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	<title>Urs Gossweiler | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Thu, 25 Aug 2022 15:38:49 +0000</lastBuildDate>
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		<title>«Jungfrau Zeitung»: Papierlos den ganzen Kanton Bern erobern</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2022/08/25/jungfrau-zeitung-papierlos-den-ganzen-kanton-bern-erobern/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 Aug 2022 14:57:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Urs Gossweiler]]></category>
		<category><![CDATA[Jungfrau Zeitung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vor zwei Jahren hat sich die «Jungfrau Zeitung» vom Papier verabschiedet. Um allein von Online-Einnahmen leben zu können, braucht sie ein grösseres Publikum. Darum berichtet das Blatt nun über den ganzen Kanton Bern. Mitten in der Berner Altstadt, in einem Geschäftseingang unter den Lauben, hängt eine grosse, schwarze Leuchtschrift in einem Schaufenster. Beim Vorbeigehen meint <a href="https://medienwoche.ch/2022/08/25/jungfrau-zeitung-papierlos-den-ganzen-kanton-bern-erobern/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Vor zwei Jahren hat sich die «Jungfrau Zeitung» vom Papier verabschiedet. Um allein von Online-Einnahmen leben zu können, braucht sie ein grösseres Publikum. Darum berichtet das Blatt nun über den ganzen Kanton Bern.</strong><br />
<a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/08/MW-Jungfrauzeitung-20220825a.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/08/MW-Jungfrauzeitung-20220825a.jpg" alt="" width="1456" height="976" class="aligncenter size-full wp-image-98899" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/08/MW-Jungfrauzeitung-20220825a.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/08/MW-Jungfrauzeitung-20220825a-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/08/MW-Jungfrauzeitung-20220825a-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/08/MW-Jungfrauzeitung-20220825a-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/08/MW-Jungfrauzeitung-20220825a-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /></a><br />
Mitten in der Berner Altstadt, in einem Geschäftseingang unter den Lauben, hängt eine grosse, schwarze Leuchtschrift in einem Schaufenster. Beim Vorbeigehen meint man zuerst ein Kunstobjekt zu erkennen. Doch da steht: «Jungfrau Zeitung». In Bern gibt es die «Berner Zeitung», den «Bund» oder den «Bernerbär». Aber eine «Jungfrau Zeitung»? Die gehört wenn schon ins Berner Oberland, nach Brienz, Interlaken oder Thun.<br />
</p>
<p>Das Haus, in dessen Vitrine der Schriftzug prangt, gehört Urs Fueter, letzter Vertreter einer Textildynastie und Sohn des bekannten Schauspielers <a href="https://www.willyfueter.ch/home.html" rel="noopener" target="_blank">Willy Fueter</a> (u.a. «Ueli der Pächter», «Der längste Tag»). Im Herbst 2021 lud Fueter Junior <a href="https://www.jungfrauzeitung.ch/artikel/194563/" rel="noopener" target="_blank">die «Jungfrau Zeitung» zum Gespräch</a> in seine Altstadtliegenschaft. Ums Berner Oberland ging es dabei nicht. Dafür umso mehr um die Stadt Bern. Das Interview führte Matthias Mast, ein Urgestein des lokalen (Boulevard-)Journalismus. Fueter, der Stadtberner Lokalpromi, war dermassen begeistert von der Plattform, die ihm da geboten wurde, dass er sein leeres Schaufenster gleich der «Jungfrau Zeitung» überliess, die darin ihre Leuchtschrift platzieren durfte.</p>
<p>Wer heute die <a href="https://www.jungfrauzeitung.ch/" rel="noopener" target="_blank">«Jungfrau Zeitung»</a> liest, merkt schnell, dass die Werbung am richtigen Ort steht, ja eigentlich noch prominenter in der Bundesstadt gezeigt werden dürfte. Denn die einstige Regionalzeitung aus dem Berner Oberland entwickelt sich zur Medienplattform für den ganzen Kanton und insbesondere die Kantonshauptstadt. Ob der <a href="https://www.jungfrauzeitung.ch/artikel/202075/" rel="noopener" target="_blank">60. Geburtstag des Berner Stadtpräsidenten</a>, ein neues <a href="https://www.jungfrauzeitung.ch/artikel/202009/" rel="noopener" target="_blank">Musikfestival um den Berner Egelsee</a> oder die Aufregung um den <a href="https://www.jungfrauzeitung.ch/artikel/201782/" rel="noopener" target="_blank">Konzertabbruch in der Brasserie Lorraine</a>: Alle drei Ereignisse würdigte die «Jungfrau Zeitung» in den letzten Wochen prominent und ausführlich.</p>
<blockquote><p>Von hier oben überblickt der Verleger das neue Verbreitungsgebiet seiner «Jungfrau Zeitung».</p></blockquote>
<p>Anfang Juli sitzt Urs Gossweiler auf der Dachterrasse des Restaurant Volkshaus in der Berner Altstadt. Die Weitsicht gibt, vorbei an Münster- und Zytgloggeturm, den Blick frei auf Eiger, Mönch und Jungfrau. In der Gegenrichtung sieht man die Horizontlinie der ersten Jurakette. Von hier oben überblickt der Verleger das neue Verbreitungsgebiet seiner «Jungfrau Zeitung». </p>
<p>Die publizistische Ausrichtung auf den ganzen Kanton und nicht mehr länger nur aufs Berner Oberland war eine unmittelbare Konsequenz aus dem Entscheid, die gedruckte Ausgabe einzustellen. Im März 2020 vollzog Gossweiler diesen Schritt, den er schon vor über zwanzig Jahren angekündigt hatte. 1999 sagte er der Handelszeitung: «Papier ist Mittel zum Zweck, aber wir möchten davon wegkommen.» Die «Jungfrau Zeitung» war seit ihrer Gründung «nur» eine ausgedruckte Zusammenstellung von zuvor auf der Website publizierten Artikeln. Doch die Zeitung verschwindet nicht ganz. Weiterhin produziert die Redaktion eine sogenannte <a href="https://www.jungfrauzeitung.ch/epaper/2022/" rel="noopener" target="_blank">E-Tageszeitung</a>, ein wochentägliches E-Paper mit einem Umfang von 40 Seiten. </p>
<p>Unter dem wirtschaftlichen Druck der Corona-Situation war der Abschied vom Papier ein riskanter Schritt. Gossweiler vergleicht ihn mit dem Moment, wenn das Schleppflugzeug den Segelflieger ausklinkt: «Entweder trägt es oder man rast tonlos in die Tiefe.» Bis jetzt trägt es. Gut zwei Jahre nach dem Ausklinken zieht der Verleger eine positive Bilanz. Für das laufende Jahr rechnet er mit einer Ertragssteigerung von 30 Prozent. Der Verzicht auf die gedruckte Zeitung, die während fast zwanzig Jahren von Oktober 2000 bis März 2020 jeweils zwei Mal in der Woche erschienen war, scheint sich auszuzahlen. «Ohne die Kosten für Druck und Vertrieb haben wir zwar weniger Aufwand, aber natürlich auch weniger Ertrag ohne Abos und Printwerbung», erklärt Gossweiler. Als einzige Einnahmequelle verbleibt die Online-Werbung. «Hier sind die Umsätze kleiner als im Print. Darum war die Ausweitung des Publikums essenziell, damit wir über die Runden kommen.»</p>
<blockquote><p>«Die Werbung auf unserer Plattform wird von den Adblockern nicht ausgefiltert.»<br />
<small>Urs Gossweiler, Verleger «Jungfrau Zeitung»</small></p></blockquote>
<p>Bei der Online-Werbung zählt die Reichweite – je grösser, desto besser. Und umso besser, wenn die Werbung auch tatsächlich gesehen wird. Nur das interessiert die zahlende Kundschaft. Ein erheblicher Teil der Internet-User, in der Schweiz bis zu einem Fünftel, blockiert die Online-Werbung mit Adblockern. Ausserdem haben die sogenannten Cookies bald ausgedient, die es ermöglichen, dem User auf sein Nutzerprofil abgestimmte Werbung anzuzeigen. Der «Jungfrau Zeitung» braucht diese Entwicklung keine Sorgen zu machen, weil sie einen anderen Weg geht. «Die Werbung auf unserer Plattform wird von den Adblockern nicht ausgefiltert», erklärt Urs Gossweiler. Das liege daran, dass die Anzeigen auf den gleichen Servern erfasst werden wie die redaktionellen Beiträge. «Cookies verwenden wir keine, ausser jenes für Google Analytics», ergänzt der Verleger. Auf Grundlage der via Google erhobenen Nutzungszahlen verkauft die «Jungfrau Zeitung» ihre Online-Werbung. Und tut das offenbar mit einigem Erfolg. Wie ein Blick auf die Website zeigt, inserieren neben Unternehmen aus dem Berner Oberland auch nationale Firmen, von Migros über Volg bis Lidl.</p>
<p>&nbsp;</p>
<div style="margin: 4%;border: 1px;border-style: solid;border-color: #cccccc;padding: 4%;font-size: 16px">
<h3>Die Zeitung</h3>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/08/MW-Jungfrau-Zeitung-Schaufenster-Bern.jpg" data-rel="lightbox-image-1" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/08/MW-Jungfrau-Zeitung-Schaufenster-Bern.jpg" alt="" width="1456" height="976" class="aligncenter size-full wp-image-98902" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/08/MW-Jungfrau-Zeitung-Schaufenster-Bern.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/08/MW-Jungfrau-Zeitung-Schaufenster-Bern-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/08/MW-Jungfrau-Zeitung-Schaufenster-Bern-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/08/MW-Jungfrau-Zeitung-Schaufenster-Bern-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/08/MW-Jungfrau-Zeitung-Schaufenster-Bern-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /></a><br />
