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	<title>New York | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Sun, 29 Sep 2019 15:07:51 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Journalismus 2.0: Die Lösung liegt im Kleinen</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2019/09/26/journalismus-2-0-die-loesung-liegt-im-kleinen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Sep 2019 15:06:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Startup]]></category>
		<category><![CDATA[New York]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Drei Tage New York, elf Termine mit Medien-Start-Ups, Giganten und Leuten, die etwas Neues ausprobieren. Eine Zwischenbilanz des Innovation Field Trips des Digital Journalism Fellowships von Malte Kirchner.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Drei Tage New York, elf Termine mit Medien-Start-Ups, Giganten und Leuten, die etwas Neues ausprobieren. Eine Zwischenbilanz des Innovation Field Trips des Digital Journalism Fellowships von Malte Kirchner.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/09/26/journalismus-2-0-die-loesung-liegt-im-kleinen/">Journalismus 2.0: Die Lösung liegt im Kleinen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Erfolgreicher Widerstand gegen Amazon in New York</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2019/02/15/erfolgreicher-widerstand-gegen-amazon-in-new-york/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 15 Feb 2019 12:23:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[New York]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Weil die Anwohner rebellierten, hat Amazon-Chef Jeff Bezos den Bau der neuen Konzernzentrale in New York kurzerhand abgesagt. Aus Feigheit &#8211; oder aus Arroganz?</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Weil die Anwohner rebellierten, hat Amazon-Chef Jeff Bezos den Bau der neuen Konzernzentrale in New York kurzerhand abgesagt. Aus Feigheit &#8211; oder aus Arroganz?</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/02/15/erfolgreicher-widerstand-gegen-amazon-in-new-york/">Erfolgreicher Widerstand gegen Amazon in New York</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>«Ich wusste, dass es eine gute Story sein würde»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/11/28/ich-wusste-dass-es-eine-gute-story-sein-wuerde/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Stephanie Rebonati]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 28 Nov 2016 14:54:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gespräche]]></category>
		<category><![CDATA[New York Post]]></category>
		<category><![CDATA[Susannah Cahalan]]></category>
		<category><![CDATA[Journalistin]]></category>
		<category><![CDATA[New York]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die amerikanische Journalistin Susannah Cahalan erlitt 2009 eine schwere Autoimmunerkrankung. Dass sie wieder Lesen und Schreiben kann, ist ein Wunder. Ihre Autobiografie wurde zur Nummer eins auf der Bestsellerliste der «New York Times», und feierte als Hollywoodfilm kürzlich am Filmfestival in Toronto Weltpremiere. Mit Susannah Cahalan sprach Stephanie Rebonati in New York. Susannah Cahalan strahlt <a href="https://medienwoche.ch/2016/11/28/ich-wusste-dass-es-eine-gute-story-sein-wuerde/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die amerikanische Journalistin Susannah Cahalan erlitt 2009 eine schwere Autoimmunerkrankung. Dass sie wieder Lesen und Schreiben kann, ist ein Wunder. Ihre Autobiografie wurde zur Nummer eins auf der Bestsellerliste der «New York Times», und feierte als Hollywoodfilm kürzlich am Filmfestival in Toronto Weltpremiere. Mit Susannah Cahalan sprach Stephanie Rebonati in New York.<br />
<span id="more-28469"></span><br />
Susannah Cahalan strahlt als sie den Eingangsbereich des News Corporation Gebäudes an der 6th Avenue in New York City betritt – Zuhause der Mediengiganten Fox News, «The Wall Street Journal» und «New York Post». Sie trägt einen bunten Rock, ein Jeanshemd, ist dezent geschminkt und hat ihr blondes Haar zu einem Dutt zusammengebunden. Sie ist hübsch, jung, voller Energie. Dass sie heute wieder als Journalistin arbeitet, dass sie wieder ihrem Beruf als Buchrezensentin beim Boulevardblatt New York Post nachgeht, dass sie wieder Sprechen, Schreiben und Lesen kann, grenzt an ein Wunder. 2012 erschien Cahalans Geschichte in Buchform und vor kurzem feierte die von Hollywoodstar Charlize Theron produzierte Verfilmung am Filmfestival in Toronto Weltpremiere. Es ist eine Geschichte, die einen nicht mehr loslässt.</p>
