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	<title>Medienkrise | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>Bernhard Pörksen: «PR-Profis leiden unter dem Zustand des Journalismus»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2018/04/04/bernhard-poerksen-pr-profis-leiden-unter-dem-zustand-des-journalismus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dominik Allemann]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 04 Apr 2018 06:13:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Glaubwürdigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Medienkrise]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Interview erklärt Pörksen, warum viele PR-Profis unter dem schlechten Zustand des Journalismus leiden.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Im Interview erklärt Pörksen, warum viele PR-Profis unter dem schlechten Zustand des Journalismus leiden.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/04/04/bernhard-poerksen-pr-profis-leiden-unter-dem-zustand-des-journalismus/">Bernhard Pörksen: «PR-Profis leiden unter dem Zustand des Journalismus»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Lügen, Lücken und Mediendiät</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/10/18/luegen-luecken-und-mediendiaet/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Lothar Struck]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Oct 2016 08:33:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Medienkrise]]></category>
		<category><![CDATA[Lügenpresse]]></category>
		<category><![CDATA[Buch]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Was ist am «Lügenpresse»-Vorwurf dran? Sind es nicht viel mehr Lücken als Lügen oder ist eigentlich alles gar nicht so schlimm? Drei Autoren nähern sich aus unterschiedlicher Perspektive den zentralen Topoi aktueller Medienkritik. Wie es scheint, stösst Medienkritik in Blogs und klassischen Medienformaten zunehmend an ihre Grenzen. Zum einen nutzt es sich ab, zum soundsovielten Mal darauf <a href="https://medienwoche.ch/2016/10/18/luegen-luecken-und-mediendiaet/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/10/18/luegen-luecken-und-mediendiaet/">Lügen, Lücken und Mediendiät</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Was ist am «Lügenpresse»-Vorwurf dran? Sind es nicht viel mehr Lücken als Lügen oder ist eigentlich alles gar nicht so schlimm? Drei Autoren nähern sich aus unterschiedlicher Perspektive den zentralen Topoi aktueller Medienkritik.</strong></p>
<p>Wie es scheint, stösst Medienkritik in Blogs und klassischen Medienformaten zunehmend an ihre Grenzen. Zum einen nutzt es sich ab, zum soundsovielten Mal darauf hinzuweisen, dass irgendeine Zeitung wieder einmal Opfer- oder Täterbilder nicht verpixelt hat oder zu erklären, dass der EGMR kein Gericht der EU ist. Zum anderen ist es müssig, Leser von Boulevard-Zeitungen und -Portalen auf Fakten aufmerksam zu machen. Entweder das kritische Bewusstsein ist vorhanden und die Lektüre dient nur der Befriedigung der Neugier oder es besteht gar kein Interesse an den Hinweisen auf eine korrekte, presserechtliche Behandlung von Sachverhalten. Ähnlich kritikresistent wie der gemeine Leser zeigen sich auch die Medienschaffenden selbst gemessen am Wiederholungsgrad der immer gleichen Verstösse gegen Recht und Ethik.</p>
<p>Zwar erzielt auch Medienkritik, die analytisch von Einzelfällen abstrahiert und den Blick aufs grosse Ganze richtet nicht unbedingt die gewünschte heilende Wirkung, sie muss sich aber wenigstens nicht vorwerfen lassen, im ewigen Kleinklein zu verharren. Drei aktuelle Buchveröffentlichungen suchen nach Erklärungen und Perspektiven als Reaktion auf gängige Kritik. Da ist zum einen «Mainstream» des Medienwissenschaftlers <a href="http://home.uni-leipzig.de/journalistik/?id=353" target="_blank">Uwe Krüger</a>. Fast zeitgleich erschien «Redaktionsschluss» von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Stefan_Schulz_(Journalist)" target="_blank">Stefan Schulz</a>, einem ehemaligen Redaktor unter anderem bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Vor einigen Wochen legte dann der Publizist und Hochschullehrer <a href="https://augenaufunddurch.net/autor/" target="_blank">Ulrich Teusch</a> das Buch «Lückenpresse» vor.</p>
<p>Wiederholungen bleiben bei der Lektüre der Bücher nicht aus. So verweisen Krüger und Teusch auf die veränderten Arbeitsbedingungen von Journalisten im digitalen Zeitalter. Die Macher von Onlineportalen wie «Spiegel-Online» glauben, so berichtet Schulz, dass ihre Webseite alle 90 Minuten mit neuen Texten zu bestücken sei. Dies wird allerdings vorwiegend mit tagesaktuellen Themen bestritten, so dass hier permanent der gleiche Teig geknetet wird. Geboten wird dabei vor allem Emotion statt Information. Dermassen mit Tagesaktualitäten konfrontiert, sinkt das Interesse des Medienkonsumenten an der Tageszeitung, welche die gleichen News einen Tag später wiederkäut. Kein Wunder, brechen die Verkäufe ein und gehen die Werbeeinnahmen dramatisch zurück. Die Folge ist eine fortschreitende Prekarisierung des einstigen journalistischen Kernberufs, des Zeitungsredaktors. Überall werden Stellen gestrichen, freie AutorInnen immer weniger eingesetzt, was den Konformitätsdruck erhöht. Gleichzeitig steigen die Anforderungen; Auslandskorrespondenten müssten von Krisenherden in immer schnelleren Takten für immer mehr verschiedene Formate berichten. Die notwendige Zeit für Recherche und die selbsttätige Inaugenscheinnahme wird immer schwieriger. Journalisten verkommen immer mehr zu «Lieferanten», müssen sich durch massenhafte Agenturmeldungen, Pressemitteilungen und News-Feeds kämpfen und formulieren sie nur noch ein wenig um. Der inzwischen eingesetzte Wandel im Berufsbild und die Orientierung am veränderten Nutzungsverhalten mit neuen Formaten und Erzählweisen vermögen den Niedergang des alten Mediensytems längst nicht wettzumachen.</p>
<p>Merkmal dieses alten Systems ist der auffällige Gleichklang in der Berichterstattung. Hierzu erwähnen alle drei Autoren ein Zitat des deutschen Aussenministers Frank-Walter Steinmeier aus dem Jahr 2014, der von einer «erstaunliche[n] Homogenität in deutschen Redaktionen» sprach. Was ist denn nun «Mainstream»? Krüger definiert ihn als «medialen Mainstream» mit dem «zunächst einmal, ganz wertfrei, das Phänomen, dass zu einem Zeitpunkt die Mehrzahl der Leitmedien ein bestimmtes Thema behandelt oder eine bestimmte Meinung vertritt». Leitmedien sind für ihn die Nachrichtensendungen von ARD und ZDF, die Tageszeitungen Süddeutsche Zeitung, FAZ, Die Welt, Frankfurter Rundschau und der «Boulevard-Riese» Bild-Zeitung sowie die Wochenmedien Die Zeit, Spiegel, Focus und Stern nebst ihrer jeweiligen Online-Ableger.</p>
<p>Dabei sei nicht gesagt, dass in diesen Medien nur eine einzige Sicht oder Meinung publiziert werde, so Krüger. Divergierende Meinungsbilder kämen durchaus vor. Es herrscht also eine Art Binnenpluralismus. Aber diese Vielfalt hätte «keinen Einfluss auf die Folgeberichterstattung und die von Tag zu Tag fortgesetzte Erzählung der Geschehnisse in den Hauptnachrichtensendungen und grossen Zeitungen». Hierin erkennt Krüger ein Kennzeichen des «medialen Mainstream». Es existiere zwar Meinungspluralismus, dieser finde jedoch in der alltäglichen Nachrichtenlandschaft keine Berücksichtigung.</p>
<p>Krüger und Teusch untersuchen die Gründe für diesen meist vorauseilenden, selten aufgezwungenen Opportunismus von Journalisten. Zum einen gebe es durchaus eine redaktionelle politische Linie, der man um der eigenen Karriere wegen im Zweifel eher folge. Krüger glaubt zwar mit dem Vorurteil der Linkslastigkeit von Journalisten aufräumen zu können, konzediert dann jedoch aufgrund einer Milieustudie aus dem Jahr 1999 ein deutliches Übergewicht beim «liberal-intellektuellen» Milieu, dem damals zehn Prozent der Gesamtbevölkerung zuzurechnen waren, aber 43 Prozent der erfassten Journalisten. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde Krüger mit seinen Untersuchungen über die Mitgliedschaft deutscher Alphajournalisten und Herausgeber in US-amerikanischen Think-Tanks bekannt. Kann man solch ausserberufliches Engagement führender Redaktoren als harmlose Freizeitbeschäftigung abtun oder wird damit nicht auch eine bestimmte politische Linie im jeweiligen Medium vorgegeben? In einigen ihrer Aufsätze und Leitartikel fand Krüger frappierende Übereinstimmungen mit der aussen- und sicherheitspolitischen Doktrin von Nato- bzw. USA.</p>
