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	<title>Yellow Press | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>Warum nicht alles glücklich macht in der «Glückspost»</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Benjamin von Wyl]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 31 May 2022 14:12:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Klatsch]]></category>
		<category><![CDATA[Glückspost]]></category>
		<category><![CDATA[Yellow Press]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das einzige Klatschmagazin der Deutschschweiz tätschelt Schweizer Promis und geht mit europäischen Royals weniger zurückhaltend um. Daneben pflegt die «Glückspost» «Esoterik» als eigene Rubrik und berichtet Mitte März über Putins Horoskop. Jede Kioskauslage wirkt unvollständig, wenn das Logo mit dem vierblättrigen Kleeblatt fehlt. Vom Kiosk kennen die «Glückspost» alle in der Schweiz. Bei den meisten <a href="https://medienwoche.ch/2022/05/31/warum-nicht-alles-gluecklich-macht-in-der-glueckspost/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Das einzige Klatschmagazin der Deutschschweiz tätschelt Schweizer Promis und geht mit europäischen Royals weniger zurückhaltend um. Daneben pflegt die «Glückspost» «Esoterik» als eigene Rubrik und berichtet Mitte März über Putins Horoskop.</strong><br />
<a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/MW-Glueckspost-20220531.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img fetchpriority="high" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-97578" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/MW-Glueckspost-20220531.jpg" alt="" width="1456" height="976" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/MW-Glueckspost-20220531.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/MW-Glueckspost-20220531-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/MW-Glueckspost-20220531-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/MW-Glueckspost-20220531-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/05/MW-Glueckspost-20220531-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /></a></p>
<p>Jede Kioskauslage wirkt unvollständig, wenn das Logo mit dem vierblättrigen Kleeblatt fehlt. Vom Kiosk kennen die <a href="https://www.glueckspost.ch/" target="_blank" rel="noopener">«Glückspost»</a> alle in der Schweiz. Bei den meisten bleibt es aber beim Blick aufs Titelblatt. Das verspricht nicht bloss Glück: «So geht es ihm im Gefängnis» über Boris Becker. Und: «Viele Rätsel und Schicksalsgeschichten!» Wer das Magazin aufschlägt, sieht ein Inhaltsverzeichnis in ähnlichem Stil: «Königin Letizia: So sieht es bei ihr ‹darunter› aus.» Die «Glückspost» scheint auf Kontroverse und Skandal getrimmt.</p>
<p>Die «Glückspost» gehe «grundsätzlich positiv» auf Prominente zu, erfährt die MEDIENWOCHE vom stellvertretenden Chefredaktor Marco Hirt. Der Name «Glückspost» sei wörtlich zu verstehen – von negativer Klatschberichterstattung nehme man Abstand. «Es liegt uns fern, Prominente in die Pfanne zu hauen und über sie zu lästern, da dies auch von der Leserschaft nicht akzeptiert würde.»<br />
</p>
<p>Die MEDIENWOCHE hat das einzige Magazin der Schweiz, das sich überwiegend dem People-Journalismus widmet, während vier Monaten gelesen. Die Lektüre der «Glückspost» macht nostalgisch. Sie erinnert an eine Zeit, als am Samstagabend viele Menschen in der Schweiz «Benissimo» geschaut haben. An eine Zeit der Fernsehabende, in der Comedy-Karrieren nicht auf Youtube sondern auf «SF» begonnen haben. Trotz aller Nostalgie fällt die «Glückspost» nie ins Reaktionäre. Gesellschaftspolitisch ist das Unterhaltungsblatt erstaunlich progressiv – so erzählt sie etwa einfühlsam die Geschichte von einem Ehepaar mit Kindern, das glücklich und freundschaftlich zusammengeblieben ist, nachdem sie sich als lesbisch geoutet hat. Queere Themen finden unaufgeregt Platz im Unterhaltungsblatt.</p>
