CDATA[BBC]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Boris Johnsons Regierung beginnt, ihren Kampf gegen die BBC offen auszutragen. Sollte der Rundfunkbeitrag abgeschafft werden, geht es für die Anstalt um die Existenz.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Boris Johnsons Regierung beginnt, ihren Kampf gegen die BBC offen auszutragen. Sollte der Rundfunkbeitrag abgeschafft werden, geht es für die Anstalt um die Existenz.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/02/18/bbc-stoersender-unerwuenscht/">BBC: Störsender unerwünscht</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wirres TV-Interview als cleverer SEO-Hack: Hat Boris Johnson gezielt Google manipuliert?</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2019/08/02/wirres-tv-interview-als-cleverer-seo-hack-hat-boris-johnson-gezielt-google-manipuliert/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 02 Aug 2019 11:39:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Boris Johnson]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Liegen Boris Johnsons Talente möglicherweise eher im Online Marketing denn in der Politik? Diese Frage kann man angesichts der Theorie, die aktuell in der SEO-Szene und darüber hinaus diskutiert wird, durchaus stellen. Dem neuen britischen Premierminister soll es erfolgreich gelungen sein, die Ergebnisse von Googles Suchmaschine gezielt in seinem Sinne zu beeinflussen.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/08/02/wirres-tv-interview-als-cleverer-seo-hack-hat-boris-johnson-gezielt-google-manipuliert/">Wirres TV-Interview als cleverer SEO-Hack: Hat Boris Johnson gezielt Google manipuliert?</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Liegen Boris Johnsons Talente möglicherweise eher im Online Marketing denn in der Politik? Diese Frage kann man angesichts der Theorie, die aktuell in der SEO-Szene und darüber hinaus diskutiert wird, durchaus stellen. Dem neuen britischen Premierminister soll es erfolgreich gelungen sein, die Ergebnisse von Googles Suchmaschine gezielt in seinem Sinne zu beeinflussen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/08/02/wirres-tv-interview-als-cleverer-seo-hack-hat-boris-johnson-gezielt-google-manipuliert/">Wirres TV-Interview als cleverer SEO-Hack: Hat Boris Johnson gezielt Google manipuliert?</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Boris Johnson: Der ehemalige Journalist als Meister der Medienmanipulation</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2019/07/09/boris-johnson-der-ehemalige-journalist-als-meister-der-medienmanipulation/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2019/07/09/boris-johnson-der-ehemalige-journalist-als-meister-der-medienmanipulation/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Peter Stäuber]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 09 Jul 2019 13:15:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Grossbritannien]]></category>
		<category><![CDATA[Boris Johnson]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der neue britische Premier heisst auch darum Boris Johnson, weil es der ehemalige Journalist aufs Vortrefflichste versteht, die Wahrnehmung der Öffentlichkeit zu lenken. Seine Zugehörigkeit zur akademisch geprägten Elite Grossbritanniens öffnet ihm den Zugang zu Medien und Macht. Boris Johnson ist ein Meister der «toten Katze». So nennt man im britischen Medienjargon ein plumpes Ablenkungsmanöver: <a href="https://medienwoche.ch/2019/07/09/boris-johnson-der-ehemalige-journalist-als-meister-der-medienmanipulation/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/07/09/boris-johnson-der-ehemalige-journalist-als-meister-der-medienmanipulation/">Boris Johnson: Der ehemalige Journalist als Meister der Medienmanipulation</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der neue britische Premier heisst auch darum Boris Johnson, weil es der ehemalige Journalist aufs Vortrefflichste versteht, die Wahrnehmung der Öffentlichkeit zu lenken. Seine Zugehörigkeit zur akademisch geprägten Elite Grossbritanniens öffnet ihm den Zugang zu Medien und Macht.</strong><br />
<img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-full wp-image-70850 alignnone" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/07/MW-Boris-Johnson-Brexit_20190709.jpg" alt="" width="1456" height="976" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/07/MW-Boris-Johnson-Brexit_20190709.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/07/MW-Boris-Johnson-Brexit_20190709-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/07/MW-Boris-Johnson-Brexit_20190709-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/07/MW-Boris-Johnson-Brexit_20190709-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/07/MW-Boris-Johnson-Brexit_20190709-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