<p>Teusch und Krüger sehen es als Faktum: Journalisten, die der besseren Informationen wegen die Nähe zur Macht suchten, konzentrieren sich am Ende auf die Wiedergabe und Interpretation der politischen Aussagen und Thesen, die durch die im Parlament vertretenen Parteien ausgedrückt werden. Das nennt Krüger «Indexing». Verstärkt wird dieser Effekt in Krisensituationen. Journalisten berichteten, so Krüger, unter Umständen bewusst einseitig, um nicht bestimmte Gerüchten oder Ressentiments salonfähig zu machen. So scheribt er von einem angeblich länger geplanten «informellen Gedankenaustausch» (so die offizielle Formulierung) am 30. September 2015 zwischen den IntendantInnen aller öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten im Bundeskanzleramt. Ob es hier zu einer «Verantwortungsverschwörung» in Bezug auf eine eher freundliche Berichterstattung zur Flüchtlingssituation in Deutschland kam, weiss Krüger natürlich nicht mit Sicherheit zu sagen. Aber nachträglich gab es sehr wohl einige <a href="http://www.zeit.de/2016/09/medien-fluechtlingsdebatte-berichterstattung-kritik/komplettansicht" target="_blank">Stimmen, die zugaben</a>, aus Gründen der Rücksichtnahme zu einseitig positiv über die Politik der Bundesregierung <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/studie-wie-ueber-fluechtlinge-berichtet-wurde-14378135.html" target="_blank">berichtet zu haben</a>.</p>
<p>Schwer nachvollziehbar in diesem Zusammenhang ist Krügers Verständnis für diese Art der Berichterstattung: «Es scheint plausibel, dass in Zeiten multipler, interdependenter Krisen – Ukraine, Syrien, Griechenland, Euro und Finanzmärkte, Klimawandel und Umweltzerstörung, NSA-Überwachung, islamistische Terrorismus und Flüchtlinge – der Druck auf Journalisten wächst, das angeblich alternativlos-pragmatische Krisenmanagement der eigenen Regierung zu unterstützen und es nicht mit Kritik zu konterkarieren.» Dies erinnert verdächtig an den unausgesprochenen journalistischen Codex in den USA, wonach im Falle eines Krieges des Landes <a href="http://www.faz.net/aktuell/politik/amerika-nach-der-bush-rede-widerspruch-ist-unpatriotisch-189335.html" target="_blank">nicht negativ über die US-Streitkräfte</a> berichtet werden soll. Aber wäre es nicht die Aufgabe von Journalisten, gerade diese Schweigespiralen zu durchbrechen?</p>
<p>Krügers besonnenes und über weite Strecken sehr informatives Buch enttäuscht gegen Ende. So richtig seine Diagnosen im Einzelfall auch sind – wie es weitergehen soll ohne die zu Plattitüden verkommene Phrase vom «Qualitätsjournalismus» immer wieder zu repetieren, sagt er nicht. Er plädiert für rhetorische Entspannung – und zwar sowohl auf Seiten der Kritiker als auch bei den sich stets zu Unrecht attackiert fühlenden Journalisten. Andere Meinungen sollte nicht unterdrückt werden, schon um den zum Teil wilden und/oder extremistischen sich als Alternative anbiedernden Medien im Internet nicht Leser zuzuspielen. Aber wie weit kann und soll die «andere Meinung» gehen?</p>
<p>Teuschs These ist da schon pragmatischer: «Erstens werden Nachrichten in ganz bestimmter Weise gewichtet. Zweitens werden Nachrichten gezielt unterdrückt. Drittens werden Nachrichten in tendenziöser Weise bewertet, das heisst, es wird mit zweierlei Mass gemessen, es gibt «double standards». Daraus folgert er: «Nicht die Lüge kennzeichnet den Mainstream, sondern die Lücke. Es handelt sich nicht um Lügenjournalismus, sondern um Lückenjournalismus, nicht um Lügenpresse, sondern um Lückenpresse.» Teusch konzediert dabei sogar, dass diese Verzerrungen nicht immer absichtsvoll geschehen müssen, sondern <a href="http://www.bpb.de/system/files/pdf/TGH4WP.pdf/" target="_blank">im jeweiligen Weltbild des Journalisten</a> begründet sind. Dabei sprächen sie mit dem Brustton der Überzeugung von der Kanzel herab, wie früher der Priester, der seiner Gemeinde den «richtigen Glauben» predigte.</p>
<p>Teusch liefert etliche, zum Teil gut nachvollziehbare Beispiele für tendenziösen Journalismus. Sein Schwerpunkt liegt hierbei in der seiner Sicht nach einhellig antirussischen Berichterstattung mit der Fixierung auf Wladimir Putin als Bösewicht – von der Ukraine-Krise angefangen bis zum Bericht über ein Konzert in der vom IS befreiten Stadt Palmyra, über das nur deswegen negativ berichtet worden sei, weil es mit russischer Hilfe zustande gekommen sei. Der Nachrichtenkonsument sei inzwischen darauf angewiesen, sich auch über andere Medien zu informieren. Im Beispiel um die antirussisch empfundenen Tendenzen empfiehlt er schliesslich den russischen Staatssender «Russia Today» (RT). Dabei macht er sich keine Illusionen: «Keine Frage, RT ist ein Tendenzmedium, ein Lückenmedium. Aber damit unterscheidet es sich nicht wesentlich von seinen grossen Konkurrenten, seien es konzernkontrollierte, wie CNN oder Fox News, oder quasi-staatliche, wie BBC World News oder France 24.» Interessant ist dabei nicht nur, dass er hier die deutschen öffentlich-rechtlichen Medien ausklammert. Er spricht RT sogar ordentlichen Journalismus zu und zitiert einige Mitarbeiter, die die Offenheit und Freiheit betonen. Aber wie passt dies mit seinem Urteil zusammen, dass die Inhaber der Medien über die Qualität der Nachrichten entscheiden?</p>
<p>Polemisch formuliert beruht Teuschs Konzept zunächst einmal darauf, Gift mit Gegengift zu therapieren. Antirussisches wird mit pro-russischem neutralisiert. Aber setzt eine solche Gegengift-Therapie nicht ein gehöriges Mass an Rechercheleistung beim Rezipienten voraus? Und wenn diametral entgegengesetzte Aussagen konsumiert werden, ist damit über den tatsächlichen Wahrheitsgehalt einer Meldung bzw. eines Ereignisses noch nichts ausgesagt. «Wir müssen lernen, Propaganda von Information zu unterscheiden», schreibt Teusch.</p>
<p>Also bedarf es doch so etwas wie «Vertrauen» dem Berichterstatter bzw. dem Medium gegenüber? Teusch lehnt dies sowohl als Journalist als auch als Konsument ab: «Als Journalist will ich doch nicht, dass Menschen mir vertrauen. Ich will, dass sie mich ernst nehmen, mich für kompetent halten und mir abnehmen, dass ich es ehrlich meine.» Am Ende kommt es auf die Glaubwürdigkeit an, die man der jeweiligen Informationsquelle zugesteht. Und nahezu alle Quellen bestätigen: Der Journalismus ist in einer Glaubwürdigkeitskrise.</p>
<p>Stefan Schulz relativiert diese Diagnose in seinem Buch «Redaktionsschluss». Glaubwürdigkeit müsse man mindestens neu definieren. Die Autorität des Journalisten sieht auch er bröckeln. Zwischen den Zeilen glaubt man zu erkennen, dass er dies nicht unbedingt für einen Makel hält. Statt Glaubwürdigkeit findet er den sehr viel weicheren Topos der «Akzeptanz». Diesen verknüpft er mit der «Pluralität» und ist damit von Teuschs Gegengift-Idee nicht weit entfernt.</p>
<p>Schulz schreibt ausführlich über die teilweise verdeckt im Hintergrund agierenden Bemühungen der grossen Medienunternehmen Facebook und Google (die im übrigen, kaum von Journalisten aufgearbeitet würden). Beide sägen mit ihren News-Angeboten am Zeitungsmodell und übernehmen zuerst mit Redaktoren und später dann mit programmierten Algorithmen immer mehr die Rolle des Schleusenwärters der Information. Etwas bigott ist der Ärger darüber, dass Newsfeeds vier Fünftel der Artikel gar nicht anzeigten. Dies ist allerdings nicht neu, wie Schulz bekannt sein müsste: Auch der Journalist alter Schule selektierte aus dem Angebot der Agenturmeldungen.</p>
