<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Myanmar | MEDIENWOCHE</title>
	<atom:link href="https://medienwoche.ch/tag/myanmar/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://medienwoche.ch</link>
	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Tue, 27 Sep 2022 09:30:59 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.9.1</generator>
	<item>
		<title>Wie autoritäre Länder Überwachungstechnik aus China einsetzen</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2022/09/29/wie-autoritaere-laender-ueberwachungstechnik-aus-china-einsetzen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Thomas Paszti]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Sep 2022 10:01:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
		<category><![CDATA[Iran]]></category>
		<category><![CDATA[Myanmar]]></category>
		<category><![CDATA[Türkei]]></category>
		<category><![CDATA[Überwachung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=99737</guid>

					<description><![CDATA[<p>Iran, Myanmar, Russland, Türkei: Autoritäre Staaten rücken bei der Überwachung mit China zusammen, das die Technik liefert.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2022/09/29/wie-autoritaere-laender-ueberwachungstechnik-aus-china-einsetzen/">Wie autoritäre Länder Überwachungstechnik aus China einsetzen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Iran, Myanmar, Russland, Türkei: Autoritäre Staaten rücken bei der Überwachung mit China zusammen, das die Technik liefert.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2022/09/29/wie-autoritaere-laender-ueberwachungstechnik-aus-china-einsetzen/">Wie autoritäre Länder Überwachungstechnik aus China einsetzen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Warum die Rohingya Facebook verklagen</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2021/12/09/warum-die-rohingya-facebook-verklagen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Dec 2021 13:37:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Social Media]]></category>
		<category><![CDATA[Myanmar]]></category>
		<category><![CDATA[Rohingya]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=93428</guid>

					<description><![CDATA[<p>Die muslimische Minderheit der Rohingya wurde in Myanmar verfolgt und vertrieben. Nun wirft sie Facebook vor, zu wenig gegen die Hetze unternommen zu haben.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/12/09/warum-die-rohingya-facebook-verklagen/">Warum die Rohingya Facebook verklagen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die muslimische Minderheit der Rohingya wurde in Myanmar verfolgt und vertrieben. Nun wirft sie Facebook vor, zu wenig gegen die Hetze unternommen zu haben.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/12/09/warum-die-rohingya-facebook-verklagen/">Warum die Rohingya Facebook verklagen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Medien in Myanmar: zum Abschuss freigegeben</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2021/03/16/medien-in-myanmar-zum-abschuss-freigegeben/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Samuel Schlaefli]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Mar 2021 16:49:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Myanmar]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=86909</guid>

