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	<title>Kurt W. Zimmermann | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>Brotbäcker, Demodistanz, Langweilerliste</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2021/05/15/brotbaecker-demodistanz-langweilerliste/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Bettina Büsser]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 15 May 2021 08:20:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Rafael Zeier]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtpolizei Zürich]]></category>
		<category><![CDATA[Kurt W. Zimmermann]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>The Good – Tech-Reporter kann auch Brot backen Heute Samstag läuft die Frist aus, innert der Nutzer*innen die umstrittenen neuen Whatsapp-Nutzungsbedingungen akzeptieren müssen. Dazu gibt es ein informative Video von Tamedia-Technik-Journalist Rafael Zeier. Es ist – natürlich – nicht Zeiers erstes Video. Bis vor einem Jahr hat er seine Filme mit dem hauseigenen Webvideo-Team gedreht. <a href="https://medienwoche.ch/2021/05/15/brotbaecker-demodistanz-langweilerliste/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/05/MW-Good-Bad-Ugly-20210515b.jpg" alt="" width="1456" height="488" class="alignnone size-full wp-image-88527" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/05/MW-Good-Bad-Ugly-20210515b.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/05/MW-Good-Bad-Ugly-20210515b-300x101.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/05/MW-Good-Bad-Ugly-20210515b-768x257.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/05/MW-Good-Bad-Ugly-20210515b-1024x343.jpg 1024w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /></p>
<h3>The Good – Tech-Reporter kann auch Brot backen</h3>
<p>Heute Samstag läuft die Frist aus, innert der Nutzer*innen die umstrittenen neuen Whatsapp-Nutzungsbedingungen akzeptieren müssen. Dazu gibt es ein <a href="https://youtu.be/ESCoZfgX8iA" rel="noopener" target="_blank">informative Video</a> von Tamedia-Technik-Journalist Rafael Zeier. Es ist – natürlich – nicht Zeiers erstes Video. </p>
<p>Bis vor einem Jahr hat er seine Filme mit dem hauseigenen Webvideo-Team gedreht. Dann kamen Corona, Homeoffice und Kurzarbeit. Zeier hatte mehr Freizeit, war zuhause, musste seine Videos selbst produzieren – und wurde zum «passionierten Youtuber». <a href="https://www.youtube.com/channel/UCMW8XBBRkjrF_fweALWaZyw" rel="noopener" target="_blank">Er filmt sich dabei</a>, wie er «neue Sachen ausprobiert»: die Smartwatch von TAG Heuer etwa, das iPhone 12 Mini oder die Handwasch-Funktion der Apple Watch. Mittlerweile hat er 8250 Abonnent*innen. </p>
<p>Zum Abschluss seiner Kurzarbeits-Zeit hat Tech-Journalist Zeier nun aber ein <a href="https://youtu.be/2mpX_mQDkDY" rel="noopener" target="_blank">Video gedreht</a>, das es verdient hat, weit über die Techie-Szene hinaus Beachtung zu finden: Er bäckt Brot – und zwar nach seinem «faulen Brotrezept», das er während der Kurzarbeit entwickelt hat. Es ist tatsächlich sehr einfach. Und das Video ist auch sehenswert für Leute, die sich nicht für Brot interessieren. Denn wie Zeier, heiter «zemm, zemm, zemm» summend, die Hefe zerbröselt, wie er mit einem «Soodela» Wasser nachschüttet, wie er plaudert und rührt und plaudert und rührt und plaudert und rührt – das wirkt auf die Zuschauerin so entspannend wie zwei Stunden Wellness. Mindestens.</p>
<h3>The Bad – Stapo Zürich hält Medien auf Distanz</h3>
<p>«Mitgegangen, mitgefangen» – so lautete offensichtlich die Devise der Zürcher Stadtpolizei am 1. Mai: Reporter*innen wurden kontrolliert, weggewiesen und verzeigt. Damit müssten sie rechnen, teilte ihnen ein Tweet des offiziellen Accounts der Zürcher Stadtpolizei mit, wenn sie «sich nicht von den Demoteilnehmenden distanzieren und somit als Teil der Veranstaltung in Erscheinung treten».</p>
<p>Was sich wie ein Ausrutscher eines überforderten Stapo-Medienverantwortlichen las, bestätigte sich eine knappe Woche später an einer «Aussprache», zu der Stadträtin Karin Rykart und Kommandant Daniel Blumer verschiedene Organisationen1, unter anderem den <a href="https://presseverein.ch/offener-brief-karin-rykart-stadt-zuerich-pressefreiheit/" rel="noopener" target="_blank">Zürcher Presseverein ZPV</a> sowie betroffene Journalist*innen, <a href="#stern">eingeladen*</a> hatten. In der Medienmitteilung dazu wird Blumer zitiert, der an die Adresse der Demo-Reporter*innen sagt, es gelte «die dringende Empfehlung, räumlich und sachlich eine gewisse Distanz zu halten».</p>
<p>Anweisungen, wie gross diese «räumliche Distanz» sein muss, gibt es keine. Ebenso wenig wird definiert, wie die «sachliche Distanz» aussehen soll. Sollen Demo-Reporter*innen künftig laut «Bösi Demonschtrante!» rufen?</p>
<p>Der ZPV ist <a href="https://presseverein.ch/aussprache-mit-der-stadtpolizei/" rel="noopener" target="_blank">nicht zufrieden</a> mit der Aussprache. Es besteht auch wenig Grund für Optimismus. Bereits im <a href="https://presseverein.ch/offener-brief-karin-rykart-stadt-zuerich-pressefreiheit/" rel="noopener" target="_blank">Juli 2020</a> traf man sich in ähnlicher Runde zu einer Aussprache. Ohne Konsequenzen, wie der diesjährige 1. Mai zeigte.</p>
<p>Vielleicht kommt dafür ein neues Element ins Zürcher Brauchtum: eine jährliche «Aussprache», zwischen dem Sechseläuten im April und Knabenschiessen im Herbst. Wieso nicht jeweils am 3. Mai – dem Tag der Pressefreiheit?</p>
<h3>The Ugly – Zimmermann lists again</h3>
<p>Kurt W. Zimmermann hat eine Liste gemacht. Das tut er hie und da. Schon <a href="https://www.edito.ch/klartext/2007/07/11/page/145/" rel="noopener" target="_blank">vor vielen, vielen Jahren</a> schrieb er in seiner «Weltwoche»-Kolumne: «Was also tut der Kolumnist, wenn die Aktualität kein Thema diktiert? In solchen Fällen gibt es (…) nur eine sichere Lösung: Man macht ein Rating. Das Rating ist das publizistische Allwetterformat. Es ist zeitlos, subjektiv und geistig anspruchslos.»</p>
<p>Diesmal widmet er sein Allwetterformat den «schlechtestgelaunten Journalisten der Schweiz»: Er listet zehn Journalist*innen auf (die Namen tun nichts zur Sache, der Text steht eh hinter der Paywall), beschreibt ihr Schaffen (frei nach Gefühl) und bezeichnet sie als «Griesgram», «Menetekel», «Leidensgenossin», «Miesepeter», «Bedenkenträger», «Spassbremse», «Terrier», «Apokalyptiker», «Schwarzmaler» und «Polterer».</p>
<p>Man mag einwenden, dass die Themen der von Zimmermann gelisteten Journalist*innen nicht unbedingt Anlass für lustige Artikel schaffen. Oder dass kurze Recherchen genügen, um herauszufinden, dass sie auch andere Themen und Tonalitäten kennen als die von Zimmermann aufgezählten.</p>
<p>Doch: Kann es ein, dass hinter der Liste quasi ein Hilferuf eines Pensionärs steckt, der sich wehmütig an seine Zeiten bei der lustigen «SonntagsZeitung», dem aufgestellten (aber leider verblichenen) «Facts», dem fröhlichen (aber leider verblichenen) TV3 erinnert – und der sich dann bei der «Weltwoche» wiederfindet? Wo im Editorial gezittert wird, weil die «grünen Evangelisten», die  «säkularen Taliban» «alles» bedrohen, «worauf unsere Zivilisation beruht»?</p>
<p><a name="stern"></a><small>*Bettina Büsser arbeitet unter anderem für die NGO Reporter ohne Grenzen; sie war auch zu der Aussprache eingeladen, konnte aber aus Quarantänegründen nicht teilnehmen.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/05/15/brotbaecker-demodistanz-langweilerliste/">Brotbäcker, Demodistanz, Langweilerliste</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>«Lieber Kurt W. Zimmermann …»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2019/02/08/lieber-kurt-w-zimmermann/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 08 Feb 2019 11:20:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Kurt W. Zimmermann]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Sie schreiben in der Weltwoche «Die Party ist vorbei» und bis jetzt weiss ich nicht, was dieser Titel mit dem Abbau von 14 Stellen in der grössten Frauenzeitschrift der Schweiz zu tun hat. Uns hole der Zeitgeist ein, schreiben Sie und ich frage mich, von welchem Zeitgeist Sie sprechen.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/02/08/lieber-kurt-w-zimmermann/">«Lieber Kurt W. Zimmermann …»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Sie schreiben in der Weltwoche «Die Party ist vorbei» und bis jetzt weiss ich nicht, was dieser Titel mit dem Abbau von 14 Stellen in der grössten Frauenzeitschrift der Schweiz zu tun hat. Uns hole der Zeitgeist ein, schreiben Sie und ich frage mich, von welchem Zeitgeist Sie sprechen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/02/08/lieber-kurt-w-zimmermann/">«Lieber Kurt W. Zimmermann …»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
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		<title>Kurt W. Zimmermann gibt sein Südtiroler Magazin ab</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2017/06/28/kurt-w-zimmermann-gibt-sein-suedtiroler-magazin-ab/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 27 Jun 2017 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Kurt W. Zimmermann]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Zehn Jahre lang war der Journalist Kurt W. Zimmermann als Verleger in Südtirol engagiert. Jetzt hat er seinen Anteil am Wochenmagazin «ff» an einen Studenten verkauft.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Zehn Jahre lang war der Journalist Kurt W. Zimmermann als Verleger in Südtirol engagiert. Jetzt hat er seinen Anteil am Wochenmagazin «ff» an einen Studenten verkauft.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/06/28/kurt-w-zimmermann-gibt-sein-suedtiroler-magazin-ab/">Kurt W. Zimmermann gibt sein Südtiroler Magazin ab</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Zimi und das Elend der Branche</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/06/16/zimi-und-das-elend-der-branche/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Jun 2016 11:47:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Kurt W. Zimmermann]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>&#8222;Und damit ist die wichtigste nationale Bastion seriöser Medienkritik gefallen.&#8220;: Roger Schawinski beobachtet beim Branchenmagazin «Schweizer Journalist» einen ungesunden Kulturwandel unter dem neuen Chefredaktor Kurt W. Zimmermann.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/06/16/zimi-und-das-elend-der-branche/">Zimi und das Elend der Branche</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>&#8222;Und damit ist die wichtigste nationale Bastion seriöser Medienkritik gefallen.&#8220;: Roger Schawinski beobachtet beim Branchenmagazin «Schweizer Journalist» einen ungesunden Kulturwandel unter dem neuen Chefredaktor Kurt W. Zimmermann.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/06/16/zimi-und-das-elend-der-branche/">Zimi und das Elend der Branche</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>«Heute gibt es im Journalismus keine faulen Nüsse mehr. Perfekt!»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/07/17/heute-gibt-es-im-journalismus-keine-faulen-nuesse-mehr-perfekt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Jul 2015 13:59:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Basler Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Kurt W. Zimmermann]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Er ist der wichtigste Medienkritiker der Schweiz: Kurt W. Zimmermann. Ein Sommergespräch über Tagi, NZZ, Blick, SRF und seine eigenen Fehlprognosen.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Er ist der wichtigste Medienkritiker der Schweiz: Kurt W. Zimmermann. Ein Sommergespräch über Tagi, NZZ, Blick, SRF und seine eigenen Fehlprognosen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/07/17/heute-gibt-es-im-journalismus-keine-faulen-nuesse-mehr-perfekt/">«Heute gibt es im Journalismus keine faulen Nüsse mehr. Perfekt!»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>«Die Gegenposition zum Mainstream ist immer richtig»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/02/28/die-gegenposition-zum-mainstream-ist-immer-richtig/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2015/02/28/die-gegenposition-zum-mainstream-ist-immer-richtig/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 28 Feb 2015 22:30:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Roger Köppel]]></category>