<p>Wie Journalismus funktionieren könnte, zeigt Schulz an einem Beispiel aus seiner Zeit bei der FAZ als Frank Schirrmacher die Feuilleton-Redaktoren darauf ansetzte, die angeblich undurchsichtige Verordnungs- und Richtlinienfindung in der Europäischen Union zu recherchieren. Dabei fand man zum einen heraus, dass die Findung und Verabschiedung einer EU-Verordnung beileibe kein Hexenwerk sei, forschte unter anderem über die jahrelang anhaltende Blockade der EU-Datenschutzverordnung und fand nach zähen Ermittlung heraus, dass subalterne Beamte aus Deutschland die eigentlich längst gefundene Einigung zwischen Kommission, dem Europäischen Parlament und den zuständigen Ministern mit Einwänden, Zwischenfragen und Eingaben blockierten. Nachfragen hatten ergaben, dass weder die zuständigen deutschen Minister noch das Bundeskanzleramt über die Blockade informiert waren; die Beamten handelten absolut selbständig, aber auch ohne Kontrolle. Entsprechend habe es Konsequenzen gegeben.</p>
<p>Die entsprechenden Ressorts bei der FAZ hatten kein Interesse für die Recherche gehabt. Stattdessen habe man sich lieber in Kommentaren und Artikel über die Zähigkeit innerhalb der EU-Institutionen ausgelassen. Am Ende drohe, so Schulz, dem derart schläfrigen Journalisten das Schicksal des Müllers: Niemand braucht ihn mehr; es genügt die Mühle und der Ingenieur, der ihre Instandhaltung gewährleistet. Hinzu komme, dass der Journalist von heute eher Generalist sein muss, was auf Kosten von Expertise und Tiefe geht. Schulz beschreibt dies sehr kenntnisreich und weitgehend unaufgeregt. Er schlägt der FAZ vor, die jährlich anfallenden 150 Millionen Euro Druckkosten zu sparen und dafür 2500 Journalisten mit je 5000 Euro Monatsgehalt einzustellen, die dann wöchentlich einen gut recherchierten Artikel schreiben. Die Papierzeitung sei in der aktuellen Form nur noch für die Altersgruppe jenseits der 65 Jahre, was man bei der FAZ inzwischen offen akzeptiert habe. Sie habe als sozial verankertes Verständigungsmittel (am Arbeitsplatz, zu Hause) ausgedient. Der Nachrichtenkonsument heutzutage ist vereinzelt; die Aufmerksamkeitsspanne beträgt derzeit nur noch sieben Minuten, gleichzeitig ist das Gefühl einer immer komplexer werdenden Welt.</p>
<p>Schulz&#8216; sieht als Ausweg aus dem Dilemma eine sogenannte Nachrichtendiät. Die Feeds, Apps und Bookmarks werden nur noch einmal am Tag abgerufen. Von Live-Tickern, Twitter und ähnlichen Reizmedien sollte man sich fernhalten. Ähnlich äusserten sich zuvor bereits <a href="http://www.bernerzeitung.ch/schweiz/standard/Warum-die-Nachrichten-langweilig-sind-und-wie-man-sie-verbessern-koennte/story/30895850" target="_blank">Alain de Botton</a> oder <a href="http://www.dobelli.com/wp-content/uploads/2011/06/Dobelli_Vergessen_Sie_die_News.pdf" target="_blank">Rolf Dobelli</a>. Vor allem jedoch rät Schulz zum absoluten Verbot der Fernseh-Nachrichtensendungen, die heruntergekommen seien auf eine stilistische Mischung aus Klatsch, Emotionalisierung und Sportberichterstattung. Die derart frei gewordene Zeit könne man sinnvoller verbringen, beispielsweise mit der Lektüre von Büchern.</p>
<p>Was bei allen drei Autoren zu kurz kommt, ist eine Aufarbeitung der Gründe, wie es zu diesem Ansehens- und Vertrauensverlust (in Deutschland) kommen konnte. Womöglich begannen die Erosionserscheinungen nicht erst mit der Ukraine-Krise 2013. Vielleicht war dies nur der letzte Baustein eines sich über Jahre angedeuteten schleichenden Prozesses. Womöglich hat alles mit dem Irakkrieg 1991 begonnen, setzte sich dann mit der sehr einseitigen Berichterstattung zu den Jugoslawienkriegen 1991-99 fort. Auch die Berichterstattungen über den Krisen an den weltweiten Finanzmärkten 2008 und um den Euro und Griechenland von 2010 an waren keine Meisterwerke des Journalismus. Allzu häufig wurden hier ungeprüft und einseitig die Spins der Regierenden wiedergegeben – mit all den Auslassungen und Verharmlosungen, die dann später publik wurden. Vielleicht spielt auch die regelrechte Hetzjagd 2011/2012 auf den deutschen Bundespräsidenten Christian Wulff eine Rolle, die schliesslich zu seinem Rücktritt führte. Vier Jahre später stellte heraus, dass keiner der Vorwürfe gegen ihn (unter anderem auch der der Vorteilsnahme) justiziabel waren.</p>
<p>Ein wesentlicher Punkt für die Skepsis an den Journalismus in Deutschland dürfte auch die Berichterstattung um das Afghanistan-Engagement der Bundesrepublik von 2001 an liegen, die anfangs als für die beteiligten Soldaten als nahezu risikolose Friedens- und Infrastrukturmassnahme deklariert wurde. Zu keiner Zeit wurde die in der Öffentlichkeit überwiegend skeptische Meinung zum Bundeswehreinsatz im Parlament und vor allem in den Medien entsprechend ihrem Anteil gespiegelt. Wie manipulativ in öffentlich-rechtlichen Medien noch Jahre danach berichtet wurde, zeigt sich an einem kleinen Beispiel aus dem Jahr 2009, als das Ergebnis einer Umfrage nach der Akzeptanz innerhalb der Bevölkerung für den Afghanistan-Einsatz auf <a href="http://www.tagesschau.de/wahl/umfragen/deutschlandtrend860.htm" target="_blank">der Webseite der «Tagesschau» mit «Zustimmung zu Afghanistan-Einsatz gestiegen» überschrieben wurde</a>. Im Kleingedruckten liest man dann, dass 57 Prozent für einen sofortigen Rückzug plädierten, während 37 Prozent für einen Verbleib votierten. Formal war es zwar korrekt, dass der Anteil der Befürworter gestiegen war, die Überschrift suggerierte jedoch andere Mehrheitsverhältnisse.</p>
<p>Die Beispiele für tendenziöse Berichterstattungen dieser Art liessen sich weiter führen. Die Berichterstattung um die Ereignisse der Silvesternacht 2015 in Köln heizten die ohnehin schon virulente Skepsis auf die etablierten Medien noch zusätzlich an. Was den inzwischen höchst sensibilisierten Nachrichtenkonsumenten noch mehr ärgern dürfte als die «Lückenpresse» ist die selbstgerechte und arrogante Eigendarstellung der verantwortlichen Journalisten, Herausgeber und Intendanten, die seriöse medienkritische Einwände gegen bestimmte Ausrichtungen in der Berichterstattung oft nur als einzelne, vernachlässigbare Fehler subsumieren und sich am Ende selber auf die Schulter klopfen, alles richtig gemacht zu haben. Diese mangelnde Einsicht und ungenügende Fehlerkultur dürfte die Verdrossenheit der Rezipienten an den sogenannten Mainstream-Medien noch potenzieren.</p>
<p>Wie sollte denn Journalismus heutzutage aussehen? Nur Schulz äussert sich dezidiert dazu, und es ist ziemlich überraschend, dass er das Modell des Journalisten als neutrale, objektive Instanz ablehnt und als «Selbstbetrug» bezeichnet. Es gebe keinen «neutralen Chronisten» mehr, weil der Journalist immer auch Teil der Gesellschaft sei, über bzw. in der er berichtet. Sein Beispiel ist Glenn Greenwald, der sich in Bezug auf die NSA-Überwachungen gar nicht neutral verhalten könne, da ja auch er ein Betroffener sei. Den Gegensatz zwischen Aktivist und Journalist negiert Schulz. Schon dass sich ein Journalist für eine Sache interessiere, verhindere eine neutrale Position, so lautet Schulz&#8216; These. Demzufolge wäre der Journalist ein Gefangener seiner Gesinnungen, was skurril anmutet, weil er mit dem gleichen Furor für den politischen Kommentator und Weltendenker ebenfalls nur Spott übrig hat. Er erklärt auch nicht, warum ein Auslandsjournalist, der aus einem Kriegsgebiet berichtet, nicht neutral sein kann.</p>
