von Nick Lüthi

Unter den «televisionären Stahlhelm»?

Wenn es vorübergehend ruhig wird um ein Gerücht, bedeutet das noch lange nicht, dass an den Behauptungen und Vermutungen nichts dran ist. Da die Medien trotz ihrer notorischen Geschwätzigkeit zu Verschwiegenheit und Diskretion neigen, wenn es um Information in eigener Sache geht, überrascht es wenig, dass sie selbst regelmässig im Zentrum von Spekulationen stehen. In einem aktuellen Fall zur Frage, ob und wie und wenn ja, wie weit mögliche Fernsehpläne der SVP gediehen sind.

Vor zwei Wochen eröffnete die Handelszeitung den Reigen mit der Aussage, Tamedia prüfe den Verkauf von Tele Züri und Radio 24. Das Zürcher Medienhaus nährte das Verkaufsgerücht mit der Bestätigung einer solchen Prüfung. Als mögliche Käufer brachte das Wirtschaftsblatt «rechtsbürgerliche Namen» ins Spiel, konkret den Bankier Thomas Matter und Ex-Denner-Chef Philippe Gaydoul. Der eine zeigte sich überrascht, der andere wollte gar nicht erst Stellung nehmen. Eine ideale Steilvorlage für die nächste Runde der Spekulation. «Blick am Abend» spitzte zu und fragte: Kauft die SVP Tele Züri? Freilich ohne weitere Fakten zu liefern. Solange nichts bestätigt ist, bleibt alles erlaubt, lautet das bewährte Rezept aller Gerüchteköche. Sogar das Branchenblatt «Werbewoche» drehte an der Spekulationsspirale weiter. Einmal lanciert, lässt sich ein solches Gerücht nur mehr schlecht aus der Welt schaffen. Und manche Gerüchte sind zu wahr, um schön zu sein: Die SVP mit eigenem Fernsehsender, den ganzen Tag Tele Blocher. Ohne nun selbst ins Spekulieren zu verfallen, lässt sich immerhin folgendes festhalten: Die SVP kann schon heute auf etliche Medien in Parteinähe zählen. Von der Weltwoche über die Basler Zeitung bis zu den Quartieranzeigern in Zürich und Umgebung im Besitz von Automilliardär Walter Frey. Was noch fehlt, sind parteinahe elektronische Medien, mit denen die SVP auf der Klaviatur der Emotionen spielen könnte.

Ein SVP-Fernsehen ist weder eine neue, noch besonders originelle Idee. Bereits vor zehn Jahren sinnierte der ehemalige Blick-Sportchef Mario Widmer in der Pendlerzeitung «Metropol» über eine «kluge, rechte» Alternative zu den – seiner Ansicht nach – linksliberalen Medien. Christoph Blocher solle einen Privatsender finanzieren, forderte Widmer – und kassierte dafür nächsten Tags Spott und Hohn von Kolumnisten-Kollege Philippe Amrein. Der machte sich einen Spass daraus, mögliche Sendungen eines Partiefernsehens beim Namen zu nennen. So ein Immobilien- und Anleger-Magazin «Reich ins Heim» oder die Kochsendung «Kein Mampf», die Quizsendung «Wer wird Obersturmbannführer?» oder einen rechten Sonntalk mit den Grossintellektuellen Blocher, Giezendanner, Bortoluzzi und Markus Obergilli: «Klingt etwa so spannend wie ein geplatzter Blinddarm», lautete der vernichtende Kommentar Amreins. Die Stelle als Kolumnist war er los. Mit seiner Einschätzung, dass sich «klug», «rechts» und «Alternative» nur «schwer unter einen televisionären Stahlhelm» bringen liessen, dürfte er allerdings bis heute richtig liegen.

Dieser Artikel ist am 25. Februar als Kolumne im «Bund» erschienen.

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