<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>heute | MEDIENWOCHE</title>
	<atom:link href="https://medienwoche.ch/tag/heute/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://medienwoche.ch</link>
	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Wed, 18 Nov 2020 10:14:01 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	
	<item>
		<title>Wiener Verhältnisse</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/07/07/wiener-verhaeltnisse/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Herwig G. Höller]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 Jul 2016 13:44:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[SPÖ]]></category>
		<category><![CDATA[Tamedia]]></category>
		<category><![CDATA[Eva Dichand]]></category>
		<category><![CDATA[Gratiszeitung]]></category>
		<category><![CDATA[heute]]></category>
		<category><![CDATA[heute.at]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=27726</guid>

					<description><![CDATA[<p>Tamedia expandiert ostwärts: Das Zürcher Medienhaus will sich in Wien an «Heute» beteiligen und die Mehrheit von heute.at übernehmen. Die grösste Gratiszeitung Österreichs lebte bis anhin gut von den Inseraten staatlicher Stellen, ein System, das stark an die SPÖ gekoppelt war. Unter dem neuen Kanzler könnte damit nun Schluss sein. Raubüberfälle auf Supermärkte oder Luxusvillen, <a href="https://medienwoche.ch/2016/07/07/wiener-verhaeltnisse/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/07/07/wiener-verhaeltnisse/">Wiener Verhältnisse</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Tamedia expandiert ostwärts: Das Zürcher Medienhaus will sich in Wien an «Heute» beteiligen und die Mehrheit von heute.at übernehmen. Die grösste Gratiszeitung Österreichs lebte bis anhin gut von den Inseraten staatlicher Stellen, ein System, das stark an die SPÖ gekoppelt war. Unter dem neuen Kanzler könnte damit nun Schluss sein.</strong></p>
<p>Raubüberfälle auf Supermärkte oder Luxusvillen, die Hochzeit eines Sprösslings der Wiener Kaffeeröster- und Bankiersdynastie Meinl oder die Sorgen eines kleinen Dorfes in Niederösterreich, das unbedingt einen katholischen Priester in seiner Gemeinde haben möchte: Es waren diese Themen, mit denen sich «Heute» in den letzten Tagen beschäftigt hat. Wenn es sich anbietet, schreibt die Zeitung freilich auch über internationale Grossereignisse und beleuchtet die grossen Straftäter Österreichs in all ihren Facetten – 2010 machte man einmal mit einem US-Arzt auf, der das Gehirn eines österreichischen «Kellermonsters» scannen wolle.</p>
<p>Mit einer täglich verbreiteten Auflage von 626&#8217;000 Stück war die österreichische Gratiszeitung «Heute» 2015 das zweitauflagenstärkste Printmedium des Landes. hinter der Bezahlzeitung «Kronen Zeitung» mit 810&#8217;000 Exemplaren und vor der Gratiszeitung «Österreich» <a href="http://www.oeak.at/wp-content/uploads/2016/06/KORR_J_2015.pdf" target="_blank">mit 540&#8217;000</a>. Mit der journalistischen Qualität des Blattes hat der Erfolg von «Heute» nur wenig zu tun. Der Grund ist vielmehr eine medienpolitische Anomalie in Wien. Ohne Bundeskanzler Faymann und seine SPÖ hätte es die beachtliche wirtschaftliche Entwicklung von «Heute» wohl kaum gegeben. Auch «Kronen Zeitung» und «Österreich» profitierten von Staats- und Parteinähe.</p>
