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	<title>Open Data | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Fri, 31 Jul 2020 12:47:25 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Dieser kluge Umgang mit Corona-Daten sollte Schule machen</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2020/07/31/dieser-kluge-umgang-mit-corona-daten-sollte-schule-machen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 31 Jul 2020 12:47:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Medienförderung]]></category>
		<category><![CDATA[Open Data]]></category>
		<category><![CDATA[Coronavirus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Behörden analysieren mit einem Computercode der NZZ heikle Corona-Daten und veröffentlichen die Resultate. Als Nebenwirkung tut sich dabei eine Möglichkeit sinnvoller indirekter Medienförderung auf.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Behörden analysieren mit einem Computercode der NZZ heikle Corona-Daten und veröffentlichen die Resultate. Als Nebenwirkung tut sich dabei eine Möglichkeit sinnvoller indirekter Medienförderung auf.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/07/31/dieser-kluge-umgang-mit-corona-daten-sollte-schule-machen/">Dieser kluge Umgang mit Corona-Daten sollte Schule machen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>«Es braucht einen langen Atem»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/07/22/es-braucht-einen-langen-atem/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 Jul 2011 07:00:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gespräche]]></category>
		<category><![CDATA[Datablog]]></category>
		<category><![CDATA[Open Data]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Datenjournalismus]]></category>
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		<category><![CDATA[Statistik]]></category>
		<category><![CDATA[dpa]]></category>
		<category><![CDATA[Christina Elmer]]></category>
		<category><![CDATA[Data-Journalism]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Manchmal erzählen Zahlen mehr als Worte. Zum Berufsalltag von Christina Elmer gehört es, diese verborgenen Geschichten ausfindig zu machen und mit den Mitteln des Datenjournalismus für das Publikum aufzubereiten. Die Redaktorin für Infografiken bei der Deutschen Presse-Agentur dpa erzählt, welche speziellen Fähigkeiten und Fertigkeiten diese in Mode gekommene Disziplin des Journalismus erfordert. Was sind die <a href="https://medienwoche.ch/2011/07/22/es-braucht-einen-langen-atem/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Manchmal erzählen Zahlen mehr als Worte. Zum Berufsalltag von Christina Elmer gehört es, diese verborgenen Geschichten ausfindig zu machen und mit den Mitteln des Datenjournalismus für das Publikum aufzubereiten. Die Redaktorin für Infografiken bei der Deutschen Presse-Agentur dpa erzählt, welche speziellen Fähigkeiten und Fertigkeiten diese in Mode gekommene Disziplin des Journalismus erfordert.<br />
<span id="more-28895"></span><br />
<strong>Was sind die wichtigsten Grundlagen, um Datenjournalismus zu betreiben?</strong><br />
Ganz praktisch braucht man ein Verständnis für Statistik und Zahlen. Und einen langen Atem, weil man oft schwer an die Daten herankommt und die Geschichte darin auch nicht immer sofort sieht.</p>
<p><strong>Was ist denn das Neue am Datenjournalismus? Das gab es doch schon immer …</strong><br />
Was es immer schon gab, war die Geschichte, die dann mit den vorliegenden Daten ergänzt wird. Das Neue ist die Idee, eine These, eine Story aus den Daten heraus starten zu können, also <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Data_driven_journalism">Data-Driven-Journalism</a>. Für viele definiert sich Journalismus weiterhin darüber, gut formulieren zu können, – Daten finden die wenigsten Kollegen wirklich spannend. In einem Seminar sagte mal jemand: «Wenn ich Mathe gekonnt hätte, wäre ich doch nicht Journalistin geworden!»</p>