Die Geschichte der «Jungfrau Zeitung» beginnt 1896 in Brienz mit der Gründung der Lokalzeitung «Der Brienzer». Ein Jahresabo für zwei Ausgaben pro Woche <a href="https://www.brienz.ch/de/brienzaktuelles/portrait/geschichte/welcome.php?action=showinfo&#038;info_id=4635#" rel="noopener" target="_blank">kostet damals fünf Franken</a>. 1907 übernehmen Fridolin und Margaritha Gossweiler-Thöni den «Brienzer». Sie legen den Grundstein der Gossweiler Media AG, die bis heute die «Jungfrau Zeitung» herausgibt.</p>
<p>Als der amtierende Verleger Urs Gossweiler 1993 in vierter Generation die Geschäfte übernimmt, läutet er in Brienz das Multimedia- und Online-Zeitalter ein. «Der Brienzer» und das Schwesterblatt «Hasli Zeitung» gehören Ende der 1990er-Jahre zu den ersten Zeitungen in der Schweiz, deren Artikel in einem webbasierten Redaktionssystem erfasst werden. Der grösste Schritt in der Verlagsgeschichte folgt am 6. Oktober 2000. Damals erscheint erstmals die «Jungfrau Zeitung» zum ersten Mal. Zusammen mit dem Verleger des «Echos von Grindelwald» lanciert Gossweiler eine Zeitung für den «Mikrokosmos Jungfrau», also den Verwaltungskreis Interlaken-Oberhasli. Die bestehenden Blätter in Brienz, Meiringen und Grindelwald behalten zwar ihren Namen, der Inhalt ist aber der gleiche wie jener in der neuen «Jungfrau Zeitung»; es ist eine Zeitung mit vier Namen. Mit der geografischen Expansion reagiert Gossweiler auf den Entscheid des Stadtberner Verlags Espace Media, den «Berner Oberländer» und das «Thuner Tagblatt» nur noch als Kopfblätter der «Berner Zeitung» zu führen. Die «Jungfrau Zeitung» ist ein Ausdruck der Website, wo die Artikel zuerst erscheinen. Damit folgt das Oberländer Blatt bereits vor mehr als zwanzig Jahren der Maxime «online first». Auf der Website sind die Beiträge frei zugänglich.</p>
<p>Im Corona-Jahr 2020 entscheidet sich der Verleger, die gedruckte Ausgabe einzustellen. 2019, im zweitletzten Jahr ihres Erscheinens, zählt die «Jungfrau Zeitung» 10&#8217;400 Abos. Seit der Gründung vor 22 Jahren vergrösserte Gossweiler das Einzugsgebiet seiner Zeitung kontinuierlich. Vom historischen Verlagssitz in Brienz aus erschliesst man Haslital und Jungfrau-Region. Danach zieht das Unternehmen zuerst nach Interlaken und dann nach Thun, von wo aus die Redaktion das ganze Berner Oberland ins Visier nimmt. Seit dem Verzicht auf die gedruckte Ausgabe versteht sich die «Jungfrau Zeitung», die ihren Sitz weiterhin in Thun hat, als Medienplattform für den ganzen Kanton. Davon zeugt auch die Eröffnung eines «Hauptstadtbüros» in der Stadt Bern.</p></div>
<p>Der Schritt raus aus dem Berner Oberland auf der Suche nach mehr Leserinnen und Lesern ist schlicht überlebensnotwendig. Doch die Rechnung geht nur auf, wenn man das bisherige Publikum halten und neues dazu gewinnen kann. Die «Jungfrau Zeitung» will in ihren historischen Stammlanden weiterhin als Lokalmedium wahrgenommen und gleichzeitig im übrigen Kantonsgebiet als neue Informationsquelle genutzt werden. Da die Ressourcen nicht ausreichen, um einfach die Berichterstattung mit zusätzlichen Beiträgen auszubauen, sucht die «Jungfrau Zeitung» vermehrt nach Zugängen zu Themen, die sowohl die Leserin im Haslital als auch den Leser in der Stadt Bern ansprechen. Geradezu prototypisch zeigte sich dies jüngst in einem <a href="https://www.jungfrauzeitung.ch/artikel/201987/" rel="noopener" target="_blank">Porträt eines Haslibergers</a>, der sich in Nepal mit einem Hilfswerk für sauberes Wasser einsetzt. Das Fotoshooting und das Interview mit ihm und dem nepalesischen Hilfswerkgründer fand in der Stadt Bern statt. «Entwicklungshilfe interessiert im rot-grünen Bern und für das bergige Nepal gibt es auch im Berner Oberland grosse Sympathien», sagt Verleger Urs Gossweiler im Gespräch mit der MEDIENWOCHE.</p>
<blockquote><p>«Wir pflegen flache Hierarchien. Im Prinzip funktioniere die Redaktion wie ein Kollektiv.»<br />
<small>Urs Gossweiler, Verleger «Jungfrau Zeitung»</small></p></blockquote>
<p>Damit der Spagat zwischen Stadt und Land möglichst oft und möglichst schmerzlos gelingt, braucht es das passende Personal: Journalistinnen und Journalisten, die beides kennen. Zum Beispiel einer wie Beat Kohler: ein Stadtberner, der seit über zwei Jahrzehnten in Meiringen lebt und ebenso lange, mit Unterbrüchen, für die «Jungfrau Zeitung» schreibt, zwischenzeitlich in Bern das «Journal B» geleitet hatte und seit drei Jahren für die Grünen im Berner Grossrat sitzt. Um das erweiterte Einzugsgebiet publizistisch abzudecken, verzeichnete die «Jungfrau Zeitung» in den vergangenen zwei Jahren etliche Neuzugänge von Redaktionen in Stadt und Region: Gina Krückl kam vom Newsportal «Nau.ch», Ben Abegglen arbeitete zuvor beim Lokalradio «Bern 1», Peter Wäch schrieb viele Jahre für den «Bernerbär», wie auch Matthias Mast, der zudem als Gesicht von «Telebärn» zu lokaler Bekanntheit gelangte. Doch auch das Berner Oberland ist weiterhin mit prominenten Stimmen im Blatt vertreten, etwa mit Bruno Stüdle. Der frühere Chefredaktor des Tamedia-Blatts «Berner Oberländer» wechselte auf Anfang Jahr zur «Jungfrau Zeitung». Aktuell ist die Redaktion mit 10 FTE (Vollzeitäquivalenten) dotiert, Chefredaktor gibt es keinen. «Wir pflegen flache Hierarchien. Im Prinzip funktioniere die Redaktion wie ein Kollektiv», sagt Urs Gossweiler. Ganz zur Zufriedenheit des Verlegers: «Ich kann von der Seitenlinie aus zuschauen und geniessen.»</p>

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            [rml_read_more]
<p>Mit der geografischen Expansion trägt die «Jungfrau Zeitung» zu einem vielfältigen Medienangebot in der Bundesstadt bei, um das man sich in den letzten Jahren Sorgen gemacht hatte, nachdem Tamedia die Redaktionen seiner beiden Tageszeitungen «Bund» und «Berner Zeitung» zusammengelegt hatte. «Die Fusion war nicht der Grund für unseren Schritt in Richtung Bern, aber sie ist auch nicht hinderlich», sagt Gossweiler. Die Konkurrenz werde dafür sorgen, dass sich Tamedia auch in Zukunft vor Ort engagieren müsse und nicht weiter abbaue, glaubt Gossweiler. Im Berner Oberland habe Tamedia (und zuvor Espace Media) nie in dem Mass abgebaut wie etwa im Emmental, wo eine starke Konkurrenz fehlt.</p>
<blockquote><p>Aber wie passt eigentlich der Name «Jungfrau Zeitung» zu einer Publikation für den ganzen Kanton?</p></blockquote>
<p>Noch haben Gossweiler und seine «Jungfrau Zeitung» die Expansion nicht an die grosse Glocke gehängt. «Wir wollen zuerst glaubwürdig den Tatbeweis erbringen, dass wir dem Anspruch einer Medienplattform für den Kanton Bern gerecht werden können, bevor wir kommunizieren», sagt Gossweiler. In den nächsten Wochen soll es so weit sein.</p>
<p>Aber wie passt eigentlich der Name «Jungfrau Zeitung» zu einer Publikation für den ganzen Kanton? Gossweiler Urs lächelt sein schelmisches Lächeln und signalisiert damit, dass er darauf längst eine passende Antwort parat hat. «Richard Branson hat mit ‹Virgin› eine Weltmarke aufgebaut.» Sagts und lässt den Blick von Bern in Richtung Jungfrau schweifen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<div style="margin: 4%;border: 1px;border-style: solid;border-color: #cccccc;padding: 4%;font-size: 16px">
<h3>Der Verleger</h3>
<p><a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/08/MW-Urs-Gossweiler-quer.jpg" data-rel="lightbox-image-2" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/08/MW-Urs-Gossweiler-quer.jpg" alt="" width="1456" height="976" class="aligncenter size-full wp-image-98903" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/08/MW-Urs-Gossweiler-quer.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/08/MW-Urs-Gossweiler-quer-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/08/MW-Urs-Gossweiler-quer-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/08/MW-Urs-Gossweiler-quer-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/08/MW-Urs-Gossweiler-quer-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /></a><br />
Urs Gossweiler arbeitet bereits die längere Zeit seiner 51 Lebensjahre als Verleger. Nach dem frühen Tod seines Vaters Ende 1993 wurde Gossweiler Junior mit 22 Jahren quasi über Nacht zum Verleger. Dass er dereinst das Familienunternehmen weiterführen würde, war schon immer klar, aber nicht der frühe Zeitpunkt. Eigentlich hätte er nach seiner Ausbildung zum Typografen noch weiteres Rüstzeug holen wollen auf Lehr- und Wanderjahren in anderen Verlage.</p>
<p>Im Rückblick war der Sprung ins kalte Wasser kein Nachteil. Schliesslich hatte er einen Plan. Gossweiler wusste schon 1993: Eine Zeitung hat nur online und multimedial eine Zukunft. Mit dieser Ansicht war er vor bald 30 Jahren ziemlich allein. Das hielt ihn nicht davon ab, seine Überzeugung kundzutun, wo immer er gefragt wurde – und wie er gefragt wurde. An unzähligen Branchenanlässen im In- und Ausland pries Urs Gossweiler die Segnungen des Multimedia-Zeitalters für die Medienproduktion.</p>
<p>Seinen Worten liess er Taten folgen. Als eine seiner ersten Handlungen als Verleger schloss er die hauseigene Druckerei in Brienz und machte sich daran, eine digitale Produktionsinfrastruktur aufzubauen. Gossweiler liess Software-Spezialisten unter der Leitung von Oliver Brodwolf ein eigenes internetbasiertes Redaktionssystem entwickeln. Das sogenannte G-OS (Gossweiler Operation System) steht bis heute in Betrieb bei der «Jungfrau Zeitung».</p>
