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	<title>Schweizer Illustrierte | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Thu, 28 May 2020 15:14:13 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Handlanger der Bauernlobby: Ringier lässt sich für Artikel über das schöne Landleben bezahlen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 28 May 2020 15:11:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Schleichwerbung]]></category>
		<category><![CDATA[Schweizer Illustrierte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Bauernverband bezahlt für redaktionelle Artikel in Ringier-Zeitschriften wie der «Schweizer Illustrierten» – dahinter steckt auch politisches Kalkül. Die Leserschaft erfährt von alledem nichts.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Bauernverband bezahlt für redaktionelle Artikel in Ringier-Zeitschriften wie der «Schweizer Illustrierten» – dahinter steckt auch politisches Kalkül. Die Leserschaft erfährt von alledem nichts.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/05/28/handlanger-der-bauernlobby-ringier-laesst-sich-fuer-artikel-ueber-das-schoene-landleben-bezahlen/">Handlanger der Bauernlobby: Ringier lässt sich für Artikel über das schöne Landleben bezahlen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<item>
		<title>Schweizer Illustrierte: Ein skandalöses Interview mit dem iranischen Botschafter</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2019/07/23/schweizer-illustrierte-ein-skandaloeses-interview-mit-dem-iranischen-botschafter/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Jul 2019 09:10:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Iran]]></category>
		<category><![CDATA[Schweizer Illustrierte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das laut Eigendefinition «beliebteste und meistgelesene People-Magazin der Schweiz» hat ein Interview mit dem iranischen Botschafter geführt und dabei auf kritische Fragen vollständig verzichtet. Der Emissär nutzte die Gelegenheit, um unwidersprochen Propaganda zu betreiben. Das ist ungeheuerlich, besonders gegenüber den Opfern des Regimes.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Das laut Eigendefinition «beliebteste und meistgelesene People-Magazin der Schweiz» hat ein Interview mit dem iranischen Botschafter geführt und dabei auf kritische Fragen vollständig verzichtet. Der Emissär nutzte die Gelegenheit, um unwidersprochen Propaganda zu betreiben. Das ist ungeheuerlich, besonders gegenüber den Opfern des Regimes.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/07/23/schweizer-illustrierte-ein-skandaloeses-interview-mit-dem-iranischen-botschafter/">Schweizer Illustrierte: Ein skandalöses Interview mit dem iranischen Botschafter</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Wie gut waren «die guten alten Zeiten»?</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/10/05/wie-gut-waren-die-guten-alten-zeiten/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Nik Niethammer]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Oct 2015 07:25:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Standpunkt>Blickwinkel]]></category>
		<category><![CDATA[Standpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Blickwinkel]]></category>
		<category><![CDATA[Mobiltelefon]]></category>
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		<category><![CDATA[Schweizer Illustrierte]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Ringier]]></category>
		<category><![CDATA[Reporter]]></category>
		<category><![CDATA[1980er Jahre]]></category>
		<category><![CDATA[Helikopter]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Neulich fragte mich eine junge Kollegin, ob die Zeiten früher besser waren für Journalisten, «als die Medien weniger Sorgen hatten als heute.» Ich musste kurz nachdenken. «Es waren andere Zeiten» sagte ich. «Ganz andere.» Darüber will ich heute erzählen. Ende der 80er Jahre arbeitete ich für die Schweizer Illustrierte. In den Redaktionsstuben wurde geraucht, was <a href="https://medienwoche.ch/2015/10/05/wie-gut-waren-die-guten-alten-zeiten/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Neulich fragte mich eine junge Kollegin, ob die Zeiten früher besser waren für Journalisten, «als die Medien weniger Sorgen hatten als heute.» Ich musste kurz nachdenken. «Es waren andere Zeiten» sagte ich. «Ganz andere.» Darüber will ich heute erzählen.<br />
<span id="more-25836"></span><br />
Ende der 80er Jahre arbeitete ich für die Schweizer Illustrierte. In den Redaktionsstuben wurde geraucht, was die Lunge hergab, die Tischplatten waren übersät mit Brandflecken, die Tastatur schwarz vor Asche. Der Ticker der SDA spuckte Unmengen von Papier aus, der Diaprojektor röhrte bei der Visionierung wie ein alter Diesel, und in der Grafikabteilung zerbarst regelmässig ein Leuchtpult, weil sich wieder einmal einer drauf gesetzt hatte.</p>