<p>Die drei Zeitungen dürfen als Leitmedien einer nunmehr zu Ende gegangenen Politära gelten, da nach dem Rücktritt von Kanzler Faymann ungewiss ist, ob die bisher enge Bindung von Medien und Politik weiter funktioniert.</p>
<p>Bereits in die Gründung im Jahr 2004 war neben Eva Dichand, der Schwiegertochter des Herausgebers, Chefredakteurs und Miteigentümers der «Kronen Zeitung», Hans Dichand , auch Werner Faymanns jahrzehntelanger Weggefährte und Ex-Pressesprecher Wolfgang Jansky involviert. Noch 2015 ordneten ihn innenpolitische Beobachter dem engsten Zirkel des damaligen Bundeskanzlers zu. Jansky war zuvor lange mit einer wichtigste politischen Mitstreiterinnen Faymanns liiert, später arbeitete eine Lebensgefährtin von Jansky als Pressesprecherin von Faymanns rechter Hand im Bundeskanzleramt und Faymanns Gattin verdingte sich zwischenzeitlich für ein von Jansky kontrolliertes Magazin.</p>
<p>Die Rede ist aber nicht nur von einem Freundeskreis, der sich erfolgreich in Politik und Medien betätigt. Werner Faymann hatte als Wiener Wohnbaustadtrat (1994-2007), Infrastrukturminister (2007-2008) und schliesslich Bundeskanzler (2008-2016) ein System perfektioniert, in dem von ihm und seinen Parteifreunden kontrollierte öffentliche Dienststellen massivst in den auflagenstarken Boulevard inserierten und dafür auch zumeist freundliche Berichterstattung ernteten. Mit raren Ausnahmen: Im November 2011 veröffentlichte «Heute» einen Beitrag, in dem von gefälschten Leserbriefen aus der SPÖ-Parteizentrale über «grossartige Regierungsarbeit» berichtet wurde. Einen Tag später war der damaligeChefredakteur Wolfgang Ainetter seinen Job los. Nach Ainetters Darstellung soll Herausgeberin Eva Dichand gesagt haben: «Ich verbiete Ihnen kritischen Journalismus». Dichand dementiert.</p>
<p>Das Ausmass von Staatsgeldern,die in «Heute» flossen, wurde schliesslich 2014 sichtbar. Ausgehend von den offiziellen Werbetarifen hatte die <a href="https://www.dossier.at/dossiers/gratiszeitung-heute/im-netz-der-gratiszeitung/" target="_blank">Rechercheplattform «Dossier»</a> eine Summe von 84 Millionen Euro berechnet, die zwischen 2004 und 2014 für Inserate an «Heute» geflossen sein soll, knapp die Hälfte davon aus der SPÖ-regierten Stadt Wien. Die Plattform beschäftigte sich zudem mit einer SPÖ-nahen Gesellschaft, die bei der Gründung von «Heute» eine Rolle gespielt haben soll, und zog sich mit ihren Recherchen den Zorn von Dichand und ihrer Zeitung zu. «Die Redaktion von &#8218;Heute&#8216; ist empört darüber, dass ihre tägliche, objektive Arbeit ständig durch Denunzierungen in den Schmutz gezogen wird. Tatsache ist, es gibt keinen Einfluss auf die redaktionelle Arbeit, weder von Inserenten noch politischen Parteien», <a href="https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20140916_OTS0164/dossierat-bekommt-medien-zukunftspreis-2014-fuer-schlecht-recherchierte-denunzierungen" target="_blank">erklärte Chefredakteur Christian Nusser</a> «im Namen der gesamten Redaktion», nachdem «Dossier» im September 2014 mit einem Medienpreis ausgezeichnet worden war.</p>
