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	<title>SNB | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>Tadel und Lob</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 13 Jan 2012 10:55:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Pierre C. Meier]]></category>
		<category><![CDATA[SNB]]></category>
		<category><![CDATA[Edith Hollenstein]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ist es ein Fall Hildebrand oder ein Fall Weltwoche? Die Einschätzung von professionellen Beobachtern gehen weit auseinander. Während die einen das Gros der Medien der «Rechercheverweigerung» bezichtigen, loben andere deren Professionalität und Seriosität. Fünf Stimmen aus Wissenschaft, Ausbildung und Medienjournalismus. Karl Lüönd: Weltwoche als Opfer des Jagdfiebers Pierre C. Meier: Unprofessioneller Anti-Blocher-Reflex Sylvia Egli von <a href="https://medienwoche.ch/2012/01/13/tadel-und-lob/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="alignleft" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2012/01/Philipp-Hildebrand1.jpg" alt="" width="120" height="120" />Ist es ein Fall Hildebrand oder ein Fall Weltwoche? Die Einschätzung von professionellen Beobachtern gehen weit auseinander. Während die einen das Gros der Medien der «Rechercheverweigerung» bezichtigen, loben andere deren Professionalität und Seriosität. Fünf Stimmen aus Wissenschaft, Ausbildung und Medienjournalismus.<br />
<span id="more-30420"></span></p>
<ol>
<li><a href="#kari">Karl Lüönd: Weltwoche als Opfer des Jagdfiebers</a></li>
<li><a href="#pierre">Pierre C. Meier: Unprofessioneller Anti-Blocher-Reflex</a></li>
<li><a href="#sylvia">Sylvia Egli von Matt: Freibrief für Schlammschlachten</a></li>
<li><a href="#russ">Stephan Russ-Mohl: Publizistischer Konflikt</a></li>
<li><a href="#kwz">Kurt W. Zimmermann: Rechercheverweigerung</a></li>
</ol>
<p><a name="kari">Karl Lüönd, Publizist und Jäger</a></p>
<p><img decoding="async" class="alignleft" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2011/02/lueond_dup.jpg" alt="" width="120" height="120" /> Ich wundere mich, dass die «Weltwoche» in ihrer Ausgabe vom 12. Januar von den Fakten her nicht nachlegen konnte. Wenn man so einen Scoop hat, behält man mit Vorteil immer man etwas Pulver zurück für den zweiten Schuss.<br />
Ich habe mich auch darüber gewundert, wie weit sich die Weltwoche und der von mir überaus geschätzte Kollege Urs Paul Engeler aus dem Fenster gelehnt haben, auch emotional. Der unbestrittene Teil der Story war doch stark genug: Über das Konto des Nationalbankpräsidenten ist ein Devisendeal im sechsstelligen Bereich gelaufen &#8211; das reicht doch. Warum dann aber Schlötterlinge wie «Gauner» und dergleichen, was nur Prozessrisiko schafft und &#8211; schlimmer &#8211; ein Urteil bedeutet, das man bei dieser Stärke der Fakten durchaus dem Leser überlassen könnte?<br />
Die Reaktionen der ausländischen, vor allem der angelsächsischen Medien waren übrigens bedeutend kühler und gegenüber Hildebrand kritischer als diejenigen in den meisten Schweizer Medien. Hier hat einmal mehr das Anti-Blocher-Grundrauschen den normalen journalistischen Reflex überstimmt. Der Kerl darf einfach nicht recht haben, auch wo er recht hat. Devisengeschäfte in diesem Umfang sind für einen Geheimnisträger an der Spitze der Notenbank ein klares «no go».<br />
Sodann würde mich interessieren, warum die Weltwoche ­ so sieht es jedenfalls für den Aussenstehenden aus ­ den Informanten aus der Bank Sarasin so rücksichtslos verheizt hat. Im Fall Wyler/Zopfi war Alex Baur dagegen so etwas von rücksichtsvoll und einvernehmlich mit seinen Gewährsleuten. Und nur über den Mittelsmann Lei mit dem Whistleblower zu kommunizieren wäre mir definitiv zu riskant gewesen.<br />