		<category><![CDATA[Weltwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Kurt W. Zimmermann]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[SVP]]></category>
		<category><![CDATA[Porträt]]></category>
		<category><![CDATA[Blocher-Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Christoph Blocher]]></category>
		<category><![CDATA[Schweiz]]></category>
		<category><![CDATA[Blocher-Medien 2014]]></category>
		<category><![CDATA[Rudolf Augstein]]></category>
		<category><![CDATA[Esther Girsberger]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mit 50 Jahren ist Roger Köppel der bekannteste Journalist der Schweiz und ein unabhängiger Verleger mit Herzblut, vieles erinnert an Rudolf Augstein. Von seinen ehemaligen Kollegen und Arbeitgebern hat er sich emanzipiert, seine Weltwoche sieht er als Truppe, die mit dem Rammbock an die Tore unerstürmter Burgen hämmert. Bei den im Oktober anstehenden Wahlen will <a href="https://medienwoche.ch/2015/02/28/die-gegenposition-zum-mainstream-ist-immer-richtig/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Mit 50 Jahren ist Roger Köppel der bekannteste Journalist der Schweiz und ein unabhängiger Verleger mit Herzblut, vieles erinnert an Rudolf Augstein. Von seinen ehemaligen Kollegen und Arbeitgebern hat er sich emanzipiert, seine Weltwoche sieht er als Truppe, die mit dem Rammbock an die Tore unerstürmter Burgen hämmert. Bei den im Oktober anstehenden Wahlen will er nun auch noch für die Schweizerische Volkspartei (SVP) als Nationalrat ins Parlament einziehen.</strong></p>
<div align="right">
<h2>«Wir werden ohne Rücksicht auf Verluste eine faire und schonungslose Klinge schlagen. Wir sind unabhängige Leute, und man wird sich daran gewöhnen müssen. Wenn wir das Maul halten sollen, muss man es uns schon stopfen.»</h2>
<p><small>Rudolf Augstein, damals 28, in einem Kommentar zum fünfjährigen Bestehen des «Spiegel» 1951, zitiert aus «Die Herren Journalisten» (Lutz Hachmeister / Friedemann Siering 2002, C.H. Beck), Seite 97.</small></div>
<p></p>
<p>Am 21. März 2015 ist es soweit: Roger Köppel wird 50 Jahre alt. Er strahlt noch immer Jugendlichkeit aus, was seinem noch nicht ergrauten Haar und seiner hellwachen Art, aber natürlich auch seinem nachhaltigen Lebenswandel geschuldet ist. Er raucht nicht, trinkt wenig Alkohol, treibt viel Sport, gesundheitsgefährdend ist nur das Übermass an Arbeit, das er sich aufbürdet. Dass Köppel heute der wichtigste Journalist der Schweiz ist, hat er nicht nur grossem Talent und harter Arbeit zu verdanken, sondern auch einer frühen Förderung. Bereits mit 32 Jahren wurde er zum Chefredaktor des damals renommierten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Magazin_%28Schweiz%29">«Magazins»</a> ernannt. Esther Girsberger erinnert sich, dass die damalige Entscheidung in ihre Kompetenz fiel: «Bei der Nachfolgefindung von René Bortolani dachte ich: Roger Köppel ist der Richtige. Schreibt sehr gut, ist eloquent und breit aufgestellt. Kurt W. Zimmermann dagegen, damals Geschäftsleitungsmitglied der Tamedia, reagierte zunächst mit dem Satz ‹Spinnst Du eigentlich?› auf meinen Vorschlag».</p>
<p>Zimmermann kann sich daran nicht erinnern. Auf Anfrage schreibt er: «Köppel war im Haus schon lange als gewitzter Typ aufgefallen und hatte Anhänger bis hinauf in die Unternehmensspitze. Wenn ich mich richtig erinnere, waren besonders Hans-Heinrich Coninx, Iwan Rickenbacher und Antje Landshoff sehr von ihm angetan. Auch Roger de Weck hatte zuvor mehrmals gesagt, dass er Köppel zwar für einen etwas speziellen Typen, aber für einen der kommenden Köpfe im Hause halte.» Köppel ist ein anderer Satz von Zimmermann in Erinnerung geblieben, geäussert an jener Sitzung der Geschäftsleitung, an der er sein Konzept für das «Magazin» vorstellte: «Wenn ich Dir so zuhöre, krampft sich alles in mir zusammen.» Der Trend sei damals eben «reiner Lifestyle und Sauglattismus à la SZ-Magazin» gewesen, so Köppel, und die damaligen Vorbehalte sind längst begraben: «Kurt und ich wurden bald Freunde und mein Respekt für ihn ist über all die Jahre gleichbleibend gross geblieben. Aber ohne Esther Girsberger wäre ich nie Chef des Magazins geworden – dafür bin ich ihr bis heute dankbar. Wie auch Michel Favre und Hans Heinrich Coninx, die sich auf das Abenteuer eingelassen haben.» Seine eigene Förderung hat er zurückgegeben, in dem er selbst Journalisten förderte: ehemalige Angestellte von ihm sind heute in den Chefredaktionen von «Blick», Basler Zeitung und Sonntagszeitung anzutreffen. Köppel weist darauf hin, dass er seinen Nachfolger beim «Magazin», Res Strehle, selbst angestellt und gegen Bedenken aus der Geschäftsleitung mit einem Zehnpunkte-Empfehlungsschreiben als neuen Chef empfohlen hat.</p>
<h3>«Darth Vader»</h3>
<p>«Eigentlich müsste man, wenn ich in die Redaktion komme, den Darth-Vader-Marsch spielen», sagte Köppel der <a href="http://www.zeit.de/2002/06/Bad_Guy_in_der_Warteschleife/komplettansicht">«Zeit» 2002</a>, und dieser Satz zeigt seine Faszination für die Macht und für das Böse. Und seinen Humor, den ihm einige absprechen wollen, während ihn andere nicht verstehen können. Doch verkörpert er das Böse oder strebt er es an, wie das einige seiner Gegner glauben? «Keine Sorge, der will nur spielen», ist ein geflügeltes Wort unter Hundebesitzern, dem zurecht nicht immer zu trauen ist. Und auch bei Köppel fragt man sich des Öfteren: Wohin zeigt sein innerer moralischer Kompass? Hat er überhaupt einen oder ist er tatsächlich amoralisch, wie das ein ehemaliger Mitarbeiter behauptet? In Friedenszeiten sind Artikel, die Hooligans in Schutz nehmen, pauschal über Roma urteilen und Titel, die den Koran zur «Bibel der Gewalt» erklären, einigermassen gut erträglich. Aber würde Köppel seine Macht auch ganz anders ausnützen, wenn er nur könnte? Auf welcher Seite der Macht stände «Darth Vader» in einem veränderten Machtgefüge, auf der hellen oder auf der dunklen?</p>
<p>Köppel hat auf all diese Fragen eine simple Antwort: «Ich sehe meine Aufgabe nicht darin, auf der Seite der Mehrheit zu stehen. Wenn alle auf den kleinen, dicken Aussenseiter zeigen auf  dem Pausenplatz, dann braucht der, der sich neben ihn stellt, etwas mehr Mut. Die Einnahme der Gegenposition zum Mainstream ist immer richtig. Wo alle loben, muss man kritisieren. Wo alle kritisieren, muss man loben.» Und da hat er natürlich recht. Jeder, der am Pranger der Medien oder der Bevölkerung steht, hat wenigstens einen Anwalt verdient; das gilt für Geri Müller genauso wie für Grossbanken, Rohstoffhändler oder das noch mächtigste Land der Welt. Sich selbst sieht er als <a href="http://www.duden.de/rechtschreibung/Eklektiker">Eklektiker</a>: «Wenn ein anderer eine interessante Idee hat, bin ich der erste, der die nach vorne bringt. Jeder Journalist sollte Eklektiker sein. Er muss interessante Ideen und Gedanken ungeachtet des Absenders prüfen und verarbeiten.»</p>
<blockquote class="twitter-tweet" lang="en">
<p>Breaking News: wieder Kurswechsel bei der Weltwoche! <a href="http://t.co/gzChWmyccs">pic.twitter.com/gzChWmyccs</a></p>
<p>&mdash; Markus Schär (@SchaerWords) <a href="https://twitter.com/SchaerWords/status/398757380436930560">November 8, 2013</a></p></blockquote>
<p><script async src="//platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script></p>
<p>Aufgewachsen ist Roger Jürg Köppel in der Agglo, in Kloten und Bülach. Sein Vater, ein Ostschweizer, lernte Maurer und war später Besitzer der Hochbaufirma Köppel AG, spezialisiert in Renovationen. Nach gesundheitlichen Problemen in den 1970er-Jahren verkaufte er die Firma und starb wenige Jahre später, wie auch seine Mutter. Bereits als Teenager zum Vollwaisen geworden, wuchs er in der mütterlichen Wohnung bei seinem zehn Jahre älteren Bruder und dessen Freundin auf. Die Grosseltern, Tanten und Onkel halfen im Haushalt. Als erster seiner Familie schaffte er es ans Gymnasium und später an die Hochschule. Nach der Kantonsschule Zürcher Unterland und vor seinem Eintritt in die Universität Zürich sammelte er Gepäckwagen am Flughafen Zürich. Wie ein bekannter Reporter beim Tages-Anzeiger übrigens, Constantin Seibt, der weitere erstaunliche Parallelen im Lebensweg aufweist: Die beiden hatten den gleichen Jugendfreund, den gleichen Mentor, den gleichen Professor &#8211; und schafften es trotzdem, sich dabei kein einziges Mal über den Weg zu laufen. Eigentlich wollte er Lehrer werden, sagt mir Köppel. Er habe schon immer gerne Vorträge gehalten und der pädagogische Furor habe ihn bis heute nicht verlassen.</p>
<h3>Ideenmaschine</h3>
<p>Glaubt man seinen Gegnern, so hat er aus der Weltwoche ein Propaganda- und Hetzblatt gemacht. Doch Köppel steht unbeirrbar zu dem, was er macht, und publizistisch hat er abseits fragwürdiger Titelbilder und Zuspitzungen bislang verhältnismässig wenige Fehltritte zu verantworten, <a href="http://presserat.ch/positions.htm">siehe dazu die Stellungnahmen auf Presserat.ch</a>. Für ambitionierte Journalisten kann er in vielen Bereichen nur ein Vorbild sein: Sein Output ist oft höher als der seiner Mitarbeiter oder Konkurrenten, Interviews macht er wie nebenbei, jede Woche steht ein sprachlich eloquenter und inhaltlich wegweisender Text («Editorial»), ständig beschäftigt er sich mit neuen Fragen und veröffentlicht neue Artikel. Selbst ist er vielleicht nicht der allerbeste Rechercheur, doch das macht er wett, in dem er sein Magazin konsequent auf die Recherche ausrichtet. Seine herausragende Stärke ist die Ideenmaschine, die in ihm sprudelt sowie seine glasklare, stets elegante Sprache. Dass er ein ganzes Wochenmagazin nach seiner Art prägen konnte, ohne dabei die Wurzeln des Titels zu verleugnen, ist eine beachtenswerte Leistung, die ihm (leider) niemand nachmacht. Wie lebendig und aufregend wäre doch eine Schweizer Medienszene mit zwanzig Köppels in den Sesseln der Chefredaktionen! Die müssten auch gar nicht alle männlich und liberalkonservativ sein, sondern vielleicht weiblich, grünliberal oder kommunistisch. Und nicht besessen von Politik und Wirtschaft, sondern vielleicht von Mode, Fussball, Biologie, Mangas oder Malerei.</p>
<div style="border: 1px solid #dddddd; margin: 3px 0px 10px 10px; padding: 7px; background: #ececec none repeat scroll 0% 0%; float: right; font-size: 0.9em; width: 147px; line-height: 1.3em; color: #4382cf;"> <a href="https://medienwoche.ch/tag/blocher-medien-2014/"><strong><big>Werdegang</big></strong></a></p>
<p>1988-1994:<br />
Film- und Sportredaktor bei der NZZ<br />
1994-1997:<br />
Kulturredaktor beim Tages-Anzeiger<br />
1997-2001:<br />
Chefredaktor «Das Magazin», ab 2000 zusätzlich stellvertretender Chefredaktor beim Tages-Anzeiger.<br />
2001-2004:<br />
Chefredaktor der Weltwoche<br />
2004-2006:<br />
Chefredaktor «Die Welt»<br />
2006-heute:<br />
Chefredaktor und Eigentümer der Weltwoche
