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	<title>Stefan Betschon | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>Internet kaputt! Nicht kaputt!</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2014/01/21/internet-kaputt-nicht-kaputt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Jan 2014 12:45:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Evgeny Morozov]]></category>
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		<category><![CDATA[Überwachung]]></category>
		<category><![CDATA[Sascha Lobo]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>2014 startet mit einer Grossdebatte um das Internet und die Überwachung. Nach einem Text von Sascha Lobo erscheinen Beiträge von Guido Berger, Wolfgang Michal, Evgeny Morozov, Stefan Betschon, Michael Seemann, Oliver Georgi, Jeanette Hofmann und Constantin Seibt. Ein Überblick mit Einordnung. «Die digitale Kränkung des Menschen» (faz.net, Sascha Lobo, 11. Januar) «Ich habe mich geirrt, <a href="https://medienwoche.ch/2014/01/21/internet-kaputt-nicht-kaputt/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>2014 startet mit einer Grossdebatte um das Internet und die Überwachung. Nach einem Text von Sascha Lobo erscheinen Beiträge von Guido Berger, Wolfgang Michal, Evgeny Morozov, Stefan Betschon, Michael Seemann, Oliver Georgi, Jeanette Hofmann und Constantin Seibt. Ein Überblick mit Einordnung.<br />
<span id="more-17648"></span><br />
<img decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-17667" title="Sascha Lobo" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2014/01/sascha-lobo.jpg" alt="" width="120" height="120" /><strong><a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/abschied-von-der-utopie-die-digitale-kraenkung-des-menschen-12747258.html?printPagedArticle=true">«Die digitale Kränkung des Menschen»</a></strong><br />
(faz.net, Sascha Lobo, 11. Januar)<em><br />
</em></p>
<blockquote><p><em>«Ich habe mich geirrt, und zwar auf die für Experten ungünstigste Art, also durch Naivität.»</em></p>
<p><em> </em><em> </em></p></blockquote>
<p><em> </em></p>
<p><em> </em></p>
<p>Hund beisst Mann &#8211; keine Nachricht. Aber Mann beisst Hund &#8211; unbedingt eine Nachricht! Wenn also «Deutschlands bekanntester Internet-Experte» Sascha Lobo sagt, das Ding sei «kaputt», dann ist das für alle, die durch das Ding bisher Nachteile erfahren haben, also zum Beispiel Zeitungsjournalisten, eine willkommene Nachricht, die sie sofort und gerne weiterverbreiten. Dass es womöglich eher banal ist, dass eine Einzelperson sich etwas vorgestellt hat und nun von seinen Vorstellungen enttäuscht wurde, spielt da keine Rolle. Was die im Text sechs Mal von Lobo erwähnte «Netzgemeinde» ist, will und macht, bleibt unklar und folglich auch unwichtig.</p>
<p><img decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-17718" title="Guido Berger" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2014/01/guido-berger.jpg" alt="" width="120" height="120" /><strong><a href="http://www.srf.ch/wissen/digital/trau-keinem-internet-experten">«Trau keinem Internet-Experten»</a></strong><br />
(srf.ch, Guido Berger, 13. Januar)<em><br />
</em></p>
<blockquote><p><em>«Einer wie Sascha Lobo lebt von Zuspitzungen.»</em></p>
<p><em> </em><em> </em></p></blockquote>
<p><em> </em></p>
<p><em> </em></p>
<p>SRF-Digitalredaktor Guido Berger war einer der ersten, der auf Lobos Artikel reagierte, mit dem Herunterholen der Thesen auf das Einerseits-Andererseits: «So wenig wie das Internet den Weltfrieden brachte und alle plötzlich kreativ und frei wurden, so wenig ist es jetzt plötzlich nur noch der verlängerte Arm von Tyrannen und Spionen.» Lobo erledige, was Journalisten von einem Experten erwarten, nämlich «komplexe Themen verkürzt erklärt zu bekommen». Dass Berger auch einer dieser «Experten» ist, kann man dem Schlusssatz entnehmen: «Wenn also selbsternannte Internet-Experten behaupten, sie könnnen dieses Internet in einem Satz erklären oder ein komplexes Problem ganz einfach lösen, dann ist gesunde Skepsis wohl die beste Reaktion.» Genau, gesunde Skepsis ist ein hervorragender Ratgeber, hat doch Lobo weder sich selbst zu einem Internet-Experten ernannt, noch das Internet in einem Satz erklärt, noch behauptet, ein komplexes Problem ganz einfach lösen zu können.</p>