<p>Die ursprüngliche Idee wäre es allerdings gewesen, Lizenzen für die G-OS-Software an andere Verlagen zu verkaufen, die damit im Stil der «Jungfrau Zeitung» ihre eigene «Mikrozeitungen» produzieren könnten. Ein Versuch, 2010 das Modell aus der Jungfrau-Region über den Brünig nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Obwalden_und_Nidwalden_Zeitung" rel="noopener" target="_blank">Obwalden und Nidwalden</a> zu exportieren, kam zwar zum Fliegen, scheiterte aber nach gut zwei Jahren an fehlenden Abonnenten; 8000 standen im Geschäftsplan, 3000 waren es tatsächlich. Als es Gossweiler daraufhin auch nicht gelungen war, <a href="https://medienwoche.ch/2012/03/05/wir-haben-alle-klinken-geputzt/">die Stadt Zürich flächendeckend mit Mikrozeitungen zu überziehen</a>, war dies das Ende der Ambitionen, das Modell, das für die «Jungfrau Zeitung» gut funktioniert, exportieren zu wollen. Der geschäftliche Fokus liegt seither ganz auf der «Jungfrau Zeitung».</p>
<p>Um sich finanziell breiter abzustützen, öffnete Gossweiler 2021 erstmals das Aktionariat des Familienunternehmens. Seither figurieren der Berner Unternehmer und Wirtschaftsanwalt Thomas Bähler und die Einkaufsgenossenschaft der <a href="http://www.peg.ch/de/ueber-uns" rel="noopener" target="_blank">Schweizer Papeteristen PEG</a> als Minderheitsktionäre. Christoph Clavadetscher, Präsident der PEG, steht dem Verwaltungsrat des Verlags vor.</div>
<p>Bilder: <a href="https://unsplash.com/@josswoodhead?utm_source=unsplash&#038;utm_medium=referral&#038;utm_content=creditCopyText" rel="noopener" target="_blank">Joss Woodhead</a>/<a href="https://unsplash.com/s/photos/jungfrau?utm_source=unsplash&#038;utm_medium=referral&#038;utm_content=creditCopyText" rel="noopener" target="_blank">Unsplash</a>, Nick Lüthi, zvg</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2022/08/25/jungfrau-zeitung-papierlos-den-ganzen-kanton-bern-erobern/">«Jungfrau Zeitung»: Papierlos den ganzen Kanton Bern erobern</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Der GAV-Coup</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/09/17/der-gav-coup/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 17 Sep 2015 11:30:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[WOZ]]></category>
		<category><![CDATA[GAV]]></category>
		<category><![CDATA[Urs Gossweiler]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=6763</guid>

					<description><![CDATA[<p>Wie es dazu kam, dass der Verlegerverband nun plötzlich bereit ist, über einen neuen Gesamtarbeitsvetrag zu verhandeln und welche Rolle dabei die WOZ und Urs Gossweiler (Verleger Jungfrau Zeitung) spielten.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/09/17/der-gav-coup/">Der GAV-Coup</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wie es dazu kam, dass der Verlegerverband nun plötzlich bereit ist, über einen neuen Gesamtarbeitsvetrag zu verhandeln und welche Rolle dabei die WOZ und Urs Gossweiler (Verleger Jungfrau Zeitung) spielten.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/09/17/der-gav-coup/">Der GAV-Coup</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>GAV ist Gebot der Stunde</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/09/14/gav-ist-gebot-der-stunde/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Urs Gossweiler]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Sep 2015 10:18:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Verleger]]></category>
		<category><![CDATA[GAV]]></category>
		<category><![CDATA[Urs Gossweiler]]></category>
		<category><![CDATA[Gesamtarbeitsvertrag]]></category>
		<category><![CDATA[Interlaken]]></category>
		<category><![CDATA[Medienkongress]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialpartnerschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Verlegerverband]]></category>
		<category><![CDATA[VSM]]></category>
		<category><![CDATA[Verband Schweizer Medien]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=25712</guid>

					<description><![CDATA[<p>An seinem Jahreskongress hat der Verband Schweizer Medien dem Anliegen der Berufsverbände zugestimmt, Verhandlungen über einen neuen Gesamtarbeitsvertrag GAV aufzunehmen. Eine treibende Kraft bei dem überraschenden Entscheid war Urs Gossweiler, Verleger der Jungfrau-Zeitung. Sein Gastbeitrag. Eine Sozialpartnerschaft zwischen privaten Medienhäusern und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist nach elf Jahren Moratorium ein Gebot der Stunde. Dies <a href="https://medienwoche.ch/2015/09/14/gav-ist-gebot-der-stunde/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>An seinem Jahreskongress hat der Verband Schweizer Medien dem Anliegen der Berufsverbände zugestimmt, Verhandlungen über einen neuen Gesamtarbeitsvertrag GAV aufzunehmen. Eine treibende Kraft bei dem überraschenden Entscheid war Urs Gossweiler, Verleger der Jungfrau-Zeitung. Sein Gastbeitrag.<br />
<span id="more-25712"></span><br />
Eine <a href="http://www.nzz.ch/schweiz/medien-gav-am-horizont-1.18611231" target="_blank">Sozialpartnerschaft</a> zwischen privaten Medienhäusern und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist nach elf Jahren Moratorium ein Gebot der Stunde. Dies aus mehreren Gründen:</p>
<ul>
<li>Erstens wollen wir alle ein geregeltes Mass an verbindlichen Arbeitsbedingungen. Sei es als Verleger, Manager oder eben auch Journalisten.</li>
<li>Zweitens ist es es besser dies im Rahmen der Sozialpartner zu regeln, statt allfällige Vorgaben vom Staat vorgeschrieben zu erhalten.</li>
<li>Drittens wäre eine wiederbelebte Sozialpartnerschaft eine Chance um eine neue Allianz gegen den Staat und seinen Medienhunger zu bilden.</li>
</ul>
<p>Die Gewerkschaft Impressum hat letzte Woche eine solche Partnerschaft an der Jahrestagung der Verleger in Interlaken angeboten. Es ist nämlich mehr als beunruhigend zu sehen, wie stark die Regierung in Bern sich vordrängt in den privaten Mediensektor. Dabei sind die Referate der Medienministerin, die je länger je mehr Ansprachen eines CEO der Medien Schweiz AG gleichen, noch das Wenigste.</p>
<p>Mehr Sorgen bereiten die Avancen der Swisscom mit dem Bund als Hauptaktionär im Rücken, die im Duett mit der SRG, einem Verein mit 1,6 Milliarden Umsatz, der direkt der Medienministerin unterstellt zu sein scheint, den datenbasierenden Werbemarkt kontrollieren möchten. Denn eines ist klar: Eine attraktive Sozialpartnerschaft bedingt nicht nur eine starke Gewerkschaft, sondern auch eine funktionierende Privatwirtschaft. Ersteres müssen wir Verleger wiederum zulassen. Letzteres sollte ein liberaler Staat fördern, statt zu bekämpfen.</p>
<p>Wenn Bundes-bern nebst seiner Rolle als Gesetzgeber auch noch wichtigster Akteur im Medienbereich wird, geht dies zu Lasten der Pressefreiheit. Bei aller Kritik an potenten privaten Medienkonzernen sollte man dies bedenken: Am Schluss sind diese Garant für eine starke Sozialpartnerschaft und eine funktionierende Gewaltentrennung. Dies sind zwei unabdingbare Voraussetzungen für eine funktionierende Schweiz. Deshalb müssen wir Verleger uns bei der Nase nehmen, jedoch auch die staatlichen und halbstaatlichen Akteure in Bern.</p>
<p><small>Der Autor war Mitglied der Verhandlungsdelegation des letzten, gültigen GAV zwischen Verlegern und Journalisten vor über einem Jahrzehnt.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/09/14/gav-ist-gebot-der-stunde/">GAV ist Gebot der Stunde</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
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		<title>Die Party ist noch nicht vorbei</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2013/09/26/die-party-ist-noch-nicht-vorbei/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2013/09/26/die-party-ist-noch-nicht-vorbei/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Sep 2013 08:44:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Medienkrise]]></category>
		<category><![CDATA[Ueli Maurer]]></category>
		<category><![CDATA[Hanspeter Lebrument]]></category>
		<category><![CDATA[Michael Ringier]]></category>
		<category><![CDATA[Urs Gossweiler]]></category>
		<category><![CDATA[Luxus]]></category>
		<category><![CDATA[Verlegerverband]]></category>
		<category><![CDATA[Medienkongress]]></category>
		<category><![CDATA[Verband Schweizer Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Norbert Neininger]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Von Krise keine Spur: Den Schweizer Verlegern geht es richtig gut. Das sieht man alle Jahre am Medienkongress. An ihrer Selbstbeweihräucherungszeremonie lassen sich die Medienmacher die Party nicht gerne vermiesen, auch von einem Bundesrat nicht. Beobachtungen aus dem Victoria-Jungfrau Grand Hotel in Interlaken. In der bescheidenen Pension Victoria Der Aufenthalt im 1864 als Pension Victoria <a href="https://medienwoche.ch/2013/09/26/die-party-ist-noch-nicht-vorbei/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Von Krise keine Spur: Den Schweizer Verlegern geht es richtig gut. Das sieht man alle Jahre am Medienkongress. An ihrer Selbstbeweihräucherungszeremonie lassen sich die Medienmacher die Party nicht gerne vermiesen, auch von einem Bundesrat nicht. Beobachtungen aus dem Victoria-Jungfrau Grand Hotel in Interlaken.<br />
