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	<title>Watchblog | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>Am Ende des Regenbogens</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Nik Niethammer]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 31 Mar 2014 10:15:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blickwinkel]]></category>
		<category><![CDATA[Standpunkt>Blickwinkel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Sie scheren sich keinen Deut um professionelle Spielregeln und sind trotzdem (oder vielleicht gerade deshalb) erfolgreich; die deutschsprachige Regenbogenpresse blüht wie eh und je. Mit dem Watchblog topfvollgold.de haben die bunten Blättchen nun einen treuen Begleiter erhalten, der schonungslos aufzeigt und aufdeckt, wie der Klatsch- und Tratsch-«Journalismus» funktioniert. Schlagersänger Hansi Hinterseer erzählte kürzlich in einem <a href="https://medienwoche.ch/2014/03/31/am-ende-des-regenbogens/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Sie scheren sich keinen Deut um professionelle Spielregeln und sind trotzdem (oder vielleicht gerade deshalb) erfolgreich; die deutschsprachige Regenbogenpresse blüht wie eh und je. Mit dem Watchblog topfvollgold.de haben die bunten Blättchen nun einen treuen Begleiter erhalten, der schonungslos aufzeigt und aufdeckt, wie der Klatsch- und Tratsch-«Journalismus» funktioniert.<br />
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Schlagersänger Hansi Hinterseer erzählte kürzlich in einem Interview, er trage beim Skifahren nie einen Helm. Das deutsche Regenbogenblatt «Woche der Frau» bastelte aus dieser Nachricht die folgende Schlagzeile: «Er spielt mit seinem Leben. Und seine Frau muss hilflos zusehen». Etwas zugespitzt, finden Sie? Ein Einzelfall?</p>
<p>Die frühere Tennisspielerin Steffi Graf fragte in ihrem Blog nach Tipps, «wie man das Leben einen Gang runterschalten könnte». Das Klatschblatt «Promi Welt» konstruierte daraus einen «verzweifelten Hilfeschrei» der Ex-Sportlerin und titelte: «Absturz in die Lebenskrise».</p>
<p>Rund 70 Wochen- und Monatstitel der Regenbogenpresse balgen im deutschsprachigen Raum  um die Aufmerksamkeit der Leser. Das sind eine halbe Milliarde Hefte pro Jahr. Sie heissen «Frau mit Herz», «Echo der Frau», «Frau im Spiegel» oder «Die neue Frau». Trotz Printkrise verkaufen sich die modernen Märchenblätter beachtlich: Marktführer «Freizeit Revue» kann mit einer Auflage von rund 800‘000 Exemplaren problemlos mit «Spiegel» und «Stern» mithalten.</p>
<p>Der Inhalt der dünnen Heftchen ist so seicht wie austauschbar: Geschichten über Prominente und Adelige, verrührt mit Herzschmerz und ganz viel Betroffenheitsgeschwurbel. Gerüchte, aus dem Zusammenhang gerissene Zitate, bei Bedarf auch frei erfundene, knallig bunt aufgemacht, dazu Überschriften aus dem Stehsatz: «Schock», «Skandal», «Hurra» – fertig sind die bunten Blätter. Emotionen sind wichtiger als Fakten, lautet die Devise von Klatschjournalisten, deren Kontakte zu Stars sich meist auf Unterlassungsklagen beschränken.</p>
<p>Zwei junge Journalisten haben sich zum Ziel gesetzt, genauer hinzusehen, die «Schweinereien der Regenbogenpresse» in die Öffentlichkeit zu zerren. Mats Schönauer und Moritz Tschermak gründeten vor einem Jahr den <a href="http://www.topfvollgold.de/" target="_blank">Watchblog topfvollgold.de</a>. Woche für Woche durchforsten sie rund 20 Titel auf der Suche nach erfundenen Geschichten und verdrehten Tatsachen. Ihre Enthüllungen über vermeintliche Enthüllungen posten sie täglich auf ihrem Blog.</p>