<p>Die Publikation des «Heute»-Dossiers kündet aber auch von einer politischen Klimaveränderung in Österreich, die mit wachsender Kritik an intransparenten Inseratevergaben begonnen hatte. 2011 war von der Staatsanwaltschaft Wien ein Ermittlungsverfahren gegen den amtierenden Bundeskanzler Faymann eingeleitet worden, das sich mit Inseraten in seiner Zeit als Infrastrukturminister beschäftigte. Die «Inseratenaffäre» endete 2013 zwar mit der Einstellung dieser Ermittlungen, als ein Resultat der Diskussionen hatte das österreichische Parlament jedoch das «Medientransparenzgesetz» beschlossen, das öffentliche Dienststellen seit 2012 zwingt ihren Inseratevergaben vierteljährlich offenzulegen.</p>
<p>2015 kassierte «Heute» laut diesen Angaben 14,4 Millionen Euro für Inserate der öffentlichen Hand, sie lag damit hinter der «Kronen Zeitung» (22,6 Millionen Euro) und vor dem Gratisblatt «Österreich» (14 Millionen Euro). Insgesamt vergaben alle öffentlichen österreichischen Dienststellen im vergangenen Jahr 188 Millionen Euro, landesweite Spitzenreiterin ist und bleibt die Stadt Wien, die für mehr als 51 Millionen Euro inserieren liess.</p>
<p>Diese Wien-Lastigkeit wird insbesondere bei «Heute» deutlich, die zu mehr als 60 Prozent in Wien verteilt wird. Regionalausgaben gibt es zudem in den Bundesländern Niederösterreich und Oberösterreich. Eine Expansion in die Steiermark scheiterte 2007 am Widerstand der in dieser Region marktführenden Styria Media Group, die für ihren erfolgreichen Abwehrkampf gegen «Heute» temporär eine eigene Gratiszeitung lanciert hatte.</p>
<p>Ob sich diesen Volumen an öffentlichen Inseraten auch nach dem Machtwechsel bei Österreichs Sozialdemokraten erhalten lässt, ist zweifelhaft. Der neue Bundeskanzler Christian Kern, der nicht dem Freundeskreis von Faymann und «Heute»-Geschäftsführer Wolfgang Jansky zuzurechnen ist, setzt auf soziale Netzwerke im Internet und unterscheidet sich stilistisch stark von seinem Vorgänger. Tendenziell dürfte die politische Bedeutung des Printboulevards und von Inseraten damit eher abnehmen. Verschärfend für «Heute» kommt zudem hinzu, dass auch in der Stadt Wien der sozialdemokratische Einfluss zurückgeht und es auch hier zu einem Generationswechsel in der seit 1945 regierenden Wiener SPÖ kommen wird.</p>
<p>Klar ist jedenfalls, dass Reduktionen von staatlichen Inseraten das bisherige Geschäftsmodell von «Heute» vor eine grosse Herausforderung stellen würden. Gemäss der letzten veröffentlichten Firmenbuchbilanz machte die Herausgebergesellschaft der Gratiszeitung, 2014 einen Bilanzgewinn von 2,34 Millionen Euro. Im Kalenderjahr 2014 hatte die öffentliche Hand für 14,5 Millionen Euro im Blatt inseriert, über nichtstaatliche Inserenten in «Heute» liegen keine Zahlen vor.</p>
<p>Aber auch Eva Dichand schien zuletzt etwas die Lust an ihrer Herausgeberschaft verloren zu haben. Seit August 2015 war sie mit ihrer Familie hauptsächlich auf einem «Studienaufenthalt» in den USA. <a href="https://www.instagram.com/evadichand/?hl=de" target="_blank">Auf Instragram</a> offenbarte sie dabei ein grosses Interesse an zeitgenössischer Kunst, von akademischen Einrichtungen oder Besuchen Dichands in US-amerikanischen Medien findet sich jedoch keine Spur. Ende Mai 2016 verkündete Dichand laut in ihrer Redaktion, dass digital für «Heute» in Zukunft eine grössere Bedeutung spielen würde. Als erstes sichtbares Resultat gründete sie am 10. Juni 2016 mit «Heute»-Geschäftsführer die DJ Digitale Medien GmbH, die laut Medienmitteilung vom Dienstagv alle digitalen Angebote von heute.at umfasst. Diese Gesellschaft soll nunmehr zu 51 Prozent <a href="http://www.tamedia.ch/de/pressekontakt/medienmitteilungen/2016/pressrelease/tamedia_beteiligt_sich_an_oesterreichischer_pendlerzeitung_heute/" target="_blank">von Tamedia übernommen werden</a>.