<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Daily Telegraph | MEDIENWOCHE</title>
	<atom:link href="https://medienwoche.ch/tag/daily-telegraph/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://medienwoche.ch</link>
	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Thu, 22 Jun 2017 07:08:31 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	
	<item>
		<title>Direkter Weg vom Brüssel-Bashing zum Brexit</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/06/27/der-direkte-weg-vom-bruessel-bashing-zum-brexit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Adrian Lobe]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Jun 2016 11:10:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Boris Johnson]]></category>
		<category><![CDATA[Daily Telegraph]]></category>
		<category><![CDATA[Michael Gove]]></category>
		<category><![CDATA[Presse]]></category>
		<category><![CDATA[Guardian]]></category>
		<category><![CDATA[England]]></category>
		<category><![CDATA[Grossbritannien]]></category>
		<category><![CDATA[Brexit]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=27666</guid>

					<description><![CDATA[<p>Boris Johnson hat erfolgreich einen Feldzug gegen ein Zerrbild der EU geführt, das er als Brüssel-Korrespondent des «Daily Telegraph» selbst schuf. Es könnte sich als Pyrrhussieg erweisen: Der Brexit hat einen Flurschaden in der Presselandschaft hinterlassen. In den Tagen nach dem Entscheid der Briten, die EU zu verlassen, konnte man den Eindruck gewinnen, das Land <a href="https://medienwoche.ch/2016/06/27/der-direkte-weg-vom-bruessel-bashing-zum-brexit/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/06/27/der-direkte-weg-vom-bruessel-bashing-zum-brexit/">Direkter Weg vom Brüssel-Bashing zum Brexit</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Boris Johnson hat erfolgreich einen Feldzug gegen ein Zerrbild der EU geführt, das er als Brüssel-Korrespondent des «Daily Telegraph» selbst schuf. Es könnte sich als Pyrrhussieg erweisen: Der Brexit hat einen Flurschaden in der Presselandschaft hinterlassen.<br />
<span id="more-27666"></span><br />
In den Tagen nach dem Entscheid der Briten, die EU zu verlassen, konnte man den Eindruck gewinnen, das Land habe das Ergebnis bereut oder zumindest die Implikationen des Entscheids nicht richtig abgeschätzt. So manchem Brexit-Befürworter überkamen Zweifel über die juristischen Modalitäten eines Austritts, mehrere hunderttausend Briten unterzeichneten eine Petition für eine erneute Volksabstimmung für einen «Breturn». Auch nach Abzug zehntausender manipulierter Stimmen dürfte <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/brexit-petition-fuer-zweites-referendum-mit-bots-manipuliert-a-1100043.html" target="_blank">die elektronische Umfrage</a> die erforderlichen 100&#8217;000 Unterzeichner erreicht haben, damit sich das Parlament dem Begehren annimmt. Und auch bei den Zeitungen, die selten wie nie zuvor polarisiert waren und eine aktive Rolle im Wahlkampf spielten, begann so etwas wie eine zaghafte Selbstreflexion.</p>
<p>Der Journalist Nick Cohen schrieb in einem bemerkenswerten <a href="https://www.theguardian.com/commentisfree/2016/jun/25/boris-johnson-michael-gove-eu-liars" target="_blank">Artikel für den «Guardian»</a> unter der Überschrift «Es gibt Lügner und dann gibt es Boris Johnson und Michael Gove»: «Die Medien verurteilen sich nicht selbst, deshalb tanze ich jetzt aus der Reihe, wenn ich sage, dass, wenn man die Herrschaft von Berufspolitikern für schlecht hält, man nur warten sollte, bis die Journalisten-Politiker kommen.» Cohen spielte auf die berufliche Karriere von Boris Johnson und Michael Gove – Johnson war unter anderen Brüssel-Korrespondent beim «Daily Telegraph» und Redakteur beim «Spectator», Gove Kolumnist der «Times» – an. «Johnson und Gove sind die schlechtesten Journalisten-Politiker, die man sich vorstellen kann: Experten, die gross wurden, indem sie das öffentliche Leben als ein Spiel behandeln. Und so spielen sie es. Sie erlangen die Aufmerksamkeit der Medien, indem sie einen grossen, dramatischen Gedanken rausbrüllen. Versagt eine Institution? Mach sie dicht! Patzt eine Person des öffentlichen Lebens? Schmeiss sie raus!» Es ist die fulminante Anklage eines Journalisten, der die eigene Zunft – zumindest zwei exponierten, ehemaligen Vertretern – im Stile eines «J’accuse» der Lüge zeiht und ihnen vorwirft, die Wähler hinters Licht geführt zu haben.</p>
