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	<title>Medienethik | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>Wie der Deutsche PR-Rat über die Ethik wacht</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2020/02/27/wie-der-deutsche-pr-rat-ueber-die-ethik-wacht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dominik Allemann]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Feb 2020 08:11:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Manipulation]]></category>
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		<category><![CDATA[Verhalten Kommunikatoren]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Für professionelle PR existieren klare Ethik- und Verhaltensregeln. Der Deutsche Rat für Public Relations (DRPR) achtet auf ihre Einhaltung und rügt Verstösse – vier Beispiele.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Für professionelle PR existieren klare Ethik- und Verhaltensregeln. Der Deutsche Rat für Public Relations (DRPR) achtet auf ihre Einhaltung und rügt Verstösse – vier Beispiele.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/02/27/wie-der-deutsche-pr-rat-ueber-die-ethik-wacht/">Wie der Deutsche PR-Rat über die Ethik wacht</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Der Zweck heiligt die Mittel</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2017/04/06/der-zweck-heiligt-die-mittel/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Apr 2017 14:53:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Medienrecht]]></category>
		<category><![CDATA[Buch]]></category>
		<category><![CDATA[Anhörung]]></category>
		<category><![CDATA[Rena Zulauf]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Darf sich ein Journalist über fundamentale Berufsregeln hinwegsetzen, wenn er eine Lebensgeschichte aus der Opferperspektive erzählt? Sehr wohl, findet der Autor Hugo Stamm, der es bewusst unterliess, einen mutmasslichen Täter mit schwerwiegenden Vorwürfen zu konfrontieren. Geht gar nicht, sagen Fachleute aus Medienrecht und Medienethik. Für Hugo Stamm gibt es in dieser Sache keinerlei Selbstzweifel. Er <a href="https://medienwoche.ch/2017/04/06/der-zweck-heiligt-die-mittel/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Darf sich ein Journalist über fundamentale Berufsregeln hinwegsetzen, wenn er eine Lebensgeschichte aus der Opferperspektive erzählt? Sehr wohl, findet der Autor Hugo Stamm, der es bewusst unterliess, einen mutmasslichen Täter mit schwerwiegenden Vorwürfen zu konfrontieren. Geht gar nicht, sagen Fachleute aus Medienrecht und Medienethik.</strong></p>
<p>Für Hugo Stamm gibt es in dieser Sache keinerlei Selbstzweifel. Er würde jederzeit wieder so handeln, wie er es getan hat. Oder eben: nicht getan hat. Als Co-Autor eines Buchs, das die Lebensgeschichte von Markus Zangger erzählt, unterliess es Stamm ganz bewusst, den Pädagogen Jürg Jegge mit den Missbrauchsvorwürfen zu konfrontieren, die Zangger gegen seinen einstigen Lehrer erhebt.</p>
<p>Anlässlich der Buchpräsentation erklärte Stamm sein Vorgehen damit, dass er dem mutmasslichen Täter keine Plattform bieten wolle. Ausserdem hätte der Angeschuldigte nach einer Konfrontation mit den Vorwürfen eine superprovisorische Verfügung beantragen und so die Veröffentlichung hinauszögern können.</p>
<p>Aus Sicht von Zangger und dem mit ihm anwaltschaftlich verbundenen Journalisten sind das nachvollziehbare Abwägungen. Nur so konnten sie verhindern, dass der als Peiniger bezichtigte Jegge sich öffentlich rechtfertigen und Einfluss auf die Veröffentlichung nehmen konnte. Mit der Abbildung eines Briefs von Jegge an Zangger, der als Schuldeingeständnis gelesen werden könne, so Stamm, sei die Beweislage geklärt. Zudem hätten ihm vier weitere Opfer schriftlich bestätigt, von Jürg Jegge ebenfalls sexuell missbraucht worden zu sein. «Die Vorwürfe stimmen also», sagt Hugo Stamm im Gespräch mit der MEDIENWOCHE. Nur: Auch wenn etwas wahr ist, muss bei schweren Vorwürfen eine Stellungnahme eingeholt werden. Das gebietet der medienethische Grundsatz der Fairness.</p>
<p>Es gibt indes eine Ausnahme: Gemäss Spruchpraxis des Presserats kann bei Medienberichten über besonders heikle Themen, wie Misshandlungen oder Sexualdelikte auf eine Stellungnahme des Kritisierten, respektive Tatverdächtigen, verzichtet werden, aber der Bericht muss hochgradig anonymisiert werden. Im Fall Jegges wäre das nicht möglich gewesen, weil es doch gerade darum geht, die Verfehlungen einer öffentlichen Figur anzuprangern.</p>
<p>Bei aller Würdigung der Umstände, bleibt der Makel einer unterlassenen Anhörung bei schwerwiegenden Vorwürfen, wie dies nicht nur der Pressekodex verlangt, sondern auch das Zivilrecht vorsieht. Das sei im vorliegenden Fall «eine offensichtliche Schwäche und sowohl aus journalistischer wie aus rechtlicher Sicht nicht haltbar», schreibt die NZZ. Diese Einschätzung stützen Fachleute aus Medienrecht und Medienethik.</p>
<p>Rechtsanwältin Rena Zulauf hält den Vorgang für «inkorrekt». Die Medienspezialistin sieht darin ein Beispiel für das Ausnützen von Macht, die einzelne Medienschaffende haben, wenn Sie gewillt sind, ohne Einhaltung von Sorgfaltspflichten Öffentlichkeit herzustellen. Ob im vorliegenden Fall der gute Zweck die Mittel heiligt? «Nein, sicher nicht. Jeder Vorwurf muss angehört werden», sagt Zulauf. Berufskollege Philip Kübler, Medienrechtler und langjähriges Mitglied des Presserats, hält das Argument für untauglich, dem Kritisierten keine Bühne bieten zu wollen. Seine Aussagen wären ja nicht ungefiltert in das Buch eingeflossen, gibt Kübler zu bedenken: «Nur die wesentlichen Argumente müssten angemessen wiedergeben werden».</p>
<p>Von solcher Regeltreue hält Hugo Stamm nicht viel. «Das Buch ist keine journalistische Arbeit, sondern eine Lebensgeschichte in der Ich-Form», betont der Autor im Gespräch mehrmals. «Deshalb müssen auch nicht die journalistischen Regeln angewendet werden. Es kann doch nicht sein, dass ein Opfer in seiner Biographie dem Täter eine Plattform für seine Rechtfertigung geben muss.» Dass Medien nun vor allem diesen Aspekt thematisieren, lässt Stamm am Journalismus zweifeln. Er vermisst die Empathie für das Opfer: «Da kann ich nur den Kopf schütteln.»</p>
<p>Stamm hätte es indes selber in der Hand gehabt, den Fokus auf den Kern der Geschichte zu lenken. Doch wollte er eben das Risiko einer verzögerten Herausgabe von Zanggers Lebensgeschichte im Falle einer superprovisorischen Verfügung um jeden Preis vermeiden. Juristin Zulauf hält diesen Umweg für zumutbar – umso mehr, wenn damit den ethischen und rechtlichen Grundsätzen Genüge getan worden wäre.</p>
<p>Dass Jegge nun nach erfolgter Veröffentlichung des Buchs zu juristischen Mitteln greifen wird wegen der unterlassenen Anhörung, darf bezweifelt werden, weil er damit die Vorwürfe gegen sich nur länger in der Öffentlichkeit halten würde. «Ich gehe davon aus, dass er nicht klagen wird», sagt Stamm. Und wenn doch, dann sei dies das Risiko, das er bewusst in Kauf genommen mit seinem Vorgehen. Definitiv ohne rechtliche Folgen bleiben hingegen die im Buch beschriebenen Übergriffe. Sie sind allesamt verjährt. Dennoch dürfte das letzte Wort noch nicht gesprochen sein. Der Presserat könnte diesen in mehrfacher Hinsicht relevanten Fall aufgreifen und beurteilen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/04/06/der-zweck-heiligt-die-mittel/">Der Zweck heiligt die Mittel</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Untaugliche Ethikregeln</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2017/01/13/untaugliche-ethikregeln/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 13 Jan 2017 15:57:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Medienethik]]></category>
		<category><![CDATA[Terror]]></category>
		<category><![CDATA[Tristan Brenn]]></category>
		<category><![CDATA[Arthur Rutishauser]]></category>
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		<category><![CDATA[SRF]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Schweizer Radio und Fernsehen SRF und Tages-Anzeiger/Sonntagszeitung wollen Terroristen nicht mehr mit vollem Namen nennen und keine Bilder von ihnen veröffentlichen. Dazu setzten sie im letzten Sommer entsprechende Leitlinien in Kraft. Ein halbes Jahr später ist es mit der Zurückhaltung nicht mehr weit her. Vom Berliner Attentäter finden sich Name und Bild in der Berichterstattung <a href="https://medienwoche.ch/2017/01/13/untaugliche-ethikregeln/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Schweizer Radio und Fernsehen SRF und Tages-Anzeiger/Sonntagszeitung wollen Terroristen nicht mehr mit vollem Namen nennen und keine Bilder von ihnen veröffentlichen. Dazu setzten sie im letzten Sommer entsprechende Leitlinien in Kraft. Ein halbes Jahr später ist es mit der Zurückhaltung nicht mehr weit her. Vom Berliner Attentäter finden sich Name und Bild in der Berichterstattung beider Medien. Warum sich das kaum vermeiden lasse, erklären Arthur Rutishauser und Tristan Brenn, die zuständigen Chefredaktoren.</strong></p>
<p>Man kann es nachlesen, schwarz auf weiss. Die Spielregeln sind eigentlich klar: Der «Tages-Anzeiger» zeigt ab sofort <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/den-taetern-keine-buehne-geben/story/16233159" target="_blank">keine Bilder mehr von Attentätern und Amokläufern</a> und die Namen der Täter werden wir abkürzen, hielt Arthur Rutishauser, Chefredaktor von Tages-Anzeiger und Sonntagszeitung, Ende Juli vergangen Jahres fest. Einen Monat später legte Schweizer Radio und Fernsehen nach: Man verzichte darauf, Bilder und Namen von Attentätern zu zeigen, <a href="https://www.srgd.ch/de/aktuelles/2016/09/05/umgang-mit-terrorattentaten-und-amoklaufen-bei-srf/" target="_blank">hielten damals die Chefredaktionen von Schweizer Radio und Fernsehen SRF fest</a>.</p>
<p>Unter dem Eindruck sich häufender Attentate im letzten Sommer mit Dutzenden von Toten in Deutschland und Frankreich, reagierten Medien in der Schweiz und im Ausland mit Anweisungen an ihre Redaktionen, fortan zurückhaltender über Tatverdächtige und tatsächliche Terroristen zu berichten; neben Tages-Anzeiger und Radio SRF etwa auch die Zeitung Le Monde und der Nachrichtensender BFM aus Frankreich.</p>