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/07/07/wiener-verhaeltnisse/">Wiener Verhältnisse</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Do it yourself: Nachrichten!</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2013/08/23/do-it-yourself-nachrichten/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2013/08/23/do-it-yourself-nachrichten/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marc Reichwein]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 23 Aug 2013 09:43:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[LeFloid]]></category>
		<category><![CDATA[Tagesschau]]></category>
		<category><![CDATA[heute]]></category>
		<category><![CDATA[Fernsehen]]></category>
		<category><![CDATA[Video]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[YouTube]]></category>
		<category><![CDATA[Nachrichten]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=15604</guid>

					<description><![CDATA[<p>Welcher Jugendliche schaut eigentlich noch Tagesschau? Die Schüler von heute klicken millionenfach LeFloid bei YouTube. Ein Blick hinter die Kulissen einer neuen Generation von Nachrichtenformaten. Klassische Fernsehnachrichten haben ein Problem. Ihre Zuschauerschaft altert, und zwar massiv. Egal ob in den USA, der Schweiz oder in Deutschland: Verschiedene Studien weisen aus, dass das Durchschnittsalter der ARD-«Tagesschau» <a href="https://medienwoche.ch/2013/08/23/do-it-yourself-nachrichten/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/08/23/do-it-yourself-nachrichten/">Do it yourself: Nachrichten!</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Welcher Jugendliche schaut eigentlich noch Tagesschau? Die Schüler von heute klicken millionenfach LeFloid bei YouTube. Ein Blick hinter die Kulissen einer neuen Generation von Nachrichtenformaten.<br />
<span id="more-15604"></span><br />
Klassische Fernsehnachrichten haben ein Problem. Ihre <a href="http://www.freitag.de/autoren/hg-weber/nachrichten-sind-uns-egal-2013-gut-so">Zuschauerschaft altert</a>, und zwar massiv. Egal ob in den USA, der Schweiz oder in Deutschland: Verschiedene Studien weisen aus, dass das Durchschnittsalter der ARD-«Tagesschau» oder der ZDF-«heute»-Sendung bei 60 Jahren und darüber liegt. Junge Leute hingegen nehmen Nachrichtensendungen im Fernsehen meist als steif, langweilig und unpersönlich wahr. Und angeblich interessieren sie sich auch gar nichts für News. Einerseits.</p>
<p>Andererseits haben über 850&#8217;000 Leute bei YouTube <a href="http://www.youtube.com/user/LeFloid">die News von LeFloid</a> abonniert, damit gehört der Videoblogger mittlerweile zu den deutschsprachigen <a href="http://socialblade.com/youtube/top/100de">Top-Ten-YouTubern</a>. Ausgerechnet da, wo dem Klischee nach vor allem Katzenvideos und Schminktipps funktionieren, klicken Schüler also – Nachrichten. Wie geht das?</p>
<p><strong>Mehr Blumio als Franz Fischlin</strong><br />