<p>Es gab kein Internet. Kein Facebook. Kein Twitter. Kein E-Mail. Kein Handy.</p>
<p>Aber es gab uns, die Reporter (latein. reportare, «zurückbringen»). Wir wurden losgeschickt, zu den Menschen, zum Ort des Geschehens, auf die Alp, ins Kriegsgebiet, nach China und auf den Grund des Genfersees, um Geschichten und Bilder zurückzubringen.</p>
<p>Wer die wichtigste Geschichte recherchierte, bekam DAS Autotelefon. Ein Gerät gross wie ein Koffer und schwer wie zehn Ziegelsteine. Um es in Betrieb zu nehmen, musste man eine Antenne aufschrauben; der Akku reichte für 20 Minuten. Jeder Autotelefonreporter war stolz wie Bolle. Er rief so oft es ging in der Redaktion an, um zu unterstreichen, wie gut er mit der modernen Technik klar kam. Auf der Fahrt von Zürich nach Basel – damals führte die Strasse noch über den Bötzberg – stoppte er also auf der Passhöhe, baute seinen Koffer auf und kabelte ins Pressehaus: «Ja, ich hier. Alles gut. Tolle Verbindung. Bin noch unterwegs. Bis später. Tschüss.»</p>
<p>Als Reporter fühlten wir uns wie Künstler. Wir trugen abgewetzte Lederjacken und hatten Notizblöcke so dick wie Telefonbücher. Diktiergeräte waren uncool – Woodward und Bernstein enthüllten die Watergate-Affäre schliesslich auch ohne. Reiste der Reporter für ein Interview ins winterliche Stockholm, steuerte er vor dem Abflug ein Fachgeschäft an und erstand den beidseitig gesteppten Gebirgsparka mit handverlesener Gänsedauenfüllung Marke «Everest» für 899 Franken. Die Jacke setzte der Reporter später auf Spesen. Vermerk: «Komplementierung der Ausrüstung». Geld, so fand man, sei überschätzt.</p>
<p>Brauchte der Reporter Informationen zum Thema – sagen wir – «Ausbildung von Lawinensuchhunden», besuchte er die Unterwelt – das Archiv. Er stellte sich in die Reihe vor den Tresen, und wenn viel los war, konnte es eine Weile dauern, bis er dran war. «Ist es noch für diese Woche», lautete die Standardfrage, auch wenn man am Dienstagmittag aufschlug. Die Archiv-Recherche wurde mit der internen Post geliefert und umfasste gerne mal ein Kilo Papier. Bis der Stapel da war, war der Reporter längst weg. Bei der Rückkehr konnte er seine Eindrücke mit den Texten abgleichen, die schon früher erschienen waren.</p>
<p>Der Helikopter war ein beliebtes und gerne genutztes Fortbewegungsmittel; früher wurde geflogen, wo heute übermittelt wird. Nach dem Zieleinlauf beim Engadin Skimarathon zum Beispiel flogen Fotograf und Reporter mit einem Heli nach Zürich, landeten bei der Wasserschutzpolizei im Mythenquai, wurden mit einem Schnellboot über den See gesetzt und erreichten eine Stunde später im leichten Laufschritt das Pressehaus. Der Reporter setzte sich ins verrauchte Büro, der Fotograf verschwand in der Dunkelkammer.</p>
<p>Waren das die goldenen Zeiten des Journalismus? Haben wir damals besseren Journalismus gemacht, weil weniger Konkurrenz war, mehr Zeit für Recherche, grössere Redaktionsbudgets?</p>
<p>Es waren spassige Zeiten, keine Frage. Unbeschwerter, weniger atemlos. Aber mehr Qualität? Fehlanzeige. In meinen Texten von damals knirscht und ächzt es an vielen Ecken. Viele von uns waren satt, selbstzufrieden. Und manchmal meilenweit vom Publikum entfernt.</p>
<p>Früher ging der Journalist nach Hause, wenn er seinen Text an die Druckerei übermittelt hatte. Leserbriefe beantwortete der Leserservice. Kam er von einer Reportage zurück, wurde ihm (fast) alles geglaubt, was er erzählte. Es gab kaum Möglichkeiten, eine Geschichte zu überprüfen. Heute genügt ein Klick, um ein Bild zu verifizieren. Viele Journalisten kümmern sich persönlich um den Dialog mit dem Publikum. Funktioniert ein Text nicht, haut ihn das Netz dem Autor um die Ohren.</p>
<p>Trotz Spardruck in den Redaktionen, trotz sinkender Auflagen, trotz Wehklagen der Branche: So seriös, nachhaltig und kompetent wie der Journalismus in der Schweiz heute ist, war er nie. Finde ich!</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/10/05/wie-gut-waren-die-guten-alten-zeiten/">Wie gut waren «die guten alten Zeiten»?</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Und plötzlich arbeitslos</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/08/24/und-ploetzlich-arbeitslos/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Nik Niethammer]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Aug 2015 07:59:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Standpunkt>Blickwinkel]]></category>
