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	<title>Radio 24 | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Tue, 08 Oct 2019 13:11:38 +0000</lastBuildDate>
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	<item>
		<title>Radio 24: Die Revolution begann vor vierzig Jahren</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2019/10/05/radio-24-die-revolution-begann-vor-vierzig-jahren/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 05 Oct 2019 13:10:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Roger Schawinski]]></category>
		<category><![CDATA[Radio 24]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Neue Technologien haben die Schweizer Medienlandschaft komplett verändert. Einer nutzte die Chancen früh: Roger Schawinski. Mit seinem Radio 24 brachte er vor vierzig Jahren den Stein ins Rollen.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Neue Technologien haben die Schweizer Medienlandschaft komplett verändert. Einer nutzte die Chancen früh: Roger Schawinski. Mit seinem Radio 24 brachte er vor vierzig Jahren den Stein ins Rollen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/10/05/radio-24-die-revolution-begann-vor-vierzig-jahren/">Radio 24: Die Revolution begann vor vierzig Jahren</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Der Erste, Beste, Eitelste</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2014/03/13/der-erste-beste-eitelste/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Mar 2014 10:17:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Autobiografie]]></category>
		<category><![CDATA[Radio 24]]></category>
		<category><![CDATA[Radio1]]></category>
		<category><![CDATA[SRF]]></category>
		<category><![CDATA[Roger Schawinski]]></category>
		<category><![CDATA[Schawinski]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Roger Schawinski legt mit bald 69 Jahren eine mutige, gefühlvolle Autobiografie vor. Mit seiner aussergewöhnlichen Karriere hat er die Schweizer Medienbranche in fast allen Bereichen vorwärts gebracht. Schawinskis Kritiker und Neider müssen sich fragen, was sie ihm abseits von Oberflächlichkeiten entgegenzusetzen haben. «Alles, was wir erdachten, war neu, spannend und manches sogar sensationell.» Roger Schawinski, <a href="https://medienwoche.ch/2014/03/13/der-erste-beste-eitelste/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Roger Schawinski legt mit bald 69 Jahren eine mutige, gefühlvolle Autobiografie vor. Mit seiner aussergewöhnlichen Karriere hat er die Schweizer Medienbranche in fast allen Bereichen vorwärts gebracht. Schawinskis Kritiker und Neider müssen sich fragen, was sie ihm abseits von Oberflächlichkeiten entgegenzusetzen haben.<br />
<span id="more-18468"></span></p>
<div align="right"><small>«Alles, was wir erdachten, war neu, spannend und manches sogar sensationell.»<br />
Roger Schawinski, «Wer bin ich?», Seite 179.</small></div>
<p></p>
<p>Der kleine Radiopionier von damals hat heute in der Deutschschweiz die volle Medienmacht: Vorabdrucke, Interviews, Rezensionen seiner Autobiografie <a href="http://www.keinundaber.ch/buecher_und_records/buecher/wer_bin_ich/index.html">«Wer bin ich?»</a>, wo man hinschaut. Wer alle und jeden kennt, muss nicht betteln um besondere Aufmerksamkeit. Will er etwas zur Medienbranche loswerden, steht sein Hausmedium <a href="http://www.persoenlich.com/">Persoenlich.com</a> jederzeit bereit. Will er sonst was einbringen, so besitzt er immerhin zwei Radios und führt mehrere Talksendungen. Und sonst schreibt er eben mal wieder ein Buch. Um es zu präzisieren: Er hat die volle Medienmacht, was die Entfaltung seiner eigenen Person angeht. Im Teich der Schweizer Medien bleibt er ein kleiner, unberechenbarer, angriffiger Fisch, von den grösseren Tieren gefürchtet, aber auch gönnerhaft ignoriert.</p>
<h3>Baden im Ganges</h3>
<p>Das Buch hätte «ein strenges Lektorat benötigt», <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/buecher/Er-ist-sich-selbst-der-Beste/story/27065589">moniert der Tages-Anzeiger</a>, und ja, einige Passagen hätten eleganter formuliert werden können. Doch so ist es dem Gesprochenen näher, und das passt perfekt zur Autobiografie von Roger Schawinski. «Die Leidenschaft bei ihm ist immer gross oder ganz gross», stellt ein davon völlig ermüdeter Jean-Martin Büttner fest. Und natürlich hat er recht: Schawinskis Leben ist einfach glamourös! Seine allererste Liebesnacht verbringt er im Hilton in Istanbul. Seinen ersten richtigen Artikel schreibt er über Hippies («Die blaue Blume von San Francisco» in der Weltwoche). Seine Matura erledigt er in wenigen Monaten, mit dem besten Notendurchschnitt aller Geprüften: 5,45. Seine Doktorarbeit über die Auswirkungen des Tourismus auf Entwicklungsländer verfasst er mit 27, als «einer der ersten Ökonomen, der sich ernsthaft mit dieser Problematik zu befassen schien». Für Jimmy Cliff besorgt er Gras im Autonomen Jugendzentrum AJZ. Und wenn er am Ufer eines weltbekannten Flusses steht, macht er nicht wie andere ein Foto und geht wieder. Sondern er steigt hinein: «Ich wagte sogar das rituelle Untertauchen im völlig verschmutzten Ganges, obwohl dies aus hygienischer Sicht natürlich grober Unfug war.»</p>
<p><iframe width="460" height="345" src="//www.youtube.com/embed/J3odyso0ivU?rel=0" frameborder="0" allowfullscreen></iframe><br />
<small>Harald Schmidt liest Roger Schawinski (<a href="https://www.youtube.com/watch?v=J3odyso0ivU">Video auf YouTube</a>)</small></p>
<p>Mit den Erlebnissen des quirligen Reporters Roger könnte man mindestens so viele Bücher füllen wie mit jenen des Reporters <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tim_und_Struppi">Tintin</a>. Der ewig junge und ewig neugierige Roger ist zwar nicht im Kongo und nicht in Tibet, aber in Amerika und fast überall sonst. Bricht in Grenada eine Revolution aus, ist Roger vor Ort &#8211; so wie er auch den Summer of Love in San Francisco miterlebt. Die Story, wie Schawinski mit einem Piratensender von Italien aus das Radiomonopol der SRG stürzt, hätte Hergé nicht besser erfinden können. Die Zeit bei Radio24 hat Schawinski, um es vorsichtig auszudrücken, positiv in Erinnerung:</p>
<blockquote><p>Alles, was wir erdachten, war neu, spannend und manches sogar sensationell.</p></blockquote>
<p>Auf dem Cover strahlt Schawinski sein durchschlagendes Gewinnerlächeln; es ist nicht verzagt, nicht überheblich, nicht verängstigend, sondern vielmehr stark und sicher. Das englische «firm» trifft es wohl am besten (fest, kräftig, stabil, beständig, haltbar, hart, knackig, kompakt, standfest, schlägt der Übersetzer vor). Überhaupt verkörpert Schawinski alle Eigenschaften des US-amerikanischen Lebensstils (siehe dazu auch die lesenswerte Rezension von <a href="http://www.watson.ch/!859023666">Simone Meier auf watson.ch</a>) Oder kennt jemand einen, der den <em>pursuit of happiness</em> gewissenhafter verfolgt? Schawinski glaubt an sich und seine Leistungen, will es immer bis ganz nach oben schaffen, verteidigt im Zweifel die Freiheit und hilft ganz selbstverständlich jenen, die nicht so «lucky» sind wie er. So hat er das landwirtschaftliche Gymnasium Liceo Agricola Radio 24 in Valdivia (Chile) gegründet und finanziert, wo «bisher weit über 2000 Schüler aus den unteren sozialen Schichten ausgebildet» wurden.</p>
<h3>Sieben Täfelchen Schokolade</h3>
<p>Rein finanziell hat sein Leben nicht besonders «lucky» begonnen, viele Erlebnisse seiner Jugend klingen nicht anders wie die von armen Einwandererfamilien überall. Auch heute noch trifft man sich in diesen Familien am Samstag, freut sich masslos über einen neuen Teppich, den man sich beim Rauchen abgespart hat und kauft am Kiosk eine Schokolade, um sie gerecht innerhalb der Familie aufzuteilen, «sodass jeder seine sieben Täfelchen erhielt» (Seite 21). Wie die Schawinskis damals hat auch eine syrische, irakische oder afghanische Familie in der Schweiz heute eine im Wohnzimmer schlafende Grossmutter und einen 22-jährigen Sohn, der in einer Krisensituation aktiv mithelfen möchte: Vor dem Sechs-Tage-Krieg 1967 will Schawinski spontan nach Israel fahren und kommt immerhin bis nach Paris. «Ich musste sofort aktiv werden, wenn ich meine Selbstachtung bewahren wollte.»</p>