«Meiner Zielgruppe sind normale Fernsehnachrichten viel zu langsam. Die Leute verlieren das Interesse im Grunde schon beim Guten-Tag-Sagen des Moderators, das fünfzehn Sekunden dauert», weiss LeFloid. Er sagt «Aloha, Freunde!» statt «Guten Abend, meine Damen und Herren». Und er ist überhaupt mehr Nachrichtenperformer als Sprecher oder Moderator. Seine «LeNews» werden weder vom Blatt noch vom Teleprompter gelesen, sondern frei erzählt, auch gern mal mit selbstironischen Kommentaren unterbrochen.</p>
<p>Wo fernsehoffizielle Nachrichtensprecher möglichst unauffällige Kleidung tragen, sind bei LeFloid die wechselnden Spreadshirts ebenso ein Hingucker wie seine Tätowierungen, für die sich seine Zielgruppe im <a href="http://de.youtube.wikia.com/wiki/LeFloid">YouTube-Wiki</a> interessiert. Ein Tattoo zeigt den lateinischen Schriftzug «in medias res». Das könnte auch fast sein journalistisches Motto sein, denn LeFloid erlaubt sich all das, was ein so genannter seriöser Nachrichtenredakteur nicht darf: Er gibt sich persönlich betroffen, thematisch involviert, meinungsstark. Seine Hände halten sich nicht still an einem Kugelschreiber fest. Sie hampeln herum, rudern, gestikulieren – fast wie beim <a href="http://de.screen.yahoo.com/blumio-rap-da-news-episode-093014191.html">Nachrichten rappenden Blumio</a>.</p>
<p>Seit rund einem Jahr läuft LeNews bei YouTube, mittlerweile zweimal wöchentlich. LeFloid erreicht die Generation YouTube, also die 13-25-Jährigen, nach denen sich professionelle Nachrichtenmacher die Finger lecken. Aber, mag man jetzt fragen:</p>
<p><strong>Sind das überhaupt richtige Nachrichten?</strong><br />
Sagen wir mal so: Die Inhalte von «LeNews» folgen keinen klassisch-journalistischen Nachrichtenfaktoren. Auch gehorchen sie keiner Chronistenpflicht. Am ehesten zieht noch das Relevanzkriterium der Zielgruppe. Nachrichtlich sind Themen wie <a href="https://www.youtube.com/watch?v=IXGgiaGiBBY">Internetsucht</a> oder der <a href="http://www.youtube.com/watch?v=4xK66MzhSlY">Plan, die Schul-Hausaufgaben abzuschaffen</a>. In der gleichen Sendung kann es aber auch um <a href="http://www.youtube.com/watch?v=4xK66MzhSlY">Kinderadoptions-Tombolas in Pakistan</a>, <a href="http://www.youtube.com/watch?v=zTiC_abOaDo">den Jonny-K.-Prozess in Berlin</a> oder den <a href="http://www.youtube.com/watch?v=SGuvvbei1z0">Hitlergruss von Fussballern</a> gehen. Und es geht vor allem um Authentizität. Das ist vielleicht überhaupt das entscheidende Kriterium von LeFloids Erfolg, der buchstäblich hausgemacht ist. «character driven» nennt LeFloid sein Format mit eigenen Worten. Er, der im echten Leben <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/LeFloid">Florian Mundt</a> heißt, Mitte Zwanzig ist und Psychologie und Rehabilitationspädagogik an der Berliner Humboldt-Universität studiert, tritt in seiner eigenen Bude vor’s Kamerastativ, hinter ihm hängen seine Skateboards und Gaming-Helden an der Wand.</p>
<p>Infotainment interpretiert er auf positive Weise neu, spielt mit Sprache, Ansprache und Aussprache. Wo ein Anchorman wie Claus Kleber vom ZDF im Flirt mit der Kamera allenfalls steife Manierismen ausgebildet hat, beherrscht LeFloid echte Rollenspiele. Besonders lustig immer dann, wenn er sich mit einer Art <a href="https://www.youtube.com/watch?v=SGuvvbei1z0">Vorhänge-Mustache</a> kostümiert und eine Mischung aus Reaktionär und Funktionär mimt. LeFloids Nachrichten haben den Karaoke-Gestus von «Switch Reloaded» oft schon automatisch intus.</p>
<p><strong>Interaktivität praktizieren statt predigen</strong><br />