<p>Es gibt viel zu tun in diesen Tagen für die Yellow-Press-Kritiker. Während das «Journalistenrudel den Geschmack an seiner Beute verloren hat und weiterzieht, machen sich die Kollegen der Regenbogenpresse über den halb zerfledderten Kadaver her», sagt Topfvollgold-Gründer Moritz Tschermak. Und meint damit den verunfallten Rennfahrer Michael Schumacher.</p>
<p>Das liest sich dann so: «Neue Hoffnung. Wird jetzt alles gut?», titelt «Das goldene Blatt», nachdem die französische Sportzeitung «L&#8217;Equipe» unter Berufung auf «sehr sichere Quellen» berichtet hatte, Schumacher hätte geblinzelt. Während die «Woche der Frau» so tut, als sitze ihr Reporter an Schumis Krankenbett («Das erste Lächeln in der Klinik»), fragt sich die «Revue Exklusiv» besorgt: «Wie erträgt Corinna dieses Schicksal?». Für die «Revue der Woche» ist klar: «Schumacher forderte das Schicksal zu oft heraus». Und die «Freizeitwoche» gibt sich hellseherisch: «Corinnas Liebe holte ihn ins Leben zurück».</p>
<p>Ich selbst habe viele Jahre als People-Journalist gearbeitet, zuletzt bei der Schweizer Illustrierten. Dort hiess die Devise: wir sind die Guten. Keine Häme, kein Sarkasmus, keine Härte. Kalt geschriebene Geschichten kommen nicht ins Blatt. Prominenten begegnen wir mit Respekt, weil wir etwas von ihnen wollen. Im besten Fall lassen sie uns in ihre Seele blicken. Im zweitbesten Fall dürfen wir wiederkommen.</p>
<p>Menschen so zu behandeln, wie man gerne selbst behandelt werden möchte: Das ist für mich der Unterschied zwischen einer sorgfältig recherchierten People-Geschichte und einem hingerotzten Klatschstück.</p>
<p>Mich erstaunt immer wieder, wie viele Menschen den Stuss der Regenbogenpresse lesen. Und das, obwohl viele dieser Blätter täglich Persönlichkeitsrechte verletzen, jede journalistische Sorgfaltspflicht mit Füssen treten, verzerren, lügen. Vielleicht hat dies damit zu tun, dass sich die Akzeptanz der Klatschpresse eingebürgert hat. Jeder weiss, dass hier Schund produziert wird. Aber so richtig darüber aufregen mögen sich nur wenige.</p>
<p>Einer von ihnen ist Moderator Günther Jauch, selbst schon Opfer der Klatschpresse: «Topfvollgold ist die einzige ernst zu nehmende Seite im Netz, die sich die Mühe macht, den wöchentlichen Dreck der Yellow Press nicht nur durchzuarbeiten, sondern als solchen auch zu benennen.»</p>
<p>Die Macher selbst scheren sich kaum um das schlechte Image ihrer Branche. «Wir erzählen keine Märchen», argumentieren sie. «Wir erzählen Geschichten.» Und: «Man wird als Leser ja wohl noch träumen dürfen.»</p>
<p>Ich halte es gerne mit dem holländischen Philosophen Baruch de Spinoza, der einmal sagte: Das, was Paul über Peter sagt, sagt mehr über den Paul aus als über den Peter.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/03/31/am-ende-des-regenbogens/">Am Ende des Regenbogens</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Zwitschern statt bellen</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/05/23/zwitschern-statt-bellen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 May 2012 12:14:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Fremdkontrolle]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Liste der eingestellten und abgewickelten Watchblogs wird länger und länger. Das Modell der selbsternannten (und oft anonymen) Medienwachhunde konnte sich in der Schweiz nicht etablieren. Dafür fassen neue Formen der Selbstkontrolle Fuss. Sie verlassen die Bühne so unauffällig, wie sie schon gekommen waren: ein letzter Text zum Abschied und dann Abgang. Manchmal schreibt noch <a href="https://medienwoche.ch/2012/05/23/zwitschern-statt-bellen/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" alt="" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2012/05/watchdog.jpg" class="alignleft" width="120" height="120" /> Die Liste der eingestellten und abgewickelten Watchblogs wird länger und länger. Das Modell der selbsternannten (und oft anonymen) Medienwachhunde konnte sich in der Schweiz nicht etablieren. Dafür fassen neue Formen der Selbstkontrolle Fuss.<br />