<p>Was einem gelingen kann, der seinen Fähigkeiten und seinem Glück fast grenzenlos traut, hat Schawinski eindrücklich bewiesen. Als Oppositioneller aus bescheidenen Verhältnissen hat er die Medien dieses Landes in den letzten 40 Jahren so stark bewegt wie Christoph Blocher die Politik. Für Blocher findet er auch warme Worte, privat sei der nämlich «differenziert, gut informiert, witzig und angenehm». Warum er die Politik seiner SVP ablehnt, steht im Buch.</p>
<blockquote><p>Toleranz fehlt vielfach bei jenen Menschen, die sich nicht vorstellen können, dass sie aufgrund von unerwarteten Ereignissen auch einmal in die Position des Schwächeren geraten können.</p></blockquote>
<p>Wer den beiden wettbewerbsorientierten Männern etwas entgegensetzen will, musste sich schon immer gewaltig anstrengen, und muss es heute noch. Schön zu lesen sind darum die Seitenhiebe auf Weggefährten, so auf jene, die heroisch gegen den Kommerz redeten, nur um etwas später selbst reich zu werden mit kommerziellen Aktivitäten. Und auf die Bürokraten und die Konservativen, deren Lebensleistung daraus besteht, Projekte und Entwicklungen verhindert und verzögert zu haben. Den «Gegenspielern» ist ein ganzes Kapitel gewidmet, und weil das nicht ausreicht, um die vielen Menschen aufzulisten, mit denen Schawinski im Streit war, gibt es mit «Weitere Gegenspieler» gleich noch ein zweites. Subjektiv rekapituliert werden Gegner von Niklaus Meienberg bis Armin Walpen &#8211; besonders unterhaltsam sind die fast vier Seiten über Frank A. Meyer. Bei einigen ist Schawinski gar nicht mehr so richtig klar, warum genau er sie bis aufs Blut bekämpft hat oder warum sie mit ihm gebrochen haben (bei Markus Gilli aus Sicht Schawinskis: «als Folge eines nichtigen Zwischenfalls»). Was bei anderen teilweise tiefe Wunden zu hinterlassen haben scheint &#8211; Schawinski hat&#8217;s vergessen, verdrängt oder entschieden, nach vorne zu blicken.</p>
<p><iframe src='https://www.srf.ch/player/tv/giacobbo--mueller-vom-09-11-2008/videoembed/vis-a-vis-mit-roger-schawinski?id=406ea5ea-75c2-4e7f-847e-5c10cd412557&#038;mode=embed' width='460' height='259' frameborder='0' name='Giacobbo / Müller vom 09.11.2008'></iframe><br />
<small>«Giacobbo/Müller» 2008 mit einem fiktiven Gespräch zwischen Frank A. Meyer und Roger Schawinski (<a href="http://www.srf.ch/player/tv/giacobbo--mueller/video/vis-a-vis-mit-roger-schawinski?id=406ea5ea-75c2-4e7f-847e-5c10cd412557">Video auf srf.ch</a>)</small></p>
<p>Zu Schawinskis grossen bekannten Stärken zählen Mut, Intelligenz, Tempo, Charme und Intuition. Eher unbeachtet dagegen bleibt seine ausgeprägte Sensibilität, die sich im Positiven durch Einfühlungsvermögen und grosse Gefühle äussert (im Buch fliessen sehr viele Tränen, meistens bei Schawinski selbst), und im Negativen durch Mimosenhaftigkeit und Empfindlichkeit. Man möchte ihm zurufen: Roger, jetzt nimm doch nicht immer alles so persönlich! Doch hätte er seinen Weg gemacht, wenn er den Ereignissen gegenüber gleichgültig geblieben wäre? Nein. Es ist mutig von Schawinski, seine Gefühle in einer Autobiografie offenzulegen, eine weitere Pioniertat in dieser Branche der distanzierten Eitelkeit. In der man auf öffentlich gemachte Kritik vornehmlich mit grosser persönlicher Betroffenheit reagiert. Und dann öffentlich behauptet, sie gar nicht wahrgenommen zu haben.</p>
<h3>Number One</h3>
<p>In Sachen konfrontative 1:1-Interviews kann dem gerne unbequem und unangenehm auftretenden Schawinski keiner das Wasser reichen, auch im deutschsprachigen Ausland kommen einem höchstens die Frühversionen von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_K%C3%BCppersbusch_%28Journalist%29">Friedrich Küppersbusch</a> oder <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Michel_Friedman">Michel Friedman</a> in den Sinn. Er hat den Mut, den jeder Journalist in sich tragen oder wenigstens anstreben sollte: nämlich unerbittlich ehrlich zu sein, zuerst gegen sich selbst, und dann gegen alle anderen. Allzu ehrliche Menschen sind generell eher unbeliebt, weshalb jene, die verehrt werden möchten, sich gerne damit begnügen, einen rechtschaffenen Eindruck zu hinterlassen und es verstehen, im richtigen Moment zu schweigen &#8211; welches Modell das narzisstischere ist, sei dem Betrachter überlassen.</p>
<p>Die grosse, allseits bekannte Schwäche von Roger Schawinski ist die Eitelkeit. Sie hindert ihn manchmal daran, souverän zu sein (was ihn sympathisch macht). Und sie hindert ihn manchmal daran, zuzuhören (was die Qualität beeinträchtigt). Viktor Giacobbo schreibt im Kapitel «Die Sicht von Aussen»:</p>
<blockquote><p>Das ist er: Brillante Number One auf allen Ebenen, aber beim Zuhören höchstens auf Platz vierezwänzg.</p></blockquote>
<p>Schawinski geht pickelhart immer auf das Persönlichste, seine Standard-Eröffnungsfrage «Wer sind Sie?» ist das Programm seiner Fragetechnik. Das Erstaunliche dabei ist das auseinanderdriftende Selbst- und Fremdbild: Während er keine Hemmungen hat, alles herauszukitzeln, was ein anderer verbergen möchte und andere munter bewertet, einstuft und kritisiert, so ist er geradezu empört, wenn das jemand bei ihm tut oder versucht. Es fällt ihm  offensichtlich ausgesprochen schwer, Fremdbilder von sich zu akzeptieren. Sein Selbstbild dagegen ist bis auf wenige temporäre persönliche Krisen intakt und geschlossen. Der staunenden Öffentlichkeit wird es gerne und bei jeder Gelegenheit vorgeführt, die Publikation einer Autobiografie konnte deshalb kaum jemanden überraschen. Keith Richards hat doch auch eine geschrieben.</p>
<h3>Fulltime-Job Schawinski</h3>
<p>Roger Köppel erklärte kürzlich in einer Homestory der «Schweizer Illustrierten» lachend, er sei «schon mehr als froh», dass es seine Frau «überhaupt mit ihm, dem Egozentriker, aushalte». Und was macht die Frau von Roger Schawinski, <a href="http://bazonline.ch/leben/gesellschaft/Ich-glaube-ich-war-extrem-offen-und-ehrlich-/story/17084326">gemäss Roger Schawinski</a>? «Sie verfolgt seit Jahren das ganze Leben von Roger Schawinski zu Hause, sie verfolgt die TV-Sendungen, die Radio-Sendungen, die Kolumnen. Das ist für sie beinahe ein Fulltime-Job, erklärt sie mir immer.» Dass die beiden mit dem grossen Sendungsbewusstsein wöchentlich bei «Roger vs. Roger» gegeneinander antreten, ist nicht verwunderlich. Mit verbissenem Eifer kämpfen sie mit dem ebenbürtigen Gegner um Sendezeit, um Argumente, um Meinungsführerschaft &#8211; und ein bisschen ist es natürlich auch Sparring-Training, für die wirklich wichtigen öffentlichen Diskussionen.</p>
<p>Schawinski wird einen unsouveränen Umgang mit Fremdbildern mit Sicherheit bestreiten und behaupten, dass es ihm um nichts mehr als die Fakten geht. Klar. Die Welt aus der Sicht von Schawinski sieht nun mal ganz anders aus. Wer kritisch über ihn schreibt, kann nach Angaben vieler Journalisten die Uhr stellen, denn etwa um 7:30 Uhr morgens (Zeitungsartikel) oder nach Eintreffen des Google Alerts ruft ein aufgebrachter Roger Schawinski an, der sofortige Richtigstellungen liefert und fordert. Mich hat er noch nie angerufen, was daran liegen könnte, dass ich noch nie besonders kritisch über ihn geschrieben habe. Aber muss ich das denn? Es kritisieren ihn doch schon so viele andere. Meistens solche, die selbst die Welt kaum je mit etwas Eigenem oder Neuem bereichert haben. Eine Schweizer Medienlandschaft ohne den Einfluss von Schawinski möchte man sich gar nicht vorstellen; sie wäre steif, rückständig, obrigkeitshörig, grau, verstaubt, vielleicht ein bisschen so wie in Österreich.</p>
<p><iframe src='https://www.srf.ch/player/tv/giacobbo--mueller-vom-06-02-2011/videoembed/schawinski-bei-sf?id=64d83d5d-0288-4a75-a3f1-cced4c7d1e8a&#038;mode=embed' width='460' height='259' frameborder='0' name='Giacobbo / Müller vom 06.02.2011'></iframe><br />
<small>«Giacobbo/Müller» vor dem Start von «Schawinski» 2011 (<a href="http://www.srf.ch/player/tv/giacobbo--mueller/video/schawinski-bei-sf?id=64d83d5d-0288-4a75-a3f1-cced4c7d1e8a">Video auf srf.ch</a>)</small></p>