<p>Nun sind die Diskussionen in Grossbritannien zwar häufig scharf, aber dennoch erstaunlich diszipliniert. Niemand würde auf die Idee kommen, die Invektive einer «Lügenpolitik» (analog zur «Lügenpresse») zu verbreiten. Und doch hat sich in der Diskursmechanik in den vergangenen Wochen etwas dergestalt verschoben, nämlich dass zu den wortgewaltigsten Wortführern der Kampagne – angefeuert vom Dauertremolo der Boulevardpresse – zwei Journalisten gehören.</p>
<p>Dass Johnson das Brüsseler Geschehen als Korrespondent des «Daily Telegraph» mehrere Jahre lang verfolgte, gereichte ihm im Leave-Lager nicht zum Nachteil, im Gegenteil, es verschaffte ihm zusätzliche Autorität. Der Eindruck war: Da sprach jemand, der weiss, was er sagt. Johnson weist einen fast bilderbuchhaften Lebenslauf vor, der selbst in den elitären Zirkeln der Tories eine Seltenheit ist: Privatschule in Eton, Altertumsstudien in Oxford, dann Karriere als Journalist und Bürgermeister von London. Johnson kultiviert das Bild des schrulligen, eloquenten Vertreters der englischen Oberklasse, der in piekfeinem Queen’s English parliert und seine Reden gerne mit einem manierierten Stottern garniert, das er sich als einen elitären Code und Habitus aus seiner Studienzeit beibehalten hat. Dass der Churchill-Biograph zu Höherem – er ist weiterhin als Premierminister im Gespräch – berufen ist, ist kein Geheimnis.</p>
<p>Doch das Bild des ehrlichen Maklers bekam Kratzer. Am Freitag vor der Abstimmung postete der Journalist Martin Fletcher einen vielbeachteten <a href="https://www.facebook.com/martin.fletcher.3998/posts/10154422902371062" target="_blank">Kommentar auf Facebook</a>, in dem er seinen alten Kollegen Johnson scharf attackierte. Fletcher wurde 1999 als Brüssel-Korrespondent der altehrwürdigen «Times» berufen, ein paar Jahre nach Johnsons Wirken. Und was Fletcher darin schreibt, war alles andere als ein Loblied: «Seit 25 Jahren hat unsere Presse die britische Öffentlichkeit mit verzerrten, lügnerischen und unerbittlich feindlichen Geschichten über die EU gefüttert. Und der Journalist, der den Ton setzte, war Boris Johnson.»</p>
<p>Bevor Johnson als Korrespondent aus Brüssel berichtete, wurde er 1988 von der «Times», wo er seine journalistische Karriere begann, wegen eines erfundenen Zitats entlassen. In Brüssel waren die Grenzen der Imagination offensichtlich weiter, weshalb die Redaktion des «Daily Telegraph» den versierten Historiker dorthin versetzte. Fletcher schreibt über seinen ehemaligen Kollegen: «Er ergriff jede Gelegenheit, sich über die EU lustig zu machen oder sie denunzieren und lieferte Artikel, die unzweifelhaft bunt, aber auch grotesk überzogen und komplett unwahr waren.» An Johnsons Bürowand, so berichtete <a href="http://www.independent.co.uk/news/uk/home-news/brussels-chuckles-as-reality-hits-mythmaker-1592828.html" target="_blank">der «Independent» 1995</a>, hing ein Zettel seines Redaktionskollegen Max Hastings, der ihn daran gemahnte, noch «bombastischer» zu schreiben.</p>
<p>Johnson soll später bekundet haben: «Alles, was ich aus Brüssel schrieb, fand ich, war eine Art Rausschmeissen von Steinen über den Gartenzaun und dabei dem unglaublichen Einschlag im Gewächshaus nebenan in England zuzuhören, denn alles, was ich aus Brüssel schrieb, hatte diesen erstaunlichen, explosiven Effekt und es gab mir wirklich dieses ziemlich verrücktes Machtgefühl.» Dieses Zitat ist entlarvend. Es zeichnet das Bild eines machtbesessenen Zündlers, eines Hasardeurs, der publizistische Bomben bastelt und sie genüsslich hochgehen sieht von seiner Brüsseler Schreibstube aus.</p>