Boris Johnson ist ein Meister der «toten Katze». So nennt man im britischen Medienjargon <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Dead_cat_strategy" target="_blank" rel="noopener">ein plumpes Ablenkungsmanöver</a>: Ein Politiker, dem die Berichterstattung über ein heikles oder schwieriges Thema zu schaffen macht, sagt etwas derart Kurioses oder Unverschämtes, dass die Medien über nichts anderes mehr sprechen können – wie eine tote Katze, die während des Abendessens mitten auf den Tisch geschmissen wird.</p>
<p>Diese Strategie machte sich Johnson kürzlich zunutze, als seine Kampagne für den Tory-Parteivorsitz ins Schleudern kam. Ein lauter Streit mit seiner Freundin dominierte die Schlagzeilen, der Kandidat geriet in Erklärungsnot und trat in Interviews defensiv und ausweichend auf – der künftige Regierungschef machte keine gute Figur.</p>
<p>Kurz darauf kauten die Medien jedoch auf einem ganz anderen Thema herum, einem, das für Johnson weit weniger verfänglich ist: Er hatte in einem Fernsehinterview erzählt, dass er gern aus alten Weinkisten Modelle von Autobussen bastelt, mitsamt gemalten Passagieren – «fröhlichen Passagieren», wie Johnson betonte. Von den verschiedenen Theorien, weshalb Johnson sich zu dieser bizarren – und wohl frei erfundenen – Offenbarung entschied, <a href="https://boingboing.net/2019/07/02/battle-bus-googlewhack.html" target="_blank" rel="noopener">überzeugt jene der toten Katze am meisten</a>, zumal Johnson vor einigen Jahren <a href="https://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/europe/eu/9906445/This-cap-on-bankers-bonuses-is-like-a-dead-cat-pure-distraction.html" target="_blank" rel="noopener">selbst auf die Effektivität dieses Manövers verwiesen hat</a>.</p>
<blockquote><p>Skandale und verbale Ausrutscher, die anderen Politikern das Karriereende besiegeln würden, werden Johnson kaum je zu einer wirklichen Gefahr.</p></blockquote>
<p>Tatsächlich ergibt die Google-Suche nach den Worten «Boris Johnson» und «Bus» jetzt nicht mehr nur Treffer zum <a href="https://www.tagesschau.de/faktenfinder/ausland/brexit-vote-leave-campaign-101.html" target="_blank" rel="noopener">problematischen Brexit-Bus</a>, auf den die «Leave»-Kampagne vor drei Jahren das nachweislich falsche Versprechen einer saftigen Geldspritze gedruckt hatte – heute enthalten die Suchresultate ebenso viele Einträge zu Johnsons angeblichem Hobby.</p>
<p>Johnson versteht die geschickte Manipulation der Medien ausgezeichnet. Das erklärt ein Stück weit, dass Skandale und verbale Ausrutscher, die anderen Politikern das Karriereende besiegeln würden, ihm kaum je zu einer wirklichen Gefahr werden können. Aber um zu verstehen, weshalb dieser Mann, der weder besonders sympathisch ist noch als Politiker viel geleistet hat, mit grosser Wahrscheinlichkeit zum nächsten Premierminister gewählt wird, muss man den Blick ausweiten, und zwar auf die Beziehung zwischen Johnson und dem Medien-Establishment.</p>
<p></p>
<p>Zunächst einmal ist der ehemalige Aussenminister aussergewöhnlich gut vernetzt: Er begann in den späten 1980er-Jahren als Brüssel-Korrespondent des «Daily Telegraph». Dort machte er vor allem mit hanebüchenen Räuberpistolen über die angeblichen Exzesse der EU-Bürokratie auf sich aufmerksam. Eine seiner Glossen hatte die Überschrift «Brüssel rekrutiert Schnüffler, um sicherzustellen, dass EU-Dünger gleich riechen». Heute schreibt er im rechtskonservativen Blatt eine wöchentliche Kolumne und hat so reichlich Platz, seine Ansichten unter die Leute zu bringen; dafür steckt er übrigens jährlich 275‘000 Pfund ein, oder umgerechnet <a href="https://www.theguardian.com/politics/2018/oct/03/daily-telegraph-rehires-boris-johnson-on-275000-salary" target="_blank" rel="noopener">annähernd sechs Franken pro Wort</a>. Auch zum «Spectator», einem konservativen Wochenmagazin, als dessen Chefredakteur er von 1999 bis 2005 agierte, pflegt Johnson gute Beziehungen. Und schliesslich baute er sich als regelmässiger Gast in der BBC-Sendung «Have I Got News For You» ein öffentliches Profil auf.</p>
<blockquote><p>«Wenn Boris Johnson den Raum betritt, ordnen sich die Moleküle neu, um Platz zu machen für die rohe Kraft der Persönlichkeit.»<br />
<small>Johnson-Fan-Prosa im «Telegraph»</small></p></blockquote>
<p>Dazu kommt die Tatsache, dass der Grossteil der britischen Medien stramm rechts ist – und denen passt Johnsons politische Linie ganz gut. So hat der «Telegraph» zu Beginn des Wahlkampfs einen Artikel publiziert, der <a href="https://www.telegraph.co.uk/women/politics/tories-would-mad-not-choose-boris-leader-no-one-else-comes/" target="_blank" rel="noopener">eine geradezu peinliche Anhimmelung</a> zum Ausdruck bringt: «Wenn Boris Johnson den Raum betritt, ordnen sich die Moleküle neu, um Platz zu machen für die rohe Kraft der Persönlichkeit», liest man darin etwa. Der Londoner «Evening Standard», der Johnson bereits während seiner zwei Kandidaturen fürs Londoner Bürgermeisteramt unterstützte, hält ihm auch jetzt die Stange.</p>
