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	<title>Debattenkultur | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Thu, 13 Oct 2022 15:47:17 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Das Problem mit Richard David Precht</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2022/10/13/das-problem-mit-richard-david-precht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Oct 2022 15:47:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Richard David Precht]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Problem mit Precht ist nicht Precht. Das Problem ist die öffentliche Fixierung auf Precht. Ein Lob auf Nervensägen, Selbstdarsteller und intellektuelle Hasardeure.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Problem mit Precht ist nicht Precht. Das Problem ist die öffentliche Fixierung auf Precht. Ein Lob auf Nervensägen, Selbstdarsteller und intellektuelle Hasardeure.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2022/10/13/das-problem-mit-richard-david-precht/">Das Problem mit Richard David Precht</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wenn Dreadlocks das Sommerloch stopfen: Nachlese zu einer haarigen Debatte</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2022/08/14/wenn-dreadlocks-das-sommerloch-stopfen-nachlese-zu-einer-haarigen-debatte/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marko Ković]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 Aug 2022 13:49:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Rasta]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturelle Aneignung]]></category>
		<category><![CDATA[Dreadlocks]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Konzertabbruch in Bern führt zu journalistischer Empörung über «kulturelle Aneignung». Im Zuge des Shitstorms keimt aber auch eine differenzierte Debatte auf. Doch wird sie auch gehört? Die Geschichte ist hinlänglich bekannt: In einem Genossenschafts-Restaurant in Bern findet ein Reggae-Konzert mit rund vierzig Gästen statt. Einige der Gäste bekunden ihren Unmut über den Auftritt der <a href="https://medienwoche.ch/2022/08/14/wenn-dreadlocks-das-sommerloch-stopfen-nachlese-zu-einer-haarigen-debatte/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ein Konzertabbruch in Bern führt zu journalistischer Empörung über «kulturelle Aneignung». Im Zuge des Shitstorms keimt aber auch eine differenzierte Debatte auf. Doch wird sie auch gehört?</strong><br />
<a href="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/08/MW-Kulturelle-Aneignung-20220812.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/08/MW-Kulturelle-Aneignung-20220812.jpg" alt="" width="1456" height="976" class="aligncenter size-full wp-image-98757" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/08/MW-Kulturelle-Aneignung-20220812.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/08/MW-Kulturelle-Aneignung-20220812-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/08/MW-Kulturelle-Aneignung-20220812-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/08/MW-Kulturelle-Aneignung-20220812-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2022/08/MW-Kulturelle-Aneignung-20220812-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /></a><br />
Die Geschichte ist hinlänglich bekannt: In einem Genossenschafts-Restaurant in Bern findet ein Reggae-Konzert mit rund vierzig Gästen statt. Einige der Gäste bekunden ihren Unmut über den Auftritt der Band und kritisieren unter anderem, dass zwei der weissen Bandmitglieder Dreadlocks tragen. Die Restaurantbetreiber sind verunsichert und brechen das Konzert ab.<br />
</p>
<p>Dieses Mini-Ereignis beinhaltet, objektiv betrachtet, nicht allzu viel Drama oder Spektakel. Und doch verbreitete sich die Nachricht des Konzertabbruchs wie ein Shitstorm-Lauffeuer, auf Social Media wie auch in journalistischen Medien. Auf Facebook und Twitter hagelte es tagelang empörte Posts im Sekundentakt, und bisher erschienen in deutschsprachigen Medien über 500 Beiträge zum Konzertabbruch. Die Geschichte der «zum Schweigen gebrachten Band» fand sogar Einzug in die <a href="https://www.thetimes.co.uk/article/white-reggae-band-silenced-by-dreadlock-row-in-switzerland-skr8llxx5" rel="noopener" target="_blank">britische Presse</a>.</p>
