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	<title>Cicero | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Mon, 11 May 2020 11:46:19 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Was im «Cicero» gesagt werden darf</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/07/01/was-im-cicero-gesagt-werden-darf/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 01 Jul 2016 09:26:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Cicero]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das von Ringier gegründete und jüngst an seine Macher verkaufte Monatsmagazin «Cicero» driftete nach rechts ab. Unter der neuen Leitun finden sich Annäherunge an AfD- und Pegida-Positionen.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Das von Ringier gegründete und jüngst an seine Macher verkaufte Monatsmagazin «Cicero» driftete nach rechts ab. Unter der neuen Leitun finden sich Annäherunge an AfD- und Pegida-Positionen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/07/01/was-im-cicero-gesagt-werden-darf/">Was im «Cicero» gesagt werden darf</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Die Medien müssen erwachsen werden</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2014/11/14/die-medien-muessen-erwachsen-werden/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Nov 2014 13:29:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Cicero]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Medienkritik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Redaktionen sehen sich einer noch nie gekannten Welle an Kritik gegenüber. Eine beliebte Reaktion darauf ist die Publikumsschelte. Doch die Medien sollten lieber gelassener werden und erkennen, dass sie sich in einem ganz normalen Wandlungsprozess befinden.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/14/die-medien-muessen-erwachsen-werden/">Die Medien müssen erwachsen werden</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Redaktionen sehen sich einer noch nie gekannten Welle an Kritik gegenüber. Eine beliebte Reaktion darauf ist die Publikumsschelte. Doch die Medien sollten lieber gelassener werden und erkennen, dass sie sich in einem ganz normalen Wandlungsprozess befinden.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/14/die-medien-muessen-erwachsen-werden/">Die Medien müssen erwachsen werden</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Golden Boy der begüterten Kapitalistenhasser</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2013/12/17/golden-boy-der-begueterten-kapitalistenhasser/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 Dec 2013 10:55:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Ringier]]></category>
		<category><![CDATA[Cicero]]></category>
		<category><![CDATA[Frank A. Meyer]]></category>
		<category><![CDATA[Ringier2013]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am 6. Januar wird Frank A. Meyer 70 Jahre alt. Seit bald 40 Jahren ist er ein Unikum im Ringier-Verlag. Ohne selbst je gross Verantwortung übernommen zu haben, übt er Einfluss auf die Entscheidungsträger aus. Während die einen in ihm das journalistische Gewissen Ringiers sehen, rechnen ihm andere seine Schadensbilanz vor. Doch wer ist der <a href="https://medienwoche.ch/2013/12/17/golden-boy-der-begueterten-kapitalistenhasser/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Am 6. Januar wird Frank A. Meyer 70 Jahre alt. Seit bald 40 Jahren ist er ein Unikum im Ringier-Verlag. Ohne selbst je gross Verantwortung übernommen zu haben, übt er Einfluss auf die Entscheidungsträger aus. Während die einen in ihm das journalistische Gewissen Ringiers sehen, rechnen ihm andere seine Schadensbilanz vor. Doch wer ist der Mann, über den sich Generationen von Journalisten so gerne aufregen? Ein Journalist? Ein Opportunist? Ein Politiker? Ein Angsthase? Teil 3 unserer Serie zum Ringier-Verlag.<br />