Le Floids Erfolg in den sozialen Netzwerken gibt seiner Art und Weise, einer entweder gar nicht oder sowieso immer schon nebenher informierten Generation News zu bieten, Recht: Mit seinen <a href="https://www.facebook.com/LeFloidFans">189&#8217;000 Fans bei Facebook</a> stellt der Deutsche die Gefällt-mir-Quoten der öffentlich-rechtlichen Konkurrenz glatt in den Schatten. Zum Vergleich: <a href="https://de-de.facebook.com/tagesschau">168&#8217;000</a> gefällt die ARD-«Tagesschau», <a href="https://www.facebook.com/ZDFheute">117&#8217;000</a> Likes gibt es für die «heute»-Sendung des ZDF.</p>
<p>Das eigentliche Kunststück ist LeFloid aber mit seiner Kommentarkultur gelungen. Man reibt sich die Augen, aber zu seinen Videos werden sagenhafte 12&#8217;000, manchmal sogar <a href="http://www.youtube.com/watch?v=4xK66MzhSlY">18&#8217;000 Kommentare</a> gepostet. Und das in der als schreibfaul geltenden YouTube-Szene! «Ich hab lang daran gearbeitet, dass meine Community auch positives Feedback gibt. In der Regel kommentieren ja nur die Meckerer», erklärt LeFloid und ist sich sicher: «Man muss positive Comments bestärken.» Zur Interaktion motivierend beitragen mag sicher auch sein Modus, bei kontroversen Themen entsprechende Antwortmöglichkeiten vorzugeben: «Was meint ihr? Haut in die Comments doch einfach mal ein #JARP, wenn ihr … oder ein #NARP wenn ihr… denkt.»</p>
<p><strong>«Was geht ab» – werktäglich und semiprofessionell</strong><br />
«Früher wollte ich mal Videospiele-Journalist werden, irgendwann sogar nur Journalist. Dann wollte ich Filme machen, und so bin ich bei YouTube gelandet», erzählt LeFloid. Seit gut einem Monat wirkt er neben seinem persönlichen LeNews-Kanal auch an einem weiteren News-Channel bei YouTube mit: <a href="http://www.youtube.com/user/wasgehtab">«Was geht ab?»</a> versucht, den Erfolg von «LeNews» mit mehr Tagesaktualität fortzusetzen (<a href="http://www.youtube.com/watch?v=TyoJdHxF9jI">Trailer</a>).</p>
<p>Vor der «Was geht ab»-Kamera stehen LeFloid und weitere Figuren aus der Berliner Youtuber-Clique, beispielsweise die <a href="http://www.youtube.com/watch?v=dIm5_fAbUpA">Spacefrogs Rick und Steve</a> oder <a href="http://www.youtube.com/user/Frodoapparat">Frodo</a>. Hinter der Kamera wirken spezialisierte Producer und Rechercheure mit. Dass es Firmen wie <a href="http://mediakraftnetworks.de/about-us/">Mediakraft</a> und <a href="http://t-i-n.tv/">TIN TV</a> gibt, die versuchen, Formate wie «Was geht ab» redaktionell zu professionalisieren und monetarisieren, zeigt, dass die schiere Reichweite bei YouTube längst die kritische Masse übersteigt. Man kann dort mit vorgeschalteter Werbung inzwischen auch richtig Geld verdienen. LeFloid ist das beste Beispiel: «Ich kann mir meinen Lebensunterhalt durch YouTube finanzieren.» Wie er sind alle seine Kollegen Vlogger, die nirgends gecastet wurden, sondern ganz einfach alle fast schon so lange eigene YouTube-Kanäle besitzen, wie es YouTube gibt. Viele haben sich zunächst auf Gaming-Kanälen mit Texten, Bildern und «Jump Cuts» auszuprobiert. Die Technik der sprunghaften Schnitte macht die Nachrichten von «Was geht ab?» zu einem erfrischenden Vergnügen.</p>