<p><strong>Was sind für Dich die wichtigsten Datenquellen?</strong><br />
Im deutschsprachigen Raum:<br />
1) die Statistischen Ämter insgesamt<br />
2) die Bundesministerien<br />
3) Forschungsinstitute, zb für Gesundheit das Robert-Koch-Institut<br />
4) je nach Bereich Verbände und Vereine (die sind aber oft nicht im Web anzutreffen)<br />
Einen Überblick bekommt man auf <a href="http://offenedaten.de/">offenedaten.de</a>, die fassen als Metakatalog zusammen, was es an offenen Daten gibt in Deutschland. Von dort aus gelangt man dann direkt zu den Datenquellen für alle möglichen Themenbereiche.<br />
Für internationale Fragen suche ich auf Websites von Organisationen wie UN, ILO, WHO, IWF und OECD. Dort sind die Daten aber oft nicht ganz so handlich aufbereitet, und es etwas länger, sich in die Hintergründe einzulesen.</p>
<p><strong>Wie findet man den richtigen Ansprechpartner? Und mailt man den einfach an, wenn man eine Anfrage hat?</strong><br />
Um auf neue Quellen zu stossen, google ich zunächst gerne – am besten mit der erweiterten Suche, wo man ganz gezielt nach Formaten und Quellen suchen kann. Bei Datenveröffentlichungen ist dann oft eine Ansprechsperson angegeben. Am besten bewährt hat sich da die Ebene der Sachbearbeiter, die direkt an den Daten arbeiten. Denn beim Pressesprecher kommt man oft nicht weiter, bei denjenigen, die ein Statement dazu abgeben können, auch nicht.</p>
<p><strong>Was wünschst Du Dir von denen, die Daten zur Verfügung stellen?</strong><br />
Auf jeden Fall müssen die Daten öffentlich zugänglich sein. Am besten sind maschinenlesbare Werte, die man mit vielen Programmen abrufen kann. An <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/CSV_%28Dateiformat%29">CSV</a>-Dateien zum Beispiel kann man mit jedem Programm rangehen. Persönlich verwerte ich viel mit Excel. Wenn es sich um umfangreiche Daten handelt, arbeite ich auch gerne mit Datenbank-Formaten.</p>
<p><strong>Zweifelst Du manchmal auch an Statistiken, die Dir zur Verfügung stehen? Gibt es gefälschte Statistiken?</strong><br />
Bei internationalen Quellen zweifle ich manchmal, weil ich da keinen Einblick habe, wie die Behörden den in einzelnen Ländern arbeiten. Daten werden ja nie alleine veröffentlicht, sondern immer mit einem Metadatenblatt – jeder Datenjournalist sollte wissen, wie man so eins liest. Wenn solche Metainformationen nicht existieren, ist das erst recht ein Grund, zu zweifeln. Es lohnt sich, das auch unter Aktualitätsdruck genau zu prüfen.</p>
<p><strong>Aber diese Zeit fehlt doch in den Redaktionen. Lesen nicht viele Journalisten nur die Pressemeldung zur Studie? Wenn es gut kommt, auch mal das Fazit?</strong><br />
Das glaube ich auch. Leider ist es nicht weit verbreitet, nochmals bei den Details einzusteigen. Aber wenn einem etwas auffällt und man dem nachgeht, kann man eine Geschichte erzählen, die so niemand anders hat. Die Pressemitteilungen kann der Leser ja auch selbst lesen, dazu braucht er keine Journalisten.</p>
<p><strong>Hast Du ein Beispiel?</strong><br />
Ein schönes ist das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Elterngeld">Elterngeld</a>: Jedes Jahr verbreitete das Familienministerium Jubelmeldungen, dass es gut angenommen und auch von immer mehr Vätern beantragt werde, etc. Das statistische Bundesamt liefert dazu jeweils ein Datenblatt, auf dem steht, welche Sätze verteilt wurden und wie lange Elterngeld ausbezahlt wurde. Es stellte sich heraus, dass die Hälfte nur den Mindestsatz erhält, es sich dabei also um Studenten, Arbeitslose oder Geringverdiener handelt. Geplant war das Elterngeld aber, um ganz normal Beschäftigte dazu zu bewegen, eine Pause für das Kind einzulegen. Die meisten Väter beanspruchten das Elterngeld nur für ein paar Monate, die Mütter dagegen zum grössten Teil ein volles Jahr. Das stand zwar in den Daten drin, nicht aber in der Pressemitteilung des Ministeriums.</p>
