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	<title>Rolf Cavalli | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Thu, 22 Jun 2017 07:02:45 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Wie geht es dem Journalismus?</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2014/11/05/wie-geht-es-dem-journalismus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Nov 2014 09:07:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Benjamin Geiger]]></category>
		<category><![CDATA[Katrin Hug]]></category>
		<category><![CDATA[Gianni Huber]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus Tag]]></category>
		<category><![CDATA[Winterthur]]></category>
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		<category><![CDATA[Nicole Meier]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das sagen sechs führende Journalisten, die in Winterthur leben oder über die Region berichten.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Das sagen sechs führende Journalisten, die in Winterthur leben oder über die Region berichten.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/05/wie-geht-es-dem-journalismus/">Wie geht es dem Journalismus?</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Mobil nur bedingt einsatzbereit</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2014/10/21/mobil-nur-bedingt-einsatzbereit/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Oct 2014 13:37:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Aargauer Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Relaunch]]></category>
		<category><![CDATA[luzernerzeitung.ch]]></category>
		<category><![CDATA[NLZ]]></category>
		<category><![CDATA[NZZ-Mediengruppe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mit ihrem Mediennutzungsverhalten zählt die Schweizer Bevölkerung zur mobilen Weltelite. Doch viel Zeitungsverlage hinken hinter dieser Entwicklung her. Ihre Webseiten sind nicht geeignet sind für den Abruf mit dem Smartphone. Eine Mängelliste. Was jedem noch so kleinen Blog recht ist, sollte einer Zeitung billig sein – ist es aber nicht. Obwohl heute ein beträchtlicher Teil <a href="https://medienwoche.ch/2014/10/21/mobil-nur-bedingt-einsatzbereit/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Mit ihrem Mediennutzungsverhalten zählt die Schweizer Bevölkerung zur mobilen Weltelite. Doch viel Zeitungsverlage hinken hinter dieser Entwicklung her. Ihre Webseiten sind nicht geeignet sind für den Abruf mit dem Smartphone. Eine Mängelliste.<br />
<span id="more-21667"></span><br />
Was jedem noch so kleinen Blog recht ist, sollte einer Zeitung billig sein – ist es aber nicht. Obwohl heute ein beträchtlicher Teil der Online-Nutzung <a href="http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/16/04/key/approche_globale.indicator.30106.301.html?open=311#311" target="_blank">mit mobilen Geräten stattfindet</a>, präsentieren sich immer noch überraschend viele Medien im Netz, als sei das Smartphone noch nicht erfunden. Dass es durchaus anders geht, zeigen die zahlreichen gelungenen Beispiele mobiler Websites. Ob NZZ, Blick, 20 Minuten, Tages-Anzeiger oder auch SRF präsentieren ihr Angebot dem Ausgabemedium angemessen. Es sind vor allem kleinere und mittelgrosse Zeitungen, die mit der Aufbereitung ihres Angebots dem aktuellen Nutzungsverhalten hinterherhinken. Aber auch ein paar Grosse sind nicht mängelfrei.</p>
<p>Fragt man nach den Gründen für die Versäumnisse, heisst es: wenig Geld, wenig Zeit. Darum hat es beispielsweise die Aargauer Zeitung bei der jüngsten Überarbeitung ihrer Website nicht geschafft, die Darstellung für die mobile Nutzung zu optimieren. Man bittet um Geduld, alles folge zu seiner Zeit. «Das Projekt ist aufgegleist, ein konkretes Datum kann ich noch nicht nennen», teilt Rolf Cavalli, Chef Digitale Medien der Aargauer Zeitung, auf Anfrage mit.</p>
<p>Wer bis zu diesem unbekannten Zeitpunkt mit seinem Smartphone einen Link zu einem Artikel der viertgrössten Schweizer Bezahlzeitung ansteuert, sieht eine Miniaturansicht der gesamten Website auf seinen Telefonbildschirm. Erst mit Daumen- und Zeigfingerakrobatik erhält man eine lesbare Darstellung und riskiert nicht mehr, sich zu vertippen. «Klarer» und «leserfreundlicher», wie die <a href="http://azmedien.ch/newsletter/medien/2014/2014-09-30_aznordwestschweiz_websites_klarer_leserfreundlicher_mehr_inhalt.php" target="_blank">AZ-Medien den Relaunch angepriesen haben</a>, sehen anders aus.</p>
<p>Ein Verlag, der seine Website im Jahr sieben nach iPhone nur für die Nutzung mit stationären Rechnern und Grossbildschirm auslegt, hat entweder seine Hausaufgaben nicht gemacht oder setzt andere Prioritäten, wie im vorliegenden Fall die AZ Medien. Mit dem millionenschweren Engagement beim neu gegründeten Nachrichten- und Unterhaltungsportal Watson verfügt der Verlag über ein Standbein in den Online-Medien, das den Bedürfnissen der mobilen Nutzung vollumfänglich gerecht wird. Gleichzeitig haben die AZ Medien jüngst viel Geld für eine neue Druckmaschine ausgeben. Neben diesen kostspieligen Projekten geniesst das Update der Zeitungswebsite offensichtlich nicht die höchste Priorität.</p>
<p>Auch nicht ganz auf der Höhe des Nutzungsverhaltens befinden sich die Websites der beiden NZZ-Regionaltitel Neue Luzerner Zeitung und St. Galler Tagblatt. Während sich das Mutterblatt mit digitalen Plattformen einigermassen erfolgreich ein zweites Standbein neben der gedruckten Zeitung aufbaut, müssen sich die Töchter noch etwas gedulden, bis auch sie in den Genuss zeitgemässer Netzlösungen kommen.</p>
<p>Wer auf seinem Mobiltelefon einen Link auf tagblatt.ch oder luzernerzeitung.ch anklickt, wird zuerst gefragt, ob man den Text nun in der Smartphone-Ansicht, der klassischen Ansicht oder nicht doch lieber auf der iOS-App lesen möchte. Was auf den ersten Blick nach einer Dienstleistung aussieht, ist das Gegenteil davon: eine unnötige Hürde und ein unerwünschter Zeitfresser. Diese Weiche sollte eigentlich nur beim ersten Besuch aufscheinen und den einmal getroffenen Entscheid des Lesers speichern. Langjährige Nutzungserfahrung zeigt aber ein anderes Bild. Die lästige Frage, wie man den gerne Text serviert haben möchte, taucht – zumindest gefühlt – jedes Mal auf.</p>
