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	<title>International Journalism Festival | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Wed, 05 Feb 2020 14:42:38 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Mathew Ingram: «Für das Geschäft der Tech-Konzerne hat Journalismus keine Relevanz»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2019/04/16/weder-google-noch-facebook-kommunizieren-transparent/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Daniel Faulhaber]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Apr 2019 16:18:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[International Journalism Festival]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Sie schnüren dem Journalismus die Luft ab und geben sich gleichzeitig als gnädige Überlebenshelfer: «Facebook und Google sind Teil der Probleme, die der Journalismus hat», sagt Mathew Ingram. Der kanadische Journalist ist leitender Digital-Autor der «Columbia Journalism Review», einem US-Branchenmagazin. Er hat sich als kritischer Beobachter der Beziehung zwischen der Technologie-Industrie und dem Journalismus hervorgetan. <a href="https://medienwoche.ch/2019/04/16/weder-google-noch-facebook-kommunizieren-transparent/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/04/16/weder-google-noch-facebook-kommunizieren-transparent/">Mathew Ingram: «Für das Geschäft der Tech-Konzerne hat Journalismus keine Relevanz»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Sie schnüren dem Journalismus die Luft ab und geben sich gleichzeitig als gnädige Überlebenshelfer: «Facebook und Google sind Teil der Probleme, die der Journalismus hat», sagt Mathew Ingram. Der kanadische Journalist ist leitender Digital-Autor der «Columbia Journalism Review», einem US-Branchenmagazin. Er hat sich als kritischer Beobachter der Beziehung zwischen der Technologie-Industrie und dem Journalismus hervorgetan. Ingram ist regelmässiger Gast am «International Journalism Festival» in Perugia, wo die MEDIENWOCHE mit ihm sprechen konnte.</strong><br />
<img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-68363" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/04/MW-Interview-Mathew-Ingram_20190416.jpg" alt="" width="1456" height="976" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/04/MW-Interview-Mathew-Ingram_20190416.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/04/MW-Interview-Mathew-Ingram_20190416-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/04/MW-Interview-Mathew-Ingram_20190416-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/04/MW-Interview-Mathew-Ingram_20190416-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/04/MW-Interview-Mathew-Ingram_20190416-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
<div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Mathew Ingram, welche Fragen prägen heute das Verhältnis zwischen Facebook, Google und der Medienbranche?</p>
</div><div class="answer"><h4>Mathew Ingram:</h4> <p>Die Frage, ob Facebook und Google überhaupt etwas mit Journalismus zu tun haben sollten. Ob sie zum Beispiel ein Festival wie dieses finanzieren sollten.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Und? Sollten sie?</p>
</div><div class="answer"><h4>Mathew Ingram:</h4> <p>Darauf gibt es zwei Antworten. Auf der einen Seite ist es gut, die Konzerne haben das Geld, das Festival kann es brauchen. Die Anwesenheit von Facebook und Google bedeutet auch, dass man mit den Konzernen im Gespräch ist. Das war vor ein paar Jahren noch nicht der Fall, als wir hier in Perugia immer nur über die Macht und Verantwortung der Tech-Konzerne gesprochen haben, aber nicht mit ihnen. Auf der anderen Seite sind Facebook und Google offensichtlich Teil der Probleme, die der Journalismus hat. Das eröffnet ein Spannungsfeld.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Wie sieht das aus?</p>
</div><div class="answer"><h4>Mathew Ingram:</h4> <p>Da ist zum Beispiel das Ungleichgewicht in der Machtbeziehung zwischen der Medienbranche und Konzernen wie Google und Facebook. Diese haben beinahe unendliche Mittel und sie sind bereit, hunderte von Millionen auszugeben. Für die Konzerne ist das Peanuts, für viele Redaktionen ist das die Welt. Und die Redaktionen sind darauf angewiesen, denn ausser ein paar philanthropischen Gönnern gibt es nicht mehr viele, die ihr Geld dem Journalismus geben. Problematisch ist aber, wenn Facebook oder Google zu den einzigen Geldgebern eines Programms werden. So unterstützt Facebook beinahe im Alleingang die «News Integrity Initiative».</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Warum ist das ein Problem?</p>
</div><div class="answer"><h4>Mathew Ingram:</h4> <p>Weder Google noch Facebook kommunizieren transparent, wie viel Geld sie in welche Projekte investieren. Damit bleibt auch die Frage der Motivation hinter den Spenden ungeklärt. Ein wichtiger Punkt ist ausserdem, dass sich die Interessen der Konzerne schon durch ihre Struktur grundsätzlich von jenen der Medienbranche unterscheiden. Facebook ist zum Beispiel als soziales Netzwerk an einer möglichst weiten Verbreitung von Informationen interessiert, ob falsch oder richtig spielt zunächst keine Rolle. Man kann hinterfragen, ob das die richtige Umgebung für journalistische Inhalte ist.</p>
</div></p>
<blockquote><p>«Aus Sicht der Konzerne ist es auch eine Frage der Relevanz, die der Journalismus für ihre Produkte hat.»</p></blockquote>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Sie sagten, das Festival in Perugia ermögliche ein Gespräch zwischen Journalismus und Big Tech. Sind die Konzerne an diesem Gespräch überhaupt interessiert?</p>
