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	<title>Karoly Vörös | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>Nur im Netz sind Ungarns Medien frei</title>
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		<dc:creator><![CDATA[René Worni]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Jan 2012 12:44:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Nepszabadsag]]></category>
		<category><![CDATA[Ringier]]></category>
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		<category><![CDATA[Karoly Vörös]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Ungarn kann man die unabhängigen Medien inzwischen an einer Hand abzählen. Seit dem Inkrafttreten des umstrittenen Mediengesetzes, über das seit letztem Sommer ein allmächtiger Medienrat wacht, hat ein Kahlschlag stattgefunden. Doch das Bedürfnis nach unabhängiger Information steigt – und wird vor allem im Internet befriedigt. Das beobachtet Karoly Vörös, ehemaliger Chefredaktor von Népszabadság. An <a href="https://medienwoche.ch/2012/01/23/nur-im-netz-sind-ungarns-medien-frei/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/01/23/nur-im-netz-sind-ungarns-medien-frei/">Nur im Netz sind Ungarns Medien frei</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="alignleft" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2012/01/karoly_klein.jpg" alt="" width="120" height="120" /> In Ungarn kann man die unabhängigen Medien inzwischen an einer Hand abzählen. Seit dem Inkrafttreten des umstrittenen Mediengesetzes, über das seit letztem Sommer ein allmächtiger Medienrat wacht, hat ein Kahlschlag stattgefunden. Doch das Bedürfnis nach unabhängiger Information steigt – und wird vor allem im Internet befriedigt. Das beobachtet Karoly Vörös, ehemaliger Chefredaktor von Népszabadság. An der grössten ungarischen Tageszeitung hält Ringier die Mehrheit und beabsichtigt sie ganz zu übernehmen.<br />
<span id="more-6535"></span><br />
«Es gibt noch ein paar wenige Zeitungen und Zeitschriften sowie gerade mal einen Fernseh- und einen Radiosender, von denen man sagen kann, dass sie unabhängig sind», sagt Karoly Vörös. Bis Ende Juni letzten Jahres war Vörös Chefredaktor von Ungarns grösster unabhängiger Tageszeitung Népszabadság. Die ungarischen Medien, stellt Vörös im Gespräch mit der MEDIENWOCHE weiter fest, seien im letzten Jahr regelrecht kaputtgemacht worden.</p>
<p>Über 1000 Medienschaffende der öffentlich-rechtlichen Medienanstalten wurden seit Inkrafttreten des neuen Mediengesetzes unter der rechtsnationalen Regierung Orban entlassen. Was blieb, wurde in einer einzigen und von der Regierungspartei kontrollierten staatlichen Medienholding MTVA zentralisiert. Ein nachhaltiges Versiegen von relevanten Meldungen und Berichten zum aktuellen Geschehen aus Politik und Wirtschaft ist zu beobachten. Unterdessen ist auch die Lizenz des unabhängigen Klubradios ausgelaufen, eine Erneuerung kann sich der Sender nicht leisten, weil die zu erwartenden Lizenzkosten zu hoch sind. Dagegen <a href="http://www.pesterlloyd.net/2012_03/03schmittklubradio/03schmittklubradio.html" target="_blank">protestierten gestern in Budapest</a> rund 10&#8217;000 Leute.</p>
<p>Die Folge: Unabhängige und neue Medien haben enormen Zulauf. «Vor sechs Monaten hatten wir täglich 90 000 Besucher auf der Website von Népszabadság. Jetzt sind es täglich über 150 000. Das zeigt, dass man von den staatlichen Medien keine relevanten Informationen mehr bekommt», sagt Vörös. Neue Medienplattformen schiessen wir Pilze aus dem Boden, vielfach in einzelnen Gemeinden, wenn es gilt, lokale Behörden zu kritisieren und zur Rechenschaft zu ziehen. «Die Situation ist einerseits zwar schlimm für die Medien, andererseits aber macht die Entwicklung im Internet auch Hoffnung.»</p>