<p>Natürlich hat sich auch hier jemand etwas überlegt. Die Weiche sei eingebaut worden, um den Leser auf die App der Zeitungen aufmerksam zu machen, weiss ein Online-Redaktor; hier kommt also Marketing vor Nutzerfreundlichkeit. Doch noch in diesem Jahr soll alles besser werden und die Weiche möglicherweise verschwinden.</p>
<p>Bereits gehandelt hat die Sonntagszeitung und seine Webseite für die Nutzung mit allen Gerätetypen optimiert. Aber nicht unbedingt zum besseren. Seit April trifft auf eine sogenannte Webapp, wer sonntagszeitung.ch ansteuert. Bevor der gesuchte Artikel auftaucht, darf man einen blauen Statusbalken bei seinen Hin- und Her-Bewegungen bewundern. Das war früher nicht so. Da ging es direkt zur Sache. Ungeachtet der Verschlimmbesserung verkündet das Blatt stolz: «Erstmals kann unsere Zeitung auf allen digitalen Kanälen gelesen werden». Schön für den Verlag, wenn er eine Responsive-Lösung hingekriegt hat, weniger schön für den Leser, wenn er unnötig warten muss.</p>
<p>Die Liste könnte nahezu beliebig verlängert werden. Und selbst wenn die Darstellung auf mobilen Geräten einwandfrei funktioniert, wie etwa beim Newsnet von Tamedia, gibt es bestimmt irgendeine andere Macke, die den Online-Lesegenuss schmälert. So werden die Newsnet-URLs von der Struktur mobile2.tagesanzeiger.ch auch auf dem Desktop als mobile Websites angezeigt. Die Folge: aufgeblasene Bildern und überlange Zeilen.</p>
<p>Natürlich steckt der Teufel immer im Detail. Wo der Laie einen simplen Eingriff vermutet, der schnell Abhilfe schaffen würde, sieht der Profi den Aufwand schnell ins Unermessliche wachsen. Am Ende bleibt es ein Abwägen zwischen Aufwand und Ertrag. Und mit Letzteren hapert es bekanntlich im Zeitungsgeschäft. Solange Online ein Verlustgeschäft ist, hält sich die Bereitschaft in Grenzen, grosse Beträge zu investieren. Nur merkt der Nutzer sehr schnell, wenn etwas nicht funktioniert. Der Vergleich mit der perfekten Lösung liegt immer nur ein Daumendruck entfernt. Der Markenbindung sind selbst kleine Versäumnisse abträglich. Es ist immer einfacher, das Publikum zu vergraulen, als es langfristig an sich zu binden.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/10/21/mobil-nur-bedingt-einsatzbereit/">Mobil nur bedingt einsatzbereit</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Palastrevolution</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2013/12/09/palastrevolution/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Dec 2013 22:11:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[René Lüchinger]]></category>
		<category><![CDATA[Frank A. Meyer]]></category>
		<category><![CDATA[Andrea Bleicher]]></category>
		<category><![CDATA[Andreas Kunz]]></category>
		<category><![CDATA[Florian Fels]]></category>
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		<category><![CDATA[Henry Habegger]]></category>
		<category><![CDATA[Blick]]></category>
		<category><![CDATA[Ringier2013]]></category>
		<category><![CDATA[Newsroom]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im August 2013 herrschte einmal mehr Unruhe in der Führung des «Blick» und seinem Politikressort. Ein Protest des Newsroom-Kaders scheiterte, René Lüchinger wurde Chefredaktor. Mehrere langjährige Mitarbeiter gingen oder mussten gehen, so der die politische Linie prägende Henry Habegger. Im Richtungsstreit der Boulevardzeitung verlieren die in den letzten Jahren dominierenden linkskonservativen Kräfte an Einfluss. Teil <a href="https://medienwoche.ch/2013/12/09/palastrevolution/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Im August 2013 herrschte einmal mehr Unruhe in der Führung des «Blick» und seinem Politikressort. Ein Protest des Newsroom-Kaders scheiterte, René Lüchinger wurde Chefredaktor. Mehrere langjährige Mitarbeiter gingen oder mussten gehen, so der die politische Linie prägende Henry Habegger. Im Richtungsstreit der Boulevardzeitung verlieren die in den letzten Jahren dominierenden linkskonservativen Kräfte an Einfluss. Teil 2 unserer Serie zum Ringier-Verlag.<br />
<span id="more-16830"></span><br />
Die Frage nach dem «Blick»-Chef und und der Linie der Boulevardzeitung ist immer wieder neu ein Thema. Während die deutsche «Bild», politisch konservativ und mit sinkender Auflage kommerziell erfolgreich, seit 13 Jahren vom heute auch erst 49-jährigen Kai Diekmann geleitet wird, <a href="http://www.nzz.ch/aktuell/feuilleton/medien/18-blick-chefs-in-54-jahren-1.18137276">wechseln die Verantwortlichen bei der Schweizer Boulevardzeitung ständig</a>: Jürg Lehmann (1999), Werner de Schepper (2003), Rolf Cavalli (2007, interimistisch), Bernard Weissberg (2007), Ralph Grosse-Bley (2010).</p>
<h3>Abgänge langjähriger Mitarbeiter</h3>
<p>Nach der Trennung im Februar 2013 von Ralph Grosse-Bley («in bestem Einvernehmen») ergriff Andrea Bleicher die ihr interimistisch übertragene Leitung mit Enthusiasmus und stellte mehrere Mitarbeiter ein. Hinter den Kulissen wurde im März bereits René Lüchinger kontaktiert, was vermuten lässt, dass Bleicher gar nie eine echte Chance hatte, ihre interimistische Chefposition zu behaupten. Um Bleicher zu halten, wurde das Angebot an Sie, zu Lüchingers Stellvertreterin herabbefördert zu werden, mehrfach finanziell aufgebessert, die Rede ist von bis zu 300&#8217;000 Franken Jahreslohn. Dass schlussendlich sowohl Bleicher als auch ihr Lebenspartner Rolf Cavalli nach vielen Jahren Mitarbeit die Firma verliessen, hat die Ringier-Führung ernstlich überrascht, auch wenn sie durchaus informiert war über die private Beziehung der beiden. Mit Cavalli hat man sich dem Vernehmen nach noch um Ferientage gestritten. Nach 16 Jahren treuer Mitarbeit.</p>
<p>Am 11. August berichtete die NZZ am Sonntag über Lüchingers Berufung als Chefredaktor, was die Woche darauf eine breite Solidarisierungsaktion der «Blick»-Redaktion mit Bleicher auslöste, die in einem <a href="http://www.presseverein.ch/2013/08/meuterei-auf-der-blick/">Brief an Marc Walder</a> gipfelte («ein abermaliges Experiment mit ungewissem Ausgang»). Lüchinger, der bisher kaum je unbequem aufgefallen ist und mit Boulevard nur wenig Erfahrung hat, erhielt einen Dreijahresvertrag. Er ist zwar als fleissiger Arbeiter bekannt, aber man spottet schon, er werde sich wohl danach frühpensionieren lassen und nach Spanien gehen, um seinen Ruhestand zu geniessen.</p>