<span id="more-15868"></span><br />
<strong>In der bescheidenen Pension Victoria</strong><br />
Der Aufenthalt im 1864 als Pension Victoria erbauten Victoria-Jungfrau Grand Hotel fühlt sich an wie ein Besuch im Bundeshaus, einem Kunstmuseum oder einem geweihten Gebäude; das bescheidene eigene Dasein wird einem bei jedem Schritt bewusst. Das wundervolle Prunkgebäude, in dem Zimmer zwischen 500 und 2000 Franken angeboten werden und im Durchschnitt für 366 die Nacht verkauft werden (<a href="http://www.victoria-jungfrau-collection.ch/investor-relations/kennzahlen/">2012</a>) scheint genau der richtige Ort für die reichen Zeitungsverleger, ihren Jahreskongress zu feiern. Gegen eine Zahlung von 400 Franken darf ich als Journalist mit dabei sein und gebe mir Mühe, nicht zu wenig vom beim Abendessen am Donnerstag servierten Pinot Noir, Réserve du Patron (<a href="http://www.weingut-bick.ch/weine.html">35,40 die Flasche</a>) zu trinken. Als Unterkunft wähle ich den sehr sympathischen und besonders bei jungen Südkoreanern und Chinesen beliebten <a href="http://www.lazyfalken.ch/">Lazy Falken</a> (60 Franken die Nacht, WC und Dusche auf dem Flur).</p>
<p><strong>Umbruch und Aufbruch</strong><br />
Warum der Medienkongress unter dem Motto «Umbruch und Aufbruch» stattfand, war zunächst nicht klar, hatte doch Hanspeter Lebrument, Verlegerpräsident seit zehn Jahren, die Medienkrise für «beendet» erklärt (<a href="http://www.persoenlich.com/news/medien/lebrument-erkl%C3%A4rt-medienkrise-f%C3%BCr-beendet-294797">2010</a>). Doch von jemand, der glaubt, er könne Google «Nachhilfeunterricht» geben (<a href="http://www.persoenlich.com/news/medien/google-hat-angst-vor-uns-275616#.UkFnMryjjZ5">2007</a>), ist vielleicht nicht jedes Wort auf die Goldwaage zu legen.</p>
<p>2013 schaut man also nach vorne und bemüht sich ernsthaft, dem Motto gerecht zu werden. Und das gelingt gar nicht schlecht: Keine der Veranstaltungen ist grottenschlecht, langweilig wird einem nur bei Otfried Jarren (Präsident Eidg. Medienkommission) und zeitweise bei den Eigen-PR-Vorträgen von Philipp Welte (Verlagsvorstand Hubert Burda Media) und Rainer Esser (Geschäftsführer Zeitverlag). Die Triebkraft für die Neuorientierung des Verbands scheint bei <a href="http://neininger.me/">Blogger</a> Norbert Neininger zu liegen; er präsentiert den äusserst erfrischenden Investor <a href="https://www.linkedin.com/profile/view?id=88442417">Eran Davidson</a>, der Investmentsfonds in der Höhe von 180 Millionen Franken an junge Unternehmen zu verteilen hat und echten Unternehmergeist in diese Veranstaltung (von Unternehmern, man glaubt es kaum) bringt. Ringier-CEO Marc Walder findet den Vortrag «very interesting and provocative».</p>
<p>Davidson empfiehlt beispielsweise, den 22-Jährigen in der Firma zuzuhören, «weil deren Verstand immer noch klar ist. Sie wissen nicht viel, aber sie wissen es besser als Du». Und auch allen anderen, manchmal sei es ja die Sekretärin, die eine geniale Idee habe. Gute Unternehmer würden ein Klima schaffen, in dem solche Menschen angstfrei zu Wort kommen.</p>
<p><strong>Eine Blase um Michael Ringier</strong><br />
Ich versuche mir vorzustellen, wie Ringier-Verleger Michael Ringier gebannt an den Lippen von «Glückspost»-Praktikanten und Ringier-Journalistenschülern hängt, um etwas zu lernen, das er für sein Leben und seine Firma brauchen kann. Aber irgendwie gelingt es mir nicht recht. Es tauchen stattdessen Bilder auf von Tennisplätzen, Kunstgalerien, Villen, Telefonhörern, Füllfederhaltern, Hinterzimmern, Luxushotels, Limousinen, Privatjets, bevölkert mit Frauen und Freunden seines Alters, seiner Klasse, seinen Vermögensverhältnissen. Vielleicht müsste <a href="http://www.bilanz.ch/people/die-reichsten-und-ihre-autos-hengstparade">Rolls-Royce-Fahrer Ringier</a> einfach mal an einem SVP-Buurezmorge einige seiner Leser kennenlernen. Schliesslich kann er durchaus locker sein und hat den Mut, auch bittere Wahrheiten gelassen auszusprechen: «Wir haben kein Monopol mehr, das ist doch das grosse Problem!»</p>
<p>Immerhin kennt er «Deutschlands bekanntester Blogger». Angeblich ist das ein gewisser Philipp Riederle (*1994), auf dessen Website zwar kein Blog zu finden ist, aber dafür haufenweise <a href="http://www.philippriederle.de/erfahrung/presse/">Berichte</a> der etablierten Medien. Tatsächlich ist Riederle <a href="http://www.meiniphoneundich.de/">Videopodcaster</a>, Unternehmensberater, Vortragsredner und Buchautor. Ringier über Riederle: «Er sagte: ‹Make sense.› &#8211; Darum geht es.» Dem kann man sich nur vorbehaltslos anschliessen.</p>
<p>Im Podiumsgespräch mit Gabor Steingart (Herausgeber Handelsblatt) liest Ringier dann Leserkommentare Schweizer Medienseiten vor, die sich kritisch mit ihm auseinandersetzen. Kommentare konkurrierender Medienseiten natürlich, auch wenn auf Blick.ch ebenfalls kritische Leserstimmen veröffentlicht werden. Ist es die Aufgabe eines Verkäufers, sich öffentlich über Kundenreaktionen zu beschweren? Oder hat das Internet Ringier Wahrheiten aufgezeigt, die ihm bisher von seinem Umfeld erfolgreich vorenthalten wurden? Für einen Moment erhält man den Eindruck, Leserbriefschreiber seien die besseren Menschen als Online-Kommentierer. Natürlich ist das Blödsinn: Leserbriefe und Leserkommentare werden von den Redaktionen geprüft und freigegeben.</p>
<p>Hinsichtlich der Berichte über die Nicht-Bestätigung von Andrea Bleicher als «Blick»-Chefredaktorin aufgrund eines «Daumen runter» des gut befreundeten Frank A. Meyer sagt er sympathisch selbstironisch, die Lage sei doch klar: «Die Schwulengang hat die Lady rausgeknallt.» Und: «Früher hat Frank A. Meyer meine Wahlzettel ausgefüllt, heute tut das meine Frau, denn Meyer hat ja nichts mehr zu sagen.» Humor darf man ihm attestieren, doch als Boulevardverleger, selbst als widerwilliger, ist er viel zu dünnhäutig. Michael Ringier ist das Aushängeschild einer Branche, die Kritik üben lässt, Kritik an sich aber einfach nicht ertragen kann. Dabei kritisiert doch sogar die von Michael Ringier geliebte Kunst &#8211; gemeinsam mit seiner Frau Ellen wurde der Kunstsammler im Kunstwerk <a href="http://www.jotacastro.eu/selected-works/motherfuckers-never-die/">«Motherfuckers never die» von Jota Castro</a> verewigt (ausgestellt an der Art Basel 2009).</p>
<p><strong>«Jahrhundertfehler» Kostenlos-Kultur</strong><br />
Die Vortragenden sind sich einig, Schuld an der schlechten Branchenstimmung sind vor allem jene, die negativ reden: «Print wird totgeredet», klagt Philipp Welte. «Unsere Inhalte kostenlos abzugeben, ist der Jahrhundertfehler unserer Branche», sagt Gabor Steingart. Auch Rainer Esser will keine Inhalte verschenken, die gut Geld verdienende Gratiszeitung «20 Minuten» lobt er trotzdem. Warum sie nur immer über ihre angeblichen «Jahrhundertfehler» reden und dabei weiterhin ihre Inhalte kostenlos im Internet anbieten, bleibt ihr Geheimnis. Die wichtigsten NZZ-Artikel gibt es trotz Website-Paywall kostenlos auf dem Smartphone. In der «Blick»-App (einmalig 4 Franken) ist sogar jeden Tag die ganze Printausgabe kostenlos zugänglich. Offenbar trauen sich die Verleger nicht recht zu, Inhalte zu produzieren, die den Kunden tatsächlich etwas wert sind. Mehr dazu in unserem Artikel <a href="https://medienwoche.ch/2012/07/13/pseudokostenpflicht/">«Pseudokostenpflicht»</a>.</p>
<p>Norbert Neininger liefert als einer der einzigen Vortragenden keinen Verkündigungsauftritt, sondern eine Prezi-Präsentation inklusive zwei YouTube-Videos. Als die Technik diese abspielt, blendet YouTube Werbung ein, die sofort reflexartig weggeklickt wird. Aber echt, immer diese Scheiss-Werbung! Mit der man selbst online Geld verdienen will. Aber die Frage ist berechtigt: Warum nervt Werbung im Netz derart, dass man sie sofort und unbesehen wegklickt?</p>
<p><strong>Solidarität für Gattungsmarketing</strong><br />
Printwerbung nervt nicht, trotzdem brauche es dafür Gattungsmarketing, meldet Peter Wanner aus dem Department Werbemarkt: «Printwerbung macht immer noch einen Umsatz von 1,8 Milliarden Franken. Aber Sie können sich vorstellen, was das bedeutet für uns alle, wenn wir da jedes Jahr 100 Millionen Franken verlieren.» Ausserdem wäre es schön, wenn auch die Redaktionen mal etwas mitspielen würden: «Es täte sicher gut, wenn auch die Printmedien ab und zu etwas Positives über Print vermelden würden.» Seine Arbeitsgruppe zur Ausarbeitung des Gattungsmarketings habe gut gearbeitet, allerdings musste man dann bei einer Sitzung in Weggis bemerken, dass die gefassten Pläne dafür satte 1,9 Millionen Franken kosten (und das jedes Jahr, ab 2015). «Jetzt ist Solidarität gefragt», steht in der Powerpoint-Präsentation von Wanner.</p>
<p><strong>Keine Lohnverhandlungen mit Angestellten</strong><br />
