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	<title>Journalismus Y | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>«Was uns antreibt, ist der Umgang mit Steuergeld»</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Journalismus Y]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 03 May 2018 09:37:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Dossier.at]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Weil niemand ihre Recherche zur «Medienförderung» via staatlicher Inserate veröffentlichen wollte, gründete eine Gruppe österreichischer Medienschaffender die Plattform «Dossier». Seit der Gründung vor fünf Jahren ist «Dossier» zu einer zwölfköpfige Investigativ-Redaktion herangewachsen, die sich hauptsächlich mit Korruption und anderer problematischer Ver(sch)wendung öffentlicher Gelder beschäftigt. Journalismus Y hat für die Medienwoche «Dossier» in Wien besucht. Sahel <a href="https://medienwoche.ch/2018/05/03/was-uns-antreibt-ist-der-umgang-mit-steuergeld/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/05/03/was-uns-antreibt-ist-der-umgang-mit-steuergeld/">«Was uns antreibt, ist der Umgang mit Steuergeld»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Weil niemand ihre Recherche zur «Medienförderung» via staatlicher Inserate veröffentlichen wollte, gründete eine Gruppe österreichischer Medienschaffender die Plattform <a href="http://dossier.at/" rel="noopener" target="_blank">«Dossier»</a>. Seit der Gründung vor fünf Jahren ist «Dossier» zu einer zwölfköpfige Investigativ-Redaktion herangewachsen, die sich hauptsächlich mit Korruption und anderer problematischer Ver(sch)wendung öffentlicher Gelder beschäftigt. Journalismus Y hat für die Medienwoche «Dossier» in Wien besucht.</strong><br />
<img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/05/MW-Journalismus-Y-dossier-at_20180503.jpg" alt="" width="1456" height="976" class="alignnone size-full wp-image-56814" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/05/MW-Journalismus-Y-dossier-at_20180503.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/05/MW-Journalismus-Y-dossier-at_20180503-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/05/MW-Journalismus-Y-dossier-at_20180503-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/05/MW-Journalismus-Y-dossier-at_20180503-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/05/MW-Journalismus-Y-dossier-at_20180503-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
Sahel Zarinfard (29) ist Mitgründerin und Redakteurin bei Dossier. Sie leitet dort die «Dossier Academy», das sind zweitägige Journalismus-Workshops, die zehn bis zwölf Mal im Jahr für angehende, aber auch etablierte Journalistinnen und Journalisten stattfinden und in denen es um investigative Recherche, Datenjournalismus und Digital Storytelling geht. Nachfolgend das redigierte Transkript unseres Gesprächs mit Sahel Zarinfard.</p>
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<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Ich hab mal gehört, in Österreich kann man gar nicht Investigativjournalist werden, wenn man nicht mindestens ein Mal bei euch im Recherche-Workshop war. Stimmt das?</p>
</div><div class="answer"><h4>Sahel Zarinfard:</h4> <p>Witzig, von wem hast du das gehört? Wir machen das jetzt seit vier Jahren und es hat sich mittlerweile etwas etabliert und rumgesprochen, dass man in diesen zwei Tagen zumindest einen Einblick bekommt in das Handwerkszeug einer Investigativjournalistin. Wir bekommen relativ gutes Feedback, was uns angespornt weiterzumachen und es nicht nur in Wien sondern auch in fast allen Bundesländern anzubieten. Wir waren damit sogar schon ein Mal in der Schweiz, in Zürich und auch in Italien. Wir versuchen so weit wie möglich rauszukommen aus dem eigenen Biotop und neue Leute kennenzulernen, die bei Dossier anfangen möchten und mit uns gemeinsam Projekte umsetzen.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Ihr habt euch zusammengeschlossen, um selbstständig investigativen Journalismus zu machen – ausgerechnet diesen Bereich des Journalismus, der sich ökonomisch selten rechnet – warum habt ihr euch entschieden, genau das zu machen?</p>
</div><div class="answer"><h4>Sahel Zarinfard:</h4> <p>Also noch bevor es die Idee zur Gründung von Dossier gab, gab es eine konkrete Idee für eine Recherche. Wir wollten eigentlich gar kein Medium gründen, sondern wir wollten eine Recherche umsetzen und das Thema war, wie viel öffentliches Geld in der Tageszeitungen «heute», die eine Gratiszeitung ist, ausgegeben wird. Wir haben die zuständige Stadtregierung danach gefragt und als Antwort bekommen, dass es «wirtschaftlich nicht gerechtfertigt ist, diese Summe zu erheben». Das hat uns noch mehr motiviert, der Sache auf den Grund zu gehen und uns dieser Summe so weit wie möglich anzunähern. Also waren wir den ganzen Sommer 2012 in der Nationalbibliothek und haben uns sämtliche Ausgaben der «heute» ausgeben lassen und die Inserate händisch gezählt. So kamen wir auf eine Summe von 15&#8217;700 € pro Tag, die mit Steuergeldern für Inserate ausgegeben werden. Als wir diese Summe hatten und die Recherche fertig war und die Geschichten geschrieben waren, haben wir diese anderen Medien zur Veröffentlichung angeboten. Und jetzt muss man wissen, dass öffentliche Inserate in allen Zeitungen geschaltet werden und alle Zeitungen zu einem guten Teil durch diese finanziert werden und dass kaum jemand darauf verzichten kann. Das war wohl auch einer der Gründe warum unsere Recherche in keinem Medium Platz gefunden hat und wir dadurch gezwungen waren, eine eigene Website aufzustellen. Diese haben wir Dossier genannt. Daraus ist dann die Idee entstanden, investigativen Journalismus mit dem datenjournalistischen Ansatz in Österreich als eigenständige Redaktion zu etablieren und nicht ein angehängtes Ressort bei einem Medium zu sein.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Jetzt kann man davon ausgehen, dass ihr keine Inserate von der öffentlichen Hand bekommt – wie finanziert ihr euch?</p>
</div><div class="answer"><h4>Sahel Zarinfard:</h4> <p>Es war eine ganz bewusste Entscheidung, kein öffentliches Geld anzunehmen nicht nur aufgrund der Erstrecherche sondern auch aus dem Glauben heraus, dass investigativer Journalismus unabhängig sein muss und das garantieren können muss, deshalb nehmen wir keine Inserate, keine Werbung, kein öffentliches Geld. Das heisst wir mussten nach der Gründung erstmals darüber nachdenken, wie sich investigativer Journalismus überhaupt finanzieren lässt. Wie könnte ein Businessplan aussehen und wie finanziert man unabhängigen Journalismus. Dieser Prozess hat ein Jahr gedauert und seither haben wir ein Finanzierungsmodell, das auf drei Beinen steht Ein Standbein sind die Medienkooperationen, die wir eingehen. Das heisst wir bieten anderen Medien Geschichten und Rechercheideen an und setzen sie dann entweder alleine oder mit den Kollegen von diesem Medium um, bereiten es auf und veröffentlichen es in beiden Medien. Oder wir nehmen Auftragsarbeiten an, so wie zum Beispiel vom Privatsender Puls4. Da gibt es eine Sendung, die heisst «<a href="https://www.puls4.com/bist-du-deppert">Bist du deppert?</a>» wo es um «Steuergeldverschwendung und andere Frechheiten» – so lautet der Untertitel – geht. Wir recherchieren Fälle von Steuergeldverschwendung auf Bundes- und Landesebene und Comedians bereiten diese Recherchen dann komödiantisch auf. Das ist ein Standbein. Das zweite ist die Dossier Academy – dieses Weiterbildungsangebot, wo sich angehende und etablierte Journalistinnen und Journalisten bewerben können und zweitägige Kurse besuchen und so investigative Recherche, Daten- und Video-Journalismus und Multimedia lernen. Das dritte und für uns wichtigste Standbein sind unsere Mitgliedschaften. Man kann bei Dossier <a href="https://www.dossier.at/mitgliedschaft/">Mitglied werden</a> und unabhängigen Journalismus fördern. </p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Wie viele Leute seid ihr?</p>
</div><div class="answer"><h4>Sahel Zarinfard:</h4> <p>Als wir vor fünfeinhalb Jahren angefangen haben, waren wir zu fünft im Kernteam. In den letzten Jahren sind wir angewachsen auf zwölf Redakteurinnen und Redakteure, wobei fünf angestellt sind und die restlichen auf Werkvertragsbasis projektbezogen mitarbeiten. Das Ziel ist natürlich schon, so viele wie möglich auch fix anzustellen und Räumlichkeiten zu haben, wo wir fixe Arbeitsplätze anbieten können. Aber Einnahmen und Ausgaben haben sich in den fünf Jahren natürlich stetig erhöht, vor allem durch die Auftragsarbeiten und Medienkooperationen und durch die Projekte, die wir umgesetzt haben, können wir mittlerweile ein fixes Einkommen für die Festangestellten finanzieren und auch faire Löhne für unseren freien Mitarbeiter garantieren, die natürlich nach dem <a href="http://www.kollektivvertrag.at/kv/journalistische-mitarbeiter-innen-bei-oesterr-zeitschriften-und-fachmedien-ang">Kollektivvertrag für JournalistInnen</a> ausbezahlt werden.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Neben der TV-Sendung – mit welchen Partnern arbeitet ihr sonst noch zusammen?</p>
</div><div class="answer"><h4>Sahel Zarinfard:</h4> <p>Es gibt bestimmte Themen, da eignet sich ein bestimmtes Medium. Zum Beispiel haben wir über die Causa Grasser gemeinsam mit dem <a href="https://www.falter.at/">Falter</a> einen <a href="https://cms.falter.at/falter/grasser-special/">Comicfilm</a> produziert, der «Supernaked» heisst und es war naheliegend, dass wir das mit dem Falter zusammen umsetzen weil dieser zu diesem Thema viel recherchiert und veröffentlicht hat und auch zur Aufklärung beigetragen hat.</p>
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<p>Also es gibt bestimmte Themen, wo man gezielt zu einem Medium geht, das schon viel dazu gemacht hat und wir dann einen neuen Ansatz oder eine neue Idee einbringen und fragen, ob wir nicht zusammenarbeiten möchten. Es gibt aber auch Medien, die sich an uns wenden, manchmal auch ohne konkrete Idee, aber mit dem Wunsch, etwas mit uns zu machen und der Frage, ob uns etwas einfällt. Die Auftragsarbeiten funktionieren so, dass sich Produktionsfirmen oder Zeitungsredaktionen bei uns melden und sagen, «wir hätten gern zu diesem Thema diese konkrete Recherche, könnt ihr das leisten oder nicht?»</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Die etablierten Medien – wenn man von der Inserate-Recherche absieht, wo sie selbst betroffen waren – sollten ja eigentlich selbst investigativ recherchieren. Reicht das nicht, oder warum braucht es zusätzlich noch euch? Wie steht&#8217;s um den investigativen Journalismus in Österreich?</p>
</div><div class="answer"><h4>Sahel Zarinfard:</h4> <p>Davon gibt&#8217;s sicher nicht zu wenig – es gibt viele Investigativjournalistinnen und Journalisten in Österreich, in fast jedem Medium jemanden. Das Besondere an <a href="https://www.dossier.at/">Dossier</a> ist, dass wir ein eingespieltes Team von fünf bis zwölf Leuten sind, die auch wissen, welche Daten und Archive, welche investigativen Handgriffe es gibt, um auf ein bestimmtes Thema zu kommen oder ein Thema umfassend aufzuarbeiten. Ich glaube deshalb ist es so interessant, mit uns in Kontakt zu treten, weil es bei uns eine Redaktion gibt, die weiss, was sie macht. Es wäre um ein vielfaches kostspieliger, würde man das, was wir machen, hausintern produzieren lassen, weil unsere Recherche ja auch mal mehrere Monate dauern können.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>In einem Projekt habt ihr viele Asylheime besucht und den Zustand inspiziert.</p>
</div><div class="answer"><h4>Sahel Zarinfard:</h4> <p>Genau, wir nennen das Projekt «<a href="https://www.dossier.at/dossiers/asyl/meta/ueber-die-recherche/">Dossier Asyl</a>». Dafür waren wir im Sommer 2013 für drei Monate in drei Bundesländern, in Niederösterreich, in Salzburg und im Burgenland, und haben uns dort sämtliche Asylheime, die es gibt, angeschaut vor Ort und untersucht. Wir sind der Frage nachgegangen, wie werden Asylsuchende in Österreich untergebracht? Und zwar nicht nur, was die Unterbringung an sich angeht, sondern wie ist es um deren Verpflegung oder der Auszahlung des Taschengelds bestellt. Oder wie ist der persönliche Umgang des Betreibers oder der Betreiberin mit den Asylsuchenden. Im Vorfeld haben wir gemeinsam mit NGO-MitarbeiterInnen und Asylanwälten einen neunseitigen Kriterienkatalog entwickelt, um zu wissen, worauf wir achten sollten. Diesen Fragebogen haben wir gemeinsam mit den Asylsuchenden ausgefüllt – ich bin gebürtige Iranerin und kann deshalb Farsi und zu diesem Zeitpunkt waren die meisten Asylsuchenden auf Afghanistan und dort spricht man Dari, welches mit dem Farsi sehr nah verwandt ist, weshalb die Sprachbarriere sehr niedrig war. Hinterher haben wir mit Fotos und Videos dokumentiert, was wir gesehen haben. Das Ergebnis war, dass es in rund einem Drittel der Asylheime mangelhafte und teilweise wirklich desaströse Zustände gibt. Die Heime sind in keinem guten Zustand. In einem Drittel haben wir Schimmel in den Sanitäranlagen gefunden – teilweise auch in den Schlafräumen. Die Möbel waren defekt, die Küche war teils nicht instand. Wobei man natürlich dazu sagen muss, dass die Zustände in den anderen zwei Dritteln ganz ok waren, wobei wiederum im obersten Drittel die Dinge gut liefen, was aber oft die Heime waren, die von NGOs betrieben wurden. Man konnte schon erkennen, dass es da, wo Private am Werk waren, die keine sozialarbeiterischen Manieren und das nötige Fachwissen hatten, nicht so gut funktionierte. Da gab es Betreuer, die machten das zum Teil einfach wegen dem Profit, was grundsätzlich ok ist, wenn man damit sein Geld verdienen will, solange man garantieren kann, dass das Geld dafür ausgegeben wird, wozu es bestimmt ist, nämlich zur Verpflegung und Unterbringung der Asylsuchenden.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Das ist anwaltschaftlicher Journalismus, der jenen eine Stimme gibt, die sonst keine hätten. Ist das Teil eurer Philosophie?</p>
</div><div class="answer"><h4>Sahel Zarinfard:</h4> <p>Ja, es ist Teil davon. Es ist die Rolle von Medien und einzelnen Journalisten, dass sie dort sind, wo es Missstände gibt. Und das ist halt bei jenen Menschen, die keine Lobby oder die nötige Stimmgewalt haben, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Wir behandeln aber auch Themen, wo es eine starke Lobby gibt. So haben wir uns auch stark mit dem Glücksspiel beschäftigt, wo es mächtige Player gibt. Was uns antreibt, ist der Umgang mit Steuergeld, mit öffentlichem Geld und das Aufdecken von Missständen und Korruption in der Verwaltung. Das müssen nicht immer schutzbedürftige Menschen sein, aber die spielen in diesem Kontext des Aufdeckens natürlich eine Rolle.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Ist im Nachgang zur Asylrecherche noch etwas geschehen?</p>
</div><div class="answer"><h4>Sahel Zarinfard:</h4> <p>Ja, so wurde in Niederösterreich der Intervall der Kontrollen erhöht. Vorher waren sie alle sechs Monate, seither finden sie vier Mal im Jahr statt. Das war eine Reaktion, die man direkt auf die Recherche zurückführen kann. Es gab noch andere Dinge, wobei ich da vorsichtig bin und nicht behaupten möchte, dass das nur wegen uns war, weil ich unseren Journalismus viel weniger als Aktivismus sehe, sondern ich glaube, dass investigativer Journalismus darauf ausgerichtet sein sollte, Missstände aufzudecken. Was dann damit passiert, liegt dann nicht mehr in der Macht der Medien, sondern da müssen andere Kräfte wirken – kommen diese aus der Politik oder von NGOs oder aus der Zivilgesellschaft oder Rechtsanwälten, die sich aufgerufen fühlen, etwas zu unternehmen. Ich sehe meine Rolle eher darin, Dinge aufzuzeigen, statt sie anzuzeigen.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Ihr sucht auch nach neuen Darstellungsformen. Du hast den <a href="https://cms.falter.at/falter/grasser-special/">Comic zur Causa Grasser</a> angesprochen: Wie ist die Idee dazu entstanden?</p>
</div><div class="answer"><h4>Sahel Zarinfard:</h4> <p>Die Idee kam von Falter-Chefredakteur Florian Klenk, diese hatte er schon seit vier Jahren. Er wollte die Causa Grasser neu erzählen. Damals sah es danach aus, dass es wirklich zu einem Prozess kommen würde. Wir waren bemüht, eine Darstellungsform zu finden, wo man diese mittlerweile sieben- oder achtjährige Ermittlungsdauer in knapper, kurzer Unterhaltungsform darstellen kann und für jedermann und -frau zugänglich machen kann, die vielleicht nicht während der ganzen Zeit jedes Detail mitverfolgt haben. Wir wollten einen Überblick geben darüber, was überhaupt passiert ist, worum es ging und was auf dem Spiel stand. Das waren die recherche-leitenden Fragen. Wir hatten dann die Idee, das als Comic, als «animated graphic novel» und haben dann einen New Yorker Comickünstler gefunden, der begeistert war, das zu machen. Es war für ihn neu, etwas Politisches zu machen. Wenn man sich diese ganze Causa anschaut, sind da ja auch recht lustige Sachen passiert: die Schwiegermutter, die auf einmal involviert war in irgendwelche Zahlungen oder die Konten in Lichtenstein und ein Fahrer, der Bargeld mit dem Auto über die Grenze bringt. Es hatte für uns so etwas 70er-Jahre-Krimi-mässiges und so sind wir auf diese Darstellungsform gekommen und haben dann auch die Musik dementsprechend ausgewählt und das auch in so einem Stil erzählt, der sagt «da gibt es diese eingeschworene Gruppe von vier, fünf Männern und die haben einen Masterplan» und wir zeichnen diesen nach und halten uns natürlich an die Fakten, legen aber auch im Nachgang offen, an welchen Punkten wir die Fiktion gegenüber den Fakten etwas mehr haben spielen lassen, damit das Storytelling runder ist. Es gibt beispielsweise eine Szene, wo nach dem abgeschlossenen Deal alle auf einer Dachterrasse feiern. Vielleicht hat sich das in der Tat so zugetragen, wahrscheinlich aber nicht, das haben wir uns einfach so vorgestellt, dass sie das so zelebriert haben. In einem Artikel <a href="https://www.dossier.at/dossiers/supernaked/fakt-vs-fiktion/">Fakt vs. Fiktion</a> haben wir dies alles transparent gemacht.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Der Film ist auf Englisch gemacht – wieso das?</p>
</div><div class="answer"><h4>Sahel Zarinfard:</h4> <p>Dahinter stand der Gedanke, dass wir das Thema einem grösseren Publikum zugänglich machen wollten und weil wir uns dachten, dass, falls es zu einem Prozess kommen sollte – der Film war darauf angelegt, kurz vor dem ersten Prozesstag veröffentlicht zu werden – dass sich auch ausländische Medien dafür interessieren. Der zweite Gedanke war, dass wir mit der ungewöhnlichen Darstellungsform zeigen können, dass es auch in Österreich Redaktionen gibt, die sich mit innovativen Darstellungsformen beschäftigen.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Ist es gelungen, hat sich der Comic gut verbreitet?</p>
</div><div class="answer"><h4>Sahel Zarinfard:</h4> <p>Wir hatten viel Feedback. Nach der Veröffentlichung hat sich ein dänisches Medium bei uns gemeldet und hatte gleich die nächste Rechercheidee. Es kamen sehr viele Rückmeldungen zur Darstellungsform, auch viele Filmemacher haben sich bei uns gemeldet.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Für alle, die den Fall nicht so genau mitverfolgen – hab ich das richtig verstanden? Es ist noch nicht zum Prozess gekommen?</p>
</div><div class="answer"><h4>Sahel Zarinfard:</h4> <p>Doch, der erste Prozesstag war am 12. Dezember 2017 und wir haben ein paar Tage davor den Film veröffentlicht, wobei dieser zu diesem Zeitpunkt bereits drei oder vier Jahre alt war. In dieser Zeit gab es immer wieder Ankündigungen, dass der Prozess beginnt und wir waren immer wieder in Aufregung und haben alles angepasst – mehrmals, weil sich die Faktenlage immer wieder verändert hat. Als es dann tatsächlich so weit war, trauten wir den Ankündigungen kaum noch. Deshalb mussten wir letztendlich alles innerhalb von vier, fünf Tagen noch auf Kurs bringen. Aber es hat geklappt und wir waren überglücklich.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Die Schweiz und Österreich haben ja eine ähnliche Ausgangslage, beides kleine Länder, die medial stark nach Deutschland schauen, aber es gibt wenig Austausch. Wie würdest du einem Schweizer den Zustand der österreichischen Medien beschreiben?</p>
</div><div class="answer"><h4>Sahel Zarinfard:</h4> <p>Über österreichische Medien zu sprechen, heisst vor allem, über die Finanzierung von Medien zu sprechen. Es war kein Zufall, dass wir uns dem Thema Inserate als erstes angenommen haben, sondern das war ganz bewusst. Österreichische Medien werden zu einem grossen Teil durch öffentliche Mittel finanziert. Welche Auswirkungen das auf die Berichterstattung haben kann, kann man an einigen Medien recht offensichtlich erkennen; bei anderen Medien erst, wenn man einen tieferen Einblick bekommt, wenn man lernt, über welche Themen nicht berichtet wird.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>In der Schweiz spricht man nach «No Billag» über staatliche Presseförderung und viele sagen, das sei der einzige Ausweg aus der Medienkrise. Du siehst das kritisch – führt das in Österreich zu Hofberichterstattung oder wie muss man sich das vorstellen?</p>