</p></div>
<p>Auch wenn dem inzwischen zum Millionär gewordenen Aufsteiger nachgesagt wird, geizig zu sein und in ständiger Angst vor dem Verarmen zu leben, zahlt er seine Mitarbeiter ordentlich, die Freien sogar sehr gut im Vergleich zur Konkurrenz. Er lebt in Symbiose mit seiner Firma &#8211; jeder Franken, der ausgegeben wird, sieht er als sein eigener an, jeder gemachte Fehler betrifft ihn ganz persönlich. Doch während viele Journalisten das Soziale vor allem im Herzen verspüren und auf der Zunge herumtragen, erhält Unternehmer Köppel die anderenfalls wohl schon längst an ihren Verlusten hingeschiedene Weltwoche als finanziell rentablen Hort des wertvollen Journalismus. Unterschlupf bei seiner Zeitung fanden in den letzten Jahren nicht nur eine Reihe von jungen, noch beeinflussbaren Männern, sondern auch einige gestandene Herren, die nach einem kurzzeitigen Höhenflug im Mittelmass des Consultings dümpelten, so Ex-Bilanz-Chef René Lüchinger oder Ex-Sonntagszeitung-Chef Martin Spieler. Sogar Journalisten, die ihn öffentlich frontal angriffen (René Zeyer) oder seine Karriere gefährdeten (Tom Kummer), fanden wieder Arbeit bei ihm. Wie viele andere Chefs in dieser eitlen Branche zeigen denn eine solche Grösse und eine solche Bereitschaft zum Verzeihen?</p>
<h3>Sonnenkönig und Duracellhase</h3>
<p>Oder geht es hierbei um etwas Anderes, um Macht? Um die Möglichkeit, zu herrschen, Menschen zu beherrschen? Denn wer zur Weltwoche geht, muss bereit sein, sich einem uneingeschränkt herrschenden Sonnenkönig unterzuordnen, der selbst im Einzelbüro sitzt, während die angestellten Journalisten im lärmigen Grossraumbüro kreativ werden sollen. Die «Checks und Balances», von denen Köppel so gerne schreibt, gelten natürlich für Staatsgebilde, und nicht etwa für ein privates Unternehmen wie die Weltwoche. Aber Köppel ist schlau: Um nicht als Diktator gelten zu müssen, darf selbstverständlich jeder in der Weltwoche exakt das schreiben, was ihm gefällt &#8211; aber nur, wenn es gut genug ist. Also gut genug für Köppel. Ist das nicht der Fall, wird diskutiert, und zwar so lange, bis der Opponent einsichtig wird oder aufgibt. Er (und auch Markus Somm) verhalten sich in Diskussionen wie <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Duracellhase">Duracellhasen</a> und wiederholen auch noch dann ihre Standpunkte in neuen Variationen, wenn ihre Gesprächspartner längst resigniert haben oder aus Langeweile eingeschlafen sind. Grundsätzlich ist und war es Weltwoche-Redaktoren immer möglich, etwas gegen den Willen der Chefredaktion durchzubringen &#8211; lange bis sehr lange Diskussionen muss man dafür aber aufwenden. Das ist nicht nur Abwehrstrategie, denn Köppel will tatsächlich, dass man seine Argumente nachvollziehen kann; vor allem aber will er die Diskussion gewinnen. Der Klügere gibt nach, so die Redewendung. Der Beharrliche aber gewinnt. Vielfach kommt es jedoch gar nicht zu Konfrontationen, denn gegen seine Dominanz und Argumentationskraft glauben viele Mitarbeiter nicht anzukommen. Kurz: Was Köppel nicht gut findet, wird nicht gemacht, und dann heisst es in der Weltwoche-Redaktion: «Deine Argumentation ist zu wenig gut» oder «Du musst zuerst ganz anderes schreiben, damit ich Dir dafür Platz einräume».</p>
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<p>Köppel selbst sieht es so: «Die Weltwoche ist eine Zeitung, bei der der Autor eine grössere Freiheit hat als anderswo. Wo man ihm sagt: Ich sehe es nicht so, aber wenn Du es unbedingt so schreiben willst: Es steht ja Dein Name drüber, also schreibe es. Ich bin fordernd, wenn ich das Gefühl erhalte, dass sich einzelne Leute divenhaft oder egozentrisch verhalten und glauben, sie seien Starautoren und können nur alle fünf Monate etwas schreiben. Aber habe ich schon jemals einem Journalist gesagt, was er schreiben muss und habe das gegen seinen Willen eingefordert? Nein. Wenn ich den Leuten sagen muss, was sie schreiben müssen, dann kriege ich Depressionen. Gute Journalisten lassen sich nichts diktieren. Die Weltwoche kann nicht auf Ja-Sager setzen, und würde ich solche Leute anstellen und behalten, wäre ich als Chef eine Flasche. Entscheidend ist, dass man bereit ist, die Wirklichkeit zu beschreiben, auch wenn sie den eigenen Vorurteilen widerspricht. Man muss sich auf die Sache einlassen können und etwas zu sagen haben. Diese Art von Selbstentfaltung, bei der sich das Selbst an einem Gegenstand, an einer Beobachtung oder einer triftigen Einsicht entfaltet &#8211; das ist der Reiz meines Berufes. Die Weltwoche ist das natürliche Asylheim für alle jene, die diese Art von Freiheit und Unabhängigkeit publizistisch zum Ausdruck bringen wollen. Das ist das Gegenteil von Ego-Journalismus, von Selbstbespiegelung und Nabelschau.»</p>
<p>Mitarbeiter, die ihm echt Paroli bieten konnten und das auch wollten, sind nach und nach gegangen oder gegangen worden: Markus Somm, Eugen Sorg, Thomas Widmer, Peer Teuwsen, um nur einige zu nennen. In der aktuellen Redaktion sind abgesehen von den letzten Neuzugängen am ehesten noch Stellvertreter Philipp Gut sowie Alex Baur in der Lage, Köppel rhetorisch Contra zu geben &#8211; was jetzt nicht zwingend als Kritik gesehen muss, denn viele erreichen ihre Ziele ja auch ohne Debatten. Führen ohne grosse Opposition ist natürlich bequemer, aber es macht das Blatt nicht besser. Die Weltwoche ohne potente innerredaktionelle Opposition contra Köppel ist kalkulierbarer geworden, langweiliger, und ja, schlechter. In seinem vieldiskutierten Editorial <a href="http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2014-36/editorial-begehren-die-weltwoche-ausgabe-362014.html">«Begehren»</a> (Weltwoche vom 4. September 2014) steht der Satz: «Der begehrende Mann ist nicht mehr zurechnungsfähig.» Dass es in der Weltwoche-Redaktion niemanden gibt, der Köppel so einen Satz rausstreicht, ist bedenklich. Wer Männer im Rausch ihrer Lust für unzurechnungsfähig erklärt, rechtfertigt Übergriffe jeder Art, denn Unzurechnungsfähigkeit meint Schuldunfähigkeit (siehe <a href="http://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19370083/index.html#a19">StGB Art. 19, 1 und 2</a>). Es gibt übrigens eine grosse Weltreligion, die Verschleierungs-Schutzmassnahmen getroffen hat, um den Mann vor den ungeheuerlichen Auswirkungen visueller Reize zu schützen &#8211; vielleicht könnte die das Problem bewältigen.</p>
<h3>Mit dem Rammbock an das Burgtor</h3>
<p>Es sind auch nicht alle Mitarbeiter gleich vor dem Mann, der sowohl der Redaktion als auch dem Verlag vorsteht: Er unterscheidet zwischen jenen im Schützengraben (Journalisten) und jenen im Parfümfach (alle anderen beziehungsweise die schlechten Journalisten). O-Ton Köppel: «Wir sind die ersten, die mit dem Rammbock an das Burgtor hämmern und dann mit Pech und Schwefel übergossen werden! Fünf Jahre danach, wenn die Burg erstürmt ist und wir schon längst an der nächsten Burgmauer stehen, kommen die Parfümbrigaden der NZZ am Sonntag unter dem Applaus der Hofdamen.» Zeit, um einen Moment über die phallische Symbolkraft dieses Bilds nachzudenken: Mehrere Männer versuchen gemeinsam, mit einem «Pfahl» eine «Tür» zum Bersten zu bringen, um Zugang zur «Burg» zu erhalten?</p>
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<p>Ist es das Selbstverständnis der Weltwoche, das viele Frauen davon abhält, für ihn zu arbeiten, sich für ihn in den Schützengraben zu stürzen? Köppel glaubt das. Er habe oft (und oft erfolglos) versucht, Frauen zur Weltwoche zu holen. Zwar gebe es welche, die es aushalten, auch mal in Sippenhaft genommen zu werden, doch vielleicht sei die Weltwoche manchmal nicht das ideale Betätigungsfeld für Frauen; denn von Frauen werde erwartet, dass sie immer makellos, unangreifbar und mit strahlendem Image auftreten. «Im Verhältnis nach Aussen sind Frauen oft auf Harmonie und Zurückhaltung bedacht, nach Innen dagegen, im Beziehungsverhältnis, sind sie oft jene, die die Harmonie stören.» Auch die Energien, die sie entfesseln, wenn sie sich stark exponieren, seien «heavy»: «Ich beobachte einfach, dass Frauen Mühe haben, sich so zu exponieren, wie das in der Weltwoche halt oft erforderlich ist. Es gibt ja auch nicht allzu viele Männer, die diese Unabhängigkeit haben. Bei Frauen kommt dazu, dass sie stärker kritisiert werden als Männer, wenn sie entsprechend dezidiert auftreten. Das ist eigentlich schade, weil ich viele Frauen kenne, die brillant schreiben und die ich gerne für die Weltwoche gewinnen würde, aber vielleicht ist ihnen die Hitze bei der Weltwoche zu hoch.» Ein ehemaliger Mitarbeiter sagt, Köppel sehe sich als ein General, der seine Truppe kommandiert. Wer ihn regelmässig liest, kommt nicht um die Lektüre vieler militärischer Vergleiche, was mit der Lieblingslektüre von Historiker Köppel zu tun haben könnte, historischen Sachbüchern.</p>
<p>Als Chef ist er herausfordernd, mit einer grossen Sprunghaftigkeit in der Organisation. Mehrere Quellen sagen, dass er ohne sein Sekretariat, das ihm die E-Mails ausdruckt, den Alltag organisiert, Blumen bestellt für seine Frau und ihm sagt, wann er den nächsten Zug nehmen muss und wann zum Vortrag aufbrechen, verloren wäre. Das von ihm nach dem Buch «Das Blocher-Prinzip» bei der Weltwoche eingeführte Antragswesen findet er in der Theorie zwar genial, in der Praxis aber ist er ein Nonkonformist, der auf alle Regeln pfeift. Es ist also ein eher chaotischer Mann mit dem Wesen eines Anarchisten, der die Schweiz zu geordneten, konservativ-liberalen Werten verpflichten will. Die Folge davon: Konflikte in der Weltwoche werden oft ausserhalb der Struktur geregelt, bilateral. Seine wenigen Schwächen zusammengefasst: Sprunghaftigkeit, überbordender Wille zur Macht und obsessives Verhalten verbunden mit der Neigung, sich in totale Details zu verbeissen oder dem Thema gegenüber distanzlos zu werden. Dass er jeweils am Mittwochmorgen noch bis drei oder vier Uhr morgens an den letzten Details der neuen Ausgabe feilt, kann als grosse Leidenschaft und grosser Einsatz in der Tradition Rudolf Augsteins angesehen werden, denn auch dieser blieb oft bis tief in die Nacht in der Redaktion und wurde gelegentlich sogar morgens eingeschlafen an seinem Schreibtisch vorgefunden  &#8211; oder als mangelhafte Fähigkeit, gut zu organisieren. Oft schafft es die Realität einfach nicht, seinem Ehrgeiz zu entsprechen.</p>
<h3>Loslösung aus dem Journalistenpulk</h3>
<p>Sein Wille zur Macht manifestiert sich auch in der Nähe zur Macht. <a href="https://medienwoche.ch/2014/10/22/unter-dem-guru-von-herrliberg/">In den letzten Jahren wurde unübersehbar</a>, wie sehr er vom milliardenschweren Politiker Christoph Blocher beeinflusst ist. Offenbar musste Köppel nach und nach feststellen, dass er Blochers Positionen in nahezu jedem Punkt teilt. Öffentlich bleibt die Beziehung der beiden undurchsichtig. Sichtbar ist, dass Köppel im Zuge von Blochers Vorarbeit den Schweizer Journalismus befreit hat von der Übermacht eines linksgrünen Moralismus, wofür er geradezu obsessiv jedes tatsächliche oder vermeintliche Denkverbot besprungen und auseinandergenommen hat. Er hat sich empanzipiert und befreit von den in ehemals seinem Umfeld gepflegten Meinungen; denn viele seiner Kollegen im Journalismus haben (vielleicht nicht mal bewusst) im Nachgang der Aufstände gegen ein allzu selbstzufriedenes Bürgertum 1968 und 1980 eine ziemlich unverrückbare, elitäre Haltung angenommen, die von der breiten Masse nicht geteilt wird. Sein Mut, Haltungen und Meinungen zu vertreten, die im eigenen Umfeld zunächst kaum jemand teilte geschweige denn zu sagen oder zu schreiben wagte, steht in der Tradition selbständigen Denkens. Bei besonders kühnen Thesen mag eine Absturzgefahr in die Lächerlichkeit zu bestehen. Doch wer es nicht wagt, sich lächerlich zu machen, der bringt die Welt nicht voran; es ist das Schicksal aller Pioniere.</p>
