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	<title>Constantin Seibt | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>«Erst eine Erzählung lässt den Menschen verstehen»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2018/09/19/erst-eine-erzaehlung-laesst-den-menschen-verstehen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 19 Sep 2018 09:08:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Constantin Seibt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mit Posaunen und Trompeten ist zum Jahresbeginn die «Republik» gestartet. Das werbefreie Online-Magazin verblüfft seither mit hervorragend erzählten Geschichten und experimentiert mit innovativen Erzählformen. Der grosse Test kommt im Januar. Mitbegründer Constantin Seibt spricht in der Halbzeit über den (Wahn-)sinn hinter der Idee der Rothaus-Redaktion im Zürcher Kreis 4.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Mit Posaunen und Trompeten ist zum Jahresbeginn  die «Republik»  gestartet. Das werbefreie Online-Magazin verblüfft seither mit hervorragend erzählten Geschichten und experimentiert mit innovativen  Erzählformen. Der grosse Test kommt im Januar.  Mitbegründer Constantin Seibt spricht in der Halbzeit über den (Wahn-)sinn hinter der Idee der Rothaus-Redaktion im Zürcher Kreis 4.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/09/19/erst-eine-erzaehlung-laesst-den-menschen-verstehen/">«Erst eine Erzählung lässt den Menschen verstehen»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Im Zeichen der Wale</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2018/01/18/im-zeichen-der-wale/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Dominique Götz]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Jan 2018 12:06:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Constantin Seibt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine wichtige Regel im Journalismus lautet: im Zweifelsfall weniger und konzentrierter schreiben. Das predigt auch Constantin Seibt. Doch in seinem ersten Text für die «Republik» hat Mitgründer Seibt nach einjähriger Schreibabstinenz einen monströsen Welterklärungsessay ins Netz geschickt. Wie ein Moby Dick, nämlich 50’000 Zeichen schwer, liegt der erste «Republik»-Artikel von Constantin Seibt im Meer des <a href="https://medienwoche.ch/2018/01/18/im-zeichen-der-wale/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Eine wichtige Regel im Journalismus lautet: im Zweifelsfall weniger und konzentrierter schreiben. Das predigt auch Constantin Seibt. Doch in seinem ersten Text für die «Republik» hat Mitgründer Seibt nach einjähriger Schreibabstinenz einen monströsen Welterklärungsessay ins Netz geschickt.</strong><br />
<img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-52302" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/01/MW-Republik-Seibt-Wal.jpg" alt="" width="1456" height="976" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/01/MW-Republik-Seibt-Wal.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/01/MW-Republik-Seibt-Wal-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/01/MW-Republik-Seibt-Wal-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/01/MW-Republik-Seibt-Wal-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/01/MW-Republik-Seibt-Wal-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
Wie ein Moby Dick, nämlich 50’000 Zeichen schwer, liegt <a href="https://www.republik.ch/2018/01/15/demokratie-unter-irrationalen" target="_blank" rel="noopener">der erste «Republik»-Artikel von Constantin Seibt</a> im Meer des digitalen Netzes. Mit Ungeduld habe ich auf die ersten Artikel des mit grossen Fanfaren angekündigten Onlinemagazins «Republik» gewartet: Gespannt war ich vor allem auf die Themenwahl und deren konzeptuelle Umsetzung. Denn als freie Journalistin ist für mich die Konzeption eines Beitrages sozusagen das Herzstück meiner Arbeit und immer wieder eine Gratwanderung. Daher lese ich mich regelmässig kreuz und quer durch Medienartikel und überlege mir dabei, wie ich diese Artikel wohl aufbereitet hätte.</p>
<blockquote><p>«Die journalistischen Pferde ein Jahr im Stall gelassen. Jetzt sind sie ziemlich wild über die Steppe galoppiert.» Aus einem Tweet von Constantin Seibt</p></blockquote>
<p>Ich war von Seibts XXXL-Artikel erschlagen, seine eingebauten <a href="https://blog.tagesanzeiger.ch/deadline/index.php/273/die-theorie-der-ratteninsel/" target="_blank" rel="noopener">«Ratteninseln»</a> erreichte ich nicht und gab auf, denn schliesslich kann auch ich nicht nur stundenlang lesen, sondern muss auch schreiben, um mein tägliches Brot zu verdienen. Die Länge des «Ich erklär Euch die Welt, aber endgültig»-Essay erklärt sich Martin Ebel im Tages-Anzeiger mit «einem monatelangen Äusserungsstau des Autors.» Ein Eindruck, den Seibt selber bestätigte, als er in einem Tweet schrieb: «Die journalistischen Pferde ein Jahr im Stall gelassen. Jetzt sind sie ziemlich wild über die Steppe galoppiert.»</p>
<p>Ich konnte es nicht fassen: Starjournalist Seibt konnte seinen Schreibschwall nicht kanalisieren? Ich fühlte eine gewisse Genugtuung, weil ich immer dachte, dies passiere nur mir. Als Medienkonsumentin und Hobby-Medienanalytikerin habe ich jedoch oft gesehen, dass Redaktoren, die das Sagen haben, unter der Tendenz leiden, tonnenschwere Walartikel zu publizieren.</p>
<blockquote><p>Eigentlich wollte ich dem «Republik»-Mitgründer Christof Moser noch per Mail zurufen: Hey, werdet dann nicht zu lang!</p></blockquote>
<p>Die Lancierung der «Republik» habe ich mit einem flauen Gefühl im Magen verfolgt, denn sie erinnerte mich ein wenig an die Geburt des Basler Online-Magazins «Tageswoche» im Oktober 2011. Eigentlich wollte ich dem «Republik»-Mitgründer Christof Moser darum noch per Mail zurufen: Hey, werdet dann nicht zu lang! – aber es wäre wohl vermessen gewesen, wenn ich als unbedeutende Freie, als Spät-und Quereinsteigerin, einem gestandenen Medienprofi Tipps gegeben hätte.</p>
<p>Auch die «Tageswoche»-Redaktoren publizierten über Monate und Jahre hinweg kolossartige Beiträge in der wöchentlichen Printausgabe. Ist ja auch verständlich: Welcher Journalist träumt nicht von der ganz grossen Bühne, wo er sich endlich episch austoben darf? Ich selber bin eine Vielschreiberin, will immer alles genau und ausführlich erzählen. Nehme meine Meinung, meine Recherche und das Thema sehr ernst, vielleicht auch ein wenig zu wichtig.</p>
<p>Dabei vergesse ich gerne, dass es nicht um mich geht, sondern um die Leserschaft. Denn eigentlich bin ich nur eine Dienstleisterin, welche Futter liefert – so eine Art Vogelmutter, die die Würmer vorverdaut, bevor sie diese als Würgeschleim in den Rachen ihrer Küken stopft. Ich muss zugeben, kein allzu idyllisches Bild, aber Schreiben ist immer auch eine Art Auskotzen, besonders für Schreiberlinge wie mich, die mit erschreckend viel Leidenschaft Texte produzieren. Da fehlt oft die Distanz zu sich selbst und zum Text. Das einzige was hier hilft, ist, den Schwerpunkt des Artikels innerlich zu verankern, damit man sich während den stürmischen Schreibarbeiten an einer Rettungsboje festhalten kann.</p>
<blockquote><p>Und darum sind Journalisten auch oft so erschöpft wie die Walfänger des 19. Jahrhunderts.</p></blockquote>
<p>Eines ist klar: Journalistische Präzisionsarbeit ist sehr anstrengend. Und darum sind Journalisten auch oft so erschöpft wie die Walfänger des 19. Jahrhunderts. Dies musste auch das «Republik»-Team erfahren. Im Newsletter vom 16. Januar schrieben sie: «Langsam erholt sich die Crew von den Aufregungen des Starts: Die schreibende Redaktion hat wieder geduscht, während die IT noch immer schläft, nach zwei Nächten, die sie durchgearbeitet hat.»</p>
<p>Geschätzt und gebucht werde ich für aalschlanke und ranke Artikel. Und so bin ich ständig am journalistischen Entschlacken, sozusagen auf lebenslanger Zeichendiät. Aber ehrlich gesagt, träume auch ich insgeheim von Moby-Dick-Artikeln. Und darum macht mir Walbeobachtung grossen Spass, nicht zuletzt weil ich befürchte, dass Wale vom Aussterben bedroht sind.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/01/18/im-zeichen-der-wale/">Im Zeichen der Wale</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Constantin Seibt: «Wir müssen hektoliterweise Hoffnung verkaufen»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2017/01/20/wir-muessen-hektoliterweise-hoffnung-verkaufen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Journalismus Y]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 20 Jan 2017 09:59:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Constantin Seibt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am 10. Januar verschickt «Project R» eine Mail an 5000 Leute. Noch am selben Abend steige eine Party. 500 Leute kommen. Eine Woche später treffen wir Constantin Seibt zum Interview, einen der Mitinitianten des neuen Medienprojekts. MEDIENWOCHE: Was unterscheidet euch von einer Wochenzeitung – von der WOZ? Constantin Seibt: Ich glaube die Woz macht einen <a href="https://medienwoche.ch/2017/01/20/wir-muessen-hektoliterweise-hoffnung-verkaufen/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Am 10. Januar verschickt «Project R» eine Mail an 5000 Leute. Noch am selben Abend steige eine Party. 500 Leute kommen. Eine Woche später treffen wir Constantin Seibt zum Interview, einen der Mitinitianten des neuen Medienprojekts.</strong><br />
<span id="more-33100"></span><br />
<iframe src="https://w.soundcloud.com/player/?url=https%3A//api.soundcloud.com/tracks/303629544&amp;auto_play=false&amp;hide_related=false&amp;show_comments=true&amp;show_user=true&amp;show_reposts=false&amp;visual=true" width="100%" height="100" frameborder="no" scrolling="no"></iframe></p>
<p><strong>MEDIENWOCHE: Was unterscheidet euch von einer Wochenzeitung – von der WOZ?</strong><br />
Constantin Seibt: Ich glaube die Woz macht einen sehr guten Job. Wir wären sehr erfreut, wenn wir irgendwann so solide finanziert dastehen, wie die WOZ heute. Ich glaube, dass wir weniger auf eine einzige Szene fixiert sind wie die WOZ. Ich glaube, dass wir auch etwas weiter rausgehen müssen. Im Journalismus stellt sich ja immer die Frage: Gehst du ins Exotische oder gehst du auf die grossen Schlachtplätze? Beschreibst du den Käser auf der Alp, der alternativen Käse herstellt und ein sehr gutes Leben führt oder gehst du ins Bundeshaus, wo alle sind und versuchst, besser als alle anderen Zeitungen zu sein. <span class="soundcite" data-id="303629544" data-start="79598" data-end="110781" data-plays="1">Und unser Platz sind die grossen Schlachtplätze, die grossen Fragen – die Digitalisierung, die Roboterisierung – bei denen es noch keine klaren Antworten gibt und wir wollen versuchen fast ausschliesslich die grossen Stoffe zu machen. Nicht den ersten, sondern den definitiven Artikel schreiben zum Thema. Das ist unser Konzept. Wir wollen «The Big Picture» machen und zwar auf Breitleinwand und in Technicolor.</span></p>
<p><strong>Ist das denn etwas, das du bei deinem bisherigen Job beim Tages-Anzeiger nicht machen konntest?</strong><br />
Ich hatte grosse Freiheiten und ein sehr gutes Team beim Tages-Anzeiger. Ich persönlich konnte sehr viel machen. Das Problem ist auch nicht meine persönliche Situation, sondern dass sich das Mediensystem in eine andere Richtung entwickelt. Das Problem ist, dass die grossen Verlage die Publizistik verlassen und sich – wie Springer, Tamedia oder Ringier – in Internethandelshäuser verwandeln und dass dadurch ein Problem entsteht und zwar nicht nur für den Journalismus als Beruf sondern für die gesamte Demokratie. Mit schlechten Informationen fällt man schlechte Entscheidungen. Und das gilt sowohl für Privatpersonen wie auch für Stimmvölker und wir wollen solide Beiträge machen, mit denen man wirklich informiert ist. Mittelfristig ist es ja so, dass die Verlage aus der Publizistik aussteigen. Der einzige Mann, der noch begeistert Zeitungen kauft in diesem Land, das ist Herr Blocher. Da besteht die Gefahr, dass die Zeitungen eines Tages einer Oligarchie gehören, ähnlich wie in Russland, und das ist keine Perspektive. Also müssen wir versuchen, einen anderen Weg zu finden, um Journalismus zu finanzieren: über die Leser. Wir müssen ein neues Modell erstellen. Einen neuen Weg gehen.</p>
<p><strong>Und den geht ihr jetzt?</strong><br />
Den gehen wir! Und unser Konzept ist es, dass wir nicht nur hervorragenden Journalismus machen müssen, sondern auch eine funktionierende Firma. <span class="soundcite" data-id="303629544" data-start="238967" data-end="264308" data-plays="1">Also gesetzt der Fall, wir machen Klasse Journalismus – was ja schon schwierig genug ist – aber die Firma funktioniert nicht: Dann ist das schön, dass wir das gemacht haben, aber es ist keine Veränderung im System. Es geht darum das System zu verändern indem man eine Alternative baut.</span> Unser mittelfristiges Ziel ist, dass wir nach fünf Jahren mindestens selbsttragend sind. Unser langfristiges Ziel ist, falls unsere finsteren Prognosen über das Schweizer Mediensystem zutreffen, dass wir so etwas wie eine Arche Noah sind und falls die grossen Verlagen ihre Aufgaben nicht mehr wahrnehmen, wir immer mehr Funktionen des bisherigen Informationssystems übernehmen können. Dass wir dann «The Last Man Standing» sind und ausbaufähig. Aber das ist quasi der «Moon Shot».</p>
