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	<title>Das Magazin | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Tue, 28 Jun 2022 10:05:13 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Das Magazin, Sonntagszeitung, SRG</title>
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		<dc:creator><![CDATA[MW Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 08 May 2021 07:25:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[SRG]]></category>
		<category><![CDATA[Sonntagszeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Das Magazin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>The Good – Lenz zum Tagi-Magi Man vernimmt auch erfreuliche Meldungen aus dem Hause Tamedia. Aktuell gibt eine interne Transfermeldung Anlass zur Freude: Christoph Lenz wechselt von «Tages-Anzeiger» &#38; Co. zum «Magazin», wie diese Woche bekannt wurde. Was von Lenz zu erwarten ist, zeigte der Reporter im letzten Herbst mit der Recherche «Die Klimaschande von <a href="https://medienwoche.ch/2021/05/08/das-magazin-sonntagszeitung-srg/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-88371" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/05/MW-Good-Bad-Ugly-20210508b.jpg" alt="" width="1456" height="488" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/05/MW-Good-Bad-Ugly-20210508b.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/05/MW-Good-Bad-Ugly-20210508b-300x101.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/05/MW-Good-Bad-Ugly-20210508b-768x257.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/05/MW-Good-Bad-Ugly-20210508b-1024x343.jpg 1024w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /></p>
<h3>The Good – Lenz zum Tagi-Magi</h3>
<p>Man vernimmt auch erfreuliche Meldungen aus dem Hause Tamedia. Aktuell gibt eine interne Transfermeldung Anlass zur Freude: Christoph Lenz <a href="https://twitter.com/lenzchristoph/status/1389138647199461380?s=20" target="_blank" rel="noopener">wechselt</a> von «Tages-Anzeiger» &amp; Co. zum «Magazin», wie diese Woche bekannt wurde. Was von Lenz zu erwarten ist, zeigte der Reporter im letzten Herbst mit der Recherche <a href="https://www.oeffentlichkeitsgesetz.ch/downloads/geschichten/artikel/2020-10-24-Das-Magazin-Visp-Emissionen.pdf" target="_blank" rel="noopener">«Die Klimaschande von Visp»</a>, die er bereits im «Magazin» veröffentlichen durfte. Auf sechs Heftseiten konnte der 37-jährige Journalist nachweisen, dass der Chemiekonzern Lonza in Visp über Jahre unbehelligt tonnenweise klimaschädliches Lachgas entweichen liess, auch wegen einer Gesetzeslücke. Mit der Lonza-Enthüllung ist Lenz nun für den <a href="https://www.persoenlich.com/medien/journalist-christoph-lenz-ist-nominiert" target="_blank" rel="noopener">European Press Prize</a> nominiert. Das war vor ihm noch niemand aus der Schweiz. Beim <a href="https://swisspressaward.ch/de/user/a00004700/showcase/cy3/" target="_blank" rel="noopener">Swiss Press Award</a> belegte er jüngst den zweiten Platz mit der Lonza-Recherche. Wenn das Gesellenstück der Massstab ist für die kommenden Artikel, dann dürfen wir uns auf anregende Lektürestunden freuen.<br />
<small><em>Nick Lüthi</em></small></p>
<h3>The Bad – Der Fall Sara Macy</h3>
<p>Menschen erzählen sich Geschichten, um zu leben. Und die letzte <a href="https://www.bernerzeitung.ch/heute-habe-ich-panik-vor-jedem-corona-test-832541513292" target="_blank" rel="noopener">«Sonntagszeitung»</a> erzählte eine Geschichte, die in Journalist*innenkreisen für Stirnrunzeln sorgte: das Porträt der Flugbegleiterin Sara Macy, die sich aufgrund ihres Jobs angeblich so häufig auf Corona testen lassen musste, dass ihre Nase «dauerhaft geschädigt» ist. Im Porträt darf Macy unwidersprochen Thesen verbreiten, die entweder falsch sind oder im Artikel nicht belegt werden. Ein kurzer Faktencheck:</p>
<p>1. Macy erzählt, sie habe sich die Verletzung am Flughafen Keflavik in Island zugezogen. Zwar bleibt ihr Arbeitgeber im Porträt anonym, eine kurze Recherche später ist aber klar: Die Fluggesellschaft, bei der Macy arbeitet, bietet gar keine Flüge nach Island an. Laut internen Quellen hätte Macy beruflich nur auf einem sogenannten Turnaround-Flug in Island Zwischenstopp machen können – und auf solchen sind keine Coronatests nötig.</p>
<p>2. Viele Fluggesellschaften in Europa befinden sich seit einem Jahr in Kurzarbeit. So viele Coronatests, dass man aufgrund der Häufigkeit Schäden davontragen könnte, finden also kaum statt. Fragt man etwa bei Mitarbeitenden der Swiss nach, heisst es: «Seit Beginn der Pandemie fliegt man nur noch sehr wenig und es wird darauf geachtet, dass man nicht oft Destinationen anfliegt, die PCR-Tests verlangen – wie zum Beispiel China.» Auf praktisch allen anderen Destinationen würden heute gar keine Nasenabstriche mehr durchgeführt, sondern Rachenabstriche.</p>
<p>3. Der Text verpasst leider, Macy entsprechend einzuordnen: Ihr mittlerweile gelöschtes Facebook-Profil machte klar, dass die junge Frau QAnon-Theorien zumindest nicht abgeneigt ist. Offenbar wusste man bei der Sonntagszeitung darüber Bescheid – das habe aber «absolut nichts mit dem Artikel zu tun», schrieb eine Tamedia-Sprecherin.<br />
<small><em>Miriam Suter</em></small></p>
<h3>The Ugly – SRG-Propaganda zeigt Wirkung</h3>
<p>Ende April erhielten die Journalist*innen Sylvia Revello, Boris Busslinger und Célia Héron von «Le Temps» den <a href="https://swisspressaward.ch/de/user/c00029948/showcase/dpb/" target="_blank" rel="noopener">Swiss Press Award</a> für ihre <a href="https://www.letemps.ch/suisse/rts-darius-rochebin-loi-silence" target="_blank" rel="noopener">Recherche</a> über Belästigung, übergriffiges Verhalten und Machtmissbrauch beim Westschweizer Radio und Fernsehen RTS. Das stiess verschiedentlich auf Unverständnis und Kritik.</p>
<p>«Persönlich»-Verleger Matthias Ackeret schreibt: «Dass nun ausgerechnet diese Story, die sich zumindest im Fall von Rochebin als falsch erwiesen hat, mit dem höchsten Schweizer Journalistenpreis ausgezeichnet wird, mutet eigenwillig an.» Rochebin, der heute beim französischen Sender LCI eine Talksendung führt, habe eine «Rehabilitation ersten Grades» erfahren. Und auch Medienkolumnist Kurt W. Zimmermann schlug in die gleiche Kerbe. In der «Weltwoche» schreibt er zum preisgekrönten Stück: «Nichts davon war wahr. Eine externe Untersuchung, im Auftrag der SRG, wusch Rochebin weiss wie Schnee.»</p>
<p>Die SRG-Propaganda entfaltet also ihre volle Wirkung: Anfang April informierte die Spitze des Unternehmens, Rochebin könne man nichts vorwerfen. Doch die Erkenntnisse der SRG zu den Vorgängen in der Westschweiz sind zumindest unvollständig: Die Quellen der Vorwürfe gegen Rochebin, auf die sich «Le Temps» stützt, hat die SRG in ihrer Untersuchung <a href="https://www.tagesanzeiger.ch/um-den-kronzeugen-kuemmert-sich-niemand-833563805446" target="_blank" rel="noopener">gar nicht berücksichtigt</a>. Ein Abschlussbericht soll im Juni folgen und der könnte noch ein paar Überraschungen enthalten: Es scheint noch weitere Fälle zu geben, wie <a href="https://www.watson.ch/schweiz/medien/406915857-sexuelle-belaestigung-bei-rts-es-ist-alles-noch-schlimmer" target="_blank" rel="noopener">Watson Romandie</a> schreibt. Diese Suppe ist noch nicht ausgelöffelt.<br />
<small><em>Miriam Suter</em></small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/05/08/das-magazin-sonntagszeitung-srg/">Das Magazin, Sonntagszeitung, SRG</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Das Magazin, Literaturkritik, Sonntagsblick</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2020/11/07/das-magazin-literaturkritik-sonntagsblick/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Anne-Sophie Scholl]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 07 Nov 2020 09:52:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Literaturkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Das Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Sonntagsblick]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>The Good – Das Wort den Turnerinnen Der «Blick» zuerst, danach folgten weitere Zeitungen, «Le Temps», die «NZZ am Sonntag», das Westschweizer Fernsehen RTS: Sie meldeten im Sommer menschenunwürdige Trainingsmethoden im Leistungszentrum des Schweizerischen Turnverbands in Magglingen. Köpfe rollten und eine Anwaltskanzlei wurde mit einer Untersuchung beauftragt. Damit hätte die Geschichte gegessen sein können. Doch <a href="https://medienwoche.ch/2020/11/07/das-magazin-literaturkritik-sonntagsblick/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-83154" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/11/MW-GBU-20201107b.jpg" alt="" width="1456" height="488" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/11/MW-GBU-20201107b.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/11/MW-GBU-20201107b-300x101.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/11/MW-GBU-20201107b-768x257.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/11/MW-GBU-20201107b-1024x343.jpg 1024w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /></p>
<h3>The Good – Das Wort den Turnerinnen</h3>
<p>Der «Blick» zuerst, danach folgten weitere Zeitungen, «Le Temps», die «NZZ am Sonntag», das Westschweizer Fernsehen RTS: Sie meldeten im Sommer menschenunwürdige Trainingsmethoden im Leistungszentrum des Schweizerischen Turnverbands in Magglingen. Köpfe rollten und eine Anwaltskanzlei wurde mit einer Untersuchung beauftragt. Damit hätte die Geschichte gegessen sein können.</p>
<p>Doch die beiden «Magazin»-Journalisten Christof Gertsch und Mikael Krogerus bohrten weiter. Am Samstag vor einer Woche publizierten sie <a href="https://www.tagesanzeiger.ch/wie-turnerinnen-in-magglingen-gebrochen-werden-170525604713" target="_blank" rel="noopener">«Die Magglingen-Protokolle»</a> in einer quasi monothematischen Ausgabe im «Magazin» und in weiteren Tamedia-Publikationen in der Romandie. In dem Text richten sie den Fokus nicht auf einzelne Personen, sondern auf das System, auf den historisch-politischen Kontext, auf die Gesellschaft — auf uns alle. Nicht zum ersten Mal wurden Vorwürfe gegen missbräuchliche Trainingsmethoden laut, nicht zum ersten Mal wurden Verantwortliche ausgewechselt. War die mediale Aufmerksamkeit verschwunden, blieben die Missstände.</p>
<p>Vor allem aber: Gertsch und Krogerus stellen die Frauen ins Zentrum. Acht junge Frauen stehen hin, mit Bild, mit vollem Namen, mit ihren Aussagen. Ihr O-Ton dominiert den Artikel, die Journalisten lassen die jungen Frauen und weitere ehemalige Turnerinnen als die starken Akteurinnen auftreten, die sie sind.</p>
<p>Das setzt Massstäbe. Es ist eine grossartige Recherche, in Form und Inhalt. Schon jetzt ist klar: Es ist einer der wichtigsten Texte des Jahres.</p>
<p>Unterdessen hat <a href="https://www.bluewin.ch/de/sport/weitere/magglingen-protokolle-frau-amherd-war-erschuettert-457919.html" target="_blank" rel="noopener">Viola Amherd</a> reagiert, die Bundesrätin will durchgreifen. Drei Monate haben die beiden Journalisten für die Recherche investiert – solchen Journalismus muss man sich leisten können. Die Schweiz muss sich solchen Journalismus leisten.</p>
<h3>The Bad – Achtung: elitäre Literatur!</h3>
<p>Am Sonntag wird der Schweizer Buchpreis für das wichtigste Buch des Jahres verliehen. Schon jetzt ist klar: Dorothee Elmiger muss den Preis gewinnen. Ihr Buch «Aus der Zuckerfabrik» ist herausragend, inhaltlich und literarisch.</p>
<p>Falls Sie das Buch lesen wollen, geben wir Ihnen hier eine Einordnung der Berichterstattung mit Lesetipps:</p>
<p>📚 Das Buch ist experimentell. Das ist nichts Schlimmes. Es heisst einfach: Das Buch hat keinen Plot, die Textfragmente treten miteinander in Dialog. Die Verbindungen dürfen Sie herstellen. Befolgen Sie den <a href="https://www.zeit.de/2020/34/dorothee-elmiger-aus-der-zuckerfabrik-buch" target="_blank" rel="noopener">Rat der Autorin</a>: Wenn Ihnen eine Stelle zu wirr erscheint, lesen Sie einfach darüber hinweg.</p>
<p>📚 Das Buch zitiert eine Vielzahl historischer Persönlichkeiten. Sie haben diese Namen noch nie gehört? Das spielt keine Rolle. Auch hier: Folgen Sie dem Rat der Autorin, lesen Sie das Buch nicht mit zu viel Respekt. Alles, was Sie wissen müssen, steht im Text. Wissen über das zitierte Personal auszuspielen ist eine überholte Kritikereitelkeit. Es ist auch eine Form der Aneignung des Textes – im Buch selbst wirft Elmiger die Frage auf: Wie kann ich schreiben, ohne mir den Gegenstand des Textes anzueignen?</p>
<p>📚 Kolonialismus, Kapitalismus, Kant: Sie glauben, das Buch ist ein Männerbuch? Dann haben Sie vermutlich <a href="https://www.tagesanzeiger.ch/ueberall-zeichen-und-zusammenhaenge-729643450104" target="_blank" rel="noopener">die eine</a> oder <a href="https://www.tagblatt.ch/kultur/elmiger-im-zuckerschock-ld.1247219" target="_blank" rel="noopener">andere Rezension</a> eines Kritikermannes gelesen — die statistische Wahrscheinlichkeit dafür ist in der Schweiz sehr hoch. Aber es stimmt nicht: Es kommen viele Frauen darin vor, mit <a href="https://www.woz.ch/-ad4a" target="_blank" rel="noopener">bemerkenswerten Biografien</a>. «Aus der Zuckerfabrik» ist ein sehr offener Text — Frauen lesen anders, Männer auch, das zeigt sich in diesem Fall deutlicher als gewöhnlich. Es geht in dem Buch um Rassismus UND um Sexismus, vor allem geht es darum, wie die beiden zusammenhängen.</p>
<p>Lesen Sie das Buch einfach selbst. Seien Sie neugierig. Haben Sie Humor. Lassen Sie sich berauschen. Viel Vergnügen!</p>
<h3>The Ugly – Goldene Tomate für den Sonntagsblick</h3>
<p>Wir haben es immer vermutet. Nun wissen wir: Jürg Halter KANN lächeln. Der Beweis gelang SRF-Literaturclub-Moderatorin Nicola Steiner jüngst in <a href="https://www.facebook.com/srfkultur/posts/3587044551357339" target="_blank" rel="noopener">einem Clip</a> mit dem düsteren Barden.</p>
<p>Nichts zu lächeln hatte Jürg Halter diese Woche. Am Sonntag publizierte der Sonntagsblick viereinhalb Doppelseiten zum Thema, wie «wir» durch die Krise kommen – und erntete damit einen <a href="https://twitter.com/QuotenTweet/status/1322856888220995584?s=20" target="_blank" rel="noopener">Shitstorm</a> auf Social Media. Unter den 111 portierten Persönlichkeiten waren lediglich 23 Frauen, auf der ersten Doppelseite war eine einzige Frau zu sehen, der Rest lauter Männer ü50, ü60, ü70, ü80. Zahlreiche Frauen protestierten, ganz genau sah der düstere Barde hin: Es sind alles <a href="https://twitter.com/halterjuerg/status/1322884529938378756" target="_blank" rel="noopener">Millionäre</a>, schreibt Jürg Halter auf Twitter, das sei geradezu zynisch.</p>
