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	<title>Sky | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>Medienqualität, EqualVoice, Tschugger</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2022/09/17/medienqualitaet-equalvoice-tschugger/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Bettina Büsser]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 17 Sep 2022 06:45:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>The Good – Tut gut: Qualitätssteigerung der Schweizer Medien Good News aus der Forschung: «Die Schweizer Medien haben an Qualität gewonnen», sagte fög-Forschungsleiter Daniel Vogler anlässlich der Präsentation des Medienqualitätsratings 2022. Mit guten Nachrichten ging es weiter: Die meisten Nachrichtensendungen in Radio und Fernsehen konnten ihre Qualität steigern. Die meisten Tageszeitungen und Online-Medien haben sich <a href="https://medienwoche.ch/2022/09/17/medienqualitaet-equalvoice-tschugger/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/09/MW-Good-Bad-Ugly-20220917b.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img fetchpriority="high" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-99516" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/09/MW-Good-Bad-Ugly-20220917b.jpg" alt="" width="1456" height="488" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/09/MW-Good-Bad-Ugly-20220917b.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/09/MW-Good-Bad-Ugly-20220917b-300x101.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/09/MW-Good-Bad-Ugly-20220917b-1024x343.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/09/MW-Good-Bad-Ugly-20220917b-768x257.jpg 768w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /></a></p>
<h3>The Good – Tut gut: Qualitätssteigerung der Schweizer Medien</h3>
<p>Good News aus der Forschung: «Die Schweizer Medien haben an Qualität gewonnen», sagte fög-Forschungsleiter Daniel Vogler <a href="https://vimeo.com/748549777" target="_blank" rel="noopener">anlässlich der Präsentation</a> des <a href="https://www.mqr-schweiz.ch/de/startseite.html" target="_blank" rel="noopener">Medienqualitätsratings 2022</a>. Mit guten Nachrichten ging es weiter: Die meisten Nachrichtensendungen in Radio und Fernsehen konnten ihre Qualität steigern. Die meisten Tageszeitungen und Online-Medien haben sich in drei von vier Qualitätsdimensionen verbessert. Alle Sonntagszeitungen und Magazine erzielten einen höheren Qualitäts-Gesamtscore als beim Rating 2020. Und alle Boulevard- und Pendlerzeitungen konnten ihre Berichterstattungsqualität in den vergangenen beiden Jahren steigern.</p>
<p>Grund zur Freude also. Natürlich kann man sich trotzdem Fragen stellen. Wird die Medienqualität jetzt wieder schlechter, weil die Fortschritte bei den Merkmalen «Relevanz» und «Einordnungsleistung» vor allem mit der Corona-Berichterstattung zu tun hatten? Könnte die Wissenschaft auch den Qualitätsverlust durch die Medienkonzentration ausweisen? Reicht es für eine qualifizierte Aussage aus, wenn bei der Publikumsbefragung auch diejenigen die Qualität eines Mediums bewerten, die es nur «ab und zu» nutzen? Müsste die Themenvielfalt nicht auch auf regionaler anstatt nur auf nationaler Ebene betrachtet werden? Und warum war an der MQR-Medienkonferenz niemand von der NZZ da, um den ersten Preis in der Kategorie «Tages- und Onlinezeitungen» abzuholen?</p>
<p>Was solls. Geniessen wir – zusammen mit der NZZ, den anderen Kategoriengewinnern WOZ, «Watson» und «Echo der Zeit» – für einmal die guten Nachrichten über Medien und Journalismus. Die nächsten Bad News kommen bestimmt.<br />
</p>
<h3>The Bad – Tut not: Ringiers EqualVoice ohne Sponsoring</h3>
<p>Gleichstellung ist wichtig. Und die <a href="https://www.equalvoice.ch/de/" target="_blank" rel="noopener">EqualVoice-Initiative von Ringier</a> ist sicherlich eine gute Sache. Damit sollen Frauen in den Medien sichtbarer werden und häufiger in Texten vorkommen.</p>
<p>Man kann bei einem solche Anliegen aber auch stolpern. Oder sich verfahren. <a href="https://archive.ph/JnZSi" target="_blank" rel="noopener">Auf «blick.ch»</a>, «handelszeitung.ch» und in der «Handelszeitung» erschien kürzlich ein Artikel über die Architektin Tilla Theus. Er berichtete über Theus Arbeit und Erfolge, über Gleichstellung in der Architektur und passte gut zu EqualVoice. In einem Kasten wurde denn auch auf die Initiative verwiesen.</p>