<p>«Diese Unterstützung von Teilen der britischen Presse ist der grösste Unterschied zwischen Johnson und jemandem wie Jeremy Corbyn», sagt Tom Mills, Dozent für Soziologie an der Aston University und Autor eines Buches über die BBC. «Der Labour-Chef liegt jenseits des Spektrums, das die meisten britischen Medien für akzeptabel halten. Demgegenüber vertritt Johnson eine Politik, mit der ein Grossteil der Presse leben kann. Zwar verletzt Johnson gewisse liberale Normen, aber er tut dies mit einer überlegten Selbstdarstellung als tollpatschiger Engländer.»</p>
<blockquote><p>Eine vermeintlich improvisierte Festrede, mit der Johnson den Saal zum Toben brachte, war aufs Genauste eingeübt.</p></blockquote>
<p>«Boris», wie er in der Presse meist genannt wird, gibt den ungeschickten Entertainer: selbstironisch, umgänglich und stets etwas überfordert – eine Rolle, die er sorgfältig einstudiert hat. <a href="https://www.buzzfeed.com/albertonardelli/boris-johnson-uk-prime-minister-donald-trump" target="_blank" rel="noopener">Ehemalige Helfer berichten</a> etwa, wie er sich vor jedem Auftritt vor der Presse sein Haar zerzaust; und der BBC-Journalist <a href="https://reaction.life/jeremy-vine-my-boris-story/" target="_blank" rel="noopener">Jeremy Vine hat festgestellt</a>, dass eine vermeintlich improvisierte Festrede, mit der Johnson den Saal zum Toben brachte, aufs Genauste eingeübt war. Aber die Darbietung überzeugt viele, und so wird ihm manches verziehen, weil es zu Johnsons Rollenspiel passt. Rassistische und sexistische Aussagen, dreiste Falschaussagen oder schlichte Ignoranz, die anderen Politikern zum Verhängnis würden, werden bei Johnson mit einem müden Lächeln hingenommen: Da hat er es wieder getan, der freche Lümmel.</p>
<p>Aber – und dies ist der entscheidende Punkt – das funktioniert nur, weil Johnson dank seiner Herkunft eine breite Akzeptanz unter der Elite geniesst. Er stammt aus der oberen Mittelschicht – sein Vater war Ökonom, seine Mutter Künstlerin – und ist über die gleichen Stationen in die Politik gekommen wie ein Grossteil des Establishments: Teure Privatschule, dann Oxford. «Er hat denselben Hintergrund wie die führenden Leute in der Politik und in den Medien», sagt Mills. «Diese Leute sind sich vielleicht nicht in allen politischen Fragen einig, aber in Bezug auf ihre Ausbildung gibt es viele Übereinstimmungen. Besonders gilt das für die Führungspositionen bei der BBC und der seriösen Presse.»</p>
<p>Die Stiftung Sutton Trust hat kürzlich <a href="https://www.suttontrust.com/wp-content/uploads/2019/06/Elitist-Britain-2019.pdf" target="_blank" rel="noopener">eine Studie publiziert</a>, die zeigt, wie dominant privilegierte Britinnen und Briten in verschiedenen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Bereichen sind. Zusammen mit der Politik und den Staatsbediensteten zählt der Mediensektor zu den exklusivsten Sektoren. Unter den Zeitungskolumnisten beispielsweise, die die nationale Konversation entscheidend beeinflussen, sind 44 Prozent auf eine Privatschule gegangen, 33 Prozent haben die Universitäten Oxford oder Cambridge besucht. Wenn man bedenkt, dass nur 7 Prozent der Bevölkerung solche Schulen absolvieren, und gerade mal 1 Prozent in Oxford oder Cambridge abschliessen, wird das arge Missverhältnis deutlich. Ähnlich sieht es aus bei der Ausbildung von Chefredaktoren und Programmleiterinnen bei Rundfunkanstalten.</p>
<blockquote><p>Er strahlt jene «mühelose Überlegenheit» aus, die man an den britischen Eliteschulen lernt.</p></blockquote>
<p>Die Gemeinsamkeiten in punkto sozialer Herkunft und Ausbildung haben zur Folge, dass jemand wie Johnson in den oberen Etagen der einschlägigen Medien mit viel mehr Respekt behandelt wird, als angesichts seiner persönlichen und politischen Defizite gerechtfertigt wäre. «Es heisst nicht, dass sie ihn mögen, aber sie teilen die Annahme, dass er die Art von Person ist, die die Fäden in der Hand haben soll», sagt Mills. Er strahle jene «mühelose Überlegenheit» aus, <a href="https://www.lrb.co.uk/v41/n13/james-wood/diary" target="_blank" rel="noopener">die man an den britischen Eliteschulen lernt</a> – und die meinungsbildenden Medien finden das gut so.</p>
<p>Im vergangenen Sommer beispielsweise löste Johnson Entrüstung aus, als er muslimische Kopftuchträgerinnen mit Bankräubern und Briefkästen verglich; daraufhin standen Reporter stundenlang vor seinem Haus, um ihm eine Aussage abzugewinnen. Als Johnson vor die Tür trat, hatte er jedoch nichts zu sagen zu seiner xenophoben Provokation, offerierte aber den Journalisten höflich Tee, was diese ihm mit freundlichem Gelächter dankten. «Wenn man schon keine Fragen beantwortet, dann ist dies die stilvolle Art, es zu tun», <a href="https://twitter.com/carldinnen/status/1028703512291692545?lang=en" target="_blank" rel="noopener">twitterte der Korrespondent von ITV</a>. Es gibt wenige Politiker, die ihren Kopf auf diese Weise aus der Schlinge ziehen könnten. «Wenn Corbyn versuchen würde, schwierigen Fragen aus dem Weg zu gehen, indem er eine Tasse Tee anbietet, würden sich Journalisten kaum entwaffnen lassen», sagt Mills.</p>
