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	<title>Michael Marti | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>Unter dem Content-Diktator</title>
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		<dc:creator><![CDATA[René Worni]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 02 Dec 2011 14:47:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Lieber arbeitslos als Redaktor beim Newsnetz: Das hört, wer mit Angestellten der Tamedia-Plattform für «Qualitätsjournalismus im Netz» spricht. Weil die Chefredaktion ihre Schreiberinnen und Schreiber durch den journalistischen Alltag peitscht, ist die Personalfluktuation rekordverdächtig hoch. Unter diesen Bedingungen bleibt die journalistische Qualität mitunter auf der Strecke. Solange die Zahlen stimmen, ist das für die Verantwortlichen <a href="https://medienwoche.ch/2011/12/02/unter-dem-content-diktator/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/12/02/unter-dem-content-diktator/">Unter dem Content-Diktator</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="alignleft" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2011/07/logo_newsnetz.jpg" alt="" width="120" height="115" /> Lieber arbeitslos als Redaktor beim Newsnetz: Das hört, wer mit Angestellten der Tamedia-Plattform für «Qualitätsjournalismus im Netz» spricht. Weil die Chefredaktion ihre Schreiberinnen und Schreiber durch den journalistischen Alltag peitscht, ist die Personalfluktuation rekordverdächtig hoch. Unter diesen Bedingungen bleibt die journalistische Qualität mitunter auf der Strecke. Solange die Zahlen stimmen, ist das für die Verantwortlichen kein Thema.<br />
<span id="more-28951"></span><br />
Seit dem Start der Onlineplattform Newsnetz sind die Arbeitsbedingungen für Journalistinnen und Journalisten belastend. Stellenwechsel und Abgänge gehören zur Tagesordnung. «Arbeitslose Journalisten gehen lieber stempeln, als bei Newsnetz zu arbeiten», sagen Ehemalige übereinstimmend. Vergangene Woche hatte das Medienportal persoenlich.com die aktuellen Abgänge von einer Redaktorin und vier Redaktoren zum Anlass genommen Chefredaktor Peter Wälty <a href="http://www.persoenlich.com/news/show_news.cfm?newsid=98738" target="_blank">nach den Gründen zu befragen</a>. Wältys Aussagen lösten auf der Redaktion von Tages-Anzeiger Online Kopfschütteln und Verärgerung aus. Man empfand sie – milde ausgedrückt – als beschönigend. «Das Interview ist ein Schlag ins Gesicht für jeden, der mal dort gearbeitet hat oder noch arbeitet», sagt ein Ehemaliger.</p>
<p>Wälty stellte im besagten Interview seine Redaktion als Talentschmiede dar, wo journalistisch unerfahrene Leute gefördert würden. Doch viele sind längst gestandene Berufsleute mit beachtlichem Leistungsausweis. Die Praktikantin wurde nicht aus Talentförderungsmotiven zur Lokalreporterin, sondern füllte lediglich eine freigewordene Lücke. Offenbar ist es nicht leicht, Leute für den Job zu finden. Laut mehreren übereinstimmenden Aussagen sei es in der Regel so, dass Leute nicht von der Konkurrenz abgeworben würden, sondern die erstbeste Gelegenheit packten, die Galeere Newsnetz zu verlassen. «Galeere» ist kein von der MEDIENWOCHE erfundenes Bild, sondern ein gängiges Synonym für die Arbeitsbedingungen beim Newsnetz.</p>
<p>Zwei Zahlenbeispiele für die hohe Personalfluktuation: Von den 40 Redaktorinnen und Redaktoren beim Start im August 2008, haben es lediglich zwölf Personen bis heute ausgehalten. Im Januar 2010, also vor dem Ausbau auf heute etwa 60 Redaktorinnen und Redaktoren (ohne Korrektorat, IT etc.), waren insgesamt 45 Leute auf der Redaktion. Von ihnen haben 25, also mehr als die Hälfte, das Boot verlassen. Und das trotz renommiertem Arbeitgeber Tamedia und schlechten Chancen auf dem Arbeitsmarkt.</p>
<p>Was sind die Gründe? Chefredaktor Wälty will mit Verweis auf das persoenlich.com-Interview, in dem er bereits alles zum Thema gesagt habe, keine weiteren Auskünfte geben. Stellung nimmt Tamedia-Unternehmenssprecher Christoph Zimmer: «Die Anforderungen, die Peter Wälty an sich und seine engagierte Redaktion stellt, sind hoch.» Das Team sei jedoch sehr motiviert und das Arbeitsklima keineswegs schlecht.</p>