</div><div class="answer"><h4>Mathew Ingram:</h4> <p>Es gibt einige Leute in diesen Konzernen, die sich ernsthaft für die Probleme der Medienbranche interessieren. Das habe ich in persönlichen Gesprächen erfahren. Andere, und ich fürchte, das sind die Entscheidenden, interessieren sich allerdings überhaupt nicht, die wollen in erster Linie keine schlechte Presse. Und die beste Möglichkeit, keine schlechte Presse zu haben, ist, den Leuten Geld zu geben. Aus Sicht der Konzerne ist es auch eine Frage der Relevanz, die der Journalismus für ihre Produkte hat. News-Artikel machen etwa zwei Prozent der Inhalte im Facebook-Newsfeed aus. Das ist einfach zu wenig, um sich wirklich darum zu kümmern.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Die Abhängigkeit ist auch eine Frage der Informationsverteilung. Auf vielen Veranstaltungen in Perugia ist eine gewisse Hilflosigkeit gegenüber der Entscheidungsmacht der Konzerne spürbar.</p>
</div><div class="answer"><h4>Mathew Ingram:</h4> <p>Es ist ein Problem, dass wir JournalistInnen nicht wissen, warum bestimmte Titelzeilen in den Suchresultaten angezeigt werde und andere nicht. Warum bestimmte News von den Plattformen verbannt werden und andere nicht. Die Algorithmen sind der grösste Wissensvorsprung der Konzerne, sie werden nie verraten wie sie funktionieren.</p>
</div></p>
<blockquote><p>«Facebook trifft Entscheidungen, was die User sehen sollen. Wir wissen nur nicht, welche Entscheidungen das sind.»</p></blockquote>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Warum ist es so wichtig, die Algorithmen zu verstehen?</p>
</div><div class="answer"><h4>Mathew Ingram:</h4> <p>Facebook behauptet immer, der Konzern entscheide nicht über die Qualität der Medieninhalte, der Algorithmus sei neutral. Er zeige nur, was die User sehen wollen. Dabei ist es offensichtlich, dass Entscheidungen darüber getroffen werden, was die Nutzer sehen wollen. Wir wissen nur nicht, welche Entscheidungen das sind, wie sie getroffen werden, welche Kriterien ihnen zugrunde liegen und wir werden es wahrscheinlich nie wissen. Das ist ein fundamentaler Nachteil für ein Gespräch auf Augenhöhe.</p>
</div></p>
<p></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Mark Zuckerberg hat in einem kürzlich veröffentlichen <a href="https://www.welt.de/kultur/medien/article191203353/Mark-Zuckerberg-und-Mathias-Doepfner-ueber-die-Zukunft-von-Facebook.html" target="_blank" rel="noopener">Gespräch mit Springer-Chef Mathias Döpfner</a> die Möglichkeit eines neuen, separaten Newsfeed exklusiv für Medieninhalte erwogen. Medienschaffende sollen entscheiden, welche Inhalte dort zu sehen sind. Ist das eine Antwort auf die Kritik an den intransparenten Algorithmen?</p>
</div><div class="answer"><h4>Mathew Ingram:</h4> <p>Das ist wirklich eine sehr überraschende Ankündigung, denn Facebook hat schon einmal mit Medienschaffenden gearbeitet, die Inhalte für einen News Feed auswählten. Es war ein Experiment für einen separaten Kanal mit «Trending Topics». Aber das wurde zu einem grossen Desaster als herauskam, dass konservative Meinungen in den «Trending Topics» unterrepräsentiert waren. <a href="https://www.internetworld.de/social-media/facebook/trending-topics-facebook-gescheitert-1542808.html" target="_blank" rel="noopener">Das Programm wurde geschlossen</a> und alle Mitarbeitenden entlassen. Das war Facebooks radikale Antwort auf die Kritik. Darum machen mich solche Ankündigungen zunächst skeptisch.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Trotzdem: Könnte die Anstellung von JournalistInnen das Auswahlverfahren nachvollziehbarer, vielleicht menschlicher machen?</p>
</div><div class="answer"><h4>Mathew Ingram:</h4> <p>Mark Zuckerberg war sehr unpräzise bei der Frage, ob der Algorithmus bei der Auswahl weiter involviert sein würde, oder nicht. Denn wenn es eine Mischform wird, dann wird es gleich herauskommen wie mit den «Trending Topics»: Der Algorithmus tut den Hauptteil des Jobs, er macht eine Vorauswahl. Die Angestellten sehen nur die Resultate dieser Vorauswahl und entscheiden dann, was im News Feed landet. Ich finde: Facebook sollte sich entweder komplett aus dem News Business zurückziehen, oder sie sollen es richtig anpacken. Einschliesslich des Eingeständnisses, dass sie die grösste Medienorganisation sind, die jemals existierte. Dazu gehörte dann aber auch, im grossen Stil JournalistInnen anzustellen, die News produzieren und kuratieren. Genau so, wie das in den übrigen Medienhäusern passiert.</p>
</div></p>
<blockquote><p>«Mark Zuckerberg ist ein Programmierer und Entwickler und ich glaube nicht, dass er viel darüber nachgedacht hat, warum er bestimmte Dinge entwickelt hat.»</p></blockquote>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Die Journalistin Jennifer Lee sagte im vergangenen Jahr in Perugia, die Tech-Konzerne seien nicht in der Lage, sich grundsätzlich zu wandeln. Nackte Zahlen werden für sie immer über sozialen Bedenken stehen, denn die Struktur der Firmen spiegle die DNA ihrer Gründer.</p>
</div><div class="answer"><h4>Mathew Ingram:</h4> <p>Das sehe ich genauso. Mark Zuckerberg ist ein Programmierer und Entwickler und ich glaube nicht, dass er viel darüber nachgedacht hat, warum er bestimmte Dinge entwickelt hat. Er tat es einfach, weil er es konnte und weil es cool war. Ich glaube, er hat erst in den letzten Jahren begriffen, welche immensen Auswirkungen seine Arbeit hat. Aber jetzt hat er diese riesige Firma, die hunderte Milliarden umsetzt. Man kann die Zeit nicht einfach zurückdrehen, man kann die Erfindung nicht rückgängig machen.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Warum soll Facebook nicht zu Reformen fähig sein?</p>