<p>Interessant ist in diesem Zusammenhang <a href="https://www.youtube.com/watch?v=ZAxA-9D4X3o" target="_blank" rel="noopener">ein BBC-Interview</a>, das der schottische Journalist Eddie Mair vor einigen Jahren mit Johnson führte. Schon während der Vorstellung seines Gesprächspartners, als Johnson im Hintergrund irgendetwas murmelt, weist Mair ihn schroff zurecht: «Hören Sie auf, mich zu unterbrechen!» Das Interview geht in dem Tonfall weiter: Der Journalist fragt offensiv, hakt stets nach und lässt sich von Johnsons Ausweichversuchen nicht beeindrucken. Bezeichnenderweise ist Mair kein Absolvent einer teuren Privatschule oder Eliteuni – vielleicht ist ein solcher Aussenseiter nötig, um Politiker wie Johnson dem erforderlichen prüfenden Blick zu unterziehen.</p>
<p>Ob die Medien Johnson verstärkt zur Rechenschaft ziehen, wenn er erst einmal in 10 Downing Street sitzt, bezweifelt Mills: «Eher das Gegenteil. Die BBC beispielsweise behandelt mächtige Leute sehr respektvoll – das haben wir bei Theresa May gesehen, der schlechtesten Premierministerin seit hundert Jahren. Möglich, dass die Medien einem Premierminister Johnson mit noch mehr Respekt begegnen als dem Kandidaten.»</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/07/09/boris-johnson-der-ehemalige-journalist-als-meister-der-medienmanipulation/">Boris Johnson: Der ehemalige Journalist als Meister der Medienmanipulation</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Direkter Weg vom Brüssel-Bashing zum Brexit</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/06/27/der-direkte-weg-vom-bruessel-bashing-zum-brexit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Adrian Lobe]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Jun 2016 11:10:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Guardian]]></category>
		<category><![CDATA[England]]></category>
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		<category><![CDATA[Brexit]]></category>
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		<category><![CDATA[Michael Gove]]></category>
		<category><![CDATA[Presse]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Boris Johnson hat erfolgreich einen Feldzug gegen ein Zerrbild der EU geführt, das er als Brüssel-Korrespondent des «Daily Telegraph» selbst schuf. Es könnte sich als Pyrrhussieg erweisen: Der Brexit hat einen Flurschaden in der Presselandschaft hinterlassen. In den Tagen nach dem Entscheid der Briten, die EU zu verlassen, konnte man den Eindruck gewinnen, das Land <a href="https://medienwoche.ch/2016/06/27/der-direkte-weg-vom-bruessel-bashing-zum-brexit/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Boris Johnson hat erfolgreich einen Feldzug gegen ein Zerrbild der EU geführt, das er als Brüssel-Korrespondent des «Daily Telegraph» selbst schuf. Es könnte sich als Pyrrhussieg erweisen: Der Brexit hat einen Flurschaden in der Presselandschaft hinterlassen.<br />
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In den Tagen nach dem Entscheid der Briten, die EU zu verlassen, konnte man den Eindruck gewinnen, das Land habe das Ergebnis bereut oder zumindest die Implikationen des Entscheids nicht richtig abgeschätzt. So manchem Brexit-Befürworter überkamen Zweifel über die juristischen Modalitäten eines Austritts, mehrere hunderttausend Briten unterzeichneten eine Petition für eine erneute Volksabstimmung für einen «Breturn». Auch nach Abzug zehntausender manipulierter Stimmen dürfte <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/brexit-petition-fuer-zweites-referendum-mit-bots-manipuliert-a-1100043.html" target="_blank">die elektronische Umfrage</a> die erforderlichen 100&#8217;000 Unterzeichner erreicht haben, damit sich das Parlament dem Begehren annimmt. Und auch bei den Zeitungen, die selten wie nie zuvor polarisiert waren und eine aktive Rolle im Wahlkampf spielten, begann so etwas wie eine zaghafte Selbstreflexion.</p>