<blockquote><p>Schweizer Promis stellt die «Glückspost» in freundlich-respektvollen Porträts vor.</p></blockquote>
<p>Wenn die «Glückspost» zu Besuch kommt, wenn sie Zeit investiert und in die Wohnung gelassen wird, berichtet sie so gut wie immer überschwänglich. Trotzdem besteht jedes Heft zu etwa einem Viertel aus Drama. Das Drama sucht sich die «Glückspost» international: Eine Frau verliert drei Kinder. Ein Hund ist beinahe verbrannt und entspricht heute nicht mehr den Schönheitsnormen. Zwei Freundinnen haben sich hintergangen. Diese tragischen «Schicksale» spielen sich oft in Grossbritannien oder Nordamerika ab und beinhalten wenig bis keine journalistische Eigenleistung.</p>
<p>Ähnlich scheint es beim Umgang mit Promis: Wenn die «Glückspost» zu Schweizer Promis nach Hause oder mit ihnen zum Verwandtenbesuch im Altersheim darf, gibt sie den Prominenten Raum, ihre aktuellen Projekte zu bewerben – ob es eine Fernsehsendung, ein Musikalbum oder ein Theaterstück ist. Wenn ein populärer Komödiant Geburtstag hat, gibt es zwei Seiten höfliche Anerkennung – inklusive gut platziertem Werbehinweis für das aktuelle Stück im Zürcher Bernhard-Theater. Schweizer Fernsehleute, ob «Tagesschau»-Sprecher:innen oder solche aus dem Unterhaltungssektor, werden in freundlich-respektvollen Porträts vorgestellt. Und eine 90-jährige Fernsehschauspielerin erscheint im «Glückspost»-Porträt «überglücklich».</p>
<blockquote><p>Fürstin Charlène von Monaco, sowie deren Mann und Kinder, erhalten von der «Glückspost» viel Aufmerksamkeit und wenig Wohlwollen.</p></blockquote>
<p>In den Kurzbeiträgen setzt das Klatschmagazin wiederum auf Dramatik – über dieselbe 90-jährige Schauspielerin titelte die «Glückspost» auch einmal: «Ihr Wunsch: bald sterben zu können!» Doch das war ein Zusammenschrieb eines Interviews aus Deutschland. Auch Schweizer Promis erzählen in der «Glückspost» nicht immer nur von ihrem Glück – doch es scheint so, dass sie über Schweizer Promis dann berichtet, wenn diese etwas erzählen wollen. Diese Storys berichten vom Überwinden von Negativem. Die «Glückspost» recherchiert nicht in deren Umfeld oder zitiert keine anonymen Kenner:innen oder Freund:innen der Familie.</p>
<p>Anders als bei den monegassischen Royals. Mit diesen befasst sich die «Glückspost» intensiv. Fürstin Charlène von Monaco, sowie deren Mann und Kinder, erhalten viel Aufmerksamkeit und wenig Wohlwollen. Einmal spekuliert die «Glückspost», ob die an Depressionen leidende Fürstin «eine Flucht plant», bezeichnet Charlène als «immer noch labile» Fürstin und behauptet in Berufung auf eine «Bekannte», dass die kranke Fürstin weder ihren höfischen Pflichten noch der Kindererziehung nachkomme. Ein andermal bringt die «Glückspost» «das ersten Foto» von Charlène nach längerem Therapieaufenthalt – das körnige Bild von der Rollbahn eines Flugplatzes reicht für eine Titelstory. Eine weitere Titelstory von Ende Februar sorgt sich angeblich «um das Seelenwohl ihrer Kinder». Respektvoll wäre es, über eine Person, die von einer psychischen Krankheit getroffen ist, zurückhaltend zu berichten. In anderen Fällen zeigt die «Glückspost» dafür Sensibilität – gegenüber der monegassischen Fürstin nicht.</p>
<blockquote><p>«Charlene ist ein besonderer Fall – seit dem Beginn ihrer Liebe zu Fürst Albert II. ist das Interesse der Leserschaft an ihrem Schicksal enorm gross.»<br />
<small>Marco Hirt, stv. Chefredaaktor «Glückspost»</small></p></blockquote>