<div style="border: 1px solid #dddddd; margin: 3px 0px 10px 10px; padding: 7px; background: #ececec none repeat scroll 0% 0%; float: right; font-size: 0.9em; width: 147px; line-height: 1.3em; color: #4382cf;"> <a href="https://medienwoche.ch/tag/blocher-medien-2014/"><strong><big>Privatleben</big></strong></a></p>
<p>Roger Köppel lebt mit seiner Frau Bich-Tien, einer früheren UBS-Mitarbeiterin, in Küsnacht bei Zürich; aus der Ehe sind bisher zwei Söhne und eine Tochter hervorgegangen. In seiner Freizeit liest Köppel gerne, «namentlich historische und philosophische Literatur, auch Theologie, Biografien, weniger Romane». Er ist Mitglied der Zunft zum Kämbel, Vorstandsmitglied der Opernfreunde Zürich und unterstützt als langjähriger Fan den Eishockeyverein «Kloten Flyers» via «Business Circle» auch finanziell. Nebenamtlich hält Köppel Vorlesungen über Schweizer Wirtschaftspolitik an der Hochschule St. Gallen (Executive MBA).</p></div>
<p>Köppels Abschied von der Denkweise seines Umfelds entwickelte sich langsam, aber stetig. Wer seinen 1998 zum Skandal aufgebauschten Text «Zum Genre des Scheissfilms» heute liest, kann gar nicht mehr recht erkennen, was genau damals so problematisch war. Die Abrechnung mit ödem, pseudogeistigem Filmstoff, wie ihn Wim Wenders, Alain Tanner oder Jean-Luc Godard mitunter erstellten, wurde wohl vor allem deshalb zum Skandal, weil sie einige Säulenheilige von ihren Sockeln runterschubste, auf die sie seine Kollegen zuvor gestellt hatten. Köppels feines Gespür für die Schwächen ihrer Positionen und der Mut, diese blosszustellen, ist nach wie vor der Hauptgrund für den Konflikt zwischen ihm und dem Journalistenpulk vom Typ sich intellektuell gebender Stadtbewohner mit SVP-Abneigung. Das Echo auf seine Provokationen erschallt in diesen Kreisen immer wieder neu und gleich. Es ist ein etwas fad gewordenes Ritual beider Seiten, das kaum noch Überraschung in sich trägt; man kann es sich jeweils am Montag in der Radio1-Sendung <a href="http://www.radio1.ch/de/podcasts/podcast-roger-gegen-roger.html">«Roger gegen Roger»</a> anhören. Das Problem sei nicht, so Köppel, dass er anders schreibe als die meisten Journalisten. Das Problem sei, dass die anderen Journalisten nicht so schreiben wie er. «Ich habe nichts gegen Leute wie Frank A. Meyer, ich kam mit dem sehr gut aus! Doch in dem Moment, als ich meine Sichtweise präsentiert habe, war ich nicht mehr erwünscht. Werde ich nun anders schreiben, damit der mich wieder mal zum Abendessen einlädt? No fucking way!»</p>
<p>Sein Weg geht hin zur Ehrlichkeit, so jedenfalls sieht er es selbst: «Das, was die Würde meines Jobs ausmacht, ist die Frage: Bin ich wirklich ehrlich? Stimmt mein Motiv? Schreibe ich das, was ich wirklich, nach bestem Wissen und Gewissen, denke? Es ist mein höchstes Ziel, dass die Weltwoche DIE Plattform des freien Denkens ist. Klar, auch ich kann mit einer Weltwoche nicht beliebig Inserenten verstören. Aber ich kann Ihnen versichern: In der Weltwoche, wie sie heute ist, können Sie zu 85 bis 90 Prozent ganz frei schreiben, was Sie denken. Bei allen anderen Zeitungen, wo ich bisher war: höchstens 50 Prozent.» Das klingt grossartig. Aber Fifa-Präsident Sepp Blatter, der «für eine breite Öffentlichkeit zum Inbegriff für Korruption geworden» ist (Zitat <a href="http://www.nzz.ch/sport/fussball/keine-gute-bilanz-1.18477761">NZZ</a>), sagt auch solche Sätze (Direktor Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit der Fifa: Walter de Gregorio, Ex-Redaktor der Weltwoche und dem Haus nach wie vor <a href="http://www.weltwoche.ch/ueber-uns/sommerfest-2014.html">freundschaftlich</a> <a href="http://www.weltwoche.ch/uploads/pics/0006_CDX_7562.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="">verbunden</a>). Gefragt nach dem «wichtigsten Überlebensprinzip in der Fifa» <a href="http://www.weltwoche.ch/weiche/hinweisgesperrt.html?hidID=552967">antwortete er Köppel</a>: «Erstens: die fundamentale Ehrlichkeit mir selbst gegenüber. Zweitens: der fundamentale Glaube daran, dass meine Mission die richtige ist.»</p>
<p>Auch der zweite Satz könnte für Köppel gelten. Als das <a href="https://medienwoche.ch/2011/11/25/ich-misstraue-der-masse/">MEDIENWOCHE-Interview 2011</a> von ihm gegengelesen zurückkam, folgte kurz darauf noch ein weiteres E-Mail. Er schrieb mir:</p>
<blockquote><p>Irgendwo hinten heisst es im Abschnitt über Keller-Sutter: «Wir machten nur unseren politischen Job». Es müsste heissen «journalistischen Job».</p></blockquote>
<p>Ein freudscher Verschreiber der besseren Sorte, aber die Frage ist evident: Geht es um einen politischen oder um einen journalistischen Job, um eine Mission, einen Auftrag gar? Denn in Teilen der Öffentlichkeit hat sich die Vorstellung durchgesetzt, dass die Weltwoche ein SVP-Kampfblatt ist, das blind nachbetet, was die Führung vorbetet. Das ist zwar nur teilweise der Fall, und meist kommt der Vorwurf von Leuten, die seit Jahren keine Weltwoche mehr gelesen haben. Dennoch haben sich die Übereinstimmungen zu den Positionen der SVP nach blocherscher Prägung 100 Prozent angenähert, was den <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/12/politiker-der-redaktion/">Verdacht einer Parteipropaganda</a> immer wieder nährt. Der «Einsatz für die Schweiz», sagt Köppel, sei für ihn eben immer bedeutsamer geworden. «Ich habe vielleicht erst im Ausland richtig realisiert, wie wichtig unsere Staatssäulen, wie wichtig Unabhängigkeit und Selbstbestimmung für die Schweiz sind. Diese Säulen sind die entscheidende Voraussetzung für den Wohlstand und den Erfolg unseres Landes. Nennen Sie es Mission, nennen Sie es Kampfblatt, ich habe gar nichts dagegen. Ich kämpfe für diese unabhängige, freiheitliche, selbstbestimmte und weltoffene Schweiz, die heute politisch gefährdeter ist denn je.» Was ist der Zusammenhang zum kürzlich vorgestellten <a href="https://www.credit-suisse.com/at/de/about-us/corporate-responsibility/news/barometer/identity-barometer.article.html/article/pwp/news-and-expertise/2014/12/de/national-pride-is-at-a-peak.html">CS-Sorgenbarometer</a>, das vermeldet, dass 90 Prozent der befragten Schweizer «sehr oder zumindest eher stolz» sind, Schweizer zu sein? Hat Köppel hier einen Trend erkannt oder einen erschaffen? Die Antwort ist die: Zwischen SVP und Weltwoche, zwischen Blocher und Köppel bestehen starke Wechselwirkungen. Es sind zwei Männer, die die Schweiz prägen möchten und sich gegenseitig beeinflussen.</p>
<h3>Parallelen zu Rudolf Augstein</h3>
<p>Köppel hat in den letzten Jahren das Nationale so betont wie das Liberale, und bei dieser Kombination fällt einem natürlich der Gründer des «Spiegel» ein, Rudolf Augstein, den Ralf Dahrendorf <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/spiegelspecial/d-19060270.html">1993</a> den «letzten Nationalliberalen» nannte. Köppel und Augstein teilen schwierige junge Jahre, frühe Führungserfahrungen, den Drang, einer politischen Meinung Ausdruck zu geben, eine gewisse Geneigtheit zur Ehrfurchtsverweigerung, die Sympathie für die Radikal-Liberalen der FDP / (SVP) sowie die Abneigung für übertriebene Politische Korrektheit und für die Vereinigungsbestrebungen der Länder in Europa. Während Augstein 1962/1963 von der Regierung für 103 Tage inhaftiert wurde, wurde Köppel auch schon belästigt und bedroht: 2006 wurde ein mit einem Messer bewaffneter <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Amir_Abdur_Rehman_Cheema">Student</a> vor der «Welt»-Redaktion abgefangen. Köppel nimmt es in Kauf und geht unbeirrt seinen Weg: «Wenn du eine unbequeme, unkonventionelle Zeitung aufbauen willst, dann musst du auch bereit sein, unten durch zu gehen.» <a href="http://www.persoenlich.com/news/medien/wir-sind-ein-segen-f%C3%BCr-die-schweiz-292954#.VNXX73b_CJY">2010</a> nannte Köppel den «‹Spiegel› der frühen sechziger Jahre» als Vorbild für die Weltwoche, und das gilt augenscheinlich für die mitunter fragwürdigen und verunglückten Titelbilder. Als Augstein so alt war wie Köppel heute, stand er vor einem Einstieg in die Politik, hier ein <a href="https://www.youtube.com/watch?v=mHAWuhZXaVk">Gespräch</a> kurz vor dessen 50. Geburtstag:</p>
<p><iframe loading="lazy" width="450" height="338" src="//www.youtube.com/embed/mHAWuhZXaVk?rel=0" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Stellt man die Annahme, Köppel orientiere sich an den Tugenden von Augstein, ohne seine Laster zu übernehmen, so wäre es angesichts des unglücklichen Ausflugs von Augstein in die praktische Politik jetzt an der Zeit, sich von der Politik und auch von der Wirtschaft zu emanzipieren und den Verlockungen der Macht und des Geldes vermehrt zu widerstehen. Denn trotz gebetsmühlenartiger Betonung der eigenen Unabhängigkeit konnte er seine Gegner bisher nicht überzeugen, dass seine Weltwoche stets unvoreingenommen und von der Machtelite unabhängig vorgeht. Was nicht nur ein journalistisches, sondern auch ein kommerzielles Problem ist, und damit sind nicht prioritär die in den Anzeigenabteilungen der Zeitungsbranche üblich gewordenen Bedingungen für geschaltete Inserate gemeint. Die Leser wollen Informationen, nicht Propaganda, und Leute, die glauben, er betreibe Propaganda, meiden seine Publikationen und werden das auch zukünftig tun.</p>
<p>Köppel hat nun einen anderen Weg eingeschlagen &#8211; statt sich von der Politik zu distanzieren, will er sie selbst gestalten. Am 26. Februar 2015 verkündete an einer <a href="https://www.youtube.com/watch?v=BrYYlfwrRJc">Pressekonferenz</a>, er sei in die SVP eingetreten und wolle für die Partei kommenden Oktober in den Nationalrat einziehen. Doch wie ist es Rudolf Augstein ergangen, als er mit 50 für die FDP in den Bundestag einzog? Es ist in der Biografie von Peter Merseburger nachzulesen: «Freunde und Mitarbeiter, die sich in der politischen Alltagspraxis besser auskennen als er, melden alle ihre Zweifel an, aber geradezu störrisch beharrt Augstein darauf, eine Position in der Regierung oder die Macht in der Fraktion zu übernehmen.» Trotz vorheriger Zusicherung wird dem Parlamentsneuling der Fraktionsvorsitz verwehrt, statt in den Ausschuss für Aussenpolitik wird er in den für Medienpolitik geschickt. Und bald schon ist er immer häufiger «weder in Fraktionssitzungen noch im Bundestagsplenum zu finden, sondern im Bonner ‹Spiegel›-Büro». Augsteins Zeit im Bundestag dauert lediglich von November 1972 bis zum Januar 1973, danach legt er sein Mandat nieder. <a href="https://www.youtube.com/watch?v=eKmcWQH6OV4">Rückblickend sagte Augstein über seinen Ausflug in die Politik</a>: «Ein Mensch wie ich, was soll der im Bundestag, letztendlich?»</p>