</div><div class="answer"><h4>Sahel Zarinfard:</h4> <p>Bei uns gibt es auch eine offizielle Presseförderung. Die ist aber zu unterscheiden von den Rundfunkgebühren, die es bei uns auch gibt und die den öffentlich-rechtlichen ORF finanzieren. Es gibt aber auch eine Förderung der Printmedien. Das sind rund neun Millionen Euro pro Jahr. Doch im Vergleich dazu: Die öffentliche Hand hat in den letzten fünf Jahren in sämtlichen Printmedien Inserate für 900 Millionen Euro gekauft. Dieses Ungleichgewicht ist gravierend. Während die Presseförderungen nach klaren Kriterien vergeben wird, die auch an Qualitätsanforderungen geknüpft sind, werden die Inserate allein nach der Reichweite vergeben. In beiden Fällen kommt das Geld aber aus öffentlichen Mitteln. Also müsste man eigentlich in beiden Fällen auf die Qualität achten, das wird aber nicht gemacht. Dieses Ungleichgewicht zwischen der offiziellen und der inoffiziellen Presseförderung ist ausschlaggebend. Eine Forscherin und ein Forscher von der Universität Innsbruck haben sich im Vorfeld der Nationalratswahlen 2008 untersucht, wie sich die Berichterstattung in Relation zu den Ausgaben der Parteien für Werbung in den einzelnen Medien verhalten. Dabei haben sie gesehen, dass jene zwei Parteien, die am meisten Inserate geschalten haben – die SPÖ und die FPÖ – auch am meisten in der Berichterstattung erwähnt wurden und die Berichte waren positiv konnotiert.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Vielleicht zur Klärung: In der Schweiz erhalten die Parteien kaum Geld vom Staat. Ist das in Österreich anders?</p>
</div><div class="answer"><h4>Sahel Zarinfard:</h4> <p>Parteien erhalten eine Parteienförderung aus öffentlichem Geld, aber klar, sie finanzieren sich auch aus anderen Quellen wie Mitgliedschaften oder Unternehmungen, die sie führen.</p>
</div></p>
<p><small><em>Anmerkung der Redaktion: Die Parteien schalten die Inserate oft nicht im Namen der Partei, sondern des Ministeriums, dem die Partei vorsteht. Zum Beispiel:</em></small></p>
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<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Ein weiterer Aspekt, den die Schweiz und Österreich unterscheidet ist, dass es in Österreich kein Öffentlichkeitsgesetz gibt, das amtliche Dokumente grundsätzlich als öffentlich einstuft, ausser eine Behörde kann begründen, weshalb etwas geheim bleiben soll. Das macht die Arbeit für euch Investigativjournalisten bestimmt schwerer?</p>
</div><div class="answer"><h4>Sahel Zarinfard:</h4> <p>In Österreich gibt es in der Tat kein Informationsfreiheitsgesetz wie es das in Deutschland gibt. Es gibt zwei, drei Initiativen, die sich seit Jahren dafür einsetzen – unter anderem auch wir von Dossier. Wir haben Ende letztes Jahr ein Paper veröffentlicht zu «Fünf Jahren Transparenzpaket». Dieses Paket regelt auf Gesetzesebene, welche Sachen öffentlich sind, unter anderem seit 2012 auch die Ausgaben der öffentlichen Hand in Parteimedien, deshalb weiss man nun auch über diese Summe der knapp 900 Millionen Bescheid. Vorher wusste man das einfach nicht. Es gibt ein Auskunftspflichtgesetz, das aber eigentlich nur auf dem Papier existiert. Denn sollte es andere Gründe geben, weshalb dieses Gesetz nicht angewandt werden kann, beispielsweise der Datenschutz, was ja ein Klassiker ist, oder das Amtsgeheimnis, was in fast jedem Fall zutrifft, hat man einfach keinen Zugriff auf diese Daten.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Und wie geht ihr damit um?</p>
</div><div class="answer"><h4>Sahel Zarinfard:</h4> <p>In jenen Fällen, wo wir glauben, im Recht zu sein und mit rechtliche Beratung zum Schluss kommen, dass etwas ungerechtfertigt ist, legen wir Beschwerde ein. Aktuell sind wir mit einer Beschwerde vor dem Bundesverwaltungsgericht und versuchen an eine Information zu kommen, die öffentlich sein sollte. Es geht um eine öffentliche Schule, von der wir wissen wollten, wie viele Schüler dort angemeldet sind. Die Antwort war, dass dies dem Datenschutz des Schuldirektors unterliegt – eigentlich total abwegig, aber mich würde es nicht überraschen, wenn auch das Bundesverwaltungsgericht dies bestätigt.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Wow, das ist ja absurd.</p>
</div><div class="answer"><h4>Sahel Zarinfard:</h4> <p>Ja, das gehört zum österreichischen Journalismus irgendwie dazu. Deshalb wollten wir den investigativen Journalismus ja auch als eigenständige Redaktion etablieren, weil ich ja nicht nur in meinem eigenen beruflichen Alltag, sondern auch im Gespräch mit anderen Kolleginnen und Kollegen oft höre, dass wir Journalist/innen ja nur als Bittsteller an öffentlichen Stellen fungieren. Dass wir um Informationen bitten müssen, statt es der Öffentlichkeit einfach zusteht, das zu wissen. So ist leider die Kultur.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Jetzt haben wir viel über die Missstände geredet. Was würdest du dir für die österreichischen Medien wünschen für die nächsten fünf Jahre?</p>
</div><div class="answer"><h4>Sahel Zarinfard:</h4> <p>Ich würde mir wünschen, dass die Presseförderung grundlegend reformiert wird. Dass dieses inoffizielle Vergeben der Inserate in dieser Höhe nach hanebüchenen Kriterien aufhört. Wenn man dieses Geld wirklich für Medien ausgeben möchte, und das möchte man offenbar, warum investiert man dieses Geld nicht in die offizielle Presseförderung, die ja nach Qualitätskriterien vergeben werden. Mit dem Zusatz, dass es schön wäre, wenn man auch Online-Medien in die Presseförderung hineinnehmen würde, weil gefördert wird bisher nur Print und das würde ja dann eventuell auch zur Aufwertung der Online-Medien beitragen und diesen ermöglichen, als eigenständige Redaktion zu funktionieren und sich finanzieren zu können.</p>
</div></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/05/03/was-uns-antreibt-ist-der-umgang-mit-steuergeld/">«Was uns antreibt, ist der Umgang mit Steuergeld»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>«Inhaltlich sind wir für alles offen»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2018/04/02/inhaltlich-sind-wir-fuer-alles-offen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Journalismus Y]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Apr 2018 16:11:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Addendum]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>«Das, was fehlt» lautet das Motto der österreichischen Rechercheplattform Addendum. Seit einem halben Jahr nimmt eine rund 40-köpfige Redaktion gesellschaftliche und politische Brennpunkte unter die Lupe und publizierte die Ergebnisse als multimediale Dossiers. Finanziert wird Addendum über eine Privatstiftung von Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz. Wir haben mit Judith Denkmayr gesprochen. Sie leitet das zehnköpfige Team «Audience <a href="https://medienwoche.ch/2018/04/02/inhaltlich-sind-wir-fuer-alles-offen/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>«Das, was fehlt» lautet das Motto der österreichischen Rechercheplattform <a href="https://www.addendum.org/" rel="noopener" target="_blank">Addendum</a>. Seit einem halben Jahr nimmt eine rund 40-köpfige Redaktion gesellschaftliche und politische Brennpunkte unter die Lupe und publizierte die Ergebnisse als multimediale Dossiers. Finanziert wird Addendum über eine Privatstiftung von Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz. Wir haben mit Judith Denkmayr gesprochen. Sie leitet das zehnköpfige Team «Audience und Digitale Plattformen» der Rechercheplattform.</strong><br />
<iframe loading="lazy" src="https://w.soundcloud.com/player/?url=https%3A//api.soundcloud.com/tracks/422773470&amp;color=ff5500&amp;auto_play=false&amp;hide_related=false&amp;show_comments=true&amp;show_user=true&amp;show_reposts=false" width="100%" height="166" frameborder="no" scrolling="no"></iframe><br />
<div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Für alle, die noch nichts von Addendum gehört habt: Was ist Addendum?</p>
</div><div class="answer"><h4>Judith Denkmayr:</h4> <p>Gute Frage, wir sind selbst noch dabei, das zu definieren. Addendum ist eine Medienmarke, die auf verschiedenen Kanälen Inhalte publiziert. Dabei versuchen wir möglichst nicht-kommerziell-orientierte Inhalte zu produzieren – journalistische Inhalte. Das heisst, wir haben eine sehr recherchelastige Redaktion, wir haben ein Investigativ-Team, das relativ gross ist, wir haben Fachexperten und wir haben derzeit keine Werbefinanzierung. Das heisst, wir können ohne Werbe- und Reichweitendruck publizieren, Themen auswählen, gestalten.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Wie finanziert ihr euch dann?</p>
</div><div class="answer"><h4>Judith Denkmayr:</h4> <p>Das ist derzeit noch schwierig. Wir sind angetreten und haben gesagt, wir schauen im ersten Jahr einmal, was wir für unser Vorhaben an Budget brauchen und derzeit ist es so, dass im Hintergrund eine Stiftung steht und wir bestimmte Produktionen an Kunden schon verkaufen – zum Beispiel <a href="https://www.servus.com/at/im-kontext-die-reportage/" rel="noopener" target="_blank">«Im Kontext – die Reportage</a>» und die Stiftung <a href="https://qvv.at/" rel="noopener" target="_blank">Quo Vadis Veritas</a> trägt die Differenzsumme. Also zwischen dem, was wir nicht selbst erwirtschaften können, aber sehr wohl ausgeben.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Der Slogan von Addendum lautet: «Das was fehlt». Da fragt man sich natürlich: Was hat denn gefehlt?</p>
</div><div class="answer"><h4>Judith Denkmayr:</h4> <p>Das ist teilweise die sehr subjektive Wahrnehmung derer, die dieses Projekt gegründet haben, beziehungsweise dort jetzt auch mitarbeiten. Was gefehlt hat? Der österreichische Medienmarkt ist nicht sehr gross und er leidet ein bisschen darunter, dass die Medienkrise, die viele Medien in den letzten Jahren gespürt haben, jetzt so richtig bei uns ankommt. Das führt unter anderem dazu, dass wichtige Geschichten nicht recherchiert werden, weil jeder Journalist jeden Tag eine Geschichte bringen muss. Da bleiben Dinge im argen, da werden Hintergründe nicht beleuchtet, da werden manche Themen einfach ausgespart, weil man weiss: Das ist kommerziell – entweder für die Marke oder grundsätzlich für den österreichischen Medienmarkt – nicht so spannend. Teilweise wird zu wenig in Bilder investiert, in Videocontent und alles was im Ausland stattfindet wird von zwei, drei Korrespondenten in manchen Regionen für den ganzen deutschsprachigen Raum abgedeckt. Das waren die Dinge, wo wir fanden, die fehlen und das wollen wir ändern.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Addendum hat ja ein spezielles Format – die Art wie ihr publiziert und mit wievielen Leuten. Kannst du das kurz erläutern?</p>
</div><div class="answer"><h4>Judith Denkmayr:</h4> <p>Wir haben uns etwas reissbrettmässig vorgenommen, dass wir sogenannte «Projekte» machen und jedes Projekt hat einen gewissen Zeitraum, wo wir nur an diesem Projekt recherchieren. Wir haben das mal festgelegt auf ungefähr sechs Wochen. Das hatte auch damit zu tun, dass wir ja unter anderem eine Film-Reportage von 45 Minuten (im Kontext, Anm. d. Red.) zum Thema machen. Das macht man ja nicht von heute auf morgen. Und der Grundgedanke war, dass man diese Teams rund um die Themen aufstellt. Das heisst: Für Thema X benötigen wir einen TV-Experten, einen juristischen Experten, einen Rechnungshofprüfer, einen Bildungs-Experten, jemand der das Visuelle fürs Web umsetzt oder was auch immer das Thema verlangt. Das war der Plan. Und eine Zeit lang haben wir das auch gemacht, wir sind nun aber dabei, das etwas zu adaptieren weil wir schon gemerkt haben, dass wir gerne nachziehen würden, wenn nach der Publikation noch etwas passiert. Oder wenn etwas kommt, das zwar zum Thema passt, aber nicht 100 Prozent deckungsgleich ist mit unserem Projekt, wir aber doch gerne darüber berichten möchten: Dafür haben wir jetzt eine News-Sektion angelegt. Der Grundgedanke bleibt aber, dass wir ein Thema angehen, sagen, was fehlt, was zum Thema noch nie so recherchiert wurde, welche Fakten in der tagesaktuellen Berichterstattung eher zu kurz kommen, Daten, die bisher nicht dargelegt wurden, die vielleicht ein anderes Bild zeigen, das man bisher nicht kannte, weil sie schwierig auszuwerten sind.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Ihr seid seit etwas mehr als einem halben Jahr live – Zeit für eine kurze Zwischenbilanz. Was hat funktioniert? Was nicht?</p>
</div><div class="answer"><h4>Judith Denkmayr:</h4> <p>Verbesserungspotential gibt&#8217;s natürlich genug, da sind wir durchaus selbstkritisch. Schon allein die Textlänge ist etwas, wo wir immer wieder hören, dass sie viel zu lang ist. Da sind wir einerseits in unserem eigenen Anspruch etwas gefangen, dass wir im Netz nicht immer alles verkürzt darstellen wollen, was uns wichtig ist. Und auf der anderen Seite kriegen wir natürlich das Feedback «es würde mich zwar wahnsinnig interessieren, aber ich hab nicht so viel Zeit, ich hab das Gefühl immer nur die Hälfte lesen zu können und dann bin ich unbefriedigt, weil&#8217;s kein Erfolgserlebnis ist, weil ich&#8217;s nicht schaff, das ganze Thema aufzugreifen». Das hören wir oft und hadern, weil es wirklich unser eigener Anspruch ist, der dem Anspruch der User entgegensteht, und ohne User sind wir nichts. Wenn wir ein Nachschlagewerk werden wollen, ist das auch schön, aber das ist nicht das Ziel. Das heisst da gibt&#8217;s auf jeden Fall Verbesserungsbedarf. Auch in der Produktion sind wir zum Teil sehr gestresst – es ist alles sehr aufwändig, sodass wir die visuelle Umsetzung nicht so vorausdenken können, wie wir&#8217;s gerne würden. Aber eins war uns wichtig: Wir wollten nicht von Beginn weg «Geschichten» recherchieren, sondern Themen und dann nach einer Zeit entscheiden, welche Geschichte sich daraus ergibt. Wenn man das dann beginnt, visuell umzusetzen, ist die Zeit schon relativ knapp. Das ärgert uns und da wollen wir noch besser werden. Was gut gelingt: Wir merken schon, dass wir in der Themenauswahl oder in der investigativen Recherche durchaus ein Händchen haben und sich nach zwei, drei Monaten das Investigativ-Team gut eingespielt hat. Das ist sehr befriedigend, weil das ist so aufwändig, das ist so heikel, weil meistens wenn in Österreich eine investigative Geschichte kommt, dann hat die jemand absichtlich geleakt und jemand will, dass da etwas rauskommt. Und da Dinge aufzudecken, die niemand leakt, sondern wo man dranbleibt und recherchiert und recherchiert, dass wir das mittlerweile öfter hinkriegen, das ist sehr schön.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Die NZZ hat über euch einmal geschrieben, eure Seite fühle sich eher an wie eine Wikipedia als ein journalistisches Produkt. Das scheint durchaus Absicht. Glaubst du nach sechs Monaten, dass das ein Konzept ist, das funktioniert?</p>
</div><div class="answer"><h4>Judith Denkmayr:</h4> <p>Ich glaube wir müssen da schon noch an der Mischung arbeiten. Das heisst mehr Aktuelles, mehr kleinteilige Sachen, die auch schnell konsumierbar sind, aber inhaltlich trotzdem gut. Und gleichzeitig aber auch die Hintergründe liefern. Unser Gedanke war am Anfang «es ist ja schön, wenn wir uns alle informieren und diskutieren, aber wenn wir dies auf einer unvollständigen Faktenbasis tun, ist das ein Problem». Klar, nicht jeder interessiert sich für die umfassende Faktenbasis, aber manche schon. Und diese an einem Ort aufbereitet zu haben, ist nicht schlecht. Diesen Wikipedia-Ansatz wollen wir also beibehalten. Wir werden wohl nicht mehr so umfassend sein, aber der Grundgedanke bleibt.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Wie viele Leute arbeiten bei euch?</p>
</div><div class="answer"><h4>Judith Denkmayr:</h4> <p>Derzeit sind wir ungefähr 45, wenn ich mich nicht täusche. Zehn Leute machen ausschliesslich TV. Es kommen nochmal ein paar dazu, also am Schluss ungefähr 50. Darüber hinaus kann ich nicht sagen, ob wir noch wachsen. Hängt natürlich auch davon ab, ob wir uns entscheiden noch mehr Inhalte zu produzieren. Wahrscheinlich haben wir in Österreich eines der grössten Investigativ-Teams – das sind fünf oder sechs Leute.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Die Arbeit klingt aufwändig, gleichzeitig habt ihr keine Werbung, man kann noch gar nicht spenden. Wie läuft die Finanzierung? Hab ich das richtig verstanden, dass Herr Mateschitz dahinter steht?</p>
</div><div class="answer"><h4>Judith Denkmayr:</h4> <p>Er ist einer der Hauptstifter, ja.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Kommen wir zum Inhaltlichen: Andere Medienhäuser haben bei eurem Start berichtet und euch unter anderem als «Breitbart aus den Alpen» bezeichnet. Was sagst du dazu? Wehrst du dich gegen diese Einschätzung?</p>
</div><div class="answer"><h4>Judith Denkmayr:</h4> <p>Ich denke wenn du auf unserer Seite warst, wirst du merken, wir sind kein Meinungsportal. Das <a href="http://www.sueddeutsche.de/medien/neues-onlinemagazin-addendum-breitbart-aus-den-alpen-1.3683692" rel="noopener" target="_blank">«Breitbart aus den Alpen»</a> ist eine sehr dumpfe Polemik, die dann auch in dem besagten Artikel gar nicht so dargestellt worden ist. Da gab&#8217;s natürlich sehr viel Polemik und man muss schon sagen, als wir gestartet sind, hatten wir eine Idee, aber da gab&#8217;s kein Konzept, da gab&#8217;s keine Zeitplan, keine Marke, keinen Namen, nichts! Es gab nur den Namen der Stiftung (<a href="https://qvv.at/" rel="noopener" target="_blank">Quo vadis Veritas</a>, Anm. d. Red.). Dieses Vakuum an Information hat dazu geführt, dass manche Kollegen was erfunden haben und andere etwas abgeschrieben haben. Und das war schon sehr bezeichnend, wenn man überlegt, was wir machen wollen. Nämlich das, was fehlt. Wenn man sich jetzt anschaut, wer an Bord ist, dann kommt niemand aus einer rechten Ecke.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Wie läuft die inhaltliche Ausrichtung? Wie legt ihr eure Themen fest? Gibt es Schwerpunkte?</p>
</div><div class="answer"><h4>Judith Denkmayr:</h4> <p>Inhaltlich sind wir für alles offen. Jeder Mitarbeiter – auch ich aus dem Marketing – darf Themen einwerfen. Die Themen werden anhand eines einseitigen Konzepts diskutiert und dann entscheiden wir, ob es gross genug ist, um einen Film dazu zu machen oder wo es genug Inhalte gibt, die fehlen. Manche Dinge machen wir nicht, weil wir der Meinung sind, dass eine Tageszeitung oder ein Magazin das besser kann.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Die aktuellste Videoreportage heisst «Brennpunkt Schule – machtlos gegen islamische Einflüsse», wenn man das liest, sieht man darin vielleicht auch eine Polemik. Kannst du kurz erläutern worum es geht und wie das zustande gekommen ist?</p>
</div><div class="answer"><h4>Judith Denkmayr:</h4> <p>Wir haben eine längere Recherche zum Thema Kindergärten gemacht und was ich von den Redaktions-Kollegen weiss – ich selbst bin ja im Audience Management tätig – ist, dass sie im Zug dieser Recherche auf das Thema Schule gekommen sind. Weil Leute sie darauf aufmerksam gemacht hätten. Und da gab&#8217;s diese Dame, die auch <a href="https://www.addendum.org/schule/islam-in-der-schule/" rel="noopener" target="_blank">im Video vorkommt</a>, die uns gesagt hat, sie sei jetzt bereit darüber zu reden, obwohl man ihr davon abgeraten habe, obwohl man ihr gesagt hat, sie dürfe das nicht, weil sie findet, das sei sehr dringlich. Aus diesem Gespräch ist dann das Projekt entstanden. Wir haben rundherum recherchiert, versucht Daten zu bekommen, gemerkt, dass es in unterschiedlichen Behörden unterschiedliche Daten gibt und dann festgestellt, dass es eigentlich zumindest ein kleines Thema ist, mit dem wir zwei, drei Tage füllen. Die Zuspitzung des Titels ist halt nach wie vor journalistisch. Klar, man könnte es auch anders formulieren, aber ein bisschen journalistisch müssen wir halt schon bleiben und bei dem Titel sieht man halt einfach, worum es geht.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Wir treffen uns hier in einem Co-Working-Space: Gibt es noch keine eigenen Immobilien?</p>
</div><div class="answer"><h4>Judith Denkmayr:</h4> <p>Wir haben eine gekauft, aber die wird noch umgebaut. Deshalb sitzen wir sonst in einem Interims-Büro voll aus Glas und da wärs schwierig geworden, einen Podcast aufzunehmen, aber bestenfalls sitzen wir dann ab Sommer im neuen Büro <a href="https://www.google.ch/maps/place/Neubau,+1070+Wien,+%C3%96sterreich/data=!4m2!3m1!1s0x476d07ccbade74b1:0x84de68086732c629?sa=X&#038;ved=0ahUKEwixhpr39ZDaAhWGPRQKHaznBmgQ8gEIwAEwCw" rel="noopener" target="_blank">im siebten Bezirk Wiens</a>.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Wie einfach ist es, längere Stücke, die ein Mal pro Woche kommen auf Social Media zu vermarkten? Ich stell mir das noch kompliziert vor.</p>
