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	<title>Medienvielfalt Holding AG | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>«Die Unabhängigkeit vom Werbemarkt ist der Traum aller Verleger»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2014/02/12/die-unabhaengigkeit-vom-werbemarkt-ist-der-traum-aller-verleger/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 Feb 2014 08:35:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gespräche]]></category>
		<category><![CDATA[Christoph Blocher]]></category>
		<category><![CDATA[Basler Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Rolf Bollmann]]></category>
		<category><![CDATA[BZM]]></category>
		<category><![CDATA[Medienvielfalt Holding AG]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mit der Etablierung von 20 Minuten im Schweizer Medienmarkt hat Rolf Bollmann ein lukratives Gratismodell begründet, gegen das er seither als Manager von Bezahlzeitungen ankämpfen muss. Im MEDIENWOCHE-Interview spricht der 65-jährige BZM-CEO über die Basler Zeitung und Tamedia, die Lancierung von BaZ Kompakt, die Dummheit und das Unvermögen seiner Vorgänger, die Zukunftschancen von Newsportalen sowie <a href="https://medienwoche.ch/2014/02/12/die-unabhaengigkeit-vom-werbemarkt-ist-der-traum-aller-verleger/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Mit der Etablierung von 20 Minuten im Schweizer Medienmarkt hat Rolf Bollmann ein lukratives Gratismodell begründet, gegen das er seither als Manager von Bezahlzeitungen ankämpfen muss. Im MEDIENWOCHE-Interview spricht der 65-jährige BZM-CEO über die Basler Zeitung und Tamedia, die Lancierung von BaZ Kompakt, die Dummheit und das Unvermögen seiner Vorgänger, die Zukunftschancen von Newsportalen sowie über seine Beziehung zu Christoph Blocher.<br />
<span id="more-17975"></span><br />
<strong>Was will die Basler Zeitung eigentlich sein? Eine Lokalzeitung für Basel oder eine Zeitung, die in der ganzen Schweiz/Welt gelesen wird?</strong><br />
Die Stimme der Welt wollen alle sein. Doch unsere Strategie ist klar: Wir wollen eine Zeitung für den Grossraum Basel sein. Natürlich wünschen wir uns wie jede Zeitung eine Wirkung darüber hinaus.</p>
<p><strong>Soll die Zeitung auch im Wallis, in St. Gallen oder in Zürich gelesen werden?</strong><br />
Natürlich, das ist nicht verboten!</p>
<p><strong>Wird das aktiv angepeilt?</strong><br />
Überhaupt nicht.</p>
<p><strong>Letzten Samstag kaufte ich am Hauptbahnhof Zürich die «Basler Zeitung» zusammen mit dem «Tages-Anzeiger». Der Kioskverkäufer wunderte sich, und sagte mir, eine der beiden reiche aus. Da stehe ja sowieso das Gleiche drin, das sehe man doch im Internet. Ist es nicht ein Kernproblem, dass die Leser die Basler Zeitung vor allem im Internet als Newsnet wahrnehmen?</strong><br />
Das ist ein Problem und mit der zunehmenden Konvergenz beim Tages-Anzeiger wird es sich noch verschärfen. Dass auf Bazonline.ch bisher kaum Inhalte aus der gedruckten Basler Zeitung zu lesen waren, liegt allerdings auch an Chefredaktor Markus Somm. Er ist ein sehr Print-orientierter Mensch, der sich dagegen sperrt, Inhalte online zu verschenken – seine Leitartikel sind erst seit Kurzem auch online zugänglich. Es liegt an uns, hier Veränderungen vorzunehmen. Newsnet, übrigens von mir mitaufgebaut, verbietet nicht, eigene Printartikel vermehrt ins Internet zu stellen. Hingegen können wir auf den «Magazin»-Inhalt keinen Einfluss nehmen – und legen es trotzdem jeden Samstag der BaZ bei, obwohl die redaktionelle Ausrichtung des «Magazins» weiss Gott nichts mit bürgerlichem Inhalt zu tun hat.</p>
<p><strong>Sind Änderungen geplant?</strong><br />
Die Verträge mit Tamedia zu Newsnet und Magazin laufen noch drei bis vier Jahre. Ob ich dann noch die Verantwortung inne habe, ist offen, aber ich würde solche Verträge sicher nicht mehr abschliessen.</p>
<p><strong>Seit meine Eltern über je ein iPad verfügen, haben sie keine Zeitung mehr abonniert, sie lesen auch keine E-Paper. Aber sie lesen 20min.ch, schauen Fernsehen und hören Radio.</strong><br />
Also lesen sie alles gratis, sehen und hören alles gratis, bezahlen nur Konzessionsgebühren für TV und Radio? Damit gehören Ihre Eltern zum Glück noch zu einer Minderheit. Viele Menschen bezahlen immer noch für Inhalte, allerdings nur für Zeitungs- oder Zeitschriftenabos, weniger für Internet-Inhalte.<br />
Sehen Sie: Vor 14 Jahren habe ich, mit Peter Wälty als Chefredaktor, 20min.ch aufgebaut. Trotz ständiger Investitionen und Entwicklungen trägt die Website heute in der 20-Minuten-Familie vermutlich erst rund 10 Prozent zur Wertschöpfung bei. Die Printausgabe dagegen 90 Prozent, und das mit weniger Personaleinsatz als bei der Online-Redaktion. Auch andere Marken wie Blick oder Tages-Anzeiger sind schon über ein Jahrzehnt im Internet. Mit welcher Entwicklung in den letzten Jahren? Die Werbeerlöse weisen leichtes Wachstum bis Stagnation auf, die Vertriebseinnahmen bleiben bei praktisch null, der Ergebnisbeitrag ist bescheiden.</p>
<h2>«Dass die Erträge der Newsportale je in die Grössenordnung der Printerträge kommen, ist praktisch ausgeschlossen»</h2>