<p>Jedes neue Detail reicht der «Glückspost» für einen Artikel über den monegassischen Hof. «Fürstin Charlene – brisanter Vertrag: Ehe nur noch Schein!», am 12. Mai. Zwei Wochen später krittelte die «Glückspost», dass Mann und Kind ohne Fürstin im Disneyland gewesen sind. Mit überbordender Berichterstattung über das Fürstenhaus von Monaco ist die «Glückspost» nicht alleine. Weshalb nur befassen sich die People-Ressorts so intensiv mit Monaco? Womöglich weil ein Staat der Reichen und Schönen am Mittelmeer eine Projektionsfläche für viele Leser:innen bietet.</p>

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<p>Marco Hirt sieht die Berichterstattung über Fürstin Charlene in keinem negativen Licht: «Von uns aus betrachtet sehen wir da keine bösartige Berichterstattung. Charlene ist ein besonderer Fall – seit dem Beginn ihrer Liebe zu Fürst Albert II. ist das Interesse der Leserschaft an ihrem Schicksal enorm gross. Und in dieser Krankheitsphase speziell. So gehörte es für uns auch dazu, diese Phase zu verfolgen.»</p>
<p>Vor bald 20 Jahren waren es auch monegassische Royals, die sich bis vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte erfolgreich gegen ins Private dringende Berichterstattung gewehrt hatten. Dieses «Caroline-Urteil», benannt nach der klagenden Caroline von Monaco, dämmte die Zügellosigkeit der Klatschpresse europaweit ein, weil es festhielt, dass auch für Promis ein gewisser Schutz der Privatsphäre gilt. 147 Einträge finden sich in der SMD zu Caroline von Monaco, zum letzten Mal berichtete die «Glückspost» vor drei Jahren grösser über «Die Tragik ihrer gescheiterten Ehe». Der Beitrag liest sich respektvoller als einige der Beiträge vor 20 Jahren, etwa über den «Hass der Schwestern».</p>
<blockquote><p>Häufig ähneln diese «Glückspost»-Artikel, die von Mitgliedern der Redaktion geschrieben worden sind, Artikeln, die etwa in «The Sun» oder «Mirror» erschienen sind.</p></blockquote>
<p>Nicht nur die Leser:innen von Klatschmagazinen interessieren sich für Royals, und auch bei anderen Medien kippt das Interesse an ihnen zuweilen in Voyeurismus. Publizistisch lässt sich die intensive Berichterstattung über die Fürstin von Monaco also eher nachvollziehen als die regelmässigen Berichte über dramatische Un- und Vorfälle von nicht-prominenten Menschen aus den USA oder Grossbritannien. Die drastischen Bilder und die Schocknachrichten, bei denen Zeit und Ort weder in Titel noch Lead vorkommen, scheinen nicht zum positivien Kurs der «Glückspost» zu passen. Häufig ähneln diese «Glückspost»-Artikel, die von Mitgliedern der Redaktion geschrieben worden sind, Artikeln, die etwa in «The Sun» oder «Mirror» erschienen sind. Gegenüber Marco Hirt nannte die MEDIENWOCHE als Beispiel die Geschichte einer Britin, die insgesamt drei Kinder verloren hatte. Die Geschichte wird drastisch erzählt: «Ich hatte das Gefühl, ich stünde an der Schwelle des Todes.» Dieses und andere Zitate finden sich exakt in dieser Form in einem Artikel des britischen «Mirror», der etwa zehn Tage vorher publiziert worden ist. Ein Verweis auf den «Mirror» fehlt in der «Glückspost». Marco Hirt antwortet dazu: «Schicksalsgeschichten sind zum Teil Einkäufe über Agenturen, wo die Ersterscheinung, wie zum Beispiel der ‹Mirror›, nicht genannt werden muss.» Wenn es sich aber um einen eingekauften Artikel handelt, erscheint es sonderbar, wenn dann trotzdem eine «Glückspost»-Redaktorin als Autorin des Beitrags auftritt.</p>
<blockquote><p>In den Kleinanzeigen bewerben viele Hellseher:innen ihre Telefondienste und auch im redaktionellen Teil gibt es «Esoterik» als eigene Rubrik.</p></blockquote>