<p>Als Susannah Cahalan 24 Jahre alt war, damals bereits Reporterin bei der New York Post, spürte sie eines Tages ihren linken Arm nicht mehr. Sie dachte, sie sei von Bettwanzen gebissen worden, eine weitverbreitete Plage in New York. Sie wurde von der Idee besessen, dass ihre Studiowohnung von den kleinen Viechern befallen war. Sie putzte und putzte und wurde paranoid. Insgeheim fragte sie sich, ob sie übermüdet sei, gestresst, vom Job, von der neuen Beziehung, die sie kürzlich eingegangen war. Eines nachts erlitt sie den ersten epileptischen Anfall. Sie gab ein animalisches Stöhnen von sich, weisser Schaum quoll aus ihrem Mund, und Blut, weil sie in ihre Zunge gebissen hatte. Ihr Freund legte sie in die Seitenlage und rief den Notruf 911.</p>
<p><strong>MEDIENWOCHE: Ihre Geschichte hat zwei Happy Ends. Als Mensch wurden Sie wieder gesund und als Journalistin haben Sie Ihren Job nicht verloren, obwohl sie acht Monate weg waren – von einem Tag auf den nächsten quasi.</strong><br />
Susannah Cahalan: Ja, das stimmt. Als ich nach acht Monaten wieder an meinen Arbeitsplatz zurückkehrte, war alles wie vorher. Auf meinem Pult stapelten sich noch dieselben Bücher, auch alte Kaffeebecher standen rum. Die «New York Post» war sehr zuvorkommend und extrem hilfsbereit während der gesamten Zeit.</p>
<p><strong>Worüber schreiben Sie am liebsten?</strong><br />
Momentan interessiere ich mich sehr für die Wissenschaft, insbesondere für die mentale und psychische Gesundheit des Menschen. Nach meiner Krankheit begann ich mich mit der Schnittstelle zwischen der Neurobiologie und Psychologie zu beschäftigen. Ein sehr spezifisches Thema. Hier bei der «New York Post» bin ich für die Buchrezensionen zuständig, produziere aber mehr, als dass ich schreibe.</p>
<p><strong>Gehen Sie seit Ihrer Krankheit anders an Geschichten ran?</strong><br />
Ja, definitiv. Ich teilte die Welt vor meiner Krankheit viel mehr in schwarz und weiss ein. Was durchaus hilfreich sein kann in unserem Job als Journalistinnen, weil es die Verhältnisse von Dingen um einiges vereinfacht, da sie so leicht einzuteilen sind. Weil ich heute aber mehr über das Wesen unseres Gedächtnisses weiss und vor allem dessen Fehlbarkeit kenne, hat sich meine Sicht auf die Welt verändert. Ich meine, ich weiss wirklich wie es ist, wenn du jemanden eine Situation schilderst und fest davon überzeugt bist, dass sie genau so stattgefunden hat, und die andere Person im Raum empfand es ganz anders, ja gegenteilig. Ich habe während meiner Krankheit zig solche Szenen erlebt. Man beginnt unweigerlich über das Hirn und über die Welt nachzudenken – und ich bin heute eine andere Journalistin.</p>
<p><strong>Inwiefern?</strong><br />
Es ist viel schwieriger geworden, weil meine Welt grauer geworden ist. Sie ist eben nicht mehr schwarz und weiss, sondern viel nuancierter. Ich interessiere mich heute für Fragen und Themen, die mich früher nicht wirklich interessiert haben. Obwohl ich das an dieser Stelle womöglich nicht tun sollte, verwende ich einen Gedanken aus einem Buch, das ich gerade rezensiere und das noch nicht erschienen ist. Da beschreibt der Autor, weshalb sich die Menschen nicht für verrückte Leute interessieren. Weiss man um die Existenz von mentalen Gesundheitsstörungen, sieht man sie plötzlich überall. Er macht ein Beispiel, das ich sehr gut nachvollziehen kann. Man schaut die Tagesschau und da wird über einen Mord berichtet. Man nimmt die Information dieses anscheinend klaren Tatvorgangs nicht wie früher einfach als gegeben auf, sondern fragt sich sofort, ob der Täter psychisch krank war und was wohl die Symptome waren und so weiter. Die gesamte Wahrnehmung verändert sich irgendwie, wenn man sich für die Machenschaften des menschlichen Gehirns interessiert.</p>