<p>Oder: Haben wir etwas verpasst und sie alle wollen freiwillig eine Solidaritäts-Sondersteuer zahlen – wie sie in Deutschland bei Wiederaufbau nach dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg erhoben wurde?</p>
<p>Liebe Medienkommission, lieber Nationalrat, lieber Ständerat: Wir bitten Sie inständig, integrieren Sie eine griffige Genderpolitik in die überarbeitete Version der Medienförderung. Retten Sie so die Herren an den Schaltstellen der Vierten Gewalt vor künftigen geschäfts- und gesellschaftsschädigenden Fauxpas.</p>
<p>Wir vergeben derweil den Preis der Goldenen Tomate.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/11/07/das-magazin-literaturkritik-sonntagsblick/">Das Magazin, Literaturkritik, Sonntagsblick</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Angriffe auf «Magazin» und «Republik»: Was man über die grössten Kritiker wissen sollte</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2017/10/09/angriffe-auf-magazin-und-republik-was-man-ueber-die-groessten-kritiker-wissen-sollte/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Daniel Ryser]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Oct 2017 10:19:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Das Magazin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Hinter pointierter Medienkritik stecken bisweilen auch persönliche Motive. Anmerkungen zu zwei aktuellen Texten aus «NZZ am Sonntag» und «Schweizer Journalist», die mit der «Republik», respektive dem «Magazin», hart ins Gericht gehen. Kürzlich feuerte «NZZ-Geschichte»-Redaktor Peer Teuwsen in der «NZZ am Sonntag» einen Kanonenschuss auf das Medien-Start-Up «Republik» ab. Obwohl dort erst ab Januar 2018 publiziert <a href="https://medienwoche.ch/2017/10/09/angriffe-auf-magazin-und-republik-was-man-ueber-die-groessten-kritiker-wissen-sollte/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Hinter pointierter Medienkritik stecken bisweilen auch persönliche Motive. Anmerkungen zu zwei aktuellen Texten aus «NZZ am Sonntag» und «Schweizer Journalist», die mit der «Republik», respektive dem «Magazin», hart ins Gericht gehen.</strong><br />
<img decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/10/MW-Magi-Bashing_20171009a.jpg" alt="" width="1456" height="976" class="alignnone size-full wp-image-48316" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/10/MW-Magi-Bashing_20171009a.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/10/MW-Magi-Bashing_20171009a-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/10/MW-Magi-Bashing_20171009a-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/10/MW-Magi-Bashing_20171009a-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/10/MW-Magi-Bashing_20171009a-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
Kürzlich feuerte «NZZ-Geschichte»-Redaktor Peer Teuwsen <a href="https://nzzas.nzz.ch/notizen/medienkritik-ideologischer-selbstmord-republik-ld.1319426" target="_blank">in der «NZZ am Sonntag»</a> einen Kanonenschuss auf das Medien-Start-Up «Republik» ab. Obwohl dort erst ab Januar 2018 publiziert wird, kennt Teuwsen schon im September 2017 das Ergebnis: Die «Republik» habe «ideologischen Selbstmord» begangen, und zwar deshalb, weil sie den «Magazin»-Kolumnisten Daniel Binswanger verpflichtet habe, der in seinen Texten «stramm sozialdemokratisch» argumentiere. Einer der ersten, der Teuwsens Text auf Twitter teilte, war sein NZZ-Kollege Martin Beglinger. Ein relevantes Detail.</p>
<p>In den sozialen Medien wunderten sich viele ob der Heftigkeit des Angriffs der mächtigen NZZ auf das kleine Start-Up. Doch die Heftigkeit ist erklärbar. Peer Teuwsen verschweigt eine zwingende Fussnote, dass ihn nämlich eine komplizierte Geschichte mit Daniel Binswanger verbindet – eine Geschichte, welche die Attacke zu erklären hilft.</p>
<blockquote><p>Nach zehn Jahren auf einem der sichersten und einflussreichsten Posten im Schweizer Journalismus, hat sich Binswanger nun entschieden, bei der «Republik» etwas Neues auszuprobieren. Der Angriff seines ehemaligen Kollegen erfolgte umgehend.</p></blockquote>
<p>Peer Teuwsen und sein Redaktionskollege Martin Beglinger waren beide vor ihrer Zeit bei der NZZ «Magazin»-Redaktoren. Beide kündigten im Zwist mit Chefredaktor Finn Canonica. Teuwsen ging im Streit, nachdem er den Kampf um die Nachfolge des damaligen Chefredaktors Res Strehle gegen Canonica verloren hatte. Daniel Binswanger hingegen stellte sich in all den Jahren loyal hinter Canonica, was bei Teuwsen und Beglinger gar nicht gut ankam.</p>
<p>Nach zehn Jahren auf einem der sichersten und einflussreichsten Posten im Schweizer Journalismus, hat sich Binswanger nun entschieden, bei der «Republik» etwas Neues auszuprobieren. Der Angriff seines ehemaligen Kollegen erfolgte umgehend – die Kritik an der «Ideologie» aber wirkte vorgeschoben. Erstens positioniert sich die NZZ selbst ideologisch und zweitens hat die «Republik» noch gar nicht geliefert. Teuwsen hat in seinem Kommentar eine alte Rechnung beglichen – nicht nur mit Binswanger, sondern indirekt auch mit «Magazin»-Chef Canonica, der ihm den Chefposten weggeschnappt und dann den linken Kolumnisten Binswanger aufgebaut hat.</p>
<p>Damit Sie nicht denken, ich tappe als WOZ-Reporter in dieselbe Falle und schütze aufgrund persönlicher Verstrickungen meinen linken Journalisten-Kumpel Daniel Binswanger vor rechten Angriffen: Nein. Ich verstand mich während meiner dreieinhalb Jahre beim «Magazin» blendend mit Martin Beglinger. Mit Binswanger hingegen hatte ich wenig Berührungspunkte.</p>
<blockquote><p>Den Auftakt zu diesen Tiraden gegen das «Magazin» hatte vor ein paar Jahren der rechte «Schweizer Monat» gemacht mit einem Rundumschlag: Das «Magazin» pflege journalistisch das linksliberale Motto «Erlaubt ist, was nicht stört».</p></blockquote>
<p>Zum selben Zeitpunkt, als die Teuwsen-Attacke in der «NZZ am Sonntag» erschien, publizierte das Branchenmagazin «Schweizer Journalist» die dort inzwischen jährlich erscheinende, inhaltlich jeweils nur leicht variierende Breitseite gegen Finn Canonica und sein «Magazin». Dies mit den üblichen Vorwürfen, wonach das «Magazin» unter Canonica erstens belanglos geworden sei und zweitens der Chef gemein sei zu den MitarbeiterInnen. Den Auftakt zu diesen Tiraden hatte vor ein paar Jahren <a href="https://www.schweizermonat.ch/artikel/die-sache-mit-der-sauberkeit" target="_blank">der rechte «Schweizer Monat»</a> gemacht mit einem Rundumschlag: Das «Magazin» pflege journalistisch das linksliberale Motto «Erlaubt ist, was nicht stört».</p>
<p>Der jüngste, mehrseitige Text im «Schweizer Journalist» wurde von meinem WOZ-Kollegen Andreas Fagetti verfasst. Darin kommen ehemalige Mitarbeiter Canonicas vor – natürlich anonym –, die behaupten, er habe sie vor drei oder vier Jahren nicht fair behandelt. Gleichzeitig aber muss Fagetti feststellen, dass Canonica in den letzten Jahren ein neues «Magazin»-Team aufgebaut hat, das nicht nur regelmässig relevanten und spannenden Stoff liefert, sondern zweitens auch noch mit dem Chef zufrieden ist.</p>
<p>Gibt es tiefere Gründe als die Sorge um eine angebliche «Belanglosigkeit», welche den «Schweizer Journalist» immer wieder umtreibt, dem «Magazin» mehrere Seiten zu widmen? Was in den Artikeln jeweils nicht erwähnt wird: Kurt Zimmermann, Chefredaktor des Branchenheftes, war einst als Tamedia-Verlagsleiter für das «Magazin» verantwortlich und ist nach wie vor emotional mit dem Heft verbunden. Zu Zimmermanns Zeit stand das Heft vor dem Aus – es drohte vor Schönheit in Langeweile zu sterben. Zimmermann wehrte sich damals auch gegen den neuen Chefredaktor, der das ändern sollte: Roger Köppel. Als Köppel wider Erwarten Erfolg hatte, wurde Zimmermann zu Köppels Fan und ist heute nicht nur Chefredaktor des «Schweizer Journalist», sondern gleichzeitig auch Medienkolumnist in Köppels «Weltwoche». In Gesprächen macht er kein Geheimnis aus seiner Verachtung für das linksliberal positionierte «Magazin». Der «Schweizer Journalist» ist durch Zimmermanns Doppelrolle kein neutrales Branchenblatt mehr.</p>
<p>Bei den regelmässigen Attacken gegen das «Magazin» sollte man nicht vergessen: Nach wie vor, auch nach zehn Jahren Canonica, ist keine Stelle im Schweizer Printjournalismus derart begehrt wie eine Stelle beim «Magazin». Der Neid unter Kollegen ist erheblich, die Verletzungen bei gewissen Ehemaligen sind es auch. Ich kenne manchen, der in Gesprächen gerne über das «Magazin» abgekotzt hat, aber sofort dahin gesunken ist, wenn Canonicas Angebot für eine Stelle oder eine Reportage kam.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/10/09/angriffe-auf-magazin-und-republik-was-man-ueber-die-groessten-kritiker-wissen-sollte/">Angriffe auf «Magazin» und «Republik»: Was man über die grössten Kritiker wissen sollte</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Trauer um Kurt Imhof</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/03/03/trauer-um-kurt-imhof/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 03 Mar 2015 21:00:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Daniel Binswanger]]></category>
		<category><![CDATA[Das Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Kurt Imhof]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>«Nur ein toter Mediensoziologe ist ein guter Mediensoziologe. So scheint der implizite Branchenkonsens zu lauten.» Daniel Binswanger im «Magazin» zu den teils heuchlerischen Reaktionen von Medienschaffenden auf den Tod von Kurt Imhof.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/03/03/trauer-um-kurt-imhof/">Trauer um Kurt Imhof</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>«Nur ein toter Mediensoziologe ist ein guter Mediensoziologe. So scheint der implizite Branchenkonsens zu lauten.» Daniel Binswanger im «Magazin» zu den teils heuchlerischen Reaktionen von Medienschaffenden auf den Tod von Kurt Imhof. </p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/03/03/trauer-um-kurt-imhof/">Trauer um Kurt Imhof</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Eine Redaktion, die nicht mehr schreiben will</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/01/25/eine-redaktion-die-nicht-mehr-schreiben-will/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 25 Jan 2015 22:19:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Das Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Finn Canonica]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Weil man bisher zu wenig Zeit zum Schreiben gehabt habe, will «Das Magazin»-Chefredaktor Finn Canonica künftig gar nicht mehr schreiben und mit einer Mini-Redaktion nur noch Fremdbeiträge redigieren. Canonica verweist auf namhafte Magazine, die so funktionierten. Doch der Entscheid stösst auch auf Unverständnis. Die beiden ersten Sätze, die der Chefredaktor der Samstagsbeilage «Das Magazin», Finn <a href="https://medienwoche.ch/2015/01/25/eine-redaktion-die-nicht-mehr-schreiben-will/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Weil man bisher zu wenig Zeit zum Schreiben gehabt habe, will «Das Magazin»-Chefredaktor Finn Canonica künftig gar nicht mehr schreiben und mit einer Mini-Redaktion nur noch Fremdbeiträge redigieren. Canonica verweist auf namhafte Magazine, die so funktionierten. Doch der Entscheid stösst auch auf Unverständnis.</strong></p>
<p>Die beiden ersten Sätze, die der Chefredaktor der Samstagsbeilage «Das Magazin», Finn Canonica, im <a href="http://www.persoenlich.com/news/medien/das-magazin-das-neue-modell-hat-zu-spannungen-gefuehrt-322548#.VL47GqbxEyE">Persoenlich.com-Interview</a>, das die kürzlichen <a href="http://www.persoenlich.com/news/medien/tamedia-auch-mathias-ninck-verlaesst-das-magazin-322494#.VL5N_qbxEyE">Veränderungen in der Redaktion</a> zum Thema hatte, waren diese:</p>
<blockquote><p>«Bisher war die Redaktion des ‹Magazin› eine schreibende Redaktion. Wir verbrachten einen grossen Teil unserer Zeit mit dem Schreiben von eigenen Geschichten.»</p></blockquote>
<p>Wir? Wer in der Schweizer Mediendatenbank SMD nach den Texten von Canonica sucht, findet vor allem Editorials. In etwa zwei Absätzen und etwas mehr als 1000 Zeichen fasst Canonica jede Woche zusammen, was sein Team erarbeitet hat &#8211; eine Aufgabe, die ersatzweise sicher auch der Redaktionspraktikant erledigen könnte. Müsterchen: «Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern schöne Sommerferien. PS: Wer Heimweh hat, findet Trost auf blog.dasmagazin.ch.» Das letzte Werk, das Canonica alleine zeichnete, also nicht in Zusammenarbeit mit anderen, war in der Ausgabe vom 7. Juli 2012 zu finden. «<a href="http://www.studioachermann.ch/files/downloads/1b75d2945a61affaaf626d7641ef7c58/Das_Magazin.pdf">Der legendäre Stil von Beda»</a>, ein kurzes Interview mit und ein kurzes Textchen über den Zürcher Kreativ­direktor Beda Achermann: «Achermann isst übrigens ein Tellerchen Cima di Rapa, banalen, sautierten Cima di Rapa. Das allein ist nicht berichtenswert, wäre da nicht diese mitreissende Freude am banalen Cima-di-Rapa-Verzehren, der Mann macht ein Gesicht, als wäre ihm soeben der beste Cima di Rapa der Welt serviert worden.» Sollte jemand nicht auf Anhieb wissen, was Cima di Rapa ist: <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/St%C3%A4ngelkohl">Stängelkohl / Rübstiel</a>.</p>
<p>Nun aber sind Canonica und seine eigene Geschichten schreibenden Mitstreiter in akuter Zeitnot:</p>
<blockquote><p>«Das System der schreibenden Redakteure, das etwa zehn Jahre alt ist, hat dazu geführt, dass uns für diese redaktionelle Arbeit nicht mehr genügend Zeit zur Verfügung stand. Jetzt stellen wir die Redaktion um, arbeiten künftig mit einem System, wie es bei angelsächsischen Magazinen wie zum Beispiel dem ‹New York Times Magazine› oder ‹The New Yorker› schon lange gäbe ist: Eine kleine Gruppe von Redakteuren kümmert sich ausschliesslich um Themenzusammensetzung, Qualität der Texte und Autorenbetreuung. Diese Redakteure schreiben selbst keine langen Texte.»</p></blockquote>