<p>Ein halbes Jahr später reibt man sich verwundert die Augen. Sowohl der Tages-Anzeiger, und insbesondere sein Online-Ableger tagesanzeiger.ch, aber auch bei SRF scheinen die hehren Regeln der Medienethik schon wieder vergessen. Der Name des Berliner Attentäters findet sich voll ausgeschrieben und auch Bilder des Tunesiers gibt es zu sehen. Was ist geschehen? Haben die Chefredaktoren die neuen Regeln gelockert oder gar annulliert?</p>
<p>Arthur Rutishauser verneint: «Wir haben die Richtlinie nicht gelockert», teil der Chefredaktor von Tages-Anzeiger und «Sonntagszeitung» auf Anfrage mit. Damit gälte eigentlich weiterhin: Namen nicht voll ausschreiben und grundsätzlich keine Bilder, ausser Beweisbilder, wie etwa Aufnahmen von Überwachungskameras. «Was die Namensnennung anbelangt, waren wir im Print soweit mir bekannt konsequent». Das stimmt nicht ganz. Der gedruckte Tages-Anzeiger schrieb in seiner Ausgabe vom 23. Dezember den Namen des Berliner Attentäters mehrfach voll aus, ebenso die «Sonntagszeitung» in zwei ihrer Ausgaben. Und auch bei den Vorgaben zur Abbildung gibt es Defizite. So findet sich in der «Sonntagszeitung» vom 8. Januar ein Porträtbild des jungen Manns, wenn auch nur ein kleines, das nicht als Beweis- oder Fahndungsbild durchgeht.</p>
<p>Auf tagesanzeiger.ch sei die Richtlinie deshalb nicht konsequent umzusetzen, «da es halt sehr schnell geht und wir und wir teilweise mit ‹20 Minuten› zusammengeschaltet sind», erklärt Rutishauser. tagesanzeiger.ch bezieht einen Teil seiner Nachrichten aus einer Redaktionseinheit, die auch «20 Minuten» beliefert. Da dieser sogenannte Newsexpress nicht im Zuständigkeitsbereich von Arthur Rutishauser liegt, kann es vorkommen, dass Beiträge mit anderen medienethischen Standards einfliessen.</p>
<p>Wie der Tages-Anzeiger kann auch Schweizer Radio und Fernsehen SRF seine selbst auferlegten Zurückhaltung in der Terrorberichterstattung nicht vollumfänglich einhalten. In TV-Sendungen und Onlinebeiträgen finden sich Name und Bild des Berliner Attentäters gleich mehrfach. Tristan Brenn, Chefredaktor Fernsehen SRF, sieht darin aber keinen Regelbruch, sondern legitime Ausnahmen: «Das war ein bewusster Entscheid aufgrund einer anderen Interessengewichtung.»</p>
<p>Solange ein flüchtiger Attentäter eine Gefahr für die Öffentlichkeit darstelle, so Brenn, verzichte das Schweizer Fernsehen auf eine Anonymisierung. Diese Ausnahme habe man beim Abfassen der neuen Leitlinien so vorgesehen. «Sobald der Täter in Mailand gestellt war, haben wir keine Bilder mehr von ihm gezeigt, auch seinen Namen nie mehr erwähnt, weder in den Sendungen noch online.» Hier irrt Brenn. Die «Rundschau» preist die Sendung vom 11. Januar auf ihrer Webseite mit der Nennung des vollen Namens des Berliner Attentäters an. In der Sendung selbst blieb er dann allerdings regelgetreu anonymisiert.</p>
<p>Wie ernst die Chefredaktoren ihre eigenen Leitlinien nehmen, zeigt auch der nachlässige Umgang mit versehentlichen Namens- und Bildveröffentlichungen. Klar kann es mal vorkommen, dass ein Journalist eine von der Nachrichtenagentur abgefasste Bildlegende mit voller Namensnennung übernimmt. Im Web wäre es allerdings möglich, diesen Lapsus nachträglich zu korrigieren. Das aber machten bisher weder Tages-Anzeiger noch SRF.</p>
<p>Bei all den Ausnahmen und Sonderfällen, sowie einer an Desinteresse grenzenden Nachlässigkeit in Umsetzung und Kontrolle der eigenen Leitlinien, stellt sich unweigerlich die Frage: Was bringt es eigentlich – ausser dem Applaus der Medienethiker – solche Regeln aufzustellen? Strikte Vorgaben vertragen sich im Journalismus schlecht mit der gängigen Praxis des situativen Abwägens im Einzelfall. Erschwerend wirkt zudem das Organigramm moderner Redaktionsorganisationen. Bei Plattformen, die aus zahlreichen Quellen gespeist werden, kann man leicht den Überblick verlieren, wer nun welche Inhalte nach welchen Standards anliefert.</p>
<p>Entscheidend bleibt letztlich, was das Publikum wahrnimmt. Und das sieht Bilder eines Attentäters und liest seinen vollen Namen, obwohl die Redaktionen doch eigentlich genau das vermeiden wollten, um den Terroristen keine zusätzliche Bühne zu geben. Bevor Chefredaktoren vollmundig Versprechen abgeben, wäre es wohl sinnvoller, wenn sie zuerst intern die Praktikabilität neuer Leitlinien prüfen und erst danach an die Öffentlichkeit treten, oder aber die Übung abblasen, wenn ihnen klar wird, dass sich solche Leitlinien nicht einhalten lassen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/01/13/untaugliche-ethikregeln/">Untaugliche Ethikregeln</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
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		<title>Über das Private</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/09/21/ueber-das-private/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[René Zeyer]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 21 Sep 2016 12:12:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Presserat]]></category>
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		<category><![CDATA[Privatsphäre]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Drei aktuelle Fälle befeuern die Debatte, wo die Grenze zwischen Privatangelegenheit und gerechtfertigtem öffentlichem Interesse verläuft. Geht es darum, eklatante Widersprüche im Verhalten Prominenter aufzudecken, kann von einem unbefugten und unanständigen Eindringen in die Privatsphären keine Rede sein. Da es hier um eine allgemeine Erörterung geht, schützen wir die Betroffenen, indem die Namen nicht genannt <a href="https://medienwoche.ch/2016/09/21/ueber-das-private/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/09/21/ueber-das-private/">Über das Private</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Drei aktuelle Fälle befeuern die Debatte, wo die Grenze zwischen Privatangelegenheit und gerechtfertigtem öffentlichem Interesse verläuft. Geht es darum, eklatante Widersprüche im Verhalten Prominenter aufzudecken, kann von einem unbefugten und unanständigen Eindringen in die Privatsphären keine Rede sein. Da es hier um eine allgemeine Erörterung geht, schützen wir die Betroffenen, indem die Namen nicht genannt werden.<br />
<span id="more-28037"></span><br />
Dürfen die Medien über den nicht folgenlosen Seitensprung eines Politikers berichten, der lange Jahre Präsident einer christlichen Partei war und ein römisch-katholisches Glaubensbekenntnis zur Ehe und Familie öffentlich ablegt? Über sexuelle Belästigung durch einen Gewerkschaftsführer, dessen Organisation «zero tolerance» für solches Verhalten propagiert? Über ein stationäres Triebdruckgebiet in der Hose eines Wettermannes und seine Folgen? Zuvorderst die Betroffenen hätten es am liebsten, wenn das Privatsache wäre; die Medien wissen, dass auch heute noch gilt «sex sells», und das Publikum ist hin und her gerissen zwischen Entrüstung und Kitzel. Wobei alle kommentierenden Leser, die sich über Verletzungen der Privatsphäre erregen, damit eingestehen, dass sie die Ergebnisse freiwillig zur Kenntnis genommen haben.</p>
<p>Zunächst regelt die Sache mit der Privatsphäre das Recht. Auf Ebene Bundesverfassung («Jede Person hat Anspruch auf Achtung ihres Privat- und Familienlebens») und auf Ebene ZGB («Wer in seiner Persönlichkeit widerrechtlich verletzt wird, kann zu seinem Schutz gegen jeden, der an der Verletzung mitwirkt, das Gericht anrufen. Eine Verletzung ist widerrechtlich, wenn sie nicht durch Einwilligung des Verletzten, durch ein überwiegendes privates oder öffentliches Interesse oder durch Gesetz gerechtfertigt ist.»). Ein Echo davon findet sich auch in der «Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten» des Schweizer Presserats: «Sie respektieren die Privatsphäre der einzelnen Personen, sofern das öffentliche Interesse nicht das Gegenteil verlangt.»</p>
<p>Es gibt also keinen absoluten Schutz der Privatsphäre, wie das sogar von Medienanwälten gelegentlich behauptet wird. Die entscheidenden Begriffe bei der Berichterstattung sind «Einwilligung des Verletzten» und «öffentliches Interesse». Näheres regeln die Anwälte, wie meistens je besser bezahlt, desto massiver zugunsten des «Verletzten». Hinzu kommt, dass auch in der Schweiz in den letzten Jahrzehnten der sogenannte People-Journalismus Einzug gehalten hat. Also beispielsweise die Home-Story, in der ein Prominenter (oder einer, der sich dafür hält), darauf spezialisierten Medien mehr oder minder kontrollierten Zugang zu seiner Privatsphäre erlaubt, bis in die Badewanne oder das Schlafzimmer. Und wie heisst es so schön: Wer mit den Medien im Lift nach oben fährt, fährt mit ihnen auch wieder runter.</p>
<p>Der Luftkampf über die Deutungshoheit, was unverletzliche Privatsphäre ist und was nicht, spielt sich zunächst in der Auslegung des «öffentlichen Interesses» ab. Hier wird fein differenziert, dass für «Personen der Zeitgeschichte», also Stars und Sternchen, Prominente und Politiker oder bedeutende Wirtschaftsführer etwas andere Regeln gelten als für den Jedermann. Wenn Metzgermeister M., der keinen Gottesdienst am Sonntag auslässt, vor Gott seiner Gattin einen Ehebruch mit Folgen reinhaut, ist kaum öffentliches Interesse erkennbar. Auch nicht, wenn ein ansonsten unauffälliger und unbedeutender Vorgesetzter seiner Assistentin penetrant in den Ausschnitt starrt und sie mit anzüglichen SMS bombardiert. Und auch nicht, wenn ein unbekannter Meteorologe ständig Tiefdruck mit Triebdruck verwechselt. Auch wenn es da zu juristischen Folgen kommen sollte, darf höchstens anonymisiert über ein allfälliges Urteil berichtet werden.</p>
<p>Wer sein Privatleben prinzipiell für sich behält, hat eine grössere Schutzzone, selbst wenn er (oder sie) eine Person des öffentlichen Interesses ist. Anders sieht das aus, wenn diese Person den Medien und damit der Öffentlichkeit tiefe Einblicke in die Sonnenseite ihres Privatlebens, in ihre religiösen, moralischen oder sittlichen Prinzipien gibt oder gar deren Allgemeinverbindlichkeit einfordert.</p>