<p>Bloss: Der Artikel war Sponsored Content für Land Rover, verfasst vom <a href="https://www.ringier-advertising.ch/brand-studio/" target="_blank" rel="noopener">Ringier Brand Studio</a>. Im Video zum «Blick»-Artikel sass Theus in einem Auto des Sponsors, ein Bild in der «Handelszeitung» zeigt den «neuen Range Rover» vor einem von Theus entworfenen Gebäude.</p>
<p>Ringier hat alle Gebote zum Sponsored Content eingehalten, hat alles klar ausgewiesen. Da gibt es nichts zu bemängeln. Ausser, dass die Kombination von «Wir setzen uns für Gleichstellung ein» und «Wir lassen uns dafür von einem Autohersteller bezahlen» einen Beigeschmack hat.</p>
<p>Ist es nicht heikel, sich bei EqualVoice-Aktivitäten sponsern zu lassen? «Nein», antwortet Daniel Riedel, Mediensprecher der «Blick»-Gruppe: «Denn wir stellen fest, dass sich immer mehr Kunden in Bezug auf die Gleichstellung von Frauen und Männer positionieren wollen und sich auch gezielt dafür einsetzen möchten.» Und: «Wir wählen unsere Partner nach diversen Gesichtspunkten sorgfältig aus und achten bei der Auswahl darauf, dass sie mit den Grundsätzen der EqualVoice-Initiative einhergehen.»</p>
<p>Der Beigeschmack bleibt trotzdem.</p>
<h3>The Ugly – Tut weh: länger warten auf «Tschugger 2»</h3>
<p>Er ist wieder da! Es gibt neue Geschichten über Bax, den coolsten Polizisten im Wallis – er hat immerhin einst Bernard Rappaz verhaftet! –, über «Smetterling», Pirmin, Valmira und die ganze Truppe. Seit Donnerstag läuft endlich die zweite Staffel «Tschugger» … <a href="https://show.sky.ch/de/serien/102507/tschugger" target="_blank" rel="noopener">auf dem Bezahlsender Sky Show</a>. Bei Fernsehen SRF hingegen wird <a href="https://www.srf.ch/play/tv/sendung/tschugger-2?id=268db462-bbbc-4f00-98f7-4dd60fa8e761" target="_blank" rel="noopener">«Tschugger 2» erst ab dem 18. Dezember</a> zu sehen sein, drei Monate nach der Première.</p>
<p>Warum? Es hat mit der Finanzierung zu tun: Die beiden Staffeln wurden laut Baptiste Planche, Leiter Fiktion bei SRF, mehrheitlich durch SRF finanziert, dazu kamen, Förderbeiträge, Eigenmittel der Produktionsfirma sowie eine Beteiligung von Sky: «Der Finanzierungsanteil von Sky bei Staffel zwei ist markant höher, als er bei Staffel eins war, was die dreimonatige Vorabexklusivität für Sky begründet», antwortet Baptiste Planche auf die entsprechende Frage der MEDIENWOCHE. Laut Planche kostete die Produktion der ersten Staffel rund 3 Millionen Franken, die der zweiten rund 3.4 Millionen. Wie der «markant höhere» Anteil von Sky aussah, wird nicht bekanntgegeben.</p>
<p>Die Wartezeit auf «Tschugger 2» überbrücken, indem man auf SRF nochmals «Tschugger 1» schaut, geht leider auch nicht. «Tschugger 1» ist weder bei Play SRF noch bei Play Suisse zu finden. «Beide Staffeln sind während der Vorabexklusivität exklusiv bei Sky zu sehen», heisst es bei SRF. Für Serafe-Gebühren-Zahler*innen bedeutet das bis Dezember: gar kein «Tschugger».</p>
<p>SRF hat für «Tschugger» erstmals mit einem kommerziellen Streamingdienst zusammengearbeitet. Für die nächsten Zusammenarbeits-Verhandlungen wünschen wir mehr Glück.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2022/09/17/medienqualitaet-equalvoice-tschugger/">Medienqualität, EqualVoice, Tschugger</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>SRF-Sky-Serie Tschugger: Cowboys, Crime und eiskalte Blondinen im Wallis</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2021/11/26/srf-sky-serie-tschugger-cowboys-crime-und-eiskalte-blondinen-im-wallis/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 26 Nov 2021 17:40:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Sky]]></category>
		<category><![CDATA[Tschugger]]></category>