		<category><![CDATA[Standpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Blickwinkel]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitslosigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Fritz+Fränzi]]></category>
		<category><![CDATA[Radio 1]]></category>
		<category><![CDATA[Schweizer Illustrierte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Was es heisst, unerwartet die Stelle zu verlieren: Vor einem Jahr traf es unseren Kolumnisten, nachdem er den Chefredaktorenposten von Radio 1 verlassen hatte. Wie hat er die Zeit danach erlebt? Was half ihm, die Arbeitslosigkeit durchzuhalten? Und wie fand er schliesslich zum Schweizer ElternMagazin? Drei Dinge helfen, die Mühseligkeiten des Lebens zu ertragen, schrieb <a href="https://medienwoche.ch/2015/08/24/und-ploetzlich-arbeitslos/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/08/24/und-ploetzlich-arbeitslos/">Und plötzlich arbeitslos</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Was es heisst, unerwartet die Stelle zu verlieren: Vor einem Jahr traf es unseren Kolumnisten, nachdem er den Chefredaktorenposten von Radio 1 verlassen hatte. Wie hat er die Zeit danach erlebt? Was half ihm, die Arbeitslosigkeit durchzuhalten? Und wie fand er schliesslich zum Schweizer ElternMagazin?<br />
<span id="more-25508"></span><br />
Drei Dinge helfen, die Mühseligkeiten des Lebens zu ertragen, schrieb einst Immanuel Kant: die Hoffnung, der Schlaf und das Lachen.</p>
<p>Ich habe oft an diesen Satz denken müssen, als ich ohne Arbeit war. Die Hoffnung, der Schlaf, das Lachen – es sind die Dinge, die einem gerne mal abhanden kommen, wenn man arbeitslos ist. Ein Jahr ist das nun her. Die Erinnerung an diese Zeit hat sich in mir eingebrannt.</p>
<p>Ohne Arbeit. Ein relativer Begriff. Arbeit ist ja irgendwie immer, gerade als Vater von zwei kleinen Strolchen. Aber das zählt ja nicht, zumindest in Teilen der Gesellschaft. Gemessen wird man daran, was man beruflich macht. Wie viel Geld man verdient. Was man in seinem Job als Journalist bewegt.</p>
<p>Plötzlich ohne Arbeit. Ohne Aufgabe. Ohne Einkommen. Die Gefühle fahren Karussell. Frustration, Wut, weil man gescheitert ist, sich nutzlos fühlt; Selbstzweifel, weil man sich fragt, was habe ich falsch gemacht; Selbstmitleid, weil man denkt, die anderen sind schuld. Und schliesslich: Ohnmacht, Zukunftsangst.</p>
<p>Der letzte Gedanke am Abend, der erste Gedanke am morgen: wie geht es weiter. Ich schaue in die Mails, wieder nichts, keine Anfrage, keine Einladung zu einem Gespräch. Wen könnte ich noch anschreiben, wen anrufen? Ich will kein Mitleid. Nur ein bisschen Respekt. Ich habe 25 Jahre Berufserfahrung, habe grosse Titel verantwortet, Millionenbudgets verwaltet, Leute ausgebildet, habe einen Nobelpreisträger, den Dalai Lama und den ersten Mann auf dem Mond interviewt, aber was zählt das schon, wenn man in diesen Zeiten einen Job sucht, wo vor allem digitale Eingeborene gefragt sind.</p>
<p>Ich diszipliniere mich. Stehe um 6 Uhr auf. Frühstücke mit den Kindern, bringe sie in die Krippe, lasse mir meine Sorgen nicht anmerken. Die Kinder finden es toll, dass der Papi soviel Zeit hat, er arbeitet eben von zuhause aus, was ist schon dabei, er sitzt viel am Computer, am Telefon. Nicht wie andere Väter, die morgens früh weg sind und abends nach Hause kommen, wenn die Kinder schon schlafen.</p>
<p>Du musst unter die Leute, raten Freunde, aber was wissen die schon. Immer dieselben Fragen: Wo hast Du dich beworben? Was machst du jetzt? Hat sich die Redaktion, der Verlag schon gemeldet? Immer dieselben Tipps: Mach Dich doch selbstständig. Wechsele in die Kommunikation. Werde Hausmann! Und immer dieselben aufmunternden Worte: Also um Dich mach ich mir überhaupt gar keine Sorgen, Du mit Deinen Erfahrungen.</p>
<p>Aber ICH mach mir Sorgen, verdammt noch mal!</p>
<p>Dann eben Seitenwechsel. Kommunikationsbranche. Die brauchen doch Leute, die kommunizieren, schreiben, reden können. Kreative Köpfe, die strategisch denken, lange Arbeitstage locker wegstecken, sich mit schwierigen Mitarbeitern, Vorgesetzten, Kunden herumschlagen. Ich melde mich bei den zehn grössten Agenturen, schreibe pfiffige Bewerbungen und werde von den meisten sofort und herzlich empfangen. Geht es aber um einen konkreten Job, werden Brillenträger hinter ihren Schreibtischen einsilbig: Da ist grad kein Budget, da sind grad grosse Umstrukturierungen, das passt grad schlecht. Aber wir melden uns. Natürlich meldet sich niemand.</p>