<p>Grosse Genugtuung erfuhr der streitbare Ex-Chefredaktor vor knapp einem Monat. Am 27. Dezember hatte das Verfassungsgericht 90 Prozent seiner Verfassungsklage gegen das umstrittene Mediengesetz gutgeheissen. So beurteilte das Gericht beispielsweise die Einsetzung von «Kommissaren», staatliche Medienwächter auf den Redaktionen, als verfassungswidrig. Ebensowenig darf die Aufsicht der Behörden über die elektronischen Medien, die sie wegen der Vergabe der beschränkt verfügbaren Frequenzen ausübt, nicht automatisch auf die Printmedien ausgeweitet werden.</p>
<p>Zum Medienrat selber hat sich das Gericht jedoch nicht geäussert. Dieser ist vollständig mit Leuten aus der Regierungspartei Fidesz bestellt, die für neun Jahre, also für über zwei Legislaturen, gewählt sind. Der Rat ist praktisch allmächtig und kann empfindliche Sanktionen und hohe Bussen verhängen, wenn zum Beispiel Medien die Ausgewogenheit der Berichterstattung – ein willkürlich interpretierbarer Begriff – verletzen (<a href="https://medienwoche.ch/2011/02/14/%C2%ABmediengesetz-fuhrt-zur-selbstzensur%C2%BB/" target="_self">siehe Vörös-Interview vom letzten Februar</a>). Vörös ist jedoch zuversichtlich, dass das Parlament innerhalb der 90 vorgeschriebenen Tage das Gesetz anpassen wird.</p>
<p>Doch das Mediengesetz ist für Vörös nur die Spitze des Eisbergs von vielen neuen Gesetzen, die seiner Ansicht nach mit der ungarischen Demokratie nicht mehr vereinbar seien. Vor anderthalb Wochen warb er europaweit bei Medien und Politikern mit einer Analyse des Ex-Premierministers Gordon Bajnai <a href="http://www.pesterlloyd.net/2012_02/02bajnai/02bajnai.html" target="_blank">zur Lage der Nation</a>. Bajnai, Gründer des Think Tanks «Heimat und Fortschritt», der an neuen politischen Programmen für Ungarn arbeitet, geht mit der Regierung scharf ins Gericht.</p>
<p>Auch die EU erwägt mittlerweilen Sanktionen gegen Ungarn, allerdings steht die Unabhängigkeit der ungarischen Nationalbank und der Justiz im Zentrum und nicht das Mediengesetz. «Die EU war in dieser Sache viel zu vorsichtig», sagt Vörös. Er sei sich nicht sicher, ob es für eine Änderung nicht bereits zu spät sei. «Ich glaube es wird sehr lange dauern, bis in Ungarn wieder eine normale Presse existieren wird.» Vörös lehrt seit seinem Rücktritt, der «nicht politisch motiviert war», an der Eötvös Loránd-Universität am Institut für Medienwissenschaft, zu dessen Gründern er gehört. Auf der Redaktion von Népszabadság hat er nach wie vor ein Büro.</p>
<p>Népszabadság gehört derzeit zu 70 Prozent Ringier. Knapp 30 Prozent hält eine der sozialistischen Partei nahestehende Stiftung, sowie ein paar Journalisten. Ringier möchte das Blatt ganz übernehmen, um es in die bestehenden Ringier-Strukturen in Budapest einzugliedern. Denn in der letzten Zeit seien die Kosten gestiegen, sagt Ringier-Konzernsprecher Matthias Graf. «Wir wollen Synergien nutzen und einen schlankeren Betrieb gewährleisten», so Graf.</p>
<p>In Sachen Unabhängigkeit sei die Haltung von Ringier <a href="https://medienwoche.ch/2011/02/14/ringier-und-die-pressefreiheit/" target="_self">unverändert</a>: «Medienfreiheit ist für uns ein unantastbares Gut und Népszabadság bleibt weiterhin der Pressefreiheit verpflichtet.» Man hat deshalb Vörös und seine Redaktion vor einem Jahr mit der Eingabe der Verfassungsklage gewähren lassen. Ansonsten hält sich Ringier mit Kritik zurück und wartet – wie schon vor einem Jahr – auf die weiteren Schritte der EU. Ringier muss in Ungarn überdies – anders als in Tschechien, Polen, der Slowakei und Serbien – alleine operieren, nachdem die Kartellbehörde im vergangenen Sommer ein Joint Venture mit dem Axel-Springer-Verlag untersagt hatte.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/01/23/nur-im-netz-sind-ungarns-medien-frei/">Nur im Netz sind Ungarns Medien frei</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Damoklesschwert droht weiter</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/02/18/ungarn-damoklesschwert-droht-weiter/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[René Worni]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 17 Feb 2011 23:11:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Europäische Union]]></category>