Seit Donnerstag hat sich bei mir der Eindruck verfestigt, die Weltwoche sei das Opfer ihres eigenen Jagdfiebers geworden. So lange hatten sie den Hildebrand folgenlos verfolgt und kritisiert &#8211; und jetzt hatten sie ihn! Sie haben dann geschossen, sie haben auch getroffen, aber  sie haben wohl das falsche Kaliber verwendet: eine Wildsaupatrone, wo auch Vogelschrot gereicht hätte. Schiessen mag notwendig gewesen sein. Aber weidmännisch war das nicht wirklich.</p>
<p><a name="pierre">Pierre C. Meier, Chefredaktor Werbewoche</a></p>
<p><img decoding="async" class="alignleft" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2012/01/pcm.jpg" alt="" width="120" height="120" /> Meiner Ansicht nach die beste Analyse der causa Hildebrand efolgte durch <a href="https://www.facebook.com/notes/zeit-schweiz/einer-geht-noch/357259754299794" target="_blank">Peer Teuwsen</a>. Leider vergass er die Rolle der Medien zu hinterfragen. Die war genau so pitoyabel, wie die der Wirtschaft. Dadurch, dass die ganze Sache von der rechten Schmuddelecke aus angestossen wurde, griff zuerst einmal der Anti-Blocher-Reflex. Verständlich aber leider auch unprofessionell. Anstatt, dass man versuchte, durch eigene Recherchen der Wahrheit näher zu kommen, nahm man den angeschossenen Hildebrand nur in Schutz und überliess so das Feld den selbsternannten Moralhütern der SVP. Kritischer Journalismus sollte immer neutral bleiben, auch wenn die Sympathien beim Verdächtigen liegen.</p>
<p><a name="sylvia">Sylvia Egli von Matt, Direktorin Journalistenschule MAZ</a></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/userphoto/sylvia.jpg" alt="" width="120" height="120" /> Die Berichterstattung zum Fall Hildebrand zeigt, dass es nach wie vor Medien gibt, die ihren Job seriös und klug machen. Manchmal habe ich den Eindruck, sogar besser als früher – umfassender, einordnender, kritischer. In der Folge werden nun wohl Reglemente der SNB verschärft.<br />
Die aktuelle Arbeit der Medien zeigt aber auch Defizite auf:</p>
<ol>
<li> In Sachen Quellen/Quellenkritik: Es ist bedenklich, dass Politiker gewisse Medien für ihre Kampagne instrumentalisieren konnten. Ebenso, dass die Aussagen von Urs Paul Engeler kaum kommentiert werden: «Wenn sich jeder Artikel auf zwei Quellen abstützen würde, würden Tageszeitungen höchstens im Wochenrhythmus erscheinen oder gar nicht. Blenden wir die Tatsachen nicht aus: Es gibt regelmässig Geschichten, die sich nicht auf zwei Quellen abstützen lassen. Entscheidend ist, dass der Journalist seinen Informanten als glaubwürdig und sicher einschätzt. Das habe ich gemacht.» Schliesslich handelt es sich bei den Vorwürfen ja um eine Geschichte mit immenser Tragweite – und nicht um journalistische Alltagsroutine.</li>
<li> In Sachen Sprache: Journalisten sollten nicht mit Attributen wie &#8222;Gauner&#8220; hantieren. Das ist eine Verluderung, ein Freibrief für Schlammschlachten. Was angeblich den demokratischen Prozessen nützen soll, schadet ihnen.</li>
<li> In Sachen Personalisierung: Diese attraktiviert die Geschichte zwar zweifelsohne, sie hat aber ihren Preis. Immer öfter wird «auf den Mann gezielt», bzw. «auf die Frau».</li>
</ol>
<p>Die Causa Hildebrand bietet einigen Stoff für Reflexion und Lehren. Auch für die Medien.</p>
<p><a name="russ">Stephan Russ-Mohl, Professor Uni Lugano</a></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2011/05/russ_mohl.jpg" alt="" width="120" height="121" /> Spannend wird die Sache wohl erst richtig, wenn man die Causa Hildebrand mit der Causa Wulff vergleicht &#8211; und vor allem die bisherigen Skandalisierungsmuster aufseiten der Medien.<br />
Die ursprünglichen Verfehlungen der beiden Präsidenten, die den Anlass zur Skandalisierung lieferten, scheinen mir in etwa «gleichwertig», auch wenn die Devisengeschäfte von Hildebrands Frau näher am Kerngeschäft des Nationalbankpräsidenten dran waren als die Kreditaufnahme des Minister- und späteren Bundespräsidenten bei «friends &amp; family».<br />