		<category><![CDATA[SRF]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kaltherzige Blondinen brechen kaputten Cowboys das Herz. Leichen pflastern die verschneiten Weiten. Zeugs explodiert. Und alles zusammen ist ein grosser Spass. Jetzt auf SRF und Sky.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/11/26/srf-sky-serie-tschugger-cowboys-crime-und-eiskalte-blondinen-im-wallis/">SRF-Sky-Serie Tschugger: Cowboys, Crime und eiskalte Blondinen im Wallis</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Kaltherzige Blondinen brechen kaputten Cowboys das Herz. Leichen pflastern die verschneiten Weiten. Zeugs explodiert. Und alles zusammen ist ein grosser Spass. Jetzt auf SRF und Sky.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/11/26/srf-sky-serie-tschugger-cowboys-crime-und-eiskalte-blondinen-im-wallis/">SRF-Sky-Serie Tschugger: Cowboys, Crime und eiskalte Blondinen im Wallis</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Champions League im Pay-TV: Fernsehen wird zum Luxusgut</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2017/06/20/fernsehen-wird-zum-luxusgut/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Adrian Lobe]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 20 Jun 2017 21:30:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Fernsehen]]></category>
		<category><![CDATA[TV]]></category>
		<category><![CDATA[Fussball]]></category>
		<category><![CDATA[Champions League]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Hat das öffentlich-rechtliche TV-Modell ausgedient? Im Sport- und Unterhaltungsbereich sind die Zeichen der Machtverschiebung nicht zu übersehen: Pay-TV statt Free TV. Am Ende profitieren auch hier die Technologie-Konzerne wie Google, Facebook Amazon. Wer künftig die Champions League sehen will, muss tiefer in die Tasche greifen. Vergangene Woche wurde bekannt, dass der Bezahlsender Sky und der <a href="https://medienwoche.ch/2017/06/20/fernsehen-wird-zum-luxusgut/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Hat das öffentlich-rechtliche TV-Modell ausgedient? Im Sport- und Unterhaltungsbereich sind die Zeichen der Machtverschiebung nicht zu übersehen: Pay-TV statt Free TV. Am Ende profitieren auch hier die Technologie-Konzerne wie Google, Facebook Amazon.</strong><br />
<span id="more-29387"></span><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/06/MW-Beitrag-Pay-TV_20170620b-1200x800px.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="Beschriftung ..." data-rl_caption="Alternativtext ..." title="Beschriftung ..."><img decoding="async" class="size-full wp-image-37326 alignnone" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/06/MW-Beitrag-Pay-TV_20170620b-1200x800px.jpg" alt="" width="1200" height="800" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/06/MW-Beitrag-Pay-TV_20170620b-1200x800px.jpg 1200w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/06/MW-Beitrag-Pay-TV_20170620b-1200x800px-300x200.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/06/MW-Beitrag-Pay-TV_20170620b-1200x800px-768x512.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/06/MW-Beitrag-Pay-TV_20170620b-1200x800px-1024x683.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/06/MW-Beitrag-Pay-TV_20170620b-1200x800px-728x485.jpg 728w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></a></p>
<p>Wer künftig die Champions League sehen will, muss tiefer in die Tasche greifen. Vergangene Woche wurde bekannt, dass der <a href="https://www.dwdl.de/nachrichten/61929/champions_league_wie_kompliziert_wirds_fr_die_kunden/" target="_blank" rel="noopener">Bezahlsender Sky und der kostenpflichtige Streamingdienst DAZN</a> die «Königsklasse» ab der Saison 2018/2019 exklusiv übertragen werden. Damit fliegt in Deutschland die Champions League aus dem Free TV. In den kleineren Märkten der Schweiz und Österreich bleibt vorerst alles beim Alten, SRF und ORF zeigen in der nächsten Saison europäischen Spitzenfussball. Beim ZDF hingegen, gucken die Sportfreunde in die Röhre. Das öffentlich-rechtliche Programm unterlag im Bieterwettbewerb um die Senderechte. «Bis an die Schmerzgrenze» sei man laut ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann gegangen. Nach Informationen von «Bild» ist der Sender in der Vergaberunde für 2018/19 bis 2020/21 bei einem Gebot von 70 Millionen Euro ausgestiegen.</p>
<p>Nun kann man sich generell fragen, ob es zum Grundangebot eines öffentlich-rechtlichen Senders gehört, Spiele der Champions League im TV zu zeigen und ob man mit Gebührengeldern die Show von Ronaldo und Co. finanzieren sollte. Ist das Wegfallen der Champions League ein Verlust für das Gebührenfernsehen? Oder kommt nur zusammen, was zusammengehört, Kommerzfussball zu Kommerzfernsehen? Interessanterweise kommen die kritischen Töne aus dem Fussball selbst.</p>