		<category><![CDATA[Zensur]]></category>
		<category><![CDATA[Karoly Vörös]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Auch nach dem Entscheid der EU-Kommission bleibt das Mediengesetz in Ungarn ein Damoklesschwert für Medienschaffende. Zwar wurde als wichtigste von vier Anpassungen der Artikel 7 entschärft, der die Beleidigung von Personen, Gruppen oder Minderheiten regelt und den Medien kritische Veröffentlichungen weitgehend verunmöglicht hätte. Auch die Forderung nach Ausgewogenheit betrifft nicht mehr Print- und Online, sondern <a href="https://medienwoche.ch/2011/02/18/ungarn-damoklesschwert-droht-weiter/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/02/18/ungarn-damoklesschwert-droht-weiter/">Damoklesschwert droht weiter</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Auch nach dem <a href="http://europa.eu/rapid/pressReleasesAction.do?reference=MEMO/11/89&amp;format=HTML&amp;aged=0&amp;language=EN&amp;guiLanguage=en" target="_blank">Entscheid der EU-Kommission</a><!-- p { margin-bottom: 0.21cm; } --> bleibt das Mediengesetz in Ungarn ein Damoklesschwert für Medienschaffende. Zwar wurde als wichtigste von vier Anpassungen der Artikel 7 entschärft, der die Beleidigung von Personen, Gruppen oder Minderheiten regelt und den Medien kritische Veröffentlichungen weitgehend verunmöglicht hätte. Auch die Forderung nach Ausgewogenheit betrifft nicht mehr Print- und Online, sondern nur noch die elektronischen Medien. Doch das ist nicht genug.<br />
<span id="more-28727"></span><br />
Beim linksliberalen Blatt Nepszabadsag, an dem <a href="http://www.ringier.com/index.cfm?rub=285" target="_blank">Ringier die Mehrheit hält</a> (70,44%) ist eine gewisse Erleichterung spürbar. «Die EU hat mehr getan, als wir erwartet haben», sagt <a href="https://medienwoche.ch/2011/02/14/%C2%ABmediengesetz-fuhrt-zur-selbstzensur%C2%BB/" target="_self">Chefredaktor Karoly Vörös</a>. Die Anpassungen seien jedoch nicht derart, dass man mit dem <a href="http://hungarianvoice.wordpress.com/2011/01/05/englische-ubersetzung-des-mediengesetzes-verfugbar/" target="_blank">Mediengesetz</a> einverstanden sein könne. Vörös und die Minderheitsbesitzerin des Blattes, die Stiftung Freie Presse, <a href="https://medienwoche.ch/2011/02/14/ringier-und-die-pressefreiheit/" target="_blank">halten deshalb die Verfassungsklage aufrecht</a>.</p>
<p>Denn bestehen bleibt weiterhin die Allmacht des ungarischen Medienrates unter der für neun Jahre gewählten <a href="http://www.budapester.hu/index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=7333&amp;Itemid=26" target="_blank">Annamaria Szalai</a>, der Vertrauten von Ministerpräsident Viktor Orban. Dagegen fehlt der EU die Handhabe. «Niemand hat in den vergangenen Jahrzehnten daran gedacht, dass ein solcher Rat einmal in einem EU-Land funktionieren könnte, in den nur die Regierungspartei Mitglieder delegieren kann. Das war schlicht unvorstellbar», sagt Vörös.</p>
<p>Gemäss den Forderungen der EU sollen auch ausländische Medienhäuser nicht mehr mit Geldstrafen gebüsst werden können. Was ist jedoch mit den ungarischen Medien, an denen ausländische Verlage die Mehrheit halten, so wie bei Nepszabadsag? «Wir sind ein traditionelles Medium in Ungarn. Es wird juristische Abklärungen brauchen, was das für Konsequenzen haben könnte», sagt Vörös.</p>
