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	<title>Essay | MEDIENWOCHE</title>
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	<link>https://medienwoche.ch</link>
	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Thu, 23 Sep 2021 16:28:22 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
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	<item>
		<title>Nachhaltigkeit braucht eine gute Story</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2021/09/23/nachhaltigkeit-braucht-eine-gute-story/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dominik Allemann]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 23 Sep 2021 08:38:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Reputation]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeitskommunkation]]></category>
		<category><![CDATA[Corporate Social Responsibility]]></category>
		<category><![CDATA[Storytelling]]></category>
		<category><![CDATA[CSR]]></category>
		<category><![CDATA[Glaubwürdigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Essay]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kommunikation sollte faktenbasiert und keine Heile-Welt-Lyrik sein. Greenwashing funktioniert nicht mehr.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="entry-teaser">Kommunikation sollte faktenbasiert und keine Heile-Welt-Lyrik sein. Greenwashing funktioniert nicht mehr.</div><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/09/23/nachhaltigkeit-braucht-eine-gute-story/">Nachhaltigkeit braucht eine gute Story</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Journalismus – gefangen zwischen Nullen und Einsen</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2021/08/24/journalismus-gefangen-zwischen-nullen-und-einsen/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2021/08/24/journalismus-gefangen-zwischen-nullen-und-einsen/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Anna Miller]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 Aug 2021 10:55:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Onlinejournalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Essay]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wir Journalistinnen und Journalisten wollen sauber recherchieren, mit Menschen sprechen, die Realität abbilden. Doch stattdessen sind wir immer öfter Sklavinnen von Klicks, Zeitdruck und digitalem Optimierungswahn. Es ist höchste Zeit für einen kulturellen Wandel. Der Journalismus wurde degradiert, zu einer Aufgabe, die man vor einem Bildschirm erledigen kann, physisch dasitzend auf dem immer gleichen Stuhl. <a href="https://medienwoche.ch/2021/08/24/journalismus-gefangen-zwischen-nullen-und-einsen/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wir Journalistinnen und Journalisten wollen sauber recherchieren, mit Menschen sprechen, die Realität abbilden. Doch stattdessen sind wir immer öfter Sklavinnen von Klicks, Zeitdruck und digitalem Optimierungswahn. Es ist höchste Zeit für einen kulturellen Wandel.</strong><br />
<img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-90449" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/08/MW-Digitaler-Journalismus-20210824b.jpg" alt="" width="1456" height="976" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/08/MW-Digitaler-Journalismus-20210824b.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/08/MW-Digitaler-Journalismus-20210824b-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/08/MW-Digitaler-Journalismus-20210824b-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/08/MW-Digitaler-Journalismus-20210824b-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/08/MW-Digitaler-Journalismus-20210824b-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
<strong>Der Journalismus wurde degradiert</strong>, zu einer Aufgabe, die man vor einem Bildschirm erledigen kann, physisch dasitzend auf dem immer gleichen Stuhl. Die Recherche reduziert auf eine Google-Suchanfrage und ein, zwei Telefonate, 15 Minuten, 20 Minuten, wenn überhaupt. Die Aussagen von Menschen auf Quotes reduziert, damit sie in ein Medienformat passen, das kurz genug ist, um im ewigen Rauschen und dem Endless Scrolling von Social-Media-Timelines zu bestehen. Bitte nichts länger als ein paar Sekunden einblenden, bitte nicht langweilen, die Attention Economy gibt genau vor, wie etwas auszusehen hat, damit es funktioniert, was auch immer dieses Funktionieren beinhaltet, meistens beinhaltet es, dass etwas geklickt wird, etwas converted, etwas viral geht, idealerweise.</p>