<p>Ein Wirtschaftsverband wie Economiesuisse sollte, statt mit Millionen von Franken Abstimmungen zu beeinflussen, das Geld besser investieren in die Frage, wie Unternehmer wie Schawinski entstehen können. Immerhin hat Schawinski locker bewiesen, dass einiges, vom dem der Staat behauptet hat, ausschliesslich dafür zuständig sein zu können, auch von der Privatwirtschaft erledigt werden kann. Erstaunlich viele der aktuellen Aushängeschilder des Schweizer Fernsehens wurden von ihm entdeckt und gefördert, hinzu kommen aktive Chefredaktoren wie Markus Gilli, Matthias Ackeret oder Peter Röthlisberger (<a href="https://medienwoche.ch/2011/12/15/und-wo-sollen-die-alle-arbeiten/">hier eine Auflistung</a>).</p>
<p>Wo sind die Schawinskis von heute? Wer ist ihr Mentor? Wer gibt ihnen Geld, Macht, Führungspositionen? Auf Seite 242 steht:</p>
<blockquote><p>Jedes meiner Projekte zog eine ganz bestimmte Gruppe von Leuten an, die das Abenteuer suchten. Es waren junge Menschen, die bei einem vielversprechenden neuen Medium unbedingt von Anfang an dabei sein wollten.</p></blockquote>
<p><a href="http://www.watson.ch/">Watson</a> könnte so ein Projekt sein. Nicht wenige talentierte Journalisten haben dafür ihren vermeintlich sicheren Job aufgegeben, denn der Raum für Neues innerhalb der etablierten Medienmarken ist eng. Der stetige Abbau klassisch journalistischer Stellen hat zu erstarrten Führungspositionen geführt, zu einer Riege von Mittelalten und Alten, die nicht bereit sind, Macht abzugeben. Oder kennt jemand einen, der mit 26 SRF-Reportagen aus Argentinien und Chile machen darf, mit 28 ein TV-Magazin gründen darf («Kassensturz») und mit 31 eine von Gottlieb Duttweiler gegründete Zeitung neu lancieren darf («Tat»)? Eben. Schawinski durfte.</p>
<h3>Was wird der nächste «Turning Point»?</h3>
<p>Lesenswert sind vor allem Anfang und Schluss des Buchs, hinein gehört aber natürlich auch die genaue Auflistung der vielen in diesem Leben durchgeführten Projekte. Im letzten Kapitel («Und nun?») wird es nochmals richtig persönlich. «Ich glaube an die grosse Liebe» und «Ich denke oft an die Menschen, die ich vermisse» schreibt er da, und stellt fest, dass sich sein Leben bisher alle sieben Jahre geändert habe. Und er fragt, neugierig wie ein junger Hund, welcher «turning point» ihm nun mit 70 als nächstes bevorstehe.</p>
<p>Wie wär&#8217;s mit dem Abenteuer Internet, Roger Schawinski? Viel mehr als mit Radio1 ist dort auch nicht zu verlieren.</p>
<p><small>&#8211; Roger Schawinski: Wer bin ich? Kein &#038; Aber, 415 Seiten, Fr. 39.90<br />
&#8211; <a href="https://medienwoche.ch/2012/09/03/ich-habe-so-viel-mehr-erreicht-als-ich-mir-jemals-vorgestellt-habe/">MEDIENWOCHE-Interview</a> mit Roger Schawinski von 2012</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/03/13/der-erste-beste-eitelste/">Der Erste, Beste, Eitelste</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>«Ich habe so viel mehr erreicht, als ich mir jemals vorgestellt habe»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/09/03/ich-habe-so-viel-mehr-erreicht-als-ich-mir-jemals-vorgestellt-habe/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2012/09/03/ich-habe-so-viel-mehr-erreicht-als-ich-mir-jemals-vorgestellt-habe/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Sep 2012 09:12:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gespräche]]></category>
		<category><![CDATA[Gerhard Blocher]]></category>
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		<category><![CDATA[Bettina Weber]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als Gründer von Privatradios und Privatfernsehen hat Roger Schawinski das Monopol der Staatssender zum Einsturz bzw. zum Wanken gebracht. Der erfolgreiche und seit Anbeginn polarisierende Medienpionier ist aus der Schweizer Medienszene nicht mehr wegzudenken, denn er hat viele bleibende Spuren hinterlassen und unzählige andere Journalisten beeinflusst und mitgerissen. Schawinski, der sich selbst als «Zeitungsfreak» und <a href="https://medienwoche.ch/2012/09/03/ich-habe-so-viel-mehr-erreicht-als-ich-mir-jemals-vorgestellt-habe/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/09/03/ich-habe-so-viel-mehr-erreicht-als-ich-mir-jemals-vorgestellt-habe/">«Ich habe so viel mehr erreicht, als ich mir jemals vorgestellt habe»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Als Gründer von Privatradios und Privatfernsehen hat Roger Schawinski das Monopol der Staatssender zum Einsturz bzw. zum Wanken gebracht. Der erfolgreiche und seit Anbeginn polarisierende Medienpionier ist aus der Schweizer Medienszene nicht mehr wegzudenken, denn er hat viele bleibende Spuren hinterlassen und unzählige andere Journalisten beeinflusst und mitgerissen. Schawinski, der sich selbst als «Zeitungsfreak» und «verkappter Introvertierter» bezeichnet, hat uns Auskunft gegeben über seinen Interviewstil, seine Investitionen und seine Beziehung zu ehemaligen Erzfeinden.<br />
<span id="more-30525"></span><br />
<em>Ich treffe einen bestens gelaunten Roger Schawinski in seinem nicht übermässig grossen Büro bei Radio1 an der Hottingerstrasse in Zürich. An der Wand hängt eine Collage der schönsten Blick-Schlagzeilen, in denen es um Schawinski geht. Am Vorabend hat der 67-jährige Journalist in seiner Sendung <a href="http://www.videoportal.sf.tv/video?id=efbc5cf9-a231-419a-b7fb-127ac6f71c9f">Gerhard Blocher als Gast</a> empfangen.</em></p>
<p><strong>Welche nationale Relevanz hat ein auf einer bedeutungslosen Position für den Kantonsrat kandidierender Bruder eines Nationalrats?</strong><br />
Eine grosse, wenn er der Privatseelsorger von Christoph Blocher ist und man das Gefühl hat, die Basis des Blocherschen Denkens sei über Gerhard besser zu knacken, weil er weniger berechnend und damit authentischer ist als sein mit allen Wassern gewaschener Bruder.</p>
<p><strong>War das Gespräch für Dich ergiebig?</strong><br />
Einerseits Ja, andererseits Nein. Die grundsätzliche Frage der Herkunft des Auftrags, den die Blochers ja immer ins Zentrum stellen, beantwortete er mit einem «Ich weiss es nicht». Das ist für mich bemerkenswert, weil ich glaube, dass dies aus dem calvinistischen Denken kommt, also, dass alles göttlich vorbestimmt ist und man nur ein Instrument ist in dieser Welt, das agieren muss. Das führt dann zu dem zum arroganten und oft rüden Verhalten der Blochers, die das Gefühl haben, sie können sich alles erlauben.</p>
<p><strong>Du kommst aus eher einfachen Verhältnissen, durch harte Arbeit bist Du nun Millionär. Wer hat Dir den Auftrag gegeben, das zu erreichen?</strong><br />
Ich würde nie sagen, dass mir jemand einen Auftrag gegeben hat. Das ist meine eigene Motivation. Doch bei den Blochers wird der Auftrag überhöht und verklärt.</p>
<p><strong>Wie würdest Du reagieren, wenn jemand Verwandte von Dir einlädt, um öffentlich über Dich zu spekulieren?</strong><br />
Gerhard Blocher ist ja nicht irgendein Verwandter, sondern der grosse Bruder von Christoph Blocher. Christoph nennt Gerhard seine wichtigste Bezugsperson, telefoniert fast täglich mit ihm, ist sein engster Berater.</p>
<p><strong>Mein Eindruck war: Du bist in diesem Gespräch journalistisch und persönlich fair geblieben, hast aber nur die negativen Seiten und die Schwächen eines 78-Jährigen beleuchtet. Auf mich wirkte es wie eine sehr einseitige Auseinandersetzung.</strong><br />
Ich habe ihm die Gelegenheit eingeräumt, positive Seiten von sich zu erwähnen. Wenn er dazu nichts sagt, wenn er auf meine Fragen nicht eingeht und sich damit verweigert, ist das auch eine Aussage.</p>
<p><strong>Wie schätzt Du die Rolle des Schweizer Fernsehens ein beim <a href="https://www.youtube.com/watch?v=xnMWp1ORyBo">Reporter-Film</a> direkt vor der Abwahl aus dem Bundesrat? Christoph Blocher sagt, das SF habe zugesichert, den Film nach den Wahlen auszustrahlen.</strong><br />
Ich kann dazu nichts sagen, da ich nichts darüber weiss. Gerhard Blocher glaubt ja nicht, dass der Film seinem Bruder geschadet hat, wie er in meiner Sendung erklärt hat.</p>
<p><strong>Wie würdest Du Deinen Interviewstil, wie Du ihn aktuell bei «Schawinski» und «Doppelpunkt» pflegst, beschreiben und was möchtest Du damit erreichen?</strong><br />
