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	<title>Objektivität | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Tue, 14 Dec 2021 10:35:01 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Die Medienschaffenden und ihr Publikum</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2021/12/14/die-medienschaffenden-und-ihr-publikum/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Dec 2021 10:35:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Objektivität]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Medienwandel hat auch den Journalismus stark verändert. Zur demokratischen Meinungsbildung bleibt er unverzichtbar.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Medienwandel hat auch den Journalismus stark verändert. Zur demokratischen Meinungsbildung bleibt er unverzichtbar.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/12/14/die-medienschaffenden-und-ihr-publikum/">Die Medienschaffenden und ihr Publikum</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Journalismus muss nicht neutral sein – aber fair</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2021/10/12/journalismus-muss-nicht-neutral-sein-aber-fair/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Marko Ković]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 12 Oct 2021 14:18:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Neutralität]]></category>
		<category><![CDATA[Objektivität]]></category>
		<category><![CDATA[Haltung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Neutralität, Objektivität, Unparteilichkeit und Ausgewogenheit sind wichtige journalistische Ideale, die in der journalistischen Praxis aber kaum umsetzbar sind – und sogar schaden können. Als praxistaugliche Leitplanken eignen sich Werte wie Fairness, Aufrichtigkeit und Stringenz besser. Journalist*innen seien «Schiedsrichter der öffentlichen Debatte»; werden sie parteiisch, leide ihre Autorität, kritisiert der Journalist Jochen Bittner in einem Plädoyer <a href="https://medienwoche.ch/2021/10/12/journalismus-muss-nicht-neutral-sein-aber-fair/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Neutralität, Objektivität, Unparteilichkeit und Ausgewogenheit sind wichtige journalistische Ideale, die in der journalistischen Praxis aber kaum umsetzbar sind – und sogar schaden können. Als praxistaugliche Leitplanken eignen sich Werte wie Fairness, Aufrichtigkeit und Stringenz besser.</strong><br />
<img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/10/MW-Neutraler-Journalismus-20211012d.jpg" alt="" width="1456" height="976" class="alignnone size-full wp-image-91807" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/10/MW-Neutraler-Journalismus-20211012d.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/10/MW-Neutraler-Journalismus-20211012d-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/10/MW-Neutraler-Journalismus-20211012d-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/10/MW-Neutraler-Journalismus-20211012d-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/10/MW-Neutraler-Journalismus-20211012d-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
Journalist*innen seien «Schiedsrichter der öffentlichen Debatte»; werden sie parteiisch, leide ihre Autorität, kritisiert der Journalist Jochen Bittner in einem Plädoyer gegen «Haltungsjournalismus» <a href="https://www.zeit.de/2019/16/journalismus-reporter-politischer-aktivismus-verantwortung/komplettansicht?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F" rel="noopener" target="_blank">in der «Zeit»</a>. Der Journalist Florian Gathmann fordert <a href="https://www.spiegel.de/kultur/wir-muessen-so-neutral-sein-wie-moeglich-a-1820e9d1-9cf6-4d3f-8965-aa7a59f8ec66" rel="noopener" target="_blank">im «Spiegel»</a> im Zuge der Berichterstattung über Black-Lives-Matter-Proteste, dass Journalist*innen trotz allem so neutral wie möglich seien. Der Journalist Claus Richter spricht sich <a href="https://www.cicero.de/kultur/journalismus-haltung-gesinnung-glaubwuerdigkeit" rel="noopener" target="_blank">im Magazin «Cicero»</a> mit klaren Worten für Neutralität im Journalismus aus: Wer predigen wolle, solle in die Kirche gehen. Und der Journalist Birk Meinhardt warnt in seinem Buch «Wie ich meine Zeitung verlor», dass es Medien immer stärker darum gehe, einer Haltung und nicht mehr der Wirklichkeit Ausdruck zu verleihen.<br />
</p>
<p>Journalistische Neutralität ist ein Kernpfeiler des journalistischen Selbstverständnisses, und die Erosion von Neutralität wird als grosse Gefahr beklagt. Der Glaube an journalistische Neutralität ist ein Vertrauen in «Fakten», ein Misstrauen gegenüber «Werten», und eine Überzeugung, beide klar voneinander trennen zu müssen. Mit dieser prägnanten Formel beschrieb der Medienwissenschaftler Michael Schudson in seinem Klassiker «Discovering the News» von 1978 treffend, was das Ideal von journalistischer Objektivität und Neutralität im Kern ausmacht: Die strikte Trennung von Fakten auf der einen, sowie Werten und Meinungen auf der anderen Seite. Journalismus kümmert sich um die Fakten.</p>
<blockquote><p>Die Vorstellung, dass Journalismus neutral zu sein hat, verfestigte sich erst in der jüngeren Vergangenheit.</p></blockquote>
<p>Die kategorische Trennung zwischen dem, was objektiv ist und dem, was subjektiv sein soll, ist eine zentrale Norm des professionellen Journalismus. Das zeigt sich etwa deutlich daran, dass sie in zahlreichen Leit- und Richtlinien festgeschrieben steht.</p>