					<description><![CDATA[<p>Seit dem Militärputsch in Myanmar vom 1. Februar 2021 hat sich die Situation für Journalisten drastisch verschlechtert. Sie werden überwacht, verhaftet und attackiert. Kritische Medien verlieren ihre Publikationslizenzen und das Militär stürmt Redaktionsbüros. Ausserdem setzt die Militärjunta gezielt Desinformation und moderne Überwachungstechnologie gegen missliebige Medien ein. Ko Kaung Myat Naing ist Reporter für die Nachrichtenplattform <a href="https://medienwoche.ch/2021/03/16/medien-in-myanmar-zum-abschuss-freigegeben/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/03/16/medien-in-myanmar-zum-abschuss-freigegeben/">Medien in Myanmar: zum Abschuss freigegeben</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Seit dem Militärputsch in Myanmar vom 1. Februar 2021 hat sich die Situation für Journalisten drastisch verschlechtert. Sie werden überwacht, verhaftet und attackiert. Kritische Medien verlieren ihre Publikationslizenzen und das Militär stürmt Redaktionsbüros. Ausserdem setzt die Militärjunta gezielt Desinformation und moderne Überwachungstechnologie gegen missliebige Medien ein.</strong><br />
<img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-86910" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/03/MW-Medienzensur-Myanmar-20210316a.jpg" alt="" width="1456" height="976" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/03/MW-Medienzensur-Myanmar-20210316a.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/03/MW-Medienzensur-Myanmar-20210316a-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/03/MW-Medienzensur-Myanmar-20210316a-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/03/MW-Medienzensur-Myanmar-20210316a-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/03/MW-Medienzensur-Myanmar-20210316a-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
Ko Kaung Myat Naing ist Reporter für die Nachrichtenplattform «Democratic Voice of Burma» (DVB). Während der Proteste in seiner Heimatstadt Myeik im Süden Myanmars übertrug er Ende Februar live, wie Polizisten wahllos in Häuser schossen, eine schwangere Frau schlugen und ihr Zuhause plünderten.</p>
<p>Dafür sollte er büssen: Am 1. März kurz nach 22 Uhr kommen die Schergen des Regimes. Sie versammeln sich vor Myat Naings Wohnung und schreien, dass er nach draussen kommen soll. Als er nach einem Haftbefehl fragt, schiessen die Polizisten in die Luft. Als er sie bittet friedlich zu bleiben, schmeissen sie Steine in seine Wohnung. Einer trifft ihn am Kopf. Er ist verletzt und schreit nach Hilfe. Danach rammen sie die Haustür und führen ihn ab. Das alles hat Myat Naing in einem <a href="https://www.irrawaddy.com/news/burma/myanmar-military-cracks-journalists-arrests-lawsuits.html" target="_blank" rel="noopener">Livestream</a> aufgezeichnet. Seither fehlt von ihm jede Spur; die Redaktion weiss nicht, wo er ist.<br />
</p>
<p>Solche Szenen sind im südostasiatischen Staat zwischen Indien und China wieder Normalität, seit sich die Tatmadaw, die allmächtige und in ganz Myanmar gefürchtete Armee, am 1. Februar 2021 an die Macht geputscht hat. In den dritten freien Wahlen seit 2012 hatte die «National League for Democracy» NLD unter Aung San Suu Kyi ihre Popularität weiter ausgebaut. Damit hatte General Min Aung Hlaing anscheinend nicht gerechnet. Ohne jegliche Beweise sprach er wochenlang von Wahlbetrug und riss schliesslich die Macht wieder an sich. Seither sind mehr als 120 friedliche Demonstrierende durch Polizisten oder Soldaten erschossen worden. Über 2100 Politiker, Aktivistinnen, Künstler und Journalistinnen wurden seit dem Coup verhaftet – und jeden Tag <a href="https://aappb.org/?p=13578" target="_blank" rel="noopener">kommen neue dazu</a>.</p>
<p>Sai, der in Wahrheit anders heisst, ist Reporter bei «Myanmar Now». Die Online-Plattform gehört neben «Frontier» und «Irrawaddy» zu denjenigen englischsprachigen Medien, die konstant und fundiert über den Putsch, die Proteste von hunderttausenden vorwiegend jungen Burmesen und Burmesinnen sowie die landesweiten und sektorübergreifenden Streiks berichten. Ich erreiche Sai über eine thailändische SIM-Karte.</p>
<blockquote><p>Der Zugang zum Internet wird seit dem 14. Februar täglich von 1 Uhr in der Nacht bis um 9 Uhr morgens blockiert, manchmal sogar bis Mittag.</p></blockquote>
<p>Roaming übers thailändische Mobilfunknetz ist dann die einzige Möglichkeit, um mit anderen in Kontakt zu bleiben. Sai läuft während unseres Gesprächs per Videochat durch das Zentrum Yangons, der früheren Hauptstadt Rangun. In der Wirtschaftsmetropole und dem Kumulationspunkt der Proteste ist es an diesem März-Nachmittag seltsam ruhig. Wenig Verkehr, keine Garküchen und schwatzenden Menschen am Strassenrand; die Stimmung scheint angespannt. Für den Folgetag sind weitere Proteste angekündigt.</p>
<p>Sai versteckt sich hinter einer schwarzen Sonnenbrille und unter einer Baseballmütze. Er wirkt gefasst, obschon der letzte Monat sein Leben komplett auf den Kopf gestellt hat. Seine Frau und seine fünfjährige Tochter musste er aus Sicherheitsgründen zurücklassen. Genauso wie seine Redaktionskollegen und -kolleginnen ist er ständig unterwegs und wechselt regelmässig die Wohnung. Das ad-hoc Sicherheitsdispositiv beschreibt er so:</p>
<blockquote><p>«Wir haben unsere Telefonnummern geändert, ein Rotationssystem für Übernachtungen in unterschiedlichen Wohnungen aufgestellt, Computer ausgewechselt und mobile Festplatten mit unseren Daten an sichere Orte gebracht.»</p></blockquote>
<p>Die Vorkehrungen sind nötig: Sais Redaktionskollegin, Kay Zon Nwe, wurde am 27. Februar während Protesten in Yangon von der Polizei verhaftet. Am 8. März stürmte die Armee das Redaktionsbüro von <a href="https://www.myanmar-now.org/en/news/myanmar-military-storms-mizzimas-office-in-a-third-raid-on-local-media-in-two-days" target="_blank" rel="noopener">«Myanmar Now»</a>. Da die Plattform seit dem Coup dezentral arbeitet, war jedoch niemand vor Ort.</p>
<p>Die Unterdrückung der Medienfreiheit hat für die Putschisten erste Priorität. Exakt zwei Wochen nach dem Coup kündigten sie eine Änderung des «Electronic Transactions Law» an. Gemäss Paragraph 38c das Gesetzes kann mit drei Jahren Haft bestraft werden, wer «Fake News» oder «Desinformation» online teilt und zu «Verleumdung», «Alarmierung der Öffentlichkeit» und «Zerstörung des öffentlichen Vertrauens» beiträgt. All das macht eigentlich die Militärjunta. Aber Journalisten und Aktivistinnen wussten sofort, dass die neuen Bestimmungen auf sie zielen. Postwendend verurteilten sie die schwammige Definition der angeblichen Straftaten. Fünf Mitglieder des Presserats (Myanmar Press Council) traten zurück. Der Gründer der Yangon Journalism School, Ye Naing Moe, zeigte sich auf «Myanmar Now» jedoch wenig überrascht von den Anpassungen. Der Coup markiere automatisch das Ende aller Grundrechte, darunter auch das Recht auf freie Meinungsäusserung, sagte er gegenüber <a href="https://www.myanmar-now.org/en/news/amended-law-throws-myanmar-back-into-media-dark-age" target="_blank" rel="noopener">«Myanmar Now»</a>.</p>
<blockquote><p>In Mitteilungen vom 13. und 23. Februar verbot das Militär sämtlichen Medien im Land, weiterhin Begriffe wie «Coup», «Militärregime» und «Militärrat» in der Berichterstattung zu verwenden.</p></blockquote>
<p>Daraufhin veröffentlichten über 20 Verlage eine gemeinsame Erklärung, in der sie sich auf Artikel 19 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte beriefen. Sie liessen sich nicht einschüchtern und verkündeten, dass sie weiterhin frei und nach medienethischen Prinzipien über den Coup und die Proteste berichten werden. Doch die Reaktion der Militärregierung liess nicht lange auf sich warten: Am 8. März verkündete ein Sprecher der Junta auf dem Staatssender «MRTV», dass den Medienunternehmen «Myanmar Now», «Mizzima Media», DVB, «7 Day News» and «Khit Thit Media» die Publikations- und Sendeerlaubnis entzogen worden sei.</p>
<p>Deren Mitarbeitende fürchten nun, dass jegliche journalistische Betätigung in die Illegalität verbannt wird und sie als Journalisten noch angreifbarer werden als zuvor. «Wir sind nun am Punkt angelangt, an dem die weitere Ausübung unserer Arbeit mit dem ständigen Risiko verbunden ist, dass wir verhaftet oder getötet werden», sagte Swe Win, der Chefredaktor von «Myanmar Now» als Reaktion auf die <a href="https://www.myanmar-now.org/en/news/junta-raids-myanmar-nows-office-in-downtown-yangon" target="_blank" rel="noopener">Ankündigung</a>. Er war bereits im Dezember 2019 von Unbekannten angeschossen worden und glaubt, dass der Vorfall mit einer Recherche über die Geschäftsinteressen der Familie des aktuellen Generals Min Aung Hlaing zusammenhängt.</p>
<p>Für Sai und viele andere scheint es, als würde sich gerade die Geschichte wiederholen: Wieder schiesst die Junta aufs eigene Volk, wie damals bei den Studentenprotesten von 1988 und der Safranrevolution von 2007, die von buddhistischen Mönchen angeführt wurde. Wieder verschwinden Nacht für Nacht dutzende Regimekritiker in Gefängnissen. Und wieder wird gefoltert und gemordet. Und doch hat sich etwas geändert:</p>
<blockquote><p>Heute kämpft die Junta nicht mehr nur mit Waffen und Gewalt gegen die Freiheit, sondern auch mit gezielten Desinformationskampagnen über die sozialen Medien.</p></blockquote>
<p>So tauchten zum Beispiel zu Beginn der Proteste falsche Pläne auf Facebook auf, die angeblich zeigten, wo sich die Protestierenden versammeln. Damit sollte Chaos gestiftet und die Menschen zerstreut werden. Zudem kursierten Posts, welche die Freilassung von Aung San Suu Kyi ankündigten, worauf ihre Anhänger aus Freude über die positive Wendung den Protesten kurzzeitig fernblieben. Auch Nachrichten zu einer bevorstehenden militärischen Intervention der USA wurden bereits geteilt. «In Myanmar tobt ein Informationskrieg», sagt Sai. «Unsere Redaktion überprüft ununterbrochen Posts und versucht die Falschmeldungen zu entlarven.»</p>
<p>Am 25. Februar <a href="https://www.bbc.com/news/world-asia-56191657" target="_blank" rel="noopener">sperrte Facebook</a> sämtliche offiziellen Accounts des Militärs und der Ministerien, die diesem direkt untersteht. Einige Tage zuvor war bereits die Hauptseite der Armee gesperrt worden. Das Risiko, dass das Militär auf Facebook und Instagram zu Hass und Gewalt aufrufe, sei zu gross, hiess es von Seiten des Tech-Konzerns. Das hat wohl auch mit Versagen in der Vergangenheit zu tun: 2018 kam eine Untersuchung der UNO zum Schluss, dass <a href="https://www.theguardian.com/technology/2018/mar/13/myanmar-un-blames-facebook-for-spreading-hatred-of-rohingya" target="_blank" rel="noopener">Facebook</a> bei der Eskalierung der Gewalt gegen die muslimische Minderheit der Rohingya im Gliedstaat Rakhine zu langsam und ineffektiv gehandelt habe. Über 700&#8217;000 Menschen flüchteten damals nach Bangladesch. Die UNO sprach von einem Genozid und machte die Armee, angeführt von General Min Aung Hlaing, dafür verantwortlich.</p>
<p>Anfang März tauchten dann hunderte von Videos auf, in welchen bewaffnete Männer in Tarnkleidung den prodemokratischen Protestierenden drohen, sie auf offener Strasse <a href="https://www.theguardian.com/world/2021/mar/03/tiktok-urged-take-action-myanmar-death-threat-videos" target="_blank" rel="noopener">zu erschiessen</a>.</p>
<blockquote><p>Auch Falschinformationen von militärtreuen Fernsehkanälen wurden auf TikTok von Accounts mit tausenden von Followern geteilt.</p></blockquote>
<p>So wird behauptet, nicht die Sicherheitskräfte hätten auf die Demonstranten geschossen, sondern Aufwiegler unter den Protestierenden selbst und Studentengruppen, die bereits an früheren Protesten beteiligt waren. Als «Beweis» dafür wurden ungenannte Experten angeführt, welche die eingesetzten Waffen und Projektile untersucht hätten. Und manipulierte Bilder sollten angebliche Mörder in den Reihen der Protestierenden <a href="https://www.frontiermyanmar.net/en/disinformation-campaign-tries-and-fails-to-shift-blame-for-protester-deaths/" target="_blank" rel="noopener">selbst zeigen</a>. Menschenrechtsorganisationen und die UNO hatten indes schon längst Militär und Polizei für die Eskalation der Gewalt und die Morde an friedlichen Protestierenden verantwortlich gemacht.</p>
<p>Damit keine Missverständnisse entstehen: Burmesische Journalisten und Journalistinnen konnten auch vor dem Coup nicht frei arbeiten. Der anfängliche Ausbau der Pressefreiheit nach der Öffnung des Landes seit 2011 unter Thein Sein hielt nicht lange an. Nach der Machtübernahme durch die NLD von 2016 kam es wieder vermehrt zu willkürlichen <a href="https://medienwoche.ch/2020/04/23/myanmar-internetblockaden-und-propaganda-nicht-nur-in-zeiten-der-pandemie/">Verhaftungen und Prozessen</a>. Trotzdem war die Situation noch immer deutlich besser als während der fast 50-jährigen Militärdiktatur, als jeder Artikel, jeder Songtext und jedes Gedicht vor der Publikation durch die Hände der staatlichen Zensoren ging – und kritische Journalisten reihenweise für ihre Arbeit im Gefängnis landeten.</p>
<p>Nach zehn Jahren schleichender und mit Rückschlägen behafteter Demokratisierung droht nun eine Rückkehr in die Diktatur. Sai und seine Kolleginnen fürchten derzeit nichts mehr, als dass die Proteste in Myanmar bald wieder aus den internationalen Medien verschwinden, ihr Land erneut in einen autokratischen Dornröschenschlaf fällt und die Bevölkerung unter der Knute des Militärs für weitere Jahrzehnte in Isolation sich selbst überlassen wird. Sai ist selbst in der Militärdiktatur aufgewachsen. «Ihr müsst weiter über die Gräuel der Militärjunta berichten und dürft uns nicht vergessen», sagt er am Ende unseres Gesprächs. «Ich will nicht, dass meine Tochter die gleiche Hölle durchleben muss wie ich damals als Kind.»</p>
<p>&#8212;<br />
							<h3 style="margin-bottom:20px;display:block;width:100%;margin-top:10px">Armee setzt auf europäische Überwachungstechnologie </h3>
						<style>
				<style>
#wpsm_accordion_86908 .wpsm_panel-heading{
	padding:0px !important;
}
#wpsm_accordion_86908 .wpsm_panel-title {
	margin:0px !important; 
	text-transform:none !important;
	line-height: 1 !important;
}
#wpsm_accordion_86908 .wpsm_panel-title a{
	text-decoration:none;
	overflow:hidden;
	display:block;
	padding:0px;
	font-size: 18px !important;
	font-family: Open Sans !important;
	color:#000000 !important;
	border-bottom:0px !important;
}