<p>Was dem ersten epileptischen Anfall in jener Nacht folgte, war eine siebenmonatige Irrfahrt, ein Höllentrip. Trotz zig Abklärungen und Medikamenten verschlechterte sich Cahalans Zustand zunehmend. Sie halluzinierte, erlitt Psychosen und Panikattacken, sie hörte Stimmen und wurde schizophren, ja verlor den Verstand. Sie konnte keine Sätze mehr bilden und begann, in Zungen zu sprechen. Später wird sie in ihrer Autobiografie «Brain on Fire» eine steile These formulieren: «Wie viele Menschen wurden wohl im Verlauf der Geschichte exorziert und als Hexen verbrannt, weil sie dieselben Symptome aufwiesen wie ich?». Eine schlaue These, denn die Krankheit Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis, an der Cahalan 2009 erkrankte, wurde erst 2007 entdeckt. Doch die Medizin ist sich sicher, dass diese schwere Autoimmunerkrankung seit Menschendenken existiert.</p>
<p>Der NMDA-Rezeptor ist ein Protein, das bei der Signalübertragung im Gehirn eine wichtige Rolle spielt. Erkrankt man an Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis bildet der Körper aus noch unerklärlichen Gründen einen Antikörper gegen dieses Protein, woraufhin sich die Hirnregion entzündet. Als ein syrisch-amerikanischer Neurologe endlich erkennt, woran Cahalan leidet, erklärt er ihren Eltern: «Gehirn und Immunsystem Ihrer Tochter bekämpfen sich». Cahalan war weltweit die 217. Person, bei der die Krankheit diagnostiziert wurde. Mit ihren damals 24 Jahren passte sie perfekt in die Statistik: 80 Prozent der Erkrankten sind Frauen und das Durchschnittsalter liegt bei 23 Jahren. Etwa 75 Prozent überleben mit leichten, 21 Prozent mit schweren neurologischen Schäden, vier Prozent sterben. Mitunter dank Cahalan sind es heute mehrere tausend Patienten mit Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis, die nicht als ungelöste Fälle in der Psychiatrie landen, sondern die richtige Behandlung erhalten – etwa Chemotherapie, Blutplasmatrennung und Cortisongabe.</p>
<p><strong>Sie haben Ihr journalistisches Handwerk eingesetzt, um Ihre Krankengeschichte zu rekonstruieren. Welche Tools haben Sie eingesetzt?</strong><br />
Da ich mich an kaum etwas erinnern kann, ein Monat ist gar ganz aus meinem Gedächtnis verschwunden, musste ich ganz normal eine Recherche beginnen. Ich habe Material gesammelt: die Videoaufnahmen aus der Epilepsieklinik, meine Notizen und Tagebucheinträge aus jener Zeit, meine Krankenakten, Begutachten, Testresultate. Ich habe mit Ärzten, Krankenschwestern, Freunden, mit meinen Eltern, meinem Bruder und meinem Freund Interviews geführt.</p>
<p><strong>Wie fühlte sich das an? Sie waren Ihr eigenes Objekt der Berichterstattung.</strong><br />
Man kommt rasch in einen Konflikt mit dem Anspruch als Journalistin objektiv zu berichten. Das ging in diesem Fall schlichtweg nicht. Auch mein Umfeld, das ich interviewte, die ganzen Leute konnten ja kaum zu hundert Prozent ehrlich sein. In vielerlei Hinsicht erging es mir wie Tom Sawyer, der seiner eigenen Beerdigung beiwohnt. Man hört nur die guten Dinge! Das Buch wäre ein anderes geworden, hätte nicht ich es geschrieben.</p>
<p><strong>Hatten Sie das Gefühl, dass Sie über sich selbst recherchieren?</strong><br />
Nicht wirklich, weil ich die Susannah Cahalan aus jener Zeit nicht als mich sehe. Jene Susannah war sehr weit weg von mir. Ich denke aber, dass diese Distanz auch durchaus nötig war, um dieses Buch überhaupt schreiben zu können.</p>
<p><strong>Weshalb haben Sie sich überhaupt entschieden, ein Buch zu verfassen?</strong><br />
Das klingt vielleicht morbid, aber in meinem Hinterkopf wusste ich wohl als Journalistin, dass das einfach eine gute Story sein würde. Als eine Redakteurin der «New York Post» nach meiner Rückkehr dann sagte, ich solle meinen Themenvorschlag ausarbeiten, war ich in meiner Annahme bestätigt. Dann schrieb ich den ersten Bericht (Anm. d. Red.: dieser wurde mit dem «Silurian Award of Excellence in Journalism» ausgezeichnet und diente als Grundlage für das Buch).</p>
<p><strong>Und eins führte zum nächsten.</strong><br />
Ja. Ich meine, wir sitzen nun hier und unser Interview wird in der Schweiz in Deutsch publiziert. Ich hätte mir nie geträumt, dass sich die Leute für meine Geschichte interessieren würden. Auch während des Schreibprozesses konnte ich mir nicht vorstellen, dass ein Verlag dieses Buch herausgeben möchte und es ein Publikum dafür geben würde. Es erstaunt mich noch immer, dass ich auf so viel Interesse stosse mit meiner Geschichte.</p>
<p><strong>Wie reagierte Ihre Familie auf das Buch?</strong><br />