<p>Ein christlicher Politiker, der für den Schutz der Ehe ist und den biblischen Geboten nachlebt, wird nicht als schwacher Mann geoutet, wenn enthüllt wird, dass er sich bei einem Seitensprung fortpflanzte, sondern als Heuchler. Ein Gewerkschaftsführer, der für völlige Gleichbehandlung von Mann und Frau sowie gegen sexuelle Belästigungen am Arbeitsplatz kämpft, wird nicht in seiner Privatsphäre verletzt, wenn sein eigenes Belästigungsverhalten geoutet wird, sondern als Heuchler entlarvt. Nicht anders sieht es bei einem Wettermann aus, der den vollen Namen einer Frau öffentlich verwendet, die ihn zu Unrecht der Vergewaltigung bezichtigte, er aber mit allen juristischen Mitteln gegen jede von ihm so deklarierte Verletzung seiner Privatsphäre vorgeht, sei es auch nur die Wiederholung von Einblicken in sein Privat- und Intimleben, die er selbst den Medien gewährte.</p>
<p>Dann gibt es noch die «Einwilligung des Verletzten». Wenn der People-Journalist anruft und sagt: «Wir haben Kenntnis von einer eher unschönen Story aus Ihrem Privatleben und werden morgen folgende saftigen Details veröffentlichen. Was sagen Sie dazu?», hat der Betroffene zwei Möglichkeiten. Er erwidert: «Kein Kommentar, und das ist kein Zitat» und ruft sofort seinen Anwalt an. Oder, der Betroffene nimmt Stellung und versucht so, das Schlimmste zu verhüten. Besonders, wenn er zuvor nicht verhütet hat. Damit hat er aber seine Einwilligung erteilt und kann sich schon aus diesem Grund nicht darüber beschweren, dass Ereignisse aus seiner Privatsphäre öffentlich dargestellt werden.</p>
<p>Wenn der Berichterstatter die Tatsachen schildert und auf Widersprüche zwischen Sein und Schein hinweist, masst er sich damit auch nicht ein Richteramt an oder impliziert, dass er selbst ein vor Fehltritten gefeiter oder moralisch überlegener Mensch wäre. Es kann schliesslich auch Journalisten passieren, dass sie auf Widersprüche zwischen öffentlichen Positionen und privatem Verhalten hingewiesen werden. Obwohl gerade Berichterstatter meistens besonders empfindlich darauf reagieren, gilt hier gleiches Recht für alle. Allerdings nicht für alle Beteiligten.</p>
<p>Im Falle des zum Vater gewordenen C-Politikers hat seine offenbar auch tiefreligiöse aussereheliche Beziehung durch ihren Anwalt klargestellt, dass sie keine Person des öffentlichen Interesses sei, und ihre Leibesfrucht auch nicht. Das muss respektiert werden, auch wenn es in anderen Zusammenhängen zu Absurditäten führt. Wie zum Beispiel im berühmten Mordfall in Kehrsatz, wo der Name des Opfers bekannt ist und bis heute erwähnt werden darf, der freigesprochene Mörder hingegen hat das Recht auf Anonymität im Rahmen seiner Wiedereingliederung in die Gesellschaft.</p>
<p>Kein Mensch hat es gerne, wenn fremde Leute Einblick in seine Privatsphäre bekommen, in der Unterwäsche herumschnüffeln, besonders, wenn sie schmutzig ist. Auch Personen des öffentlichen Interesses haben Anspruch auf Schutz. Aber keinen absoluten. Besonders gefährdet sind Prominente, die ihre moralischen oder religiösen oder weltanschaulichen Ansichten öffentlich zur allgemeinen Richtschnur erheben, mit Eifer die Befolgung einfordern, zudem tiefe Einblicke in ihre angeblich heile Privatwelt geben, beispielsweise ökologische Bescheidenheit predigen, sich gerne auf dem Velo fotografieren lassen – und sich dann höchlichst darüber erregen, wenn man ihnen Tausende von Flugkilometern für Ferienreisen vorwirft. Oder die ständige Verletzung ihrer Persönlichkeitsrechte bejammern, während sie selbst diejenigen von anderen verletzen. Hier geht es nicht um das unbefugte und unanständige Eindringen in Privatsphären, sondern um die Berichterstattung über Heuchelei, Doppelmoral, Schein und Sein, um die Aufdeckung von eklatanten Widersprüchen, um einen Glaubwürdigkeitstest. Wird das ohne moralisch erhobenen Zeigefinger durchgeführt und der Betroffene an seinen eigenen Massstäben gemessen, ist das sinnvolle und nötige Information, Aufklärung. Und alles Geschrei, dass das die Medien und die Öffentlichkeit nichts angehe, ebenfalls reine Heuchelei.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/09/21/ueber-das-private/">Über das Private</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Ein unmissverständliches Signal</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/08/27/ein-unmissverstaendliches-signal/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 27 Aug 2016 10:39:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Tamedia]]></category>
		<category><![CDATA[Medienethik]]></category>
		<category><![CDATA[Presserat]]></category>
		<category><![CDATA[Syndicom]]></category>
		<category><![CDATA[Comedia]]></category>
		<category><![CDATA[impressum]]></category>
		<category><![CDATA[Verband Schweizer Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Studer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als Folge eines Sparprogramms stellt der Verband Schweizer Medien seine Zahlungen an den Presserat vorübergehend ein. Die Verleger sind erst seit 2008 Mitglied der Trägerstiftung. Ihr Eintritt war damals umstritten. Seither hat der Presserat nicht unbedingt an Profil gewonnen. Daher wäre ein Austritt des Verbands kein Verlust. Sie wollten unbedingt dabei sein. Jetzt wollen sie <a href="https://medienwoche.ch/2016/08/27/ein-unmissverstaendliches-signal/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Als Folge eines Sparprogramms stellt der Verband Schweizer Medien seine Zahlungen an den Presserat vorübergehend ein. Die Verleger sind erst seit 2008 Mitglied der Trägerstiftung. Ihr Eintritt war damals umstritten. Seither hat der Presserat nicht unbedingt an Profil gewonnen. Daher wäre ein Austritt des Verbands kein Verlust.<br />
<span id="more-27942"></span><br />
Sie wollten unbedingt dabei sein. Jetzt wollen sie zwar nicht ganz raus, aber nicht mehr zahlen. Der Verband Schweizer Medien sistiert für mindestens drei Jahre seine Zahlungen an den Presserat. Damit fehlen dem Gremium pro Jahr 36’000 Franken, immerhin ein Sechstel der Trägerschaftsbeiträge, die massgeblich von den drei Berufsverbänden getragen werden.</p>
<p>Die Sparmassnahme sei unumgänglich, weil dem Verlegerverband selbst ein beträchtlicher Teil der Mittel entzogen worden sei mit dem Austritt von Ringier. Verantwortlich sei aber letztlich die SRG, die als Spaltpilz gewirkt und die Verlage gegeneinander aufgebracht habe. Vorläufig helfen die abtrünnigen Ringier und Axel Springer aus und zahlen für 2016 je 15’000 Franken.</p>
<p>Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass der Verlegerverband nun ausgerechnet jenes Gremium schwächt, wo er einst unbedingt Mitglied werden wollte. Die Aufnahme 2008 war nicht unumstritten. Vor allem der Journalistenverband «Impressum», dessen Vorgängerorganisation den Presserat 1977 gegründet und anfänglich allein getragen hatte, begrüsste einen Verlegerbeitritt aus sozialpartnerschaftlichen Überlegungen. Man hoffte, so die Verleger zu Verhandlungen über einen Gesamtarbeitsvertrag GAV bewegen zu können – eine Hoffnung, die sich bekanntlich bis heute nicht erfüllt hat. Auch der damalige Presseratspräsident, der Medienrechtler Peter Studer, setzte sich vehement für eine Verlegerbeteiligung ein. Es wäre «absurd», wenn die Arbeitgeberorganisation dem Ethikgremium fernbliebe, so Studer damals.</p>
<p>Widerstand kam vor allem von der Mediengewerkschaft Comedia (heute Syndicom). Kritische Stimmen warnten vor einem zu hohen Preis, den die bisherigen Träger zahlen würden. Die Verleger könnten sich gratis ein medienethisches Deckmäntelchen umlegen, ohne sich zu irgendwelchen Garantien verpflichten zu müssen. Ausserdem fürchtet man die Einflussnahme der Verleger auf die Entwicklung des Presserats.</p>
<p>Tatsächlich muss man heute fragen: Was hat der Verband Schweizer Medien dem Presserat gebracht – ausser natürlich das Geld, das nun fehlt? Seine Mitgliedschaft beschädigte das Image nicht in der Weise, wie sich das die Gegner eines Verlegereintritts in düsteren Prognose ausgemalt hatten. Aber die Verleger haben den Presserat auch nicht gestärkt. Das zeigt sich etwa bei der Berichterstattung über die Beschwerden.</p>
<p>Die grösste Medienresonanz fanden die Aktivitäten des Presserats von 2000 bis 2004, zu einer Zeit, als die Verleger noch nicht Mitglied waren. Das lässt sich auch damit erklären, dass damals noch etliche Zeitungen eine Medienseite mit täglicher oder wöchentlicher Erscheinungsweise führten. Dort wurde regelmässig über die Entscheide des Presserats berichtet. Mit der Einstellung der Medienseiten – letztlich auch ein verlegerischer Entscheid – reduzierte sich die Berichterstattung entsprechend. Der Presserat war nur noch dann ein Thema, wenn er sich zu spektakulären Fällen äusserte oder besonders krasse Verstösse rügte. Wäre es den Verlegern wirklich ein Anliegen gewesen, die Arbeit des Presserats zu stärken, hätten sie in ihren Titeln dafür gesorgt, dass der Berichterstattung entsprechend Raum gewährt wird.</p>
<p>Strukturell betrachtet kann man es weiterhin für richtig und wichtig halten, dass auch die Verlegerorganisation das Selbstkontrollorgan der Branche mitträgt und hoffen, dass sie möglichst bald ihren finanziellen Verpflichtungen wieder nachkommt. Doch der Entscheid, den Presserat in Schräglage zu bringen, lässt einen daran zweifeln, dass dem Verband wirklich viel an einer unabhängigen Beschwerdestelle gelegen ist; erst recht, wenn man bedenkt, dass Tamedia, das tonangebende Unternehmen im Verband, zeitgleich mit dem Sparbeschluss einen Halbjahresgewinn von 56 Millionen Franken ausweisen konnte; die gestrichenen 36’000 Franken für den Presserat betragen ein halbes Promille davon.</p>
<p>Anstatt auf eine Wiederaufnahme der Zahlungen des Verbands Schweizer Medien zu hoffen, könnte sich der Presserat von diesem unsicheren Partner verabschieden und stattdessen wieder direkt mit jenen Verlagen verhandeln, denen an der Existenz eines unabhängigen Ethik-Gremiums gelegen ist. So wäre zudem erkennbar, welches Medienhaus wieviel Wert auf eine funktionierende Selbstkontrolle legt.</p>
