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	<title>Horst Schlämmer | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>Journalisten, wie sie im Drehbuch stehen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Aug 2012 09:07:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Citizen Kane]]></category>
		<category><![CDATA[Clark Kent]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Horst Schlämmer]]></category>
		<category><![CDATA[J. Jonah Jameson]]></category>
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		<category><![CDATA[Mikael Blomkvist]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Von Balzacs Lucien Chardon über Maupassants Bel Ami bis zu Baby Schimmerlos oder Carrie Bradshaw gibt es viele Journalisten, die sich jemand ausgedacht hat. Sie beruhen oft auf realen Vorbildern und haben mehr mit der Realität zu tun, als man auf den ersten Blick vermuten würde; als Charakterstudien realer Journalistentypen halten sie der Branche den <a href="https://medienwoche.ch/2012/08/06/journalisten-wie-sie-im-drehbuch-stehen/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Von Balzacs Lucien Chardon über Maupassants Bel Ami bis zu Baby Schimmerlos oder Carrie Bradshaw gibt es viele Journalisten, die sich jemand ausgedacht hat. Sie beruhen oft auf realen Vorbildern und haben mehr mit der Realität zu tun, als man auf den ersten Blick vermuten würde; als Charakterstudien realer Journalistentypen halten sie der Branche den Spiegel vor.</p>
<p>Zeit, sich mit ihnen zu beschäftigen: Wir haben zehn fiktive Journalisten ausgewählt, die es ins Kino oder wenigstens ins Fernsehen geschafft haben.<br />
<span id="more-30518"></span></p>
<h3>10. Horst Schlämmer</h3>
<p><small>Reporter aus Grevenbroich, gespielt von Hape Kerkeling</small></p>
<p><iframe width="460" height="345" src="https://www.youtube.com/embed/Frv3zPdLy4I" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Der Lokalreporter als Horrorvision: Dreist, unfreundlich, von sich selbst eingenommen und mit Alkoholproblem. Die 2005 von Hape Kerkeling erfundene Figur könnte man aber auch jovial, kommunikationsstark und originell bezeichnen. Sein fiktiver Arbeitgeber, das Grevenbroicher Tagblatt, ist sogar auf der Website seiner Heimatstadt Grevenbroich <a href="http://www.grevenbroich.de/C1257138004C5579/html/213D67D698910618C12571810037CEEA?openDocument">erwähnt</a>. Überhaupt ist die Figur ein grosser Erfolg, vor allem auch unter den Journalistenkollegen. Als Schlämmer während dem Bundestagswahlkampf 2009 eine Pressekonferenz zu seiner fiktiven, mit einem Kinofilm verknüpften Kandidatur einberief, folgten dem Ruf Hunderte von Journalisten und mehr als 30 (!) Kamerateams. Wer das nicht glauben mag, sollte sich <a href="https://www.youtube.com/watch?v=sLif0_S3Epc">dieses Video</a> in Erinnerung rufen, ein bemerkenswertes Dokument des Journalismus in der Spassgesellschaft.</p>
<h3>9. Karla Kolumna</h3>
<p><small>Reporterin bei «Benjamin Blümchen» und «Bibi Blocksberg» in Neustadt</small></p>
<p><iframe width="460" height="345" src="https://www.youtube.com/embed/pGo2d72v2S8" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>«Karla war immer dort, wo etwas los war, konnte viel reisen, war mutig und hat sich mit Leuten angelegt – zum Beispiel mit dem Bürgermeister. Das hat mir ungemein imponiert. Sie hat sich nie davor gefürchtet, etwas so richtig aufzumischen und Skandale aufzudecken, das ist als Journalistin auch wichtig.» So schreibt es Mirka in einem <a href="https://sockenschublade.wordpress.com/2009/09/13/karla-kolumna-meine-heldin/">Beitrag über ihre/eine Heldin</a>. Als journalistisches Vorbild dient die rastlose und etwas schusselige Berlinerin mit der Brille im Überformat, der alles &#8222;sensationell!&#8220; erscheint aber nur bedingt, wie <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Benjamin_Bl%C3%BCmchen#Figuren">auf Wikipedia</a> nachzulesen ist: «In Folge 31 rettet Benjamin zwei Kinder vor dem Feuer, während Karlas Artikel die Überschrift ‹Benjamin Blümchen rettet 50 Kinder› trägt.»</p>