Meine Eltern sprechen nicht darüber. Sie blenden meine Geschichte geradezu aus und wollen nichts damit zu tun haben. Weder mit dem Buch noch mit den Wohltätigkeitsprojekten, mit denen ich seither zusammenarbeite.</p>
<p><strong>Wenige Monate vor Ihrer Erkrankung haben Sie sich verliebt. Ihr damaliger Freund blieb bis zur Genesung an Ihrer Seite. Was ist aus Stephen geworden?</strong><br />
Komischerweise ist das oftmals die erste Frage, die mir gestellt wird. Ich sage Stephen immer wieder, dass die Leute sich vielmehr für ihn interessieren als für mich. Ich darf stolz sagen, dass er heute mein Ehemann ist. Wir haben vor einem Jahr geheiratet.</p>
<p><strong>Herzliche Gratulation!</strong><br />
Vielen Dank! Stephen ist grossartig. Dass er in jener Zeit zu mir gehalten hat, ist nach wie vor überwältigend für mich.</p>
<p><strong>Kürzlich feierte die Verfilmung Ihrer Autobiografie am Filmfestival in Toronto Weltpremiere. Waren Sie bei der Filmproduktion involviert?</strong><br />
Ich war während den Dreharbeiten in engem Austausch mit der Schauspielerin Chloë Grace Moretz, die mich darstellt. Ich konnte ihr so leicht Informationen liefern über mein damaliges Befinden. Ich habe auch das Drehbuch gelesen, um sicherzustellen, dass der ganze medizinische Sachverhalt korrekt wiedergegeben wird. Die gesamte Filmcrew war sehr kooperativ.</p>
<p><strong>Sie sind heute 31. Wie nehmen Sie ihr bisheriges Leben wahr?</strong><br />
Ich teile es in vier Episoden ein. Vor und während der Krankheit sowie Genesung und danach. Wenn mich heute jemand etwas fragt oder mir jemand etwas erzählt von früher, irgendwas, suche ich automatisch die entsprechende Episode und kann das Gesagte so einteilen. Ich denke, jeder, der traumatisiert war, teilt sein Leben in prä und post ein. Es fühlt sich zumindest in meinem Fall wie die Geschichten zwei verschiedener Menschen an.</p>
<p><strong>Sind Sie empathischer geworden oder sanfter mit sich und Ihrer Umwelt?</strong><br />
Ich war damals 24 Jahre alt. Heute bin ich 31. Ich denke, man wird durch das Erwachsenwerden automatisch reifer. Nun weiss ich aber nicht, ob ich mich auch ohne die Erkrankung in dieselbe Richtung entwickelt hätte.</p>
<p><strong>Mit 24 ist man zwar jung, aber doch auch schon ein Stück erwachsen. Ich meine, Sie waren damals schon Reporterin bei der «New York Post», lebten in Manhattan in einer Einzimmerwohnung, hatten einen Freund und ein intaktes, soziales Umfeld.</strong><br />
Klar, aber erwachsen war ich definitiv noch nicht. Wie auch immer, ich bin heute sicher vorsichtiger und schone mich mehr. Ich überarbeite mich nicht mehr chronisch wie früher, ich nehme mir die Zeit, um Sport zu machen und zu meditieren. Mir ist die Körper-Kopf-Beziehung sehr, sehr bewusst geworden. Denn, wenn ich über meine Geschichte nachdenke, erkenne ich die Korrelation von Stress und Krankheit schon.</p>
<p><strong>Haben Sie durch Ihre Krankheit Freunde verloren?</strong><br />
Weil dieses Interview in Deutsch gedruckt wird, kann ich das an dieser Stelle ehrlich beantworten. Als ich krank war, gab es viele Menschen, die für mich da waren. Und nach der Genesung realisierte ich plötzlich, dass viele dieser Menschen nicht mehr da waren. Das erstaunt mich, dass es Leute gibt, die in schlechten Zeiten für einen da sind, aber in den guten sind sie weg. Das dünkt mich merkwürdig. Das sind quasi Schönwetterfreunde mit dem einzigen Unterschied, dass das Wetter schlecht sein muss. Aber vielleicht sind das einfach Journalisten, die den Skandal und die schlechte Nachricht bevorzugen.</p>
<p><strong>Ihre Geschichte war denn auch skandalös.</strong><br />
Ja, ich verschwand einfach. Susannah Cahalan verschwand von der Bildfläche.</p>
<p><strong>Ihr Buch, Ihre Vorträge, Ihr ganzes Engagement macht Sie gewissermassen zum Vorbild und zur Anlaufstelle für viele Patienten und deren Eltern. Wie gehen Sie damit um?</strong><br />
Es kann ziemlich hart sein. Ich musste mich irgendwann aus gesundheitlicher Sicht von all diesen Fällen, von den frustrierten Eltern und kranken Kindern und Jugendlichen lösen, um mich zu schützen. Ich kriege noch heute tausende Emails, die ich unmöglich alle beantworten kann. Seit 2014 habe ich eine automatische Antwort, die rausgeschickt wird, wenn eine Nachricht reinkommt. Die erklärt, dass ich nicht alles bewältigen kann und dass ich mit zwei Wohltätigkeitsorganisationen zusammenarbeite, die auch Auskunft geben können. Früher habe ich jedes Email beantwortet, habe mit den Betroffenen telefoniert.</p>