#wpsm_accordion_86908 .wpsm_panel-title a:focus {
outline: 0px !important;
}

#wpsm_accordion_86908 .wpsm_panel-title a:hover, #wpsm_accordion_86908 .wpsm_panel-title a:focus {
	color:#000000 !important;
}
#wpsm_accordion_86908 .acc-a{
	color: #000000 !important;
	background-color:#e8e8e8 !important;
	border-color: #ddd;
}
#wpsm_accordion_86908 .wpsm_panel-default > .wpsm_panel-heading{
	color: #000000 !important;
	background-color: #e8e8e8 !important;
	border-color: #e8e8e8 !important;
	border-top-left-radius: 0px;
	border-top-right-radius: 0px;
}
#wpsm_accordion_86908 .wpsm_panel-default {
		border:1px solid transparent !important;
	}
#wpsm_accordion_86908 {
	margin-bottom: 20px;
	overflow: hidden;
	float: none;
	width: 100%;
	display: block;
}
#wpsm_accordion_86908 .ac_title_class{
	display: block;
	padding-top: 12px;
	padding-bottom: 12px;
	padding-left: 15px;
	padding-right: 15px;
}
#wpsm_accordion_86908  .wpsm_panel {
	overflow:hidden;
	-webkit-box-shadow: 0 0px 0px rgba(0, 0, 0, .05);
	box-shadow: 0 0px 0px rgba(0, 0, 0, .05);
		border-radius: 4px;
	}
#wpsm_accordion_86908  .wpsm_panel + .wpsm_panel {
		margin-top: 5px;
	}
#wpsm_accordion_86908  .wpsm_panel-body{
	background-color:#ffffff !important;
	color:#000000 !important;
	border-top-color: #e8e8e8 !important;
	font-size:16px !important;
	font-family: Open Sans !important;
	overflow: hidden;
		border: 2px solid #e8e8e8 !important;
	}

#wpsm_accordion_86908 .ac_open_cl_icon{
	background-color:#e8e8e8 !important;
	color: #000000 !important;
	float:right !important;
	padding-top: 12px !important;
	padding-bottom: 12px !important;
	line-height: 1.0 !important;
	padding-left: 15px !important;
	padding-right: 15px !important;
	display: inline-block !important;
}

			
			</style>	
			</style>
			<div class="wpsm_panel-group" id="wpsm_accordion_86908" >
								
					<!-- Inner panel Start -->
					<div class="wpsm_panel wpsm_panel-default">
						<div class="wpsm_panel-heading" role="tab" >
						  <h4 class="wpsm_panel-title">
							<a  class=""  data-toggle="collapse" data-parent="#wpsm_accordion_86908 " href="javascript:void(0)" data-target="#ac_86908_collapse1" onclick="do_resize()">
																	<span class="ac_open_cl_icon fa fa-minus"></span>
									
								 
								<span class="ac_title_class">
																				<span style="margin-right:6px;" class="fa fa-laptop"></span>
									Mit Drohnen und Hacker-Software gegen die Demokratie								</span>
							</a>
						  </h4>
						</div>
						<div id="ac_86908_collapse1" class="wpsm_panel-collapse collapse in"  >
						  <div class="wpsm_panel-body">
							<p>Das Militär in Myanmar setzt gezielt auf Desinformation über soziale Medien und nutzt eine ganze Reihe neuer technologischer Möglichkeiten, um Journalistinnen und Aktivisten zu verfolgen. Gemäss einer Recherche der <a href="https://www.nytimes.com/2021/03/01/world/asia/myanmar-coup-military-surveillance.html" rel="noopener" target="_blank">New York Times</a> hat die Armee ihr Arsenal an Überwachungstechnologie in den vergangenen Jahren massiv ausgebaut. Gekauft wurden Drohnen aus Israel, Geräte zum Knacken von Smartphones aus Europa und amerikanische Software, um sich in private Computer zu hacken.</p>

<p>Zudem nutzt das Militär heute eine Überwachungstechnologie, um über Social-Media-Posts und die Standortinformationen von Internetroutern an die Adressen von Regimegegnern zu gelangen. Das hat die Auswertung von Haftbefehlen durch die «New York Times» gezeigt. Geliefert haben die Technologie Unternehmen aus China, Russland, Israel und Schweden – oft über Mittelsmänner in Myanmar. Die Käufe im Umfang von mehreren Millionen US-Dollars wurden über das staatliche Budget und unter der Führung der NLD von Aung San Suu Kyi getätigt. Sie sind ein weiterer Beleg dafür, wie viel Einfluss das Militär auch unter der demokratisch gewählten Regierung noch immer behalten konnte.</p>						  </div>
						</div>
					</div>
					<!-- Inner panel End -->
					