<p><strong>Willkommen in der Aufmerksamkeitsökonomie.</strong> Instant Gratification, sofort gelobt, sofort gelikt, sofort geklickt. Der Journalismus wird immer digitaler. Das bedeutet nicht nur, dass er sich in den virtuellen Raum verlagert und wir das Gleiche, das wir schon immer schrieben, einfach ins Internet stellen, statt es auf Papier zu drucken. So einfach ist das schon lange nicht mehr.<br />
</p>
<p><strong>Am Anfang war das Internet unsere Spielwiese</strong>, eine endlose Chance. Und wer von uns würde heute auf Wikipedia verzichten wollen? Oder darauf, quasi in Echtzeit über Social Media zu erfahren, wie es Menschen geht, die am anderen Ende der Welt gerade eine Revolution anzetteln? Die Digitalisierung ermöglicht uns hervorragende Recherchen in den Tiefen von Darknet und Telegram, wir können auf Twitter sozusagen live den Arabischen Frühling miterleben und Expertinnen aus der ganzen Welt sind uns so zugänglich für ein Interview wie noch nie.</p>
<p><strong>Doch neben allen Chancen und Gestaltungsmöglichkeiten</strong>, die das Internet uns bietet, hat es auch neue, negative Realitäten mit sich gebracht. Wir als Medienschaffende müssen immer öfter mitschwimmen, in einem nervösen, fragmentierten Zustand einer Welt, die damit beschäftigt ist, sehr viele Inhalte zu produzieren und zu konsumieren in immer kürzerer Zeit. Eine Welt, die damit beschäftigt ist, jede Sekunde ihres Lebens zu Content zu verarbeiten. Und auch sich selbst. Eine Welt, die gerne und häufig News über sich selbst schreibt, statt welche zu lesen.</p>

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            [rml_read_more]
<p><strong>Steve Jobs hat 2007 mit der Lancierung des Iphones</strong> die virtuelle Informationsbeschaffung und Kommunikation in unsere Hand gelegt, 24/7, always on. Und ein paar wenige Firmen haben sich danach auf den Weg gemacht, unsere Aufmerksamkeit und Zeit und Energie und Gehirnkapazität und Emotionen auf eine nie dagewesene Art und Weise an dieses Gerät zu koppeln. Unsere Aufmerksamkeit zum hohen, teuren Gut zu machen.</p>
<p><strong>Und wir als Journalistinnen und Journalisten sind mittendrin</strong>. Auch die Medienunternehmen kämpfen um Aufmerksamkeit. Und weil sie nicht mehr die Deutungshoheit über Nachrichten und Information haben, müssen sie immer stärker nach den Regeln der digitalen Aufmerksamkeitsökonomie funktionieren, um überhaupt zu überleben.</p>
<p><strong>Also produzieren wir Cat Content.</strong> Lassen Leserreporter Fotos von halbnackten Menschen machen, die sich auf der Strasse grad erlauben, eine Sekunde aus der Reihe zu tanzen, um daraus dann eine Geschichte zu machen, die polarisiert. Schreiben von einem Elefanten, der in China ein Stück Kuchen balanciert.</p>
<p><strong>Doch Einiges hat sich auch verschoben.</strong> Grundlegend. Und ist für uns Menschen und den Journalismus nicht gut.</p>
<p>Die Marktmechanismen, die derzeit in diesem seltsamen Zwischenraum zwischen Alt und Neu wirken, haben in den letzten Jahren das, was den Kern des Journalismus ausmacht, und uns, die ihn anständig machen wollen, ausgehöhlt.</p>
<p><strong>Klar, es gibt sie noch, die grossen Recherchen,</strong> die wichtigen Geschichten, die Investigativ-Stories, die dank internationaler Kooperation und Datenanalyse möglich werden. Es gibt die neuen Chancen, ab und an blitzt auch eine Art Vision, ein Hoffnungsschimmer durch die Schweizer Medienlandschaft. Etwa in Form von neuen Plattformen oder Formaten.</p>
<p>Doch das sind die Glanzlichter. Die paar wenigen.</p>
<p><strong>Wir erzählen auf Podien, an Journalistenschulen,</strong> in unseren Twitter-Feeds dann immer von den glorreichen Recherchen, von den rührenden Portraits, wir sprechen von den langen Texten und den Monaten, die es brauchte, um sie fertig zu stellen. Wir stilisieren den Journalismus noch gerne hoch zu einer Art Kunst, wir überschütten Edelfedern mit Preisen und sind gekränkt, wenn einer es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt.</p>
<p><strong>Doch wir mögen es nicht so gerne,</strong> darüber zu sprechen, wie der Alltag der Allermeisten von uns mittlerweile aussieht. Oder bald aussehen wird. Dass wir ein paar wenige Stunden, wenn überhaupt, Zeit haben für einen Text. Dass wir E-Mail-Anfragen verschicken müssen mit einer Deadline, die keine Auskunftsperson einhalten kann. Dass wir von Kolleginnen und Kollegen abschreiben, ganze Passagen paraphrasieren, weil die Zeit schlicht nicht reicht, um sich selbst Gedanken zu machen.</p>