<p><strong>Wie haben Sie den Mut gefasst, sich zurückzuziehen von dieser Rolle als lebendiges Modell?</strong><br />
Eine Freundin von mir, die Kinderpsychologin ist, sagte mir eines Tages: «Du hast in deinem Buch alles gesagt, was du zu sagen hast. Hast alles getan, was du tun kannst». Das half mir enorm. Ich konnte gewissermassen loslassen von dieser Rolle. Zudem glaube ich nicht, dass ich die beste Auskunftsperson bin.</p>
<p><strong>Wie meinen Sie das?</strong><br />
Mein Buch kann den Leuten helfen. Man kann es lesen und sich die Informationen zusammentragen und dann eben Ärzte, Neurologen, Psychologen und offizielle Anlaufstellen konsultieren. Ich fühle mich zwar schlecht, aber ich kann mich nicht mit jedem Fall auseinandersetzen. Es geht einfach nicht. Ich wollte nicht, dass mich diese Krankheit für immer definiert. Ich bin Journalistin, das ist meine Definition.</p>
<p><strong>Sie sind auch Autorin, die an einem zweiten Buch arbeitet. Dürfen Sie darüber sprechen?</strong><br />
Klar. Es geht um die Geschichte der Psychiatrie und zwar wird diese durch die Lupe einer bestimmten Studie hindurch beleuchtet. Es geht um Leute, die vorgaben, Stimmen zu hören, um zu sehen, ob sie in der Psychiatrie eine Diagnose erhalten würden. Unglücklicherweise wurden die meisten dieser vermeintlichen Patienten mit Schizophrenie diagnostiziert. Das Buch erscheint voraussichtlich 2017 und trägt den Titel «The Committed».</p>
<p><small>Buch: «Brain on Fire: My Month of Madness»,<a href="http://www.simonandschuster.com/books/Brain-on-Fire/Susannah-Cahalan/9781451621389" target="_blank"> Susannah Cahalan, Simon &amp; Schuster</a>, 2013<br />
Film: «Brain on Fire», 2016, <a href="http://www.brainonfiremovie.com" target="_blank">www.brainonfiremovie.com</a> (noch unbekannt, wann der Film in Schweizer Kinos anläuft).</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/11/28/ich-wusste-dass-es-eine-gute-story-sein-wuerde/">«Ich wusste, dass es eine gute Story sein würde»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>«Wir sind das Silicon Valley der Medienbranche»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/01/29/wir-sind-das-silicon-valley-der-medienbranche/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jan 2016 11:24:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[New York]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In New York herrscht Aufbruchstimmung: Junge Medienmarken bulen um ein junges Publikum. Millionen werden investiert, Millionen von Usern erreicht &#8211; doch kaum jemand schreibt schwarze Zahlen. Diese Not macht erfinderisch. Hier die spannendsten Erkenntnisse eines Besuchs bei der Huffington Post, Upworthy, NowThis und anderen.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>In New York herrscht Aufbruchstimmung: Junge Medienmarken bulen um ein junges Publikum. Millionen werden investiert, Millionen von Usern erreicht &#8211; doch kaum jemand schreibt schwarze Zahlen. Diese Not macht erfinderisch. Hier die spannendsten Erkenntnisse eines Besuchs bei der Huffington Post, Upworthy, NowThis und anderen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/01/29/wir-sind-das-silicon-valley-der-medienbranche/">«Wir sind das Silicon Valley der Medienbranche»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ohne Groll ausgestiegen</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/10/25/ohne-groll-ausgestiegen/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2012/10/25/ohne-groll-ausgestiegen/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Stephanie Rebonati]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 Oct 2012 08:18:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Klaus Zaugg]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Porträt]]></category>
		<category><![CDATA[Sportjournalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Sport]]></category>
		<category><![CDATA[New York]]></category>
		<category><![CDATA[Eishockey]]></category>