<p>Die Mitarbeiter-Aktion nützte nichts. Die Verunsicherung danach war aber so gross, dass neben Florian Fels (CEO Publishing), René Lüchinger, Christine Maier, Frank A. Meyer, Michael Ringier und weiteren mehr sich tatsächlich auch CEO Marc Walder mit der in einem Grosskonzern doch eher nachrangigen Personalie eines Politik-Redaktors befassen musste. Warum? Weil sich letztlich niemand endgültig dafür verantwortlich zeigen wollte, den Meyer-Vertrauten Henry Habegger zu entlassen &#8211; zu oft wurden Leute, die Meyer nahe standen, bald darauf auch zu Ex-Ringier-Mitarbeitern. Veranlasst hat den fristlosen Rauswurf von Habegger dann Florian Fels, dabei seit März 2013. Wie intern mitgeteilt wurde, sei Habeggers Verhalten in diesem konkreten Fall nur der Tropfen, der ein ohnehin volles Fass zum Überlaufen gebracht habe.</p>
<p>Hintergrund für die Entlassung von Habegger, der bei der «Schweiz am Sonntag» vorerst einen neuen Job als Politikredaktor gefunden hat, war eine Auseinandersetzung mit dem eben erst von Andrea Bleicher neu eingestellten stv. Politchef der «Blick»-Gruppe, Andreas Kunz (der in einem Weltwoche-Text 2008 die Rechnung aufstellte, dass der konzernweite Schaden, den Frank A. Meyer bei Ringier bisher angerichtet habe, sich auf rund 300 Millionen Franken belaufe). Nach dem Abgang von Andrea Bleicher geriet Kunz bald in Konflikt mit Henry Habegger und Irene Harnischberg, die seine Artikel intern aggressiv kritisierten. In der Folge erhielten die beiden Redaktoren eine von den Kadermitarbeitern in der «Blick»-Gruppe getragene, schriftliche Abmahnung &#8211; von illoyalem Verhalten war darin die Rede, von Beschimpfungen anderer Mitarbeiter und eigenmächtigem Verhalten.</p>
<h3>Fall «Carlos»</h3>
<p>Kunz, entnervt von der Auseinandersetzung, kündigte am 27. August, just an jenem Tag, als er die Titelgeschichte zeichnete, einem Dienstag (Titelschlagzeile: «Sozial-Wahn! Zürcher Jugend-Anwalt zahlt Messerstecher (17) Privatlehrer, 4 1/2-Zimmer-Wohnung und Thaibox-Kurse. Kosten: 22 000 Fr pro Monat»). Der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fall_%C2%ABCarlos%C2%BB">Fall «Carlos»</a> war auch am Mittwoch («Zu brutal für den Knast!»), Donnerstag («‹Der Staat macht ihn zur Killermaschine›») und Freitag («Samurai-Kurse für einen Mutter-Prügler!») Titelschlagzeile, immer mit Kunz als Lieferant der Story. Weil Kunz mit dem Aufgreifen des Fall «Carlos» den «Blick» für eine Woche wieder in das Zentrum der nationalen Aufmerksamkeit rückte, was sonst selten bis nie passiert, sorgten sich die Ringier-Kader mit mehreren Sitzungen um seinen Verbleib &#8211; am Ende blieb er jedoch bei der Kündigung, was jene, die sich um ihn bemühten, enttäuschte. Für Kunz ist die Sache «abgeschlossen», er <a href="http://www.tamedia.ch/de/pressekontakt/medienmitteilungen/2013/pressrelease/andreas_kunz_wird_stellvertretender_chefredaktor_der_sonntagszeitung_neue_gestaltung_und_blattar/">übernimmt</a> nun die stv. Chefredaktion der «Sonntagszeitung», gemeinsam <a href="http://www.tamedia.ch/de/pressekontakt/medienmitteilungen/2013/pressrelease/andrea_bleicher_wird_neue_stellvertretende_chefredaktorin_der_sonntagszeitung/">mit Andrea Bleicher</a>.</p>
<h3>Verwaistes Politik-Ressort</h3>
<p>Seit ihrem Abgang hat die «Blick»-Redaktion gleich vier interimistische Chefs, dafür ist das Politikressort nach dem Abgang von Kunz, Habegger und dem bisherigen Chef, Jürg Auf der Maur, verwaist. Erkundigt man sich zur Absetzung von Habegger, so ist von einer Palastrevolution, von einem grossen Befreiungsschlag die Rede, denn Habegger war sozusagen der Abgesandte von Meyer in Zürich. Wenn auch nicht in allen Fragen gleicher Meinung, teilt er grundsätzlich Meyers Weltanschauung und setzte sie erfolgreich im «Blick»-Politikressort durch. Chefredaktoren, die ihn kritisch hinterfragten, beschied er auch mal selbstbewusst, sein Chef heisse Meyer. Gegenüber der MEDIENWOCHE gibt Habegger zur Sache keine Auskunft, bei «Interna» verfahre er immer so. Nach seinem Verständnis sind Journalisten «keine Akteure».</p>
<p>Mit den Abgängen von Henry Habegger (16 Jahre bei Ringier) und Clemens Studer (ehemaliger stv. Chefredaktor, 13 Jahre bei Ringier, ging im Februar) schwinden jene Kräfte, die den «Blick»-Politikteil gegen den Grossteil der Leserschaft auf gewerkschaftlich-sozialdemokratischer Linie gehalten haben. Werner Vontobel, seit vielen Jahren der Garant für eine solche Haltung in Wirtschaftsfragen, bleibt an Bord. Für Habegger wurde schnell Ersatz gefunden &#8211; ausgerechnet im Pressesprecher der SP Schweiz, <a href="http://www.akbonline.ch/">Andreas Käsermann</a>. Der war überrascht von der Anfrage, hatte aber Interesse am Job und unterzeichnete deshalb einen bis zum 3. Februar befristeten Vertrag. Er werde die SP in seiner Berichterstattung nun aber weder strafen noch bevorzugen, auch wenn nun einige vermuten würden: «Es stimmt: Ich wähle links, ich stimme links, ich habe schon als Bundeshausjournalist meine Denke gehabt», sagt er auf Anfrage, und natürlich ist es so, dass auch jene Politikjournalisten, die ihre politische Haltung verschleiern, eine haben. Käsermann gibt aber zu, dass er sich als Pressesprecher der SVP nicht beworben hätte: «Das hätte ich nicht glaubwürdig vertreten können.»</p>
<h3>Personelle Engpässe</h3>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2013/12/bli_20131206_0_0_a2.jpg" alt="" title="Blick vom 6. Dezember 2013, Seite 2" width="200" height="294" class="alignleft size-full wp-image-17274" />Ausgewählt wurde Käsermann auch, weil Mitarbeiter der «Blick»-Politikabteilung, die sich den Ruf einer «Schlangengrube» erarbeitet hat, derzeit verzweifelt gesucht werden, angeblich geht man die Impressen der Konkurrenz Name für Name durch. Politik findet derzeit im «Blick» kaum noch statt. Am vergangenen Freitag waren auf der Seite 2, bei der deutschen «Bild» Pflichtlektüre für die Politiker, Geschenkideen zu lesen sowie ein Bericht, dass die Oberstufe Wädenswil 40&#8217;000 Franken gewonnen hatte. Auch die an sich begehrenswerte Stelle des «Blick»-Politikchefs, die in den letzten vier Jahren von Clemens Studer, Michael Perricone und Jürg Auf der Maur besetzt wurde, wird von vielen abgelehnt. Könnte nicht Frank A. Meyer mal diesen Posten übernehmen und im Newsroom das Zepter schwingen? Dafür müsste er aber Berlin verlassen und Verantwortung übernehmen &#8211; was ausgeschlossen erscheint. Von Ringier kontaktiert wurden unter anderem Constantin Seibt (Tages-Anzeiger) und Christof Moser (Schweiz am Sonntag). Doch so richtig kann man sich Seibt nicht vorstellen beim «Blick», und auch Moser hat kürzlich öffentlich <a href="https://twitter.com/christof_moser/statuses/401029672341086208">Freiheit vor Führungsaufgaben</a> gestellt.</p>