<p>Die «Magazin»-Redaktoren kommen nun also, weil sie sich ständig konzeptuelle und qualitative Gedanken machen und sich um Autoren kümmern müssen, nicht mehr zum Schreiben? «Das System der schreibenden Redakteure» soll abgelöst werden durch ein System von nicht-schreibenden Redakteuren? Vielleicht bin ich etwas naiv. Aber ist Schreiben nicht das, was von Journalisten, die für Textmedien arbeiten, in erster Linie erwartet wird? Ist es nicht fragwürdig, dass festangestellte Journalisten je länger, je weniger das tun, wofür sie angestellt sind, nämlich schreiben? Zu reden geben muss auch die Bezahlung: Denn während ihre Löhne auf teils hohem Niveau stagnieren, erhalten jene, die ausserhalb der Redaktionen tatsächlich für die Texte sorgen, immer weniger. Zu wenig, um zu überleben. Ein freier Mitarbeiter des NZZ-Feuilletons beispielsweise müsste, um auf einen Monatslohn von 7000 Franken zu kommen, 50 Artikel à <a href="https://medienwoche.ch/2014/09/30/das-geld-reicht-nicht-fuer-alle/">140 Franken und 6000 Zeichen</a> schreiben, also etwa jeden Tag eine ganze Zeitungsseite.</p>
<p>Ein gemässigter Bearbeitungsprozess ist Usus im Journalismus und auch durchaus sinnvoll. Da «Das Magazin» nicht nur gute, sondern exzellente Texte liefern will, ist es nachvollziehbar, dass viel in die Bearbeitung investiert wird. Doch ist es der richtige Weg, noch mehr zu bearbeiten und selbst gar nichts mehr zu schreiben? Noch mehr Geschichten aus den einschlägigen US-Magazinen einzukaufen und übersetzen zu lassen? Womöglich wären auch die Gedichte von Rainer Maria Rilke noch besser geworden, wenn sie von «Magazin»-Redaktoren gegengelesen worden wären. Viel eher aber gibt es den perfekten Text nicht, sondern nur Annäherungen daran. Zu viele Köche verderben jedes Gericht. Selbst eine Bolognese-Sauce muss nicht wochenlang köcheln, um gut zu werden.</p>
<p>Ich glaube, dass Journalisten, die schreiben können, das einfach tun sollten. Nicht Zeit in Sitzungen verschwenden. Nicht das Authentische an Texten vernichten. Nicht sich in Themenzusammensetzungsfindungsprozessen verlieren. Um ehrlich zu sein: Ich hätte sogar etwas Angst, Texte von mir in die Umschreibmaschinerie des «Magazins» zu geben &#8211; könnte ich danach noch mit meinem Namen dazu stehen? Es bleibt der Verdacht, dass Journalisten, die sich fast ganz auf das Bearbeiten und Beurteilen von anderen Texten verlegen, gar nicht schreiben können. Zu faul sind dazu. Oder nichts zu sagen haben. Vielleicht sollten gerade sie zuerst eingespart werden &#8211; und das freigewordene Geld wieder vermehrt an die tatsächlichen Urheber der Texte ausbezahlt werden. Also zum Beispiel an «Michael Hugentobler, Paula Scheidt, Thomas Zaugg oder Joel Bedetti», in denen Canonica eine neue Generation von Edelfedern sieht.</p>
<p>Als freier Journalist verstört mich die Entscheidung, und auch im Mutterblatt Tages-Anzeiger löst sie Unverständnis aus:</p>
<blockquote class="twitter-tweet" lang="en"><p>Aber Hauptsache die (Rest)Magazin-Redaktion denkt noch länger und intensiver über Themen nach.</p>
<p>— Michèle Binswanger (@mbinswanger) <a href="https://twitter.com/mbinswanger/status/558901081787629568">January 24, 2015</a></p></blockquote>
<p><script src="//platform.twitter.com/widgets.js"></script></p>
<blockquote class="twitter-tweet" lang="en"><p>
So, so: <a href="https://twitter.com/finncanonica">@finncanonica</a> will noch &#8222;länger über Themen nachdenken&#8220;. Irgendwann schläft man dabei ein. <a href="http://t.co/7B8lJEHqpJ">http://t.co/7B8lJEHqpJ</a> — Marc Brupbacher (@MarcBrup) <a href="https://twitter.com/MarcBrup/status/557577591335714816">January 20, 2015</a>
</p></blockquote>
<p><script src="//platform.twitter.com/widgets.js"></script></p>
<p>Neben der Redaktion des «NZZ Folio» war die «Magazin»-Redaktion privilegiert wie kaum eine andere in der Schweiz. Eigentlich müsste es in der Schweizer Öffentlichkeit mindestens jeden Monat einmal eine grosse Diskussion geben um Texte, die dort publiziert wurden &#8211; doch das war zuletzt unter der Führung von Roger Köppel der Fall. Unter Canonica hat sich «Das Magazin» den Werbebeilagen angeglichen und behandelt, ganz im Sinne von Tamedia, vornehmlich Luxusprobleme und Luxusprodukte, angereichert mit Kolumnen. Mit dem 1970 gegründeten Urprodukt hat es nur noch teilweise etwas zu tun.</p>
<p>«Was mache ich hier eigentlich, ausser in Meetings zu sitzen?», <a href="http://www.persoenlich.com//news/medien/peter-hogenkamp-wie-twitter-ohne-das-nervige-drumherum-322512#.VL1D86bxEyE">fragte sich</a> Peter Hogenkamp während seiner Zeit bei der NZZ, und das ist die Frage, die sich alle Mitarbeiter in grösseren Unternehmen fragen müssen. Denn im Verwaltungsprozess gehen auch gefeierte Journalisten unter. Der letzte nicht-konzeptuelle Text des Journalist des Jahres 2012, Peer Teuwsen, früher beim «Magazin» und aktuell im Dienste der NZZ als Entwickler publizistischer Produkte, wurde in der «Aargauer Zeitung» veröffentlicht, über den Schulweg seiner Kinder. Sind Chefs, die selbst nicht schreiben, noch Journalisten? Haben Redaktionsmitglieder Respekt vor nichtschreibenden Chefs? Patrik Müller, Christian Dorer, René Lüchinger, Markus Somm und Roger Köppel beweisen, dass es auch anders geht.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/01/25/eine-redaktion-die-nicht-mehr-schreiben-will/">Eine Redaktion, die nicht mehr schreiben will</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>«Wie heisst er, Köppel?»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2013/07/11/wie-heisst-er-koeppel/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Jul 2013 10:12:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
		<category><![CDATA[Roger Köppel]]></category>
		<category><![CDATA[Tom Kummer]]></category>
		<category><![CDATA[Das Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Reportagen]]></category>
		<category><![CDATA[Daniel Puntas Bernet]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Promi]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Prominente]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Interviewerfinder Tom Kummer beklagt ein seit zehn Jahren andauerndes Schreibverbot, dabei publiziert er immer wieder in Schweizer Medien. Doch statt seine Verfehlungen einzusehen und aufzuarbeiten, verdrängt er sie, nicht mal an Roger Köppel mag er sich erinnern. Der Mythos Tom Kummer lebt und Tom Kummer lebt vom Mythos Tom Kummer. Zu Besuch bei einer Lesung <a href="https://medienwoche.ch/2013/07/11/wie-heisst-er-koeppel/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/07/11/wie-heisst-er-koeppel/">«Wie heisst er, Köppel?»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Interviewerfinder Tom Kummer beklagt ein seit zehn Jahren andauerndes Schreibverbot, dabei publiziert er immer wieder in Schweizer Medien. Doch statt seine Verfehlungen einzusehen und aufzuarbeiten, verdrängt er sie, nicht mal an Roger Köppel mag er sich erinnern. Der Mythos Tom Kummer lebt und Tom Kummer lebt vom Mythos Tom Kummer. Zu Besuch bei einer Lesung in Berlin.<br />
<span id="more-14734"></span><br />
Was ist schon Wahrheit? Das MEDIENWOCHE-Gespräch mit Helmut-Maria Glogger ist übertitelt mit <a href="https://medienwoche.ch/2013/06/26/alle-moechten-mit-mir-befreundet-sein/">«Alle möchten mit mir befreundet sein»</a>. Im Text dann findet sich der Satz «Alle, über die ich geschrieben habe, möchten mit mir mehr befreundet sein als ich mit ihnen». Tatsächlich gesagt hat er wohl einen irgendwie ähnlichen Satz oder auch zwei, vermutlich in Dialekt, womöglich mit Füllwörtern, Pausen oder Ähs. So sprechen wir Menschen. Journalisten haben die Aufgabe, die gefallenen Sätze in eine gefällige Form zu bringen, ohne den Inhalt zu verfälschen. Doch was ist noch eine zulässige Verkürzung und was schon eine unzulässige Verfälschung? Darüber streiten sich Journalisten mit Gesprächspartnern und Pressestellen jeden Tag.</p>
<p>Tom Kummer hat nicht unzulässig verkürzt, er hat unzulässig verlängert oder einfach erfunden. Öffentlich bezweifelte zuerst der <a href="https://www.focus.de/kultur/medien/presse-frei-erfunden-nie-gefuehrt_aid_183541.html">Focus im Mai 2000</a> die Echtheit von Interviews, die er mit Sharon Stone, Kim Basinger, Brad Pitt und Courtney Love geführt zu haben vorgibt. Mit oder ohne Wissen der Redaktion? «Das Verhältnis zwischen uns blieb ungeklärt», sagt Tom Kummer dazu in Berlin, sie seien süchtig gewesen nach dem Stoff, den er geliefert hat, nach den Bändern hätten sie nie gefragt. Roger Köppel, der mehrere Interviews im Magazin des Tages-Anzeigers druckte, bevor er nach einem Jahr misstrauisch wurde, Kummer auf die Schliche kam und die Zusammenarbeit beendete, sagte dazu im <a href="https://medienwoche.ch/2011/11/25/ich-misstraue-der-masse/">MEDIENWOCHE-Interview</a>:</p>
<blockquote><p>«Kummer erzählte danach gerne, dass er seine Stücke mit Wissen der Chefredaktoren als Kunstform verkaufte – das ist eine dreiste Lüge. Schliesslich verrechnete er dafür Spesen – die waren sehr real und kein artistisches Konzept.»</p></blockquote>
<p>Wir sitzen im Freitag-Store in Berlin, ich konfrontiere Kummer mit diesem Zitat, <a href="https://soundcloud.com/ronniegrob/tom-kummer-an-einer-lesung-in">er antwortet so</a> (ab 0:40 Minuten):</p>
<p><iframe loading="lazy" width="100%" height="166" scrolling="no" frameborder="no" src="https://w.soundcloud.com/player/?url=http%3A%2F%2Fapi.soundcloud.com%2Ftracks%2F99507439%3Fsecret_token%3Ds-Ubocq&amp;color=ff6600&amp;auto_play=false&amp;show_artwork=false"></iframe></p>
<blockquote><p>«Der Spesen-Vorwurf ist natürlich gravierend [Gelächter im Publikum]. Vergessen wir dabei, dass ich natürlich recherchiert habe für die Interviews (und auch wirklich, wie ich finde, Spesen verdient habe). Es ist ein total bescheuerter Vorwurf, weil … ich habe … ich kann mich auch gar nicht mehr richtig erinnern, wie das ablief eigentlich. Aber, wie heisst er, Köppel? Köppel nimmt das immer wieder auf, ich denke, das ist seine einzige Verteidigungsstrategie in diesem Fall. Er hat immerhin etwa 15 Interviews gedruckt von mir, nie nach Bändern gefragt, nie nach irgendwelchen Beweiselementen &#8211; und er sagt, es habe etwas mit Vertrauen zu tun. Wie ich schon gesagt habe, das Verhältnis mit den Redaktionen war nicht definiert, sie haben die Geschichten auf die Titelblätter gebracht und offenbar hat es für die Chefredaktion auch funktioniert.»</p></blockquote>
<p>Kummer sieht blendend aus an diesem Juniabend, ein braungebrannter California Boy, von dem niemand denken würde, dass er schon 50 Jahre alt ist. Gewisse Sätze spricht er aus wie ein Amerikaner, der gerade deutsch lernt, auch Hollywood kommt als Halliwud aus seinem Mund. Er trägt schwarze Converse, blaue Jeans, später dann auch seine dickrandige schwarze Brille. Und ein ausgewaschenes graues T-Shirt mit dem Schriftzug «Woodstock», über dem ein gelber Vogel auf einer Gitarre steht.</p>
<p>Über seinen Auftritt in Berlin geschrieben wurde einige Artikel, in den Leads dazu heisst es: «Ein Gefallener kehrt zurück» (<a href="http://www.spex.de/2013/07/01/tom-kummer-borderline-reportagen-lesung/">spex.de</a>), «Jetzt hat er wieder eine Reportage geschrieben» (<a href="http://www.tagesspiegel.de/medien/tom-kummer-zu-gast-in-berlin-hey-seid-ihr-bekifft-/8422366.html">tagesspiegel.de</a>), «jetzt ist er wieder da» (<a href="http://berlinergazette.de/tom-kummer-wirklichkeit/">berlinergazette.de</a>). Tatsächlich war er nie weg, seine Rückkehr ist ein Mythos, wie auch seine Abwesenheit: <a href="https://www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=2001/01/10/a0177">Schon 2001</a> durfte er wieder Kolumnen schreiben für das inzwischen aufgegebene Post-Portal yellowworld.ch. 2003 verfasste er drei Reportagen für den Trend-Bund der «SonntagsZeitung», von 2007 bis 2009 neun lange Texte für den «Bund» und am 5. Februar 2009 eine Reportage über die Super Bowl in der WOZ. 2005 gründete er übrigens die «School of Borderline Journalism». Bei Borderline-Journalismus, erzählte er damals der Werbewoche, handle es sich um eine «Sonderform des New Journalism».</p>
<p>Mal sagt Kummer, er sei kein Journalist, mal bezeichnet er sich als einer, und das am gleichen Abend. Ein Borderline-Journalist sei er aber keiner, dieser Titel sei ihm von den Medien angehängt worden, auch um ihn zu isolieren:</p>
<blockquote><p>«Ich sehe mich als erzählenden Journalist, vielleicht als Schriftsteller. Das einzig Borderline-ige war das Verhältnis zu den Redaktionen. (&#8230;) Das Spannende am Journalist sein für mich ist, dass man mit einer sehr festgefahrenen Form, dieser Objektivitätserwartung des Lesers, spielen kann. Das mag ein gemeines Spiel sein, für einige ein faszinierendes Spiel. Es gibt viele Leser, die sich genau das wünschen, dieses Spiel zwischen Wirklichkeit und Fiktion. Diese nicht definierte Position des erzählenden Journalisten finde ich spannender als die des Schriftstellers.»</p></blockquote>
<p>Überhaupt, die Leser hätten sich nie beklagt über seine Texte, nur die Journalisten. Das sei heute noch so, bestätigt Daniel Puntas Bernet von «Reportagen». Die im aktuellen Heft abgedruckte Tom-Kummer-Geschichte über den Grenzzaun zwischen Mexiko und den USA habe sehr viele positive Reaktionen ausgelöst: «Wir haben nur zwei negative Rückmeldungen gekriegt, beide von Journalisten.» Der Roadtrip unter dem Titel <a href="http://reportagen.com/content/borderline">«Borderline»</a> wurde mit einem Vorwort als Beipackzettel versehen: Kummers Wort, keine «Anreicherung der Realität» betrieben zu haben, sei «derselbe Grad des Vertrauens, den wir auch allen anderen Autoren zukommen lassen». «Obwohl wir nicht selbst auf seiner Reise mit dabei waren, können wir sie immerhin anhand der Fotos nachvollziehen, die Kummer unterwegs geschossen hat.»</p>
<p>Er habe Personen immer intelligenter gemacht, als sie möglicherweise sind, sagt Kummer, und das könnte ein Grund sein, warum es kaum je zu Protesten gekommen ist &#8211; die Stars, die Agenten, die Redaktoren, die Leser, glauben möchten das alle gerne. Was Wahrhaftigkeit angeht, dürfen sich alle an die eigene Nase fassen, gibt es doch kaum jemanden, der die wahrgenommene Realität noch nie etwas zugespitzt hat, um eine bessere Wirkung zu erzielen. Aus dem Publikum fragt einer, ob er auch schon Protagonisten gecastet habe. Es sei doch durchaus Usus bei grossen Reportagenschreibern, einige für eine Geschichte in Frage kommende Personen zuerst mal zu casten, und dann mit einer von ihnen die Geschichte zu machen. Tom Kummer hat davon noch nie gehört (ich bisher auch nicht).</p>