		<category><![CDATA[Jürg Federer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Jürg Federer arbeitete begeistert als Sportjournalist, bis er gemerkt hat, dass er den Protagonisten zu nahe steht. Deshalb stieg er aus und auf seinen erlernten Beruf um. Heute kocht Federer in New York. Am 11. Juni 2012 sass ein Schweizer Sportjournalist im Mediensektor des Staples Centers in Downtown Los Angeles und sah zu, wie die <a href="https://medienwoche.ch/2012/10/25/ohne-groll-ausgestiegen/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/10/25/ohne-groll-ausgestiegen/">Ohne Groll ausgestiegen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Jürg Federer arbeitete begeistert als Sportjournalist, bis er gemerkt hat, dass er den Protagonisten zu nahe steht. Deshalb stieg er aus und auf seinen erlernten Beruf um. Heute kocht Federer in New York.<br />
<span id="more-30553"></span><br />
Am 11. Juni 2012 sass ein Schweizer Sportjournalist im Mediensektor des Staples Centers in Downtown Los Angeles und sah zu, wie die L.A. Kings den Stanley Cup zum ersten Mal in die Luft stemmten. Es war ein schöner Abschluss. Vier Monate zuvor hatte sich der Schweizer NHL-Korrespondent gefragt, auf welcher Seite der Garderobe er stehe. Er entschied sich für die Seite der Spieler. Über die letzten acht Jahre wurden einige der Protagonisten seiner Geschichten gute Freunde und die journalistische Distanz wurde gefährdet. Dazu steht er offen.</p>
<p>In den Sportjournalismus zu kommen, ist einfach, sagt Jürg Federer. Er nennt ihn auch «Einsteigerjournalismus» – und meint das überhaupt nicht abwertend, sondern spricht aus eigener Erfahrung. Aus einer einzigen Quelle oder der Beobachtung eines Wettkampfs lässt sich ein ganzer Bericht aufbauen. Zudem sind viele Berichterstatter jung, die Protagonisten sowieso. Die Herausforderung als Sportjournalist? «Das Stadion ist deine Leserschaft. Von den Jugendlichen auf den Stehplätzen bis zu den Besitzern in den VIP-Lounges; du musst sie alle abholen», sagt Federer, der vor einigen Monaten entschied, dies künftig nicht mehr zu tun.</p>
<p>«Es ist kein Entscheid gegen den Journalismus», sagt der 39-Jährige und lehnt an die Backsteinwand mit den Wiegemessern und Bastkörben. Wir sitzen in der «Buvette», einem Stück Provence im New Yorker West Village. Die Tische sind kleine Quadrate, eng bestuhlt und auf weissen, ovalen Tellern werden knusprige Tartinettes mit Haselnuss-Organgen-Pesto serviert. Jürg Federer fährt fort: «Es ist ein Entscheid für neue Erfahrungen.» Der ehemalige Eishockeyjournalist spricht vom Privileg Schweizer zu sein, von der guten Ausbildung und dem dualen Bildungssystem: «In der Schweiz haben wir Optionen und kriegen Chancen», sagt er.</p>
<p>Das ist mitunter ein Grund, um Ende dreissig den Beruf zu wechseln. Der andere ist genauso wahr wie ehrlich: Als Sportjournalist kam Federer einigen Eishockeyspielern zu nahe, weil man sich so gut verstand und dadurch Freunde wurde. Das gefährdet die journalistische Distanz und hemmt die Kritik. Jürg Federer verliess deshalb die Gilde, was ihm hoch anzurechnen ist. Es ist ein ehrlicher und mutiger Entscheid, den viele andere Journalisten so nie treffen würden, obwohl auch sie zu nahe an den Akteuren dran sind. Das wird vor allem im Sport- und Lifestyle-Journalismus vorkommen.</p>
<p>Als 16-jähriger schmiss Federer das Gymnasium, absolvierte die kaufmännische Lehre in einer Büromöbelfirma, zog nach Elm, um die Lehre zum Koch zu durchlaufen und gewann am Genfersee einen Michelin-Stern, bevor er an Pazifik zog. Während drei Jahren managte er die Speisen und Getränke in einem Restaurant in San Francisco, studierte nebenbei Soziologie und kehrte mit 27 in die Schweiz zurück. Das war 2000. Dann baute er in Bern ein Catering-Unternehmen auf, verkaufte es und rutschte irgendwie in den Eishockeyjournalismus.</p>
<p>Martin Merk, CEO von <a href="http://www.hockeyfans.ch/index.php" target="_blank">hockeyfans.ch</a>, rief an. «Federer, du verstehst doch etwas von Eishockey?», klang es etwa. In Rapperswil aufgewachsen, stand Federer in der Juniorenabteilung des NLA-Clubs Rapperswil-Jona-Lakers bis 17-jährig selbst auf dem Eis. Und so kam es, dass er das Wiegemesser zur Seite legte und stattdessen Notizblock und Mikrofon zur Hand nahm. <a href="http://www.20min.ch/sport/dossier/timeout/" target="_blank">20-Minuten-Sportkolumnist Klaus Zaugg</a>, aber auch der damalige BZ-Sportchef Werner Haller, unterstützten ihn dabei: «Während der gemeinsamem Zeit beim Hockeymagazin Slapshot lernte ich puncto Interviewtechnik, Themengestaltung und Interessengeneration viel von Chläus und Werner», sagt Federer heute.</p>