							</div>
			
<script type="text/javascript">
	
		function do_resize(){

			var width=jQuery( '.wpsm_panel .wpsm_panel-body iframe' ).width();
			var height=jQuery( '.wpsm_panel .wpsm_panel-body iframe' ).height();

			var toggleSize = true;
			jQuery('iframe').animate({
			    width: toggleSize ? width : 640,
			    height: toggleSize ? height : 360
			  }, 250);

			  toggleSize = !toggleSize;
		}
		
</script>	</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/03/16/medien-in-myanmar-zum-abschuss-freigegeben/">Medien in Myanmar: zum Abschuss freigegeben</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Myanmar: Zensur und Propaganda in Zeiten der Pandemie</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2020/04/23/myanmar-internetblockaden-und-propaganda-nicht-nur-in-zeiten-der-pandemie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Samuel Schlaefli]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 23 Apr 2020 18:06:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Coronavirus]]></category>
		<category><![CDATA[Myanmar]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=77997</guid>

					<description><![CDATA[<p>Seit in Myanmar die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi vor vier Jahren die Regierung übernahm, landen wieder regelmässig Journalisten im Gefängnis. Zugleich werden sie zunehmend von der eigenen Bevölkerung angefeindet und attackiert. Das Hintergrundmagazin «Frontier» hält dagegen und zeigt auch während der COVID-19-Krise, wie unverzichtbar freie Medien sind. Die Pandemie hat das an China grenzende <a href="https://medienwoche.ch/2020/04/23/myanmar-internetblockaden-und-propaganda-nicht-nur-in-zeiten-der-pandemie/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/04/23/myanmar-internetblockaden-und-propaganda-nicht-nur-in-zeiten-der-pandemie/">Myanmar: Zensur und Propaganda in Zeiten der Pandemie</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Seit in Myanmar die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi vor vier Jahren die Regierung übernahm, landen wieder regelmässig Journalisten im Gefängnis. Zugleich werden sie zunehmend von der eigenen Bevölkerung angefeindet und attackiert. Das Hintergrundmagazin «Frontier» hält dagegen und zeigt auch während der COVID-19-Krise, wie unverzichtbar freie Medien sind.</strong><br />
<img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-77998" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/04/MW-Pressefreiheit-Myanmar-20200423.jpg" alt="" width="1456" height="976" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/04/MW-Pressefreiheit-Myanmar-20200423.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/04/MW-Pressefreiheit-Myanmar-20200423-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/04/MW-Pressefreiheit-Myanmar-20200423-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/04/MW-Pressefreiheit-Myanmar-20200423-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2020/04/MW-Pressefreiheit-Myanmar-20200423-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
Die Pandemie hat das an China grenzende Myanmar offiziell erst Ende März erreicht – was Mediziner vor allem auf die bescheidene <a href="https://www.reuters.com/article/us-health-coronavirus-myanmar-idUSKBN21B0HB" target="_blank" rel="noopener">Anzahl Tests</a> zurückführten.</p>
<p>Eine der ersten Reaktionen der Regierung unter Aung San Suu Kyi war die <a href="https://cpj.org/2020/04/myanmar-orders-67-news-websites-blocked-in-crackdo.php" target="_blank" rel="noopener">Blockade von 221 Webseiten</a>, darunter Voice of Myanmar und Narinjara. Grund dafür: «Fake News» zur COVID-19-Pandemie. Was damit gemeint war, wurde nicht explizit genannt. 250 zivilgesellschaftliche Organisationen und internationale NGOs liessen dies nicht gelten: Die Regierung nutze die Krise gezielt, um die ohnehin stark eingeschränkte Meinungsäusserungsfreiheit weiter zu beschneiden. In einem <a href="https://drive.google.com/file/d/11HS-hIftva2HqUIM5lJOduakRoQ-X8IS/view">offenen Brief</a> forderten sie, dass die Internetblockade sofort wieder aufgehoben wird.</p>
<p>Unter der Blockade leiden auch News-Websites aus dem Teilstaat Rakhine, wo eine ethnische Miliz gegen das burmesische Militär für mehr Souveränität kämpft. In letzter Zeit hatten sich Berichte über Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen durch das Militär gehäuft.<br />
<br />
Nach positiven Entwicklungen ab 2012 rutscht Myanmar im Press Freedom Index von <a href="https://www.reporter-ohne-grenzen.de/myanmar/" target="_blank" rel="noopener">«Reporter ohne Grenzen»</a> seit drei Jahren wieder kontinuierlich nach hinten. Heute liegt der südostasiatische Staat hinter Palästina und Südsudan auf Platz 139 von 180. Letztes Jahr publizierte <a href="https://www.hrw.org/report/2019/01/31/dashed-hopes/criminalization-peaceful-expression-myanmar" target="_blank" rel="noopener">«Human Rights Watch»</a> einen alarmierenden Bericht über die zunehmend eingeschränkte Pressefreiheit in Myanmar.</p>
<p>Zuletzt wurden Anfang April die Chefredaktoren der lokalen Medien Voice of Myanmar, Narinjara und Khit Thit Media verhaftet, nachdem sie vom Militär beschuldigt wurden, Terroristen zu unterstützen. Grund dafür war ein Interview mit dem Sprecher der eingangs erwähnten ethnischen Miliz, der «Arakan Armee». Den drei Journalisten droht lebenslange Haft.</p>
<blockquote><p>Nach 50 Jahren Militärdiktatur und nahezu kompletter Isolation sehnten sich die Menschen danach, wieder Teil der Welt zu werden.</p></blockquote>
<p>Als ich im September 2016 eine Stage als Reporter für die zweisprachige Tageszeitung <a href="https://www.mmtimes.com/" target="_blank" rel="noopener">«Myanmar Times»</a> begann, sah noch alles anders aus. Nach der historischen Wahl von 2015, aus der die «National League for Democracy» (NLD) unter Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi als grosse Siegerin hervorging, schien alles möglich.</p>
<p>Die Hoffnung auf Demokratie und Wandel lag in der Luft. Wer damals in ein Taxi stieg, wurde vom Fahrer oft mit einem herzhaften Lachen, einem «thumbs up» und den Worten «Aung San Suu Kyi good!» empfangen. Nach 50 Jahren Militärdiktatur und nahezu kompletter Isolation sehnten sich die Menschen danach, wieder Teil der Welt zu werden. Viele Medien, NGOs und zivilgesellschaftliche Organisationen waren aus dem Exil ins Land zurückgekehrt und beanspruchten die neuen Freiheiten für öffentliche Debatten und Kritik. Journalistinnen, Schriftsteller, Cartoonisten und Poetinnen hofften, Regierung und das bis heute allmächtige Militär endlich offen kritisieren zu können, ohne dafür gleich ins Gefängnis zu kommen.</p>
<p>Im vergangenen Februar, als Corona noch keine Schlagzeilen machte, war ich für eine Reportage erneut in Myanmar. Ich wollte wissen, wie sich das Land in den fünf Jahren seit dem historischen Regierungswechsel entwickelt hatte. Von meinen ehemaligen Redaktionskollegen und -kolleginnen arbeitete niemand mehr bei der «Myanmar Times». Die einst für ihre kritische Berichterstattung geschätzte Tageszeitung hat sich in den vergangenen drei Jahren stark der Regierung angenähert und ihr einstiges Renommee weitgehend verloren. Ich kontaktierte Thomas Kean, der neun Jahre für die «Myanmar Times» gearbeitet hatte, bevor er Chefredaktor des <a href="https://frontiermyanmar.net/" target="_blank" rel="noopener">Hintergrundmagazins «Frontier»</a> wurde. Woche für Woche produziert seine 25-köpfige, vorwiegend burmesische Crew ein attraktiv gestaltetes Heft voller tiefgründiger Reportagen und kluger Kommentare – eine Art burmesische Version des «Economist» oder «New Yorker».</p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Thomas, wie hat sich der Journalismus in Myanmar in den letzten Jahren entwickelt?</p>
</div><div class="answer"><h4>Thomas Kean:</h4> <p>Werfen wir zuerst einen Blick zurück: Während der Militärdiktatur mussten alle Berichte vor Druck autorisiert werden. Im August 2012 fiel die Vorpublikationszensur praktisch über Nacht. Gleichzeitig wurden private Tageszeitungen erlaubt. Wir erlebten eine Explosion der Meinungsäusserungsfreiheit, dutzende neue Publikationen entstanden. Es war schlicht unglaublich! Das ging so weiter, bis die NLD 2016 die Regierung übernahm. Seither ist es politisch und wirtschaftlich immer schwieriger geworden, eine Medienorganisation am Leben zu halten, die sich dem kritischen, aber fairen Journalismus verschrieben hat.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Weshalb? Schliesslich hatten die NLD und ihre Ikone Aung San Suu Kyi während ihres jahrelangen Kampfes für Demokratie stark von der Unterstützung lokaler und internationaler Medien profitiert.</p>