<p><iframe loading="lazy" width="450" height="253" src="https://www.youtube.com/embed/eKmcWQH6OV4?rel=0" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Und ein Mensch wie Roger Köppel? Es wird sich herausstellen, ob sein Einstieg in die Politik ein langfristiges Engagement ist, das in einer Führungsrolle innerhalb der Partei mündet &#8211; oder ob es sich dabei nur um einen Publicity-Stunt für seine Zeitschrift handelt. Tatsächlich ist er ein herausragender Journalist und eine Bereicherung für die manchmal allzu brave, allzu harmoniesüchtige, gar feige Schweiz. Und er tut gut daran, prioritär einer zu bleiben, auch wenn seine Bekanntheit und sein Redetalent inzwischen problemlos grössere Säle füllen. In einem Betätigungsfeld wie der Politik könnten journalistische Qualitäten wie geistige Flexibilität, Provokationslust und Mut zum Umbruch in gefährlichen Wankelmut, unmotivierte Aggression und unnötige Änderungen umschlagen. Oder einfach ins Nichts verpuffen, wie bei Augstein. Köppel kontert: «Ich habe ganz andere Motive als Augstein, der mit 50 eine neue Herausforderung suchte. Ich habe ein echtes politisches Anliegen: Ich muss mich für die Unabhängigkeit und Selbstbestimmung der Schweiz einsetzen.» Auch wenn sich Köppel gerne <a href="https://www.facebook.com/profile.php?id=1208734700&#038;sk=photos&#038;pnref=lhc">wie ein Politiker</a> neben seine <a href="https://www.facebook.com/DIE.WELTWOCHE/photos/t.1208734700/10152611131622050/">Leser</a>, <a href="https://www.facebook.com/DIE.WELTWOCHE/photos/t.1208734700/10152218974217050/">Zuhörer</a> und <a href="https://www.facebook.com/DIE.WELTWOCHE/photos/t.1208734700/10151942902207050/">Fans</a> stellt &#8211; von einem Journalismus von unten ist sein Blatt nach wie vor weit entfernt. Will Köppel tatsächlich einen echten Kontrapunkt setzen zur im Journalismus so verbreiteten elitistischen Sichtweise, wie sie ein Frank A. Meyer exemplarisch vertritt, dann muss er zukünftig echte Distanz schaffen zu den Mächtigen. Auch zu jenen von der anderen Seite. Also wenn er es ernst meint mit seiner ganz persönlichen Emanzipation.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/02/28/die-gegenposition-zum-mainstream-ist-immer-richtig/">«Die Gegenposition zum Mainstream ist immer richtig»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>«Wir hatten Zeit und wir hatten Geld»</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Jan 2014 07:08:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gespräche]]></category>
		<category><![CDATA[Weltwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Kurt W. Zimmermann]]></category>
		<category><![CDATA[Thailand]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seit 10 Jahren schreibt Kurt W. Zimmermann in der Weltwoche seine vielbeachtete Medienkolumne. Wie hat sich der Journalismus in dieser Zeit verändert? In einem Gespräch am Swimmingpool in Thailand redet der 62-jährige Journalist und Medienmanager über Interessenvertreter im Mediengeschäft, Unterhaltungsjournalismus und gibt jungen Journalisten einen Rat für die Zukunft. Was hat sich verändert, seit Du <a href="https://medienwoche.ch/2014/01/01/wir-hatten-zeit-und-wir-hatten-geld/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/01/01/wir-hatten-zeit-und-wir-hatten-geld/">«Wir hatten Zeit und wir hatten Geld»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Seit 10 Jahren schreibt Kurt W. Zimmermann in der Weltwoche seine vielbeachtete Medienkolumne. Wie hat sich der Journalismus in dieser Zeit verändert? In einem Gespräch am Swimmingpool in Thailand redet der 62-jährige Journalist und Medienmanager über Interessenvertreter im Mediengeschäft, Unterhaltungsjournalismus und gibt jungen Journalisten einen Rat für die Zukunft.<br />
<span id="more-17520"></span><br />
<strong>Was hat sich verändert, seit Du Deine Medienkolumne in der Weltwoche schreibst und seit Du selber Journalist auf einer Redaktion warst?</strong><br />
Der grösste Unterschied ist wahrscheinlich, dass wir als junge Journalisten in den 1970er-Jahren noch persönlichen Kontakt hatten mit der obersten Liga in Wirtschaft und Politik. Wenn man mit dem Chef einer Grossbank sprechen wollte, dann hat man ihn einfach angerufen. Der sagte dann, hören Sie zu, ich bin am Wochenende am Skifahren, kommen Sie doch hoch in meine Skihütte. Dann ist man miteinander Ski gefahren, und hat bei einer Flasche Wein stundenlang diskutiert. Man hat danach nicht alles geschrieben, aber wirklich einiges über die Bank erfahren. Auch ein Bundesrat sagte damals noch: Wir machen heute einen Grillabend, wollen Sie nicht dazukommen? Heute hingegen redet ein Journalist vielfach nur noch mit dem stellvertretenden Assistenten in der Kommunikationsabteilung der Grossbank oder des Departements.</p>
<p><strong>Du verbringst den Winter nun jeweils in Asien, wirst Du nicht etwas nostalgisch? Waren die Journalisten zu Deiner Zeit wirklich anders?</strong><br />
Es ist nicht Nostalgie, es ist ein bemerkenswerter Wandel eines Berufsbildes. Die Journalisten waren früher viel ehrgeiziger. Heute gibt es Tausende von Journalisten in der Schweiz, die noch nie eine grosse, exklusive, eigene Geschichte geschrieben haben. Doch das stört die nicht, sie geben sich zufrieden als Abfüllgehilfen für irgendwelche lustigen Kurztexte und Videos, und ihr Büro verlassen sie nicht. Das hätte es noch vor zehn Jahren nicht gegeben.</p>
<p><strong>Das stimmt. Aber erhält denn ein einfacher Mitarbeiter bei Newsnet, Blick.ch oder 20min.ch die Zeit, um etwas zu machen, das über das Abfüllen von Content hinausgeht? Ich bin überzeugt, dass viele Journalisten gerne Stücke machen würden, die über das Tagesgeschäft hinausgehen. Doch die meisten dürfen das schlicht nicht, denn der Umfang, an den das Publikum aus besseren Zeiten gewöhnt ist, will man in den wenigsten Fällen vermindern. Tatsächlich geliefert wird oft eine mindere Qualität als früher, denn im Hintergrund wurde ein Vielfaches an Personal abgebaut.</strong><br />
Der fehlende Ehrgeiz der Journalisten ist auch in der fehlenden Konkurrenz zu suchen. Vor einem Jahrzehnt gab es in der Schweiz noch eine grosse Auswahl eigenständiger Verlage. Das können sich junge Print-Journalisten heute doch gar nicht mehr vorstellen. Die kennen nur noch das  Triopol von Tamedia, NZZ und AZ-Gruppe. Zu meiner Zeit hat sich die Redaktion des Tages-Anzeigers noch angestrengt, besser zu sein als die Redaktion der Berner Zeitung oder der Zürichsee-Zeitung, denn das waren Konkurrenzzeitungen. Doch heute gehören alle Zeitungen Tamedia, was soll sich da ein Journalist aus Zürich noch gross mit einem aus Bern oder Stäfa messen, es sind ohnehin alle auf der gleichen Payroll.</p>
<p><strong>Es erhalten doch heute nur noch etwa fünf Prozent aller Journalisten die Möglichkeit, lange, ernsthaft journalistische Geschichten zu machen. Alle anderen müssen Seiten mit Content füllen und an Sitzungen gehen.</strong><br />
Der Trend vom inhaltbezogenen Journalismus zum sogenannten Unterhaltungsjournalismus geht schneller voran als je zuvor. Ich sage es so: Früher haben wir Trickfilme geschaut, heute gehen wir auf News-Websites. Vermutlich hat sich der Journalismus durch das Internet schleichend von der Informationsvermittlung in eine Art Zirkusveranstaltung verwandelt, und wir haben es alle gar nicht so richtig gemerkt.</p>
<p><strong>Gut gemachter Unterhaltungsjournalismus könnte doch grossartig sein, doch der braucht eben auch Ressourcen. Mir kommt vieles vom dem, was die News-Websites produzieren, billig vor, zusammenkopiert, hingeschludert.</strong><br />
Nehmen wir das neue <a href="http://www.blickamabend.ch/">Blickamabend.ch</a> &#8211; das ist doch ein mit Videos belebtes Globi-Buch. Und doch segelt es unter dem Etikett Journalismus. Ich bin kein Unterhaltungsverächter, aber man sollte doch Journalismus im weitesten Sinne als Disziplin bewahren, die mit Informationsbeschaffung, Analyse, Aufklärung der Gesellschaft und Bereitstellung von Hintergründen zu tun hat. Ich muss schon lachen, wenn heute einer, der die fünf doofsten Katzen der Welt ins Internet stellt, behauptet, das habe etwas mit Journalismus zu tun.</p>
<p><strong>Wurde früher nicht auch das Überprüfen der Fakten vor der Publikation ernster genommen?</strong><br />
Das Tempo hat sich gewaltig erhöht. Eine News-Website, die eine Neuigkeit 15 Sekunden später online stellt als die Konkurrenz, muss mit weniger Traffic, also weniger Einnahmen rechnen. Die Zeit für Check und Gegencheck, im gedruckten Journalismus über Jahrhunderte eine eherne Grundregel, ist nicht mehr da. Eine andere journalistische Grundregel, dass eine Information von zwei voneinander unabhängigen Quellen bestätigt sein muss, scheint auch erodiert.<br />
Wir befinden uns im Moment wohl in einer Zwischenphase, in der seriöser Journalismus mit Flip-Flop-Journalismus gemischt angeboten wird. Der Tages-Anzeiger beispielsweise, vor allem online,  experimentiert mit Mischformen, die heitere und seriöse Elemente beinhalten. Ich vermute, dass die Zukunft eine Zweiteilung bringen wird: Auf der einen Seite all die lustigen, fröhlichen Websites und diese Hauruck-Printprodukte. Auf der anderen Seite jene, die sich auf die Kernkompetenz der Informationsvermittlung zurückbesinnen.</p>
<p><strong>Kommen nicht jene, die die für die Gesellschaft so wichtigen Basisinformationen liefern, immer mehr unter kommerziellen Druck?</strong><br />
Im Buchmarkt gibt es auch eine enorme Bandbreite, da gibt es von schwerer Information bis zu Sudokus alles. Während die meisten Buchverlage ein klares Programm haben, ringen die Zeitungsverlage um ihre Ausrichtung und Identität. Sie variieren, von Micky Maus bis hin zu einer politischen Ausrichtung. So richtig gefunden hat ihre Identität bisher nur die NZZ, die nichts an der historischen Positionierung ihrer Marke geändert hat.<br />
Den heutigen Schweizer Medienmarkt interessant machen vor allem die Outsider und die Outlaws: Eine Weltwoche und eine Schweiz am Sonntag, die mit sehr kleinen Redaktionen alle paar Wochen für Aufregung sorgen oder eine Basler Zeitung, die inzwischen politisch klar erkennbar ist. Die grossen Frachtdampfer dagegen bleiben behäbig und eher langweilig.</p>
<p><strong>Belohnt nicht der Werbemarkt bisher die Ausrichtung weg vom Journalismus?</strong><br />
Das kann man jetzt noch nicht einschätzen. Der Internet-Werbemarkt ist gemäss den Zahlen von Media Focus rückläufig seit 2011. Nehmen wir 20 Minuten, das erfolgreichste Medienprodukt der Schweiz. Die gedruckte Ausgabe machte 30 Millionen Franken Gewinn im Jahr und schreibt auch heute noch jedes Jahr ähnlich schöne Gewinne. 20min.ch dagegen hat, zu Vollkosten gerechnet, bis jetzt keinen Gewinn gemacht. Ich vermute, dass es bei der Mobile-Werbung mit dem Umsatz noch schwieriger werden wird, deshalb ist auch das neue Newsportal-Projekt Watson kritisch zu sehen.</p>
<p><strong>Welche Indikatoren zeigen denn eine positive Zukunft auf für den Journalismus?</strong><br />
Die Verlagskonzentration hat zwar zugenommen, doch es gibt viele neue Nischenanbieter. Um eine neue Tageszeitung zu gründen, hat niemand Geld, aber neue Websites werden laufend gegründet. Der Medienmarkt wurde ganz eindeutig demokratisiert. Der Markteintrittsschwelle für Content ist stark gesunken. Bisher handelt es sich um eine Anbieter-Demokratisierung, ob die Investitionen sich refinanzieren, ist noch offen.</p>
<p><strong>Von Politiker und Wirtschaftsleuten ist immer wieder zu hören, dass sie sich guten Journalismus wünschen. Wäre es nicht an der Zeit, dass diese Leute in den Journalismus einsteigen?</strong><br />
Um Himmels Willen, Nein. Interessenvertreter sollten die Finger von den Medien lassen.</p>
<p><strong>Aber sind denn Verlage nicht auch Interessenvertreter? Sind Verlage philantropische Unternehmen, die dem reinsten und pursten Journalismus verpflichtet sind?</strong><br />
Verlage sind nicht philantropisch interessiert, sondern finanziell und gelegentlich auch publizistisch. In ihrer Tradition sind viele Verlage berechenbar und zuverlässig. Wenn sie Geld mit einem Angriff auf einen SP-Politiker verdienen, dann greifen sie den SP-Politiker an. Wenn sie Geld mit einem Angriff auf einen SVP-Politiker verdienen, dann greifen sie den SVP-Politiker an. Die SVP oder der Touringclub oder die Mobiliar-Versicherung wird nie jemanden aus den eigenen Reihen angreifen. Die meisten Medien und Journalisten dagegen sind notorisch treulos und notorisch illoyal. Die grosse Stärke der Medien ist ihre Illoyalität gegenüber Interessenbindungen.</p>