<p><img decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-17669" title="Wolfgang Michal" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2014/01/wolfgang-michal.jpeg" alt="" width="120" height="120" /><strong><a href="http://www.carta.info/69001/sascha-lobos-buse-und-neubeginn/">«Sascha Lobos Busse und Neubeginn»</a></strong><br />
(carta.info, Wolfgang Michal, 14. Januar)<em><br />
</em></p>
<blockquote><p><em>«Nachdem Lobo viele, viele Absätze lang über seine Abkehr von den alten Illusionen philosophierte und seine frühere Naivität öffentlich geißelte, kommt er uns schon wieder mit … naivem Idealismus. Sollen wir darüber frohlocken?»</em></p>
<p><em> </em><em> </em></p></blockquote>
<p><em> </em></p>
<p><em> </em></p>
<p>Wolfgang Michal analysiert Lobos Büssertum auf lesenswerte Weise und vergleicht die Blindgläubigen unter den Internetfreunden mit den «gutgläubigen Kommunisten der dreißiger Jahre». Enttäuscht ist Michal vor allem vom Schluss, den Lobo zieht, nämlich einfach weiter zu machen mit einem «neuen Internetoptimismus». Dazu gebe es gar keinen Anlass.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-17663" title="Evgeny Morozov" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2014/01/evgeny-morozov.jpg" alt="" width="120" height="120" /><strong><a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/morozov-antwortet-lobo-wir-brauchen-einen-neuen-glauben-an-die-politik-12752129.html?printPagedArticle=true">«Wir brauchen einen neuen Glauben an die Politik!»</a></strong><br />
(faz.net, Evgeny Morozov, 14. Januar)<em><br />
</em></p>
<blockquote><p><em>«Nicht digitalen Optimismus sollten wir kultivieren, sondern Optimismus im Blick auf öffentliche Institutionen und einen neuen Glauben an die Politik.»</em></p>
<p><em> </em><em> </em></p></blockquote>
<p><em> </em></p>
<p><em> </em></p>
<p>Zusammen mit dem die Debatte entzündenden Text von Lobo bereits geplant war die Antwort der Anti-Internet-Allzweckwaffe der deutschen Medien, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Evgeny_Morozov">Evgeny Morozov</a>, dessen Geschäftsmodell es ist, jenen, die mit gedruckter Ware Geld verdienen, Argumente gegen das Internet zu verkaufen (siehe dazu auch <a href="https://medienwoche.ch/2013/04/02/kollektiv-der-konservativen/">«Kollektiv der Konservativen»</a> vom 2. April 2013).</p>
<p>Morozov, geboren im realsozialistischen Weissrussland und ausgebildet an Universitäten in den USA, Bulgarien und Deutschland, fordert die Investition von «Milliarden in eine öffentliche Informationsinfrastruktur». «Sie muss dezentral und öffentlich sein, mit Bürgern, die ihre eigenen Daten von Beginn an besitzen», schreibt er. Es klingt wunderbar, aber ich scheitere sofort, wenn ich mir das in der Realität vorzustellen versuche. Man überlege sich nur mal, ob es das Internet, so wie wir es heute benutzen, überhaupt geben würde, wenn dessen Entwicklung nicht von privaten Unternehmen vorangetrieben, sondern von öffentlich-rechtlichen Gebilden vorgenommen worden wäre, von der ARD, dem ZDF, der SRG. Oder direkt von Deutschland, der Schweiz oder der EU. Man kann davon ausgehen, dass es in einem ganz anderen Zustand wäre. Mit weniger Überwachung? Morozov wird davon überzeugt sein.</p>