Ganz unterschiedlich verlief dagegen der Prozess der Skandalisierung: In der Schweiz war es, so weit ich das beobachten konnte, eher ein publizistischer Konflikt zwischen Weltwoche und dem Rest der Journaille, mit einigen differenzierten Zwischentönen, zum Beispiel von der NZZ. In Deutschland haben wir dagegen den seltenen Fall, dass von taz bis FAZ, von Bild über Frankfurter Rundschau bis hin zum öffentlich-rechtlichen Fernsehen die Medien gemeinsam den Bundespräsidenten zum Rücktritt drängen &#8211; allerdings auch, weil er, anders als Hildebrand, bei seiner Selbstverteidigung einen Fehler nach dem anderen beging.<br />
Mich hat deshalb der Rücktritt von Hildebrand eher überrascht. Wulff wäre aus «wissenschaftlicher» Sicht – wenn man zum Beispiel Hans Mathias Kepplingers gediegene Studien zu Skandalisierungsprozessen zugrundelegt–- wohl als erster «dran» gewesen, weil er sich einer geschlossenen Phalanx der Medien gegenüber sieht. Aber in Deutschland ist der Konflikt wohl inzwischen auch zu einem sehr merkwürdigen Machtkampf zwischen moralisierenden Medien und einer in Fragen des Machterhalts über Parteigrenzen hinweg wenig feinfühligen politischen Klasse eskaliert, wie er in der Schweiz kaum denkbar wäre.</p>
<p><a name="kwz">Kurt W. Zimmermann, Medienkolumnist Weltwoche</a></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2012/01/kwz.jpg" alt="" width="120" height="120" />Die Rechercheverweigerung der Schweizer Journalisten im Fall Hildebrand gehört zu den skurrilsten Kapiteln unserer neueren Mediengeschichte. Lieber ein weissgewaschener Persilschein für einen Nationalbankchef als eine Untertagearbeit im Dreck der Wahrheit, war die Devise meiner Medienkollegen. Skurril und irreal.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/01/13/tadel-und-lob/">Tadel und Lob</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
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		<title>An den Originalschauplätzen</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/01/12/an-den-originalschauplatzen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob &#124; Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 12 Jan 2012 11:10:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Tele Züri]]></category>
		<category><![CDATA[Teleblocher]]></category>
		<category><![CDATA[NZZ am Sonntag]]></category>
		<category><![CDATA[Telezüri]]></category>
		<category><![CDATA[Matthias Ackeret]]></category>
		<category><![CDATA[Weltwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Urs Paul Engeler]]></category>
		<category><![CDATA[Philipp Hildebrand]]></category>
		<category><![CDATA[Twitter]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalbank]]></category>
		<category><![CDATA[Christoph Blocher]]></category>
		<category><![CDATA[SNB]]></category>
		<category><![CDATA[Markus Gilli]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bei aller unterschiedlicher Einschätzung der Vorgänge, die zum Rücktritt von Nationalbankpräsident Philipp Hildebrand führten, lieferten die letzten Wochen einen erhellenden Einblick in die Mechanismen der Medien. Zehn Beobachtungen auf zehn Schauplätzen. Ideologie statt Solidarität Der Jäger Online schlägt Print Im Twitter-Sog Die Medienkonferenz der SNB Auf wessen Namen lautet das Konto? Was ist ein Screenshot? <a href="https://medienwoche.ch/2012/01/12/an-den-originalschauplatzen/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2012/01/hildi_klein.jpg" alt="" width="120" height="119" /> Bei aller unterschiedlicher Einschätzung der Vorgänge, die zum Rücktritt von Nationalbankpräsident Philipp Hildebrand führten, lieferten die letzten Wochen einen erhellenden Einblick in die Mechanismen der Medien. Zehn Beobachtungen auf zehn Schauplätzen.<br />
<span id="more-30419"></span></p>
<ol>
<li><a href="#ideologie">Ideologie statt Solidarität</a></li>
<li><a href="#upe">Der Jäger</a></li>
<li><a href="#online">Online schlägt Print</a></li>
<li><a href="#twitter">Im Twitter-Sog</a></li>
<li><a href="#medienkonferenz">Die Medienkonferenz der SNB</a></li>
<li><a href="#konto">Auf wessen Namen lautet das Konto?</a></li>