<p><strong>Wie geht ihr mit gemachten Fehlern um? Fremden? Eigenen?</strong><br />
So schnell und so offen wie möglich berichtigen. Wenn der Fehler bereits raus ist, verschicken wir zusätzlich auch eine Achtungsnotiz mit hoher Priorität. Wir müssen den Fehler am selben Tag noch bemerken, denn sonst steht er bereits in der Zeitung. Daher ist der Druck da, unbedingt richtig zu arbeiten und mit dem Vier- oder Sechs-Augen-Prinzip nochmals nachzuprüfen.</p>
<p><strong>Was war der schlimmste Fehler, der Dir je passiert ist?</strong><br />
Einmal bin ich um eine Zeile verrutscht, das war mir tierisch peinlich. Zum Glück konnte dieser Fehler noch zurückgehalten werden.</p>
<p><strong>Wer macht den besten Datenjournalismus weltweit / im deutschsprachigen Raum?</strong><br />
Der «Guardian» liefert Glanzlichter, oder die «New York Times», die sind im infografischen Bereich stark. Über Datenjournalismus lesenswert ist das <a href="http://blog.zeit.de/open-data/">Open Data Blog</a> von Lorenz Matzat bei der Zeit.</p>
<p><strong>Wie entsteht eine Infografik, die mehr ist als nur eine Abbildung offensichtlicher Fakten? Kannst Du ein Beispiel geben?</strong><br />
Bei den <a href="http://www.guardian.co.uk/world/the-war- logs">«Afghanistan Warlogs»</a> beispielsweise entsteht durch die interaktive Darstellungsart eine ganz neue Art von Storytelling. Der Nutzer selbst entscheidet, was ihm wichtig ist. Das ist doch motivierender, als eine Geschichte vorgekaut zu kriegen. Wir versuchen auch, unsere Regionalkunden mit interaktiven Infografiken zu erreichen – in der Form eines Dienstes namens RegioData, der ihnen die Daten für ihr Verbreitungsgebiet aus einer Statistik liefert. Damit wollen wir den Zeitungen ermöglichen, Datenjournalismus für ihre Region zu machen. Bislang nutzen aber leider nur wenige Redaktionen dieses Angebot. Insgesamt ist Datenjournalismus hierzulande auch noch nicht weit verbreitet. Es ist fast wie ein Teufelskreis: Weil Journalisten nicht daran gewöhnt sind, so zu arbeiten, fragen sie nicht nach Daten. Und weil niemand nach den Daten fragt, ist auch wenig Druck da, die Informationsfreiheit zu verstärken. Und weil die Informationsfreiheit nicht so gross ist, kommen auch Journalisten nicht richtig auf Ideen.</p>
<p><strong>Wie stehst Du zu Wikileaks?</strong><br />
Durchaus positiv, auch wenn man in einzelnen Fällen nicht alles gut finden muss. Da ist es wichtig, genau abzuwägen: Einerseits sollen Daten dafür sorgen, mehr Transparenz in eine von Interessen geleitete Informationspolitik zu bringen. Andererseits müssen Informationen über einzelne Personen auf jeden Fall gut geschützt werden.</p>
<p><strong>Du hast die Wichtigkeit der richtigen Nutzung von Suchmaschinen erwähnt. Wie hast Du das gelernt? Gibt es da auch offizielle Anleitungen?</strong><br />
Ich habe das in einem Uniseminar gelernt, Trainings dazu gemacht und dann auch selbst Trainings gegeben. Wir machen jedes Jahr Schulungen für Recherche im Internet, was hilft, den Horizont zu erweitern. Journalisten sollten selber vermehrt einen Spiel- und Jagdtrieb entwickeln – es liegt so viel rum, das nicht gefunden und darum auch nicht ausgewertet wird. Mein Eindruck ist, dass die Fülle von Informationen in der heutigen Medienwelt für viele Journalisten abschreckend wirkt – so geht das Selbstexplorative noch stärker verloren. Wer für einen Themenbereich zuständig ist, ist dann schnell mal überfordert, weil er ja dazu gezwungen ist, alles mitzukriegen.</p>