<p>So halten <a href="https://www.srf.ch/unternehmen/unternehmen/portraet/gesetzliche-vorgaben-auftrag-und-strategie" rel="noopener" target="_blank">die publizistischen Leitlinien</a> von Schweizer Radio und Fernsehens SRF beispielsweise fest: «Wir machen uns deshalb mit keiner Sache gemein, auch nicht mit einer guten.» Der deutsche <a href="https://www.die-medienanstalten.de/fileadmin/user_upload/Rechtsgrundlagen/Gesetze_Staatsvertraege/RStV_22_nichtamtliche_Fassung_medienanstalten_final_web.pdf" rel="noopener" target="_blank">Rundfunkstaatsvertrag</a> fordert von den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten die «Grundsätze der Objektivität und Unparteilichkeit [&#8230;], die Meinungsvielfalt sowie die Ausgewogenheit ihrer Angebote» zu berücksichtigen. Das österreichische <a href="https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&#038;Gesetzesnummer=10000555" rel="noopener" target="_blank">Bundesverfassungsgesetz</a> über die Sicherung der Unabhängigkeit des Rundfunks hält «die Objektivität und Unparteilichkeit der Berichterstattung, die Berücksichtigung der Meinungsvielfalt, die Ausgewogenheit der Programme» als journalistische Normen fest.</p>
<p>Die Vorstellung, dass Journalismus neutral zu sein hat, verfestigte sich erst in der jüngeren Vergangenheit. In der Frühphase des Journalismus im 18. und 19. Jahrhundert waren Zeitungen zumeist entweder direkte Parteiorgane oder zumindest stark politisch gefärbt und meinungsbetont. Erst im 20. Jahrhundert fand eine Professionalisierung des Journalismus hin zu mehr Neutralität statt. Zwei Faktoren waren für diese Entwicklung ausschlaggebend. Zum einen haben westliche Mediensysteme im 20. Jahrhundert eine Kommerzialisierung durchgemacht, die der Medienwissenschaftler <a href="https://www.foeg.uzh.ch/dam/jcr:00000000-13a2-35bc-0000-00004655ac23/Politik_und_Medien.pdf" rel="noopener" target="_blank">Kurt Imhof</a> als «neuen Strukturwandels der Öffentlichkeit» beschreibt: Die ehemals stark ideologisch ausgerichtete Parteipresse wandelte sich zu profitorientierten Medien, die sich stärker der weltanschaulichen Neutralität verpflichteten. Die Zeitungen taten das, um ein breiteres Publikum anzusprechen – je grösser das Publikum, desto grösser die Abonnements- und Werbeerlöse.</p>
<blockquote><p>Das hehre Ideal der journalistischen Neutralität stösst aber schnell an Grenzen.</p></blockquote>
<p>Ein zweiter Treiber von Neutralität als journalistische Norm waren die negativen Erfahrungen mit massenmedial vermittelter Propaganda während des Ersten und Zweiten Weltkriegs. Besonders öffentliche Rundfunkanstalten institutionalisierten in der Nachkriegszeit Neutralitäts-Normen als eine Art <a href="https://www.routledge.com/Journalism-Studies-A-Critical-Introduction/Calcutt-Hammond/p/book/9780415554312#" rel="noopener" target="_blank">vorbeugendes Korrektiv gegen Propaganda</a> sowohl von aussen wie auch von innen.</p>
<p>Neutralität und davon abgeleitet Ausgewogenheit, Unparteilichkeit und Objektivität als fundamentale journalistische Normen sind an sich durchaus erstrebenswerte Ziele. So legen wir in Demokratien Wert darauf, möglichst alle Stimmen im gesellschaftlichen Diskurs angemessen zu Wort kommen zu lassen. Ein Bekenntnis zu Ausgewogenheit und Unparteilichkeit kann dieser demokratischen Meinungsvielfalt zuträglich sein. Darüber hinaus sind Medien nach wie vor ein für die Gesellschaft bedeutendes Fenster in die Welt. Im Sinne der demokratischen Meinungsbildung ist es entsprechend wichtig, dass wir über Medien erfahren, wie die Welt aussieht, und nicht bloss, wie sie gemäss Journalist*innen aussehen sollte.</p>
<p>Das hehre Ideal der journalistischen Neutralität stösst aber schnell an Grenzen.</p>
<p><strong>Erstens</strong> beisst sich ein striktes Verständnis von Neutralität mit der journalistischen Kritik- und Kontrollfunktion. Wenn Medien nur neutral sind und bereits vorhandene Informationen abbilden, können sie nicht eigenständig kritisch recherchieren, Missstände aufdecken und die Erkenntnisse in die öffentliche Debatte einspeisen. Das würde in der Konsequenz bedeuten, dass beispielsweise Investigativjournalismus nicht mehr betrieben werden darf, weil die Triebfeder hinter jeder investigativen Recherche eine normativ-wertende Haltung ist.</p>

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<p><strong>Zweitens</strong> kann eine falsche Auslegung von Neutralität die Berichterstattung in Tat und Wahrheit verzerren anstatt sie ausgewogener zu machen. Im Extremfall führt dies zu einer falschen Ausgewogenheit («False Balance»). Die ist gegeben, wenn beispielsweise zu einer wissenschaftlichen Sachfrage «beide Positionen» mit gleichem Gewicht zu Wort kommen, obwohl die wissenschaftliche Datenlage klar in eine Richtung zeigt. Typische Beispiele für falsche Ausgewogenheit in der medialen Berichterstattung waren und sind Themen wie menschengemachter Klimawandel, die Gefahren von Zigarettenrauchen oder die Wirksamkeit pharmazeutischer und nicht-pharmazeutischer Massnahmen gegen Covid-19. Als Folge falscher Ausgewogenheit entsteht beim Publikum <a href="https://doi.apa.org/doiLanding?doi=10.1037/xap0000073" rel="noopener" target="_blank">mehr Zweifel</a> und Ungewissheit, als sie angesichts der wissenschaftlichen Datenlage tatsächlich existiert.</p>
<p><strong>Drittens</strong> laufen auf Neutralität pochende Medien Gefahr, indirekt den bestehenden gesellschaftlichen Machtstrukturen zuzudienen. Diese Status-Quo-stützende Funktion kann beispielsweise die Form des «Indexing» annehmen, wie der Politikwissenschaftler <a href="https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/9781118541555.wbiepc180" rel="noopener" target="_blank">Lance Bennett</a> beschreibt. Indexing bedeutet, dass sich Medienhäuser bei der Auswahl von Themen und bei der Art und Weise, wie sie über Themen berichten, stark an politischen und wirtschaftlichen Eliten orientieren. Salopp formuliert: Neutraler Journalismus hängt den Mächtigen an den Lippen und kritisiert ihre Ansichten nicht, sondern nimmt sie als Bausteine für die eigene Berichterstattung. Diese Reproduktion von Machtstrukturen kritisieren auch der Ökonom Edward Herman und der Linguist Noam Chomsky in ihrem Klassiker «Manufacturing Consent». Die Kritik des «hergestellten Konsenses» besagt, dass grosse, vermeintlich neutrale Massenmedien in Tat und Wahrheit eine ganz und gar nicht neutrale systemstützende Funktion haben, weil sie sich an Elitemeinungen und an kommerziellen Logiken orientieren.</p>