<p>Europa hat es trotz Hunderten von Millionen Euro Fördersubventionen nicht geschafft, eine welt- oder auch nur europaweit beliebte Suchmaschine zu etablieren, die Google das Wasser abgraben hätte können (Stand aktuell: Google hat in Deutschland einen <a href="http://www.seo-united.de/suchmaschinen.html">Suchmaschinen-Marktanteil</a> von über 90 Prozent). Das seit bald zehn Jahren geförderte Projekt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Quaero">Quaero</a> beispielsweise kann bisher nicht viel mehr als ein paar <a href="http://www.quaero.org/demos-et-prototypes/">Demos und Prototypen</a> sowie einige auf YouTube (gehört Google) hochgeladene <a href="http://www.youtube.com/watch?v=wrCCvMpNZPs">Image-Videos</a> präsentieren. <a href="http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/netzwirtschaft/ohne-google-co-das-elend-der-europaeischen-suchmaschinen-12235626.html?printPagedArticle=true">«Das Elend der europäischen Suchmaschinen»</a> ist auf Faz.net nachzulesen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-17668" title="Stefan Betschon" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2014/01/stefan-betschon.jpg" alt="" width="120" height="120" /><strong><a href="http://webpaper.nzz.ch/2014/01/16/mobil-digital/KW2G1/ist-das-internet-kaputt?guest_pass=471fba1b66%3AKW2G1%3A3aa688e08888322e2e749dbf15e6e32a486c94b1">«Ist das Internet kaputt?»</a></strong><br />
(nzz.ch, Stefan Betschon, 16. Januar)<em><br />
</em></p>
<blockquote><p><em>«Nicht das Internet ist kaputt, wie Lobo schreibt, sondern der naive Internet-Enthusiasmus.»</em></p>
<p><em> </em><em> </em></p></blockquote>
<p><em> </em></p>
<p><em> </em></p>
<p>Stefan Betschon zeigt verletzte Gefühle, musste doch jeder, der (wie er) der Internet-Euphorie der letzten Jahre kritisch gegenüber stand, «sich als Ewiggestriger, als Schallplattenverkäufer, Print-Journalist, als Verlierer abkanzeln lassen». Um so mehr freut er sich, «dass im Kopf von Sascha Lobo die Gedanken nun die Richtung gewechselt haben, dass der unbegrenzte Internet-Enthusiasmus einer differenzierteren Betrachtungsweise gewichen ist». Alles korrekt, aber will jemand wirklich behaupten, dass die Welt insgesamt durch das Internet schlechter geworden ist? Falls die Antwort «Ja» lautet, dann aber bitte auch für die Erfindung von Autos, Fahrstühlen, Kreditkarten, Mobiltelefonen und der Elektrizität generell. Neue Technik bringt nun mal neue Probleme mit sich.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-17664" title="Michael Seemann" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2014/01/michael-seemann.jpeg" alt="" width="120" height="120" /><strong><a href="http://mspr0.de/?p=3927">«Lieber Sascha, wir müssen reden.»</a></strong><br />
(mspr0.de, Michael Seemann, 17. Januar)<em><br />
</em></p>
<blockquote><p><em>«Wer seine Strategie darauf aufbaut, den Kontrollverlust wieder eindämmen zu können, hat keine Strategie.»</em></p>
<p><em> </em><em> </em></p></blockquote>
<p><em> </em></p>
<p><em> </em></p>
<p>Viel um Verletzungen geht es auch bei der Antwort an Sascha Lobo, die, wie fast immer bei Michael Seemann, sehr ausführlich daherkommt. Es gehe bei der FAZ-Aktion um die Trophäe Sascha Lobo («Schaut her. DER deutsche Internetguru höchstpersönlich hat die Seiten gewechselt»), und anders, als die FAZ ständig abzulenken versuche, sei der Gegner der Staat, und nicht die Unternehmen. Aus dem generell staatsgläubigen und wirtschaftsfeindlichen Berlin ist also überraschenderweise ein «weniger Staat» zu hören: «Jeder Euro und Dollar, der – weltweit – nicht in Geheimdienste fließt, hilft die Überwachung einzuschränken oder zumindest nicht schlimmer werden zu lassen.»</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-17665" title="Oliver Georgi" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2014/01/oliver-georgi.jpg" alt="" width="120" height="120" /><strong><a href="http://www.faz.net/aktuell/eine-antwort-auf-sascha-lobo-das-internet-ist-nicht-kaputt-12748950.html">«Das Internet ist nicht kaputt»</a></strong><br />
(faz.net, Oliver Georgi, 20. Januar)<em><br />
</em></p>
<blockquote><p><em>«Wir sind es, die unsere Daten bereitwillig dem Internet überlassen, ohne uns großartig darum zu scheren, wer was damit anfängt.»</em></p>
<p><em> </em><em> </em></p></blockquote>