<p>Vom Brüssel-Bashing zum Brexit ist es nicht mehr weit – es existiert eine historische Kontinuität. Ist der Geist erst aus der Flasche, ist er bekanntlich schwer wieder einzufangen. Erstaunlich ist, warum dieser pro-europäisch sozialisierte und gesinnte Intellektuelle eine solche Genugtuung an destruktiven Ideen findet. David Gardner, ein Freund und Rivale aus alten Tagen und damals Journalist bei der «Financial Times», beschrieb Johnson als «gespaltene Persönlichkeit».</p>
<p>Offensichtlich gab es auch systemische Zwänge für diese EU-feindliche Berichterstattung. Fletcher berichtet, dass auch die Ressortleiter der «Times» damals nur Artikel über «gesichtslose Brüsseler Eurokraten wollten, die Britannien absurde Regeln aufoktroyieren. (…) Es war das einzige Narrativ, woran sie interessiert waren.» Der publizistische Boden für eine Austrittskampagne war lange bestellt. Fletcher konstatiert: «Boris Johnson macht jetzt Kampagne gegen eine Cartoon-Karikatur der EU, die er selbst kreierte. Er macht Stimmung gegen eine grösstenteils fiktionale EU, die keinen Bezug zur Realität hat.»</p>
<p>Der ehemalige Londoner Bürgermeister machte mit vereinfachten Formeln Politik wie ein Boulevard-Journalist, und die Boulevardpresse machte Wahlkampf wie die Altparteien. Es zeigt sich hier ganz deutlich eine Verschmelzung von Politik und Medien, die nach einer ähnlichen Systemlogik funktionieren: dem Gesetz der maximalen Aufmerksamkeit. Dass in diesem alarmistischen Geheul die leisen Töne kein Gehör finden, versteht sich von selbst.</p>
<p>Der «Guardian»-Kolumnist Peter Preston fragte selbstkritisch: «Die Bürger haben sich über den Brexit ausgesprochen. Aber haben die Medien ihnen die Wahrheit erzählt?». Das Brexit-Votum ist nur vordergründig ein Erfolg für die Boulevardpresse und «Journalisten-Politiker». In Wirklichkeit ist es eine fatale Niederlage der Presse, die ihre Leser mit selektiven und falschen Informationen versorgte und gegen die reihenweise Beschwerden vor der Regulierungsbehörde «Independent Press Standards Organization» (vergleichbar mit dem Presserat in Deutschland) anhängig sind. Die britische Presse ist laut einer Umfrage der EU-Kommission vom September vergangenen Jahres die am schlechtesten beleumundete Presse in allen EU-Staaten: 73 Prozent aller Briten misstrauen der Presse. Die Brexit-Kampagne hat mit ihren Schmutzkampagnen nicht gerade zur Glaubwürdigkeit der Presse beigetragen.</p>
<p>Bild: <a href="https://www.flickr.com/photos/53797600@N04/6996058551" target="_blank">Flickr/Andrew Parsons (CC BY-ND 2.0)</a></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/06/27/der-direkte-weg-vom-bruessel-bashing-zum-brexit/">Direkter Weg vom Brüssel-Bashing zum Brexit</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Auf zum letzten Gefecht!</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/06/17/auf-zum-letzten-gefecht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Adrian Lobe]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Jun 2016 13:09:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Boris Johnson]]></category>
		<category><![CDATA[Daily Telegraph]]></category>
		<category><![CDATA[The Daily Express]]></category>
		<category><![CDATA[Ukip]]></category>
		<category><![CDATA[BBC]]></category>
		<category><![CDATA[Guardian]]></category>
		<category><![CDATA[Grossbritannien]]></category>
		<category><![CDATA[Brexit]]></category>
		<category><![CDATA[The Sun]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=27652</guid>