<blockquote><p>Die gesellschaftliche Debatte, die der Journalismus eigentlich anregen sollte, verkommt zur ideologischen Einbahnstrasse.</p></blockquote>
<p>Wir sehen: Journalistische Neutralität hält nicht, was sie auf den ersten Blick verspricht. Doch was ist die Alternative? Sollen sich Journalist*innen ungebremst in den ideologischen Grabenkampf begeben? Nein. Ein Journalismus ganz ohne Leitplanken riskiert, in blosse Meinung, Polemik oder sogar Propaganda abzurutschen. Was dabei herauskommt, lässt sich gut am Beispiel <a href="https://medienwoche.ch/2021/07/13/mediennetzwerk-das-intellectual-dark-web-lernt-deutsch/">«alternativer» Medien</a> beobachten, die im Zuge der Coronavirus-Pandemie einen Aufschwung erlebt haben: Wenn die blosse Meinung im Vordergrund steht, werden Fakten und Meinungen, die nicht ins eigene Weltbild passen, nicht nur ignoriert, sondern regelrecht verdreht. Die gesellschaftliche Debatte, die der Journalismus eigentlich anregen sollte, verkommt zur ideologischen Einbahnstrasse.</p>
<p>Ein Weg, wie Journalismus auch ohne unrealistische Neutralitäts-Normen einen gesellschaftlichen Mehrwert haben kann, ist das Einhalten wohlüberlegter «handwerklicher» Regeln. Ein solches Regelwerk für die Schweiz ist der vom Schweizer Presserat formulierte «Journalistenkodex». Die darin festgehaltenen <a href="https://presserat.ch/journalistenkodex/richtlinien/" rel="noopener" target="_blank">Richtlinien</a> pochen nicht auf weltanschauliche Neutralität, sondern bilden eine ganz konkrete und praktische Anleitung dafür, was journalistische Arbeit von sonstigen Formen der Teilnahme am öffentlichen Diskurs abgrenzt.</p>
<p>Auf einer übergeordneten Ebene, und gewissermassen als Kondensat des Journalistenkodex, gibt es drei Werte, die Neutralität als zentralen journalistischen Ankerpunkt ersetzen können: Fairness, Aufrichtigkeit und Stringenz.</p>
<p>    • <strong>Fairness</strong>: Journalismus ist dann fair, wenn er in weltanschaulicher Hinsicht transparent ist, den Empfänger*innen von Kritik mit Wohlwollen begegnet (also nicht vorschnell schlechte, sondern möglichst positive Absichten unterstellt), und selber kritisierbar bleibt.</p>
<p>    • <strong>Aufrichtigkeit</strong>: Aufrichtig ist Journalismus dann, wenn die zugrundeliegende Weltanschauung ehrlich gehegt und konsequent angewendet wird. Das bedeutet, dass unterschiedliche Probleme auch dann mit denselben ethischen Massstäben beurteilt werden, wenn das eigene weltanschauliche Lager Gegenstand der Kritik ist.</p>
<p>    • <strong>Stringenz</strong>: Weltanschauliche Positionen im Journalismus sind dann stringent, wenn sie klar und schlüssig hergeleitet und begründet werden. Das unterscheidet sie von blossen subjektiven Meinungen, die beliebig, polemisch und widersprüchlich sein können.</p>
<p>Wie sieht Journalismus aus, der sich der Fairness, Aufrichtigkeit und Stringenz verschreibt? Zwei anschauliche Beispiele sind die <a href="https://www.funk.net/channel/strgf-11384" rel="noopener" target="_blank">Reportageformate «STRG_F»</a> und <a href="https://www.funk.net/channel/ykollektiv-1059" rel="noopener" target="_blank">«Y-Kollektiv»</a>. In beiden Formaten werden vertiefte Reportagen und journalistische Investigationen durchgeführt, die zwar einen weltanschaulichen Impetus haben, der aber nicht unreflektiert oder salopp ist. Die Journalist*innen legen die weltanschaulichen Karten offen, begründen ihre normativen Überlegungen und fordern auch aktiv zu einer kritischen Reflexion ihrer Arbeit auf, zum Beispiel in Form von Diskussionen mit dem Publikum in den Kommentaren auf «Youtube». Das Ergebnis ist kritischer, fundierter und – in Zeiten <a href="https://medienwoche.ch/2020/12/22/luegenpresse-warum-die-medien-mitverantwortlich-sind-fuer-den-vertrauensverlust/">sinkenden Vertrauens in die Medien</a> ein wichtiger Mehrwert – authentischer Journalismus.</p>
<p>Das Ziel einer Debatte darüber, wie Journalismus jenseits unrealistischer und teilweise gefährlicher Neutralitäts-Anmassungen funktionieren kann, ist letztlich, den Umgang mit Weltanschauungen im Journalismus in gelenkte Bahnen zu leiten. Denn Journalismus ohne Weltanschauung gibt es nicht – erst dadurch, dass wir uns weiterhin das Gegenteil einreden, öffnen wir der weltanschaulichen Willkür Tür und Tor.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/10/12/journalismus-muss-nicht-neutral-sein-aber-fair/">Journalismus muss nicht neutral sein – aber fair</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Dieser Text ist nicht neutral</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2020/06/22/dieser-text-ist-nicht-neutral/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Jun 2020 08:38:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Objektivität]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die weiße Mehrheitsgesellschaft gibt sich einer Illusion von Neutralität hin. Sie muss in Debatten mehr Nebeneinander akzeptieren und Zuhören lernen.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die weiße Mehrheitsgesellschaft gibt sich einer Illusion von Neutralität hin. Sie muss in Debatten mehr Nebeneinander akzeptieren und Zuhören lernen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/06/22/dieser-text-ist-nicht-neutral/">Dieser Text ist nicht neutral</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wieso Journalismus nicht objektiv sein kann</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2019/01/15/wieso-journalismus-nicht-objektiv-sein-kann/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 15 Jan 2019 08:29:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Objektivität]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Konzept der Objektivität spricht dem Journalisten seine Menschlichkeit ab. Denn wie alle anderen Menschen haben auch Journalisten natürlich Meinungen, die von ihrer Sozialisation und Biografie, von ihren Vorlieben und Vorurteilen abhängig sind.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Konzept der Objektivität spricht dem Journalisten seine Menschlichkeit ab. Denn wie alle anderen Menschen haben auch Journalisten natürlich Meinungen, die von ihrer Sozialisation und Biografie, von ihren Vorlieben und Vorurteilen abhängig sind.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/01/15/wieso-journalismus-nicht-objektiv-sein-kann/">Wieso Journalismus nicht objektiv sein kann</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Gegen den «Sowohl, als auch»-Journalismus</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2018/04/16/gegen-den-sowohl-als-auch-journalismus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 16 Apr 2018 06:02:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Auf dem Radar]]></category>