<p>Während britische Boulevardzeitungen nicht zitiert werden, verweist die «Glückspost» in ihren Artikeln hingegen regelmässig auf «Bunte» und «Freizeit Woche», die sie zitiert oder deren Berichte als Anlass für eigene Beiträge nimmt. Anders als die «Glückspost» steht die deutsche Klatschpresse regelmässig in der Kritik und muss immer wieder Beiträge löschen. Wie positioniert sich da die «Glückspost»? Gar nicht. Zur Qualität der Klatschpresse in Deutschland «enthalten wir uns einer Wertung», so Hirt. Das Angebot in Deutschland sei «vielfältig».</p>
<p>Die «Glückspost», die unter diesem Namen seit 1977 bei Ringier erscheint, erreicht gemäss WEMF gegenwärtig eine Viertelmillion Leser:innen. Diese sind grösstenteils betagt: Über 70 Prozent haben das 55. Altersjahr hinter sich gelassen. Neben Prominews und «Schicksalen» porträtiert die «Glückspost» regelmässig «normale» Leute, bietet Rätsel, sowie Koch-, Reise- und Gesundheitstipps. In den Kleinanzeigen bewerben viele Hellseher:innen ihre Telefondienste und auch im redaktionellen Teil gibt es «Esoterik» als eigene Rubrik. Unter diesem Label finden sich etwa Beiträge zu indischer Spiritualität, lebendigem Wasser und, etwas blasphemisch, auch Artikel zu katholischer Sakralkunst aus dem Mittelalter.</p>
<blockquote><p>Astrologin Elizabeth Teissier balanciert zwischen Allgemeinplätzen und Vorhersage – und spielt dabei mit den Hoffnungen der Leser:innen auf Frieden.</p></blockquote>
<p>Ins Feld der Esoterik gehört wohl auch der erste und einzige grosse Beitrag, mit dem die «Glückspost» den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine aufnahm. Das Magazin erscheint immer donnerstags und hat anscheinend eine lange Produktionszeit. Am Donnerstag, 24. Februar, startete der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine. Auch eine Woche danach fand sich in der «Glückspost» kein Wort zum Krieg. Ein Bericht über den besonders harten Winter in Moldawien erzählt von einer Situation in Osteuropa, die da bereits überholt scheint. Erst am 10. März prangt auf dem Titel «Krieg in der Ukraine» und eine Frage, die viele Menschen umtreibt: «Wann wird es Frieden geben?» Im Editorial dieser Ausgabe freut sich Hirt darüber, dass ihm das Kundenmagazin des «Gartencenter meines Vertrauens» eine «sehr willkommene Abwechslung» in die «traurig machende Zeit wegen des Ukraine-Kriegs» biete. Doch obwohl das Editorial die Flucht ins Private, beziehungsweise in die Gartencenter-Publizistik, rühmt, verspricht die Titelgeschichte Lösungen. Diese sollen von der bekannten Astrologin Elizabeth Teissier kommen.</p>
<p>Teissier betont im Interview, dass sie keine Prognosen zu politischen Entwicklungen geben kann. Gleichzeitig tut sie dann genau das: «Wir» würden jetzt die Folgen der «sehr harten Planeten-Zyklen von 2020/21» erleben. «Erst Ende März» bestehe Hoffnung. Für Wladimir Putin «dürfte diese Krise länger dauern» – die Astrologin nennt den Zeithorizont Ende 2022 oder Anfang 2023. Putin müsse «mit mehr und mehr Protest» aus der russischen Bevölkerung rechnen. Zum Abschluss darf sie darlegen, dass Putin womöglich ein «Schreckenskönig» sei, der von Nostradamus prophezeit worden ist. Teissier balanciert zwischen Allgemeinplätzen und Vorhersage – und spielt dabei mit den Hoffnungen der Leser:innen auf Frieden. Die «Glückspost» macht mit: «Kann sie uns Hoffnung machen, dass es bald Frieden gibt?» heisst es im Lead.</p>
<blockquote><p>Ganz grundsätzlich erscheint es fragwürdig, dass ein Magazin einem realen, laufenden Krieg mit Spekulationen über einen «Schreckenskönig» begegnet.</p></blockquote>
<p>Geführt hat das Interview eine freie Journalistin, die regelmässig für die «Glückspost» berichtet. Deren Twitterprofil wurde gelöscht, kurz nachdem Ringier den Fragekatalog der MEDIENWOCHE erhalten hat. Zuvor retweetete dieses Profil in hoher Kadenz radikale Verschwörungstheorien. So erfuhren die zuletzt 3611 Follower:innen etwa vom «Great Reset», der zusammen mit der Mobiltechnologie 5G dazu führe, dass eine Dystopie Realität werde. Über die Politik in Deutschland konnte man lesen, dass die «sauer verdienten Steuern» den «politischen Herrenmenschen» Chauffeure finanzieren und die «Schafherde blökt (mit Mundschutz)».</p>