<p><strong>Wir reden nicht gern darüber,</strong> dass wir Arbeiten erledigen müssen, zu denen wir gar nicht befähigt sind. Für die es früher gar eigene Berufsgattungen gab: Setzer, Layouterin, Bildredaktorin. Dass wir einen beträchtlichen Teil der wenigen zur Verfügung stehenden Arbeitszeit damit verbringen, ein Bild zu suchen, den Titel so anzupassen, dass er sexy ist, ein bisschen gelogen, ein bisschen überspitzt, aber grad noch so durchgeht, Hauptsache, wir sind schneller, krasser. Wir reden nicht darüber, dass SEO zwar eine wunderbare Sache ist, um uns Aufmerksamkeit zu garantieren, mehr Klicks, eine stärkere Präsenz gegenüber der Konkurrenz in der Google-Suche, dass das aber auch bedeutet, dass wir, wenn wir das zu Ende denken, nur noch schreiben, was Menschen bereits suchen, und nichts mehr schreiben, was Menschen noch nicht kennen.</p>
<p>Trump! Tesla auf den Mars! Irina Beller!<br />
Awesome.</p>
<p>Wenn, sagen wir mit leichter Ehrfurcht und gleichzeitiger Abfälligkeit in der Stimme, macht das Unattraktive, aber das Wichtige, nur noch die NZZ.</p>
<p>Ist das noch Journalismus? Haben wir das so gewollt?</p>
<p><strong>Viele Journalistinnen in der Schweiz haben kaum mehr Raum,</strong> etwas in seiner Ganzheit verstehen zu können. Recherche zu rechtfertigen. Länger an einem Text zu arbeiten. Die Fakten wirklich verifizieren. Kultur? Klickt nicht. Chronistenpflicht? Klickt nicht. Noch zwei Stunden verstreichen lassen, weil man noch auf eine Rückmeldung wartet, obwohl der Text mittags online sein sollte? Verschenkte Klicks. Weil die Leute, die dann in ihren Büros sitzen, Mittagspause haben, und dann bedient werden wollen. Sonst klicken sie weiter, und das dürfen wir nicht zulassen, weil unser Lohn und unsere Zukunft davon abhängen.</p>
<p>Die Frage ist natürlich, welche Art von Zukunft.<br />
Welche Art von Journalismus Zukunft hat.</p>
<p>Vielleicht fällt es deshalb so schwer, ehrlich darüber nachzudenken, was dieser ganze digitale Stress eigentlich mit uns macht. Und diese Art von Journalismus mit der Welt.</p>
<p><strong>Der durchschnittliche Mensch hat mittlerweile</strong> eine Aufmerksamkeitsspanne von drei bis sechs Minuten. Dabei wären Konzentration und das Bilden neuer neuronaler Verknüpfungen dringend nötig, um die immer komplexere Welt, in der wir uns bewegen und die wir journalistisch zu erfassen versuchen, ansatzweise zu verstehen.</p>
<p>Werden wir hingegen unterbrochen, fangen wir danach wieder fast von vorne an. Wir können zwar multitasken, aber nicht multidenken: Wir brauchen also, werden wir unterbrochen, länger für eine Aufgabe. Und sind dabei, das belegen Studien, unzufriedener.</p>
<p>Der durchschnittliche Mensch wurde bereits vor Corona alle zehn Minuten von seinem Smartphone unterbrochen. Das Compulsive Checking, also das nervöse, automatische Greifen nach dem Telefon, ist bei uns Journalist:innen gang und gäbe. Es führt aber neurologisch gesehen zu mehr Stress – und zu einer Spirale der Obsession: Wir können mit der Zeit nicht anders als immer nachzuschauen, was wieder aktuell ist. Wer uns wieder braucht. Ob der Chef anruft. Wir fahren nicht mehr runter. Und unser System ist konstant überlastet. Das hat psychische und körperliche Folgen. Die mangelnde Abgrenzung und die konstante Reizüberflutung machen uns auf Dauer krank.</p>
<p>Doch wir sind ja Journalist:innen. Wir müssen doch wissen, was grad mit der Welt passiert. Also bleiben wir always on.</p>
<p><strong>Doch so müsste es nicht bleiben.</strong> Wenn wir uns einer Aufgabe ungestört und in unserem eigenen Tempo widmen könnten. Dann entsteht der sogenannte Flow-Zustand, der erwiesenermassen glücklicher macht. Und der uns hilft, Arbeit zu produzieren, die so gut ist, dass Menschen bereit sind, dafür zu zahlen. Weil die Arbeit Qualität hat. Dann entstehen Innovation und Kreativität.</p>
<p>Der Computer-Wissenschaftler Cal Newport, eine Koryphäe zum Thema Arbeit und Fokus im Zeitalter der Digitalisierung, fasst diese Art von Arbeit unter dem Begriff Deep Work zusammen: Tätigkeiten, die uns ganzheitlich herausfordern und höchste Konzentration erfordern. Laut Newport aber verbringen die meisten von uns immer mehr Zeit mit Shallow Work – Rechnungen bezahlen, Mails beantworten, Team-Chats lesen, Kurzfutter produzieren, Bildstrecken befüllen, Likes generieren. Das Problem dabei ist nicht, dass solche Arbeiten nicht auch ihre Berechtigung haben, sondern schlicht, wie viel Zeit wir in sie investieren. Und ob sie uns davon abhalten, auch mal tiefer zu gehen. Im Moment ist es doch so: Wir arbeiten immer länger Pendenzen ab, aber erschaffen immer seltener Substanz.</p>