<p>Zurück zum RAV. Das was mir da gegenüber sitzt, nennt sich Berater. Der Berater beschränkt sich darauf, sinnfreie Fragen zu stellen, endlos Formulare auszufüllen. Kein Blickkontakt, kein Interesse wie es mir geht, keine Empathie. Ich lege zwei Dutzend Nachweise über Gespräche und Bewerbungen auf den Tisch. Der Berater klatscht in die Hände und sagt – so Herr Niethammer, jetzt legen wir aber mal richtig los. Und dann sagt er diesen Satz, den ich in meinem Leben nicht vergessen werde: „Sie bewerben sich ab sofort auf jede freie CEO-Stelle eines KMU.“ Wie, jetzt? Auf jede? Auch auf die Geschäftsführung einer Schraubenfabrik?“ „Ja, auch auf die! “</p>
<p>Das Resultat überrascht so wenig wie die Tatsache, dass am Morgen die Sonne aufgeht. Ich erhalte ausschliesslich Absagen, kübelweise. Wahlweise bin ich überqualifiziert, unterqualifiziert, zu alt (immerhin wählen die Personalberater die weniger harte Formulierung „Wir haben uns für einen jüngeren Bewerber entschieden“), zu teuer.</p>
<p>Dann also muss es ein Headhunter richten. Ein eigenes Volk, diese Kopfjäger. Sie arbeiten nach dem Prinzip Hoffnung. Einer sagt; lassen Sie das für mich regeln, dann schwafelt er etwas von „in zwei Wochen habe ich drei Jobs für sie“, dann hör ich nichts mehr. Ich frage nach, irgendwie ist es plötzlich kompliziert, eine wichtige Kontaktperson in den Ferien, eine andere krank, man würde sich melden, niemand meldet sich, es ist zum Kotzen.</p>
<p>Dann also die sozialen Netzwerke befeuern, sich auf Xing und LinkedIn vernetzen, sich bemerkbar machen, die Visibilität erhöhen, wie es ein Personalberater in seinem schlecht sitzenden Anzug so schön formuliert. Sein erster Rat: sie dürfen auf keinen Fall ihre Lohnansprüche reduzieren, da kommen sie sonst nie mehr hoch. Dann sagt er noch diesen Satz, der jeden Bewerber besonders motiviert: Schön, dass Sie meine Dienste in Anspruch nehmen, aber eigentlich hätten sie vor zehn Jahren hier aufschlagen sollen.</p>
<p>Dann wieder Bewerbungsgespräche. Bisher sass ich immer auf der anderen Seite, habe Dutzende Kandidaten befragt, habe ihre Unterlagen geprüft und beim Händedruck gewusst, der ist es, und der nicht. Also ein frisches Hemd angezogen, die Unterlagen nochmals sortiert, auf alle, wirklich alle Fragen eine Antwort parat. Und dann sagt der Personalchef: Sie waren doch Chef der Schweizer Illustrierten, sagen Sie mal, wie ist Melanie Winiger so privat?</p>
<p>Das alles ist ein Jahr her. Heute bin ich sehr glücklich mit meiner neuen Aufgabe beim Schweizer ElternMagazin. Ich führe ein kleines feines Team, verantworte ein grossartiges Produkt und beschäftige mich beinahe ausschliesslich mit nachhaltigen, relevanten Themen. Kontaktiert worden bin ich übrigens für die neue Stelle via – Facebook.</p>
<p>Ich habe die schwierigste Zeit in meinem Berufsleben ohne Trauma überstanden. Dank meiner Familie, meinen Freunden. Meinem Glauben, dass immer irgendwo eine Türe aufgeht, wenn eine andere zuschlägt. Geholfen haben mir aber auch ein paar Leitsätze, die ich eisern befolgt habe, und die ich an dieser Stelle gerne weitergebe:</p>
<p>Bleib hellwach, hungrig, gut informiert und vernetzt.<br />
Halte Dich fit, geistig und körperlich.<br />
Sei ehrlich. Im Gespräch. Und zu Dir selbst.<br />
Versuch mindestens einmal am Tag zu lachen.<br />
Hilf Dir selbst. Sonst hilft dir keiner. Schon gar nicht das Arbeitsamt.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/08/24/und-ploetzlich-arbeitslos/">Und plötzlich arbeitslos</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Ente ist aus, Koch ist abgehauen</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2014/11/03/ente-ist-aus-koch-ist-abgehauen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nik Niethammer]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Nov 2014 11:52:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Berliner Mauer]]></category>
		<category><![CDATA[Blickwinkel]]></category>
		<category><![CDATA[Schweizer Illustrierte]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Ringier]]></category>
		<category><![CDATA[Reportage]]></category>
		<category><![CDATA[Reporter]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Unser Kolumnist erlebte im November 1989 die welthistorischen Umwälzungen als Reporter in der DDR hautnah. Für die «Schweizer Illustrierte» berichtete er aus Leipzig und Berlin – ganz ohne Internet und Laptop. Ereignisse von dieser Dimension liessen sich auch heute nur mit Reportagen verständlich erklären, findet Nik Niethammer. «Die Mauer ist in gleissendes Scheinwerferlicht getaucht. Volkspolizisten <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/03/ente-ist-aus-koch-ist-abgehauen/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/03/ente-ist-aus-koch-ist-abgehauen/">Ente ist aus, Koch ist abgehauen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Unser Kolumnist erlebte im November 1989 die welthistorischen Umwälzungen als Reporter in der DDR hautnah. Für die «Schweizer Illustrierte» berichtete er aus Leipzig und Berlin –  ganz ohne Internet und Laptop. Ereignisse von dieser Dimension liessen sich auch heute nur mit Reportagen verständlich erklären, findet Nik Niethammer.</strong><br />
