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	<title>Tsunami | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>Den Flüchtlingsstrom gab es nur in den Medien</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Lukas Leuzinger]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Jan 2014 08:00:40 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>In einer neuen Serie geht die MEDIENWOCHE Geschichten nach, die einst für Schlagzeilen gesorgt haben und danach in Vergessenheit gerieten. Wie beispielsweise die Flüchtlingswelle aus Nordafrika – die erst dann kam, als sich kein Journalist mehr dafür interessierte. Die Schlagzeile: «Flüchtlingswelle kommt in wenigen Wochen.» Februar 2011: Nordafrika befindet sich im Umbruch. Hunderttausende gehen auf <a href="https://medienwoche.ch/2014/01/14/die-fluechtlingswelle-aus-nordafrika/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>In einer neuen Serie geht die MEDIENWOCHE Geschichten nach, die einst für Schlagzeilen gesorgt haben und danach in Vergessenheit gerieten. Wie beispielsweise die Flüchtlingswelle aus Nordafrika – die erst dann kam, als sich kein Journalist mehr dafür interessierte.<br />
<span id="more-17623"></span><br />
<strong>Die Schlagzeile: «Flüchtlingswelle kommt in wenigen Wochen.»</strong><br />
Februar 2011: Nordafrika befindet sich im Umbruch. Hunderttausende gehen auf die Strasse. In Ägypten, Tunesien und Libyen fallen die Autokraten wie Dominosteine. Und die Schweiz hat vor allem eine Sorge: die grosse Flüchtlingswelle aus Nordafrika.<br />
Wochenlang wird in den Medien über den bevorstehenden «Ansturm» diskutiert. Der Migrations-Sonderbotschafter des Bundes, Eduard Gnesa, spricht von «berechtigten Befürchtungen» vor einer Flüchtlingswelle. Für die Schweizer Medien ist die Sache klar: Die <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Fluechtlingswelle-kommt-in-einigen-Wochen/story/28442663" target="_blank">«Flüchtlingswelle kommt in einigen Wochen»</a>, titelt Newsnet (24.02.2011). <a href="http://www.aargauerzeitung.ch/aargau/wie-gross-wird-die-fluechtlingswelle-105164586" target="_blank">«Wie gross wird die Flüchtlingswelle?»</a>, fragt die Aargauer Zeitung (26.02.2011). Und die Weltwoche konstatiert: <a href="http://www.weltwoche.ch/weiche/hinweisgesperrt.html?hidID=540724" target="_blank">«Die Schweiz ist nicht bereit»</a> (03.03.2011).</p>
<p>Die «Arena» vom Schweizer Fernsehen widmet <a href="http://www.srf.ch/player/tv/arena/video/arena-vom-25-02-2011?id=2eeac6f6-66c1-4611-8631-c8e234cdf8df" target="_blank">dem Thema eine Sendung</a>. Dort warnt FDP-Nationalrat Philipp Müller: «Das Dublin-Abkommen wird kaum funktionieren.» Sein Kollege Hans Fehr von der SVP schlägt gar vor, die Armee an der Grenze zu stationieren. Und Christoph Mörgeli befürchtet, dass sich die Schweiz auflösen werde «wie der Zucker im Tee» – alles wegen der Flüchtlingswelle aus Nordafrika.</p>
<p><strong>Was seither geschah: Tsunami statt tunesische Flüchtlinge</strong><br />
Von einer Welle war dann aber weit und breit keine Spur. Der allgemein erwartete Flüchtlingsstrom blieb weitgehend aus. Stattdessen beschäftigte bald eine ganz andere Welle die Schweiz: In Japan traf im März 2011 ein Tsunami auf die Küste, verwüstete mehrere Städte, löste im Atomkraftwerk Fukushima eine Kernschmelze aus und spülte die nordafrikanischen Flüchtlinge aus den Schlagzeilen der Schweizer Presse.</p>
<p>Für die ersten drei Monate 2011 liefert der Suchbegriff «Flüchtlingswelle» in der Schweizer Mediendatenbank SMD 302 Treffer. Im zweiten Quartal sind es mit 157 noch etwas mehr als halb so viele, im dritten Quartal sinkt die Zahl auf 35 und im vierten schliesslich auf 29.<br />
Umso interessanter sind diese Zahlen, wenn man sie der offiziellen Asylstatistik gegenüberstellt. Diese weist für das gesamte 2011 2574 Asylgesuche von Tunesiern aus – das sind etwas mehr als 10 Prozent aller Anträge in diesem Jahr. Die meisten Gesuche aus Tunesien – nämlich 879 – fielen in den letzten drei Monaten des Jahres an. Fazit: Zuerst berichteten die Schweizer Medien während Wochen über die bevorstehende Flüchtlingswelle. Doch als schliesslich so etwas Ähnliches wie eine Flüchtlingswelle kam, interessierte sich bereits niemand mehr dafür.</p>
<p>Für das dritte Quartal 2013 weist die Statistik des Bundes noch 251 Asylanträge aus Tunesien aus. Das ist der tiefste Wert seit dem Beginn des sogenannten arabischen Frühlings. Von den 4813 Tunesiern, die 2011 oder 2012 ein Asylgesuch stellten, befinden sich nach Auskunft des Bundesamts für Migration noch 417 in der Schweiz. (Allerdings sind 1660 weitere Personen unter der Kategorie «Unkontrollierte Ausreise» aufgeführt, d.h. es ist unklar, ob sie tatsächlich ausgereist oder in der Schweiz untergetaucht sind.)</p>
<p><strong>Wie es weiter geht: Journalismus vs. Realität</strong><br />
Ist heute von einer Flüchtlingswelle die Rede, dann im Zusammenhang mit dem Bürgerkrieg in Syrien, der die Bewohner über die Grenzen in die anliegenden Länder treibt. Migration aus Nordafrika ist in dem Schweizer Medien vom Radar verschwunden. Selbst die Flüchtlingsinsel Lampedusa sorgt nur noch selten für Schlagzeilen.</p>
<p>Dass Medien zeitlich versetzt und inhaltlich verzerrt über Migrationsbewegungen berichten, ist kein schweizerisches Phänomen. So hat kürzlich der britische Guardian  zu diesem Thema fünf nationale Zeitungen auf die Kluft zwischen <a href="http://www.theguardian.com/news/reality-check/interactive/2014/jan/06/uk-migration-statistics-v-headlines" target="_blank">Berichterstattung und Realität</a> abgeklopft. Und siehe da: Während die Arbeitsmigration aus Bulgarien und Rumänien von 2005 bis 2006 um 35% anstieg, nahm die Berichterstattung dazu im gleichen Zeitraum um das Zehnfache zu (plus 325%).</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/01/14/die-fluechtlingswelle-aus-nordafrika/">Den Flüchtlingsstrom gab es nur in den Medien</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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