<p><em> </em></p>
<p><em> </em></p>
<p>Oliver Georgi übernimmt von Sascha Lobo den ominösen Begriff «Netzgemeinde» und hält ihr vor, «sich das Internet als einen Ort erträumt zu haben, an dem die Realität keine Geltung haben würde». Doch das Netz sei «keine bessere Welt, sondern lediglich ein Abbild der bestehenden». Dankenswerterweise erinnert Georgi daran, das für Millionen Menschen in Unrechtsstaaten erst das Internet eine vorher undenkbare «Form des Protests und des öffentlichen Widerstands gegen den Repressionsapparat ermöglicht» habe. Das Verdienst von Edward Snowden sieht er darin, Sascha Lobo und uns alle mit der digitalen Realität bekannt gemacht zu haben.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-17696" title="Jeanette Hofmann" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2014/01/jeanette-hofmann.jpg" alt="" width="120" height="120" /><strong><a href="http://www.tagesspiegel.de/medien/digitale-welt/digitaler-wandel-das-internet-ist-nicht-kaputt-aber-die-tradition-des-privaten/9350168.html">«Das Internet ist nicht kaputt, aber die Tradition des Privaten»</a></strong><br />
(tagesspiegel.de, Jeanette Hofmann, 20.1.)<em><br />
</em></p>
<blockquote><p><em>«Das Netz selbst ist intakt, unsere Traditionen des Privaten sind es, die einer Revision bedürfen.»</em></p>
<p><em> </em><em> </em></p></blockquote>
<p><em> </em></p>
<p><em> </em></p>
<p>Jeanette Hofmann fühlt sich nach der Lektüre des Lobo-Texts wie «nach der Ouvertüre schon wieder nach Hause geschickt», leider komme «Lobos Lamento über den beklagten intellektuellen Trümmerhaufen nicht hinaus». Sie dagegen nimmt die neuenthüllten Entwicklungen als gegeben hin und setzt sich mit der Neuerfindung und dem Neubau der Privatsphäre auseinander. Die «traditionellen Grenzziehungen zwischen dem Öffentlichen und dem Privaten» gehörten auf den Prüfstand, glaubt sie, und fordert von der Gesellschaft einen «Neubau des Privaten».</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-17662" title="Constantin Seibt" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2014/01/constantin-seibt.jpg" alt="" width="120" height="120" /><strong><a href="http://www.tagesanzeiger.ch/digital/internet/Die-Ausloeschung-der-Freiheit/story/17984417">«Die Auslöschung der Freiheit»</a></strong><br />
(tagesanzeiger.ch, Constantin Seibt, 20.1.)<em><br />
</em></p>
<blockquote><p><em>«In Zusammenarbeit von Regierungen und Konzernen ist ein System fast absoluter Macht entstanden.»</em></p>
<p><em> </em><em> </em></p></blockquote>
<p><em> </em></p>
<p><em> </em></p>
<p>Wie schön, im Tages-Anzeiger von der Sorge um die Freiheit zu lesen! Lobo habe «furchtbar recht», findet Constantin Seibt, denn «etwas Grundsätzliches» habe sich geändert. Die totale Überwachung bringe die zentralen Werte aller Parteien in Gefahr. «Das Einzige», was einen in dieser neuen Welt retten könne, sei, «sich nichts zuschulden kommen zu lassen» &#8211; was die Freiheit gefährde. «Internetüberwachung schlimm!» wäre ein angemessener Titel des Beitrags, der nicht den Ansatz einer Lösung bereithält. Es wäre wünschenswert, Seibt würde sich so wie Lobo in das Thema verbeissen und in weiteren Artikeln Lösungsansätze aufzeigen.<br />
<strong> </strong></p>
<p><strong>* * *</strong></p>
<p>Der Ausgangsbeitrag ist eher bedeutungslos, die Debatte hat aber durch Sascha Lobo als öffentliche Büsserfigur einer «Netzgemeinde» eine beträchtliche Breitenwirkung erfahren. Inhaltlich bleibt die Debatte oberflächlich. Einer langen und breiten Diskussion, ob das Internet jetzt «kaputt» oder «nicht kaputt» sei, ist das Schweigen vorzuziehen. In seiner Konstruktion der vernetzten Server ist das Internet eigentlich unkaputtbar; die Frage ist, ob die Überwachung diesen Raum unbenutzbar macht oder nicht.</p>