<span id="more-8409"></span><br />
Sie verlassen die Bühne so unauffällig, wie sie schon gekommen waren: ein letzter Text zum Abschied und dann Abgang. Manchmal schreibt noch jemand einen freundlichen Nachruf. Nach ein paar Wochen sind sie vergessen und bestenfalls noch eine Fussnote wert in der jüngeren Mediengeschichte oder Stoff für Seminararbeiten.</p>
<p>Watchblogs sind keine Erfolgsgeschichte. Zumindest in der Schweiz nicht. Lang ist die Liste der eingestellten und eingeschlafenen Projekte. Weder <a href="http://pendlerblog.blogspot.com/" target="_blank">Pendlerblog</a>, <a href="http://blattkritik.ch/" target="_blank">Blattkritik</a>, <a href="http://weltwoche.blogspot.com/" target="_blank">Weltwochenschau</a>, <a href="http://baz.twoday.net/" target="_blank">Gesammelte Bazismen</a> und wie sie alle hiessen, haben es geschafft, länger als zwei Jahre durchzuhalten. Der letzte erfolglose Versuch, ein Medium kontinuierlich kritisch zu begleiten, endete im Februar mit dem Aus für das <a href="http://superblaa.blogspot.com/" target="_blank">«Blick am Abend»-Blog</a>.</p>
<p>Als Grund für den kurzen Atem geben die selbsternannten Medienwachhunde immer das gleiche an: Auf die Dauer wird der Aufwand zu gross. Beruf und Familie vertragen ein zeitaufwändiges Hobby nur schlecht. Ausserdem geht ihnen der Stoff aus, beginnen sich die Themen zu wiederholen. Bereits vor sechs Jahren schrieb Rainer Stadler <a href="http://www.nzz.ch/2006/12/15/em/articleEQW5G.html" target="_blank">in der NZZ</a>: «Im Internet gibt es zweifellos originelle Akteure, aber als Einzeltäter fehlt ihnen der lange Atem. Jene, die sie kritisieren, halten es länger aus.»</p>
<p>Kein Zweifel, Watchblogs können einen wertvollen Beitrag zur Medienkritik leisten: Sie decken Ungereimtheiten auf, erinnern Medien an ihre selbst formulierten Ansprüche, legen den Finger auf wunde Punkte und regen zur Diskussion an; ein Angebot, das auch gerne genutzt wird, allerdings selten von den Kritisieren selbst. Und nicht zuletzt bieten Watchblogs bisweilen auch gute Unterhaltung. Das Pendlerblog verpackte seine Kritik an der Pendlerzeitung «20 Minuten» stets <a href="http://pendlerblog.blogspot.com/2006/12/best-of-pendlerblog.html" target="_blank">in Witz und Satire</a> und auch die Texte im jüngst eingestellte «Blick am Abend»-Blog enthielten meist <a href="http://superblaa.blogspot.com/2012/01/blaablog-solidaritat-fur-blick-am-abend.html" target="_blank">einen guten Schuss Ironie</a>.</p>
<p>Noch vor wenigen Jahren <a href="https://docs.google.com/open?id=0B-Zv5IS6RhDqZGU4NDU1MDYtNWMyZC00YjA3LWI5ZDAtMDJiZjk0ODQ5YTVl" target="_blank">fragte die Wissenschaft</a> allen Ernstes, ob Blogs langfristig «traditionelle Foren der Selbstregulierung wie Presseräte, Ombudsleute und vor allem die Medienkritik in den etablierten Medien verdrängen» würden. Eine Frage, die in der Schweiz heute niemand mehr stellen würde; ihr ist schlicht der Gegenstand abhandengekommen.</p>