<p>Schulz&#8216; Ablehnung der objektiven Instanz führt zu einem grotesken Schluss: «Seriosität zählt nur noch wenig, weil sie dem Publikum immer weniger bedeutet.» Und weiter: «Die normative Überhöhung der eigenen Arbeit…stellt sich letztendlich als ideologischer Schmuck heraus, auf den das Publikum nicht viel Wert legt.» Dies würde bedeuten, dass der Journalist zwischen Überzeugung und Darstellung, zwischen Meinung und Realität nicht mehr unterscheiden muss und dies vom Medienkonsumenten als Normalfall empfunden wird. Dieser muss nun einen derart gemischten Beitrag bewerten, ihn akzeptieren und sich dann – Stichwort Pluralität &#8211; eine gegensätzliche Meinung besorgen. Schulz plädiert für den Journalisten mit einer «Haltung», aber das ist exakt das, was, wie die Beispiele oben zeigen, zum Verdruss führt, wenn die «Haltungen» der Journalisten in einem Medium Schlagseite haben. In einem sehr ausgiebigen <a href="https://kenfm.de/kenfm-im-gespraech-mit-stefan-schulz/" target="_blank">Gespräch mit Ken Jebsen</a> erwähnt Schulz die über die publizistische Verbreitung wirtschaftsliberaler Thesen (weniger Staat, mehr Privatinitiative) Ende der 1990er/Anfang 2000er Jahre in öffentlich-rechtlichen Magazinsendungen und Politiktalkshows wie «Sabine Christiansen». Hier sei, so Schulz, eine Ideologie medial beworben worden. Das Beispiel ist gut gewählt, aber wie kann er dann für den «meinungsstarken» und emotionalisierten Journalisten eintreten (siehe Greenwald), der am Ende – das zeigt sich immer mehr – Kommentar und Fakten für den Zuschauer untrennbar miteinander vermischt oder, Teuschs «Lückenpresse», «unpassendes» schlichtweg weglässt?</p>
<p>Sollte man also nicht eher auf weniger Kommentar und Meinungsjournalismus bestehen statt den Journalisten als Sprachrohr einer Partei, Sicherheitsstrategie, NGO oder eines Wirtschaftsverbandes zu akzeptieren? Natürlich kann man als Konsument, wie es im Gesundheitswesen heisst, «eine zweite Meinung» einholen, aber Schulz (und auch Teusch) überschätzt hier einerseits den Willen und andererseits das Zeitpotential des durchschnittlichen Publikums.</p>
<p>Vielleicht sollten Journalisten ihre eigenen Anschauungen und Meinungen bei der Informationsgabe zurückschrauben. Der Medienrezipient braucht keine Belehrung für die vermeintlich «richtige Sache». Der Journalist als Welterklärer – häufig vom Schreibtisch aus – hat ausser im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ausgedient. Das ist nicht zu bedauern. Journalismus, der etwas auf sich hält, sollte den Konsumenten in die Möglichkeit versetzen, ein eigenes Urteil zu bilden. Dies verlangt jedoch zunächst einmal den Willen zu einer möglichst objektiven Darstellung; wo es notwendig ist, auch von Details. Das ist kein Plädoyer für eine übertriebene Ausgewogenheit, wie sie in den 1970er Jahren praktiziert wurde. Subjektive Einschübe sollten aber als solche gekennzeichnet werden und nicht bereits in der Faktenberichtstattung «untergebracht» sein.</p>
<p>Entgegen der landläufigen Einschätzung ist die Sensibilität beim Publikum für die Phrasendrescherei aus Politik und Journalismus durchaus vorhanden. Zunächst ist das erst einmal eine gute Entwicklung. Damit sind übrigens nicht die «Lügenpresse»-Rufer gemeint. Sie spielen eine untergeordnete Rolle; ihr Geschrei permanent zu wiederholen, ist eigentlich zu viel Widmung. Das Misstrauen hat sich längst in der gut gebildeten Mittelschicht eingenistet. Es muss darum gehen, den Mediennutzer durch den journalistischen Paternalismus nicht in eine radikale Abwehrhaltung gegen Alles und Jeden zu stürzen, die am Ende in skurrile Filterblasen von zweifelhaften (politischen) Welterklärern mündet. Dabei sind diese Filterblasen erheblich gesellschaftsrelevanter und unter Umständen gefährlicher für den kollektiven Meinungsbildungsprozess als Facebook- oder Google-Algorithmen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/10/18/luegen-luecken-und-mediendiaet/">Lügen, Lücken und Mediendiät</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Werbung in Medien: Zum Sterben zu viel und zum Leben zu wenig</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/09/05/zum-sterben-zu-viel-und-zum-leben-zu-wenig/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Sep 2016 21:33:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Marketing]]></category>
		<category><![CDATA[Medienkrise]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Goldesel Werbung lahmt. Die Einnahmen der Medienhäuser sind unter Druck. Doch was genau hat zu dieser Entwicklung geführt?</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/09/05/zum-sterben-zu-viel-und-zum-leben-zu-wenig/">Werbung in Medien: Zum Sterben zu viel und zum Leben zu wenig</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Goldesel Werbung lahmt. Die Einnahmen der Medienhäuser sind unter Druck. Doch was genau hat zu dieser Entwicklung geführt?</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/09/05/zum-sterben-zu-viel-und-zum-leben-zu-wenig/">Werbung in Medien: Zum Sterben zu viel und zum Leben zu wenig</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Null Bock auf Infojournalismus – warum?</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/01/17/null-bock-auf-infojournalismus-warum/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 17 Jan 2016 12:59:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Medienkrise]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=8589</guid>

					<description><![CDATA[<p>Der klassische Informationsjournalismus verliert rapide Konsumenten unter 30. Dies ist alarmierend, sagen Zürcher Forscher. Wer nicht informiert ist, denkt schwarz-weiss und wird einfacher hintergangen. Input spricht mit vielen jungen Menschen und findet heraus, was sie zum Lesen bringen würde.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/01/17/null-bock-auf-infojournalismus-warum/">Null Bock auf Infojournalismus – warum?</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der klassische Informationsjournalismus verliert rapide Konsumenten unter 30. Dies ist alarmierend, sagen Zürcher Forscher. Wer nicht informiert ist, denkt schwarz-weiss und wird einfacher hintergangen. Input spricht mit vielen jungen Menschen und findet heraus, was sie zum Lesen bringen würde.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/01/17/null-bock-auf-infojournalismus-warum/">Null Bock auf Infojournalismus – warum?</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Homo selfieniensis</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/01/26/homo-selfieniensis/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 26 Jan 2015 13:59:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[PR]]></category>
		<category><![CDATA[Medienkrise]]></category>
		<category><![CDATA[Carta]]></category>
		<category><![CDATA[Hans-Jürgen Arlt]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstdarstellung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seit die Zeitgenossen es auch fotografisch festhalten, kann niemand mehr übersehen, wie sehr unsere Gesellschaft zum Selfienarium geworden ist, zur PR-Society durch und durch. Deshalb könnte die Krise des Journalismus doch mehr sein als ein Finanzierungsproblem.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/01/26/homo-selfieniensis/">Homo selfieniensis</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Seit die Zeitgenossen es auch fotografisch festhalten, kann niemand mehr übersehen, wie sehr unsere Gesellschaft zum Selfienarium geworden ist, zur PR-Society durch und durch. Deshalb könnte die Krise des Journalismus doch mehr sein als ein Finanzierungsproblem.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/01/26/homo-selfieniensis/">Homo selfieniensis</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<item>
		<title>Journalismus: Bekenntnisstrudel statt Wissen</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/01/04/journalismus-bekenntnisstrudel-statt-wissen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 04 Jan 2015 15:20:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Wissen]]></category>
		<category><![CDATA[Unwissen]]></category>
		<category><![CDATA[Medienkrise]]></category>
		<category><![CDATA[Telepolis]]></category>
		<category><![CDATA[Ramon Schack]]></category>