<p>Newsnet verdient nach fünf Jahren etwas Geld. Die Einkünfte daraus werden basierend auf den Nutzerzahlen verteilt, wir erhalten mit Bazonline.ch lediglich einen Bruchteil davon. Und mit dem aktuellen Preiszerfall im Online-Werbemarkt wird die Lage nicht etwa einfacher, sondern schwieriger. Dass die Erträge der Newsportale je in die Grössenordnung der Printerträge kommen, ist praktisch ausgeschlossen. Wir sehen durchaus, dass sich ein Teil der Leserschaft stärker online orientiert – aber die Leser wollen nichts bezahlen, schon gar nicht für Inhalte, die sie mit einem Klick auf ein anderes Newsportal gratis abrufen können.</p>
<p><strong>Die beiden aktuellen Leader bei den Reichweiten, 20min.ch und Blick.ch, verdienen doch Geld online.</strong><br />
Aber im Vergleich mit den Einkünften von ihren Printausgaben sehr wenig. Wir reden hier nicht über Startup-Produkte, die noch im Aufwind sind, sondern über Portale, die, wie schon erwähnt, über ein Jahrzehnt auf dem Markt sind. Hier schiessen die Umsätze und Erträge nicht mehr plötzlich in die Höhe.</p>
<p><strong>Vielleicht müssen wir davon wegkommen, die Einkünfte von Print mit jenen von Online zu vergleichen.</strong><br />
Genau, das ist nämlich der grosse Irrtum. Die Zeitungen haben früher viel Geld verdient mit den Rubrikenmärkten. Und diese enormen Erlösquellen haben sich nicht in die Newsportale der Zeitungen verschoben, sondern zu neuen Marktteilnehmern und in Rubrikenportale wie <a href="http://www.jobs.ch/de/">Jobs.ch</a>, <a href="http://www.homegate.ch/">Homegate.ch</a> oder <a href="http://www.autoscout24.ch/">Autoscout.ch</a>. Diese Ertragsperlen sind heute im Besitz von Tamedia und Ringier, die sie mit dreistelligen Millionenbeträgen zuerst erwerben mussten. Alle anderen gucken in die Röhre und haben es verpasst, hier rechtzeitig einzusteigen &#8211; was auch an der fehlenden Finanzkraft der kleineren Medienhäuser liegt.</p>
<p><strong>Ich glaube, die Zukunft spaltet sich auf in kostenlose Medien, die auf Reichweite setzen und kostenpflichtige Medien, die auf Abomodelle setzen. In welche Richtung geht die Basler Zeitung?</strong><br />
Im März oder April wird der Tages-Anzeiger seine Paywall aufschalten. Ich kenne diese Business-Pläne gut, war ich doch selbst noch bei Tamedia, als diese erstellt wurden. Die Erwartungen an die Vertriebseinnahmen sind sehr bescheiden. Die Berner Zeitung und der «Bund» werden in die Paywall folgen, und wir werden uns entscheiden müssen, ob wir das auch möchten.<br />
Nach meiner Beurteilung sind Newsportale kein Ersatz für die gedruckte Tageszeitung, schon gar nicht wirtschaftlich. Auch in 20 Jahren werden Printprodukte wie 20 Minuten und qualitativ gute Abonnementszeitungen mehr Geld verdienen als ihre Online-Ausgaben oder irgendeine Online-Zeitung. Die Ertragsmöglichkeiten für Newsportale sind beschränkt, sowohl im Werbe-, als auch im Nutzermarkt. Die Werbung auf diesen Sites ist für den Nutzer unerwünscht, lästig, wird weggeklickt, mit Programmen gesperrt oder ausgeblendet. Der Nutzer wird mehrheitlich nichts für Inhalte bezahlen, denn es gibt zu viele Möglichkeiten, gratis zu lesen. Mit einem Klick oder zwei finden sich die meisten gewünschten Inhalte kostenlos.</p>
<p><strong>«Mein Ziel ist es, dass die Zeitung so gut ist, dass sie ohne Inserate auskommt und die Leser nur aufgrund der Qualität des Inhalts die Zeitung kaufen», <a href="http://bazonline.ch/basel/stadt/Direkte-Demokratie-braucht-Medienvielfalt/story/17383647">sagt</a> Christoph Blocher über die Basler Zeitung. Das lässt eine Abkehr jeglicher Reichweitenstrategien erahnen.</strong><br />
Das ist Wunschdenken von Herrn Blocher, und es wäre auch meine Wunschvorstellung, denn so wäre die Soziodemographie der Leser kein Thema mehr. Die Unabhängigkeit vom Werbemarkt ist der Traum aller Verleger, aber andererseits ist die Zeitung ohne Werbung eben auch ärmer. Während die Werbung in der Zeitung geschätzt wird, ist Online-Werbung, wie erwähnt, unbeliebt.</p>
<p><strong>Der Online-Werbemarkt entwickelt sich zum <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Real_Time_Bidding">Real-Time-Bidding</a>, also zum Handel von Werbeplätzen in Echtzeit. Während der Print-Werbemarkt Jahrespläne macht, als hätte der Kommunismus nie aufgehört. Wofür braucht es eigentlich Media-Agenturen? Sollten die Verlage ihre Werbekunden nicht direkt angehen?</strong><br />
Viel Werbung kommt heute auch direkt, das kommt auf die Strategie beziehungsweise das Marketing-Konzept der Werbekunden an. Wer direkt kommt, kann ja auch viel direkter Einfluss nehmen, wie ein Inserat platziert wird.</p>
<p><strong>Das Internet sei Schuld an einer Kostenlos-Kultur, unter dem der Journalismus leide, wird oft behauptet. Sind nicht vielmehr Leute wie Sie dafür verantwortlich, die Gratiszeitungen wie 20 Minuten zum Durchbruch verholfen haben?</strong><br />
Ich wäre ja nie zu Tamedia gekommen, wenn die nicht 20 Minuten gekauft hätten. Dummerweise war ich dann bald für den Tages-Anzeiger verantwortlich, was mir viele Feindseligkeiten von Redaktoren einbrachte. Dass Tamedia mit der 20-Minuten-Familie viele zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen hat, hat sie nicht interessiert.</p>
<p><strong>Seit dem 6. Februar gibt es die BaZ Kompakt. Wieso werden die Leute für die BaZ Kompakt bezahlen und nicht zur Gratiszeitung greifen?</strong><br />