<blockquote><p><span class="soundcite" data-id="303629544" data-start="301535" data-end="313117" data-plays="1">Das wäre super für uns, aber es wäre schlecht für den Journalismus, es wäre schlecht für das Land. Wir hoffen nicht auf unseren grossen Erfolg.</span></p></blockquote>
<p><strong>Wenn du sagst, ihr erzählt die grossen Geschichten: So viele grosse Geschichten gibt&#8217;s in diesem kleinen Land doch gar nicht.</strong></p>
<p><span class="soundcite" data-id="303629544" data-start="321443" data-end="338608" data-plays="1">Ach fuck, es gibt unglaublich viele grossen Geschichten! Im Moment zum Beispiel die Unternehmenssteuerreform III. Ein unglaublich komplexes Teil mit Dingen, die vielleicht nur die Wirtschaftsjuristen kapieren.</span> Es gibt riesige Geschichten darüber, dass es völlig unklar ist, wie sich die Digitalisierung und die Roboter auf die Schweiz auswirken werden. Es gibt die grossen Handelsströme bei den Rohstofffirmen. Es gibt gleichzeitig auch die unglaublich schwierige Frage privater Natur, wie du heute durchs Leben kommst, ohne ein Arschloch zu sein und ohne über&#8217;s Ohr gehauen zu werden. Die Autoritären steigen auf, überall in Europa. Was zum Teufel tut man dagegen? Und was ist eigentlich die Ursache? Es gibt unglaublich viele komplexe Fragen bei denen es faszinierenderweise noch keine klare Antwort gibt. Es gibt genug Arbeit <span class="soundcite" data-id="303629544" data-start="387915" data-end="395042" data-plays="1">und ich würde mir wünschen, das ungefähr Vierfache an Intelligenz zu haben, um da wenigstens eine Chance zu haben.</span></p>
<p><strong>Ich habe gelesen, es soll ein Team entstehen von 10 bis 15 Leuten. Wie oft möchtet ihr denn solche grossen Geschichten schreiben?</strong><br />
Also wir brauchen mindestens eine gute Geschichte pro Tag, vielleicht flankiert von zwei kleineren. Wir werden täglich etwas drauf haben. Aber wir werden versuchen, «No Bullshit» drauf zu haben, das heisst, nichts, was nicht wirklich fertig ist. Nichts, was nicht wirklich interessant ist. Wir wollen alles Halblange, Halbfertige, Halbdurchdachte, Halbleidenschaftliche, Halbgare draussen haben. Wir werden es nicht schaffen, aber wir werden es anstreben. Und dadurch trotz der Länge gewisser Artikel zeitsparend sein.</p>
<p><strong>Zeitsparend indem man nur noch euer Produkt konsumieren muss und kein anderes?</strong><br />
Ich glaube es gibt sehr verschiedene Formen von Lesern, aber erstmal sind wir ein komplementäres Produkt. Wir wollen die Referenz sein, wo du nicht enttäuscht von der Seite weggehst. Unsere einzige Überlebenschance ist ja, die Leser zu begeistern. Das ist ein ganz anderes Ziel als bei anderen Medien. Das Ziel der Tageszeitung ist es, die tägliche Agenda abzuarbeiten, sodass die Zeitung ohne weisse Flecken voll ist. Das Ziel eines typischen Onlineportals ist es, möglichst viele Klicks zu generieren. Unser Ziel ist, dass die Leser wirklich überzeugt und begeistert sind, weil sie uns am Ende nicht bezahlen werden, wenn sie das nicht sind.</p>
<blockquote><p>Wir haben keine andere Chance, als die Leute von Zeit zu Zeit wirklich hinzureissen, sodass sie das Gefühl haben: Okay, das sind meine Jungs, meine Mädels, meine Mannschaft – ich zahle dafür.</p></blockquote>
<p><span class="soundcite" data-id="303629544" data-start="522167" data-end="342" data-plays="1">Und sollten wir das nicht schaffen, dann werden wir zurecht den Weg allen Fleisches gehen und in Schande untergehen.</span></p>
<p><strong>Ihr arbeitet zurzeit mit einer Anschubfinanzierung?</strong><br />
Wir haben nur eine kleine Anschubfinanzierung bis im Mai. Dann haben wir ungefähr drei bis vier Millionen – später vielleicht mehr. Aber die Finanzierung für die ersten zwei Jahre steht. Aber nur unter einer Bedingung! Das Problem bei einem neuen Medium ist ja, dass Journalismus ein Hochrisikogeschäft ist. Und das Problem bei der Planung, das wir hatten, war, dass wir ein Medium geplant haben, das gross genug ist, damit wir in der politischen Debatte auch Schlagkraft haben, aber klein genug, damit wir überleben können. Daran haben wir lange rumdiskutiert: Wie gross muss das sein? Dann sind wir zu einem Plan gekommen. Wir fanden ihn überzeugend, aber es gibt eine Lücke in diesem Plan. Und erstaunlicherweise ist es die entscheidende Lücke. Das ist der Markt. Wie viele Leute wollen uns eigentlich? Niemand kann das sagen, bevor man es nicht probiert hat. Wir wollten auch nicht auf Investoren zugehen und sagen: Okay finanziert uns mal für zwei, drei Jahre und wir arbeiten dann fröhlich vor uns her und vielleicht liest uns niemand und wir verbrennen euer Geld unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Und deshalb haben wir uns entschlossen, ein anderes Modell zu wählen. Und zwar haben wir alle Investitionen und alle Spenden an ein gigantisches Crowdfunding gebunden, das wir im Mai machen werden. Dieses Crowdfunding ist der Markttest. Es macht keinen Sinn, ein Massenmedium zu gründen, wenn uns die Leute nicht wollen. Wenn wir dieses Crowdfunding gewinnen – und es wird eine happige Summe sein, die wir erreichen müssen – dann werden alle Investorengelder ausgelöst und wir sind für zwei Jahre finanziert. <span class="soundcite" data-id="303629544" data-start="668065" data-end="752" data-plays="1">Verlieren wir dieses Crowdfunding sind wir sofort tot und müssen aus Schande wahrscheinlich in die Provinz gehen oder ins Ausland oder in die Werbung oder in die Unternehmenskommunikation. Und natürlich ist es so, dass Investoren auf den Businessplan sehen. Sie schauen auf die Idee, sie schauen auf die Demokratie, aber die schauen natürlich auch auf die Geschichte.</span> Und es ist eine viel bessere Geschichte, wenn du sagst:</p>
<blockquote><p>Wir springen zuerst von der Klippe.</p></blockquote>
<p>Und sie springen erst nach uns und können sehen, ob der Fluss nun tief genug war oder ob wir uns die Beine gebrochen haben. Das ist eine von vier Wetten, die bei diesem Projekt bestehen.</p>
<p><strong>Was sind die nächsten drei?</strong><br />
Es sind alles riskante Wetten. Die Erste ist das Crowdfunding. Wir brauchen mindestens 3000 Leute, die irgendwas zwischen 150 und 200 Franken zahlen – einige noch mehr. Die zweite Wette ist, dass wir es schaffen werden, nachhaltig erfolgreich zu sein. Dass wir eine mindestens selbsttragende Firma werden. Die dritte Wette ist ziemlich gegen den Trend. Nämlich die, dass wir es schaffen, eine Homepage aufzubauen, wo die Leute hingehen, die ein Referenzpunkt ist, die ein Ort des Vertrauens ist. Das ist eigentlich völlig gegen den Trend bei Social Media, wo sich die Artikel über den Planeten verteilen, ohne dass man auf den Absender sieht. Und die vierte und für mich heikelste Wette ist: Wenn wir dieses Crowdfunding gewonnen haben, dann werde ich mich erstmal ziemlich fürchten, weil es heisst, dass wir anfangen können. Und unser Versprechen ist es ja, dass wir ein «High End», «Top Class», «State of The Art» Produkt produzieren, dass wir mit einer kleinen Guerilla-Truppe besser sind als die grossen stehenden Heere der Redaktionen.</p>
<blockquote><p><span class="soundcite" data-id="303629544" data-start="804344" data-end="33" data-plays="1">Und wir werden zur Hölle besser sein müssen, weil sonst haben wir gar keine Existenzberechtigung.</span></p></blockquote>
<p>Weil «More of the Same» wäre völlig idiotisch. Das heisst, wir müssen dann beweisen, dass unsere Versprechen nicht nur Versprechen waren, sondern wir müssen wirklich verdammt guten Journalismus machen <span class="soundcite" data-id="303629544" data-start="826945" data-end="943" data-plays="1">und davor fürchte ich mich schon jetzt. Es wird nicht einfach werden. Und es wird eine Hölle an Arbeit werden und man muss einiges neu erfinden in diesem Business um wirklich einen spürbaren Unterschied zu machen.</span></p>
<p><strong>Wer investiert in Project R?</strong><br />
Das sind mehrere Leute. Von kleinen Beträgen bis happigen Beträgen. Meistens motiviert dadurch, dass sie das Gefühl haben, dass Journalismus wichtig ist für die Demokratie. Dass es wichtig ist, im Journalismus einen neuen Weg zu finden und einen Unterschied zu machen. Also durchaus idealistische Investoren, die aber auch nicht wollen, dass ihr Geld in einem praktisch öffentlichkeitslosen Ofen verfeuert wird und die auch durchaus erfreut wären, wenn eines Tages wieder etwas zurückkommt.</p>
<p><strong>Das bringt aber auch Abhängigkeiten mit sich.</strong><br />
Wir haben ein Firmenmodell gebaut, in dem Investoren, Mitarbeiter und Leser je zu ungefähr einem Drittel etwas zu sagen haben. Wir werden also nicht abhängig sein von den Investoren. Sie werden nicht die Stimmenmehrheit haben, ausser sie verbünden sich mit den Lesern gegen die Redaktion. Das hiesse aber, dass die Redaktion wahrscheinlich ziemlichen Unfug gebaut hat. Wir werden ziemlich unabhängig sein vom Geld. Wesentlich unabhängiger als praktisch sämtliche anderen Zeitungen.</p>
<p><strong>Du hast von Leben und Tod gesprochen. Wo ist denn da jetzt die Grenze? Wann sagt ihr, okay wir haben&#8217;s geschafft?</strong><br />
Die Summe, die wir beim Crowdfunding erreichen müssen, wird irgendwo zwischen einer halben und einer ganzen Million liegen. Und dann ist die Sache sehr klar: Erreichen wir die Summe, dann leben wir – also dann werden wir geboren werden. Im Moment sind wir praktisch noch ein Embryo. Erreichen wir sie nicht, dann sterben wir vor der Geburt.</p>
<p>Das ist gar nicht mehr unsere Frage. In dem Moment, in dem das Crowdfunding losgeht, ist das die Frage der Leserinnen und Leser.</p>
<blockquote><p><span class="soundcite" data-id="303629544" data-start="986412" data-end="658" data-plays="1">Wir legen unser Schicksal und das Schicksal unserer Familien in die Hand der Leser. Und dann wollen wir mal sehen.</span></p></blockquote>
<p><strong>Vielleicht noch zum Verständnis: Es wird keine Paywall geben? Werden alle Inhalte frei zugänglich sein, um Reichweite zu generieren?</strong></p>
<p>Doch, es gibt eine Paywall, aber sie wird etwas tief angesetzt, weil was wir den Leuten, die uns bezahlen, liefern wollen, ist ja auch Wirkung. Es ist auch so, dass wir versuchen, ihnen ein Magazin anzubieten mit hervorragendem Journalismus, aber nur in zweiter Linie. Eigentlich ist es eine Dienstleistung, die wir verkaufen wollen. Wir wollen so etwas wie eine Fussballmannschaft aufstellen, die für die Leute rennt, nachdenkt, recherchiert, fightet, die sich in die Komplexität der Wirklichkeit stürzt. Denn als normaler Mensch hat man ja einen Beruf, man hat eine Familie, man hat vielleicht sogar noch ein Hobby. Man hat nicht unendlich Zeit, sich mit der Welt zu beschäftigen. Also kann man das delegieren. Die Ware, die man als Journalist anbietet, ist komprimierte Zeit. Während andere Familie und Beruf und etwas vernünftiges tun, sitzt man da und beschäftigt sich der Welt und recherchiert. Wenn ich dann zum Beispiel anfange zu schreiben – also nach aller Recherche – dann hab ich ungefähr ein Tempo von 1000 Zeichen pro Stunde mit allem Feilen und Redigieren. Das liest du in ungefähr einer Minute weg. <span class="soundcite" data-id="303629544" data-start="1099582" data-end="830" data-plays="1">Das heisst, ich habe 60 Mal mehr Zeit darüber nachzudenken als der Leser. Und deshalb ist es auch meine gottverdammte Pflicht und Schuldigkeit, dem Leser irgendetwas Neues oder Interessantes, etwas Amüsantes oder irgendetwas Irritierendes zu sagen.</span></p>
<p><strong>Und nochmal zurück zum Anfang: Es wird aber auch einen Teil geben, der weniger komprimiert ist, der gratis sein wird?</strong><br />
Ne, der ist auch komprimiert. Wir können es uns nicht leisten, Bullshit oder mangelnde Qualität oder irgendetwas auf dieser Seite zu haben, von dem nicht mindestens wir überzeugt sind.</p>
<p><strong>Und wo verläuft die Grenze? Was ist dann gratis und was nicht?</strong><br />
Wir werden pro Jahr mindestens vier, später sechs, später acht riesige Geschichten planen, bei denen wir ein Budget von 60&#8217;000 Franken haben werden. Ein Budget, das viel grösser ist, als jede andere Geschichte, wo wir mit einem Team wirklich die Chance haben, etwas «à fond» zu recherchieren. Diese Geschichten werden mit Sicherheit hinter der Paywall sein. Aber die tägliche Debatte, das tägliche Magazin, das wird gratis zu lesen sein. Wir wollen durchaus, dass die Leute uns unterstützen, aber weil sie überzeugt sind, dass es diesen Journalismus, diese Mannschaft, dieses Projekt, den Hack im Mediensystem braucht.</p>
<p><strong>Ich hab von zehn bis 15 Franken pro Monat gelesen. Stimmt das?</strong><br />
Ja, es wird ungefähr in der Höhe eines Netflix-Abonnements sein.</p>
<p><strong>Und wer crowdfundet, der ist dann automatisch für ein Jahr Abonnent?</strong><br />
Ja, das glaub ich doch.</p>
<p><strong>Wie viele Mitglieder braucht ihr, um selbsttragend zu sein?</strong><br />