		<category><![CDATA[Objektivität]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Viele Journalisten halten sich gerne in der politische Mitte auf. Sie finden das den idealen Standort, um ausgewogen und objektiv zu berichten. Das sei aber ein Problem, findet «Republik»-Autor Daniel Binswanger. «De facto wird ‹Ausgewogenheit› jedoch häufig zum Freibrief für Oberflächlichkeit, ja Unsachlichkeit.» Binswanger sieht darin die Ursache für eine Verluderung der politischen Kultur, da es nicht mehr um die Qualität der Argumente geht, sondern lediglich darum, dass «beide Seiten» in der Debatte vertreten sind.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/04/16/gegen-den-sowohl-als-auch-journalismus/">Gegen den «Sowohl, als auch»-Journalismus</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Viele Journalisten halten sich gerne in der politische Mitte auf. Sie finden das den idealen Standort, um ausgewogen und objektiv zu berichten. Das sei aber ein Problem, findet «Republik»-Autor Daniel Binswanger. «De facto wird ‹Ausgewogenheit› jedoch häufig zum Freibrief für Oberflächlichkeit, ja Unsachlichkeit.» Binswanger sieht darin die Ursache für eine Verluderung der politischen Kultur, da es nicht mehr um die Qualität der Argumente geht, sondern lediglich darum, dass «beide Seiten» in der Debatte vertreten sind.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/04/16/gegen-den-sowohl-als-auch-journalismus/">Gegen den «Sowohl, als auch»-Journalismus</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Journalismus: Schnell, fair und unparteiisch?</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/07/25/journalismus-schnell-fair-und-unparteiisch/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 25 Jul 2016 20:57:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Objektivität]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=11803</guid>

					<description><![CDATA[<p>Schon in der Ausbildung hören angehende Journalisten, dass Neutralität in ihrem Beruf oberstes Gebot sei. Objektivität ist nicht nur unmöglich, sie ist auch unsinnig.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/07/25/journalismus-schnell-fair-und-unparteiisch/">Journalismus: Schnell, fair und unparteiisch?</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Schon in der Ausbildung hören angehende Journalisten, dass Neutralität in ihrem Beruf oberstes Gebot sei. Objektivität ist nicht nur unmöglich, sie ist auch unsinnig.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/07/25/journalismus-schnell-fair-und-unparteiisch/">Journalismus: Schnell, fair und unparteiisch?</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Der Journalismus muss sich der Diskussion um Objektivität stellen</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/01/29/der-journalismus-muss-sich-der-diskussion-um-objektivitaet-stellen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Jan 2015 08:35:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Telepolis]]></category>
		<category><![CDATA[Objektivität]]></category>
		<category><![CDATA[Marcus Klöckner]]></category>
		<category><![CDATA[Cornelia Mothes]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Was hat es mit der Objektivität von Journalisten auf sich? Wie objektiv sind Journalisten im Gegensatz zu Nicht-Journalisten, wenn es um die Einordnung von zentralen politischen Themen geht? Die Kommunikationswissenschaftlerin Cornelia Mothes hat sich des Themas angenommen und ist in einer interessanten Studie den Fragen nachgegangen.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/01/29/der-journalismus-muss-sich-der-diskussion-um-objektivitaet-stellen/">Der Journalismus muss sich der Diskussion um Objektivität stellen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Was hat es mit der Objektivität von Journalisten auf sich? Wie objektiv sind Journalisten im Gegensatz zu Nicht-Journalisten, wenn es um die Einordnung von zentralen politischen Themen geht? Die Kommunikationswissenschaftlerin Cornelia Mothes hat sich des Themas angenommen und ist in einer interessanten Studie den Fragen nachgegangen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/01/29/der-journalismus-muss-sich-der-diskussion-um-objektivitaet-stellen/">Der Journalismus muss sich der Diskussion um Objektivität stellen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Blicke unter eine Decke</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2014/09/09/blicke-unter-eine-decke/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 09 Sep 2014 14:06:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Politiker]]></category>
		<category><![CDATA[Subjektivität]]></category>
		<category><![CDATA[Journalisten]]></category>
		<category><![CDATA[Unabhängigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Objektivität]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Gleich bei der Lektüre sehen, mit wem der Autor des Artikels Beziehungen hat: Zwei Studenten haben eine Browser-Erweiterung entwickelt, die Verbindungen von Journalisten zu Organisationen und Interessengruppen aufzeigt. Das Problem des Projekts ist die Datengrundlage, denn angezeigt werden können nur bekannte Verflechtungen. Journalisten sind immer unvoreingenommen, haben weder Vorlieben noch Abneigungen und schreiben stets gottgleich <a href="https://medienwoche.ch/2014/09/09/blicke-unter-eine-decke/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Gleich bei der Lektüre sehen, mit wem der Autor des Artikels Beziehungen hat: Zwei Studenten haben eine Browser-Erweiterung entwickelt, die Verbindungen von Journalisten zu Organisationen und Interessengruppen aufzeigt. Das Problem des Projekts ist die Datengrundlage, denn angezeigt werden können nur bekannte Verflechtungen.<br />