<p>Von diesen Positionen distanziert sich Ringier gegenüber der MEDIENWOCHE. Die Artikel der Journalistin seien immer «entlang unserer publizistischen Leitlinien» verlaufen und «politisch neutral» gewesen. Gegenüber Ringier habe die Journalistin auch klargestellt, dass ihr Twitterprofil gehackt worden sei. Die Journalistin selbst liess zwei MEDIENWOCHE-Anfragen unbeantwortet.</p>
<p>Ganz grundsätzlich erscheint es fragwürdig, dass ein Magazin einem realen, laufenden Krieg mit Spekulationen über einen «Schreckenskönig» begegnet. Hirt schreibt dazu, die Leser:innenschaft erwarte nicht, dass die «Glückspost» wiederholt, was bereits in der «Tagesschau etc. schon Thema» gewesen sei. «Für uns als People-Zeitschrift» sei es kaum möglich, einem Krieg gerecht zu werden. Das «Ereignis» habe man aber «nicht ignorieren wollen» und deshalb «die Aktualität aus Sicht der Astrologin einschätzen» lassen. «Damals war ja auch nicht klar, wie sich alles entwickeln würde – und wie lange der Krieg anhalten würde.» Wohl kaum jemand erwartet von der «Glückspost» die Kompetenz, über Geopolitik zu berichten. Anstelle von solch fahrlässigen Beiträgen könnte sie einfach darauf verzichten.</p>
<p>Die «Glückspost» verspricht Glück. Anscheinend vertraut man einem rein positiven Magazin aber nicht genug. Ob monegassische Royals, britische Schicksalsgeschichten oder Putins Horoskop: Kritisch oder kontrovers berichtet die «Glückspost», die sich weltoffen gibt, immer über Geschehen und Personen im Ausland. Der Kurs ist binär: Die weite Welt liefert der «Glückspost» Klatsch, Drama und Drastik. Die Schweiz ist ein Safe Space.</p>
<p>Bilder: Keystone-SDA, Montage: Marco Leisi</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2022/05/31/warum-nicht-alles-gluecklich-macht-in-der-glueckspost/">Warum nicht alles glücklich macht in der «Glückspost»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
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		<title>Wie und warum Günther Jauch gegen die «gelben Drecksblätter» kämpft</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2021/11/11/wie-und-warum-guenther-jauch-gegen-die-gelben-drecksblaetter-kaempft/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Nov 2021 08:10:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Günther Jauch]]></category>
		<category><![CDATA[Yellow Press]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Fernsehmoderator lässt die Yellow Press konsequent auf Falschmeldungen über ihn durchforsten. Was bringt das? Wieso ignoriert er das nicht einfach? Im «Zeit»-Podcast «Alles gesagt» hat er seltene Einblicke in sein Vorgehen gegen die Klatschzeitschriften gegeben.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Fernsehmoderator lässt die Yellow Press konsequent auf Falschmeldungen über ihn durchforsten. Was bringt das? Wieso ignoriert er das nicht einfach? Im «Zeit»-Podcast «Alles gesagt» hat er seltene Einblicke in sein Vorgehen gegen die  Klatschzeitschriften gegeben.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/11/11/wie-und-warum-guenther-jauch-gegen-die-gelben-drecksblaetter-kaempft/">Wie und warum Günther Jauch gegen die «gelben Drecksblätter» kämpft</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Wie Jan Böhmermann am Kiosk die Klatschpresse foppt</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2021/04/20/wie-jan-boehmermann-am-kiosk-die-klatschpresse-foppt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 20 Apr 2021 12:22:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Jan Böhmermann]]></category>