<p>Andreas Rettig, Geschäftsführer des Zweitligisten FC St. Pauli, dessen Anhänger und Trainer Ewald Lienen dem linken Milieu zuzurechnen sind, sagte in einem Interview mit der Fachzeitschrift «Kicker»: «Ich sehe die Entwicklung unter gesellschaftspolitischen Aspekten mit grosser Sorge. (…) Die Gruppe der unter 20-Jährigen wird kleiner, die der über 60-Jährigen grösser. Langfristig werden sich viele ältere Fans den ‹Luxus Fussball› im TV schlicht und einfach nicht mehr erlauben können, Stichwort Altersarmut.» Braucht es analog zum Mindestlohn eine Mindestsendezeit von Fussball im Fernsehen? Eine Art Basispaket?</p>
<p>Der Rechtepoker ist inzwischen sogar ein Wahlkampfthema geworden, da es längst auch um Politik geht, zumal in den Rundfunkräten bzw. im Fernsehrat auch Vertreter des Bundes und des Länder vertreten sind. «Hohe Pflichtgebühren fürs TV + trotzdem kein #Fussball? #ChampionsLeague Übertragung muss für alle gesichert werden!», twitterte die Spitzenkandidatin der Linken, Sahra Wagenknecht. In einem Interview mit der «Welt» legte die Politikerin nach: «Fussball ist der populärste Sport in Deutschland, und auch Menschen, die sich kein Pay-TV leisten können oder wollen, möchten den europäischen Spitzenfussball sehen.» Der Ausschluss von Zuschauern sei «nur durch die fortschreitende Privatisierung des Fernsehens möglich». Dass die Ligaverbände diese Privatisierung des Fernsehens durch eine hemmungslose Vermarktung – erinnert sei hier an den milliardenschweren TV-Rechte-Deal in der Premier League – selbst betrieben haben, hat Wagenknecht in ihrer Kalkulation nicht eingepreist. Fussballklubs wie Bayern München bieten ihren Fans schon seit Jahren ein eigenes, bezahlpflichtiges Vereins-TV mit Hintergrundberichten und Live-Spielen. Doch in Begriffen wie «Ausschluss» und «Luxus Fussball» scheint im Kleinen auf, was sich im Grossen vollzieht: Dass sich in der Fernsehlandschaft ähnlich wie im Stadion segregierte «Nutzungsklassen» herausbilden, wo eine zahlungskräftige Kundschaft bereit ist, für ein «Premiumprodukt» draufzuzahlen.</p>
<p>Frank Steffel, Obmann der CDU im Sportausschuss des Deutschen Bundestages, forderte nach dem Aus des ZDF als Champions-League-Sender ein Umdenken. «Die öffentlich-rechtlichen Sender sollten die freien Gelder und Sendezeiten für andere Sportarten nutzen. Weiterhin hauptsächlich auf Fußball zu setzen, wäre fahrlässig und naiv», sagte er. «Wer internationale Topstars will, muss diesen finanziellen Wahnsinn mitgehen oder abschalten.» Diese Ansicht läuft im Ergebnis jedoch darauf hin, dass die Volkssportart Fußball in einer Teilöffentlichkeit stattfindet und damit zum Elitesport bzw. Marketing-Event verkommt.</p>
<p>Das Fernsehen war zu seiner Anfangszeit eines der demokratischsten Medien überhaupt. Jung und Alt, Arm wie Reich starrten in den Schwarz-Weiss-Flimmerkasten und sahen die gleichen Sendeinhalte in bescheidener Qualität. Es gab nur zwei oder Programme, nach Sendeschluss flimmerte das EBU-Testbild. Ende der 1960er Jahre setzte sich das Farbfernsehen durch, ehe mit dem Kabelfernsehen und Pay-TV das erste Bezahlfernsehen kam. Das lineare Fernsehen, bei dem sich das Publikum Samstagabends zur Primetime vor dem Fernseher in der heimischen Wohnstube versammelte, verliert zunehmend an Bedeutung. In den Mediatheken lassen sich Sendungen 24/7 (mit Einschränkungen bei der Sportberichterstattung) abrufen. Den Sendeschluss gibt es so nicht mehr. Vor allem die jüngeren, digitalaffinen Nutzer streamen Inhalte und basteln sich ihr eigenes, massgeschneidertes Programm zusammen.</p>
<p>Bei den fiktionalen Inhalten hat sich Netflix als erste Adresse etabliert. Mit beliebten Serien wie «House of Cards» gräbt die Streamingplattform den historischen TV-Sendern nicht nur das Publikum ab, sondern wirbt ihnen auch zunehmend Schauspieler und Produzenten ab, wie jüngst die Irin Tara Flynn. Allein in diesem Jahr plant Netflix über 70 neue Produktionen. Das «Wall Street Journal» nannte den Streaming-Dienst darum das «Monster, das Hollywood auffrisst». Doch Netflix ist nicht allein. Neben dem Platzhirsch finden sich eine ganze Reihe weitere populäre Bezahldienste wie HBO Now, Showtime oder Hulu. Grosse Player sind dabei mehr als nur eine Abspielplattform für zusammengekaufte Filme und Serien. Sie produzieren die Inhalte selbst. So feierte Amazon Prime mit der Serienproduktion «You Are Wanted» von und mit Matthias Schweighöfer einen durchschlagenden Erfolg.</p>