<span id="more-20702"></span><br />
Journalisten sind immer unvoreingenommen, haben weder Vorlieben noch Abneigungen und schreiben stets gottgleich objektiv. So weit die unhaltbare Theorie. Und jetzt die Realität: Journalisten sind Menschen wie Du und ich, sie lieben und hassen, bevorzugen und lehnen ab, sie haben Haltungen, Meinungen und einige von ihnen sind Teil von Interessengruppierungen. Da Menschen nicht schweben können und ihnen dadurch ein Standpunkt zugewiesen ist, sind sie per definitionem subjektiv und können sich um Objektivität, also um die angemessene Berücksichtigung aller Elemente einer Story, nur bemühen (vgl. <a href="https://medienwoche.ch/2011/02/01/das-marchen-der-objektivitat/">«Das Märchen der Objektivität»</a>).</p>
<p>Petar Marjanovic (Watson) und Angelo Zehr (Südostschweiz) sind im <a href="http://www.jusosg.ch/de/vorstand">Vorstand der JungsozialistInnen des Kanton St. Gallen</a>.* Peter Keller (Weltwoche) ist <a href="http://www.parlament.ch/d/suche/seiten/biografie.aspx?biografie_id=4098">SVP-Nationalrat</a>. Aaron Agnolazza (Basler Zeitung) sass bis vor Kurzem für die <a href="http://www.riehen.ch/aktuell/news/nachruecken-den-einwohnerrat-12">SVP im Einwohnerrat Riehen</a>. Roger de Weck ist im <a href="http://www.clubhelvetique.ch/clubhelv/index.php?Mitglieder">Club Helvétique (Mitgliedschaft ruht)</a>. Markus Spillmann und Michael Ringier waren <a href="http://www.nzz.ch/aktuell/schweiz/der-reiz-der-vertraulichkeit-1.10875208">Teilnehmer der Bilderberg-Konferenz</a>. Martin Spieler ist <a href="https://www.clubzumrennweg.ch/de/about-us/">Verwaltungsrat im Club zum Rennweg</a>. Ich schreibe mit an einem <a href="http://www.direktedemokratie.com/ueber/">Blog pro Direkte Demokratie</a>. Das ist alles bekannt und öffentlich. Doch möchte man das nicht am liebsten erfahren, noch während man einen Artikel liest, um einschätzen und bewerten zu können, wie der Journalist etwas einschätzt und bewertet?</p>
<p>Zwei Studenten des Master-Studiengangs <a href="https://www.hs-magdeburg.de/studium/master/interaction-design.html">«Interaction Design»</a> der Hochschule Magdeburg-Stendal befriedigen diesen Wunsch mit einer konkreten Lösung. Ihr Produkt ist ein Browser-Add-On namens <a href="http://cahoots-extension.github.io/"><strong>Cahoots</strong></a>, das aktuell für <a href="https://addons.mozilla.org/en-US/firefox/addon/cahoots/">Firefox</a> und <a href="https://chrome.google.com/webstore/detail/cahoots/acajoolgbgnpbmefodjcfbbfahnhhanp">Chrome</a> installierbar ist. Die installierte Browser-Erweiterung zeigt Namen von Journalisten, für die Informationen zu ihren Verbindungen hinterlegt sind, markiert an. Es reicht, mit dem Mauszeiger über die Namen zu fahren, und schon erfährt man beispielsweise, dass zwischen «Zeit»-Herausgeber Josef Joffe und Organisationen Beziehungen bestehen oder bestanden haben. Von der Atlantik-Brücke über Goldman Sachs bis zur Münchner Sicherheitskonferenz führt Cahoots Verbindungen zu zehn verschiedenen Organisationen auf.</p>
<p><iframe width="460" height="259" src="//www.youtube.com/embed/mJpV72VOw-4" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Die Macher der Erweiterung sind beide 1990 geboren und arbeiten nebenbei bei Agenturen als Designer: Jonas Bergmeier studierte bis 2012 Mediendesign an der MHMK Köln, Alexander Barnickel bis 2012 Wirtschaftspsychologie an der FH Erding. Entstanden ist das Projekt nach einer <a href="https://www.youtube.com/watch?v=YrRkT32w8nc">Ausgabe der Satiresendung «Die Anstalt»</a>, die unter anderem aufgrund von <a href="http://www.heise.de/tp/artikel/42/42401/1.html">Forderungen zu Unterlassungserklärungen und einstweiligen Verfügungen</a> von «Zeit»-Journalisten gegen das ZDF berühmt geworden ist. Der betreffende Ausschnitt nimmt Bezug auf die Dissertation «Meinungsmacht» des Medienwissenschaftlers Uwe Krüger, über die wir ausführlich berichtet hatten (vgl. <a href="https://medienwoche.ch/2013/03/07/in-und-mit-der-elite/">«In und mit der Elite»</a>):</p>
<p><iframe width="460" height="259" src="//www.youtube.com/embed/YrRkT32w8nc?rel=0" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Das Hauptprojekt der Studenten in diesem Semester war «Protest», und nach der «Anstalt» von Ende April war das zuvor lange gesuchte Thema gefunden. Als die beiden das Projekt erstmals bei Reddit der Öffentlichkeit vorstellten, waren sie überwältigt von positiven Feedback. «Letztendlich ist es auch für uns eine tolle Erfahrung, Studienprojekte nützlich zu machen. Es kommt ja leider selten vor, dass Studienprojekte Anklang finden und genutzt werden, das motiviert einen dann doch auch sehr», sagt Bergmeier. So lange sie das Projekt nicht auffresse, wollen sie es weiterverfolgen &#8211; und zählen dabei auch auf die Mitarbeit der Crowd.</p>
<p>Barnickel will von den Journalisten, dass sie für ihn Sachverhalte oder Informationen neutral einordnen. Er will ihnen gerne vertrauen, das fällt jedoch schwer, wenn sie Verbindungen zu bestimmten Interessenorganisationen haben: «Wenn die Neutralität nicht da ist, dann hat der Journalist verloren. Dann kann ich nicht mehr ernst nehmen, was der schreibt.» Medienkompetenz hält er für eine wichtige Eigenschaft, aber von derart detailierten Fragen ist auch er überfordert: «Ich kann die ‹Welt› inhaltlich natürlich von der ‹Taz› unterscheiden, aber ich kann nicht immer wissen, was einzelne Journalisten unterscheidet.» Bergmeier ergänzt: «Wir als Bürger können bestimmte Relationen einfach nicht einschätzen, da brauche ich Leute, die mir das erklären. Und dann möchte ich auch wissen, ob die irgendwelche Interessen vertreten.»</p>