Das sehen wir dann. Um ehrlich zu sein: Wenn Sie mit dem Rücken zur Wand stehen, müssen Sie agieren, einen Befreiungsschlag machen! Wir hatten im Werbe- und Lesermarkt massiv zu leiden unter der Negativberichterstattung, welche die Übernahme begleitete, und ja, hier haben wir auch selbst Fehler gemacht, waren zu intransparent. Viele der eingegangenen Abokündigungen wurden mit der neuen Eigentümerschaft begründet, wir hatten während zwei Jahren grosse Rückgänge zu verkraften. Von der neuen Befragungsmethode der WEMF werden wir auch benachteiligt. Doch inzwischen hat sich die Lage normalisiert, die Rückgänge sind nun wieder in jenem Bereich, den andere Regionalzeitungen auch zu verzeichnen haben.</p>
<h2>«Viele der eingegangenen Abokündigungen wurden mit der neuen Eigentümerschaft begründet»</h2>
<p>Mit der BaZ Kompakt, einem «Abo light», versuchen wir nun, jene Leser, die verärgert abgesprungen sind, wieder zurückzuholen. Vorbild für die BaZ Kompakt ist die Welt Kompakt – dort hat das zu Beginn gar nicht, später dann aber sehr gut funktioniert, wir haben uns informiert. Während die Basler Zeitung weiterhin sechsmal die Woche erscheint, kommt die BaZ Kompakt dreimal heraus: Am Dienstag (Schwerpunkt Sport, mit 70’000 Gratisexemplaren in Basel-Stadt), am Donnerstag (Schwerpunkt Kultur und Ausgehen, mit 70’000 Gratisexemplaren in Basel-Land) und am Samstag (Schwerpunkt Politik und Gesellschaft, mit 20’000 Gratisexemplaren für Ex-Abonnenten).</p>
<p><strong>Das BaZ Kompakt-Abo inkl. ePaper (Di, Do, Sa) kostet im <a href="http://verlag.baz.ch/abo/inland/#bazkompakt">Spezialangebot</a> zunächst nur 90 Franken im Jahr, dazu kriegt man für 50 Franken im Jahr auch noch die «Sonntagszeitung» dazu. Ist das nicht sehr günstig?</strong><br />
Ja, diesen Deal habe ich mit der «Sonntagszeitung» ausgehandelt. Das günstige Angebot ist darin begründet, dass wir unseren Abonnenten damals die inzwischen eingestellte BaZ-Sonntagsausgabe für 35 Franken angeboten haben.</p>
<p><strong>Die BaZ Kompakt wird am Kiosk 2 Franken kosten, weniger als der Blick. Die Basler Zeitung kostet 3 Franken, eine Weltwoche dagegen fast das Dreifache.</strong><br />
Sie haben eigentlich recht, das ist sehr günstig. Ich muss da mal mit meiner Verlagsleiterin reden, sie soll die Preise erhöhen.</p>
<p><strong>Können Sie bitte kurz, für alle Laien leicht verständlich, die aktuellen Besitzverhältnisse der Basler Zeitung erklären?</strong><br />
Der Name Basler Zeitung Medien (BZM) ist eine vereinfachte und besser verständliche Bezeichnung für die im Handelsregister eingetragene «National-Zeitung und Basler Nachrichten AG» (NZBN). Die BZM gehört zu 100 Prozent der BaZ Holding AG, welche wiederum zu 80 Prozent der MedienVielfalt Holding (MVH) und zu 20 Prozent Christoph Blochers Robinvest AG gehört. Christoph Blocher hatte schon früher von der MedienVielfalt Holding den Auftrag gefasst, die Sanierung der BZM durchzuführen. Dafür hatte er mich eingestellt sowie eine Garantie abgegeben, alle Verluste der Sanierung zu tragen. Inzwischen ist diese Sanierung abgeschlossen und zur BZM gehören nur noch die Basler Zeitung sowie die Verteilorganisation Distriba AG. Meine Aufgabe als CEO war es, die auf verschiedenste Bereiche ausgedehnte Unternehmensgruppe zurück zum Kern zu führen, zur Basler Zeitung als Tageszeitung. Mit dem <a href="http://bzm.ch/news/?objectid=492AFDA8-FAD9-B500-24B198D6B895F30C">Verkauf von Birkhäuser</a> ist das nun vollbracht.</p>
<p><strong>Ist denn Blocher auch der Sprecher der BaZ Holding?</strong><br />
Seit ich dabei bin als CEO und Delegierter des Verwaltungsrats, also seit dem 10. September 2012, ist Herr Blocher mehrheitlich mein Ansprechpartner. Ich rapportiere an ihn und lasse meine Konzepte von ihm absegnen. Herr Blocher liess mir weitgehend freie Hand, als Vorgabe hatte ich lediglich, die Redaktion eigenständig zu belassen und nicht in ein Mantelsystem zu überführen. Die Kosten konnte ich aber auch auf der Redaktion optimieren.</p>
<p><strong>Was für eine Situation haben Sie angetroffen, als Sie die Basler Zeitung Medien (BZM) übernommen haben?</strong><br />
Es war der Schock meines Lebens. Hätte ich mehr Zeit gehabt, dann hätte ich meine Vorgänger verklagt, denn die haben Dinge gemacht, die nicht zu verantworten sind. Mir ist bis heute nicht klar, ob das mehr aus Dummheit oder Unvermögen geschehen ist. Die Druckerei schrieb Millionenverluste, sogar das Personalrestaurant machte fast eine Million Franken Verlust jedes Jahr!<br />
Das Schlimmste war das gegen die Publicitas antretende Inserate-Vermittlungsgeschäft Keymedia und Allmedia. Die konnten zwar einen jährlichen Vermittlungsumsatz von 30 Millionen Franken verbuchen, aber wie? Also wenn ich Fünfliber für vier Franken verkaufen würde, dann hätte ich übermorgen auch einen Millionenumsatz – so haben die gewirtschaftet!<br />
Allein der Verlag der Basler Zeitung beschäftigte über 100 Personen – der Tages-Anzeiger, mit einer dreimal grösseren Auflage, hat im Verlag lediglich 50 Personen. Ich habe dann als erste Handlung den Verlag der BaZ personell halbiert.</p>
<h2>«Der grösste Teil meiner Aufgabe ist nun erledigt, die Sanierung abgeschlossen»</h2>
<p>Mein Stolz ist es, dass die Belegschaft heute wieder gerne zur Arbeit kommt und sich mit der Zeitung identifizieren kann. Zu Beginn legte man mir ja nahe, ich solle doch wieder nach Zürich verschwinden, und ich erhielt auch Gewaltandrohungen. Aber heute kommen viele Leser zur Basler Zeitung zurück, ich meine zurecht, denn es ist einfach eine viel bessere Zeitung als vor der Übernahme.</p>