<p>In den folgenden acht Jahren schrieb Federer für diverse Sporttitel, Tages- und Wochenzeitungen, wurde NHL-Korrespondent für das Schweizer Fernsehen und produzierte im Fixumsvertrag Hintergrundgeschichten aus der amerikanischen Eishockeywelt für <a href="http://www.20min.ch/sport/eishockey/story/25742387" target="_blank">«20 Minuten Online»</a>. Unzählige Male flog er nach Nordamerika und wieder zurück – vor allem nach New York, weil  NHL-Schweizer wie Mark Streit, Luca Sbisa, Martin Gerber und Jonas Hiller regelmässig mit oder gegen einen der drei Clubs im Grossraum New York spielten.</p>
<p>Es war eine rationale und nicht emotionale Entscheidung, definitiv nach New York auszuwandern», sagt Federer. Es machte strategisch Sinn. 2010 packte er seine Koffer und lebt seither in Brooklyn, nimmt die Fähre nach Manhattan und nennt die Stadt seine. In dieser Stadt, so weit vom heimischen Rapperswil, fand er wieder nach Hause – «nach Hause in die Gastronomie». Federer baute <a href="http://www.sexonthetable.tv/New_York_Aphrodisiac_Cooking_Classes/Aphrodisiac_Cooking_Classes.html" target="_blank">eine Kochschule auf</a>, wo er zwei Mal wöchentlich unterrichtet, schreibt an einem Kochbuch und <a href="http://www.sexonthetable.tv/New_York_Aphrodisiac_Cooking_Classes/Sex_on_the_Table.html" target="_blank">feilt an einem Restaurantkonzept</a>.</p>
<p>Am 11. Juni 2012 sass Jürg Federer im Staples Center in Downtown Los Angeles und sah zu wie die L.A. Kings die New Jersey Devils besiegten und zum ersten Mal in ihrer Clubgeschichte die Meisterschaft gewannen. Der Schweizer Journalist wusste damals bereits, dass er die Fronten wechseln würde. Über die letzten acht Jahre wurden einige seiner Protagonisten gute Freunde und es lockte ihn sowieso wieder in die Küche. Den Journalismus verliess Federer bewusst und ohne Groll.</p>
<p>Nur: «Ich stehe an einem Point of no return – es gibt kein Zurück», sagt der 39-jährige Patchworker. Sein Lebenslauf ist derart unkonventionell, kein Unternehmen wird ihn anstellen. Denn, was ist er genau? New Yorker. Und das heisst multidisziplinär und selbstständig. «New York ist die beste Ausbildung, die ich je geniessen durfte», sagt er grinsend. Er bestellt die Rechnung, schwingt seine Tasche über die Schulter und verschwindet in den Strassen New Yorks.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/10/25/ohne-groll-ausgestiegen/">Ohne Groll ausgestiegen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Das ist kein Enthüllungsbuch</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/09/27/das-ist-kein-enthuellungsbuch/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Stephanie Rebonati]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Sep 2012 08:01:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Receptionist]]></category>
		<category><![CDATA[The New Yorker]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
		<category><![CDATA[Buch]]></category>
		<category><![CDATA[New York]]></category>
		<category><![CDATA[Janet Groth]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>21 Jahre lang arbeitete Janet Groth beim New Yorker als Empfangsdame. Von 1957 bis 1978 nimmt sie Anrufe entgegen, giesst Pflanzen und schläft mit den Edelfedern und Karikaturisten. In ihrer Autobiografie erzählt Groth die Geschichte eines Mädchens, das in Iowa aufgewachsen ist und schon immer von den vielen Lichtern New Yorks träumte. An einem kühlen <a href="https://medienwoche.ch/2012/09/27/das-ist-kein-enthuellungsbuch/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>21 Jahre lang arbeitete Janet Groth beim New Yorker als Empfangsdame. Von 1957 bis 1978 nimmt sie Anrufe entgegen, giesst Pflanzen und schläft mit den Edelfedern und Karikaturisten. In ihrer Autobiografie erzählt Groth die Geschichte eines Mädchens, das in Iowa aufgewachsen ist und schon immer von den vielen Lichtern New Yorks träumte.<br />