<p><strong>Wir verbringen dann endlose Stunden</strong> in fragmentierten Räumen, schauen uns an, was andere denken, fühlen, tun oder eben nicht tun, und sind sehr beschäftigt damit, es ihnen gleich zu tun. Am Ende ist dann sehr vieles von dem, was wir sehen, aufschreiben und zur Debatte stellen, eine endlose Wiederholung von schon Bestehendem, auf die immer gleiche Art und Weise, das Rauskopieren von emotionalisiertem Verkaufsinhalt, aber solange die Leute drüber reden, ist auch das eine Meldung wert.</p>
<p>Der Journalismus, so habe ich das verstanden, ist die Betrachtung der Welt. Natürlich ist das Internet auch die Welt. Doch das Internet beobachten und die Welt beobachten sind nicht dasselbe. Das Eine ersetzt nicht das andere. Ein Online-Leben ist kein echtes Leben, es ersetzt die physische Komponente unseres Menschseins nicht. Es macht einen Unterschied, ob wir etwas erlebt haben, wirklich erlebt, gesehen, mit eigenen Augen, gespürt, an unserem Körper, gehört, mit unseren Ohren. Ob wir wirklich da waren, wirklich präsent. Oder ob wir virtuell dabei waren.</p>
<p><strong>Es macht einen Unterschied,</strong> ob wir Zeit haben für aktives Zuhören, für offene Ausgänge, für Geschichten, die keiner These folgen. Es macht einen Unterschied, ob etwas immer ergebnisorientiert sein muss. Es macht einen Unterschied, ob ständig in meinem Kopf hängt, dass meine Geschichte klicken muss, oder ob ich einfach mal machen kann.</p>
<p>Das Risiko der Geschichte, die am Ende keine ist, totgespart – für eine Fülle an Geschichten, die eigentlich keine sind.</p>
<p>Journalismus, so habe ich das verstanden, ist, das Wichtige vom Unwichtigen unterscheiden zu können. Einen Fokus zu finden. Die eine Stimme zu finden, die erst an die Oberfläche kommt, wenn es still wird. Wenn wir den ganzen Informationsüberfluss, dieses Dauergerede, diese unendliche Flut an Meinungen und Fakten und Gefühlen, die uns im Minutentakt entgegenfliessen, gestoppt haben und rausgefiltert, worum es im Grunde, wirklich, geht.</p>
<p><strong>Wann war es das letzte Mal still</strong> um uns herum? In uns drin? Wann hatten wir das letzte Mal einen Moment der Langeweile, so dass wir auf einen neuen Dreh kamen, auf etwas, das gänzlich losgelöst von all dem war, was wir schon gesehen und konsumiert haben? Wann haben wir mal selbst einen Anfang gesetzt, obwohl da noch kein Kollege war, der das zuerst geschrieben, noch kein Newsportal, das das vorgezogen hat?</p>
<p>Wann hatten wir das letzte Mal wirklich eine neue Idee?</p>
<p><strong>Wir müssen uns nicht den Journalismus zurückwünschen</strong>, wie er vor 30 Jahren war. Doch wir müssen ein paar fundamentale Dinge festlegen, die den Journalismus wieder zukunftsfähig machen.</p>
<p>Zeit für Recherche.<br />
Aktives Zuhören.<br />
Klare Rollenverteilung. Was heisst: Jedem das, was er am besten kann. Und somit Ressourcen-Gewinn statt -Verschwendung.<br />
Eine digitale Unternehmenskultur, die auch Erreichbarkeit klärt.<br />
Fokus-Zeiten, in denen wir abtauchen können.<br />
Eine Unternehmensführung, die weiss, warum auf welche Inhalte gesetzt wird. Die Möglichkeiten schafft für kreativen Austausch, der nicht quantitativ messbar sein muss.<br />
Eine Digitalisierung, die wir dort nutzen, wo sie uns als Werkzeug dient.<br />
Und das Gespräch darüber, was wir brauchen, um wieder so arbeiten zu können, wie wir das wollten, als wir noch hungrig waren, auf diesen Beruf.</p>
<p><small>Bild: <a href="http://peterhauser.ch/" target="_blank" rel="noopener">Peter Hauser</a></small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/08/24/journalismus-gefangen-zwischen-nullen-und-einsen/">Journalismus – gefangen zwischen Nullen und Einsen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Deadline – Wie der Journalismus noch zu retten ist</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2018/07/31/deadline-wie-der-journalismus-noch-zu-retten-ist/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 31 Jul 2018 07:13:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Essay]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Wandel der Zeit hat sich der Journalismus in vielerlei Hinsicht verändert. Für eine freie Welt müssen wir ihn retten – und können es auch.