<p>Die Add-Ons funktionieren soweit, und geplant ist, das Hinzufügen von Journalisten transparenter und demokratischer zu gestalten. Doch noch fehlt eine breite Datenbasis: Da bisher nur wenige Publizisten ihre Haltungen und Interessen öffentlich machen, braucht es, um an eine gesicherte Information heranzukommen, Recherche. Kurz: Zwei Studenten stellt sich die klassische journalistische Aufgabe, herauszufinden, welche Interessenbindungen Journalisten haben, weil diese Jäger und Anwälte im Interesse der Wahrheit offenbar wenig Interesse haben, solche Informationen mit der Öffentlichkeit zu teilen. «Es ist schwierig, Quellen zu Hintergrundinformationen über Journalisten zu finden», sagt Bergmeier.</p>
<p>Bisher hat die Erweiterung 530 Nutzer bei Firefox und 590 Nutzer bei Chrome. Hat man sich mal an die markierten Journalisten-Namen gewöhnt, will man bald nicht mehr ohne sie surfen. Auch wenn man sich die Verbindungen nicht jedes Mal anschaut &#8211; so schnell vergisst man nicht mehr, dass Journalisten in Wechselbeziehungen stehen. Die Achillesferse des Projekts wird die Glaubwürdigkeit der Datengrundlage sein &#8211; hier hätten die Studenten etwas Unterstützung verdient. Warum nicht von Journalisten?</p>
<p>Und übrigens: «to be in cahoots (with someone)» wird übersetzt mit «(mit jemandem) unter einer Decke stecken», «(mit jemandem) gemeinsame Sache machen», «(mit jemandem) paktieren».</p>
<p><small>* Nachtrag vom 10. September: Petar Marjanovic ist seit Ende August nicht mehr im Vorstand.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/09/09/blicke-unter-eine-decke/">Blicke unter eine Decke</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Welche Parteien die Journalisten lieben</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/10/13/welche-parteien-die-journalisten-lieben/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Oct 2011 11:48:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[SVP]]></category>
		<category><![CDATA[Thomas Schlittler]]></category>
		<category><![CDATA[Objektivität]]></category>
		<category><![CDATA[SRF]]></category>
		<category><![CDATA[Sonntagsblick]]></category>
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		<category><![CDATA[Christoph Blocher]]></category>
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		<category><![CDATA[Parteien]]></category>
		<category><![CDATA[SRG]]></category>
		<category><![CDATA[Tamedia]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In einem Interview mit dem «SonntagsBlick» am 9. Oktober (PDF-Datei) kritisiert SVP-Strategiechef und Ständeratskandidat Christoph Blocher eine «monopolisierte Medienlandschaft» &#8211; gebildet angeblich von der SRG und den «Mainstream-Medien» Ringier, Tamedia und der NZZ-Gruppe. Während sich die ihn befragenden Redaktoren Hossli und Odermatt «gegen den Vorwurf der Verschwörung» verwahren, bekräftigt Blocher: «Ich rede von Gleichschaltung.» Seine <a href="https://medienwoche.ch/2011/10/13/welche-parteien-die-journalisten-lieben/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/10/13/welche-parteien-die-journalisten-lieben/">Welche Parteien die Journalisten lieben</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>In einem <a href="http://www.hossli.com/articles/2011/10/09/blochers-wahrheit/">Interview mit dem «SonntagsBlick»</a> am 9. Oktober (<a href="http://www.blocher.ch/uploads/media/interview-sobli-10-2011.pdf">PDF-Datei</a>) kritisiert SVP-Strategiechef und Ständeratskandidat Christoph Blocher eine «monopolisierte Medienlandschaft» &#8211; gebildet angeblich von der SRG und den «Mainstream-Medien» Ringier, Tamedia und der NZZ-Gruppe. Während sich die ihn befragenden Redaktoren Hossli und Odermatt «gegen den Vorwurf der Verschwörung» verwahren, bekräftigt Blocher: «Ich rede von Gleichschaltung.» Seine Partei sieht das nicht anders. Heftige Vorwürfe &#8211; aber treffen Sie auch zu? Die «Medienwoche» wertet dazu eine neue Studie über die politischen Präferenzen Schweizer Journalisten aus.<br />
<span id="more-28929"></span><br />
So direkt hat man das von Blocher in den vielen Jahren, in denen er in Opposition zu den allermeisten Medien des Landes steht, kaum je gehört. Überhaupt wird der Vorwurf der Gleichschaltung in aller Regel zurückhaltend verwendet, weil er der «nationalsozialistischen Terminologie» entstammt, wie es gleich zu Beginn des <a href="https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Gleichschaltung">Wikipedia-Artikels</a> dazu heisst, siehe dazu auch die deutsche <a href="http://www.bpb.de/themen/PC5LR9,4,0,Zehn_Stigmavokabeln.html">Bundeszentrale für politische Bildung.</a> Eine Anfrage bei der stellvertretenden Generalsekretärin der Partei, Silvia Bär, ergibt, dass die SVP Blochers Vorwurf der Gleichschaltung teilt. Die Reaktionen darauf sind allerdings inexistent bis gelassen. Der Inlandchef der NZZ, René Zeller, <a href="http://wahlfieber2011.blog.nzz.ch/2011/10/09/wir-boesen-journalisten/">schreibt</a>: «Es ist wie immer: Die Politiker wissen immer alles besser als wir Journalisten.»</p>
<p>Das Spiel zwischen SVP und Medien hat sich längst eingespielt: Die SVP schaltet jährlich Inserate in Millionenhöhe &#8211; und wird dafür im redaktionellen Teil häufig aufgegriffen, wenn auch meist mit Kneifzange, in empörter Manier und skandalisierend. In den letzten Jahren besonders hervorgetan hat sich der «Tages-Anzeiger», in Print und Online (siehe dazu auch das Projekt <a href="http://svpnewsnetz.tumblr.com/">Newsnetz goes SVP</a>).</p>
<p>Im direkten Vergleich dazu Deutschland: Dort gibt es nicht nur keine Gratiszeitungen, sondern auch keine grosse rechte Partei. Beides könnte in der Politik der Journalisten und Verlage begründet sein: Gratiszeitungsprojekte wurden solange mit Gegenerzeugnissen bekämpft, bis ihnen das Geld ausging und sie aufgaben. Rechte Parteien und ihre Mitglieder werden jeweils schon im Ansatz gesellschaftlich unmöglich gemacht, ansonsten totgeschwiegen. Bisher hat sich, abgesehen von einem gelegentlichen Aufflackern der vom deutschen Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften NPD, keine etablieren können.</p>