</div><div class="answer"><h4>Judith Denkmayr:</h4> <p>Es ist nicht leicht, ja. Ich komme ja aus dieser Social-Media-Ecke und habe das früher schon fürs Fernsehen gemacht, aber auch für viele Brands und es hat natürlich seine Schwierigkeiten, weil Social Media so ein bisschen die Gegenthese ist zu dem, was wir sind. Nicht zu viel zu verkürzen, eher längere Inhalte, nicht zu sehr zu polemisieren. Wir könnten es uns so viel einfacher machen. Manchmal geraten wir so ein bisschen in Versuchung – grundsätzlich funktioniert es aber. Manchmal sprechen die Themen, egal wie komplex sie sind, aber doch für sich selber. Man merkt da einen grossen Unterschied zwischen Twitter und Facebook, auch Youtube hat wieder ein Eigenleben. Bei Twitter wissen wir ganz genau, dass gewisse Dinge laufen. Zum Beispiel <a href="https://politometer.addendum.org/" rel="noopener" target="_blank">unser Politometer</a>, bei dem wir im österreichischen Parlament dokumentieren, welche Abgeordnete, wie abstimmen. Das gibt es leider noch nicht von offizieller Stelle. Bei anderen Themen, zum Beispiel bei der Homöopathie, waren auf Twitter eher die Skeptiker anzutreffen, auf Facebook eher die Befürworter. Wir könnten noch viel mehr zuspitzen, aber wie legitim ist es? Wir bemühen uns schon manchmal, ich will jetzt nich sagen, seriös zu sein, weil mein Chef immer sagt «wenn man ausreichend seriös ist, kann man auch langweilig dazu sagen». Es ist eine Gratwanderung, dass wir den ethischen Anspruch und den Informationsanspruch, den wir an uns stellen, erfüllt und trotzdem nicht alle zu Tode langweilt.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Gibt&#8217;s Themen, die besonders gut angekommen sind?</p>
</div><div class="answer"><h4>Judith Denkmayr:</h4> <p>Da gibt&#8217;s einige. Für mich die grösste Überraschung war <a href="https://www.addendum.org/bundesheer/" rel="noopener" target="_blank">das Thema Bundesheer</a>, das war wohl in Österreich ziemlich «underreported». Es gab schon länger keine TV-Dokus mehr dazu. In Österreich streitet man seit Jahrzehnten um die <a href="https://www.addendum.org/bundesheer/eurofighter/" rel="noopener" target="_blank">Eurofighter</a>. Das ist sowohl auf Facebook als auch auf Twitter gut gelaufen. Das hat mich sehr überrascht. Ein anderes Thema war der Platzverbrauch, wo es um Fragen ging wie «wie viel Platz haben wir noch?». Eigentlich ein unsexy Thema. Man kann datenjournalistisch aufbereiten, wie viel eine Gemeinde an Platz noch zu verbrauchen hat, aber auch das klingt eigentlich nach einem Gähner. Aber weil das Thema nicht so bekannt war, haben die Leute begonnen, sich damit zu beschäftigen. Es gibt halt auch viele Häuslebauer in Österreich, die dazu natürlich auch etwas zu sagen haben. Ansonsten bei manchen Themen gibt es halt ein Reisserstück, das alle interessiert und welches das ganze Thema mitzieht. Beim Thema Glücksspiel war&#8217;s, dass wir <a href="https://www.addendum.org/gluecksspiel/firmenkonstrukt-novomatic/" rel="noopener" target="_blank">Informationen hatten</a>, wie ein Casino-Verkauf sich auswirken kann. Ein weiteres Stück ging um Demokratie, da hatten wir exklusive Informationen über die <a href="https://www.addendum.org/demokratie/koalition-verhandler/" rel="noopener" target="_blank">Koalitionsverhandler</a> das hat auch gut funktioniert.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Ihr experimentiert auch mit neuen Formen der Interaktion – bei der Homöopathie konnte man beispielsweise angeben, ob man daran glaubt auf einer Skala von null bis hundert. Was wisst ihr sonst noch über eure User?</p>
</div><div class="answer"><h4>Judith Denkmayr:</h4> <p>Dieses Tool, das du ansprichst, ist ein externes Tool namens Opinary, das wir testen. Das ist natürlich der Versuch, Interaktion einmal auszuprobieren. Es hat ganz gut funktioniert. Ansonsten planen wir da schon noch mehr in Richtung User-Community. Das war immer der Plan, aber nachdem wir ja sehr kurzfristig gelauncht haben – wir hatten für die Produktion der Website gerade einmal drei Monate, weil wir noch vor der Nationalratswahl relativ schnell launchen wollten und diese kam ja einigermassen überraschend, sie wurde vorgezogen. Deshalb haben wir die User-Community noch nicht gelauncht, wollen wir aber nachholen. Ansonsten sind wir da noch eher bescheiden. Opinary ist deshalb dankbar, weil es dir Engagement-Rate erhöht. Ein ein gar nicht so geringer Anteil der Leute, die den Artikel lesen, nehmen dann anschliessend an dieser sehr niederschwelligen Umfrage teil.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Auf eurer Seite kann man nicht kommentieren, nur auf Facebook. Aber Facebook hat kürzlich nochmal zu Ungunsten von Medien am Algorithmus geschraubt. Spürt ihr das?</p>
</div><div class="answer"><h4>Judith Denkmayr:</h4> <p>Derzeit noch eher geringfügig. Wir waren auf Facebook noch nicht so gross wie andere Medien und wir hatten auch nicht diesen viralen Content. Das heisst wir waren gar nicht so betroffen von diesen Änderungen. Unser Ziel auf Facebook ist es natürlich, Inhalte auszuspielen, aber vor allem auch E-Mail-Adressen für Newsletter generieren. Wir haben für jedes Thema einen Newsletter. Nachdem ich jetzt doch schon einige Jahre mit Facebook zu tun habe, weiss ich Facebook sehr zu schätzen, aber kenne auch die Strategieänderungen schon und bin der Meinung, man sollte schauen, dass man sich auf der sicheren Seite hält. Denn Facebook hat meine Fans in Geiselhaft und ich muss von diesen Fans möglichst viele Daten bekommen, die ich auch ausserhalb von Facebook nutzen kann. Also vor allem E-Mail-Adressen.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Hat sich im Laufe der Zeit eine gewisse Zielgruppe – ein Stammpublikum herausgebildet?</p>
</div><div class="answer"><h4>Judith Denkmayr:</h4> <p>Wir wollten effektiv keine Zielgruppe definieren. Das ging von den Journalisten aus. Sie sagten explizit «wir wollen nicht für eine Zielgruppe schreiben, wir haben das satt, wir halten das für schädlich». Also hatten wir keine und wir haben auch jetzt nicht wirklich eine definiert. Wer mit dem aktuellen Marketing-Vorgehen vertraut ist – Customer Journeys und solches – der weiss, man arbeitet oft mit Personas. Man versucht anhand dessen, was man über seine spezifischen User anhand von Daten weiss, Archetypen festzulegen. Da würd ich sagen, wir haben Archetypen wie Journalisten, die sehr genau wissen wollen, was andere Medien schreiben und ob es neue Erkenntnisse gibt und ob sie selbst eine Geschichte darauf aufbauen könnten. Dann gibt&#8217;s die richtigen News-Junkies, die alles lesen wollen, die wollen unseren Whatsapp-Service, die kriegen unseren Investigativ-Newsletter. Politiker, Leute aus der Verwaltung, Leute aus Lobby-Betrieben, die haben natürlich unsere Services auch abonniert, weil sie dran bleiben müssen. Dann haben wir eine grosse Community von Leuten, die einfach gern längere Texte lesen. Die sind oft etwas älter, gebildeter und zu einem nicht unwesentlichen Teil männlich. Diese lesen Texte auch noch deutlich später, melden sich, bringen Themenvorschläge.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Eher urban oder zieht sich das durch ganz Österreich?</p>
</div><div class="answer"><h4>Judith Denkmayr:</h4> <p>Wir haben eine gewisse Schlagseite, aber wir haben jetzt auch drei Bundesländer-Schwerpunkte zu den jeweiligen Landtagswahlen gemacht: Niederösterreich, Kärnten und Tirol. Das hat jetzt unser urbanes Ost-Gefälle etwas verbessert. Aber tendenziell haben wir in Ballungszentren mehr User.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Die Schweiz und Österreich haben gewisse Gemeinsamkeiten aber auch grosse Unterschiede. Wie würdest du einem Schweizer das österreichische Medienlandschaft erklären?</p>
</div><div class="answer"><h4>Judith Denkmayr:</h4> <p>Da gibt&#8217;s einige grosse Konzerne und einen grossen öffentlich-rechtlichen Player. Und sonst gibt&#8217;s da nicht viel. Es gibt den Raiffeisen-Konzern, zu dem viele Medienmarken gehören, z.B. der «Kurier», aber auch «Profil». Da hängt vieles zusammen. Die Kronenzeitung gehört über Mediaprint zum Beispiel auch dazu. Ich würde die österreichische Medienbranche als sehr eng vernetzt und mit sehr wenigen Eigentümern bezeichnen. Auch im Privat-Fernsehen gab es vor eineinhalb Jahren einen Zusammenschluss zwischen ATV und Puls 4, die vorher Platz zwei und drei am <a href="http://der.orf.at/medienforschung/fernsehen/marktanteil/index.html" rel="noopener" target="_blank">österreichischen TV-Medienmarkt</a> (hinter den deutschen Privatsendern, Anm. d. Red.) waren. Also auch da eine zunehmende Konzentration. Politische Magazine gibt&#8217;s in Österreich eigentlich nur zwei und auch dieses haben nicht mehr die Bedeutung, die sie einmal hatten. Weil wir sind halt auch nur der Wurmfortsatz am deutschen Markt. Das heisst, deutsche Magazine, deutsche Talkformate, deutsches Fernsehen wird in Österreich mehr konsumiert als die österreichischen Privat-TV-Formate. Das macht den Markt nochmal speziell schwierig für österreichische Themen, weil er ist ohnehin schon sehr klein und Nischenthemen kann sich kaum einer leisten.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Servus-TV wird auch von Mateschitz finanziert. Gibt es da eine Zusammenarbeit?</p>
</div><div class="answer"><h4>Judith Denkmayr:</h4> <p>Wir machen das Reportageformat «Im Kontext» für <a href="https://www.servus.com/at/tv/" rel="noopener" target="_blank">ServusTV</a>. Aber ansonsten nicht wirklich.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Wie soll&#8217;s mit Addendum weitergehen? Gibt&#8217;s erste Learnings?</p>
</div><div class="answer"><h4>Judith Denkmayr:</h4> <p>Es gibt eine kleine Konsolidierung, dass wir sagen, wir müssen jetzt nicht mehr pro Projekt 20 Artikel raushauen sondern konzentrieren uns lieber auf knappere, knackigere, kürzere. Dafür können wir vielleicht mehr Themen angehen. Wir werden wahrscheinlich auch online noch mehr machen. Wir planen, aber das meiste ist noch nicht entschieden – noch nicht spruchreif.</p>
</div></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/04/02/inhaltlich-sind-wir-fuer-alles-offen/">«Inhaltlich sind wir für alles offen»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>«Eigentlich ein gutes Beispiel für die direkte Demokratie»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2018/03/02/kaspar-surber-zum-no-billag-abstimmungskampf-eigentlich-ein-gutes-beispiel-fuer-die-direkte-demokratie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Journalismus Y]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 02 Mar 2018 11:14:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Kaspar Surber]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=54298</guid>

					<description><![CDATA[<p>Der Streit um die  wichtigste medienpolitische Vorlage der letzten Jahre – die «No Billag»-Initiative – ist auch an uns nicht spurlos vorbeigegangen. Zusammen mit Kaspar Surber, neuer Co-Redaktionsleiter der WOZ, schauen wir auf einen intensiv geführten Abstimmungskampf zurück. Was sagt er über den Zustand der Medien in der Schweiz aus?</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/03/02/kaspar-surber-zum-no-billag-abstimmungskampf-eigentlich-ein-gutes-beispiel-fuer-die-direkte-demokratie/">«Eigentlich ein gutes Beispiel für die direkte Demokratie»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der Streit um die  wichtigste medienpolitische Vorlage der letzten Jahre – die «No Billag»-Initiative – ist auch an uns nicht spurlos vorbeigegangen. Zusammen mit Kaspar Surber, neuer Co-Redaktionsleiter der WOZ, schauen wir auf einen intensiv geführten Abstimmungskampf zurück. Was sagt er über den Zustand der Medien in der Schweiz aus?</strong></p>
<p><iframe loading="lazy" src="https://w.soundcloud.com/player/?url=https%3A//api.soundcloud.com/tracks/406940424&amp;color=ff5500&amp;auto_play=false&amp;hide_related=false&amp;show_comments=true&amp;show_user=true&amp;show_reposts=false" width="100%" height="166" frameborder="no" scrolling="no"></iframe></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Du hast ja den Abstimmungskampf am 26. Oktober mehr oder weniger lanciert hat mit deinem Beitrag «Was, wenn der Sprengsatz detoniert?» Warum ist das damals eigentlich so früh losgegangen, der «No Billag»-Abstimmungskampf?</p>
</div><div class="answer"><h4>Kaspar Surber:</h4> <p>Es freut mich natürlich, wenn ihr denkt, dass mein Artikel den Abstimmungskampf lanciert hat. Das waren sicherlich auch noch andere, die dazu beigetragen haben. Ich denke, es waren zwei Gründe: Das «No Billag»-Komitee selbst war ja wenig verankert in den etablierten Parteien, doch dann äusserte sich die SVP und vor allem Christoph Blocher, dahingehend, dass sie die Initiative wohl unterstützen werden. Ich denke ausserdem, dass sie noch mehr Geld in den Abstimmungskampf geworfen hätten, wäre dieser etwas anders verlaufen. Ich glaube sie haben irgendwann gemerkt, dass es wohl nicht reichen wird. Der zweite Grund war sicher der, dass es 2017 keinen Abstimmungstermin im November gab. Just bei dieser wichtigen Abstimmung hatte man also sechs Monate Zeit für eine Diskussion.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Diese Länge war wirklich rekordverdächtig.</p>
</div><div class="answer"><h4>Kaspar Surber:</h4> <p> So etwas haben wir glaube ich wirklich noch nie erlebt. Man spürt jetzt auch eine Ermüdung. Mir scheint, die Diskussion war ungefähr Ende Januar beendet. Das Zweite ist schon, dass diese Abstimmung ganz grundsätzliche Fragen aufwarf zu einem sehr relevanten Thema. Es ist eine radikale Initiative, die eine Abschaffung des öffentlich finanzierten Rundfunks bedeuten würde und ich glaube, das haben die Leute zunehmend verstanden. Mir scheint, es fand eine sehr genaue Meinungsbildung statt, das hat durchaus sein Gutes. Ähnlich wie bei der Durchsetzungsinitiative ist sehr genau argumentiert worden, was die Folgen einer Annahme wären. Eigentlich ein gutes Beispiel für die direkte Demokratie, die findet nicht nur die SVP gut – ich find die auch gut.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Anfangs Oktober gab es eine Umfrage des Verlegerverbands, die besagte, dass damals eine Mehrheit die Initiative angenommen hätte. War die Umfrage schlecht gemacht oder war das zu diesem Zeitpunkt effektiv so?</p>
</div><div class="answer"><h4>Kaspar Surber:</h4> <p> Ich glaube, das war schon korrekt. Ich interpretiere daraus vor allem, dass effektiv ein starker Meinungsbildungsprozess stattgefunden hat. Man beobachtet ja bei Initiativen oft, dass sie im Laufe des Abstimmungskampfs an Boden verlieren. Aber mich hat schon überrascht, dass man einen so deutlichen Meinungsumschwung messen konnte. Ich fand es spannend zu sehen, wie verschiedene Akteure abwarteten um zu schauen, wohin der Wind weht. Und die Befürworter haben keinen Wind in die Segel bekommen. Jene, die durchaus Geschäftsinteressen hätten bei einem «No Billag»-Ja, sind daraufhin verschwunden aus der Auseinandersetzung.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Wie haben sich die verschiedenen Medien angestellt in diesem Abstimmungskampf?</p>
</div><div class="answer"><h4>Kaspar Surber:</h4> <p> Relativ opportunistisch. Ich fand es sehr spannend, das zu beobachten. Ringier hat früh eine starke Unterstützung der Initiativ-Gegner lanciert – ich denke da an die Jodler und Ländler-Freunde, die an Einfluss verlieren würden, warnte der «Blick». Tamedia hingegen hat als Konzern stark laviert. Man konnte das gut sehen im Verlegerverband, der von Pietro Supino, dem Tamedia-CEO, präsidiert wird. Dieser hat lange keine Parole gefasst. Eigentlich erst im Zuge der ersten SRG-Umfragen entschlossen sie sich, die Nein-Parole durchzugeben. Nun muss man natürlich sagen, dass das die Unternehmenslinien sind, nicht die publizistischen. Den Journalisten stand es sicherlich frei, was sie schreiben wollen, aber es wurde für kritische Journalisten sicher schwierig, sich gegen das eigene Haus zu stellen. Wir Journalisten wissen ja, dass es keine Direktive gibt, aber es gibt natürlich eine Schere im Kopf.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Eine schräge Episode fand ich, als Hans-Ulrich Bigler plötzlich seinen eigenen Plan B präsentierte. Was ist da eigentlich genau passiert, als er sich einmischte? Er war ja nicht selbst Initiant des Anliegens.</p>
</div><div class="answer"><h4>Kaspar Surber:</h4> <p>Er hat sich eingemischt, weil er damals beim RTVG-Referendum so knapp scheiterte. Gewerbeverbandsdirektor Bigler ist Ausdruck davon, dass es sich effektiv um einen hochideologisierten Abstimmungskampf handelte. Den libertären Initianten ist es um ihre schöne Welt gegangen, die so ganz ohne Staat funktioniert. Dabei ist das Beispiel der Medien genau eines, das zeigt, dass das eben hinten und vorne nicht funktioniert. Die Gelder würden alle ins deutsche Privatfernsehen abwandern, zu Google, zu Facebook. Bigler ist von einer Mission getrieben, diese Gebühren zu bekämpfen und sieht offenbar nicht, dass ein grosser Teil seines Verbands dies nicht mehr mitträgt. Schliesslich läuft ja in vielen Gewerbebetrieben den ganzen Tag das Radio. Wer weiss, ob er nicht vielleicht bald seinen Posten abgeben muss. Die politische Diskussionskultur in diesem Land würde sicher keinen Schaden nehmen.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Kurz vor Ende ist ja noch dieses Interview, beziehungsweise «No Interview» der BaZ herumgereicht worden. Ich habe gehört, die WOZ hatte ebenfalls einmal eine solche Episode mit Olivier Kessler?</p>
</div><div class="answer"><h4>Kaspar Surber:</h4> <p>Ja, vor einem Jahr berichteten wir davon, dass dem Komitee die Leute davonlaufen wegen Oliver Kessler, wie einzelne sagten. Es wurde dann auch bekannt, dass er bei Ivo Sasek auftrat und wir wollten ihn mit diesen Dingen konfrontieren. Er beantwortete uns lediglich per Mail sehr ausführlich einige Fragen und beharrte darauf, diese integral abgedruckt sehen zu wollen. Unsere Kürzungsvorschläge akzeptierte er nicht, weshalb wir dann gar nichts druckten und so kenntlich machten. Er drohte uns mit einer Klage, die dann aber zum Glück nie eintraf. Ich kann ja verstehen, wenn man sich manchmal falsch wiedergegeben fühlt, aber die Art und Weise wie das Initiativ-Komitee agiert hat, lässt mich ganz schön ratlos zurück. Ich glaube viele Journalisten haben sich Mühe gegeben, ihnen einen Raum zu bieten. Kessler würde man ohne das SRF doch gar nicht kennen in der Schweiz.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Schwer tat sich ja auch die NZZ. Chefredaktor Eric Gujer schrieb einen Kommentar und bekundete Sympathien für das Anliegen. Medienredaktor Rainer Stadler eher andersrum. Wie empfandest du das?</p>
</div><div class="answer"><h4>Kaspar Surber:</h4> <p>Ein guter Hinweis. Ich glaube das war eine Art Testballon, die man steigen liess, um zu schauen: Wie weit zieht das? Und in der Tat hat man ja nachher gar nichts mehr von ihm gehört diesbezüglich. Ich ging immer davon aus, die Leute hätten starke Überzeugungen, aber hier konnte man wirklich zum Teil die Geschäftsinteressen erkennen. Die Leute haben versucht, gegen die SRG anzutreten, doch irgendwann mussten sie feststellen, dass die Stimmung zu Gunsten der Initiativ-Gegner kippt.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Hast du das Gefühl, sie haben diese Ansicht «Weniger SRG gleich besser für uns» abgelegt?</p>
</div><div class="answer"><h4>Kaspar Surber:</h4> <p>Nein abgelegt nicht, aber der Verlegerverband, der ja entscheidend ist in dieser Frage, wird wohl festgestellt haben, dass ein Nein-Anteil von 60-65 Prozent ihre Verhandlungsposition gegenüber der SRG schwächen würde – die hätten sich ja blamiert! Die Interessen sind noch dieselben, sie werden nur unterschiedlich deutlich formuliert. Was mich erstaunt hat: Wir als kleine WOZ konnten sehr frei über das Thema berichten und fanden weit herum Beachtung dafür. Für uns war es sehr eigenartig zu beobachten, in welchen Kleinkrieg sich der Verlegerverband mit der SRG begeben hat. Gut, die SRG hat mit ihrem teils tatsächlich etwas selbstgefälligen Attitüde hat auch ihres dazu beigetragen, aber es ist doch völlig unproduktiv, dass sich diese zwei Parteien hier zerstreiten. Wir wissen doch, dass der Löwenanteil der Werbegelder ohnehin an Google und Facebook wandert. Da müsste man doch über Kooperationen nachdenken: Wie finanzieren wir Journalismus in der Schweiz nachhaltig? Das wäre die Chance gewesen und diese hat man verspielt.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Besteht diese Chance noch nach einem Nein oder wurde bereits zu viel Geschirr zerschlagen?</p>
</div><div class="answer"><h4>Kaspar Surber:</h4> <p>Ich befürchte letzteres. Was mich immer gestört hat bei dieser Initiative, war, dass sie die Frage zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt stellt. Der Journalismus generell steckt in einer Finanzierungskrise. Bei der Digitalisierung geht es ja nicht darum, welchen neuen Bling-Bling man auf seinem Handy hat, sondern es geht in erster Linie darum, dass die Werbung nicht mehr an den Träger gebunden ist und vor allem an die Tech-Giganten geht. Wenn man das feststellt – in diesem Moment dann auch noch die Grundlage des öffentlichen Radio und Fernsehen in Frage zu stellen, ist das völlig Falsche. Der Streik der SDA hat noch zur Dringlichkeit dieser Frage beigetragen. Eine öffentliche Finanzierung der SDA: genossenschaftlich, nicht gewinnorientiert, das wäre etwas, worüber man jetzt nachdenken müsste! Aber hier hat diese Initiative den Blick verstellt.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Mir schien, sobald es ans eigene Portemonnaie geht, verliert man diese Optik relativ schnell. Man schaut nur noch auf die 365 Franken, die man bezahlen muss.</p>