<p>Nach der Veranstaltung gibt es Biere, auf denen «Bier» steht und Weissweinschorlen auf denen «Weinschorle» steht, ein Besucher, ein Leser, bemerkt, dass Tom Kummer stets Ausflüchte hat, sobald ihn jemand festnageln will. So ist es: In den dreizehn Jahren seit dem Skandal ist ihm nichts besseres als die Verdrängung eingefallen. Statt die Geschichte mal ehrlich aufzuarbeiten, lässt er es bis heute zu, sich von diesen Fragen in unangenehmer Weise löchern zu lassen. Spricht man ihn konkret auf Fakten an, windet er sich, entzieht er sich, blockt er ab. «Ich hatte zehn Jahre lang Schreibverbot, ist das nicht genug?», sagt er dann, «die Entrüstung ist mir auch zehn Jahre danach nicht erklärbar», und: «Es sind nun dreizehn Jahre vergangen seit dieser Affäre, ich mag mich nicht mehr erklären. Das ist jetzt Pressegeschichte.»</p>
<p>Der Mythos Tom Kummer lebt und Tom Kummer lebt vom Mythos Tom Kummer. Jedes Jahr werden journalistische Neueinsteiger mit den Taten bekannt gemacht, von denen sein Ruf lebt und über die er nicht mehr sprechen möchte. «Kummer ist Unterrichtsgegenstand, wenn man Journalismus studiert», bemerkt Puntas. Es überrascht nicht, dass die Lesung rappelvoll ist mit Menschen um die 30, die alle diesen doch sehr sympathischen <a href="http://www.imdb.com/title/tt1692183/">«Bad Boy»</a> sehen wollen. Ein Image, das Kummer selbst und jene, die ihn in ihren Veröffentlichungen aufnehmen, sorgfältig und ausdauernd pflegen.</p>
<p>Diese Marke, dieser Mythos ist nach wie vor stark und zieht verlässlich Aufmerksamkeit an. Seine Story heisst auch 2013 «Borderline», wie kokett, wie vorhersehbar, wie langweilig. Kommt auch noch mal etwas Neues? Will er seinen Lebensabend damit verbringen, den Mythos zu pflegen und ihm auch noch den letzten Cent abzupressen? Werden sich Leute wie ich damit beschäftigen und ihm dabei behilflich sein? Oder hat er die Kraft, sich neu zu erfinden?</p>
<p>Als Schreiber hat Tom Kummer eine Zukunft verdient, denn schreiben kann er sehr gut, und er tut es auch: «Ich schreibe unter Pseudonymen, in Blogs, in den USA, in Kunstkatalogen». Vielleicht ist er ja längst wieder zurück in der Welt des Journalismus. Ein ungeläuterter Tom Kummer bleibt ein guter Schriftsteller, aber Journalist sollte einer, der die Suche nach der Wahrheit als Faktenhuberei belächelt, wohl besser nicht sein, auch nicht unter Pseudonym.</p>
<p>Bei aller berechtiger Kritik nicht vergessen sollte man:</p>
<p>&#8211; Kummer hat stets bestens unterhalten, was man leider von den wenigsten Schweizer Journalisten behaupten kann.</p>
<p>&#8211; Kummer hat ein Motiv für seine Taten, nämlich die unerträgliche Ödnis PR-getriebener «Star»-Interviews.</p>
<p>&#8211; Kummer hat die Herren, die seine Werke druckten und als Journalismus durchgehen liessen, einfach herrlich genarrt, mit oder ohne ihr Wissen.</p>
<p><small>Die Lesung in der Reihe <a href="http://www.freitag.ch/amdonnerstag">&#8222;Freitag am Donnerstag&#8220;</a>, eine Kooperation des Magazins «Reportagen» und der Taschenmanufaktur «Freitag», fand am 27. Juni 2013 im Freitag-Store an der Max-Beer-Strasse 3 in Berlin statt.</small></p>
<p>Siehe dazu auch: <a href="https://medienwoche.ch/2013/07/11/ohne-ruecksicht-auf-verluste/">Tom Kummer &#8211; Ein Blick in das Archiv</a></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/07/11/wie-heisst-er-koeppel/">«Wie heisst er, Köppel?»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>«Keine Sekunde damit gerechnet»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2013/06/04/keine-sekunde-damit-gerechnet/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Jun 2013 13:37:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Tamedia]]></category>
		<category><![CDATA[Crowdfunding]]></category>
		<category><![CDATA[Das Magazin]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=14452</guid>

					<description><![CDATA[<p>Weil «Das Magazin» nicht die vollen Kosten für eine Reportage tragen will, treiben die Journalisten das fehlende Geld mittels Crowdfunding auf. Innert Kürze sind 5000 Franken beisammen. Die Aktion stösst aber auch auf Kritik. Man stört sich daran, dass der prosperierende Tamedia-Verlag nicht selbst die erforderlichen Mittel bereitstellt. Sie können es selber kaum glauben: «Wir <a href="https://medienwoche.ch/2013/06/04/keine-sekunde-damit-gerechnet/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/06/04/keine-sekunde-damit-gerechnet/">«Keine Sekunde damit gerechnet»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Weil «Das Magazin» nicht die vollen Kosten für eine Reportage tragen will, treiben die Journalisten das fehlende Geld mittels Crowdfunding auf. Innert Kürze sind 5000 Franken beisammen. Die Aktion stösst aber auch auf Kritik. Man stört sich daran, dass der prosperierende Tamedia-Verlag nicht selbst die erforderlichen Mittel bereitstellt.<br />
<span id="more-14452"></span><br />
Sie können es selber kaum glauben: «Wir haben keine Sekunde mit einem solch überwältigenden, grosszügigen und spontanen Support gerechnet», schreiben <a href="http://www.kontrast.ch/biografie_schmidt.html" target="_blank">Christian Schmidt</a> und <a href="http://www.manuelbauer.ch/" target="_blank">Manuel Bauer</a> auf der <a href="https://wemakeit.ch/projects/wir-muessen-nach-mustang" target="_blank">Crowdfunding-Plattform «We make it»</a>. Nach weniger als drei Tagen haben sie ihr Finanzierungsziel von 5000 Franken erreicht. Die beiden Reporter wollen im Spätsommer in den Himalaya reisen und von dort über den <a href="http://lo-mustanglmf.org/projectnews.php" target="_blank">klimabedingten Bevölkerungsexodus</a> aus einem Dorf im Mustang-Tal berichten. Ihre Reportage werden sie in «Das Magazin» veröffentlichen, eine Publikation aus dem Medienhaus Tamedia, die samstäglich mehreren Schweizer Tageszeitungen beiliegt.</p>
<p>Von der Redaktion haben Fotograf Bauer und Reporter Schmidt die Zusage für eine Veröffentlichung erhalten, jedoch nur einen Teil der für Reise und Recherche erforderlichen Spesen. Unter Journalisten sorgte dieser Bescheid für Irritation. Ausgerechnet das Zürcher Medienhaus Tamedia, dem es nach Aussagen seines Präsidenten so gut geht, <a href="http://www.bilanzmedia.ch/presse/BIL_11_Supino.pdf">wie noch nie zuvor</a> und das sich den aufwändigen <a href="http://www.tamedia.ch/de/pressekontakt/medienmitteilungen/2012/pressrelease/nzz_mediengruppe_ringier_und_tamedia_lancieren_gemeinsames_online_werbenetzwerk" target="_blank">Recherchierjournalismus</a> auf die Fahnen geschrieben hat, soll es nicht vermögen, zwei Reporter in den Himalaya zu schicken.</p>
<p>«Beobachter»-Reporter Otto Hostettler kommentierte deshalb spitz:</p>
<blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p>Wow, clever kalkuliert: <a href="https://twitter.com/search/%23tamedia">#tamedia</a> schickt Journalisten auf Spendensammlung, um ihre eigenen Artikel zu finanzieren.<a title="http://wemakeit.ch/projects/wir-muessen-nach-mustang" href="http://t.co/ssNFi9RkiZ">wemakeit.ch/projects/wir-m…</a></p>
<p>— Otto Hostettler (@ottobeobachtet) <a href="https://twitter.com/ottobeobachtet/status/340549515432050688">31. Mai 2013</a></p></blockquote>
<p><script src="//platform.twitter.com/widgets.js"></script></p>
<p>Die Realität sieht freilich banaler aus. «Das Magazin» verfügt über ein Honorar- und Spesenbudget. Das ist mit Bestimmtheit grosszügigeres als bei den meisten anderen Redaktionen, aber letztlich auch nur ein endlicher Geldbetrag und nicht einfach ein Bündel Blankoschecks. Nun liegt es im Ermessen der Redaktion, wie sie ihre Mittel einsetzt. Im Fall der Himalaya-Klima-Reportage entschied sie sich, nur einen Teil der Gesamtkosten zu tragen. Eine Situation, die jeder freie Journalist kennt. Auswege gibt es verschiedene. Etwa die Suche nach weiteren Abnehmern, so dass sich mehrere Verlage die Kosten für eine aufwändige Recherche teilen können. Bauer und Schmidt haben sich für einen anderen Weg entschieden. Offenbar den richtigen.</p>
<p>Ihr Aufruf auf «We make it» zur kollektiven Vorfinanzierung der Recherchereise hat das Ziel nicht verfehlt, ja sogar übertroffen. Nach Stand 4. Juni 15.00 Uhr ist ein Betrag von 14&#8217;000 Franken zugesagt, fast das Dreifache der angestrebten 5000. Als Gegenleistung erhalten die Unterstützer neben dem guten Gefühl, aufwändigen Journalismus zu ermöglichen, verschiedene Goodies, je nach Höhe des zugesicherten Betrags. Für 100 Franken gibt es eine handsignierte Ausgabe von «Das Magazin» der beiden Autoren, für 1000 Franken erhält man einen Fotoprint, Postkarten, Souvenirs aus dem Himalaya, sowie ein Dankeschreiben des Dorfvorstehers, um den es in der Reportage auch gehen wird.</p>
<p>Mit der Überfinanzierung nimmt das Crowdfunding-Projekt nun eine neue Wendung. «Unsere Reportage verfolgt einen Zweck, der weit über die Publikation hinausgeht», <a href="https://wemakeit.ch/projects/wir-muessen-nach-mustang/show/news" target="_blank">schreiben Bauer und Schmidt</a> nachdem am Sonntag das Finanzierungsziel erreicht wurde. Das Dorf, über das die beiden berichten wollen, soll an einem neuen Standort aufgebaut werden, wo die Wasserversorgung gesichert ist. Das kostet Geld. Die Reportage soll helfen, Spenden zu generieren. Deshalb habe sich «Das Magazin» bereit erklärt, «einen ausführlichen Hilfeaufruf ins Blatt zu rücken».</p>
<p>Unter dem Gesichtspunkt, dass die Reportagereise auch als PR-Vehikel für eine Spendensammlung dient, ja sogar als primäres Ziel deklariert wird, erscheint der Entscheid der Redaktion verständlich und nachvollziehbar, nicht die vollen Kosten zu tragen, sondern einen Anschub zu leisten. Und zwar einen, der seine Wirkung bereits mit dem Crowdfunding voll entfaltet hat.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/06/04/keine-sekunde-damit-gerechnet/">«Keine Sekunde damit gerechnet»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Kollektiv der Konservativen</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2013/04/02/kollektiv-der-konservativen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Apr 2013 10:01:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Evgeny Morozov]]></category>
		<category><![CDATA[Finn Canonica]]></category>
		<category><![CDATA[Netzkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Tages-Anzeiger]]></category>
		<category><![CDATA[Debatten]]></category>
		<category><![CDATA[Frank Schirrmacher]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik]]></category>
		<category><![CDATA[Das Magazin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>«Das Magazin» bietet dem Internetkritiker Evgeny Morozov eine unkritische Plattform. Nichts gegen Internetkritik, doch solange die grossen, auch positiven Umwälzungen durch das Netz von den etablierten Journalisten verschwiegen werden, kann keine vernünftige Debatte stattfinden. Erst recht nicht in den Schweizer Medien, wo es keine Autoren gibt, die sich kontinuierlich mit dem Thema befassen und differenzierte <a href="https://medienwoche.ch/2013/04/02/kollektiv-der-konservativen/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>«Das Magazin» bietet dem Internetkritiker Evgeny Morozov eine unkritische Plattform. Nichts gegen Internetkritik, doch solange die grossen, auch positiven Umwälzungen durch das Netz von den etablierten Journalisten verschwiegen werden, kann keine vernünftige Debatte stattfinden. Erst recht nicht in den Schweizer Medien, wo es keine Autoren gibt, die sich kontinuierlich mit dem Thema befassen und differenzierte Positionen entwickelt haben. Den Internet-Freunden gegenüber stehen Bewahrer des Bisherigen, die sich selbst keinesfalls als Konservative sehen möchten.<br />
<span id="more-13371"></span><br />
Wie muss ein Konservativer sein, damit er im Hause «Tages-Anzeiger» geschätzt wird? So wie Frank Schirrmacher: kapitalismuskritisch, technologiekritisch, etwas links. Im Januar 2012 reisten zwei Journalisten des «Magazins» nach Frankfurt und kehrten sichtlich beeindruckt zurück von Schirrmacher, nannten ihn «eine Art Grossfürst des deutschen Feuilletons». <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/konjunktur/Wir-haben-eine-Krise-der-Vernunft/story/25562048">Am Samstag</a> bezeichneten ihn zwei ebenfalls nach Frankfurt gepilgerte Journalisten des «Tages-Anzeigers» einen der «wichtigsten deutschen Vordenker». Grossfürst des deutschen Feuilletons, Vordenker, darunter geht es wohl nicht. Offenbar nicht gelesen haben die vier Journalisten <a href="http://www.merkur-blog.de/2013/02/sorgfaltspflichten-wenn-frank-schirrmacher-einen-bestseller-schreibt/">diese Kritik eines Lektors an seinem Buch «Payback»</a> &#8211; nach deren Lektüre man ganz anders blickt auf den «Grossfürst».</p>
<p>Aber keine Frage, Frank Schirrmacher ist eine beachtenswerte Figur des Geisteslebens, so wie Evgeny Morozov. Darum wurde dem weissrussischen Publizist und Technologie-Kritiker Morozov wohl auch von Schirrmacher angeboten, für die FAZ die Kolumne <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/silicon-demokratie/">«Silicon Demokratie»</a> zu schreiben. Sie läuft seit 2011 und setzt sich kritisch mit fehlender Kontrolle und fehlendem Schutz von Daten im Internet auseinander (zuvor schrieb Morozov <a href="http://neteffect.foreignpolicy.com/">auf Foreignpolicy.com</a>). Wer sich dafür interessieren mag, wird neue Themen finden und kann über andere Standpunkte nachdenken, kurz, der der Leser wird mit Inhalten konfrontiert, die er vermutlich noch nicht kennt, wenn er nicht schon x Bücher von Morozov gelesen hat.</p>
<p>Kommen wir zur Handlungsweise des «Magazins». Chefredaktor Finn Canonica kontaktierte am 10. März den möglichen Gesprächspartner öffentlich:</p>
<blockquote class="twitter-tweet"><p>@<a href="https://twitter.com/evgenymorozov">evgenymorozov</a> Dear Mr. Morozov, we, the biggest Swiss weekly, would like to interview you, on your new book. Where are you?</p>
<p>— Finn Canonica (@finncanonica) <a href="https://twitter.com/finncanonica/status/310648399508680705">March 10, 2013</a></p></blockquote>