		<category><![CDATA[Yellow Press]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mit einem eigenen Yellow-Press-Magazin legt sich ZDF-Entertainer Jan Böhmermann mit deutschen Klatschblätter-Verlagen an. Im 500&#8217;000-mal gedruckten «Freizeit Magazin Royal» dreht er den Spiess um. Er liefert grellgiftige Schlagzeilen über Hubert Burda &#038; Co. Es ist ein genialer Coup.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Mit einem eigenen Yellow-Press-Magazin legt sich ZDF-Entertainer Jan Böhmermann mit deutschen Klatschblätter-Verlagen an. Im 500&#8217;000-mal gedruckten «Freizeit Magazin Royal» dreht er den Spiess um. Er liefert grellgiftige Schlagzeilen über Hubert Burda &#038; Co. Es ist ein genialer Coup.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/04/20/wie-jan-boehmermann-am-kiosk-die-klatschpresse-foppt/">Wie Jan Böhmermann am Kiosk die Klatschpresse foppt</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Das Geschäft der Klatschpresse</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2021/04/17/das-geschaeft-der-klatschpresse/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 17 Apr 2021 07:12:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Yellow Press]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Geschäfte machen mit Lügen und menschenfeindlichen Geschichten unter dem Deckmantel der Pressefreiheit? Das geht nur bei Magazinen mit «Neue», «Freizeit» oder «Woche» im Namen. Hubert Burda Media, Medienholding Klambt, Funke Mediengruppe, Bauer Media Group und Co. erreichen mit Skandal-Schlagzeilen sagenhaftem Reichtum &#038; schockierende Auflagezahlen. Doch welche süßen Geheimnisse verstecken Deutschlands Verlegerinnen und Verleger?</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Geschäfte machen mit Lügen und menschenfeindlichen Geschichten unter dem Deckmantel der Pressefreiheit? Das geht nur bei Magazinen mit «Neue», «Freizeit» oder «Woche» im Namen.<br />
Hubert Burda Media, Medienholding Klambt, Funke Mediengruppe, Bauer Media Group und Co. erreichen mit Skandal-Schlagzeilen sagenhaftem Reichtum &#038; schockierende Auflagezahlen. Doch welche süßen Geheimnisse verstecken Deutschlands Verlegerinnen und Verleger?</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/04/17/das-geschaeft-der-klatschpresse/">Das Geschäft der Klatschpresse</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>«Wir sehen das nicht als Fake News, das sind Träumereien»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2018/01/23/wir-sehen-das-nicht-als-fake-news-das-sind-traeumereien/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Jan 2018 09:20:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Auf dem Radar]]></category>
		<category><![CDATA[Yellow Press]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=52480</guid>

					<description><![CDATA[<p>Der deutsche Klatschblatt-Verleger Kai Rose, Geschäftsführer der Mediengruppe Klambt, die Titel herausgibt wie «7 Tage», «Woche der Frau» oder «Frau mit Herz», lässt die Kritik an seinen Magazinen nicht gelten, wonach diese vor allem Fake News und erfundene Geschichten von Promis verbreiteten. Im Gespräch mit Jens Twiehaus von turi2 verteidigt sich Rose mit dem Hinweis: «Wir sehen das nicht als Fake News, das sind Träumereien, das sind Geschichten und das weiss unsere Leserschaft auch.» Die Leser nähmen das nicht so ernst und wollten einfach unterhalten werden. Die Grenzen des Fabulierens sieht Rose dort, wo es teuer wird, wo also mit Klagen und Kosten zu rechnen ist.