<p>Ringier und Axel Springer sind jetzt mit gutem Beispiel vorausgegangen. Das ist umso bemerkenswerter, als dass die Berichterstattung des Ringier-Boulevards dem Presserat immer wieder Anlass zu Rügen gibt. Natürlich konnte Ringier mit dieser Geste auch Tamedia eins auswischen. Das ist denn auch das Ärgerlichste an der ganzen Geschichte: Auf dem Buckel eines eh schon ressourcenschwachen Presserats wird die Fehde zwischen den Grossverlage ausgetragen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/08/27/ein-unmissverstaendliches-signal/">Ein unmissverständliches Signal</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Medienethik vs. Medienrecht</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/07/05/medienethik-vs-medienrecht/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 05 Jul 2016 14:10:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Medienethik]]></category>
		<category><![CDATA[Presserat]]></category>
		<category><![CDATA[Medienrecht]]></category>
		<category><![CDATA[Vinzenz Wyss]]></category>
		<category><![CDATA[Franz Zeller]]></category>
		<category><![CDATA[Jolnda Spiess-Hegglin]]></category>
		<category><![CDATA[Ringier]]></category>
		<category><![CDATA[Blick]]></category>
		<category><![CDATA[Privatsphäre]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In der Regel lässt der Presserat dem Gericht den Vortritt und verzichtet auf eine vorgängige Beurteilung, wenn ein Fall vor den Richter kommt. Bei den Beschwerden von Geri Müller und jüngst auch Jolanda Spiess-Hegglin machte der Presserat eine – reglementskonforme – Ausnahme. Wäre eine einheitliche Praxis wünschenswert? Wo verläuft die Trennlinie zwischen Medienethik und Medienrecht? <a href="https://medienwoche.ch/2016/07/05/medienethik-vs-medienrecht/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/07/05/medienethik-vs-medienrecht/">Medienethik vs. Medienrecht</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>In der Regel lässt der Presserat dem Gericht den Vortritt und verzichtet auf eine vorgängige Beurteilung, wenn ein Fall vor den Richter kommt. Bei den Beschwerden von Geri Müller und jüngst auch Jolanda Spiess-Hegglin machte der Presserat eine – reglementskonforme – Ausnahme. Wäre eine einheitliche Praxis wünschenswert? Wo verläuft die Trennlinie zwischen Medienethik und Medienrecht? Das sagen ein Medienethiker und ein Medienrechtler.<br />
<span id="more-27711"></span><br />
Bei Geri Müller hiess es zuerst Hüst und dann doch noch Hott: Auf eine Beschwerde gegen die Berichterstattung der «Schweiz am Sonntag» wollte der Presserat <a href="http://www.nzz.ch/schweiz/der-presserat-soll-handeln-1.18687662" target="_blank">zuerst nicht eintreten</a>. Und zwar ganz <a href="http://presserat.ch/Documents/Geschaeftsreglement2015.pdf" target="_blank">reglementskonform</a>, weil noch mit einem Gerichtsverfahren in der gleichen Causa zu rechnen sei. Mit dem ablehnenden Entscheid wollte der Presserat verhindern, dass sein medienethisches Urteil vor Gericht instrumentalisiert werden könnte. Er kam dann allerdings auf seinen Entscheid zurück und vollzog «eine in seiner Geschichte wohl einmalige Kehrtwende», <a href="http://www.nzz.ch/schweiz/presserat-besinnt-sich-um-1.18713925" target="_blank">wie die NZZ schrieb</a>. Druck gemacht hatten 18 Parlamentarierinnen und Parlamentarier. Auch innerhalb des Presserats war die Zurückhaltung umstritten. Präsident Dominique von Burg wollte von Anfang an die Beschwerde behandeln, wurde aber überstimmt um sich dann später doch noch durchzusetzen.</p>
<p>Die gleiche Frage stellte sich nun auch im Zusammenhang mit der Beschwerde der Zuger Politikerin Johanna Spiess-Hegglin gegen die Berichterstattung des «Blick» im Zusammenhang mit einer sogenannten Sex-Affäre. Diesmal ging es ohne Extratouren. Der Presserat behandelte den Fall und <a href="http://presserat.ch/_09_2016.htm" target="_blank">hiess die Beschwerde gegen die Zeitung vorbehaltlos gut</a>. Damit es so weit kommen konnte, musste sich die behandelnde Kammer dafür entscheiden, auf die Beschwerde einzutreten. Denn auch in diesem Fall gibt es Anzeichen, die sich dahingehend deuten lassen, dass es zu einer gerichtlichen Beurteilung der «Blick»-Berichterstattung im Fall der Zuger Sex-Affäre kommen könnte. In Artikel 11 Ziffer 1 des Geschäftsreglements des Presserats heisst es unter anderem: «Der Schweizer Presserat tritt auf Beschwerden nicht ein: wenn ein Parallelverfahren (insbesondere bei Gerichten oder bei der UBI) eingeleitet wurde oder vorgesehen ist.»</p>
<p>Nun gibt es aber eine gewichtige Ausnahme in der folgenden Ziffer: Eingetreten werde aber trotz anhängigem oder in Aussicht stehendem Gerichtsverfahren, «sofern sich berufsethische Grundsatzfragen stellen.» Eine solche Grundsatzfrage hat der Presserat jüngst beantwortet. Der Fall Spiess-Hegglin vs. «Blick» birgt für die Ethikhüter neue Dimensionen, die es zu beurteilen gilt, unbeachtet allfälliger juristischer Weiterungen. Die Forderung der Anwälte der «Blick»-Redaktion verhallte damit im Leeren. Sie führten ins Feld, medienethische Beurteilungen seien nicht dazu da, Stoff für Klägerplädoyers zu liefern.</p>
<p>Der Journalismusprofessor und Medienethiker Vinzenz Wyss hält das Vorgehen des Presserats für richtig und auch reglementskonform: «Dass sich im vorliegenden Fall Grundsatzfragen der berufskulturellen Verantwortungsethik stellen, scheint mir unbestritten.» Eine restriktive Auslegung, «würde die Position des Presserates schwächen.» Das ist das letzte, was das Gremium brauchen kann. Schon heute leidet der Presserat unter Nichtbeachtung in der Branche. Darum findet Vinzenz Wyss, könnte der Presserat vermehrt auch von sich aus Fälle aufgreifen auch wenn dazu keine Beschwerde eingegangen ist.</p>
<p>Eine einseitige Instrumentalisierung oder Beeinflussung eines späteren Gerichtsverfahrens durch einen vorgängigen Presseratsentscheid sieht der Medienrechtler und Professor Franz Zeller nicht als so heikel an. Wird eine Beschwerde nicht gutgeheissen und attestiert der Presserat dem Journalisten eine ethisch einwandfreie Arbeitsweise, so würdige dies die Justiz natürlich genauso. «Das Beachten der journalistischen Handwerksregeln ist in der Güterabwägung durch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) ein wichtiger – wenn auch bei weitem nicht der einzige – Aspekt», erklärt Franz Zeller.</p>
<p>Wenn sich also eine vorgängige Beurteilung durch den Presserat für alle Beteiligten positiv auswirken kann auf den Ausgang eines späteren Gerichtsverfahrens und nicht einseitig die Beschwerdeführenden begünstigt, dann könnte das Geschäftsreglement eigentlich geändert werden: Artikel 11, Ziffer 1 neu: «Der Presserat tritt grundsätzlich auch dann auf Beschwerden ein, wenn ein Parallelverfahren (insbesondere bei Gerichten oder bei der UBI) eingeleitet wurde oder vorgesehen ist.» Die höchste medienethische Instanz braucht diese Freiheit und darf sich nicht von verfahrenstaktischen Abwägungen der Beschwerdeparteien beeinflussen lassen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/07/05/medienethik-vs-medienrecht/">Medienethik vs. Medienrecht</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Im Hype-Hamsterrad</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/03/05/im-hype-hamsterrad/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Casper Selg]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 05 Mar 2016 08:22:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Medienethik]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Verantwortung]]></category>
		<category><![CDATA[Berufsethik]]></category>
		<category><![CDATA[Hype]]></category>
		<category><![CDATA[Köln]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wer am lautesten und am längsten schreit, hat gewonnen: Ein Journalismus, der sich nur noch an Konkurrenz, Tempo und Quote orientiert, verdrängt zunehmend leisere und differenziertere Töne. Wie Medienhypes den Blick aufs Wesentliche verstellen und gesellschaftlich gefährliche Folgen zeitigen. Casper Selg, langjähriger Radiojournalist, über fehlende Verantwortung und Ethik im Journalismus. «Nach Köln wird nichts mehr <a href="https://medienwoche.ch/2016/03/05/im-hype-hamsterrad/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/03/05/im-hype-hamsterrad/">Im Hype-Hamsterrad</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wer am lautesten und am längsten schreit, hat gewonnen: Ein Journalismus, der sich nur noch an Konkurrenz, Tempo und Quote orientiert, verdrängt zunehmend leisere und differenziertere Töne. Wie Medienhypes den Blick aufs Wesentliche verstellen und gesellschaftlich gefährliche Folgen zeitigen. Casper Selg, langjähriger Radiojournalist, über fehlende Verantwortung und Ethik im Journalismus.<br />
<span id="more-26862"></span><br />
«Nach Köln wird nichts mehr sein wie es war» lautete der Endzeit-Stimmungs-Titel eines Kommentars im seriösen Deutschlandfunk. «Köln», die sexuellen Übergriffe «begangen von über tausend» (?) maghrebinischen Tätern, führte – einmal mehr – in fast allen Medien zu Super-Superlativen. Die Deutschen Talkshows suchten – einmal mehr – gar nicht mehr nach anderen Themen. Alle machten – einmal mehr – dasselbe. Was denn sonst? Die Online-Zugriffe und die Quoten stimmten schon bestens als noch längst nicht alle Fakten auf dem Tisch lagen.</p>
<p>Es wurde wieder einmal losgezogen, von allen, flächendeckend. Und wer nicht schnell genug mitzog, weil eben noch Fakten fehlten, stand im Verdacht, Schreckliches verschweigen zu wollen. Das Thema: ernst und schwierig. Die Dosis: immens. Wer hoffte, dass erst mal die Fakten geklärt werden bevor man die ganz grossen Keulen schwingt, wurde einmal mehr enttäuscht. Und das mit Grund. Und das nicht erst seit «Köln».</p>
<p>Denn es geht nicht einfach um ein medienethisches Problem. Solche Hypes sind primär ein ökonomisches Phänomen. Kein vollkommen neues, nota bene: Soweit Medien sich über den Markt finanzieren, müssen sie rentieren um zu existieren. Quote, Auflage und – hier kommt der Unterschied zu früher – auch Online-Zugriffe. Der Zwang der Online-Medien, 24 Stunden am Tag berichten , prägt heute die gesamte Berichterstattung.</p>
