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	<title>Nähe | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>Dann bleiben wir doch lieber per Sie</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Antonio Fumagalli]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 28 Apr 2014 10:27:45 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Nirgends kommen sich Journalisten und Politiker so nah wie im Bundeshaus. Im Klüngel die professionelle Distanz zu wahren, ist nicht immer ganz einfach. Ein Duzis anzunehmen, fällt oft leichter, als auf dem «Sie» zu bestehen. Kürzlich traf ich an einem Samstagnachmittag mitten in Zürich auf eine Nationalrätin. Sie mit Kinderwagen auf dem Weg in ein <a href="https://medienwoche.ch/2014/04/28/dann-bleiben-wir-doch-lieber-per-sie/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Nirgends kommen sich Journalisten und Politiker so nah wie im Bundeshaus. Im Klüngel die professionelle Distanz zu wahren, ist nicht immer ganz einfach. Ein Duzis anzunehmen, fällt oft leichter, als auf dem «Sie» zu bestehen.<br />
<span id="more-19254"></span><br />
Kürzlich traf ich an einem Samstagnachmittag mitten in Zürich auf eine Nationalrätin. Sie mit Kinderwagen auf dem Weg in ein Café, ich auf dem Velo unterwegs zu einem Freund. Wir kennen uns, so wie man als Inlandredaktor manche Parlamentarier kennt – man trifft sich allvierteljährlich in der Wandelhalle, telefoniert dazwischen ab und zu und begegnet sich an Pressekonferenzen.</p>
<p>Besagte Nationalrätin ist nicht viel älter als ich. Würden wir uns an einer Party, im Flugzeug oder an der Migros-Kasse begegnen und wüssten wir nicht voneinander, was unser beruflicher beziehungsweise politischer Hintergrund ist, würden wir uns zweifellos duzen. Doch nicht hier an der Strassenkreuzung im Kreis 4. Wir unterhielten uns völlig entspannt über die (angeblich) stimmfaule Jugend, Doppelbürgerschaften und die Bepflanzung von Dachterrassen. Nach einer Viertelstunde verabschiedeten wir uns, wie wir uns schon begrüsst haben: Mit einem «Sie».</p>
<p>Das ist auch gut so. Das Duzis schafft eine Nähe, die im Umgang mit Politikern problematisch sein kann. Wie kaum eine andere Berufsgattung haben die Volksvertreter ein ureigenes Interesse daran, sich mit den Journalisten gut zu stellen. Als ich das erste Mal in der Wandelhalle war, hatte ich noch dieses überhöhte Bild der «Arena»-Matadoren vor mir. Schnell merkte ich, dass der Hase anders läuft: Es ist einfacher, mit einem Parlamentarier ins Gespräch zu kommen als mit einem Amnesty-Vertreter an der Bahnhofsstrasse. Das gilt sogar für diejenigen, die im Ratssaal sitzen. Müssen sie nicht gerade ein Votum halten oder findet nicht gerade eine Abstimmung statt, lassen sich die Damen und Herren National- und Ständeräte von den Weibeln gerne nach draussen bitten.</p>
<p>Sie tun dies in aller Regel beflissen und äusserst zuvorkommend. Dabei ist es nicht immer einfach, die Distanz zu wahren, die zur Ausübung unseres Berufs nötig ist. Ich versuche zumindest in der Grussform eine Abgrenzung aufrechtzuhalten. Die Parlamentarier sind nicht unsere Feinde. Sie sind aber auch nicht unsere Freunde – obschon einem gewisse Parlamentarier selbstverständlich sympathischer sind als andere.</p>
<p>Als Neuling im Bundesberner Medienkuchen – ich bin seit November dabei – habe ich da natürlich leicht reden: Ich bin selten in eine Situation geraten, in der ich meine journalistische Unabhängigkeit zu hinterfragen begonnen hätte. Das Duzis wurde mir noch nicht oft angeboten – und wenn, habe ich es bei der nächsten Begegnung auch schon wieder «vergessen».</p>