<p>Bei Ringier, wo man analog zu anderen dominierenden ausländischen Verlagen, sich bisher eine direkte Kritik an die Adresse von Ungarns Führung verkniffen hat, begrüsst man die gegenwärtige Entwicklung. Kommunikationschef Matthias Graf erklärt: «Wir begrüssen die Annäherung zwischen der EU und der ungarischen Regierung als gutes Zeichen dafür, dass das Mediengesetz jetzt mit der europäischen Charta der Grundrechte in Einklang gebracht wurde.» Ringier wolle die weitere Entwicklung abwarten und genau beobachten, wie das Regelwerk in der Praxis umgesetzt werde.</p>
<p>Trotz der <a href="http://europa.eu/rapid/pressReleasesAction.do?reference=MEMO/11/89&amp;format=HTML&amp;aged=0&amp;language=EN&amp;guiLanguage=en" target="_blank">auf Druck der EU erfolgten Anpassungen</a> sind weiterhin drei Verfassungsklagen gegen das Mediengesetz hängig, darunter jene der Minderheitseignerin von Nepszabadsag. Gemäss einem <a href="http://www.pesterlloyd.net/2011_07/07mediengesetzKommentar/07mediengesetzkommentar.html" target="_blank">Kommentar der deutschsprachigen Zeitung Pester Lloyd</a> in Budapest könne mit einem Entscheid des ungarischen Verfassungsgerichtes möglicherweise schon Ende März gerechnet werden.</p>
<p>Laut Agenturberichten soll es ausserdem weitere Proteste von der Strasse geben. Eine Facebook-Gruppe «Zivile für die Freiheit der Medien» <a href="http://derstandard.at/1297818285321/Demo-am-15-Maerz-Weiter-Protest-trotz-Aenderung-an-Ungarns-Mediengesetz" target="_blank">ruft für den 15. März zu einer Grossdemonstration</a> gegen das Mediengesetz auf, zu der 50 000 Leute erwartet werden. Auch in weiteren 15 Ländern soll an dem Tag gegen die Beschränkung der Pressefreiheit in Ungarn demonstriert werden.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/02/18/ungarn-damoklesschwert-droht-weiter/">Damoklesschwert droht weiter</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>«Mediengesetz führt zur Selbstzensur»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/02/14/mediengesetz-fuhrt-zur-selbstzensur/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[René Worni]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Feb 2011 12:42:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gespräche]]></category>
		<category><![CDATA[Nepszabadsag]]></category>
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		<category><![CDATA[Ungarn]]></category>
		<category><![CDATA[Karoly Vörös]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Karoly Vörös, Chefredaktor von Nepszabadsag, sagt im Gespräch mit der MEDIENWOCHE, warum in Ungarn die Medien immer schlechter werden und das umstrittene Mediengesetz nur die Spitze des Eisbergs ist. Sein Blatt (Auflage derzeit 70 000 Exemplare) wird von 250 000 Ungarinnen und Ungarn gelesen. MEDIENWOCHE: Herr Vörös, Sie klagen gegen das neue Mediengesetz mit einer Verfassungsbeschwerde. Welches <a href="https://medienwoche.ch/2011/02/14/mediengesetz-fuhrt-zur-selbstzensur/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/02/14/mediengesetz-fuhrt-zur-selbstzensur/">«Mediengesetz führt zur Selbstzensur»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Karoly Vörös, Chefredaktor von <a href="http://www.nol.hu/index.html" target="_blank">Nepszabadsag</a>, sagt im Gespräch mit der MEDIENWOCHE, warum in Ungarn die Medien immer schlechter werden und das umstrittene Mediengesetz nur die Spitze des Eisbergs ist. Sein Blatt (Auflage derzeit 70 000 Exemplare) wird von 250 000 Ungarinnen und Ungarn gelesen.<br />
<span id="more-28722"></span><br />
<em>MEDIENWOCHE: Herr Vörös, Sie klagen gegen das neue Mediengesetz mit einer Verfassungsbeschwerde. Welches sind die wichtigsten Punkte?</em></p>