<p>Immerhin eine Personalie konnte inzwischen vermeldet werden. Der Anfang Juni angekündigte Autorenpool der «Blick»-Gruppe, der <a href="http://www.kleinreport.ch/news/blick-geht-mit-neuem-autorenpool-die-offensive-75396/">am 1. November seine Arbeit aufnehmen wollte</a>, hat nach fünf Monaten neben Leiter Peter Hossli einen ersten Mitarbeiter gefunden: <a href="http://www.ringier.com/de/medien/medienmitteilungen/jean-francois-tanda-neu-im-autorenpool-der-blick-gruppe">Jean François Tanda</a>. Der «Blick»-Autorenpool ist übrigens eine <a href="http://www.kleinreport.ch/news/autorenpool-fuer-die-blick-gruppe-44989/">aufgewärmte Idee aus dem Jahr 2002</a>, die damals augenscheinlich keinen dauerhaften Erfolg nach sich zog. Neben den Stellen im Politikressort ist weiterhin auch der Blick.ch-Chefsessel unbesetzt, den sich derzeit Thomas Enderle und Benjamin Rüegg teilen (ad interim).</p>
<p>Die linkskonservative Fraktion um Meyer hat nach dem Abgang von Werner de Schepper 2008 die zweite Niederlage erlitten. Auch wenn nun der Weg für nachhaltige Reformen in der Zeitung freier ist als auch schon, scheuen die Journalisten vor Ringier wie Pferde vor der Klapperschlange. Mit der fristlosen Entlassung von Henry Habegger durch Florian Fels ist ein Schritt getan, es braucht aber wohl noch weitere grundlegende Veränderungen, damit die Marke «Blick» zu einer Adresse wird, die gute Journalisten anzieht. An Intrigen, Mobbing und Missachtung der Kompetenzbereiche haben verständlicherweise nur wenige ein Interesse.</p>
<h3>Ausblick</h3>
<p>Die von Fels geleitete «Blick»-Gruppe steht vor der wichtigen Frage, wie es mit den Konvergenz-Bestrebungen weitergeht. Mit dem Newsroom existiert dafür eine gute Grundlage, die letzten Entscheidungen zielten aber eher in eine andere Richtung: Weder René Lüchinger noch Christine Maier sind für herausragende Onlinekompetenz bekannt und mit <a href="http://www.blickamabend.ch/">Blickamabend.ch</a> wird diesen Donnerstag ein neues Fass aufgemacht, das seine Verträglichkeit mit <a href="http://www.blick.ch/">Blick.ch</a> erst noch beweisen muss.</p>
<p>Was die Leser wirklich interessiert und empört, zeigte kürzlich Roger Baur. <a href="http://www.blick.ch/news/schweiz/bern/berner-politiker-erhoehen-sich-den-lohn-um-50-prozent-id2543348.html">Sein Text</a> über sich selbst den Lohn erhöhende Berner Kantonsparlamentarier wurde bisher über 5000 mal bei Facebook geteilt.</p>
<p><b>Übersicht der <a href="https://medienwoche.ch/tag/ringier2013/">Ringier-Serie</a>:</b><br />
1. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2013/12/05/koenigshaus-der-anstaendigen/">Königshaus der Anständigen</a><br />
2. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2013/12/09/palastrevolution/">Palastrevolution</a><br />
3. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2013/12/17/golden-boy-der-begueterten-kapitalistenhasser/">Golden Boy der begüterten Kapitalistenhasser</a></small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/12/09/palastrevolution/">Palastrevolution</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Sieg der Schwachen</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2013/08/20/sieg-der-schwachen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 20 Aug 2013 13:24:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Rolf Cavalli]]></category>
		<category><![CDATA[René Lüchinger]]></category>
		<category><![CDATA[Andrea Bleicher]]></category>
		<category><![CDATA[Andreas Dietrich]]></category>
		<category><![CDATA[Ringier2013]]></category>
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		<category><![CDATA[Blick]]></category>
		<category><![CDATA[Marc Walder]]></category>
		<category><![CDATA[Kurt W. Zimmermann]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Andrea Bleicher verliert den Machtkampf gegen die Ringier-Führungsspitze und verlässt das Unternehmen per sofort, Rolf Cavalli folgt ihr. Installiert wird mit René Lüchinger ein loyaler «Blick»-Chef, der es gut kann mit der Werbung, aber Langeweile verspricht. Chefredaktoren in der Schweiz sind je länger je weniger gewichtige Publizisten, sondern führungsloyale Verlagsadlaten. Fangen wir an mit den <a href="https://medienwoche.ch/2013/08/20/sieg-der-schwachen/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Andrea Bleicher verliert den Machtkampf gegen die Ringier-Führungsspitze und verlässt das Unternehmen per sofort, Rolf Cavalli folgt ihr. Installiert wird mit René Lüchinger ein loyaler «Blick»-Chef, der es gut kann mit der Werbung, aber Langeweile verspricht. Chefredaktoren in der Schweiz sind je länger je weniger gewichtige Publizisten, sondern führungsloyale Verlagsadlaten.<br />
<span id="more-15536"></span><br />
Fangen wir an mit den Neuen, den Siegern:</p>
<p><a href="http://www.ringier.com/de/medien/medienmitteilungen/rene-luechinger-wird-chefredaktor-des-blick">Neuer «Blick»-Chefredaktor</a> ist der 54-jährige René Lüchinger, einst Chefredaktor von «Facts» und «Bilanz», irgendwann aber ohne Job &#8211; die «Weltwoche» nahm sich seiner an und liess ihn firmenfreundliche Porträts schreiben: Interessante Einsichten manchmal, langweiliges PR-Gesülze in anderen Fällen, <a href="http://www.weltwoche.ch/weiche/hinweisgesperrt.html?hidID=546433">hier ein Beispiel</a>. Seine Anteile an der Corporate-Publishing-Agentur <a href="http://www.luechingerpublishing.com/">Lüchinger Publishing GmbH</a> wird er mit dem Jobantritt abgeben.</p>
<p>Sein Stellvertreter wird der 49-jährige Andreas Dietrich, der journalistisch zuletzt als Mitglied der Chefredaktion des «Tages-Anzeigers» die zweimal täglich erscheinende iPad-Ausgabe verantwortete, ein gescheitertes Projekt. Aktueller Arbeitgeber (seit Januar) ist die Kommunikationsagentur Ammann, Brunner &amp; Krobath AG. Sein <a href="https://www.linkedin.com/profile/view?trk=tyah2&amp;locale=de_DE&amp;id=207830752">LinkedIn-Profil</a> weist Erfahrungen aus als «Berater» und «PR-/Werbetexter».</p>