Auf Lohnverhandlungen mit dem Journalistenverband Impressum lassen sich die Verleger nicht ein, denn Präsident Lebrument erklärt, er habe deren Entwurf zu einer Vereinbarung über die Arbeitsbedingungen nicht gelesen, weshalb &#8211; hallo Logik &#8211; es auch keine Verhandlungen geben könne. Verbandsvertreter Urs Thalmann verlässt nach den anschliessenden langwierigen, völlig ergebnislos bleibenden und äusserst ermüdenden Diskussionen die Medienkonferenz mit einem sehr lauten Knallen der Türe, fassungslos über solche, wie soll man ihnen sagen, bauernschlauen Tricks? Ehrlich gehandelt hätte der Verlegerverband, in dem er zugegeben hätte, gar nicht verhandeln zu wollen. Die ganze Farce <a href="http://www.edito.ch/de/2013/09/18/verleger-in-formkrise/">fasst Philipp Cueni auf edito.ch zusammen</a>, mit dabei auch die abenteuerliche Lebrument-Aussage, es gebe keine Arbeitslosigkeit im Journalismus.</p>
<p><strong>Ein Präsident per Akklamation</strong><br />
Warum wurde der 2010 ins Präsidium gewählte Urs Gossweiler mit einem Reisegutschein verabschiedet? «Er ist nicht wieder angetreten», antwortet Hanspeter Lebrument auf Nachfrage und sagt Gossweiler zur Verabschiedung: «Wir werden Deine Einsitznahme im Präsidium nicht so schnell vergessen.» Auf Anfrage sagt Gossweiler: «Ich habe dem Präsidium meine Gründe dargelegt und dort sollen sie auch bleiben.» Gilbert Bühler von den «Freiburger Nachrichten» rückt nach, kein Gegenkandidat stellt sich. Lebrument wird nach einem kurzen positiven Votum von Pietro Supino als Verlegerpräsident bestätigt; sehr schnell und etwas undurchsichtig läuft das ab, als hätte man Angst, jemand könnte eine Diskussion beginnen. Supino fragt nicht, ob jemand etwas gegen eine Wahl einzuwenden hat, er lässt gar nicht erst abstimmen. Sondern sagt: «Wenn wir das alle auch wollen, dann bestätigen wir das durch Akklamation.» Man klatscht verhalten, womöglich haben nicht alle das Fremdwort verstanden. Ganz zu Beginn der Veranstaltung gab es übrigens keinen Applaus für Lebrument.</p>
<p>Lebrument mag ein guter Ausgleich sein zwischen den grossen und den kleinen Verlegern sowie zwischen Stadt und Land. Tatsächlich sind einfach alle heilfroh, dass er diesen Job macht, auf den sonst niemand Lust hat. Deshalb bestätigt man ihn, klatscht höflich seinen abenteuerlichen Reden und buht sie nicht aus. Lebrument geniesst im Gegenzug die Aufmerksamkeit und sonnt sich etwas in der Reihe der bisherigen Verlegerpräsidenten (er legt dazu ein Slide auf, das die 11 Präsidenten in den 115 Jahren des Verbands zeigt, mit ihm unten rechts). Mit Widersprüchen kommt er gut zurecht und spricht einerseits von Printmedien, die «völlig im freien Markt agieren» und plädiert andererseits für die Beibehaltung der gesetzlichen Bevorzugung seiner Branche (ermässigter Post- und Transporttarif, reduzierter Mehrwertsteuersatz).</p>
<p>Ein Präsident, der nicht mehr ist als ein schlechter Kompromiss und Delegierte, die alles beschweigen und abnicken. Man hätte vorne die Revolution ausrufen können, diese Delegierten hätten höflich geklatscht. Um Schweizer Verleger aus der Reserve zu holen, braucht es schon einen Ueli Maurer.</p>
<p><strong>Der Bundespräsident macht Stunk</strong><br />
Gibt es einen Menschen in der Schweiz, der in den 1990er-Jahren mehr öffentliche Aggressionen ertragen musste als Ueli Maurer? Sein Briefkasten wurde mit Fäkalien gefüllt, sein Haus mit Farbbeuteln beworfen, die Pneus am Auto zerstochen, er selbst mit einer Torte beworfen. Von Viktor Giacobbo wurde er jahrelang als fröhlich-dümmlicher Lakai Christoph Blochers <a href="https://www.youtube.com/watch?v=FzVEzVLxk0Y">dargestellt</a>. Von Roger Schawinski als «Parteipräsident von Blochers Gnaden» tituliert, hatte er irgendwann genug und <a href="https://www.youtube.com/watch?v=IUXB_5Ylfp4">verliess den Sonntalk</a>. Vor 2000 hatte Ueli Maurer unter den Journalisten kaum Fans, inzwischen hat er einige wenige gewonnen. Doch unter vielen Journalisten, man muss sich da nichts vormachen, herrscht ein den Tatsachen nicht gerecht werdendes Bild eines Bauerntölpels vor.</p>
<p>Als Maurer spricht, hört ihm der halbgefüllte Saal zunächst aufmerksam zu. Doch als er statt konkrete Medienkritik sattsam bekannte Allgemeinplätze in voller Unschärfe bringt, erhöht sich die Unruhe. Irgendwann bricht dann der Ärger, am eigenen Anlass frontal angegriffen zu werden, durch und kulminiert in einzelnen Pfiffen, Hahas und Buhrufen (natürlich nicht von den vorderen Tischen, an denen die Verlegerelite mit besonderen Gästen sitzt, während alle anderen stehen müssen). Aus der Schummerigkeit des hinteren Raumes stimmen erstaunlich viele in die Buhrufe ein, natürlich nur, um sich im persönlichen Gespräch danach von solchen Aktivitäten zu distanzieren (<a href="http://www.vbs.admin.ch/internet/vbs/de/home/documentation/reden/liste/detailspeech.50232.nsb.html">schriftliche Rede</a> / <a href="http://f.blick.ch/media/2441699-6305/Ansprache-des-Bundespraesidenten-Ueli-Maurer.pdf">mündliche Version</a>).</p>
<p>Wiederum: Was für ein grossartiges und freies Land, in dem der höchste Vertreter der Exekutive von Verlegern und Journalisten ausgebuht wird, man sich danach friedlich wieder zusammen hin setzt und niemand klagt, niemand wird verhaftet, niemand verschwindet.</p>
<p>Mehr zu Maurers Rede in <a href="https://medienwoche.ch/2013/09/15/der-wert-der-medienschelte/">«Der Wert der Medienschelte»</a> von Nick Lüthi. Ausserdem wurde sie am Dienstagabend <a href="http://www.srf.ch/player/tv/club/video/club-vom-24-09-2013?id=12fa6107-4d14-495d-bab2-1c34de444ee2">im Schweizer Fernsehen verhandelt</a>:</p>
<p><iframe src='https://www.srf.ch/player/tv/club-vom-24-09-2013/videoembed/club-vom-24-09-2013?id=12fa6107-4d14-495d-bab2-1c34de444ee2&#038;mode=embed' width='460' height='259' frameborder='0' name='Club vom 24.09.2013'></iframe></p>
<p><strong>Musik &#038; Tanz</strong><br />
Ob der für Freitagabend angekündigte Tanzabend tatsächlich ausgefallen ist, kann ich nicht mit Sicherheit sagen, leider bin ich sofort nach dem Nachtisch aus Langeweile eingeschlafen. Den glasigen Blicken einiger anderer zu folgen, sind sie mir bald gefolgt. Um 22.30 Uhr waren nicht mehr viele anwesend, wie schon die ganze Veranstaltung über wurden Frauen und Journalisten nur vereinzelt gesichtet. Vielleicht haben die Herren Verleger noch miteinander getanzt.</p>
<p>Solange die Werbetreibenden sich nicht grundlegend umorientieren oder eine tiefgreifende Wirtschaftskrise Einzug hält, wird bald wieder gefeiert. Für nächstes und übernächstes Jahr ist das Grand Hotel in Interlaken jedenfalls bereits gebucht. Noch ist die Party der durch das Internet von ihrem Monopol befreiten Zeitungsverleger nicht vorbei.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/09/26/die-party-ist-noch-nicht-vorbei/">Die Party ist noch nicht vorbei</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Wo liegt das Problem?</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/12/06/wo-liegt-das-problem/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Urs Gossweiler]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Dec 2012 07:55:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Verleger]]></category>
		<category><![CDATA[Leistungsschutzrecht]]></category>
		<category><![CDATA[Schweizer Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Urs Gossweiler]]></category>
		<category><![CDATA[Jungfrau Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Google]]></category>
		<category><![CDATA[Verlegerverband]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Urs Gossweiler, Verleger der Jungfrau Zeitung und Mitglied des Verbandspräsidiums Schweizer Medien, wehrt sich gegen die Einführung eines Leistungsschutzrechts. Der Verband legt seine offizielle Haltung an der Präsidiumssitzung morgen Freitag fest. Mein Urgrossvater lebte davon, dass seine Dorfzeitung Dokumente von der Gemeinde, der Pfarrei oder Vereinen kostenlos abdrucken konnte. Hinzu kamen Beiträge aus der Leserschaft. <a href="https://medienwoche.ch/2012/12/06/wo-liegt-das-problem/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/12/06/wo-liegt-das-problem/">Wo liegt das Problem?</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Urs Gossweiler, Verleger der Jungfrau Zeitung und Mitglied des Verbandspräsidiums Schweizer Medien, wehrt sich gegen die Einführung eines Leistungsschutzrechts. Der Verband legt seine offizielle Haltung an der Präsidiumssitzung morgen Freitag fest.<br />
<span id="more-11801"></span><br />
Mein Urgrossvater lebte davon, dass seine Dorfzeitung Dokumente von der Gemeinde, der Pfarrei oder Vereinen kostenlos abdrucken konnte. Hinzu kamen Beiträge aus der Leserschaft. Oft waren die spannendsten Inhalte bezahlte Werbeflächen, etwa die Todesanzeigen. Die gleichen Absender wiederum bezahlten als Nutzer dieser Inhalte eine Abogebühr. Mein Grossvater war eine Art Google für das Dorf mit dem Vorteil, dass er nicht nur an der Werbung sondern auch an den Nutzungsgebühren verdiente.</p>
<p>Vor zwei Wochen luden mich die dänischen Verlegerkollegen nach Kopenhagen ein, damit ich Ihnen erzähle, was wir im Dorf aus dem Businessmodell meines Urgrossvaters gemacht haben. Dank Google hatte ich innert fünf Minuten ein cooles Restaurant für den Lunch gefunden (BioMio am Halmtorvet 19), die entsprechende Metro- und Busverbindung dorthin sowie die Öffnungszeiten des Runden Turms und und und… das alles kostenlos für mich und auch kostenlos für die Anbieter von Food, ÖV und Sightseeing. Nach einem Referat führt mich Google Alerts jeweils direkt auf die Newsplattformen von Zeitungen, die über mich geschrieben haben. Kostenlos für mich, kostenlos für den Nachrichtenanbieter. Noch nie habe ich auf Google einen ganzen Zeitungsartikel lesen können. Die meiste Zeit verbringe ich also auf der Plattform der Zeitung, wo ich die Werbung jeweils intensiv betrachte, weil sie grafisch gestaltet ist und daher emotionaler daherkommt als die reinen Textanzeigen bei Google.</p>