<li><a href="#screenshot">Was ist ein Screenshot?</a></li>
<li><a href="#quellen">Die Sache mit den Quellen</a></li>
<li><a href="#gilli">TV-Duell: Gilli vs. Ackeret 1:0</a></li>
<li><a href="#treibjagd">«Mechanik einer Treibjagd»</a></li>
</ol>
<p><a name="ideologie"><strong>Ideologie statt Solidarität</strong></a><br />
Es ist erstaunlich, wenn nicht verstörend, wie viele Journalisten auf die Enthüllungen reagierten. Statt die Vorwürfe selbst zu prüfen und sich ein eigenes Bild der Lage zu machen, kümmerten sie sich zu allererst um die Enthüller (Weltwoche, Blocher, Whistleblower) und fragten nach deren Motiven. <a href="http://journal21.ch/k%C3%B6ppel-muss-gehen">Auf Journal21.ch</a> will ein aufgeregter René Zeyer gar die «Weltwoche» schliessen und hält das nicht mal für einen Eingriff in die Pressefreiheit. Wer einzelne Artikel liest und Journalisten auf Twitter und Facebook zuhört, stösst auf Ideologie statt Solidarität. Müssten Journalisten nicht Leute, die möglicherweise relevante Vorwürfe erheben, zunächst mal unterstützen, unabhängig ihrer Herkunft? Bis zum Beweis des Gegenteils bleibt zwar jeder Angeschuldigte unschuldig, aber als Teil der kritischen Öffentlichkeit sind Journalisten doch selbst dringend auf die Solidarität des anderen Teils der kritischen Öffentlichkeit angewiesen. (rg)</p>
<p><a name="upe"><strong>Der Jäger</strong></a><br />
Seine Trophäensammlung wurde eben um einen prominenten Namen reicher. Urs Paul Engeler, meinungsstarker Reporter mit ausgeprägtem Jagdinstinkt, brachte mit seinem Artikel in der Weltwoche jene Dynamik in Gang, die zum Rücktritt von Philipp Hildebrand führte. Wenige Wochen zuvor war es Bundesratskandidat Bruno Zuppiger, dem ein Engeler-Artikel zum Verhängnis wurde und auch an der Demontage von Bundesanwalt Erwin Beyeler schrieb der Weltwoche-Autor fleissig mit. Der Branche scheint diese Form von Journalismus zu gefallen. Aus einer Publikumswahl ging Engeler jüngst als «Journalist des Jahres» hervor. Ein Titel, aus dem sich der Ausgezeichnete nicht viel macht. Ja, er wäre sogar bereit, darauf zu verzichten – allerdings nicht als Eingeständnis irgendwelcher Verfehlungen. In der Affäre Hildebrand stehe er weiterhin «zu jeder Zeile meines Artikels», sagte Engeler der Basler Zeitung. Nun fragt man sich natürlich: Who&#8217;s next? Die Liste der Zielobjekte ist lang. Engeler hält den halben Bundesrat, den ganzen Bankrat und den Chef der Finanzkontrolle wegen ihrer Rolle in der Affäre Hildebrand für «untragbar». (nil)</p>
<p><a name="online"><strong>Online schlägt Print</strong></a><br />
Es gibt nichts älteres als die Zeitung von gestern, lautet ein Sprichwort. In der Affäre Hildebrand kam es noch schlimmer für das gedruckte Medium: Es gibt nichts älteres als die Zeitung von morgen. Noch bevor die Weltwoche am vergangenen Donnerstag ausgeliefert wurde, hatte Wirtschaftspublizist Lukas Hässig <a href="http://www.20min.ch/news/dossier/hildebrand/story/Bank-Sarasin-dementiert-Vorwuerfe-13437818" target="_blank">am Vorabend auf 20 Minuten online</a> bereits den Artikel von Urs Paul Engeler zerpflückt. Das war natürlich nur deshalb möglich, weil auch die Weltwoche einen Teil ihrer Texte zuerst im Netz zugänglich gemacht hatte. Überhaupt blieben nur wenige Texte den bezahlenden Zeitungskäufern und -abonnenten vorbehalten; die Musik spielt online. Breaking News, überraschende Wendungen, Enthüllungen und die Post vom Datendieb halten sich nicht an einen Redaktionsschluss. Wer mit der Veröffentlichung bis zur nächsten Zeitungsausgabe wartet, riskiert von der Konkurrenz abgehängt zu werden. (nil)</p>
<p><a name="twitter"><strong>Im Twitter-Sog</strong></a><br />