<p>Aufgefallen sind die beiden bisher mit einigen guten Stücken und, mit zunehmendem Alter, gar nicht mehr. Die Bissigkeit jüngerer Tage ist bei beiden der Gemütlichkeit gewichen, nicht die Eigenschaft, die es in einer Boulevard-Chefredaktion braucht. Unter dieser Führung ist ein langweiliger und publizistisch ärmlicher «Blick» zu erwarten, der vermehrt die Ringier-Verwertungskette bedient und sich weniger um journalistische Erfordernisse kümmert.</p>
<p>Alles Neue und Umwälzende beim «Blick» ist nämlich mit dem Abgang von Andrea Bleicher gestoppt. Nach der Absetzung von Ralph Grosse-Bley im Februar (<a href="http://www.persoenlich.com/news/medien/ringier-ralph-grosse-bley-neu-zust-ndig-f-r-blick-k-ferspiel-308744#.UhMtQryjjZ4">der heute zuständig ist für Blick-«Käferspiele»</a>), bewegte die selbstbewusste Interims-Chefredaktorin einiges. Sie stellte fröhlich viele neue Mitarbeiter ein (mehrheitlich Frauen), gewährte einige Interviews und machte einen angriffigen und dennoch gefälligen «Blick». Die unter Grosse-Bley notorischen Presseratsbeschwerden versiegten plötzlich. Bleicher bewies, dass man eine Boulevardzeitung machen kann, ohne täglich Grenzen zu überschreiten. Ihre Personalentscheide waren progressiv und liessen Hoffnung auf Veränderung aufkeimen. Die öffentlichen Auftritte dagegen hinterliessen eher Verwirrung, zum Beispiel das <a href="http://www.srf.ch/sendungen/focus/andrea-bleicher-blick-chefredaktorin-ja-wir-machen-fehler">Gespräch mit der SRF-3-Talksendung «Focus»</a>. Bleicher hörte sich darin nicht wirklich an wie die Stimme einer grossen Boulevardzeitung (fehlende Interview-Skills könnten aber auch ein Ausbildungsversäumnis sein von Seiten Ringier).</p>
<p>Die vor allem von Weltwoche-Medienkolumnist Kurt W. Zimmermann geäusserte Kritik an Bleicher blieb oberflächlich und <a href="http://blog.tagesanzeiger.ch/blogmag/index.php/7654/von-cowboys-und-blondinen/">befasste sich ernsthaft mit Haarfarben</a> («Es begegneten sich eine Blonde und eine Dunkle»). «Lustlosen Blut-Boulevard wie aus dem Mittelalter» warf er Bleicher vor und dozierte, heutige Boulevardzeitungen müssten Celebrity-Quatsch betreiben. Ausserdem fehle der Zeitung, trotz dem täglichen Seite-1-Girl, der Sex. Die Wahrheit ist: Gedruckte Boulevardzeitungen verlieren an Auflage, weil die ihn lesenden Senioren wegsterben, mit dem Inhalt hat das oft weniger zu tun. Als sehr kurzes Gedankenexperiment: Was hätte Zimmermann geschrieben, wenn Bleicher keinen «Crime» geliefert hätte? Eben.</p>
<p>Auch wenn es möglicherweise Gründe für die Absetzung von Bleicher und Cavalli gibt, von denen die Öffentlichkeit nichts weiss, ist der Entscheid der Ringier-Führung ein Paradebeispiel, wie man ein motiviertes Redaktionsteam entmutigt. Marc Walder hat die eigene Macht im Verlag zu beachtlicher Grösse auswachsen lassen, was mehr und mehr <a href="https://medienwoche.ch/2013/04/05/ein-walder-steht-die-maennlein/">an das System Merkel erinnert</a>. Im Konfliktfall trennt sich die Führungsspitze auch von langjährigen, augenscheinlich hochloyalen Mitarbeitern wie Cavalli, der dem Unternehmen immerhin 16 Jahre gedient hat. Es ist auch eine Zementierung der eigenen Unfähigkeit, Kritik anzunehmen und umzusetzen. In einem Brief hat sich ein grosser Teil des Führungskaders gegen die schon im Vorfeld bekannt gewordene Ablösung gestellt. Nun wird es unter dem neuen Chefredaktor arbeiten müssen &#8211; was eine grosse Herausforderung sein wird sowohl für Lüchinger als auch für die Belegschaft. Zu erwarten ist eine <a href="https://twitter.com/mathieuvonrohr/status/369755735350976512">«peinliche erste Redaktionssitzung»</a>. Ein Chef muss enorm stark sein, um ein Führungskader für sich zu gewinnen, das sich nahezu geschlossen gegen ihn ausgesprochen hat. Ob Lüchinger solche Kräfte entfalten kann, wird sich weisen.</p>
<blockquote class="twitter-tweet"><p>Gute Lösung gegen die Chef-Fluktuation bei <a href="https://twitter.com/Blickch">@Blickch</a>: halbe Belegschaft wird Interims-Nachfolge-Übergangs-Chefredaktor.</p>
<p>— Viktor Giacobbo (@viktorgiacobbo) <a href="https://twitter.com/viktorgiacobbo/statuses/369778176764821505">August 20, 2013</a></p></blockquote>
<p><script src="//platform.twitter.com/widgets.js"></script></p>
<p>Bis zu Lüchingers Antritt übernehmen Felix Bingesser sowie Thomas Ley, Dominik Hug und Fabian Zürcher die redaktionelle Verantwortung für den «Blick» &#8211; letztere drei haben den <a href="http://www.persoenlich.com/news/medien/ringier-aufstand-des-blick-redaktionskaders-308633#.UhNYN7yjjZ5">Brief gegen die Absetzung von Bleicher</a> unterschrieben (die ursprüngliche Fassung, die später von persoenlich.com kommentarlos ausgetauscht wurde). In der es hiess, «mit dem jetzt geplanten Wechsel an der Blick-Spitze ist die Grenze unseres Verständnisses erreicht. Wir halten ihn für ein abermaliges Experiment mit ungewissem Ausgang».</p>
<p>Die Ringier-Experimente gehen also weiter. Besonders verschaukelt vorkommen dürfen sich jene Angestellten, die von Bleicher (mit dem offensichtlichen Einverständnis von Ringier) geholt worden sind und sich nun neu orientieren dürfen. Aber Ringier hat Geld zum Verschwenden, im Zweifel zahlt man einfach alle anständig aus und lässt sie einen neuen Job suchen.</p>
<p>Andrea Bleicher ist nun eine valable Kandidatin für die Spitze der «SonntagsZeitung», die nach dem Abgang von Martin Spieler dringend (offiziell ab 2014) <a href="https://medienwoche.ch/2013/02/04/chefredaktor-am-sonntag/">eine neue Führung braucht</a>. Sie wäre die richtige Person, um den eingeschlafenen Laden aufzumischen. Allerdings wurde sie von dieser Zeitung bereits übergangen, <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Jung-hartnaeckig-fordernd/story/18576085">als sie Inlandchefin werden wollte</a>. Ganz generell scheinen Schweizer Verlage bei der Besetzung von Spitzenpositionen eher auf Führungstreue und Aussenwirkung zu setzen als auf publizistische Leistungen. Die Anzahl von Chefredaktoren, die nicht vor allem Managementaufgaben erfüllen, schwindet &#8211; vielleicht sollten sie umbenannt werden in «Verlagsadlaten».</p>