<p>Die Frage ist: Warum unterstützt eigentlich die so unzufriedene SVP diese «Feindespresse»? Müsste sie nicht konsequenterweise per sofort alle Inserate in den Zeitungen der kritisierten Verlage stornieren? Wenn es wirklich so ist, dass der Wahlkampf der SVP bei der Bevölkerung «sehr wohl Gehör» findet, wie Blocher behauptet, nicht aber «im Textteil der gleichgeschalteten Medien» &#8211; warum unterstützt denn die SVP diese Medien seit so vielen Jahren? Frau Bär vom SVP-Generalsekretariat erklärt es so: «Da die Positionen der SVP sehr wenig im redaktionellen Teil der Medien aufgenommen werden oder nur sehr verzerrt, sieht die SVP oft als einzigen Weg via einem Inserat die Position klar zum Ausdruck zu bringen. Genau deshalb muss die SVP in den Wahl- und Abstimmungskämpfen auch mehr Mittel einsetzen. Zum Beispiel gab es kein Mainstream-Medium, das die Ausschaffungsinitiative der Partei unterstützt hätte&#8230;» Es scheint, als benötigten nicht nur die Medien die SVP &#8211; auch umgekehrt scheint die SVP die Medien zu brauchen. Offenbar zahlt sich das gegenseitige Wechselspiel für beide Seiten aus &#8211; eine andere Frage ist, was der Medienkonsument von diesem Hickhack hat.</p>
<p>Tatsächlich hat die SVP allen Grund, sich über mangelnden Rückhalt unter den Journalisten zu beklagen: Eine Auswertung von 343 ausgefüllten Fragebogen durch ZHAW-Diplomand Thomas Schlittler zeigt auf, dass sich lediglich 6.1 Prozent von ihnen für die SVP begeistern können, siehe dazu seine Bachelor-Diplomarbeit <a href="http://www.presseverein.ch/2011/09/parteivorlieben-schweizer-journalisten/">&#8222;Die Politische Orientierung von Deutschschweizer Journalisten&#8220;</a> (<a href="http://www.presseverein.ch/uploads/2011/09/Bachelor-Diplomarbeit_Politische_Orientierung_von_Deutschschweizer_Journalisten.pdf">PDF-Datei</a>).</p>
<p>Zu den Antworten auf die von Schlittler gestellte Frage «Von welcher Partei fühlen Sie sich am ehesten repräsentiert?» habe eine ich Auswertung gemacht (alle Angaben in Prozent):</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2011/10/Politische-Einstellung-Schweizer-Journalisten-460.jpg" alt="Politische Einstellung Schweizer Journalisten, Auswertung von Ronnie Grob, medienwoche.ch" title="Politische Einstellung Schweizer Journalisten, Auswertung von Ronnie Grob, medienwoche.ch" width="460" height="315" class="alignnone size-full wp-image-5216" /></p>
<p><small>Spalte 1: Parteien.<br />
Spalte 2: Parteipräferenz aller befragten Journalisten, ZHAW Schlittler, Abbildung 35, Seite 52.<br />
Spalte 3: Parteipräferenz ohne Antworten «keine Repräsentation» und «keine Antwort», ZHAW Schlittler, Abbildung 45, Seite 57.<br />
Spalte 4: Wähleranteil der <a href="http://www.parlament.ch/d/wahlen-abstimmungen/parlamentswahlen/wahlen-2007/diezahlen/Seiten/default.aspx">Parlamentswahlen 2007</a>.<br />
Spalte 5: Differenz zwischen Spalte 3 (Journalisten) und 4 (Wähleranteil 2007).<br />
Spalte 6: Prognostizierter Wähleranteil 2011 (Durchschnitt), berechnet aus <a href="https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Schweizer_Parlamentswahlen_2011#Neue_Wahlumfragen">fünf Wahlumfragen vom 18. Juni bis zum 26. September</a>.</small></p>
<p>Die Differenz zwischen den Präferenzen der Schweizer Journalisten und dem tatsächlichem Wähleranteil sieht grafisch recht beeindruckend aus. Während die Linken (SP und Grüne) um 25 Prozent übervertreten sind, ist das, was vor wenigen Jahren noch als Bürgerblock bezeichnet wurde (CVP, FDP und SVP), um 27.2 Prozent untervertreten:</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2011/10/Wähleranteil-2007-vs.-Journalistenbefragung-2011-Differenz-in-Prozent-460.jpg" alt="Wähleranteil 2007 vs. Journalistenbefragung 2011, Differenz in Prozent, Grafik von Ronnie Grob, Medienwoche.ch" title="Wähleranteil 2007 vs. Journalistenbefragung 2011, Differenz in Prozent, Grafik von Ronnie Grob, Medienwoche.ch" width="460" height="272" class="alignnone size-full wp-image-5217" /></p>
<p>Die Journalisten stehen also deutlich neben dem Rest der Bürger, das gilt auch für ihre Haltung zum Minarettverbot, zur Militärdienstpflicht, zum Bankgeheimnis, zur Neutralität oder zur Volkswahl des Bundesrats. Geradezu extrem ist die Begeisterung von Journalisten für die Grünliberale Partei, die 2007 1.4 Prozent der Stimmen erreichte. Satte 21.9 Prozent fühlen sich von ihr repräsentiert, ein Unterschied mit Faktor 15.</p>
<p>Die (von Journalisten gerne verheimlichte und marginalisierte) Haltung ist das eine, ihre konkrete Auswirkung auf die Arbeit das andere. In der Studie von Schlittler heisst es auf Seite 29/30:</p>
<blockquote><p>Eine bewusste politische Beeinflussung der Berichterstattung verneint die grosse Mehrheit der Journalisten. Sie fühlen sich offensichtlich dem Credo der (möglichst) objektiven Berichterstattung verpflichtet. Eine unbewusste Einflussnahme schliessen die meisten Journalisten hingegen nicht aus. In spontanen Rückmeldungen am Ende des Fragebogens (vgl. Anhang 8.4.1) geben viele Befragte an, dass eine absolut werteneutrale Berichterstattung schlicht nicht möglich sei, dass man sich aber bemühe, die eigene Einstellung aussen vor zu lassen. Zahlreiche Kommentare weisen auch darauf hin, dass die politische Einstellung vor allem bei der Themenwahl eine Rolle spiele.</p></blockquote>
<p>Vielleicht braucht es, um den Ausgleich zum Wahl- und Stimmvolk herzustellen, mehr Journalistinnen und Journalisten, die Parteien wie die SVP oder CVP gut finden?</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/10/13/welche-parteien-die-journalisten-lieben/">Welche Parteien die Journalisten lieben</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Das Märchen der Objektivität</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 01 Feb 2011 10:40:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Standpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Journalisten]]></category>