<p>Wenn ein Thema gut «läuft», dann schiebt man sofort weiteres Material nach, hält die Click-Zahlen hoch, egal ob man wirklich mehr geprüfte und verlässliche Informationen vorliegen hat, egal ob sich das journalistisch rechtfertigt. Und alle übrigen Medien folgen sofort in der gleichen Logik. Das Resultat ist der Hype, eine künstliche, riesige News Blase, die wegen ihrer schieren Grösse mit der Realität, die eine Redaktion abbilden sollte, nicht mehr viel zu tun hat. Und der Hype ist mehr als nur ein ökonomisches und medienethisches Thema. Er ist in seiner Wirkung vor allem ein immer grösseres gesellschaftliches und politisches Problem.</p>
<p>Besonders eindrücklich und ebenso bedenklich zeigt der Umgang der Medien mit der fremdenfeindlichen «Pegida»-Bewegung, wie ein Hype entsteht. Vor eineinhalb Jahren bestand «Pegida» aus einem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Lutz_Bachmann" target="_blank">Neo-Nazi-Sympathisanten und Straftäter, Lutz Bachmann</a>, der sich als braver Bürger und Unternehmer darstellte, der vor Überfremdung und Ausländerkriminalität warnte. Plus einigen hundert Verirrten, die das – in grosser Furcht – alles glaubten, obwohl sie in Dresden leben, einer Stadt praktisch ohne Ausländer. Pegida gab es monatelang nur klein und nur in Dresden.</p>
<p>Aber alle nationalen Medien berichteten während Monaten, ohne Pause, wöchentlich von diesen Pegida «Montagsdemonstrationen». Erst später, zu Beginn des Jahres 2015, entstanden nach all diesen Berichten aus Dresden auch Ableger in Duisburg, Düsseldorf, Leipzig und an anderen Orten. Zunächst unbedeutend. Heute nicht mehr. Die Organisation, welche die Medien ständig als «Lügenpresse» beschimpft, verdankt ihren Stellenwert genau diesen Medien.</p>
<p>Die politischen und gesellschaftlichen Auswirkungen von Hypes zeigen sich in Deutschland an unzähligen weiteren Beispielen von Berichterstattungen, die quantitativ und inhaltlich weit über das journalistische (nicht aber das wirtschaftliche!) Ziel hinausschossen: Etwa dem ohrenbetäubenden Lärm um den angeblichen <a href="http://www.stern.de/politik/deutschland/stern-portraet-ueber-rainer-bruederle-der-herrenwitz-3116542.html" target="_blank">Sexismus-Skandal des FDP-Spitzenkandidaten Rainer Brüderle</a>, welcher diesen politisch erledigte.</p>
<p>Ähnliches bei Jürgen Trittin, der – kurz vor der letzten Bundestagswahl – praktisch <a href="http://www.zeit.de/politik/deutschland/2013-09/trittin-gruene-paedophilie" target="_blank">zum Pädophilen heruntergemacht wurde</a> wegen eines dämlichen Pamphlets, das er gut drei Jahrzehnte zuvor mitunterschrieben hatte. Dieses mediale Geschrei kostete die Grünen in der Folge die Oppositionsführerschaft. Mit Bundespräsident Wulff verlor nach einem halbjährigen Hype bereits der zweite Bundespräsident innert kurzer Zeit seinen Job.</p>
<p>Die Reihe lässt sich verlängern: Alles Fälle von flächendeckender journalistischer Aufregung. Von Hype. Das meiste enthielt zwar legitime Fragestellungen, aber die rechtfertigten nie das Mass und die Aufgeregtheit in der Berichterstattung. Die war nicht inhaltlich, sondern primär wirtschaftlich bedingt. Und sie hatte in jedem einzelnen Fall konkrete politische Auswirkungen.</p>
<p>Ein Faktor, welcher die Tendenz zum Hype heute weiter verstärkt, ist der Einfluss der «sozialen» Medien. Das zeigen all diese Fälle. Speziell die «Stern»-Geschichte zu Brüderle: Noch bevor viel mehr bekannt war als die reine Darstellung seitens des Opfers im besagten «Stern»-Artikel (die betroffene Frau den Artikel selber schreiben zu lassen, war journalistisch allein schon fragwürdig), entstand auf Twitter der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aufschrei" target="_blank">Hashtag #aufschrei</a>. Eine Plattform auf der sich Frauen – verständlicherweise hochemotional – über sexuelle Belästigung beklagten und austauschten. Zu Tausenden. Das wiederum wurde zum regelmässigen Gegenstand der Online Berichterstattung über Brüderle («was sagt das Netz?» Im Sinne von «was sagt das Publikum»? Als ob das gleichgestellt werden könnte). Unter dem Obertitel «Brüderle» entstand so ein gewaltiger monatelang anhaltender Aufschrei, der mit diesem Mann und seinem Verhalten nur noch ganz wenig zu tun hatte, ihn aber schliesslich politisch erdrückte. Und mit ihm die FDP, die flog nicht zuletzt wegen dieser Endlos-Geschichte aus dem Bundestag.</p>
<p>Aufschreie in den «sozialen» Medien sind zur Regel geworden, genauso wie die darauf folgende Wechselwirkung, das Aufschaukeln, das sich im Zusammenspiel mit den Online-Newsseiten ergibt: Diese ziehen Themen zuerst möglichst emotional an. Entsprechend laut geht es dann in den Kommentarspalten los. Und das wird dann wieder zum Gegenstand der Online-Berichterstattung. Und schliesslich auch in der Zeitung. Der Ton auf dieser öffentlichen Bühne steigert sich stetig bis zum lauten Pfeifton. Dem Hype.</p>
<p>Es gibt Beispiele ohne Zahl. Etwa jüngst ein Artikel auf focus.de über tausende von Polizeieinsätzen wegen Flüchtlingen in Nordrhein-Westfalen. Titel: «Diebstahl und Körperverletzung: 78&#8217;000 Polizeieinsätze in Asylunterkünften in NRW in 2015». Der Titel schreit einen Skandal heraus, was im Kommentarbereich und auf Facebook sofort in eine schreckliche Hetze gegen Flüchtlinge und Ausländer mündet.</p>
<p>Das Blog Mobilegeeks.de hat <a href="http://www.mobilegeeks.de/artikel/focus-online-journalistischer-untergang-des-abendlandes/?platform=hootsuite" target="_blank">den Fall etwas genauer angeschaut</a>. Da erfährt man, dass der Sachverhalt sich in der Realiät anders darstellt. Dass die Verhältnisse in diesen Asyl-Unterkünften laut Polizei vergleichsweise harmlos seien und die erwähnten tausende Einsätze vor allem aus Kontrollfahrten bestehen um Gewalt GEGEN Asylbewerber zu verhindern.</p>
<p>Die Schlagzeile soll die Emotion wecken, die zum Anklicken des Artikels führt. In Tat und Wahrheit werden aber häufig Emotionen geschürt und bestätigt, die weit über den Moment hinaus Wirkung haben.</p>
<p>Der Hype ist längst nicht mehr nur ein medienethisches Problem. Er birgt in immer mehr Fällen gesellschaftlichen Sprengstoff.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/03/05/im-hype-hamsterrad/">Im Hype-Hamsterrad</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Anleitung für unredlichen Journalismus</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/09/28/anleitung-fuer-unredlichen-journalismus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Thomas Paszti]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 28 Sep 2015 09:31:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Medienethik]]></category>
		<category><![CDATA[Umberto Eco]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Schlechter Journalismus wird allenthalben beklagt. Nur, wodurch zeichnet sich der aus? Eine Auswahl von zehn Leitsätzen fürs unredliche Schreiben geben einen Einblick – verfasst von einem bekannten Denker.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/09/28/anleitung-fuer-unredlichen-journalismus/">Anleitung für unredlichen Journalismus</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="Apple-style-span">Schlechter Journalismus wird allenthalben beklagt. Nur, wodurch zeichnet sich der aus? Eine Auswahl von zehn Leitsätzen fürs unredliche Schreiben geben einen Einblick – verfasst von einem bekannten Denker.</span></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/09/28/anleitung-fuer-unredlichen-journalismus/">Anleitung für unredlichen Journalismus</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Medienschelte: Lasst «Carlos» in Ruhe!</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/08/28/medienschelte-lasst-carlos-in-ruhe/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 28 Aug 2015 11:11:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[NZZ]]></category>
		<category><![CDATA[Medienethik]]></category>
		<category><![CDATA[Carlos]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=6309</guid>

					<description><![CDATA[<p>Am Freitag hat der berühmt-berüchtigte Jugendstraftäter «Carlos» einen Teilfreispruch errungen. Der Richter spricht eine milde Strafe aus – nicht zuletzt wegen der medialen Vorverurteilung.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/08/28/medienschelte-lasst-carlos-in-ruhe/">Medienschelte: Lasst «Carlos» in Ruhe!</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Freitag hat der berühmt-berüchtigte Jugendstraftäter «Carlos» einen Teilfreispruch errungen. Der Richter spricht eine milde Strafe aus – nicht zuletzt wegen der medialen Vorverurteilung.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/08/28/medienschelte-lasst-carlos-in-ruhe/">Medienschelte: Lasst «Carlos» in Ruhe!</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Zukunft von Medien und Politik: Was wir dürfen, was wir müssen</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/08/23/zukunft-von-medien-und-politik-was-wir-duerfen-was-wir-muessen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 23 Aug 2015 11:51:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Medienethik]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Edward Snowden]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=6145</guid>

					<description><![CDATA[<p>Warum es keinen patriotischen Journalismus geben darf, sondern nur einen unabhängigen: vier Thesen zum verantwortungsvollen Umgang mit Staatsgeheimnissen.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/08/23/zukunft-von-medien-und-politik-was-wir-duerfen-was-wir-muessen/">Zukunft von Medien und Politik: Was wir dürfen, was wir müssen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Warum es keinen patriotischen Journalismus geben darf, sondern nur einen unabhängigen: vier Thesen zum verantwortungsvollen Umgang mit Staatsgeheimnissen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/08/23/zukunft-von-medien-und-politik-was-wir-duerfen-was-wir-muessen/">Zukunft von Medien und Politik: Was wir dürfen, was wir müssen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Mit gemischten Gefühlen auf Reisen</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/05/17/mit-gemischten-gefuehlen-auf-reisen/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2015/05/17/mit-gemischten-gefuehlen-auf-reisen/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Carmen Epp]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 17 May 2015 18:19:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Standpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Blickwinkel]]></category>