<p>Als Detail am Rande. So wirbt der «Blick» heute für sich selbst:</p>
<blockquote class="twitter-tweet"><p>
Soeben die neuste Blick-Werbung erhalten. Meister der Koordination. <a href="https://twitter.com/search?q=%23ringier&amp;src=hash">#ringier</a> <a href="https://twitter.com/Mark_Balsiger">@Mark_Balsiger</a> <a href="http://t.co/6xBYVMA2Mm">pic.twitter.com/6xBYVMA2Mm</a></p>
<p>— Christoph Lauener (@ChLauener) <a href="https://twitter.com/ChLauener/statuses/369761775891533824">August 20, 2013</a>
</p></blockquote>
<p><script src="//platform.twitter.com/widgets.js"></script></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/08/20/sieg-der-schwachen/">Sieg der Schwachen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Terror-Videos: Bedenken, aber keine Grenzen</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2013/05/31/terrorvideo-bedenken-aber-keine-grenzen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Philip Kübler]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 31 May 2013 13:55:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Rolf Cavalli]]></category>
		<category><![CDATA[Alexandra Stark]]></category>
		<category><![CDATA[Der Club]]></category>
		<category><![CDATA[SRF]]></category>
		<category><![CDATA[Diego Yanez]]></category>
		<category><![CDATA[Medienclub]]></category>
		<category><![CDATA[Patrik Müller]]></category>
		<category><![CDATA[Medienkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Schweizer Fernsehen]]></category>
		<category><![CDATA[Rainer Stadler]]></category>
		<category><![CDATA[Vinzenz Wyss]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Diskussionsrunde im ersten «Medienclub» des Schweizer Fernsehens suchte nach Antworten auf die Frage, wie die Massenmedien mit Terrorbildern umgehen sollten. Im Ergebnis scheint fast alles möglich zu sein. Auf Regelwerke, wie sie etwa der Presserat oder publizistische Leitlinien bieten, haben die Medienprofis kaum verwiesen. Man möchte offenbar lieber referenzfrei entscheiden und publizieren. «Sind Medien <a href="https://medienwoche.ch/2013/05/31/terrorvideo-bedenken-aber-keine-grenzen/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Diskussionsrunde im ersten «Medienclub» des Schweizer Fernsehens suchte nach Antworten auf die Frage, wie die Massenmedien mit Terrorbildern umgehen sollten. Im Ergebnis scheint fast alles möglich zu sein. Auf Regelwerke, wie sie etwa der Presserat oder publizistische Leitlinien bieten, haben die Medienprofis kaum verwiesen. Man möchte offenbar lieber referenzfrei entscheiden und publizieren.<br />
<span id="more-14396"></span><br />
<a href="http://www.srf.ch/sendungen/club/medienclub-sind-medien-terrorhelfer" target="_blank"> «Sind Medien Terrorhelfer?»</a>: Der <a href="http://www.srf.ch/medien/news/medienclub-zur-rolle-der-medien-beim-attentat-von-london/" target="_blank">erste «Medienclub»</a> vom letzten Dienstag thematisierte die Fragen, ob und wie Medien das dramatische Videomaterial veröffentlichen sollen, das den Täter nach der kürzlichen Ermordung eines englischen Soldaten in London zeigt. Der Attentäter hatte einen Passanten am helllichten Tag auf offener Strasse aufgefordert zu filmen – ein für Europa neuartiger und verstörender Auswuchs von Terrorismus.</p>
<p>Die Teilnehmer der von Karin Frei geleiteten Diskussionsrunde waren drei Chefredaktoren (Rolf Cavalli, Patrik Müller und Diego Yanez), zwei Vertreter von Ausbildung und Wissenschaft (Alexandra Stark und Vinzenz Wyss), sowie ein Medienjournalist (Rainer Stadler).</p>
<p>Sie vertraten folgende Positionen:</p>
<ul>
<li><span style="font-size: 13px; line-height: 19px;"><strong>Vinzez Wyss (ZHAW)</strong> erwartet von den Medien ein regelbasiertes und reflektiertes Vorgehen mit Berücksichtigung der Gefahr, vom Terrorismus instrumentalisiert zu werden. Die Thematik und die erforderliche Sensibilität sind lange bekannt. Die Redaktionen haben dies zu wissen und im Rahmen ihrer Prozesse zu organisieren.</span></li>
<li><span style="font-size: 13px; line-height: 19px;"><strong>Alexandra Stark (MAZ)</strong> möchte die Journalistinnen und Journalisten sensibilisieren. Es braucht ein Gespür, wann ein Problemfall vorliegt. Dieser lässt sich dann zwar nicht mit starren Regeln, aber mit bewährten Instrumenten lösen. Die Bedeutung des Journalismus liegt gerade nicht in der 1:1-Weitergabe einer Quelle.</span></li>
<li><span style="font-size: 13px; line-height: 19px;"><strong>Rainer Stadler (NZZ)</strong> ist dagegen, dass Medien gefilmte Taten und Rechtfertigungen von Terroristen veröffentlichen. Journalismus setzt ein Selbstverständnis voraus, dass man sich nicht instrumentalisieren lässt. Was andere Medien publizieren, spielt keine Rolle. Wenn schon, dann lässt sich solch ein Vorgang in distanzierter Form über Text abbilden.</span></li>
<li><span style="font-size: 13px; line-height: 19px;"><strong>Diego Yanez (SRF)</strong> beschreibt die Entscheidung seiner Redaktion in Schritten: Zeigen wir das ganze Video? Nein. Sprachrohr sein für den terroristischen Rechtfertigungsversuch? Nein. Weglassen des Videos oder Ausschnitt zeigen? Wir zeigen 7 Sekunden. Die umfangreichen <a href="http://www.srgssr.ch/fileadmin/pdfs/Publizistische%20Leitlinien%20SRF.pdf">publizistischen Leitlinien</a> der SRG hingegen spielten hier keine Rolle</span></li>
<li><span style="font-size: 13px; line-height: 19px;"><strong>Patrick Müller (Schweiz am Sonntag)</strong> zweifelt zwar das Argument an, man dürfe publizieren wenn es andere tun, doch er findet auch die Verzichtsdiskussion heuchlerisch, weil solche Videos ja im Internet leicht auffindbar seien. Medienprodukte dürfen differenziert sein: Blick zeigt das Video und die NZZ unterlässt die Veröffentlichung.</span></li>
<li><span style="font-size: 13px; line-height: 19px;"><strong>Rolf Cavalli (Blick-Gruppe)</strong> setzt sein eigenes journalistisches Gespür ins Zentrum. Journalismus zeigt was ist, er möchte die Leser nicht bevormunden. Es ist unrealistisch anzunehmen, dass ein einzelnes Medium einen Einfluss auf die Verbreitung des Terrorismus habe. Auch ein Boulevardmedium ordnet ein, was gezeigt wird.</span></li>
</ul>