<p>Der Journalist Nick Cohen schrieb in einem bemerkenswerten <a href="https://www.theguardian.com/commentisfree/2016/jun/25/boris-johnson-michael-gove-eu-liars" target="_blank">Artikel für den «Guardian»</a> unter der Überschrift «Es gibt Lügner und dann gibt es Boris Johnson und Michael Gove»: «Die Medien verurteilen sich nicht selbst, deshalb tanze ich jetzt aus der Reihe, wenn ich sage, dass, wenn man die Herrschaft von Berufspolitikern für schlecht hält, man nur warten sollte, bis die Journalisten-Politiker kommen.» Cohen spielte auf die berufliche Karriere von Boris Johnson und Michael Gove – Johnson war unter anderen Brüssel-Korrespondent beim «Daily Telegraph» und Redakteur beim «Spectator», Gove Kolumnist der «Times» – an. «Johnson und Gove sind die schlechtesten Journalisten-Politiker, die man sich vorstellen kann: Experten, die gross wurden, indem sie das öffentliche Leben als ein Spiel behandeln. Und so spielen sie es. Sie erlangen die Aufmerksamkeit der Medien, indem sie einen grossen, dramatischen Gedanken rausbrüllen. Versagt eine Institution? Mach sie dicht! Patzt eine Person des öffentlichen Lebens? Schmeiss sie raus!» Es ist die fulminante Anklage eines Journalisten, der die eigene Zunft – zumindest zwei exponierten, ehemaligen Vertretern – im Stile eines «J’accuse» der Lüge zeiht und ihnen vorwirft, die Wähler hinters Licht geführt zu haben.</p>
<p>Nun sind die Diskussionen in Grossbritannien zwar häufig scharf, aber dennoch erstaunlich diszipliniert. Niemand würde auf die Idee kommen, die Invektive einer «Lügenpolitik» (analog zur «Lügenpresse») zu verbreiten. Und doch hat sich in der Diskursmechanik in den vergangenen Wochen etwas dergestalt verschoben, nämlich dass zu den wortgewaltigsten Wortführern der Kampagne – angefeuert vom Dauertremolo der Boulevardpresse – zwei Journalisten gehören.</p>
<p>Dass Johnson das Brüsseler Geschehen als Korrespondent des «Daily Telegraph» mehrere Jahre lang verfolgte, gereichte ihm im Leave-Lager nicht zum Nachteil, im Gegenteil, es verschaffte ihm zusätzliche Autorität. Der Eindruck war: Da sprach jemand, der weiss, was er sagt. Johnson weist einen fast bilderbuchhaften Lebenslauf vor, der selbst in den elitären Zirkeln der Tories eine Seltenheit ist: Privatschule in Eton, Altertumsstudien in Oxford, dann Karriere als Journalist und Bürgermeister von London. Johnson kultiviert das Bild des schrulligen, eloquenten Vertreters der englischen Oberklasse, der in piekfeinem Queen’s English parliert und seine Reden gerne mit einem manierierten Stottern garniert, das er sich als einen elitären Code und Habitus aus seiner Studienzeit beibehalten hat. Dass der Churchill-Biograph zu Höherem – er ist weiterhin als Premierminister im Gespräch – berufen ist, ist kein Geheimnis.</p>
<p>Doch das Bild des ehrlichen Maklers bekam Kratzer. Am Freitag vor der Abstimmung postete der Journalist Martin Fletcher einen vielbeachteten <a href="https://www.facebook.com/martin.fletcher.3998/posts/10154422902371062" target="_blank">Kommentar auf Facebook</a>, in dem er seinen alten Kollegen Johnson scharf attackierte. Fletcher wurde 1999 als Brüssel-Korrespondent der altehrwürdigen «Times» berufen, ein paar Jahre nach Johnsons Wirken. Und was Fletcher darin schreibt, war alles andere als ein Loblied: «Seit 25 Jahren hat unsere Presse die britische Öffentlichkeit mit verzerrten, lügnerischen und unerbittlich feindlichen Geschichten über die EU gefüttert. Und der Journalist, der den Ton setzte, war Boris Johnson.»</p>
<p>Bevor Johnson als Korrespondent aus Brüssel berichtete, wurde er 1988 von der «Times», wo er seine journalistische Karriere begann, wegen eines erfundenen Zitats entlassen. In Brüssel waren die Grenzen der Imagination offensichtlich weiter, weshalb die Redaktion des «Daily Telegraph» den versierten Historiker dorthin versetzte. Fletcher schreibt über seinen ehemaligen Kollegen: «Er ergriff jede Gelegenheit, sich über die EU lustig zu machen oder sie denunzieren und lieferte Artikel, die unzweifelhaft bunt, aber auch grotesk überzogen und komplett unwahr waren.» An Johnsons Bürowand, so berichtete <a href="http://www.independent.co.uk/news/uk/home-news/brussels-chuckles-as-reality-hits-mythmaker-1592828.html" target="_blank">der «Independent» 1995</a>, hing ein Zettel seines Redaktionskollegen Max Hastings, der ihn daran gemahnte, noch «bombastischer» zu schreiben.</p>
<p>Johnson soll später bekundet haben: «Alles, was ich aus Brüssel schrieb, fand ich, war eine Art Rausschmeissen von Steinen über den Gartenzaun und dabei dem unglaublichen Einschlag im Gewächshaus nebenan in England zuzuhören, denn alles, was ich aus Brüssel schrieb, hatte diesen erstaunlichen, explosiven Effekt und es gab mir wirklich dieses ziemlich verrücktes Machtgefühl.» Dieses Zitat ist entlarvend. Es zeichnet das Bild eines machtbesessenen Zündlers, eines Hasardeurs, der publizistische Bomben bastelt und sie genüsslich hochgehen sieht von seiner Brüsseler Schreibstube aus.</p>
<p>Vom Brüssel-Bashing zum Brexit ist es nicht mehr weit – es existiert eine historische Kontinuität. Ist der Geist erst aus der Flasche, ist er bekanntlich schwer wieder einzufangen. Erstaunlich ist, warum dieser pro-europäisch sozialisierte und gesinnte Intellektuelle eine solche Genugtuung an destruktiven Ideen findet. David Gardner, ein Freund und Rivale aus alten Tagen und damals Journalist bei der «Financial Times», beschrieb Johnson als «gespaltene Persönlichkeit».</p>