<span id="more-16912"></span></p>
<div align="right"><small>«Als mich einmal jemand fragte, was ich bei Ringier eigentlich mache, sagte ich: Ich bin einfach da, vertrete nach wie vor die publizistischen Belange, rede mit bei der Besetzung von Chefredaktionen und stehe ein für die publizistische Kultur des Unternehmens &#8211; gerade im Boulevard-Journalismus.»</p>
<p>Frank A. Meyer, zitiert in «Ringier bei den Leuten» von Karl Lüönd, Seite 450.</small></div>
<p>
Ich treffe Meyer (violettblaue Cordhosen, Hemd und Jackett, in dessen Brusttasche ein Tüchlein steckt, das mit den Hosen farblich korrespondiert) an einem <a href="http://www.cicero.de/berliner-republik/christian-lindner-fdp-neuanfang-vom-einzelnen-her/56486">Sonntagmorgen im Berliner Ensemble</a>, wo er sich einen Liberalen eingeladen hat, den er zu den Anständigen zählt, den am 7. Dezember zum neuen Vorsitzenden der deutschen FDP gewählten Christian Lindner. Parlamentarier wie Frank Schäffler, Peter Gauweiler oder Wolfgang Bosbach, die aufgefallen sind durch ihren Widerstand gegen den antiliberalen Mainstream, hält Lindner für eine kleine Gruppe, die Friedrich August von Hayek «wörtlich» nehmen würden &#8211; er hingegen habe «keine religiöse Verehrung der Schriften von Hayek». Die auf 11 Uhr angesetzte Veranstaltung beginnt heiter mit einem Austausch von Meyer und Lindner über ihre Sternzeichen (Steinbock). Nach rund zehn Minuten mischt sich «Cicero»-Chefredakteur Christoph Schwennicke aktiv in das Gespräch ein, der wohl ansonsten den Tag schweigend auf der Bühne hätte verbringen müssen. Und natürlich darf die Veranstaltung nicht zu den Zuschauervoten übergehen, bevor nicht um 12.20 Uhr ein Meyer-Exkurs über die «Marktradikalen», erfolgt, diese «Voodoozauberer der Ökonomie». «Alles ist Ökonomie», klagt er, der schon so lange keine Geldsorgen mehr hat und nie direkte Verantwortung für missglückte Projekte tragen musste.</p>
<p>Hier ein kurzer <a href="https://www.youtube.com/watch?v=K_q5uUbpTCo">Ausschnitt</a> der <a href="http://www.youtube.com/watch?v=G5754ZEdnyU">Veranstaltung</a>, man beachte die Körpersprache seiner Mitdiskutanten:</p>
<p><iframe width="450" height="253" src="//www.youtube.com/embed/K_q5uUbpTCo?rel=0" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Nach der Veranstaltung überreiche ich Meyer meine Visitenkarte und bitte ihn darum, diesen Text mit seinen Aussagen besser zu machen. Er werde sich melden, sagt er. Und meldet sich nicht. (Eine offizielle Interviewanfrage bei der Ringier-Medienstelle wurde einige Monate zuvor mit Verweis auf die bescheidene Relevanz der Medienwoche abgelehnt.)</p>
<h3>Boulevard-Kampfsprache</h3>
<p>«Vielen Dank, Frank A. Meyer, für Ihre treffende Entlarvung der Strategie planmässiger Herabsetzung von Politikern durch selbst ernannte Berliner Leitmedien», schreibt Dr. Hans Walter S.. «So hat mir ein Beitrag noch nie aus dem Herzen gesprochen», Holger P. Und auch Herbert N. spricht Meyer «aus dem Herzen». So lauten drei Leserbriefe, mutmasslich eher nicht von Anfangzwanzigern, in der Dezemberausgabe des Magazins «Cicero», einer der aktuellen Spielwiesen Meyers.</p>