<p><strong>Braucht es neue Verleger?</strong><br />
Es ist einfacher geworden, Verleger zu werden, man kann sich Medien heute als Hobby leisten. Nicht nur Websites sind schnell gegründet, auch eine Washington Post und eine Le Temps sind kostengünstig zu haben. Zur Erinnerung: Noch vor zehn Jahren zahlte Tamedia für die Thurgauer Zeitung 60 Millionen Franken, das ist etwa ein Viertel des Preises, der kürzlich für die Washington Post bezahlt wurde. Weil Medien so billig geworden sind, werden vermehrt Branchenfremde in das Geschäft einsteigen, Leute, die nicht unbedingt parteipolitisch, sondern vielmehr gesellschaftspolitisch motiviert sind.</p>
<p><strong>Wie stehst Du zum Mäzenatentum?</strong><br />
Das Mäzenatentum macht wahnsinnig träge, ein kurzer Blick auf all die Kulturstiftungen zeigt, was ich meine. Sobald der Erfolgsdruck ausgehebelt wird, geht die Dynamik weg, vor allem im Mediengeschäft.</p>
<p><strong>So wie bei der Tageswoche?</strong><br />
Ein schreckliches Beispiel. Die sind wie Katzen, die mit Whiskas gefüttert werden. Wenn die Katze weiss, dass jeden Morgen Whiskas auf dem Teller ist, wird sie doch keine Maus mehr fangen.</p>
<p><strong>Wie tickt denn so ein durchschnittlicher Journalist?</strong><br />
Sein Problem ist, dass er im luftleeren Raum agiert. Wenn das Publikum bei einem Zirkusclown klatscht, dann ist der Witz gelungen. Wenn das Publikum pfeift, dann hat er die Pointe versaut. Die Journalisten dagegen kennen ihr Publikum nicht. Sie wissen nicht, ob ihre Artikel gut oder schlecht ankommen. Die Bestätigung, dass sie einen guten Job machen, erhalten sie in der Regel nicht vom Publikum, denn die Feedbacks auf den Websites und die Leserbriefe sind meistens untauglich. Also brauchen sie die Bestätigung von den Kollegen, von den Vorgesetzten und aus dem Bekanntenkreis.</p>
<p><strong>Wie steht es mit dem Harmoniebedürfnis der Journalisten?</strong><br />
Gegen aussen haben Journalisten eigentlich selten ein Harmoniebedürfnis, gegenüber Wirtschaft und Politik sind sie noch so gern kritisch, mitunter überkritisch. Gegen innen hingegen haben sie ein unglaubliches Harmoniebedürfnis. In meiner aktiven Zeit als Chefredaktor standen 50-jährige Redaktoren bei mir im Büro, die sich in Tränen aufgelöst beklagten, dass sie doch gestern so einen hervorragenden Artikel geschrieben hätten, und nicht einer der Kollegen hätte ihnen dazu gratuliert.</p>
<p><strong>Würdest Du nochmals Journalist werden wollen?</strong><br />
Ich würde nochmals Journalist werden wollen, wenn ich das nochmals zur gleichen Zeit tun könnte, nämlich in den 1970er-, 1980er- und anfangs der 1990er-Jahren. Denn ich habe mit viel Glück die goldenen Zeiten erwischt. Wir hatten Zeit und wir hatten Geld, wir konnten grosse Geschichten machen und wochenlang auf Reportage, man konnte mit den wichtigen Menschen noch problemlos persönlich reden. Wenn ich heute 25 Jahre alt wäre und nur Content verwalten dürfte, dann würde ich den Job nicht mehr machen.</p>
<p><strong>Was rätst Du einem 25-jährigen Journalist, der gerne Teil der kritischen Öffentlichkeit sein möchte?</strong><br />
Wenn er ein Talent ist, dann schafft er es sowieso. Wenn er kein Talent ist, dann ist es auch nicht schade um ihn. Ich rate den Jungen immer, ihre Ziele möglichst hoch zu setzen. Journalist des Jahres ist das Minimum. Nur wer in zehn Jahren der neue Constantin Seibt oder der neue Eric Gujer sein möchte, der wird das vielleicht auch. Ein Problem ist, dass ambitionierten jungen Journalisten ihre Ambitionen im Redaktionsalltag oft rasch ausgetrieben werden, und sie zu Funktionsmaschinen degradiert werden.</p>
<p><small>Das Gespräch mit Kurt W. (für Werner) Zimmermann fand am 18. Dezember 2013 bei einem Glas Weisswein auf der thailändischen Insel Ko Phuket statt.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/01/01/wir-hatten-zeit-und-wir-hatten-geld/">«Wir hatten Zeit und wir hatten Geld»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Sieg der Schwachen</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2013/08/20/sieg-der-schwachen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 20 Aug 2013 13:24:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Andreas Dietrich]]></category>
		<category><![CDATA[Ringier2013]]></category>
		<category><![CDATA[Ringier]]></category>
		<category><![CDATA[Blick]]></category>
		<category><![CDATA[Marc Walder]]></category>
		<category><![CDATA[Kurt W. Zimmermann]]></category>
		<category><![CDATA[Rolf Cavalli]]></category>
		<category><![CDATA[René Lüchinger]]></category>
		<category><![CDATA[Andrea Bleicher]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Andrea Bleicher verliert den Machtkampf gegen die Ringier-Führungsspitze und verlässt das Unternehmen per sofort, Rolf Cavalli folgt ihr. Installiert wird mit René Lüchinger ein loyaler «Blick»-Chef, der es gut kann mit der Werbung, aber Langeweile verspricht. Chefredaktoren in der Schweiz sind je länger je weniger gewichtige Publizisten, sondern führungsloyale Verlagsadlaten. Fangen wir an mit den <a href="https://medienwoche.ch/2013/08/20/sieg-der-schwachen/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/08/20/sieg-der-schwachen/">Sieg der Schwachen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Andrea Bleicher verliert den Machtkampf gegen die Ringier-Führungsspitze und verlässt das Unternehmen per sofort, Rolf Cavalli folgt ihr. Installiert wird mit René Lüchinger ein loyaler «Blick»-Chef, der es gut kann mit der Werbung, aber Langeweile verspricht. Chefredaktoren in der Schweiz sind je länger je weniger gewichtige Publizisten, sondern führungsloyale Verlagsadlaten.<br />
<span id="more-15536"></span><br />
Fangen wir an mit den Neuen, den Siegern:</p>
<p><a href="http://www.ringier.com/de/medien/medienmitteilungen/rene-luechinger-wird-chefredaktor-des-blick">Neuer «Blick»-Chefredaktor</a> ist der 54-jährige René Lüchinger, einst Chefredaktor von «Facts» und «Bilanz», irgendwann aber ohne Job &#8211; die «Weltwoche» nahm sich seiner an und liess ihn firmenfreundliche Porträts schreiben: Interessante Einsichten manchmal, langweiliges PR-Gesülze in anderen Fällen, <a href="http://www.weltwoche.ch/weiche/hinweisgesperrt.html?hidID=546433">hier ein Beispiel</a>. Seine Anteile an der Corporate-Publishing-Agentur <a href="http://www.luechingerpublishing.com/">Lüchinger Publishing GmbH</a> wird er mit dem Jobantritt abgeben.</p>
<p>Sein Stellvertreter wird der 49-jährige Andreas Dietrich, der journalistisch zuletzt als Mitglied der Chefredaktion des «Tages-Anzeigers» die zweimal täglich erscheinende iPad-Ausgabe verantwortete, ein gescheitertes Projekt. Aktueller Arbeitgeber (seit Januar) ist die Kommunikationsagentur Ammann, Brunner &amp; Krobath AG. Sein <a href="https://www.linkedin.com/profile/view?trk=tyah2&amp;locale=de_DE&amp;id=207830752">LinkedIn-Profil</a> weist Erfahrungen aus als «Berater» und «PR-/Werbetexter».</p>
<p>Aufgefallen sind die beiden bisher mit einigen guten Stücken und, mit zunehmendem Alter, gar nicht mehr. Die Bissigkeit jüngerer Tage ist bei beiden der Gemütlichkeit gewichen, nicht die Eigenschaft, die es in einer Boulevard-Chefredaktion braucht. Unter dieser Führung ist ein langweiliger und publizistisch ärmlicher «Blick» zu erwarten, der vermehrt die Ringier-Verwertungskette bedient und sich weniger um journalistische Erfordernisse kümmert.</p>
<p>Alles Neue und Umwälzende beim «Blick» ist nämlich mit dem Abgang von Andrea Bleicher gestoppt. Nach der Absetzung von Ralph Grosse-Bley im Februar (<a href="http://www.persoenlich.com/news/medien/ringier-ralph-grosse-bley-neu-zust-ndig-f-r-blick-k-ferspiel-308744#.UhMtQryjjZ4">der heute zuständig ist für Blick-«Käferspiele»</a>), bewegte die selbstbewusste Interims-Chefredaktorin einiges. Sie stellte fröhlich viele neue Mitarbeiter ein (mehrheitlich Frauen), gewährte einige Interviews und machte einen angriffigen und dennoch gefälligen «Blick». Die unter Grosse-Bley notorischen Presseratsbeschwerden versiegten plötzlich. Bleicher bewies, dass man eine Boulevardzeitung machen kann, ohne täglich Grenzen zu überschreiten. Ihre Personalentscheide waren progressiv und liessen Hoffnung auf Veränderung aufkeimen. Die öffentlichen Auftritte dagegen hinterliessen eher Verwirrung, zum Beispiel das <a href="http://www.srf.ch/sendungen/focus/andrea-bleicher-blick-chefredaktorin-ja-wir-machen-fehler">Gespräch mit der SRF-3-Talksendung «Focus»</a>. Bleicher hörte sich darin nicht wirklich an wie die Stimme einer grossen Boulevardzeitung (fehlende Interview-Skills könnten aber auch ein Ausbildungsversäumnis sein von Seiten Ringier).</p>
<p>Die vor allem von Weltwoche-Medienkolumnist Kurt W. Zimmermann geäusserte Kritik an Bleicher blieb oberflächlich und <a href="http://blog.tagesanzeiger.ch/blogmag/index.php/7654/von-cowboys-und-blondinen/">befasste sich ernsthaft mit Haarfarben</a> («Es begegneten sich eine Blonde und eine Dunkle»). «Lustlosen Blut-Boulevard wie aus dem Mittelalter» warf er Bleicher vor und dozierte, heutige Boulevardzeitungen müssten Celebrity-Quatsch betreiben. Ausserdem fehle der Zeitung, trotz dem täglichen Seite-1-Girl, der Sex. Die Wahrheit ist: Gedruckte Boulevardzeitungen verlieren an Auflage, weil die ihn lesenden Senioren wegsterben, mit dem Inhalt hat das oft weniger zu tun. Als sehr kurzes Gedankenexperiment: Was hätte Zimmermann geschrieben, wenn Bleicher keinen «Crime» geliefert hätte? Eben.</p>
<p>Auch wenn es möglicherweise Gründe für die Absetzung von Bleicher und Cavalli gibt, von denen die Öffentlichkeit nichts weiss, ist der Entscheid der Ringier-Führung ein Paradebeispiel, wie man ein motiviertes Redaktionsteam entmutigt. Marc Walder hat die eigene Macht im Verlag zu beachtlicher Grösse auswachsen lassen, was mehr und mehr <a href="https://medienwoche.ch/2013/04/05/ein-walder-steht-die-maennlein/">an das System Merkel erinnert</a>. Im Konfliktfall trennt sich die Führungsspitze auch von langjährigen, augenscheinlich hochloyalen Mitarbeitern wie Cavalli, der dem Unternehmen immerhin 16 Jahre gedient hat. Es ist auch eine Zementierung der eigenen Unfähigkeit, Kritik anzunehmen und umzusetzen. In einem Brief hat sich ein grosser Teil des Führungskaders gegen die schon im Vorfeld bekannt gewordene Ablösung gestellt. Nun wird es unter dem neuen Chefredaktor arbeiten müssen &#8211; was eine grosse Herausforderung sein wird sowohl für Lüchinger als auch für die Belegschaft. Zu erwarten ist eine <a href="https://twitter.com/mathieuvonrohr/status/369755735350976512">«peinliche erste Redaktionssitzung»</a>. Ein Chef muss enorm stark sein, um ein Führungskader für sich zu gewinnen, das sich nahezu geschlossen gegen ihn ausgesprochen hat. Ob Lüchinger solche Kräfte entfalten kann, wird sich weisen.</p>
<blockquote class="twitter-tweet"><p>Gute Lösung gegen die Chef-Fluktuation bei <a href="https://twitter.com/Blickch">@Blickch</a>: halbe Belegschaft wird Interims-Nachfolge-Übergangs-Chefredaktor.</p>
<p>— Viktor Giacobbo (@viktorgiacobbo) <a href="https://twitter.com/viktorgiacobbo/statuses/369778176764821505">August 20, 2013</a></p></blockquote>
<p><script src="//platform.twitter.com/widgets.js"></script></p>
<p>Bis zu Lüchingers Antritt übernehmen Felix Bingesser sowie Thomas Ley, Dominik Hug und Fabian Zürcher die redaktionelle Verantwortung für den «Blick» &#8211; letztere drei haben den <a href="http://www.persoenlich.com/news/medien/ringier-aufstand-des-blick-redaktionskaders-308633#.UhNYN7yjjZ5">Brief gegen die Absetzung von Bleicher</a> unterschrieben (die ursprüngliche Fassung, die später von persoenlich.com kommentarlos ausgetauscht wurde). In der es hiess, «mit dem jetzt geplanten Wechsel an der Blick-Spitze ist die Grenze unseres Verständnisses erreicht. Wir halten ihn für ein abermaliges Experiment mit ungewissem Ausgang».</p>