Wir brauchen nach fünf Jahren 22&#8217;000 Mitglieder. Wir wissen auch nicht genau, ob das viel oder wenig sind. Es sind viel, wenn man bisherige Online-Abonnements von Zeitungen ansieht, aber das sind Online-Abonnements von Zeitungen und nicht ein spezifisches Projekt wie unseres. Es ist gleichzeitig nur vier Prozent vom Markt, wenn man die ganzen Zeitungsleser in der Deutschschweiz nimmt – von Regionalzeitungen bis Wochenzeitungen.</p>
<blockquote><p><span class="soundcite" data-id="303629544" data-start="1251316" data-end="663" data-plays="1">Wir haben keine Ahnung ob das ein bescheidenes oder unglaublich ambitioniertes Ziel ist, aber wir werden es herausfinden.</span></p></blockquote>
<p><strong>Gibt es neben der Paywall auch die Möglichkeit, für Artikel einzeln zu bezahlen?</strong></p>
<p>Das wird es irgendwann geben. Micropayment ist im Kommen. Wir werden darauf reagieren, aber wir sind noch nicht so weit, die ganzen Feinheiten und Einzelheiten des Pricings zu machen. Wir sind im Moment noch an der Rechtsform, an den ganzen Fundamenten, wir arbeiten daran, das inhaltliche Konzept weiter zu schärfen. Wir reden mit Anwälten und Journalisten und im Moment mit Werbern, weil wir ja Propaganda fürs Crowdfunding betreiben werden.</p>
<blockquote><p><span class="soundcite" data-id="303629544" data-start="1306079" data-end="84" data-plays="1">Wir müssen hektoliterweise Hoffnung verkaufen bis im Mai, die wir dann über Jahre in kleinen Fläschchen wieder zurückstottern müssen.</span></p></blockquote>
<p>Die Feinheiten des Micropayments – damit werden wir uns beschäftigen, aber ich schätze eher im Sommer.</p>
<p><strong>Wie zuversichtlich bist eigentlich du selbst?</strong><br />
<span class="soundcite" data-id="303629544" data-start="1331478" data-end="517" data-plays="1">It&#8217;s a hell of a time, it&#8217;s a hell of a game. Es ist so, dass es das wichtigste, das interessanteste, das schwierigste Projekt ist, das ich in meinem Leben habe. Es ist grossartig, es zu machen. Es ist eine grossartige Mannschaft. Es ist eine wichtige Sache. Es wäre eine harte Niederlage. Es ist durchaus high Risk, aber es ist das Ding für das man geboren wurde. Und dann musst du es tun. Und da ist gar nicht die Frage, ob du mit Sicherheit mit einem Erfolg rechnen kannst. Mit Sicherheit sicher nicht! Aber es ist das, was zu tun ist.</span></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/01/20/wir-muessen-hektoliterweise-hoffnung-verkaufen/">Constantin Seibt: «Wir müssen hektoliterweise Hoffnung verkaufen»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Überlebensübung in der Nische</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/12/29/ueberlebensuebung-in-der-nische/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Minder]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Dec 2016 15:10:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Beatrice Oeri]]></category>
		<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Coup]]></category>
		<category><![CDATA[Crowdfunding]]></category>
		<category><![CDATA[Joel Bedetti]]></category>
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		<category><![CDATA[Christof Moser]]></category>
		<category><![CDATA[Konrad Mazanowski]]></category>
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		<category><![CDATA[Geschäftsmodell]]></category>
		<category><![CDATA[Stiftung]]></category>
		<category><![CDATA[Reportagen]]></category>
		<category><![CDATA[Stiftung für Medienvielfalt]]></category>
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		<category><![CDATA[Project R]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine bunte Population von Plattformen mit einem journalistischen Kontrastprogramm hat sich jenseits der grossen Medienhäuser im Internet angesiedelt. Im digitalen Biotop zu überleben, ist aber nicht ganz einfach. Ein Besuch beim «Coup»-Magazin und ein breiter Blick auf eine blühende Landschaft. Ein zum Büro umfunktionierter Kellerraum, darin vier Arbeitsplätze, ein Elektroöfeli, das notdürftig heizt. Durchs Fenster geht der <a href="https://medienwoche.ch/2016/12/29/ueberlebensuebung-in-der-nische/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Eine bunte Population von Plattformen mit einem journalistischen Kontrastprogramm hat sich jenseits der grossen Medienhäuser im Internet angesiedelt. Im digitalen Biotop zu überleben, ist aber nicht ganz einfach. Ein Besuch beim «Coup»-Magazin und ein breiter Blick auf eine blühende Landschaft.<br />
<span id="more-28563"></span><br />
Ein zum Büro umfunktionierter Kellerraum, darin vier Arbeitsplätze, ein Elektroöfeli, das notdürftig heizt. Durchs Fenster geht der Blick in einen kleinen Innenhof, dahinter ragt die Mauer des Zürcher Volkshauses in die Höhe. «Wenn die Chippendales auftreten, hören wir das Kreischen», sagt Pascal Sigg. Er ist einer der drei Gründer des <a href="http://www.coup-magazin.ch/" target="_blank">digitalen Gesellschaftsmagazins «Coup»</a>, das seit März 2016 online ist. Die Redaktionsstube entspricht dem romantischen Klischee vom Garagen-Start-up. Auch die Gründer passen gut ins Bild. Drei junge, leidenschaftliche Journalisten, die nicht glücklich wurden, mit dem, was in den etablierten Medien möglich ist. Sie wollten lange, aufwändig recherchierte Texte schreiben, statt täglich drei Geschichten rauszuhauen oder online Klicks zu generieren. Referenz waren die vergangenen Blütezeiten des «Magazins» des «Tages-Anzeigers», die deutsche Wirtschaftszeitschrift «brand eins», das Magazin «Reportagen». «Wir wollen Journalismus verkaufen, nicht Aufmerksamkeit», fasst Sigg zusammen.</p>
<p>Im November 2014 mietete er zusammen mit Andres Eberhard und Joel Bedetti das Kellerabteil im Volkshaus. Dort brüteten sie über einem Geschäftsmodell. Es musste etwas sein, das sich mit ihren anderen Jobs vertrug: Sigg arbeitet 50% auf dem Sportamt der Stadt Zürich und schreibt seine Dissertation, Eberhard hat eine 60%-Stelle als Redaktor beim Zürcher Oberländer, beide sind daneben noch als Freie tätig. Bedetti ist hauptsächlich Freelancer. Die Lösung: Eine grosse Geschichte im Umfang von 25&#8217;000 bis 35&#8217;000 Zeichen pro Monat. Online drängte sich auf, weil Druck und Vertrieb wegfielen, aber auch weil es mehr formale Flexibilität bietet als Papier. Die Basler Stiftung für Medienvielfalt der Roche-Erbin Beatrice Oeri unterstützte das Projekt mit 15&#8217;000 Franken, den sie in eine professionelle Crowdfunding-Kampagne steckten. Das Sammelziel waren 50‘000 Franken, die fürs erste Jahr reichen sollten: Zwölf Artikel à 3000 Franken für die Autorinnen und Autoren plus die Kosten von Website, Grafik, Marketing und Crowdfunding. Zwei Tage vor Ablauf der Sammelfrist stand der Pegel erst bei 30‘000 Franken, die Mission war gefährdet. Dann trat eine Einzelperson, die nicht genannt sein will, auf den Plan und schüttete das fehlende Geld in den Topf: <a href="https://wemakeit.com/projects/digitales-magazin-coup/show/news" target="_blank">«Coup» war gelandet</a>. Inzwischen stehen acht grosse Reportagen auf der Website. 400 Personen haben ein Abonnement. Zum Gründerteam sind die Journalistin Anna Miller und der Grafiker Konrad Mazanowski gestossen. «Im Januar ziehen wir eine erste Zwischenbilanz», sagt Pascal Sigg.</p>
<p><strong>Die andere Sicht</strong><br />
Die Geschichte von «Coup» ist in mehrfacher Hinsicht exemplarisch für verlagsunabhängige digitale Magazine. Viele entstanden, weil ihre Macherinnen und Macher mit der real existierenden Medienlandschaft unzufrieden waren. Das gilt auch für jenes Projekt, das derzeit am meisten von sich reden macht: <a href="https://project-r.construction/" target="_blank">«Project R»</a>. «Es ist Zeit, dass sich die Journalisten unabhängig machen und der Journalismus unabhängig von den Grossverlagen existieren kann», schreibt Constantin Seibt auf der Facebook-Seite von Project R. Der bekannte Noch-«Tages-Anzeiger»-Redaktor ist das Aushängeschild des geplanten Magazins. Er und Christof Moser, heute Reporter und Medienkritiker der «Schweiz am Sonntag», sind daran, sieben Millionen Franken Startkapital aufzutreiben. 3,5 Millionen seien bereits gesichert, schreibt der «Schweizer Journalist» in seiner Dezember-Ausgabe. Die Redaktion soll acht bis zehn Personen umfassen, denen «einigermassen branchenkonforme Löhne» bezahlt werden sollen. Losgehen soll es frühestens im Spätsommer 2017. Neben der Werbung sollen Abonnentinnen und Abonnenten das nötige Geld in die Kasse spülen. Gegenüber der Wochenzeitung WOZ <a href="http://www.woz.ch/-730f" target="_blank">hatte Seibt im Oktober gesagt</a>, Konzerne wie Tamedia würden sich zu «grossen Verteilstationen von Informationen und Waren» wandeln, was verheerende Folgen für den Journalismus, für Leserinnen und Leser und die Demokratie habe. Dem wolle das Projekt etwas entgegensetzen. Was genau, ist noch wolkig. «Grosse Schauplätze, grosse Debatten, verlässliche Argumente», und «entscheidende Fragen mit grossen Geschichten» werden die beiden Initianten im «Schweizer Journalist» zitiert.</p>
<p><a href="http://www.infosperber.ch/" target="_blank">«Infosperber»</a>, seit März 2011 im Netz, stört sich ebenfalls daran, dass sich die Zeitungen, Radio und Fernsehen zunehmend an Einschaltquoten und (sinkenden) Inserateeinnahmen orientieren. «Infosperber will diese Mainstream-Medien nicht konkurrenzieren, sondern sie ergänzen. Die Plattform setzt sich zum Ziel, allein nach gesellschaftlicher oder politischer Relevanz zu gewichten», steht in der Rubrik «über uns». Um Analysen und Hintergrund statt News und Kurzfutter geht es seit 2010 <a href="https://www.journal21.ch/" target="_blank">auch im «Journal 21»</a>. Dahinter stehen 80 erfahrene, viele davon pensionierte, namhafte Journalistinnen und Journalisten. «Wir richten uns an Leserinnen und Leser, die bereit sind, anspruchsvolle Texte zu konsumieren», schreibt Gründer Heiner Hug, ehemaliger Leiter der Tagesschau des Schweizer Fernsehens.</p>
<p><strong>Im Reich der Monopole</strong><br />
Regionale Zeitungsmonopole wirken ebenfalls als guter Nährboden, der digitale Medien spriessen lässt. In Basel bietet der Journalist Peter Knechtli seit 1998 mit seinen <a href="http://onlinereports.ch/" target="_blank">«Online Reports»</a> eine Alternative oder zumindest eine wichtige Ergänzung zur «Basler Zeitung». Das war damals eine Pioniertat, zumal als Online-Angebot. Dank Werbung und einem mit Spenden alimentierten Recherchierfonds hält sich Knechtli bis heute gut. Daran änderte sich auch nichts, als 2011 in Basel <a href="http://www.tageswoche.ch/" target="_blank">zusätzlich die «Tageswoche»</a> auf den Plan trat, eine digitale Zeitung mit einer gedruckten Ausgabe am Freitag. Der Hybrid war entstanden, nachdem die «Basler Zeitung» in Blochers Fahrwasser geriet und sie der SVP-Politiker schliesslich kaufte. Die «Tageswoche» wurde mit viel Geld der gleichzeitig gegründeten Stiftung für Medienvielfalt von Beatrice Oeri angeschoben und wird von ihr bis heute mitfinanziert.</p>
<p>Weil die Zeitungsvielfalt auch anderswo abnimmt, entstanden in jüngerer Zeit in verschiedenen Regionen digitale Alternativen. Im Reich von Hanspeter Lebruments Südostschweiz ist mit <a href="http://grheute.ch/" target="_blank">«GR heute»</a> seit September 2015 eine neue, unabhängige Stimme zu hören. In Bern gibt es das <a href="http://www.journal-b.ch/" target="_blank">«Journal B» (seit 2013)</a>, in Zug und Luzern <a href="http://www.zentralplus.ch/" target="_blank">«zentralplus.ch» (seit 2013)</a>. Urnerinnen und Urner können sich seit 2011 <a href="https://www.politcast-uri.ch/" target="_blank">auf «politcast-uri.ch»</a> Audiobeiträge anhören. Das <a href="https://tsri.ch/zh/" target="_blank">Stadtmagazin «tsüri.ch»</a> ist seit Januar 2015 online. Mit Texten, Videos und Ausgehtipps richtet es sich an ein junges, urbanes Publikum. Nach Meinung der Macher bestand für diese Zielgruppe eine Angebotslücke. Der Erfolg scheint die Diagnose zu bestätigen: Bis zu 30‘000 Menschen besuchen die Plattform monatlich.</p>
<p>«Für die Medienvielfalt sind die Online-Medien fraglos eine gute Sache», sagt die Medienjournalistin Bettina Büsser. Viele spielten auch als Ausbildungsredaktionen für junge Journalistinnen und Journalisten eine wichtige Rolle. Davon kann ein Magazin aber nicht leben. Genug Geld zu generieren, ist die grosse Herausforderung für die digitalen Medien. Es sei denn, sie betreiben Journalismus ehrenamtlich, was keine Seltenheit ist. Bei Infosperber, Journal 21 und einigen der regionalen Magazine, etwa «Journal B» in Bern, und Fachmedien arbeiten die Leute für Gottes Lohn. Die Magazine, die ihre Mitarbeitenden entlöhnen wollen, haben das Problem, dass Werbung, wie sie heute im Web funktioniert, auf so kleinen Seiten nichts hergibt, ausser ein verschandeltes Layout. Gleichzeitig zeigt sich die Leserschaft nur bedingt bereit, für das Gelesene zu bezahlen. Und Mäzene stehen auch nicht Schlange. Oft komme es zu einem Wettlauf, sagt Medienkennerin Bettina Büsser: «Reicht der Enthusiasmus so lange, bis genügend zahlende Abonnenten vorhanden sind?» Besonders in der Startphase spielten deshalb Stiftungen eine wichtige Rolle. «Ohne reiche Erben, die solche Projekte unterstützen, wäre die Landschaft ärmer.»</p>