Ich versuche, sehr gut recherchiert an das Gespräch heranzutreten, ich mache mir viele Gedanken im Vorfeld, ich bin umfassend dokumentiert – um die relevanten Fragen im richtigen Moment stellen zu können und damit sich der Zuschauer eine eigene Meinung bilden kann. Das geht nur, in dem man hinter die Oberfläche der Gäste schaut und sie mit ihren Widersprüchen konfrontiert, was mal besser, mal weniger gut gelingt. Auf jeden Fall ist es ein kritischerer Stil, als man es vom Schweizer Fernsehen bisher gewöhnt war.<br />
Eine halbe Stunde Gespräch zwischen zwei Menschen ist im Fernsehen zu einer seltenen Disziplin, zu einem Anachronismus geworden. Im deutschen Fernsehen glaubt man, mindestens sechs Leute einladen zu müssen, damit der Zuschauer dran bleibt. Ich bedaure das, denn das 1:1-Gespräch ist für mich die Königsdisziplin. Es ist ein Hochseilakt, nur einen Gast zu haben, denn der kann ein Totalausfall sein. Das ist das grosse Risiko, das ich jedes Mal auf mich nehme.<br />
Einer, den ich bewundere, ist <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Charlie_Rose">Charlie Rose</a>, der bei Bloomberg und PBS zu sehen ist. Er kann, anders als ich, mehr in die elitäre Nische gehen. Das Schweizer Fernsehen dagegen ist Marktführer und bedient ein viel breiteres Publikum. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mike_Wallace">Mike Wallace</a>, der vor kurzem verstorbene grosse amerikanische Fernsehjournalist, hat einmal gesagt, dass ein kritisches TV-Interview immer auch eine Gratwanderung zwischen Sadismus und intellektueller Neugier ist. Ich bewege mich also auf sehr heiklem Terrain.</p>
<p><strong>Das Konzept von «Schawinski» ist gut, doch die Sendung ist so prall gefüllt mit Beweisen gegen den Gast, dass das Gespräch zu kurz kommt.</strong><br />
Ich bin bereit, auf einen Gast, der etwas weiterführt, einzugehen, und dafür einen Teil meiner Vorbereitungen aufzugeben.</p>
<p><strong>Ich habe eine Umfrage gemacht, was es an Deinem Interviewstil zu kritisieren gibt. Das hat folgendes ergeben:<br />
1. Du lässt Gäste Gedanken oftmals nicht zu Ende formulieren, so verhinderst Du möglicherweise interessante Aussagen.</strong><br />
Das ist ein Fehler, den ich zu Beginn oft gemacht habe, richtig. Da hatte ich die Dramaturgie der 28 Minuten noch nicht im Griff. Andererseits werden Leute, die nicht unterbrochen werden, ausschweifend, und das wird für den Zuschauer unerträglich. Man muss immer den Rhythmus des Gesprächs im Blickfeld behalten.</p>
<p><strong>2. Du bist als Person zu präsent, Du präsentierst nicht nur Deine Meinung, sondern Du zelebrierst Voreingenommenheit.</strong><br />
Anders als ich können die meisten Interviewer nicht auf Augenhöhe mit ihrem Gast diskutieren. Ich  hingegen versuche genau das, und ich kann dies aufgrund meiner Erfahrung als Interviewer, Unternehmer und Manager über sehr viele Jahre hinweg auch tun. Damit werde ich natürlich auch viel kritisierbarer. Aus einer zweidimensionalen Ebene zwischen dem Interviewer und dem Interviewten, bei dem der Zuschauer aussen vor ist, wird so eine dreidimensionale Ebene zwischen Zuschauer, Interviewer und Interviewten. Der Zuschauer wird also eingebunden und kann laufend entscheiden, auf welcher Seite er in einzelnen Fragen steht. Das ergibt meiner Meinung nach viel spannenderes Fernsehen.</p>
<p><strong>3. Statt einfach nur hart nachzufragen, wirkst Du auf einige Zuschauer frech und stillos.</strong><br />
Im deutschen Fernsehen gibt es Soft Talkers wie Beckmann oder Jauch. Mein Stil ist anders, damit nehme ich in Kauf, dass sich gewisse Gäste dem nicht stellen wollen, und dass das einigen Zuschauern nicht schmeckt, vor allem nicht auf dem Sendeplatz um 22:55 Uhr, zu einer Zeit also, wo viele Menschen bereits am wegdösen sind. Ja, meine Sendung ist intensiver als andere. Von meinen Gästen höre ich aber, dass die Rückmeldungen auf ihren Besuch viel zahlreicher und positiver sind als bei anderen Sendungen. Es wird ihnen teilweise als Heldentat angerechnet, dass sie sich mir gestellt haben. Das heisst, die Sendung zahlt sich für alle aus.</p>
<p><strong>4. Deine Gäste bestehen aus Deinem Altherrennetzwerk, Junge und Frauen kommen zu kurz.</strong><br />
Ich kenne einfach viele Leute. Es gibt wenige Frauen in Führungspositionen. Und Junge haben einfach viel weniger zu erzählen. Ich brauche Leute mit einem Lebensentwurf, die eine halbstündige Sendung füllen können. Und «alt» ist relativ, im Vergleich zu «Menschen bei Maischberger» habe ich fast schon jugendliche Gäste.</p>
<p><strong>Wieso wollen Frauen wie Natalie Rickli oder Bettina Weber nicht zu Dir in die Sendung?</strong><br />
Jene Frauen, die in meiner Sendung waren, haben hervorragende Rückmeldungen erhalten. Bettina Weber machte mir den Vorwurf, zu wenige Frauen einzuladen. Dann fragte ich sie an, und sie schrieb mir zurück, sie sei keine öffentliche Person und sage deshalb ab, und dies, obwohl sie für den «Tages-Anzeiger» ganze Seiten mit Meinungsartikeln vollschreibt. Das ist leider ein typisches weibliches Verhalten, das ich oft erlebe. Die meisten Frauen stellen sich weniger gern der Kritik &#8211; und beklagen sich dann, dass sie nicht zu Wort kommen.</p>
<p><strong>Von Berlin aus wirkt die Schweiz noch harmoniebedürftiger als von Zürich aus. Ist die Angst vor Konfrontation in den letzten Jahren gestiegen?</strong><br />
Die Leute an der Spitze sind nicht das grösste Problem, das sind ihre überquellenden Medienabteilungen. Es läuft so: Die Medienberater trauen ihren Chefs zu wenig zu und wollen sie nur in einem absolut sicheren Umfeld platzieren, zum Beispiel in einem Zeitungsinterview, das sie 37x redigieren können, bis es absolut blutleer ist. Sie haben wohl Angst, dass sie, wenn etwas schief läuft, ihren Job verlieren. Sie wollen die absolute Kontrolle und verunmöglichen ihren Chefs damit, sich als Mensch öffentlich zu profilieren. Für mich ist diese Angsthaltung vieler Medienabteilungen unprofessionell. Ich hatte schon Zusagen von Bundesrätinnen, doch als die Medienabteilungen davon erfuhren, wurden plötzlich Terminprobleme vorgeschoben. Ich finde das verheerend, weil die Macht der ausufernden Medienabteilungen echte öffentliche Kommunikation immer mehr verhindert.</p>
<p><strong>Hat der Einfluss von PR im Schweizer Journalismus zugenommen?</strong><br />
Massiv. Dies und der gewaltige Einfluss der Medienstellen entwickeln sich immer mehr zu einer Pest.</p>
<p><strong>Du hast Dich damals mit Radio24 gelangweilt, und darum ein Fernsehen aufgebaut. Langweilst Du Dich nicht auch mit Radio1?</strong><br />
Nein, Radio1 ist ein Wunschkind von mir. Das ganze Leben die Nummer 1 sein wie bei Radio24, das kann für mich ja keine echte Challenge sein. Mit Radio1 habe ich wieder bei Null angefangen und den Einstieg in einen sehr stark besetzten Zürcher Radiomarkt geschafft. Die Konkurrenz besteht ja nicht nur aus dem SRG-Programm, sondern auch aus sechs Privatsendern. Ich habe mir hier eine schwierige Aufgabe gestellt, doch ich suche Herausforderungen. Dabei ist es mein vorrangiges Ziel, den qualitativ besten Privatsender des Landes zu betreiben. Wir sind auf diesem Weg schon sehr weit vorangekommen.</p>
<p><strong>Im <a href="https://www.youtube.com/watch?v=nwdLsbuoC2w">Trailer</a> zum Film «Jolly Roger» sagst Du: «Die, die uns den den Sender kaputt gemacht haben, der Staat, die Macht, die Gewalt &#8211; das macht mir Angst.» Wie ist Dein Verhältnis zum Staat heute?</strong><br />
Ich habe immer noch eine kritische Haltung. Prinzipiell aber glaube ich, dass das Vertrauen in unsere staatlichen Institutionen ein Fundament ist, das man nicht willkürlich zerstören sollte, wie das die SVP versucht. Das grundsätzliche Vertrauen in die Institutionen ist unser Fundament, die Basis des Erfolgsmodells Schweiz.</p>
<p><strong>Du bist jede Woche auf der Gegenseite von Roger Köppel bei «Roger vs. Roger». Du kannst also nur links sein?</strong><br />
Weiter rechts zu sein, als er es ist, wäre ja selbst theoretisch nicht vorstellbar. Aber hie und da sind wir sogar ähnlicher Meinung.</p>
<p><strong>Im September 1973 schriebst Du für die «Schweizer Illustrierte» einen Text unter dem Titel «Nach Allendes Tod wird Blut fliessen.» Deine Sympathien für Salvador Allende, dem chilenischen Präsidenten, der einen demokratischen Sozialismus anstrebte, sind unübersehbar. Trotzdem hältst Du wahrheitsgetreu fest, dass die wirtschaftliche Lage im dritten Jahr der Regierung Allende katastrophal war, die Inflation einen Weltrekord erreichte, die Produktion in allen Bereichen sank und die Versorgung mit Lebensmitteln und Brennstoffen zeitweise beinahe zusammen brach. Wie hältst Du es mit dem Sozialismus?</strong><br />