</div><div class="answer"><h4>Kaspar Surber:</h4> <p>Diese Gebühr kann man ja in der Tat in Frage stellen. Das ist ja nicht wenig Geld in einem Haushaltsbudget. Das ist ja das Fiese an der Gebühr, die nicht vom Einkommen abhängig gemacht wird. Aber die Initiative will daran ja nichts ändern, sondern einfach alles auslöschen. Ich hoffe sehr, dass diese Diskussion noch einmal geführt wird. Aber klar, wir wissen ja warum das so erhoben wird, nämlich um zu verhindern, dass das Parlament regelmässig über die Höhe der Gebühren entscheiden kann. Wir können die negativen Auswirkungen ja in der Kulturpolitik beobachten: Wenn jemand einen «dummen Latz» hat, dann werden ihm einfach die Subventionen gekürzt.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Die Gebühr wird von links regelmässig kritisiert. Sind deshalb die Gräben nicht durch die klassischen parteipolitischen Lager verlaufen?</p>
</div><div class="answer"><h4>Kaspar Surber:</h4> <p>Das würde ich gar nicht sagen. Die Linke war von Beginn weg sehr geschlossen und vehement gegen diese Vorlage.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Aber was ist mit den jungen, urbanen Netflix-Guckern, über die man immer redete?</p>
</div><div class="answer"><h4>Kaspar Surber:</h4> <p> Ich weiss ehrlich gesagt nicht, welche Partei diese im Moment wählen: GLP? Oder Jungfreisinnige? Nein, ich glaube die Linke hat schnell abstrahiert: Hier die Kritik an der Gebühr, dort die Berichterstattung der Öffentlich-rechtlichen, die ich übrigens nicht als links bezeichnen, sondern als ausgewogen, streckenweise etwas bieder und im Zweifel mit ein bisschen Blocher oder Glarner angereichert. Die Linke hat verstanden, dass es Information braucht, die allen zur Verfügung stehen, ein Raum für die politische Debatte. Das wurde zunehmend auch allen anderen klar.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Als «Wochenzeitung» hattet ihr schon immer eine spezielle Rolle: Wie läuft&#8217;s bei euch?</p>
</div><div class="answer"><h4>Kaspar Surber:</h4> <p> Wir hatten in dieser Medienkrise einen grossen Vorteil: Normale Tageszeitungen und auch viele Wochenblätter waren finanziert durch Werbung und Leser im Verhältnis 70 zu 30. Aber die Einnahmen durch Werbung nehmen ab. Bei der NZZ ist das Verhältnis meines Wissens nun 50:50. Bei der WOZ waren wir schon immer zu 80 Prozent durch Abonnements finanziert und nur 20 Prozent durch Inserate und Spenden. In dem Moment, als allen anderen die Werbung wegbrach, wurde uns klar: Wir haben das Modell, nach dem alle anderen suchen. Wir waren längst durch die Leser finanziert. Deshalb ging es uns tendenziell gut die letzten Jahre. Der zweite Teil ist, dass wir als Genossenschaft organisiert sind, die den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gehört. So gibt es keinen Druck des Kapitals – die Tamedia zum Beispiel ist ein börsenkotiertes Unternehmen, das Dividende rausholen muss.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Das klingt jetzt ein bisschen wie die Marketingkampagne der «Republik» letztes Jahr. Habt ihr davon etwas gespürt hier?</p>
</div><div class="answer"><h4>Kaspar Surber:</h4> <p>Es ist sicher so, dass es Viele gibt, die sowohl die WOZ als auch die «Republik» abonniert haben. Es wird sich zeigen, ob sie sich beide Titel gleichzeitig leisten wollen. Es kann auch sein, dass wir einzelne Leser verlieren. Es kann aber auch sein, dass wir wieder gewinnen. Ich sehe das positiv. Ich finde, dass die «Republik» das richtige Modell hat. Es ist gut, wenn Leute in Journalismus investieren und mit Leidenschaft bei der Sache sind. Für mich ist die Republik ein willkommener Mitstreiter. Für uns ist es interessanter, wenn wir vier oder fünf interessante Konkurrenten haben als ein oder zwei grosse Medienkonzerne.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Wie meistert ihr bei der WOZ die digitale Transformation? Habt ihr auch eine Strategie, mit der ihr versucht, zum Beispiel auf Social Media erfolgreich zu sein oder setzt ihr weiter auf Print?</p>
</div><div class="answer"><h4>Kaspar Surber:</h4> <p>Wir haben in der Tat so eine Strategie. Unsere Artikel sind nicht sofort online verfügbar. Die, die es sind, verbreiten wir über Social Media. Plus wir haben eine App, wo Abonnenten alles lesen können. Das Feedback zeigt: Die Leute bezahlen das Abo recht unabhängig davon, welchen dieser Kanäle sie nun bevorzugt nutzen – viele nutzen alle davon parallel. Aber klar, unsere Inhalte erscheinen im Print und dann eins zu eins online und da stellt sich natürlich auch für uns die Frage, ob wir die Artikel nicht für diesen Kanal optimieren sollten. Es ist witzig, dass ihr mich zu Beginn des Gesprächs auf den Artikel zu «No Billag» angesprochen habt, da gebe ich offen zu: Den habe ich so geschrieben, dass ich glaubte, dass er auf Facebook gut geteilt wird. Da musst du zum Beispiel drei knallige Sätze reinschreiben. So habe ich geschrieben, «No Billag» sei wie wenn man der Eisenbahn die Wagen von den Schienen nehmen würde und das Schienennetz gleich auch noch verkaufte. Ehrlich gesagt ist das eine etwas populäre Formulierung, aber ich wusste schon, als ich das schreib, dass es nur ein oder zwei solche Sätze braucht, dass es läuft und das heisst natürlich verändert sich der Journalismus selbst in diesen Verbreitungsmöglichkeiten auch. Das sind interessante Fragen!</p>
</div></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/03/02/kaspar-surber-zum-no-billag-abstimmungskampf-eigentlich-ein-gutes-beispiel-fuer-die-direkte-demokratie/">«Eigentlich ein gutes Beispiel für die direkte Demokratie»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
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		<title>Was ich als Journalist im Silicon Valley gelernt habe</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2018/01/07/was-ich-als-journalist-im-silicon-valley-gelernt-habe/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Journalismus Y]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 07 Jan 2018 22:11:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Patrick Züst]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Patrick Züst (21) arbeitete als Silicon-Valley-Korrespondent der AZ Medien in San Francisco. Nach einem Jahr ist er nun zurückgekehrt. Wir wollten von ihm wissen, wie man sich als Journalist durch diese Tech-Bubble bewegt und warum er seinen Auslandsaufenthalt früher als geplant beendet. Mein Glück war es, dass ich noch sehr jung war im Vergleich zu <a href="https://medienwoche.ch/2018/01/07/was-ich-als-journalist-im-silicon-valley-gelernt-habe/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Patrick Züst (21) arbeitete als Silicon-Valley-Korrespondent der AZ Medien in San Francisco. Nach einem Jahr ist er nun zurückgekehrt. Wir wollten von ihm wissen, wie man sich als Journalist durch diese Tech-Bubble bewegt und warum er seinen Auslandsaufenthalt früher als geplant beendet.</strong></p>
<p><iframe loading="lazy" src="https://w.soundcloud.com/player/?url=https%3A//api.soundcloud.com/tracks/378128987&amp;color=ff5500&amp;auto_play=false&amp;hide_related=false&amp;show_comments=true&amp;show_user=true&amp;show_reposts=false" width="100%" height="166" frameborder="no" scrolling="no"></iframe></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Du bist noch recht jung. Wie kam es, dass man genau dich dahin geschickt hat?</p>
</div><div class="answer"><h4>Patrick Züst:</h4> <p> Ich würde natürlich gerne sagen wegen viel Talent und Durchhaltewillen, aber ich glaube ich war einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ich schreibe schon sehr lange. Meine ersten Artikel habe ich mit 15 oder 16 veröffentlicht, habe natürlich wie alle anderen auch mit Turnabenden und Jodlerkonzert, tatsächlich sogar mit dem oft zitierten Kaninchenzüchter-Verein begonnen.<br />
Ich konnte mich aber hocharbeiten, habe Mentoren gefunden, die mich gefördert haben, meine Texte gegengelesen haben. Dadurch konnte ich dann auch über politische und wirtschaftliche Themen schreiben, während ich noch an der Kantonsschule war. Vor zwei Jahren stand ich vor der Entscheidung: Möchte ich ganz auf Journalismus setzen oder mich meiner zweiten Leidenschaft, dem Digitalen widmen.<br />
Eigentlich hatte ich mich schon für Letztes entschieden, ich war bereits an der ETH für ein Informatikstudium eingeschrieben als mich Patrick Müller, damaliger Chefredaktor der Schweiz am Sonntag, und Christian Dorer, ehemaliger Chef der Aargauer Zeitung, gefragt haben, ob ich nicht Lust hätte, als Korrespondent nach San Francisco zu gehen.<br />
Also einerseits war wohl mein journalistisches Handwerk und Feuer, andererseits das technologische Verständnis und meine Flexibilität, die mich in diese Position brachten.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Ein Jahr ist eine relativ kurze Zeit. War das von Anfang an befristet?</p>
</div><div class="answer"><h4>Patrick Züst:</h4> <p> Nein gar nicht, ich hätte durchaus noch länger bleiben dürfen. Es war meine eigene Entscheidung. Grundsätzlich war es eine grandiose Zeit. Ich fand den Job superspannend und hätte ihn problemlos noch jahrelang mit viel Freude machen können.<br />
Was mir aber bewusst wurde, und ich glaube das ist ein sehr typischer Silicon-Valley-Effekt, dass ich längerfristig nicht an der Seitenlinie dieser Tech-Industrie sein möchte, sondern selbst darin involviert. Typisch nach dem Motto, das unterdessen zwar etwas verpönt ist, aber immer noch stimmt: «Move fast and break things». Wenigstens das erste habe ich mit meiner frühzeitigen Rückkehr nun berücksichtigt.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Heisst das, im Herzen bist du eher Techie als Journalist?</p>
</div><div class="answer"><h4>Patrick Züst:</h4> <p>Das würde ich so nicht sagen, nein. Ich habe es sehr genossen, dass ich ein Jahr lang diese Leidenschaften habe miteinander verbinden können. Ich bin passionierter Journalist, aber was mir längerfristig gefehlt hat, war die Tiefe. Wenn du für eine Tageszeitung arbeitest und pro Artikel nur einen oder zwei Tage investieren kannst, dann reicht dies meist nicht aus. Ich musste oft sehr oberflächlich bleiben.</p>
</div></p>
<blockquote><p>Mein Glück war es, dass ich noch sehr jung war im Vergleich zu vielen anderen europäischen Journalisten.</p></blockquote>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Wie bist du überhaupt an Infos in diesen Kosmos des Silicon Valley?</p>
</div><div class="answer"><h4>Patrick Züst:</h4> <p>Ein gutes Netzwerk ist tatsächlich das A und O. Das ist glücklicherweise im Silicon Valley fast einfacher als anderswo. Alle sind es sich gewohnt, ihr Beziehungsnetz gut zu pflegen und einander weiterzuhelfen.<br />
Mein Glück war es, dass ich noch sehr jung war im Vergleich zu vielen anderen europäischen Journalisten. In meiner 7er-Wohngemeinschaft wohnte ich zusammen mit zwei Startup-Gründern, die beide schon auf der Top 30 unter 30 Liste waren, einem Assistenten eines Tech-CEOs und mit einem Mitarbeiter der wichtigsten Investoren-Firma in San Francisco. Durch diese Freundschaften stand deren Netzwerk rasch auch mir zur Verfügung.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Wie war ein Tagesablauf für dich in San Francisco?</p>
</div><div class="answer"><h4>Patrick Züst:</h4> <p>Sehr unterschiedlich. Ich war 60 Prozent angestellt und hatte einen Arbeitsplatz bei Swissnex, einer Organisation, die versucht die Schweiz mit verschiedenen Regionen der Welt – unter anderem mit dem Silicon Valley – zu verknüpfen und in San Francisco einen Co-Working-Space anbietet.<br />
Für mich war das grossartig, weil jeder Schweizer, der irgendetwas mit der Tech- oder Startup-Szene zu tun hatte, kam früher oder später da vorbei. Dadurch hatte ich ohne viel Zutun einen konstanten Strom an spannenden Leuten zur Verfügung, weil ich der einzige Journalist dort war.<br />
Ich habe aber auch versucht, so oft wie möglich rauszugehen und mit Leuten zu reden. Es gibt jede Woche Konferenzen, Vorträge und «Demo-Days», wo sich Startups präsentieren. Ich bin an möglichst viele davon gegangen, um ein Gefühl für diese Szene zu bekommen und mich zu vernetzen. Dazu kam das Schreiben, das ich meist in die Nacht verlegte, weil ich dann gleichzeitig mit meinen Kollegen in der Schweiz arbeiten konnte.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Hattest du Vorgaben, was deinen Output angeht?</p>
</div><div class="answer"><h4>Patrick Züst:</h4> <p>Das nicht, aber es war klar, dass ich nicht nur alle zwei Wochen einen Text abliefern würde, das wollte ich selbst auch nicht. Am Ende waren etwas zwei Geschichten pro Woche, davon viele Doppelseiten und ausführliche Interviews. Die drei Arbeitstage pro Woche habe ich vor allem ins Schreiben investiert und die restlichen vier Tage in Themenfindung, Recherche, Netzwerkpflege.</p>
</div></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/01/MW_Journalismus-Y_Patrick-Zuest_20180105.jpg" alt="" width="1024" height="686" class="alignnone size-full wp-image-51608" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/01/MW_Journalismus-Y_Patrick-Zuest_20180105.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/01/MW_Journalismus-Y_Patrick-Zuest_20180105-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/01/MW_Journalismus-Y_Patrick-Zuest_20180105-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2018/01/MW_Journalismus-Y_Patrick-Zuest_20180105-470x315.jpg 470w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Du hast auch über die beiden grossen Riesen Google und Facebook, die den Journalismus zurzeit sehr prägen berichtet. Dieses «break things», gilt das für sie auch für den Journalismus?</p>
</div><div class="answer"><h4>Patrick Züst:</h4> <p>2017 war insofern ein sehr spannendes Jahr, weil auch in Amerika erstmals eine breite Debatte über die negativen Folgen der Machtkonzentration bei Google und Facebook geführt wurde. Bisher konnten die beiden mit dem Argumentation der Innovation stets viel Freiraum und Goodwill für sich beanspruchen. In Europa hat man diesen Riesen noch eher auf die Finger geschaut und das kommt nun auch in den USA an.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Ob im Silicon Valley oder im Aargau: Das Thema Nähe muss sehr heikel sein. Wie konntest du kritisch über Firmen schreiben, wenn du gleichzeitig auf deren Bereitschaft, mit dir zu reden, angewiesen warst?</p>
</div><div class="answer"><h4>Patrick Züst:</h4> <p>Das ist im Silicon Valley eine brandaktuelle Frage. Viele Redaktionen setzen sich exklusiv mit Tech-Themen auseinander und sind noch viel mehr als ich auf diese guten Kontakte angewiesen. </p>
<blockquote>
<p>«Das Resultat ist aus meiner Sicht ein ziemlich unethischer Journalismus der im Silicon Valley praktiziert wird.»</p>
</blockquote>
<p>Da heisst es zum Beispiel: «Wenn ihr fünf positive Beiträge über Facebook schreibt, kriegt ihr dafür ein Interview mit jener Führungsperson, aber wir geben dann vor, um was es darin geht und möchten es gegenlesen und den Titel definieren.»<br />
Das wissen alle, das ist ein offenes Geheimnis. Und es gibt unterdessen auch Gegenbewegungen. Viele haben die New York Times, die Washington Post oder das Wall Street Journal abonniert, aber auch kleinere Player mit viel Insider-Wissen wie der Blog Stratechery von Ben Thomson oder The Information, die den Bullshit, von dem es sehr viel gibt im Silicon Valley, zu durchleuchten.<br />
Das war auch für mich herausfordernd. Als Journalist gerät man zwangsläufig in diese PR-Maschinerie. Da gab es beispielsweise eine Konferenz, zu der hat man mich eingeladen, in ein unglaublich luxuriöses Hotel einquartiert, gut verpflegt. Als ich trotzdem sehr kritisch über das Unternehmen berichtet habe, hat man mich kontaktiert, ob ich noch etwas Positiveres berichten werden. Als ich verneinte, machte man mir klar, dass man nicht länger mit mir zusammenarbeiten wolle. Ich kann so etwas verkraften, aber andere nicht.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Diese Firmen lassen also deine Texte in der Schweizer Zeitung?</p>
</div><div class="answer"><h4>Patrick Züst:</h4> <p>Ja, das waren meist Firmen mit PR-Büros in Europa, viele in Deutschland, die Wege haben, das nachzuverfolgen und zu übersetzen.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Über San Francisco hört man, dass sie die höchsten Mieten aber auch die grössten Obdachlosenzahlen hätten. Wie war das für dich, aus dem wohlbehüteten Aargau dorthin zu ziehen?</p>
</div><div class="answer"><h4>Patrick Züst:</h4> <p>Tatsächlich, ich bin direkt aus einem SVP-Dorf ins Castro-Viertel gezogen, das als extrem buntes, liberales Viertel gilt, wo man auch mal Leute nackt auf der Strasse herumlaufen sieht. Dort bezahlte ich für mein schlichtes WG-Zimmer 1500 Franken. Ein absolutes Schnäppchen.<br />
Die Tech-Industrie ist hierfür ein Katalysator weil sie viele Gutverdienende anzieht. Dass jetzt viele junge Tech-Insider mit Krypto-Währungen Millionäre geworden sind, heizt das Ganze zusätzlich an. Am Anfang findet man es noch sehr cool, sich in diesen Kreisen zu bewegen, wo sich alle für die gleichen Themen interessieren. Aber man muss es auch sehr kritisch hinterfragen, wenn eine Stadt nur noch aus einer so homogenen Gruppe besteht.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Also auch da: «Move fast, break things» ohne Rücksicht auf jene, die nicht mithalten können bei diesem Tempo?</p>
</div><div class="answer"><h4>Patrick Züst:</h4> <p>Das hat in der Tat etwas. Man trifft zwar viele, denen es darum geht, einen Beitrag in der Welt zu leisten – einen «Impact» zu haben. Aber so wie man das in San Francisco beobachtet, ist dieser «Impact» nicht nur positiv, sondern auch sehr negativ. Viele junge Gründer machen sich darüber gar keine Gedanken. Es findet aber im Moment auch ein Umdenken statt – dass die Technik allein vielleicht doch nicht die Lösung für alles ist.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Warum ist es aus deiner Sicht wichtig, aus einem Ort wie dem Silicon Valley zu berichten?</p>
</div><div class="answer"><h4>Patrick Züst:</h4> <p>Das Silicon Valley ist nach wie vor der wichtigste Ort, wenn es um technologische Veränderungen im High-Tech-Sektor geht. Und diese technologischen Entwicklungen prägen unseren Alltag im Moment mehr als alles andere. Wenn man verstehen will, was auf uns zukommt, muss man da sein, mit diesen Leuten reden und verstehen, was da abgeht. Und es braucht dringend Journalisten, die kritisch und unabhängig von dieser PR-Industrie arbeiten können.<br />
Ich vergleiche die Arbeit immer mit der eines Investors. Investoren und Gründer treiben das Silicon Valley an. Investoren erhalten pro Tag dutzende Nachrichten von Gründern, die ihre Firma hochjubeln. Der Investor muss das durchschauen und prüfen, was dahintersteckt.<br />
«Es ist immer revolutionär, es ist immer innovativ, es wird immer die Welt verändern. Diese Wörter sind in jedem E-Mail eines Startups.»<br />
Der Investor und eben auch der Journalist müssen die Spreu von den Weizen unterscheiden lernen. Das ist viel Arbeit aber wichtig, wenn man will, dass der Bullshit im Silicon Valley nicht die Überhand gewinnt.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>JOURNALISMUS Y:</h4> <p>Du hast gesagt, du steigst als Journalist wieder aus, um selbst Akteur zu werden in der Branche. Wie sehen deine Pläne aus?</p>
</div><div class="answer"><h4>Patrick Züst:</h4> <p>Ich bin noch bis Ende Januar als Journalist unterwegs, um das Schweizer Silicon-Valley anzuschauen. Danach werde ich versuchen, mich tiefer in die Materie einzuarbeiten. Klassisch macht man das mit einem Studium, aber ich komme gerade aus einer Region, in der Universitäten extrem verpönt sind. Jeder im Silicon Valley sagt, man solle auf keinen Fall studieren. Alles was man da lernen könne, könne man sich schneller zuhause übers Internet beibringen.<br />
Ganz davon überzeugt bin ich noch nicht, aber da das Studium erst im September losgehen würde, werde ich bis dahin versuchen, mich selbständig in die Materie einzuarbeiten und schaue dann im Sommer, wo ich stehe. Ich habe einige hochkarätige Mentoren im Silicon Valley finden können, die mich dabei betreuen.<br />
Vielleicht finde ich dann ja auch, dass das ein riesiger Fehler war und möchte zurück in den Journalismus. Das soll man ja auch nie ausschliessen im Vorhinein.</p>
</div></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/01/07/was-ich-als-journalist-im-silicon-valley-gelernt-habe/">Was ich als Journalist im Silicon Valley gelernt habe</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>«Seit meiner Zeit bei der NZZ bin ich Paywall-geschädigt»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2017/11/29/seit-meiner-zeit-bei-der-nzz-bin-ich-paywall-geschaedigt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Journalismus Y]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Nov 2017 22:03:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Hogenkamp]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=50443</guid>