<h3>8. Borat / Brüno / Ali G</h3>
<p><small>gespielt von Sasha Baron Cohen</small></p>
<p><iframe width="460" height="345" src="https://www.youtube.com/embed/Sz3PMfADPdQ" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Welcher Reporter kann es mit der Herzlichkeit eines Borat aufnehmen, der all seine Gesprächspartner mit zwei Küssen begrüsst? Mit den Komplimenten eines Brüno? Und mit der Glaubwürdigkeit eines Ali G? Auch Mut und Beharrlichkeit muss den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sacha_Baron_Cohen#Figuren">Figuren von Sacha Baron Cohen</a> unbedingt zugestanden werden. Nur etwas mehr Taktgefühl wäre hilfreich. Oder überhaupt etwas Einfühlungsvermögen in die Situation des anderen.</p>
<h3>7. Kent Brockman</h3>
<p><small>Nachrichtensprecher bei «The Simpsons», seit 1989</small></p>
<p><iframe loading="lazy" width="460" height="345" src="https://www.youtube.com/embed/AfHRUEq1Bn8" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Kent Brockman heisst eigentlich Kenny Brocklestein und ist wie Krusty der Clown oder Artie Ziff jüdischer Herkunft (<a href="http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/4176">mehr dazu hier</a>). Als Zyniker zwischen Realität und Anspruch gleicht er der Realität manchmal fast zu gut. In der Folge <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/You_Kent_Always_Say_What_You_Want">&#8222;You Kent Always Say What You Want&#8220;</a> von 2007 (<a href="http://wtso.net/movie/104-The_Simpsons_1822_You_Kent_Always_Say_What_You_Want.html#">Video</a>) wird Brockman gefeuert, weil er in der Sendung ein unaussprechliches Wort verwendet, nachdem er von Homer mit heissem Kaffee verbrüht wird. In einem Moment der Wahrheit packt er auf Anregung von Lisa in einem Webvideo über einen Skandal bei Fox aus (dem Sender, auf dem die Simpsons gesendet werden). Das Video wird so populär, dass die Episode aufgrund von republikanischem Druck mit der Wiedereinstellung von Brockman (inklusive Gehaltserhöhung) endet. Von diesem Faux-Pas abgesehen ist Brockman ein Profi, wenn auch ein maximal opportunistischer. Sein Ausspruch &#8222;I, For One, Welcome Our New Insect Overlords&#8220; (<a href="https://www.youtube.com/watch?v=eKbFb6TPVEA">Video</a>) ist <a href="http://knowyourmeme.com/memes/i-for-one-welcome-our-new-insect-overlords">zu einem Mem geworden</a>.</p>
<h3>6. Tim</h3>
<p><small>Reporter in der Comicbuchreihe «Tim und Struppi» («Les aventures de Tintin»)</small></p>
<p><iframe loading="lazy" width="460" height="259" src="https://www.youtube.com/embed/n0Ju71CLmEk" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>«Tim hat keine Superkräfte, er hat kein Liebesleben, er scheint überhaupt kein inneres Leben zu haben», sagt der NYT-Rezensent Charles McGrath in seiner Besprechung über Tim, von dem weder Freunde noch Familie bekannt sind. Und vielleicht ist genau das sein Erfolg &#8211; in die nur von Ereignissen getriebene Figur können sich alle hineinversetzen. Und Ereignisse gibt es zuhauf bei Tim: Auslandreisen, Verfolgungsjagden, gefährliche Situationen. Die Geschichte fängt immer damit an, dass ihm etwas unstimmig erscheint, er neugierig wird und darauf zu recherchieren beginnt &#8211; nichts mehr als die Handlungsanweisung für jeden Reporter.</p>
<h3>5. Miranda Priestly</h3>
<p><small>gespielt von Meryl Streep im Film «The Devil Wears Prada» von 2008</small></p>