<p>Karoly Vörös: Es gibt drei zentrale Probleme, worüber das Verfassungsgericht entscheiden muss. Erstens hat man das Mediengesetz im Parlament sehr schnell durchgepeitscht. Am 22. Dezember wurde es verabschiedet, am 31. hat es der Staatspräsident unterschrieben und am 1. Januar trat es bereits in Kraft. Nach unserer Verfassung brauchen alle neuen Gesetze eine Frist von 60 Tagen, bis sie in Kraft treten können, damit sich die Bürgerinnen und Bürger darauf vorbereiten können. Das ist nicht bloss ein formeller, sondern wie ich glaube ein wichtiger Aspekt der Gesetzgebung in Ungarn. Zweitens hatte bisher der ehemalige Medienrat nur Einfluss auf die elektronischen Medien. Das kann man akzeptieren, weil die Sendefrequenzen knapp sind und der Staat entscheiden soll, wer eine Frequenz bekommt und wer nicht. Aber dieses Recht auf die Printmedien und auf die Internetmedien auszuweiten, ist meiner Auffassung nach verfassungswidrig, weil hier diese Knappheit nicht besteht. Bisher hat das Strafgesetzbuch diesen Bereich klar geregelt.</p>
<p><em>Jetzt entscheidet also der Medienrat anstelle eines Gerichtes?</em></p>
<p>Ja und er kann die Printmedien bestrafen. Drittens wurden bestimmte Paragraphen schwammig formuliert. Der Medienrat kann diese Gummiparagraphen so interpretieren wie er will. Zum Beispiel den Paragraphen 13, worin die Journalistinnen und Journalisten verpflichtet sind, aktuell, genau und ausführlich über lokale Ereignisse, über Ereigniss  in Ungarn und in Europa alles zu berichten, was für die Bürgerinnen und Bürger von Ungarn relevant ist. Wer aber entscheidet, was für sie relevant ist? Sowas kann man in einer Zentrale bestimmen. Das war bereits in Mode während des Sozialismus, als die Partei bestimmt hat, worüber die Zeitungen zu schreiben haben.</p>
<p><em>Medienschaffende sollen auch ihre Quellen offenlegen müssen, wenn der Medienrat das verlangt.</em></p>
<p>Die Autoren des Mediengesetzes  sagen immer wieder, dass sie die Journalisten schützen wollen; sie seien nicht verpflichtet, ihre Informanten anzugeben. Doch der entsprechende Paragraph ist derart verschwommen formuliert, wann ein Journalist seine Quelle offenlegen muss, dass wir das gar nicht interpretieren können. Interessant ist, dass das Gesetz zwar am 1. Januar in Kraft getreten ist, der Medienrat die Medien aber erst ab 1. Juli bestrafen kann. Am 30. Juni werden wir den Vorsitz im EU-Ministerrat abtreten und gleich am folgenden Tag kann man in Ungarn bereits die Presse bestrafen.</p>
<p><em>Warum werden die ungarischen Medien auf diese Weise kontrolliert und die Pressefreiheit praktisch abgeschafft? </em></p>
<p>Ich glaube es geht darum, dass die Journalisten in einer ständigen Angst vor Bestrafung leben sollen. In einem solchen Klima zu arbeiten ist nicht besonders gut, weil das sehr schnell zur Selbstzensur führt.</p>
<p><em>Die Proteste der wichtigen ausländischen Verleger in Ungarn blieben weitgehend aus. Auch Ihr Mehrheitsbesitzer Ringier hielt sich zurück.</em></p>
<p>Als die Redaktion von Nepszabadsag sich entschlossen hat, eine Verfassungsklage auszuarbeiten, war Ringier nicht dagegen. Ringier hat es ganz der Redaktion überlassen, was wir machen werden.</p>
<p><em>Wie beurteilen Sie das Vorgehen der Europäischen Union?</em></p>
<p>Das Thema ist in der EU noch nicht von der Tagesordnung verschwunden. Gerade fand eine Debatte im EU-Parlament statt. Die Grünen, die Sozialdemokraten und auch die Liberalen wollen der ungarischen Regierung zu verstehen geben, dass das Gesetz nicht mit dem europäischen Recht vereinbar ist. Ausserdem verhandeln Mitarbeiter der Ungarischen Regierung und der EU darüber, was man im Mediengesetz verändern muss. Ich bin sicher, dass dieser Prozess weitergeht. Das ungarische Verfassungsgericht muss jedoch sehr schnell darüber entscheiden, ob das Mediengesetz verfassungswidrig ist oder nicht. Das Mediengesetz ist jedoch nur die Spitze des Eisberges. Viele Dinge sind in den vergangenen neun Monaten unter dem neuen Ministerpräsidenten passiert, die genauso wichtig sind wie das Mediengesetz.</p>
<p><em>Woran denken Sie konkret? </em></p>