					<description><![CDATA[<p>Britische Zeitungen steigen vor der Abstimmung um den Brexit selbst in den Schützengraben. Die Medienlandschaft in Grossbritannien ist vor der Abstimmung vom nächsten Donnerstag polarisierter denn je. Remain or Leave? Bleiben oder Gehen? Diese Frage spaltet Grossbritannien. Am 23. Juni stimmen die Briten in einem Referendum über den Verbleib in der Europäischen Union ab. Nach <a href="https://medienwoche.ch/2016/06/17/auf-zum-letzten-gefecht/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/06/17/auf-zum-letzten-gefecht/">Auf zum letzten Gefecht!</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Britische Zeitungen steigen vor der Abstimmung um den Brexit selbst in den Schützengraben. Die Medienlandschaft in Grossbritannien ist vor der Abstimmung vom nächsten Donnerstag polarisierter denn je.<br />
<span id="more-27652"></span><br />
Remain or Leave? Bleiben oder Gehen? Diese Frage spaltet Grossbritannien. Am 23. Juni stimmen die Briten in einem Referendum über den Verbleib in der Europäischen Union ab. Nach dem Mord an der Labour-Abgeordneten Jo Cox erhält der Abstimmungskampf eine andere Wendung. Der Attentäter soll nach Augenzeugen «Britain first» gerufen haben, weshalb ihm ein politisches Motiv zugeschrieben wird. Das Remain-Lager instrumentalisierte den Anschlag, um Stimmung gegen die Brexiteers zu machen, die Boulevard-Zeitung «The Daily Star» nannte den Attentäter gar einen «Brexit Gunman». Der Brexit spaltet längst nicht nur die Politik, sondern auch die Medien.</p>
<p>Während Boulevardblätter wie die «Sun» und «The Daily Express» einen Brexit befürworten, lehnen seriöse Tageszeitungen wie der «Guardian» oder die «Financial Times» den Austritt Grossbritanniens aus der EU ab. Die konservative Tageszeitung «Times» nimmt ähnlich wie die ihr nahestehenden Tories eine ambivalente Haltung zu der Frage ein. Eine <a href="http://reutersinstitute.politics.ox.ac.uk/news/study-shows-majority-press-coverage-eu-referendum-campaign-was-heavily-skewed-favour-brexit" target="_blank">Studie des Reuters Institute</a> for the Study of Journalism, die im Zeitraum zwischen Februar und April 928 Artikel überregionaler Pressetitel untersuchte, fand heraus, dass 45 Prozent der Artikel für einen Austritt waren, dagegen nur 27 Prozent für einen Verbleib. 19 Prozent der Artikel mit Bezug auf das Referendum waren «gemischt oder unentschlossen». Der vollständige Bericht wird erst im September veröffentlicht. Offensichtlich wollen die Autoren den Wahlkampf mit kritischem Material nicht weiter belasten. Die Polarisierung der britischen Medien zum Brexit-Referendum steht in scharfem Kontrast zu der Berichterstattung im Kontext des EWG-Mitgliedschaftsreferendum 1975, als fast alle Zeitungen eine proeuropäische Position vertraten.</p>
<p>Die Sun, mit knapp 1,8 Millionen gedruckten Exemplaren das auflagenstärkste Blatt des Landes, hat sich dabei zu einer Meinungsführerin der Brexit-Kampagne aufgeschwungen. In einem <a href="https://www.thesun.co.uk/news/1277920/we-urge-our-readers-to-believe-in-britain-and-vote-to-leave-the-eu-in-referendum-on-june-23/" target="_blank">Leitartikel vom 13. Juni</a> rief die grösste Boulevardzeitung Grossbritanniens seine Leser dazu auf, für einen Austritt zu stimmen. «We urge our readers to beLEAVE in Britain and vote to quit the EU on June 23.» Der Austritt – beLEAVE ist ein Wortspiel aus «leave» und «believe» – wurde zu einer Glaubensfrage stilisiert. Das populistisch-alarmistische Argument, das die Redaktion der Forderung nachschob, lautete: «Das ist unsere letzte Chance, uns aus der undemokratischen Brüsseler Maschine zurückzuziehen. Und es ist Zeit, sie zu ergreifen.» In der 43-jährigen Mitgliedschaft in der Europäischen Union habe sich der Staatenverbund als «zunehmend gierig, verschwenderisch, verleumdend und atemberaubend inkompetent in der Krise bewiesen», befindet das Blatt. Die Forderung ist daher klar: «Wir müssen uns von dem diktatorischen Brüssel befreien.» Dass der rechtsextreme Front National in Frankreich mit fast denselben Parolen Stimmung macht, wird geflissentlich ignoriert.</p>