<p>Wie kann eine kleine lokale Geschichte derart heftige Reaktionen auslösen? Der Stein des Anstosses war nicht der Konzertabbruch an sich, sondern die Ursache dafür: Die Gäste, die sich am Auftritt störten, warfen der Band kulturelle Aneignung vor. Damit ist das das Argument gemeint, dass es moralisch falsch sein könne, wenn gesellschaftlich privilegierte Gruppen kulturelle Symbole und Praktiken gesellschaftlich benachteiligter Gruppen verwenden. Besonders dann, wenn die privilegierte Gruppe die kulturellen Elemente, die sie übernimmt, <a href="https://compass.onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/soc4.12923" rel="noopener" target="_blank">kommerziell verwertet</a>. Ein typisches Beispiel dafür wäre eine europäische Firma, die stereotypisierende Kostüme von «Indianern» verkauft, mit denen US-amerikanische Ureinwohner*innen als wildes, exotisches, primitives Volk dargestellt werden.</p>
<blockquote><p>Das Konzept der kulturellen Aneignung impliziert, dass kulturelle Symbole spezifischen Gruppen eigen sind und exklusiv von ihnen genutzt werden dürfen.</p></blockquote>
<p>Kulturelle Aneignung ist kein trennscharfes analytisches Konzept, sondern eine laufende Debatte, die nicht zuletzt in der Wissenschaft durchaus kritisch gesehen wird. Ein Argument dabei ist, dass die Konstellation für kulturelle Aneignung (Machtasymmetrie, Übernahme ohne Zustimmung, materieller Profit zugunsten der privilegierten Gruppe) in der Praxis weniger häufig sei, als dies von Aktivist*innen <a href="https://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1177/1468796819866498" rel="noopener" target="_blank">kritisiert wird</a>. Auch das Risiko des Essenzialismus wird wissenschaftlich <a href="https://academic.oup.com/ct/article-abstract/16/4/474/4098676" rel="noopener" target="_blank">kritisch gesehen</a>: Das Konzept der kulturellen Aneignung impliziert, dass kulturelle Symbole spezifischen Gruppen eigen sind und exklusiv von ihnen genutzt werden dürfen. Eine solche Prämisse entspricht aber einem starren Kulturverständnis, das politisch in ähnlicher Form von rechter bzw. rechtsextremer Seite postuliert wird. (Nach dem Schema, dunkelhäutige Menschen sollten nicht nach Europa kommen, weil sie eine andere «Kultur» hätten)</p>
<p>Beim Berner Konzert ging es in erster Linie um die Dreadlocks-Frisur der Musiker. Ist es kulturelle Aneignung, wenn Weisse Dreadlocks tragen?</p>
<p>In den zahlreichen Reaktionen auf Social Media meinten viele Menschen: Nein, natürlich nicht. Viele empörte Social Media-User gingen noch einen Schritt weiter und kritisierten, dass in Tat und Wahrheit die Idee der kulturellen Aneignung diskriminierend und rassistisch sei. FDP-Nationalrat <a href="https://twitter.com/cwasi/status/1552012713223753728" rel="noopener" target="_blank">Christian Wasserfallen</a> beklagte auf Twitter «krasse Intoleranz» und warnte, dass das Konzept der kulturellen Aneignung von «woken links-alternativen Kreisen» als «trennendes Element missbraucht» werde. Und die <a href="https://twitter.com/jungesvp/status/1552572923264860161" rel="noopener" target="_blank">Junge SVP</a> kündigte auf Twitter an, gegen die Brasserie Lorraine Anzeige wegen Rassismus gegen Weisse zu erstatten. Die «woken Kreise», so die Partei, sollen «ruhig mal ihre eigenen Gesetze zu spüren bekommen». Gemäss der Partei ist also nicht nur kulturelle Aneignung, sondern auch die Anti-Rassismus-Strafnorm «woke». «Woke», abgeleitet von «awake» für wach, meinte ursprünglich vor allem unter Schwarzen in den USA, für gesellschaftliche Ungleichheiten und Diskriminierung sensibilisiert zu sein. Mittlerweile ist «woke» von rechtskonservativen und -reaktionären Kräften zu einem Kampfbegriff umgedeutet geworden, mit dem jede Form der moralischen Kritik an gesellschaftlichen Missständen pauschal ins Lächerliche gezogen wird.</p>
<blockquote><p>In der Berichterstattung wurde weitgehend aber nicht kulturelle Aneignung als Problem dargestellt – sondern die angebliche Intoleranz und der vermeintliche Rassismus linker Kreise.</p></blockquote>
<p>Parallel zum Shitstorm auf Social Media nahm in den Tagen nach dem Konzertabbruch ein Medienhype, eine durch den Konzertabbruch ausgelöste Nachrichtenwelle, seinen Lauf, und das Thema dominierte die Schlagzeilen. In der Berichterstattung wurde weitgehend aber nicht kulturelle Aneignung als Problem dargestellt – sondern die angebliche Intoleranz und der vermeintliche Rassismus linker Kreise, die den Vorwurf der kulturellen Aneignung machen.</p>
<p>So kritisiert <a href="https://www.blick.ch/meinung/frank-a-meyer/frank-a-meyer-die-kolumne-die-saeuberer-id17769514.html" rel="noopener" target="_blank">Frank A. Meyer im «Sonntagsblick»</a>, die linken «Säuberer» würden sich in «Neo-Apartheid» üben und eine «faschistoide Kulturideologie» verfechten. Was im Kontext kultureller Aneignung genau «Neo-Apartheid» und «faschistoid» sein soll, erklärt Meyer nicht. Eine wichtige Lücke in Meyers Text, denn Apartheid und Faschismus unterdrücken Minderheiten, und im Fall von Bern ging es im Gegenteil um einen womöglich fehlgeleiteten Versuch, sich für Minderheiten einzusetzen.</p>