<p>Die Ringier-Experimente gehen also weiter. Besonders verschaukelt vorkommen dürfen sich jene Angestellten, die von Bleicher (mit dem offensichtlichen Einverständnis von Ringier) geholt worden sind und sich nun neu orientieren dürfen. Aber Ringier hat Geld zum Verschwenden, im Zweifel zahlt man einfach alle anständig aus und lässt sie einen neuen Job suchen.</p>
<p>Andrea Bleicher ist nun eine valable Kandidatin für die Spitze der «SonntagsZeitung», die nach dem Abgang von Martin Spieler dringend (offiziell ab 2014) <a href="https://medienwoche.ch/2013/02/04/chefredaktor-am-sonntag/">eine neue Führung braucht</a>. Sie wäre die richtige Person, um den eingeschlafenen Laden aufzumischen. Allerdings wurde sie von dieser Zeitung bereits übergangen, <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Jung-hartnaeckig-fordernd/story/18576085">als sie Inlandchefin werden wollte</a>. Ganz generell scheinen Schweizer Verlage bei der Besetzung von Spitzenpositionen eher auf Führungstreue und Aussenwirkung zu setzen als auf publizistische Leistungen. Die Anzahl von Chefredaktoren, die nicht vor allem Managementaufgaben erfüllen, schwindet &#8211; vielleicht sollten sie umbenannt werden in «Verlagsadlaten».</p>
<p>Als Detail am Rande. So wirbt der «Blick» heute für sich selbst:</p>
<blockquote class="twitter-tweet"><p>
Soeben die neuste Blick-Werbung erhalten. Meister der Koordination. <a href="https://twitter.com/search?q=%23ringier&amp;src=hash">#ringier</a> <a href="https://twitter.com/Mark_Balsiger">@Mark_Balsiger</a> <a href="http://t.co/6xBYVMA2Mm">pic.twitter.com/6xBYVMA2Mm</a></p>
<p>— Christoph Lauener (@ChLauener) <a href="https://twitter.com/ChLauener/statuses/369761775891533824">August 20, 2013</a>
</p></blockquote>
<p><script src="//platform.twitter.com/widgets.js"></script></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/08/20/sieg-der-schwachen/">Sieg der Schwachen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Es geht auch ohne «Lex Weltwoche»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/01/20/es-geht-auch-ohne-lex-weltwoche/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 20 Jan 2012 10:33:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Eigentumsverhältnisse]]></category>
		<category><![CDATA[Stefan Keller]]></category>
		<category><![CDATA[WOZ]]></category>
		<category><![CDATA[Transparenz]]></category>
		<category><![CDATA[Weltwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Kurt W. Zimmermann]]></category>
		<category><![CDATA[Sonntagszeitung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Forderung von sechs Parteipräsidenten nach Offenlegung der Eigentumsverhältnisse der Weltwoche ist bereits erfüllt – ganz ohne neues Gesetz. Überhaupt wäre eine «Lex Weltwoche» ein unzulässiger Eingriff in die Medienfreiheit, schreibt die linke WOZ der Politik ins Stammbuch. Als Medienkolumnist geniesst Kurt W. Zimmermann in der Weltwoche offensichtlich grosse Narrenfreiheit. Die geht so weit, dass <a href="https://medienwoche.ch/2012/01/20/es-geht-auch-ohne-lex-weltwoche/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2012/01/wewo_logo.jpg" alt="" width="120" height="117" /> Die Forderung von sechs Parteipräsidenten nach Offenlegung der Eigentumsverhältnisse der Weltwoche ist bereits erfüllt – ganz ohne neues Gesetz. Überhaupt wäre eine «Lex Weltwoche» ein unzulässiger Eingriff in die Medienfreiheit, schreibt die linke WOZ der Politik ins Stammbuch.<br />
<span id="more-30423"></span><br />
Als Medienkolumnist geniesst Kurt W. Zimmermann in der Weltwoche offensichtlich grosse Narrenfreiheit. Die geht so weit, dass er sogar eines der – vermeintlich – <a href="http://www.medienspiegel.ch/archives/002621.html" target="_blank">bestgehüteten Geschäftsgeheimnisse</a> der Schweizer Medien ausplaudern darf: die Eigentumsverhältnisse seines Auftraggebers, der Weltwoche. Er habe sich darüber vorgängig nicht mit Verleger und Chefredaktor Roger Köppel abgesprochen, teilt Zimmermann auf Anfrage der MEDIENWOCHE mit. Folgendes weiss er zu schreiben:</p>
<blockquote><p>Als Roger Köppel 2006 die Weltwoche kaufte, musste er nach meinen Informationen gegenüber dem Verkäufer Tito Tettamanti eine fünfjährige Sperrfrist eingehen, während deren er nicht an Dritte verkaufen durfte. Dafür sicherte Tettamanti die Bankkredite ab, weil keine Bank einem Journalisten einfach so zwölf Millionen leiht. Seit 2007 hat Köppel jährlich zwischen ein und zwei Millionen Franken verdient und die Kredite zu gutem Teil zurückzahlen können.</p></blockquote>
<p>Nun braucht das freilich (noch) nicht die ganze Wahrheit zu sein. Dessen ist sich auch Zimmermann bewusst, wenn er schreibt «nach meinen Informationen». Er relativiert seine Aussagen aber nur insofern, als «auch Double- und Triple-Checks nie ganz ausschliessen, dass man in den Details nicht ganz richtig liegt.» Doch er denke, «dass im vorliegenden Fall meine Informationen halten». Zumindest das, was da steht, sollte also stimmen. Sonst hätte Verleger Köppel die Kolumne wohl kaum zur Veröffentlichung freigegeben.</p>
<p>So wohlfeil die <a href="http://www.sonntagszeitung.ch/home/artikel-detailseite/?newsid=203574" target="_blank">Forderung der Parteipräsidenten</a> nach Transparenz bei der Weltwoche, so schnell und unspektakulär wurde sie nun erfüllt. Ob sich die Politiker mit Zimmermanns Angaben zufriedengeben, können wir sicher in der Sonntagszeitung lesen. Der berechtigten Forderung nach Transparenz über die Eigentumsverhältnisse von Medienunternehmen haben die Politiker mit ihrem maulheldenhaften Auftritt einen Bärendienst erwiesen. Wer sich um eine Offenlegung der <a href="http://www.sonntagonline.ch/blog/410/" target="_blank">eigenen Sponsoren drückt</a>, dem steht es schlecht an, Transparenzforderungen in Richtung Medien zu stellen. Deutsch und deutlich erteilt denn auch ein anderer Medienkolumnist, Stefan Keller in der Wochenzeitung WOZ, eine Absage an die geforderte «Lex Weltwoche» mit Verweis auf die verfassungsmässig garantierte Medienfreiheit:</p>
<blockquote><p>Es ist also bestimmt nicht an der Politik, einzuschreiten, wenn eine Zeitung «unter dem Deckmantel von Recherchen» (Zitat SP-Präsident Levrat, Anm. d. Red.) politische Kampagnen anzettelt (..). Selbst wenn eine Zeitung wie die Weltwoche ständig halb wahre Informationen verbreitet und bösartige Unterstellungen publiziert, sollte die Politik sich hüten, deshalb gleich neue Mediengesetze zu fordern.</p></blockquote>
<p>Auch Zimmermann hält die Intervention der Parteipräsidenten für unangebracht und «höchst kontraproduktiv», da sie «ohne vorgängige Diskussion mit der Medienbranche einen einseitigen Aktionismus gestartet» hat. Grundsätzlich würde er aber ein Gesetz unterstützen, «wonach Medienhäuser all ihre Aktionäre benennen müssen, die mehr als zehn Prozent ihres Kapitals halten».</p>
<p>P.S. Da war noch was in Zimmermanns Kolumne. Er äussert sich nicht nur zu den Eigentumsverhältnissen der Weltwoche, sondern übt auch noch scharfe Kritik an deren Berichterstattung zur Affäre Hildebrand, im Speziellen am Artikel von Urs Paul Engeler vom 5. Januar: «Allerdings beging das Blatt den hitzköpfigen Fehler, Hildebrand als Lügner und als Gauner zu betiteln. Die Debatte wurde dadurch unnötig emotionalisiert.» Solche Selbstkritik – auch wenn hier «nur» der Medienkolumnist Position bezieht – wünscht man sich auch von anderen Medien zu ihrer Leistung in der Affäre Hildebrand.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/01/20/es-geht-auch-ohne-lex-weltwoche/">Es geht auch ohne «Lex Weltwoche»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Tadel und Lob</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/01/13/tadel-und-lob/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 13 Jan 2012 10:55:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Pierre C. Meier]]></category>
		<category><![CDATA[SNB]]></category>
		<category><![CDATA[Edith Hollenstein]]></category>
		<category><![CDATA[Sylvia Egli von Matt]]></category>
		<category><![CDATA[Kurt W. Zimmermann]]></category>
		<category><![CDATA[Karl Lüönd]]></category>
		<category><![CDATA[Stephan Russ-Mohl]]></category>
		<category><![CDATA[Philipp Hildebrand]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalbank]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ist es ein Fall Hildebrand oder ein Fall Weltwoche? Die Einschätzung von professionellen Beobachtern gehen weit auseinander. Während die einen das Gros der Medien der «Rechercheverweigerung» bezichtigen, loben andere deren Professionalität und Seriosität. Fünf Stimmen aus Wissenschaft, Ausbildung und Medienjournalismus. Karl Lüönd: Weltwoche als Opfer des Jagdfiebers Pierre C. Meier: Unprofessioneller Anti-Blocher-Reflex Sylvia Egli von <a href="https://medienwoche.ch/2012/01/13/tadel-und-lob/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/01/13/tadel-und-lob/">Tadel und Lob</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2012/01/Philipp-Hildebrand1.jpg" alt="" width="120" height="120" />Ist es ein Fall Hildebrand oder ein Fall Weltwoche? Die Einschätzung von professionellen Beobachtern gehen weit auseinander. Während die einen das Gros der Medien der «Rechercheverweigerung» bezichtigen, loben andere deren Professionalität und Seriosität. Fünf Stimmen aus Wissenschaft, Ausbildung und Medienjournalismus.<br />
<span id="more-30420"></span></p>
<ol>
<li><a href="#kari">Karl Lüönd: Weltwoche als Opfer des Jagdfiebers</a></li>
<li><a href="#pierre">Pierre C. Meier: Unprofessioneller Anti-Blocher-Reflex</a></li>
<li><a href="#sylvia">Sylvia Egli von Matt: Freibrief für Schlammschlachten</a></li>
<li><a href="#russ">Stephan Russ-Mohl: Publizistischer Konflikt</a></li>
<li><a href="#kwz">Kurt W. Zimmermann: Rechercheverweigerung</a></li>
</ol>
<p><a name="kari">Karl Lüönd, Publizist und Jäger</a></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2011/02/lueond_dup.jpg" alt="" width="120" height="120" /> Ich wundere mich, dass die «Weltwoche» in ihrer Ausgabe vom 12. Januar von den Fakten her nicht nachlegen konnte. Wenn man so einen Scoop hat, behält man mit Vorteil immer man etwas Pulver zurück für den zweiten Schuss.<br />
Ich habe mich auch darüber gewundert, wie weit sich die Weltwoche und der von mir überaus geschätzte Kollege Urs Paul Engeler aus dem Fenster gelehnt haben, auch emotional. Der unbestrittene Teil der Story war doch stark genug: Über das Konto des Nationalbankpräsidenten ist ein Devisendeal im sechsstelligen Bereich gelaufen &#8211; das reicht doch. Warum dann aber Schlötterlinge wie «Gauner» und dergleichen, was nur Prozessrisiko schafft und &#8211; schlimmer &#8211; ein Urteil bedeutet, das man bei dieser Stärke der Fakten durchaus dem Leser überlassen könnte?<br />
Die Reaktionen der ausländischen, vor allem der angelsächsischen Medien waren übrigens bedeutend kühler und gegenüber Hildebrand kritischer als diejenigen in den meisten Schweizer Medien. Hier hat einmal mehr das Anti-Blocher-Grundrauschen den normalen journalistischen Reflex überstimmt. Der Kerl darf einfach nicht recht haben, auch wo er recht hat. Devisengeschäfte in diesem Umfang sind für einen Geheimnisträger an der Spitze der Notenbank ein klares «no go».<br />