<p>Das Boulevardblatt scheut selbst nicht davor zurück, die Queen als vermeintliche Kronzeugin («Queen backs Brexit») für ihre Propaganda zu missbrauchen. Die Monarchin sei für den Austritt, hiess es. Die Schlagzeile war frei erfunden. Der Buckingham Palast legte offiziell Beschwerde bei dem Boulevard-Blatt ein. So etwas gab es noch nie. Man fragt sich bei diesen Artikeln, ob die Politik oder die Medien Wahlkampf machen. Der Medienmogul Rupert Murdoch, der Eigentümer der «Sun», führt eine aus eigenem Machtstreben motivierte Kampagne für den Austritt. Murdoch steht der EU seit Jahren skeptisch gegenüber. Einem Journalisten soll er einmal gesagt haben: «Wenn ich nach Downing Street (dem Sitz des britischen Premierministers) gehe, machen sie, was ich sage. Wenn ich nach Brüssel gehe, nehmen sie davon nicht einmal Notiz.»</p>
<p>Das Revolverblatt «The Express», das dem britischen Verleger Richard Desmond gehört, der die EU-feindliche Partei Ukip unterstützt, <a href="http://www.express.co.uk/comment/expresscomment/661551/Eu-referendum-sticker-Vote-Leave-Nigel-Farage-Brexit" target="_blank">rief in einem Leitartikel</a> gar zu einem «Kreuzzug für die Freiheit» auf und verteilte in der Printausgabe Pro-Leave-Sticker, die man sich ans Auto kleben kann – als Zeichen des Brexit-Befürwortens. Die Zeitung schwor die Leserschaft auf eine wichtige Abstimmung ein. «Wo einer von fünf Wählern unentschlossen ist, sind die Leser des ‹Daily Express› das Zünglein an der Waage in der Sicherstellung, dass Britannien diese einmalige Gelegenheit beim Schopfe packt, sich von den Fussfesseln der EU und seinen undemokratischem Vorgehen, einen allmächtigen föderalen Superstaat zu etablieren, zu befreien.»</p>
<p>Die Metapher einer britischen «Gefangenschaft» in der EU zieht sich leitmotivisch durch die Pro-Brexit-Presse. Sogar Winston Churchill wird bemüht: «Wo es keinen Feind im Innern gibt, können einem die Feinde ausserhalb nicht wehtun.» Solche Blut-Schweiss-und-Tränen-Rhetorik kennt man eigentlich nur aus dem Krieg vergangener Tage. Die Tonalität ist hochtourig, aufgekratzt und alarmistisch, als würde Grossbritannien in die Schlacht ziehen. Es ist schon erstaunlich: Wo in Deutschland eine «System»- und «Lügenpresse» gegeisselt und die Konvergenz der Medien beklagt wird, werden die publizistischen Gräben in Grossbritannien grösser denn je.</p>
<p>Jede Leserschicht, jedes Milieu wird versucht anzusprechen. «Fussball-Fans unterstützen Brexit mit überwältigender Mehrheit», behauptete die Zeitung «Daily Express» und berief sich auf eine Umfrage des Buchmachers Coral, wonach 39 Prozent der Fussball-Fans bei dem Referendum für den Austritt stimmen werden. Wie die Studienautoren Fussball-Fans definieren, wurde nicht erläutert. Knapp eine Woche vor dem Referendum wird auf der Insel heftig darüber diskutiert, ob das Abschneiden der drei britischen Nationalmannschaften (England, Wales, Nordirland) an der Fussball-EM einen Einfluss auf die Volksabstimmung hat. Ein frühes Aus in der Gruppenphase könnte Wasser auf die Mühlen des «Leave»-Lagers sein und den Nationalismus befördern. Ein Weiterkommen in die Ko-Phase der Europameisterschaft könnte die Engländer dagegen mit dem Europa-Gedanken versöhnen und dem «Remain»-Lager in die Hände spielen.</p>