<p><iframe loading="lazy" width="460" height="345" src="https://www.youtube.com/embed/GcNWQCzFlC0" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Anna_Wintour">Anna Wintour</a>, nach deren Vorbild <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Teufel_tr%C3%A4gt_Prada">Miranda Priestly</a> geschustert worden sei, ist nach wie vor Chefredaktorin der US-&#8222;Vogue&#8220; &#8211; und das seit bald 25 Jahren. Die Filmfigur Miranda Priestly fällt auf durch eiserne Disziplin und den häufigen Einsatz eines nachlässig dahingesagten <a href="https://www.youtube.com/watch?v=l3a5BsmxNJ0">«That&#8217;s all»</a>. Auch wenn sie auf einen flüchtigen Blick wie die pure Sanftheit wirkt, führt sie ein Schreckensregime über ihre Mitarbeiter. Und die liegen ihr zu Füssen, als wäre sie die Leiterin eines Königreichs und nicht einer Redaktion. Miranda Priestly mag ein Verlust für die Menschlichkeit sein, aber sie ist ein Gewinn für den Journalismus.</p>
<h3>4. Mikael Blomkvist</h3>
<p><small>gespielt von Mikael Nyqvist in der «Millennium-Trilogie», 2009</small></p>
<p><iframe loading="lazy" width="460" height="259" src="https://www.youtube.com/embed/lxlTNIkZvnQ" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Mikael Blomkvist fällt auf gefälschte Beweise rein und wird wegen Verleumdung verurteilt. Er verlässt die Zeitschrift «Millenium» und nimmt einen Rechercheauftrag des Industriellen Henrik Vanger an. Weil Blomkvist tatsächlich Dinge herausfindet, macht er bald schon Bekanntschaft mit kriminellen Figuren. Von ihm lernen kann man, dass ein guter Rechercheur wie ein Detektiv arbeitet. Und dass als Arbeitsort auch eine kleine Holzhütte dienen kann, deren Interieur man mit Fundstücken vollpflastert. An sich hält er sich aber lieber in Kaffeebars auf, wie andere Journalisten auch. «Millenium» ist übrigens das fiktive Pendant der realen Zeitschrift <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Expo_%28Zeitschrift%29">«Expo»</a>, bei der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Stieg_Larsson">Stieg Larsson</a>, der Autor der Bestseller-Trilogie, bis zu seinem Tod 2004 als Herausgeber tätig war.</p>
<h3>3. Clark Kent und Lois Lane</h3>
<p><small>gespielt von Christopher Reeve und Margot Kidder im Film «Superman» von 1978</small></p>
<p><iframe loading="lazy" width="460" height="259" src="https://www.youtube.com/embed/BIaF0QKtY0c" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Nicht in jedem Journalisten mit dicker Brille steckt ein Superman oder ein Supergirl, doch schöner wurde der im Nerd steckende Übermensch nie dargestellt. Journalistenkollegin <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Lois_Lane">Lois Lane</a> bewundert dann auch stets die Taten des Helden (<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Superman">Superman</a>) im blau-roten Anzug, der fliegen kann und mit seinem Blick Tanker wieder zusammenschweissen. Und gähnt gelangweilt über den zurückhaltenden Spiesser (<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Clark_Kent">Clark Kent</a>), der heimlich in sie verliebt ist &#8211; seit 1996 sind <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Relationship_of_Clark_Kent_and_Lois_Lane">die beiden</a> übrigens miteinander verheiratet. Welcher Journalist hat nicht schon mal davon geträumt, das Hemd auszuziehen, aus dem Fenster zu fliegen und die Welt zu erobern? Man sollte das einfach tun.</p>
<h3>2. J. Jonah Jameson</h3>
<p><small>gespielt von J.K. Simmons in der Trilogie «Spider-Man», 2002, 2004, 2007</small></p>