<p><script src="//platform.twitter.com/widgets.js"></script></p>
<p>Schon neun Tage später konnte zwar kein Interview, jedoch ein druckreifer Artikel vermeldet werden.</p>
<blockquote class="twitter-tweet"><p>
Evgeny Morozov über die Zukunft der Zeitung demnächst in Das Magazin</p>
<p>— Finn Canonica (@finncanonica) <a href="https://twitter.com/finncanonica/status/314089135151407104">March 19, 2013</a>
</p></blockquote>
<p><script src="//platform.twitter.com/widgets.js"></script></p>
<p>Am Karsamstag dann wurde das Stück publiziert (<a href="http://blog.dasmagazin.ch/2013/03/29/aus-dem-aktuellen-heft-5/">bereits am Karfreitag im Blog</a>). Geschrieben hat es nicht der Chef und auch nicht einer der vielen festangestellten «Magazin»-Redaktoren, sondern <a href="http://www.kof.ethz.ch/de/ueber-uns/personen/david-iselin/">David Iselin</a>, bei der Konjunkturforschungsstelle KOF für Forschung und Unternehmenskommunikation zuständig. Ein so wichtiges Thema wie das Internet ist offenbar nicht Chefsache. Das war es auch schon 2007 nicht, als «Das Magazin» den Internetkritiker Andrew Keen 8937 Zeichen zur Verfügung stellte, um über sein Buch «Der Kult des Amateurs» zu schreiben &#8211; eine Kritik an den Amateuren, die sich heute einfach so erlauben, im Internet zu publizieren und den daraus erwachsenden, schrecklichen Folgen.</p>
<p>Der Text von Iselin bleibt an der Oberfläche, Gegenstimmen gibt es keine, im Grunde ist es eine grosse Werbeschrift für das Geschäftsmodell von Morozov, der, wie schon Keen, hauptsächlich von Büchern lebt und von Printmedien, die Geld dafür bezahlen, um ihren Lesern Internetkritik nahe zu bringen (im naiven Glauben, so überleben zu können?). Nichts gegen das Geschäftsmodell von Morozov, aber das «Magazin» ist eine Zeitschrift mit der redaktionellen Power eines Lamborghinis, da darf eine Auseinandersetzung auf einer höheren Ebene erwartet werden &#8211; warum hat nicht «Magazin»-Internetexperte Thomas Zaugg etwas geschrieben? Besser übrigens ist das einen Tag vorher erschienene <a href="http://www.nzz.ch/aktuell/digital/evgeny-morozov-interview-to-save-everything-click-here-1.18055217">Morozov-Interview</a> von Henning Steier auf Nzz.ch &#8211; da geht es nicht darum, für welchen Tee sich Morozov entscheidet (Pfefferminze).</p>
<p>Es bleibt da nur die Frage, weshalb sich nicht das NZZ-Feuilleton diesen Fragen annimmt, denn da gehörten solche Reflexionen eigentlich hin. Gibt es überhaupt Schweizer Publizisten, die regelmässig erhellend über das Internet schreiben? In Deutschland gibt es Kathrin Passig, Marcel Weiss, Sascha Lobo, Kai Biermann, Dirk Von Gehlen, Mario Sixtus, Wolfgang Michal, Markus Beckedahl, Torsten Kleinz, Martin Weigert, Stefan Niggemeier und viele mehr, vom englischsprachigen Bereich ganz zu schweigen.</p>
<p>Und in der Schweiz? Findet keine Debatte über das Internet statt, nur da und dort spriesst mal ein Pflänzlein. Printpublikationen beschäftigen sich meist nicht mit den Chancen, sondern mit den Risiken des Internets. Tatsächlich lauern viele Gefahren. Vor allem für Journalisten, die eine Welt bewahren wollen, die sich grundlegend wandelt &#8211; durch das Internet. Wer glaubt, das Internet sei mehr Segen als Fluch, wird von diesen Konservativen schnell mal als «digital-religös» abgestempelt, Morozov spricht gar von «Datensexuellen», die für das Silicon Valley das seien, «was die Hipster für Brooklyn sind». Soso.</p>
<p>Ja, es gibt Leute, die unkritisch alles abfeiern, was digital ist. Doch die sind so sehr eine Minderheit wie jene, die unkritisch alles abfeiern, was nicht digital ist. Die Allermeisten, die sich Diensten wie Google, Facebook oder Twitter ein Stück weit ausliefern, sind sich dessen bewusst. Sie nehmen kostenlose Funktionalität und Gemeinschaft und treten dafür Daten und Rechte ab. In der Bilanz der Vor- und Nachteile überwiegen offenbar bei Vielen die Vorteile.</p>
<p>Statt Google ständig wiederholend als Datenkrake zu bezeichnen, Twitter als Banalitätenschleuder und Facebook als Datenmonster, sollten sich Medien endlich wirklich kritisch mit Entwicklungen im Internet auseinandersetzen. Dazu braucht es aber Fachwissen und Ausdauer, funktionieren doch Internet-Startups oft ganz anders als Betriebe, die 50 oder 100 Jahre alt sind und regelmässig Pressekonferenzen um die Ecke veranstalten. Diese Auseinandersetzung findet kaum statt, so wird der Leser dazu gezwungen, sich über internationale Blogs, unabhängige Fachmedien wie <a href="http://www.heise.de/">Heise.de</a> oder im neu gegründeten <a href="http://socialmediawatchblog.de/">Social Media Watchblog</a> zu informieren.</p>
<p>Eine echte Debatte zum Thema kann in Printmedien schon deshalb nicht aufkommen, weil die Gegenseite nicht zu Wort kommt &#8211; oder kann sich jemand an einen Titel eines Printmagazins erinnern wie «Die beste Erfindung aller Zeiten: Wir feiern das Internet»? Wenn eigene Interessen tangiert sind &#8211; das war in Deutschland bei der Debatte um das Leistungsschutzrecht für Presseverleger deutlich zu sehen &#8211; <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/tag/leistungsschutzrecht/">kann man Printmedien nicht mehr vertrauen</a>. Eigene Interessen gehen vor Ausgewogenheit. Und beim ehemals journalistischen Leuchtturm «Das Magazin» scheint es mehr um das Verkaufen von Waren (wie Bücher) zu gehen als um erhellende Analysen und kritischen Journalismus.</p>
<p>Zu den wahren Konservativen unserer Zeit gehören Journalisten, die sich dem Internet verweigern. Wahrhaben möchten das die Meisten selbstverständlich nicht, halten sie sich selbst doch für äusserst progressiv (<a href="http://www.persoenlich.com/news/medien/wir-stehen-noch-lange-nicht-da-wo-ich-sein-m%C3%B6chte-274796#.UVlK_hmEKIY">Finn Canonica 2007</a>: «Ich will wissen, was die Menschen jetzt und heute beschäftigt und über was man in einem halben Jahr reden wird, welche Ideen die unmittelbare Zukunft gestalten werden»).</p>
<p>Dabei sind alle, die einfach nur das Bewährte verteidigen, Konservative, egal, ob es sich um die Ablehnung von neuen Entwicklungen im Internet, das Bewahren von Papierzeitungen, die Akzeptanz der Homo-Ehe oder um <a href="https://agossweiler.wordpress.com/2013/03/03/13-grunde-gegen-die-schamhaar-rasur/">das Rasieren von Schamhaaren</a> geht.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/04/02/kollektiv-der-konservativen/">Kollektiv der Konservativen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Frühling in den Schreibstuben</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/04/17/fruehling-in-den-schreibstuben/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 Apr 2012 06:46:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Rico Bandle]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Roman Bucheli]]></category>
		<category><![CDATA[NZZ]]></category>
		<category><![CDATA[Roman Hollenstein]]></category>
		<category><![CDATA[Debatten]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Feuilleton]]></category>
		<category><![CDATA[Weltwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Meyer]]></category>
		<category><![CDATA[Das Magazin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die «Magazin»-Journalisten werfen sich ins Netz, das NZZ-Feuilleton gibt sich etwas lockerer und wagt Debatten, Rico Bandle bringt etwas Leichtigkeit in die Weltwoche. Eine leichte, frische Frühlingsbrise erfasst die Schweizer Feuilletons. «Um Himmels willen – selber schuld! Ich finde das in der Regel weder intellektuell noch ästhetisch ergiebig», sagte mir NZZ-Feuilletonchef Martin Meyer im MEDIENWOCHE-Interview <a href="https://medienwoche.ch/2012/04/17/fruehling-in-den-schreibstuben/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die «Magazin»-Journalisten werfen sich ins Netz, das NZZ-Feuilleton gibt sich etwas lockerer und wagt Debatten, Rico Bandle bringt etwas Leichtigkeit in die Weltwoche. Eine leichte, frische Frühlingsbrise erfasst die Schweizer Feuilletons.<br />
<span id="more-7581"></span><br />
«Um Himmels willen – selber schuld! Ich finde das in der Regel weder intellektuell noch ästhetisch ergiebig», sagte mir NZZ-Feuilletonchef <a href="https://medienwoche.ch/2012/02/28/im-hort-der-hochkultur/">Martin Meyer im MEDIENWOCHE-Interview</a> über meinen Konsum von US-Fernsehserien. Und doch erschien im NZZ-Feuilleton vom 2. April das Ergebnis eines zweieinhalbstündigen Besuchs von <a href="http://www.jonathan-fischer.de/Bio.html">Jonathan Fischer</a> bei David Simon, dem Macher von «The Wire», der Serie, die von Richard Kämmerlings <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/the-wire-ein-balzac-fuer-unsere-zeit-1581949.html">2010 in der FAZ</a> mit dem Werk von Honoré de Balzac verglichen wurde. <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/literatur/amerika-fuehrt-krieg-gegen-sich-selbst_1.16221631.html">Ein aufschlussreicher Text</a>, der den Serienproduzent und Schriftsteller unter anderem als enttäuschten Journalist outete. Auf die Frage, ob er noch die gesellschaftliche Kraft des Journalismus glaube, antwortet Simon: «Als junger Journalist, ja! Aber dann lernte ich bei der Baltimore Sun, dass nur billige Empörungs-Geschichten gedruckt werden. (&#8230;)»</p>
<p>Selbst die jahrelange Debattenmüdigkeit des NZZ-Feuilletons scheint etwas gewichen. Roman Bucheli beklagt am 6. März <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/literatur/tant_de_bruit_1.15435544.html">die Inkonsequenz von Georg Diez</a>, der seine ungeheuerlichen Vorwürfe gegenüber Christian Kracht nur zwei Wochen lang aufrecht erhält. Am 17. März gibt er sich in der <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/intelligenter_streiten_1.15825158.html">Kulturinfarkt-Debatte</a> angriffig gegen Pius Knüsel. Am 10. April erstaunt ihn, «dass es abermals jemandem gelungen ist, sich mit einer vermurksten Polemik in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu rücken» &#8211; <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/von-allen-guten-geistern-verlassen_1.16361661.html">gemeint ist damit</a> natürlich Genosse Grass. Und <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/kunst_architektur/weisser-lurch-im-alten-hafen_1.16373048.html">Roman Hollenstein schreibt</a> durchaus nachvollziehbar, der Neubau des Niederländischen Filminstituts in Amsterdam gleiche «einem riesigen weissen Frosch, der gerade aus dem IJ gehüpft ist, um den Overhoeks-Turm zu bestaunen». Ja, gemessen an allem, was sonst im NZZ-Feuilleton erscheint, ist das frisch und frech.</p>
<p>Bei den anderen Luxusjournalisten, den gutgekleideten Herren und Damen vom «Magazin» an der Werdstrasse, ist das Internet-Fieber ausgebrochen. Es wird nicht nur fast täglich ein neuer Eintrag im <a href="http://blog.dasmagazin.ch/">«Magazin»-Blog</a> online gestellt, die Beiträge werden auch fleissig bei <a href="https://www.facebook.com/pages/Das-Magazin/36907871426">Facebook</a> und Twitter (<a href="https://twitter.com/#!/finncanonica">@finncanonica</a>, <a href="https://twitter.com/#!/DBinswanger">@DBinswanger</a>, <a href="https://twitter.com/#!/thomaszaugg">@thomaszaugg</a>) angekündigt. Auch wenn der Dialog durch die versteckte Facebook-Kommentarbox nach wie vor schwer fällt, nach dem beleidigten Rückzug 2009 ist die aktuelle Internet-Offensive eine erfreuliche Entwicklung, an der sich andere, möglicherweise unterforderte Journalisten messen können.</p>
<p>Und auch ein Lichtblick bei der Weltwoche: Wer nach Politik, Politik, Politik und Wirtschaft kurz vor dem Luxusteil rechtzeitig eine Pause einlegt, könnte auf einen der wenigen leichten Artikel im Blatt stossen, die nicht selten von Rico Bandle kommen, der sich, mit beachtlichem Output und scheinbar unbeeindruckt von seiner mehrheitlich bleiernen Umgebung um die schönen Dinge des Lebens kümmert oder alternative Sichtweisen zu einigen unveränderlichen Urteilen anderer Kulturjournalisten anregt. Dazu liefert er jede Woche eine scharf beobachtete und flott geschriebene Fernsehkritik.</p>
<p>Aber sollen sich Kulturjournalisten mit US-Fernsehserien und vermeintlich seichten Debatten befassen? Sollen sie mit Spass an die Arbeit und dem Publikum vermitteln, was sie selbst begeistert oder aufregt? Ja, und sie sollen sich auch mit dem auseinandersetzen, was das Publikum beschäftigt. Niemand braucht Texte, die sich nach dem Konsum wie Steine im Magen anfühlen. Was nicht gelesen wird, ist dem Tod geweiht.</p>
<p>Viele verwechseln das Leichte mit dem Gemeinen. Doch man kann über das Gemeine leicht schreiben und auch über das Herausragende. Wie ist es in <a href="http://phaidra.univie.ac.at/o:26834">«Gradus ad Parnassum»</a>, einem Werk des österreichischen Komponisten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Joseph_Fux">Johann Joseph Fux</a>, festgehalten? «Das Leichte ist schwer.»</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2012/04/das-leichte-ist-schwer.jpg" alt="«Das Leichte ist schwer»" title="«Das Leichte ist schwer»" width="460" height="293" class="alignnone size-full wp-image-7701" /><br />
<small>Bild: Ausschnitt <a href="http://phaidra.univie.ac.at/o:26834">«Gradus ad Parnassum»</a> von Johann Joseph Fux, Seite 180, bzw. 196.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/04/17/fruehling-in-den-schreibstuben/">Frühling in den Schreibstuben</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Alles nichts ohne Glaubwürdigkeit</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/03/21/alles-nichts-ohne-glaubwuerdigkeit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 21 Mar 2012 06:00:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Tages-Anzeiger]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Kracht]]></category>
		<category><![CDATA[Debatten]]></category>
		<category><![CDATA[Horst Schlämmer]]></category>
		<category><![CDATA[Diskussion]]></category>
		<category><![CDATA[Michele Roten]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Glaubwürdigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Daniel Binswanger]]></category>
		<category><![CDATA[Das Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Georg Diez]]></category>