</div><div class="answer"><h4>Thomas Kean:</h4> <p>Die politische Dynamik hat sich komplett verändert. Als nach der Militärdiktatur die erste zivile Regierung unter Präsident Thein Sein 2011 an die Macht kam und eine vorsichtige Öffnung Myanmars einleitete, hatte sie noch keine Glaubwürdigkeit. Deshalb musste sie Allianzen bilden – auch mit Medien und Journalisten. Thein Sein machte folgende Kalkulation: Wenn wir die Medien auf unserer Seite haben, fällt auch die Berichterstattung über die eingeleiteten Veränderungen wohlwollender aus. Die Medienfreiheit hatte deshalb Priorität. Das hat gut funktioniert, denn die Journalisten konnten die Veränderungen durch die Aufhebung der Zensur in ihrer eigenen Branche miterleben. Sie begannen zu glauben, dass sich Myanmar tatsächlich gerade grundlegend verändert. Die NLD hingegen war in der Bevölkerung dermassen populär, dass sie keine Allianzen schmieden musste. Sie brauchte die Medien nicht, um die öffentliche Wahrnehmung gegenüber ihrer Politik zu beeinflussen. Mittlerweile nehmen die meisten Politiker die Medien nicht mehr als Partner auf dem Weg zur Demokratie, sondern vielmehr als Gefahr für diese wahr – dies obschon die NLD ursprünglich einer Pro-Demokratie-Bewegung entstammt.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Wie hat sich das auf die Arbeit der Journalisten ausgewirkt?</p>
</div><div class="answer"><h4>Thomas Kean:</h4> <p>Der Zugang zu Regierungsinformationen und hohen Beamten ist stark eingeschränkt worden. Die NLD kommuniziert heute meist direkt über Social Media oder eigene Medien mit ihrer Anhängerschaft. Und De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi ist für lokale Medien nicht greifbar. Die Regierung und das Militär nutzen zudem gezielt gesetzliche Rahmenbedingungen aus, die für Journalisten sehr nachteilig sind. Darunter die berüchtigten Verleumdungsklauseln, aber auch Gesetze zur «Wahrung der öffentliche Sicherheit».</p>
</div></p>
<p>Kurz nachdem ich 2016 bei der «Myanmar Times» begonnen hatte, wurde ich selbst Zeuge der Willkür der neuen, vermeintlich demokratischen Regierung, die nach wie vor zu einem Drittel durch das Militär kontrolliert wird. Unsere beste Reporterin, Fiona MacGregor, hatte drei Jahre unermüdlich über die Zustände <a href="https://www.mmtimes.com/national-news/23326-dozens-of-rapes-reported-in-northern-rakhine-state.html" target="_blank" rel="noopener">im Teilstaat Rakhine berichtet</a>; über systematische Diskriminierung, Vergewaltigungen, Exekutionen und die Vertreibung der muslimischen Rohingyas durch das burmesische Militär.</p>
<p>Über <a href="https://www.nytimes.com/2018/11/06/technology/myanmar-facebook.html" target="_blank" rel="noopener">Facebook</a>, das bis heute auf praktisch allen in Myanmar gekauften Smartphones fest installiert ist und sich in der Bevölkerung grosser Beliebtheit erfreut, machten Armeevertreter und fundamentalistische Buddhisten Stimmung gegen Muslime. MacGregors damaligen Darstellungen wurden später durch internationale Medien und <a href="https://www.ohchr.org/EN/HRBodies/HRC/MyanmarFFM/Pages/Index.aspx" target="_blank" rel="noopener">die UNO</a> bestätigt. Am 31. Oktober 2016 wurde MacGregor vom Verlagsmanagement fristlos gekündigt. Der Grund: «vorsätzliche Schädigung der nationalen Interessen und des Versöhnungsprozesses» sowie «vorsätzliche Schädigung der Zeitung».</p>
<p>Der Redaktionsleiter berief eine Krisensitzung ein, die Empörung war riesig. MacGregor verliess das Land umgehend, aus Angst, dass gegen sie ermittelt werden könnte. Ein Verwaltungsratsmitglied des Verlags war bekannt für seine guten Verbindungen zum Militär. Am nächsten Tag klärte die Redaktion die Leserschaft mit einem prominent platzierten Hinweis darüber auf, dass die Berichterstattung in dieser Zeitung künftig Lücken aufweisen werde. Nach kritischen Berichten zu Rakhine suchte man in der «Myanmar Times» fortan vergeblich.</p>
<p>Praktisch alle Mitarbeitenden der englischsprachigen Ausgabe reichten in den kommenden Wochen ihre Kündigung ein. «Wir alle, und ganz besonders unsere burmesischen Kolleginnen, müssen in Zukunft jederzeit mit einer Entlassung rechnen, wenn sie schreiben, was in Rakhine passiert», hatte MacGregor damals kurz <a href="https://webcache.googleusercontent.com/search?q=cache:Cbpu2C4gqRwJ:https://stages.mazblog.ch/neue-zensur-im-vermeintlich-demokratischen-myanmar/+&#038;cd=1&#038;hl=de&#038;ct=clnk&#038;gl=ch" target="_blank" rel="noopener">vor ihrem Abgang gesagt</a>. Sie sollte Recht behalten: Im Dezember 2017 wurden die beiden burmesischen Reuters-Journalisten Wa Lone and Kyaw Soe Oo verhaftet und zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Sie hatten zuvor ein durch die Sicherheitskräfte verübtes Massaker an Rohingyas in Rakhine aufgedeckt. <a href="https://www.nzz.ch/international/burma-laesst-reuters-journalisten-frei-ld.1479915" target="_blank" rel="noopener">Nach internationaler Entrüstung</a> und diplomatischer Intervention kamen sie nach 500 Tagen in Haft frühzeitig frei. Journalistinnen einheimischer Medien können meist nicht auf solche Aufmerksamkeit hoffen.</p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Thomas, wie hat sich die Rohingya-Krise, die sich 2016 zuspitzte und bald darauf international für Schlagzeilen sorgte, auf eure Arbeit ausgewirkt?</p>
</div><div class="answer"><h4>Thomas Kean:</h4> <p>Sie hat die Wahrnehmung der Bevölkerung gegenüber den Journalisten komplett verändert. Das Misstrauen ist mittlerweile riesig. Viele Bürger sind wütend darüber, wie internationale Medien seit 2017 über Myanmar berichten. Und sie folgen der Regierung, indem sie die Arbeit der Journalisten nicht mehr respektieren. Das beeinträchtigt nicht nur die Freiheit von Korrespondenten internationaler Medien, sondern genauso unsere.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Wie äussert sich das im Alltag?</p>
</div><div class="answer"><h4>Thomas Kean:</h4> <p>Einer unserer Reporter war Ende August 2017 in Maungdaw im Norden von Rakhine. Dort hatte kurz zuvor die ARSA (Anm. d. Red.: Arakan Rohingya Salvation Army) mehrere Grenzposten attackiert, worauf das Militär mit ihren Vergeltungsschlägen gegen die Rohingyas begann. Er war dort mit zwei weiteren Journalisten unterwegs – alle aus Myanmar, alle für lokale Medien tätig und alle aus Rakhine und selbst Buddhisten. Sie mussten aus der Stadt fliehen und sich in Sicherheit bringen. Die Bewohner hätten sie sonst wahrscheinlich umgebracht.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Woher kommt diese enorme Wut?</p>
</div><div class="answer"><h4>Thomas Kean:</h4> <p>Viele buddhistische Burmesen haben das starke Gefühl, dass die Rakhine-Krise in den Medien falsch dargestellt wird und die internationale Gemeinschaft zugunsten der muslimischen Rohingya voreingenommen ist. Regierungsmitglieder sagen mir, der Factfinding-Report der UN sei komplett unausgewogen und beziehe sich nur auf Lügen von Rohingyas. Andere erzählen, die «Organisation für Islamische Zusammenarbeit» würde Berichte über Menschenrechtsverletzungen in Rakhine finanzieren. Solche Propaganda wird breit gestreut und hat einen riesigen Effekt darauf, wie die Bevölkerung über die Rohingya-Krise und die Medien denkt.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Wie geht «Frontier» heute mit dem Thema Rakhine um?</p>
</div><div class="answer"><h4>Thomas Kean:</h4> <p>Wir thematisieren die dortige Krise regelmässig. Unsere Berichterstattung liegt nahe an derjenigen internationaler Medien, jedoch mit einer lokalen Perspektive. Kein anderes lokales Medium hat Reporter in die Rohingya-Flüchtlingscamps nach Bangladesch geschickt, um über deren Erfahrungen und Lebensverhältnisse zu berichten. Das sagt viel über die Art aus, wie wir mit dem Thema umgehen.</p>
</div></p>
<p>Während meines Gesprächs mit Thomas Kean Anfang Februar war Covid-19 in Myanmar noch kein Thema. Doch zwei Monate später verschickt «Frontier» einen Notruf an Abonnenten und Mitglieder des Membership-Klubs, auf den das Magazin als Alternative zu Inseraten zunehmend setzt: «Covid-19 hatte schon jetzt massive Auswirkungen auf unsere Einnahmen und derzeit ist nicht absehbar, wann sich diese wieder erholen werden», schreibt Thomas. Der Verlag ruft zu Spenden und zusätzlichen Aboabschlüssen auf. Der Druck wird vorerst ausgesetzt, wegen Distributionsproblemen und um die Sicherheit für die Mitarbeitenden zu gewährleisten. Sämtliche redaktionellen Kapazitäten werden auf die Covid-19-Pandemie angesetzt und alle Artikel zum Thema stehen seither <a href="https://frontiermyanmar.net/en/covid-19" target="_blank" rel="noopener">Online frei zur Verfügung</a>. Thomas sagt, die Regierung kommuniziere aktuelle Fall- und Todeszahlen zwar relativ transparent, es sei jedoch schwierig die Informationen vor Ort zu verifizieren. Dies vor allem, weil die Ärzte und Pflegerinnen den Journalistinnen oft nicht vertrauten. Seine Reporter bleiben hartnäckig – trotz Vertrauensverlust, erneuter Zensur und globaler Wirtschaftskrise.</p>
<p><small>Dieser Artikel wurde finanziell durch den <a href="https://www.real21.ch/" target="_blank" rel="noopener">Medienfonds «Real21»</a> unterstützt.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/04/23/myanmar-internetblockaden-und-propaganda-nicht-nur-in-zeiten-der-pandemie/">Myanmar: Zensur und Propaganda in Zeiten der Pandemie</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>«Mit Podcasts erreichen wir selbst Analphabeten»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2018/12/04/mit-podcasts-erreichen-wir-selbst-analphabeten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Eva Hirschi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Dec 2018 18:54:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Myanmar]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=64090</guid>