Der Sozialismus ist gescheitert, auch die demokratischen Versuche. Der letzte Versuch war vielleicht derjenige unter Allende. Ich habe vor Ort gesehen, dass dieses System am Ende unfähig war, weil es im Rahmen der demokratischen Ordnung von seinen Gegnern gezielt destabilisiert wurde. Sozialismus funktioniert eben nur mit einem Terrorregime, weil ihn sonst die kapitalistischen Gegenkräfte wie im Fall Chile mit aller Macht zerstören. Also ist Sozialismus keine Option, mit der wir uns befassen sollten.</p>
<p><strong>Drei Wochen vor 9/11 hast Du die unter dem Namen Belcom zusammengefassten Radio24 und Tele24 für 92 Millionen Franken an die Tamedia verkauft, rückblickend ein Glücksdeal, weil danach die Kurse abstürzten.</strong><br />
Drei Monate vorher hatte ich noch eine schriftliche Offerte in der Höhe von 162 Millionen. Dann kam das Platzen des Dotcom-Hypes. Ich habe verkauft, weil ich keine grosse Herausforderung mehr sah bei Radio24 und weil selbst das damals angedachte Radio- und Fernsehgesetz einen Erfolg des Privatfernsehens verunmöglichen würde. Zudem war ich etwas ausgebrannt, auch durch die vier «Talk-Täglich»-Sendungen jede Woche mit zum Teil sehr boulevardesken Gästen. Wenn ich nicht verkauft hätte, dann wäre ich nie Chef von Sat.1 geworden, hätte nie als Geschäftsführer eines grossen Senders im Zentrum des gesellschaftlichen und politischen Lebens in Berlin gelebt, was mich sehr bereichert hat. Loslassen ist vielleicht das Schwierigste überhaupt, aber das Wichtigste. Ich habe es mehr als einmal im richtigen Moment getan.<br />
Nach dem Verkauf dachte ich: Roger, jetzt musst Du Dich nie mehr um Geld kümmern. Das war ein grosser Irrtum, denn Geld will verwaltet sein. Mein Banker sagte mir einmal: «Roger, Geld ist flüchtig» &#8211; und er hat recht. Es kann jederzeit wieder weg sein, durch falsche Anlagen, durch eine Finanzkrise oder andere Ereignisse. Ich bedaure, dass ich mich seither fast mehr mit Geld beschäftigen muss als vorher.</p>
<p><strong>In der Reihe der letzten Sat.1-Chefs warst Du der mit der längsten Amtszeit. Wie ist der Zustand des Senders heute?</strong><br />
Das, was ich befürchtet habe und weswegen ich auch gegangen bin, ist eingetroffen: Die Sendergruppe wurde verkauft, die neuen Käufer haben einen unheimlich hohen Preis bezahlt und die Kosten wurden gemäss McKinsey-Beratung massiv reduziert. Der teure, aber wichtige Senderstandort Berlin wurde aufgegeben. Heute wird die ProSiebenSat.1 Media AG zentral aus Unterföhring bei München geführt, und die Senderchefs sind nicht mehr so wichtig wie früher. Finanziell funktioniert die Gruppe offenbar, doch was das Image und die Quote betrifft, steht Sat.1 heute leider nicht besonders gut da.</p>
<p><strong>Mir scheint, seit Deiner Zeit bei Sat.1 bist Du besessen von der Quote. Kann Dir das als «Schawinski» auf einem öffentlich-rechtlichen Kanal nicht egal sein? Bist Du nicht auch in dem Alter, in dem Du machen kannst, was Du willst?</strong><br />
Ich bin nicht besessen davon, aber ich finde sie wichtig. Im Schweizer Fernsehen wird die Quote durchaus analysiert. Etwas bedenklich ist vor allem der kontinuierliche Rückgang der Zuschauer unter 50 Jahren. Dasselbe Problem haben die deutschen öffentlich-rechtlichen Sender wie ARD und ZDF ebenfalls, ohne dass sie ein Rezept gegen diese Verluste gefunden haben, und dies, obwohl sie unvergleichlich mehr Mittel haben als SRF.<br />
In Deutschland gibt es Portale wie <a href="http://www.quotenmeter.de/">quotenmeter.de</a>, <a href="http://www.dwdl.de/">dwdl.de</a> oder <a href="https://kress.de/">kress.de</a>, die TV-Quoten täglich abbilden und bewerten. Ich bedaure, dass der Schweizer Medienjournalismus diese Aufgabe nur sporadisch und punktuell betreibt. Ich bin seit meiner Sat.1-Zeit von Quoten angefixt. Das bringe ich einfach nicht aus meinem System raus. So ziehe ich mir auch heute noch täglich die Quoten der deutschen Sender rein, lese die Kommentare und überlege, welche Massnahmen auf welchen Sendeplätzen ich vornehmen würde.</p>
<p><strong>Du bist Teilhaber einer TV-Produktion in Berlin, was macht die?</strong><br />
Ich bin Minderheitsaktionär bei <a href="http://www.solistv.de/">Solis TV</a>, einer Firma, die sehr erfolgreich ist. Ich habe dieses Projekt ehemaliger Sat.1-Kollegen von Anfang an unterstützt. Wir produzieren etwa für den WDR «Der grosse Haushaltscheck» und «Der Vorkoster» oder für RTL «Helena Fürst – Anwältin der Armen». Das sind alles journalistische Projekte, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Scripted_Reality">Scripted Reality</a> machen wir keine [<a href="http://www.solistv.de/projekte.php">Hier eine Übersicht der Projekte</a>].</p>
<p><strong>Deine Investitionen sind aber auch sonst vielfältig: Du bist Verwaltungsratspräsident der Radio1 AG und im Verlag Kein &#038; Aber, dazu beteiligt an der Medizinfirma Qvanteq AG.</strong><br />
Qvanteq ist ein Startup im Medizinbereich, ich wollte hier jungen Unternehmern finanziell unter die Arme greifen. Kein &#038; Aber ist nach Diogenes der zweitgrösste Schweizer Belletristikverlag. Es macht mir grossen Spass, dort aktiv beteiligt zu sein. Peter Haag ist ein sehr erfolgreicher Verleger, der für den grossen Ruf von Kein &#038; Aber gerade auch in Deutschland gesorgt hat.</p>
<p><strong>1997 sagtest Du dem «Klartext»: «Ich bin ein Internet-Pionier, indem ich als einziger im Internet überhaupt nichts mache.» Ist das immer noch so?</strong><br />
Ich bin nicht in die Investitionsfalle im Jahr 2001 getreten, weil ich schlicht und einfach die Geschäftsmodelle nicht verstanden habe. Viele, die damals investiert haben, verstehen sie ja heute noch nicht. Ich möchte nur in Projekte investieren, die ich verstehe.</p>
<p><strong>Und darum hältst Du Dich konsequent fern vom Internet?</strong><br />
Wirtschaftlich gesehen hat Radio1 relativ wenige kommerzielle Möglichkeiten im Internet. Aber die nutzen wir konsequent. Bei Kein &#038; Aber ist das anders, wir verkaufen E-Books und Apps. Für Bücher ist das Internet die Zukunft.<br />
Als Konsument ist das Netz eine meiner Hauptinformationsquellen. Ich war jetzt zwei Wochen in Sardinien und verfügte während zwei Wochen nur über Internet. Als ich zurückkehrte, dachte ich: Wenn ich nochmals zwei Wochen geblieben wäre, dann hätte ich es wohl aufgegeben, Zeitungen zu lesen. Zeitungen haben ein Riesenproblem! Bei mir handelt es sich nicht nur um einen, der mit Zeitungen sozialisiert wurde, nein, ich bin ein Zeitungsfreak! Ich kann mich erinnern, wie ich meiner heutigen Frau nach der ersten gemeinsamen Nacht sagte: «Du, das gibt es jetzt wohl nur einmal, dass ich am Morgen keine Zeitung lese. Die lese ich sonst immer zuerst.» Seit einiger Zeit lese ich sogar die «Sunday Times» aus England, weil ich die im Vergleich zu unseren vier Schweizer Sonntagszeitungen, die bei mir im Briefkasten liegen, herausragend finde. Die liefert mir echten «additional value» mit viel und ausführlichem Lesestoff. Und die «New York Times» konsumiere ich täglich auf dem iPad. Heute kann sogar ich mir vorstellen, den Zeitungen einmal untreu zu werden.</p>
<p><strong>Du hattest in Deiner Karriere eine Reihe von Erzfeinden: Armin Walpen, Peter Schellenberg, Hanspeter Lebrument, Frank A. Meyer, Kurt W. Zimmermann, Jürg Wildberger. Aber eigentlich bist Du nicht lange nachtragend, oder?</strong><br />
Nein, mit einigen von Ihnen habe ich wieder Kontakt, das waren halt Interessenskonflikte. Mit den meisten bin ich heute im Reinen, einige sind abgetreten von der Bühne, aber ich beschäftige mich jetzt auch nicht mit ihnen.</p>
<p><strong>Was muss an den aktuellen Schweizer Mediengesetzen geändert werden?</strong><br />
Alle Chancen sind verpasst worden. Das Radio- und Fernsehgesetz hätte man vor 15 Jahren ändern müssen. Moritz Leuenberger hat das verhindert, weil er eben ein Etatist ist. Es ist schade, dass die Schweiz als einziges Land nur ein einziges grosses Informationsfernsehen hat.</p>