Während der heissen Phase der Affäre Hildebrand fungierte Twitter als öffentliche Informations- und Diskussionsplattform in einem für Schweizer Verhältnisse noch nie gesehenen Ausmass. Aus allen Redaktionen, die zum Fall recherchierten, waren zahlreiche Journalistinnen und Redaktoren auf Twitter präsent. Den Peak erreichte das Gezwitscher während den beiden Medienkonferenzen von Philipp Hildebrand. Aber auch nach der Veröffentlichung von Primeurs und neuen Erkenntnisse schnellte der Pegel jeweils hoch. Die Dynamik auf Twitter entwickelte sich zu einem regelrechten Sog, dem sich auch Journalisten nicht mehr entziehen konnten, die bislang auf Twitter vor allem durch Schweigen aufgefallen waren. Neuerdings aktiv mit dabei sind zum Beispiel <a href="https://twitter.com/#!/hbritschgi">Hannes Britschgi</a> (Ringier), <a href="https://twitter.com/#!/andikunz">Andreas Kunz</a> (Weltwoche) oder <a href="https://twitter.com/#!/a_durisch">Andreas Durisch</a> (Ex-CR Sonntagszeitung) (nil).</p>
<p><a name="medienkonferenz"><strong>Die Medienkonferenz der SNB</strong></a><br />
Philipp Hildebrand eröffnete die Pressekonferenz der SNB am 5. Januar um 16 Uhr mit klaren, sicheren Worten, ohne irgendwelche Ähs oder Öhs (<a href="http://www.videoportal.sf.tv/video?id=6012e730-e23a-4357-9af0-0447a3918083">hier in voller Länge</a>). Aber offenbar war es sehr heiss im Saal, denn Hildebrand begann schon nach wenigen Minuten stark zu schwitzen &#8211; man hätte ihm <a href="http://www.hossli.com/articles/2011/12/19/der-fehlgriff-in-den-kleiderschrank/">wie Richard Nixon</a> ein Taschentuch reichen wollen. Wenn Schwitzen Teil der Körpersprache ist, dann hat die Körpersprache deutlich gesprochen (ab Minute 24). Bei den Fragen der Journalisten fasste Hildebrand wieder Tritt und bedankte sich zuerst artig für jede Frage, um sie dann aber ausweichend oder auch gar nicht zu beantworten. Nicht genehme Fragen wurden abgewürgt, offenbar genehme Fragen, zum Beispiel jene des Westschweizer TV und Radios, länglich beantwortet. Fragesteller wurden willkürlich ausgewählt, die Veranstaltung nach einer Stunde abgebrochen und nicht, als es keine Fragen mehr gab. Hildebrand: «Was wollen wir, noch eine oder noch zwei? Also, noch eine.». Dass Roger Köppel, der selbst keine Frage stellen durfte, in der Konferenz <a href="http://www.persoenlich.com/news/show_news.cfm?newsid=99457">«sowjetische Züge»</a> erkannte, verwundert nicht. Zwar war die aufgeräumte Gutgelauntheit von Hansueli Raggenbass an der Pressekonferenz so gar nicht sowjetisch, um so mehr aber seine Anwesenheit. Als <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schweizerische_Nationalbank#Bankrat">Präsident des Bankrats</a> sollte er doch die angeschuldigte Geschäftsführung der Nationalbank beaufsichtigen und kontrollieren &#8211; und nicht beim Aufkommen von Vorwürfen diese Seite an Seite verteidigen. (rg)</p>
<p><a name="konto"><strong>Auf wessen Namen lautet das Konto?</strong></a><br />
Was wurde nicht alles geschrieben über Kashya Hildebrand, die Frau des Nationalbankpräsidenten. Fantasien über fiktive Frühstücksgespräche des Ehepaars waren nicht nur <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/diverses/Hach-ich-fuehle-mich-wohl-bei-dieser-Transaktion/story/23080724">auf tagesanzeiger.ch</a> zu lesen, sondern auch in der «Südostschweiz am Sonntag». Felix E. Müller, Chefredaktor der «NZZ am Sonntag», behauptete in seinem <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/wirtschaft/aktuell/blochers_fragwuerdige_rolle_1.14015441.html">Text vom 1. Januar</a> gar fälschlicherweise, dass sich die Transaktionen auf ihrem, nicht seinem Konto abspielten: «Auf welchem Weg die Unterlagen über die privaten Konti von Kashya Hildebrand zu Blocher gelangt sind, ist unklar.» Die beiden Schlusssätze des Artikels, der auf nzz.ch seltsamerweise ohne den Namen des Autors auskommen muss, lauten: «Das Gewinnpotenzial, das Hildebrand aus den beiden Transaktionen winkt, beläuft sich laut Informationen der NZZ am Sonntag auf einen mittleren fünfstelligen Betrag. Dafür riskiert kein Zentralbanker der Welt seinen Job.» Es ist das Verdienst des Whistleblowers und den zuerst berichtenden Medien («Tages-Anzeiger» am 4.1., «Weltwoche» am 