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/01/23/wir-sehen-das-nicht-als-fake-news-das-sind-traeumereien/">«Wir sehen das nicht als Fake News, das sind Träumereien»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der deutsche Klatschblatt-Verleger Kai Rose, Geschäftsführer der Mediengruppe Klambt, die Titel herausgibt wie «7 Tage», «Woche der Frau» oder «Frau mit Herz», lässt die Kritik an seinen Magazinen nicht gelten, wonach diese vor allem Fake News und erfundene Geschichten von Promis verbreiteten. Im Gespräch mit Jens Twiehaus von turi2 verteidigt sich Rose mit dem Hinweis: «Wir sehen das nicht als Fake News, das sind Träumereien, das sind Geschichten und das weiss unsere Leserschaft auch.» Die Leser nähmen das nicht so ernst und wollten einfach unterhalten werden. Die Grenzen des Fabulierens sieht Rose dort, wo es teuer wird, wo also mit Klagen und Kosten zu rechnen ist.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/01/23/wir-sehen-das-nicht-als-fake-news-das-sind-traeumereien/">«Wir sehen das nicht als Fake News, das sind Träumereien»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Am Ende des Regenbogens</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2014/03/31/am-ende-des-regenbogens/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Nik Niethammer]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 31 Mar 2014 10:15:30 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Blickwinkel]]></category>
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		<category><![CDATA[Yellow Press]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Sie scheren sich keinen Deut um professionelle Spielregeln und sind trotzdem (oder vielleicht gerade deshalb) erfolgreich; die deutschsprachige Regenbogenpresse blüht wie eh und je. Mit dem Watchblog topfvollgold.de haben die bunten Blättchen nun einen treuen Begleiter erhalten, der schonungslos aufzeigt und aufdeckt, wie der Klatsch- und Tratsch-«Journalismus» funktioniert. Schlagersänger Hansi Hinterseer erzählte kürzlich in einem <a href="https://medienwoche.ch/2014/03/31/am-ende-des-regenbogens/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Sie scheren sich keinen Deut um professionelle Spielregeln und sind trotzdem (oder vielleicht gerade deshalb) erfolgreich; die deutschsprachige Regenbogenpresse blüht wie eh und je. Mit dem Watchblog topfvollgold.de haben die bunten Blättchen nun einen treuen Begleiter erhalten, der schonungslos aufzeigt und aufdeckt, wie der Klatsch- und Tratsch-«Journalismus» funktioniert.<br />
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Schlagersänger Hansi Hinterseer erzählte kürzlich in einem Interview, er trage beim Skifahren nie einen Helm. Das deutsche Regenbogenblatt «Woche der Frau» bastelte aus dieser Nachricht die folgende Schlagzeile: «Er spielt mit seinem Leben. Und seine Frau muss hilflos zusehen». Etwas zugespitzt, finden Sie? Ein Einzelfall?</p>
<p>Die frühere Tennisspielerin Steffi Graf fragte in ihrem Blog nach Tipps, «wie man das Leben einen Gang runterschalten könnte». Das Klatschblatt «Promi Welt» konstruierte daraus einen «verzweifelten Hilfeschrei» der Ex-Sportlerin und titelte: «Absturz in die Lebenskrise».</p>
<p>Rund 70 Wochen- und Monatstitel der Regenbogenpresse balgen im deutschsprachigen Raum  um die Aufmerksamkeit der Leser. Das sind eine halbe Milliarde Hefte pro Jahr. Sie heissen «Frau mit Herz», «Echo der Frau», «Frau im Spiegel» oder «Die neue Frau». Trotz Printkrise verkaufen sich die modernen Märchenblätter beachtlich: Marktführer «Freizeit Revue» kann mit einer Auflage von rund 800‘000 Exemplaren problemlos mit «Spiegel» und «Stern» mithalten.</p>