		<category><![CDATA[Standpunkt>Blickwinkel]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Medienethik]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[Estland]]></category>
		<category><![CDATA[Reisejournalismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bisher hatte ich nur Verachtung übrig, wenn ich las, wohin meine Journi-Kollegen jeweils gratis und franko verreist waren, um mit einer Reisereportage für ihr Blatt zurückzukehren. Nun mache ich es selber – und weiss nicht, ob ich mich auf die Pressereise nach Estland freuen oder dafür schämen soll. Als Redaktorin der «Tierwelt» bin ich unter <a href="https://medienwoche.ch/2015/05/17/mit-gemischten-gefuehlen-auf-reisen/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/05/17/mit-gemischten-gefuehlen-auf-reisen/">Mit gemischten Gefühlen auf Reisen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Bisher hatte ich nur Verachtung übrig, wenn ich las, wohin meine Journi-Kollegen jeweils gratis und franko verreist waren, um mit einer Reisereportage für ihr Blatt zurückzukehren. Nun mache ich es selber – und weiss nicht, ob ich mich auf die Pressereise nach Estland freuen oder dafür schämen soll.<br />
<span id="more-24577"></span><br />
Als Redaktorin der «Tierwelt» bin ich unter anderem für das Ressort «Reisen» verantwortlich. Einmal im Monat stellen wir in dieser Rubrik eine Reportage aus einem für unsere Leser interessanten Reisegebiet vor. Aus Ländern also, die Tier- und Naturliebhabern etwas zu bieten haben. Dafür greifen wir auf Angebote von Reisejournalisten zurück, die uns ihre Reportagen anbieten. Oder aber die «Tierwelt»-Redaktoren gehen selbst auf Reisen.</p>
<p>Nun bin ich an der Reihe: Ich fliege heute für vier Tage nach Estland. Nach einer Nacht in Tallinn gehts in Begleitung einer Reiseleiterin in einen Nationalpark an der Westküste des Landes, wo sich gerade massenhaft Zugvögel beobachten lassen. Tags darauf gehts in den Osten des Landes zur nächtlichen Bärenbeobachtung. Am letzten Tag folgt Entspannung auf einem Gutshof nahe Tallinn, bis der Flug via Helsinki zurück nach Zürich wartet.</p>
<p>Anders als bei Ferieneisen, trete ich diese mit gemischten Gefühlen an. Zum Einen freue ich mich riesig auf das Baltikum – ein Gebiet, das ich nach zwei privaten Finnlandreisen schon lange im Visier hatte. Wenn da nicht der fade Beigeschmack wäre: Habe ich meine Ferien in fernen Ländern bisher aus der eigenen Tasche finanziert, reise ich dieses Mal nicht auf meine Kosten. Bezahlt wird die Reise von der Tourismusorganisation Estlands. Die dürfte allein für Flug und drei Übernachtungen geschätzt um die 700 Franken aufwenden; was die Reisebegleitung für die vier Tage kostet, weiss ich nicht. Dafür kriege ich vom Verlag zwei Arbeitstage bezahlt.</p>
<p>Ich lasse mich also kaufen von einer Tourismusorganisation, damit ich den «Tierwelt»-LesernEstland schmackhaft mache. Der Gedanke wird mich auf der Reise und darüber hinaus unangenehm begleiten. Während das Teufelchen auf der linken Schulter mir Verrat am Beruf und Käuflichkeit vorwirft, versucht mich das Engelchen auf der linken zu besänftigen: «Du schreibst nur, was Du wirklich erlebst und ermöglichst den Lesern damit einen unverstellten Blick in ein Land, das ihnen bisher wahrscheinlich unbekannt blieb.»</p>
<p>Das Gewissen beruhigt ausserdem, dass ich auf dem Anmeldeformular die Frage, ob ich die Hotels namentlich erwähnen werde, mit einem dicken, fetten «Nein» beantwortet habe. Was unsere Leser interessiert, sind nicht die Hotelanlagen oder das kulinarische Angebot, sondern die Tiere, die Landschaft und die Natur. Und die können mich nicht bestechen; sie sind oder sie sind nicht. So werde ich auch mit einem kritischen Blick durch Estland reisen. Wie wird mit der Natur in Estland umgegangen? Und was mich vor allem interessiert: Wie authentisch ist die Bärenbeobachtung im Osten des Landes, wo damit geworben wird, dass die Sichtung eines Braunbären sehr wahrscheinlich ist? Ausserdem werde ich im Text für Transparenz sorgen und erwähnen, unter welchen Umständen die Reise zustande kam: «mit freundlicher Unterstützung von XY». Ausserdem wird mich mein Freund auf der Reise begleiten und dabei die vollen Kosten übernehmen, die wir dann zu zweit tragen. So ganz kostenlos ist der Spass für mich also doch nicht.</p>
<p>Insofern – so rede ich mir zumindest ein – dürfte sich meine Pressereise durchaus von jenen unterscheiden, die ich einst so argwöhnisch beäugt habe. Wenn beispielsweise Lokaljournalisten nach Miami reisen, um dann in ihrem Blatt vom bezahlten Hotel und dem gesponserten Essen zu schwärmen. Oder sich vom Autohersteller X zur Vorstellung des Modells Y nach Cannes einladen lassen, um dann über die PS und das Design der Neuheit zu schreiben. In diesen Fällen erschliesst sich mir die Relevanz der Reisereportagen für die Leserschaft nur schwer. Wenigstens in diesem Punkt kann ich ohne schlechtes Gewissen behaupten: Egal, von wem sie bezahlt wird, meine Reise zu Vögeln, Bären, Elchen und Bibern in Estland dürfte die «Tierwelt»-Leserschaft interessieren. Und darüber zumindest freue ich mich aufrichtig.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/05/17/mit-gemischten-gefuehlen-auf-reisen/">Mit gemischten Gefühlen auf Reisen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<item>
		<title>Gegen Denkverbote in der Medienkritik</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/04/07/gegen-denkverbote-in-der-medienkritik-2/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Carmen Epp]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Apr 2015 07:56:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Standpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Blickwinkel]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Lüscher]]></category>
		<category><![CDATA[Medienethik]]></category>
		<category><![CDATA[Christof Moser]]></category>
		<category><![CDATA[Germanwings]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Noch wissen wir nicht, welche Lehren die Medien aus den Diskussionen um ihre Berichterstattung zum Germanwings-Absturz ziehen werden. Klar ist indes, dass Denk- und Diskussionsverbote, wie sie Medienkritiker nun fordern, die Debatte nicht weiterbringen. Dürfen Medien den Namen des Co-Piloten der abgestürzten Germanwings-Maschine nennen, der nach dem aktuellen Stand Ermittlungen den Flug 4U9525 willentlich in <a href="https://medienwoche.ch/2015/04/07/gegen-denkverbote-in-der-medienkritik-2/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Noch wissen wir nicht, welche Lehren die Medien aus den Diskussionen um ihre Berichterstattung zum Germanwings-Absturz ziehen werden. Klar ist indes, dass Denk- und Diskussionsverbote, wie sie Medienkritiker nun fordern, die Debatte nicht weiterbringen.<br />
<span id="more-24232"></span><br />
Dürfen Medien den Namen des Co-Piloten der abgestürzten Germanwings-Maschine nennen, der nach dem aktuellen Stand Ermittlungen den Flug 4U9525 willentlich in die französischen Alpen stürzen liess und damit 149 Menschen mit in den Tod riss? Sein Gesicht der Öffentlichkeit preisgeben? Ja, man darf. Rechtlich gesehen. Das Recht des Co-Piloten am eigenen Namen und am eigenen Bild ist mit seinem Tod erloschen.</p>
<p>Die Frage allerdings, ob man Namen und Bild veröffentlichen soll – darüber lässt sich streiten. Aus medienethischer Sicht. Ich finde, man sollte auf die Veröffentlichung von Namen und Bild verzichten. Die Folgen für die Angehörigen des Co-Piloten durch dessen Identifizierung sind meines Erachtens um ein Vielfaches grösser als der Erkenntnisgewinn, den ich daraus ziehe.  Ich weiss aber auch, dass es durchaus Argumente gibt, die dafür sprechen, Namen und Bild des Co-Piloten öffentlich zu machen.</p>
<p>Die Argumente zu diskutieren, gegeneinander abzuwägen, ist Aufgabe der Medienethik. Und die ist nicht schwarz und weiss, sondern bewegt sich in Grauzonen, gerät an Grenzen, die man so oder anders ziehen kann. Diese unterschiedlichen Auslegungen wiederum kommen in der Medienkritik zum Ausdruck: Indem man Publikationen und deren Beiträge anhand der eigenen Haltung beurteilt. Immer im Wissen, dass es auch andere Meinungen gibt. So jedenfalls habe ich meine Medienkritik bis anhin verstanden.</p>
<p>Offenbar lag ich damit falsch. Zumindest, wenn man zwei meiner geschätzten Kollegen glaubt.</p>
<p>So vertritt Christof Moser in einer <a href="https://www.facebook.com/christof.moser/posts/10204970143228045?pnref=story" target="_blank">Diskussion auf Facebook</a> die These, dass der Journalistenkodex als medienethische Richtlinie «klar» sei. Die Veröffentlichung von Name und persönlichen Daten des Co-Piloten sei durch das «überwiegende öffentliche Interesse» gedeckt, so Moser. Meiner Kritik hält er entgegen: «Das hilft gegen persönliche, willkürliche Ansichten, wie du sie hier vertrittst. Eben, gegen: Zensur-Willkür.» Eine meiner Antworten darauf war zwar zynisch und in dieser Form unangebracht. Aber ich bleibe dabei: Wären die Diskussionen darüber, was Medien sollen und was nicht, immer so glasklar und zweifelsfrei zu beantworten, wie Moser behauptet – wozu gibt es dann einen Presserat, wozu die <a href="http://www.persoenlich.com/news/medien/identifikation-des-co-piloten-namen-nennen-oder-nicht-sechs-meinungen-323851#.VSKF45SsVMZ" target="_blank">endlosen Diskussionen</a>, wozu Medienkritik überhaupt?</p>