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Im Wandel der Zeit hat sich der Journalismus in vielerlei Hinsicht verändert. Für eine freie Welt müssen wir ihn retten – und können es auch.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/07/31/deadline-wie-der-journalismus-noch-zu-retten-ist/">Deadline – Wie der Journalismus noch zu retten ist</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wie wir leben, arbeiten und denken: Alles ändert sich</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/04/04/essay-die-zerstoerer/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 04 Apr 2015 07:18:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Essay]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[süddeutsche.de]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Alles wird schneller: Die Digitalisierung verändert sämtliche Geschäftsmodelle Alles wird brutaler: Die künstliche Intelligenz macht den Menschen oft überflüssig Alles wird vernetzt: Die Maschinen reden ständig miteinander &#8211; und lernen dazu</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/04/04/essay-die-zerstoerer/">Wie wir leben, arbeiten und denken: Alles ändert sich</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Alles wird schneller: Die Digitalisierung verändert sämtliche Geschäftsmodelle<br />
Alles wird brutaler: Die künstliche Intelligenz macht den Menschen oft überflüssig<br />
Alles wird vernetzt: Die Maschinen reden ständig miteinander &#8211; und lernen dazu</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/04/04/essay-die-zerstoerer/">Wie wir leben, arbeiten und denken: Alles ändert sich</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wenn die Jury versagt</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/05/11/wenn-die-jury-versagt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 May 2011 07:15:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Essay]]></category>
		<category><![CDATA[Spiegel]]></category>
		<category><![CDATA[Der Spiegel]]></category>
		<category><![CDATA[Essay-Preis]]></category>
		<category><![CDATA[Der Bund]]></category>
		<category><![CDATA[Jury]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Medienpreis]]></category>
		<category><![CDATA[Reportage]]></category>
		<category><![CDATA[René Pfister]]></category>
		<category><![CDATA[NZZ am Sonntag]]></category>
		<category><![CDATA[Zürcher Journalistenpreis]]></category>
		<category><![CDATA[Handwerk]]></category>
		<category><![CDATA[Bund]]></category>
		<category><![CDATA[Henri Nannen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Jury des renommierten Henri-Nannen-Preis hat dem Spiegel-Reporter René Pfister den am Freitag verliehenen Preis für die beste Reportage nach nur zwei Tagen wieder aberkannt. Hätten die Preisrichter ihre Arbeit richtig gemacht, wäre es nie zu dieser peinlichen Situation gekommen. Nicht nur die Oberfläche muss ein Kriterium für die Preiswürdigkeit sein, sondern auch die Machart <a href="https://medienwoche.ch/2011/05/11/wenn-die-jury-versagt/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="alignleft" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2011/05/Henri_Nannen_Preis_Logo.jpg" alt="" width="120" height="87" /> Die Jury des renommierten <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Henri-Nannen-Preis" target="_blank">Henri-Nannen-Preis</a> hat dem Spiegel-Reporter René Pfister den am Freitag verliehenen Preis für die <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-73290158.html" target="_blank">beste Reportage</a> nach nur zwei Tagen wieder aberkannt. Hätten die Preisrichter ihre Arbeit richtig gemacht, wäre es nie zu dieser peinlichen Situation gekommen. Nicht nur die Oberfläche muss ein Kriterium für die Preiswürdigkeit sein, sondern auch die Machart des Beitrags und die Arbeitsweise des ausgezeichneten Journalisten.<br />
<span id="more-28820"></span><br />