<p>Ähnlich wie Meyer kommt auch <a href="https://www.nzz.ch/meinung/kulturelle-aneignung-brasserie-lorraine-debatte-um-dreadlocks-ld.1695464" rel="noopener" target="_blank">Martin Senti in der «Neuen Zürcher Zeitung»</a> zum Schluss, dass der Vorwurf kultureller Aneignung in Tat und Wahrheit «kulturelle Apartheid» sei, und die «Woke-Bewegung» sich in ihren «inneren Widersprüchen» verheddere: Man darf «frei das jeweils gefühlte Geschlecht wählen [&#8230;], nicht aber die Frisur?». Eine Erklärung dafür, wie Geschlechtsidentität mit dem Konzept kultureller Aneignung zusammenhängen soll, und was daran «kulturelle Apartheid» ist, bleibt Senti schuldig.</p>
<blockquote><p>Viele der journalistischen Kommentare zum Berner Konzertabbruch sind eine zwar wortreiche, inhaltlich aber nur leidlich mit Argumenten untermauert.</p></blockquote>
<p>Ebenfalls in der «Neuen Zürcher Zeitung» schreibt <a href="https://www.nzz.ch/meinung/kulturelle-aneignung-der-vorwurf-torpediert-die-kultur-selbst-ld.1693341" rel="noopener" target="_blank">David Signer</a>, der Vorwurf kultureller Aneignung sei gefährlich, weil er «rassistisches Denken» fördere. Wie tut er das? Indem Kultur mit Hautfarbe gleichgesetzt werde, was eine «rassistische Kategorie» sei. Eine genauere Erklärung oder einen Beleg dafür, dass im Rahmen des Konzeptes der kulturellen Aneignung Kultur mit Hautfarbe gleichgesetzt werde, findet sich in Signers Text nicht.</p>
<p><a href="https://www.tagesanzeiger.ch/warum-wir-uns-dermassen-aufregen-890158717191" rel="noopener" target="_blank">Jean-Martin Büttner findet im «Tages-Anzeiger»</a>, der «Zensurentscheid von Bern» – eine Beschreibung, die so klingt, als ob ein staatliches Organ und nicht die Konzertveranstalter das Konzert abgebrochen hätten – reihe sich ein in einen «linken Rigorismus», der für Toleranz eintrete, diese aber mit einer «wachsenden Intoleranz» einfordere. Was sind weitere Beispiele für diesen Rigorismus? Die üblichen Verdächtigen: Gendergerechte Sprache, «schrilles Gerechtigkeitsverlangen von Transleuten» (was das sein soll, erklärt Büttner nicht) sowie «eine Mentalität, die keine anderen Meinungen akzeptiert» (was Büttner unter dieser «Mentalität» versteht, erklärt er nicht).</p>
<p>Viele der journalistischen Kommentare zum Berner Konzertabbruch sind eine zwar wortreiche, inhaltlich aber nur leidlich mit Argumenten untermauerte Fortführung der Social-Media-Empörung. Wer den Vorwurf kultureller Aneignung mit Apartheid, Rassismus oder gar Faschismus gleichsetzt, demonstriert in erster Linie eine für journalistische Verhältnisse alarmierende Ignoranz.</p>
<blockquote><p>Journalismus muss die Debatte entschleunigen und das Problem kritisch und wertend, aber unaufgeregt behandeln.</p></blockquote>
<p>Doch nicht alle journalistischen Analysen zum abgebrochenen Konzert schlugen in die gleiche empörte Kerbe. Nachdem der Zenit des Medienhypes nach den ersten Stunden und Tagen langsam erreicht war, erschienen auch Beiträge, die das Thema der kulturellen Aneignung zwar immer noch kritisch, aber differenzierter diskutieren. Zum Beispiel ein Interview von <a href="https://bajour.ch/a/ugZ043Rgfa4YvmBV/diskussion-ueber-cultural-appropriation" rel="noopener" target="_blank">Andrea Fopp bei «Bajour»</a>. In dem unaufgeregten Gespräch erklären die Tänzerin, Choreographin und Aktivistin Anna Chiedza Spörri sowie der Musikredaktor, Reggae-Kenner und ehemaliger Rasta-Träger Lukie Wyniger, warum Bedenken rund um kulturelle Aneignung angebracht sein können. Und Fopp schlägt ein Gedankenexperiment vor: Was, wenn nicht-jüdische Klezmer-Musiker eine Kippa tragen würden? Die Analogie geht nicht ganz auf, denn anders als die jüdische Kippa kommen Dreadlocks historisch in unterschiedlichen kulturellen Kontexten vor und sind entsprechend weniger spezifisch kulturell aufgeladen.</p>
<p>Auch der Musikredaktor <a href="https://www.tagesanzeiger.ch/das-gegenteil-von-gut-ist-gut-gemeint-590083221027" rel="noopener" target="_blank">Ane Hebeisen nimmt in den Tamedia-Zeitungen</a> den Shitstorm zum Anlass, den Vorwurf kultureller Aneignung kritisch, aber konstruktiv zu analysieren. Er kommt zum Schluss, dass einzelne gut gemeinte Aktionen wie in der Brasserie Lorraine rein symbolisch sind und am eigentlichen Problem – eine jahrzehntelange kulturelle Plünderung unter anderem durch und zugunsten der westlichen Musikindustrie – rein gar nichts verändern und schlimmstenfalls sogar den Blick auf den strukturellen Charakter des Problems versperren.</p>