<p><strong>Die vom Fach</strong><br />
Unübersichtlich artenreich ist die Population der digitalen Fachmedien. Unter den ersten, die den Evolutionsschritt vom Papier ins Netz machten, waren Magazine, die über die Kommunikationsbranche berichteten. Der <a href="http://www.kleinreport.ch/" target="_blank">Newsletter «Klein Report»</a> erscheint seit dem Jahr 2000. Gleich alt ist der <a href="http://www.persoenlich.com/" target="_blank">«persoenlich.com»</a>-Newsletter, die digitale Ergänzung des Hochglanzmagazins «persönlich». Jünger (seit 2011), analytischer und kritischer kommt die «Medienwoche» daher. Bei ihr gibt es keine täglichen News, sondern Hintergrundberichte, Analysen, Interviews und Meinung. Journalismus, aber auch Kunst, Musik und Dokumentarfilm werden im <a href="http://neulandmagazin.net/" target="_blank">Magazin «Neuland»</a> thematisiert. Es erscheint alle zwei Monate.</p>
<p>Was noch? Noch ganz ganze viel. Zum Beispiel <a href="https://tink.ch/" target="_blank">«Tink.ch»</a>: Das Online-Jugendmagazin feiert dieses Jahr sein 10-Jahr-Jubiläum. Es ist aus der Berner Kultur- und Stadtagenda «Youthguide» hervorgegangen und heute ein dreisprachiges Magazin mit Redaktionen in der ganzen Schweiz. Die Schreibenden sind junge Leute zwischen 15 und 30, die hier das journalistische Handwerk lernen. Oder <a href="https://www.swissmom.ch/" target="_blank">«swissmom.ch»</a>, das Fachmagazin rund ums Kinderkriegen und –haben, das dieses Jahr vom Verlegerverband einen Q-Award bekommen hat, obwohl der eigentlich Publikationen auf Papier vorbehalten ist. Oder «Das Lamm», das kritische Fragen zur Nachhaltigkeit stellt, oder «Saiten», das Ostschweizer Kulturmagazin, oder <a href="http://finews.ch/" target="_blank">«finews.ch»</a> und <a href="http://insideparadeplatz.ch/" target="_blank">«insideparadeplatz.ch»</a>, die Intimes aus der Schweizer Finanzbranche berichten, oder… Die Liste liesse sich beliebig verlängern. Die grosse Vielfalt hat auch damit zu tun, dass Fachmagazine – egal ob digital oder analog – leichter zu Geld kommen, als thematisch breit aufgestellte Medien.</p>
<p><strong>Verkaufen, planen, organisieren</strong><br />
Wer jedoch einen weiten Winkel pflegen und davon leben will, muss sich was einfallen lassen. Bei «coup» zum Beispiel ist der Zeitpunkt nicht mehr fern, zu dem die Crowdfunding-Mittel zur Neige gehen. Jetzt muss wieder Geld her. Das bedeutet Klinken putzen bei Stiftungen und Privatpersonen, Bekanntheitsgrad und Abonnentenzahlen erhöhen, vielleicht einen Förderverein gründen. Also verkaufen, planen, organisieren: Machen sich Journalisten selbständig, müssen sie Dinge tun, um die sich vorher die Verlage kümmerten. «Coup»-Gründer Pascal Sigg hat damit kein Problem: «Ich finde das Unternehmerische spannend.»</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/12/29/ueberlebensuebung-in-der-nische/">Überlebensübung in der Nische</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<item>
		<title>Die Produktion von Angst</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/05/28/die-produktion-von-angst/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 28 May 2015 11:30:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Constantin Seibt]]></category>
		<category><![CDATA[Angst]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Christa Markwalder, Geri Müller, das Schweizer Fernsehen, Carlos – sie alle liefern perfekten Empörungsstoff. (…) Das politische Resultat von Empörungsjournalismus ist primär Angst: die Angst, einen Fehler zu machen. Und zu deren Abwehr mehr Bürokratie. Journalismus wird zu einer teuren Sache.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Christa Markwalder, Geri Müller, das Schweizer Fernsehen, Carlos – sie alle liefern perfekten Empörungsstoff. (…) Das politische Resultat von Empörungsjournalismus ist primär Angst: die Angst, einen Fehler zu machen. Und zu deren Abwehr mehr Bürokratie. Journalismus wird zu einer teuren Sache.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/05/28/die-produktion-von-angst/">Die Produktion von Angst</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Der Teufel im System</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/03/02/der-teufel-im-system/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Mar 2015 08:54:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Kurt Imhof]]></category>
		<category><![CDATA[Constantin Seibt]]></category>
		<category><![CDATA[Nachruf]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=3796</guid>

					<description><![CDATA[<p>Kurt Imhof fuhr Motorrad, rauchte, war einer der wenigen echten Intellektuellen unter den Professoren und legte sich mit der gesamten Medienbranche an. Vergangenen Sonntag starb er.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Kurt Imhof fuhr Motorrad, rauchte, war einer der wenigen echten Intellektuellen unter den Professoren und legte sich mit der gesamten Medienbranche an. Vergangenen Sonntag starb er.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/03/02/der-teufel-im-system/">Der Teufel im System</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die tödlichsten Zeichnungen der Welt</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/01/07/die-toedlichsten-zeichnungen-der-welt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 07 Jan 2015 21:13:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[tagesanzeiger.ch]]></category>
		<category><![CDATA[Satire]]></category>
		<category><![CDATA[Charlie Hebdo]]></category>
		<category><![CDATA[Constantin Seibt]]></category>
		<category><![CDATA[Terrorismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Schon vor dem Attentat in Paris starben ihretwegen über 100 Menschen: Eine kurze Geschichte der Mohammed-Karikaturen.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Schon vor dem Attentat in Paris starben ihretwegen über 100 Menschen: Eine kurze Geschichte der Mohammed-Karikaturen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/01/07/die-toedlichsten-zeichnungen-der-welt/">Die tödlichsten Zeichnungen der Welt</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Internet kaputt! Nicht kaputt!</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2014/01/21/internet-kaputt-nicht-kaputt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Jan 2014 12:45:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Constantin Seibt]]></category>
		<category><![CDATA[Evgeny Morozov]]></category>
		<category><![CDATA[Jeanette Hofmann]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Michael Seemann]]></category>
		<category><![CDATA[Debatten]]></category>
		<category><![CDATA[Oliver Georgi]]></category>
		<category><![CDATA[FAZ]]></category>
		<category><![CDATA[Stefan Betschon]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Wolfgang Michael]]></category>
		<category><![CDATA[Überwachung]]></category>
		<category><![CDATA[Sascha Lobo]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>2014 startet mit einer Grossdebatte um das Internet und die Überwachung. Nach einem Text von Sascha Lobo erscheinen Beiträge von Guido Berger, Wolfgang Michal, Evgeny Morozov, Stefan Betschon, Michael Seemann, Oliver Georgi, Jeanette Hofmann und Constantin Seibt. Ein Überblick mit Einordnung. «Die digitale Kränkung des Menschen» (faz.net, Sascha Lobo, 11. Januar) «Ich habe mich geirrt, <a href="https://medienwoche.ch/2014/01/21/internet-kaputt-nicht-kaputt/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>2014 startet mit einer Grossdebatte um das Internet und die Überwachung. Nach einem Text von Sascha Lobo erscheinen Beiträge von Guido Berger, Wolfgang Michal, Evgeny Morozov, Stefan Betschon, Michael Seemann, Oliver Georgi, Jeanette Hofmann und Constantin Seibt. Ein Überblick mit Einordnung.<br />
<span id="more-17648"></span><br />
<img decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-17667" title="Sascha Lobo" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2014/01/sascha-lobo.jpg" alt="" width="120" height="120" /><strong><a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/abschied-von-der-utopie-die-digitale-kraenkung-des-menschen-12747258.html?printPagedArticle=true">«Die digitale Kränkung des Menschen»</a></strong><br />
(faz.net, Sascha Lobo, 11. Januar)<em><br />
</em></p>
<blockquote><p><em>«Ich habe mich geirrt, und zwar auf die für Experten ungünstigste Art, also durch Naivität.»</em></p>
<p><em> </em><em> </em></p></blockquote>
<p><em> </em></p>
<p><em> </em></p>
<p>Hund beisst Mann &#8211; keine Nachricht. Aber Mann beisst Hund &#8211; unbedingt eine Nachricht! Wenn also «Deutschlands bekanntester Internet-Experte» Sascha Lobo sagt, das Ding sei «kaputt», dann ist das für alle, die durch das Ding bisher Nachteile erfahren haben, also zum Beispiel Zeitungsjournalisten, eine willkommene Nachricht, die sie sofort und gerne weiterverbreiten. Dass es womöglich eher banal ist, dass eine Einzelperson sich etwas vorgestellt hat und nun von seinen Vorstellungen enttäuscht wurde, spielt da keine Rolle. Was die im Text sechs Mal von Lobo erwähnte «Netzgemeinde» ist, will und macht, bleibt unklar und folglich auch unwichtig.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-17718" title="Guido Berger" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2014/01/guido-berger.jpg" alt="" width="120" height="120" /><strong><a href="http://www.srf.ch/wissen/digital/trau-keinem-internet-experten">«Trau keinem Internet-Experten»</a></strong><br />
(srf.ch, Guido Berger, 13. Januar)<em><br />
</em></p>
<blockquote><p><em>«Einer wie Sascha Lobo lebt von Zuspitzungen.»</em></p>
<p><em> </em><em> </em></p></blockquote>
<p><em> </em></p>
<p><em> </em></p>
<p>SRF-Digitalredaktor Guido Berger war einer der ersten, der auf Lobos Artikel reagierte, mit dem Herunterholen der Thesen auf das Einerseits-Andererseits: «So wenig wie das Internet den Weltfrieden brachte und alle plötzlich kreativ und frei wurden, so wenig ist es jetzt plötzlich nur noch der verlängerte Arm von Tyrannen und Spionen.» Lobo erledige, was Journalisten von einem Experten erwarten, nämlich «komplexe Themen verkürzt erklärt zu bekommen». Dass Berger auch einer dieser «Experten» ist, kann man dem Schlusssatz entnehmen: «Wenn also selbsternannte Internet-Experten behaupten, sie könnnen dieses Internet in einem Satz erklären oder ein komplexes Problem ganz einfach lösen, dann ist gesunde Skepsis wohl die beste Reaktion.» Genau, gesunde Skepsis ist ein hervorragender Ratgeber, hat doch Lobo weder sich selbst zu einem Internet-Experten ernannt, noch das Internet in einem Satz erklärt, noch behauptet, ein komplexes Problem ganz einfach lösen zu können.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-17669" title="Wolfgang Michal" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2014/01/wolfgang-michal.jpeg" alt="" width="120" height="120" /><strong><a href="http://www.carta.info/69001/sascha-lobos-buse-und-neubeginn/">«Sascha Lobos Busse und Neubeginn»</a></strong><br />
(carta.info, Wolfgang Michal, 14. Januar)<em><br />
</em></p>
<blockquote><p><em>«Nachdem Lobo viele, viele Absätze lang über seine Abkehr von den alten Illusionen philosophierte und seine frühere Naivität öffentlich geißelte, kommt er uns schon wieder mit … naivem Idealismus. Sollen wir darüber frohlocken?»</em></p>
<p><em> </em><em> </em></p></blockquote>
<p><em> </em></p>
<p><em> </em></p>
<p>Wolfgang Michal analysiert Lobos Büssertum auf lesenswerte Weise und vergleicht die Blindgläubigen unter den Internetfreunden mit den «gutgläubigen Kommunisten der dreißiger Jahre». Enttäuscht ist Michal vor allem vom Schluss, den Lobo zieht, nämlich einfach weiter zu machen mit einem «neuen Internetoptimismus». Dazu gebe es gar keinen Anlass.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-17663" title="Evgeny Morozov" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2014/01/evgeny-morozov.jpg" alt="" width="120" height="120" /><strong><a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/morozov-antwortet-lobo-wir-brauchen-einen-neuen-glauben-an-die-politik-12752129.html?printPagedArticle=true">«Wir brauchen einen neuen Glauben an die Politik!»</a></strong><br />
(faz.net, Evgeny Morozov, 14. Januar)<em><br />
</em></p>
<blockquote><p><em>«Nicht digitalen Optimismus sollten wir kultivieren, sondern Optimismus im Blick auf öffentliche Institutionen und einen neuen Glauben an die Politik.»</em></p>
<p><em> </em><em> </em></p></blockquote>
<p><em> </em></p>
<p><em> </em></p>
<p>Zusammen mit dem die Debatte entzündenden Text von Lobo bereits geplant war die Antwort der Anti-Internet-Allzweckwaffe der deutschen Medien, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Evgeny_Morozov">Evgeny Morozov</a>, dessen Geschäftsmodell es ist, jenen, die mit gedruckter Ware Geld verdienen, Argumente gegen das Internet zu verkaufen (siehe dazu auch <a href="https://medienwoche.ch/2013/04/02/kollektiv-der-konservativen/">«Kollektiv der Konservativen»</a> vom 2. April 2013).</p>