<p>Diskutiert werden muss die Frage, wie die Nutzer sich stellen wollen zur Überwachung durch private Firmen, denen man sich freiwillig ausliefert und durch den Staat, den man dafür mit Steuergeldern bezahlen muss. Die Frage ist und bleibt, mit welchen Mitteln der einzelne Bürger die Übermacht der Staaten, der Geheimdienste und der Grosskonzerne eindämmen kann.</p>
<p>Ein Sascha Lobo verdient Respekt, weil er sich nicht einfach mit den Tatsachen abfinden will und <a href="http://www.spiegel.de/thema/spon_lobo/">Woche für Woche auf «Spiegel Online»</a> die Überwachungsmethoden und das Totstellen der Politik zur Kritik daran anprangert. Während eine Jeanette Hofmann die neue Lage offenbar bereits als gegeben akzeptiert und sich nur noch überlegt, wie sich die Gesellschaft damit arrangieren soll.</p>
<p>Wieso sich nicht mehr Schweizer Journalisten zu diesen Fragen einschalten, bleibt ein Rätsel: Wo bleiben die Debatten-Beiträge zur Überwachung und zur Zukunft des Internets in den Sonntagszeitungen, der Weltwoche, der Basler Zeitung, der Zeit Schweiz, dem NZZ-Feuilleton? Interessiert unsere Leser nicht? Wer&#8217;s glaubt! Nicht relevant? Constantin Seibt ist anderer Meinung: «Durch totale Überwachung sind die zentralen Werte aller Parteien in Gefahr: die Freiheit der Liberalen, die nationale Souveränität der Rechten, die Chancengleichheit der Linken. Zu diesem Thema bräuchte es eine grosse Koalition.»</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/01/21/internet-kaputt-nicht-kaputt/">Internet kaputt! Nicht kaputt!</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>«Die richtigen Fragen stellen»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/02/21/die-richtigen-fragen-stellen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 21 Feb 2011 11:06:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Recherche]]></category>
		<category><![CDATA[WIkileaks]]></category>
		<category><![CDATA[Luzi Bernet]]></category>
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		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[NZZ]]></category>
		<category><![CDATA[Le Temps]]></category>
		<category><![CDATA[Simon Gemperli]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am Samstag hat die NZZ erstmals Informationen aus den «Swiss Papers» von Wikileaks veröffentlicht. Luzi Bernet, Nachrichtenchef und Koordinator der Wikileaks-Auswertung, erklärt, weshalb die NZZ mit diesen Dokumenten arbeitet und wie sie vorgegangen ist bei der Analyse der Diplomatendepeschen. Wie kam die NZZ in den Besitz der sogenannten «Swiss Papers» von Wikileaks? Die Westschweizer Zeitung <a href="https://medienwoche.ch/2011/02/21/die-richtigen-fragen-stellen/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Samstag hat die NZZ <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/schweiz/der_widerborstige_verbuendete_1.9598302.html" target="_blank">erstmals Informationen aus den «Swiss Papers»</a> von Wikileaks veröffentlicht. <a href="http://news.nzzexecutive.ch/_impressum_bernet_luzi_1.436.html?independent=true" target="_blank">Luzi Bernet</a>, Nachrichtenchef und Koordinator der Wikileaks-Auswertung, erklärt, weshalb die NZZ mit diesen Dokumenten arbeitet und wie sie vorgegangen ist bei der Analyse der Diplomatendepeschen.<br />
<span id="more-28731"></span><br />
<em>Wie kam die NZZ in den Besitz der sogenannten «Swiss Papers» von Wikileaks?</em></p>
<p>Die Westschweizer Zeitung Le Temps hatte einen Kontakt zu Wikileaks. Wie der zustande kam, wissen wir nur sehr oberflächlich. Auch die NZZ hat versucht, mit Wikileaks in Kontakt zu treten, scheiterte aber, da es nicht ganz einfach ist, an die richtigen Leute heranzukommen. Le Temps hat dann die Dokumente erhalten. Worauf sich Wikileaks erkundigte, ob es in der Deutschschweiz eine Zeitung gebe, die sich an der Auswertung beteiligen wolle. Freundlicherweise ist Le Temps auf uns zugekommen und hat uns die Dokumente übergeben.</p>
<p><em>Die NZZ hat sich mehrfach kritisch zu Wikileaks und seiner Veröffentlichungspraxis geäussert. Nun sitzt man selbst mit im Boot. Weshalb?</em></p>