<img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2014/11/76747521_2655939914500814_9007327837471899648_n.jpg" alt="" width="960" height="640" class="alignnone size-full wp-image-74086" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2014/11/76747521_2655939914500814_9007327837471899648_n.jpg 960w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2014/11/76747521_2655939914500814_9007327837471899648_n-300x200.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2014/11/76747521_2655939914500814_9007327837471899648_n-768x512.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2014/11/76747521_2655939914500814_9007327837471899648_n-728x485.jpg 728w" sizes="(max-width: 960px) 100vw, 960px" /><br />
<em>«Die Mauer ist in gleissendes Scheinwerferlicht getaucht. Volkspolizisten haben Absperrgitter aufgestellt, versuchen die Menschenmassen abzudrängen. Ohne Erfolg. Die Menge stampft, johlt. Ein junger Mann hat eine Holzleiter mitgebracht, ist auf die Mauer gestiegen. ‹Sie kommen›, schreit er in die Nacht hinaus.»</em></p>
<p>So beginnt ein Text, den ich vor 25 Jahren für die «Schweizer Illustrierten» geschrieben habe. Er trägt den Titel «Freiheit!» Es sind meine persönlichen Aufzeichnungen einer historischen Nacht. Der Nacht, in der in Berlin die Mauer fiel.</p>
<p><em>«Mehr und mehr Leute versuchen, auf die Mauer zu klettern. Sie werden von Polizisten zurückgehalten. Auf der Westseite ertönen Klopfgeräusche. Jemand bearbeitet die Wand mit einem Hammer. Erst zaghaft, dann stärker. Die Menge wogt im Takt der Schläge. Eine Frau schlägt sich die Hände vor das Gesicht, weint hemmungslos. Die Schlaggeräusche verstummen wieder. Totenstille. Dann ertönen Pressluftbohrer. Zuerst einer, dann werden es mehr. Die Wand vibriert. Fotografen und Kameraleute stürzen nach vorn.»</em></p>
<p>Man nennt es Reporterglück. Auf der Redaktion war ein Kollege krank geworden, also bat mich Jörg Kachelmann, damals Nachrichtenchef der «Schweizer Illustrierten», die Ereignisse in der DDR im Auge zu behalten. Im Oktober 1989 reiste ich nach Leipzig und erlebte mit, wie Zehntausende Menschen nach dem wöchentlichen Friedensgebet in der Nikolaikirche durch das Zentrum zogen, «Jetzt oder nie, Demokratie» skandierten. Ich wurde in Ostberlin Zeuge, wie Polizei und Staatssicherheit mit Gewalt gegen Protestierende vorgingen. Und ich traf die Ikone der Protestbewegung, die ebenso faszinierende wie scheue Bärbel Bohley, Mitbegründerin des Neuen Forums, in ihrer kleinen Wohnung im Prenzlauer Berg. Vor hier aus führte sie den friedlichen Kampf gegen die SED-Diktatur.</p>
<p><em>«Dort, wo jemand «DDR» an die Wand gesprayt hat, bröckelt der Beton. Ein kleiner Riss wird sichtbar. Die, die zuvorderst stehen, werden beinahe erdrückt. Polizisten bringen sie in Sicherheit. Durch den Riss in der Mauer dringt ein feiner Lichtstrahl. Der Blick wird frei auf Baumaschinen, Lastwagen und Arbeiter in grauen Overalls. Wildfremde Menschen fallen sich in die Arme. Es ist Samstagmorgen, der 11. November 1989. Um 2 Uhr 47 wird in der Bernauerstrasse in Ost-Berlin die Mauer aufgebrochen.»</em></p>
<p>Zwei Tage zuvor, am Abend des 9. November, antwortete SED-Funktionär Günter Schabowski an einer Pressekonferenz in Berlin auf die Frage, wann die neue grosszügige Reiseregelung ins westliche Ausland für DDR-Bürger in Kraft trete, mit dem lapidaren, legendären Satz: «Das tritt nach meiner Kenntnis… ist das sofort, unverzüglich.» Heute würde diese Nachricht innerhalb von Sekunden durchs weltweite Netz rauschen, millionenfach in sozialen Netzwerken geteilt werden. Buzzfeed würde eine Liste posten: «15 Dinge, die sie über die Berliner Mauer noch nicht wussten.» Und die Heftig-Macher würden texten: «20 Bilder, die dir die Tränen in die Augen treiben, Nummer 11 hat uns umgehauen.» Aber damals? Twitter, Facebook, Instagram – Fehlanzeige. Internet? Noch ohne Bedeutung. Die ersten Meldungen von der Maueröffnung las ich auf dem Telex – am nächsten Morgen bestiegen  Fotograf Charles Seiler die Maschine der PanAm nach Berlin-Tegel.</p>
<p><em>«Beim Übergang Invalidenstrasse stauen sich die Fahrzeuge kilometerlang. Viele haben ihre Autos einfach stehen lassen, strömen zu Fuss über die weisse Grenzlinie in den anderen Stadtteil. Dort bilden Zehntausende von Westberlinern eine Gasse, bespritzen die Ankömmlinge mit Champagner, beschenken sie mit Kuchen und Früchten. Die im Schritttempo fahrenden Trabis werden von Zuschauern durchgeschüttelt, mit den Händen trommeln sie auf die Fahrzeugdächer. Über Lautsprecher fordert ein Westberliner Polizist die Menge auf, «nicht so doll draufzuschlagen, weil die sonst kaputt gehen.»</em></p>