<p><strong>Bleiben Sie CEO oder werden sie künftig etwas kürzer treten?</strong><br />
Eigentlich bin ich im Pensionsalter, habe aber noch bis Ende 2014 einen Vertrag mit der BZM, wir werden sehen. Ich gehöre ja noch zu jener Generation, die ein schlechtes Gewissen hat, wenn sie nichts zu tun hat.</p>
<p><strong>Stehen Sie immer noch jeden Morgen um 5 Uhr auf?</strong><br />
Um Viertel vor Fünf! Heute morgen zum Beispiel hatte ich mein erstes Meeting um 6:45 Uhr.<br />
Der grösste Teil meiner Aufgabe ist nun erledigt, die Sanierung abgeschlossen. Das heisst, ich musste einige Unternehmensbereiche liquidieren, restrukturieren oder verkaufen. Als Folge davon hat sich die Belegschaft der BZM-Gruppe von 720 Personen auf 150 Personen reduziert. Dafür steht die Basler Zeitung nun wieder auf einem soliden wirtschaftlichen Fundament und wird eine vernünftige Rendite erzielen.</p>
<p><strong>Ist es nicht eine seltsame Situation? Die Wirtschaftsstadt Zürich hat nun den linksliberalen Tages-Anzeiger und die Daig-Stadt Basel hat die rechtsliberale Basler Zeitung.</strong><br />
Mit Markus Somm hat sie einen hervorragenden Chefredaktor, der zum Beispiel an der Spitze der NZZ eine sehr gute Figur machen würde – aber verstehen Sie mich nicht falsch, ich will ihn nicht loswerden! Ohne Lasten und Abschreibungen ist die Basler Zeitung jetzt wieder eine interessante Zeitung. Ich habe Herr Blocher gesagt, dass, wenn er sie wieder verkaufen möchte, er das jetzt machen soll. Er will sie nicht verkaufen, doch jetzt wäre ein guter Zeitpunkt.</p>
<p><strong>Wenn ich die Basler Zeitung lese, fühle ich mich in die 1980er-Jahre zurückkatapultiert, und manchmal auch in die 1880er-Jahre. Es wird eine abgeschlossene Welt simuliert, in der die Menschen keine ergänzende Medien wie Internet, Fernsehen oder Radio konsumieren und sich nur aus der Zeitung informieren. Eine Welt, wie sie sich Christoph Blocher zu wünschen scheint.</strong><br />
Ich bin ja der Informationsflut durch das Internet auch ausgesetzt und genau deshalb wird die gedruckte Zeitung niemals vom Markt verschwinden. Es hat noch nie ein neues Medium ein altes ersetzt, sondern nur ergänzt. Wer vertiefte Information will, greift auch heute und in Zukunft noch zur Zeitung.</p>
<p><small>Das Gespräch mit Rolf Bollmann wurde am 31. Januar 2014 in Zürich geführt. Das <a href="http://fcwinterthur1896.com/1975-76/">Mannschaftsfoto des FC Winterthur</a> verwenden wir mit freundlicher Genehmigung von <a href="http://fcwinterthur1896.com/">Fcwinterthur1896.com</a>.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/02/12/die-unabhaengigkeit-vom-werbemarkt-ist-der-traum-aller-verleger/">«Die Unabhängigkeit vom Werbemarkt ist der Traum aller Verleger»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Vergesst Stilnoten, Trefferpunkte zählen!</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/11/16/vergesst-stilnoten-trefferpunkte-zaehlen/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2012/11/16/vergesst-stilnoten-trefferpunkte-zaehlen/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Markus Schär]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 16 Nov 2012 13:36:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Standpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Medienvielfalt Holding AG]]></category>
		<category><![CDATA[Roger Köppel]]></category>
		<category><![CDATA[Basler Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Tito Tettamanti]]></category>
		<category><![CDATA[Weltwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Mainstream]]></category>
		<category><![CDATA[Constantin Seibt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Constantin Seibt bot jüngst mit seiner fulminanten Rede gegen Weltwoche und Basler Zeitung bestes Anschauungsmaterial dafür, dass es Journalisten braucht, die mit unbequemen Fakten und Thesen zum Widerspruch herausfordern. Anders als Seibt es wahrhaben will, tragen auch die kritisierten Blätter zum publizistischen Wettbewerb bei. Wer sie als «Anti-Mainstream» abtut, macht es sich zu einfach. – <a href="https://medienwoche.ch/2012/11/16/vergesst-stilnoten-trefferpunkte-zaehlen/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/11/16/vergesst-stilnoten-trefferpunkte-zaehlen/">Vergesst Stilnoten, Trefferpunkte zählen!</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Constantin Seibt bot jüngst mit seiner fulminanten Rede gegen Weltwoche und Basler Zeitung bestes Anschauungsmaterial dafür, dass es Journalisten braucht, die mit unbequemen Fakten und Thesen zum Widerspruch herausfordern. Anders als Seibt es wahrhaben will, tragen auch die kritisierten Blätter zum publizistischen Wettbewerb bei. Wer sie als «Anti-Mainstream» abtut, macht es sich zu einfach. – Anmerkungen eines Betroffenen.<br />
<span id="more-11490"></span><br />
«Zwei Standpunkte, zwei Meinungen, zwei Welten» kollidieren jeden Montagabend auf Radio 1: <a href="http://www.radio1.ch/de/podcasts/podcast-roger-gegen-roger.html" target="_blank">Bei «Roger gegen Roger»</a> duellieren sich Köppel und Schawinski auf Augenhöhe und öfter mal unter der Gürtellinie, sodass es für ein harmoniebedürftiges Thurgauer Gemüt kaum zum Aushalten ist. Wer den Fight gewinnt, kann jeder selber entscheiden; die Funken, die im Clash der Fakten, Argumente und, ja, Welten sprühen, erhellen aber alle mit ein bisschen Erkenntnisgewinn. «Roger gegen Roger» ist deshalb – wie einst die «Arena» mit «Peter (Bodenmann) gegen Christoph (Blocher)» – das derzeit wichtigste und wertvollste Gefäss des Schweizer Politjournalismus.</p>