<p><a href="https://www.woz.ch/-c9e1" rel="noopener" target="_blank">In der «WOZ» analysiert Kaspar Surber</a> die weiter oben angesprochene kontrovers geführte akademische Debatte zu kultureller Aneignung. Er liess die Historikerin Jovita dos Santos Pinto zu Wort kommen, die erklärt, dass kulturelle Aneignung nur dann potenziell vorliegt, wenn kulturelle Symbole einer benachteiligten Gruppe durch privilegierte Gruppen kommerziell verwertet werden. Auch verweist Surber auf das Buch «Kulturelle Aneignung» des Sozialwissenschaftler Lars Distelhorst, in dem die Gefahr der impliziten Essenzialisierung von Kultur im Rahmen der Idee kultureller Aneignung kritisch thematisiert wird.</p>
<blockquote><p>Ein kleiner Funke reichte, um einen internationalen Skandal heraufzubeschwören, der schlicht nicht hält, was die Schlagzeilen versprechen.</p></blockquote>
<p>Was bleibt nach diesem Shitstorm und Medienhype über kulturelle Aneignung? Zum einen die Erkenntnis, dass nach Jahren der «Cancel Culture»- und «Wokeness»-Empörungsbewirtschaftung, die nicht zuletzt in rechtskonservativen Medien und Publikationen stattfindet, schon ein kleiner Funke reicht, um einen internationalen Skandal heraufzubeschwören, der schlicht nicht hält, was die Schlagzeilen versprechen.</p>

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            [rml_read_more]
<p>Man kann es Medienschaffenden grundsätzlich nicht verübeln, in den vielleicht etwas ruhigeren Sommermonaten eine Geschichte, die grosses Potenzial für Skandalisierung hat, mit Kusshand anzunehmen. Doch Journalismus hat bei moralischen Fragestellungen nicht die Aufgabe, das unmittelbare Bauchgefühl der wütenden Mehrheit zu reproduzieren und damit das Tempo der Empörung zu erhöhen. Journalismus muss die Debatte im Gegenteil entschleunigen und das Problem kritisch und wertend, aber unaufgeregt behandeln.</p>
<p>Mit anderen Worten: Wer reflexartig und ohne Argumente «Apartheid!» und «Faschismus!» schrei(b)t, entkräftet nicht die Haltung der Kritisierten (die durchaus kritisiert werden soll), sondern demonstriert lediglich intellektuelle Faulheit, intellektuelle Inkompetenz oder beides.</p>
<p>Gleichzeitig hat die Empörungsdynamik des Shitstorms und Medienhypes eine differenziertere Debatte vielleicht sogar befruchtet. Jenseits der hohen Wellen der Empörung gab es durchaus auch Analysen und Aufarbeitungen, die sich dem Thema der kulturellen Aneignung kritisch, aber inhaltlich fundiert widmen. Analysen und Aufarbeitungen, die es ohne den ursprünglichen, zornigen Anti-Wokeness-Aufschrei wohl nicht gegeben hätte. Der Shitstorm war bildlich gesprochen also vielleicht so etwas wie der Dünger, der eine seriösere Diskussion aufkeimen liess.</p>
<p>Klingt fast nach einem Happy End. Nur stellt sich die Frage, was die öffentliche Diskussion und die öffentliche Meinung letztlich stärker geprägt hat: Das leise Abwägen von Argumenten und Sichtweisen oder der laute Krach des Shitstorm.</p>
<p>Bild: Unsplash/<a href="https://unsplash.com/@karsten116" rel="noopener" target="_blank">Karsten Winegeart</a></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2022/08/14/wenn-dreadlocks-das-sommerloch-stopfen-nachlese-zu-einer-haarigen-debatte/">Wenn Dreadlocks das Sommerloch stopfen: Nachlese zu einer haarigen Debatte</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Shitstorm statt Debatte: Wie Medien die Stimmung anheizen</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2022/04/12/shitstorm-statt-debatte-wie-medien-die-stimmung-anheizen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 12 Apr 2022 14:39:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Coronavirus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Corona, Klimawandel, Verkehrspolitik: Bei vielen Themen ist die Stimmung in den sozialen Netzwerken schnell aufgeheizt. Häufig kommt es zu Shitstorms und sogar zu Morddrohungen. Diese Polarisierung wird offenbar auch von einigen Medien befeuert. Vor allem von jenen, die sich bewusst als «Gegenstimme» zum geschmähten «Mainstream» sehen. Warum wird so stark polarisiert? Welche Rolle spielen dabei <a href="https://youtu.be/99UWDI0G5s4">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2022/04/12/shitstorm-statt-debatte-wie-medien-die-stimmung-anheizen/">Shitstorm statt Debatte: Wie Medien die Stimmung anheizen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Corona, Klimawandel, Verkehrspolitik: Bei vielen Themen ist die Stimmung in den sozialen Netzwerken schnell aufgeheizt. Häufig kommt es zu Shitstorms und sogar zu Morddrohungen. Diese Polarisierung wird offenbar auch von einigen Medien befeuert. Vor allem von jenen, die sich bewusst als «Gegenstimme» zum geschmähten «Mainstream» sehen. Warum wird so stark polarisiert? Welche Rolle spielen dabei die sozialen Netzwerke? Und wie finden wir zurück zu einer besseren Streitkultur?