<p>«Gute Reportagen fangen die Zeit ein, sehr gute Reportagen frieren die Zeit ein, und wenn man sie auftaut, Jahre später, dann sind sie immer noch so wahr, wie sie waren, als sie geschrieben wurden.» Sagt Spiegel-Redaktor Cordt Schnibben. Ein hoher Anspruch. Wenn ich heute meinen Text von damals lese, sind die Bilder wieder da: Der junge Ostberliner, der mir freudestrahlend eine Dose Pal hinstreckt, die er von den 100 Mark Begrüssungsgeld für seinen Hund gekauft hat, «weil ich das vom Westfernsehen kenne.» Oder der Betreiber einer Peep-Show am Bahnhof-Zoo, der den Umsatz seines Lebens machte, «die Mädchen arbeiten nonstop». Unvergessen auch der junge Vietnamese am Potsdamer Platz, Betreiber eines kleinen Imbiss. Auf die Frage, ob wir eine Kleinigkeit essen können, schleudert er mir entgegen: «Ente ist aus, Koch ist abgehauen».</p>
<p>Nach 48 Stunden ohne Schlaf in einer Stadt im Ausnahmezustand flogen wir am Sonntagmittag nach Zürich zurück. Aufgewühlt. Völlig neben der Spur. Charles Seiler brachte seine Filmrollen ins Labor, ich ordnete meine Notizen – einen Laptop, auf dem man unterwegs oder im Flugzeug hätte schreiben können, gab es damals noch nicht &#8211; haute 15‘000 Anschläge in die Tasten und produzierte die zwölf Seiten starke Titelgeschichte. Um 17 Uhr verliess ein Kurier mit Text und Bildern die Dufourstrasse Richtung Druckerei in Zofingen. Und ich taumelte nach Hause, zu müde, um irgend etwas zu empfinden.</p>
<p>Warum ich das aufschreibe? Weil der Beruf des Reporters – Medienkrise hin oder her – noch immer der schönste der Welt ist. Und weil ich mir wünsche, dass gerade junge Journalistinnen und Journalisten das Handwerk der Reportage nicht verlernen: Also denn: geht raus. Kriecht in andere Menschen hinein. Werdet zum Entdecker. Erzählt Geschichten. Und hört auf, alles zu ergoogeln.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/03/ente-ist-aus-koch-ist-abgehauen/">Ente ist aus, Koch ist abgehauen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>«Wir haben die Medien gebeten, keine Bilder zu veröffentlichen»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/04/17/wir-haben-die-medien-gebeten-keine-bilder-zu-veroeffentlichen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 Apr 2012 16:08:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Wallis]]></category>
		<category><![CDATA[Bild-Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Kai Diekmann]]></category>
		<category><![CDATA[Trauer]]></category>
		<category><![CDATA[Kinder]]></category>
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		<category><![CDATA[Bild]]></category>
		<category><![CDATA[Car-Unfall]]></category>
		<category><![CDATA[Ringier]]></category>
		<category><![CDATA[Dokumentation]]></category>
		<category><![CDATA[Bilder]]></category>
		<category><![CDATA[Schweizer Illustrierte]]></category>
		<category><![CDATA[ARD]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nach dem Car-Unglück im Wallis von Mitte März zeigte die Schweizer Illustrierte auf dem Cover die Bilder von 15 tödlich verunfallten Kindern. Wie ein Dokumentarfilm der ARD nun nahelegt, hat das Heft von den Eltern der Opfer keine Erlaubnis erhalten, die Porträts zu veröffentlichen. Ganz am Schluss, nach vierzig Filmminuten über die grösste Zeitung Deutschlands, <a href="https://medienwoche.ch/2012/04/17/wir-haben-die-medien-gebeten-keine-bilder-zu-veroeffentlichen/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Nach dem Car-Unglück im Wallis von Mitte März zeigte die Schweizer Illustrierte auf dem Cover die Bilder von 15 tödlich verunfallten Kindern. Wie ein Dokumentarfilm der ARD nun nahelegt, hat das Heft von den Eltern der Opfer keine Erlaubnis erhalten, die Porträts zu veröffentlichen.</strong></p>
<p>Ganz am Schluss, nach vierzig Filmminuten <a href="http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=10151786" target="_blank">über die grösste Zeitung Deutschlands</a>, kommen die ARD-Reporter auch noch auf das Car-Unglück vom 13. März im Wallis zu sprechen. Denn die Bild-Zeitung hat, was die Schweizer Illustrierte ein paar Tage später  <a href="http://issuu.com/schweizer-illustrierte.ch/docs/si_2012_12" target="_blank">auch tun würde</a>: Sie zeigte auf ihrer Titelseite die Porträts von 15 der tödlich verunfallten Kinder aus Belgien; Bilder, die von den Behörden des flämischen Städtchens Lommel in einem eigens dafür hergerichteten Trauerraum im Rathaus aufgestellt wurden.</p>