<p>Das Sendeformat «Club» ist ein mögliches Gefäss für diese Diskussion, aber nicht das zwingende. Ein redaktionell betreutes Medienmagazin hätte dem Zuschauer rascher und deutlicher zeigen können, um welche beruflichen und moralischen Themen es geht: Gewaltbilder und Terrorbotschaften. Wie sollen Massenmedien auf ihren Plattformen schockierendes Laienmaterial verwenden, das im Umfeld von terroristischen Straftaten entstand?</p>
<p>Es geht nicht um den Kern des Journalismus, nicht um die individuelle Recherche, die Publikation meinungsbildender Inhalte oder das Verhältnis zu den Betroffenen (Stichwort Persönlichkeitsschutz). In Frage steht die Verbreitung einer vom Handy eines zufällig Beteiligten gefilmten Szene, welcher sich im Umfeld einer Gewalttat abspielte und die von einem Attentäter ausgestossene aggressive Botschaft enthält. Entsprechend kreisen die Fragen um die Publikation von Schockbildern und um die mediale Verstärkung von Terror und Kriminalität.</p>
<p>Zu Schockbildern hat sich der Presserat nach dem Tod von Prinzessin Diana geäussert und dabei zwar nicht genau den vorliegenden Fall, aber doch die Konstellation miterfasst (<a href="http://www.presserat.ch/10890.htm" target="_blank">Stellungnahme 2/98</a> vom 20. Februar 1998 zum Umgang mit Schock- und People-Bildern). Diese Stellungnahme wurde im «Medienclub» nicht genannt und scheint auch in der Abwägung auf den Redaktionen keine Rolle gespielt zu haben. Allein Vinzenz Wyss erwähnte beiläufig den Presserat.</p>
<p>Dass Medien zu Gehilfen von Terroristen werden, war das zweite und hauptsächliche Thema des «Medienclubs». Die Teilnehmer schienen paralysiert durch die Kontroverse,</p>
<ul>
<li><span style="font-size: 13px; line-height: 19px;">dass ein Verbreiter des Videos automatisch die Absicht des Attentäters unterstützt, der sein Tun auf eine Medienöffentlichkeit angelegt hatte (Stadler) – was stimmt, und</span></li>
<li><span style="font-size: 13px; line-height: 19px;">dass es für den Terrorismus keinen Unterschied macht, ob ein einzelnes Medium neben vielen anderen Kanälen das Video auch noch zeigt (Cavalli) – das stimmt auch.</span></li>
</ul>
<p>Dass beide Feststellungen zutreffen, ändert nichts an der Bedeutung der Kontroverse, sondern zwingt im Gegenteil dazu sie zu führen. Stadler ist zu entgegnen, dass dem missliebigen Interesse eines Attentäters andere Interessen gegenüberstehen könnten, die in einem Bildmedium für die Bearbeitung und Publikation des Videos sprechen: Authentizität und Dokumentation der Berichterstattung, Abschreckung und Warnung der Bevölkerung und der Institutionen, Ermöglichung einer emotionalen Anreicherung der Berichterstattung (es ist ein Unterschied, ob man vom Attentäter liest oder ob man ihn sieht). Ob diese und weitere Gründe genügen, ist die Abwägungsaufgabe. Abwägung drückt sich nicht in markigen Sprüchen aus, sondern in einem Dialog und in der Suche nach Alternativen und Varianten, was man tun könnte – und vor allem wie. Rolf Cavalli von der «Blick»-Gruppe hält seine Medienfreiheit und eigene Einschätzung entgegen und nennt dies «Verantwortung». Weshalb die Leser seiner Publikationen das uneditierte Videoclip aber zu sehen brauchen, erklärt er während der ganzen Sendung nicht.</p>
<p>Niemand in der Runde nahm Vinzenz Wyss’ Forderung auf, dass Medienunternehmen Regeln und Kriterien für solche Fälle bekanntmachen und deren Anwendung organisieren sollten. Man möchte lieber referenzfrei entscheiden und publizieren. Dass hier die Verantwortung verbannt wird, die man selber beansprucht, wird kaum erkannt. Verantworten heisst Antwort geben und Konsequenzen tragen, wenn man Fehler macht – und zwar in den Augen anderer oder im Rahmen einer transparenten Selbstverpflichtung, nicht nach eigener Gerechtigkeit.</p>
<p>Setzt die Verantwortung erst dann ein, wenn die eigene Publikation direkten Schaden anrichtet und einen weiteren Attentäter zu einem Mord anstiftet, so kann einem Phänomen wie dem Rudeljournalismus nicht begegnet werden. Dieser besteht darin, dass sich Medien in ein gleichförmiges Verhalten einordnen und als amorphe Gruppe ein Problem schaffen, das die einzelne Publikation nicht zu bewirken vermag. Der Presserat hat solchen Rudeljournalismus als mediale Hetze gegen einen Prominenten abgelehnt, ohne den einzelnen Medienschaffenden direkt zu rügen (<a href="http://www.presserat.ch/28530.htm" target="_blank">Stellungnahme 58/2010</a>: Schutz der Privatsphäre von Boulevardprominenten, Medienhypes etc.): Journalismus in der Kollektivhaftung.</p>
<p>Es ist offensichtlich, dass die Medien als Ganzes den zynischen Absichten eines Attentäters wie jenem von London zudienen. Doch in erster Linie verursachen die Bilder Abscheu. Die Medienrunde konnte abschliessend nicht beantworten, ob Videofilme von Attentätern und Terrorakten in den Massenmedien gezeigt werden sollen. Oberflächlich blieb die Diskussion zwischen den Polen «Bevormundung des Lesers» (Cavalli) und «Selbstverständnis des Journalisten» (Stadler) hängen.</p>
<p>Einige TV-Stationen haben zuerst das ganze Video gezeigt, später nur noch Ausschnitte und präparierte Fassungen. Dieses Vorgehen bringt die wahren Gründe für die rasche Verbreitung ans Licht: Schnell dabeisein, nichts verpassen. Und es legt offen, dass man vorsichtiger wird und werden sollte, wenn man etwas Zeit hat. Es wird wirksamere Ausgaben des «Medienclubs» brauchen, damit sich die Redaktionen beim nächsten Ereignis vergleichbaren Ausmasses diese Zeit nehmen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/05/31/terrorvideo-bedenken-aber-keine-grenzen/">Terror-Videos: Bedenken, aber keine Grenzen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Wenn der Leser ausrastet</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/06/20/wenn-der-leser-ausrastet/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Torsten Haeffner]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Jun 2011 07:14:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Bild]]></category>
		<category><![CDATA[Stefan Plöchinger]]></category>
		<category><![CDATA[Kommentare]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Kommentare]]></category>
		<category><![CDATA[Ringier]]></category>
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		<category><![CDATA[süddeutsche.de]]></category>