<p>Der «Daily Telegraph», zu dessen Kolumnisten der Londoner Bürgermeister und Brexit-Befürworter Boris Johnson gehört, schlägt indes eher moderatere Töne an, vertritt aber in Bezug auf Migration und Terrorismus dezidiert konservative und europaskeptische Positionen. Die Europaskepsis, respektive -feindlichkeit speist sich aus gerade diesen Motiven. So ist der «Daily Telegraph» Gegenstand einer Beschwerde an die Regulierungsbehörde «Independent Press Standards Organization» (vergleichbar mit dem Presserat in Deutschland), welche das Faktchecking-Portal <a href="http://infacts.org/hateful_eight/" target="_blank">InFacts eingereicht hat</a>. Die Zeitung soll Unwahrheiten und falsche Tatsachenbehauptungen verbreitet haben, etwa «der Graben zwischen den offiziellen Migrationszahlen und der ist so gross wer Grand Canyon» oder sinnentstellte Zitate wie die angebliche Aussage eines US-Gemeindienstmitarbeiter, wonach die islamistische Terrormiliz IS durch offene Grenzen nach Grossbritannien gelange. InFact widerlegt diese Behauptungen in einem Faktencheck.</p>
<p>Auch die «Sun» arbeitet mit montierten Statistiken und Stereotypen. Es tobt ein Kampf um die Wahrheit und Deutungshoheit über Fakten, die in der durch Boris Johnsons «Battlebus» populär gewordene Behauptung kulminierte, Grossbritannien überweise jede Woche 350 Millionen Pfund nach Brüssel. Mittlerweile versucht der «Daily Telegraph» wie auch die etwas weiter in der Mitte positionierte «Times» ausgewogener zu berichten und beide Seiten zu Wort kommen zu lassen – auch, um der Heterogenität der Leserschaft Rechnung zu tragen. Die jungen Leser, die auf Inhalte grösstenteils online zugreifen, sind deutlich pro-europäischer als ältere Leser. Deshalb fährt die zur selben Verlagsgruppe wie die «Sun» gehörende «Times» (beide Titel werden von Rupert Murdochs News UK verlegt) mit Rücksicht auf die eher pro-europäischen Leser einen vorsichtigeren Kurs. Die Gräben durchziehen damit auch die Verlage selbst.</p>
<p>Die einzigen Medien, die neutral und objektiv über die Kampagne berichtet, sind der linksliberale «Guardian» , die «Financial Times» sowie die BBC. Die Redaktionen begeben sich nicht in ideologische Grabenkämpfe, sondern referieren ruhig und sachlich Pro-und Kontra-Argumente. Wobei die BBC, die 77 Prozent der Haushalte über TV, Radio oder das Internet erreicht, unter besonders kritischer Beobachtung steht. Die Labour-Abgeordnete Maria Eagle kritisierte, dass die Rundfunkanstalt zur Zielscheibe von Lobby-Bemühungen beider Lager werde und Medienminister John Whittingdale, ein prominenter Befürworter des Brexit, die Verhandlungen über die am Ende des Jahres auslaufende Charter der BBC (eine Art Rundfunkstaatsvertrag) hinauszögere. Der Sender werde so zum Vehikel parteitaktischer Spielchen. Das Problem ist, dass man über derlei Einflussnahmen kaum etwas liest.</p>
<p>Medienkritische Berichte, etwa über den Opportunismus der «Sun», die in ihren Lokalausgaben in Schottland, Nordirland und Irland mit Rücksicht auf die Leserschaft den Slogan «BeLeave in Britain» vom Titel nahm, findet man fast ausschliesslich bei Politico Europe oder <a href="http://www.theguardian.com/media/greenslade/2016/jun/14/the-suns-pro-brexit-campaigning-doesnt-cross-borders" target="_blank">beim «Guardian»</a>. Eine Blockbildung, wie man sie nun in den Medien sieht, kennt man eigentlich nur aus der Parteienlandschaft. Die Zeitungen sind in der Brexit-Frage nicht nur ein Kampagnenvehikel, sondern ein Kampagnenorgan, die aktiv Wahlkampf betreiben – mit Aufklebern, Wahlaufrufen und Veranstaltungen. So wie die Parteien um Wähler werben, fischen die Zeitungen nach Lesern. Der «Guardian» geisselte in einem Meinungsbeitrag die Pro-Brexit-Kampagne der «Daily Mail» als «ein im Kern rechtes politisches Projekt». Das EU-Referendum sei «die Arena, in der Machtkämpfe zwischen Teilen der Presse und dem gewählten Premierminister (David Cameron) ausgetragen werden». Die rückläufigen Auflagen, unter denen die Pressetitel leiden, könnte erklären, warum sich manche Zeitung noch stärker positioniert als sie es sonst tut. Profilschärfung stärkt Loyalitäten. Die Abstimmung wird zeigen, welches Medium lauter getrommelt hat.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/06/17/auf-zum-letzten-gefecht/">Auf zum letzten Gefecht!</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