Die Freude währte nicht lange. René Pfister durfte am letzten Freitag den renommierten Henri-Nannen-Preis entgegennehmen für sein <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-73290158.html" target="_blank">Porträt des CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer</a>. Doch schon zwei Tage später stand der Spiegel-Reporter ohne die begehrte Auszeichnung da. Mit einem Mehrheitsentscheid sprach sich die Jury für eine <a href="http://www.henri-nannen-preis.de/hauptjury.php" target="_blank">Aberkennung des Preises</a> aus. Reporter Pfister leitete sein Seehofer-Porträt mit einer detaillierten Schilderung ein, wie der Politiker mit einer Modelleisenbahn im Keller seines Ferienhauses spielt. Diese Passage sollte dem Spiegel-Journalisten zum Verhängnis werden. Denn Pfister berichtete nur vom Hörensagen und stand selbst nie an der Seite Seehofers vor dem Stellpult der Märklin H0, wie bei der Lektüre der Eindruck entstehen konnte. Pfister gab dies denn auch freimütig und unumwunden zu, als ihn bei der Preisübergabe die Moderatorin darauf ansprach. Eine aktive Täuschungs- oder gar Fälschungsabsicht kann dem Reporter also nicht unterstellt werden. Womit der Ball bei der Jury liegt.</p>
<p>Das hochdekorierte Gremium hatte es offensichtlich versäumt, die preiswürdigen Texte vorgängig auf handwerkliche Mängel abzuklopfen. Ein solcher Aufwand wäre den 14 Jurymitgliedern und der <a href="http://www.henri-nannen-preis.de/vorjury.php" target="_blank">22-köpfigen Vorjury</a>, allesamt erfahrene Medienmacher, zuzumuten gewesen. Nicht, dass sie jede der fast 800 eingereichten Arbeiten hätten durchleuchten müssen, aber wenigstens die <a href="http://reporter-forum.de/fileadmin/pdf/Egon-Erwin-Kisch-Preis/Kisch_Preis_2011/HNP2011Reader.pdf">rund 30 auf der Shortlist</a>. Damit wäre der Jury die Peinlichkeit einer Preisaberkennung erspart geblieben. Es mutet geradezu bizarr an, wenn ein professionelles Preisgericht die Spielregeln nicht einhält, die es von den Kandidaten erwartet. Die Arbeit von Medienpreisjurys beschränkt sich offenbar auf eine Beurteilung der Oberfläche. Wenn die funkelt und glänzt, dann gibts einen Preis. Gerade so, als wenn bei einer Berufsolympiade die Richter nur die äussere Beschaffenheit des fertigen Werkstücks bewerten würden und nicht auch den Entstehungsprozess und das Innenleben, die verborgene Mechanik etwa. Journalismus ist auch ein Handwerk. Auszeichnungen, die das unberücksichtigt lassen und sich primär auf ein Geschmacksurteil abstützen, erweisen dem Journalismus einen Bärendienst.</p>
<p>Die Hamburger Posse ist kein Einzelfall. Erst kürzlich hielt eine Jury im Auftrag der Berner Tageszeitung «Der Bund» einen Essay für preiswürdig, der bei einer näheren Betrachtung nicht hielt, was er auf den ersten Blick zu versprechen schien. Leicht nachweisbare <a href="https://medienwoche.ch/2011/04/11/abrechnung-nachgerechnet/" target="_self">Faktenfehler und offensichtliche Mängel</a> in der Argumentation gaben jedoch keinen Anlass, den Text aus der engeren Auswahl für die Auszeichnung zu entfernen. Nicht sehr souverän agierte die Jury des Zürcher Journalistenpreises, als 2007 Zweifel an der Preiswürdigkeit eines ausgezeichneten Beitrags laut wurden. Zwei Mitarbeitende der NZZ am Sonntag erhielten damals den Preis für ihre Recherchen zur Fusion der Banken Bellevue und Swissfirst. Nachträglich stellte sich heraus, dass die Zeitung in einzelnen Punkten daneben lag und sich später sogar öffentlich dafür entschuldigen musste. Für die Jury war das kein Grund für eine <a href="http://www.persoenlich.com/news/show_news.cfm?newsid=81563" target="_blank">nachträgliche Aberkennung</a> des Preises. Man müsse sich auf das verlassen können, was man zum Zeitpunkt der Verleihung wisse. Auch in diesem Fall hätte die Jury mit eigenen Recherchen den Gehalt der Artikelserie überprüfen und sie rechtzeitig aus dem Preisrennen nehmen können.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/05/11/wenn-die-jury-versagt/">Wenn die Jury versagt</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Abrechnung, nachgerechnet</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/04/11/abrechnung-nachgerechnet/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 Apr 2011 09:51:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Standpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Abrechnung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Alljährlich vergibt die Berner Tageszeitung «Der Bund» (Tamedia) einen Essaypreis. «Ich bin dann mal im Cyberspace» lautete der Schreibauftrag in diesem Jahr. Eine Expertenjury und das Publikum hat mit dem Text «Wir sind viele» eine «Abrechnung» mit dem Internet zum Gewinner gekürt. Autor des Werks ist der 27-jährige Michael Fässler. Bei genauerer Lektüre erweist sich <a