		<category><![CDATA[Arthur Rutishauser]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Journalisten diskutieren im Netz vermehrt unter den Augen der Öffentlichkeit. Gut so, schliesslich gibt es keinen Grund, die res publica in abgeschlossenen Elitenzirkeln zu verhandeln. Zum Vorschein kommt dabei die wichtigste Eigenschaft des Journalisten: die Glaubwürdigkeit. Auf dem Schiff Tages-Anzeiger gibt immer wieder Diskussionen, wie soll es auch anders sein. Es gibt nicht nur die <a href="https://medienwoche.ch/2012/03/21/alles-nichts-ohne-glaubwuerdigkeit/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/03/21/alles-nichts-ohne-glaubwuerdigkeit/">Alles nichts ohne Glaubwürdigkeit</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Journalisten diskutieren im Netz vermehrt unter den Augen der Öffentlichkeit. Gut so, schliesslich gibt es keinen Grund, die res publica in abgeschlossenen Elitenzirkeln zu verhandeln. Zum Vorschein kommt dabei die wichtigste Eigenschaft des Journalisten: die Glaubwürdigkeit.<br />
<span id="more-30453"></span><br />
Auf dem Schiff Tages-Anzeiger gibt immer wieder Diskussionen, wie soll es auch anders sein. Es gibt nicht nur die Galeere, in der die Ruder auf den Schlag des <a href="https://medienwoche.ch/2011/12/02/unter-dem-content-diktator/">Content-Diktators</a> bewegt werden. Es gibt auch ein Hauptdeck, das geschrubbt werden muss. Und ein Oberdeck, auf dem im makellosen Anzug über den richtigen Kurs reflektiert wird.</p>
<p>Neu ist, dass öffentlich diskutiert wird. Im seit Mitte Januar existierenden <a href="http://blog.dasmagazin.ch/">Blog von Das Magazin</a> gibt Daniel Binswanger <a href="http://blog.dasmagazin.ch/2012/03/11/der-absurde-angriff-des-tages-anzeiger-auf-snb-direktoriumsmitglied-jean-pierre-danthine/?goslide=0">am 11. März</a> dem Recherchechef des Mutterblatts Tages-Anzeiger, Arthur Rutishauser, zu verstehen, dass er sich bei den Recherchen zu den Lunch-Spesen eines Nationalbank-Direktoriumsmitglieds in eine Bagatelle verbissen hat:</p>
<blockquote><p>«(&#8230;) einen Enthüllungsartikel über Jean-Pierre Danthine geschrieben, der auf mich wirkt wie aus einem satirischen Giacobbo/Müller-Sketch über Boulevard-Enthüllungsjournalismus.»</p></blockquote>
<p>Und <a href="http://blog.dasmagazin.ch/2012/03/13/wie-frau-sein-der-nachkriegszeit-version-2012/">am 13. März</a> nimmt Michèle Roten einen Tages-Anzeiger-Artikel von Ev Manz auseinander:</p>
<blockquote><p>«Ich versuche mich daran zu erinnern, wann ich das letzte Mal so einen Quatsch gelesen habe.»</p></blockquote>
<p>Und Thomas Zaugg schreibt <a href="http://blog.dasmagazin.ch/2012/03/14/thomas-matter-mit-gattin-marion/?goslide=0">am 14. März</a> über die Verlagsschwester Sonntagszeitung. <small>(<strong>Nachtrag</strong>, 21. März, 13:30 Uhr: Thomas Zaugg <a href="https://twitter.com/#!/thomaszaugg/status/182404202818043904">weist</a> <a href="https://twitter.com/#!/thomaszaugg/status/182434919815979008">per</a> <a href="https://twitter.com/#!/thomaszaugg/status/182404699511726080">Twitter</a> darauf hin, dass das Zitat von Roten nicht als Kritik am &#8222;Tages-Anzeiger&#8220;-Artikel gemeint ist, sondern sich auf den Mama-Coach bezieht.)</small></p>
<p>Öffentlich gestritten wird auch im Bürogebäude an der Zürcher Förrlibuckstrasse (<a href="https://dominiquestrebel.wordpress.com/2012/03/09/die-fehler-des-alex-baur/">Dominique Strebel vom «Beobachter» vs. Alex Baur von der Weltwoche</a>), zwischen Zürich und Berlin (<a href="http://bundesplatz.blog.nzz.ch/2012/02/06/der-mude-achte-bundesrat/">René Zeller von der NZZ vs. Frank A. Meyer vom Ringier-Verlag</a>), zwischen Radiopionieren und Edelfedern (<a href="http://blog.persoenlich.com/?p=3374">Roger Schawinski von Radio1 vs. Constantin Seibt</a> vom Tages-Anzeiger) und natürlich in den Leserbriefspalten der Zeitungen (<a href="https://twitter.com/#!/kohlenklau/status/179234593650642949/photo/1">Andi Kunz von der Weltwoche vs. Peter Rothenbühler in der Aargauer Zeitung</a>). Fast tägliche Beispiele für Diskussionen liessen sich aus den öffentlichen und halböffentlichen Räumen von sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook anführen.</p>
<p>Wenn sie nicht in einen kleinkarierten Streit ausarten, sind öffentliche Debatten erfreulich, auch wenn sie unter der gleichen Marke, unter dem gleichen Verlagsdach stattfinden. Es wäre doch sehr überraschend, wenn unter Journalisten, die zur Meinungsvielfalt beitragen sollen, Meinungseinfalt bestehen würde. Viele der angeführten Debatten brechen nach Rede und Gegenrede abrupt ab. Diese Kürze verleiht der Diskussion zwar eine angenehme Übersichtlichkeit, das (erneute) Eingehen auf die Argumente des Anderen wäre aber schon wünschenswert.</p>
<p>Der offensichtliche Gewinn solcher Debatten für das Publikum ist die Einsicht in den Journalisten abseits seines Werks. Wie verteidigt er seine Arbeit, wie tickt er, kann er sich auch abseits von Redaktionsprozessen ausdrücken? Einige Diskussionen führen auch zurück zum Kern des Journalismus, den Fakten. Auch wenn nicht wenige Unterhaltungsarbeiter, Quotenbolzer, Fantasten keine Scham haben, sich Journalisten zu nennen, so sind sie das natürlich nur so lange, wie sie dem Publikum Fakten liefern. Ein <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tom_Kummer">Tom Kummer</a> mag ein grossartiger Schreiber sein &#8211; und nicht seine ausgedachten Interviews machen ihn zum Fälscher, sondern der Verkauf von ihnen als Gespräche, die tatsächlich stattgefunden haben. Die Auseinandersetzung mit den Fakten befördern auch Watchblogs wie <a href="http://www.bildblog.de/">Bildblog</a> oder <a href="http://www.kobuk.at/">Kobuk</a>.</p>
<p>Ein Journalist kann, anders als eine Versicherungsfachfrau, ein Friseur oder eine Erwachsenenbildnerin, keine Diplome vorweisen, die ihm durch eine Ausbildung garantierte Fachkenntnis garantieren. Denn Journalist ist, und das ist gut so, ein ungeschützer Beruf, der ergreifen kann, wer sich dazu befähigt fühlt. Um so abhängiger ist ein Journalist vom Vertrauen, das das Publikum in seinen Namen setzt oder in die Marke, unter der er publiziert.</p>
<p>Die Bewahrung der Glaubwürdigkeit ist entscheidend. Es ist bald dreissig Jahre her, dass der «Stern» gefälschte <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hitler-Tageb%C3%BCcher">Hitler-Tagebücher</a> vorabdruckte &#8211; doch noch heute verbinden viele diese Fehlleistung direkt mit der Marke. Umgekehrt kann die Glaubwürdigkeit eines Titels einen Ruf zerstören &#8211; wie zuletzt Georg Diez im «Spiegel» mit seinem Artikel <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-83977254.html">«Die Methode Kracht»</a> bewiesen hat. Auch wenn sich umgehend <a href="http://www.kiwi-verlag.de/news/17022012-offener-brief-an-die-spiegel-chefredaktion-zu-kracht/">17 Autoren</a> mit dem Schriftsteller Christian Kracht solidarisierten und «die Grenzen zwischen Kritik und Denunziation überschritten» sahen, so werde Kracht von nun an immer das Attribut «umstritten» oder, noch diffuser, «problematisch» anhaften, schrieb beispielsweise <a href="http://www.begleitschreiben.net/christian-kracht-imperium/">Gregor Keuschnig auf begleitschreiben.net</a>:</p>
<blockquote><p>Alleine die Tatsache, dass jemand im »Spiegel« derart gegen den Autor Stellung bezogen hat, reicht aus, um diese Meinung als Teil des Diskurses zu erhalten und immer wieder – je nach Bedarf – aus der Schublade zu holen.</p></blockquote>
<p>Was ein Vorwurf taugt, stellt sich oft erst in den Debatten dazu heraus. Kommunikationsarbeiter aller Art tun gut daran, sich an Ort und Stelle der Diskussion einzuschalten und die Faktenlage im eigenen und im öffentlichen Sinne zu bereichern. Es mag Momente geben, in denen Schweigen eine Antwort ist, doch in aller Regel ist die Darlegung der eigenen Position das Richtige.</p>
<p>Die Deutung der Debatte ist dem Konsumenten überlassen. Er entscheidet, welche Argumente ihn zu überzeugen vermögen &#8211; und passt je nach dem den eigenen Medienkonsum an. Denn wer sich mit unbelegten Vorwürfen wichtig machen will, gehört kritisiert, verklagt oder irgendwann einfach ignoriert, ganz so wie jeder gemeine <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Troll_%28Netzkultur%29">Troll</a>. Das gilt für den Twitterer, den Blogger, den Blick-Kolumnisten, den NZZ-Redaktor und selbst für den mehrfach preisgekrönten Journalisten.</p>
<p><small>Verwendete Bilder: <a href="https://www.facebook.com/HorstSchlaemmer">facebook.com/HorstSchlaemmer</a></small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/03/21/alles-nichts-ohne-glaubwuerdigkeit/">Alles nichts ohne Glaubwürdigkeit</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Der Michèle-Roten-Monat</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/11/18/der-michele-roten-monat/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephanie Rebonati]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 18 Nov 2011 09:35:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Standpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Buch]]></category>
		<category><![CDATA[Das Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Autorin]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumnistin]]></category>
		<category><![CDATA[Michele Roten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Michèle Roten ist Journalistin, Autorin, Mutter, Ehefrau und 32. Sie fährt Rennrad, nicht Damenvelo. «Das Magazin» zeigte am 8. Oktober 2011 seine Miss Universum-Kolumnistin auf dem Cover: in Seidenfoulards gehüllt mit ihrem nackten Baby auf dem Arm. Von Walter Pfeiffer fotografiert. Ein schwuler Kult-Fotograf porträtierte eine Neo-Feministin. Ein schönes Bild. Es war der Startschuss für <a href="https://medienwoche.ch/2011/11/18/der-michele-roten-monat/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2011/11/roten.jpg" alt="" width="120" height="120" /> Michèle Roten ist Journalistin, Autorin, Mutter, Ehefrau und 32. Sie fährt Rennrad, nicht Damenvelo. «Das Magazin» zeigte am 8. Oktober 2011 seine Miss Universum-Kolumnistin auf dem Cover: in Seidenfoulards gehüllt mit ihrem nackten Baby auf dem Arm. Von Walter Pfeiffer fotografiert. Ein schwuler Kult-Fotograf porträtierte eine Neo-Feministin. Ein schönes Bild. Es war der Startschuss für den Michèle-Roten-Monat.<br />
<span id="more-28944"></span><br />
Am 8. Oktober brummte das Handy. Eine SMS war eingetroffen: «D’Roten ufem Magazin-Titelblatt. Auso derä hets würklech is hirni gschneit, kuss». Der Absender war ein 32-jähriger Mann. Die Empfängerin eine 23-jährige Frau. Sie freute sich. Die Gruppe der 20-plus-Jährigen freute sich. Und wie.</p>
<p>Dem Cover folgte ein Artikel, in dem Michèle Roten erstmals ihr Buch <a href="http://echtzeit.ch/buecher.php?id=205" target="_blank">«Wie Frau sein. Protokoll einer Verwirrung»</a> vorstellte: «Jede Frau, die ich kenne, ist für die soziale und politische Gleichheit der Geschlechter, aber Feministin nennt sich keine Einzige von ihnen». Erkenntnis: Der Feminismus hat ein Imageproblem. Das verdanken wir den Gegnern, die nachhaltig Klischees in die Gesellschaft pflanzten. Roten machte mit «Hoppla, ein neuer Feminismus!» auf ihr neues Buch neugierig.</p>
<p>Am 15. Oktober feierte eine Freundin ihr 24. Lebensjahr. Neun Frauen im Alter von 20 plus waren geladen. Alles Studentinnen: Germanistik (1), Populärkulturen (1), Textildesign (1), Wirtschaft (1), Publizistik (1), Kommunikation (4). Michèle Roten war auch dabei: sie und ihr Sohn lagen auf dem Fenstersims. Die Frauen reichten «Das Magazin» weiter wie einen Joint und diskutierten. Ambra, eine 26-jährige Germanistikstudentin und Nachwuchsjournalistin: «Dieses Buch wird eh nur Rotens Hardcore-Fangemeinde aus dem Tagimagi-Einzugsgebiet kaufen und so viele können das nicht sein». Bissige Stute?</p>
<p>Weiter. Am 24. Oktober war Michèle Roten zu Gast in der Sendung <a href="http://www.drs.ch/www/de/drs/sendungen/top/focus/2655.sh10197503.html" target="_blank">Focus auf Radio DRS 3</a>. Ein Arbeitskollege schickte den Link mit einer Bemerkung: «Reden kann die Frau auch nicht». Und Ambra von oben doppelte nach: «Warum dieser flapsige Ton und die komplette Verweigerung, sich oder das Buch auch nur ansatzweise zu erklären?»<br />
Kann Michèle Roten besser schreiben als reden?</p>
<p>Und weiter. Am 28. Oktober erschien Michèle Rotens Buch im Echtzeit Verlag und am Abend fand die Lesung im Zürcher Kaufleuten statt. Am Eingang wurden pinkfarbene Pins mit abgebildeten Venus-Herz-Zeichen verteilt. Wirkte irgendwie anbiedernd, diese Marketing-Massnahme. Der Klubsaal war voll. Eine junge Frau Mitte zwanzig fragte ihre Begleitung:</p>
<p>-Worum geht’s eigentlich?<br />
-Um Feminismus.<br />
-Aha.<br />
-Ja, sie, also die Michèle Roten, ist Kolumnistin beim Tagimagi, das ist ein mega cooles, urbanes Magazin für junge urbane Menschen wie wir, weisch. Ja, sie verficht voll so einen neuen Pop-Feminismus. Sie schreibt in so Schwanzlutscher-Sprache.<br />
-Mhm.</p>
<p>Die Lesung enttäuschte. Michèle Roten las aus ihrem Buch und jene Zuschauer, die den Artikel zwei Wochen zuvor in «Das Magazin» gelesen hatten, erfuhren nichts Neues. Auch das anschliessende Gespräch mit Altfeministin, Beziehungsberaterin und Psychologin <a href="http://www.julia-onken.ch/" target="_blank">Julia Onken</a> befriedigte kaum. «Wie Frau sein» wurde ausschliesslich gelobt, keine spannende, kritische Diskussion geführt, sondern Klischees und abgelutschte Männer-Frauen-Witze bedient. Michèle Roten lachte mit, doppelte nach. Warum verkaufte sich diese talentierte Frau unter ihrem Wert? Ist das emanzipiert?</p>
<p>Dann die Überraschung. Das Buch. Besser, als es die öffentlichen Auftritte erahnen liessen. Michèle Roten zitiert Studien und macht faire Vergleiche: «Gehen wir also mal davon aus, dass Männer ihr Bild von Sex und Frauen beim Sexmachen aus Pornos beziehen, dann ist das durchaus ein bisschen unangenehm. Aber die Vorstellung, dass Frauen ihr Bild von Beziehungen und Männern beim Beziehungmachen aus Filmen haben, das finde ich, ehrlich gesagt, ähnlich gruselig.» In ihrer unverblümt, klugen Art schreibt Michèle Roten darüber, wie sich die Kohorte der 30-plus-Jährigen so fühlt. Rückblickend und ausblickend gleichzeitig.</p>