<p>Dass die Situation für altgediente Redaktoren schwieriger ist, liegt auf der Hand. Wer seit zehn Jahren durch die Wandelhalle spaziert, ist unter den Parlamentariern bekannter als manch einer ihrer Ratskollegen. Da lässt sich eine gewisse Kumpanei kaum vermeiden. Und sie kann journalistisch durchaus fruchtbar sein: Der Parteipräsident, der Kommissionssprecher und im besonderen Mass der Hinterbänkler sind eher versucht, einem ihnen seit langem bekannten Journalisten eine potentielle Geschichte zu stecken.</p>
<p>Doch auch für die langjährigen «Bundeshäusler» ist der Grat zwischen der nötigen Empathie, um an möglichst exklusive Informationen zu kommen, und der Gefahr der Beeinflussung schmal. Die Grussform muss nicht zwingend ein Ausdruck von zu viel Nähe sein, kann aber. Legt man das «Sie» und das «Du» in die journalistische Waagschale, finde ich, dass sie auf die Seite des «Sie» kippen sollte. Es ist ja auch das längere Wort.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/04/28/dann-bleiben-wir-doch-lieber-per-sie/">Dann bleiben wir doch lieber per Sie</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Die Bank, die Zeitung und der Journalismus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[René Worni]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 27 Apr 2011 14:30:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Nähe zu den Akteuren ist im Lokaljournalismus Voraussetzung, um an relevante Informationen zu kommen. Aber Vorsicht: Da kann so manches gehörig in die Hosen gehen. Mit ihren Berichten über einen lokalen Bankenskandal mäandriert die Redaktion des Landboten in Winterthur zwischen kritischer Recherche und Schadensbegrenzung für die Bank. Die Leserschaft bleibt dabei im Regen stehen <a href="https://medienwoche.ch/2011/04/27/die-zeitung-die-bank-und-der-journalismus/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Nähe zu den Akteuren ist im Lokaljournalismus Voraussetzung, um an relevante Informationen zu kommen. Aber Vorsicht: Da kann so manches gehörig in die Hosen gehen. Mit ihren Berichten über einen lokalen Bankenskandal mäandriert die Redaktion des Landboten in Winterthur zwischen kritischer Recherche und Schadensbegrenzung für die Bank. Die Leserschaft bleibt dabei im Regen stehen und fragt sich: Wer gängelt hier wen, die Bank die Redaktion oder umgekehrt?<br />
<span id="more-28805"></span><br />
1,9 Millionen Franken sollen Kunden der Raiffeisenbank Winterthur verloren haben, weil die Bank nicht sorgfältig gearbeitet hat, schrieb Stadtredaktor Christian Gurtner im <a href="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2011/04/Landbote+-+6.4.11.pdf">Landboten am 6. April</a> unter dem Titel «Raiffeisen lässt Kunden im Regen stehen». Gurtner bezieht sich auf die Aussagen einer Geschädigten, die mit ihrem Mann zusammen ein Haus bauen lässt. Doch die Zahlungen leitet die Bank, die dem Paar den Generalunternehmer Norbert Moos empfahl, nicht ins Bauprojekt, sondern auf dessen Privatkonto.<br />
Insgesamt entstand auf diese Weise rund einem Dutzend Geschädigter wegen unsorgfältigen Arbeitens der Bank besagter Schaden von 1,9 Millionen Franken. Sie alle klagen als <a href="http://igbaumhaus.jimdo.com/" target="_blank">Interessengemeinschaft</a> gegen Moos und die Raiffeisen-Bank.</p>
<p>Gurtners Artikel ist sauber geschrieben, handwerklich einwandfrei und eine spannende Geschichte, welche nebst des mitunter arroganten Verhaltens der Bankverantwortlichen auch die Ohnmacht von Privaten gegenüber einer Bank exemplarisch zeigt. Die Lokalredaktion des Landboten ist wachsam. Doch drei Tage später, am 9. April, publiziert das Blatt ein Interview mit dem konkursiten Bauunternehmer Moos unter dem Titel «Die Sache tut mir unheimlich leid» – diesmal geschrieben von Redaktor Marius Beerli. Dabei wird man den Eindruck nicht los, Moos sei auf Druck der Bank zur Selbstgeisselung im Landboten angetreten, um von den Raiffeisen-Verantwortlichen abzulenken.</p>