<p>Viele Verleger in Europa versuchen nun von Google via Staat Geld zu erhalten für deren Verlinkung auf ihre Online-Angebote. Erreicht werden soll dies mit einem neuen Leistungsschutzrecht. Dabei sind diese Hinweise unter Google News nichts anderes als die Zeitungsaushänge an den Kiosken: nämlich Werbung für die jeweilige Zeitung. Im Gegensatz zum Kioskaushang bietet Google diese Werbung für uns Verleger kostenlos an. Wo also liegt das Problem? Wir Zeitungsverleger haben in den vergangenen hundert Jahren insbesondere davon gelebt, dass wir den Menschen Suchhilfen geboten haben. Dank uns haben die Leute relevante News, Marktangebote sowie Klatsch und Tratsch mitbekommen. Wir waren die Suchmaschinen in der analogen Welt und haben damit sehr gutes Geld verdient. Denn uns haben nicht nur die Absender von Informationen Geld gegeben sondern auch die Empfänger derselben.</p>
<p>In den 1970er Jahren führten die Zeitungshäuser als eine der ersten Branchen den Computer und somit die Digitalisierung der Produktionsprozesse ein. Leider haben die meisten Verleger drei Jahrzehnte lang nichts anderes getan als diese digitale Daten auf analoge Druckplatten zu pressen. Die einstigen Pioniere mutierten zu reinen Druckmaschinenbesitzern. Ein Vierteljahrhundert später entstand Google. Warum konnte dieses Unternehmen so schnell so radikal unsere Kernkompetenz, das Suchen und Finden von Information, übernehmen? Weil Google von Beginn weg auf das Netz, statt auf Druckmaschinen gesetzt hat.</p>
<p>Wohin geht die Reise? So lange sich Google an das Urheberrecht hält, gibt es für uns keinen Grund, ein Leistungsschutzrecht zu fordern. Schon die Forderung alleine stellt uns Verleger auf die Verliererseite. Wir zeigen damit dem Markt, dass wir keine Rezepte für die Zukunft haben, ausser den Gesetzgeber um Hilfe zu bitten. Damit würde sich die Marktverschiebung von uns zu Google nur noch intensivieren. Vielmehr müssen wir unsere Ressourcen und Kreativität dazu einsetzen, unsere Rolle als Zeitungen für die Zukunft zu definieren. Oberstes Prinzip dabei: die Verteidigung der Pressefreiheit. Danach folgt der technologische Wandel weg vom Papier hin in die Onlinewelt. Was sind unsere Kompetenzen und Verkaufsargumente? Sicher unsere publizistischen Inhalte, die Google ja nicht klaut, sondern hilfreich darauf verweist. Mehr dürfen wir von dem Giganten nicht erwarten. Ansonsten wird Google von sich aus sämtliche Verweise auf Zeitungen kappen. Spätestens da werden wir schmerzlich erfahren, wie aussichtslos dieser Kampf für ein Leistungsschutzrecht ist. Ganz zu schweigen von den Problemen bei der Umsetzung eines solchen Gesetzes. Etwa bei der Geldverteilung. Alleine hier gäbe es dann viel mehr Anspruchsgruppen als nur die Presseverleger, die jetzt die hohle Hand machen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/12/06/wo-liegt-das-problem/">Wo liegt das Problem?</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>«Wir haben alle Klinken geputzt»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/03/05/wir-haben-alle-klinken-geputzt/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2012/03/05/wir-haben-alle-klinken-geputzt/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Adrian Meyer]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Mar 2012 09:56:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Jungfrau Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Mikrozeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Urs Gossweiler]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=7154</guid>

					<description><![CDATA[<p>Zürich sah er als letzte Chance für seine «Mikrozeitung»: «Wenn es hier funktioniert, dann funktioniert es überall.» Doch nun ist der Berner Oberländer Verleger Urs Gossweiler mit genau diesem Zeitungskonzept in der Innerschweiz gescheitert. Ob er sich von dem Rückschlag erholen wird, weiss er nicht. Sein Brückenkopf steht an der Weinbergstrasse im Kreis 6 in <a href="https://medienwoche.ch/2012/03/05/wir-haben-alle-klinken-geputzt/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Zürich sah er als letzte Chance für seine «Mikrozeitung»: «Wenn es hier funktioniert, dann funktioniert es überall.» Doch nun ist der Berner Oberländer Verleger Urs Gossweiler mit genau diesem Zeitungskonzept in der Innerschweiz gescheitert. Ob er sich von dem Rückschlag erholen wird, weiss er nicht.</strong></p>
<p>Sein Brückenkopf steht an der Weinbergstrasse im Kreis 6 in Zürich. Eine Dachwohnung mit zwei Zimmern, eines davon so gross, dass darin locker 40 Personen eine Party feiern können. Partys finden hier keine statt, dafür wird intensiv genetzwerkt. Der Raum ist minimalistisch eingerichtet, wie ein Loft aus dem Katalog: Ledersofa, wuchtiger Holztisch, dekoriert mit iPad, Macbook, iPhone.</p>
<p>Urs Gossweiler, 41 und Verleger, blickt an einem Tag im vergangenen Herbst aus dem Fenster in den Nebel von Zürich und sagt: «Wenn es in Zürich funktioniert, funktioniert es überall.» Von hier aus wollte er die Stadt erobern. Jetzt scheint dieses Vorhaben immer unwahrscheinlicher.</p>
<p>Im vergangenen Oktober war die Ankündigung eine grosse Überraschung: Urs Gossweiler wollte in Zürich <a href="http://www.persoenlich.com/news/show_news.cfm?newsid=97898" target="_blank" rel="noopener">zwölf neue Zeitungen zu gründen</a>. Gleichzeitig, am 12.12.2012. Für jedes Quartier eine. Mit der Jungfrau Zeitung hat es geklappt, Gossweilers Konzept der Mikrozeitung, mit der Obwalden-Nidwalden-Zeitung (ONZ) <a href="https://medienwoche.ch/2012/03/02/nur-wer-etwas-riskiert-kann-scheitern/" target="_self" rel="noopener">ist er letzte Woche gescheitert</a>. Eigentlich hätte Zürich und nicht die Innerschweiz zum alles entscheidenden Test werden sollen, zum «All-In», wie Gossweiler sagt.</p>
<p>Gossweiler empfängt im Nadelstreifenanzug (grau, weiss kariert), Hornbrille, die kurzen Haare leicht hochgegelt. Mit der Frisur und seinem runden Gesicht sieht er jünger aus als er ist. Auf dem Weltkongress der Zeitungen 2011 referierte er neben dem CEO der Times of India und dem Geschäftsführer von Gruner+Jahr Corporate Editors über neue Geschäftschancen für Zeitungen. Im Hamburger Presseclub kokettierte er mit dem Klischee des langsamen Berners – und demontierte es gleich selbst mit einem redegewandten Vortrag.</p>
<p>Von Gemächlichkeit ist bei Gossweiler nichts zu spüren. Über die Medien in der Schweiz sagt er Sätze wie: «Es ist unglaublich, wie wenig passiert ist in dieser Branche» und «die arbeiten noch wie zu Zeiten des Buchdrucks.» Um seine Worte zu unterstreichen, klopft er mit ausgestreckten Fingern auf den Tisch. Wenn er von der Mikrozeitung erzählt, scrollt und streicht er über iPad und iPhone wie ein Autonarr über seine Lieblingskarosserie.</p>
<p>Urs Gossweiler vertritt radikale Ansichten, gibt sich gerne unangepasst, man nennt ihn auch den Medienpionier aus Brienz. 1993 erbte der damals 22-jährige ein knapp hundertjähriges Familienunternehmen mit Druckerei und Lokalblatt «Der Brienzer». In kürzester Zeit verwandelte er den Betrieb in ein modernes Multimediaunternehmen, verkaufte die Druckerei und gründete 1995 die Mountain Multi Media, das erste Multimedia-Ausbildungszentrum der Schweiz. Die Jungfrau Zeitung war 2004 die erste Schweizer Zeitung mit integriertem Web-TV, sein Medienhaus produziert Sendungen für Pro7, entwickelt Apps fürs iPhone und iPad. «Online im Oberland», <a href="http://www.nzzfolio.ch/www/d80bd71b-b264-4db4-afd0-277884b93470/showarticle/f9045474-83e5-401a-a179-cc21bb727b29.aspx" target="_blank" rel="noopener">titelte NZZ Folio einst</a>. Das war 1996.</p>
<p>Im Jahr 2000 verwirklichte Gossweiler mit der Jungfrau Zeitung sein Konzept der Mikrozeitung: konstanter Newsfluss online, zweimal in der Woche das Wichtigste auf Papier, radikal lokal. Damit möchte Gossweiler die Lücke füllen, die überregionale Tageszeitungen durch die Ausdünnung der lokalen Berichterstattung entstehen liessen. Drei Jahre später präsentiert er ein flächendeckendes Lizenzmodell: Gossweiler teilte erst die Schweiz, dann ganz Deutschland in Mikro-Regionen ein und klopfte später bei den Verlegern an, um sein Zeitungsmodell zu verkaufen. Sein Medienhaus war zu klein, um genügend finanzielle Mittel aufzubringen.</p>
<p>Vier Jahre lang hat er jedem Schweizer Verleger sein Konzept erklärt, zu überzeugen versucht. «Wir haben wirklich alle Klinken geputzt», sagt Gossweiler und lächelt. Ein paarmal kam es fast zur Unterschrift, am Schluss haben immer alle abgelehnt. Er vermutet, die Medienhäuser hätten ihn in der Jungfrauregion versauern lassen wollen. 2009 wandte Gossweiler sich nach Deutschland, «wo das gleiche Rösslispiel noch einmal von vorne anfing.» Eine frustrierende Zeit. Erst 2010 gelang der Verkauf der ersten Lizenz an die neugegründete Obwalden-Nidwalden-Zeitung.</p>