<p>Morozov, geboren im realsozialistischen Weissrussland und ausgebildet an Universitäten in den USA, Bulgarien und Deutschland, fordert die Investition von «Milliarden in eine öffentliche Informationsinfrastruktur». «Sie muss dezentral und öffentlich sein, mit Bürgern, die ihre eigenen Daten von Beginn an besitzen», schreibt er. Es klingt wunderbar, aber ich scheitere sofort, wenn ich mir das in der Realität vorzustellen versuche. Man überlege sich nur mal, ob es das Internet, so wie wir es heute benutzen, überhaupt geben würde, wenn dessen Entwicklung nicht von privaten Unternehmen vorangetrieben, sondern von öffentlich-rechtlichen Gebilden vorgenommen worden wäre, von der ARD, dem ZDF, der SRG. Oder direkt von Deutschland, der Schweiz oder der EU. Man kann davon ausgehen, dass es in einem ganz anderen Zustand wäre. Mit weniger Überwachung? Morozov wird davon überzeugt sein.</p>
<p>Europa hat es trotz Hunderten von Millionen Euro Fördersubventionen nicht geschafft, eine welt- oder auch nur europaweit beliebte Suchmaschine zu etablieren, die Google das Wasser abgraben hätte können (Stand aktuell: Google hat in Deutschland einen <a href="http://www.seo-united.de/suchmaschinen.html">Suchmaschinen-Marktanteil</a> von über 90 Prozent). Das seit bald zehn Jahren geförderte Projekt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Quaero">Quaero</a> beispielsweise kann bisher nicht viel mehr als ein paar <a href="http://www.quaero.org/demos-et-prototypes/">Demos und Prototypen</a> sowie einige auf YouTube (gehört Google) hochgeladene <a href="http://www.youtube.com/watch?v=wrCCvMpNZPs">Image-Videos</a> präsentieren. <a href="http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/netzwirtschaft/ohne-google-co-das-elend-der-europaeischen-suchmaschinen-12235626.html?printPagedArticle=true">«Das Elend der europäischen Suchmaschinen»</a> ist auf Faz.net nachzulesen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-17668" title="Stefan Betschon" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2014/01/stefan-betschon.jpg" alt="" width="120" height="120" /><strong><a href="http://webpaper.nzz.ch/2014/01/16/mobil-digital/KW2G1/ist-das-internet-kaputt?guest_pass=471fba1b66%3AKW2G1%3A3aa688e08888322e2e749dbf15e6e32a486c94b1">«Ist das Internet kaputt?»</a></strong><br />
(nzz.ch, Stefan Betschon, 16. Januar)<em><br />
</em></p>
<blockquote><p><em>«Nicht das Internet ist kaputt, wie Lobo schreibt, sondern der naive Internet-Enthusiasmus.»</em></p>
<p><em> </em><em> </em></p></blockquote>
<p><em> </em></p>
<p><em> </em></p>
<p>Stefan Betschon zeigt verletzte Gefühle, musste doch jeder, der (wie er) der Internet-Euphorie der letzten Jahre kritisch gegenüber stand, «sich als Ewiggestriger, als Schallplattenverkäufer, Print-Journalist, als Verlierer abkanzeln lassen». Um so mehr freut er sich, «dass im Kopf von Sascha Lobo die Gedanken nun die Richtung gewechselt haben, dass der unbegrenzte Internet-Enthusiasmus einer differenzierteren Betrachtungsweise gewichen ist». Alles korrekt, aber will jemand wirklich behaupten, dass die Welt insgesamt durch das Internet schlechter geworden ist? Falls die Antwort «Ja» lautet, dann aber bitte auch für die Erfindung von Autos, Fahrstühlen, Kreditkarten, Mobiltelefonen und der Elektrizität generell. Neue Technik bringt nun mal neue Probleme mit sich.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-17664" title="Michael Seemann" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2014/01/michael-seemann.jpeg" alt="" width="120" height="120" /><strong><a href="http://mspr0.de/?p=3927">«Lieber Sascha, wir müssen reden.»</a></strong><br />
(mspr0.de, Michael Seemann, 17. Januar)<em><br />
</em></p>
<blockquote><p><em>«Wer seine Strategie darauf aufbaut, den Kontrollverlust wieder eindämmen zu können, hat keine Strategie.»</em></p>
<p><em> </em><em> </em></p></blockquote>
<p><em> </em></p>
<p><em> </em></p>
<p>Viel um Verletzungen geht es auch bei der Antwort an Sascha Lobo, die, wie fast immer bei Michael Seemann, sehr ausführlich daherkommt. Es gehe bei der FAZ-Aktion um die Trophäe Sascha Lobo («Schaut her. DER deutsche Internetguru höchstpersönlich hat die Seiten gewechselt»), und anders, als die FAZ ständig abzulenken versuche, sei der Gegner der Staat, und nicht die Unternehmen. Aus dem generell staatsgläubigen und wirtschaftsfeindlichen Berlin ist also überraschenderweise ein «weniger Staat» zu hören: «Jeder Euro und Dollar, der – weltweit – nicht in Geheimdienste fließt, hilft die Überwachung einzuschränken oder zumindest nicht schlimmer werden zu lassen.»</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-17665" title="Oliver Georgi" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2014/01/oliver-georgi.jpg" alt="" width="120" height="120" /><strong><a href="http://www.faz.net/aktuell/eine-antwort-auf-sascha-lobo-das-internet-ist-nicht-kaputt-12748950.html">«Das Internet ist nicht kaputt»</a></strong><br />
(faz.net, Oliver Georgi, 20. Januar)<em><br />
</em></p>
<blockquote><p><em>«Wir sind es, die unsere Daten bereitwillig dem Internet überlassen, ohne uns großartig darum zu scheren, wer was damit anfängt.»</em></p>
<p><em> </em><em> </em></p></blockquote>
<p><em> </em></p>
<p><em> </em></p>
<p>Oliver Georgi übernimmt von Sascha Lobo den ominösen Begriff «Netzgemeinde» und hält ihr vor, «sich das Internet als einen Ort erträumt zu haben, an dem die Realität keine Geltung haben würde». Doch das Netz sei «keine bessere Welt, sondern lediglich ein Abbild der bestehenden». Dankenswerterweise erinnert Georgi daran, das für Millionen Menschen in Unrechtsstaaten erst das Internet eine vorher undenkbare «Form des Protests und des öffentlichen Widerstands gegen den Repressionsapparat ermöglicht» habe. Das Verdienst von Edward Snowden sieht er darin, Sascha Lobo und uns alle mit der digitalen Realität bekannt gemacht zu haben.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-17696" title="Jeanette Hofmann" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2014/01/jeanette-hofmann.jpg" alt="" width="120" height="120" /><strong><a href="http://www.tagesspiegel.de/medien/digitale-welt/digitaler-wandel-das-internet-ist-nicht-kaputt-aber-die-tradition-des-privaten/9350168.html">«Das Internet ist nicht kaputt, aber die Tradition des Privaten»</a></strong><br />
(tagesspiegel.de, Jeanette Hofmann, 20.1.)<em><br />
</em></p>
<blockquote><p><em>«Das Netz selbst ist intakt, unsere Traditionen des Privaten sind es, die einer Revision bedürfen.»</em></p>
<p><em> </em><em> </em></p></blockquote>
<p><em> </em></p>
<p><em> </em></p>
<p>Jeanette Hofmann fühlt sich nach der Lektüre des Lobo-Texts wie «nach der Ouvertüre schon wieder nach Hause geschickt», leider komme «Lobos Lamento über den beklagten intellektuellen Trümmerhaufen nicht hinaus». Sie dagegen nimmt die neuenthüllten Entwicklungen als gegeben hin und setzt sich mit der Neuerfindung und dem Neubau der Privatsphäre auseinander. Die «traditionellen Grenzziehungen zwischen dem Öffentlichen und dem Privaten» gehörten auf den Prüfstand, glaubt sie, und fordert von der Gesellschaft einen «Neubau des Privaten».</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-17662" title="Constantin Seibt" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2014/01/constantin-seibt.jpg" alt="" width="120" height="120" /><strong><a href="http://www.tagesanzeiger.ch/digital/internet/Die-Ausloeschung-der-Freiheit/story/17984417">«Die Auslöschung der Freiheit»</a></strong><br />
(tagesanzeiger.ch, Constantin Seibt, 20.1.)<em><br />
</em></p>
<blockquote><p><em>«In Zusammenarbeit von Regierungen und Konzernen ist ein System fast absoluter Macht entstanden.»</em></p>
<p><em> </em><em> </em></p></blockquote>
<p><em> </em></p>
<p><em> </em></p>
<p>Wie schön, im Tages-Anzeiger von der Sorge um die Freiheit zu lesen! Lobo habe «furchtbar recht», findet Constantin Seibt, denn «etwas Grundsätzliches» habe sich geändert. Die totale Überwachung bringe die zentralen Werte aller Parteien in Gefahr. «Das Einzige», was einen in dieser neuen Welt retten könne, sei, «sich nichts zuschulden kommen zu lassen» &#8211; was die Freiheit gefährde. «Internetüberwachung schlimm!» wäre ein angemessener Titel des Beitrags, der nicht den Ansatz einer Lösung bereithält. Es wäre wünschenswert, Seibt würde sich so wie Lobo in das Thema verbeissen und in weiteren Artikeln Lösungsansätze aufzeigen.<br />
<strong> </strong></p>
<p><strong>* * *</strong></p>
<p>Der Ausgangsbeitrag ist eher bedeutungslos, die Debatte hat aber durch Sascha Lobo als öffentliche Büsserfigur einer «Netzgemeinde» eine beträchtliche Breitenwirkung erfahren. Inhaltlich bleibt die Debatte oberflächlich. Einer langen und breiten Diskussion, ob das Internet jetzt «kaputt» oder «nicht kaputt» sei, ist das Schweigen vorzuziehen. In seiner Konstruktion der vernetzten Server ist das Internet eigentlich unkaputtbar; die Frage ist, ob die Überwachung diesen Raum unbenutzbar macht oder nicht.</p>
<p>Diskutiert werden muss die Frage, wie die Nutzer sich stellen wollen zur Überwachung durch private Firmen, denen man sich freiwillig ausliefert und durch den Staat, den man dafür mit Steuergeldern bezahlen muss. Die Frage ist und bleibt, mit welchen Mitteln der einzelne Bürger die Übermacht der Staaten, der Geheimdienste und der Grosskonzerne eindämmen kann.</p>
<p>Ein Sascha Lobo verdient Respekt, weil er sich nicht einfach mit den Tatsachen abfinden will und <a href="http://www.spiegel.de/thema/spon_lobo/">Woche für Woche auf «Spiegel Online»</a> die Überwachungsmethoden und das Totstellen der Politik zur Kritik daran anprangert. Während eine Jeanette Hofmann die neue Lage offenbar bereits als gegeben akzeptiert und sich nur noch überlegt, wie sich die Gesellschaft damit arrangieren soll.</p>
<p>Wieso sich nicht mehr Schweizer Journalisten zu diesen Fragen einschalten, bleibt ein Rätsel: Wo bleiben die Debatten-Beiträge zur Überwachung und zur Zukunft des Internets in den Sonntagszeitungen, der Weltwoche, der Basler Zeitung, der Zeit Schweiz, dem NZZ-Feuilleton? Interessiert unsere Leser nicht? Wer&#8217;s glaubt! Nicht relevant? Constantin Seibt ist anderer Meinung: «Durch totale Überwachung sind die zentralen Werte aller Parteien in Gefahr: die Freiheit der Liberalen, die nationale Souveränität der Rechten, die Chancengleichheit der Linken. Zu diesem Thema bräuchte es eine grosse Koalition.»</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/01/21/internet-kaputt-nicht-kaputt/">Internet kaputt! Nicht kaputt!</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Vergesst Stilnoten, Trefferpunkte zählen!</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/11/16/vergesst-stilnoten-trefferpunkte-zaehlen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Markus Schär]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 16 Nov 2012 13:36:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Standpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Medienvielfalt Holding AG]]></category>
		<category><![CDATA[Roger Köppel]]></category>
		<category><![CDATA[Basler Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Tito Tettamanti]]></category>
		<category><![CDATA[Weltwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Mainstream]]></category>
		<category><![CDATA[Constantin Seibt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Constantin Seibt bot jüngst mit seiner fulminanten Rede gegen Weltwoche und Basler Zeitung bestes Anschauungsmaterial dafür, dass es Journalisten braucht, die mit unbequemen Fakten und Thesen zum Widerspruch herausfordern. Anders als Seibt es wahrhaben will, tragen auch die kritisierten Blätter zum publizistischen Wettbewerb bei. Wer sie als «Anti-Mainstream» abtut, macht es sich zu einfach. – <a href="https://medienwoche.ch/2012/11/16/vergesst-stilnoten-trefferpunkte-zaehlen/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/11/16/vergesst-stilnoten-trefferpunkte-zaehlen/">Vergesst Stilnoten, Trefferpunkte zählen!</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Constantin Seibt bot jüngst mit seiner fulminanten Rede gegen Weltwoche und Basler Zeitung bestes Anschauungsmaterial dafür, dass es Journalisten braucht, die mit unbequemen Fakten und Thesen zum Widerspruch herausfordern. Anders als Seibt es wahrhaben will, tragen auch die kritisierten Blätter zum publizistischen Wettbewerb bei. Wer sie als «Anti-Mainstream» abtut, macht es sich zu einfach. – Anmerkungen eines Betroffenen.<br />
<span id="more-11490"></span><br />
«Zwei Standpunkte, zwei Meinungen, zwei Welten» kollidieren jeden Montagabend auf Radio 1: <a href="http://www.radio1.ch/de/podcasts/podcast-roger-gegen-roger.html" target="_blank">Bei «Roger gegen Roger»</a> duellieren sich Köppel und Schawinski auf Augenhöhe und öfter mal unter der Gürtellinie, sodass es für ein harmoniebedürftiges Thurgauer Gemüt kaum zum Aushalten ist. Wer den Fight gewinnt, kann jeder selber entscheiden; die Funken, die im Clash der Fakten, Argumente und, ja, Welten sprühen, erhellen aber alle mit ein bisschen Erkenntnisgewinn. «Roger gegen Roger» ist deshalb – wie einst die «Arena» mit «Peter (Bodenmann) gegen Christoph (Blocher)» – das derzeit wichtigste und wertvollste Gefäss des Schweizer Politjournalismus.</p>