<p><strong>Was rätst Du Konsumenten von Infografiken, auf was müssen sie achten?</strong><br />
Es gibt vielfältige Manipulationsmöglichkeiten. Beachten sollte man auf jeden Fall die Skala – wo fängt sie an, wo hört sie auf? Welche Farben werden verwendet, welche sind besonders auffällig? Wie ist das Umfeld, in dem die Infografik präsentiert wird? Ist ein (Emotionen auslösendes) Foto hinterlegt? Welche Auswahl wurde getroffen? Habe ich das Gefühl, dass ich einen vollständigen Themenüberblick erhalte? Wenn die Grafik nicht vermitteln kann, was sie aussagen will, dann ist sie vielleicht eher Design als Journalismus.</p>
<p><strong>Was kannst Du über Deutschland sagen, nachdem Du so viele<br />
Regionalstatistiken angelegt hast?</strong><br />
Es gibt einzelne Regionen, die immer wieder vorkommen, bei sozialen Themen, bei demografischen Entwicklungen, beim Unterschied zwischen Stadt und Land. Viele Entwicklungen, die deutschlandweit zu beobachten sind, spielen sich im Regionalen oft viel differenzierter ab, beispielsweise bei der hausärztlichen Versorgung.</p>
<p><strong>Wie haben sich die Unterschiede zwischen dem Osten und dem Westen entwickelt?</strong><br />
Bei bestimmten Themen ist der Abstand zwischen Ost- und Westdeutschland noch sehr stark, besonders bei historisch gewachsenen Themen wie der Kinderbetreuung.</p>
<p><small>Das Gespräch mit Christina Elmer wurde am 20. Mai 2011 in Berlin geführt.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/07/22/es-braucht-einen-langen-atem/">«Es braucht einen langen Atem»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Zeigt her eure Zahlen</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/05/05/zeigt-her-eure-zahlen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 May 2011 07:15:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
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		<category><![CDATA[Datenjournalismus]]></category>
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		<category><![CDATA[Joseph Dreier]]></category>
		<category><![CDATA[Open Data]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Trend geht um: Der Datenjournalismus. Allmählich entdecken Medien die Möglichkeiten der Infografik im Netz. Der Guardian in London, ein Pionier dieser neuen journalistischen Disziplin, beschäftigt ein eigenes Ressort mit der Datenaufbereitung und -darstellung. Auch andernorts setzt man auf animierte Webgrafiken zur Visualisierung zahlenbasierter Zusammenhänge; etwa das ZDF mit dem Arbeitsmarkt Scanner oder die Zeit mit der <a href="https://medienwoche.ch/2011/05/05/zeigt-her-eure-zahlen/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Trend geht um: Der Datenjournalismus. Allmählich entdecken Medien die Möglichkeiten der Infografik im Netz. Der Guardian in London, ein Pionier dieser neuen journalistischen Disziplin, beschäftigt <a href="http://www.guardian.co.uk/news/datablog" target="_blank">ein eigenes Ressort</a> mit der Datenaufbereitung und -darstellung. Auch andernorts setzt man auf animierte Webgrafiken zur Visualisierung zahlenbasierter Zusammenhänge; etwa das ZDF mit dem <a href="http://module.zdf.de/arbeitsmarkt-scanner/" target="_blank">Arbeitsmarkt Scanner</a> oder die Zeit mit der Visualisierung von <a href="http://www.zeit.de/datenschutz/malte-spitz-vorratsdaten" target="_blank">Handy-Verbindungsdaten</a>. In der Schweiz hat die NZZ erste Gehversuche unternommen mit einer interaktiven Karte zum <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/schweiz/dicht_an_dicht_im_mittelland_1.10307133.html" target="_blank">Wachstum der Siedlungsfläche</a> im Mittelland.<br />