<p><iframe loading="lazy" width="460" height="259" src="https://www.youtube.com/embed/eakvor4yS4c" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Der vielleicht durchgeknallteste Boulevardzeitungs-Chefredaktor aller Zeiten ist (Triple-Jay) <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/J._Jonah_Jameson">J. Jonah Jameson</a>, ein halbwahnsinniger, ausbeuterischer, gehetzter Diktator in Hosenträgern, der die furchtbarsten Vorurteile bestätigt, die von den Herren über die grossen Buchstaben in den Newsrooms gehegt werden. Wer es lieber positiv sehen möchte, kann auch von einem führungsstarken, geschäftstüchtigen und dynamischen Chef sprechen. Als Verleger und Chefredaktor des New Yorker <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Daily_Bugle">«Daily Bugle»</a> entscheidet er darüber, ob und wie Fotos von Spider-Man publiziert werden, die ihm dessen Alter Ego, Fotoreporter Peter Parker, regelmässig liefert. Was man vom ständig Zigarren rauchenden JJJ lernen kann? Gute Sprüche vielleicht? Erfolgreiche Kommunikation mit der Ehefrau? Mut zum Entscheid?</p>
<h3>1. Charles Foster Kane</h3>
<p><small>gespielt von Orson Welles im Film «Citizen Kane» von 1941</small></p>
<p><iframe loading="lazy" width="460" height="345" src="https://www.youtube.com/embed/tzhb3U2cONs" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>So wie in diesem Ausschnitt möchte wohl jeder Verantwortliche einer Zeitung mit Lesern und Anzeigekunden umgehen, die meinen, sich in die Inhalte einmischen zu dürfen. Und ein Verleger, der es sich gern leistet, jedes Jahr eine Million Dollar zu verlieren, wünscht sich vielleicht auch mancher. Kane hatte mit seinem «New York Inquirer» zumindest zu Beginn nicht nur finanzielle Ziele. Die <a href="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2012/07/citizen-kane-declaration-of-principles1.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="">«Declaration of Principles»</a> umfasste zwei Punkte, Wahrheit sowie Einsatz für Bürger- und Menschenrechte:</p>
<blockquote><p>I. I will provide the people of this city with a daily paper that will tell all the news honestly.</p>
<p>II. I will also provide them with a fighting and tireless champion of their rights as citizens and as human beings.</p>
<p>Signed: Charles Foster Kane, Publisher</p></blockquote>
<p>Nicht ganz so zufrieden mit dem Film, der unter britischen Filmkritikern <a href="http://www.bfi.org.uk/news/50-greatest-films-all-time">während 50 Jahren</a> als bester aller Zeiten galt, war die Hauptinspiration für <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Citizen_Kane#Charles_Foster_Kane">Kane</a>, Medientycoon <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/William_Randolph_Hearst">William Randolph Hearst</a>; er versuchte (vergeblich), den Film mit einer Medienkampagne zu verhindern.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/08/06/journalisten-wie-sie-im-drehbuch-stehen/">Journalisten, wie sie im Drehbuch stehen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Alles nichts ohne Glaubwürdigkeit</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/03/21/alles-nichts-ohne-glaubwuerdigkeit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 21 Mar 2012 06:00:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
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		<category><![CDATA[Daniel Binswanger]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Journalisten diskutieren im Netz vermehrt unter den Augen der Öffentlichkeit. Gut so, schliesslich gibt es keinen Grund, die res publica in abgeschlossenen Elitenzirkeln zu verhandeln. Zum Vorschein kommt dabei die wichtigste Eigenschaft des Journalisten: die Glaubwürdigkeit. Auf dem Schiff Tages-Anzeiger gibt immer wieder Diskussionen, wie soll es auch anders sein. Es gibt nicht nur die <a href="https://medienwoche.ch/2012/03/21/alles-nichts-ohne-glaubwuerdigkeit/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Journalisten diskutieren im Netz vermehrt unter den Augen der Öffentlichkeit. Gut so, schliesslich gibt es keinen Grund, die res publica in abgeschlossenen Elitenzirkeln zu verhandeln. Zum Vorschein kommt dabei die wichtigste Eigenschaft des Journalisten: die Glaubwürdigkeit.<br />
<span id="more-30453"></span><br />