5.1.), dass die Öffentlichkeit erfahren hat, dass dem nicht so ist, dass die Währungsspekulationen auf dem Konto von Philipp Hildebrand vorgenommen wurden. Um diese Information zu bekräftigen, hat Urs Paul Engeler in seinen Artikel sogar das Geburtsdatum und die vollständige Adresse von Philipp Hildebrand dazugeschrieben. Das ist einerseits völlig übertrieben, andererseits ist dieser allerwichtigste Fakt der Story bei den meisten anderen Journalisten eben genau nicht angekommen. Noch einmal: Seit dem 4. Januar 2012 ist bekannt, dass auf dem Konto des Nationalbankpräsidenten, der durch seine Handlungen die Währung beeinflussen kann, Devisengeschäfte in der Höhe von mehreren hunderttausend Franken abgehandelt wurden, also weit über den alltäglichen Gebrauch, zum Beispiel für eine Ferienreise, hinausgehen. Wenn Journalisten darin nicht durch eigenständiges Nachdenken einen Skandal erkennen können und stattdessen erst mal blind auf die Überbringer der Nachricht schiessen, sind sie fehl am Platz, jedenfalls als Journalisten. (rg)</p>
<p><a name="screenshot"><strong>Was ist ein Screenshot?</strong></a><br />
Gegen Ende der Pressekonferenz kam Hildebrand darauf zu sprechen, dass «mit einem Handy oder mit einer Kamera» Fotos von Screenshots genommen wurden. «Offensichtlich wurden so drei Seiten, drei Screenshots entwendet. Ich weiss nicht, ob es per Handy oder per Fotoapparat war, das wurde nicht präzisiert. Aber es wurden Fotografien gemacht von diesen Screenshots, die dann aus der Bank kamen.» Wer nun stutzt und sich fragt, warum nicht einfach Screenshots angefertigt und ausgedruckt wurden, der rechnet nicht mit Nachvollziehbarkeit solcher Vorgänge durch die IT, also der Totalüberwachung der Bankangestellten. Hildebrand weiter: «Ich habe mich da etwas erkundigt, auch bei anderen Banken. Es ist offensichtlich ein generelles Problem. Es gibt jetzt Banken, die angefangen haben, Kameras zu installieren, die sozusagen permanent auf die Screens gerichtet sind, damit man auch sehen könnte, wenn jemand mit einem Handy oder einem Fotoapparat diese Screenshots macht.» (rg)</p>
<p><a name="quellen"><strong>Die Sache mit den Quellen</strong></a><br />
Wie war das schon wieder mit den Quellen im Journalismus? Erst wenn zwei Quellen unabhängig voneinander das gleiche sagen, gilt ein Fakt als gesichert und darf als solcher veröffentlicht werden. Das weiss jeder Journalist. Doch in der Praxis sieht es oft anders aus, so auch in der Causa Hildebrand. Die Geschichte der Weltwoche fusste auf einer einzigen Quelle. Dass er den Artikel gleichwohl veröffentlicht habe, begründet Autor Urs Paul Engeler mit einer simplen Gleichung: <a href="https://twitter.com/#!/SimonBaertschi/status/155197193328934913" target="_blank">«Mit null Risiko gibts auch null Artikel.»</a> Und ergänzt im Gespräch mit der <a href="http://bazonline.ch/schweiz/standard/Ich-habe-natuerlich-Plausibilitaetstests-gemacht/story/18143284" target="_blank">«Basler Zeitung</a>»: «Wenn sich jeder Artikel auf zwei Quellen abstützen würde, würden Tageszeitungen höchstens im Wochenrhythmus erscheinen oder gar nicht.» Wie wahr. Doch die Weltwoche ist keine Tageszeitung. Aber auch die Kritiker nehmen es nicht immer so genau mit der Zwei-Quellen-Regel: Als Beleg dafür, dass sich Politiker (Plural), die der Weltwoche gegenüber bisher wohlgesinnt waren, vom Blatt abwenden, <a href="http://www.sonntagonline.ch/ressort/aktuell/2063/" target="_blank">nennt «Der Sonntag»</a> gerade mal einen: Martin Bäumle. (nil)</p>
<p><a name="gilli"><strong>TV-Duell: Gilli vs. Ackeret 1:0</strong></a><br />