<p>Zwei Welten prallten auch zusammen, als die Medienvielfalt Holding letzten Freitag zum Podium bat. Über «Die Rolle der Medien in der Demokratie» sprachen der SRF-Direktor, der NZZ-Chefredaktor und <a href="http://www.weltwoche.ch/die-weltwoche/details/article/die-rolle-der-medien-in-der-demokratie.html" target="_blank">der Weltwoche-Verleger</a>; Medienprofessor Vinzenz Wyss höhnte angesichts dieser Top-Besetzung aus Gründen, die sich nur ihm erschliessen, über eine «dubiose Veranstaltung». Und Tito Tettamanti, der für seine Bücher und Tagungen seit je die stärksten Köpfe aus dem ganzen Spektrum sucht, stellte auch den schärfsten Kritiker aufs Podest: Constantin Seibt bot brav, was von ihm zu erwarten war – <a href="http://blog.tagesanzeiger.ch/deadline/index.php/1769/presse-demokratie-und-meinung-eine-rede-vor-den-aktionaren-und-freunden-der-basler-zeitung/" target="_blank">eine brillante Rede</a>, mit der er die Gastgeber frontal angriff.</p>
<p>Tettamanti, wie ich ihn (flüchtig) kenne, auch Köppel und Somm, wiewohl als «Prediger» verhöhnt, freuten sich vermutlich, dass ihnen der Sohn eines Unternehmensberaters Denkanstösse zur Profitmaximierung in Politik und Publizistik gab: Über die Mittel und die Methoden, wie sie Meinungsvielfalt herstellen oder auch nur ihre Meinung verbreiten wollen, müssen sie wirklich nachdenken. Dass sie ein Problem haben, wissen sie selber wohl am besten.</p>
<p>Dieses Problem zeigten gerade die Reaktionen auf die Provokation. Dass laut Vinzenz Wyss «betretenes Schweigen» und «dicke Luft» herrschten, kann zwar auch an seiner Wahrnehmung liegen: Die Medienprofessoren wünschen sich den demokratischen Streit ja möglichst dezent. Und wer, bitte, hätte spontan bei dieser Breitseite dagegenhalten können? Dass die NZZ den Clash nur als <a href="http://www.nzz.ch/aktuell/zuerich/stadt_region/sorge-um-die-branche-und-ein-hahnenkampf-1.17784440" target="_blank">«Hahnenkampf» und als «Gezänk zwischen Selbstgerechten»</a> würdigen konnte, stimmt dagegen nachdenklich. Und was «eine bekannte, politisch und wirtschaftlich gutfreisinnig vernetzte Frau» bei der Rede von Seibt ihrem Tischnachbarn ins Ohr flüsterte, sodass es <a href="http://www.tageswoche.ch/de/2012_45/schweiz/480301/gipfeltreffen-schweizer-medienfuersten.htm" target="_blank">die Tageswoche mitbekam</a>, beleidigt die Gastgeber in ihrer Liberalität: «Der ist aber wahnsinnig mutig.»</p>
<p>Vor allem: Über diesen wahnsinnigen Mut, dass er es ihnen gesagt hatte, brach auf Twitter und Facebook der Jubel aus – am lautesten von jenen Leuten, die die Weltwoche jüngst als Inquisition verdammten, weil sie zu ein paar unfehlbaren Professoren Fragen zu stellen wagte. Das berührte mich als Fachmann für Denk- und Schreibverbote seit meiner Jugend als rötestes Tuch im Thurgau etwas eigenartig. Darum dieser Text: keine Replik, weil es für mich wenig zu replizieren gibt, einfach Anmerkungen eines Betroffenen. Ich dachte beim Schreiben mit Hochachtung an meinen Vater, der in den Sechzigerjahren als freisinniger Sekundarlehrer die «nonkonformistische» Zürcher Woche von Wollenberger &amp; Co. las, um sich aufzuregen.</p>
<p>Die medialen Parallelwelten, die Seibt in den USA erkennt und in der Schweiz voraussagt, gab es hierzulande seit je – während mehr als drei Vierteln unserer 200-jährigen Mediengeschichte. Im Thurgau, wie fast überall im Land, erklärte jeder Partei, jeder Konfession und jedem Kaff ein eigenes Blättchen die Welt. Aber immerhin kämpften die Exponenten dieser Parallelwelten um die einzig wahre Sicht. So schlug der legendäre AZ-Redaktor Ernst Rodel lustvolle Schlachten mit dem lokalen Kontrahenten Oberthurgauer in Arbon und der kantonalen Konkurrenz Thurgauer Zeitung in Frauenfeld und stürzte, dank Indiskretionen eines Thurgauer SP-Nationalrats, den freisinnigen Nationalbankpräsidenten. Diese Schlachtordnung hielt im Thurgau bis ins 21. Jahrhundert, also bis Tamedia und St. Galler Tagblatt die Thurgauer Blätter übernahmen. Als ich 1975 nach der Matur bei der TZ ein Volontariat machte, sagte mir der SVP-Chefredaktor über den gemeinsamen Schreibtisch hinweg: «Es tut mir Leid – wenn Sie mit der SP sympathisieren, kann ich Sie nicht anstellen.» Ich konnte also im Thurgau nicht als Journalist arbeiten, nur 1984 die Thurgauer AZ beerdigen helfen, weil es die Parallelwelt des roten Arbon nicht mehr gab.</p>
<p>In höher entwickelten Gebieten setzte sich schon damals statt den Parteiblättern die Forumszeitung durch. Sie sollte den Meinungsstreit internalisieren, also in einem Blatt anstreben, was Seibt als die Aufgabe der Presse bezeichnet: «Mal recht, mal schlecht einen Mainstream herzustellen: eine holprige, vage, aber dennoch brauchbare Einigung über Fakten und Einschätzungen, aufgrund derer man debattieren kann.» Dieser Mainstream dümpelte aber nicht in der Mitte, sondern bei immer mehr Blättern links davon. Wenn er noch um Meinungen stritt, dann von NZZ bis WOZ unisono als Anti-Parteiblatt gegen Blochers SVP. Und er erliess dabei seine eigenen Denkverbote.</p>
<p>Deshalb war die Weltwoche von Roger Köppel ab 2002 eine solche Sensation – auch für mich. Ich hatte in den Neunzigerjahren meine Erfahrungen mit Denkverboten vertieft, als Freier mit Redaktionsbeamten beim Tages-Anzeiger und als Provinzpolitiker mit der SPS unter Ursula Koch. Und ich hatte von meiner inzwischen verstorbenen Frau erfahren, was in der realen Welt der Asylantenbetreuer, Amtsvormünder und Fürsorger, aber nicht in den Medien stattfand.</p>
<p>Darüber schrieb ich in der Weltwoche. Eine Geschichte über die Asylindustrie löste 2002 einen Proteststurm aus, samt heute nicht mehr denkbaren Blogkommentaren von Bundesamtsdirektor Jean-Daniel Gerber oder Nationalrätin Regine Aeppli, und brachte mir eine Rüge des Presserates ein, weil ich zwar die Jahresberichte aller Hilfsorganisationen ausgewertet und einen einstündigen Monolog des SRK-Zuständigen erduldet, aber keine Stellungnahme der – gar nicht direkt angegriffenen – Flüchtlingshilfe eingeholt hatte. Inzwischen stellt auch Bundesrätin Sommaruga fest, dass die Anreize im Schweizer Asylwesen kreuzfalsch sind. Eine Geschichte zum Schleudertrauma führte 2005 zu einer Ehrverletzungsklage samt persönlicher Betreibung auf zwei Millionen, die Folgegeschichten in Facts und SonntagsZeitung trugen mir je eine erfolgreiche Presseratsbeschwerde von Anwälten aus der Schleudertrauma-Industrie ein. Die Sicht von Prof. Erwin Murer, der ich zu Publizität verhalf, gilt jetzt am Bundesgericht. Und die Folgen der Geschichten zur Sozialhilfe – auch zum kriminellen 13-jährigen Roma-Mädchen von Rüschlikon, das ich bei mir zuhause kennengelernt hatte –, die Kollege Alex Baur mit noch härteren Fakten weiterführte, sind bekannt.</p>
<p>Schrieb ich also Geschichten, «bei denen man das Gefühl hat, man müsse sie erst persönlich nachrecherchieren», wie Seibt behauptet (der bekanntlich keinen gesteigerten Wert auf Recherche legt)? Blödsinn, die aufwendig recherchierten Fakten missfielen, deshalb musste man sie mit wohlfeilem Protestgeheul wegen der Wertungen übertönen. Die Aufregungen dieses Jahres wegen BaZ und Weltwoche kamen mir als Aussenstehendem denn auch einigermassen vertraut vor: Ging es nur um den untolerierbaren Stil, als die Gutmenschen in Einheitsfront die Verbalattacken von Urs Paul Engeler auf Hildebrand verurteilten, sich über das Titelbild für die Roma-Geschichte erregten oder den Begriff «Irrlehren» wegen seiner historischen Belastung verdammten, auch wenn sie bis dahin «Inquisition» kaum buchstabieren konnten? Die Antwort gab – unfreiwillig – der coole Rechercheur Hansjürg Zumstein: In seinem preisgekrönten Dokfilm zum Fall Hildebrand bestätigte er die Darstellung der Weltwoche vollumfänglich – die distinguierten Kollegen schwiegen ihn tot. Nicht der Stil störte sie also, sondern die Fakten.</p>
<p>Dass der Mainstream nicht zur Meinungsvielfalt, geschweige denn zur Wahrheitssuche im Widerstreit der faktengestützten Argumente führt, kann Seibt im eigenen Blatt besichtigen. Res Strehle – den Köppel als brillanten, auch als Marx-Exeget liberalen Journalisten zum Magazin holte – führte zwar ein, was Ex-TA-Redaktor Richard Aschinger in seinem Büchlein über die Medienlandschaft Schweiz angewidert feststellt: «Auf der Meinungsseite des ‚Tages-Anzeigers’ scheint heute fast alles möglich. Und das Gegenteil auch.» Bei vielen Themen – es folgt nur eine kleine Auswahl, wo ich mich auskenne – ist aber beim TA noch heute nur eine Meinung möglich: Er feiert Studien von Avenir Suisse auf der Frontseite, wenn sie seine Weltsicht bestätigen (Raumplanung), und schweigt sie tot, wenn nicht (PK, Steuern, Service public). Er dient als Sprachrohr für die Schleudertrauma-Industrie und nimmt dabei selbst Bundesgerichtsurteile nicht zur Kenntnis. Oder er gibt ungefiltert wieder, was die Klimaforscher-Kollegen des alleinzuständigen Redaktors predigen – ausser wenn eine ihrer Studien den Konsens infrage stellt.</p>
<p>Die Medien müssten die Meinungsvielfalt «nicht notwendigerweise im eigenen Organ» gewährleisten, sagte Köppel an der Veranstaltung der Medienvielfalt Holding. Während es für einen Anzeiger mit Forum-Anspruch etwas peinlich ist, wenn er Fakten und Argumente ausblendet, könnte es sich die Weltwoche also leisten, wie einst ein Parteiorgan eine Linie durchzuziehen. Die Gefahr, dass Parallelwelten entstehen wie in den USA oder bis 1980 in der Schweiz, erscheint mir klein. Noch löst jedes Provokatiönli zuverlässig landesweit Protestgeheul aus. Und während in der Ära der medialen Parallelwelten nur deren Exponenten debattierten, diskutiert heute dank Social Media mit, wer will (sogar subalternes Personal wie hier, ohne Absprache übrigens). Wie meine persönlichen Beispiele zeigen, lässt sich über die Jahre durchaus etwas bewegen. Gefürchtet ist die Weltwoche nicht wegen ihrer Provokationen oder «wegen des engen Bündnisses mit dem reichsten Politiker des Landes», wie Seibt behauptet, sondern wegen ihrer Fakten – vor allem jener von Urs Paul Engeler, der in seinem Vierteljahrhundert in Bern mehr aufdeckte als alle anderen Bundeshäusler zusammen.</p>
<p>Aber Köppel sagte im selben Satz auch, es brauche die Meinungsvielfalt «mit Blick auf die Öffentlichkeit in einem Land». Deshalb sollte er – und vor allem Markus Somm als Chef eines bisherigen Monopolblatts – es den Protestlern nicht so leicht machen, sein Blatt als langweilig, weil berechenbar abzutun oder wegen seines Stils anzugreifen, um von den Fakten abzulenken. «Roger gegen Roger» genügt nicht als Grundversorgung für das Debattenduell in diesem direktdemokratischen Land. Wir brauchen mehr solchen Catch-as-catch-can, bei dem es nicht um Stilnoten, sondern um Trefferpunkte geht, also mehr Journalisten wie Constantin Seibt, der auch einem Gastgeber seine Meinung zumutet, oder wie NZZ-Inlandchef René Zeller, der sich als «muntere freisinnige Kampfmaschine» (Jean-Martin Büttner) ins Getümmel stürzt.</p>
<p>Obwohl älter als Seibt, habe auch ich 1968 verpasst und das mit der Dialektik nach Hegel und Marx nie richtig gelernt. Aber immerhin so viel begriffen: Evolution geschieht nur im Wettbewerb. Also wenn Thesen auf Antithesen prallen und die Erkenntnisfunken sprühen. Und nicht, wenn sich Mainstream und Anti-Mainstream bockig gegenüberstehen und nichts mehr austauschen ausser Protestgeheul.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/11/16/vergesst-stilnoten-trefferpunkte-zaehlen/">Vergesst Stilnoten, Trefferpunkte zählen!</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>«Ja klar interessiere ich mich für Macht – was gibt es Dramatischeres?»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/06/25/ja-klar-interessiere-ich-mich-fuer-macht-was-gibt-es-dramatischeres/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 25 Jun 2012 08:51:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gespräche]]></category>
		<category><![CDATA[Tages-Anzeiger]]></category>
		<category><![CDATA[Roger Köppel]]></category>
		<category><![CDATA[Christoph Blocher]]></category>
		<category><![CDATA[Tamedia]]></category>
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		<category><![CDATA[Zitate]]></category>
		<category><![CDATA[Constantin Seibt]]></category>
		<category><![CDATA[Natalie Rickli]]></category>