<p>Offensichtlich gab es auch systemische Zwänge für diese EU-feindliche Berichterstattung. Fletcher berichtet, dass auch die Ressortleiter der «Times» damals nur Artikel über «gesichtslose Brüsseler Eurokraten wollten, die Britannien absurde Regeln aufoktroyieren. (…) Es war das einzige Narrativ, woran sie interessiert waren.» Der publizistische Boden für eine Austrittskampagne war lange bestellt. Fletcher konstatiert: «Boris Johnson macht jetzt Kampagne gegen eine Cartoon-Karikatur der EU, die er selbst kreierte. Er macht Stimmung gegen eine grösstenteils fiktionale EU, die keinen Bezug zur Realität hat.»</p>
<p>Der ehemalige Londoner Bürgermeister machte mit vereinfachten Formeln Politik wie ein Boulevard-Journalist, und die Boulevardpresse machte Wahlkampf wie die Altparteien. Es zeigt sich hier ganz deutlich eine Verschmelzung von Politik und Medien, die nach einer ähnlichen Systemlogik funktionieren: dem Gesetz der maximalen Aufmerksamkeit. Dass in diesem alarmistischen Geheul die leisen Töne kein Gehör finden, versteht sich von selbst.</p>
<p>Der «Guardian»-Kolumnist Peter Preston fragte selbstkritisch: «Die Bürger haben sich über den Brexit ausgesprochen. Aber haben die Medien ihnen die Wahrheit erzählt?». Das Brexit-Votum ist nur vordergründig ein Erfolg für die Boulevardpresse und «Journalisten-Politiker». In Wirklichkeit ist es eine fatale Niederlage der Presse, die ihre Leser mit selektiven und falschen Informationen versorgte und gegen die reihenweise Beschwerden vor der Regulierungsbehörde «Independent Press Standards Organization» (vergleichbar mit dem Presserat in Deutschland) anhängig sind. Die britische Presse ist laut einer Umfrage der EU-Kommission vom September vergangenen Jahres die am schlechtesten beleumundete Presse in allen EU-Staaten: 73 Prozent aller Briten misstrauen der Presse. Die Brexit-Kampagne hat mit ihren Schmutzkampagnen nicht gerade zur Glaubwürdigkeit der Presse beigetragen.</p>
<p>Bild: <a href="https://www.flickr.com/photos/53797600@N04/6996058551" target="_blank">Flickr/Andrew Parsons (CC BY-ND 2.0)</a></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/06/27/der-direkte-weg-vom-bruessel-bashing-zum-brexit/">Direkter Weg vom Brüssel-Bashing zum Brexit</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Auf zum letzten Gefecht!</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/06/17/auf-zum-letzten-gefecht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Adrian Lobe]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Jun 2016 13:09:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Ukip]]></category>
		<category><![CDATA[BBC]]></category>
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		<category><![CDATA[Grossbritannien]]></category>
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		<category><![CDATA[The Sun]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Britische Zeitungen steigen vor der Abstimmung um den Brexit selbst in den Schützengraben. Die Medienlandschaft in Grossbritannien ist vor der Abstimmung vom nächsten Donnerstag polarisierter denn je. Remain or Leave? Bleiben oder Gehen? Diese Frage spaltet Grossbritannien. Am 23. Juni stimmen die Briten in einem Referendum über den Verbleib in der Europäischen Union ab. Nach <a href="https://medienwoche.ch/2016/06/17/auf-zum-letzten-gefecht/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Britische Zeitungen steigen vor der Abstimmung um den Brexit selbst in den Schützengraben. Die Medienlandschaft in Grossbritannien ist vor der Abstimmung vom nächsten Donnerstag polarisierter denn je.<br />
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Remain or Leave? Bleiben oder Gehen? Diese Frage spaltet Grossbritannien. Am 23. Juni stimmen die Briten in einem Referendum über den Verbleib in der Europäischen Union ab. Nach dem Mord an der Labour-Abgeordneten Jo Cox erhält der Abstimmungskampf eine andere Wendung. Der Attentäter soll nach Augenzeugen «Britain first» gerufen haben, weshalb ihm ein politisches Motiv zugeschrieben wird. Das Remain-Lager instrumentalisierte den Anschlag, um Stimmung gegen die Brexiteers zu machen, die Boulevard-Zeitung «The Daily Star» nannte den Attentäter gar einen «Brexit Gunman». Der Brexit spaltet längst nicht nur die Politik, sondern auch die Medien.</p>