<p>Es gibt die neue Mode, dass Verfassungsänderungen und neue Gesetze nicht von der Regierung in das Parlament gebracht werden, sondern einzelne Abgeordnete reichen Gesetzesänderungen ein. In den Kommissionen muss dann nicht zu Ende debattiert werden, ob der Vorschlag gut oder schlecht ist. Man kann sofort entscheiden. Weiter hat man die Kompetenz des Verfassungsgerichtes deutlich eingeschränkt. Es darf zum Beispiel nicht mehr über Dinge entscheiden, welche direkt oder indirekt das Budget des Landes betreffen. Der neue Staatspräsident ist eine Kreation des Ministerpräsidenten. Er versteht nichts von juristischen Fragen und verhält sich wie eine Marionette. In den vergangenen neun Monaten hat er mehr als hundert neue Gesetze unterschrieben und dabei keinen einzigen Satz als verfassungswidrig beanstandet.</p>
<p><em>Wie beurteilen sie die Auswirkungen des Gesetzes mittelfristig? Kommt es zu Verhältnissen wie in Italien, wo Silvio Berlusconi alle wichtigen Medien kontrolliert? </em></p>
<p>Die Medien werden in Ungarn schon heute von der Regierung stark kontrolliert. Ich kann nicht sagen, dass wir verlässliche öffentlich-rechtliche Medien haben. Überall hat die Regierung die Redaktionen neu besetzt und umgeformt.</p>
<p><em>Die Veränderungen passieren erst, seit Viktor Orban an der Macht ist? </em></p>
<p>Ja. Man kann beobachten, dass die Medienschaffenden versuchten, sich vorsichtiger auszudrücken und lieber unbedeutende Sendungen machen. Die Nachrichten der öffentlich-rechtlichen Medien sind ziemlich lächerlich, denn über wichtige politische Ereignisse erfahren wir nichts, dafür vieles über bedeutungslose allgemeine gesellschaftliche Probleme. Heute Vormittag zum Beispiel ging es auf diesen Kanälen um die Ehe und darum, wie wichtig es sei, dass sich junge Menschen darauf vorbereiten. Die öffentlich-rechtlichen Medien wurden auch strukturell umgeformt. Die sieben bisher unabhängigen Institutionen, also drei TV-Sender, drei Radiostationen und eine Nachrichtenagentur, hat man in einer Holding unter einer einzigen Führung zusammengefasst. In einem riesengrossen Newsroom werden für die TV-Sender und Radios die Sendungen hergestellt. Die einzelnen Stationen können Beiträge nur noch bestellen, aber nicht mehr selber produzieren. Das macht jetzt die Holding.</p>
<p><em>Was bedeutet es für Ihre Redaktion, wenn die öffentlich-rechtlichen Medien und auch die Nachrichtenagentur gleichgeschaltet sind? </em></p>
<p>Wir versuchten überall unsere Mitarbeiter vor Ort zu haben. Nur etwa fünf Prozent unserer Beiträge stammen von Agenturen. Wir werden das irgendwie überleben. Ende Januar habe ich den Vertrag mit der Nachrichtenagentur gekündigt, denn sie berichtet nicht mehr korrekt beziehungsweise gar nicht über wichtige Ereignisse. Ab dem 1. April werden ihre Dienste sogar für alle kostenlos. Das ist sehr aufschlussreich.</p>
<p><em>War das Mediengesetz denn überhaupt Thema in den öffentlich-rechtlichen Medien? </em></p>
<p>Kaum. Es wurde nicht ausführlich diskutiert, sondern immer wiederholt, man solle nicht voreilig über das Gesetz urteilen, sondern zuerst seine Wirkung abwarten. Das halte ich für keine demokratische Auffassung, denn in einer demokratischen Gesellschaft müssen Gesetze klar, eindeutig und normativ sein. Sonst ist es keine Demokratie, sondern etwas anderes. Ich will nicht vom Goodwill der Direktorin des Medienrates abhängig sein.</p>
<p><em>Wie lautet Ihre Zukunftsprognose für die ungarischen Medien?</em></p>
<p>Das ist schwer zu beurteilen, denn der Kampf gegen die vielen Änderungen ist schwierig. Die Gesetzgebung hat sich in Ungarn stark verschlechtert. Die Rechtsexperten arbeiten ungenau, ihre Texte bei allen neuen Gesetzen sind schlecht verfasst und politisch stark beeinflusst.</p>
<p>Das Gespräch fand am 13. Februar statt.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/02/14/mediengesetz-fuhrt-zur-selbstzensur/">«Mediengesetz führt zur Selbstzensur»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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