<p>Prognosen der Analysefirma Zenith zufolge <a href="http://www.zerohedge.com/news/2017-02-28/youtube-users-watch-1-billion-hours-day-set-surpass-us-tv-viewership" target="_blank" rel="noopener">nähern sich die Kurven von TV- und Internetnutzung immer stärker an</a>. 2020 könnte die Internetnutzung erstmals den TV-Konsum überflügeln – wobei zu fragen wäre, was eigentlich noch genuin TV ist. Die Generation «Zero TV» ist auf dem Vormarsch. In den USA wurden bereits 2013 in fünf Millionen Haushalte kein klassisches Fernsehen mehr geschaut (der Begriff «Zero TV» ist etwas missverständlich, weil 75 Prozent dieses Haushalte tatsächlich noch ein Empfängergerät besitzt, es jedoch ausschließlich für DVDs, Videospiele oder Streaming nutzt und daher nicht in die klassische Kategorie der Fernsehnutzung fällt). Doch laut einer jüngsten Erhebung des Amts für Energiestatistik (U.S Energy Information Administration) ist die Zahl der Fernsehgeräte in den USA zurückgegangen. Waren in US-Haushalten 2009 durchschnittlich noch 2,6 Fernsehgeräte installiert, sank die Zahl 2015 auf nur noch 2,3. Das Smartphone- und Tablet-Display wird zur neuen Mattscheibe. Technologie killt das klassische TV.</p>
<p>Indem sie die ganze Wertschöpfungskette übernehmen, bedrohen Streaming-Dienste das Geschäftsmodell traditioneller TV- und Kinoproduktionen. Damit verbunden ist nicht nur ein Abfluss von Werbegeldern sondern auch eine Machtverschiebung. Die Technologie-Konzerne bestimmen zunehmend, was auf Sendung geht. Und was gezeigt wird.</p>
<p>So hat Google vor wenigen Wochen über seine Tochter Youtube den Dienst «Youtube TV» lanciert, der auf einem Abo-Modell basiert und komplementär zur Videoplattform läuft. Für 35 Dollar im Monat kann man – vorerst in den USA – verschiedene Sender wie ABC, EPSN (zu Disney gehörend), NCs (Comcast), Fox News und National Geography empfangen. Mit Youtube TV will Google den TV-Sendern zusätzliche Reichweite bieten gegen eine Beteiligung an den damit erzielten Werbeeinnahmen. Für die Sender ist das Angebot verlockend, weil sie über Youtube jüngere Zuschauer erreichen als über ihre bisherigen Kanäle.Es birgt aber auch die Gefahr, dass sich Medienkonzerne in Abhängigkeiten zu dem Tech-Giganten begeben. Turner-CEO John Martin sagte, <a href="http://www.fiercecable.com/broadcasting/turner-ceo-says-youtube-tv-said-no-to-cnn-tbs-tnt" target="_blank" rel="noopener">dass Youtube TV seine Offerte ausschlug</a>. Der Sender CNN, das Teil der Turner-Gruppe ist, kann vorerst nicht über Youtube TV abgerufen werden. Was auch eine Zeitenwende ist. CNN galt einst als Katalysator der Globalisierung, das seine oft lärmigen News aus aller Welt in die Wohnstuben trug. Gründer Ted Turner konzeptualisierte die Globalisierung als «Vorspultaste», die es in Zeitlupe zu analysieren gelte. Im CNN Center in Atlanta waren die Mitarbeiter stolz darauf, binnen 24 Stunden Fernsehteams mit umfassendem Equipment an jeden Punkt der Erde schicken zu können. Doch die alten Medienspieler werden zunehmend von Streaming-Diensten und sozialen Netzwerken überholt, die Informationen viel schneller über den Globus jagen.</p>
<p>Springer, das mit seinem Online-Flaggschiff Bild.de bei der Vergabe der Bundesligarechte ab der Saison 2017/18 dem Streamingdienst DAZN unterlag, bezieht dank einer Kooperation Sportvideos vom Konkurrenten, die allerdings erst nach dem Fussballwochenende in der Nacht zu Montag um 0.00 Uhr online gehen dürfen – was zeigt, dass Verlage noch Schwierigkeiten bei der Monetarisierung von Inhalten haben und in der Verwertungskette eher das letzte Glied sind.</p>
<p>Der Vormarsch der Streaming-Dienste könnte das Ende des Free TV besiegeln – wobei das auch immer eine Illusion war, weil sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk über Gebührengelder, die faktisch eine Zwangsabgabe sind, finanziert und die Privatsender sich über Werbung finanzieren. Durch die Umstellung des in Deutschland verbreiteten digitalen Antennenempfangs auf den neuen Standard DVB-T2 werden allerdings auch Privatsender kostenpflichtig.</p>