<p>Der Inhalt der dünnen Heftchen ist so seicht wie austauschbar: Geschichten über Prominente und Adelige, verrührt mit Herzschmerz und ganz viel Betroffenheitsgeschwurbel. Gerüchte, aus dem Zusammenhang gerissene Zitate, bei Bedarf auch frei erfundene, knallig bunt aufgemacht, dazu Überschriften aus dem Stehsatz: «Schock», «Skandal», «Hurra» – fertig sind die bunten Blätter. Emotionen sind wichtiger als Fakten, lautet die Devise von Klatschjournalisten, deren Kontakte zu Stars sich meist auf Unterlassungsklagen beschränken.</p>
<p>Zwei junge Journalisten haben sich zum Ziel gesetzt, genauer hinzusehen, die «Schweinereien der Regenbogenpresse» in die Öffentlichkeit zu zerren. Mats Schönauer und Moritz Tschermak gründeten vor einem Jahr den <a href="http://www.topfvollgold.de/" target="_blank">Watchblog topfvollgold.de</a>. Woche für Woche durchforsten sie rund 20 Titel auf der Suche nach erfundenen Geschichten und verdrehten Tatsachen. Ihre Enthüllungen über vermeintliche Enthüllungen posten sie täglich auf ihrem Blog.</p>
<p>Es gibt viel zu tun in diesen Tagen für die Yellow-Press-Kritiker. Während das «Journalistenrudel den Geschmack an seiner Beute verloren hat und weiterzieht, machen sich die Kollegen der Regenbogenpresse über den halb zerfledderten Kadaver her», sagt Topfvollgold-Gründer Moritz Tschermak. Und meint damit den verunfallten Rennfahrer Michael Schumacher.</p>
<p>Das liest sich dann so: «Neue Hoffnung. Wird jetzt alles gut?», titelt «Das goldene Blatt», nachdem die französische Sportzeitung «L&#8217;Equipe» unter Berufung auf «sehr sichere Quellen» berichtet hatte, Schumacher hätte geblinzelt. Während die «Woche der Frau» so tut, als sitze ihr Reporter an Schumis Krankenbett («Das erste Lächeln in der Klinik»), fragt sich die «Revue Exklusiv» besorgt: «Wie erträgt Corinna dieses Schicksal?». Für die «Revue der Woche» ist klar: «Schumacher forderte das Schicksal zu oft heraus». Und die «Freizeitwoche» gibt sich hellseherisch: «Corinnas Liebe holte ihn ins Leben zurück».</p>
<p>Ich selbst habe viele Jahre als People-Journalist gearbeitet, zuletzt bei der Schweizer Illustrierten. Dort hiess die Devise: wir sind die Guten. Keine Häme, kein Sarkasmus, keine Härte. Kalt geschriebene Geschichten kommen nicht ins Blatt. Prominenten begegnen wir mit Respekt, weil wir etwas von ihnen wollen. Im besten Fall lassen sie uns in ihre Seele blicken. Im zweitbesten Fall dürfen wir wiederkommen.</p>
<p>Menschen so zu behandeln, wie man gerne selbst behandelt werden möchte: Das ist für mich der Unterschied zwischen einer sorgfältig recherchierten People-Geschichte und einem hingerotzten Klatschstück.</p>
<p>Mich erstaunt immer wieder, wie viele Menschen den Stuss der Regenbogenpresse lesen. Und das, obwohl viele dieser Blätter täglich Persönlichkeitsrechte verletzen, jede journalistische Sorgfaltspflicht mit Füssen treten, verzerren, lügen. Vielleicht hat dies damit zu tun, dass sich die Akzeptanz der Klatschpresse eingebürgert hat. Jeder weiss, dass hier Schund produziert wird. Aber so richtig darüber aufregen mögen sich nur wenige.</p>
<p>Einer von ihnen ist Moderator Günther Jauch, selbst schon Opfer der Klatschpresse: «Topfvollgold ist die einzige ernst zu nehmende Seite im Netz, die sich die Mühe macht, den wöchentlichen Dreck der Yellow Press nicht nur durchzuarbeiten, sondern als solchen auch zu benennen.»</p>
<p>Die Macher selbst scheren sich kaum um das schlechte Image ihrer Branche. «Wir erzählen keine Märchen», argumentieren sie. «Wir erzählen Geschichten.» Und: «Man wird als Leser ja wohl noch träumen dürfen.»</p>
<p>Ich halte es gerne mit dem holländischen Philosophen Baruch de Spinoza, der einmal sagte: Das, was Paul über Peter sagt, sagt mehr über den Paul aus als über den Peter.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/03/31/am-ende-des-regenbogens/">Am Ende des Regenbogens</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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