<p>Res Strehle, Co-Chefredaktor des Tages-Anzeigers und einstiger Projektleiter des Newsnetz, fühlt sich für eine Beurteilung nicht kompetent: «Ich sehe zuwenig in die Arbeitsbedingungen hinein.» Wälty bestätigt im Interview auf persoenlich.com den hohen Druck auf seine Leute. Das liege jedoch in der Natur des Onlinejournalismus mit mehr als einem Publikationstermin täglich. Doch der Chefredaktor und sein Stellvertreter und Jugendfreund aus Aargauer Tagen, Michael Marti, trieben es auf die Spitze, sagen Newsnetz-Redaktoren übereinstimmend.</p>
<p>Wältys Redaktion schleudert täglich bis zu 20 Storys mit unzähligen Updates auf die Newsnetz-Frontseite. Das beginnt mit der Morgenschicht im Newsressort, wo man spätestens ab 7 Uhr schon die neuesten Updates und Zusammenfassungen von Ereignissen des Vortages lesen kann. Die letzte Schicht endet um Mitternacht. Der Job am Newsdesk aber auch im Lokalressort ist besonders anstrengend. «Ich habe Leute erlebt, die bis zu 14 Tage am Stück durchgearbeitet haben», sagt ein Ehemaliger. «Man kommt am Morgen und klebt dann den Rest des Tages am Bildschirm und am Telefon.» Das hohe Arbeitstempo lasse keine Sekunde, um sich mit Arbeitskollegen auszutauschen, eine eigentliche «Arbeitsstimmung» sei deshalb inexistent. «Manchmal hatte ich das Gefühl, wir schreiben bloss für sich langweilende News-Junkies, die alle halbe Stunde die Tagi-Site mit der Refreshtaste neu laden», sagt ein weiterer ehemaliger Redaktor.</p>
<p>Die Frontseite auf Tages-Anzeiger online wird so zum unübersichtlichen Durchlauferhitzer für Geschichten. Wie lange sie auf der Front bleiben, hängt einzig von den Zugriffszahlen ab. Mit zweifelhaften Folgen: Am Ende eines Wahltages etwa erfährt man auf der Newsnetz-Frontseite nicht mehr, wer eigentlich gewählt wurde. «Aus meiner Zeit als Chef von 20 Minuten Online weiss ich, dass die Nutzungsintensität zunimmt, wenn das Tempo hoch ist», sagte Wälty vor knapp dreieinhalb Jahren zum Start von Newsnetz. Doch das gilt heute offenbar nur noch begrenzt, denn es ist kein Naturgesetz, wonach eine hohe Publikationsfrequenz alleiniger Erfolgsgarant ist. Blick aber auch die NZZ operieren online mit deutlich weniger Geschichten und sind – je nach Messzahlen – nicht weniger erfolgreich.</p>
<p>Die Journalistinnen und Journalisten sehen sich in ein enges Zeitkorsett gezwängt. Die Schreibenden müssen an der 9-Uhr-Sitzung ihre Story samt Titel bereits fertig im Kopf haben, welche die Chefredaktion am liebsten schon bis zum Mittag hätte, und zwar in der exakt von ihr bewilligten Form und Stossrichtung. Meist wird es jedoch später. In der Regel bleibt aber zuwenig Zeit für Recherche, Interviews und das Schreiben. Das führt zu standardisierten, körperlosen Artikeln mit der Gefahr, dass regelmässig dieselben Auskunftspersonen zitiert werden.</p>
<p>Die Chefredaktion wird übereinstimmend für journalistische Argumente und Kritik als weitgehend taub geschildert. Der Führungsstil sei chaotisch und wenig transparent. Die journalistische Erfahrung der Schreibenden sei nicht gefragt und ihre Leistungen würden nicht geschätzt. Wälty sei zwar grundehrlich, habe aber von Journalismus wenig Ahnung, heisst es. Dafür ist sein Stellvertreter Michael Marti zuständig. Marti, einst bei Facts und bei der NZZ am Sonntag, gilt als Wältys «kongenialer» Partner und Journalist mit kreativen Ideen. Er setze jedoch die Redaktion laufend unter Druck, reite endlos auf kleinsten Fehlern seiner Leute herum und lasse Storys regelmässig wieder umschreiben, die nicht wie vereinbart abgeliefert würden. Durchschnittlich erwartet die Chefredaktion von jedem Mitarbeiter zwei Artikel pro Tag. Im News- bzw. Lokalressort oder bei den Webscouts, die Artikel aus anderen Medien «nachdichten» , ist die Frequenz höher. Das Wirtschaftsressort weigert sich jedoch, mehr als eine Story pro Redaktor täglich abzuliefern.</p>