</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2022/04/12/shitstorm-statt-debatte-wie-medien-die-stimmung-anheizen/">Shitstorm statt Debatte: Wie Medien die Stimmung anheizen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Warum beim «Schlagabtausch» im Netz Kontrahenten unerkannt bleiben dürfen</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2022/03/11/warum-beim-schlagabtausch-im-netz-kontrahenten-unerkannt-bleiben-duerfen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 11 Mar 2022 17:11:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Anonymität]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Für Diskussionen in Internet-Foren wird nicht der Massstab angelegt, der für Leserbriefe in der Zeitung gilt. Die Erklärungen für einen Leser, der Klarnamen gefordert hat.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2022/03/11/warum-beim-schlagabtausch-im-netz-kontrahenten-unerkannt-bleiben-duerfen/">Warum beim «Schlagabtausch» im Netz Kontrahenten unerkannt bleiben dürfen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Für Diskussionen in Internet-Foren wird nicht der Massstab angelegt, der für Leserbriefe in der Zeitung gilt. Die Erklärungen für einen Leser, der Klarnamen gefordert hat.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2022/03/11/warum-beim-schlagabtausch-im-netz-kontrahenten-unerkannt-bleiben-duerfen/">Warum beim «Schlagabtausch» im Netz Kontrahenten unerkannt bleiben dürfen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Empörung um jeden Preis &#8211; können wir noch fair streiten?</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2022/03/10/empoerung-um-jeden-preis-koennen-wir-noch-fair-streiten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 10 Mar 2022 08:22:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Streit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nicht erst seit Corona werden Debatten in Deutschland immer aggressiver geführt, im Netz und auf der Strasse. Kaum noch ein Shitstorm ohne Morddrohungen. Kann die Republik noch streiten ohne zu hassen?</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2022/03/10/empoerung-um-jeden-preis-koennen-wir-noch-fair-streiten/">Empörung um jeden Preis – können wir noch fair streiten?</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Nicht erst seit Corona werden Debatten in Deutschland immer aggressiver geführt, im Netz und auf der Strasse. Kaum noch ein Shitstorm ohne Morddrohungen. Kann die Republik noch streiten ohne zu hassen? </p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2022/03/10/empoerung-um-jeden-preis-koennen-wir-noch-fair-streiten/">Empörung um jeden Preis – können wir noch fair streiten?</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ich mag Twitter</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2021/11/02/ich-mag-twitter/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Nov 2021 08:07:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Social Media]]></category>
		<category><![CDATA[Twitter]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=92352</guid>

					<description><![CDATA[<p>Wer jemals Eltern auf einem Fussballplatz gesehen hat, wird sich nie mehr über die Diskussionskultur auf Twitter beschweren!</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/11/02/ich-mag-twitter/">Ich mag Twitter</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wer jemals Eltern auf einem Fussballplatz gesehen hat, wird sich nie mehr über die Diskussionskultur auf Twitter beschweren!</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/11/02/ich-mag-twitter/">Ich mag Twitter</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Dialog ahoi! Meine zwei Stunden bei «Stricker TV»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2021/08/04/dialog-ahoi-meine-zwei-stunden-bei-stricker-tv/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2021/08/04/dialog-ahoi-meine-zwei-stunden-bei-stricker-tv/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marko Ković]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 04 Aug 2021 14:46:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Coronavirus]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=90363</guid>