Im Gespräch mit der MEDIENWOCHE erklärt Joseph Dreier was Datenjournalismus leisten kann und soll und wo seine Grenzen liegen. Dreier arbeitet als <a href="http://dreierdesign.com/Dreier_Infografik/Samples.html" target="_blank">Informationsdesigner</a>, er ist Mitglied der <a href="http://www.snd.org/" target="_blank">Society for News Design</a> und leitet an der Journalistenschule MAZ Kurse in <a href="http://www.maz.ch/Journalismus/kurse.asp?n=013600_8090" target="_blank">Datenjournalismus</a> und <a href="http://www.maz.ch/Kommunikation/kurse.asp?n=020400_7421" target="_blank">Dataminig</a>.</p>
<p><span id="more-28814"></span><br />
<img decoding="async" alt="" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2011/05/dreier_klein.jpg" class="alignleft" width="170" height="174" /> <em>Medienwoche: Weshalb erlebt der Datenjournalismus ausgerechnet jetzt eine Blüte?</em><br />
Joseph Dreier: Weil immer mehr Daten zur freien Nutzung und Bearbeitung online zur Verfügung stehen. Genauso wie die dafür erforderliche Software. Aber so neu ist das alles eigentlich gar nicht. Beim Datenjournalismus handelt es sich um die logische Fortsetzung der Infografik im Web. Auch Datamining gibt es schon lange. Bisher war es aber der Wissenschaft – Soziologen, Psychologen, Ökonomen – vorbehalten, grosse Datensätze auszuwerten und zu interpretieren. Allmählich beginnt sich diese Arbeitsmethode auch in den Medien zu etablieren.</p>
<p><em>Welche Rolle spielten die Veröffentlichungen von Wikileaks für den Datenjournalismus?</em><br />
Ich würde das nicht überbewerten. Wikileaks trug seinen Teil dazu bei, indem auf einen Schlag grosse Datenmengen öffentlich verfügbar waren, die bearbeitet werden konnten. Wichtiger erscheinen mir die neuerdings verfügbaren umfangreichen Datensätze von Behörden, Universitäten und anderen öffentlichen Institutionen, die gerne unter dem Schlagwort <a href="http://opendata-network.org/" target="_blank">Open Data</a> zusammengefasst werden.</p>
<p><em>Wo liegen die Anfänge des Datenjournalismus?</em><br />
Das begann meiner Ansicht nach vor rund zehn Jahren mit der Aufbereitung und Darstellung von Wahlergebnissen. Schon damals haben Medien Karten ins Netz gestellt, wo Resultate interaktiv abgefragt werden konnten. Daher sehe ich den heutigen Datenjournalismus lediglich als einen neuen Begriff für bestimmte Darstellungsformen von Information, die es in ähnlicher Form früher schon gab. Aber auch der gedruckten Infografik liegt letzlich Datenjournalismus zugrunde. Damals wie heute geht es darum, Zahlen und Daten grafisch umzusetzen. Animation und Interaktivität machen den Unterschied zwischen Papier und Web aus. Man kann heute einfach mehr rausholen, weil es im Netz zusätzliche Darstellungsformen gibt.</p>
<p><em>Datenjournalismus sollte der einfacheren und transparenteren Vermittlung von Fakten dienen. Versteht das Publikum die neue Sprache?</em><br />
Ich denke sehr wohl, dass damit einem Bedürfnis entsprochen wird. Wenn man sieht, wie unattraktiv früher Daten und Zahlen dargestellt wurden, sei es mit Tabellen oder im Text eingebaut, dann sehen wir heute einen klaren Fortschritt, der vom Publikum honoriert wird.</p>
<p><em>Das Publikum soll nicht nur bunte Grafiken anschauen, sondern sich selbst einbringen. In welchem Mass ist das sinnvoll?</em><br />
Das betrachte ich eher als Spielerei. Das Publikum kann sich an der Recherche beteiligen. Das ist interessant, weil eine Redaktion damit das Feld erweitern kann. Bei der Umsetzung und der Darstellung der Ergebnisse sehe ich aber kaum Möglichkeiten, wie sich das Publikum einbringen kann. Es braucht diese redaktionelle Schleuse, wo die Daten zusammengefasst, interpretiert und veranschaulicht werden.</p>
<p><em>Wie lässt sich das Risiko des <a href="http://berlinergazette.de/datenjournalismus-populismus-transparenz-re-publica/" target="_blank">Datenpopulismus</a>, der unzulässigen Verkürzung von Fakten, vermeiden</em>?<br />