<p>Wie Bild-Chefredaktor Kai Diekmann unumwunden zugibt, hat die Bild-Zeitung die Eltern der Kinder nicht um Erlaubnis für den Abdruck gebeten. Diekmann stellt sich auf den abenteuerlichen Standpunkt, dass wenn die Eltern die Bilder dem Bürgermeister zur Verfügung gestellt hätten, sie dann auch mit einer Veröffentlichung in den Medien einverstanden sein müssten.</p>
<p>Ähnlich argumentierte auch die Schweizer Illustrierte. In der Ausgabe vom 19. März schreibt Chefredaktor Stefan Regez: «Auf dem Titel zeigen wir die 15 verunglückten Kinder aus der belgischen Kleinstadt Lommel.» Und dann fährt er kursiv weiter, was sich im Rückblick wie ein Rechtfertigungsversuch für das zweifelhafte Vorgehen liest: «Genau diese Bilder sind dort der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden.»</p>
<p>Gegenüber der ARD bestreitet der Bürgermeister von Lommel schriftlich, die Porträts der Kinder für die Veröffentlichung freigegeben zu haben. «Er [der Bürgermeister] hat von Anfang an, von der ersten Pressekonferenz im Rathaus an, alle Medien darum gebeten, auch an der Schule, keine Fotos zu veröffentlichen, weil die Eltern von Beginn weg gebeten hatten, ihre Privatsphäre zu respektieren und keine Bilder ihrer Kinder oder Lehrer zu veröffentlichen, die die Kinder auf der Reise begleitet hatten.» Das sagt eine Sprecherin der Stadtverwaltung Lommel vor der Kamera. Auf die Frage, ob sie ausschliessen könne, dass die Eltern direkt eine Veröffentlichung in der Bild-Zeitung genehmigt hätten, sagt sie: «Absolut. Sie [die Eltern] waren nicht glücklich, die Fotos ihrer Kinder in den Zeitungen zu sehen oder im Fernsehen. Sie waren sehr traurig.»</p>
<p>Da in der ARD-Dokumentation nur das Verhalten der Bild-Zeitung explizit angesprochen wird, kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich andere Medien – zum Beispiel die Schweizer Illustrierte – um eine Einwilligung der Eltern in den Abdruck der Porträts ihrer verstorbenen Kinder bemüht und eine solche auch erhalten hatten.</p>
<p>Auf Anfrage der MEDIENWOCHE lässt Chefredaktor Stefan Regez via den Ringier-Unternehmenssprecher ausrichten, nichts zum Thema sagen zu wollen. Was eigentlich nur einen Schluss zulässt – auch mit Blick auf den Rechtfertigungsversuch im Editorial der betreffenden Ausgabe: Die Schweizer Illustrierte hat, wie auch die Bild-Zeitung, von den Eltern keine Erlaubnis erhalten, die Bilder der verunfallten Kinder zu veröffentlichen.</p>
<p>Nun lässt sich vortrefflich darüber streiten, wie Medien angemessen auf ein Ereignis von der Dimension des schrecklichen Car-Unglücks im Wallis reagieren sollen, Bilder zeigen? Bilder nicht zeigen? Welche Bilder zeigen? Die Bilder-Diskussion ist allerdings in dem Moment beendet, wo das Einverständnis der nächsten Angehörigen der Opfer für eine Veröffentlichung fehlt.  Da kann man sich auch mit dem Verweis auf die freie Zugänglichkeit und Einsehbarkeit der Porträtbilder nicht rausmogeln. Es gibt auch eine <a href="http://presserat.ch/25580.htm" target="_blank">Privatsphäre im öffentlichen Raum</a>.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/04/17/wir-haben-die-medien-gebeten-keine-bilder-zu-veroeffentlichen/">«Wir haben die Medien gebeten, keine Bilder zu veröffentlichen»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Einer aus der Familie</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/04/07/einer-aus-der-familie-2/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 07 Apr 2012 11:52:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Unger]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Werfeli]]></category>
		<category><![CDATA[Oscar Frei]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Schneeberger]]></category>
		<category><![CDATA[Rinigier]]></category>
		<category><![CDATA[Marc Walder]]></category>
		<category><![CDATA[Schweizer Illustrierte]]></category>
		<category><![CDATA[Unterhaltung]]></category>
		<category><![CDATA[CEO]]></category>
		<category><![CDATA[Frank A. Meyer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seit zwei Tagen ist Marc Walder CEO von Ringier. Er folgt auf Christian Unger, der nach drei Jahren die Spitze des Unternehmens bereits wieder verlässt. Überraschend an der Personalie ist nur der Zeitpunkt. Dass Walder einmal an der Spitze von Ringier stehen würde, hat sich in den letzten Jahren abgezeichnet. Mit der Medienmitteilung am letzten <a href="https://medienwoche.ch/2012/04/07/einer-aus-der-familie-2/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/04/07/einer-aus-der-familie-2/">Einer aus der Familie</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="alignleft" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2012/04/logo_ringier.jpg" alt="" width="120" height="120" /> Seit zwei Tagen ist Marc Walder CEO von Ringier. Er folgt auf Christian Unger, der nach drei Jahren die Spitze des Unternehmens bereits wieder verlässt. Überraschend an der Personalie ist nur der Zeitpunkt. Dass Walder einmal an der Spitze von Ringier stehen würde, hat sich in den letzten Jahren abgezeichnet.<br />