<p>Nur, das ist nicht alles neu – was die Autorin aber auch deklariert: «Diese Unsicherheit spiegelt sich in meinen Kolumnen der letzten zwei Jahre zu diesem Thema, die Sie hier noch einmal lesen können, und in den paar längeren Magazin-Artikeln. Der Rest sind neu entstandene Texte und Notizen.» Das nervte, weil man als regelmässige Roten-Leserin auf Schnee von vorgestern stiess. Ebenfalls deklariert Michèle Roten, dass ihr Buch kein Manifest sei, keine Ideologie, keine Handlungsanweisung und es werde «nicht einmal Antworten liefern. Es wird eher noch ein paar Fragen mehr auftun.» Darf man das? Ambra: «Das ist eine Frechheit.»<br />
Hat Michèle Roten Angst, Stellung zu beziehen und als Feministin (nach klischierter Definition) abgestempelt zu werden? Ist das emanzipiert?</p>
<p>Die 20-plus-Jährigen hatten sich auf Michèle Rotens Meinung gefreut. Am 31. November trafen sich ein paar Freundinnen vor dem Kino. Kinomontag.</p>
<p>Ambra: Ich habe keine Lust auf Kino, ich will Michèle-Roten-Bashing machen.<br />
Noemi: Nimm’s mal easy. Du bist nur eifersüchtig.<br />
Lily: Sag doch mal, was dich wirklich stört. Du nervst.<br />
Ambra: Okay. Sie war immer so eine Art Vorbild, quasi immer ein paar Schritte weiter vorn, bewundernswert und beneidenswert.<br />
Lily: Und?<br />
Ambra: Ja, dann heiratet sie und macht ein Kind und schreibt ein Buch über einen neuen Feminismus. Traditionell und progressiv. Mega cool. Avantgarde.<br />
Lily: Ja voll.<br />
Ambra: Und dann tritt sie im Radio auf und an der Lesung und wirkt so voll nicht souverän.<br />
Lily: Bei <a href="http://www.youtube.com/watch?v=e65vfIMYk4U" target="_blank">Aeschbacher</a> und im <a href="http://www.videoportal.sf.tv/video?id=fd654314-f292-4538-b5be-9f4ab31bc54a" target="_blank">Kulturplatz</a> vor paar Jahren war das auch schon so. Vielleicht ist sie einfach so. Ist doch okay?<br />
Ambra: Ja, aber die tut immer so cool und abgeklärt und ist es in echt dann doch nicht.<br />
Noemi: Nimm’s mal easy.<br />
Ambra: Sie ist DIE Neo-Pop-Feministin per se: Journalistin, Autorin, Mutter, Ehefrau, klug, talentiert, hot. Sie hat doch so viel dazu zu sagen und dann gräbt sie alten Müll aus dem Miss Universum-Archiv aus und knallt’s in ein Buch.<br />
Noemi: Das du innert fünf Stunden verschlungen hast.<br />
Ambra: Ich bin enttäuscht.<br />
Lily: Erwartungen waren schon immer dein Problem. Mach ne Therapie und schreib Roten danach einen Leserbrief.<br />
Ambra: Fick dich.<br />
Und so endete der Michèle-Roten-Monat.</p>
<p><em><strong>Buchhinweis:</strong> «Wie Frau sein. Protokoll einer Verwirrung», Michèle Roten, 2011 im Echtzeit Verlag erschienen, ISBN: 978-3-905800-45-6. </em></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/11/18/der-michele-roten-monat/">Der Michèle-Roten-Monat</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Eine erhabene Geschichte</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/11/11/eine-erhabene-geschichte/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephanie Rebonati]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 11 Nov 2011 09:41:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Kriegsreporterin]]></category>
		<category><![CDATA[Sacha Batthyany]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Reporterin]]></category>
		<category><![CDATA[Das Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Janine de Giovanni]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Journalist Sacha Batthyany hat die Kriegsreporterin Janine di Giovanni in Paris besucht. Das Resultat: ein zwölfseitiger Text, der am 29. Oktober 2011 in «Das Magazin» erschien. Ein Artikel, der aus rezeptionsästhetischer Sicht seinesgleichen sucht. Der Leser liebt, hofft und trauert mit der Protagonistin mit. In der Literaturwissenschaft nennt man dieses Phänomen Katharsis – die <a href="https://medienwoche.ch/2011/11/11/eine-erhabene-geschichte/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/11/11/eine-erhabene-geschichte/">Eine erhabene Geschichte</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2011/11/0-header-janine.jpg" alt="" width="120" height="116" /> Der Journalist Sacha Batthyany hat die Kriegsreporterin Janine di Giovanni in Paris besucht. Das Resultat: ein zwölfseitiger Text, der am 29. Oktober 2011 in «Das Magazin» erschien. Ein Artikel, der aus rezeptionsästhetischer Sicht seinesgleichen sucht. Der Leser liebt, hofft und trauert mit der Protagonistin mit. In der Literaturwissenschaft nennt man dieses Phänomen Katharsis – die Läuterung der Seele von Leidenschaften.<br />
<span id="more-28940"></span><br />
Der Samstagmorgen vom 29. Oktober war nebelverhangen. Und auch «Das Magazin» präsentierte sich trist und grau. Die Front war schwarzweiss. Das Titelbild zeigte eine unglücklich wirkende Frau in einem Jeep weit weg von daheim. Die Frau war <a href="http://janinedigiovanni.com/" target="_blank">Janine di Giovanni</a>, Kriegsjournalistin, Autorin und Mutter eines siebenjährigen Knaben. Auf Seite zwölf begann ihre Geschichte: «Liebe in Zeiten des Krieges».</p>
<p>Janine di Giovanni hat im Juli 2011 ihre Memoiren vorgelegt: «Ghosts by Daylight – A Memoir of War &amp; Love». Sacha Batthyany, Redaktor bei «Das Magazin», besuchte sie: «mit einer selbstverständlichen Gastfreundschaft, wie sie Amerikanern eigen ist, bittet sie hinein in ihre warme Pariser Wohnung». Er beschrieb die 49-jährige Frau: «Janine di Giovanni trägt eine schwarze Bluse mit feinen Spitzen, enge Leggins und Stiefel». Und er stellte ihr Fragen: «Aber warum hatten Sie all diese Jahre nie Angst, Frau di Giovanni? Warum ist Ihnen Ihr Leben egal?» Auszüge aus Janine di Giovannis Buch wechseln sich ab mit Batthyanys Beobachtungen, Recherchen und Unbestimmtheitsstellen, offene Zeichen, die vom Leser assoziativ gefüllt werden. Ein Geflecht, das atmet und den Leser nachhaltig berührt.</p>
<p>Man liest, wie Janine di Giovanni die Kriege der letzten zwanzig Jahre erlebte und überlebte. Wie sie ihre grosse Liebe fand, um sie wieder zu verlieren. Und wie Sacha Batthyany die berühmte Kriegsreporterin und deren Sohn Luca in ihren eigenen vier Wänden wahrnimmt. Unweigerlich lebt und liebt man mit, hofft und leidet mit Janine di Giovanni. Das ist Storytelling – Gestaltung eines Kommunikationsangebots als Geschichte, mit typischen Textrollen, Schauplätzen, Handlungen und Perspektiven.</p>
<p>Durch die Elemente des Storytelling erlebt der Leser nacheinander die Tragödie, den Kassandraruf, die Ekstase und die Erlösung. In der ästhetischen Theorie beschreibt man Auslöser derart aufwühlender Rezeptionsprozesse als kathartische oder erhabene Werke. Bereits Kant, Hegel und Baumgarten haben sich mit diesem Ästhetik-Begriff befasst. In ästhetisch-theoretischen Texten ist immerzu die Rede von literarischen Werken oder Gemälden u.a. von William Turner, Lucas Cranach der Ältere oder Mark Rothko, die kathartisch sein können.</p>
<p>Journalistische Texte wurden von den Philosophen nicht als erhaben oder kathartisch reflektiert. Man erlaube sich jedoch diese Behauptung: Sacha Batthyany legte mit «Liebe in Zeiten des Krieges» einen erhabenen Text vor. Batthyany schuf eine Geschichte um die Geschichte, einen Kontext im Kontext, die den Leser zunächst aufwühlt, um ihn später mit einer Ruhe gehen zu lassen, die Zuversicht verspricht – Läuterung der Seele. Dies gelang ihm vor allem durch Unbestimmtheitsstellen, die die mitschöpferische Tätigkeit des Lesers anregen. Durch Unbestimmtheitsstellen wird Kopfkino ausgelöst und Konkretisation der Inhalte hervorgerufen.</p>
<p>Die Nomen reichen aus: Bosnien, Afghanistan, Paris, Bengasi, Geburt, Heiratsantrag, AK-47. Der Leser lässt seine Fantasie frei walten und ergänzt oder konkretisiert die Wörter assoziativ und intuitiv, damit sie voll bestimmt zu sein scheinen. Unbestimmtheitsstellen sind nicht zufällig, etwa die Folge eines Kompositionsfehlers, sondern notwendig für jedes literarische Werk. Das schrieb der polnische Philosoph Roman Ingarden in einem Werk zur Rezeptionsästhetik.</p>
<p>Bedeutungsschwangere Texte, in denen jedes Detail ausgeleuchtet ist, können keine kathartischen Auswirkungen entwickeln, weil der Leser im vorgegebenem Schema gefangen ist. Dabei wird die Bedeutung literarischer Texte im Lesevorgang generiert. Bedeutung entsteht durch die Interaktion von Text und Leser, der sein Vorwissen und seine Gefühle in die Rezeption einbringt. Wie Ping Pong: ein harmonisches Hin und Her. Oder in Worten der Literaturwissenschaft: Das literarische Werk besitzt zwei Pole, einen künstlerischen und einen ästhetischen. Der künstlerische wird in Form eines Textes vom Autor geschaffen und der ästhetische ist die vom Leser geleistete Konkretisation der Inhalte, die im Text präsentiert werden.</p>
<p>Auf Seite 23 endet Janine di Giovannis Geschichte. Sie entlässt den Leser mit einem Gefühl der Zuversicht, er denkt sich: «Es gibt sie noch, die von Passion und Neugierde getriebenen Journalisten wie Sacha Batthyany» oder «Es gibt sie noch, Menschen wie Janine di Giovanni, die an etwas glauben und sich verwirklichen». Was danach in «Das Magazin» folgte, enttäuschte. Chefredaktor Finn Canonica widmete zwölf Seiten der Basler Möbeldesigner INCH Furniture und bot am Schluss dem Leser einen Beistelltisch namens Loro feil: 74 Zentimeter hoch mit einem Durchmesser von 42 Zentimeter. Für 760 Franken.</p>
<p><em><strong>Buchhinweis:</strong> «Ghost by Daylight – A Memoir of War &amp; Love», Janine di Giovanni, 2011 bei Bloomsbury and Knopf (UK) erschienen, ISBN 9781408820513</em></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/11/11/eine-erhabene-geschichte/">Eine erhabene Geschichte</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Aufgestellt für den Selbstmord</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/09/02/aufgestellt-fur-den-selbstmord/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 02 Sep 2011 08:20:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Standpunkt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Schweizer Journalistenbranche will lieber gemeinsam alt werden, statt sich konsequent zu erneuern. Frischen Kräften bleibt der Zugang zu verantwortungsvollen Aufgaben verwehrt. Jüngere Generationen arbeiten und informieren sich woanders. So ist man auf dem besten Wege, sich selbst abzuschaffen. Änderungen sind gefragt! &#8222;Die Zukunft liegt nicht in der Vergangenheit&#8220;, stellt der einzige hauptamtliche Medienredaktor der <a href="https://medienwoche.ch/2011/09/02/aufgestellt-fur-den-selbstmord/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/09/02/aufgestellt-fur-den-selbstmord/">Aufgestellt für den Selbstmord</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" alt="" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2011/09/Bild-von-Lodovico-Agostino-Marazzani-Visconti.png" class="alignleft" width="120" height="120" /> Die Schweizer Journalistenbranche will lieber gemeinsam alt werden, statt sich konsequent zu erneuern. Frischen Kräften bleibt der Zugang zu verantwortungsvollen Aufgaben verwehrt. Jüngere Generationen arbeiten und informieren sich woanders. So ist man auf dem besten Wege, sich selbst abzuschaffen. Änderungen sind gefragt!<br />
<span id="more-28913"></span><br />
<a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/medien/simulation_alter_arena-zeiten_1.12104086.html">&#8222;Die Zukunft liegt nicht in der Vergangenheit&#8220;</a>, stellt der einzige hauptamtliche Medienredaktor der Schweizer Tageszeitungen, Rainer Stadler, in der NZZ fest: das &#8222;neue&#8220; Format der &#8222;Arena&#8220; sei nicht mehr als eine Simulation der alten. Richtig, auch <a href="https://medienwoche.ch/2011/08/19/schauinski/">Schaüinski</a> ist nicht mehr als ein abgefilmter &#8222;Doppelpunkt&#8220;, ein &#8222;Talk Täglich&#8220; mit Designer. Ist es nicht verwunderlich, dass ausgerechnet die mehr oder minder verwitterten Gesichter von Roger Schawinski (*1945) und Filippo Leutenegger (*1952) frischen Wind in die öffentlich-rechtlichen und privaten Talkformate bringen sollen?</p>
<p>Die etablierten journalistischen Formate werden zusammen mit ihrem Publikum immer älter. Jüngere Generationen werden damit oft nicht mehr erreicht, denn die <a href="http://www.mpfs.de/?id=189">informieren sich zunehmend im Web</a>. Kontakt mit journalistischen Angeboten haben sie vor allem durch Videoportale, Gratiszeitungen und Online-Portale, doch letztere befinden sich nur noch ab und zu in der Hand der etablierten Verleger. Die Frage sei erlaubt: Wann hat zuletzt eine Titelgeschichte einer Printpublikation die Jugend so begeistert, dass sie deswegen die Kioske stürmte? Es muss irgendwann im letzten Jahrtausend gewesen sein.</p>
<p>Über die Themen, die viele junge Menschen interessieren, berichten etablierte journalistische Formate nur am Rande und wenn, dann nicht selten falsch. Auch wenn das Problem vielerorts erkannt und verbessert wurde, fühlen sich Onlinespieler, Weblogger, Webnutzer zurecht oft unangemessen behandelt. Wer beispielsweise Wegweisendes lesen will über die neusten Entwicklungen im Internet, kann das im Netz täglich tun. Doch in den journalistisch etablierten Medien werden die ganze Branchen umwälzenden Veränderungen durch das Internet noch immer recht stiefmütterlich behandelt. Natürlich auch, weil es sich dabei um die direkte Konkurrenz handelt.</p>
<p>Dass Zeitungen und Zeitschriften kaum noch junge Leser für sich gewinnen können, liegt auch an den Personalstrukturen der Verlage. Es werden zwar durchaus junge Mitarbeiter beschäftigt, doch die sind entweder für online zuständig oder für untergeordnete Aufgaben &#8211; was im Bewusstsein vieler Print-Führungskräfte fatalerweise ein Äquivalent ist. Ganz im Gegensatz zur USA, dort sind die aufstrebenden Stars der journalistischen Branche <a href="http://www.thelmagazine.com/gyrobase/theyre-young-they-re-successful-theyre-not-you/Content?oid=1454923&amp;storyPage=8">26</a>, <a href="http://www.thelmagazine.com/gyrobase/theyre-young-they-re-successful-theyre-not-you/Content?oid=1454923&amp;storyPage=9">25</a>, <a href="http://www.thelmagazine.com/gyrobase/theyre-young-they-re-successful-theyre-not-you/Content?oid=1454923&amp;storyPage=7">23</a> Jahre alt. Wir erinnern uns: &#8222;Weltwoche&#8220;-Chef Roger Köppel, der sich bald als eines der grössten Talente der Schweizer Medienbranche herausstellte, schrieb ab 1994 (mit 29) lange Feuilleton-Texte im &#8222;Tages-Anzeiger&#8220; und wurde 1997 (mit 32) zum Chefredakteur des &#8222;Magazins&#8220;. Welche journalistischen Stars unter 30 oder unter 35 hat die Schweizer Medienszene eigentlich die letzten Jahre geboren? Fällt jemandem ein Name ein?</p>