<p>Zwei Welten prallten auch zusammen, als die Medienvielfalt Holding letzten Freitag zum Podium bat. Über «Die Rolle der Medien in der Demokratie» sprachen der SRF-Direktor, der NZZ-Chefredaktor und <a href="http://www.weltwoche.ch/die-weltwoche/details/article/die-rolle-der-medien-in-der-demokratie.html" target="_blank">der Weltwoche-Verleger</a>; Medienprofessor Vinzenz Wyss höhnte angesichts dieser Top-Besetzung aus Gründen, die sich nur ihm erschliessen, über eine «dubiose Veranstaltung». Und Tito Tettamanti, der für seine Bücher und Tagungen seit je die stärksten Köpfe aus dem ganzen Spektrum sucht, stellte auch den schärfsten Kritiker aufs Podest: Constantin Seibt bot brav, was von ihm zu erwarten war – <a href="http://blog.tagesanzeiger.ch/deadline/index.php/1769/presse-demokratie-und-meinung-eine-rede-vor-den-aktionaren-und-freunden-der-basler-zeitung/" target="_blank">eine brillante Rede</a>, mit der er die Gastgeber frontal angriff.</p>
<p>Tettamanti, wie ich ihn (flüchtig) kenne, auch Köppel und Somm, wiewohl als «Prediger» verhöhnt, freuten sich vermutlich, dass ihnen der Sohn eines Unternehmensberaters Denkanstösse zur Profitmaximierung in Politik und Publizistik gab: Über die Mittel und die Methoden, wie sie Meinungsvielfalt herstellen oder auch nur ihre Meinung verbreiten wollen, müssen sie wirklich nachdenken. Dass sie ein Problem haben, wissen sie selber wohl am besten.</p>
<p>Dieses Problem zeigten gerade die Reaktionen auf die Provokation. Dass laut Vinzenz Wyss «betretenes Schweigen» und «dicke Luft» herrschten, kann zwar auch an seiner Wahrnehmung liegen: Die Medienprofessoren wünschen sich den demokratischen Streit ja möglichst dezent. Und wer, bitte, hätte spontan bei dieser Breitseite dagegenhalten können? Dass die NZZ den Clash nur als <a href="http://www.nzz.ch/aktuell/zuerich/stadt_region/sorge-um-die-branche-und-ein-hahnenkampf-1.17784440" target="_blank">«Hahnenkampf» und als «Gezänk zwischen Selbstgerechten»</a> würdigen konnte, stimmt dagegen nachdenklich. Und was «eine bekannte, politisch und wirtschaftlich gutfreisinnig vernetzte Frau» bei der Rede von Seibt ihrem Tischnachbarn ins Ohr flüsterte, sodass es <a href="http://www.tageswoche.ch/de/2012_45/schweiz/480301/gipfeltreffen-schweizer-medienfuersten.htm" target="_blank">die Tageswoche mitbekam</a>, beleidigt die Gastgeber in ihrer Liberalität: «Der ist aber wahnsinnig mutig.»</p>
<p>Vor allem: Über diesen wahnsinnigen Mut, dass er es ihnen gesagt hatte, brach auf Twitter und Facebook der Jubel aus – am lautesten von jenen Leuten, die die Weltwoche jüngst als Inquisition verdammten, weil sie zu ein paar unfehlbaren Professoren Fragen zu stellen wagte. Das berührte mich als Fachmann für Denk- und Schreibverbote seit meiner Jugend als rötestes Tuch im Thurgau etwas eigenartig. Darum dieser Text: keine Replik, weil es für mich wenig zu replizieren gibt, einfach Anmerkungen eines Betroffenen. Ich dachte beim Schreiben mit Hochachtung an meinen Vater, der in den Sechzigerjahren als freisinniger Sekundarlehrer die «nonkonformistische» Zürcher Woche von Wollenberger &amp; Co. las, um sich aufzuregen.</p>
<p>Die medialen Parallelwelten, die Seibt in den USA erkennt und in der Schweiz voraussagt, gab es hierzulande seit je – während mehr als drei Vierteln unserer 200-jährigen Mediengeschichte. Im Thurgau, wie fast überall im Land, erklärte jeder Partei, jeder Konfession und jedem Kaff ein eigenes Blättchen die Welt. Aber immerhin kämpften die Exponenten dieser Parallelwelten um die einzig wahre Sicht. So schlug der legendäre AZ-Redaktor Ernst Rodel lustvolle Schlachten mit dem lokalen Kontrahenten Oberthurgauer in Arbon und der kantonalen Konkurrenz Thurgauer Zeitung in Frauenfeld und stürzte, dank Indiskretionen eines Thurgauer SP-Nationalrats, den freisinnigen Nationalbankpräsidenten. Diese Schlachtordnung hielt im Thurgau bis ins 21. Jahrhundert, also bis Tamedia und St. Galler Tagblatt die Thurgauer Blätter übernahmen. Als ich 1975 nach der Matur bei der TZ ein Volontariat machte, sagte mir der SVP-Chefredaktor über den gemeinsamen Schreibtisch hinweg: «Es tut mir Leid – wenn Sie mit der SP sympathisieren, kann ich Sie nicht anstellen.» Ich konnte also im Thurgau nicht als Journalist arbeiten, nur 1984 die Thurgauer AZ beerdigen helfen, weil es die Parallelwelt des roten Arbon nicht mehr gab.</p>
<p>In höher entwickelten Gebieten setzte sich schon damals statt den Parteiblättern die Forumszeitung durch. Sie sollte den Meinungsstreit internalisieren, also in einem Blatt anstreben, was Seibt als die Aufgabe der Presse bezeichnet: «Mal recht, mal schlecht einen Mainstream herzustellen: eine holprige, vage, aber dennoch brauchbare Einigung über Fakten und Einschätzungen, aufgrund derer man debattieren kann.» Dieser Mainstream dümpelte aber nicht in der Mitte, sondern bei immer mehr Blättern links davon. Wenn er noch um Meinungen stritt, dann von NZZ bis WOZ unisono als Anti-Parteiblatt gegen Blochers SVP. Und er erliess dabei seine eigenen Denkverbote.</p>