<p>In dieser Ausgabe schreibt er unter dem Titel «Der Wert des Menschen» über den gesetzlichen Mindestlohn. Im bloss etwas über eine Seite hinausgehenden Text finden sich ein volles Dutzend für die Boulevard-Kampfsprache von Meyer typische Formulierungen, hier in der Reihenfolge ihres Auftretens:</p>
<ul>
<li>«neoliberale Ideologie»</li>
<li>«fanatische Privatisierer»</li>
<li>«Marktgläubige»</li>
<li>«Profitbilanzen»</li>
<li>«Marktradikale»</li>
<li>«Geldkirche»</li>
<li>«Ökonomen-Pfäffchen»</li>
<li>«Boniritter»</li>
<li>«kapitalistische Perversion»</li>
<li>«ökonomische Rechnerei»</li>
<li>«Marktanbeter»</li>
<li>«Ökonomen-Klerus»</li>
</ul>
<p>Was klingt wie in den Ergüssen eines Attac- oder Juso-Bloggers, ist immer wieder neu von Meyer, im Impressum aufgeführt als Mitglied des Publizistischen Beirats. In Deutschland wird Meyer gelesen und geliebt von jenen Menschen, die an das Soziale (vom Staat) glauben, von den letzten Ausläufern der 68er, jener zumeist bestens situierten Babyboomer-Generation, die in den nächsten Jahren die Sozialkassen an den Rand ihrer Existenz bringen wird.</p>
<h3>Statische Feindbilder</h3>
<p>Frank A. Meyer hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, das auch in der Ringier-Familie omnipräsente soziale Gewissen (siehe <a href="https://medienwoche.ch/2013/12/05/koenigshaus-der-anstaendigen/">Teil 1</a> unserer <a href="medienwoche.ch/tag/ringier2013">Serie</a>) publizistisch umzusetzen. Er verkörpert eine sozialdemokratische Grundhaltung, die mehr sozialistisch und elitär ist als demokratisch oder volksverbunden (Direkte Demokratie, in der Schweiz bestens erprobt, gehe in Deutschland nicht, <a href="http://www.direktedemokratie.com/2011/11/27/frank-a-meyer-direkte-demokratie-geht-nicht-fuer-deutschland/">behauptet</a> er beispielsweise). Seit vielen Jahrzehnten wettert er unermüdlich gegen das Kapital, von dem er bestens lebt und seine bunten Hosen kauft. Seine Feindbilder sind ermüdend statisch und heissen <a href="http://www.blick.ch/news/politik/fam/ueber-boni-banker-und-das-berner-larifari-id14863.html">Banker</a> («Wer im Hamsterrad der Geldinstitute rennt und rennt und rennt, der hat nur eins vor Augen: Geld, Geld, Geld»), <a href="http://www.blick.ch/news/politik/fam/hansel-id169902.html">Blocher</a> («Er diffamiert seine Widersacher. Er macht Andersdenkende nieder. Er höhnt und hetzt») oder auch <a href="http://www.blick.ch/news/politik/fam/ueber-muetter-maenner-und-manager-id26955.html">Weltwoche</a> («ein rechtsradikales Sektenblatt») inklusive <a href="http://www.blick.ch/news/politik/fam/laptoptaeter-id6867.html">Roger Köppel</a> («journalistischer Lustknabe»). Vor einigen Jahren hinzugekommen ist der Islam, von dem er offenbar eine grössere Bedrohung auszugehen sieht als von anderen Religionen. Das Wort, das er in der letzten Zeit am Liebsten mit Verachtung ausspuckt, ist «Marktradikale», womit er im Prinzip niemand anders meint als die klassischen Liberalen. Wer wirtschaftsliberale oder gar libertäre Positionen vertritt, wie sie in der Schweiz am ehesten in der FDP und SVP anzutreffen sind, darf mit seiner Verachtung (alternativ: Nichtbeachtung) rechnen. Sich selbst zählt er auch zu den Liberalen, zu den <a href="http://www.schweizer-illustrierte.ch/gesellschaft/espresso/ueber-links-und-rechts-und-frank-meyer">linken Liberalen</a> («Links und liberal zu sein, ist doch nett. Was gäbe es gegen dieses Etikett einzuwenden?»). Vielleicht mag Meyer die Marktwirtschaft ja deshalb nicht, weil er einsehen musste, dass jene Projekte, die im Journalismus wirklich interessant sind, vom Markt her (direkt) nicht zu finanzieren sind.</p>