<p>Überhaupt sind die Plätze in den Redaktionen bereits besetzt und besonders die wirklich attraktiven Jobs werden auch besetzt gehalten. Von Journalisten, die die grosse Sparrunde vor zwei Jahren überlebt haben. Das war gar nicht so einfach und manchmal auch einfach Zufall, denn viele von denen, die ihren Job behalten durften, sind ja nicht besser als jene, die gehen mussten. Gehen mussten alle möglichen Mitarbeiter: Aus nachvollziehbaren sozialen Gründen nicht ganz so schwer fiel der Abschied von Alten, die frühpensioniert werden konnten und von Jungen, die &#8222;sicher wieder was finden&#8220;. Doch Journalismus sollte von allen Gesellschaftsschichten für alle Gesellschaftsschichten gemacht werden. Neben den Jungen in Führungspositionen fehlen auf vielen Redaktionen die Nicht-Akademiker, eine riesige Gruppe, von denen durchaus viele schreiben können. &#8222;Tagi&#8220;-Co-Chef Res Strehle, (&#8222;68, aber lieb&#8220;), sagte in einem <a href="http://www.woz.ch/artikel/2009/nr28/schweiz/18118.html">Interview mit der &#8222;Woz&#8220;</a>: &#8222;Wir stossen niemanden ins Prekariat.&#8220; Wieviele aber das journalistische Prekariat gar nicht erst verlassen und dann irgendwann in ganz andere Jobs verschwinden, zählt niemand.</p>
<p>Geblieben sind nach den <a href="http://www.persoenlich.com/news/show_news.cfm?newsid=82610">«Mai-Massakern»</a> 2009 (eine Übersicht der Entlassungen hat <a href="http://medienspiegel.ch/abbauschlacht.html">medienspiegel.ch</a>) viele Anpassungsfähige, die eine Familie zu versorgen haben und ohne zu murren das tun, was von oben gefordert wird. Oft sind das akademisch gebildete Eltern, zwischen 35 und 55 Jahren. Kaum zum Opfer fielen den Entlassungen überraschenderweise die Vorgesetzten. Nehmen wir mal <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/ueberuns/impressum/Impressum/story/28680087">die Chefs beim &#8222;Tages-Anzeiger&#8220;</a>: Neben vier Mitgliedern der Chefredaktion gibt es zwei Nachrichtenchefs und sieben Ressortleiter. Man fragt sich unwillkürlich, ob der &#8222;Tagi&#8220; bald mehr Chefs als Mitarbeiter hat. Die Krise führt in den Printmedien immer mehr zu einer umgekehrten Hierarchie-Pyramide. Während die Inhalte produzierende Basis immer schmaler wird, bleiben die Führungsetagen unangetastet, sie werden nur gemeinsam älter. Frank A. Meyer (*1944) beispielsweise darf jeden Sonntag zweimal seine vorgestrige Sicht der Welt im &#8222;Sonntags-Blick&#8220; ausbreiten. Seine &#8222;Hasstirade gegen das Internet&#8220; (<a href="http://hyperkontext.at/weblog/artikel/frank-a-meyer-und-seine-reproduzierte-wirklichkeit-der-medien/">Zitat hyperkontext.at</a>) mit dem Titel <a href="http://www.blick.ch/news/fam/basta-125570">&#8222;Basta!&#8220;</a> sorgte im Web für ungläubiges Staunen und unverhohlenes Gelächter. Hunderte von Twitterern verlinkten einen von Michel Reimon verfassten Brief <a href="https://wp_updatethoughts.wordpress.com/2009/08/14/offenster-brief-zum-dummsten-text-eines-journalisten-uber-das-internet/">&#8222;zum dümmsten Text eines Journalisten über das Internet&#8220;</a>.</p>
<p>Natürlich gibt es überall Ausnahmen, und bei der WOZ, bei der Weltwoche und auch beim Schweizer Fernsehen hat man durchaus hin und wieder mal den Eindruck, dass auch Jüngere Verantwortung übernehmen dürfen.</p>
<p>Weil das Boot schon voll ist, erhalten junge Journalisten heute kaum Chancen, ihre Talente auszuleben. Sie bleiben im Vergleich schlecht bezahlt und müssen unter Druck Agenturmeldungen umformulieren und oberflächliche Beiträge raushauen &#8211; andere wiederum sehen Redaktionen seit jeher nur von Aussen. Die vielleicht verdienstvollste Schweizer Journalistin der letzten Jahrzehnte, Margrit Sprecher, sagte <a href="http://www.klartext.ch/?p=9219">im &#8222;Klartext&#8220; (Ausgabe 5/09)</a>: &#8222;Es ist entwürdigend, wie mit den Jungen umgegangen wird.&#8220; Zusammengestrichene und nicht erscheinende Artikel würden das Selbstvertrauen beschädigen, &#8222;das Wichtigste, das man in unserem Beruf haben muss&#8220;. Auch wenn Tamedia und NZZ erfreulicherweise angekündigt haben, neue Mitarbeiter im Online-Bereich einzustellen, werden nur wenige davon den journalistischen Bereich betreffen. Wiederum werden die meisten von denen, die Inhalte erstellen, ein Kürzel bleiben und nicht die Chance erhalten, zu einer der publizistischen Stimmen zu reifen, an die sich die Leserschaft erinnert und die sie wieder und wieder lesen will.</p>
<p>Fasst sich mal ein Verleger (Peter Wanner) ein Herz und setzt einen damals 31-Jährigen (Patrik Müller) an die Spitze einer Sonntagszeitung (&#8222;Sonntag&#8220;), dann wird das mit Misstrauen, man könnte auch sagen Herablassung, aus dem inzestuösen Zürich verfolgt. Thomas Knellwolf vom &#8222;Tages-Anzeiger&#8220; schrieb 2007 über die erste Ausgabe des Neulings, &#8222;die kleine, teilweise profilierte Redaktion aus Baden&#8220; habe &#8222;nichts Weltbewegendes zu vermelden&#8220;. Er stiess ausserdem auf &#8222;Interviews ohne kritische Fragen&#8220;, und auch die &#8222;lokalen Nachrichten im &#8218;Sonntag&#8216; konnten nicht überzeugen&#8220;. Dass die &#8222;Sonntag&#8220;-Redaktion viel kleiner ist als die der &#8222;Sonntagszeitung&#8220; oder der &#8222;NZZ am Sonntag&#8220;, wurde nicht erwähnt.</p>
<p>Nur wenig später tanzten die Zürcher Grossverlage um Patrik Müller wie um ein goldenes Kalb und wollten ihn zum Chef von &#8222;Tagi&#8220; und &#8222;Blick&#8220; machen &#8211; der aber lehnte alle Angebote ab (<a href="https://twitter.com/#!/patrik_mueller/status/106014245518446593">Tweet vom 23. August 2011</a>: &#8222;Liebe Zürcher, bin 8 Jahre bei Peter Wanner &#8211; es macht Spass, bei ihm zu arbeiten&#8220;). Selbst Talente zu entdecken und Verantwortung zu übertragen, gehört heute offenbar nicht mehr zu den Stärken der Grossverlage. Lieber besetzen sie die Spitzen mit alten Haudegen der Branche, oder, falls den Job gar niemand machen kann oder will, mit Marc Walder. Frische Kräfte kommen nicht an die Macht, denn die haben ja noch keine Erfahrung. Jene wiederum, die ausreichend Erfahrung sammeln durften, sind bereits so betriebsblind, dass sie nicht als frische Kräfte gelten können.</p>
<p>&#8222;Bei Ringier habe ich erlebt, dass gewisse Chefs Angst haben, bessere Leute zu engagieren, weil ihnen diese gefährlich werden könnten&#8220; sagte Müller 2009 in einem <a href="http://www.persoenlich.com/news/show_news.cfm?newsid=81502">Interview mit &#8222;Persönlich&#8220;</a>. Das ist auch in anderen Verlagen so. Doch weil sich, solange die Zahlen einigermassen stimmen, darum niemand kümmert, bleibt alles, wie es ist. Für die Zukunft ist diese Haltung jedoch Selbstmord. Wenn keine Erneuerung mehr stattfindet, wenn keine jungen oder unbequemen Journalisten mehr Verantwortung übernehmen dürfen, dann verlieren die Publikationen bald auch noch den letzten Geruch von Frische. Und werden, was sie schon zu einem guten Teil geworden sind: Rentnerblätter mit einer laufend wegsterbenden Leserschaft. Wer sich wirklich um die Zukunft des Landes Sorgen macht, wie es im aktuellen Wahlkampf fast alle Parteien behaupten, sollte die Jugend mit gutem Journalismus versorgen.</p>
<p>Der Schweizer Journalismus verabschiedet sich nach und nach von den Menschen unter 35 Jahren, sowohl als wichtige Mitarbeiter als auch als Leser. Überhaupt, die treiben sich ja, man musste es bitter erfahren, doch nur in diesem Internet rum. Ihre Zahlungsbereitschaft tendiert angeblich gegen null. Und dann sind sie auch noch untreu. Viele Wohngemeinschaften machen sich nicht mal mehr die Mühe, für jedes WG-Mitglied und für jede Tageszeitung kostenlose Probeabos aneinanderzureihen &#8211; dabei würde das doch der Auflage zugutekommen.</p>
<p>Die 548 Franken für ein NZZ-Jahresabo setzen einen gut entlöhnten Job mit Lesefreizeit voraus, ein Luxus, über den nicht alle verfügen. Studenten haben zwar 40 Prozent Rabatt, doch dann sind es immer noch über 300 Franken, die auch anders ausgegeben werden können. Und die Zukunft verheisst zweierlei: Teurere Jahresabos und weniger sichere Jobs für junge Leser &#8211; eine Todesspirale. Bei den ganz jungen Lesern setzen einige Verlage mit Projekten wie <a href="http://new.baz.ch/zisch/">&#8222;Zeitung in der Schule&#8220;</a> an, doch dann verlieren sich die Bemühungen um die Jugend wieder, Beilagen wie &#8222;Ernst&#8220; tauchten zuletzt in den 1990er-Jahren auf.</p>
<p><a href="http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/dossier/finanzkrise/Sie-begehen-Selbstmord-aus-Angst-vor-dem-Tod/story/20100068">&#8222;Selbstmord aus Angst vor dem Tod&#8220;</a> nannte Roger Schawinski die Internetstrategie der in Panik geratenen Printmedien. Doch wenn es überhaupt eine Zukunft gibt für Printmedien, dann liegt sie in dieser schmählich vernachlässigten U35-Generation, die Printprodukte gar nicht generell ablehnt, wie manch ein verzweifelter Verlagsmanager vermutet.</p>
<p>Das Problem liegt bei den Trainern der Branche. Sie und ihr aufgeblähter Stab sind zu einem guten Teil nicht für die Zukunft aufgestellt. Und da niemand Druck macht in der Schweizer Medienbranche und lieber alle vordergründig Freunde bleiben, denken die Clubpräsidenten nicht daran, zu handeln, also mal den einen oder anderen Cheftrainer zu feuern. Am Schluss bleiben die Zuschauer aus und die schönen Stadien müssen für immer schliessen. Dann wird halt wieder auf dem Acker gespielt.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/09/02/aufgestellt-fur-den-selbstmord/">Aufgestellt für den Selbstmord</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Das Gegenteil vom Gegenteil</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 28 Mar 2011 10:50:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Standpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Das Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Philipp Hildebrand]]></category>
		<category><![CDATA[Matthias Daum]]></category>
		<category><![CDATA[Die Zeit]]></category>
		<category><![CDATA[Roger Köppel]]></category>
		<category><![CDATA[Weltwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Meinung]]></category>
		<category><![CDATA[Daniel Binswanger]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am 3. März titelt die «Weltwoche» zur Einwanderung von Ausländern: «Macht die Grenzen dicht». Eine Woche später ertönt das Echo, auf den Schweizer Seiten der «Zeit»: «Macht auf das Tor» &#8211; das Titelblatt der Weltwoche sei «reine Angstmacherei». Am 10. März titelt die «Weltwoche» zum Nationalbank-Chef Philipp Hildebrand: «Der Falschmünzer». Zwei Wochen später ertönt das <a href="https://medienwoche.ch/2011/03/28/das-gegenteil-vom-gegenteil/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/03/28/das-gegenteil-vom-gegenteil/">Das Gegenteil vom Gegenteil</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am 3. März titelt die «Weltwoche» zur Einwanderung von Ausländern: «Macht die Grenzen dicht». Eine Woche später ertönt das Echo, auf den Schweizer Seiten der «Zeit»: <a href="http://www.zeit.de/2011/11/CH-Migrationspolitik?page=all">«Macht auf das Tor»</a> &#8211; das Titelblatt der Weltwoche sei «reine Angstmacherei».</p>
<p>Am 10. März titelt die «Weltwoche» zum Nationalbank-Chef Philipp Hildebrand: «Der Falschmünzer». Zwei Wochen später ertönt das Echo, vom «Magazin»: <a href="http://copytaste.com/e303">«Die Attacke: Was hinter den Angriffen auf die Nationalbank steckt»</a> &#8211; die Weltwoche liefere «allwöchentliche Tiraden, die unbehindert von Sachkompetenz die SNB unter Sperrfeuer nehmen».</p>
<p>Ist es also wahr? Die «Weltwoche» ist ein Leitmedium, das Themen setzt und zum Widerspruch herausfordert?<br />
<span id="more-28771"></span><br />
Redet man mit Journalisten, dann ist nichts unwahrer als das. Die meisten Medienschaffenden nehmen die «Weltwoche» als ein Blatt verwirrter Rechter wahr, das, wenn vielleicht auch nicht von Christoph Blocher persönlich finanziert, so doch Mitarbeiter hat, die von der SVP-Ideologie so verblendet sind, dass sie keinen vernünftigen Gedanken fassen können. Nun könnte man eigentlich meinen, dass auf die Ansicht, dass die «Weltwoche» regelmässig Unsinn verzapft, Ignoranz folgen müsste. Doch dem ist augenscheinlich nicht so. Die Journalisten, von denen niemand wirklich weiss, wie sie selbst zur politischen Lage stehen, bemühen sich beflissen, das Gegenteil vom Gegenteil zu schreiben.</p>
<p>Einerseits werfen sie «Weltwoche»-Chefredaktor Roger Köppel regelmässig vor, er habe kein Interesse an der Sachlage, sondern sei nur bemüht, bei jeder Diskussion das Gegenteil eines nicht genauer definierten «Mainstreams» zu behaupten. Andererseits dienen «Weltwoche»-Geschichten den Redaktionen, die sich gerne als Leitmedien sehen, als willkommener Anlass, genau das Gleiche zu machen: Also keine eigenen Themen zu erarbeiten, sondern das Gegenteil der «Weltwoche» zu vertreten.</p>
<p>Das ist einfach und erfolgsversprechend – nicht wenige Medien halten sich seit Jahrzehnten am Leben, in dem sie sich an rechten Positionen reiben. Aber sind solche Schlagabtausche langweilig oder nicht? Ich finde nicht: Debatten beleben die Diskussion – nichts ist einschläfernder, als wenn sich alle einig sind und sich niemand die Mühe macht, Gegenargumente zu suchen und zu vertreten. Auf das Berufsverständnis der Journalisten werfen sie aber ein bezeichnendes Licht: nicht nur die Position der «Weltwoche», die nach einem Ereignis zielsicher vorhergesagt werden kann, ist absehbar wie das Amen in der Kirche &#8211; auch die Position ihrer Gegner lässt sich leicht voraussagen: einfach das Gegenteil der «Weltwoche».</p>
<p>Ist Journalismus also doch nicht so ergebnisoffen, wie es nach Lehrbuch vermutet werden könnte? Stehen dem persönliche Vorlieben und Haltungen im Weg? Oder tun die Gegner des «Weltwoche»-Meinungsjournalismus letztlich selbst das, was sie bei anderen kritisieren?</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/03/28/das-gegenteil-vom-gegenteil/">Das Gegenteil vom Gegenteil</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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