</div><div class="answer"><h4>Mathew Ingram:</h4> <p>In der Vergangenheit haben Zuckerberg und Facebook immer nach demselben Muster auf Kritik reagiert: Wenn wir ein Problem haben, ändern wir einfach das Programm. Oder schrauben am Algorithmus herum. Oder designen einen neuen Algorithmus. Es wird immer nach einer technischen Lösung gesucht. Manche Probleme, die Facebook hat, sind aber keine technischen Probleme, sie lassen sich nicht durch Programme lösen. Es sind menschliche Probleme. Und mit diesen Problemen kann eine Plattform nun mal nicht umgehen, die dazu designed ist, Fotos zu teilen. Man müsste also eine neue, soziale Plattform auf die bestehende aufpfropfen. Und das ist sehr schwierig.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Man kann Facebook vorwerfen, es gewichte Meinungen und Emotionen stärker als Fakten. Dabei arbeiten manche Medien mit genau diesen Mitteln. Sind wir Journalisten überhaupt in der Position, Kritik zu üben?</p>
</div><div class="answer"><h4>Mathew Ingram:</h4> <p>Clickbait und Fake News sind keine Erfindung von Facebook, das gab es schon vorher. Und ja, gewisse Medien bedienen sich dieser Mittel. Aber ich halte es für einen Irrtum, die Plattformen nicht kritisieren zu dürfen, solange man selbst nicht perfekt ist. Der Unterschied liegt schlicht in der Grösse. Facebook hat die Grösse aller News-Organisationen der Welt und noch etwas obendrauf. Also ist auch die Auswirkung immens viel grösser, wenn dort etwas schief läuft, als wenn es beispielsweise bei Breitbart passiert.</p>
</div></p>
<blockquote><p>«Die Berichterstattung über die Tech-Giganten ist nicht so gut, wie sie sein könnte.»</p></blockquote>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Braucht es einen besseren Medienjournalismus, um die Rolle von Facebook und Google, aber auch Amazon und Apple für den Journalismus besser einordnen zu können?</p>
</div><div class="answer"><h4>Mathew Ingram:</h4> <p>Die Berichterstattung über die Tech-Giganten ist nicht so gut, wie sie sein könnte. Das hat aber auch damit zu tun, dass Facebook die Berichterstattung erschwert und Informationen nur im PR-Sprech oder lieber gar nicht veröffentlicht. Der Tech-Journalismus hat es schwer. Aber er muss besser werden, denn Verständnislücken und fehlerhafte Berichte <a href="https://www.nytimes.com/2018/12/18/technology/facebook-privacy.html?module=inline" target="_blank" rel="noopener">wie jener der New York Times</a> über die <a href="https://medium.com/whither-news/facebook-sigh-6c630a7b79a9" target="_blank" rel="noopener">angebliche Verwendung von Facebook-User-Daten</a> für Spotify und Netflix, der sich im Nachhinein als falsch herausstellte, stärkt die Konzerne. Sie können sich dann einfach als Opfer einer Kampagne darstellen.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Sollen Medienunternehmen Facebook verlassen? Ist das eine Option?</p>
</div><div class="answer"><h4>Mathew Ingram:</h4> <p>Absolut. Und ich kenne einige, die das getan haben. Ich habe kürzlich mit jemandem gesprochen, dessen Mediengesellschaft alle Inhalte von Facebook entfernt hat. Er sagte mir, dass die Interaktionsraten auf der eigenen Website seither gestiegen sind. Der Traffic sei zwar gesunken, also die rohen Zahlen. Aber die Interaktion mit den Nutzern, und damit die wertvollere Währung als roher Traffic, die ist gestiegen. Die Strategie, Facebook zu verlassen, passt nicht für jeden. Zum Beispiel sicher nicht für jene, die auf möglichst grosse Reichweite angewiesen sind. Aber wer bereits eine etablierte Marke hat und ein treues Publikum, dem wird der Abgang von Facebook keinen grossen Schaden anrichten.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Sowohl Google mit seiner News Initiative, als auch Facebook mit dem Journalism Project investieren Millionenbeträge in den Journalismus. Warum?</p>
</div><div class="answer"><h4>Mathew Ingram:</h4> <p>Der einzige Grund, warum Facebook sich für News interessiert, ist, dass Mark Zuckerberg plötzlich vor dem Senat erscheinen musste. Oder weil das Unternehmen von Anwälten verfolgt wird. Ich denke, es ist am Ende in beiden Fällen eine PR-Aktion. Denn ganz ehrlich: Das Geld, das die Konzerne in den Journalismus investieren ist eine winzige Summe gemessen an deren Budget. Das juckt die nicht einmal an der Oberfläche, man kann also nicht wirklich von Engagement sprechen. Wie gesagt: Es gibt bei Facebook wie Google Angestellte, die sich für ein gesundes Ökosystem der Medien interessieren. Ich glaube, den Konzernen als Ganzes ist das egal.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Google, Facebook und der Journalismus – oder: wenn sich das Problem als Teil der Lösung sieht</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2019/04/16/google-facebook-und-der-journalismus-oder-wenn-sich-das-problem-als-teil-der-loesung-sieht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Daniel Faulhaber]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Apr 2019 13:28:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[International Journalism Festival]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Näher als in Perugia kommen sie sich nie. In der Beschaulichkeit des umbrischen Städtchens zeigt sich das gestörte Verhältnis zwischen den Netzgiganten und den Journalismus-Anbietern besonders deutlich. Beobachtungen zu Google, Facebook und ihrem Engagement für den Journalismus am «International Journalism Festival». Seit 13 Jahren trifft sich in Perugia, was in Journalismus und Digital-Medien Rang und <a href="https://medienwoche.ch/2019/04/16/google-facebook-und-der-journalismus-oder-wenn-sich-das-problem-als-teil-der-loesung-sieht/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Näher als in Perugia kommen sie sich nie. In der Beschaulichkeit des umbrischen Städtchens zeigt sich das gestörte Verhältnis zwischen den Netzgiganten und den Journalismus-Anbietern besonders deutlich. Beobachtungen zu Google, Facebook und ihrem Engagement für den Journalismus am «International Journalism Festival».</strong><br />