<p>Zehn Jahre für die erste Lizenz, die bereits nach knapp zwei Jahren scheiterte. Ein harter Schlag. In Zürich wollte Urs Gossweiler eigentlich beweisen, dass sein Konzept funktioniert. Wer immer nur vom Erfolg seines Konzepts erzähle, werde irgendwann nicht mehr ernst genommen, sagt er. Darum wollte er alles riskieren: In Zürich geht es um 50 Millionen Franken an Investitionen, um 180 Journalisten und Verlagsspezialisten.</p>
<p>Die Medienbranche warte auf sein Scheitern, sagte Gossweiler bereits im letzten Herbst. Der Druck sei enorm: «Wenn man als Familienunternehmen 105 Jahre auf dem Buckel hat, ist das eine riesige Verantwortung.» Gegenüber der Familie, den Mitarbeitern, nicht zuletzt der Öffentlichkeit. Auch im Jungfraugebiet warten sie auf seinen Misserfolg, sagt Gossweiler. Noch immer würden dort einige denken, er sei ein Spinner. «Wir sind zum Erfolg verdammt», sagt er. Ob sich Gossweiler vom Rückschlag in der Innerschweiz erholen wird, weiss niemand. Auch er selbst nicht.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/03/05/wir-haben-alle-klinken-geputzt/">«Wir haben alle Klinken geputzt»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Nur wer etwas riskiert, kann scheitern</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 02 Mar 2012 14:46:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Urs Gossweiler]]></category>
		<category><![CDATA[Jungfrau Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Nidwalden]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nach weniger als zwei Jahren stellt die «Obwalden und Nidwalden Zeitung» ONZ samt ihrer Online-Plattform den Betrieb ein. Damit ist auch der Versuch gescheitert, das Modell der Mikrozeitung aus dem Berner Oberland in die Innerschweiz zu exportieren. Heute ist die letzte Ausgabe der «Obwalden und Nidwalden Zeitung» ONZ erschienen und demnächst werden auch die Online-Kanäle <a href="https://medienwoche.ch/2012/03/02/nur-wer-etwas-riskiert-kann-scheitern/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Nach weniger als zwei Jahren stellt die «Obwalden und Nidwalden Zeitung» ONZ samt ihrer Online-Plattform den Betrieb ein. Damit ist auch der Versuch gescheitert, das Modell der Mikrozeitung aus dem Berner Oberland in die Innerschweiz zu exportieren.</strong></p>
<p>Heute ist die letzte Ausgabe der «Obwalden und Nidwalden Zeitung» ONZ erschienen und demnächst werden auch die Online-Kanäle der Innerschweizer Lokalzeitung abgeschaltet. Der Verlag begründet die Betriebseinstellung mit der <a href="http://www.onz.ch/artikel/112574/" target="_blank" rel="noopener">unbefriedigenden kommerziellen Entwicklung</a>. Werbeeinnahmen und Einnahmen aus dem Abonnementverkauf seien deutlich unter den angestrebten Werten geblieben, als dass man ein Weitermachen hätte verantworten können. Nun wird das Unternehmen «geordnet liquidiert».</p>
<p>Mit dem Ende der ONZ ist auch der Versuch gescheitert, die Mikrozeitung aus dem Berner Oberland in die Innerschweiz zu exportieren. Die ONZ <a href="http://www.gomedia.ch/mikrozeitung/konzept/" target="_blank" rel="noopener">basierte auf dem Konzept</a>, das der Brienzer Verleger Urs Gossweiler für lokale Medienräume entworfen und mit seiner <a href="http://www.jungfrauzeitung.ch/" target="_blank" rel="noopener">«Jungfrau Zeitung»</a> bereits vor Jahre erfolgreich in die Praxis umgesetzt hat.</p>
<p>Doch Gossweiler wollte immer mehr sein als nur ein Kleinverleger im Berner Oberland. Die Mikrozeitung, so schwebt ihm seit Anbeginn vor, lasse sich auf beliebige lokale Medienräume anwenden – egal ob Stadt oder Land, Schweiz oder Ausland. Dafür weibelt Gossweiler seit Jahren und ist ein gern gesehener Referent auf Fachveranstaltungen <a href="http://www.niemanlab.org/2012/02/looking-to-europe-for-news-industry-innovation-part-3-the-swiss-mikrozeitung-small-community-news-model/" target="_blank" rel="noopener">rund um den Globus</a>.</p>
<p><a href="http://www.gomedia.ch/mikrozeitung/konzept/" target="_blank" rel="noopener">Das Modell der Mikrozeitung</a> hat in der Tat etwas bestechend Einfaches: Konzentration aufs Wesentliche, Fokussierung auf den (lokalen) Inhalt, ein crossmedialer Verbund mit einer tagesaktuellen Online-Plattform und der gedruckten Zeitung als Print-Out der Web-Inhalte. Für das ganze Paket, bestehend aus Konzept und <a href="http://www.gomedia.ch/mikrozeitung/konzept/g-os/" target="_blank" rel="noopener">technischer Plattform</a> für die Produktion der Mikrozeitung sucht Gossweiler seit Jahren Lizenznehmer im In- und Ausland. Bisher erfolglos – abgesehen von zwei gescheiterten Experimenten, beide in der Innerschweiz.</p>
<p>Der erste Exportversuch bei der «Zuger Presse» sei daran gescheitert, dass sich der Verlag nicht an die Konzeptvorgaben <a href="http://www.gomedia.ch/aktuell/news/show/?cq_*65d3b7af=ivxPU=87988oyt" target="_blank" rel="noopener">gehalten hätten</a>. «Die &#8218;Zuger Presse&#8216; war nicht annähernd eine Mikrozeitung. Nie!», kommentierte Gossweiler 2005 den Übungsabbruch in Zug. Der zweite Versuch ist nun dieser Tage in Obwalden und Nidwalden gescheitert. Diesmal lag es nicht an konzeptionellen Mängeln, sondern an zu optimistischen kommerziellen Prognosen.</p>
<p>Doch Gossweiler glaubt weiterhin an seine Mikrozeitung, wenn auch mit weniger Optimismus als bisher. Er wolle sich nun <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Ich-werde-in-Zuerich-vorerst-nicht-mehr-so-oft-zu-sehen-sein/story/17143478" target="_blank" rel="noopener">auf die «Jungfrau Zeitung» konzentrieren</a>. Die Idee, noch in diesem Jahr in der Stadt Zürich zwölf Mikrozeitungen auf den Markt zu bringen, dürfte damit – zumindest vorläufig – vom Tisch sein.</p>
<p>Es wäre nun ein Leichtes, Gossweiler mit Häme zu überschütten und ihn als Versager zu brandmarken, der seit Jahren erfolglos mit einer unrealistischen Idee hausiert. Doch Scheitern kann  nur, wer etwas riskiert. Gerade im Fall der «Obwalden und Nidwalden Zeitung», die Gossweiler als Projektleiter mit aufzubauen half, ging der Brienzer Verleger ein grosses Risiko ein; ein zu grosses, wie sich nun herausgestellt hat.</p>
<p>Ganz erfolglos war das knapp zweijährige Unterfangen nicht. Publizistisch habe die ONZ ihre Ziele erreicht, heisst es zur Einstellung der Zeitung. Das stimmt nicht nur, was die kurzfristig geschaffene Medienvielfalt angeht, sondern auch in Bezug auf die Reaktion der Konkurrenz. So haben <a href="http://www.obwaldnerzeitung.ch/" target="_blank" rel="noopener">die beiden </a><a href="http://www.nidwaldnerzeitung.ch/" target="_blank" rel="noopener">lokalen Kopfblätter</a> der «Neuen Luzerner Zeitung» NLZ die Berichterstattung für Ob- und Nidwalden ausgebaut. Ob es die NLZ mit ihrem ausgebauten Engagement für die beiden Halbkantone ernst meint, wird sich erst dann zeigen, wenn sie auch nach dem Verschwinden der Konkurrenz ihre Berichterstattung auf dem bisherigen Niveau beibehält.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/03/02/nur-wer-etwas-riskiert-kann-scheitern/">Nur wer etwas riskiert, kann scheitern</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Schawi, de Weck und die neue SRG</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Urs Gossweiler]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 03 Feb 2011 14:46:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Standpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Jungfrau Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Roger Schawinski]]></category>
		<category><![CDATA[SF]]></category>
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		<category><![CDATA[Service public]]></category>
		<category><![CDATA[Roger De Weck]]></category>
		<category><![CDATA[Schweizer Medien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Gastbeitrag von Urs Gossweiler, Verleger der Jungfrau Zeitung und Präsidiumsmitglied Verband Schweizer Medien Das grosse Thema von heute waren weder die Unruhen in Ägypten noch der straffällig gewordene Sozialtherapeut. Das grosse Thema heute war Roger Schawinski, der zu seiner «ersten Liebe», dem Schweizer Fernsehen, zurückkehrt. Dabei ist seine Abkehr vom Anti-SRG-Kurs gar keine Überraschung. Bereits <a href="https://medienwoche.ch/2011/02/03/roger-de-weck-krempelt-die-srg-um/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Gastbeitrag von Urs Gossweiler, Verleger der Jungfrau Zeitung und Präsidiumsmitglied Verband Schweizer Medien</em></p>
<p>Das grosse Thema von heute waren weder die Unruhen in Ägypten noch der straffällig gewordene Sozialtherapeut. Das grosse Thema heute war Roger Schawinski, der zu seiner «ersten Liebe», dem Schweizer Fernsehen, zurückkehrt. Dabei ist seine Abkehr vom Anti-SRG-Kurs gar keine Überraschung. Bereits Mitte der 90-er Jahre hatte sich Schawinski für den Posten des SRG-Generaldirektors beworben. Armin Walpen machte jedoch das Rennen. Spannender und genialer ist die Geschichte aus der Sicht von Roger de Weck: Er integriert einen der grössten Kritiker der SRG gleich ins System und macht ihn somit mundtot.<span id="more-28708"></span><br />

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<p>De Weck vollzieht nötigen Wandel</p>