<p>Deshalb war die Weltwoche von Roger Köppel ab 2002 eine solche Sensation – auch für mich. Ich hatte in den Neunzigerjahren meine Erfahrungen mit Denkverboten vertieft, als Freier mit Redaktionsbeamten beim Tages-Anzeiger und als Provinzpolitiker mit der SPS unter Ursula Koch. Und ich hatte von meiner inzwischen verstorbenen Frau erfahren, was in der realen Welt der Asylantenbetreuer, Amtsvormünder und Fürsorger, aber nicht in den Medien stattfand.</p>
<p>Darüber schrieb ich in der Weltwoche. Eine Geschichte über die Asylindustrie löste 2002 einen Proteststurm aus, samt heute nicht mehr denkbaren Blogkommentaren von Bundesamtsdirektor Jean-Daniel Gerber oder Nationalrätin Regine Aeppli, und brachte mir eine Rüge des Presserates ein, weil ich zwar die Jahresberichte aller Hilfsorganisationen ausgewertet und einen einstündigen Monolog des SRK-Zuständigen erduldet, aber keine Stellungnahme der – gar nicht direkt angegriffenen – Flüchtlingshilfe eingeholt hatte. Inzwischen stellt auch Bundesrätin Sommaruga fest, dass die Anreize im Schweizer Asylwesen kreuzfalsch sind. Eine Geschichte zum Schleudertrauma führte 2005 zu einer Ehrverletzungsklage samt persönlicher Betreibung auf zwei Millionen, die Folgegeschichten in Facts und SonntagsZeitung trugen mir je eine erfolgreiche Presseratsbeschwerde von Anwälten aus der Schleudertrauma-Industrie ein. Die Sicht von Prof. Erwin Murer, der ich zu Publizität verhalf, gilt jetzt am Bundesgericht. Und die Folgen der Geschichten zur Sozialhilfe – auch zum kriminellen 13-jährigen Roma-Mädchen von Rüschlikon, das ich bei mir zuhause kennengelernt hatte –, die Kollege Alex Baur mit noch härteren Fakten weiterführte, sind bekannt.</p>
<p>Schrieb ich also Geschichten, «bei denen man das Gefühl hat, man müsse sie erst persönlich nachrecherchieren», wie Seibt behauptet (der bekanntlich keinen gesteigerten Wert auf Recherche legt)? Blödsinn, die aufwendig recherchierten Fakten missfielen, deshalb musste man sie mit wohlfeilem Protestgeheul wegen der Wertungen übertönen. Die Aufregungen dieses Jahres wegen BaZ und Weltwoche kamen mir als Aussenstehendem denn auch einigermassen vertraut vor: Ging es nur um den untolerierbaren Stil, als die Gutmenschen in Einheitsfront die Verbalattacken von Urs Paul Engeler auf Hildebrand verurteilten, sich über das Titelbild für die Roma-Geschichte erregten oder den Begriff «Irrlehren» wegen seiner historischen Belastung verdammten, auch wenn sie bis dahin «Inquisition» kaum buchstabieren konnten? Die Antwort gab – unfreiwillig – der coole Rechercheur Hansjürg Zumstein: In seinem preisgekrönten Dokfilm zum Fall Hildebrand bestätigte er die Darstellung der Weltwoche vollumfänglich – die distinguierten Kollegen schwiegen ihn tot. Nicht der Stil störte sie also, sondern die Fakten.</p>
<p>Dass der Mainstream nicht zur Meinungsvielfalt, geschweige denn zur Wahrheitssuche im Widerstreit der faktengestützten Argumente führt, kann Seibt im eigenen Blatt besichtigen. Res Strehle – den Köppel als brillanten, auch als Marx-Exeget liberalen Journalisten zum Magazin holte – führte zwar ein, was Ex-TA-Redaktor Richard Aschinger in seinem Büchlein über die Medienlandschaft Schweiz angewidert feststellt: «Auf der Meinungsseite des ‚Tages-Anzeigers’ scheint heute fast alles möglich. Und das Gegenteil auch.» Bei vielen Themen – es folgt nur eine kleine Auswahl, wo ich mich auskenne – ist aber beim TA noch heute nur eine Meinung möglich: Er feiert Studien von Avenir Suisse auf der Frontseite, wenn sie seine Weltsicht bestätigen (Raumplanung), und schweigt sie tot, wenn nicht (PK, Steuern, Service public). Er dient als Sprachrohr für die Schleudertrauma-Industrie und nimmt dabei selbst Bundesgerichtsurteile nicht zur Kenntnis. Oder er gibt ungefiltert wieder, was die Klimaforscher-Kollegen des alleinzuständigen Redaktors predigen – ausser wenn eine ihrer Studien den Konsens infrage stellt.</p>
<p>Die Medien müssten die Meinungsvielfalt «nicht notwendigerweise im eigenen Organ» gewährleisten, sagte Köppel an der Veranstaltung der Medienvielfalt Holding. Während es für einen Anzeiger mit Forum-Anspruch etwas peinlich ist, wenn er Fakten und Argumente ausblendet, könnte es sich die Weltwoche also leisten, wie einst ein Parteiorgan eine Linie durchzuziehen. Die Gefahr, dass Parallelwelten entstehen wie in den USA oder bis 1980 in der Schweiz, erscheint mir klein. Noch löst jedes Provokatiönli zuverlässig landesweit Protestgeheul aus. Und während in der Ära der medialen Parallelwelten nur deren Exponenten debattierten, diskutiert heute dank Social Media mit, wer will (sogar subalternes Personal wie hier, ohne Absprache übrigens). Wie meine persönlichen Beispiele zeigen, lässt sich über die Jahre durchaus etwas bewegen. Gefürchtet ist die Weltwoche nicht wegen ihrer Provokationen oder «wegen des engen Bündnisses mit dem reichsten Politiker des Landes», wie Seibt behauptet, sondern wegen ihrer Fakten – vor allem jener von Urs Paul Engeler, der in seinem Vierteljahrhundert in Bern mehr aufdeckte als alle anderen Bundeshäusler zusammen.</p>
<p>Aber Köppel sagte im selben Satz auch, es brauche die Meinungsvielfalt «mit Blick auf die Öffentlichkeit in einem Land». Deshalb sollte er – und vor allem Markus Somm als Chef eines bisherigen Monopolblatts – es den Protestlern nicht so leicht machen, sein Blatt als langweilig, weil berechenbar abzutun oder wegen seines Stils anzugreifen, um von den Fakten abzulenken. «Roger gegen Roger» genügt nicht als Grundversorgung für das Debattenduell in diesem direktdemokratischen Land. Wir brauchen mehr solchen Catch-as-catch-can, bei dem es nicht um Stilnoten, sondern um Trefferpunkte geht, also mehr Journalisten wie Constantin Seibt, der auch einem Gastgeber seine Meinung zumutet, oder wie NZZ-Inlandchef René Zeller, der sich als «muntere freisinnige Kampfmaschine» (Jean-Martin Büttner) ins Getümmel stürzt.</p>