		<category><![CDATA[Meinung]]></category>
		<category><![CDATA[Jay Rosen]]></category>
		<category><![CDATA[Objektivität]]></category>
		<category><![CDATA[Wahrheit]]></category>
		<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Forumszeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bei Journalisten werden menschliche Neigungen offenbar ignoriert. Man nimmt an, es handle sich bei ihnen um Personen ohne Machtstreben, die nur der Wahrheit verpflichtet sind. Nehmen wir Matthias Aebischer: Während 18 Jahren arbeitete er als Moderator und Redaktor völlig neutral für das Schweizer Fernsehen, unter anderem für die durchaus politischen Formate “Tagesschau” und “Club”. Im <a href="https://medienwoche.ch/2011/02/01/das-marchen-der-objektivitat/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/02/01/das-marchen-der-objektivitat/">Das Märchen der Objektivität</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Bei Journalisten werden menschliche Neigungen offenbar ignoriert. Man nimmt an, es handle sich bei ihnen um Personen ohne Machtstreben, die nur der Wahrheit verpflichtet sind. Nehmen wir Matthias Aebischer: Während 18 Jahren arbeitete er als Moderator und Redaktor völlig neutral für das Schweizer Fernsehen, unter anderem für die durchaus politischen Formate “Tagesschau” und “Club”. Im Herbst kandidiert er im Namen der Sozialdemokraten für einen Nationalratssitz. Warum? Die SP habe “ganz klar die edelsten Anliegen aller Parteien”, sagte er <a href="http://www.20min.ch/news/schweiz/story/23973962" target="_blank">20min.ch</a>. Es ist anzunehmen, dass diese Meinung auch in den Jahren seines stets ausgewogenen Schaffens für das Fernsehen vorgeherrscht hat.<span id="more-294"></span></p>
<p>Wie es genau ist mit den Journalisten und der Wahrheit, weiss keiner so genau, denn ihre Arbeit unterliegt so wenigen Kontrollen wie kaum eine andere. Der Presserat, einige Vereine und ein paar Medienblogs üben sich unter Ausschluss der grossen Öffentlichkeit in Medienkritik, viel mehr gibt es nicht. Auf den Podien der Branche, in den Blattkritik-Konferenzen der Redaktionen, wo diese Fragen diskutiert werden könnten, sitzen in aller Regel nur Leute, die sich gegenseitig gut kennen und gut zureden. Gepflegt wird in den meisten Fällen oberflächliches Wohlwollen, denn in der kleinen Deutschschweizer Medienszene könnte jeder Kritisierte der nächste Chef sein.</p>
<p>Es braucht keine Ausbildung, keine Zertifikate, keine Prüfungen, um als Journalist zu arbeiten. Einfach jeder, der publiziert und Geld dafür erhält, darf sich Journalist nennen. Und das ist gut so, denn nur, wenn der Journalistenberuf keinen Beschränkungen unterworfen ist, kann die Pressefreiheit gewährt werden.</p>
<p>Das Publikum neigt dazu, jenen Medien, die es aus Überzeugung regelmässig konsumiert, Glauben zu schenken. Andere Medien, die vielleicht das Gegenteil behaupten, werden oft gar nicht mehr wahrgenommen. Ein undifferenziertes Vorgehen, aber wer kann sich schon seinen Sympathien und Abneigungen ganz erwehren? Um ein Beispiel zu bringen: Ich kenne viele Leute, die bei jeder Gelegenheit auf die “Weltwoche” schimpfen, allerdings seit Jahren keine Ausgabe gelesen haben. Auf der anderen Seite gibt es Leute, die eine “WOZ” nicht mal mit der Pinzette anfassen würden. Und in beiden finden sich lesenswerte und fragwürdige Storys.</p>
<p>Die Wahrheit liegt, wie immer, dazwischen. Das wissen auch die Konsumenten, die besonders in der Schweiz keineswegs zu Extremen neigen. Jene Zeitungen, die sich “Forumszeitungen” nennen, kommen diesem Wunsch nach Ausgewogenheit entgegen aus handfesten Gründen.</p>
<p>Journalisten wählen mehrheitlich links und grün, das ergeben Umfragen regelmässig. Die von ihnen erstellten Zeitungen nennen sich Forumszeitungen, weil auch die politisch nicht linksgrün orientierten Konsumenten zum Kauf der Zeitung motiviert werden sollen. Die hinter der Zeitung stehenden Aktiengesellschaften haben vor allem ein Ziel: Mit der Zeitung Geld zu erwirtschaften. Dass sich vorwiegend gewinnorientierte Verlagsprodukte trotzdem Mühe geben, sich an die Fakten zu halten, hat mehr mit Glaubwürdigkeit zu tun, weniger mit Sendungsbewusstsein.</p>
<p>Und ja, es ist ein Glück, dass es in der Schweiz kaum Medien gibt, die Fakten gänzlich ignorieren, um eine Meinung zu transportieren, so wie es etwa der US-TV-Sender  “Fox News” tut. In einer politischen und wirtschaftlichen Krise könnte sich das aber schnell ändern. Um so wichtiger werden dann Beobachter, die imstande sind, Fakten richtig zu stellen.</p>
<p>Journalisten, die eine Meinung und daraus erfolgende Interessen vertreten, sollten diese öffentlich machen. Raum dafür wäre allgemein im eigenen Blog oder konkret als Nachbemerkung im journalistischen Produkt. Das ist transparent und dem Leser gegenüber ehrlich. Die eigenen Neigungen dauernd zu verleugnen und sich und seine Produkte als hehrer Ort der Objektivität zu bezeichnen, ist verlogen. <a href="http://www.npr.org/2011/01/05/132658246/american-medias-true-ideology-avoiding-one" target="_blank">Journalistikprofessor Jay Rosen sagte kürzlich</a>: “Journalisten sind nicht sehr gut darin, alle ihre Vorlieben und Neigungen aus ihren Berichten zu entfernen. Sie sollten nicht sagen, sie können das, weil es den meisten Leuten auf der Empfängerseite sehr klar ist, dass sie dauernd daran scheitern.”</p>
<p>Keinen Standpunkt hat nur, wer schwebt. Keine Meinung haben nur Menschen, die sich mit einem Thema (noch) nicht befasst haben. Journalisten gehören da, wenn sie ihren Job richtig machen, nicht dazu.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/02/01/das-marchen-der-objektivitat/">Das Märchen der Objektivität</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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