<p>Beim Thema SRG spielt Schawinski jedoch nur eine Nebenrolle. Die Hauptrolle hat der neue Kapitän Roger de Weck, den ich 1993 das erste Mal traf. Der jetzige SRG-Generaldirektor war zu der Zeit Chefredaktor des Zürcher Tages-Anzeigers. Sein damaliger Verleger Hans Heinrich Coninx brachte uns zusammen. Ich sollte de Weck und den übrigen Managern von Tamedia meine Vision der Medienintegration vorstellen. Ich vertrat damals wie heute die Ansicht, dass durch die Digitalisierung die Mauern zwischen den elektronischen und gedruckten Medien eingerissen werden. Zudem entstehe eine neue Plattform, die die Medienkonsumenten und die Medienproduzenten online miteinander verbinde. Das Wort Internet existierte damals noch nicht in Medienkreisen. Heute, rund zwei Jahrzehnte später, vollzieht Roger de Weck diesen Wandel beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk der Schweiz und provoziert damit seinen ehemaligen Arbeitgeber in Zürich und alle anderen privaten Medienhäuser massiv. Die SRG breitet sich auf allen Kanälen weiter aus und will nun – trotz einem jährlichen Budget von 1,6 Milliarden Franken (!) – auch die eigenen Webdienste mit kommerzieller Werbung anreichern. Damit drängt sie die privaten Anbieter endgültig an den Rand. Der Bundesrat zögert offiziell noch, der SRG diese letzte Hürde aus dem Weg zu räumen. Wie immer, wenn der Veranstalter der «Arena» etwas von den Politikern will, sagen diese aber am Ende ja. Vorher soll sich die SRG allerdings mit den Verlegern gütlich einigen.</p>
<p>Mit der SRG ins Boot steigen, lohnt sich nicht</p>
<p>Wir Verleger wiederum sind schon oft mit der SRG ins gleiche Boot gestiegen, um ein paar Jahre später als Verlierer wieder auszusteigen. Dies war so bei der Einführung der TV-Spots, als eine gemeinsame Vermarktungsgesellschaft gegründet wurde. Später beim Gebührensplitting für ein paar private TV-Stationen. Nun soll eine unheilige Allianz im Web entstehen. Diesmal erweckt es zumindest den Anschein, dass die Verleger dies nicht wollen. Doch kann man der SRG den Weiterausbau im Internet verbieten? Natürlich nicht. Klassisches Fernsehen wird sich in den nächsten Jahren rasant verändern. Insbesondere bei der Distribution. Webbasierende Dienste wie Zattoo, Wilmaa, kino.to, Newssites von TV-Stationen oder Video-on-Demand auf dem iPad sind nur einige davon. Dieser Entwicklung kann und darf sich die SRG nicht verschliessen. Roger de Weck hat dies erkannt. Erst seit Anfang Jahr im Amt, drückt er mächtig auf die Tube. Sowohl intern mittels Fusion von Radio und TV in den jeweiligen vier Landesteilen als auch gegen Aussen mittels politischem Lobbying.</p>
<p>De Weck weckt hohe Erwartungshaltung</p>
<p>Soll man die SRG also gewähren lassen? Von wegen! Vielmehr braucht es endlich eine klare Strategie wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk mit dem vielen, vielen Steuergeld dem Land einen wirklichen Dienst erweisen kann. Dem brillanten Kopf de Weck einen Ratschlag zu geben, ist vermessen. Doch ein bisschen mehr Offenheit gegenüber der Welt und mehr Interesse an einer vielfältigen Medienkultur würde man der Spitze der SRG derzeit wünschen. Letztmals traf ich de Weck an der Dreikönigstagung des Schweizer Medieninstituts in Zürich. Im Zürcher World Trade Center – gegenüber vom Leutschenbach – hielt der Intellektuelle seine erste Grundsatzrede als SRG-Generaldirektor. Er beklagte die starke ausländische Konkurrenz, forderte mehr finanzielle Mittel und pochte trotzig auf eine autonome Schweizer Lösung. Der sonst glühende Verfechter einer europäischen Integration sprach bei dieser Tagung eher wie ein Bauernverbandspräsident oder wie der Migrationsbeauftragte der SVP (alles Böse kommt aus dem Ausland). Von der de Weck-geführten SRG erwarte ich mehr, als mit staatlich verordneten Gebührengeldern die private Konkurrenz zu erdrücken. Die SRG sollte drei Schwerpunkte verfolgen:<br />
Förderung der Integration und des Informationsaustauschs zwischen den Landesteilen – Weltweite Verbreitung von freien, neutralen Informationen – Internationale Stärkung des Medienplatzes Schweiz</p>
<p>Regionale Isolation statt Integration</p>
<p>1994 bewilligte der damalige Medienminister Adolf Ogi dem Intendanten Roy Oppenheim den neuen SRG-Sender Schweiz 4. Oppenheim wollte damit eine Art «Best of» aller SRG-Sender, ausgestrahlt in allen vier Landesteilen, lancieren. Nach jahrelangem Kampf gelang es dem Deutschschweizer Programmdirektor Peter Schellenberg Schweiz 4 in SF 2 umzuwandeln. Statt mehr Schweiz für alle Landesteile erhielt die Region Deutschschweiz zwei TV-Kanäle. Logischerweise wollten dies kurzum auch die Romandie und das Tessin. Statt die Integration unter den Landesteilen zu fördern, zementierte die SRG den Röstigraben und erhöhte auf sprachregionaler Ebene die Schlagkraft bei gleichbleibender Isolation. Bewilligt hat dies der Zürcher Medienminister Moritz Leuenberger. Dieser ist auch verantwortlich für eine isolationistische Radio- und Lokal-TV-Landschaft.</p>
<p>Gesamtschweizerisches Programm</p>
<p>In unserer Familie gibt es die schöne Tradition, dass alle 30 Jahre ein Gossweiler die Rekrutenschule in Fribourg absolviert. Dadurch kommt man als Deutschschweizer mit der Französisch sprechenden Schweiz in Berührung. Die Armee bildet so eine Brückenfunktion zwischen den Landesteilen. Heute hat der Fribourger de Weck die Chance, mit seiner SRG wirkungsvoller das Gleiche zu tun. Das bedeutet mehr Koproduktionen zwischen den Landesteilen, mehr mehrsprachige Programme und mehr gesamtschweizerische Aktionen. Dies bringt zwar nicht mehr Quote, jedoch mehr Zusammenhalt und gegenseitiges Verständnis zwischen Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch sprechenden Schweizern. Eine mögliche Massnahme wäre die Einstellung aller zweiten Senderketten der Sprachregion, bei gleichzeitigem Aufbau eines echten, mehrsprachigen und gesamtschweizerischen Programms. Die dadurch erzielten, hohen Einsparungen fliessen in den internationalen Ausbau der SRG.</p>
<p>SRG als internationaler Informationsdienstleister</p>
<p>Wie Henry Dunant im 19. Jahrhundert die Vision umsetzte, dass die Schweiz der ganzen Welt humanitäre Dienste erweisen kann, könnte Roger de Weck im 21. Jahrhundert der ganzen Welt freie Informationen liefern. Nicht flächendeckend, jedoch mit Fokus auf Krisengebiete. Eines davon ist beispielsweise der Balkan. Politisch noch nicht gefestigt, mit einer hohen Anzahl Emigranten in der Schweiz, ist diese Weltgegend sehr wichtig für die Weiterentwicklung von Europa. Unlängst hat der öffentlich-rechtliche Rundfunk Grossbritanniens, die BBC, angekündigt, aus Kostengründen die Newsdienste in Serbischer, Mazedonischer und Albanischer Sprache zu streichen. Dies ist umso bedauerlicher, da in diesen Ländern die freie Presse noch nicht gewährleistet ist. Hier könnte die SRG nun im Interesse der Schweiz und Europa in die Bresche springen. Auch in Ungarn, wo die neue Regierung in Budapest zunehmend die freien Informationsangebote zensiert, könnte die SRG zur unabhängigen Meinungsbildung beitragen. Weitere Tätigkeitsfelder: Russland, China oder Iran. Mit diesen Diensten würde die Zivilgesellschaft vor Ort und das Image der Schweiz weltweit als neutraler, freier Staat gestärkt. Derzeit passiert bei der SRG genau das Gegenteil. Swissinfo, das in Ansätzen solche Ziele verfolgt, muss von Jahr zu Jahr mehr sparen, damit die SRG das Geld im Kampf gegen die inländische private Konkurrenz zur Verfügung hat.</p>
<p>Für einen starken Medienplatz Schweiz</p>
<p>Darüber hinaus könnte Roger de Weck den Medienplatz Schweiz insgesamt stärken. Fernsehschaffende aus aller Welt sollten sich hier treffen, um Ideen auszutauschen, Know-how-Transfer zu gewährleisten und die internationale Pressefreiheit zu stärken. Mit der Goldenen Rose von Montreux führte die SRG während Jahrzehnten eine der wichtigsten TV-Messen durch. Gleichzeitig produzierte sie am Schluss eine Unterhaltungssendung, die weltweit ausgestrahlt wurde. Statt diese geniale Idee weiter auszubauen, verkaufte die SRG den gesamten Event. Heute findet die Goldene Rose in Luzern unter Ausschluss der internationalen Medienszene statt.</p>
<p>Wegbereiter de Weck</p>
<p>Zwischen unserem ersten Treffen 1993 und dem vorerst letzten im 2011, traf ich Roger de Weck noch ein einziges Mal. Es war vor ein paar Jahren, als Roger Köppel, Verleger und Chefredaktor der Weltwoche, einen runden Geburtstag feierte. Er tat dies in Berlin, weil er damals als Chef der Tageszeitung Die Welt amtete. Eingeladen war auch Roger Schawinski, zu der Zeit als Chef von Sat.1 ebenfalls in Berlin wohnhaft. Den beiden den Weg geebnet hat der dritte Roger, nämlich Roger de Weck, als Chefredaktor der Zeit in Hamburg. Es erfüllte mich als Schweizer Verleger mit Stolz, mit diesen drei Rogers in Berlin zu feiern. Heute wünsche ich mir, dass Roger de Weck als neuer SRG-Generaldirektor wiederum ein Wegbereiter wird. Ein Wegbereiter für eine integrationsfördernde, weltoffene und innovationsstarke SRG.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/02/03/roger-de-weck-krempelt-die-srg-um/">Schawi, de Weck und die neue SRG</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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