<img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-68358" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/04/MW-Google-Facebook-und-Journalismus_20190416.jpg" alt="" width="1456" height="976" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/04/MW-Google-Facebook-und-Journalismus_20190416.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/04/MW-Google-Facebook-und-Journalismus_20190416-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/04/MW-Google-Facebook-und-Journalismus_20190416-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/04/MW-Google-Facebook-und-Journalismus_20190416-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/04/MW-Google-Facebook-und-Journalismus_20190416-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
Seit 13 Jahren trifft sich in Perugia, was in Journalismus und Digital-Medien Rang und Namen hat. Journalistinnen, Blogger, Medienunternehmerinnen und Professoren aus aller Welt, um am <a href="https://www.journalismfestival.com/" target="_blank" rel="noopener">«International Journalism Festival»</a> über ihre Arbeit zu sprechen. Über 280 Veranstaltungen finden statt, der Eintritt ist frei, es ist eines der grössten Branchentreffen Europas. Klingt anstrengend, doch es herrscht tatsächlich Festival-Stimmung, wenn sich am frühen Abend die ersten Gäste in den Bars der verwinkelten Gassen verlieren. Die Pizza kostet wenig, der Wein schmeckt toll im Abgang; man ist schliesslich auch hier, um es sich gut gehen zu lassen.</p>
<p>Eines der heissesten Themen in diesem Jahr: Facebook, Google und ihr problematisches Verhältnis zum Journalismus. Das Festival ist gleichzeitig Abbild und Zerrspiegel einer bipolaren Beziehung, in der sich die Partner umgarnen, bezirzen, verachten und hassen. Man lässt es sich gut gehen, ja, aber la Dolce Vita hat ihren Preis.</p>
<blockquote><p>Die Allmacht der Netzgiganten Facebook, Google, Amazon und Apple überschatte derzeit alle anderen Probleme den Journalismus.</p></blockquote>
<p>Denn eigentlich hat die Branche nicht viel zu feiern. Dafür gibt es viele Gründe und doch überschattet zurzeit dieses eine Problem alle anderen: Die Allmacht der Netzgiganten Facebook, Google, Amazon und Apple über den Journalismus. Es ist Macht in Form finanzieller Potenz, in Form von Reichweite, in Form technologischen Vorsprungs und folglich Macht in Form ihrer Fähigkeit, die Spielregeln bestimmen zu können.</p>
<p>Ein Beispiel ist vielen Verlagen in schmerzhafter Erinnerung. Facebook hatte per Jahresbeginn 2018 angekündigt, seinen Algorithmus so zu ändern, dass Inhalte von Medienunternehmen im Newsfeed der User weniger angezeigt werden. Das Ergebnis, als es so weit war: Der Traffic auf vielen journalistischen Angeboten, die jahrelang an ihrer Social-Media-Strategie gefeilt hatten, brach ein, manche Unternehmen mussten Personal entlassen oder sogar schliessen, weil sie sich zu stark auf die Distribution ihrer Inhalte durch Facebook verlassen hatten.</p>
<p>Die Aufregung war enorm: Wie konnte Facebook, das sich jahrelang als Partner inszeniert hatte, sich so plötzlich von den Medien abkehren? Campbell Brown, die Facebook-Verantwortliche für Partnerschaften mit Medienunternehmen, reagierte mit der kühlen Arroganz der Macht: «Mein Job besteht nicht darin, Verlage glücklich zu machen», sagte sie auf einer Konferenz im Februar 2018. Ein Satz wie eine Ohrfeige. Facebooks Verhältnis mit den Medien sei «unwiederbringlich zerrüttet» <a href="https://meedia.de/2018/02/13/facebook-teilt-gegen-verlage-aus-menschen-kommen-nicht-wegen-nachrichten-zu-uns/" target="_blank" rel="noopener">schrieb das Fachmagazin «Meedia»</a>.</p>
<blockquote><p>Plötzlich waren es Google und Facebook, die ihrerseits neue Töne anschlugen und auf Schmusekurs gingen, um ihren Ruf zu retten.</p></blockquote>
<p>Ein Jahr später sieht das ganz anders aus, denn nicht nur die Medienbranche, auch die Tech-Konzerne sind nun in der Krise. Bei Facebook folgte in den vergangenen Jahren ein Skandal dem nächsten und Google wurde im August mit einer Rekordbusse für illegale Praktiken bei Android-Mobilgeräten verurteilt. Und die Medien taten ihren Job: Sie berichteten. Plötzlich waren es Google und Facebook, die ihrerseits neue Töne anschlugen und auf Schmusekurs gingen, um ihren Ruf zu retten.</p>
<p></p>
<p>Etwa indem sie das Festival in Perugia <a href="https://www.festivaldelgiornalismo.com/wp-content/uploads/2019/02/Facebook_ENG.pdf" target="_blank" rel="noopener">als Hauptsponsoren</a> <a href="https://www.festivaldelgiornalismo.com/wp-content/uploads/2019/02/Google_ENG.pdf" target="_blank" rel="noopener">mitfinanzierten</a>. Ein Journalismus-Festival unter der finanziellen Patronage von Facebook und Google; ist das noch professionelle Partnerschaft oder schon Klüngelei? Die US-amerikanische Journalistin Emily Bell bediente sich jüngst einer Tiermetapher, um die Frage in einem Blog-Artikel über Google zu beantworten: «Accepting help from the Company ist like the fly accepting an invitation from the spider.» (Hilfe zu akzeptieren von dem Unternehmen ist wie die Fliege, die eine Einladung der Spinne annimmt.)</p>