Auf dem Schiff Tages-Anzeiger gibt immer wieder Diskussionen, wie soll es auch anders sein. Es gibt nicht nur die Galeere, in der die Ruder auf den Schlag des <a href="https://medienwoche.ch/2011/12/02/unter-dem-content-diktator/">Content-Diktators</a> bewegt werden. Es gibt auch ein Hauptdeck, das geschrubbt werden muss. Und ein Oberdeck, auf dem im makellosen Anzug über den richtigen Kurs reflektiert wird.</p>
<p>Neu ist, dass öffentlich diskutiert wird. Im seit Mitte Januar existierenden <a href="http://blog.dasmagazin.ch/">Blog von Das Magazin</a> gibt Daniel Binswanger <a href="http://blog.dasmagazin.ch/2012/03/11/der-absurde-angriff-des-tages-anzeiger-auf-snb-direktoriumsmitglied-jean-pierre-danthine/?goslide=0">am 11. März</a> dem Recherchechef des Mutterblatts Tages-Anzeiger, Arthur Rutishauser, zu verstehen, dass er sich bei den Recherchen zu den Lunch-Spesen eines Nationalbank-Direktoriumsmitglieds in eine Bagatelle verbissen hat:</p>
<blockquote><p>«(&#8230;) einen Enthüllungsartikel über Jean-Pierre Danthine geschrieben, der auf mich wirkt wie aus einem satirischen Giacobbo/Müller-Sketch über Boulevard-Enthüllungsjournalismus.»</p></blockquote>
<p>Und <a href="http://blog.dasmagazin.ch/2012/03/13/wie-frau-sein-der-nachkriegszeit-version-2012/">am 13. März</a> nimmt Michèle Roten einen Tages-Anzeiger-Artikel von Ev Manz auseinander:</p>
<blockquote><p>«Ich versuche mich daran zu erinnern, wann ich das letzte Mal so einen Quatsch gelesen habe.»</p></blockquote>
<p>Und Thomas Zaugg schreibt <a href="http://blog.dasmagazin.ch/2012/03/14/thomas-matter-mit-gattin-marion/?goslide=0">am 14. März</a> über die Verlagsschwester Sonntagszeitung. <small>(<strong>Nachtrag</strong>, 21. März, 13:30 Uhr: Thomas Zaugg <a href="https://twitter.com/#!/thomaszaugg/status/182404202818043904">weist</a> <a href="https://twitter.com/#!/thomaszaugg/status/182434919815979008">per</a> <a href="https://twitter.com/#!/thomaszaugg/status/182404699511726080">Twitter</a> darauf hin, dass das Zitat von Roten nicht als Kritik am &#8222;Tages-Anzeiger&#8220;-Artikel gemeint ist, sondern sich auf den Mama-Coach bezieht.)</small></p>
<p>Öffentlich gestritten wird auch im Bürogebäude an der Zürcher Förrlibuckstrasse (<a href="https://dominiquestrebel.wordpress.com/2012/03/09/die-fehler-des-alex-baur/">Dominique Strebel vom «Beobachter» vs. Alex Baur von der Weltwoche</a>), zwischen Zürich und Berlin (<a href="http://bundesplatz.blog.nzz.ch/2012/02/06/der-mude-achte-bundesrat/">René Zeller von der NZZ vs. Frank A. Meyer vom Ringier-Verlag</a>), zwischen Radiopionieren und Edelfedern (<a href="http://blog.persoenlich.com/?p=3374">Roger Schawinski von Radio1 vs. Constantin Seibt</a> vom Tages-Anzeiger) und natürlich in den Leserbriefspalten der Zeitungen (<a href="https://twitter.com/#!/kohlenklau/status/179234593650642949/photo/1">Andi Kunz von der Weltwoche vs. Peter Rothenbühler in der Aargauer Zeitung</a>). Fast tägliche Beispiele für Diskussionen liessen sich aus den öffentlichen und halböffentlichen Räumen von sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook anführen.</p>
<p>Wenn sie nicht in einen kleinkarierten Streit ausarten, sind öffentliche Debatten erfreulich, auch wenn sie unter der gleichen Marke, unter dem gleichen Verlagsdach stattfinden. Es wäre doch sehr überraschend, wenn unter Journalisten, die zur Meinungsvielfalt beitragen sollen, Meinungseinfalt bestehen würde. Viele der angeführten Debatten brechen nach Rede und Gegenrede abrupt ab. Diese Kürze verleiht der Diskussion zwar eine angenehme Übersichtlichkeit, das (erneute) Eingehen auf die Argumente des Anderen wäre aber schon wünschenswert.</p>