<span id="more-30461"></span><br />
Mit der Medienmitteilung am letzten Donnerstag war die Amtsübergabe <a href="http://www.ringier.com/de/medien/medienmitteilungen/neuer-ceo-bei-der-ringier-ag" target="_blank">bereits vollzogen</a>. Marc Walder, bisher verantwortlich für das Geschäft in der Schweiz und Deutschland, steht ab sofort als CEO an der Spitze des globalen Medienkonzerns Ringier.</p>
<p>Walders Vorgänger Christian Unger schreibt auf seiner Webseite, es sei für ihn der richtige Zeitpunkt, <a href="http://www.christian-unger.com/neuer-ceo-bei-der-ringier-ag/" target="_blank">«neue Aufgaben anzunehmen»</a>. Auch von offizieller Seite war bisher nichts zu den Gründen für den überraschenden Führungswechsel zu erfahren; nur ein dürres Communiqué ohne Würdigung und Dankesworte für die Leistungen des bisherigen CEO, als wolle man die Ära Unger möglichst schnell vergessen machen.</p>
<p>Der Abgang Ungers überrascht insofern, als dass der bisherige Ringier-CEO bei seinem Amtsantritt 2009, <a href="http://www1.smd.ch/SmdDocuments/?allParmsX=rWZcWEtd0ZihomJ0Df9YKVEcR6RvhT87hQKl2ONpRA9GGtI6K9jpmkZyOYR50cc*tme4m6rYsqnSWLbwkkmrrw65*I1RyxNOQ4Eu4E3qdpOv5hRTrXEeIukZH7Es92kdwYnqJy2wluoG0ryOCrqHYls4PdfJZW1De3nAmLi*v-w%3D&amp;allParmsXCRC=1663366200&amp;aktion=documentsDownload&amp;newLocale=de" target="_blank">der Sonntagszeitung sagte</a>, «sehr viel länger als nur zwei oder drei Jahre» für Ringier arbeiten zu wollen. Nun waren es nur drei Jahre. Offensichtlich hat Unger die Erwartungen an die Dauer seiner Amtszeit drastisch nach unten korrigiert – oder korrigieren müssen.</p>
<p>Einer der Gründe dafür heisst Marc Walder. Wer den Karriereverlauf des früheren Tennisprofis als Journalist und späterer Manager bei Ringier anschaut, erkennt nur eine Richtung: Nach oben. Nun ist er ganz oben angekommen. Insofern vermag höchstens der Zeitpunkt zu überraschen, nicht aber der Umstand, dass Walder irgendwann an der Spitze von Ringier stehen würde.</p>
<p>Als er vor einem Jahr danach gefragt wurde, ob er als nächstes den Posten von Unger übernehmen werde, beantwortet  Walder die Frage ausweichend <a href="http://www.mediummagazin.de/magazin-plus/die-ringnier-strategie/" target="_blank">und sagte nur</a>, dass er sehr glücklich sei und sich «in der spannendsten und zufriedenstellendsten Situation meines Berufslebens» befinde.</p>
<p>Mit Marc Walder steht nun jemand an der Spitze von Ringier, der der Verlegerfamilie sehr nahe steht. Den Verleger Michael Ringier kennt Walder seit dreissig Jahren. Deshalb gebe es eine persönliche und berufliche Komponente, die sie aber zu trennen wüssten. Die Nähe zum Verleger, sowie – noch wichtiger – die unternehmensinterne Karriere, sind denn auch die augenfälligen Unterschiede zum zurückgetretenen Christian Unger, der als externer Manager zu Ringier gekommen war. Damit war Unger eine grosse Ausnahme an der Spitze des Konzerns. Der letzte Spitzenmann ohne Stallgeruch war Peter Schneeberger Mitte der 1980er Jahre. Danach folgten mit Michael Ringier, Oscar Frei und Martin Werfeli alles Figuren mit langjähriger Ringier-Karriere.</p>
<p>Sicher nicht nachteilig wirkt sich für Walder aus, dass er es mit der grauen Eminenz von Ringier, dem Publizisten Frank A. Meyer, gut kann. Woche für Woche trinken die beiden zusammen einen Espresso, plaudern über Gott und die Welt und veröffentlichen das Gespräch als Interview in der Schweizer Illustrierten. Diese Nähe suchte Unger nicht. Im Gegenteil. Nach seinem Amtsantritt <a href="http://blog.persoenlich.com/?p=452" target="_blank">bezeichnete Unger Meyer</a> als «einen Journalisten, mittlerweile pensioniert, der in Berlin lebt», nachdem dieser versucht hatte, dem neuen CEO den Tarif durchzugeben.</p>
<p>Bei allen atmosphärischen und zwischenmenschlichen Komponenten bleibt für die Berufung an die Spitze der unternehmerische Leistungsausweis ausschlaggebend. Den hat sich Walder mit dem Umbau von Ringiers Schweizer Geschäfts vom Medien- zum integrierten Unterhaltungskonzern erworben. Ein Weg, der sich auch für das globale Geschäft anbietet, zumal Ringier schon heute sein Geld im Ausland  nicht nur mit Zeitungen und Zeitschriften verdient. Events, Sport und Stars, die drei Säulen, auf denen Ringier in der Schweiz sein Unterhaltungsgeschäft abstützt, kennen keine Grenzen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/04/07/einer-aus-der-familie-2/">Einer aus der Familie</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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