Zu einem Duell der besonderen Art kam es letzte Woche in Bad Horn. Innerhalb weniger Stunden empfingen sowohl Markus Gilli als auch Matthias Ackeret den SVP-Strategen und «Briefträger» Christoph Blocher zum Fernsehinterview – Gilli für <a href="http://www.telezueri.ch/index.php?id=6815&amp;show_uid=10753&amp;yyyymm=2012.01&amp;cHash=c0c94577ad" target="_blank">TeleZüri</a> und Ackeret für <a href="http://www.teleblocher.ch/new/archives/1080" target="_blank">Teleblocher</a>. Gilli legte am Donnerstagabend  im «Talk täglich» vor mit einer Leistung, die nur schwer zu toppen sein würde. Knappe, direkte Fragen zu den wesentlichen Punkten, die Blocher offensichtlich nicht gerne hört. Der Alt-Bundesrat reagiert mehrfach aufgebracht und wird laut. Als Gilli Blocher nach möglichen politischen Motiven für sein Handeln befragt, wird dieser gar persönlich: «Sie enttäuschen mich, dass Sie diesen Mainstream-Medien nachschwätzen.» Gewohnheitsgemäss gemütlicher zu und her geht es bei Teleblocher. Doch eigentlich würde nichts dagegen sprechen, dass auch Matthias Ackeret Fragen stellt und nicht nur Stichworte liefert und seinem Gegenüber zustimmend zunickt. Umso mehr, als dass Teleblocher ausnahmsweise in direkter Konkurrenz steht zu einem anderen Sender, der den gleichen Gast zum gleichen Thema befragt hat. Doch gefehlt. Auch die spezielle Konstellation vermag den journalistischen Instinkt in Ackeret nicht zu wecken; er lässt die Chance verstreichen. Wie gewohnt gibt sich Ackeret devot, ja unterwürfig und spricht Blocher gar als «Justizminister» an. Nichts Neues aus Bad Horn. Klarer Sieg nach Punkten für Gilli. (nil)</p>
<p><a name="treibjagd"><strong>«Mechanik einer Treibjagd»</strong></a><br />
Vor fünf Jahren beschrieb Weltwoche-Chef Roger Köppel die <a href="http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2006-50/artikel-2006-50-mechanik-einer-t.html" target="_blank">«Mechanik einer Treibjagd</a>». Auch damals ging es um eine Bank. Allerdings um eine private. Doch die Zeilen von damals sind im heutigen Kontext durchaus erhellend zu lesen. Zumal dann, wenn man im Originaltext «Bank Swissfirst» mit Nationalbank, «Boulevardpresse und NZZ am Sonntag» mit Weltwoche und «Thomas Matter» mit «Philipp Hildebrand» ersetzt – und siehe da: «Die angebliche Affäre um die Nationalbank droht zu einem Medienskandal zu werden. Die Vorwürfe lösen sich in Luft auf. Aller Voraussicht nach liegt kein Verschulden vor. Seit Monaten dröhnt die Kampagne. Kaum eine Woche vergeht, ohne dass die Weltwoche mit schäumender Vehemenz neue Erörterungen zur Nationalbank präsentiert. Die Berichterstattung über die Notenbank sprengt alle Proportionen. Das Sperrfeuer setzte im letzten März ein. Im Januar trat unter dem Druck der öffentlichen Aufregung Nationalbankpräsident Hildebrand zurück. (..) Stellt man ab auf die Schlagzeilen der Weltwoche, spielte sich Besorgniserregendes, ja Skandalöses ab (..) Selten haben die medialen Gerichtshöfe der Moral gnadenloser und erfolgreicher zugeschlagen.» (nil)</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/01/12/an-den-originalschauplatzen/">An den Originalschauplätzen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Schadeninspektion</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/01/11/schadeninspektion/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Jan 2012 10:47:05 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Weltwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Urs Paul Engeler]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Hildebrand ist weg, die Medien bleiben. Mit Kritik an der Konkurrenz haben Journalisten nicht gespart. Doch das eigene Verhalten blieb bisher unreflektiert. Selbstkritik sind die Medien im Sinne der Transparenz ihrem Publikum schuldig. Mit seinem Rücktritt als Nationalbankpräsident hat Philipp Hildebrand so gehandelt, wie dies die Weltwoche im Gleichschritt mit der SVP gefordert hatte. Ihn <a href="https://medienwoche.ch/2012/01/11/schadeninspektion/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" alt="" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2012/01/hildebrand_klein.jpg" class="alignleft" width="120" height="120" /> Hildebrand ist weg, die Medien bleiben. Mit Kritik an der Konkurrenz haben Journalisten nicht gespart. Doch das eigene Verhalten blieb bisher unreflektiert. Selbstkritik sind die Medien im Sinne der Transparenz ihrem Publikum schuldig.<br />