<p><strong>Du hast mal erzählt, man könne es kaum glauben, aber Du seist ein eher introvertierter, stiller Jugendlicher gewesen.</strong><br />
Bei meiner ersten Arbeitsstelle wurde ein graphologisches Gutachten gemacht, und dort ist herausgekommen, dass ich äusserst introvertiert sei. Vielleicht bin ich ein verkappter Introvertierter, der das verstecken muss, in dem er sich extrovertiert gibt (lacht). Doch ja, ich habe eine introvertierte, eine stille Seite.</p>
<p><strong>Mit der Gründung von Radio24 hast Du ziemlich früh, mit 34, einen Karrierehöhepunkt erreicht. Die Begeisterung damals ist kaum noch nachvollziehbar: Innerhalb von fünf Tagen wurden 212.000 Unterschriften für Radio24 gesammelt, Du wurdest gefeiert mit «Roschee, Roschee»-Rufen, was Du zurückgewiesen hast, es gehe um die Sache, nicht um Dich (<a href="http://www.videoportal.sf.tv/video?id=b6b4990f-5646-4eeb-a7e1-6afbc728821f">Video</a>, ab 37:45 Minuten). Radio DRS kam darauf erstmals auf die Idee, rund um die Uhr zu senden, das Monopol war Geschichte.</strong><br />
Wenn ich mir die heutigen 34-Jährigen ansehe: Ich muss damals eine grosse Unbekümmertheit gehabt haben – die ich sicher nicht mehr besitze. Die Chance, dass ich mit Radio24 nach drei Schliessungen erfolgreich sein würde, lag wohl weit unter einem Prozent. Doch verschiedene Umstände haben dazu geführt, dass es trotzdem geklappt hat, es war fast wie ein Märchen.</p>
<p><strong>Der Erfolg muss Dich doch auch selbst überrascht haben.</strong><br />
Total, aber wenn man mittendrin steckt, sieht man das nicht, das erkennt man erst hinterher. Wenn alle Journalisten und alle Mitarbeiter gesagt haben, nun ist alles vorbei, dann hat mich das genau 30 Sekunden lang lahm gelegt. Und dann suchte ich die eine Chance, die Geschichte doch noch zu drehen. Aber ohne Glück geht es nicht, Leistung und Einsatz genügen nicht. Ich sehe mich als glücklichen und zufriedenen Menschen: Ich habe so viel mehr erreicht, als ich mir jemals vorgestellt habe. Und ich habe mich nie verkauft, nie das Lager gewechselt, bin mir immer treu geblieben.</p>
<p><strong>Reden wir über Religion: Ich habe lange nicht gewusst, dass Du jüdischer Herkunft bist. Aber eigentlich bist Du Buddhist?</strong><br />
Das ist kein Gegensatz, denn ich sehe Buddhismus nicht als Religion, sondern als Philosophie. Ich war vor kurzem nach längerem Unterbruch wieder in einem buddhistischen Meditationsseminar. Mit den Techniken, die dort angewendet werden, komme ich auf eine Art und Weise an mich heran, die eine neue Dimension zu mir selbst eröffnet. Ich muss das nicht immer praktizieren, aber ich bin froh, dass ich weiss, dass es das gibt.<br />
Meine jüdischen Wurzeln sind da und bleiben da. Mein Vater vermittelte mir eine Grundethik des Helfens, er wollte selbst Arzt werden, aber das war finanziell nicht zu machen. Dann hoffte er, dass ich Arzt werde, nun ist meine ältere Tochter Ärztin geworden, was mich beglückt. Ich versuche auch immer, auf der Seite der Schwächeren zu stehen. Religion ist für mich eher Teil der Kultur, der Traditionen. Meine 15-jährige Tochter hat zu meiner Überraschung ein grosses Interesse für jüdische Fragen entwickelt. Durch sie bin ich mit dieser Kultur wieder vermehrt in Kontakt gekommen.</p>
<p><strong>Ich habe gelesen, Du schaust regelmässig US-Serien.</strong><br />
«The Newsroom» schaue ich derzeit religiously, da kommen Fragen über Journalismus auf, die ich mir auch selbst stelle: Ist es das Konzept, das die Quote treibt oder bestimmen Quoten die Inhalte? Wie weit muss man gehen? Wo muss man Kompromisse machen? Das interessiert mich unglaublich. Ich schaue aber auch gerne andere spannende Serien von «Breaking Bad» über «Mad Men» bis zu «The Wire», «Sopranos», «West Wing» und selbst «Big Love», wo es um Polygamie in Utah geht.</p>
<p><strong>Warum ist aus Dir eigentlich nie ein Late-Night-Host geworden?</strong><br />
Klassische Late-Night ist ja Unterhaltung, und ich sehe mich mehr als Journalist. Ich glaube nicht, dass ich das könnte.</p>
<p><strong>Du hast mal an der Seite von Timo Konietzka auf «Tele Züri» das Bundesligaspiel Borussia Dortmund gegen Bayern München kommentiert. Bist Du ein guter Fussballreporter?</strong><br />
Nein, natürlich nicht. Aber das war ein Jugendtraum, den ich mir erfüllt habe: Zuerst wollte ich wie so viele andere Nationalspieler werden, dann Fussballreporter, letzteres hat dann kurzzeitig geklappt. Als Sat.1 die Champions-League-Rechte inne hatte, durfte ich als Schweizer jeweils entscheiden, welches Spiel pro Spieltag die Deutschen sehen dürfen. Das war eine Machtposition, die ich genossen habe, und dies in einem Bereich, den ich liebe und in dem ich mich kompetent fühlte. Ich bin ja ein grosser Fussballfan.</p>
<p><strong>Man könnte sagen, Du bist ein journalistisches Allroundtalent. Gibt es auch Disziplinen im Journalismus, die Du nicht beherrschst, an denen Du gescheitert bist?</strong><br />
Ich schreibe zwar ganz gut, aber ich bin keine Edelfeder. Immerhin habe ich sieben Bücher geschrieben, fast alle Bestseller. Eher stolz bin ich, dass ich mit 67 noch selbst Radiosendungen fahre, was technisch ziemlich anspruchsvoll geworden ist und wo auch Jüngere kapitulieren. Auch bei «Schawinski» muss ich ja einen Teil der Technik selbst bedienen. Das ist zusammen mit der Präsenz im Gespräch Gehirnjogging vom Feinsten und ich mache das, solange es keine grösseren Ausfälle gibt. Was ich sicher nicht kann, ist Literatur: Ich habe zwar schon versucht, Drehbücher zu schreiben und deswegen in Los Angeles sogar einen Kurs besucht, doch zu meinem Leidwesen ist es dann bei Fingerübungen geblieben.</p>
<p><strong>Was Du allerdings sehr gut kannst, ist einen Input unglaublich schnell aufnehmen, ihn verarbeiten und beantworten. Ist das ein Talent? Oder kann man das lernen?</strong><br />
Ja, ich glaube, es ist ein Talent von mir, Fakten zu behalten und sie im richtigen Moment präsent zu haben. Alles präsent zu haben, ist die Quintessenz einer Sendung wie «Schawinski».</p>
<p><small>Das Gespräch mit Roger Schawinski wurde am 28. August 2012 in Zürich geführt. Die Sendung mit Gerhard Blocher erreichte 137.000 Zuschauer und 21,5 Prozent Marktanteil.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/09/03/ich-habe-so-viel-mehr-erreicht-als-ich-mir-jemals-vorgestellt-habe/">«Ich habe so viel mehr erreicht, als ich mir jemals vorgestellt habe»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>«Natürlich muss man pokern»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/04/15/naturlich-muss-man-pokern/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 15 Apr 2011 10:46:26 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Martin Wagner will mit seiner Glücksspielfirma Escor die Radio- und Fernsehsender von Tamedia kaufen. Was Medien und Glücksspiel gemeinsam haben, mit welcher Kaufstrategie er bei Tamedia punkten will und weshalb er glaubt, im digitalen Mediengeschäft bestehen zu können, sagt der umtriebige Rechtsanwalt im Gespräch mit der Medienwoche. Medienwoche: Herr Wagner, sind Medien ein Glücksspiel? Martin <a href="https://medienwoche.ch/2011/04/15/naturlich-muss-man-pokern/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/04/15/naturlich-muss-man-pokern/">«Natürlich muss man pokern»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Martin Wagner will mit seiner Glücksspielfirma <a href="http://escor.ch/newweb/index.php?escor&amp;escororgan&amp;ct=organisation&amp;pagenav=1" target="_blank">Escor</a> die Radio- und Fernsehsender <a href="https://medienwoche.ch/2011/04/13/senderlos-glucklich/" target="_blank">von Tamedia</a> kaufen. Was Medien und Glücksspiel gemeinsam haben, mit welcher Kaufstrategie er bei Tamedia punkten will und weshalb er glaubt, im digitalen Mediengeschäft bestehen zu können, sagt der umtriebige Rechtsanwalt im Gespräch mit der Medienwoche.<br />
<span id="more-1866"></span><br />
<em>Medienwoche: Herr Wagner, sind Medien ein Glücksspiel?<br />
</em><br />
Martin Wagner: Nein, Medien sind kein Glücksspiel, sondern ein Business. Im Hinblick auf die digitalen Veränderungen der Medienlandschaft sind wir hier aber vor grössere Herausforderungen gestellt als in anderen Branchen. Die Konvergenz schafft neue Geschäftsmodelle.</p>