<p>Was er liebt? Die <a href="http://www.blick.ch/news/schweiz/klassischer-kanon-id1763949.html">NZZ am Sonntag</a> («gehört zum Besten, was die Schweizer Publizistik zu bieten hat»). Und <a href="http://www.presseverein.ch/2012/12/frank-a-meyer-menschen-mag-ich-auch-menschen-die-anders-denken/">Menschen</a> («Ich liebe Menschen»). Vor allem aber jene Menschen, die er für «anständig» hält. Das sind meistens Leute, die seine eigenen Haltungen und Meinungen teilen (wobei er einzelne Abweichungen durchaus tolerieren kann). Durch seine lange Karriere ist er herausragend vernetzt und kennt viele wichtige Leute aus dem politischen und journalistischen Establishment, in Deutschland und in der Schweiz. Wie viele Linke ist er aufrichtig davon beseelt und überzeugt, Gutes zu tun. Aus dieser Gewissheit speist sich ein erstaunliches Selbstvertrauen, und daraus quillt eine beachtliche Tatkraft. Eindrucksvoll von sich selbst überzeugt stolziert er wie ein Pfau durch die Redaktionen, nötigt Chefredaktoren mit dem Vorlesen seiner eigenen Kolumnen, zelebriert herrlich überzogene Blattkritiken.</p>
<h3>Meister der kontrollierten Information</h3>
<p>Meyer teilt gerne und oft aus, doch sobald es um die Konfrontation geht, scheut er wie Michael Ringier die Debatte. «Der Angstmacher ist in Wahrheit ein Angsthase», schrieb Urs Paul Engeler in seinem hervorragenden Porträt <a href="http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2004-51/artikel-2004-51-der-herr-der-sch.html">«Der Herr der Schwachen und Eitlen»</a> von 2004. Wäre Meyer wirklich offen und mutig, würde er sich in Streitgesprächen regelmässig seinen Gegnern stellen und jenen, die ihn kritisieren, Rede und Antwort stehen. Doch Meyer liebt das freie Wort vor allem für sich selbst und für jene, die er gutheisst oder wenigstens zu Wort kommen lassen will &#8211; wirklich konträre Positionen hält er unter Verschluss, wenn das möglich ist. Diese Haltung pflegt er auch in der inzwischen auf 3sat zu sehenden Sendung «Vis-à-vis», die sich vom Mainstream vor allem aufgrund ihrer hinreissend antiquierten Form abhebt &#8211; es ist die am längsten ununterbrochen und mit dem gleichen Moderator ausgestrahlte Talksendung des deutschsprachigen Fernsehens. Man darf Meyer zugute halten, dort ab und an auch Menschen einzuladen, deren Positionen er nicht vollumfänglich teilt. Und doch bleibt er ein Meister der kontrollierten Information. Weil sich mit dem Aufkommen von Publikationsformen im Internet diese Zeit zu Ende neigt, verdammt und hasst er diesen Raum, bis hin zur <a href="https://medienwoche.ch/2013/04/18/erfolgreicher-schrotthaendler/">Realitätsleugnung</a> («Zeitungsjournalisten entlarven das Funkengestiebe des Internets, von bildschirmsüchtigen Kids und Nerds fürs Sternenzelt gehalten, als unendlich viel Meteoritenschrott»). Dass Menschen einfach so im Internet schreiben können, ohne dass sie ruhig zu stellen sind, ist für Elitisten wie ihn ein Graus. Er selbst nutze das Internet nur für E-Mails, sagt er mir, das mag glauben, wer will.</p>
<h3>Bewährter Hofnarr mit Einfluss</h3>