<p>Der doppelt codierte Leitspruch «Information wants to be free», der sowohl als Informations- als auch als Kostenfreiheit derselben verstanden werden konnte, scheint nur noch mit Einschränkungen zu gelten. Während einst die billigen Plätze vor der Glotze waren, sind sie heute in den algorithmischen Endlosschleifen <a href="https://www.theatlantic.com/business/archive/2017/06/google-facebook-netflix/528999/" target="_blank" rel="noopener">auf Facebook oder Youtube</a>. Die Bezahlschranke wird zum sozialen Selektionskriterium. Wer sich die Zusatzgebühr für die Zaubertricks von Messi und Co. nicht leisten kann oder will, schaut am Ende in die Röhre.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/06/20/fernsehen-wird-zum-luxusgut/">Champions League im Pay-TV: Fernsehen wird zum Luxusgut</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Fernsehen wird zum Luxusgut</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2017/06/20/fernsehen-wird-zum-luxusgut-2/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Adrian Lobe]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 20 Jun 2017 21:30:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Fernsehen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Hat das öffentlich-rechtliche TV-Modell ausgedient? Im Sport- und Unterhaltungsbereich sind die Zeichen der Machtverschiebung nicht zu übersehen: Pay-TV statt Free TV. Am Ende profitieren auch hier die Technologie-Konzerne wie Google, Facebook Amazon. Wer künftig die Champions League sehen will, muss tiefer in die Tasche greifen. Vergangene Woche wurde bekannt, dass der Bezahlsender Sky und der <a href="https://medienwoche.ch/2017/06/20/fernsehen-wird-zum-luxusgut-2/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/06/20/fernsehen-wird-zum-luxusgut-2/">Fernsehen wird zum Luxusgut</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Hat das öffentlich-rechtliche TV-Modell ausgedient? Im Sport- und Unterhaltungsbereich sind die Zeichen der Machtverschiebung nicht zu übersehen: Pay-TV statt Free TV. Am Ende profitieren auch hier die Technologie-Konzerne wie Google, Facebook Amazon.<br />
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Wer künftig die Champions League sehen will, muss tiefer in die Tasche greifen. Vergangene Woche wurde bekannt, dass der <a href="https://www.dwdl.de/nachrichten/61929/champions_league_wie_kompliziert_wirds_fr_die_kunden/" target="_blank">Bezahlsender Sky und der kostenpflichtige Streamingdienst DAZN</a> die «Königsklasse» ab der Saison 2018/2019 exklusiv übertragen werden. Damit fliegt in Deutschland die Champions League aus dem Free TV. In den kleineren Märkten der Schweiz und Österreich bleibt vorerst alles beim Alten, SRF und ORF zeigen in der nächsten Saison europäischen Spitzenfussball. Beim ZDF hingegen, gucken die Sportfreunde in die Röhre. Das öffentlich-rechtliche Programm unterlag im Bieterwettbewerb um die Senderechte. «Bis an die Schmerzgrenze» sei man laut ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann gegangen. Nach Informationen von «Bild» ist der Sender in der Vergaberunde für 2018/19 bis 2020/21 bei einem Gebot von 70 Millionen Euro ausgestiegen.</p>
<p>Nun kann man sich generell fragen, ob es zum Grundangebot eines öffentlich-rechtlichen Senders gehört, Spiele der Champions League im TV zu zeigen und ob man mit Gebührengeldern die Show von Ronaldo und Co. finanzieren sollte. Ist das Wegfallen der Champions League ein Verlust für das Gebührenfernsehen? Oder kommt nur zusammen, was zusammengehört, Kommerzfussball zu Kommerzfernsehen? Interessanterweise kommen die kritischen Töne aus dem Fussball selbst.</p>
<p>Andreas Rettig, Geschäftsführer des Zweitligisten FC St. Pauli, dessen Anhänger und Trainer Ewald Lienen dem linken Milieu zuzurechnen sind, sagte in einem Interview mit der Fachzeitschrift «Kicker»: «Ich sehe die Entwicklung unter gesellschaftspolitischen Aspekten mit grosser Sorge. (…) Die Gruppe der unter 20-Jährigen wird kleiner, die der über 60-Jährigen grösser. Langfristig werden sich viele ältere Fans den ‹Luxus Fussball› im TV schlicht und einfach nicht mehr erlauben können, Stichwort Altersarmut.» Braucht es analog zum Mindestlohn eine Mindestsendezeit von Fussball im Fernsehen? Eine Art Basispaket?</p>