<p>Obwohl älter als Seibt, habe auch ich 1968 verpasst und das mit der Dialektik nach Hegel und Marx nie richtig gelernt. Aber immerhin so viel begriffen: Evolution geschieht nur im Wettbewerb. Also wenn Thesen auf Antithesen prallen und die Erkenntnisfunken sprühen. Und nicht, wenn sich Mainstream und Anti-Mainstream bockig gegenüberstehen und nichts mehr austauschen ausser Protestgeheul.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/11/16/vergesst-stilnoten-trefferpunkte-zaehlen/">Vergesst Stilnoten, Trefferpunkte zählen!</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>«Blochers Garantie war entscheidend»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/12/20/blochers-garantie-war-entscheidend/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 20 Dec 2011 10:42:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nach Tito Tettamanti ist Georges Bindschedler (58) der zweitgrösste Aktionär der Medienvielfalt Holding AG. Der Verwaltungsrat der neuen Eigentümer der Basler Zeitung ist kein Unbekannter im Mediengeschäft: Bis 2003 war Bindschedler Verwaltungsrat der Berner Espace Media und der Berner Zeitung. Ausserdem engagiert er sich finanziell und als Autor für den «Schweizer Monat». Im Gespräch mit <a href="https://medienwoche.ch/2011/12/20/blochers-garantie-war-entscheidend/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="alignleft" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2011/12/logo_baz.jpg" alt="" width="120" height="123" /> Nach Tito Tettamanti ist Georges Bindschedler (58) der zweitgrösste Aktionär der Medienvielfalt Holding AG. Der Verwaltungsrat der neuen Eigentümer der Basler Zeitung ist kein Unbekannter im Mediengeschäft: Bis 2003 war Bindschedler Verwaltungsrat der Berner Espace Media und der Berner Zeitung. Ausserdem engagiert er sich finanziell und als Autor für den «Schweizer Monat». Im Gespräch mit der MEDIENWOCHE äussert sich der Berner Rechtsanwalt zur Zukunft der BaZ, zur Rolle von Christoph Blocher und sagt, was es mit der Mission der Medienvielfalt Holding auf sich hat.<br />
<span id="more-28959"></span><br />
<strong>Medienwoche: Wann haben Sie erfahren, dass eine neue Trägerschaft für die Basler Zeitung aufgebaut werden soll?</strong><br />
Bindschedler: Das war etwa dann, als Moritz Suter bekanntgegeben hatte, dass er seine Aktien zurückverkaufen werde. Also vor rund zwei Wochen.</p>
<p><strong>Wer hat Sie angefragt, ob Sie als Aktionär einsteigen möchten?</strong><br />
Tito Tettamanti. Mit ihm war ich schon längere Zeit im Gespräch, auch im Zusammenhang mit der Medienvielfalt Holding AG, aber nicht konkret zur Basler Zeitung. Wir kennen uns auch über den «Schweizer Monat» und aus dem Verein Zivilgesellschaft, den Tettamanti bis vor einem Jahr geleitet hatte. Da pflegten wir einen Gedankenaustausch.</p>
<p><strong>War diese Entwicklung für Sie absehbar?</strong><br />
Nein, das kam für mich überraschend, denn ich habe mich mit den Ereignissen in Basel nicht eingehend befasst. Das ging ein bisschen an mir vorbei. Ich selbst wäre nie auf die Idee gekommen, dass ich mich an der neuen Trägerschaft für die Basler Zeitung beteiligen könnte.</p>
<p><strong>Sie sind nach Tito Tettamanti die Nummer zwei in der Medienvielfalt Holding AG mit fünf Millionen investierten Franken und 12,5 Prozent der Aktien. Haben Sie auch entsprechend viel zu sagen? </strong><br />
Das hoffe ich doch, dass ich mich auf der strategischen Ebene einbringen kann. Ich glaube auch, dass Herr Tettamanti das so wünscht, weil er schätzt, was ich für den «Schweizer Monat» getan habe. Natürlich hat Tettamanti das Sagen, er trägt auch die Hauptverantwortung. Aufs Operative habe ich keinen Einfluss. Das ist Sache von Filippo Leutenegger, der als Delegierter des Verwaltungsrats und CEO die Basler Zeitung führen wird.</p>
<p><strong>Christoph Blocher spielt weiterhin eine zentrale Rolle bei der Basler Zeitung. Er trägt das finanzielle Risiko des Druckgeschäfts. Wären Sie ohne die Garantie Blochers auch eingestiegen?</strong><br />
Vermutlich nicht. Man muss schon sehen: Diese Garantie ist der Ersatz für die Buchprüfung. Dank Christoph Blocher konnten wir auf eine Due Diligence verzichten. Wenn es nicht möglich ist, die Geschäftsbücher vor einer Übernahme eingehend zu prüfen, weiss man nicht, worauf man sich einlässt.</p>
<p><strong>Die absehbaren Sanierungsmassnahmen im Druckgeschäft der Basler Zeitung dürften wohl für weitere Unruhe sorgen.</strong><br />
Das gehört halt dazu. Aber ich will Filippo Leutenegger nicht ins Handwerk pfuschen. Er ist dort in erster Linie gefordert und sein Verwaltungsrat der BaZ Holding. Erst in zweiter Linie müssen wir uns damit befassen. Ich habe das volle Vertrauen, dass Leutenegger die richtige Lösung finden wird. Er hat dafür die erforderlichen Kenntnisse und Erfahrungen.</p>
<p><strong>Weshalb engagieren Sie sich in der Medienvielfalt Holding?</strong><br />