<p>Macht sich Moser mit dieser Aussage als Medienkritiker der «Schweiz am Sonntag» nicht selber überflüssig? Eine technokratische, diskursfeindliche Buchstabentreue. In einer globalisierten und sich in beschleunigtem Wandel befindlichen Medienwelt prallen unterschiedliche Journalismuskulturen aufeinander. Kodifizierte Regeln bedürfen einer zeitgemässen Auslegung. Die Germanwings-Debatte mit ihrem kakophonischen Klang ist genau ein Versuch, die Grundlagen der Profession neu auszuloten; zusammen mit dem Publikum, was lästig sein kann, weil Irrmeinungen und Wirrglauben oft grössere Prominenz finden als vernünftige Argumente. Es gibt keine Abkürzung mit Denkverboten.</p>
<p>Dafür plädiert aber auch Christian Lüscher. Im <a href="http://blog.tagesanzeiger.ch/offtherecord/index.php/33392/der-neue-volkssport-medienkritik/" target="_blank">Medienblog des «Tages-Anzeiger»</a> bezeichnet er die Kritik an der Berichterstattung zum Germanwings-Absturz als übertrieben, unsachlich und grösstenteils untauglich. Mehr noch: Die Kritiker aus den eigenen Reihen – gemäss Lüscher meist keine «News-Profis», sondern gebühren- oder stiftungsfinanziert – betreiben bloss Selbstmarketing und befeuern die Reflexe der Leser. Medienkritik, so Lüscher, verkomme leider zum Volkssport.</p>
<p>Sicher: Man kann auch die Medienkritik selber einer Kritik unterziehen. Sie an den eigenen Massstäben dessen messen, was man für gute oder schlechte Medienkritik hält. Was genau diese Massstäbe beinhalten, wird jedoch weder bei Moser noch bei Lüscher klar. Sollen nur die «News-Profis» Medienkritik üben dürfen, wie Lüscher andeutet? Oder sind die Diskussionen ohnehin unnötig, weil die Sachlage klar geregelt ist, wie Moser meint? Ich meine: nein. Medienkritik ist nie überflüssig. Denkverbote haben da nichts zu suchen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/04/07/gegen-denkverbote-in-der-medienkritik-2/">Gegen Denkverbote in der Medienkritik</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Wider das Misstrauen und die Prangerkultur</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/02/18/wider-das-misstrauen-und-die-prangerkultur/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Silke Fürst]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Feb 2015 09:04:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Kotynek]]></category>
		<category><![CDATA[München]]></category>
		<category><![CDATA[Stefan Plöchinger]]></category>
		<category><![CDATA[Buzzfeed]]></category>
		<category><![CDATA[Juliane Leopold]]></category>
		<category><![CDATA[Medienethik]]></category>
		<category><![CDATA[Zeit Online]]></category>
		<category><![CDATA[Michael Haller]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Journalismus sieht sich mit einer neuen Welle der Medienkritik konfrontiert. Redaktionen analysieren vermehrt das Nutzerverhalten und suchen nach publikumsnahen Formaten. Dabei betonen sie die journalistische Relevanz und halten traditionelle ethische Standards hoch. Geht das zusammen? Die Jahrestagung des Netzwerks Medienethik suchte nach Antworten. «Unterm Strich suchen die Leser nicht billige Scheisse, sondern Tiefe.» Selten <a href="https://medienwoche.ch/2015/02/18/wider-das-misstrauen-und-die-prangerkultur/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Journalismus sieht sich mit einer neuen Welle der Medienkritik konfrontiert. Redaktionen analysieren vermehrt das Nutzerverhalten und suchen nach publikumsnahen Formaten. Dabei betonen sie die journalistische Relevanz und halten traditionelle ethische Standards hoch. Geht das zusammen? Die Jahrestagung des Netzwerks Medienethik suchte nach Antworten.<br />
<span id="more-23545"></span><br />
«Unterm Strich suchen die Leser nicht billige Scheisse, sondern Tiefe.» Selten hört man so deutliche Worte auf einer Tagung, auf der Wissenschaftler und Journalisten gemeinsam diskutieren. In der vergangenen Woche wurde in München über die <a href="http://www.netzwerk-medienethik.de/jahrestagung/tagung2015/" target="_blank">«Zukunft des Journalismus»</a> verhandelt und über medienethische Probleme debattiert. In unverblümter Weise sprach <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Stefan_Pl%C3%B6chinger" target="_blank">Stefan Plöchinger</a>, Chefredaktor von Süddeutsche.de, bei seinem öffentlichen Abendvortrag vor rund 100 Teilnehmern über Nutzerbedürfnisse, den Vorwurf der <a href="https://medienwoche.ch/2015/01/15/luegenpresse-das-unwort-verstehen/" target="_self">Lügenpresse</a> und den Umgang mit <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Troll_%28Netzkultur%29" target="_blank">Trollen</a>.</p>
<p>Weil Nutzer immer noch nach Tiefe suchen, dürfen Journalisten nicht nur dem hinterherlaufen, was vielfach gegoogelt und angeklickt wird. Plöchingers Beispiel: Nur weil Michael Schumacher im Netz zu den Top-Suchbegriffen zählt, lassen sich Nachrichten wie «Corinna bringt Schumi Blumen vorbei» journalistisch nicht rechtfertigen.</p>
<p>Das stellte auf der Tagung auch niemand in Frage. Überhaupt dürfte sich so mancher gewundert haben, wie stark sich die Chefredaktionen von Süddeutsche.de, Zeit Online, ZDF und BuzzFeed miteinander einig werden konnten. Streitbar blieb allerdings, wie und wo die Nutzer am besten zu erreichen sind und an wen eine medienethische Verantwortung zu richten sei.</p>
<p><strong>Teilen von «bits and pieces»</strong><br />
Den Auftakt machte <a href="http://www.gruenderszene.de/allgemein/juliane-leopold-buzzfeed-interview" target="_blank">Juliane Leopold</a>, Chefredaktorin des deutschsprachigen Ablegers von BuzzFeed, ein Unterhaltungs- und Newsportal. Rund 75% aller Nutzer gelangen über Facebook auf Beiträge von BuzzFeed. Die Startseite spielt so keine nennenswerte Rolle mehr. Entsprechend sieht Juliane Leopold in Facebook einen «Treiber journalistischer Darstellungsformen». Entscheidend sind die Algorithmen und Darstellungsweisen des sozialen Netzwerks.</p>
<p>Viele Nutzer teilen Inhalte, die sie sich selbst nicht richtig anschauen, sondern schnell wieder verlassen. «Niedliche Inhalte» laufen besonders gut. Daneben braucht es Beiträge, deren Bedeutsamkeit die Nutzer auf Twitter mitteilen können: «Super <a href="https://twitter.com/search?f=realtime&amp;q=Buzzfeed%20%22important%20read%22&amp;src=typd&amp;lang=de" target="_blank">important read</a>». Diese Art von <a href="http://www.psychology48.com/deu/d/impression-management/impression-management.htm" target="_blank">Impression Management</a> ist ganz im Sinne von Gründer <a href="http://www.buzzfeed.com/about/team" target="_blank">Jonah Peretti</a> und trägt zur Verbreitung des Portals bei. Inhaltlich setzt man auf «bits and pieces» anstatt «erschlagender Texte und Bleiwüsten». Videos von zwei Minuten Länge sollen jede kurze Pause der überwiegend mobilen Nutzer füllen. Sie werden so aufbereitet, dass sie auch ohne Ton funktionieren und selbst auf der Arbeit genutzt werden können.</p>
<p><strong>«Ist das Journalismus?»</strong><br />
BuzzFeed greift auch das geflügelte Wort der «Transparenz» auf und hat kürzlich <a href="http://www.buzzfeed.com/shani/the-buzzfeed-editorial-standards-and-ethics-guide#.vlyV9dmqg" target="_blank">«Editorial Standards»</a> zusammengestellt und veröffentlicht. Damit will man zeigen, dass es ein Bewusstsein für medienethische Standards gibt und die Nutzer sich auf sauberes journalistisches Arbeiten verlassen können. Im Auditorium blieben die Reaktionen verhalten. Nur in der Kaffeepause und auf <a href="https://twitter.com/hashtag/nme15?f=realtime&amp;src=hash" target="_blank">Twitter</a> wurde gefragt: «Ist das Journalismus?». Auch wäre die Frage berechtigt gewesen: Kann man sich ausschliesslich an der Verbreitung orientieren und zugleich journalistische Normen hochhalten?</p>
<p>Umso erstaunlicher waren dann gewisse Parallelen zu Qualitätsmedien. <a href="http://www.zeit-verlagsgruppe.de/presse/2014/07/zeit-online-martin-kotynek/" target="_blank">Martin Kotynek</a>, stellvertretender Chefredaktor von Zeit Online, stimmte zu, dass man sich immer stärker auf die mobilen Nutzer einstellt. Nicht nur technisch, sondern auch inhaltlich. Dazu gehören auch hier kurze Videos ohne Tonspur. Man denkt darüber nach, vermehrt auf Audioformate zu setzen sowie interaktive Geschichten mit Hilfe von Karten zu erzählen. Ausserdem gibt es inzwischen Nachtschichten. Denn Nutzer greifen nicht mehr gegen 9 Uhr auf Nachrichten zu, sondern frühmorgens, unmittelbar nach dem Aufwachen.</p>
<p><strong>(K)ein Diktat der Zahlen</strong><br />
Durch Datenanalysen und Experimentieren mit neuen Darstellungsformen und Aktualitätszyklen stellt man sich auf die veränderten Bedürfnisse der Nutzer ein. Die Datenanalysen allein hinterlassen aber viele Fragezeichen. Deshalb werden regelmässig Nutzer eingeladen, um ihre Reaktionen auf neue Features zu beobachten und das Nutzerverhalten zu verstehen. Hier zeigt sich auch: Die Nutzer wollen einen Spagat aus Schnelligkeit und Tiefe, also einen raschen Überblick und zugleich Einordnungsleistungen. Dafür suchen sie die journalistischen Medien noch immer gezielt auf. Aus Sicht von Kotynek ist die Startseite also «nicht tot», sondern gewinnt an Bedeutung.</p>
<p>In der Diskussion zeigte sich dann: Bei BuzzFeed stehen Teilen und Klicken stets im Vordergrund. Zeit Online grenzt sich im Selbstverständnis dagegen deutlich stärker von einem «Diktat der Zahlen» ab. Laut Kotynek hat die journalistische Relevanz Priorität. Ein Thema wird auch dann als Aufmacher gewählt, wenn bereits zu ahnen ist, dass es kein «Klickzahlen-Magnet» wird. Allerdings räumte er ein: Auch die Zeit-Leser stellen den Akt des Teilens in einigen Fällen über den der Information. Teilen ist Mit-Teilen und Teil-Sein-Wollen einer Community. Wirklich gelesen werden die Beiträge aber oft nicht.</p>
<p><strong>Verbreitete «Erregungs- und Prangerkultur»</strong><br />
<a href="https://presseportal.zdf.de/biografie/Person/elmar-thevessen/" target="_blank"> Elmar Theveßen</a>, stellvertretender Chefredaktor des ZDF, hat den Eindruck, dass auch die Qualitätsmedien es mittlerweile zu stark «allen recht machen wollen». Sie setzen wie alle anderen Medien auf Aufmerksamkeit und lassen sich zu oft von der «Erregungs- und Prangerkultur» mitreissen. Theveßen fordert daher eine Rückbesinnung auf journalistische Werte wie Achtung der Menschenwürde, Informationsüberprüfung und Unabhängigkeit.</p>