<p>Während Boulevardblätter wie die «Sun» und «The Daily Express» einen Brexit befürworten, lehnen seriöse Tageszeitungen wie der «Guardian» oder die «Financial Times» den Austritt Grossbritanniens aus der EU ab. Die konservative Tageszeitung «Times» nimmt ähnlich wie die ihr nahestehenden Tories eine ambivalente Haltung zu der Frage ein. Eine <a href="http://reutersinstitute.politics.ox.ac.uk/news/study-shows-majority-press-coverage-eu-referendum-campaign-was-heavily-skewed-favour-brexit" target="_blank">Studie des Reuters Institute</a> for the Study of Journalism, die im Zeitraum zwischen Februar und April 928 Artikel überregionaler Pressetitel untersuchte, fand heraus, dass 45 Prozent der Artikel für einen Austritt waren, dagegen nur 27 Prozent für einen Verbleib. 19 Prozent der Artikel mit Bezug auf das Referendum waren «gemischt oder unentschlossen». Der vollständige Bericht wird erst im September veröffentlicht. Offensichtlich wollen die Autoren den Wahlkampf mit kritischem Material nicht weiter belasten. Die Polarisierung der britischen Medien zum Brexit-Referendum steht in scharfem Kontrast zu der Berichterstattung im Kontext des EWG-Mitgliedschaftsreferendum 1975, als fast alle Zeitungen eine proeuropäische Position vertraten.</p>
<p>Die Sun, mit knapp 1,8 Millionen gedruckten Exemplaren das auflagenstärkste Blatt des Landes, hat sich dabei zu einer Meinungsführerin der Brexit-Kampagne aufgeschwungen. In einem <a href="https://www.thesun.co.uk/news/1277920/we-urge-our-readers-to-believe-in-britain-and-vote-to-leave-the-eu-in-referendum-on-june-23/" target="_blank">Leitartikel vom 13. Juni</a> rief die grösste Boulevardzeitung Grossbritanniens seine Leser dazu auf, für einen Austritt zu stimmen. «We urge our readers to beLEAVE in Britain and vote to quit the EU on June 23.» Der Austritt – beLEAVE ist ein Wortspiel aus «leave» und «believe» – wurde zu einer Glaubensfrage stilisiert. Das populistisch-alarmistische Argument, das die Redaktion der Forderung nachschob, lautete: «Das ist unsere letzte Chance, uns aus der undemokratischen Brüsseler Maschine zurückzuziehen. Und es ist Zeit, sie zu ergreifen.» In der 43-jährigen Mitgliedschaft in der Europäischen Union habe sich der Staatenverbund als «zunehmend gierig, verschwenderisch, verleumdend und atemberaubend inkompetent in der Krise bewiesen», befindet das Blatt. Die Forderung ist daher klar: «Wir müssen uns von dem diktatorischen Brüssel befreien.» Dass der rechtsextreme Front National in Frankreich mit fast denselben Parolen Stimmung macht, wird geflissentlich ignoriert.</p>
<p>Das Boulevardblatt scheut selbst nicht davor zurück, die Queen als vermeintliche Kronzeugin («Queen backs Brexit») für ihre Propaganda zu missbrauchen. Die Monarchin sei für den Austritt, hiess es. Die Schlagzeile war frei erfunden. Der Buckingham Palast legte offiziell Beschwerde bei dem Boulevard-Blatt ein. So etwas gab es noch nie. Man fragt sich bei diesen Artikeln, ob die Politik oder die Medien Wahlkampf machen. Der Medienmogul Rupert Murdoch, der Eigentümer der «Sun», führt eine aus eigenem Machtstreben motivierte Kampagne für den Austritt. Murdoch steht der EU seit Jahren skeptisch gegenüber. Einem Journalisten soll er einmal gesagt haben: «Wenn ich nach Downing Street (dem Sitz des britischen Premierministers) gehe, machen sie, was ich sage. Wenn ich nach Brüssel gehe, nehmen sie davon nicht einmal Notiz.»</p>
<p>Das Revolverblatt «The Express», das dem britischen Verleger Richard Desmond gehört, der die EU-feindliche Partei Ukip unterstützt, <a href="http://www.express.co.uk/comment/expresscomment/661551/Eu-referendum-sticker-Vote-Leave-Nigel-Farage-Brexit" target="_blank">rief in einem Leitartikel</a> gar zu einem «Kreuzzug für die Freiheit» auf und verteilte in der Printausgabe Pro-Leave-Sticker, die man sich ans Auto kleben kann – als Zeichen des Brexit-Befürwortens. Die Zeitung schwor die Leserschaft auf eine wichtige Abstimmung ein. «Wo einer von fünf Wählern unentschlossen ist, sind die Leser des ‹Daily Express› das Zünglein an der Waage in der Sicherstellung, dass Britannien diese einmalige Gelegenheit beim Schopfe packt, sich von den Fussfesseln der EU und seinen undemokratischem Vorgehen, einen allmächtigen föderalen Superstaat zu etablieren, zu befreien.»</p>
<p>Die Metapher einer britischen «Gefangenschaft» in der EU zieht sich leitmotivisch durch die Pro-Brexit-Presse. Sogar Winston Churchill wird bemüht: «Wo es keinen Feind im Innern gibt, können einem die Feinde ausserhalb nicht wehtun.» Solche Blut-Schweiss-und-Tränen-Rhetorik kennt man eigentlich nur aus dem Krieg vergangener Tage. Die Tonalität ist hochtourig, aufgekratzt und alarmistisch, als würde Grossbritannien in die Schlacht ziehen. Es ist schon erstaunlich: Wo in Deutschland eine «System»- und «Lügenpresse» gegeisselt und die Konvergenz der Medien beklagt wird, werden die publizistischen Gräben in Grossbritannien grösser denn je.</p>
<p>Jede Leserschicht, jedes Milieu wird versucht anzusprechen. «Fussball-Fans unterstützen Brexit mit überwältigender Mehrheit», behauptete die Zeitung «Daily Express» und berief sich auf eine Umfrage des Buchmachers Coral, wonach 39 Prozent der Fussball-Fans bei dem Referendum für den Austritt stimmen werden. Wie die Studienautoren Fussball-Fans definieren, wurde nicht erläutert. Knapp eine Woche vor dem Referendum wird auf der Insel heftig darüber diskutiert, ob das Abschneiden der drei britischen Nationalmannschaften (England, Wales, Nordirland) an der Fussball-EM einen Einfluss auf die Volksabstimmung hat. Ein frühes Aus in der Gruppenphase könnte Wasser auf die Mühlen des «Leave»-Lagers sein und den Nationalismus befördern. Ein Weiterkommen in die Ko-Phase der Europameisterschaft könnte die Engländer dagegen mit dem Europa-Gedanken versöhnen und dem «Remain»-Lager in die Hände spielen.</p>