href="https://medienwoche.ch/2011/04/11/abrechnung-nachgerechnet/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/04/11/abrechnung-nachgerechnet/">Abrechnung, nachgerechnet</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Alljährlich vergibt die Berner Tageszeitung «Der Bund» (Tamedia) einen Essaypreis. <a href="http://www.derbund.ch/news/standard/5-BundEssayWettbewerb-Ich-bin-dann-mal-im-Cyberspace/story/11248796" target="_blank">«Ich bin dann mal im Cyberspace»</a> lautete der Schreibauftrag in diesem Jahr. Eine Expertenjury und das Publikum hat mit dem Text «Wir sind viele» <a href="http://www.derbund.ch/bern/Wir-sind-viele-/story/15474387" target="_blank">eine «Abrechnung» mit dem Internet</a> zum Gewinner gekürt. Autor des Werks ist der 27-jährige Michael Fässler. Bei genauerer Lektüre erweist sich das am Samstag veröffentlichte 15&#8217;000-Zeichen-Stück als Ansammlung von Plattitüden, gespickt mit Faktenfehlern.<br />
<span id="more-1760"></span><br />
Fässler leitet seinen preisgekrönten Essay vielversprechend ein: «Das Internet hat den globalen Meinungsmarkt auf beispiellose Weise demokratisiert.» Der Autor benennt gleich auch die Schattenseiten des demokratischen Mediums: «Für unsere Partizipation bezahlen wir aber einen hohen Preis.» Was danach in dem als «Abrechnung» präsentierten «Essay» folgt, trägt indes wenig zur Erhellung bei. Fässler stolpert über die eigenen Beine. Und das nicht nur einmal.</p>
<p>Die etwas länglich geratene Eröffnung, die der Autor wahrscheinlich aus dem Internet abgeschrieben hat (<a href="http://en.wikipedia.org/wiki/United_Breaks_Guitars" target="_blank">Quellen</a> <a href="http://www.davecarrollmusic.com/ubg/" target="_blank">nennt er keine</a>), handelt vom <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Sons_of_Maxwell" target="_blank">Musiker David Carroll</a>, der über Nacht zum Internet-Star wurde. Fässler schreibt den Namen des Protagonisten konsequent mit einem r. Während sich dieser Schnitzer noch auf das Korrektorat abschieben lässt, geht es danach so richtig los. Wir dokumentieren nachfolgend die gravierendsten Fakten- und Denkfehler im preisgekrönten «Essay».</p>
<blockquote><p><em>(..) Falls es herkömmliche Chroniken künftig überhaupt noch geben wird. Denn momentan droht der gesamte Wissensbestand der Menschheit ins Mitmach-Lexikon Wikipedia abzuwandern.</em></p></blockquote>
<p>Wikipedia als schwarzes Loch, als wissensverschlingendes Monster. Welch dummes, und vor allem: falsches Bild. Dass es Wikipedia längst mit «herkömmlichen Chroniken» aufnehmen kann und kein Verlust droht, wenn «der gesamte Wissensbestand der Menschheit ins Mitmach-Lexikon» abwandert, zeigte schon 2005 ein <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:External_peer_review/Nature_December_2005" target="_blank">Vergleich zwischen Wikipedia und der Encyclopaedia Britannica</a> bei dem das Online-Lexikon nicht schlechter abschnitt als die renommierte Enzyklopädie.</p>
<blockquote><p><em>(..) eigentlich interessiert uns der Schutz der Privatsphäre. Trotzdem ist es in unserem Leben denkbar, dass wir tagsüber gegen Überwachungskameras in unseren Innenstädten auf die Strasse gehen, abends aber die Bilder von der Demo ins Internet laden und der Welt zur freien Verfügung stellen.</em></p></blockquote>
<p>Ob der Staat seine Bürger filmt und ihre Bilder in Datenbanken von potenziell Tatverdächtigen ablegt oder ob die Bürger sich selbst filmen, sind zwei Paar Schuhe. Im Umgang mit Bildern von Demonstrationen hat sich bei verantwortungsvollen Bürgern schon längst die Sitte etabliert, <a href="http://media.de.indymedia.org/images/2006/01/137436.jpg" target="_blank" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="">die Gesichter zu anonymisieren</a>.</p>
<blockquote><p><em>35 Millionen Mal haben wir Crockers Video bis heute angeklickt.</em></p></blockquote>
<p>Wer ist eigentlich dieses «wir», von dem der Autor dauernd schreibt? Der Autor pauschalisiert damit auf unzulässige Weise und nimmt die Leser in Sippenhaftung, indem er ihnen bestimmte Handlungsweisen unterstellt.</p>
<blockquote><p><em>Das Video, in dem sich der Steinbock Paul aus dem Berner Tierpark Dählhölzli mit den Hörnern am Hintern kratzt, wurde bisher auch bereits über eine halbe Million Mal angeklickt. Fellini war gestern.</em></p></blockquote>
<p>Stimmt. Fellini ist seit 1993 tot. Die grossen Regisseure heissen heute Hooper, Coen, Tarantino, Forster – und ihre Hauptdarsteller heissen sicher nicht Steinbock Paul.</p>