<p>Inzwischen lautet die Frage anders: Haben Watchblogs auch deshalb ihre Schuldigkeit getan, weil sich Medienschaffende neue Formen und Foren der Medienkritik angeeignet haben? Selbstkontrolle statt Fremdkontrolle. In der Tat: Vieles, was sich sich Watchblogs einst auf die Fahne geschrieben hatten, findet man heute auf Twitter: Hinweise auf Rechtschreibefehler, Ergänzungen zu unvollständigen Recherchen, Schelte für berufsethisch zweifelhaftes Gebaren, aber auch Lob und Komplimente für gelungene Stücke; geschrieben von Menschen mit Namen und Gesicht.</p>
<p>Natürlich kann es sich auch bei der anhaltend intensiven Twitternutzung von Medienschaffenden um ein vorübergehendes Phänomen handeln, ein Hype, der abklingt, sobald die nächste Sau durchs Internet getrieben wird. Momentan weist aber nichts auf eine Twitter-Fatigue hin. Im Gegenteil: Die Nutzungsfrequenz und Debattenintensität hält sich stabil und neue Gesichter tauchen im Tagestakt auf.</p>
<p>Die Vorteile der Selbstbeobeobachtung via Twitter gegenüber dem Fremdbeobachtungsmodell der Watchblogs sind offensichtlich: Kritiker und Kritisierte begegnen sich auf Augenhöhe, weil sie sich jederzeit in vertauschten Rollen wiederfinden können. Jeder kann austeilen, muss aber auch einstecken. Es gibt keine Zentralinstanz, die Zensuren verteilt. Der Diskussionskultur ist diese egalitäre Grundstruktur durchaus zuträglich. Gehässigkeiten, wie sie in Blogkommentaren immer wieder vorkommen, begegnet man auf Twitter selten.</p>
<p>Bei allem Gewinn für eine medienkritische Debatte weist die neu gefundene öffentliche Selbstbeobachtung und -kritik auch gravierende Mängel auf: Sie bleibt oft oberflächlich, bedingt durch die Beschränkung auf Wortmeldungen à 140 Zeichen. Das reicht bestenfalls für zwei Sätze und ein Argument. Entsprechend häufig kapitulieren Diskutanten, weil sie nicht das sagen können, was sie wollten, wenn sie dazu mehr Platz hätten.</p>
<p>Als weiteres Defizit erweist sich die Flüchtigkeit von Twitter: Wer nicht im Moment dabei ist, findet die Diskussionsstränge nur mit einigem Aufwand und oft nur unvollständig. Eine Twitterdebatte mit all ihren Verästelungen abzubilden und zugänglich zu machen, erfordert einen Aufwand, den derzeit nur Wenige zu leisten bereit sind. Instrumente, die das erleichtern, wie zum Beispiel Storify, stehen zwar bereit, aber werden erst spärlich genutzt.</p>
<p>Der wohl wichtigste Vorbehalt gegenüber Twitter als Diskussionsplattform betrifft die Besitzverhältnisse der Infrastruktur: Man ist zu Gast bei einem Unternehmen und folglich gezwungen, dessen Hausordnung und Geschäftspraktiken zu akzeptieren. Wer dagegen Vorbehalte hat, drückt entweder beide Augen zu und ignoriert die <a href="https://twitter.com/tos" target="_blank">AGB</a> oder bleibt Twitter fern. Ein Dilemma, vor dem nicht steht, wer sich auf seinem eigenen Blog artikuliert.</p>
<p>Trotz dieser Mängel vermag die neue Form der (selbst)kritischen Debatte unter Medienschaffenden die Leistung der eingestellten Watchblogs weitgehend wettzumachen. Was natürlich nicht heisst, dass sich nicht auch in Zukunft bloggende Wachhunde vor den Toren der Medien postieren werden. Nur ist ihre Aufgabe nicht leichter geworden. Das wissen auch jene Medienblogger, die sich nicht als Watchdogs verstehen. Etwa Martin Hitz, der seit zehn Jahren mit seinem Blog <a href="http://www.medienspiegel.ch/" target="_blank">medienspiegel.ch</a> den Medienwandel dokumentiert. Ihm komme Twitter immer öfter in die Quere: «Was man früher in einem kurzen Abschnitt gebloggt hat, sondert man heute als kurzen Tweet ab.» Der Dynamik von Twitter kann sich offenbar niemand entziehen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/05/23/zwitschern-statt-bellen/">Zwitschern statt bellen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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