		<category><![CDATA[Leser]]></category>
		<category><![CDATA[Urs Holderegger]]></category>
		<category><![CDATA[Publikum]]></category>
		<category><![CDATA[Rolf Cavalli]]></category>
		<category><![CDATA[Anonymität]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es ist ein Teufelskreis: Redaktionen provozieren mit Zuspitzung und Reizthemen das Publikum zu pointierten Kommentaren und wundern sich dann, wenn die Diskussion ins Unterirdische abgleitet. Unter den Kommentatoren wiederum sind es die Provokateure und Brüllaffen, die den Ton angeben und die Debatte reglmässig auf Stammtischniveau absenken. Was tun? Den Medien bieten sich zwei Wege an: <a href="https://medienwoche.ch/2011/06/20/wenn-der-leser-ausrastet/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/06/20/wenn-der-leser-ausrastet/">Wenn der Leser ausrastet</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" alt="" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2011/06/megafon.jpg" class="alignleft" width="120" height="114" /> Es ist ein Teufelskreis: Redaktionen provozieren mit Zuspitzung und Reizthemen das Publikum zu pointierten Kommentaren und wundern sich dann, wenn die Diskussion ins Unterirdische abgleitet. Unter den Kommentatoren wiederum sind es die Provokateure und Brüllaffen, die den Ton angeben und die Debatte reglmässig auf Stammtischniveau absenken. Was tun? Den Medien bieten sich zwei Wege an: Die Diskussionen laufenlassen, schliesslich bringen sie Klicks und Potenzial für Nachzieher. Oder aber: Frühzeitig den Riegel schieben und die Leserschaft in nervenaufreibenden «Erziehungskursen» die Kunst des gepflegten Kommentierens lehren. – Zweiter Teil unserer Serie zu Gegenwart und Zukunft von Leserkommentaren in Online-Medien. (Teil 1: <a href="https://medienwoche.ch/2011/06/16/jeden-tag-krawall/" target="_self">Jeden Tag Krawall</a>)<br />
<span id="more-28863"></span><br />
Wer es als Redaktor oder Journalist in der Kommentarspalte der eigenen Online-Ausgabe einmal so richtig krachen lassen will, hat leichtes Spiel: Er muss seinen Artikel nur knallhart personifizieren und die Leserschaft dann mittels einer spezifischen Botschaft gnadenlos emotionalisieren. Gelingt es ihm schliesslich auch noch, populäre Turbo-Aspekte wie Ausländer, Arbeitslosigkeit, Atomkraft Gleichberechtigung oder den Nahostkonflikt, in die Geschichte mit einzubauen, wirkt dies wie ein Brandbeschleuniger. Die Administratoren bzw. Moderatoren des jeweiligen Kommentargefässes können sich vor Arbeit kaum noch retten. Es sind exakt diese Zutaten, die eine hitzige und unsachliche Diskussion in Gang bringen. Hat es unter den Online-Kommentatoren dann noch ein paar Hitzköpfe, die meinen, die Wahrheit schon immer für sich gepachtet zu haben, dann kann sich der Durchschnittsleser die Lektüre der Kommentare getrost sparen. Denn Volkes Seele kocht. Rowan Barnett von BILD.de kennt das bestens und weiss: «Das hängt immer vom Thema ab.»</p>
<p>Aber nicht nur: Wer sich im Schutze der Anonymität sicher fühlt, schreibt sich leichter den Frust von der Seele, als wenn er dies unter Angabe des vollen Namens und des Wohnortes tut. Hier müssen sich die meisten Redaktionen selbst bei der Nase nehmen. Es gibt verlässliche Authentifizierungsverfahren. Nur sind die aufwändig und teuer. NZZ Online, Newsnetz (tagesanzeiger.ch, bernerzeitung.ch, derbund.ch, bazonline.ch) und sueddeutsche.de haben immerhin erkannt, dass ausser Rand und Band argumentierende Online-Kommentatoren einen Teufelskreis in Gang bringen. <a href="http://www.wuv.de/nachrichten/digital/stefan_ploechinger_wird_chefredakteur_von_sueddeutsche_de" target="_blank">Stefan Plöchinger</a> von sueddeutsche.de sagt dazu: «Irgendwann sinkt die Qualität der Kommentare so weit ab, bis sich nur noch eine In-Group in Zurufen ergeht.»</p>
<p>Wer sind nun diese Persönlichkeiten, die in den Online-Kommentarspalten den Teufelskreis in Gang bringen und wie funktioniert der Teufelskreis letztlich? Es gibt keine wissenschaftlichen Belege dafür, aber die Heisssporne unter den Kommentatoren heissen Hinz + Kunz, Du und Ich, Uschi und Fuschi, Hans und Heiri und sie verhalten sich im Prinzip nicht anders wie die Teilnehmer an einem Stammtisch, an dem Frauen und Männer beispielsweise die Frage diskutieren, wie viel Ausländer die Schweiz verträgt. Die Diskussion läuft solange gesittet ab, bis einer der Diskussionsteilnehmer beispielsweise sagt: «Mir ist es egal, wie viele Ausländer in die Schweiz kommen, solange sie nur weiblich, dunkelhäutig und billig sind.» In diesem Moment geht «die Bombe» hoch und es kommt zu einem wüsten Gemetzel. Letztlich speisen sich derartige Konflikte aus dem Umstand, dass einer der Diskutanten mit seiner radikalen, oft verletzenden Argumentation die Identität, das Weltbild und/oder die Wertvorstellungen der anderen Teilnehmer in Frage stellt. Um nichts anderes geht es dem «Bombenleger», den man getrost zu den ewigen Nörglern zählen darf, der mit nichts und niemandem (auch nicht mit sich selbst) zufrieden ist und die Schuld für alles Übel dieser Welt nur bei seinen Mitmenschen sucht. Er diskutiert nicht, um eine Lösung zu finden, sondern um andere klein zu machen, notfalls verbal zu vernichten. Wenn man so will: ein «Glaubenskrieger».</p>
<p>Die Online-Chefs von NZZ, Newsnetz, sueddeutsche.de, aber auch von Blick und Bild-Online hängen das Thema «Glaubenskrieger» in der Öffentlichkeit nicht gerne allzu hoch, handelt es sich bei diesen Heissblütern unter den Kommentatoren doch nur um den «harten Kern von notorischen Leserbriefschreibern» (Blick-Online Chefredaktor Rolf Cavalli). Zwar bekunden die Redaktionen, die notorischen Scharfschützen wären in den vergangenen Jahren mehr oder minder gnadenlos diszipliniert worden, in einzelnen Fällen «einfach gesperrt», wie <a href="http://design.nzzdomizil.ch/_impressum_holderegger_urs_1.371.html?independent=true" target="_blank">Urs Holderegger, Redaktionsleiter NZZ Online</a>, kundtut. Fakt ist: Man kriegt diese Leute nur schwer in den Griff. Sie tauchen immer wieder auf, beseelt von ihrer persönlichen Mission.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/06/20/wenn-der-leser-ausrastet/">Wenn der Leser ausrastet</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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