<p>Der Rechtepoker ist inzwischen sogar ein Wahlkampfthema geworden, da es längst auch um Politik geht, zumal in den Rundfunkräten bzw. im Fernsehrat auch Vertreter des Bundes und des Länder vertreten sind. «Hohe Pflichtgebühren fürs TV + trotzdem kein #Fussball? #ChampionsLeague Übertragung muss für alle gesichert werden!», twitterte die Spitzenkandidatin der Linken, Sahra Wagenknecht. In einem Interview mit der «Welt» legte die Politikerin nach: «Fussball ist der populärste Sport in Deutschland, und auch Menschen, die sich kein Pay-TV leisten können oder wollen, möchten den europäischen Spitzenfussball sehen.» Der Ausschluss von Zuschauern sei «nur durch die fortschreitende Privatisierung des Fernsehens möglich». Dass die Ligaverbände diese Privatisierung des Fernsehens durch eine hemmungslose Vermarktung – erinnert sei hier an den milliardenschweren TV-Rechte-Deal in der Premier League – selbst betrieben haben, hat Wagenknecht in ihrer Kalkulation nicht eingepreist. Fussballklubs wie Bayern München bieten ihren Fans schon seit Jahren ein eigenes, bezahlpflichtiges Vereins-TV mit Hintergrundberichten und Live-Spielen. Doch in Begriffen wie «Ausschluss» und «Luxus Fussball» scheint im Kleinen auf, was sich im Grossen vollzieht: Dass sich in der Fernsehlandschaft ähnlich wie im Stadion segregierte «Nutzungsklassen» herausbilden, wo eine zahlungskräftige Kundschaft bereit ist, für ein «Premiumprodukt» draufzuzahlen.</p>
<p>Frank Steffel, Obmann der CDU im Sportausschuss des Deutschen Bundestages, forderte nach dem Aus des ZDF als Champions-League-Sender ein Umdenken. «Die öffentlich-rechtlichen Sender sollten die freien Gelder und Sendezeiten für andere Sportarten nutzen. Weiterhin hauptsächlich auf Fußball zu setzen, wäre fahrlässig und naiv», sagte er. «Wer internationale Topstars will, muss diesen finanziellen Wahnsinn mitgehen oder abschalten.» Diese Ansicht läuft im Ergebnis jedoch darauf hin, dass die Volkssportart Fußball in einer Teilöffentlichkeit stattfindet und damit zum Elitesport bzw. Marketing-Event verkommt.</p>
<p>Das Fernsehen war zu seiner Anfangszeit eines der demokratischsten Medien überhaupt. Jung und Alt, Arm wie Reich starrten in den Schwarz-Weiss-Flimmerkasten und sahen die gleichen Sendeinhalte in bescheidener Qualität. Es gab nur zwei oder Programme, nach Sendeschluss flimmerte das EBU-Testbild. Ende der 1960er Jahre setzte sich das Farbfernsehen durch, ehe mit dem Kabelfernsehen und Pay-TV das erste Bezahlfernsehen kam. Das lineare Fernsehen, bei dem sich das Publikum Samstagabends zur Primetime vor dem Fernseher in der heimischen Wohnstube versammelte, verliert zunehmend an Bedeutung. In den Mediatheken lassen sich Sendungen 24/7 (mit Einschränkungen bei der Sportberichterstattung) abrufen. Den Sendeschluss gibt es so nicht mehr. Vor allem die jüngeren, digitalaffinen Nutzer streamen Inhalte und basteln sich ihr eigenes, massgeschneidertes Programm zusammen.</p>
<p>Bei den fiktionalen Inhalten hat sich Netflix als erste Adresse etabliert. Mit beliebten Serien wie «House of Cards» gräbt die Streamingplattform den historischen TV-Sendern nicht nur das Publikum ab, sondern wirbt ihnen auch zunehmend Schauspieler und Produzenten ab, wie jüngst die Irin Tara Flynn. Allein in diesem Jahr plant Netflix über 70 neue Produktionen. Das «Wall Street Journal» nannte den Streaming-Dienst darum das «Monster, das Hollywood auffrisst». Doch Netflix ist nicht allein. Neben dem Platzhirsch finden sich eine ganze Reihe weitere populäre Bezahldienste wie HBO Now, Showtime oder Hulu. Grosse Player sind dabei mehr als nur eine Abspielplattform für zusammengekaufte Filme und Serien. Sie produzieren die Inhalte selbst. So feierte Amazon Prime mit der Serienproduktion «You Are Wanted» von und mit Matthias Schweighöfer einen durchschlagenden Erfolg.</p>
<p>Prognosen der Analysefirma Zenith zufolge <a href="http://www.zerohedge.com/news/2017-02-28/youtube-users-watch-1-billion-hours-day-set-surpass-us-tv-viewership" target="_blank">nähern sich die Kurven von TV- und Internetnutzung immer stärker an</a>. 2020 könnte die Internetnutzung erstmals den TV-Konsum überflügeln – wobei zu fragen wäre, was eigentlich noch genuin TV ist. Die Generation «Zero TV» ist auf dem Vormarsch. In den USA wurden bereits 2013 in fünf Millionen Haushalte kein klassisches Fernsehen mehr geschaut (der Begriff «Zero TV» ist etwas missverständlich, weil 75 Prozent dieses Haushalte tatsächlich noch ein Empfängergerät besitzt, es jedoch ausschließlich für DVDs, Videospiele oder Streaming nutzt und daher nicht in die klassische Kategorie der Fernsehnutzung fällt). Doch laut einer jüngsten Erhebung des Amts für Energiestatistik (U.S Energy Information Administration) ist die Zahl der Fernsehgeräte in den USA zurückgegangen. Waren in US-Haushalten 2009 durchschnittlich noch 2,6 Fernsehgeräte installiert, sank die Zahl 2015 auf nur noch 2,3. Das Smartphone- und Tablet-Display wird zur neuen Mattscheibe. Technologie killt das klassische TV.</p>