		<category><![CDATA[Auslandjournalismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Medienwelt entwickelte sich in den letzten Jahren in einem weltweit bisher nicht dagewesenen Umfang. Einerseits war und ist dieses eine Folge des technischen Fortschritts, zum Anderen lag dem die Erkenntnis zugrunde, dass Informationen große Profite auf dem Markt abwerfen, wenn sie verbreitet werden. Die Entdeckung, dass Information ein lukratives Geschäft sein kann, führte in <a href="http://www.heise.de/tp/artikel/43/43495/1.html">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Medienwelt entwickelte sich in den letzten Jahren in einem weltweit bisher nicht dagewesenen Umfang. Einerseits war und ist dieses eine Folge des technischen Fortschritts, zum Anderen lag dem die Erkenntnis zugrunde, dass Informationen große Profite auf dem Markt abwerfen, wenn sie verbreitet werden. Die Entdeckung, dass Information ein lukratives Geschäft sein kann, führte in der westlichen Welt zum Zufluss des Großkapitals in die Medien.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/01/04/journalismus-bekenntnisstrudel-statt-wissen/">Journalismus: Bekenntnisstrudel statt Wissen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<item>
		<title>Auswege aus dem Einheitsbrei</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2014/11/10/auswege-aus-dem-einheitsbrei/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2014/11/10/auswege-aus-dem-einheitsbrei/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Eveline Dudda]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Nov 2014 09:04:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blickwinkel]]></category>
		<category><![CDATA[Standpunkt>Blickwinkel]]></category>
		<category><![CDATA[Standpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Einheitsbrei]]></category>
		<category><![CDATA[Eveline Dudda]]></category>
		<category><![CDATA[Lifestyle]]></category>
		<category><![CDATA[Magazinjournalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Vielfalt]]></category>
		<category><![CDATA[Medienkrise]]></category>
		<category><![CDATA[Print-on-Demand]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es ist eines der Grundübel der Medienkrise: Alle versuchen dasselbe wie die Konkurrenz zu machen. Selbst in Bereichen mit grosser Titelvielfalt, findet man eigentlich nur Einheitsbrei. Sein Angebot kann nur differenzieren, wer weiss, was die Leserinnen und Leser wirklich wollen. Seit ich nicht mehr nur freischaffende Journalistin, sondern auch noch Chefredaktorin eines Gartenmagazins bin, frage <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/10/auswege-aus-dem-einheitsbrei/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist eines der Grundübel der Medienkrise: Alle versuchen dasselbe wie die Konkurrenz zu machen. Selbst in Bereichen mit grosser Titelvielfalt, findet man eigentlich nur Einheitsbrei. Sein Angebot kann nur differenzieren, wer weiss, was die Leserinnen und Leser wirklich wollen.<br />
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Seit ich nicht mehr nur freischaffende Journalistin, sondern auch noch Chefredaktorin eines Gartenmagazins bin, frage ich mich oft, wie man wohl rausfinden könnte, was die Leserinnen und Leser wirklich, tatsächlich, ganz brennend und echt interessiert.</p>
<p>Umfragen trau ich nicht über den Weg, denn man kann Fragen nur selten so stellen, dass die Antwort darauf tatsächlich die wirkliche Meinung wiedergibt. In Umfragen kaufen ja auch 90% der Leute Bio – nur in den Läden schlägt sich das nicht nieder. Oder fast alle machen in Umfragen Sport – auch wenn sie nur sportlich Auto fahren. Wie es mit der Quotenerfassung beim Fernsehen aussieht, hat Nik Niethammer in einer früheren Kolumne bereits dargestellt. Das taugt auch nur bedingt.</p>
<p>Ich träume im Moment von einem Modell à la Print-on-demand, um zu erfahren, worauf das Publikum im wahrsten Sinne des Wortes «Wert» legen. Dabei müsste niemand das ganze Heft kaufen, sondern könnten am Kiosk entscheiden, welche Themen sie gedruckt haben möchten und müssten natürlich auch nur für diese bezahlen. Die Bewertung ginge folglich Seite für Seite übers Portemonnaie. Ich denke das wäre spannend. Vor allem wenn der Preis hoch genug wäre.</p>
<p>Ich schätze jedenfalls, dass die meisten Zeitschriften und Magazine deutlich dünner würden. Und ich vermute, dass nur selten ein Editorial gekauft würde, wenn man separat dafür zahlen könnte. Denn obwohl alle Magazine, jedenfalls alle Garten- und Lifestyle-Magazine die ich je in die Hand genommen habe, IMMER mit einem Editorial beginnen, muss das ja noch lange nicht heissen, dass alle Leserinnen bereit wären, für ein Editorial zu zahlen.</p>
<p>Ich persönlich gäbe keinen Rappen dafür aus und vermute ein bisschen, dass das ganze primär auf Nachahmungstrieb basiert: Weil alle Redaktionen ein Editorial haben, meinen alle anderen, sie müssten auch eines haben. Und weil die anderen Editorials langweilig sind, muss das eigene auch nicht wirklich besser sein. (Falls sich jetzt irgendjemand getreten fühlt: Das bezieht sich, wie gesagt, nur auf jene Zeitschriften und Magazine der Garten- und Lifestyle-Kategorie die ich kenne&#8230;.)</p>
<p>Oder nehmen wir die Briefe an die Redaktion: Tatsächlich gibt es Zeitschriften oder Zeitungen in denen die Leserbriefe mindestens so spannend sind wie die eigentliche Berichterstattung. In Garten- und gartennahen Lifestyle-Magazinen ist das aber nie der Fall. Dort enthalten die Leserbriefe fast nur Aussagen wie «Wunderschönes Heft!» oder «Herzlichen Dank für die tollen Beiträge!» und dergleichen Lobgesänge mehr. Würden die Leserinnen für solche «Briefe an die Redaktion» wirklich etwas bezahlen, wenn Sie die Wahl hätten? Ich glaube kaum. Höchstens wenn der eigene Name abgedruckt worden ist.</p>
<p>Diese Art geschriebener Selfies kennt man aus Foren, Blogs, Facebook und Co schon zur Genüge. Und was würde wohl mit den «Leser-fragen-wir-antworten-Rubriken» passieren? In denen die LeserInnen komischerweise immer die «richtigen» Fragen, zum jeweiligen Monatsthema passend, stellen. Ich zweifle ein wenig, dass diese Seiten viel Geld in die Print-on-demand-Kasse spülen würden. Aber man soll ja nicht von sich selbst auf die grosse Masse schliessen.</p>
<p>Mir scheint, diese Gleichschalterei ist eines der Grundübel der Medienkrise: Dass alle versuchen dasselbe wie die Konkurrenz zu machen. Selbst in Bereichen, wo es wirklich viele Titel gibt, (Garten-Natur-Lifestyle!) findet man eigentlich nur Einheitsbrei. Was Leserinnen und Leser tatsächlich wollen weiss zwar niemand so recht, aber welche Zeitschriften erfolgreich sind, scheinen alle zu wissen. Und wenn das Konzept XY erfolgreich ist, dann wird nicht nur das Konzept kopiert, sondern gleich auch noch das Layout und sämtliche Rubriken. Weil das alle machen, werden alle einander immer ähnlicher. Was man am Kiosk dann auch gut sieht…</p>
<p>Als Leserin ärgert mich das, denn ich habe eigentlich keine echte Wahl. Ich kann kein Garten-/Lifestylemagazin ohne Leserbriefe, ohne Promis und Stars, ohne Leserfragen, ohne Kreuzworträtsel und ohne Kochrezept kaufen und ich muss mich dabei immer als «liebe Leserin» auf Seite 3 anquatschen lassen, obwohl ich eher nicht so lieb bin.</p>
<p>Dieses redaktionelle Beigemüse muss ich offenbar in Kauf nehmen wie den Sportteil, die Leserfotos und die Todesanzeigen in der Tageszeitung (Wobei die Todesanzeigen mit steigendem Alter wenigstens interessanter werden.) Bei einer Tageszeitung pro Region mag das ja noch angehen, bei dreissig oder noch mehr Gartenzeitschriften für den deutschsprachigen Raum sollte es dagegen Platz für mehr Vielfalt haben oder etwa nicht?</p>
<p>Als frischgebackene Chefredaktorin macht mich dieser Einheitsbrei nervös. Denn wenn alle in die gleiche Richtung fahren, könnte es ja durchaus sein, dass alles andere zur Geisterfahrt wird. Und die geht selten gut aus. Drum wünsch ich mir so dringend Print-on-demand. Damit ich erfahre, was die Leserinnen und Leser wirklich wollen. Und was ihnen etwas wert ist.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/10/auswege-aus-dem-einheitsbrei/">Auswege aus dem Einheitsbrei</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Hinter uns brennen die Brücken</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2014/09/22/hinter-uns-brennen-die-bruecken/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Sep 2014 10:48:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitungskrise]]></category>