<p><em>Sie haben in der Vergangenheit immer wieder Medien gekauft und dann wieder verkauft. Sind Medien also doch ein Glücksspiel?<br />
</em><br />
Jeder dieser Käufe und Verkäufe stand im Zusammenhang mit einer weiteren Transaktion. Das war bei Jean Frey so mit der späteren Veräusserung an Axel Springer und Roger Köppel. Radio Basilisk habe ich an Matthias Hagemann verkauft, damit ich Geld hatte, um die Basler Zeitung zu kaufen. Die BaZ habe ich verkauft, weil ich nicht die Rolle spielen konnte, die ich eigentlich wollte. Ich bin nicht ein Raider, der Beteiligungen kauft, um Profit zu machen. Natürlich muss man bei den Verhandlungen auch pokern. So gesehen schadet es sicher nicht, wenn man sich mit Glücksspiel auskennt.</p>
<p><em>Wie kommen die Kaufverhandlungen mit Tamedia voran?<br />
</em><br />
Wir haben erst unser Interesse angemeldet. Der Verkaufsprozess wird erst noch lanciert. Von den Preisvorstellungen von Tamedia habe ich keine Ahnung. Ich kann mir denken, dass die sich ihre Käufer gut aussuchen und strategische Überlegungen einfliessen lassen.</p>
<p><em>Weshalb wollen Sie ausgerechnet mit ihrer Glücksspielfirma Escor Radio und Fernsehen kaufen? Wie passt das zusammen?<br />
</em><br />
Bei Escor stehen wir vor grösseren Veränderungen. Wir haben unser Glück in Casinos im Ausland gesucht und sind damit gescheitert. Das Auslandgeschäft wird eingestellt. Nun konzentrieren wir uns ganz auf die Schweiz, auf das vielversprechende Casinoprojekt in Zürich, auf den Handel mit Spielautomaten und die Entwicklung von Geschicklichkeitsspielen. Der Bereich Gaming ist dann auch der Link zum Mediengeschäft. Spiele sind ja auch Unterhaltung. Wir streben mit all dem eine Diversifizierung der Firma Escor an zu einer Unterhaltungsholding mit verschiedenen Sektoren.</p>
<p><em>Der Kaufpreis der Tamedia-Sender dürfte sich im dreistelligen Millionenbereich bewegen. Woher nehmen sie das Geld?<br />
</em><br />
Ich kann nichts zu den Preisvorstellung sagen, weil es noch keine Zahlen gibt. Da die Escor börsenkotiert ist, können wir einfacher neues Geld aufnehmen auf dem Kapitalmarkt. Ausserdem könnten wir einen Teil des Kaufpreises in Aktien bezahlen. Das wäre für den Käufer interessant, da er die Anteile später zu einem höheren Preis verkaufen kann.</p>
<p><em>Den Kauf der Jean-Frey und der Basler Zeitung Medien tätigten sie jeweils zusammen mit Financier Tito Tettamanti. Wird er nun auch wieder mit von der Partie sein?</em></p>
<p>Nein, das ist ausgeschlossen.</p>
<p><em>Glücksspiel und Rundfunk sind in der Schweiz gesetzlich stark reguliert. Würden Sie beim Kauf von Radio und Fernsehen von ihren Erfahrungen um Umgang mit engen regulatorischen Schranken profitieren?<br />
</em><br />
Absolut. Wir sehen ja in beiden Branchen, wie die Regulierung der technischen Entwicklung hinterherhinkt. Die Regulierung hat im Glücksspielbereich eine ganze Branche vernichtet. Die erlaubten Geschicklichkeitsspiele sind kommerziell nicht sehr interessant. Inzwischen sind wir da aber wieder so weit, dass wir Geschäftsmodelle gefunden haben. Bei Radio und Fernsehen kann es in Zukunft nicht mehr so aufwändige Konzessionsverfahren geben. Das ist doch nicht zeitgemäss. In acht Jahren, wenn die aktuellen Konzessionen auslaufen, stehen wird vor einer ganz neuen Situation.</p>
<p><em>Die Regulierung und der kleine Markt in der Deutschschweiz sorgen dafür, dass Privatradio und Fernsehen bisher nicht eben Goldgruben waren. Weshalb haben Sie Interesse an Low-Profit-Unternehmen?<br />
</em><br />
Das war in der Vergangenheit sicher so. Da ich aber geschäftlich auch mit Medieninhalten zu tun habe, und nicht nur mit der Distribution, habe ich klare Vorstellungen, wie man in der digitalen Welt erfolgreich geschäften kann. Wichtig ist es, die richtige Zielgruppe anzusprechen. Hier wurde vor allem die Jugend vernachlässigt. Da muss auch bei der Vermarktung ein Umdenken stattfinden. Die Altersgruppe 14 bis 19 ist ebenso interessant, wenn nicht interessanter, als die 19- bis 49-Jährigen. Unsere Aufgabe wird es sein, eine optimale Verknüpfung von Information, Unterhaltung, Gaming und Film hinzukriegen.</p>
<p><em>Ihr Ziel sei es, so sagten sie schon mehrfach, ein Medien- und Unterhaltungsunternehmen nach dem Vorbild von Ringier aufzubauen. Ringier macht vor allem im Ausland gute Geschäfte. Ist das auch ihr Ziel?<br />
</em><br />
Ich sage nicht, dass Ringier mein Vorbild ist. Sie haben einfach die richtige Strategie gewählt. Aber Escor bleibt vorerst ein Schweizer Unternehmen. Was international entstehen kann, sehe ich noch nicht. Aber alles ist ja möglich.</p>
<p><em>In Basel gibt es als Reaktion auf die von ihnen mitverursachten Turbulenzen bei der BaZ eine neue Zeitung. Hat sich das Komitee «Rettet Basel» schon bei Ihnen bedankt?<br />
</em><br />
(lacht) Nein, ich habe noch kein Dankeschön erhalten. Aber ich habe ihnen zu diesem Schritt gratuliert. Diese Leute verstehen das journalistische Handwerk. So wie ich das beurteilen kann, versuchen sie mit ihrem multimedialen Zeitungsprojekt das zu realisieren, was für mich bei der BaZ wegen den politischen Wirren unmöglich wurde. Eine Zeitung muss breit abgestützt sein und darf sich nicht politisch in die eine oder andere Richtung zu stark exponieren.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/04/15/naturlich-muss-man-pokern/">«Natürlich muss man pokern»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Senderlos glücklich</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/04/13/senderlos-glucklich/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 12 Apr 2011 22:01:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Bern]]></category>
		<category><![CDATA[BZ]]></category>
		<category><![CDATA[Radio]]></category>
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		<category><![CDATA[Tamedia]]></category>
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		<category><![CDATA[TV3]]></category>
		<category><![CDATA[Privatradio]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=1816</guid>

					<description><![CDATA[<p>Tamedia hat gestern bekanntgegeben, seine vier Radio- und Fernsehsender verkaufen zu wollen. Gerüchteweise war davon bereits im Februar die Rede. Als möglicher Käufer für TeleZüri kommt allenfalls Ringier in Frage. Mit dem Abschied von Lokalradio und Regional-TV beendet Tamedia-Chef Martin Kall ein Kapitel, das seine Vorgänger mit viel Geld in der Hand aufgeschlagen hatten. Aufschlussreich ist <a href="https://medienwoche.ch/2011/04/13/senderlos-glucklich/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Tamedia hat gestern bekanntgegeben, seine vier Radio- und Fernsehsender verkaufen zu wollen. Gerüchteweise war davon bereits <a href="http://www.handelszeitung.ch/unternehmen/ende-einer-television" target="_blank">im Februar die Rede</a>. Als möglicher Käufer für TeleZüri kommt allenfalls Ringier in Frage. Mit dem Abschied von Lokalradio und Regional-TV beendet Tamedia-Chef Martin Kall ein Kapitel, das seine Vorgänger mit viel Geld in der Hand aufgeschlagen hatten.<br />
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Aufschlussreich ist nicht nur, was jemand sagt, sondern auch, was er verschweigt. Wie im Fall von Tamedia-Unternehmensleiter Martin Kall. In seinem <a href="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2011/04/kall_2010.pdf" target="_blank">Kommentar zum vergangenen Geschäftsjahr</a> spricht Kall viel von Zeitungen und Onlinemedien. Radio und TV erwähnt er mit keinem Wort. Kein Wunder: Tamedia will seine vier <a href="http://www.tamedia.ch/de/mediencorner/medienmitteilungen/Seiten/Gemeinsame%20Unternehmensstrategie%20nach%20Zusammenschluss%20mit%20Edipresse%20Schweiz.aspx" target="_blank">Sender loswerden</a>, gab das Unternehmen am Dienstag bekannt. Kall hat sich wohl schon beim Verfassen des Geschäftsberichts mental von Telezüri, Telebärn, Radio 24 und Capital FM getrennt.</p>