<p>Wälty weiss aus langjähriger Erfahrung, wie eine Geschichte im Web performt. Da ist er in seinem Element, da macht ihm so schnell keiner was vor. In der Branche gilt er deshalb als der wohl Beste seines Fachs. Und das bereits seit seiner Zeit als Leiter von 20 Minuten Online, wo er zusammen mit Geschäftsführer Rolf Bollmann das Newsportal zum kommerziellen Erfolg führte.</p>
<p>Von 20 Minuten hat Wälty auch das Onlinesystem (CMS) übernommen und für Newsnet angepasst. Es heisst – Nomen est Omen – «Content Dictator». Wälty gilt als Maniac, ein von der Webstatistik Getriebener. Und die Zahlen geben ihm Recht. Einzig die Tatsache, dass die vergleichsweise verschlafene NZZ Online gemäss Net Metrix Audit Oktober 2011 dem Tages-Anzeiger Online nur um 10&#8217;000 Unique Clients (auf insgesamt 1,6 Mio. pro Monat) voraus ist, muss den Rechenkünstler zutiefst wurmen.</p>
<p>«Wir werden niemals in Versuchung geraten, einen Tages-Anzeiger zu trivialisieren», sagte Wälty 2008 beim Start. Die Journalistinnen und Journalisten sollten nicht ständig nach dem Webseismographen schielen, welche Story vom Publikum am meisten geklickt werde. Doch das Gegenteil scheint der Fall zu sein und die Klickraten sind der treibende Motor. Beim rasanten Produzieren von Inhalten bleiben viele Geschichten an der Oberfläche oder auf dem Boulevard, wie etwa jüngst eine Strassenumfrage, ob der Grünliberale Martin Bäumle als Politiker noch tragbar sei, nachdem er eine Stripteasetänzerin aus der Ukraine geheiratet hatte. Das wirkt sich auch auf die Qualitätsmarke Tages-Anzeiger aus.</p>
<p>Tagi Co-Chefredaktor Strehle, der schon beim Start von Newsnetz die gegenseitige Befruchtung von Print und Online beschworen hatte, weist solches von sich. «Es gibt zwar ein paar Dinge, die mich stören, Umfragen müssten kontroverser und interessanter sein.» Doch die Onlinekultur tue dem Tagi gut. «Ich sehe keine Gefahr, dass dadurch die Marke Tages-Anzeiger beschädigt wird.» Anders sieht das etwa Markenexperte Thomas Ramseier von Brandpulse, der sich dazu in der MEDIENWOCHE bereits <a href="https://medienwoche.ch/2011/07/19/tagi-auch-tagi-doch-nicht-tagi/" target="_blank">Mitte Juli geäussert hat</a>: «Der Tages-Anzeiger funktioniert eigentlich nicht mehr als Marke. Das Newsnetz (&#8230;) erzählt etwas anderes als die Zeitung.» Laut Strehle soll jedoch die Zusammenarbeit zwischen Print und Online schrittweise verstärkt werden. Allerdings bestehen ausser zwischen dem Online-Lokalressort und dem blauen Bund der Printausgabe keine Berührungspunkte, vielmehr herrscht Gleichgültigkeit. Auf Kaderebene gibt es sogar vereinzelte Feindseligkeiten. Ob der Befruchtungsfaktor steigt, wenn sich im neuen Tamedia-Gebäude an der Zürcher Werdstrasse die Print und Onlineredaktionen räumlich näher kommen, bleibt abzuwarten.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/12/02/unter-dem-content-diktator/">Unter dem Content-Diktator</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Wir da oben, ihr da unten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 21 Apr 2011 07:07:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Standpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Michael Marti]]></category>
		<category><![CDATA[Newsnetz]]></category>
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		<category><![CDATA[Thierry Meyer]]></category>
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		<category><![CDATA[Tages-Anzeiger]]></category>
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		<category><![CDATA[tagesanzeiger.ch]]></category>