Wichtigstes Prinzip ist die Transparenz: Wie sind die Zahlen zustande gekommen, aus welchen Quellen stammen sie, wie ist die Darstellung zustande gekommen? Ganz normale journalistische Fragestellungen. Besondere Vorsicht ist angezeigt, wenn es um die Zukunft geht. Da muss man klar kennzeichnen, dass das keine gesicherten Daten sind, sondern Prognosen, Hochrechnungen und manchmal auch nur Mutmassungen.</p>
<p><em>Der Datenjournalismus im Netz ist ein junges Genre. Was sind die grössten Fehler und Mängel, die Sie beobachten?</em><br />
Schlechte Darstellungen entstehen oft, wenn Printgrafiken eins zu eins online übernommen werden. Öfters beobachte ich auch, dass Inhalt und grafische Mittel nicht miteinander korrespondieren und die Darstellung dadurch unübersichtlich wird. Sodann halte ich auch Relevanz beim Datenjournalismus für ein entscheidendes Kriterium. Wenig ergiebig war in diesem Zusammenhang jüngst die Behandlung von The Royal Wedding in London. Alles, was man auf vielen Grafiken sah, war die <a href="http://www.simplesitetutorials.org/whos-sitting-where/" target="_blank">Sitzordnung</a> in der Westminster Abbey; oder<a href="http://www.novafm.com.au/lib/images/contents/Wedding-Route-Map.jpg" target="_blank" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""> der Weg zum Buckingham Palace</a>. Das kann ich auch auf Google Maps nachschauen.</p>
<p><em>Wie werde ich Datenjournalist?</em><br />
Den Beruf des Datenjournalisten gibt es nicht. Das ist immer Teamwork. Datenjournalismus erfordert Rechercheure, die eine Geschichte ausgraben. Für das Storytelling braucht es Journalisten. Denn auch am Anfang eines datenjournalistischen Prozesses stehen die Fragen: Welche Geschichte will ich erzählen und welche Aussage will ich mit den Zahlen machen? Bei der Umsetzung kommen dann Grafiker und Webdesigner zum Zug, die ein Auge haben für die visuelle Inszenierung einer Geschichte. Für die Aufbereitung der Daten sind Programmierer und teilweise auch Mathematiker zuständig.</p>
<p><em>Sie unterrichten Datenjournalismus am MAZ, der Schweizer Journalistenschule. Was kann der Einzelne lernen, wenn Datenjournalismus immer im Team entsteht?</em><br />
Der schreibende Redaktor soll sich Grundbegriffe der Grafik und des Webdesigns aneignen. Zum anderen müssen Grafiker und Webdesigner journalistische Grundbegriffe lernen, wie man eine Geschichte erzählt und Sachverhalte auf den Punkt bringt. Für beide Seiten ist es sinnvoll und wichtig, sich für den anderen Bereich zu öffnen und zu interessieren. Ich versuche einen Überblick zu geben über gute und schlechte Beispiele aus der aktuellen internationalen Medienlandschaft. Gemeinsam erarbeiten wir Kriterien der Beurteilung und diskutieren verschiedene Webtools und spezielle Software für die Datenaufbereitung und -präsentation. In kleinen Übungen geht es um erste Schritte in der Praxis.</p>
<p><em>Wie wird sich der Datenjournalismus weiterentwickeln?</em><br />
Momentan wird noch viel Buntes gezeigt. Mit der Zeit wird sich der Datenjournalismus konsolidieren und zu einer klareren grafischen Sprache finden. Das ging auch bei der gedruckten Infografik so. Im Kern wird es immer darum gehen, wie ich meine Story so erzählen kann, damit sie von den Betrachtern schnell erfasst und verstanden werden kann. Womit auch klar ist, dass der Journalismus nicht ausstirbt. Denn gerade bei der Aufbereitung von riesigen Datenmengen braucht es professionelle Journalisten mehr denn je.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/05/05/zeigt-her-eure-zahlen/">Zeigt her eure Zahlen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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