					<description><![CDATA[<p>Die Stimme der Ungehörten: Ein Podcast über Menschenrechte soll in Myanmar zur Friedens- und Identitätsbildung beitragen. Dahinter steht eine Schweizer Stiftung. «Interessieren Sie sich für Podcasts?» – «Was sind Podcasts?» – «Audiobeiträge. Wir möchten eine Serie machen zum Thema Menschenrechte.» – «Was sind Menschenrechte?» Zugegebenermassen kein einfacher Start für die Lancierung eines Podcast in Myanmar, <a href="https://medienwoche.ch/2018/12/04/mit-podcasts-erreichen-wir-selbst-analphabeten/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/12/04/mit-podcasts-erreichen-wir-selbst-analphabeten/">«Mit Podcasts erreichen wir selbst Analphabeten»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Stimme der Ungehörten: Ein Podcast über Menschenrechte soll in Myanmar zur Friedens- und Identitätsbildung beitragen. Dahinter steht eine Schweizer Stiftung.</strong><br />
<img decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/12/MW_Podcast-Menschrechte-Myanmar_20181204.jpg" alt="" width="1456" height="976" class="alignnone size-full wp-image-64091" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/12/MW_Podcast-Menschrechte-Myanmar_20181204.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/12/MW_Podcast-Menschrechte-Myanmar_20181204-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/12/MW_Podcast-Menschrechte-Myanmar_20181204-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/12/MW_Podcast-Menschrechte-Myanmar_20181204-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/12/MW_Podcast-Menschrechte-Myanmar_20181204-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
«Interessieren Sie sich für Podcasts?» – <em>«Was sind Podcasts?»</em> – «Audiobeiträge. Wir möchten eine Serie machen zum Thema Menschenrechte.» – <em>«Was sind Menschenrechte?»</em></p>
<p>Zugegebenermassen kein einfacher Start für die Lancierung eines Podcast in Myanmar, wie diese Strassenumfrage zeigt, die die Gründer des neuen Formats <a href="https://frontiermyanmar.net/en/doh-athan" rel="noopener" target="_blank">«Doh Athan» (auf Deutsch: «Unsere Stimme»)</a> letztes Jahr in Yangon durchgeführt haben.</p>
<div data-mode="normal" data-oembed="1" data-provider="youtube" id="arve-youtube-khgpnq55ovq-2" class="arve">
<div class="arve-inner">
<div style="aspect-ratio:500/281" class="arve-embed arve-embed--has-aspect-ratio">
<div class="arve-ar" style="padding-top:56.200000%"></div>
<p>			<iframe allow="accelerometer &apos;none&apos;;autoplay &apos;none&apos;;bluetooth &apos;none&apos;;browsing-topics &apos;none&apos;;camera &apos;none&apos;;clipboard-read &apos;none&apos;;clipboard-write;display-capture &apos;none&apos;;encrypted-media &apos;none&apos;;gamepad &apos;none&apos;;geolocation &apos;none&apos;;gyroscope &apos;none&apos;;hid &apos;none&apos;;identity-credentials-get &apos;none&apos;;idle-detection &apos;none&apos;;keyboard-map &apos;none&apos;;local-fonts;magnetometer &apos;none&apos;;microphone &apos;none&apos;;midi &apos;none&apos;;otp-credentials &apos;none&apos;;payment &apos;none&apos;;picture-in-picture;publickey-credentials-create &apos;none&apos;;publickey-credentials-get &apos;none&apos;;screen-wake-lock &apos;none&apos;;serial &apos;none&apos;;summarizer &apos;none&apos;;sync-xhr;usb &apos;none&apos;;web-share;window-management &apos;none&apos;;xr-spatial-tracking &apos;none&apos;;" allowfullscreen="" class="arve-iframe fitvidsignore" credentialless data-arve="arve-youtube-khgpnq55ovq-2" data-lenis-prevent="" data-src-no-ap="https://www.youtube-nocookie.com/embed/kHGPNQ55oVQ?feature=oembed&amp;iv_load_policy=3&amp;modestbranding=1&amp;rel=0&amp;autohide=1&amp;playsinline=0&amp;autoplay=0" frameborder="0" height="0" loading="lazy" name="" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" sandbox="allow-scripts allow-same-origin allow-presentation allow-popups allow-popups-to-escape-sandbox" scrolling="no" src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/kHGPNQ55oVQ?feature=oembed&#038;iv_load_policy=3&#038;modestbranding=1&#038;rel=0&#038;autohide=1&#038;playsinline=0&#038;autoplay=0" title="" width="0"></iframe></p></div>
</p></div>
<p>	<script type="application/ld+json">{"@context":"http:\/\/schema.org\/","@id":"https:\/\/medienwoche.ch\/2018\/12\/04\/mit-podcasts-erreichen-wir-selbst-analphabeten\/#arve-youtube-khgpnq55ovq-2","type":"VideoObject","embedURL":"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/kHGPNQ55oVQ?feature=oembed&iv_load_policy=3&modestbranding=1&rel=0&autohide=1&playsinline=0&autoplay=0"}</script></p>
</div>
<p>Nicht nur für die Bevölkerung ist eine differenzierte, vielfältige Medienlandschaft ein Novum, auch die Medien selbst wagen sich erst seit ein paar Jahren auf neues Terrain. Während der Herrschaftszeit der Militärjunta von 1962 bis 2011 gab es in Myanmar keine freien Medien und bis 2012 wurde jede Publikation vor dem Druck einer strengen Zensurprüfung unterzogen. Auch erschwinglichen Internetzugang gibt es erst seit ein paar Jahren. Dennoch ist die Pressefreiheit weiterhin stark eingeschränkt, regelmässig werden Journalisten verhaftet, was oft zu Selbstzensur führt. Allein im Jahr 2017 wurden gemäss Reporter ohne Grenzen 20 Journalisten angeklagt.</p>
<p>Das hindert die lokalen Medien nicht daran, sich weiterzuentwickeln und mit der Zeit zu gehen. So wagt das englischsprachige burmesische <a href="https://frontiermyanmar.net/en/" rel="noopener" target="_blank">Magazin «Frontier»</a> den Schritt in die Welt der Podcasts und gehört damit zu einem der wenigen Medien im Lande, die damit experimentieren. «Der Zugang zur gedruckten Presse ist in Myanmar sehr beschränkt. Zeitungen gelangen kaum zu den Dorfbewohnern abgelegener Regionen, unabhängige Magazine noch weniger», erklärt die Schweizerin Gabrielle Kaprielian-Cunin. «Mit Audiobeiträgen erreichen wir zudem selbst Analphabeten.» Zumindest in dieser Hinsicht schon mal ideale Voraussetzungen für den Erfolg von Podcasts.</p>
<p>Gabrielle Kaprielian-Cunin arbeitet für die <a href="https://www.hirondelle.org/fr/" rel="noopener" target="_blank">Schweizer Stiftung «Fondation Hirondelle»</a> in Lausanne, die hinter der Lancierung des Podcast «Doh Athan» steht. Die Stiftung wurde 1995 gegründet und setzt sich für Pressefreiheit und Informationszugang in Post-Konflikt-Ländern ein. Seit 2016 ist die Stiftung auch in Myanmar aktiv. «Unser Ziel ist eigentlich die Gründung eines Radiosenders. Doch in Myanmar gibt es immer noch keine Lizenzen für Privatradios», sagt Kaprielian-Cunin. Der wöchentlich erscheinende Podcast «Doh Athan» ist deshalb ein Pilotprojekt in Zusammenarbeit mit dem Magazin «Frontier», um Erfahrungen zu sammeln und zu sehen, wie so ein Format überhaupt ankommt.</p>
<p>Als sich die burmesische Journalistin Win Zar Ni Aung auf die ausgeschriebene Stelle als Multimedia-Journalistin bei «Frontier» bewarb, wusste allerdings nicht einmal sie selbst, was sie erwartete. Zwar hatte sie bereits sechs Jahre Erfahrung als TV-Journalistin beim Staatsfernsehen gesammelt, doch als sie beim Bewerbungsgespräch gefragt wurde, ob sie wisse, was ein Podcast sei, musste sie verneinen. «Das Projekt klang aber sehr interessant, und die Umstellung zu Audio war für mich als TV-Journalistin nicht gross», sagt die 27-Jährige. «Inzwischen höre ich jeden Morgen Podcasts von BBC.» Auf dem Bild: Win Zar Ni Aung im Aufnahmestudio.<br />
<img loading="lazy" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/12/Podcast_Myanmar_Eva2.jpg" alt="" width="1456" height="971" class="alignnone size-full wp-image-64094" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/12/Podcast_Myanmar_Eva2.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/12/Podcast_Myanmar_Eva2-300x200.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/12/Podcast_Myanmar_Eva2-768x512.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/12/Podcast_Myanmar_Eva2-1024x683.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/12/Podcast_Myanmar_Eva2-728x485.jpg 728w" sizes="auto, (max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