					<description><![CDATA[<p>Seit bald drei Jahren gibt es die Kurationsplattform «Scope» (vormals «Niuws»): Wir wollten vom Gründer und Geschäftsführer Peter Hogenkamp wissen, wie das Geschäft läuft und was er aus seiner Zeit als Leiter Digitale Medien bei der NZZ-Mediengruppe in sein Startup mitnehmen konnte.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/11/29/seit-meiner-zeit-bei-der-nzz-bin-ich-paywall-geschaedigt/">«Seit meiner Zeit bei der NZZ bin ich Paywall-geschädigt»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Seit bald drei Jahren gibt es die Kurationsplattform <a href="https://thescope.com/" rel="noopener" target="_blank">«Scope»</a> (vormals «Niuws»): Wir wollten vom Gründer und Geschäftsführer Peter Hogenkamp wissen, wie das Geschäft läuft und was er aus seiner Zeit als Leiter Digitale Medien bei der NZZ-Mediengruppe in sein Startup mitnehmen konnte.</strong></p>
<p><iframe loading="lazy" width="100%" height="300" scrolling="no" frameborder="no" src="https://w.soundcloud.com/player/?url=https%3A//api.soundcloud.com/tracks/362437283&amp;color=%23ff5500&amp;auto_play=false&amp;hide_related=false&amp;show_comments=true&amp;show_user=true&amp;show_reposts=false&amp;show_teaser=true&amp;visual=true"></iframe></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Seit zwei Jahren machst du Scope – eine Kuratierplattform, die früher einmal Niuws hiess. Was bietet ihr dort genau an?</p>
</div><div class="answer"><h4>Peter Hogenkamp:</h4> <p>Wir haben ein Netzwerk von Expertinnen und Experten – mittlerweile 75 Leute, die in ihrem Fachbereich jeden Tag sagen: Das sind die besten 3-5 Artikel zum Thema – von Apple bis Zukunft der Arbeit. Das hilft jenen, sich zu orientieren, die sich auf einem Thema noch nicht so gut auskennen. Und dass sie nicht mehr Niuws heisst, liegt daran, dass das ein scheiss Name war. Wir wissen ja alle, warum man solche Namen nimmt: Weil man eine Domain braucht, die man sich leisten kann. Am Ende merkt man, dass solche «Tippfehler-Namen» nicht umsetzbar sind, deshalb nun das Rebranding zu Scope. Leider gehörte scope.com ebenfalls schon einer Firma aus dem Silicon Valley, deshalb haben wir nun thescope.com.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Ich selbst habe Niuws beim Start heruntergeladen, installiert und dann recht schnell vergessen, weil ich mich dann doch auf meinen Facebook-Algorithmus verlassen habe.</p>
</div><div class="answer"><h4>Peter Hogenkamp:</h4> <p>Da bist du nicht der einzige. Aber wir haben immer noch viele Fans, die uns sagen, sie nutzen die Plattform täglich. Aber es gibt in der Tat viele, die treffe ich und sehe schon anhand ihres Gesichtsausdrucks, dass sie denken: «Ah ja, der Hogenkamp, der hatte doch diese App. Warum nutze ich die eigentlich nicht mehr?» Und ich merke: Sie haben sie effektiv vergessen. Man weiss, die meisten Leute haben 150 Apps auf ihrem Handy installiert, aber nutzen nur ca. 5 davon täglich. In diesen Medienkonsum reinzukommen, ist unglaublich schwer. Da fällt es uns einfacher, die Leute per Website oder E-Mail zu erreichen.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Was ist die Motivation für Kuratierende, bei euch mitzumachen?</p>
</div><div class="answer"><h4>Peter Hogenkamp:</h4> <p>Man denkt im ersten Moment vielleicht, das Stärken der eigenen «Ich-Marke» stände für die Kuratierenden im Vordergrund. So wie bei eurem Podcast vielleicht auch, dass ihr euch positionieren könnt, dass Leute euch kennenlernen und wissen, dass ihr euch mit Journalismus auskennt. Ich merke aber auch, dass die Leute mit einer intrinsischen Motivation zu uns kommen, weil sie merken: Wenn ich mich verpflichte, etwas zu kuratieren, bleibe ich an dem Thema dran. Dabei hilft ihnen ja unsere Software. Und wie bei allem, das wir versuchen regelmässig zu machen, zum Beispiel Sport oder Zähneputzen, hilft es, wenn man sich extern verpflichtet.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Wie viele Themen hat bei euch ein durchschnittlicher User abonniert?</p>
</div><div class="answer"><h4>Peter Hogenkamp:</h4> <p>Fünf Boxen, wie wir diese Abos nennen, folgt ein User bei uns im Schnitt.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Und wie hat sich Scope seit dem Start entwickelt?</p>
</div><div class="answer"><h4>Peter Hogenkamp:</h4> <p>Gut, aber nicht gut genug. Es wächst nicht von selbst, aber wir sind jetzt bei etwas über 20&#8217;000 Usern. Das ist für die Deutschschweiz ganz ok, aber keine Zahl, die man monetarisieren kann. Deshalb lizenzieren wir unser Angebot auch für Firmen.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Das heisst, als Firma darf man dann auch eine Box bespielen?</p>
</div><div class="answer"><h4>Peter Hogenkamp:</h4> <p>Nicht nur das, als Firma kann man vor allem unsere Software nutzen. Das ist unsere Haupteinnahmequelle. Wir lizenzieren das Tool, mit der man besonders einfach Content Curation Marketing betreiben kann. Anstatt alles selber zu schreiben, können Firmen spannende Links auf ihre Website oder in ihren Newsletter spielen.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Euer Produkt ist also ein Tool, das es besonders einfach macht, kuratierte Inhalte zusammenzustellen.</p>
</div><div class="answer"><h4>Peter Hogenkamp:</h4> <p>Genau: Discovery, Curation, Distribution. So nennen wir die drei Schritte, die unsere Software beinhaltet. Also man entdeckt neue Inhalte, die im Web sind, kriegt sie auf der persönlichen «Konsole» angezeigt und kann dort die drei wichtigsten Artikel küren, kommentieren und auf allen Kanälen verschicken.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Habt ihr euch auch schon überlegt, die User zur Kasse zu bitten?</p>
</div><div class="answer"><h4>Peter Hogenkamp:</h4> <p>Seit meiner Zeit bei der NZZ bin ich Paywall-geschädigt. Ich habe die Illusion verloren, dass viele User bereit sind, zu zahlen. Selbst bei sehr optimistischen 1-5 Prozent der User: Das rechnet sich nicht. Zumindest nicht bei unseren kleinen Userbasis. Bei der NZZ habe ich eine Paywall eingeführt auf einem Angebot, das es seit 15 Jahren gab, gratis war und eine Million User hatte im Monat. Und nichtsdestotrotz sind diverse Leute abgesprungen, die vorher täglich auf nzz.ch vorbeischauten.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Warum hast du dir eigentlich genau die Kuration als Geschäftsmodell ausgesucht?</p>
</div><div class="answer"><h4>Peter Hogenkamp:</h4> <p>Das waren 20 Prozent Absicht und 80 Prozent Zufall. Ich hatte in ein Startup investiert, das eine App machte – Kuration auf algorithmischer Basis. Das war noch in einer Zeit, in der man sich gute Apps empfohlen hat. Heute sind wir ja alle froh, wenn wir keine Apps herunterladen müssen.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Aber du glaubst immer noch an dieses Modell – auch im Zeitalter von Machine Learning und hoch entwickelten Algorithmen.</p>
</div><div class="answer"><h4>Peter Hogenkamp:</h4> <p>Ja, ich glaube im Moment ist es keine Frage, dass Menschen besser News kuratieren können als Maschinen. Heute. Stand 2017. Jetzt ist die Frage, was ist 2027 und da muss ich sagen: Das ist mir egal. So weit voraus denke ich nicht. Mein Horizont sind 3-5 Jahre. Und heute gilt: Facebook kann das nicht, was wir machen. Sie könnten es vielleicht, wenn sie es denn versuchten, aber Facebook hat einen inhärenten «Boulevardisierungsmechanismus». Auf Vorträgen zeige ich gerne ein Foto von meinem Ex-Kollegen. Ganz netter Typ, den hab ich aber seit Jahren nicht mehr gesehen. Doch der kriegt jetzt sein zweites Baby und dafür erhält er natürlich 120 Likes auf Facebook. Und deshalb denkt Facebook, das sei wahnsinnig wichtig für mich. Ist es aber nicht. Natürlich freu ich mich, ich klick ja auch bei jedem Babyfoto auf «Gefällt mir» aber für mich gibt&#8217;s definitiv viel wichtigeres. Facebook versagt völlig bei Branchennews. Natürlich wird immer mehr Arbeit automatisiert, aber ich zitiere in diesem Zusammenhang gerne Amara&#8217;s Law, das sagt: «Wir tendieren dazu, die Auswirkungen von neuen Technologien kurzfristig zu überschätzen, aber langfristig zu unterschätzen.» Heute reden wir von Machine Learning und dass wir morgen von Maschinen ersetzt werden, aber das wird eben nicht morgen sein, sondern vielleicht in 10 bis 20 Jahren.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Kann man also sagen, E-Mail ist für euch fast der wichtigste Kanal?</p>
</div><div class="answer"><h4>Peter Hogenkamp:</h4> <p>E-Mail und App sind bei uns im Moment gleichauf, aber wachsen tun wir in der Tat bei E-Mail. Und da haben wir regelmässig Öffnungsraten von 30 Prozent. Das schaffst du mit keiner App!</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Hättest du vor 10 Jahren erwartet, dass du 2017 ein Geschäft betreibst, das so stark auf diesem alten Prinzip des E-Mails basiert?</p>
</div><div class="answer"><h4>Peter Hogenkamp:</h4> <p>Nein tatsächlich nicht, aber da sind wir wieder bei Amara&#8217;s Law: E-Mail wird sterben, die Frage ist nur, wann. Und da kann ich überhaupt keine Prognose abgeben. E-Mail ist natürlich ein grauenhafter Kanal insbesondere weil es uns die Inbox so vollmüllt. Was ich mir echt wünsche, wäre ein Tool, das genau nach meinen Kriterien meine Inbox aufräumt: Alle alten Newsletter löschen, alte Meeting-Benachrichtigungen archivieren etc. Oder wenn ich eine E-Mail verschicke kann ich es nach einer Minute nicht mehr ändern. Zusammengefasst: E-Mail ist eine Katastrophe, aber es ist immer noch das Beste, was wir haben als Push-Kanal, der nicht wahnsinnig aufdringlich ist.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Wo siehst du Scope in drei Jahren?</p>
</div><div class="answer"><h4>Peter Hogenkamp:</h4> <p>Wir sind selber noch nicht ganz sicher. Es gibt zwei Varianten: Entweder versuchen wir die Reichweite unserer Business-to-Customer Plattform zu steigern, über die wir die ganze Zeit gesprochen haben oder wir versuchen mit unserer Software im Business-to-Business Bereich abzuheben. Und wir haben entschieden, erstmal beides zu versuchen. Ziel meines persönlichen Wirtschaftens ist, dass ich in fünf Jahren auf dem Sofa liegen und Netflix schauen kann. Dazu komme ich im Moment viel zu wenig. Wer weiss, vielleicht kommt dereinst eine andere Firma, die findet, Scope passt gut in ihr Portfolio.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>MEDIENWOCHE:</h4> <p>Du setzt dich schon sehr lange mit digitalen Medien auseinander. Was denkst du: Wie geht es mit Medienhäusern wie z.B. dem St.Galler Tagblatt weiter?</p>
</div><div class="answer"><h4>Peter Hogenkamp:</h4> <p>Ich setze mich in der Tat schon lange damit auseinander und ich muss sagen: Ich hab keine Ahnung. Eine Hypothese, die ich habe, ist, dass es viele kleine gibt, die hyperlokal unterwegs sind. Insbesondere in der Schweiz, in der direkten Demokratie, braucht es hochwertigen Journalismus. Langfristig bin ich aber immer optimistisch. Es könnte sein, dass es eine Saure-Gurken-Zeit gibt, in der wir medientechnisch unterversorgt sind, aber irgendjemand wird dann kommen und sagen: Wir füllen jetzt diese Lücke.</p>
</div></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/11/29/seit-meiner-zeit-bei-der-nzz-bin-ich-paywall-geschaedigt/">«Seit meiner Zeit bei der NZZ bin ich Paywall-geschädigt»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Nach dem Start von Nau: «Der Mix ist in der Tat noch etwas wild»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2017/10/27/nach-dem-start-von-nau-der-mix-ist-in-der-tat-noch-etwas-wild/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Journalismus Y]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Oct 2017 20:21:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[nau.ch]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seit zehn Tagen ist das neue News-Portal Nau online. Noch wirkt das Angebot etwas unübersichtlich. Klar ist aber schon so viel: Hier wächst ein Medium heran mit grossem Potenzial, vor allem im Bereich Live-Video. «Journalismus Y» hat sich mit Simon Klopfenstein unterhalten. Er hat als Head of Content das redaktionelle Konzept von Nau mitentwickelt und <a href="https://medienwoche.ch/2017/10/27/nach-dem-start-von-nau-der-mix-ist-in-der-tat-noch-etwas-wild/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Seit zehn Tagen ist das neue <a href="https://nau.ch/" rel="noopener" target="_blank">News-Portal Nau</a> online. Noch wirkt das Angebot etwas unübersichtlich. Klar ist aber schon so viel: Hier wächst ein Medium heran mit <a href="https://medienwoche.ch/2017/09/12/wir-sehen-uns-ganz-am-anfang-der-nahrungskette/">grossem Potenzial</a>, vor allem im Bereich <a href="https://medienwoche.ch/2017/10/19/lokalfernsehen-2-0/">Live-Video</a>. «Journalismus Y» hat sich mit Simon Klopfenstein unterhalten. Er hat als Head of Content das redaktionelle Konzept von Nau mitentwickelt und betreut die lokalen Video-Reporter. Das Gespräch wurde auf Schweizerdeutsch geführt.</strong><br />
<iframe loading="lazy" src="https://w.soundcloud.com/player/?url=https%3A//api.soundcloud.com/tracks/348852131&amp;color=ff5500&amp;auto_play=false&amp;hide_related=false&amp;show_comments=true&amp;show_user=true&amp;show_reposts=false" width="100%" height="166" frameborder="no" scrolling="no"></iframe><br />
<div class="question"><h4>Journalismus Y:</h4> <p>Für alle, die nau.ch nicht kennen: Wie würdest du es ihnen beschreiben?</p>
</div><div class="answer"><h4>Simon Klopfenstein:</h4> <p>Ich habe heute einen verfrühten Ritterschlag erhalten. Der Tages-Anzeiger hat nämlich geschrieben: «Wie Schweiz Aktuell, nur frecher». Ich glaube das trifft es sehr gut. Nau ist die Verschränkung von «out of home» auf den Bildschirmen überall in der Schweiz und dem Webportal nau.ch. Wir möchten am Puls der Zeit sein und vielfältige Schweiz abbilden und zwar auf eine persönliche Art und Weise mit unseren Lokalreportern, die für uns unterwegs sind.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Journalismus Y:</h4> <p>Wo seht ihr euch im Schweizer Medienmarkt neben Medien?</p>
</div><div class="answer"><h4>Simon Klopfenstein:</h4> <p>Bei dieser Frage ist es wichtig, die Entstehungsgeschichte zu verstehen. LiveSystems hat vor 10 Jahren angefangen mit den Bildschirmen im öffentlichen Verkehr. Dort lief schon immer 75 Prozent «Content». Meist automatisiert von anderen Medienunternehmen bestehend aus Text und Bild. Das war nicht immer gleich gut und innerhalb der Firma war schon immer klar: Irgendwann wollen wir diese Inhalte selbst produzieren. Auf dieser Basis bauen wir auf und wollen zum sichtbarsten Medium der Schweiz werden. Nicht nur am Bildschirm sondern auch von Mensch zu Mensch. Die Leute in den Regionen können für Verbundenheit sorgen. An den Tischen zuhause, bei Freunden oder im Ausgang. So wollen wir Trends in den Regionen aufspüren.</p>
</div><br />
<img loading="lazy" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/10/simon_klopfenstein.jpg" alt="" width="940" height="528" class="alignnone size-full wp-image-49081" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/10/simon_klopfenstein.jpg 940w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/10/simon_klopfenstein-300x169.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/10/simon_klopfenstein-768x431.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 940px) 100vw, 940px" /><br />
<div class="question"><h4>Journalismus Y:</h4> <p>Ihr habt schon von Beginn an 45 Angestellte. Das ist sehr viel im Vergleich zu anderen.</p>
</div><div class="answer"><h4>Simon Klopfenstein:</h4> <p>In der Tat, das ist aussergewöhnlich. Dahinter steht die Überlegung, dass wir von Anfang an clever alle vorhandenen Plattformen integrieren wollen. Dafür benötigen wir Personal mit dem nötigen Know-How. Und Quantität ist etwas, das man nicht ausser Acht lassen. Wir sehen bei anderen Projekten – und ich freue mich über alle diese Initiativen – dass es schwierig ist, mit einem geringen Output eine substantielle Reichweite zu erzeugen. Und das ist es, was wir wollen.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Journalismus Y:</h4> <p>Wenn man die Seite besucht, findet man einen wilden Mix aus Ausland, Regio und Sport. Wie passt das alles zusammen?</p>
</div><div class="answer"><h4>Simon Klopfenstein:</h4> <p>Der Mix ist in der Tat noch etwas wild. Ich gebe auch zu, dass unser Produkt zum heutigen Zeitpunkt erst 70 Prozent perfekt ist. Wir müssen nicht immer die Schnellsten sein, aber der Reiz soll schon bestehen, täglich bei uns vorbeizuschauen. Wir haben der Einfachheit halber sogar auf Rubriken verzichtet, aber wir mussten feststellen, dass die User vielleicht doch träger sind, als wir es erwarteten. Deshalb werden wir jetzt drei Rubriken erstellen: Politik/Wirtschaft, Sport und People. Gleichzeitig möchten wir die Entscheidungen, die ein User treffen muss, auf ein Minimum reduzieren.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Journalismus Y:</h4> <p>User können selbst Beiträge erfassen. Was für Pläne habt ihr mit dieser Funktion?</p>
</div><div class="answer"><h4>Simon Klopfenstein:</h4> <p>Das ist der Bereich, der noch am wenigsten entwickelt ist. Wir kamen im Endstress nicht mehr dazu, deshalb kann ich noch nicht allzu viel dazu sagen. Aber Partizipation wird eine wichtige Rolle spielen bei uns. User Generated Content beschränkt sich heute noch auf Kommentare, aber wir glauben, dass da mehr Gehalt möglich ist. Wir möchten das Fachwissen der Leute anzapfen.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Journalismus Y:</h4> <p>Mich hat überrascht, wie viele Livestreams ihr bereits gemacht habt. Im Bus ist man nur kurz und kann nicht mit Ton hören. Wie passen da Livestreams hinein?</p>
</div><div class="answer"><h4>Simon Klopfenstein:</h4> <p>Live finde ich den spannendste Bereich im Digitalen. Ich habe kürzlich «Das intensive Leben» von Tristan Garcia gelesen. Er stellt darin die These auf, dass Menschen auf der Suche nach Intensität sind. Und die neue Technologien sollen die Distanz zwischen Ereignis und Zuschauer verringern. Gutes «Live» kann diese Intensität gut vermitteln – dieses Gefühl des Dabeiseins, der Teilhabe, der Partizipation.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Journalismus Y:</h4> <p>Die für mich alles entscheidende Frage ist: Ihr habt ein funktionierendes Geschäftsmodell. Ihr habt viele Einnahmen. Warum bürdet ihr euch diese neuen Ausgaben auf?</p>
</div><div class="answer"><h4>Simon Klopfenstein:</h4> <p>Weil es werbemarkttechnisch interessant ist, nicht nur «out of home» sondern auch online anbieten zu können und weil wir einen innovativen Verwaltungsrat und Gründer haben, die immer einen Schritt weiter denken. Der schnelle Profit ist nicht das einzige, was sie antreibt, sondern auch die Freude am Inhalt.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Journalismus Y:</h4> <p>Redest du da von klassischer Werbung oder auch von «Native Advertising»?</p>
</div><div class="answer"><h4>Simon Klopfenstein:</h4> <p>Ich rede von klassischer Werbung. Wir schliessen für die Zukunft nichts aus, aber für jetzt möchten wir ganz auf Glaubwürdigkeit setzen. Ich weiss, dass bei uns die Verkaufsleute und die Redakteure im selben Raum sitzen, aber zeig mir eine freiere Redaktion als unsere. Für uns ist klar, dass wir die User mit glaubwürdigen, echte Beiträgen holen.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Journalismus Y:</h4> <p>Man hört von euch auch kritische Töne – um die Schweizer Medien stehe es nicht gut. Womit seid ihr denn unzufrieden?</p>
</div><div class="answer"><h4>Simon Klopfenstein:</h4> <p>Ich finde es steht nicht so schlecht um die Schweizer Medien. Ich hatte das Privileg, 50 Leute zu rekrutieren und dafür in der ganzen Schweiz mit über 100 JournalistInnen zu reden und ich habe gespürt: Da ist so viel Engagement. Gerade bei den Jungen. Sie stehen für ein kleines Gehalt um vier Uhr nachts auf und schmeissen eine gute Sendung. Die haben ein super Verständnis, um was es im Journalismus geht. Ich finde aber, dass der digitale Wandel auch die Qualitätsstandards des Publikums verändert und ich sehe eine gewisse Lethargie, sich daran anzupassen. Heute gilt: «Content first», wenn das Bild etwas wackelt, ist das egal. Wenn der Funke springt, dann spüre ich die Nähe. Das ist doch viel wichtiger. Da wünsche ich mir etwas mehr Mut.</p>
</div></p>
<p><div class="question"><h4>Journalismus Y:</h4> <p>Wo siehst du Nau in einem Jahr?</p>
</div><div class="answer"><h4>Simon Klopfenstein:</h4> <p>Nau hat sich in einem Jahr einen soliden Namen gemacht. Man sagt über Nau, dass sie Neues wagen aber auch eine solide Qualität vorweisen können. Gelegentlich übertreiben sie es ein bisschen.</p>
</div></p>
<p><small>Das hier wiedergegebene Interview ist eine redigierte und gekürzte Abschrift des Gesprächs im Podcast.</small></p>