<p>In einem Handelszeitung-Interview 1985 sagte Michael Ringier: «Wir brauchen (&#8230;) jemand, der unbelastet ist, der uns von aussen sieht. Frank A. Meyer bleibt Journalist als Anstoss und als Anstösser. Ich denke an die Hofnarren-Position im positiven Sinne.» Heute hat er die Position als Hofnarr mehr denn je inne, und seine Rolle als exzentrischer Paradiesvogel wurde perfektioniert. Ob er hingegen noch fähig ist, Ringier «unbelastet» «von aussen» zu sehen, darf doch sehr bezweifelt werden. Während seiner ganzen Karriere hat er seine Mitspieler zu grauen Mäusen gemacht und seine Macht stets höchst geschickt ausgeübt. Nie hat er eine Verantwortung übergenommen, bei der er tatsächlich abstürzen oder verlieren könnte. Deshalb ist er auch nie gestürzt, sondern blieb immer die Figur im Hintergrund. Mit Einfluss. <a href="http://www.sonntagszeitung.ch/fokus/sonntagsgespraech/sonntagsgespraech-detailseite/?newsid=263405">Der «Sonntagszeitung»</a> sagte er kürzlich: «Wer Einfluss hat, redet nicht darüber. Sonst verflüchtigt sich der Einfluss.» Dass er welchen hat, <a href="http://netzwertig.com/2008/02/06/journalisten-selbstkritik-ein-versuch-immerhin/">war ihm immer klar</a>: «Medien sind ja unglaublich mächtig, das muss man sehen. Wobei: Journalisten streiten das immer vehement ab – das ist ein Kniff.» Davon <a href="http://www.schweizer-illustrierte.ch/gesellschaft/espresso/ueber-boulevard-journalisten-und-putschisten">weiss auch Marc Walder</a>: «Sie nehmen doch selber Einfluss. Massiv sogar!» Dass Meyer Einfluss ausübt, ist ihm nicht vorzuhalten. Seine Macht im Haus ist vor allem im Duckmäusertum und der Ideenlosigkeit der Anderen zu suchen. Er ist genau so stark, wie das die anderen zulassen.</p>
<h3>Verpasste Karrieren</h3>
<p>Bei der Betrachtung von Meyer fällt auf, dass er nicht das liefert, für was er angeblich steht. Er ist mehr der Typus «meinungsstarker Blogger» als der Typus «nüchterner Journalist», was ja nicht das Schlechteste ist. Statt Fakten zu liefern, führte er in der Schweizer Illustrierten der 1970er-Jahre die Homestory ein und zeigte die angeblich «menschliche», tatsächlich aber politikferne und irrelevante Seite von Bundesräten beim Essen von Spaghetti, Risotto oder Fondue. Statt ausgewogen zu berichten, betreibt er Politik und versucht, Leute im eigenen Sinne zu beeinflussen. Statt kritisch nachzufragen, gefällt er sich als Vis-à-vis im Spiegel bedeutender Leute. Statt die Wahrheit herauszufinden, schreibt er meinungslastige Kolumnen. Heute hält er Ringier-Mitarbeiter von der Arbeit ab mit seinen Visionen eines untergegangenen Journalismus. Die Wahrheit ist, dass genau jener, der im Hause Ringier für den Journalismus steht, gar nicht für den Journalismus steht &#8211; sondern für Boulevard, für Beziehungsfilz, für Günstlingswirtschaft, für Meinungsmache, für Absprachen abseits der Öffentlichkeit. Wie einige andere Journalisten, die Ideologie mitunter mit Wahrheit verwechseln, wäre er besser frühzeitig Politiker geworden. Seine verpasste Karriere ist die eines offenen Gegenspielers von Christoph Blocher. Er hätte ein Aushängeschild der SP sein können, wie Peter Bodenmann. Ein Gewerkschaftsführer wie Lech Walesa. Ein EU-Funktionär wie Martin Schulz. Oder ein PR- und Werbekampagnenleiter im Hintergrund. Nur als Journalist taugt einer, der vor allem Politik und Propaganda machen will, nicht.</p>
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<h3>Relikt &#8230;</h3>