«Der Vorteil von Radio und Podcasts ist sicher, dass Produktion sowie Distribution günstig sind. Im Gegenteil zum Fernseher brauchen die Zuhörerinnen und Zuhörer dafür auch keinen fliessenden Strom. So können Informationen selbst sehr abgelegene Orte erreichen», sagt Kaprielian-Cunin. Die Stiftung hat damit insbesondere in Afrika gute Erfahrungen gesammelt, wo sie im Kongo zwischen 2002 und 2014 zusammen mit der UNO das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Radio_Okapi" rel="noopener" target="_blank">Radio Okapi</a> aufgebaut hat, welches sich inzwischen als Referenzmedium etabliert hat.</p>
<p>Wie aber kommen die Podcasts in Myanmar zu den Leuten? «Die grösste Herausforderung ist natürlich, dass es hier keine Podcast-Kultur gibt», sagt Oliver Slow (auf Bild unten zusammen mit Win Zar Ni Aung). Der Brite ist bei «Frontier» für die Produktion von «Doh Athan» zuständig. Seit sechs Jahren lebt der Journalist in Myanmar. «Ich möchte nicht behaupten, dass wir eine Podcast-Kultur starten werden. Aber wir wollen wenigstens einen Teil dazu beitragen, damit eine Podcast-Kultur hier überhaupt heranwachsen kann», sagt Slow.<br />
<img loading="lazy" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/12/Podcast_Myanmar_Eva1.jpg" alt="" width="1456" height="971" class="alignnone size-full wp-image-64095" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/12/Podcast_Myanmar_Eva1.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/12/Podcast_Myanmar_Eva1-300x200.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/12/Podcast_Myanmar_Eva1-768x512.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/12/Podcast_Myanmar_Eva1-1024x683.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/12/Podcast_Myanmar_Eva1-728x485.jpg 728w" sizes="auto, (max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
Die Herausforderungen waren gerade zu Beginn von sehr konkreter Natur: «Wir haben zum Beispiel schnell einmal festgestellt, dass die Leute die Podcasts nicht von unserer Homepage herunterladen. Deshalb posten wir die Podcasts mittlerweile als Video mit Standbild auf Facebook, so dass sie direkt abgespielt werden können. Das funktioniert viel besser, auch weil Facebook in Myanmar stark verbreitet ist», sagt Slow. Der Podcast wird auch auf Soundcloud und Youtube publiziert, doch fast 90% der Hörerinnen und Hörer von «Doh Athan» kommen via Facebook. Inzwischen zählt der Podcast 10&#8217;000 Zuhörende pro Monat.</p>
<p>Inhaltlich geht es in jeder Podcast-Folge um ein Thema mit Bezug zu Menschenrechten. «Das kann aber fast alles sein; von Landnutzungsrechten über Binnenflüchtlinge zu Umwelt und Religion», sagt Slow. In einer kürzlich erschienenen Episode etwa ging es um das Alltagsleben von Menschen mit körperlichen Behinderungen im Gliedstaat Chin. Nicht nur gibt es für beinträchtige Menschen in Myanmar kaum Arbeitsmöglichkeiten, selbst Bildung bleibt ihnen oftmals verwehrt, wenn sie beispielsweise wegen ihrer Behinderung nicht zu Fuss zur Schule gehen können. Zwar habe die Regierung versprochen, betroffene Menschen monatlich mit umgerechnet 19 Franken zu unterstützen, doch bis anhin haben zumindest die im Podcast interviewten Protagonisten keinen Rappen davon gesehen.</p>
<p>An Themen mangle es «Doh Athan» nicht, sagt Slow, denn leider komme es in Myanmar jeden Tag irgendwo zu Menschenrechtsverletzungen. «Dies oft auch aus dem Grund, weil die Menschen nicht einmal wissen, was ihre Rechte sind. Die Idee hinter dem Podcast ist deshalb auch, sie über ihre Rechte zu informieren, wie etwa das Recht auf Bildung oder auf Land», sagt Slow. «Nur so können die Menschen aufstehen und sich wehren, wenn ihre Rechte verletzt werden.»</p>
<p>Die Menschenrechtsverletzungen finden indes oft auf dem Land statt; bemerkt werden sie in der Nachbarregion oder in der Stadt Yangon kaum, wo die Mehrheit aller Firmen und NGOs sitzt. «Zwischen den zahlreichen Ethnien findet nicht viel Austausch statt», sagt Kaprielian-Cunin, die für das Projekt regelmässig nach Myanmar reist. «Wir möchten aber allen Bevölkerungsschichten, sprich insbesondere in den Randregionen eine Stimme geben, damit auch der Rest des Landes über sie erfährt, und so die Identitätsbildung gefördert wird.»</p>
<p>Der Podcast soll somit auch Gegensteuer zu den bisherigen Medien bieten, welche sehr Yangon-lastig sind. Dafür ist «Doh Athan» Partnerschaften mit kleinen Lokalmedien eingegangen. Diese schicken ihnen einmal monatlich Updates über die Menschenrechtslage in ihrem Gebiet und liefern Themeninputs. Je nach Thema produziert die Partnerredaktion die O-Töne manchmal gleich selbst und schreibt eine erste Fassung des Beitrags. Dafür hat ihnen «Fondation Hirondelle» Aufnahmegeräte und Laptops zur Verfügung gestellt, sowie einen Grundkurs zum Thema Journalismus und Podcast-Produktion durchgeführt. Denn nicht nur die Hörerinnen und Hörer sollen von diesem Projekt profitieren, sondern auch die lokalen Journalistinnen und Journalisten.</p>
<p>Für gewisse Beiträge reist Win Zar Ni Aung selbst in andere Regionen. Sie und Oliver Slow redigieren zudem jeweils die Beiträge, Win Zar Ni Aung spricht den Podcast ein, auf Burmesisch. Die Beiträge werden vom jeweiligen Partnermedium auch in dessen ethnischer Sprache aufgenommen, denn selbst wenn Burmesisch die offizielle Landessprache ist, so verstehen in vielen Teilen des Landes nicht alle Menschen diese Sprache. Teilweise werden die Podcasts zudem auch auf Englisch übersetzt und eingesprochen.</p>
<p>«Wir möchten die verschiedenen Volksgruppen einander näherbringen und ihnen zeigen, dass sie mit ihren Problemen nicht allein sind, sondern auch andere Minderheiten ähnliche Herausforderungen und Frustrationen erleben», so Kaprielian-Cunin. Dabei gehe es nicht zu Letzt auch um Friedensbildung. Finanziert wird der Podcast teilweise durch die Stiftung sowie durch die holländische und die schweizerische Botschaft.</p>
<p>«Doh Athan» existiert nun seit einem Jahr, über 50 Episoden sind bereits erschienen. Bis jetzt hätten sie nie Probleme wie Zensur oder andere Einschränkungen erlebt, sagt Oliver Slow. Selbst über die Rohingyas hätten sie berichtet. «Letztes Jahr haben wir eine vierteilige Serie über den Rohingya-Konflikt im Gliedstaat Rakhine gemacht, und dieses Jahr zwei weitere Episoden sowie zwei aus den Flüchtlingscamps in Bangladesch», so Slow.</p>
<p>Allerdings hätten sie nach der Publikation via Facebook viele negative, beleidigende Kommentare erhalten, die gegen die Rohingyas, aber auch gegen die Journalistin Win Zar Ni Aung gerichtet waren. «Hassrede und Volksverhetzung sind in Myanmar leider sehr verbreitet», sagt Slow. Doch das schüchtert die Redaktion nicht ein, auch nicht die häufigen, willkürlichen Verhaftungen von Journalistinnen und Journalisten.</p>
<p>«Ich mache mir keine Sorgen», sagt Win Zar Ni Aung. Sie überlegt kurz und fügt hinzu: «Meine Mutter zwar schon, sie ruft mich jeden Tag an – mehrmals.» Gerade wenn sie für ihre Beiträge allein in abgelegene Gebiete reisen würde, äussere ihre Mutter Zweifel an ihrem Tun. Doch das sei nun mal ihre Arbeit, so die junge Journalistin. «Ich mache nur meinen Job», sagt Win Zar Ni Aung.</p>
<p><small>Bilder: Eva Hirschi</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/12/04/mit-podcasts-erreichen-wir-selbst-analphabeten/">«Mit Podcasts erreichen wir selbst Analphabeten»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Reporterin in Myanmar: Der etwas andere Redaktionsalltag</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2018/10/15/reporterin-in-myanmar-der-etwas-andere-redaktionsalltag/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Oct 2018 10:44:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Myanmar]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=62206</guid>