<p><small>Bild: Simon Klopfenstein/zvg</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/10/27/nach-dem-start-von-nau-der-mix-ist-in-der-tat-noch-etwas-wild/">Nach dem Start von Nau: «Der Mix ist in der Tat noch etwas wild»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Sie ist «Emily National»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2017/07/20/sie-ist-emily-national/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Journalismus Y]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Jul 2017 08:15:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Emily Engkent]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>1,4 Millionen Mal wurde das erfolgreichste Facebook-Video von Emily Engkent bisher angesehen. Mit ihrer Serie «Emily National», die sie für Watson produziert, trifft die 32-jährige Kanadierin regelmässig einen Nerv beim jungen Publikum. Wie kam es dazu? Wir haben Emily interviewt – live am Relaunch-Event der Medienwoche vom 5. Juli im Zentrum Karl dem Grossen. Wie <a href="https://medienwoche.ch/2017/07/20/sie-ist-emily-national/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/07/20/sie-ist-emily-national/">Sie ist «Emily National»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>1,4 Millionen Mal wurde das <a href="https://www.facebook.com/watson.news/videos/1379878915420663/" target="_blank" rel="noopener">erfolgreichste Facebook-Video</a> von Emily Engkent bisher angesehen. Mit ihrer Serie <a href="http://www.watson.ch/Emily+National" target="_blank" rel="noopener">«Emily National»</a>, die sie für Watson produziert, trifft die 32-jährige Kanadierin regelmässig einen Nerv beim jungen Publikum. Wie kam es dazu? Wir haben Emily interviewt – live am Relaunch-Event der Medienwoche vom 5. Juli im Zentrum Karl dem Grossen.</strong><br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-45368" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/07/MW-Launch-20170705-by-Leisi-DSCF0839.jpg" alt="" width="1456" height="971" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/07/MW-Launch-20170705-by-Leisi-DSCF0839.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/07/MW-Launch-20170705-by-Leisi-DSCF0839-300x200.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/07/MW-Launch-20170705-by-Leisi-DSCF0839-768x512.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/07/MW-Launch-20170705-by-Leisi-DSCF0839-1024x683.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2017/07/MW-Launch-20170705-by-Leisi-DSCF0839-728x485.jpg 728w" sizes="auto, (max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
<iframe loading="lazy" src="https://w.soundcloud.com/player/?url=https%3A//api.soundcloud.com/tracks/333216315&amp;color=ff5500&amp;auto_play=false&amp;hide_related=false&amp;show_comments=true&amp;show_user=true&amp;show_reposts=false" width="100%" height="166" frameborder="no" scrolling="no"></iframe><br />
<strong>Wie bist du eigentlich als Kanadierin in der Schweiz gelandet?</strong><br />
Ich bin wegen der Liebe gekommen, aber wegen dem ÖV geblieben. Und weil man hier im Bus <a href="https://www.facebook.com/watson.news/videos/1548084048600148/" target="_blank" rel="noopener">öffentlich Alkohol trinken darf</a>.</p>
<p><strong>Und warum Journalismus?</strong><br />
In Kanada habe ich bereits bei <a href="http://www.ctvnews.ca/" target="_blank" rel="noopener">CTV News</a> gearbeitet. Hier habe ich mich überall beworben und dann bei Joiz in der Technik eine Stelle erhalten. Zuerst als Kamerafrau, dann als Redaktorin von Noiz.</p>
<p><strong>Kanada gilt als die Schweiz Amerikas – wie sieht die Medienlandschaft aus?</strong><br />
Sehr ähnlich. Auch wir haben einen grossen Nachbar – die USA – gegen den wir uns zu behaupten haben. CBC ist unser SRF, aber auch dieser ist unter Druck und hat mit mangelnden Finanzen zu kämpfen.</p>
<p><strong>Du hast aber auch schon gesagt, du siehst dich selbst gar nicht als Journalistin. Wieso nicht?</strong><br />
Eigentlich habe ich mich eines Tages gegen Journalismus entschieden. An der Uni habe ich irgendwann festgestellt, dass Journalisten zu wildfremden Menschen gehen und sie Fragen stellen. Ich würde das hassen! Ich bin eher introvertiert. Aber die Fernseh-Produktion hat mir gefallen. Geschichten erzählen, ohne selbst im Zentrum zu stehen, doch am Schluss ist nun doch alles anders gekommen.</p>
<p><strong>Wie hast du den Konkurs von Joiz erlebt?</strong><br />
Es war schwer. Plötzlich waren alle arbeitslos, aber zum Glück gab es eine grosse Solidarität unter den Joiz-Leuten und auch in der Medienbranche. Heute haben praktisch alle wieder einen Job.</p>
<p><strong>Und wie bist du dann zu Watson gekommen?</strong><br />
Zum Glück ist eine gute Freundin von mir, lya, als Video-Chefin dort eingestellt worden. Sie hat mich kurz darauf zu sich geholt – nach nur einem Monat ohne Arbeit.</p>
<p><strong>Danach bist du sehr rasch aufgefallen.</strong><br />
Tatsächlich, ich war selbst überrascht. Im Februar habe ich <a href="https://www.facebook.com/watson.news/videos/1379878915420663/" target="_blank" rel="noopener">einen Rant</a> darüber erstellt, wie schwierig es ist, Deutsch bzw. Schweizerdeutsch zu lernen. Ich glaube viele Leute haben sich darin wiedererkannt und so hat sich das Video extrem rasch weiterverbreitet.</p>
<p><strong>Dein Kanal hat insgesamt mehrere Millionen Klicks – wie fühlt sich das an</strong><br />
Ein bisschen beunruhigend. Aber es ist cool! Ich freue mich, wenn Leute es mögen, aber oh mein Gott – so viele Menschen.</p>
<p><strong>Verspürst du auch einen Druck?</strong><br />
Ja durchaus. Ich muss schliesslich weiter Videos produzieren. Bis die Leute irgendwann genug von mir haben.</p>
<p>Hören Sie das ganze Gespräch in der Aufzeichnung (oben) – unter anderem zu <a href="http://www.watson.ch/Wein+doch" target="_blank" rel="noopener">«Wein doch» – einer Videoserie von Emily</a>, in der sich Watson-Mitarbeiter vor laufender Kamera betrinken und über etwas ablästern.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/07/20/sie-ist-emily-national/">Sie ist «Emily National»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Wie es ist, als Jüngster im Team die Redaktion zu leiten</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2017/05/27/wie-ist-das-der-juengste-und-gleichzeitig-leiter-des-teams-zu-sein/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Journalismus Y]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 27 May 2017 06:32:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Conradin Knabenhans]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=29289</guid>

					<description><![CDATA[<p>27 und schon Chef. Also genauer gesagt: Redaktionsleiter. Seit 2014 ist Conradin Knabenhans bei der Zürichsee Zeitung. Seit 2015 leitet er dort die Obersee-Ausgabe. Wie fühlt es sich an, ein Team von acht Personen zu leiten wenn man der Jüngste im Team ist? Das wollten wir von ihm wissen und sind ihn in Wädenswil besuchen <a href="https://medienwoche.ch/2017/05/27/wie-ist-das-der-juengste-und-gleichzeitig-leiter-des-teams-zu-sein/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>27 und schon Chef. Also genauer gesagt: Redaktionsleiter. Seit 2014 ist Conradin Knabenhans bei der Zürichsee Zeitung. Seit 2015 leitet er dort die Obersee-Ausgabe. Wie fühlt es sich an, ein Team von acht Personen zu leiten wenn man der Jüngste im Team ist? Das wollten wir von ihm wissen und sind ihn in Wädenswil besuchen gegangen.</p>
<p><span id="more-29289"></span></p>
<p><iframe loading="lazy" src="https://w.soundcloud.com/player/?url=https%3A//api.soundcloud.com/tracks/324611788&amp;color=ff5500&amp;auto_play=false&amp;hide_related=false&amp;show_comments=true&amp;show_user=true&amp;show_reposts=false" width="100%" height="166" frameborder="no" scrolling="no"></iframe></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Verstehe ich das richtig, bist du der Jüngste im Team und gleichzeitig der Chef?</strong></p>
<p><span class="soundcite" data-id="324611788" data-start="145682" data-end="182224" data-plays="1">«Es gab tatsächlich eine Zeit, da war ich der Jüngste im Team. So habe ich auch mit Leuten im Alter von 35 bis 55 Bewerbungsgespräche geführt, aber am komischsten war das glaub ich für mich selbst.»</span> Jene, die von aussen kamen, haben sich zu seinem Alter gar nichts weiter gedacht.</p>
<p><strong>Machst du eine andere Zeitung, weil du jünger bist?</strong></p>
<p>Nein, das glaube ich nicht. Wir sind ein durchmischtes Team – mein Alter spielt keine grosse Rolle, weil wir viele Entscheidungen im Team treffen.</p>
<p><strong>Welche Rolle hat der Lokaljournalismus, wenn Medien wie die New York Times nur einen Mausklick entfernt sind?</strong></p>
<p><span class="soundcite" data-id="324611788" data-start="457757" data-end="499436" data-plays="1">«Schwarzmaler würden jetzt sagen, eine kleine, weil man ja alle Informationen überall bekommt, aber ich habe die Erfahrung gemacht: Lokal interessiert.»</span> Bei der Zürichsee-Zeitung konnten wir ganz klar sehen, dass beispielsweise während den Wahlen im vergangenen Jahr die Klickzahlen online und sogar die Abo-Verkäufe angestiegen sind. Und diese Inhalte wird man nie in der New York Times kriegen.</p>
<p><strong>Was glaubst du, wie deine Arbeit in zehn Jahren aussehen wird?</strong></p>
<p>Online wird nochmal zulegen, das ist klar. Es braucht aber auch Verlage, die den Print als Kulturgut, als wichtige Informationsquelle im Lokalen beibehalten wollen. <span class="soundcite" data-id="324611788" data-start="1131652" data-end="1162751" data-plays="1">«Die Zeitung erinnert einen jeden Morgen daran, dass man aktuelle Informationen aus der Region bekommen hat. Online ist es viel schwieriger, die Leute regelmässig für sich zu gewinnen.»</span></p>
<p><strong>Wie wird dein Arbeitstag heute noch aussehen?</strong></p>
<p>Ich schreibe noch mindestens zwei Geschichten. Das ist die wichtigste Aufgabe, nach wie vor.</p>
<blockquote><p>Der Journalismus ist mein Herzblut.</p></blockquote>
<p>Und damit möchte ich auch die meiste Zeit verbringen. Natürlich gibt es Dienst- und Ferienpläne, die ich regeln muss, aber als Redaktionsleiter möchte ich in der Zeitung stattfinden. <span class="soundcite" data-id="324611788" data-start="1316764" data-end="1352247" data-plays="1">Ich bin Journalist mit Leib und Seele. Dafür nehme ich notfalls auch die eine oder andere Überstunde in Kauf.</span></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/05/27/wie-ist-das-der-juengste-und-gleichzeitig-leiter-des-teams-zu-sein/">Wie es ist, als Jüngster im Team die Redaktion zu leiten</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Fleissige Helferlein oder Arbeitsplatzvernichter?</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2017/04/28/roboterisierung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Journalismus Y]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 28 Apr 2017 15:36:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Automatisierung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=29098</guid>

					<description><![CDATA[<p>97 Prozent aller Bankangestellten werden in den nächsten 20 Jahren durch einen Roboter ersetzt. Dies prognostizieren zumindest Forscher der Universität Oxford. Tippt man hingegen «Redakteur» ins Suchfeld ein, so erhält man die beruhigende Antwort, dass nur 5.5 Prozent aller Medienschaffenden fürchten müssen, dass ihre Arbeit bald von Maschinen erledigt wird. Doch genau das geschieht bereits <a href="https://medienwoche.ch/2017/04/28/roboterisierung/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>97 Prozent aller Bankangestellten werden in den nächsten 20 Jahren durch einen Roboter ersetzt. Dies <a href="http://gfx.sueddeutsche.de/pages/automatisierung/">prognostizieren</a> zumindest Forscher der Universität Oxford. Tippt man hingegen «Redakteur» ins Suchfeld ein, so erhält man die beruhigende Antwort, dass nur 5.5 Prozent aller Medienschaffenden fürchten müssen, dass ihre Arbeit bald von Maschinen erledigt wird. Doch genau das geschieht bereits heute.<span id="more-33127"></span></p>
<p><iframe loading="lazy" src="https://w.soundcloud.com/player/?url=https%3A//api.soundcloud.com/tracks/319889696&amp;auto_play=false&amp;hide_related=false&amp;show_comments=true&amp;show_user=true&amp;show_reposts=false&amp;visual=true" width="100%" height="100" frameborder="no" scrolling="no"></iframe></p>
<p>Es ist offensichtlich: Ein Roboter beschwert sich nicht, wenn er nachts um drei noch 20 Spielberichte schreiben und veröffentlichen muss. Zu jeder Tages- und Nachtzeit erledigt er seinen Job <b>in Sekundenschnelle und ohne Flüchtigkeitsfehler</b>.</p>
<p>Nun mag das Wort «Roboter» irreführend sein. In Wirklichkeit reden wir hier natürlich von Algorithmen – also Computerprogramme, die von einem Programmierer mit <b>Satzbausteinen und einer gewissen Logik</b> ausgestattet wird und das dann strukturierte Daten – z.B. «Ereignis: Foul. Täter: Spieler X. Opfer: Spieler Y. Zeit. 83. Minute.» – in lesbaren Text umwandelt.</p>
<h3>Was bisher automatisiert wurde, ist kaum sinnstiftende Arbeit</h3>
<p>Wer schon einmal einen Liveticker geschrieben hat, der weiss: Es ist keine sehr herausfordernde Arbeit. Und auch keine besonders angenehme. In einer perfekten Welt würde nun der Computer den Liveticker schreiben und der <b>Mensch eine Analyse zum Spiel</b>. In der Realität kann es natürlich sein, dass ein Chef auf die teure Analyse und damit auf den Redaktor ganz verzichtet.</p>
<p>Denn die Algorithmen, die aus der Schmiede von Firmen wie <a href="https://www.narrativescience.com/">Narrative Science</a> (US) oder <a href="https://www.ax-semantics.com/de/">AX Semantics</a> (D) kommen, werden immer besser. Diverse <a href="http://meedia.de/2017/03/20/medienforscher-ueber-roboter-journalismus-in-der-massenproduktion-schneiden-maschinen-besser-ab-als-menschen/">Studien</a> belegen, dass sie <b>nicht mehr von menschengeschriebenen Texten unterscheidbar</b> sind und sogar als sachlicher wahrgenommen werden.</p>
<p>Schreiben sie im Moment vor allen Texte über Sport oder Finanzen (Bereiche in denn gut strukturierte, maschinenlesbare Daten vorliegen), gibt es aber auch einige<b> Beispiele, die aufhorchen lassen</b>. So präsentiert Christian Conradi in seinem Podcast <a href="http://viertausendhertz.de/sf09/">ein Klavierstück</a>, das von einem Algorithmus im Stile Frédéric Jopins komponiert wurde und selbst von Jopin-Experten nicht als Fälschung entlarvt werden konnte.</p>
<h3>Symbiose von Mensch und Maschine</h3>
<p>Ganz klar gibt es aber Bereiche, die<b> nie von einem Algorithmus</b> werden erledigt werden können. Journalistische Formen wie zum Beispiel die Reportage, wo man vor Ort geht, sich Dinge anschaut, erklären lässt und auch persönliche Eindrücke in den Text einfliessen lässt – das kann kein Roboter. Dasselbe gilt für Interviews, aber auch für Meinungsstücke wie Kommentare oder Einschätzungen.</p>
<p>Und so können wir nur hoffen, dass die Arbeit der verbleibenden 94.5 Prozent aller Journalisten noch schöner wird und wir die lästige Kleinarbeit in Zukunft den Computern überlassen können.</p>
<p>PS: Wir wollen besser werden. Hilf uns dabei, indem du kurz einige Fragen zum Podcast beantwortest. Geht ganz schnell, versprochen:</p>
<p><iframe loading="lazy" id="typeform-full" src="https://angelozehr.typeform.com/to/APMCye" width="100%" height="720" frameborder="0"></iframe> <script type="text/javascript" src="https://s3-eu-west-1.amazonaws.com/share.typeform.com/embed.js"></script></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/04/28/roboterisierung/">Fleissige Helferlein oder Arbeitsplatzvernichter?</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>«Wir fokussieren auf das Alltägliche»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2017/03/31/wir-fokussieren-auf-das-alltaegliche/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Journalismus Y]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 31 Mar 2017 08:28:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[De Correspondent]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=28962</guid>

					<description><![CDATA[<p>Das niederländische Online-Magazin De Correspondent macht vieles richtig: Gestartet mit 19&#8217;000 Unterstützern per Crowdfunding, haben sie heute 55&#8217;000 zahlende Mitglieder und wollen demnächst in die USA expandieren. Wir wollten wissen: Was ist ihr Erfolgsrezept? Gefragt haben wir Maaike Goslinga (26) International Editor. (Der Altersdurchschnitt auf der holländischen Redaktion liegt bei nur 33 Jahren.) Über die <a href="https://medienwoche.ch/2017/03/31/wir-fokussieren-auf-das-alltaegliche/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Das niederländische Online-Magazin De Correspondent macht vieles richtig: Gestartet mit 19&#8217;000 Unterstützern per Crowdfunding, haben sie heute 55&#8217;000 zahlende Mitglieder und wollen <a href="http://www.niemanlab.org/2017/03/newsonomics-can-dutch-import-de-correspondent-conquer-the-u-s/" target="_blank" rel="noopener">demnächst in die USA expandieren</a>. Wir wollten wissen: Was ist ihr Erfolgsrezept?<br />
<span id="more-33122"></span><br />
<iframe loading="lazy" src="https://w.soundcloud.com/player/?url=https%3A//api.soundcloud.com/tracks/315351734&amp;auto_play=false&amp;hide_related=false&amp;show_comments=true&amp;show_user=true&amp;show_reposts=false&amp;visual=true" width="100%" height="100" frameborder="no" scrolling="no"></iframe><br />
Gefragt haben wir Maaike Goslinga (26) International Editor. (Der Altersdurchschnitt auf der holländischen Redaktion liegt bei nur 33 Jahren.) Über die Kernidee von De Correspondent sagt sie:</p>
<blockquote><p><span class="soundcite" data-id="315351734" data-start="77826" data-end="104000" data-plays="1">«Wir berichten über die Dinge, die jeden Tag passieren.»</span></p></blockquote>
<p>Also nicht wie konventionelle Medien, die über das berichten, was eben genau nicht jeden Tag passiert – das Ausserordentliche. <span class="soundcite" data-id="315351734" data-start="231215" data-end="259903" data-plays="1">«Wir glauben nicht, dass man von den Nachrichten lernt, wie die Welt funktioniert. Sondern nur, wie sie eben genau nicht funktioniert.»</span> De Correspondent versuche deshalb die Dinge grundsätzlichen anzuschauen und längerfristige Entwicklungen, strukturelle Phänomene zu beleuchten.</p>
<p>Die zweite Kernidee des Online-Magazins sei die Basis – die Mitglieder. Jedes Mitglied sei ein Experte auf irgendeinem Gebiet. Ob es sich nun um einen Arzt oder um einen Kranken handelt: Beide wissen viel über die Krankheit. Dieses Wissen versucht De Correspondent einzubinden. Und zwar lange vor der Publikation eines Inhalts.</p>
<h3>Jedem Autor sein Tagebuch</h3>
<p>De Correspondent funktioniert stark autorenbasiert &#8211; daher auch der Name. Jede Autorin und jeder Autor sucht sich eigene Themen, recherchiert so lange er oder sie will und unterhält währenddessen einen persönlichen Newsletter.</p>
<p>Interessiert sich ein Leser beispielsweise für Umweltthemen, abonniert er den Newsletter des Umwelt-Korrespondenten. <span class="soundcite" data-id="315351734" data-start="1138701" data-end="1164871" data-plays="1">«Die Autoren veröffentlichen darin den Zwischenstand ihrer Recherche»</span> und bieten dabei der Leserschaft die Möglichkeit, sich einzuschalten. So wurde dem «Correspondent» zum Beispiel ein <a href="https://medium.com/de-correspondent/reader-engagement-shell-4bb6d0b8fb84">firmeninternes Video von Shell</a> aus den 90er-Jahren zugespielt, das beweist, dass Shell schon damals sehr genau wusste, dass der Klimawandel stattfindet.</p>
<h3>Überraschende Einnahmequellen</h3>
<p>Einige Autoren haben ihre <a href="https://thecorrespondent.com/utopia-for-realists/" target="_blank" rel="noopener">Recherchen am Ende als Buch</a> veröffentlicht. De Correspondent – sonst komplett digital-only – ist so unterdessen doch noch ins Printgeschäft eingestiegen. Und verdient damit Geld!</p>
<p>Unterdessen sind die «Correspondents», also die Redaktoren, gefragte Experten auf ihrem Gebiet. Und das machen sie ebenfalls zu Geld. <span class="soundcite" data-id="315351734" data-start="914690" data-end="948386" data-plays="1">Sie werden zu Konferenzen eingeladen oder als Berater engagiert. Ein Teil der Honorare für diese Tätigkeiten fliesst zurück ans Medienhaus.</span></p>
<h3>Das positive Narrativ</h3>
<p>Darauf angesprochen, ob sie sich als Konkurrenz zu konventionellen Medienhäuser sehen, sagt Maaike <span class="soundcite" data-id="315351734" data-start="810452" data-end="843774" data-plays="1">«Nein, denn wir machen etwas komplett anderes als sie. Wir ergänzen uns viel eher.»</span> Entweder indem De Correspondent eine aktuelle Entwicklung aufgreift und erklärt oder sie vorwegnimmt. So geschehen mit den Panama Papers, wo De Correspondent <span class="soundcite" data-id="315351734" data-start="862164" data-end="878510" data-plays="1">mit einer ausführlichen Analyse der Funktionsweise von Steuerhinterziehungen aufwarten konnte.</span>.</p>
<p>Und so gibt sie jenen, die selbst so etwas wie den Correspondent starten möchten vor allem eines auf den Weg: «Starte immer mit einer positiven Motivation und nicht mit einer Negativen.» Also nicht <em>gegen</em> die anderen sondern <em>für</em> etwas Neues, das wichtig für die Gesellschaft als Ganzes ist. <span class="soundcite" data-id="315351734" data-start="1323365" data-end="1341423" data-plays="1">«Man muss den Leuten Hoffnung schenken.»</span></p>