<p>Das gilt es in Perugia zu überprüfen. Zunächst an einer Veranstaltung, auf der Facebook seinen Nutzen für den Journalismus darlegt. Man darf dieses Panel als Werbeveranstaltung bezeichnen. Sowohl Facebook (vier) als auch Google (sechs) erhielten mehrere Programmplätze fix zugesichert. Das ist Teil des Sponsoringvertrags. An einer anderen Veranstaltung sollen die JournalistInnen an einem Big-Tech-kritischen Panel das Wort erhalten.</p>
<blockquote><p>300 Millionen Euro: So viel Geld investierte Facebook seit November 2018 in den Journalismus oder das, was der Konzern unter Journalismus versteht.</p></blockquote>
<p>Doch nun hinein ins Programm des #IJF, Ausgabe 2019 wo zunächst die Charmeoffensive Facebooks im Fokus steht und der Konzern alle Scheinwerfer auf eine Zahl richtet: 300 Millionen Euro. So viel Geld investierte Facebook seit November 2018 in den Journalismus, oder das, was der Konzern unter Journalismus versteht: das «Facebook Journalism Project». Sein Ziel: Dem Journalismus den Rücken stärken.</p>
<p>Was das für den Journalismus bedeuten könnte und wie sich Facebook die künftige Zusammenarbeit mit den Medien vorstellt, lässt sich auf einer Veranstaltung am Festivaldonnerstag anschaulich beobachten. Der Saal im Hotel Brufani ist üppig gefüllt, die Stimmen der Synchronsprecher rascheln leise aus den Kopfhörern der italienischen Gäste, im Sekundentakt werden aus dem Publikum Tweets abgesetzt. Kommentare, Kritik, Emotionen. Das übliche Grundrauschen einer sendungsbewussten Branche.</p>
<p>Nachdem Sian Cox-Brooker, als Facebook-Managerin zuständig für die Strategie mit Partnerunternehmen, strahlend «Hi everyone!» in den Saal rief, berichtet sie von einer Facebook-Umfrage unter Lokalredaktionen in England. Der Konzern wollte wissen, wo Mangel herrsche, was die Bedürfnisse seien. Eines der Ergebnisse: Es fehle den Redaktionen an Fachwissen im Umgang mit digitalen Strategien. «Und hier kommen wir ins Spiel», <a href="https://www.journalismfestival.com/programme/2019/community-journalism-and-facebook" target="_blank" rel="noopener">sagt Cox-Brooker</a>.</p>
<p>Der Konzern reagierte. Facebook unterstützt das <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/National_Council_for_the_Training_of_Journalists" target="_blank" rel="noopener">Ausbildungszentrum NCTJ</a> mit 4,5 Millionen Pfund bei der Rekrutierung von JournalistInnen. Und das Unternehmen organisiert Kurse, um den Redaktionen zu zeigen, wie sie mehr Reichweite, mehr Traffic, mehr Engagement mit der «lokalen Community» erreichen. Die Crux: Alle Instrumente, die dazu benötigt werden, stellt Facebook zur Verfügung.</p>
<blockquote><p>Facebook honoriert vor allem Quantität und nicht Qualität: Wer viel postet, gewinnt.</p></blockquote>
<p>Es geht im Verlauf dieser Veranstaltung um Strategien zur Steigerung der Interaktion, es geht um toxische Begriffe in Überschriften, es geht um erfolgreiche Videoformate. Es geht vor allem um Quantität und nicht um Qualität: Wer viel postet, gewinnt. Viele Redaktionen hätten ihre Interaktion mit den LeserInnen trotz den Veränderungen am Algorithmus im vergangen Jahr steigern können, sagte Karyn Fleeting, die Facebook-Verantwortliche für Publikumsinteraktion.</p>
<p>«Aber Achtung!», beendet Fleeting ihren Vortrag, «macht euch bitte auf keinen Fall von Facebook abhängig! Niemand weiss, was sich in drei Monaten wieder ändern kann». Da geht ein Raunen durch das Publikum, übt Facebook hier tatsächlich Selbstkritik? Fleeting fährt fort: «Ich empfehle euch, nicht nur Facebook zu nutzen, sondern nutzt auch Instagram und WhatsApp, um eure LeserInnen zu erreichen und nicht nur von einem Kanal abhängig zu sein.» Instagram und WhatsApp gehören beide Facebook.</p>
<blockquote><p>Kleinere Medien können gar nicht mehr wählen, ob sie mit Facebook zusammenarbeiten wollen oder nicht.</p></blockquote>
<p>Das Ziel des «Facebook Journalism Project» mit seinen 300 Millionen Dollar ist es, dafür zu sorgen, dass die User länger auf der Website oder App eines Medienanbieters bleiben. Und das wiederum steigert die Attraktivität für Werbung. Klingt eigentlich gut. Doch das Ganze hat einen Haken: Kleinere Medien können gar nicht mehr wählen, ob sie mit Facebook zusammenarbeiten wollen oder nicht. Sie sind auf Unterstützung angewiesen und werden durch Partnerprogramme in eine Abhängigkeit getrieben. Sie müssen mitmachen, wenn sie überleben wollen, weil das alte Geschäftsmodell mit Abos und Werbung erodiert und sonst keine anderen Geldgeber da sind – ausser eben Facebook.</p>
<p>Willkommen in der Realität, sagen die einen. Man müsse das Angebot eben annehmen oder die Redaktionen dicht machen. Es helfe kein Jammern und Big-Tech-Bashing bringe auch nichts , wenn bereits der US-Senat Mark Zuckerberg vorlädt und schilt. Das <a href="https://media.journalismfestival.com/programme/2018/what-should-facebook-et-al-do-for-news" target="_blank" rel="noopener">sagt zum Beispiel Jeff Jarvis</a>, ein Medienexperte. Zielführender sei die Frage, was Big-Tech für den Journalismus tun könne, um wieder auf die Beinen zu kommen.</p>
<blockquote><p>Wenn Google und Facebook den Journalismus finanziell unterstüzten, verändert das letztlich auch unseren Blick auf die Welt.</p></blockquote>