		<category><![CDATA[NZZ]]></category>
		<category><![CDATA[FAZ]]></category>
		<category><![CDATA[Veit Dengler]]></category>
		<category><![CDATA[Medienkrise]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Schweiz will ihre in die Krise geratenen Zeitungen retten &#8211; notfalls mit Stiftungsfonds. Die besonders schwer getroffene NZZ sucht derweil ihr Glück im Ausland.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Schweiz will ihre in die Krise geratenen Zeitungen retten &#8211; notfalls mit Stiftungsfonds. Die besonders schwer getroffene NZZ sucht derweil ihr Glück im Ausland.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/09/22/hinter-uns-brennen-die-bruecken/">Hinter uns brennen die Brücken</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Die Party ist noch nicht vorbei</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2013/09/26/die-party-ist-noch-nicht-vorbei/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Sep 2013 08:44:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Michael Ringier]]></category>
		<category><![CDATA[Urs Gossweiler]]></category>
		<category><![CDATA[Luxus]]></category>
		<category><![CDATA[Verlegerverband]]></category>
		<category><![CDATA[Medienkongress]]></category>
		<category><![CDATA[Verband Schweizer Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Norbert Neininger]]></category>
		<category><![CDATA[Medienkrise]]></category>
		<category><![CDATA[Ueli Maurer]]></category>
		<category><![CDATA[Hanspeter Lebrument]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Von Krise keine Spur: Den Schweizer Verlegern geht es richtig gut. Das sieht man alle Jahre am Medienkongress. An ihrer Selbstbeweihräucherungszeremonie lassen sich die Medienmacher die Party nicht gerne vermiesen, auch von einem Bundesrat nicht. Beobachtungen aus dem Victoria-Jungfrau Grand Hotel in Interlaken. In der bescheidenen Pension Victoria Der Aufenthalt im 1864 als Pension Victoria <a href="https://medienwoche.ch/2013/09/26/die-party-ist-noch-nicht-vorbei/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Von Krise keine Spur: Den Schweizer Verlegern geht es richtig gut. Das sieht man alle Jahre am Medienkongress. An ihrer Selbstbeweihräucherungszeremonie lassen sich die Medienmacher die Party nicht gerne vermiesen, auch von einem Bundesrat nicht. Beobachtungen aus dem Victoria-Jungfrau Grand Hotel in Interlaken.<br />
<span id="more-15868"></span><br />
<strong>In der bescheidenen Pension Victoria</strong><br />
Der Aufenthalt im 1864 als Pension Victoria erbauten Victoria-Jungfrau Grand Hotel fühlt sich an wie ein Besuch im Bundeshaus, einem Kunstmuseum oder einem geweihten Gebäude; das bescheidene eigene Dasein wird einem bei jedem Schritt bewusst. Das wundervolle Prunkgebäude, in dem Zimmer zwischen 500 und 2000 Franken angeboten werden und im Durchschnitt für 366 die Nacht verkauft werden (<a href="http://www.victoria-jungfrau-collection.ch/investor-relations/kennzahlen/">2012</a>) scheint genau der richtige Ort für die reichen Zeitungsverleger, ihren Jahreskongress zu feiern. Gegen eine Zahlung von 400 Franken darf ich als Journalist mit dabei sein und gebe mir Mühe, nicht zu wenig vom beim Abendessen am Donnerstag servierten Pinot Noir, Réserve du Patron (<a href="http://www.weingut-bick.ch/weine.html">35,40 die Flasche</a>) zu trinken. Als Unterkunft wähle ich den sehr sympathischen und besonders bei jungen Südkoreanern und Chinesen beliebten <a href="http://www.lazyfalken.ch/">Lazy Falken</a> (60 Franken die Nacht, WC und Dusche auf dem Flur).</p>
<p><strong>Umbruch und Aufbruch</strong><br />
Warum der Medienkongress unter dem Motto «Umbruch und Aufbruch» stattfand, war zunächst nicht klar, hatte doch Hanspeter Lebrument, Verlegerpräsident seit zehn Jahren, die Medienkrise für «beendet» erklärt (<a href="http://www.persoenlich.com/news/medien/lebrument-erkl%C3%A4rt-medienkrise-f%C3%BCr-beendet-294797">2010</a>). Doch von jemand, der glaubt, er könne Google «Nachhilfeunterricht» geben (<a href="http://www.persoenlich.com/news/medien/google-hat-angst-vor-uns-275616#.UkFnMryjjZ5">2007</a>), ist vielleicht nicht jedes Wort auf die Goldwaage zu legen.</p>
<p>2013 schaut man also nach vorne und bemüht sich ernsthaft, dem Motto gerecht zu werden. Und das gelingt gar nicht schlecht: Keine der Veranstaltungen ist grottenschlecht, langweilig wird einem nur bei Otfried Jarren (Präsident Eidg. Medienkommission) und zeitweise bei den Eigen-PR-Vorträgen von Philipp Welte (Verlagsvorstand Hubert Burda Media) und Rainer Esser (Geschäftsführer Zeitverlag). Die Triebkraft für die Neuorientierung des Verbands scheint bei <a href="http://neininger.me/">Blogger</a> Norbert Neininger zu liegen; er präsentiert den äusserst erfrischenden Investor <a href="https://www.linkedin.com/profile/view?id=88442417">Eran Davidson</a>, der Investmentsfonds in der Höhe von 180 Millionen Franken an junge Unternehmen zu verteilen hat und echten Unternehmergeist in diese Veranstaltung (von Unternehmern, man glaubt es kaum) bringt. Ringier-CEO Marc Walder findet den Vortrag «very interesting and provocative».</p>
<p>Davidson empfiehlt beispielsweise, den 22-Jährigen in der Firma zuzuhören, «weil deren Verstand immer noch klar ist. Sie wissen nicht viel, aber sie wissen es besser als Du». Und auch allen anderen, manchmal sei es ja die Sekretärin, die eine geniale Idee habe. Gute Unternehmer würden ein Klima schaffen, in dem solche Menschen angstfrei zu Wort kommen.</p>
<p><strong>Eine Blase um Michael Ringier</strong><br />
Ich versuche mir vorzustellen, wie Ringier-Verleger Michael Ringier gebannt an den Lippen von «Glückspost»-Praktikanten und Ringier-Journalistenschülern hängt, um etwas zu lernen, das er für sein Leben und seine Firma brauchen kann. Aber irgendwie gelingt es mir nicht recht. Es tauchen stattdessen Bilder auf von Tennisplätzen, Kunstgalerien, Villen, Telefonhörern, Füllfederhaltern, Hinterzimmern, Luxushotels, Limousinen, Privatjets, bevölkert mit Frauen und Freunden seines Alters, seiner Klasse, seinen Vermögensverhältnissen. Vielleicht müsste <a href="http://www.bilanz.ch/people/die-reichsten-und-ihre-autos-hengstparade">Rolls-Royce-Fahrer Ringier</a> einfach mal an einem SVP-Buurezmorge einige seiner Leser kennenlernen. Schliesslich kann er durchaus locker sein und hat den Mut, auch bittere Wahrheiten gelassen auszusprechen: «Wir haben kein Monopol mehr, das ist doch das grosse Problem!»</p>
<p>Immerhin kennt er «Deutschlands bekanntester Blogger». Angeblich ist das ein gewisser Philipp Riederle (*1994), auf dessen Website zwar kein Blog zu finden ist, aber dafür haufenweise <a href="http://www.philippriederle.de/erfahrung/presse/">Berichte</a> der etablierten Medien. Tatsächlich ist Riederle <a href="http://www.meiniphoneundich.de/">Videopodcaster</a>, Unternehmensberater, Vortragsredner und Buchautor. Ringier über Riederle: «Er sagte: ‹Make sense.› &#8211; Darum geht es.» Dem kann man sich nur vorbehaltslos anschliessen.</p>
<p>Im Podiumsgespräch mit Gabor Steingart (Herausgeber Handelsblatt) liest Ringier dann Leserkommentare Schweizer Medienseiten vor, die sich kritisch mit ihm auseinandersetzen. Kommentare konkurrierender Medienseiten natürlich, auch wenn auf Blick.ch ebenfalls kritische Leserstimmen veröffentlicht werden. Ist es die Aufgabe eines Verkäufers, sich öffentlich über Kundenreaktionen zu beschweren? Oder hat das Internet Ringier Wahrheiten aufgezeigt, die ihm bisher von seinem Umfeld erfolgreich vorenthalten wurden? Für einen Moment erhält man den Eindruck, Leserbriefschreiber seien die besseren Menschen als Online-Kommentierer. Natürlich ist das Blödsinn: Leserbriefe und Leserkommentare werden von den Redaktionen geprüft und freigegeben.</p>