<p>Der «Daily Telegraph», zu dessen Kolumnisten der Londoner Bürgermeister und Brexit-Befürworter Boris Johnson gehört, schlägt indes eher moderatere Töne an, vertritt aber in Bezug auf Migration und Terrorismus dezidiert konservative und europaskeptische Positionen. Die Europaskepsis, respektive -feindlichkeit speist sich aus gerade diesen Motiven. So ist der «Daily Telegraph» Gegenstand einer Beschwerde an die Regulierungsbehörde «Independent Press Standards Organization» (vergleichbar mit dem Presserat in Deutschland), welche das Faktchecking-Portal <a href="http://infacts.org/hateful_eight/" target="_blank">InFacts eingereicht hat</a>. Die Zeitung soll Unwahrheiten und falsche Tatsachenbehauptungen verbreitet haben, etwa «der Graben zwischen den offiziellen Migrationszahlen und der ist so gross wer Grand Canyon» oder sinnentstellte Zitate wie die angebliche Aussage eines US-Gemeindienstmitarbeiter, wonach die islamistische Terrormiliz IS durch offene Grenzen nach Grossbritannien gelange. InFact widerlegt diese Behauptungen in einem Faktencheck.</p>
<p>Auch die «Sun» arbeitet mit montierten Statistiken und Stereotypen. Es tobt ein Kampf um die Wahrheit und Deutungshoheit über Fakten, die in der durch Boris Johnsons «Battlebus» populär gewordene Behauptung kulminierte, Grossbritannien überweise jede Woche 350 Millionen Pfund nach Brüssel. Mittlerweile versucht der «Daily Telegraph» wie auch die etwas weiter in der Mitte positionierte «Times» ausgewogener zu berichten und beide Seiten zu Wort kommen zu lassen – auch, um der Heterogenität der Leserschaft Rechnung zu tragen. Die jungen Leser, die auf Inhalte grösstenteils online zugreifen, sind deutlich pro-europäischer als ältere Leser. Deshalb fährt die zur selben Verlagsgruppe wie die «Sun» gehörende «Times» (beide Titel werden von Rupert Murdochs News UK verlegt) mit Rücksicht auf die eher pro-europäischen Leser einen vorsichtigeren Kurs. Die Gräben durchziehen damit auch die Verlage selbst.</p>
<p>Die einzigen Medien, die neutral und objektiv über die Kampagne berichtet, sind der linksliberale «Guardian» , die «Financial Times» sowie die BBC. Die Redaktionen begeben sich nicht in ideologische Grabenkämpfe, sondern referieren ruhig und sachlich Pro-und Kontra-Argumente. Wobei die BBC, die 77 Prozent der Haushalte über TV, Radio oder das Internet erreicht, unter besonders kritischer Beobachtung steht. Die Labour-Abgeordnete Maria Eagle kritisierte, dass die Rundfunkanstalt zur Zielscheibe von Lobby-Bemühungen beider Lager werde und Medienminister John Whittingdale, ein prominenter Befürworter des Brexit, die Verhandlungen über die am Ende des Jahres auslaufende Charter der BBC (eine Art Rundfunkstaatsvertrag) hinauszögere. Der Sender werde so zum Vehikel parteitaktischer Spielchen. Das Problem ist, dass man über derlei Einflussnahmen kaum etwas liest.</p>
<p>Medienkritische Berichte, etwa über den Opportunismus der «Sun», die in ihren Lokalausgaben in Schottland, Nordirland und Irland mit Rücksicht auf die Leserschaft den Slogan «BeLeave in Britain» vom Titel nahm, findet man fast ausschliesslich bei Politico Europe oder <a href="http://www.theguardian.com/media/greenslade/2016/jun/14/the-suns-pro-brexit-campaigning-doesnt-cross-borders" target="_blank">beim «Guardian»</a>. Eine Blockbildung, wie man sie nun in den Medien sieht, kennt man eigentlich nur aus der Parteienlandschaft. Die Zeitungen sind in der Brexit-Frage nicht nur ein Kampagnenvehikel, sondern ein Kampagnenorgan, die aktiv Wahlkampf betreiben – mit Aufklebern, Wahlaufrufen und Veranstaltungen. So wie die Parteien um Wähler werben, fischen die Zeitungen nach Lesern. Der «Guardian» geisselte in einem Meinungsbeitrag die Pro-Brexit-Kampagne der «Daily Mail» als «ein im Kern rechtes politisches Projekt». Das EU-Referendum sei «die Arena, in der Machtkämpfe zwischen Teilen der Presse und dem gewählten Premierminister (David Cameron) ausgetragen werden». Die rückläufigen Auflagen, unter denen die Pressetitel leiden, könnte erklären, warum sich manche Zeitung noch stärker positioniert als sie es sonst tut. Profilschärfung stärkt Loyalitäten. Die Abstimmung wird zeigen, welches Medium lauter getrommelt hat.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/06/17/auf-zum-letzten-gefecht/">Auf zum letzten Gefecht!</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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