<span id="more-30418"></span><br />
Mit seinem Rücktritt als Nationalbankpräsident hat Philipp Hildebrand so gehandelt, wie dies die Weltwoche im Gleichschritt mit der SVP gefordert hatte. Ihn aber deswegen als Opfer einer Medienkampagne zu bezeichnen, greift zu kurz. Schliesslich bestreitet niemand den Kern der Geschichte: Herr und Frau Hildebrand haben in einem währungspolitisch heissen und heiklen Umfeld Dollar gekauft und wieder verkauft. Ob sich dies – bei aller Legalität und Reglementskonformität der Geschäfte – mit der Glaubwürdigkeit als Nationalbankpräsident verträgt, lautete denn auch die entscheidende Frage. Mit dem Rücktritt hat sie Hildebrand beantwortet.</p>
<p>Dass die Medien hellhörig werden, wenn die Nationalbank Devisengeschäfte der Gattin des Präsidenten als unbedenklich taxiert, entspringt einem professionellen Reflex. Wenn die Meinungen auseinandergehen, wie der Persilschein der Bank zu interpretieren sei, dann zeugt dies zuerst einmal von gelebter Meinungsvielfalt. Was die einzelnen Medien daraus machen und vor allem: wie sie das tun, steht freilich auf einem anderen Blatt.</p>
<p>Im Fall Hildebrand spielten vor allem politische Reflexe, die sich fortan als Leitmotiv durch die Berichterstattung zogen: Die NZZ am Sonntag und die Sonntagszeitung, die den Reigen am 1. Januar eröffneten, richteten den Fokus auf die Rolle von Christoph Blocher, die Weltwoche zielte erwartungsgemäss frontal auf Nationalbankpräsident Hildebrand. Obwohl entscheidende Informationen fehlten, gelangten sie alle bereits in einem frühen Stadium zu glasklaren Erkenntnissen.</p>
<p>So verkaufte es die NZZ am Sonntag als Tatsache, dass Frau Hildebrand die Inhaberin jenes Kontos sei, über das die Devisengeschäfte gelaufen waren. Das stellte sich später als falsch heraus. Die Weltwoche wiederum überspannte den Bogen, indem sie Hildebrand, gestützt auf die Aussagen einer einzigen Quelle, mit der sie nicht einmal direkten Kontakt hatte, als «Gauner» bezeichnete, «der sich illegal Vorteile erschleicht.»</p>
<p>In der Berichterstattung zur Affäre Hildebrand wurde bisweilen geschossen, ohne genau zu zielen. Eine «Atombombe», als die ein Weltwoche-Redaktor den Artikel seines Kollegen Urs Paul Engeler ankündigte, richtet nun mal grossflächigen Schaden an – und verspricht das anvisierte Zielobjekt garantiert auszulöschen. Der Schaden rührt unter anderem daher, weil man bereit war, journalistische Standards einem politischen Ziel zu opfern. Bei den wichtigen und richtigen Recherchen zu den privaten Devisengeschäften des Notenbankchefs wurden mehrfach elementare Spielregeln verletzt.</p>
<p>Nun muss es ans Aufräumen gehen. Und zuerst an eine Schadeninspektion. Das setzt jedoch ein Minimum an Einsicht in möglicherweise begangene Fehler voraus und die Bereitschaft, auch öffentlich die eigene Rolle zu reflektieren. Medien sind diese Transparenz ihrem Publikum schuldig, normalerweise im Rahmen der Berichterstattung, sonst halt post festum. Doch von Selbstkritik ist heute noch wenig zu vernehmen, obwohl die Zäsur nach dem Hildebrand-Rücktritt dafür Raum bieten würde.</p>
<p>Immerhin, und das ist eine der erfreulichen Begleiterscheinungen der intensiven Beschäftigung zahlreicher Redaktionen mit ein und demselben Thema, stand stets auch die Berichterstattung der Konkurrenz unter permanenter Beobachtung. Twitter entwickelte sich hierfür zum intensiv genutzten Diskussionskanal. Doch diese Ad-hoc-Medienkritik, wie auch die zahlreichen Artikel, die sich mit dem Medienverhalten beschäftigen, hatten stets nur die anderen im Auge. Die (Selbst)kritikfähigkeit von Medienschaffenden war noch nie besonders ausgeprägt.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/01/11/schadeninspektion/">Schadeninspektion</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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