					<description><![CDATA[<p>Daniel Stricker, der vielleicht umstrittenste Corona-Skeptiker der Schweiz, lud mich zu einem Gespräch in sein «StrickerTV» ein – eine Gelegenheit, die ich mir natürlich nicht entgehen lassen konnte. Klappt der Brückenschlag zwischen weit auseinander liegenden Ansichten zu Corona? Ein Erlebnisbericht. Nun sag, wie hast du’s mit der Impfung? Die Corona-Impfung, die unser Ausweg aus der <a href="https://medienwoche.ch/2021/08/04/dialog-ahoi-meine-zwei-stunden-bei-stricker-tv/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Daniel Stricker, der vielleicht umstrittenste Corona-Skeptiker der Schweiz, lud mich zu einem Gespräch in sein «StrickerTV» ein – eine Gelegenheit, die ich mir natürlich nicht entgehen lassen konnte. Klappt der Brückenschlag zwischen weit auseinander liegenden Ansichten zu Corona? Ein Erlebnisbericht.</strong><br />
<img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-90364" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/08/MW-Kovic-Stricker-20210803.jpeg" alt="" width="1455" height="976" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/08/MW-Kovic-Stricker-20210803.jpeg 1455w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/08/MW-Kovic-Stricker-20210803-300x201.jpeg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/08/MW-Kovic-Stricker-20210803-768x515.jpeg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/08/MW-Kovic-Stricker-20210803-1024x687.jpeg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/08/MW-Kovic-Stricker-20210803-470x315.jpeg 470w" sizes="(max-width: 1455px) 100vw, 1455px" /></p>
<p>Nun sag, wie hast du’s mit der Impfung?</p>
<p>Die Corona-Impfung, die unser Ausweg aus der Pandemie und aus den Corona-Massnahmen hätte sein sollen, entwickelte sich stattdessen zur explosiven Gretchenfrage, um die sich <a href="https://www.srf.ch/news/schweiz/8-corona-umfrage-der-srg-in-der-schweiz-klafft-ein-tiefer-impfgraben" target="_blank" rel="noopener">ein regelrechter «Impfgraben»</a> aufgetan hat. Polarisierung und Spaltung: Corona stellt den gesellschaftlichen Zusammenhalt auf den Prüfstand.</p>
<p>Diese Polarisierung zeigt sich nicht zuletzt im öffentlichen Diskurs und verstärkt sich dort weiter. So hat sich im Zuge der Pandemie im deutschsprachigen Raum <a href="https://medienwoche.ch/2021/07/13/mediennetzwerk-das-intellectual-dark-web-lernt-deutsch/">eine Online-Gegenöffentlichkeit</a> gebildet, in der dezidiert Corona-skeptischen Ansichten und Forderungen das Wort geredet wird. In dieser gegen den journalistischen und politischen «Mainstream» gerichteten Gegenöffentlichkeit sieht die Corona-Welt ganz anders aus: Covid-19 ist weitgehend harmlos, die Massnahmen gegen die Pandemie unwirksam und schädlich, die Impfung gefährlich, wenn nicht gar tödlich.<br />
</p>
<p>Politische Konflikte und ideologische Grabenkämpfe gehören grundsätzlich zu einer lebendigen Demokratie. Doch die aktuelle Polarisierung in Corona-Fragen bereitet mir Sorgen: Die unterschiedlichen Lager haben, so scheint es mir, nicht nur unterschiedliche Ansichten, sondern leben regelrecht in unterschiedlichen Realitäten.</p>
<p><strong>Was können wir tun, um die Situation zu entspannen? Ein Motto, das ich immer wieder als Rezept vorschlage: Wir müssen wieder mehr miteinander sprechen statt nur übereinander.</strong> Den Dialog suchen, der vielleicht nicht Konsens in der Sache schafft, aber zumindest die Wut und den Groll auf die Gegenseite abbaut.</p>
<p>Kürzlich bot sich mir eine Gelegenheit, diesen Wunsch nach mehr Dialog in die Tat umzusetzen: Daniel Stricker, eine der prominentesten Schweizer Stimmen in der Corona-Gegenöffentlichkeit, lud mich in seine Online-Sendung «Stricker TV» ein. Ich sagte ohne zu zögern zu.</p>
<p>Daniel Stricker, den <a href="https://www.weltwoche.ch/ausgaben/2021-17/diese-woche/er-hat-schon-immer-sein-eigenes-ding-gedreht-die-weltwoche-ausgabe-17-2021.html" target="_blank" rel="noopener">die Weltwoche</a> als «Anarcho-Reporter» adelte, erreicht mit seinen täglichen «StrickerTV»-Videos Tausende von Menschen und serviert dabei starken rhetorischen Tobak: Die Schweiz befände sich auf dem Weg in eine <a href="https://youtu.be/XLkLwixu5LU" target="_blank" rel="noopener">«Impf-Apartheid»</a>; Bundesrat Guy Parmelin sei der neue «Chefvertreter des Arschlochismus»; und überhaupt gehöre der <a href="https://youtu.be/SO2JMkKtq40" target="_blank" rel="noopener">Bundesrat ins Gefängnis</a>. Ich finde, dass Stricker in der Sache weitgehend daneben liegt und die Corona-Situation stark verzerrt deutet. <strong>Auch denke ich, dass die emotionalisierte und extremistische Tonalität bei «StrickerTV» gefährlich ist, weil das Publikum dadurch potenziell radikalisiert wird.</strong></p>