<p>Finanzielle Unterstützung mittels Förderprojekten ist eine Antwort. Dabei fliesst das Geld der Tech-Konzerne aber nicht bedingungslos. Es geht gezielt in Ausbildungen, Infrastruktur, Innovation, was aber sehr wohl auch Folgen hat für die Art und Weise, wie Journalismus in Zukunft funktioniert. Und das wiederum verändert unseren Blick auf die Welt. Facebook ist mit seinem Unterstützungsprogramm nicht allein. So hat Google bereits 2015, also drei Jahre bevor Facebook das «Journalism Project» lancierte, seine «Digital News Initiative» (heute: <a href="https://newsinitiative.withgoogle.com/" target="_blank" rel="noopener">Google News Initiative</a>) gegründet. Deren Leistungen für den Journalismus standen in Perugia auf einer anderen Veranstaltung im Fokus.</p>
<p>Rasch wird spürbar, dass <a href="https://www.journalismfestival.com/programme/2019/how-big-tech-is-re-defining-journalism" target="_blank" rel="noopener">auf diesem Podium</a> ein anderer Wind weht als drüben bei Facebook, der Ton wird ernster, die Haltung kritisch. Das liegt daran, dass Google zwar das Thema bestimmt, aber der Konzern nicht als Gastgeber fungiert. Stattdessen sitzen da zwei Journalisten von netzpolitik.org, auch das Reuters Institute for the Study of Journalism, das European Journalism Centre und die «Republik» sind vertreten. Von Google ist niemand da.</p>
<blockquote><p>Bei kritischen Fragen sind die JournalistInnen am IJF in Perugia manchmal ganz unter sich.</p></blockquote>
<p>«Wir hätten wirklich gerne mit jemandem von Google über die Resultate unserer Recherche gesprochen», sagt «Netzpolitik»-Journalist Alexander Fanta, «aber offenbar war man bei Google an diesem Gespräch nicht interessiert». Das ist eine interessante Fussnote an einem Festival, das sich als Forum für Kontroversen und Debatten versteht. Im vergangen Jahr hatte sich bereits die bereits erwähnte Facebook-Managerin Campbell Brown kurzfristig von einem Panel zurückgezogen, nachdem kurz zuvor die Enthüllungen rund um Cambridge Analytica publik geworden waren. Bei kritischen Fragen sind die JournalistInnen am IJF in Perugia manchmal ganz unter sich.</p>
<p>Zurück auf das Podium und zur Frage, wie das Geld der Tech-Giganten den medialen Blick auf die Welt verändert. Alexander Fanta plaudert zur Einleitung ein wenig über seine Ausbildung als Journalist, die unter anderem durch Stipendien von Google und durch Google-finanzierte Austauschprogramme ermöglicht wurde.</p>
<p>«Ich habe mich irgendwann gefragt, warum Google das eigentlich macht», sagt Fanta. «Dann habe ich angefangen, die Motivation jener zu recherchieren, die mich bis dahin finanzierten».</p>
<blockquote><p>Wenn man schaut, was Google mit seinem Geld unterstützt, zeigen sich gewisse Muster. Mit Abstand am meisten gefördert wurden Projekte zur Automatisierung journalistischer Abläufe.</p></blockquote>
<p>Am Ausgangspunkt der <a href="https://netzpolitik.org/2018/citizen-google-wie-ein-konzern-den-journalismus-dominiert/" target="_blank" rel="noopener">Recherche von netzpolitik.org</a>, «Falter» und <a href="https://www.republik.ch/2018/10/15/wie-google-zum-medien-maezen-wurde" target="_blank" rel="noopener">«Republik»</a> stand also die Frage: Warum pumpt Google eigentlich all das Geld in den Journalismus? 150 Millionen investierte der Internet-Konzern seit 2015 in den europäischen Journalismus. Die Selbstbeschreibung lautet: «Die Google News Initiative ist unser Bestreben, mit der Medienbranche zusammenzuarbeiten, um dem Journalismus zu helfen, im digitalen Zeitalter erfolgreich zu sein.»</p>
<p>Wenn man schaut, was Google mit seinem Geld unterstützt, zeigen sich gewisse Muster. Mit Abstand am meisten gefördert wurden Projekte zur Automatisierung journalistischer Abläufe (41 Prozent), gefolgt von Projekten zur audiovisuellen Innovation oder der Innovation von Formaten (21 Prozent). Projekte zur Entwicklung von Instrumenten für den Faktencheck wurden mit 6 Prozent der Gelder unterstützt, Instrumente zur Monetarisierung mit 13 Prozent (Abos etc.) bzw. 6 Prozent (Werbung).</p>
<p>Die Auswertung von netzpolitik.org zeigt, dass die Unterstützungsgelder von Google an strenge Bedingungen geknüpft sind und der Konzern eine sehr genaue Vorstellung davon hat, welche Art von Journalismus in der digitalen Ära aufblühen soll: Der automatisierte Journalismus, heisst, der datengesteuerte Journalismus.</p>
<blockquote><p>Technologie ist nicht neutral. Sie formt unseren Blick auf die Welt, indem sie wichtige Vorentscheidungen trifft.</p></blockquote>
<p>Das erzeugt einerseits dasselbe Abhängigkeitsverhältnis von Googles technischer Infrastruktur, wie das auch bei Facebook mit seinem Journalism Project der Fall ist. Aber nicht nur das: Die Technologiekonzerne definieren mit ihrer Medienförderung, wie in Zukunft News verarbeitet werden und wie über die Welt berichtet wird. Technologie ist nicht neutral. Sie formt unseren Blick auf die Welt, indem sie wichtige Vorentscheidungen trifft, die unser nachfolgendes Handeln beeinflussen. Etwa darüber, mit welchen Instrumenten wir über die Dinge berichten, was wir für relevant erachten und was nicht und – nicht zuletzt – wie wir JournalistInnen miteinander umgehen. Denn sie arbeitet schon jetzt aktiv an der Hierarchie im Newsroom mit, indem sie etwa Fragen der Automatisierung über Fact Checking gewichtet. Dahinter steckt eine Aussage.</p>
<p>Die beiden Veranstaltungen mit Facebook und zu Google spiegelten zwei zentrale Themenfelder am Journalismus Festival in Perugia: Hier die Werbeauftritte der beiden Hauptsponsoren, dort die kritischen Stimmen, deren Panels oft mit einer Reihe von Offenlegungen und Disclaimern eröffnet wurden. Irgendwer hat immer schon mal direkt oder indirekt Geld von Facebook oder Google erhalten.</p>