		<category><![CDATA[Matthias Chapman]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Auftrag des Bundesrats beschäftigten sich mehrere Studien mit der Qualität der Schweizer Medien, was wiederum von diesen kommentiert wurde. Während sich Andrea Masüger von der «Südostschweiz» über eine «Inflation an Untersuchungen» beklagte, «auf die niemand gewartet» habe, kritisierte Norbert Neininger von den «Schaffhauser Nachrichten» die «für andere schwer verständliche Sprache» der Wissenschaftler. Für den ohnehin <a href="https://medienwoche.ch/2011/04/21/wir-da-oben-ihr-da-unten/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Im Auftrag des Bundesrats beschäftigten sich <a href="http://www.bakom.admin.ch/themen/radio_tv/01153/01156/03479/index.html?lang=de">mehrere Studien</a> mit der Qualität der Schweizer Medien, was wiederum von diesen kommentiert wurde. Während sich <a href="http://www.medienspiegel.ch/archives/002837.html">Andrea Masüger von der «Südostschweiz»</a> über eine «Inflation an Untersuchungen» beklagte, «auf die niemand gewartet» habe, kritisierte <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/medien/man_koennte_es_klarer_sagen_1.10064379.html">Norbert Neininger von den «Schaffhauser Nachrichten»</a> die «für andere schwer verständliche Sprache» der Wissenschaftler. Für den ohnehin nicht überraschenden Befund, dass die eingeleiteten Sparmassnahmen Auswirkungen auf die Qualität hatten, erhalten die Wissenschaftler Zustimmung von den Lesern in den Kommentaren. Die Diskrepanz zwischen den Lesern und den Entscheidungsträgern in den Printverlagen wird immer offensichtlicher &#8211; eine Gefahr für den Journalismus und die Demokratie.</p>
<p><span id="more-28799"></span><br />
Auch Thierry Meyer, Chefredaktor von «24heures», versuchte im zweisprachigen Newsnetz-Politblog zu beweisen, <a href="http://politblog.tagesanzeiger.ch/blog/index.php/115/wie-die-wissenschaft-die-medien-schlecht-macht/?lang=de">«Wie die Wissenschaft die Presse schlecht macht»</a>. Sein Text ist einigermassen überraschend, unterstellt er doch den Bakom-Studien nicht nur «Unwahrheiten», sondern auch «Inhaltsfehler, nicht überprüfbare Thesen und methodologische Lücken»  &#8211; ausserdem sei das Ganze «mit einer Selbstgefälligkeit verfasst, die man nicht einmal dem erst besten Praktikant verzeihen würde».</p>
<p>Doch noch viel mehr ins Staunen gerät, wer die 105 bisher von Lesern des Politblogs abgegebenen Meinungen dazu liest. Man muss schon sehr lange scrollen, bis man auf einen Kommentar stösst, welcher die Kritik von Meyer an den Studien verteidigt (Edith Habermann: «Ich stimme Thierry Meyer weitgehend zu.»). Die meisten Zu-Wort-Meldungen bestätigen den von der Wissenschaft ermittelten Qualitätsverlust. Das hört sich so an:</p>
<blockquote><p>Ich kann keinen wissenschaftlichen Beweis geben, aber aus Sicht eines Leser kann ich den Verfall der Medien nur bestätigen. In der Presse wird heutzutage praktisch nur noch abgeschrieben und relativ viel einfach kopiert. (&#8230;)</p>
<p>Es kopieren alle von den selben Newstickern und der Text wird eigentlich nur mehr leicht modifiziert. (&#8230;)</p>
<p>Mag sein, dass die von T. Meyer zerrissene Studie wissenschaftlich nicht überragend ist. Es würde mich aber wundern, wenn ein engagierter Journalist zufrieden wäre mit dem Tiefgang der heutigen politischen Presse. (&#8230;)</p>
<p>Ich würde behaupten, dass die Qualität seit einigen Jahren ständig leidet und dementsprechend abnimmt! (&#8230;)</p>
<p>Es ist fast schon haarsträubend wie einseitig manche Schweizer Zeitungen berichten. (&#8230;)</p>
<p>Ich finde auch, dass es mit den Medien abwaerts geht. (&#8230;)</p>
<p>Komischer Polit-Blog. Bis jetzt jammern nur die Journalisten – im ersten Beitrag, daß sie es ja nur falsch machen können und man ihnen Unterstützung der SVP andreht, und nun, daß Studien, die mangelnde Qualtiät bescheinigen, ja sooo unseriös sind. Also mit Verlaub, die Qualität der Medien, allen voran der Presse, I S T definitiv am Sinken, nicht nur in der Schweiz, aber ganz besonders in der Schweiz. (&#8230;)</p>
<p>Das finde ich ja mal interessant. Die Journalisten zitieren blind und undifferenziert aus jeder Studie die sie gerade finden und ihrer Ideologie entspricht. Erscheinen sechs (!!!) Studien, welche die schweizerische Medianlandschaft kritisieren, dann werden diese in der Luft zerrissen und unsachlich kommentiert. Genau nach dem Vorwurf, welche die Studien der schreibenden Klasse macht. Kult!</p></blockquote>