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An einem kühlen Abend Mitte September in Manhattan sitzt die 75-jährige Janet Groth in einer alten Bibliothek in einem dunkelbraunen Ledersessel und unterhält sich mit Calvin Trillin, den sie liebevoll «Bud» nennt. Trillin ist selbst 76 Jahre alt und schreibt seit 1963 regelmässig für den New Yorker, ausserdem hat er 18 Bücher veröffentlicht. In der kleinen Bibliothek am Broadway unweit des Union Square wohnen gerademal 30 Leute der Lesung bei, Mikrofone sind überflüssig.</p>
<p>Die beiden Originale lachen über einen jungen Woody Allen, der sich inder Redaktion des New Yorker immer wieder verirrte und sie berichten stolz von der redaktionsinternen Jazzband, die wöchentlich in einer Bar auftrat. Auch von eifersüchtigen Ehefrauen wurde berichtet. Diese riefen Chefredaktor William Shawn an, um sich zu erkundigen, wo ihre Ehemänner steckten. Shawn leitete sie an Janet Groth weiter, die dann den Ehefrauen versicherte, dass die Ehemänner in der Redaktion sitzen und schreiben – und treu sind.</p>
<p>Ein Karikaturist war nicht treu. Janet Groth gibt ihm das Pseudonym Evan Simm. Er entjungfert sie und lässt sie nach einer stürmischen Affäre sitzen. Sie versucht sich das Leben zu nehmen. Es folgt noch ein amouröses Malheur, dieses Mal branchenextern. Ihr Liebhaber, ein bekannter Arzt, trägt lieber keine Kondome, weil das «Liebemachen durch eine Socke ist» und als Arzt wisse er schliesslich, wann eine Frau empfänglich ist und wann nicht. In der zehnten Schwangerschaftswoche verabreicht er der jungen Janet ein Mittel, um das gemeinsame Kind abzutreiben.</p>
<p>Janet Groth, alle nannten sie Jan, ist 1.70 Meter gross, hatte früher die Idealmasse 90-66-90, und trug ihr blondes Haar in einem 30-Zentimeter-Pferdeschwanz. «Was muss ein Mann sonst noch wissen?», fragt sie rhetorisch an einer Stelle in ihrer Autobiographie. Ihren «Daddy-Komplex» verdankt sie ihrem alkoholsüchtigen Vater, der die Familie in einem silbrigen Wohnwagen durch den Mittleren Westen jagte – nichtsdestotrotz liebte sie ihn «zutiefst».</p>
<p>Nicht selten reflektiert Janet Groth ihre Attribute. Sie nennt sich «Klischee» und «dummes Blondchen». Dabei hat sie einen Universitätsabschluss, später einen Doktortitel und Lehrstühle an renommierten Hochschulen in den USA. Noch heute, mit 75 Jahren, lehrt sie Englische Sprache an der Columbia University in Manhattan. Einige ihrer Essays und Bücher wurden ausgezeichnet.</p>
<p>In ihren 21 Jahren beim New Yorker schrieb sie nie für dessen Seiten. Warum? Das fragt sie sich auch. Dreimal schlug sie William Shawn –Chefredaktor von 1952 bis 1987 – einen Artikel vor – jedes Mal«verschwand» ihr Text im Durcheinander des Redaktionsalltags und als er plötzlich wieder auftauchte war das Thema nicht mehr aktuell.</p>
<p>Und das nagt an ihr. 1976 gab Janet Groth an der Elitehochschule Vassar College nördlich von New York einen Kurs namens «The Contemporary Press». E. J. Kahn Jr. (er schrieb fünfzig Jahre lang für den New Yorker und war Autor von «The New Yorker And Me») war Gastsreferent und führte «seine» Empfangsdame ein: «Sie ist eine authentische Kuriosität beim New Yorker. In den 19 Jahren als Empfangsdame wurde sie nie befördert. Wohl möglich, weil sie das selber gar nie richtig wollte». Die Annahme von E. J. Kahn Jr. stört Janet Groth bis heute.</p>
<p>In «The Receptionist» mit dem Untertitel «An Education At The New Yorker» geht es nur nebenbei um das legendäre Nachrichten-, Politik- und Literaturmagazin. Im Zentrum steht die sexuelle Revolution der langjährigen Empfangsdame. Und ja, einige Redaktionsmitglieder haben bei dieser Revolution tatkräftig mitgeholfen. Worüber man aber vor allem liest, sind gute Zeiten.</p>
<p>Janet Groth und Calvin Trillin hatten Spass beim New Yorker, obwohl der Vietnamkrieg tobte und John F. Kennedy erschossen wurde. «Es war eine andere Ära», sagt Janet Groth mit Wehmut in den Augen. Warum die Aussage von E. J. Kahn Jr. sie heute noch stört? Darauf kann Janet Groth nicht direkt antworten. Die 75-jährige Lady sagt nur so viel: «Heute ist halt alles anders für junge Frauen». Zum Glück.</p>
<p><small><em>«The Receptionist. An Education At The New Yorker», Janet Groth, 2012 bei Algonquin Books of Chapel Hill erschienen, bisher nur in Englisch erhältlich, ISBN: 9781616201319.</em></small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/09/27/das-ist-kein-enthuellungsbuch/">Das ist kein Enthüllungsbuch</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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