<p>Während der Altstar wie eh und je seine Privilegien geniesst und über den untergehenden Journalismus auf Papier doziert, produziert das Ringier-Fussvolk längst multimedial, jedoch zusammengepfercht im Newsroom. Wenn eine Andrea Bleicher keine Lust verspürt, Meyer den Hof zu machen (<a href="http://medienwoche.tumblr.com/post/60835708237/meine-eltern-erzogen-mich-man-solle-nicht">«Meine Eltern erzogen mich, man solle nicht arschkriechen»</a>), dann hat das vielleicht gar nicht so viel mit einer tatsächlichen Abneigung zu tun, sondern mehr mit dem Unwillen, mit jemandem über Journalismus zu reden, der seit Jahrzehnten weg ist von jenem Journalismus, wie er im Ringier-Newsroom betrieben wird. Frank A. Meyer gehört nun mal ins Museum, als Relikt des Ringier-Verlags im späten 20. Jahrhundert. Er ist ein anarchronistisches Auslaufmodell, von dem der Verlag offenbar tatsächlich verspricht, er könne sich damit das Image aufpolieren. Die Frage ist: Glaubt Marc Walder ernsthaft, Frank A. Meyer stehe für Journalismus? Er muss furchtbar naiv sein. Oder äusserst gewitzt. Denn man könnte es als Kniff des Unternehmens bezeichnen, die sich an Ringier reibenden Journalisten am Paradiesvogel Meyer abarbeiten zu lassen, während die Ringier-<a href="http://www.sueddeutsche.de/medien/serie-wozu-noch-journalismus-schreckgeweitete-augen-1.934245">«Rollkoffer-Kommandos»</a> im Hintergrund schon lange nicht mehr verlegerisch-journalistische, sondern vor allem kommerzielle Ziele verfolgen. «Der Espresso, den ich jeden Dienstagmorgen mit Frank A. Meyer trinke, ist in der Tat eine Versicherung für mich – dass ich journalistisch tätig bleibe», <a href="http://www.nzz.ch/aktuell/wirtschaft/uebersicht/eine-marke-auf-allen-kanaelen-1.1676634">sagt</a> Walder jedenfalls öffentlich, und es macht fast den Anschein, als glaube er, <a href="http://www.schweizer-illustrierte.ch/gesellschaft/espresso">diese Gespräche</a> seien journalistisch mindestens so wertvoll wie das, <a href="https://medienwoche.ch/2011/06/23/morgeli-sunneli-herrliberg/">was Matthias Ackeret mit Christoph Blocher macht</a>.</p>
<h3>&#8230; und Golden Boy</h3>
<p>Am 6. Januar 2014 wird Meyer 70 Jahre alt &#8211; mit ihm geht eine zumindest finanziell goldene Zeit des Journalismus zu Ende. Er ist ein Glückskind, ein Götterknabe, ein Golden Boy, der alle guten Zeiten voll ausgenützt hat und zum Verwundern aller die wichtigen Machtkämpfe für sich entscheiden konnte. Sein Auf- und Abstieg verlief erstaunlich parallel zu dem der «Blick»-Print-Ausgabe. Der Aufstieg des jungen Arbeiterkinds im Sportwagen, der die Frauen reihenweise beeindruckte. Der Höhepunkt der Macht als Strippenzieher in der ständigen Suite des Berner Nobelhotels Bellevue Palace, als er sogar <a href="http://www.parlament.ch/ab/frameset/f/v/4601/5107/f_v_4601_5107_5119.htm">Stimmen bei der Bundesratswahl</a> erhielt. Und der Abstieg seiner Relevanz mit dem Beginn des Internet-Zeitalters. Meyer ist nur «ein linker Moralist» (<a href="http://www.blick.ch/news/politik/fam/ueber-ringiers-juengsten-kolumnisten-frank-a-meyer-id10912.html">Thomas Hürlimann</a>) und «ein Journalist, mittlerweile pensioniert, der in Berlin lebt» (<a href="http://blog.persoenlich.com/?p=452">Christian Unger</a>). Eine Stimme aus dem letzten Jahrhundert in einem Konzern, in dem die zukünftige Rolle des Journalismus ein grosses Fragezeichen bleibt.</p>