<p>Der Newsnetz-Redaktion zugute halten muss man, dass sie sich bemüht, mitzudiskutieren. So beantwortet der stellvertrendende Chefredaktor <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/stichwort/autor/michael-marti/s.html">Michael Marti</a> einige Kommentare. Und Redaktor <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/stichwort/autor/matthias-chapman/s.html">Matthias Chapman</a> sieht das Offensichtliche ein:</p>
<blockquote><p>Da prasselt ja ein voller Korb an Kritik auf uns Medienschaffende nieder. Ich nehme das zur Kenntnis, und gebe weiter jeden Tag mein Bestes.</p></blockquote>
<p>Ich bin überzeugt, dass viele Journalisten täglich ihr Bestes geben. Trotzdem ist die Diskrepanz zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung in den Verlagen bemerkenswert &#8211; und fast scheint, als würde sie direkt proportional zum Einkommen und zur Kaderstellung der Mitarbeiter zunehmen. Das Sahnehäubchen ist dann, so zu tun, als ob es diese sich im Web artikulierende Fremdwahrnehmung gar nicht geben würde.</p>
<p>Es geht nicht nur um die Beurteilung der Qualität, sondern auch um die Herangehensweise an Themen. Nehmen wir das Web: Es kommt in den Zeitungen nach wie vor zumeist negativ vor. Auch sachliche Artikel über die alltäglichen Umwälzungen, die das Web bereits verursacht hat und noch verursachen wird, erscheinen selten. Stattdessen werden Morde mit Computerspielen in Verbindung gebracht. Jugendliche pauschal als Raubkopierer verunglimpft. Publizisten als Klowand-Schmierer dargestellt. Facebook ist ein Sicherheitsrisiko. Google eine Datenkrake.</p>
<p>Keine Frage, die Einsicht, dass das Internet nicht nur Sodom und Gomorrha hervorbringt, ist verbreiteter als auch schon. In Funktionen, in denen sie etwas bewegen und entscheiden könnten, geraten Personen mit solchen Meinungen in etablierten Organisationen aber nur selten. So erreichen die publizistischen Produkte der einst die Gesellschaft so prägenden Verlage je länger je mehr nur einen ausgewählten, finanzstarken, hochgebildeten Club mit einem Durchschnittsalter weit über dem Durchschnitt der Lesenden. Die mit dem Web aufgewachsenen Jugendlichen, also der die Zukunft sichernde Nachwuchs, blättern dagegen gelangweilt in Gratispostillen und fragen sich dann zurecht, warum sie eigentlich Zeitungen lesen sollen. Suchen sie online nach Qualität, werden sie genau so enttäuscht. Geht es nach den Führungskräften der Verlage, sollen sie Zeitungen kaufen und basta! So funktioniert die Marktwirtschaft aber nicht.</p>
<p>Wertvolle publizistische Produkte erreichen die Mitte der Gesellschaft immer weniger. Was nicht verwundert, findet doch die normale Mittelschicht gar keinen Einlass mehr in die Redaktionen, von der nicht so gebildeten Unterschicht braucht man gar nicht erst zu reden. Die «Süddeutsche Zeitung» beispielsweise <a href="http://meedia.de/details-topstory/article/wie-die-sddeutsche-ihre-volontre-rekrutiert_100034371.html">verlangt</a> schon von ihren Volontären zwingend einen Studienabschluss («Abgeschlossenes Studium muss sein, am liebsten Master-Abschluss»).</p>
<p>Journalismus darf nicht als Edukationsprogramm von oben nach unten doziert werden, sozusagen als Transfer von den angeblich gescheiteren zu den angeblich dümmeren Schichten. Journalismus muss aus der Mitte der Gesellschaft für die Mitte der Gesellschaft produziert werden. Wer den Leser mit all seinen Ängsten, Sorgen und Bedürfnissen nicht ernst nimmt, muss sich nicht wundern, wenn dieser sich abwendet und sich weitaus fragwürdigeren Quellen zuwendet. Diese Entwicklung ist nicht nur für den seriösen Journalismus eine grosse Gefahr, sondern für die Demokratie überhaupt.</p>
<p><em>Zum Newsnetz-Politblog siehe auch unseren Beitrag <a href="https://medienwoche.ch/2011/03/07/viel-redundanz-und-wenig-substanz/">«Viel Redundanz und wenig Substanz»</a> vom 7. März 2011.</em></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/04/21/wir-da-oben-ihr-da-unten/">Wir da oben, ihr da unten</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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