<p>Dazwischen tut sich eine Lücke auf: Kritische Streitgespräche mögen abends in den Bars und Restaurants stattfinden – an den Panels fehlen sie oft. Kritische Fragen aus dem Publikum nehmen Facebook und Google mit Demut und leichter Herablassung entgegen. «Wir müssen das besser machen», heisst es dann. Nächste Frage. An der Veranstaltung «Criticize Facebook. Sure. Leave? Why?» sitzt immerhin Jesper Doub, Facebook-Direktor für News Partnerships mit KritikerInnen zusammen. Er wehrt sich gegen die Angriffe («Wann macht ihr euren Algorithmus transparent?») mit der Gelassenheit eines Vaters, der sich mit ausgestrecktem Arm die strampelnden Kinder vom Leib hält.</p>
<p>Und so stellt sich zum Schluss noch einmal die Frage, ob sich ein von Google und Facebook gesponserter Anlass seines kritischen Potenzials entledigt; ob sich die Branche mit solchen «Partnern» selbst verrät?</p>
<p>Nein, sagt der Mitgründer und Festival-Leiter Christopher Potter. Eine Debatte ohne Facebook und Google sei im Jahr 2019 schlicht nicht mehr vorstellbar. Die Konzerne erhielten keine Mitsprache am Programm, von den Werbeveranstaltungen einmal abgesehen. Dass RednerInnen aufgrund von Interessenkonflikten nicht nach Perugia kommen, sei in 13 Jahren genau ein mal vorgekommen.</p>
<blockquote><p>Selbst Experten müssen regelmässig eingestehen, das sie nicht genau begreifen, was in den Strategiezimmern der Konzerne vor sich geht</p></blockquote>
<p>Es wäre in der Tat falsch, das Journalismus-Festival als Werbeveranstaltung abzuschreiben. Big-Tech-kritische Veranstaltungen gibt es viele, sie platzen in der Regel aus allen Nähten. Das Bewusstsein für die problematische Beziehung existiert. Und dennoch müssen selbst Experten regelmässig eingestehen, das sie nicht genau begreifen, was in den Strategiezimmern der Konzerne vor sich geht. <a href="https://www.journalismfestival.com/programme/2019/democracy-hacked-political-turmoil-and-information-warfare-in-the-digital-age" target="_blank" rel="noopener">Beispielhaft dafür steht Martin Moore</a>, Autor des Buches «Democracy hacked: Political Turmoil and Information Warfare in the Digital Age», der während seines Vortrags ins Publikum fragte: «Falls mir jemand den genauen Aufbau benutzerorientierte Werbealgorithmen erklären kann, er soll sich bitte melden.»</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/04/16/google-facebook-und-der-journalismus-oder-wenn-sich-das-problem-als-teil-der-loesung-sieht/">Google, Facebook und der Journalismus – oder: wenn sich das Problem als Teil der Lösung sieht</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Klassenfahrt in die Medienzukunft</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2018/04/16/klassenfahrt-in-die-medienzukunft/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Anna Miller]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 16 Apr 2018 07:09:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[International Journalism Festival]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Immer im April wird Perugia zum Epizentrum der globalen Medienbranche. Am internationalen Journalismusfestival fliessen die Gedanken und der Alkohol. Kritische Fragen mischen sich mit Geltungsdrang. Ein Stimmungsbericht. Dienstag, 9 Uhr, wir fahren die Autobahn runter, immer weiter, in den Süden, wie jedes Jahr. Neun Stunden Fahrt, der wirkliche erste Pausenstopp am ersten Autogrill nach der <a href="https://medienwoche.ch/2018/04/16/klassenfahrt-in-die-medienzukunft/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/04/16/klassenfahrt-in-die-medienzukunft/">Klassenfahrt in die Medienzukunft</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Immer im April wird Perugia zum Epizentrum der globalen Medienbranche. Am <a href="https://www.journalismfestival.com/" rel="noopener" target="_blank">internationalen Journalismusfestival</a> fliessen die Gedanken und der Alkohol. Kritische Fragen mischen sich mit Geltungsdrang. Ein Stimmungsbericht.</strong><br />
<img decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/04/MW-Perugia-Journalistenkongress-20180416.jpg" alt="" width="1456" height="976" class="alignnone size-full wp-image-56162" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/04/MW-Perugia-Journalistenkongress-20180416.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/04/MW-Perugia-Journalistenkongress-20180416-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/04/MW-Perugia-Journalistenkongress-20180416-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/04/MW-Perugia-Journalistenkongress-20180416-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/04/MW-Perugia-Journalistenkongress-20180416-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
Dienstag, 9 Uhr, wir fahren die Autobahn runter, immer weiter, in den Süden, wie jedes Jahr. Neun Stunden Fahrt, der wirkliche erste Pausenstopp am ersten Autogrill nach der Grenze in Italien, einmal Espresso für einen Euro und ein Bufalino-Panino. Und wer vor 18 Uhr die 500 Kilometer Strecke hinter sich gebracht hat, darf die Bar aussuchen, in der der Apérol Spritz als Erstes fliesst.</p>