<p>Vier Tage später, am 13. April, lässt die Bank Gabriele Burn, GL-Mitglied von Raiffeisen Schweiz im Landboten auffahren. Diese bekommt eine ganze Seite mit Bild und darf die Vorwürfe weitgehend entkräften: «Es gab keinen Grund, am Generalunternehmer zu zweifeln.» Das Interview mit Titel «Wir lassen uns nicht erpressen» zeichnet der Landbote nur noch scheu mit (red). Dicke Post ist aber ein Kästchen, in dem die Redaktion sich von ihrer Informantin des ersten Artikels distanziert. «Aufgrund der von der Raiffeisen-Bank vorgelegten Informationen sind deren Aussagen unwahr &#8230;», diese sei gar nicht Kundin der Bank. Ist Christian Gurtner bei seiner Recherche ein grober Fehler unterlaufen? Weder eine Stellungnahme der Redaktion, wonach sie an ihrer Darstellung festhält, noch ist das Kästchen erkennbar als Gegendarstellung gekennzeichnet.</p>
<p>Einen Tag später titelt Landbote-Reporter Oliver Graf mit dem Aufmacher «Eine lange Liste von Verdächtigungen» und zeigt die Position der Klägergemeinschaft, nicht ganz eine Seite lang aber ebenfalls mit Bild. Die Klage lautet auf Veruntreuung, betrügerischem Konkurs und Unterschriftenfälschung. Immerhin heisst es hier, dass sich die Strafanzeige auch gegen zwei Mitarbeiter der Bank richtet. Dann passiert fünf Tage lang nichts.  Am 18. April berichtet Roman Banholzer für <a href="http://www.videoportal.sf.tv/video?id=1b980c53-b293-48d6-9f9f-16b49d1c1c87" target="_blank">Schweiz Aktuell</a> über den Fall. Der Logik der Medienhierarchie gehorchend fasst zwei Tage später am 20. April der Landbote ein Herz und nimmt unter dem Titel «Wann wusste die Bank was?» erstmals wieder die Bank direkt ins Visier. Diesmal schreibt Reporter Peter Fritsche, gleichzeitig Winterthurer Korrespondent von Radio DRS und fasst im Wesentlichen den SF-Beitrag zusammen, der weitere bankinterne Ungereimtheiten an den Tag bringt. Und last but not least sieht sich die Redaktion genötigt, ihre Informantin des ersten Artikels reinzuwaschen. «Für die am 13. April publizierte Richtigstellung, wonach die Aussagen der Informantin unwahr seien, entschuldigen wir uns.»</p>
<p>Was hält die Redaktion zurück, die Dinge nach dem spannenden Start weiterhin beim Namen zu nennen? Wurde bloss die journalistische Regel überstrapaziert, stets auch die Gegenpartei zu Wort kommen zu lassen? Die redaktionellen Schlenker werden jedenfalls für die Leser nicht gerade transparent. Chefredaktorin Colette Gradwohl dementiert entschieden: «Wir haben zweimal einen kleinen Fehler gemacht, den wir korrigiert haben. Zuerst mit der Richtigstellung, dass unsere Informantin nicht Kundin der Raiffeisenbank ist und später, dass sie dies gegenüber dem Landboten so nicht gesagt hatte.» Bei <a href="http://igbaumhaus.jimdo.com/medienmitteilungen/zeitungsberichte/" target="_blank">dieser Geschichte</a> sei es logisch, dass man nicht von Anfang an alle Puzzleteile beisammen haben könne. Für die Chefredaktorin ist klar, der Landbote bleibe dran, auch wenn sich die Bank derzeit auf das laufende Verfahren berufe. Das jedenfalls sind klare Worte, die man im Blatt wenigstens in Teilen in einem Kommentar gerne so gelesen hätte.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/04/27/die-zeitung-die-bank-und-der-journalismus/">Die Bank, die Zeitung und der Journalismus</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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