<p>«StrickerTV» ist meiner Meinung nach ein Nährboden nicht nur für Polarisierung, sondern auch für Wut und Hass auf Andersdenkende. Das Phänomen der Online-Radikalisierung in sprichwörtlichen «Echokammern» ist <a href="https://www.rand.org/pubs/research_reports/RR453.html" target="_blank" rel="noopener">seit Jahren bekannt</a>: Wenn sich Menschen intensiv in digitalen Räumen bewegen, in denen sie stetig derselben undifferenzierten oder extremistischen Rhetorik ausgesetzt sind, stumpfen sie mit der Zeit ab und akzeptieren den Extremismus als <a href="https://journals.uic.edu/ojs/index.php/fm/article/view/10108" target="_blank" rel="noopener">legitim und normal</a>.</p>

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<p>Diese Bedenken über «StrickerTV» habe ich auch in einer <a href="https://www.blick.ch/video/aktuell/daniel-stricker-folge-4-so-tickt-der-star-unter-den-corona-skeptikern-id16682971.html" target="_blank" rel="noopener">Reportage des «Blick»</a> von Juli kundgetan. Stricker war mit diesem Bericht – wenig überraschend – nicht einverstanden und hat in einer Video-Replik auch <a href="https://youtu.be/TUMClRdkenY" target="_blank" rel="noopener">mich kritisiert</a>. (Er meinte u.a., ich hätte einen «Nazi-Haarschnitt» und mein Gestikulieren hätte ich in einem Medientraining einstudiert.)</p>
<p>Nach Strickers Video erreichten mich mehrere kritische Nachrichten von «StrickerTV»-Zuschauer:innen. In einer davon hat mich ein Bekannter Strickers zunächst als «einfältig und dumm» beschimpft und mir dann angeboten, doch direkt zu «StrickerTV» zu einem Gespräch zu kommen. Genauer: Er hat mich aufgefordert, zu beweisen, dass ich nicht nur «eine grosse Klappe» habe, sondern «auch Eier», und mich einem Interview bei Stricker zu «stellen».</p>
<p>Diesen Beweis habe ich mit meiner Antwort wohl rasch erbracht: Aber klar doch, gerne. Den Termin für das Gespräch im Studio von «StrickerTV» konnten Daniel Stricker und ich noch am gleichen Tag in einem sehr freundlichen, kollegialen Telefonat (das von mir angebotene «Du» wurde sofort angenommen) direkt für die darauffolgende Woche setzen. Dialog ahoi.</p>
<p><strong>Wie bereitet man sich auf einen Besuch in der sprichwörtlichen Höhle des Löwen vor? In meinem Fall: Gar nicht.</strong> Ich habe keine Corona-Statistiken gebüffelt, keine Studien ausgedruckt, Strickers gängige Corona-Argumente nicht studiert. Ich wusste denn auch nicht, worüber Stricker sich mit mir genau unterhalten wollte (es gab kein Vorgespräch oder keine Vereinbarungen). Mein Ziel mit dem Gespräch war ganz einfach, in einem für mich spontanen Format zu verstehen, wie Daniel Stricker die Dinge sieht und ihm und seinem Publikum die ein oder andere Ansicht und Deutung vorzuschlagen, mit der sie normalerweise nicht in Kontakt kommen. Und natürlich nahm ich mir im Gegenzug auch vor, selber offen für Argumente und Ansichten zu sein, bei denen ich einen blinden Fleck habe.</p>
<p>Das Treffen mit Stricker und seinen zwei «StrickerTV»-Mitstreiter:innen zum Gesprächstermin war in menschlicher Hinsicht genau so, wie ich es erwartet hatte: Absolut freundlich und sympathisch. Sogar die von mir forcierte Begrüssung per Ellenbogen anstatt per Handschlag wurde lachend akzeptiert. Dann ging es bald ans Eingemachte: Die Kameras werden eingeschaltet, Stricker und ich nehmen am Tisch platz, der Video-Stream geht live.</p>
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</div>
<p>Die Diskussion war insgesamt etwas gar langatmig und mäandrierend (wir tauschten uns über zwei Stunden lang aus), verlief im Grunde aber genau nach meinem Gusto: Hart und klar in der Sache, aber zivilisiert im Ton.</p>
<p>Vor der Diskussion hatte ich grundsätzlich damit gerechnet, dass wir uns in der Sache nicht einig werden. Auf was für harten Corona-Granit ich beissen würde, hatte ich aber nicht antizipiert. Stricker meint partout, dass Covid-19-bedingte Todesfälle überhaupt keine Leben vorzeitig beendet und keine Lebensjahre vernichtet hätten (eine reichlich <a href="https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2021.03.02.21252772v4" target="_blank" rel="noopener">bizarre</a> <a href="https://www.nature.com/articles/s41598-021-83040-3" target="_blank" rel="noopener">Behauptung</a>); dass nicht-pharmazeutische Massnahmen wie Gesichtsmasken oder Schulschliessungen keinerlei Effekte auf Covid-Ansteckungen hätten (umfassende <a href="https://linkinghub.elsevier.com/retrieve/pii/S0370157321000624" target="_blank" rel="noopener">Übersichtsstudien</a> demonstrieren <a href="https://linkinghub.elsevier.com/retrieve/pii/S0163445321003169" target="_blank" rel="noopener">das Gegenteil</a>); dass wissenschaftliche Studien grundsätzlich unnötig seien, wenn man die Wahrheit doch einfach aus den «nackten Zahlen» herauslesen könne. (Studien, so Stricker, würden im Gegensatz zu den «nackten Zahlen» nicht auf Fakten basieren.)</p>