Es ist die Freude an den Medien und ein gewisses Verpflichtungsgefühl. Ich will einen Beitrag dazu leisten, dass Medien in der Schweiz überleben können und unabhängig bleiben. Es soll möglichst viele Medien geben mit unterschiedlichen Trägerschaften. Nur das ermöglicht eine Meinungsvielfalt. Die Konzentration fördert den Eintopf. Medien werden heute viel zu oft nur noch als Produkt angeschaut. Das ist eine Überzeugung, die ich mit Tito Tettamanti teile.</p>
<p><strong>Innerhalb der neuen BaZ-Trägerschaft ist es aber nicht gerade weit her mit der Meinungsvielfalt. Verwaltungsrat und Aktionariat sind mehrheitlich im national-liberalen Spektrum zu verorten.</strong><br />
Es ist die Überzeugung aller Beteiligten, dass es wichtig ist, zu verhindern, dass alle Medien im gleichen Topf landen. Unter den Aktionären findet man durchaus unterschiedliche Meinungen und Ansichten. So homogen, wie Sie das darstellen, sind wir dann doch nicht. Klar stehen wir alle auf der liberalen Seite. Das verbindet uns auch. Damit enden aber die Gemeinsamkeiten. Ich kann mir gut vorstellen, dass es zu konkreten Fragen unterschiedliche Meinungen gibt. Aber in der Grundüberzeugung, ein unabhängiges Medium zu erhalten, darin sind wir uns alle einig.</p>
<p><strong>Die neue Trägerschaft der BaZ heisst Medienvielfalt Holding, jene der neugegründeten Tageswoche in Basel heisst Stiftung für Medienvielfalt. Da kann kein Zufall sein.</strong><br />
Wir haben die Ähnlichkeit der Namen zu spät bemerkt und konnten nicht mehr reagieren. Unser Name stand auch schon längere Zeit fest. Aber ich hoffe, dass es nicht zu Problemen führen wird.</p>
<p><strong>Die Turbulenzen um die BaZ rühren im Wesentlichen daher, dass Christoph Blocher mit verdeckten Karten gespielt und auch gelogen hat, was sein Engagement anging. Was sagen Sie dazu?</strong><br />
Ich habe mich nicht näher damit beschäftigt. Das muss ich ganz ehrlich sagen. Damals nicht und auch jetzt nicht. Es interessiert mich auch nicht. Aber ich gehe davon aus, dass wir mit der nun geschaffenen Transparenz über die Eigentumsverhältnisse etwas Ruhe hinkriegen und diese Probleme lösen können.</p>
<p><strong>Das glaube ich Ihnen nicht.</strong><br />
Wissen Sie, das ist jetzt Geschichte. Ich will in die Zukunft schauen, nicht zurück. Wie können wir unsere Mission erfüllen? Das interessiert mich.</p>
<p><strong>Worum geht es bei dieser Mission?</strong><br />
Wir wollen dort aktiv werden, wo wir der Meinung sind, dass die Meinungsvielfalt gefährdet ist. Dazu brauchen wir aber nicht um jeden Preis neue Beteiligungen. Es kann auch sein, dass wir uns nur an der BaZ beteiligen. Dafür unterstützen wir noch andere Projekte, die unserer Mission entsprechen. Etwa die geplante Nachrichtenplattform Les Observateurs von Uli Windisch in der Westschweiz. Oder es ist auch vorstellbar, dass wir als Medienvielfalt Holding eine wissenschaftliche Untersuchung finanzieren, um zu sehen, wie stark die liberale Musik in den Schweizer Medien spielt.</p>
<p><strong>Spielt denn diese «liberale Musik» zu leise?</strong><br />
So direkt würde ich das nicht sagen. Sagen wir es so: Ich habe das Gefühl, dass wir zu viel Mainstream haben in den Medien, zu viel Gleiches auf allen Kanälen. Die Medien transportieren oft kritiklos schemenhafte Haltungen.</p>
<p><strong>Zum Beispiel?</strong><br />
Die Berichterstattung zu den Bundesratswahlen hat in den Medien ein völliges Übergewicht erhalten. Ständig die Spekulationen, wer wird gewählt, wer wird abgewählt. Dabei sind das nicht die wesentlichen Probleme, vor denen die Schweiz steht. Ich denke da an das Gesundheitswesen.  Was zum Beispiel Managed Care genau bedeutet, verstehen die Wenigsten und wohl auch nur wenige Journalisten. Also können Sie es auch dem Publikum nicht erklären.</p>
<p><strong>Das hat oft auch mit mangelnden Ressourcen in den Redaktionen zu tun. Das können Sie ja nun ändern bei der BaZ.</strong><br />
Das werden wir auf jeden Fall versuchen zu tun. Neben den fehlenden Ressourcen liegt es aber auch am Fokus der Medien. Vielleicht sollte eine Redaktion halt nicht alle Kapazitäten dafür aufwenden, über die Bundesratswahlen zu berichten, sondern auch die wichtigeren Dinge nicht aus dem Auge verlieren.</p>
<p><strong>Sie sind ja nicht nur wegen dieser Mission eingestiegen, sondern auch wegen dem Geschäft. Was erwarten Sie da?</strong><br />
Da sollte schon etwas herausschauen. Ein Medienunternehmen muss rentieren, damit es überlebensfähig ist. Wenn es nicht rentiert, findet man auch keine Investoren, die das Unternehmen halten. Die braucht es halt schon irgendwann. Für mich ist die NZZ ein gutes Beispiel. Dort soll ein breites Aktionariat die Unabhängigkeit gewährleisten. Allzu breit darf es aber auch nicht werden, weil sonst das Risiko zunimmt, dass man das Aktionariat nicht mehr unter Kontrolle hat.</p>
<p><strong>Wie geht es nun weiter mit der Medienvielfalt Holding?</strong><br />
Wir treffen uns im Januar zu unserer ersten Verwaltungsratssitzung. Dort wird es darum gehen, dass alle Mitglieder auf dem gleichen Wissensstand sind. Wahrscheinlich liegt der Schwerpunkt bei der Berichterstattung. Und dann müssen wir uns finden.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/12/20/blochers-garantie-war-entscheidend/">«Blochers Garantie war entscheidend»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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