<p>Er kommt mit den Forschern <a href="http://scrippsjschool.org/faculty/faculty_details.php?oak=debatin" target="_blank">Bernhard Debatin</a> und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Haller_%28Medienwissenschaftler%29" target="_blank">Michael Haller</a> darin überein, dass am Gewissen von Journalisten angesetzt und die Individualethik gestärkt werden muss. <a href="http://www.unifr.ch/dcm/index.php?page=team-von-prof-p-schoenhagen" target="_blank">Silke Fürst (Autorin dieses Beitrags, Anm. d. Red.) und Mike Meißner</a> setzen mit ihrer Studie dagegen, dass angesichts des zunehmenden ökonomischen Drucks und der redaktionellen Arbeitsbedingungen das allein kaum realistisch ist. Stattdessen sind besonders die Redaktion, das Medienunternehmen und die Medienpolitik in die Pflicht zu nehmen (siehe das <a href="http://www.netzwerk-medienethik.de/wp-content/uploads/2014/02/NME-2015-Book-of-Abstracts1.pdf" target="_blank">«Book of Abstracts»</a>).</p>
<p>Stefan Plöchinger schloss in der Diskussion mit Tagungsorganisator <a href="https://www.hfph.de/hochschule/lehrende/prof-dr-alexander-filipovic" target="_blank">Alexander Filipović</a> an diese Probleme an. Bei Ereignissen wie dem Anschlag auf Charlie Hebdo ist eine Art «Kriegs-Euphorie» zu beobachten. Es ist zwar klar, dass Journalisten auf neue Ereignisse und grosse Themen brennen. Aber gerade das kann nicht der ethische Massstab sein. Hier ist mehr Sensibilität und Professionalität geboten. In der Berichterstattung zählt insgesamt die Korrektheit einer Nachricht und nicht die Schnelligkeit («Get it first, but first get it right»).</p>
<p><strong>Kein Vertrauen in die Medien?</strong><br />
Ein neues Misstrauen in «die» Medien sieht Plöchinger jedoch nicht. Hinter dem Vorwurf der «Lügenpresse» steht die Verschwörungstheorie, dass die Medien im Dienste anderer Interessen stehen und sich untereinander absprechen. Was an der Kritik dran ist: Es gibt natürlich gewisse Formen der Konsonanz und Gleichförmigkeit. Aber dies liegt daran, dass Journalisten sich gegenseitig stark beobachten und alle durch die gleichen «Zyklen, Methoden und Apparate versorgt werden» (wie etwa Leitmedien, Pressekonferenzen und Twitter).</p>
<p>Auch wenn derzeit stark über das <a href="http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/luegenpresse-ist-unwort-des-jahres-13367291.html" target="_blank">Unwort des Jahres</a> diskutiert wird, spiegelt dies nicht das Vertrauen in einzelne Medien wider. Sicher, der Bild-Zeitung wird man kaum vertrauen, einer FAZ oder Süddeutschen mehr. Und das bringen laut Plöchinger auch die Nutzungszahlen zum Vorschein. Die Süddeutsche verkauft jährlich 11.000 neue Digital-Abos und setzt ab März mit einer Paywall auch zukünftig auf den zahlungsbereiten Leser, der Vertrauen in das Medium hat. <a href="http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/ZAPP-Studie-Vertrauen-in-Medien-gesunken,medienkritik100.html" target="_blank">Die Zapp-Studie</a> zeigt zwar, dass derzeit nur knapp 30 Prozent der Bevölkerung grosses Vertrauen in «die Medien» haben. Aber Plöchinger bezweifelt, dass diese kritische Haltung gegenüber den Medien im Allgemeinen wirklich ein neues Phänomen ist.</p>
<p>Und tatsächlich zeigt ein genauer Blick in die Studie, dass die Erschütterung des Vertrauens konstruiert ist. Zwar gibt es gegenüber den Jahren 2013 und 2012 einen leichten Rückgang. Gehen wir aber in die Jahre 2007 und 2009 zurück, so liegt das grosse Vertrauen ebenfalls bei etwa 30 Prozent. Von einem neuen Problem kann also nicht gesprochen werden. Stattdessen unterliegen die Daten Schwankungen und sind mutmasslich beeinflusst durch Konjunkturen der öffentlichen Medienkritik. Weniger schwankend ist dagegen das Vertrauen in einzelne Medientitel.</p>
<p>Aufgabe eines guten Medienjournalismus ist es, solche Einordnungen zu leisten. Das renommierte Medienmagazin Zapp leistet dies in seinem <a href="http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/ZAPP-Studie-Vertrauen-in-Medien-gesunken,medienkritik100.html" target="_blank">Filmbeitrag</a> nicht, sondern inszeniert einen nie gekannten Vorwurf an die Medien. Der Vortrag von <a href="http://www.schicha.net/" target="_blank">Christian Schicha</a> zeigt, dass die Machart von Zapp auch über dieses Thema hinaus zum Teil einseitig und aufmerksamkeitsheischend ist. Die interviewten Medienexperten werden teilweise bereits für eine bestimmte Position angefragt, und Gegenpositionen gibt es nicht immer. Die von Zapp kritisch diskutierten Medienskandale werden durch Analogien aus dem Tierreich, dem Zirkus und dem Theater zwar besonders anschaulich. Dabei geht aber auch die Komplexität des Themas etwas verloren. Der Medienjournalismus wird so seinem kritischen Anspruch selbst nicht ganz gerecht.</p>
<p><strong>Das Aus für Trolle und Diskussionskultur</strong><br />
Neben den Normen Ausgewogenheit und Transparenz stand auch die Partizipation der Nutzer zur Diskussion. Die Süddeutsche will den Nutzern zwar eine Diskussionsplattform anbieten. Allerdings gibt es nur noch drei bis sechs Artikel pro Tag, die für Online-Kommentare freigeschaltet sind. Diese werden stark moderiert und von der Redaktion genau beobachtet. Grund dafür sind die «Trolle und Pöbler», die zwar deutlich in der Minderheit sind, aber die Diskussionskultur kaputt machen. «Wenn einmal der Ton versaut ist, kriegt man die Diskussion nicht mehr hin.»</p>
<p>Dafür erntete Plöchinger im Plenum Kritik. Wenn die Medien differenziert betrachtet werden sollen, so gilt für den Netzwerkforscher <a href="http://www.ifkw.uni-muenchen.de/personen/mitarbeiter/nuernbergk_christian/" target="_blank">Christian Nuernbergk</a> das gleiche für das Publikum. Wegen einer Minderheit von pöbelnden Nutzern sollte nicht die Freiheit aller Nutzer eingeschränkt werden. Es muss sichergestellt werden, dass zu wichtigen Themen ein Meinungsaustausch stattfinden kann. Trolle lassen sich nicht nur durch mehr Ressourcenaufwand fernhalten. Auch die Aufhebung der Anonymität hat bereits Wirkungen auf die Qualität und Sachlichkeit der Kommentierungen. Der Schweizer Presserat hat sich bereits 2011 intensiv <a href="http://presserat.ch/_D52_2011_d.htm" target="_blank">mit dieser Frage beschäftigt.</a></p>
<p>Plöchinger betonte, dass die Ressourcen auf die starke Moderation weniger Beiträge konzentriert werden müssen. Was er auf der Veranstaltung nicht verriet: Die Süddeutsche steckt ihre Ressourcen zukünftig auch in eine «<a href="http://www.sueddeutsche.de/kolumne/whatsapp-mitmach-aktion-werden-sie-sz-tester-1.2353319" target="_blank">exklusive Tester-Gruppe auf WhatsApp,</a> die von Neuerungen früher erfährt und sie beeinflussen kann». Nicht der Dialog zwischen den Nutzern, sondern die nutzerorientierte Optimierung des Produkts steht offenbar im Vordergrund.</p>
<p><strong>Austausch von Wissenschaft und Praxis</strong><br />
Abschliessend stellte sich auch für die Veranstaltung selbst die Frage nach der Qualität der Diskussionskultur. Dem <a href="http://www.netzwerk-medienethik.de/" target="_blank">Netzwerk Medienethik</a> und der <a href="http://www.dgpuk.de/fachgruppenad-hoc-gruppen/kommunikations-und-medienethik/" target="_blank">DGPuK-Fachgruppe Medienethik</a> ist es gelungen, Journalisten und Wissenschaftler zu einem Austausch zusammenzuführen. Allerdings wurde viel über Traffic und Nutzerverhalten gesprochen und zu wenig über Medienethik gestritten. Zudem wurde der erste Tag unter den «Fokus Praxis» und der zweite unter den «Fokus Wissenschaft» gestellt. Und so blieb mancher Praktiker der Veranstaltung am zweiten Tag fern. Für die nächste Tagung im Februar 2016 wünscht man sich daher eine noch bessere Verknüpfung beider Perspektiven und eine stärkere Kontroverse.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/02/18/wider-das-misstrauen-und-die-prangerkultur/">Wider das Misstrauen und die Prangerkultur</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>SZ-Leaks: Schleichwerbung für Steuerhinterziehung</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/02/16/sz-leaks-schleichwerbung-fuer-steuerhinterziehung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 16 Feb 2015 10:25:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Werbung]]></category>
		<category><![CDATA[PR]]></category>
		<category><![CDATA[Medienethik]]></category>
		<category><![CDATA[Schleichwerbung]]></category>
		<category><![CDATA[Süddeutsche Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Sebastian Heiser]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=3653</guid>

					<description><![CDATA[<p>Offshore-Leaks, Lux-Leaks und jetzt Swiss-Leaks: Die Süddeutsche Zeitung ist das Sturmgeschütz des Finanzamts. Die Redaktion veröffentlicht regelmäßig Informationen aus internen Bankunterlagen, an die sie durch Whistleblower kommt. Was die Zeitung nie erwähnt: Dass sie selbst ihre Leser auf die Steuerhinterziehung im Ausland hingewiesen hat und sich dafür von den Banken bezahlen ließ. Ich war damals <a href="https://heisersstimme.wordpress.com/2015/02/16/sz-leaks-schleichwerbung-fur-steuerhinterziehung/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/02/16/sz-leaks-schleichwerbung-fuer-steuerhinterziehung/">SZ-Leaks: Schleichwerbung für Steuerhinterziehung</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Offshore-Leaks, Lux-Leaks und jetzt Swiss-Leaks: Die Süddeutsche Zeitung ist das Sturmgeschütz des Finanzamts. Die Redaktion veröffentlicht regelmäßig Informationen aus internen Bankunterlagen, an die sie durch Whistleblower kommt. Was die Zeitung nie erwähnt: Dass sie selbst ihre Leser auf die Steuerhinterziehung im Ausland hingewiesen hat und sich dafür von den Banken bezahlen ließ. Ich war damals in der Redaktion dafür zuständig. Es war das Jahr 2007, es war mein erster Job nach dem Studium und bis heute habe ich darüber geschwiegen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/02/16/sz-leaks-schleichwerbung-fuer-steuerhinterziehung/">SZ-Leaks: Schleichwerbung für Steuerhinterziehung</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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