Sodann würde mich interessieren, warum die Weltwoche ­ so sieht es jedenfalls für den Aussenstehenden aus ­ den Informanten aus der Bank Sarasin so rücksichtslos verheizt hat. Im Fall Wyler/Zopfi war Alex Baur dagegen so etwas von rücksichtsvoll und einvernehmlich mit seinen Gewährsleuten. Und nur über den Mittelsmann Lei mit dem Whistleblower zu kommunizieren wäre mir definitiv zu riskant gewesen.<br />
Seit Donnerstag hat sich bei mir der Eindruck verfestigt, die Weltwoche sei das Opfer ihres eigenen Jagdfiebers geworden. So lange hatten sie den Hildebrand folgenlos verfolgt und kritisiert &#8211; und jetzt hatten sie ihn! Sie haben dann geschossen, sie haben auch getroffen, aber  sie haben wohl das falsche Kaliber verwendet: eine Wildsaupatrone, wo auch Vogelschrot gereicht hätte. Schiessen mag notwendig gewesen sein. Aber weidmännisch war das nicht wirklich.</p>
<p><a name="pierre">Pierre C. Meier, Chefredaktor Werbewoche</a></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2012/01/pcm.jpg" alt="" width="120" height="120" /> Meiner Ansicht nach die beste Analyse der causa Hildebrand efolgte durch <a href="https://www.facebook.com/notes/zeit-schweiz/einer-geht-noch/357259754299794" target="_blank">Peer Teuwsen</a>. Leider vergass er die Rolle der Medien zu hinterfragen. Die war genau so pitoyabel, wie die der Wirtschaft. Dadurch, dass die ganze Sache von der rechten Schmuddelecke aus angestossen wurde, griff zuerst einmal der Anti-Blocher-Reflex. Verständlich aber leider auch unprofessionell. Anstatt, dass man versuchte, durch eigene Recherchen der Wahrheit näher zu kommen, nahm man den angeschossenen Hildebrand nur in Schutz und überliess so das Feld den selbsternannten Moralhütern der SVP. Kritischer Journalismus sollte immer neutral bleiben, auch wenn die Sympathien beim Verdächtigen liegen.</p>
<p><a name="sylvia">Sylvia Egli von Matt, Direktorin Journalistenschule MAZ</a></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/userphoto/sylvia.jpg" alt="" width="120" height="120" /> Die Berichterstattung zum Fall Hildebrand zeigt, dass es nach wie vor Medien gibt, die ihren Job seriös und klug machen. Manchmal habe ich den Eindruck, sogar besser als früher – umfassender, einordnender, kritischer. In der Folge werden nun wohl Reglemente der SNB verschärft.<br />
Die aktuelle Arbeit der Medien zeigt aber auch Defizite auf:</p>
<ol>
<li> In Sachen Quellen/Quellenkritik: Es ist bedenklich, dass Politiker gewisse Medien für ihre Kampagne instrumentalisieren konnten. Ebenso, dass die Aussagen von Urs Paul Engeler kaum kommentiert werden: «Wenn sich jeder Artikel auf zwei Quellen abstützen würde, würden Tageszeitungen höchstens im Wochenrhythmus erscheinen oder gar nicht. Blenden wir die Tatsachen nicht aus: Es gibt regelmässig Geschichten, die sich nicht auf zwei Quellen abstützen lassen. Entscheidend ist, dass der Journalist seinen Informanten als glaubwürdig und sicher einschätzt. Das habe ich gemacht.» Schliesslich handelt es sich bei den Vorwürfen ja um eine Geschichte mit immenser Tragweite – und nicht um journalistische Alltagsroutine.</li>
<li> In Sachen Sprache: Journalisten sollten nicht mit Attributen wie &#8222;Gauner&#8220; hantieren. Das ist eine Verluderung, ein Freibrief für Schlammschlachten. Was angeblich den demokratischen Prozessen nützen soll, schadet ihnen.</li>
<li> In Sachen Personalisierung: Diese attraktiviert die Geschichte zwar zweifelsohne, sie hat aber ihren Preis. Immer öfter wird «auf den Mann gezielt», bzw. «auf die Frau».</li>
</ol>
<p>Die Causa Hildebrand bietet einigen Stoff für Reflexion und Lehren. Auch für die Medien.</p>
<p><a name="russ">Stephan Russ-Mohl, Professor Uni Lugano</a></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2011/05/russ_mohl.jpg" alt="" width="120" height="121" /> Spannend wird die Sache wohl erst richtig, wenn man die Causa Hildebrand mit der Causa Wulff vergleicht &#8211; und vor allem die bisherigen Skandalisierungsmuster aufseiten der Medien.<br />
Die ursprünglichen Verfehlungen der beiden Präsidenten, die den Anlass zur Skandalisierung lieferten, scheinen mir in etwa «gleichwertig», auch wenn die Devisengeschäfte von Hildebrands Frau näher am Kerngeschäft des Nationalbankpräsidenten dran waren als die Kreditaufnahme des Minister- und späteren Bundespräsidenten bei «friends &amp; family».<br />
Ganz unterschiedlich verlief dagegen der Prozess der Skandalisierung: In der Schweiz war es, so weit ich das beobachten konnte, eher ein publizistischer Konflikt zwischen Weltwoche und dem Rest der Journaille, mit einigen differenzierten Zwischentönen, zum Beispiel von der NZZ. In Deutschland haben wir dagegen den seltenen Fall, dass von taz bis FAZ, von Bild über Frankfurter Rundschau bis hin zum öffentlich-rechtlichen Fernsehen die Medien gemeinsam den Bundespräsidenten zum Rücktritt drängen &#8211; allerdings auch, weil er, anders als Hildebrand, bei seiner Selbstverteidigung einen Fehler nach dem anderen beging.<br />
Mich hat deshalb der Rücktritt von Hildebrand eher überrascht. Wulff wäre aus «wissenschaftlicher» Sicht – wenn man zum Beispiel Hans Mathias Kepplingers gediegene Studien zu Skandalisierungsprozessen zugrundelegt–- wohl als erster «dran» gewesen, weil er sich einer geschlossenen Phalanx der Medien gegenüber sieht. Aber in Deutschland ist der Konflikt wohl inzwischen auch zu einem sehr merkwürdigen Machtkampf zwischen moralisierenden Medien und einer in Fragen des Machterhalts über Parteigrenzen hinweg wenig feinfühligen politischen Klasse eskaliert, wie er in der Schweiz kaum denkbar wäre.</p>
<p><a name="kwz">Kurt W. Zimmermann, Medienkolumnist Weltwoche</a></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2012/01/kwz.jpg" alt="" width="120" height="120" />Die Rechercheverweigerung der Schweizer Journalisten im Fall Hildebrand gehört zu den skurrilsten Kapiteln unserer neueren Mediengeschichte. Lieber ein weissgewaschener Persilschein für einen Nationalbankchef als eine Untertagearbeit im Dreck der Wahrheit, war die Devise meiner Medienkollegen. Skurril und irreal.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/01/13/tadel-und-lob/">Tadel und Lob</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>1.6 Kilogramm Altpapier</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Edith Hollenstein]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 Jun 2011 13:45:00 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Manuel Puppis]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Sonntagszeitungen landen spätestens am Montag im Altpapier, während klassische Wochenzeitungen eine mehrtägige Haltbarkeit haben. Warum sind Zeitungen mit «Sonntag» im Titel so rasch vergänglich? Und weshalb positioniert sich kein Sonntagstitel als Wochenzeitung? Über die Bedeutung von Sport und Samstagsaktualität und die unterschätzte Langlebigkeit. Am Sonntag kaufe ich Zeitungen. Weil ich noch immer herkömmlich lese, wiegt <a href="https://medienwoche.ch/2011/06/26/1-6-kilogramm-altpapier/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/06/26/1-6-kilogramm-altpapier/">1.6 Kilogramm Altpapier</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Sonntagszeitungen landen spätestens am Montag im Altpapier, während klassische Wochenzeitungen eine mehrtägige Haltbarkeit haben. Warum sind Zeitungen mit «Sonntag» im Titel so rasch vergänglich? Und weshalb positioniert sich kein Sonntagstitel als Wochenzeitung? Über die Bedeutung von Sport und Samstagsaktualität und die unterschätzte Langlebigkeit.</strong></p>
<p>Am Sonntag kaufe ich Zeitungen. Weil ich noch immer herkömmlich lese, wiegt meine Sonntagslektüre sage und schreibe 1.619 Kilogramm, denn ich kaufe die «SonntagsZeitung», die «NZZ am Sonntag», den «Sonntag» und den «Sonntagsblick». Nach dem Aussortieren der Werbebeilagen bleiben noch 0.955 Kilogramm und ich weiss aus Erfahrung: Lange muss ich sperrige Papierlast nicht ertragen, denn die Sonntagszeitungen landen spätestens am Montag auf dem Altpapier-Stapel. «Weshalb», frage ich mich, «liegen sie eigentlich nicht eine Woche lang im Wohnzimmer wie klassische Wochenzeitungen, wie etwa die «Weltwoche», die «WoZ», «Die Zeit» oder der «Spiegel»?</p>
<p>Martin Spieler, Chefredaktor der «SonntagsZeitung», will nicht gelten lassen, dass sein Produkt, bereits am Wochenstart zu Makulatur wird. «Unsere Geschichten haben eine lange Haltbarkeit. Das belegen entsprechende Leserbefragungen». Als Beispiel nennt er die alle zwei Jahre publizierte, repräsentative Bundnutzungsstudie. Diese zeige, dass einzelne Bünde auf die Seite gelegt und auch noch unter der Woche genutzt werden. «Die Werte reichen von 12,3 Prozent beim Nachrichtenbund bis zu 34,5 Prozent beim Bund «Wissen», der bis Donnerstag gelesen wird.»</p>
<p>Ähnlich argumentiert Felix E. Müller, Chefredaktor der «NZZ am Sonntag»: «Unsere Zeitung wird, wie wir aus Befragungen und auch von anekdotischen Beobachtungen wissen, durchaus als Wochentitel genutzt. Das heisst, dass die Zeitung im Gegensatz zur Konkurrenz nicht am Sonntagabend ins Altpapier wandert, sondern bundweise im Verlauf der Woche gelesen wird.»</p>
<p>Okay, zugegeben: Einzelne Seiten habe ich auch schon auf dem Nachttisch oder in der Laptop-Tasche untergebracht, um sie dann am Montag oder Dienstag im Tram zu lesen. Doch hier interessiert die Frage: Wie unterscheiden sich die Sonntagszeitungen von den klassischen Wochenzeitungen? Wäre es überhaupt möglich, zum Beispiel die «NZZ am Sonntag» als Wochenzeitung zu positionieren? «Man müsste im Titel auf den Begriff &#8218;Sonntag&#8216; verzichten und die Zeitung letztlich zu einem Magazin umwandeln, das am Sonntag erscheint», sagt Chefredaktor Müller. Ein Magazin hätte aber aufgrund der längeren Produktionszeiten den Nachteil, dass kaum Samstagsaktualität berücksichtigt werden könnte. Man würde also ein Magazin ohne aktuellen Sport am Sonntag verkaufen, was sicher nicht optimal wäre.</p>
<p>Die Unterschiede zwischen Sonntagszeitungen und klassischen Wochenzeitungen liegen also vor allem in der Aktualität. Trotz gleicher Periodizität orientieren sich die Sonntagszeitungen am samstäglichen Geschehen. Dies im Gegensatz zu den an Wochentagen erscheinenden Wochenzeitungen (Donnerstag: «Weltwoche», die «WoZ», «Die Zeit». Montag: «Spiegel»), welche auf tagesaktuelle Berichterstattung verzichten. «Sonntagszeitungen schliessen letztlich die Lücke, welche Tageszeitungen aus demselben Verlag am siebten Tag hinterlassen. Sie übernehmen damit die gleiche Funktion wie eine Tageszeitung &#8211; einfach mit dem Unterschied, dass aufgrund der längeren Lesedauer am Sonntag mehr Hintergrund- und Lifestyle-Berichte publiziert werden», sagt Manuel Puppis, Oberassistent am Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich.</p>
<p>Die Aussagen der beiden Chefredaktoren zeigen: Die Sonntagszeitungen setzen vor allem auf die Tatsache, dass wir Leser am Sonntag genügend Zeit haben, um Zeitung zu lesen – Zeit für samstagsaktuelle Texte, Recherchen und Hintergrundberichte. Mit dieser Positionierung fahren die Sonntagszeitungen gut und dies soll auch so bleiben. «Sie sollen sich nicht als klassische Wochenblätter positionieren», sagt Kurt W. Zimmermann, Medienexperte und ehemaliger Chefredaktor der «SonntagsZeitung». «Die Samstagsaktualität ist ihr grosser USP. Anders als Wochenzeitschriften sind Sonntagsblätter durch den aktuellen Tagesbezug nicht dem Risiko der Beliebigkeit ausgesetzt, sondern haben ein zwingendes Leseargument. Die Samstagsaktualität, wie man immer wieder sieht, ist auch der wichtigste Treiber der Verkaufsauflage.»</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/06/26/1-6-kilogramm-altpapier/">1.6 Kilogramm Altpapier</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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