<p><em>Anmerkung: Demnächst versucht de Correspondent eine <a href="http://www.niemanlab.org/2017/03/newsonomics-can-dutch-import-de-correspondent-conquer-the-u-s/" target="_blank" rel="noopener">Expansion in die USA</a>. Diese war leider zum Zeitpunkt des Interviews noch nicht öffentlich bekannt und deshalb nicht Thema des Gesprächs.</em></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/03/31/wir-fokussieren-auf-das-alltaegliche/">«Wir fokussieren auf das Alltägliche»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Krautreporter: «Wir sind im Grunde ein revisionistisches Projekt»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2017/02/24/krautreporter-wir-sind-im-grunde-ein-revisionistisches-projekt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Journalismus Y]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Feb 2017 16:19:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Krautreporter]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=28817</guid>

					<description><![CDATA[<p>2014 sind die Krautreporter angetreten mit den Worten: «Der Online-Journalimus ist kaputt – wir kriegen das wieder hin». Zwei Jahre später las man: «Krautreporter ist kaputt». Wo steht das Online-Magazin heute? Wir sind nach Berlin gefahren und haben bei Mitgründer und Geschäftsführer Sebastian Esser nachgefragt. Aus 15&#8217;000 mach 5000 Wenn man rein die Zahlen anschaut, ist <a href="https://medienwoche.ch/2017/02/24/krautreporter-wir-sind-im-grunde-ein-revisionistisches-projekt/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>2014 sind die Krautreporter <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/krautreporter-erfolg-15-000-unterstuetzer-fuer-start-des-projekts-a-974982.html"><span class="s2">angetreten mit den Worten</span></a>: «Der Online-Journalimus ist kaputt – wir kriegen das wieder hin». Zwei Jahre später <a href="http://www.quotenmeter.de/n/86125/mehr-vox-com-weniger-krautreporter"><span class="s2">las man</span></a>: «Krautreporter ist kaputt». Wo steht das Online-Magazin heute? Wir sind nach Berlin gefahren und haben bei Mitgründer und Geschäftsführer Sebastian Esser nachgefragt.<br />
<span id="more-33109"></span><br />
<iframe loading="lazy" src="https://w.soundcloud.com/player/?url=https%3A//api.soundcloud.com/tracks/309334801&amp;auto_play=false&amp;hide_related=false&amp;show_comments=true&amp;show_user=true&amp;show_reposts=false&amp;visual=true" width="100%" height="100" frameborder="no" scrolling="no"></iframe></p>
<h3>Aus 15&#8217;000 mach 5000</h3>
<p>Wenn man rein die Zahlen anschaut, ist man geneigt, den Kritikern Recht zu geben: Der Versuch, den Online-Journalismus zu retten, scheint gescheitert zu sein. Zwei Drittel der Mitglieder, die zu Beginn dabei waren, sind abgesprungen. Doch fragt man den Mitgründer und Geschäftsführer Sebastian Esser, widerspricht er: «Ja, man hätte Dinge anders machen müssen, <span class="soundcite" data-id="309334801" data-start="430000" data-end="455685" data-plays="1">aber wie hätten wir das im Vorhinein wissen sollen? Man muss die Dinge ausprobieren.»</span></p>
<p>Gestartet ist Krautreporter mit einem Pool von 28 Autorinnen und Autoren. «Leute, die verstanden haben wie Journalismus im Internet funktioniert», sagt Esser. Doch die 28 Communities dieser Einzelkämpfer zu vereinen, erwies sich als schwieriger als erwartet. Die Krautreporter mussten sich den Vorwurf gefallen lassen, keine klare Haltung auszustrahlen. Mit einem «Blumenstrauss von starken Persönlichkeiten», die ihr Ding machten und meist parallel zu Krautreporter weiterhin ihre eigenen Kanäle bedienten, war die Plattform als Medium kaum fassbar.</p>
<h3>«Jetzt haben wir den Dreh raus»</h3>
<p>Esser und seinen Kolleginnen und Kollegen <a href="http://www.sueddeutsche.de/medien/krautreporter-das-verflixte-zweite-jahr-1.2567883"><span class="s2">wurde klar</span></a>: «Davon müssen wir wegkommen.» Sie richteten eine feste Redaktion mit zehn Leuten in Berlin ein. Und letztes Jahr folgte ein zweiter radikaler Wandel: eine Paywall. Ein Leser kann nur noch die Hälfte des Textes lesen. Dann muss er sich zu einem Jahresabonnement entschliessen oder ein Testabo von 30 Tagen lösen. «Und das funktioniert richtig, richtig gut», bilanziert Geschäftsführer Esser, der vor einiger Zeit noch sagte, <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-127626413.html"><span class="s2">er glaube nicht an Bezahlschranken</span></a>.</p>
<blockquote><p><span class="soundcite" data-id="309334801" data-start="973298" data-end="997090" data-plays="1">«Je besser der Journalismus, desto höher die Umsätze.»</span></p></blockquote>
<p>Das sei das Schöne an seiner Arbeit, sagt Esser heute – das sei die «krasse Botschaft», die hinter dem Geschäftsmodell der Krautreporter stecke. Während andere Medien für Reichweite belohnt würden – also über Werbung, die pro Klick bezahlt wird – würde Krautreporter für Qualität belohnt. Indem sie die Neumitglieder mit qualitativ hochwertigen Inhalten zum Beitritt bewegten. Wie sich das bisher auf die Mitgliederzahlen ausgewirkt hat, möchte Esser aber nicht verraten.</p>
<p>Das Brancheninteresse am dreijährigen Startup hat sich unterdessen gelegt. «Zum Glück», findet Esser. «Meine Befriedigung ist es, durch Erfolge, den Leuten, die dachten, nun komme das grosse Scheitern, Lügen zu strafen.» Er präzisiert: <span class="soundcite" data-id="309334801" data-start="147340" data-end="186788" data-plays="1">«Innovation im Journalismus ist ein trügerischer Begriff. Er beinhaltet, dass man am Kern – am Journalismus etwas ändert. Aber das wollen wir nicht. Wir wollten uns von den Vermarktungszwängen befreien. Eigentlich ein sehr revisionistisches Projekt.»</span></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/02/24/krautreporter-wir-sind-im-grunde-ein-revisionistisches-projekt/">Krautreporter: «Wir sind im Grunde ein revisionistisches Projekt»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Constantin Seibt: «Wir müssen hektoliterweise Hoffnung verkaufen»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2017/01/20/wir-muessen-hektoliterweise-hoffnung-verkaufen/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2017/01/20/wir-muessen-hektoliterweise-hoffnung-verkaufen/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Journalismus Y]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 20 Jan 2017 09:59:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Constantin Seibt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=28677</guid>

					<description><![CDATA[<p>Am 10. Januar verschickt «Project R» eine Mail an 5000 Leute. Noch am selben Abend steige eine Party. 500 Leute kommen. Eine Woche später treffen wir Constantin Seibt zum Interview, einen der Mitinitianten des neuen Medienprojekts. MEDIENWOCHE: Was unterscheidet euch von einer Wochenzeitung – von der WOZ? Constantin Seibt: Ich glaube die Woz macht einen <a href="https://medienwoche.ch/2017/01/20/wir-muessen-hektoliterweise-hoffnung-verkaufen/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Am 10. Januar verschickt «Project R» eine Mail an 5000 Leute. Noch am selben Abend steige eine Party. 500 Leute kommen. Eine Woche später treffen wir Constantin Seibt zum Interview, einen der Mitinitianten des neuen Medienprojekts.</strong><br />
<span id="more-33100"></span><br />
<iframe loading="lazy" src="https://w.soundcloud.com/player/?url=https%3A//api.soundcloud.com/tracks/303629544&amp;auto_play=false&amp;hide_related=false&amp;show_comments=true&amp;show_user=true&amp;show_reposts=false&amp;visual=true" width="100%" height="100" frameborder="no" scrolling="no"></iframe></p>
<p><strong>MEDIENWOCHE: Was unterscheidet euch von einer Wochenzeitung – von der WOZ?</strong><br />
Constantin Seibt: Ich glaube die Woz macht einen sehr guten Job. Wir wären sehr erfreut, wenn wir irgendwann so solide finanziert dastehen, wie die WOZ heute. Ich glaube, dass wir weniger auf eine einzige Szene fixiert sind wie die WOZ. Ich glaube, dass wir auch etwas weiter rausgehen müssen. Im Journalismus stellt sich ja immer die Frage: Gehst du ins Exotische oder gehst du auf die grossen Schlachtplätze? Beschreibst du den Käser auf der Alp, der alternativen Käse herstellt und ein sehr gutes Leben führt oder gehst du ins Bundeshaus, wo alle sind und versuchst, besser als alle anderen Zeitungen zu sein. <span class="soundcite" data-id="303629544" data-start="79598" data-end="110781" data-plays="1">Und unser Platz sind die grossen Schlachtplätze, die grossen Fragen – die Digitalisierung, die Roboterisierung – bei denen es noch keine klaren Antworten gibt und wir wollen versuchen fast ausschliesslich die grossen Stoffe zu machen. Nicht den ersten, sondern den definitiven Artikel schreiben zum Thema. Das ist unser Konzept. Wir wollen «The Big Picture» machen und zwar auf Breitleinwand und in Technicolor.</span></p>
<p><strong>Ist das denn etwas, das du bei deinem bisherigen Job beim Tages-Anzeiger nicht machen konntest?</strong><br />
Ich hatte grosse Freiheiten und ein sehr gutes Team beim Tages-Anzeiger. Ich persönlich konnte sehr viel machen. Das Problem ist auch nicht meine persönliche Situation, sondern dass sich das Mediensystem in eine andere Richtung entwickelt. Das Problem ist, dass die grossen Verlage die Publizistik verlassen und sich – wie Springer, Tamedia oder Ringier – in Internethandelshäuser verwandeln und dass dadurch ein Problem entsteht und zwar nicht nur für den Journalismus als Beruf sondern für die gesamte Demokratie. Mit schlechten Informationen fällt man schlechte Entscheidungen. Und das gilt sowohl für Privatpersonen wie auch für Stimmvölker und wir wollen solide Beiträge machen, mit denen man wirklich informiert ist. Mittelfristig ist es ja so, dass die Verlage aus der Publizistik aussteigen. Der einzige Mann, der noch begeistert Zeitungen kauft in diesem Land, das ist Herr Blocher. Da besteht die Gefahr, dass die Zeitungen eines Tages einer Oligarchie gehören, ähnlich wie in Russland, und das ist keine Perspektive. Also müssen wir versuchen, einen anderen Weg zu finden, um Journalismus zu finanzieren: über die Leser. Wir müssen ein neues Modell erstellen. Einen neuen Weg gehen.</p>
<p><strong>Und den geht ihr jetzt?</strong><br />
Den gehen wir! Und unser Konzept ist es, dass wir nicht nur hervorragenden Journalismus machen müssen, sondern auch eine funktionierende Firma. <span class="soundcite" data-id="303629544" data-start="238967" data-end="264308" data-plays="1">Also gesetzt der Fall, wir machen Klasse Journalismus – was ja schon schwierig genug ist – aber die Firma funktioniert nicht: Dann ist das schön, dass wir das gemacht haben, aber es ist keine Veränderung im System. Es geht darum das System zu verändern indem man eine Alternative baut.</span> Unser mittelfristiges Ziel ist, dass wir nach fünf Jahren mindestens selbsttragend sind. Unser langfristiges Ziel ist, falls unsere finsteren Prognosen über das Schweizer Mediensystem zutreffen, dass wir so etwas wie eine Arche Noah sind und falls die grossen Verlagen ihre Aufgaben nicht mehr wahrnehmen, wir immer mehr Funktionen des bisherigen Informationssystems übernehmen können. Dass wir dann «The Last Man Standing» sind und ausbaufähig. Aber das ist quasi der «Moon Shot».</p>
<blockquote><p><span class="soundcite" data-id="303629544" data-start="301535" data-end="313117" data-plays="1">Das wäre super für uns, aber es wäre schlecht für den Journalismus, es wäre schlecht für das Land. Wir hoffen nicht auf unseren grossen Erfolg.</span></p></blockquote>
<p><strong>Wenn du sagst, ihr erzählt die grossen Geschichten: So viele grosse Geschichten gibt&#8217;s in diesem kleinen Land doch gar nicht.</strong></p>
<p><span class="soundcite" data-id="303629544" data-start="321443" data-end="338608" data-plays="1">Ach fuck, es gibt unglaublich viele grossen Geschichten! Im Moment zum Beispiel die Unternehmenssteuerreform III. Ein unglaublich komplexes Teil mit Dingen, die vielleicht nur die Wirtschaftsjuristen kapieren.</span> Es gibt riesige Geschichten darüber, dass es völlig unklar ist, wie sich die Digitalisierung und die Roboter auf die Schweiz auswirken werden. Es gibt die grossen Handelsströme bei den Rohstofffirmen. Es gibt gleichzeitig auch die unglaublich schwierige Frage privater Natur, wie du heute durchs Leben kommst, ohne ein Arschloch zu sein und ohne über&#8217;s Ohr gehauen zu werden. Die Autoritären steigen auf, überall in Europa. Was zum Teufel tut man dagegen? Und was ist eigentlich die Ursache? Es gibt unglaublich viele komplexe Fragen bei denen es faszinierenderweise noch keine klare Antwort gibt. Es gibt genug Arbeit <span class="soundcite" data-id="303629544" data-start="387915" data-end="395042" data-plays="1">und ich würde mir wünschen, das ungefähr Vierfache an Intelligenz zu haben, um da wenigstens eine Chance zu haben.</span></p>
<p><strong>Ich habe gelesen, es soll ein Team entstehen von 10 bis 15 Leuten. Wie oft möchtet ihr denn solche grossen Geschichten schreiben?</strong><br />
Also wir brauchen mindestens eine gute Geschichte pro Tag, vielleicht flankiert von zwei kleineren. Wir werden täglich etwas drauf haben. Aber wir werden versuchen, «No Bullshit» drauf zu haben, das heisst, nichts, was nicht wirklich fertig ist. Nichts, was nicht wirklich interessant ist. Wir wollen alles Halblange, Halbfertige, Halbdurchdachte, Halbleidenschaftliche, Halbgare draussen haben. Wir werden es nicht schaffen, aber wir werden es anstreben. Und dadurch trotz der Länge gewisser Artikel zeitsparend sein.</p>
<p><strong>Zeitsparend indem man nur noch euer Produkt konsumieren muss und kein anderes?</strong><br />
Ich glaube es gibt sehr verschiedene Formen von Lesern, aber erstmal sind wir ein komplementäres Produkt. Wir wollen die Referenz sein, wo du nicht enttäuscht von der Seite weggehst. Unsere einzige Überlebenschance ist ja, die Leser zu begeistern. Das ist ein ganz anderes Ziel als bei anderen Medien. Das Ziel der Tageszeitung ist es, die tägliche Agenda abzuarbeiten, sodass die Zeitung ohne weisse Flecken voll ist. Das Ziel eines typischen Onlineportals ist es, möglichst viele Klicks zu generieren. Unser Ziel ist, dass die Leser wirklich überzeugt und begeistert sind, weil sie uns am Ende nicht bezahlen werden, wenn sie das nicht sind.</p>
<blockquote><p>Wir haben keine andere Chance, als die Leute von Zeit zu Zeit wirklich hinzureissen, sodass sie das Gefühl haben: Okay, das sind meine Jungs, meine Mädels, meine Mannschaft – ich zahle dafür.</p></blockquote>
<p><span class="soundcite" data-id="303629544" data-start="522167" data-end="342" data-plays="1">Und sollten wir das nicht schaffen, dann werden wir zurecht den Weg allen Fleisches gehen und in Schande untergehen.</span></p>
<p><strong>Ihr arbeitet zurzeit mit einer Anschubfinanzierung?</strong><br />
Wir haben nur eine kleine Anschubfinanzierung bis im Mai. Dann haben wir ungefähr drei bis vier Millionen – später vielleicht mehr. Aber die Finanzierung für die ersten zwei Jahre steht. Aber nur unter einer Bedingung! Das Problem bei einem neuen Medium ist ja, dass Journalismus ein Hochrisikogeschäft ist. Und das Problem bei der Planung, das wir hatten, war, dass wir ein Medium geplant haben, das gross genug ist, damit wir in der politischen Debatte auch Schlagkraft haben, aber klein genug, damit wir überleben können. Daran haben wir lange rumdiskutiert: Wie gross muss das sein? Dann sind wir zu einem Plan gekommen. Wir fanden ihn überzeugend, aber es gibt eine Lücke in diesem Plan. Und erstaunlicherweise ist es die entscheidende Lücke. Das ist der Markt. Wie viele Leute wollen uns eigentlich? Niemand kann das sagen, bevor man es nicht probiert hat. Wir wollten auch nicht auf Investoren zugehen und sagen: Okay finanziert uns mal für zwei, drei Jahre und wir arbeiten dann fröhlich vor uns her und vielleicht liest uns niemand und wir verbrennen euer Geld unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Und deshalb haben wir uns entschlossen, ein anderes Modell zu wählen. Und zwar haben wir alle Investitionen und alle Spenden an ein gigantisches Crowdfunding gebunden, das wir im Mai machen werden. Dieses Crowdfunding ist der Markttest. Es macht keinen Sinn, ein Massenmedium zu gründen, wenn uns die Leute nicht wollen. Wenn wir dieses Crowdfunding gewinnen – und es wird eine happige Summe sein, die wir erreichen müssen – dann werden alle Investorengelder ausgelöst und wir sind für zwei Jahre finanziert. <span class="soundcite" data-id="303629544" data-start="668065" data-end="752" data-plays="1">Verlieren wir dieses Crowdfunding sind wir sofort tot und müssen aus Schande wahrscheinlich in die Provinz gehen oder ins Ausland oder in die Werbung oder in die Unternehmenskommunikation. Und natürlich ist es so, dass Investoren auf den Businessplan sehen. Sie schauen auf die Idee, sie schauen auf die Demokratie, aber die schauen natürlich auch auf die Geschichte.</span> Und es ist eine viel bessere Geschichte, wenn du sagst:</p>
<blockquote><p>Wir springen zuerst von der Klippe.</p></blockquote>
<p>Und sie springen erst nach uns und können sehen, ob der Fluss nun tief genug war oder ob wir uns die Beine gebrochen haben. Das ist eine von vier Wetten, die bei diesem Projekt bestehen.</p>
<p><strong>Was sind die nächsten drei?</strong><br />
Es sind alles riskante Wetten. Die Erste ist das Crowdfunding. Wir brauchen mindestens 3000 Leute, die irgendwas zwischen 150 und 200 Franken zahlen – einige noch mehr. Die zweite Wette ist, dass wir es schaffen werden, nachhaltig erfolgreich zu sein. Dass wir eine mindestens selbsttragende Firma werden. Die dritte Wette ist ziemlich gegen den Trend. Nämlich die, dass wir es schaffen, eine Homepage aufzubauen, wo die Leute hingehen, die ein Referenzpunkt ist, die ein Ort des Vertrauens ist. Das ist eigentlich völlig gegen den Trend bei Social Media, wo sich die Artikel über den Planeten verteilen, ohne dass man auf den Absender sieht. Und die vierte und für mich heikelste Wette ist: Wenn wir dieses Crowdfunding gewonnen haben, dann werde ich mich erstmal ziemlich fürchten, weil es heisst, dass wir anfangen können. Und unser Versprechen ist es ja, dass wir ein «High End», «Top Class», «State of The Art» Produkt produzieren, dass wir mit einer kleinen Guerilla-Truppe besser sind als die grossen stehenden Heere der Redaktionen.</p>
<blockquote><p><span class="soundcite" data-id="303629544" data-start="804344" data-end="33" data-plays="1">Und wir werden zur Hölle besser sein müssen, weil sonst haben wir gar keine Existenzberechtigung.</span></p></blockquote>
<p>Weil «More of the Same» wäre völlig idiotisch. Das heisst, wir müssen dann beweisen, dass unsere Versprechen nicht nur Versprechen waren, sondern wir müssen wirklich verdammt guten Journalismus machen <span class="soundcite" data-id="303629544" data-start="826945" data-end="943" data-plays="1">und davor fürchte ich mich schon jetzt. Es wird nicht einfach werden. Und es wird eine Hölle an Arbeit werden und man muss einiges neu erfinden in diesem Business um wirklich einen spürbaren Unterschied zu machen.</span></p>
<p><strong>Wer investiert in Project R?</strong><br />
Das sind mehrere Leute. Von kleinen Beträgen bis happigen Beträgen. Meistens motiviert dadurch, dass sie das Gefühl haben, dass Journalismus wichtig ist für die Demokratie. Dass es wichtig ist, im Journalismus einen neuen Weg zu finden und einen Unterschied zu machen. Also durchaus idealistische Investoren, die aber auch nicht wollen, dass ihr Geld in einem praktisch öffentlichkeitslosen Ofen verfeuert wird und die auch durchaus erfreut wären, wenn eines Tages wieder etwas zurückkommt.</p>
<p><strong>Das bringt aber auch Abhängigkeiten mit sich.</strong><br />
Wir haben ein Firmenmodell gebaut, in dem Investoren, Mitarbeiter und Leser je zu ungefähr einem Drittel etwas zu sagen haben. Wir werden also nicht abhängig sein von den Investoren. Sie werden nicht die Stimmenmehrheit haben, ausser sie verbünden sich mit den Lesern gegen die Redaktion. Das hiesse aber, dass die Redaktion wahrscheinlich ziemlichen Unfug gebaut hat. Wir werden ziemlich unabhängig sein vom Geld. Wesentlich unabhängiger als praktisch sämtliche anderen Zeitungen.</p>
<p><strong>Du hast von Leben und Tod gesprochen. Wo ist denn da jetzt die Grenze? Wann sagt ihr, okay wir haben&#8217;s geschafft?</strong><br />
Die Summe, die wir beim Crowdfunding erreichen müssen, wird irgendwo zwischen einer halben und einer ganzen Million liegen. Und dann ist die Sache sehr klar: Erreichen wir die Summe, dann leben wir – also dann werden wir geboren werden. Im Moment sind wir praktisch noch ein Embryo. Erreichen wir sie nicht, dann sterben wir vor der Geburt.</p>
<p>Das ist gar nicht mehr unsere Frage. In dem Moment, in dem das Crowdfunding losgeht, ist das die Frage der Leserinnen und Leser.</p>
<blockquote><p><span class="soundcite" data-id="303629544" data-start="986412" data-end="658" data-plays="1">Wir legen unser Schicksal und das Schicksal unserer Familien in die Hand der Leser. Und dann wollen wir mal sehen.</span></p></blockquote>
<p><strong>Vielleicht noch zum Verständnis: Es wird keine Paywall geben? Werden alle Inhalte frei zugänglich sein, um Reichweite zu generieren?</strong></p>