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		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als einer der besten Schreiber der Schweiz hat Constantin Seibt beim Tages-Anzeiger viele Freiheiten. Obwohl er maximale Entspanntheit verbreitet, bloggt er für seinen Arbeitgeber noch am Abend über Journalismus. Im MEDIENWOCHE-Interview redet er über Schuldenkrise und Anarchie, das Verhältnis zwischen den Journalisten, über Kaffee, Alkohol und Zigaretten und über Blocher, Köppel und Rickli. Nein, bloss <a href="https://medienwoche.ch/2012/06/25/ja-klar-interessiere-ich-mich-fuer-macht-was-gibt-es-dramatischeres/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/06/25/ja-klar-interessiere-ich-mich-fuer-macht-was-gibt-es-dramatischeres/">«Ja klar interessiere ich mich für Macht – was gibt es Dramatischeres?»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Als einer der besten Schreiber der Schweiz hat Constantin Seibt beim Tages-Anzeiger viele Freiheiten. Obwohl er maximale Entspanntheit verbreitet, bloggt er für seinen Arbeitgeber noch am Abend über Journalismus. Im MEDIENWOCHE-Interview redet er über Schuldenkrise und Anarchie, das Verhältnis zwischen den Journalisten, über Kaffee, Alkohol und Zigaretten und über Blocher, Köppel und Rickli.<br />
<span id="more-30497"></span><br />
<em>Nein, bloss nicht noch ein Medienblog, dachten viele, als Seibt <a href="http://blog.tagesanzeiger.ch/deadline/">«Deadline»</a> eröffnete mit <a href="http://blog.tagesanzeiger.ch/deadline/index.php/36/15-thesen-zum-journalismus-im-21-jahrhundert/">15 Thesen</a> zur Zukunft des Journalismus. Doch glücklicherweise hat er die Erwartungen enttäuscht: Keine weiteren Thesen zur Medienzukunft und keine Debatten zur Frage, ob jetzt Print oder doch Online «besser» ist. Sondern einfache Handwerkstipps aus der über 20-jährigen Erfahrung eines Sprachklöpplers, den viele für den besten Stilisten der Schweiz halten. Die Nachricht lautete: Ich kann nicht generell besser schreiben als ihr, sondern ich verwende Tricks. Und ich teile sie mit euch.</em></p>
<p><strong>«Früher, auf Journalistenparties, hat man so ungefähr nachts um zwei gesagt: Alle Chefredaktoren Idioten, alle Verleger Verbrecher. Lass uns eine eigene Zeitung gründen. Die gleiche Konversation führt man heute eigentlich schon um zehn Uhr morgens topfnüchtern beim Kaffee.» Das sagtest Du <a href="http://netzwertig.com/2008/02/06/journalisten-selbstkritik-ein-versuch-immerhin/">2008</a> bei einer TV-Diskussion. Über was spricht man heute?</strong><br />
Heute spricht man nicht mehr viel. Das Erstaunliche ist, dass die Branche das Gefühl hat, nur weil sie die ersten Schockwellen der Krise überlebt hat, wird sie alles überleben. Ich sehe die Leute nicht, die sich Gedanken machen, wie es weiter geht, ausser natürlich: Wie legt man Zeitungen zusammen und wie schafft man Synergien. Und dann gibt es noch ein paar Experimente online. Es hat keiner das Rezept, es hat aber auch keiner die Melancholie, dass etwas Wichtiges fehlt. Etwa das Rezept.</p>
<p><strong>Nun, vier Jahre später, arbeitest Du immer noch bei Tamedia. Was ist schief gelaufen?</strong><br />
Tamedia, insbesondere der Tages-Anzeiger, ist ein klasse Arbeitgeber, Tagi-Reporter zu sein ist ein klasse Job. Bis jetzt gab es keine aufsehenerregende Neugründung. Und um selbst ein Blatt gründen zu wollen, braucht es sehr viel Cash.<br />
Die eigene Bude zu besitzen, wäre aber schon klasse. Bei der WOZ war es ja so, dass man zu einem Fünfzigstel Verleger war und zu einem Dreissigstel Chefredaktor [Seibt arbeitete 1997 bis 2004 bei der genossenschaftlich organisierten Wochenzeitung]. Da warst Du für alles, was schlecht lief im Laden, mitverantwortlich. Entweder, weil Du es nicht verhindert hast. Oder noch schlimmer, weil Du es selbst initiiert hast. Es ist verblüffenderweise ein viel besseres Gefühl, schuldig zu sein für alle Dinge, die bei der eigenen Zeitung schief laufen, als nicht schuldig. Es hat viel Spass und viel Ärger gemacht, die Politik der eigenen Zeitung zu bestimmen.</p>
<p><strong>«Ich bin zum Tages-Anzeiger gegangen, weil ich den für die beste Zeitung der Schweiz halte», sagtest Du im <a href="http://www.radio1.ch/de/podcasts/podcast-doppelpunkt.html">Radio1-Doppelpunkt</a> (<a href="http://www.radio1.ch/download.php?file=http%3A%2F%2Fwww.radio1.ch%2Fuserdata%2Fpodcasts%2Fdoppelpunkt%2Flive%2F2768260.mp3">mp3-Datei</a>). Wieso ist der «Tages-Anzeiger» die beste Zeitung der Schweiz?</strong><br />
Sie hat am meisten Power unter der Haube, es arbeiten hervorragende Leute an den Nebentischen. Am Tag 1 nach einem Ereignis ist der Tages-Anzeiger eigentlich fast immer die cleverste, stärkste Zeitung. Eine kluge Entscheidung war die Eliminierung der mittleren Distanz vor zwei Jahren, nun sind die Texte entweder kurz oder lang. Den Dreispalter, der weder Fisch noch Fleisch war, gibt es inzwischen nicht mehr. Denn wenn Du nichts zu sagen hattest, war es eine irrsinnig lange Strecke und wenn Du etwas zu sagen hattest, fast nichts.</p>
<p><strong>Wärst Du ein guter Chefredaktor?</strong><br />
Kommt draufan, in welcher Disziplin. Es wäre eine tolle Sache, bestimmen zu können, welche Inhalte auf welche Art kommen, in welcher Form kommen, über die eigenen Quadratzentimeter hinaus Zeitung zu machen. Einmal Hebamme zu sein: Das wäre schon faszinierend.</p>
<p><strong><a href="http://blog.tagesanzeiger.ch/deadline/index.php/470/wie-verfuhre-ich-menschen/">Du schreibst im Blog</a>: «Das Mass für die Brillanz eines Chefs – gerade in der Medienindustrie – ist nicht dessen persönliche Eindrücklichkeit, sondern die Brillanz seiner Untergebenen.» &#8211; ist das ein Lob für Res Strehle und Markus Eisenhut?</strong><br />
Ich glaube schon: Den guten Chef erkennt man daran, dass seine Leute gut sind, wenigstens auf dem Gebiet, das sie beherrschen.</p>
<p><strong>Durch Deine stilistischen Fähigkeiten hast Du Dir beim Tages-Anzeiger schreiberische Freiheiten erarbeitet. Ärgert das Deine Mitarbeiter?</strong><br />
Ich glaube schon, dass manchmal welche denken, dass die Reporter leben wie <a href="http://www.comedix.de/lexikon/db/zuckerpueppchen.php ">Zuckerpüppchen</a> bei <a href="http://www.comedix.de/lexikon/db/tifus.php">Tifus</a>. Der Tages-Anzeiger ist eine Redaktion ohne Intrigen, ohne viel Neid, ohne Bösartigkeit, es sind wirklich freundliche, kompetente Leute. Manchmal ist man fast enttäuscht, weil man am Abend nichts zu erzählen hat. Man fragt sich, wo man hier sein dramatisches Menschenbild bestätigen könnte.</p>
<p><strong>Sind sie aber nicht vielleicht manchmal zu nett, vor allem auch zueinander?</strong><br />
Ich glaube, in jeder Redaktion ist man tendenziell zu nett zueinander. Letztlich sitzen wir in einem Boot, machen zusammen Zeitung und müssen uns immer wieder zusammenraufen. Man kennt die anderen ja auch und weiss, was an ihnen zu ändern ist und was nicht.<br />
Journalisten sind generell nett zueinander, im Gegensatz zu Künstlern beispielsweise. Wenn dort einer ein Stipendium kriegt oder von einem Sammler gesammelt wird, sinkt die Wahrscheinlichkeit massiv, dass der andere dasselbe Glück hat. Es herrscht dort eine Anspannung und eine Hierarchie bis in die Begrüssungsküsschen hinein. Journalisten dagegen nennen sich zwar gegenseitig andauernd inkompetent und Idiot und weiss der Teufel was, doch sie freuen sich, wenn sie sich gegenseitig irgendwo sehen. Denn egal, wer etwas schreibt: Am nächsten Tag ist dieser Platz wieder leer und ein anderer kann ran.</p>
<p><strong>Bei möglichen Beförderungen gibt es doch aber schon konkrete Konkurrenz.</strong><br />
Das schon, es gibt nicht so viele Chefpositionen im Journalismus. Aber im Gegensatz zu fast allen anderen Branchen ist nie klar, ob die Chefposition wirklich die bessere Position ist. Du hast viel mehr Sitzungen, Du kannst nicht mehr einfach rausgehen und Dir die Sachen ansehen, Du hängst bei allen Reklamationen mit drin. Weil Journalisten auch noch relativ selbstbestimmt sind (jedenfalls beim Tagi), hält sich die persönliche Macht eines Chefs in Grenzen.</p>
<p><strong>Dein Facebook-Profilbild zeigt Dich an Deinem Arbeitsplatz, bequem im Sessel versunken, mit den Füssen auf dem Tisch. Arbeitest Du so?</strong><br />
Es stellt meinen tiefen Wunsch dar, dass das, was ich zum Teil hinwürge und ächze, am Schluss ganz entspannt aussieht. Als hätte ich es aus dem Ärmel geschüttelt. Es ist die verzweifelte Suche nach einem Stück Coolness, die mich seit meinem 15. Lebensjahr begleitet. Ich bin mir sicher: Eines Tages werde ich das kleine Stück Coolness, das für mich da ist, finden.</p>
<p><strong>Seit Anfang Mai schreibst Du im Blog <a href="http://blog.tagesanzeiger.ch/deadline/">Deadline</a> aktiv als Newsnet-Blogger über Journalismus. Wie sind die ersten Erfahrungen?</strong><br />
Es macht Spass. Über das Schreiben zu schreiben ist ein ganz anderes Schreiben: Ich kann mich dabei entspannen, weil es ein Thema ist, über das ich in meinem Leben nachgedacht habe wie über kein anderes. Diese Artikel schreibe ich am Abend zur Erholung. Und ich würde nie sonst einen Artikel zur Erholung schreiben.</p>
<p><strong>Was hast Du gelernt?</strong><br />
Die Warnungen der Newsnet-Leute, die Leute würden mir nun deprimierend böse Kommentare schicken, weil ich nicht mehr weit weg bin wie bei der Zeitung, haben sich nicht bewahrheitet. Lästig sind aber kommentierende Dauerstammgäste, die einfach nur assoziieren. Die schreiben dann über ihre Jugend, über Adolf Hitler, über sich, wie sie Baudrillard gelesen haben &#8211; nur mit dem, was oben drin steht, hat es nicht zu tun. Solche Kommentare werde ich nun streichen. Nach dem Motto: Wenn Du mir eins vor den Bug knallst, dann bist Du drin. Wenn Du einfach nur rumschwafelst, dann fällst Du raus.</p>
<p><strong>Ist ein Buch zum Blog bereits geplant?</strong><br />
Nein. Ich finde, man soll das Fell des Bären nicht verkaufen, solange ihm erst Achselhaare gewachsen sind.</p>
<p><strong>Nach einigen Jahren mit vielen Fehlern und Schludrigkeiten ist nun bei Newsnet eine Qualitätsoffensive mit auch längeren Artikeln zu spüren. Ist Dein Blog ein Teil davon?</strong><br />
Michael Marti von Newsnet war sehr dafür, dass der Blog gestartet wird. Gerüchten zufolge kommt ja irgendwann auch beim Tages-Anzeiger die Konvergenz. Der Printausgabe kann es nicht schaden, etwas schneller zu werden. Und Newsnet kann es nicht schaden, etwas langsamer zu werden. Der Teufel steckt nur in den Details.</p>
<p><strong>Du hast meines Erachtens richtig <a href="http://blog.tagesanzeiger.ch/deadline/index.php/55/journalismus-ist-ein-existentialismus/">festgestellt</a>, dass Medien nicht nur im Informations-, sondern auch im Zeitverschwendungs- also Unterhaltungsbusiness sind. Warum begreifen so wenige der so genannt seriösen Journalisten, dass Fakten schön gebündelt besser ankommen?</strong><br />
Es ist eine Frage der Tradition und die lautet: Wir kommen von der Information her &#8211; und dann schreiben wir&#8217;s noch auf. Relativ wenige Leute kommen vom Schreiben in den Journalismus &#8211; und schon gar nicht in die harten Ressorts, also Inland und Wirtschaft. Mein Fressvorteil war schon immer, dass ich vom Schreiben her komme.</p>
<p><strong>Deine Themenschwerpunkte sind Medien, Wirtschaft und Politik.</strong><br />
Ja, und als Viertes die Zückerchenschiene, also irgendetwas Leichtes und Fröhliches von Zeit zu Zeit.</p>
<p><strong>Wie die <a href="http://blog.ronniegrob.com/2010/06/15/ein-nein-zu-vuvuzela/">Vuvuzelas</a>?</strong><br />
Ja.</p>
<p><strong>Medien, Wirtschaft und Politik &#8211; weil Du Dich für Macht interessierst?</strong><br />
Ja klar interessiere ich mich für Macht &#8211; was gibt es Dramatischeres? Ursprünglich hatte ich eine grosse Fehlkalkulation in meinem Leben. Ich dachte, ich studiere nicht Wirtschaft, weil Wirtschaft etwas für Schwiegersöhne ist: die heiraten, machen ihr Geld, gehen in ihr Einfamilienhaus und dann sterben sie dort reich, das ist kein abenteuerliches Leben. Und ich studierte Germanistik, weil ich dachte, die Welt wird durch Worte zusammengehalten, nicht durch Zahlen. Diesen Irrtum musste ich um das Jahr 2000 herum korrigieren.</p>
<p><strong>Um einen thesenbetonten Artikel zu schreiben, biegen Journalisten nicht selten Fakten zurecht. Hast Du das auch schon getan?</strong><br />
Ich versuche Nein, aber ich fürchte Ja. Ich versuche die Sachen in meinem Kopf so lang wie möglich in der Schwebe zu halten und allen eine faire Chance zu geben, bevor ich schreibe. Wenn ich aber die Menschen um mich rum beobachte, dann gibt es sehr wenige Leute, die gegen ihre Vorurteile irgendetwas zur Kenntnis nehmen, und damit meine ich nicht nur Journalisten.<br />
Von Zeit zu Zeit schreibe ich eine Zahl oder einen Namen falsch. Ich bin ja immer noch Legasteniker, und wenn ich mir mal etwas falsch gemerkt habe, dann bleibt das falsch. In der Schule ist jeder Aufsatz zurückgekommen mit dem Verdikt «Thema verfehlt» und «Rechtschreibung ungenügend».</p>
<p><strong>Dein Artikel <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/amerika/Der-rechte-Abschied-von-der-Politik/story/22710602">«Der rechte Abschied von der Politik»</a> war mit vielen Tausend Likes, Shares und Tweets ein beispielloser Erfolg in den sozialen Netzwerken. Damit hast Du die Träume einiger Leser perfekt bedient: Die Rechte sieht endlich ein, immer falsch gelegen zu haben und gibt der Linken vollumfänglich recht. Ist der Text auch populistisch?</strong><br />