<blockquote><p><em>Dank Mark [Zuckerberg] sind wir auch jederzeit bestens darüber informiert, was unsere Freunde aus Übersee zum Znüni gegessen haben. An der Haustüre unserer Grosseltern haben wir aber seit Ewigkeiten nicht mehr geklingelt.</em></p></blockquote>
<p>Nur weil der Autor schon lange nicht mehr bei den Grosseltern geklingelt hat, heisst das noch lange nicht, dass andere dies auch versäumt haben.</p>
<blockquote><p><em>Das Internet macht uns zu Verbrechern.</em></p></blockquote>
<p>Eine These, steiler als die Eigernordwand. Verbrechen sind <a href="http://www.admin.ch/ch/d/sr/311_0/a10.html" target="_blank">gemäss Strafgesetzbuch Art. 10 Abs. 2</a> Taten, auf die Freiheitsstrafen von mehr als drei Jahren stehen. Der Autor meint vermutlich: Kriminelle. Aber auch das macht die These nicht plausibler. Denn das Herunterladen von urheberrechtlich geschützten Inhalten aus dem Internet zum Privatgebrauch, von dem der Autor hier schreibt, ist <a href="http://www.nzz.ch/2006/03/19/ct/articleDO8RN.html" target="_blank">in der Schweiz nicht strafbar</a>. Nur der Upload.</p>
<blockquote><p><em>Dann reiben wir uns die Augen, wenn wir durch die Berner Von-Werdt-Passage gehen und bemerken, dass ein weiterer exzellenter Plattenladen unserer Stadt wegen uns die Türe schliessen musste.</em></p></blockquote>
<p>Ein Kausalzusammenhang zwischen illegalen Downloads und dem Ende der Plattenläden, wie ihn der Autor mit diesem lokalen Beispiel insinuiert, existiert nicht. In seiner Studie «The Effect of Filesharing on Record Sales» hat der Harvard-Ökonom Felix Oberholzer <a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/17/17076/1.html" target="_blank">2004</a> und <a href="http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/370804/TrkMagTsr6" target="_blank">2007</a> nachgewiesen, dass illegale Tauschbörsen keine Auswirkungen auf die CD-Verkäufe haben. <a href="http://blog.soundseller.eu/2010/03/study-the-impact-of-file-sharing-on-the-purchase-of-music/" target="_blank">Brigitte Andersen und Marion Frenz</a> von der Universität London konnten sogar belegen, dass Leute, die Musik im Internet tauschen, die besseren CD-Käufer sind.</p>
<blockquote><p><em>Während [Helene Hegemanns] Buch «Axolotl Roadkill» letzten Frühling von der jungen Leserschaft euphorisch aufgenommen wurde, landete sie für ihren freizügigen Umgang mit ihren Quellen aus der Blogosphäre auf dem Scheiterhaufen der aufgebrachten Feuilletonisten.</em></p></blockquote>
<p>Weshalb Quellen konsultieren, wenn ich auch aus der Erinnerung ungefähr die halbe Wahrheit hinkriege, muss sich der Autor bei dieser Passage gesagt haben. Die Hegemann-Posse spielte sich folgendermassen ab: Die Feuilletonisten waren nicht aufgebracht, <a href="http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/sprachlog/allgemein/2010-02-10/intertextuelle-illusionen" target="_blank">sondern begeistert von der «sprachgewaltigen» Jungautorin</a>. Aufgedeckt hat das Plagiat übrigens <a href="http://www.gefuehlskonserve.de/axolotl-roadkill-alles-nur-geklaut-05022010.html" target="_blank">ein Blog</a>.</p>
<blockquote><p><em>Der Stärkere gewinnt eben auch im Internet, indem ihm die grösste Aufmerksamkeit zuteilwird.</em></p></blockquote>
<p>Damit widerspricht sich der Autor selbst. In der Einleitung seines «Essays» erzählt er die Geschichte des «unbekannten Musikers» Dave Carroll (mit zwei r), der zum Youtube-Star wurde. Wie dieses Beispiel zeigt, hat im Internet eben jeder und jede und auch der vermeintlich Schwächere die Möglichkeit, sich globale Aufmerksamkeit und Gehör zu verschaffen.</p>
<blockquote><p><em>Wer soll überhaupt noch Blogeinträge lesen, wenn doch alle mit dem Verfassen von Blogeinträgen beschäftigt sind?</em></p></blockquote>
<p>Der Autor hat offenbar noch nie etwas von der <a href="http://www.connectedmarketing.de/cm/2006/11/wie_funktionier.html" target="_blank">90-9-1-Regel </a>gehört. In sozialen Communities im Internet, wozu in diesem Fall auch Blogs gezählt werden dürfen, lesen 90 Prozent der Nutzer nur, 9 Prozent beteiligen sich von Zeit zu Zeit und nur das letzte Prozent produziert regelmässig selbst Inhalte. Also von wegen: Wir sind alle mit dem Verfassen von Blogeinträgen beschäftigt.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/04/11/abrechnung-nachgerechnet/">Abrechnung, nachgerechnet</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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