<p>Hinsichtlich der Berichte über die Nicht-Bestätigung von Andrea Bleicher als «Blick»-Chefredaktorin aufgrund eines «Daumen runter» des gut befreundeten Frank A. Meyer sagt er sympathisch selbstironisch, die Lage sei doch klar: «Die Schwulengang hat die Lady rausgeknallt.» Und: «Früher hat Frank A. Meyer meine Wahlzettel ausgefüllt, heute tut das meine Frau, denn Meyer hat ja nichts mehr zu sagen.» Humor darf man ihm attestieren, doch als Boulevardverleger, selbst als widerwilliger, ist er viel zu dünnhäutig. Michael Ringier ist das Aushängeschild einer Branche, die Kritik üben lässt, Kritik an sich aber einfach nicht ertragen kann. Dabei kritisiert doch sogar die von Michael Ringier geliebte Kunst &#8211; gemeinsam mit seiner Frau Ellen wurde der Kunstsammler im Kunstwerk <a href="http://www.jotacastro.eu/selected-works/motherfuckers-never-die/">«Motherfuckers never die» von Jota Castro</a> verewigt (ausgestellt an der Art Basel 2009).</p>
<p><strong>«Jahrhundertfehler» Kostenlos-Kultur</strong><br />
Die Vortragenden sind sich einig, Schuld an der schlechten Branchenstimmung sind vor allem jene, die negativ reden: «Print wird totgeredet», klagt Philipp Welte. «Unsere Inhalte kostenlos abzugeben, ist der Jahrhundertfehler unserer Branche», sagt Gabor Steingart. Auch Rainer Esser will keine Inhalte verschenken, die gut Geld verdienende Gratiszeitung «20 Minuten» lobt er trotzdem. Warum sie nur immer über ihre angeblichen «Jahrhundertfehler» reden und dabei weiterhin ihre Inhalte kostenlos im Internet anbieten, bleibt ihr Geheimnis. Die wichtigsten NZZ-Artikel gibt es trotz Website-Paywall kostenlos auf dem Smartphone. In der «Blick»-App (einmalig 4 Franken) ist sogar jeden Tag die ganze Printausgabe kostenlos zugänglich. Offenbar trauen sich die Verleger nicht recht zu, Inhalte zu produzieren, die den Kunden tatsächlich etwas wert sind. Mehr dazu in unserem Artikel <a href="https://medienwoche.ch/2012/07/13/pseudokostenpflicht/">«Pseudokostenpflicht»</a>.</p>
<p>Norbert Neininger liefert als einer der einzigen Vortragenden keinen Verkündigungsauftritt, sondern eine Prezi-Präsentation inklusive zwei YouTube-Videos. Als die Technik diese abspielt, blendet YouTube Werbung ein, die sofort reflexartig weggeklickt wird. Aber echt, immer diese Scheiss-Werbung! Mit der man selbst online Geld verdienen will. Aber die Frage ist berechtigt: Warum nervt Werbung im Netz derart, dass man sie sofort und unbesehen wegklickt?</p>
<p><strong>Solidarität für Gattungsmarketing</strong><br />
Printwerbung nervt nicht, trotzdem brauche es dafür Gattungsmarketing, meldet Peter Wanner aus dem Department Werbemarkt: «Printwerbung macht immer noch einen Umsatz von 1,8 Milliarden Franken. Aber Sie können sich vorstellen, was das bedeutet für uns alle, wenn wir da jedes Jahr 100 Millionen Franken verlieren.» Ausserdem wäre es schön, wenn auch die Redaktionen mal etwas mitspielen würden: «Es täte sicher gut, wenn auch die Printmedien ab und zu etwas Positives über Print vermelden würden.» Seine Arbeitsgruppe zur Ausarbeitung des Gattungsmarketings habe gut gearbeitet, allerdings musste man dann bei einer Sitzung in Weggis bemerken, dass die gefassten Pläne dafür satte 1,9 Millionen Franken kosten (und das jedes Jahr, ab 2015). «Jetzt ist Solidarität gefragt», steht in der Powerpoint-Präsentation von Wanner.</p>
<p><strong>Keine Lohnverhandlungen mit Angestellten</strong><br />
Auf Lohnverhandlungen mit dem Journalistenverband Impressum lassen sich die Verleger nicht ein, denn Präsident Lebrument erklärt, er habe deren Entwurf zu einer Vereinbarung über die Arbeitsbedingungen nicht gelesen, weshalb &#8211; hallo Logik &#8211; es auch keine Verhandlungen geben könne. Verbandsvertreter Urs Thalmann verlässt nach den anschliessenden langwierigen, völlig ergebnislos bleibenden und äusserst ermüdenden Diskussionen die Medienkonferenz mit einem sehr lauten Knallen der Türe, fassungslos über solche, wie soll man ihnen sagen, bauernschlauen Tricks? Ehrlich gehandelt hätte der Verlegerverband, in dem er zugegeben hätte, gar nicht verhandeln zu wollen. Die ganze Farce <a href="http://www.edito.ch/de/2013/09/18/verleger-in-formkrise/">fasst Philipp Cueni auf edito.ch zusammen</a>, mit dabei auch die abenteuerliche Lebrument-Aussage, es gebe keine Arbeitslosigkeit im Journalismus.</p>
<p><strong>Ein Präsident per Akklamation</strong><br />
Warum wurde der 2010 ins Präsidium gewählte Urs Gossweiler mit einem Reisegutschein verabschiedet? «Er ist nicht wieder angetreten», antwortet Hanspeter Lebrument auf Nachfrage und sagt Gossweiler zur Verabschiedung: «Wir werden Deine Einsitznahme im Präsidium nicht so schnell vergessen.» Auf Anfrage sagt Gossweiler: «Ich habe dem Präsidium meine Gründe dargelegt und dort sollen sie auch bleiben.» Gilbert Bühler von den «Freiburger Nachrichten» rückt nach, kein Gegenkandidat stellt sich. Lebrument wird nach einem kurzen positiven Votum von Pietro Supino als Verlegerpräsident bestätigt; sehr schnell und etwas undurchsichtig läuft das ab, als hätte man Angst, jemand könnte eine Diskussion beginnen. Supino fragt nicht, ob jemand etwas gegen eine Wahl einzuwenden hat, er lässt gar nicht erst abstimmen. Sondern sagt: «Wenn wir das alle auch wollen, dann bestätigen wir das durch Akklamation.» Man klatscht verhalten, womöglich haben nicht alle das Fremdwort verstanden. Ganz zu Beginn der Veranstaltung gab es übrigens keinen Applaus für Lebrument.</p>
<p>Lebrument mag ein guter Ausgleich sein zwischen den grossen und den kleinen Verlegern sowie zwischen Stadt und Land. Tatsächlich sind einfach alle heilfroh, dass er diesen Job macht, auf den sonst niemand Lust hat. Deshalb bestätigt man ihn, klatscht höflich seinen abenteuerlichen Reden und buht sie nicht aus. Lebrument geniesst im Gegenzug die Aufmerksamkeit und sonnt sich etwas in der Reihe der bisherigen Verlegerpräsidenten (er legt dazu ein Slide auf, das die 11 Präsidenten in den 115 Jahren des Verbands zeigt, mit ihm unten rechts). Mit Widersprüchen kommt er gut zurecht und spricht einerseits von Printmedien, die «völlig im freien Markt agieren» und plädiert andererseits für die Beibehaltung der gesetzlichen Bevorzugung seiner Branche (ermässigter Post- und Transporttarif, reduzierter Mehrwertsteuersatz).</p>
<p>Ein Präsident, der nicht mehr ist als ein schlechter Kompromiss und Delegierte, die alles beschweigen und abnicken. Man hätte vorne die Revolution ausrufen können, diese Delegierten hätten höflich geklatscht. Um Schweizer Verleger aus der Reserve zu holen, braucht es schon einen Ueli Maurer.</p>
<p><strong>Der Bundespräsident macht Stunk</strong><br />
Gibt es einen Menschen in der Schweiz, der in den 1990er-Jahren mehr öffentliche Aggressionen ertragen musste als Ueli Maurer? Sein Briefkasten wurde mit Fäkalien gefüllt, sein Haus mit Farbbeuteln beworfen, die Pneus am Auto zerstochen, er selbst mit einer Torte beworfen. Von Viktor Giacobbo wurde er jahrelang als fröhlich-dümmlicher Lakai Christoph Blochers <a href="https://www.youtube.com/watch?v=FzVEzVLxk0Y">dargestellt</a>. Von Roger Schawinski als «Parteipräsident von Blochers Gnaden» tituliert, hatte er irgendwann genug und <a href="https://www.youtube.com/watch?v=IUXB_5Ylfp4">verliess den Sonntalk</a>. Vor 2000 hatte Ueli Maurer unter den Journalisten kaum Fans, inzwischen hat er einige wenige gewonnen. Doch unter vielen Journalisten, man muss sich da nichts vormachen, herrscht ein den Tatsachen nicht gerecht werdendes Bild eines Bauerntölpels vor.</p>
<p>Als Maurer spricht, hört ihm der halbgefüllte Saal zunächst aufmerksam zu. Doch als er statt konkrete Medienkritik sattsam bekannte Allgemeinplätze in voller Unschärfe bringt, erhöht sich die Unruhe. Irgendwann bricht dann der Ärger, am eigenen Anlass frontal angegriffen zu werden, durch und kulminiert in einzelnen Pfiffen, Hahas und Buhrufen (natürlich nicht von den vorderen Tischen, an denen die Verlegerelite mit besonderen Gästen sitzt, während alle anderen stehen müssen). Aus der Schummerigkeit des hinteren Raumes stimmen erstaunlich viele in die Buhrufe ein, natürlich nur, um sich im persönlichen Gespräch danach von solchen Aktivitäten zu distanzieren (<a href="http://www.vbs.admin.ch/internet/vbs/de/home/documentation/reden/liste/detailspeech.50232.nsb.html">schriftliche Rede</a> / <a href="http://f.blick.ch/media/2441699-6305/Ansprache-des-Bundespraesidenten-Ueli-Maurer.pdf">mündliche Version</a>).</p>