<p>Der Abschied von der Rundfunksparte erscheint im Licht der Geschäftspolitik von Tamedia der letzten Jahre nur folgerichtig. Eine auf Gewinnoptimierung getrimmte <a href="http://www.tamedia.ch/de/mediencorner/medienmitteilungen/Seiten/Tamedia%20waechst%202010%20dank%20Z%C3%BCrcher%20Regionalzeitungen%20und%20Onlinemedien.aspx" target="_blank">Geldmaschine</a> (Gewinn 2010: 110 Mio. Fr.) verträgt keine Unternehmensteile, deren kommerzielles Entwicklungspotenzial beschränkt ist. Mit Radio und TV lässt sich in der Schweiz nicht das grosse Geschäft machen. Das hat zum einen mit dem vergleichsweise kleinen Markt in der Deutschschweiz zu tun und der gesetzlichen Reglementierung, die den Unternehmen klare kommerzielle und publizistische Leitplanken setzt. Zum anderen kostet die Fernsehproduktion mit ihrer aufwendigen Technik eine ganze Stange Geld. Davon kann Tamedia ein Lied singen: Vor zehn Jahren setzte der Konzern mit TV3 <a href="http://www.blick.ch/news/mit-flop-tv-112-millionen-verpulvert-aid4119" target="_blank">über 100 Millionen Franken in den Sand</a> und warf 90 Millionen auf für den Kauf von Telezüri und Radio 24.  Die Verantwortung für diese Entscheide trug Michel Favre als Konzernleiter. Unter der Führung von Martin Kall handelt Tamedia schnell und konsequent, wenn es auf der Habenseite mal nicht mehr ganz so rosig aussieht, wie sich Aktionariat und Besitzerfamilie das vorstellen. Das zeigte der Konzern in der Vergangenheit mehrmals mit Massenentlassungen bei seinen Zeitungen.</p>
<p>Wenn Tamedia nun bekanntgibt, seine vier Sender verkaufen zu wollen, hat das Signalwirkung für die ganze Branche. Denn es ist nicht ganz unerheblich, wenn das grösste private schweizerische Medienunternehmen Radio und Fernsehen als strategisch bedeutungslose Geschäftsfelder sieht. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch ein weiterer Grund, den Tamedia für seine Verkaufsabsichten nennt: Das Medienhaus will sich nicht ein weiteres Mal dem Konzessionsverfahren stellen, wenn die Sendebewilligungen für Schweizer Privatsender in acht Jahren neu vergeben werden. Seine Sender könnten dabei leer ausgehen, fürchtet Tamedia bereits heute.</p>
<p>Zumindest für Telezüri dürfte es kein Problem sein, einen Käufer zu finden. So hat Ringier das Interesse an einem eigenen TV-Sender angemeldet und Telezüri als potenziellen Kaufkandidaten genannt. Gut möglich, dass die beiden Unternehmen bereits hinter den Kulissen verhandeln. Schwieriger sieht es für die anderen drei Sender aus. Besonders für die beiden Berner Lokalmedien Telebärn und Radio Capital FM <a href="http://www.bernerzeitung.ch/region/bern/TeleBaern-und-Capital-FM-hoffen-auf-einen-Kaeufer/story/29448093" target="_blank">dürfte es nicht einfach werden</a>, einen neuen Besitzer zu finden. Erst vor zwei Jahren wurden die Sender zusammen mit der Berner Zeitung BZ in das <a href="http://www.espacemedia.ch/em_de/aktuelles/meldungen/2008/2008_11_06_multimediahaus.php" target="_blank">neue Multimediahaus</a> in Bern integriert. Seither arbeiten die drei Medien eng zusammen, wobei Radio und Fernsehen vom journalistischen Know-how der BZ profitieren und die Zeitung Ton und Bild auf ihrer Website verwerten darf. Mit einem neuen Besitzer würden solche Kooperationen komplizierter, wenn nicht gar unmöglich. Ein Verkaufserfolg ist also alles andere als gewiss. Wenn Tamedia keine Käufer findet, müsste wohl mit der Schliessung des einen oder anderen Senders gerechnet werden.</p>
<p>Ob das ein Verlust für die Deutschschweizer Medien und die Meinungsvielfalt bedeuten würde, steht freilich auf einem anderen Blatt.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/04/13/senderlos-glucklich/">Senderlos glücklich</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Unter den «televisionären Stahlhelm»?</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/02/25/unter-den-televisionaren-stahlhelm/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 25 Feb 2011 11:50:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Walter Frey]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wenn es vorübergehend ruhig wird um ein Gerücht, bedeutet das noch lange nicht, dass an den Behauptungen und Vermutungen nichts dran ist. Da die Medien trotz ihrer notorischen Geschwätzigkeit zu Verschwiegenheit und Diskretion neigen, wenn es um Information in eigener Sache geht, überrascht es wenig, dass sie selbst regelmässig im Zentrum von Spekulationen stehen. In <a href="https://medienwoche.ch/2011/02/25/unter-den-televisionaren-stahlhelm/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn es vorübergehend ruhig wird um ein Gerücht, bedeutet das noch lange nicht, dass an den Behauptungen und Vermutungen nichts dran ist. Da die Medien trotz ihrer notorischen Geschwätzigkeit zu Verschwiegenheit und Diskretion neigen, wenn es um Information in eigener Sache geht, überrascht es wenig, dass sie selbst regelmässig im Zentrum von Spekulationen stehen. In einem aktuellen Fall zur Frage, ob und wie und wenn ja, wie weit mögliche Fernsehpläne der SVP gediehen sind.<br />
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Vor zwei Wochen eröffnete die Handelszeitung den Reigen mit der Aussage, <a href="http://www.handelszeitung.ch/artikel/Unternehmen-Ende-einer-Television_853660.html" target="_blank">Tamedia prüfe den Verkauf von Tele Züri und Radio 24</a>. Das Zürcher Medienhaus nährte das Verkaufsgerücht mit der Bestätigung einer solchen Prüfung. Als mögliche Käufer brachte das Wirtschaftsblatt «rechtsbürgerliche Namen» ins Spiel, konkret den Bankier Thomas Matter und Ex-Denner-Chef Philippe Gaydoul. Der eine zeigte sich überrascht, der andere wollte gar nicht erst Stellung nehmen. Eine ideale Steilvorlage für die nächste Runde der Spekulation. «Blick am Abend» spitzte zu und fragte: <a href="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2011/02/svp_tamedia.pdf" target="_blank">Kauft die SVP Tele Züri</a>? Freilich ohne weitere Fakten zu liefern. Solange nichts bestätigt ist, bleibt alles erlaubt, lautet das bewährte Rezept aller Gerüchteköche. Sogar das Branchenblatt <a href="http://www.werbewoche.ch/tamedia-ohne-tvradio" target="_blank">«Werbewoche» drehte an der Spekulationsspirale weiter</a>. Einmal lanciert, lässt sich ein solches Gerücht nur mehr schlecht aus der Welt schaffen. Und manche Gerüchte sind zu wahr, um schön zu sein: Die SVP mit eigenem Fernsehsender, den ganzen Tag Tele Blocher. Ohne nun selbst ins Spekulieren zu verfallen, lässt sich immerhin folgendes festhalten: Die SVP kann schon heute auf etliche Medien in Parteinähe zählen. Von der Weltwoche über die Basler Zeitung bis zu den Quartieranzeigern in Zürich und Umgebung <a href="http://lokalinfo.ch/" target="_blank">im Besitz von Automilliardär Walter Frey</a>. Was noch fehlt, sind parteinahe elektronische Medien, mit denen die SVP auf der Klaviatur der Emotionen spielen könnte.</p>
<p>Ein SVP-Fernsehen ist weder eine neue, noch besonders originelle Idee. Bereits vor zehn Jahren sinnierte der ehemalige Blick-Sportchef Mario Widmer in der Pendlerzeitung «Metropol» über eine «kluge, rechte» Alternative zu den – seiner Ansicht nach – linksliberalen Medien. Christoph Blocher solle einen Privatsender finanzieren, forderte Widmer – und kassierte dafür nächsten Tags Spott und Hohn von Kolumnisten-Kollege Philippe Amrein. Der machte sich einen Spass daraus, mögliche Sendungen eines Partiefernsehens beim Namen zu nennen. So ein Immobilien- und Anleger-Magazin «Reich ins Heim» oder die Kochsendung «Kein Mampf», die Quizsendung «Wer wird Obersturmbannführer?» oder einen rechten Sonntalk mit den Grossintellektuellen Blocher, Giezendanner, Bortoluzzi und Markus Obergilli: «Klingt etwa so spannend wie ein geplatzter Blinddarm», lautete der vernichtende Kommentar Amreins. <a href="http://www.grossvater.ch/news/archiv/archiv_01/news_011129.htm" target="_blank">Die Stelle als Kolumnist war er los</a>. Mit seiner Einschätzung, dass sich «klug», «rechts» und «Alternative» nur «schwer unter einen televisionären Stahlhelm» bringen liessen, dürfte er allerdings bis heute richtig liegen.</p>
<p><em>Dieser Artikel ist am 25. Februar als Kolumne im «Bund» erschienen.</em></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/02/25/unter-den-televisionaren-stahlhelm/">Unter den «televisionären Stahlhelm»?</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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