<p>Der offensichtliche Gewinn solcher Debatten für das Publikum ist die Einsicht in den Journalisten abseits seines Werks. Wie verteidigt er seine Arbeit, wie tickt er, kann er sich auch abseits von Redaktionsprozessen ausdrücken? Einige Diskussionen führen auch zurück zum Kern des Journalismus, den Fakten. Auch wenn nicht wenige Unterhaltungsarbeiter, Quotenbolzer, Fantasten keine Scham haben, sich Journalisten zu nennen, so sind sie das natürlich nur so lange, wie sie dem Publikum Fakten liefern. Ein <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tom_Kummer">Tom Kummer</a> mag ein grossartiger Schreiber sein &#8211; und nicht seine ausgedachten Interviews machen ihn zum Fälscher, sondern der Verkauf von ihnen als Gespräche, die tatsächlich stattgefunden haben. Die Auseinandersetzung mit den Fakten befördern auch Watchblogs wie <a href="http://www.bildblog.de/">Bildblog</a> oder <a href="http://www.kobuk.at/">Kobuk</a>.</p>
<p>Ein Journalist kann, anders als eine Versicherungsfachfrau, ein Friseur oder eine Erwachsenenbildnerin, keine Diplome vorweisen, die ihm durch eine Ausbildung garantierte Fachkenntnis garantieren. Denn Journalist ist, und das ist gut so, ein ungeschützer Beruf, der ergreifen kann, wer sich dazu befähigt fühlt. Um so abhängiger ist ein Journalist vom Vertrauen, das das Publikum in seinen Namen setzt oder in die Marke, unter der er publiziert.</p>
<p>Die Bewahrung der Glaubwürdigkeit ist entscheidend. Es ist bald dreissig Jahre her, dass der «Stern» gefälschte <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hitler-Tageb%C3%BCcher">Hitler-Tagebücher</a> vorabdruckte &#8211; doch noch heute verbinden viele diese Fehlleistung direkt mit der Marke. Umgekehrt kann die Glaubwürdigkeit eines Titels einen Ruf zerstören &#8211; wie zuletzt Georg Diez im «Spiegel» mit seinem Artikel <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-83977254.html">«Die Methode Kracht»</a> bewiesen hat. Auch wenn sich umgehend <a href="http://www.kiwi-verlag.de/news/17022012-offener-brief-an-die-spiegel-chefredaktion-zu-kracht/">17 Autoren</a> mit dem Schriftsteller Christian Kracht solidarisierten und «die Grenzen zwischen Kritik und Denunziation überschritten» sahen, so werde Kracht von nun an immer das Attribut «umstritten» oder, noch diffuser, «problematisch» anhaften, schrieb beispielsweise <a href="http://www.begleitschreiben.net/christian-kracht-imperium/">Gregor Keuschnig auf begleitschreiben.net</a>:</p>
<blockquote><p>Alleine die Tatsache, dass jemand im »Spiegel« derart gegen den Autor Stellung bezogen hat, reicht aus, um diese Meinung als Teil des Diskurses zu erhalten und immer wieder – je nach Bedarf – aus der Schublade zu holen.</p></blockquote>
<p>Was ein Vorwurf taugt, stellt sich oft erst in den Debatten dazu heraus. Kommunikationsarbeiter aller Art tun gut daran, sich an Ort und Stelle der Diskussion einzuschalten und die Faktenlage im eigenen und im öffentlichen Sinne zu bereichern. Es mag Momente geben, in denen Schweigen eine Antwort ist, doch in aller Regel ist die Darlegung der eigenen Position das Richtige.</p>
<p>Die Deutung der Debatte ist dem Konsumenten überlassen. Er entscheidet, welche Argumente ihn zu überzeugen vermögen &#8211; und passt je nach dem den eigenen Medienkonsum an. Denn wer sich mit unbelegten Vorwürfen wichtig machen will, gehört kritisiert, verklagt oder irgendwann einfach ignoriert, ganz so wie jeder gemeine <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Troll_%28Netzkultur%29">Troll</a>. Das gilt für den Twitterer, den Blogger, den Blick-Kolumnisten, den NZZ-Redaktor und selbst für den mehrfach preisgekrönten Journalisten.</p>
<p><small>Verwendete Bilder: <a href="https://www.facebook.com/HorstSchlaemmer">facebook.com/HorstSchlaemmer</a></small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/03/21/alles-nichts-ohne-glaubwuerdigkeit/">Alles nichts ohne Glaubwürdigkeit</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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