Diesen Text habe ich in einem Schwung geschrieben und er ist völlig unprofessionell lang geworden. Am Tag vorher hatte ich drei oder vier Folgen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/The_West_Wing_%E2%80%93_Im_Zentrum_der_Macht">West Wing</a> gesehen. Amerikanische Fernsehserien sind ja die Kunstform des 20. Jahrhunderts, ich dachte, ich will auch mal so schreiben wie ein Berater eines amerikanischen Präsidenten: mit der gleichen Präzision, mit dem Einsatz von Zitaten, mit ein wenig Pathos und mit ein bisschen Spin. Ich freue mich nach wie vor, dass so ein Langtext gegen alle Klischees erfolgreich war. Der ist schon populistisch, aber er hat auch etwas spielerisches drin.</p>
<p><strong>Du hast, wie nachher auch Frank Schirrmacher, den Satz «I’m starting to think that the Left might actually be right» des britischen Konservativen Charles Moore aufgegriffen, <a href="http://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article13584781/Die-linken-Rezepte-sind-falsch.html">der sich darauf unvollständig zitiert fühlte</a>.</strong><br />
Er will es nicht so gemeint haben, aber dieser Satz war eigentlich das Sprungbrett für einen Bericht von 15.000 Zeichen. Auch wenn Charles Moore heute bei Mrs. Thatchers Gesundheit schwört, dass er die Sache nie so gedacht habe, hat er da etwas gefunden, das gestimmt hat.<br />
Das Schöne am Schreiben ist, dass es ein gnädiges Gewerbe ist: Du wirst nicht für Deine Fehler in Erinnerung behalten, sondern für die Sachen, bei denen Du mal wirklich gut warst. Du kannst fünfmal etwas doofes schreiben und das sechste Mal etwas vernünftiges &#8211; und die Leute werden Dir zuhören.</p>
<p><strong>Reden wir über die Schuldenkrise: In einem <a href="http://blog.ronniegrob.com/2011/08/07/ein-staat-den-wir-uns-nicht-leisten-konnen/#comment-11559">Kommentar</a> auf meinem Blog hast Du mal geschrieben: «Es geht darum, einen intelligenten Kapitalismus zu erfinden – und das je nach Lage immer wieder neu.» Wie lautet die Lösung in der aktuellen Lage?</strong><br />
Ich bin mir sicher, jetzt wird dann gleich der Helikopter von Brüssel einfliegen und mich mitnehmen wegen dem, was ich sage. Trotzdem ein paar Gedanken. Erstens: Wie anders will man die Finanzmärkte beeindrucken als durch einen grossen, entschlossenen, kühnen Akt? Fast egal, was man tut, es braucht ein Zeichen grosser Entschlossenheit und keine Heftpflasterpolitik. Zweitens: Warum gibt es so wenige Politiker, die hinstehen und sagen «Wir haben wirklich etwas zu verlieren, wir haben wirklich etwas zu gewinnen, es wird Blut, Schweiss und Tränen kosten, aber wir machen das, das und das». Drittens: Wenn die Banken extrem schwach kapitalisiert sind, wenn die Binnenwirtschaft nicht läuft, wenn die Privaten sparen, wenn selbst grosse Konzerne, die auf riesigen Finanzpolstern sitzen, kein Geld ausgeben &#8211; wer denn zum Teufel soll es tun, wenn nicht der Staat? Wer soll sonst das System wieder aufstarten?</p>
<p><strong>Aber es ist doch gar kein Geld mehr da.</strong><br />
Der Staat hätte durchaus Geld, bzw. die Zentralbanken können Geld drucken.</p>
<p><strong>Das haben sie ja gemacht.</strong><br />
Ja, aber sie haben nur Pflaster geklebt. Sie haben nicht gesagt: So, und jetzt ersäufen wir das ganze System in Geld und dann machen wir dieses, jenes und das. Sondern sie haben immer im Nachhinein die grossen Löcher gestopft. Und sie haben nicht das verbreitet, was ja dieses grosse Geld ja kaufen sollte: die Zuversicht, dass es jetzt aufwärts geht, dass jetzt der Rubel wieder rollt, dass man jetzt wieder investieren kann, dass sich das lohnt.</p>
<p><strong>Wenn der Kessel, auf dem Schuldenkrise draufsteht, explodiert, wenn Lehrer nicht bezahlt werden können oder Polizisten, dann haben wir Anarchie in Europa. Wird dann der Traum der Punks erfüllt sein?</strong><br />
Weniger Anarchie als Oligarchie: Es gibt immer noch eine stabile Schicht von sehr, sehr reichen Leuten, die in den letzten Jahrzehnten reich geworden sind. Die Macht würde von der Mitte nach oben verschoben. Es gäbe dann eine grosse Unterklasse &#8211; und Du wirst dazu gehören. Das hätte auch nicht das Element von Spass, das da ist, wenn man sich freiwillig in die Anarchie begibt.</p>
<p><strong>Anonyme Zitate werden von Dir öfters verwendet. Auch wenn Du beteuerst, sie seien echt, können sie natürlich frei erfunden sein.</strong><br />
Das könnte sein. Aber ich kann es mir nicht leisten, Dinge zu erfinden und ich bin auch nicht gut darin.<br />
Anonyme Zitate stammen oft von den Nummern 2 bis 5 der Hierarchie, die nicht offiziell reden dürfen und nur «off the record» etwas sagen. Das sind kluge Leute, die gerne diskutieren, deren Sätze es wert sind, zitiert zu werden. Doch wenn man ihre Aussagen konkret zuordnet, dann sind sie ihren Job los. Die Nummer 1 der Hierarchie darf zwar reden, aber tut das nicht; das weiss jeder, der schon mal ein Interview mit einem CEO gelesen hat.</p>
<p><strong>Wenn ich Deinen Text über Markus Somm lese (<a href="http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Ein-Prediger-von-Gott-verlassen-/story/27345449">«Ein Prediger, von Gott verlassen»</a> vom 26. November 2010), dann macht der doch nichts anderes, als der Weltwoche und der BAZ vorgeworfen wird. Er stützt eine zu Beginn gesetzte These, in diesem Fall: Somm ist mehr Prediger als Journalist, verändert die BAZ zum Schlechten. Und am Ende jubeln die Leser, weil sie mit ihren Mutmassungen bedient werden.</strong><br />
Ich schreib das Ding, um mir die Sache zu erklären, ob die Leser am Schluss jubeln oder fluchen, ist mir völlig egal. Das ist ihr Bier, nicht meins.<br />
Wenn man über Somm nachdenkt, dann kommt man schon drauf: Der Typ ist ein Prediger, und zwar ein Strafprediger. Also einer der Mönche, die extremer sind als die extremsten Christen. Als Somm noch ein Linker war, war er linker als alle möglichen Linken und hat ihnen immer Inkonsequenz vorgeworfen. Dann geht er nach rechts und wirft wieder allen vor, dass sie inkonsequent sind. Das ist, was sich durch sein Leben zieht: Er liebt Diskussionen, die völlig ergebnislos abgebrochen werden, weil er grundsätzlich bei seiner Meinung bleibt. Nichtsdestotrotz kann er sie stundenlang führen. Das ist niemand, glaube ich, der von Erkenntnis getrieben wird, sondern von Mission. Der Ton in seinen Artikeln ist ja nicht «Ich versuche dieses oder jenes rauszufinden», sondern «Ich versuche dieses oder jenes zu verkünden».</p>
<p><strong>Die Schweizer Medien arbeiten sich seit vielen Jahren am quotenträchtigen Christoph Blocher ab. Der Dauerskandalisierung hinzugefügt wurden nun Personen wie Roger Köppel oder Natalie Rickli. Mich langweilt das. Und Dich?</strong><br />
Von den dreien langweilt mich Blocher am wenigsten, weil er eine vitale Figur ist und mehrere Leben auf einmal lebt: Der erfolgreiche Familienvater. Der erfolgreiche Industrielle. Einer der abgefeimtesten Trickser, die auf dem Wirtschaftsplatz Zürich zu sehen waren. Ein populistischer Politiker. Ein Patriarch, der jetzt langsam alt wird und fällt. Jemand, der seine Zukunft hinter sich hat und einfach weiter machen muss, weil er keinen weiteren Plan hat. Das ist alles schon recht faszinierend und das macht an dieser Figur eigentlich ziemlich Spass.<br />
Köppel fand ich sehr spannend, als er auf dem changierenden Weg zwischen links und rechts war, doch heute ist er niemand mehr, für den ich mich interessiere, ich sehe ihn nicht mehr mit Neugierde an. Es ist traurig, er war das grösste Talent seiner Generation, nun ist er langweilig geworden. Er macht im Grunde nicht mehr Journalismus, sondern Politik.<br />
Rickli ist jemand, der eher aus dem Marketing kommt, sehr glatt ist, sehr schnell redet, sicher clever ist, aber eigentlich überhaupt nicht originell.<br />
Aber es stimmt, Aussagen werden unnötig gepusht und viele Artikel sind Unfug und müssten nicht geschrieben sein. Andererseits: So viele alternative interessante Figuren in der Schweiz gibt es auch nicht, als dass man sie mit Schweigen hätte übergehen müssen. Das sind nun mal die Typen, die eine wichtige Rolle auf der rechten Seite spielen, natürlich verdienen die Aufmerksamkeit.</p>
<p><strong>Welche Partei wählst Du eigentlich?</strong><br />
Eigentlich immer eine andere linksgrüne Partei, weil ich denke: Die das letzte Mal haben auch nicht wirklich die Stricke zerrissen. Meine eigentliche Sehnsuchtspartei wäre die FDP, weil meine politischen Vorstellungen eigentlich von anarchistisch bis liberal gehen. Nur ist die FDP so grottenmässig anders als die FDP, die ich mir vorstellen würde und die mal dieses Land mal klug, energisch, begeistert, umsichtig gegründet hat. Es wird wohl ein unerfüllter Traum bleiben, dass ich eines Tages FDP auf den Wahlzettel schreibe.</p>
<p><strong>Wie geht es dem Schweizer Journalismus?</strong><br />
Es eine Situation wie bei der Swissair vor dem Grounding: Fundamentale Bedingungen im Markt haben sich geändert, es existiert noch kein wirkliches Geschäftsmodell, alles mögliche ist probiert worden, noch ist der Vogel nicht am Boden und es ist ein stolzer Vogel. Aber es ist klar, dass grosse Veränderungen kommen werden. Niemand weiss, welche, und niemand will es wirklich wissen.</p>
<p><strong>Und wie unterscheidet er sich vom Journalismus in Deutschland?</strong><br />
Der deutsche Journalismus hat ein paar grossartige Supertanker. Und zuweilen ist er erstaunlich gravitätisch, einige Debatten werden in der Schweiz doch weniger moralisch und unangestrengter geführt. Die Hierarchie im Schweizer Journalismus ist auch wesentlich flacher, sowohl innerhalb der Zeitung als auch gegenüber den Prominenten. Es ist nicht so ein Spektakel, wenn einen die Leute empfangen, es ist aber auch nicht so ein Spektakel, wenn jemand gestürzt wird. In Deutschland wird jemand mehrfach in Scheiben geschnitten, damit sicher ist, dass er nie mehr aufsteht.</p>
<p><strong>Und wie organisierst Du Deine Zitate? Du schleust ja in fast jeden Text welche ein.</strong><br />
Ich hab ein mieses Gesichtergedächtnis, ich hab ein mieses Namengedächtnis, ich hab ein klasse Zitategedächtnis.</p>
<p><strong>Die Erinnerung spielt Dir da keine Streiche?</strong><br />
Kultur ist immer nur der Rohstoff für neue Kultur. Ich versuche, Zitate akkurat zu setzen, aber wenn sich dann mal irgendwas in meinem Kopf verändert hat und Lichtenberg in drei Formulierungen etwas anders gesagt hat, der Sinn aber stimmt, dann sehe ich kein riesiges Problem. Ich google je nach dem, aber viele Zitate sind da nicht zu finden.</p>
<p><strong>Gehört zu einem Journalisten Kaffee, Alkohol, Zigaretten dazu?</strong><br />
Zigaretten sind der Rohstoff, Kaffee ist unverzichtbar, Alkohol ist mehr für den Abend, aber wahrscheinlich nur, weil wir alle Weicheier geworden sind gegenüber früher. Viele Journalisten heute trainieren ja über Mittag bei Kieser, gehen joggen oder ins Krafttraining. Zürich ist ja sowieso eine Fitnessstadt. Da der Rhythmus gestiegen ist, halten sich massenweise Leute fit, um im täglichen «rat race» zu bestehen.</p>
<p><strong>Du rauchst lieber?</strong><br />
Ich will meinen Körper in Unschuld sterben lassen. Ohne Joggen, Yoga, Krafttraining und Marathon. Er soll nicht wissen, dass es etwas Böses gibt auf dieser Welt.</p>
<p><strong>Günter Hack <a href="https://twitter.com/guenterhack/status/205726067028271104">twitterte mal</a>, er kenne «kaum Männer, die freiwillig (ausserhalb des Jobs (als Journalist)) Belletristik lesen». Gehörst Du auch dazu?</strong><br />
Nein, ich lese freiwillig Belletristik. Im Moment <a href="http://www.amazon.de/Rote-Zukunft-Francis-Spufford/dp/3499257513/ref=sr_1_13?s=books&#038;ie=UTF8&#038;qid=1340311966&#038;sr=1-13">«Die rote Zukunft»</a> von Francis Spufford über die sowjetische Gummiindustrie in den 1950er-Jahren. Kürzlich erst hab ich Tolstoj gelesen, «Anna Karenina», eine Wucht. Und dann gucke ich natürlich viele TV-Serien: <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Sopranos">Sopranos</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Six_Feet_Under_%E2%80%93_Gestorben_wird_immer">Six Feet Under</a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/The_West_Wing_%E2%80%93_Im_Zentrum_der_Macht">West Wing</a>, aber gerne auch charmante, herzliche Sachen wie <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hung_%E2%80%93_Um_L%C3%A4ngen_besser">Hung</a>.</p>
<p><strong>Die Gretchenfrage als Tagi-Mitarbeiter: Wie hältst Du es mit Bob Dylan?</strong><br />
Bob Dylan ist auf jeden Fall ein faszinierender Typ, Kollege Jean-Martin Büttner und Ex-Kollege Urs Bruderer sind hingerissen. Allerdings verstehe ich nichts von Musik, habe so gut wie keine Ahnung vom Popdiskurs und war auch nie einer von denen, die Angst hatten, die falsche Plattensammlung zu besitzen. Weil es gar keine Plattensammlung gibt. Ich bin als einer von wenigen Jugendlichen ohne Musik aufgewachsen und habe erst mit 16 erstmals freiwillig eine CD gehört (von den Beatles). Ich reagiere naiv auf Musik.</p>
<p><small>Das Gespräch mit Constantin Seibt wurde am 18. Juni 2012 in Zürich geführt.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/06/25/ja-klar-interessiere-ich-mich-fuer-macht-was-gibt-es-dramatischeres/">«Ja klar interessiere ich mich für Macht – was gibt es Dramatischeres?»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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