<p>Indem sie die ganze Wertschöpfungskette übernehmen, bedrohen Streaming-Dienste das Geschäftsmodell traditioneller TV- und Kinoproduktionen. Damit verbunden ist nicht nur ein Abfluss von Werbegeldern sondern auch eine Machtverschiebung. Die Technologie-Konzerne bestimmen zunehmend, was auf Sendung geht. Und was gezeigt wird.</p>
<p>So hat Google vor wenigen Wochen über seine Tochter Youtube den Dienst «Youtube TV» lanciert, der auf einem Abo-Modell basiert und komplementär zur Videoplattform läuft. Für 35 Dollar im Monat kann man – vorerst in den USA – verschiedene Sender wie ABC, EPSN (zu Disney gehörend), NCs (Comcast), Fox News und National Geography empfangen. Mit Youtube TV will Google den TV-Sendern zusätzliche Reichweite bieten gegen eine Beteiligung an den damit erzielten Werbeeinnahmen. Für die Sender ist das Angebot verlockend, weil sie über Youtube jüngere Zuschauer erreichen als über ihre bisherigen Kanäle.Es birgt aber auch die Gefahr, dass sich Medienkonzerne in Abhängigkeiten zu dem Tech-Giganten begeben. Turner-CEO John Martin sagte, <a href="http://www.fiercecable.com/broadcasting/turner-ceo-says-youtube-tv-said-no-to-cnn-tbs-tnt" target="_blank">dass Youtube TV seine Offerte ausschlug</a>. Der Sender CNN, das Teil der Turner-Gruppe ist, kann vorerst nicht über Youtube TV abgerufen werden. Was auch eine Zeitenwende ist. CNN galt einst als Katalysator der Globalisierung, das seine oft lärmigen News aus aller Welt in die Wohnstuben trug. Gründer Ted Turner konzeptualisierte die Globalisierung als «Vorspultaste», die es in Zeitlupe zu analysieren gelte. Im CNN Center in Atlanta waren die Mitarbeiter stolz darauf, binnen 24 Stunden Fernsehteams mit umfassendem Equipment an jeden Punkt der Erde schicken zu können. Doch die alten Medienspieler werden zunehmend von Streaming-Diensten und sozialen Netzwerken überholt, die Informationen viel schneller über den Globus jagen.</p>
<p>Springer, das mit seinem Online-Flaggschiff Bild.de bei der Vergabe der Bundesligarechte ab der Saison 2017/18 dem Streamingdienst DAZN unterlag, bezieht dank einer Kooperation Sportvideos vom Konkurrenten, die allerdings erst nach dem Fussballwochenende in der Nacht zu Montag um 0.00 Uhr online gehen dürfen – was zeigt, dass Verlage noch Schwierigkeiten bei der Monetarisierung von Inhalten haben und in der Verwertungskette eher das letzte Glied sind.</p>
<p>Der Vormarsch der Streaming-Dienste könnte das Ende des Free TV besiegeln – wobei das auch immer eine Illusion war, weil sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk über Gebührengelder, die faktisch eine Zwangsabgabe sind, finanziert und die Privatsender sich über Werbung finanzieren. Durch die Umstellung des in Deutschland verbreiteten digitalen Antennenempfangs auf den neuen Standard DVB-T2 werden allerdings auch Privatsender kostenpflichtig.</p>
<p>Der doppelt codierte Leitspruch «Information wants to be free», der sowohl als Informations- als auch als Kostenfreiheit derselben verstanden werden konnte, scheint nur noch mit Einschränkungen zu gelten. Während einst die billigen Plätze vor der Glotze waren, sind sie heute in den algorithmischen Endlosschleifen <a href="https://www.theatlantic.com/business/archive/2017/06/google-facebook-netflix/528999/" target="_blank">auf Facebook oder Youtube</a>. Die Bezahlschranke wird zum sozialen Selektionskriterium. Wer sich die Zusatzgebühr für die Zaubertricks von Messi und Co. nicht leisten kann oder will, schaut am Ende in die Röhre.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/06/20/fernsehen-wird-zum-luxusgut-2/">Fernsehen wird zum Luxusgut</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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