<p>Wiederum: Was für ein grossartiges und freies Land, in dem der höchste Vertreter der Exekutive von Verlegern und Journalisten ausgebuht wird, man sich danach friedlich wieder zusammen hin setzt und niemand klagt, niemand wird verhaftet, niemand verschwindet.</p>
<p>Mehr zu Maurers Rede in <a href="https://medienwoche.ch/2013/09/15/der-wert-der-medienschelte/">«Der Wert der Medienschelte»</a> von Nick Lüthi. Ausserdem wurde sie am Dienstagabend <a href="http://www.srf.ch/player/tv/club/video/club-vom-24-09-2013?id=12fa6107-4d14-495d-bab2-1c34de444ee2">im Schweizer Fernsehen verhandelt</a>:</p>
<p><iframe src='https://www.srf.ch/player/tv/club-vom-24-09-2013/videoembed/club-vom-24-09-2013?id=12fa6107-4d14-495d-bab2-1c34de444ee2&#038;mode=embed' width='460' height='259' frameborder='0' name='Club vom 24.09.2013'></iframe></p>
<p><strong>Musik &#038; Tanz</strong><br />
Ob der für Freitagabend angekündigte Tanzabend tatsächlich ausgefallen ist, kann ich nicht mit Sicherheit sagen, leider bin ich sofort nach dem Nachtisch aus Langeweile eingeschlafen. Den glasigen Blicken einiger anderer zu folgen, sind sie mir bald gefolgt. Um 22.30 Uhr waren nicht mehr viele anwesend, wie schon die ganze Veranstaltung über wurden Frauen und Journalisten nur vereinzelt gesichtet. Vielleicht haben die Herren Verleger noch miteinander getanzt.</p>
<p>Solange die Werbetreibenden sich nicht grundlegend umorientieren oder eine tiefgreifende Wirtschaftskrise Einzug hält, wird bald wieder gefeiert. Für nächstes und übernächstes Jahr ist das Grand Hotel in Interlaken jedenfalls bereits gebucht. Noch ist die Party der durch das Internet von ihrem Monopol befreiten Zeitungsverleger nicht vorbei.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/09/26/die-party-ist-noch-nicht-vorbei/">Die Party ist noch nicht vorbei</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Das Lokale kommt zu kurz</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 08 Apr 2011 10:12:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[clack.ch]]></category>
		<category><![CDATA[finews.ch]]></category>
		<category><![CDATA[journal 21]]></category>
		<category><![CDATA[Lokaljournalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Medienkrise]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Zwar werden nahezu im Wochentakt Nachrichtenmedien im Netz gegründet. Aber keines der neuen Online-Angebote richtet seinen Blick aufs Lokale. Der Raum für Alternativen zum bestehenden Lokaljournalismus wäre aber durchaus vorhanden. Ins Jammern und Lamentieren über den Zustand der Medien mischen sich langsam aber sicher optimistische Zwischentöne. Zumindest bei denjenigen, die in der Krise eine Chance <a href="https://medienwoche.ch/2011/04/08/das-lokale-kommt-zu-kurz/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/04/08/das-lokale-kommt-zu-kurz/">Das Lokale kommt zu kurz</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Zwar werden nahezu im Wochentakt Nachrichtenmedien im Netz gegründet. Aber keines der neuen Online-Angebote richtet seinen Blick aufs Lokale. Der Raum für Alternativen zum bestehenden Lokaljournalismus wäre aber durchaus vorhanden.<br />
<span id="more-1737"></span><br />
Ins Jammern und Lamentieren über den Zustand der Medien mischen sich langsam aber sicher optimistische Zwischentöne. Zumindest bei denjenigen, die in der Krise eine Chance sehen und selbst das Heft in die Hand nehmen. Lang ist die Liste der Neugründungen von Informationsmedien in der Schweiz, und sie wird immer länger. Vor einer Woche hat <a href="https://medienwoche.ch/2011/03/29/journalismu-ohne-geschaftsmodell/" target="_blank">das Magazin Infosperber</a> das Licht der Medienwelt erblickt. Zu aktuellen Brennpunkten des Weltgeschehens, wie der Atomkatastrophe in Japan oder den gesellschaftlichen Umschichtungen in Nordafrika, liefert das neue Magazin kompetent und tagesaktuell Hintergrundbeiträge. Ein ähnliches Konzept verfolgt auch <a href="http://journal21.ch/" target="_blank">Journal 21</a>. Das vor einem halben Jahr gegründete Online-Magazin aus dem Umfeld ehemaliger und inzwischen pensionierter Radio- und Fernsehmitarbeiter hat ein starkes aussenpolitisches Profil.</p>
<p>Bei aller Kompetenz der Autoren und der thematischen Vielfalt ihrer Beiträge sticht doch bei beiden Neugründungen ein Mangel ins Auge: Regionale Themen finden sich weder bei Infosperber noch im Journal 21. Damit sind sie nicht alleine. Sämtliche neu lancierten journalistischen Plattformen und Projekte im Netz – und es sind nicht wenige – lassen das Lokale links liegen. Zwar gibt es inzwischen eine reichhaltige Palette an jungen und (verlags)unabhängigen Alternativmedien, vom digitalen Feuilleton namens Neuland, über das Lifestyle- und Frauenmagazin <a href="http://clack.ch" target="_blank">clack.ch</a> bis zur Finanzplattform <a href="http://finews.ch" target="_blank">finews.ch</a>.</p>
<p>Worauf Medienkonsumenten aber weiterhin warten, die mit den Leistungen ihrer Leibblätter nicht mehr zufrieden sind, sind Alternativen zur Regionalzeitung. Ausser der löblichen Ausnahme des Einmannbetriebs <a href="onlinereports.ch" target="_blank">onlinereports.ch</a> in Basel, die aber nicht mehr als die Regel bestätigt, existieren keinerlei vergleichbare Angebote in anderen Städten oder Regionen der Schweiz.</p>
<p>Raum für Alternativen und ergänzende Angebote zu den bestehenden Regionalzeitungen besteht durchaus, wie auch die Forschung bestätigt. «Für die Regionalberichterstattung gibt es in der Regeln nebst der Regionalzeitung keine valable Alternative», heisst es in der aktuellen Studie <a href="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2011/04/Meier+et+al+Bakom+Schlussbericht+13-1-2011.pdf" target="_blank">«Pluralismus und Vielfalt in Regionalzeitungen»</a>. Über die Gründe für das Fehlen solcher Angebote, schweigen sich die Medienwissenschaftler aber aus.</p>
<p>Erklärungen für die Absenz des Lokaljournalismus im aktuellen Gründungsboom von Online-Medien gibt es aber durchaus. Praktisch alle neuen Magazine und Plattformen werden ehrenamtlich und ohne Geschäftsmodell betreiben, das diesen Namen verdient. Journalismus wird hier weitgehend als Hobby praktiziert: Die Vorlieben der Autoren und das im Berufsleben erworbene Fachwissen stehen im Vordergrund. Nun gibt es Expertinnen für Stilfragen, Fachleute für Fussball, Kennerinnen der Aussen- und Innenpolitik, die in den neuen Medien ihrer Leidenschaft frönen und endlich das tun können, was in ihrem Beruf als angestellte Medienschaffende im besten Fall als Kür gefragt ist. Lokaljournalismus dagegen ist eine Querschnittsaufgabe. Er beobachtet Politik, Kultur, Gesellschaft, ja das ganze Leben, das sich in einem Mikrokosmos abspielt. Eine Spezialisierung ist im Lokalen höchstens handwerklich möglich, nicht aber thematisch. Ausserdem geniesst der Lokaljournalismus, obwohl er zurecht als eine der härtesten Disziplinen in den Medien gilt, weiterhin den Ruf als Tummelfeld für Einsteigerinnen und Anfänger. Die meisten Journalisten, die im «Lokalen» beginnen, streben irgendwann einmal nach Höherem. Wer sich erst einmal in die Dossiers der grossen Politik eingearbeitet hat, kehrt nicht mehr als Berichterstatterin an die Gemeindeversammlung zurück. Auch nicht für unabhängige Online-Medien.</p>
<p><em>Dieser Artikel ist zuerst in der Wochenzeitung WoZ erschienen.</em></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/04/08/das-lokale-kommt-zu-kurz/">Das Lokale kommt zu kurz</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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