					<description><![CDATA[<p>Zwischen Ehrentitel, Facebook-Nachrichten und indischen Mitternachtssnacks im Büro: Ein Einblick in meinen Alltag als Journalistin in Myanmar.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/10/15/reporterin-in-myanmar-der-etwas-andere-redaktionsalltag/">Reporterin in Myanmar: Der etwas andere Redaktionsalltag</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Zwischen Ehrentitel, Facebook-Nachrichten und indischen Mitternachtssnacks im Büro: Ein Einblick in meinen Alltag als Journalistin in Myanmar.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/10/15/reporterin-in-myanmar-der-etwas-andere-redaktionsalltag/">Reporterin in Myanmar: Der etwas andere Redaktionsalltag</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Journalisten leben gefährlich</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/03/21/journalisten-leben-gefaehrlich/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 21 Mar 2015 07:23:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Burma]]></category>
		<category><![CDATA[Myanmar]]></category>
		<category><![CDATA[Markus Spillmann]]></category>
		<category><![CDATA[IPI]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=4336</guid>

					<description><![CDATA[<p>Lange galt in Krisengebieten, dass Journalisten zwar sehr exponiert sind, in der Regel aber nicht direkt angegriffen werden. Das hat sich verändert. Medienvertreter werden immer häufiger Opfer von Gewalt. Das wirkt sich auf die Berichterstattung aus.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/03/21/journalisten-leben-gefaehrlich/">Journalisten leben gefährlich</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Lange galt in Krisengebieten, dass Journalisten zwar sehr exponiert sind, in der Regel aber nicht direkt angegriffen werden. Das hat sich verändert. Medienvertreter werden immer häufiger Opfer von Gewalt. Das wirkt sich auf die Berichterstattung aus.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/03/21/journalisten-leben-gefaehrlich/">Journalisten leben gefährlich</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