<p>Wahr ist aber auch, dass der Ringier-Verlag ohne seinen gealterten Prinz grauer wäre, langweiliger und mehr nach Zahlen geführt würde. So abgeschmackt und pauschal seine Aussagen über die Rollkoffer-Kommandos sind und so seltsam sie sich anhören aus dem Mund eines Mannes, der alles hatte und alles machen konnte, so ein bisschen treffen sie natürlich dennoch. Fast alle, die ich auf Meyer angesprochen habe, sagten sinngemäss, dass Meyer zwar schlimm sei, ohne ihn aber alles noch viel schlimmer wäre. Stellvertretend für viele <a href="http://blog.dasmagazin.ch/2013/09/20/herr-meyer-oder-unsere-famose-branche/">schreibt Martin Beglinger</a>:</p>
<blockquote><p>Entschuldigung, aber was wollen wir Journalisten denn? Noch mehr Erbsenzähler in den Verlagshäusern? Oder als Journalisten getarnte Generalunternehmer, die Hefte und Zeitungen zwischen Salatsaucen und Konzerten verkaufen? Gerade wir Journalisten müssten doch froh sein, wenn ein Journalist das Ohr des Verlegers hat und nicht nur die Buchhalter. Stattdessen wird Meyer genüsslich vorgerechnet, was er seinen Verlag schon alles gekostet habe. Als würde das die Journalisten ernsthaft interessieren. </p></blockquote>
<p>Tatsächlich ist und bleibt er für viele eine Inspiration, ein zuverlässiger Auslöser von Liebe, Freude, Ärger und Hass. Wäre er langweilig oder irrelevant, hätte er sich nie so lange an der Macht gehalten. Es sind die anderen, die durchschnittlich sind.</p>
<h3>«Ich bleibe Journalist»</h3>
<p>Meyers Untergang, wie er im September in der NZZ am Sonntag (<a href="http://webpaper.nzz.ch/2013/09/15/hintergrund/KMA7V/abstieg-des-einfluesterers?guest_pass=471fba1b66:KMA7V:cb92a3465f3f71bfaed9c03fde5bf3ca39b3b1a0">«Abstieg des Einflüsterers»</a>, von Francesco Benini) und im Tages-Anzeiger (<a href="http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Ringiers-Schlossgespenst/story/15531599">«Ringiers Schlossgespenst»</a>, von Michèle Binswanger) beschworen wurde, ist wohl mehr Wunschdenken als Realität. «Ich bleibe Journalist, bis zu meinem letzten Tag. Und Ringier bleibt meine journalistische Heimat», sagte er <a href="http://netzwertig.com/2007/06/20/frank-a-meyer-ist-kein-dinosaurier/">2007</a> dem «Schweizer Journalist». Die Chancen, dass er recht behalten könnte, stehen gar nicht schlecht. Solange Michael Ringier lebt und etwas zu sagen hat, hat auch Frank A. Meyer etwas zu sagen. Er sei der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kardinal_Richelieu">Kardinal Richelieu</a> des Ringier-Verlags, schrieb Peter Rothenbühler 2004 in einem «Persönlich»-Porträt. In diesem Vergleich wäre Michael Ringier <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_XIII.">Ludwig XIII.</a> &#8211; letzterer stützte seinen langjährigen Berater bis zu dessen Tod. Richelieu war ein Verfechter des Zentralismus und Absolutismus, wie Frank A. Meyer zog er die Fäden im Hintergrund.</p>
<p><b>Übersicht der <a href="https://medienwoche.ch/tag/ringier2013/">Ringier-Serie</a>:</b><br />
1. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2013/12/05/koenigshaus-der-anstaendigen/">Königshaus der Anständigen</a><br />
2. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2013/12/09/palastrevolution/">Palastrevolution</a><br />
3. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2013/12/17/golden-boy-der-begueterten-kapitalistenhasser/">Golden Boy der begüterten Kapitalistenhasser</a></small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/12/17/golden-boy-der-begueterten-kapitalistenhasser/">Golden Boy der begüterten Kapitalistenhasser</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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