<p>Das stimmt, wir haben eine kritische Haltung. Wikileaks interessiert uns eigentlich gar nicht gross. Wir betrachten diese Daten wie alle anderen Daten, mit denen wir als Journalisten arbeiten. Deshalb fanden wir, es könnte sich lohnen, die Dokumente einmal anzuschauen. Wir wollten zumindest einen Blick auf die Dokumente werfen, ohne uns einer Verpflichtung oder einem Druck auszusetzen, auch tatsächlich darüber berichten zu müssen.</p>
<p><em>Was ergab der erste Blick auf die «Swiss Papers»?</em></p>
<p>Erst einmal gar nichts, ausser einer unglaublichen Datenmenge. Umgerechnet hatten wir mehr als 33&#8217;000 A4-Seiten Text erhalten. Die Dateien waren überhaupt nicht strukturiert.</p>
<p><em>Welches waren die nächsten Schritte?</em></p>
<p>Zunächst ging es darum, diese Dateien in ein Format umzuwandeln, das ein Arbeiten mit einer solchen Datenmenge ermöglicht. Für diesen Schritt war Stefan Betschon, unser IT-Spezialist auf der Redaktion, besorgt.</p>
<p><em>Und was haben Sie daraufhin gesehen?</em></p>
<p>Dass die Dokumente durchaus von Interesse sind für eine Veröffentlichung, wenn auch nicht unter einem Newsaspekt. Die Diplomatendepeschen lieferten viel mehr ein atmosphärisches Bild von den Beziehungen der Schweiz zu den USA. Diese Einschätzung brachte uns auch dazu, keine Einzelaspekte herauszugreifen, wie dies Le Temps tut, sondern ein Gesamtbild zu zeichnen. Das Ergebnis ist die Doppelseite, die wir am Samstag veröffentlicht haben.</p>
<p><em>Das heisst, Sie sind nicht wirklich zu neuen Erkenntnissen gelangt?</em></p>
<p>Nein, die gibt es nicht. Vor allem nach der ersten Phase ist eine gewisse Ernüchterung eingetreten. Wir haben kaum etwas Neues gefunden. Vereinzelt hatte «Der Spiegel» bereits über Schweizer Aspekte aus den Diplomatendepeschen berichtet. Es ist schon möglich, dass es irgendwelche Trüffel gibt, die wir bis jetzt noch nicht gefunden haben.</p>
<p><em>Wie geht es nun weiter?</em></p>
<p>Wir haben noch längst nicht alle Dokumente durchforstet. Es gibt aber keinen bestimmten Publikationsrhythmus. Wenn wir etwas finden, dann entscheiden wir, ob wir das veröffentlichen wollen oder nicht. Das Ganze ist auch ein sehr zeitaufwändiger Arbeitsprozess.</p>
<p><em>Wie haben Sie sich organisiert, um die Wikileaks-Dokumente auszuwerten?</em></p>
<p>Insgesamt waren acht Leute daran beteiligt. Das Kernteam bestand aus vier Redaktoren. Diese haben eine Woche lang nichts anderes gemacht, als an der Auswertung der Dokumente zu arbeiten. Wichtig war, dass die richtigen Leute in diesem Team waren. Dazu braucht es erfahrene Journalisten, die einschätzen und bewerten können, was sie in diesen Diplomatendepeschen vorfinden. Simon Gemperli zum Beispiel, der in der Inlandredaktion das Dossier EDA betreut, konnte einschätzen, was aus den Dokumenten zu holen sein könnte und hat entsprechend auch die richtigen Suchanfragen formuliert. Kern der Sache war aber Journalismus der guten alten Art, solides Handwerk.</p>
<p><em>Wie hat dieses Team zusammengearbeitet?</em></p>
<p>Gemeinsam haben wir einen Fragenkatalog erstellt und jene Begriffe definiert, nach denen wir suchen wollten. Danach ist jeder in sein Büro verschwunden. Zwei-, dreimal pro Tag haben wir uns getroffen und uns über den Zwischenstand unserer Recherchen ausgetauscht.</p>
<p><em>Wie lautet Ihre Bilanz zu dieser neuen Arbeitserfahrung?</em></p>
<p>Insgesamt waren die letzten Tage sehr lehrreich. Da sich die NZZ nicht gerade durch eine übertriebene Recherchekompetenz auszeichnet, war es interessant, für einmal investigativ zu arbeiten und als Team einen grossen Berg Arbeit auf einmal abzutragen. Weil das so gut funktioniert hat, kann ich mir vorstellen, auch in Zukunft bei Projekten von vergleichbarem Ausmass auf dieselbe Weise vorzugehen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/02/21/die-richtigen-fragen-stellen/">«Die richtigen Fragen stellen»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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