<p>«Was geht ab?» arbeitet oft mit zwei Sprechern, die sich in relativ schnellen Schnittfolgen abwechseln – wobei der jeweils im Hintergrund stehende Anchorman manchmal in lustiger <a href="http://www.youtube.com/watch?v=PUK4PtkhXkU">Gebärdensprache</a> kommentiert, was der vorne agierende gerade erzählt. Bewegte Videoeinspielungen gibt es kaum, Korrespondentenberichte gar nicht. Es geht vielmehr um eine Einordnung und Kommentierung. Mit Unterkanälen wie den «Happy News» oder dem meinungsbetonten «Was zum F?» (<a href="http://www.youtube.com/watch?v=ssCxCtjFgeU&amp;feature=c4-overview&amp;list=UUNZXFLZCpYbi_AfmuQdNCLA">zuletzt zum Thema Lobbyismus</a>) probiert man sich noch aus.</p>
<p><strong>Tabu-Themen gibt es keine</strong><br />
Die Sprache ist jugendlich-drastisch und kennt den Jargon ihrer Zuseher („Alter Falter“, „Vollpfosten“), die Inhalte sind durchaus differenziert: Ob zum <a href="http://www.youtube.com/watch?v=hv2OJx7Lkz8">Facebook-Verbot für Lehrer</a>, zu <a href="http://www.youtube.com/watch?v=yFkhHa5hf94">Edward Snowden</a> oder zur <a href="http://www.youtube.com/watch?v=xa9W0NbTLss">Schwulendiskriminierung in Russland</a>. «Unsere Zielgruppe besteht noch nicht aus informierten Medienkonsumenten, die schon selbst filtern könnten. Wir sehen uns durchaus in der Verantwortung für Dinge, die der Zielgruppe sonst entfallen würden», sagt Alex Moebius, Redaktionsleiter von «Was geht ab?». Und zu Themen, die sich die Community wünscht, gibt es Vertiefungen, den so genannten <a href="http://www.youtube.com/playlist?list=PL3o4G0z6os-W0TzGRaKZBu3rnS0jG4bne">Background-Check</a>.</p>
<p>Politische Bildung und ein Service public, der auf Bedürfnislagen eingeht – mit Verlaub: Kann man ein YouTube-Format da wirklich mit den Rundfunkanstalten mithalten? Ja, findet Robin Blase, Kanalmanager, und begründet schlagend: «Wenn die Tagesschau etwas für den Durchschnittswähler konkret macht, denkt sie an zwei mittelständische Mittvierziger mit zwei Kindern. Wir aber denken an die Kinder selbst, weil sie unsere Zuschauer sind.»</p>
<p><strong>Joiz-TV finden sie eher peinlich</strong><br />
Klassisches Fernsehen? Kennt LeFloid gar nicht mehr. «Ich gucke mir Serien an, aber auch nur online. Und ich habe 125 Youtube-Kanäle abonniert.» Ein Start-up wie <a href="http://www.joiz.ch/">Joiz</a>, das soeben von der Schweiz nach Deutschland expandiert und versucht, die Idee des klassischen Fernsehens mit der des Internets zu verzahnen, betrachten er und seine Kollegen wohlwollend, aber auch ein bisschen schmunzelnd als «Retorten-TV». In ihrer YouTube-Welt gibt es nun mal keine gecasteten Moderatoren. Sondern nur Menschen, die ihre Kreativität ausleben. «Und zwar nicht mit einem halben Jahr Vorproduktion, wie im Fernsehen. Bei YouTube macht man eben einfach. Und kann’s auch wieder lassen.» Wer nichts wagt, wird nichts gewinnen. Gilt im Leben wie im Spiel und – für manche überraschend – auch im Journalismus.</p>
<p><small>Am Samstag, 24. August 2013, findet in der Lanxess-Arena in Köln der <a href="http://videodays.eu/">VideoDay 2013</a> statt. Bei Europas größtem YouTuber-Treffen kommen über 7000 Leute zusammen. Auch LeFloid wird vor Ort sein.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/08/23/do-it-yourself-nachrichten/">Do it yourself: Nachrichten!</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://medienwoche.ch/2013/08/23/do-it-yourself-nachrichten/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>10</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