<p>Unser Ziel ist Perugia, das Internationale Journalismusfestival, 2018 in seiner 12. Edition. Für ein paar Tage wird die Piazza IV. Novembre mit ihrer breiten Steintreppe zu unserem zweiten Wohnzimmer. Hier wird die Konkurrenz begutachtet und werden Allianzen geschmiedet, hier wird lange Bier getrunken und ausgeruht, in den Pausen, zwischen den über 300 Panels, über 6 Tage verteilt. Jeder, der was auf sich hält, der sich einbildet, noch was zu werden oder der es schon geschafft hat, ist hier. So auch wir, eine Gruppe von rund 15 Schweizer Journalistinnen und Journalisten, alle ein bisschen von woanders, Lokaljournalismus, Online-Medium, TV-Sender, gross, klein, altmodisch oder nur noch der Digitalisierung verpflichtet. Die einen nehmen es ernster als die anderen, die einen schlafen lang und verpassen so ziemlich allen Inhalt, die anderen schlafen kurz, trinken hart und setzen sich dann acht Stunden ohne Pause in die Panels, die uns Spiegel sein sollen, Weiterbildung, Fenster in die Zukunft.</p>
<p>Das Festival in Perugia ist das grösste Journalismusfestival in Europa. Was hier besprochen wird, findet im Laufe des Jahres auch seinen Weg an Veranstaltungen wie den Journalismustag in Winterthur. Renommierte Journalisten aus der ganzen Welt sprechen in Perugia vor Publikum, darunter der CEO der New York Times, Journalisten aus Krisengebieten, Korrespondentinnen aus Nordkorea. Dutzende Mitarbeitende der BBC, aus Italien, von Vanity Fair bis Condé Nast, sie alle folgen dem Ruf der Organisatoren und pilgern hierher. Ein Hauch von internationaler Grösse weht hier, es stehen Menschen mit Biographien vor einem, denen man in der Schweiz in Journalismuskreisen nie begegnet. Perugia ist das Fenster zu Journalismus, wie er in anderen Ländern, anderen Kulturen, am anderen Ende der Welt gelebt wird, eine wohltuende Abwechslung zu unserer manchmal so kleinen Schweizer Medienwelt.</p>
<p>Perugia ist gleichsam erstaunlich familiär und zeitweilig auch etwas altmodisch, träge schon fast. Manche auf Italienisch gehaltenen Panels werden nicht auf Englisch übersetzt, das WLAN bricht gern mal zusammen, die kleinen, barocken Säle müssen mehr Menschen tragen als sie es eigentlich könnten. Doch diese Nähe ist auch warm, und sie macht es sehr einfach, sich zu begegnen. Man schüttelt Menschen die Hand, die man sonst wohl niemals angesprochen hätte, weil hier eben alles ein bisschen lockerer, zugänglicher, einfacher ist. Wohl an keinem anderen Ort ist es möglich, so weitreichende und diverse Kontakte zu knüpfen. Auch, weil Perugia überschaubar gross ist, alle zu Fuss durch die paar Gassen schlendern, denen entlang sich die Cafés und Restaurants säumen. Wer sich wieder begegnen will, der tut das. Auch wenn mittlerweile alle so sehr auf Twitter sind, dass sie kaum mehr Email-Adressen austauschen, sondern nur noch ihre Social-Media-Accounts an die Wand projizieren, wird während dieser fünf Tage weiterhin Offline vernetzt.</p>
<p>Eine wichtige Plattform ist Perugia vor allem für Schweizer Nachwuchsjournalisten. Die älteren Schweizer Kollegen trifft man selten bis nie hier an, und auch Schweizer Referenten sind eine Seltenheit. All die Herren und Damen, die sich an der Dreikönigstagung oder im Schweizer Fernsehen auf die Bühne stellen oder sonst die Geschicke der Medienbranche in der Schweiz leiten, sucht man in Perugia vergeblich. Vielleicht, weil die Redaktionen Perugia nicht auf dem Schirm haben. Vielleicht, weil die Schweiz sich bisher zu wenig für die globalen Themen und Entwicklungen interessiert, für neue Erzählformen und Kooperationen, die über die Landesgrenzen hinausgehen. Weil fünf Arbeitstage zum Zweck der Weiterbildung zu lange sind. Vielleicht aber auch, weil kaum eine Schweizer Redaktion wirklich offen auf die Medienzukunft zugeht und sich lieber aktiv Innovationskraft holt, als sich von den Veränderungen überrollen und überfordern zu lassen. </p>
<p>Dafür wissen alle, die schonmal hier sind, die Zeit und die Bühne für sich zu nutzen. Perugia ist der Austragungsort für überzogenes Selbstverständnis, die Journalisten sitzen in Scharen in den Cafés und halten anderen Journalisten Mikrofone ins Gesicht, Berichterstattung über Berichterstatter, wie sehr diese Inhalte wirklich ein Publikum finden, scheint zweitrangig. In Perugia darf der Journalist das tun, was er sonst auch gerne tut, er darf sich inszenieren und seiner Berufsgattung eine Wichtigkeit beimessen, die den Leser da draussen wahrscheinlich weniger interessiert als ihn. Aber das darf uns wohl gegönnt sein, in einer turbulenten Zeit, wo die Selbstverständlichkeit unserer Arbeit für Bürger und Leser ins Wanken geraten ist, wo Journalismus in Erklärungsnot gerät und krampfhaft nach neuen Modellen suchen muss, um sich in Zeiten der Digitalisierung und gesellschaftlichen Umbrüchen neu zu finden. </p>
<p>Wir freuen uns jedes Jahr auf Perugia, meine Freunde und ich. Wir tanzen auf den Tischen, wir essen gut, wir bleiben lange auf und diskutieren über Digitalisierung, streiten über Religion, debattieren den Wert von offenen Beziehungen und die Irrelevanz unseres Berufs. Am Sonntag ist alles vorbei, für ein weiteres Jahr, dann setzen wir uns wieder in ein Auto und fahren in den Norden, immer weiter in den Norden, um wieder an die Arbeit zu gehen. Und egal, wie es weitergeht, mit uns, mit dem Journalismus, mit dieser Branche, die wir verfluchen und irgendwie doch lieben, wir wissen: Wir sind nicht allein, da draussen gibt es Geschichten, da draussen gibt es Menschen wie wir, es gibt viele davon, und wir sind noch lange nicht am Ende.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/04/16/klassenfahrt-in-die-medienzukunft/">Klassenfahrt in die Medienzukunft</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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