<p>Doch, es gibt eine Paywall, aber sie wird etwas tief angesetzt, weil was wir den Leuten, die uns bezahlen, liefern wollen, ist ja auch Wirkung. Es ist auch so, dass wir versuchen, ihnen ein Magazin anzubieten mit hervorragendem Journalismus, aber nur in zweiter Linie. Eigentlich ist es eine Dienstleistung, die wir verkaufen wollen. Wir wollen so etwas wie eine Fussballmannschaft aufstellen, die für die Leute rennt, nachdenkt, recherchiert, fightet, die sich in die Komplexität der Wirklichkeit stürzt. Denn als normaler Mensch hat man ja einen Beruf, man hat eine Familie, man hat vielleicht sogar noch ein Hobby. Man hat nicht unendlich Zeit, sich mit der Welt zu beschäftigen. Also kann man das delegieren. Die Ware, die man als Journalist anbietet, ist komprimierte Zeit. Während andere Familie und Beruf und etwas vernünftiges tun, sitzt man da und beschäftigt sich der Welt und recherchiert. Wenn ich dann zum Beispiel anfange zu schreiben – also nach aller Recherche – dann hab ich ungefähr ein Tempo von 1000 Zeichen pro Stunde mit allem Feilen und Redigieren. Das liest du in ungefähr einer Minute weg. <span class="soundcite" data-id="303629544" data-start="1099582" data-end="830" data-plays="1">Das heisst, ich habe 60 Mal mehr Zeit darüber nachzudenken als der Leser. Und deshalb ist es auch meine gottverdammte Pflicht und Schuldigkeit, dem Leser irgendetwas Neues oder Interessantes, etwas Amüsantes oder irgendetwas Irritierendes zu sagen.</span></p>
<p><strong>Und nochmal zurück zum Anfang: Es wird aber auch einen Teil geben, der weniger komprimiert ist, der gratis sein wird?</strong><br />
Ne, der ist auch komprimiert. Wir können es uns nicht leisten, Bullshit oder mangelnde Qualität oder irgendetwas auf dieser Seite zu haben, von dem nicht mindestens wir überzeugt sind.</p>
<p><strong>Und wo verläuft die Grenze? Was ist dann gratis und was nicht?</strong><br />
Wir werden pro Jahr mindestens vier, später sechs, später acht riesige Geschichten planen, bei denen wir ein Budget von 60&#8217;000 Franken haben werden. Ein Budget, das viel grösser ist, als jede andere Geschichte, wo wir mit einem Team wirklich die Chance haben, etwas «à fond» zu recherchieren. Diese Geschichten werden mit Sicherheit hinter der Paywall sein. Aber die tägliche Debatte, das tägliche Magazin, das wird gratis zu lesen sein. Wir wollen durchaus, dass die Leute uns unterstützen, aber weil sie überzeugt sind, dass es diesen Journalismus, diese Mannschaft, dieses Projekt, den Hack im Mediensystem braucht.</p>
<p><strong>Ich hab von zehn bis 15 Franken pro Monat gelesen. Stimmt das?</strong><br />
Ja, es wird ungefähr in der Höhe eines Netflix-Abonnements sein.</p>
<p><strong>Und wer crowdfundet, der ist dann automatisch für ein Jahr Abonnent?</strong><br />
Ja, das glaub ich doch.</p>
<p><strong>Wie viele Mitglieder braucht ihr, um selbsttragend zu sein?</strong><br />
Wir brauchen nach fünf Jahren 22&#8217;000 Mitglieder. Wir wissen auch nicht genau, ob das viel oder wenig sind. Es sind viel, wenn man bisherige Online-Abonnements von Zeitungen ansieht, aber das sind Online-Abonnements von Zeitungen und nicht ein spezifisches Projekt wie unseres. Es ist gleichzeitig nur vier Prozent vom Markt, wenn man die ganzen Zeitungsleser in der Deutschschweiz nimmt – von Regionalzeitungen bis Wochenzeitungen.</p>
<blockquote><p><span class="soundcite" data-id="303629544" data-start="1251316" data-end="663" data-plays="1">Wir haben keine Ahnung ob das ein bescheidenes oder unglaublich ambitioniertes Ziel ist, aber wir werden es herausfinden.</span></p></blockquote>
<p><strong>Gibt es neben der Paywall auch die Möglichkeit, für Artikel einzeln zu bezahlen?</strong></p>
<p>Das wird es irgendwann geben. Micropayment ist im Kommen. Wir werden darauf reagieren, aber wir sind noch nicht so weit, die ganzen Feinheiten und Einzelheiten des Pricings zu machen. Wir sind im Moment noch an der Rechtsform, an den ganzen Fundamenten, wir arbeiten daran, das inhaltliche Konzept weiter zu schärfen. Wir reden mit Anwälten und Journalisten und im Moment mit Werbern, weil wir ja Propaganda fürs Crowdfunding betreiben werden.</p>
<blockquote><p><span class="soundcite" data-id="303629544" data-start="1306079" data-end="84" data-plays="1">Wir müssen hektoliterweise Hoffnung verkaufen bis im Mai, die wir dann über Jahre in kleinen Fläschchen wieder zurückstottern müssen.</span></p></blockquote>
<p>Die Feinheiten des Micropayments – damit werden wir uns beschäftigen, aber ich schätze eher im Sommer.</p>
<p><strong>Wie zuversichtlich bist eigentlich du selbst?</strong><br />
<span class="soundcite" data-id="303629544" data-start="1331478" data-end="517" data-plays="1">It&#8217;s a hell of a time, it&#8217;s a hell of a game. Es ist so, dass es das wichtigste, das interessanteste, das schwierigste Projekt ist, das ich in meinem Leben habe. Es ist grossartig, es zu machen. Es ist eine grossartige Mannschaft. Es ist eine wichtige Sache. Es wäre eine harte Niederlage. Es ist durchaus high Risk, aber es ist das Ding für das man geboren wurde. Und dann musst du es tun. Und da ist gar nicht die Frage, ob du mit Sicherheit mit einem Erfolg rechnen kannst. Mit Sicherheit sicher nicht! Aber es ist das, was zu tun ist.</span></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/01/20/wir-muessen-hektoliterweise-hoffnung-verkaufen/">Constantin Seibt: «Wir müssen hektoliterweise Hoffnung verkaufen»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
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		<title>Zum Ende von Joiz, NZZ Campus und Young Swiss Magazine</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/11/25/28454/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Journalismus Y]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 25 Nov 2016 13:32:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[joiz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>2016 war bisher ein schlechtes Jahr für Jugendmedien: Mit Joiz, NZZ Campus und Young Swiss Magazine wurden gleich drei Projekte aus wirtschaftlichen Gründen beerdigt. Doch braucht es überhaupt Medien speziell für Jugendliche? In der aktuellen Episode unseres Podcasts «Journalismus Y» lassen die Autoren ehemalige Mitarbeitende der drei eingestellten Medien zu Wort kommen und diskutieren über <a href="https://medienwoche.ch/2016/11/25/28454/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/11/25/28454/">Zum Ende von Joiz, NZZ Campus und Young Swiss Magazine</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>2016 war bisher ein schlechtes Jahr für Jugendmedien: Mit Joiz, NZZ Campus und Young Swiss Magazine wurden gleich drei Projekte aus wirtschaftlichen Gründen beerdigt. Doch braucht es überhaupt Medien speziell für Jugendliche? In der aktuellen Episode unseres Podcasts «Journalismus Y» lassen die Autoren ehemalige Mitarbeitende der drei eingestellten Medien zu Wort kommen und diskutieren über das Potenzial einer Publizistik für die junge Zielgruppe.<br />
<span id="more-28454"></span><br />
<iframe loading="lazy" width="100%" height="100" scrolling="no" frameborder="no" src="https://w.soundcloud.com/player/?url=https%3A//api.soundcloud.com/tracks/294715708&amp;auto_play=false&amp;hide_related=false&amp;show_comments=true&amp;show_user=true&amp;show_reposts=false&amp;visual=true"></iframe></p>
<h3>Das liebe Geld</h3>
<p>Bei Joiz kam das Ende <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/tvsender-joiz-wird-zur-techfirma/story/17498476" target="_blank" shape="rect">relativ</a> abrupt: Im Sommer 2016 zog sich ein grösserer Investor von der geplanten Finanzierungsrunde zurück. Innert kürzester Zeit hätte man Ersatz finden müssen, was nicht gelang. Und so musste Joiz seinen Konkurs anmelden. Seinem Publikum mitgeteilt hat Joiz diese schlechte Nachricht per <a href="https://www.facebook.com/joiztv/videos/1227043747328737/" target="_blank" shape="rect">Facebook-Live-Hangman</a>. <span class="soundcite" data-id="294715708" data-start="65783" data-end="73018" data-plays="1">Am nächsten Morgen kamen bereits die Konkursverwalter</span>.</p>
<p>Beim <a href="http://www.youngswiss.ch/de/magazine" target="_blank" shape="rect">Young Swiss Magazine</a> vollzogen sich die Schritte eigentlich sehr ähnlich, nur langsamer. Bis 2014 wurde Young Swiss (früher <a href="https://www.google.ch/search?q=Euro26&amp;source=lnms&amp;tbm=isch&amp;sa=X&amp;ved=0ahUKEwicnPnimb_QAhWCOxoKHSQXBqkQ_AUICCgB&amp;biw=1680&amp;bih=889" target="_blank" shape="rect">Euro26</a>) von der Mobiliar als Hauptsponsor getragen. Alle jungen Mobiliar-Kunden waren automatisch Mitglied, bekamen das Magazin nach Hause und weitere Vorteile, z.B. gratis Eintritt in über 150 Museen der Schweiz.</p>
<h3>Medien nicht mehr nötig</h3>
<p>Besonders interessant ist der Hauptgrund, weshalb die Mobiliar ihr Sponsoring beendete: <span class="soundcite" data-id="294715708" data-start="512712" data-end="521492" data-plays="1">«Viele Firmen suchen heutzutage nicht mehr einen externen Partner um junge Leute zu erreichen, sondern bauen eigene Kanäle auf.»</span></p>
<p>Sie müssen dafür heute nicht mehr den Umweg über die Medien nehmen, sondern können diese Kontaktaufnahme selbst bewerkstelligen. Auf ihren Websites, zum Beispiel mit Content Marketing, oder aber in den sozialen Medien.</p>
<p>Mit der Mobiliar fielen auch die meisten Mitglieder von Young Swiss weg. Sie hätten ihr Abo aktiv verlängern und selber bezahlen müssen. Nur wenige taten das aber auch. Also hätte das Magazin potenzielle neue Leserinnen und Leser ansprechen und bekannter werden müssen. Carole Barmettler muss rückwirkend feststellen: <span class="soundcite" data-id="294715708" data-start="541712" data-end="567342" data-plays="1">«Das ist uns letztlich nicht gelungen.»</span></p>
<h3>«Handbremse» bei NZZ Campus</h3>
<p>Bei NZZ Campus war es kein Investor, der sich zurückzog, sondern das Mutterhaus. Am 27. Oktober <a href="https://www.nzzmediengruppe.ch/2016/10/27/nzz-stellt-studentenmagazin-ein/" target="_blank" shape="rect">zitiert es</a> seinen Geschäftsführer Steven Neubauer: «Das Magazin hatte im Werbemarkt nicht den gewünschten Erfolg. Zudem blieb der Transfer von ‹NZZ Campus› zur ‹Neuen Zürcher Zeitung› und zur ‹NZZ am Sonntag› hinter den Erwartungen.»</p>
<p>SRF interviewte daraufhin den ehemaligen Chefredakteur Ronald Schenkel. Er beklagte im Interview, dass NZZ Campus durchaus auf einem guten Weg gewesen sei, aber zu wenig Unterstützung von oben erhalten habe: <span class="soundcite" data-id="294715708" data-start="342177" data-end="350166" data-plays="1">«Wenn man mit angezogener Handbremse fährt, dann geht’s einfach nicht.»</span></p>
<h3>Die Parallelen – Die Unterschiede</h3>
<p>Die Mobiliar, die NZZ und ein <a href="http://www.bilanz.ch/unternehmen/diese-investoren-steckten-millionen-joiz-736198" target="_blank">unbekannter Investor</a>, der sich bei Joiz zurückgezogen hat: Sie alle glaubten nicht mehr an eine rentable Zukunft der drei Jugendmedien. Die NZZ versuchte, mit dem Campus ein jüngeres Zielpublikum zu erreichen als bei ihren Hauptmedien. Dies gelang ihr durchaus, aber offenbar stimmte für den Verlag der <a href="http://www.gruenderszene.de/lexikon/begriffe/return-on-investment-roi" target="_blank" shape="rect">Return on investment</a> nicht.</p>
<h3>Das Fazit</h3>
<p>Uns führte die ganze Diskussion zu einer zentralen Frage:</p>
<blockquote><p>Braucht es denn Medien speziell für Junge?</p></blockquote>
<p>Oder muss vielleicht nicht eher die Lebenswelt der unter 35-Jährigen in «normalen» Publikationen stärker stattfinden?</p>
<p>Wir waren uns nicht ganz einig, aber hört selbst und diskutiert vor allem mit. Was denkt ihr?</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/11/25/28454/">Zum Ende von Joiz, NZZ Campus und Young Swiss Magazine</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>«Verlage haben in zehn Jahren keine Zukunft mehr»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/10/22/verlage-haben-in-zehn-jahren-keine-zukunft-mehr/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Journalismus Y]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 22 Oct 2016 07:30:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Hansi Voigt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=28287</guid>

					<description><![CDATA[<p>Die MEDIENWOCHE präsentiert in monatlicher Folge den Podcast «Journalismus Y». Zur Premiere sprachen Angelo Zehr und Luca Ghiselli mit Hansi Voigt. Der Gründer und ehemalige Geschäftsführer und Chefredaktor von Watson äussert sich zu den fundamentalen Verwerfungen in der Medienwelt, «Project R», das er ideell stark unterstützt und seiner Vergangenheit bei Watson. Wer sich das Gespräch <a href="https://medienwoche.ch/2016/10/22/verlage-haben-in-zehn-jahren-keine-zukunft-mehr/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/10/22/verlage-haben-in-zehn-jahren-keine-zukunft-mehr/">«Verlage haben in zehn Jahren keine Zukunft mehr»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die MEDIENWOCHE präsentiert in monatlicher Folge den Podcast «Journalismus Y». Zur Premiere sprachen Angelo Zehr und Luca Ghiselli mit Hansi Voigt. Der Gründer und ehemalige Geschäftsführer und Chefredaktor von Watson äussert sich zu den fundamentalen Verwerfungen in der Medienwelt, «Project R», das er ideell stark unterstützt und seiner Vergangenheit bei Watson.<br />
<span id="more-28287"></span><br />
<iframe loading="lazy" width="100%" height="100" scrolling="no" frameborder="no" src="https://w.soundcloud.com/player/?url=https%3A//api.soundcloud.com/tracks/289363559&amp;color=aaaaaa&amp;auto_play=false&amp;hide_related=true&amp;single_active=true&amp;show_artwork=false&amp;show_comments=true&amp;show_user=false&amp;show_reposts=false"></iframe></p>
<p>Wer sich das Gespräch in voller Länge anhören möchte, findet hier die ungeschnittene <a href="http://journalismus-y.ch/wp-content/uploads/2016/10/Episode-21-Hansi-Voigt_uncut.mp3">Rohfassung</a>. Nachfolgend die Kernaussagen aus dem Gespräch mit Hansi Voigt:</p>
<p><b>Medienwoche: Hansi, sag, bei Project R – inwiefern bist du da mit von der Partie?</b><br />
Hansi Voigt: Gar nicht. Nur im Geiste. Das ist <a href="https://project-r.construction" target="_blank">Constantin Seibts und Christof Mosers Projekt</a>. Ich geh davon aus, dass ein Crowdfunding stattfinden wird und unglaublich viel Rückenwind und Geld zusammen kommt. Das könnte eine Initialzündung sein für die ganze Branche. Ich habe mit den beiden geredet, aber ich selbst arbeite an etwas anderem.<!--more--></p>
<p><b>Aha?</b><br />
Aber ich verstehe die beiden gut. Was will man in einem Konzern, der sechs Millionen an den CEO und 27 Millionen an die Familie bezahlt und gleichzeitig die Redaktionskosten um zwölf Prozent kürzt. Da fragt man sich: Bin ich noch in einem zukunftsgerichteten Bereich unterwegs, oder geht hier bald das Licht aus?</p>
<p><b>Du schreibst in deiner Twitter-Bio «Im Herzen immer noch bei Watson» – vermisst du es?</b><br />
Natürlich, ich vermisse die Leute sehr. Aber man muss verstehen, zuvor war ich bei 20 Minuten online. Wir waren ökonomisch sehr erfolgreich, doch dann sagte man mir irgendwann, unser Portal sei «zu hoch und zu anspruchsvoll positioniert». Der Tages-Anzeiger könne seine Paywall nicht durchsetzen. Aber ich kann doch nicht meinen Leuten sagen: «Schreibt dümmeres Zeug». Daraufhin gründete ich Watson.</p>
<p><b>Wieso wolltest du dort eigentlich unbedingt Geschäftsführer und Chefredaktor in Personalunion sein?</b><br />
Ach, da gibt es viele Gründe. Ein grosses Problem im Medienbereich ist letztendlich die Trägheit im ökonomischen Denken vieler Journalistenkollegen. Etwas überspitzt formuliert: «Lasst mich in Frieden, ich schreib hier einen Artikel und möchte nicht gestört werden.» Journalisten haben unglaublich lange am Publikum vorbei geschrieben und plötzlich konnte man das messen. Ich sage nicht, man muss nur billigen Trash schreiben, der ankommt, aber das Problem ist: Wenn der Wandel ansteht muss die Bereitschaft von Innen kommen. Es sind nie die Buchhalter oder Manager, die die nötige Innovation und Kreativität besitzen. Es sind die Inhaltsleute – die Journalisten oder die Ingenieure. Ein Beispiel: Wir haben uns bei Watson auf <a href="http://journalismus-y.ch/2016/01/29/native-advertising/" target="_blank">Native Advertisement</a> eingelassen und ich glaube, wir haben ein gutes System dafür gefunden. Aber es ist ein wahnsinnig schmaler Grat zwischen Glaubwürdigkeit und völligem Absturz. Und ich bin überzeugt, dass nur die Inhaltsleute diesen Balanceakt beherrschen. Manager haben einen zu grossen Druck aus den Sales-Abteilung und das endet dann in irgendwelchen Publireportagen, die niemand liest.</p>
<p><b>Wieso wollte sich Watson immer aus Werbung allein finanzieren?</b><br />
Ich wäre der Idee gar nicht so abgeneigt gewesen, dass User einzelne Inhalte bezahlen können. Du kannst aber kein Fundraising betreiben, wenn du gleichzeitig zu 90 Prozent einem Multimillionär gehörst. Und die Werbung bringt eben schon Geld – Watson erreicht demnächst den Break-Even.</p>
<p><b>Was ist eigentlich die Währung, wenn’s um Online-Werbung geht?</b><br />
<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tausend-Kontakt-Preis" target="_blank">TKP</a>. 1000 Klicks sind 40.- Fr. Und das ist eine doofe Währung! Denn ein Klick auf ein Slide in einer Diashow hat in dieser Logik gleich viel Wert wie ein Artikel von Philipp Löpfe, der zwei Tage lang ein Buch gelesen und einen Tag lang darüber geschrieben hat. Man wird total für Trash belohnt. Wir haben uns darauf aber eingelassen. Mit dem Ziel, durch den Trash die Löpfes zu quersubventionieren. Ich glaube die nächste grosse Geschichte wird die «Apple Pay» Geschichte sein, also Micropayments. Konkret: Für jeden Inhalt, den ich auf dem Smartphone sehe, kann ich ganz einfach ein paar Rappen oder einen Franken bezahlen. Freiwillig, ohne Aufwand. Wir haben da eh unsere Kreditkarte hinterlegt und wenn’s mit einer einzigen Tippbewegung geht, ist es auch einfach und schnell genug, um zu funktionieren.</p>
<p><b>Das funktioniert vielleicht für Constantin Seibt, aber was ist mit einem Pro-Contra-Artikel zum neuen St.Galler Marktplatz?</b><br />
Das ist ein Problem, einverstanden. Meinungsstücke werden bevorzugt. Aber das andere ist: Die Produktionskosten sind heute so tief wie noch nie. Ich glaube auch, dass es neue Werkzeuge braucht. Zum Beispiel Labels, zu denen sich Journalisten zusammenschliessen können. Man nimmt zum Beispiel 20 Journalisten und bezahlt ihnen 100’000. Fr. im Jahr. Das Startkapital kommt von einer Stiftung oder so. Alles was man über das Micropayment-System einnimmt, wird gleichmässig an alle verteilt.</p>
<p><b>Diese Revolution von den Kleinen, von Unten – was passiert da mit den Verlagshäusern, wenn die guten Leute gehen?</b><br />
Verlage haben in 10 Jahren keine Zukunft mehr. Wie Taxi-Zentralen, weil Uber sie ablösen wird. Gut, ich möchte das nicht so pauschal für alle sagen. Aber da war dieser Politico-Artikel, der über eine Studie schreibt, die besagt, man hätte vielleicht nicht Print-Content gratis ins Internet stellen sollen. Es war vom ersten Tag an ein gigantischer Fehler! Ich hätte mir nie meine Print-Marken-Exklusivität verbaut, indem ich den Scheiss gratis wegschmeisse. Das Problem ist, dass Online-Marken nicht gleich funktionieren wie Print-Marken. Das ist ein komplett anderes Geschäft.</p>
<p><b>Aber du warst doch bei 20 Minuten, dem Inbegriff der Gratiskultur und dann bei Watson – ebenfalls gratis.</b><br />
Ja, aber ich habe nie bezahlten Inhalt gratis zur Verfügung gestellt. 20 Minuten online hatte bis 2013 nichts mit Print zu tun. Wir haben uns komplett selbst finanziert. Wenn du einfach Print-Geschichten online stellst – wie der Tagesanzeiger – dann vermurkst du dir das eigene Zukunftsgeschäft, weil die Exklusivität flöten geht. Etwas idiotischeres gibt es nicht. Und heute kommt: «Vielleicht haben wir einen Fehler gemacht.» So Sachen machen mich sprachlos. Keiner hat es geschafft, zu abstrahieren und zu sagen: «Wir bauen eine neue Marke auf. Online gibt’s andere Regeln. Wir brauchen die Freiheit einer neuen Marke.»</p>
<p><b>Wie war das eigentlich mit deinem eigenen Projekt. Das klang schon recht konkret. Um was geht es da?</b><br />
Ich möchte gerne den Inhaltsleuten die Tools zur Verfügung stellen, die es ihnen ermöglichen, zu einer Marke zu werden, zu publizieren und damit auch ganz direkt Geld zu verdienen. Labels können die Leute dann selber gründen. Vielleicht würde ich auch eines gründen, um zu zeigen: «Schaut, so funktioniert’s.»</p>
<p><b>Und da geht man dann hin? Von sich aus? Oder braucht man dafür dann die sozialen Medien?</b><br />
Ja schon, aber was halt schwierig ist bei Facebook: Man versucht da ein geschlossenes System, ein Silo, zu errichten, woraus es kein Entkommen gibt. Facebook und Co. versuchen den Link zu killen, den Urgedanken des Internets. Es werden immer weniger Seiten direkt angesteuert. Man sollte den Link wiederbeleben. Zum Beispiel in einer Zusammenstellung: «Das wird heute diskutiert und das sind die drei Leute, die darüber etwas geschrieben haben.» Es wird wichtig sein, soziale Medien zu nutzen.</p>
<p><small>Das Gespräch wurde am 20. Oktober im Zentrum Karl der Grosse in Zürich aufgezeichnet.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/10/22/verlage-haben-in-zehn-jahren-keine-zukunft-mehr/">«Verlage haben in zehn Jahren keine Zukunft mehr»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
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