<p><strong>Unsere Ansichten zum Was waren und bleiben also ziemlich unvereinbar.</strong> Wie sieht es aber mit dem Wie aus? Mit der Frage, in welchem Ton und mit welcher Rhetorik wir die Debatte führen sollen?</p>
<p>Stricker erklärt, dass er, würde er so «anständig» wie ich in der Öffentlichkeit auftreten, kein Publikum finden könnte. Man müsse eben «schreien», um gehört zu werden; besonders, weil es jetzt in der Corona-Situation akut um sehr viel gehe. Und, erklärt Stricker weiter: Der Erfolg seiner Strategie gebe ihm recht. Am Anfang sei er von seinem Publikum für seine unflätige Art noch kritisiert worden, doch mittlerweile werde er nur noch gelobt. Meine Bedenken, dass genau das vielleicht das Problem sei – sein Publikum gerät durch die permanente Polemik und Demagogie in eine emotionale Radikalisierungs-Spirale – teilt Stricker nicht. Er erklärt, dass er es beispielsweise in Ordnung findet, einen missratenen Vorschlag zur Kennzeichnung ungeimpften Pflegepersonals <a href="https://www.20min.ch/story/glp-praesident-juerg-grossen-wehrt-sich-gegen-faschismus-vorwurf-198460068075" target="_blank" rel="noopener">als «Faschismus» zu bezeichnen</a>, weil viele Menschen das «in sich drin spüren» würden. Mit dem Faschismusvergleich würden, so Stricker, keine Emotionen geweckt oder geschürt, sondern lediglich Emotionen, die die Leute schon hätten, in «rationale Worte» gefasst. Eine reichlich kreative Auffassung von Rationalität. <strong>Das Gespräch schliessen wir lachend ab, und der Abschied vom «StrickerTV»-Team ist genauso herzlich und sympathisch, wie es die Begrüssung war.</strong></p>
<p>Auf der Heimfahrt im Zug frage ich mich, ob Daniel Stricker und ich mit diesem freundlichen, inhaltlich aber eher starren Streitgespräch einen Schritt in Richtung gesellschaftliche Versöhnung gegangen sind. Stricker selber haben meine Argumente und Einwände zwar nicht beeindruckt. Vielleicht aber, so mein optimistischer Gedanke, hat sein Publikum die eine oder andere Anregung, die eine andere Sicht der Dinge aufzeigt, mitnehmen können.</p>
<p>Oder bin ich vielleicht bloss der nützliche Idiot, der mit dem Auftritt bei «StrickerTV» einer extremistischen Stimme zu Legitimität verhilft? Ich weiss es nicht. Das einzige, was mir sicher scheint: <strong>Die diskursiven Fliehkräfte, denen wir als Gesellschaft heute ausgesetzt sind, sind eine Zerreissprobe für die Demokratie, die wir ernst nehmen müssen.</strong></p>
<p>Das Gespräch bei «StrickerTV» hatte in etwa die Eigenschaften, die gemäss <a href="https://www.climatechangecommunication.org/conspiracy-theory-handbook/" target="_blank" rel="noopener">psychologischer Forschung</a> dazu beitragen können, allzu stark gehegte, radikale Meinungen aufzulockern: Wir versuchten, einander halbwegs verständnisvoll und <a href="https://doi.org/10.1111/j.1468-2958.2010.01381.x" target="_blank" rel="noopener">empathisch zu begegnen</a>; wir haben einander nicht verspottet, sondern <a href="https://www.econstor.eu/handle/10419/197640" target="_blank" rel="noopener">respektvoll behandelt</a>; ich habe versucht, Stricker zu vermitteln, dass ich seine Gedanken und Argument <a href="https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/18335330.2016.1215510" target="_blank" rel="noopener">ernst nehme</a>. Hat der Versuch des Brückenschlags gefruchtet?</p>
<p>Ein mögliches Indiz sind die unmittelbaren Reaktionen nach dem Gespräch. Auf YouTube sind sich die Kommentierenden zwar einig, dass ich Quatsch erzählt habe («Kovich ist der Machtelite schon zu lange und zu tief reingekrochen. Der kann da nicht mehr raus.» «Genau wegen solchen Leuten geht der Wahnsinn weiter.»). Gleichzeitig begrüssen aber mehrere Kommentare, dass das Gespräch stattgefunden hat («Herr Kovic, danke für ihren Mut zur offenen Diskussion.» «Alle Achtung vor dem jungen Mann. Diese Sendung war Hammer gut.») Per E-Mail und Social Media habe ich zudem mehrere Anschriften von «StrickerTV»-Zuschauer:innen erhalten, von denen etwa die Hälfte wohlwollend sind. Sie teilten meine Ansichten nicht, erklären diese Zuschauer:innen, aber sie seien dankbar für den zivilisierten Austausch. All dies sind nur Anekdoten, aber sie bestärken mich in meiner Hoffnung, dass Dialog der richtige Weg ist.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/08/04/dialog-ahoi-meine-zwei-stunden-bei-stricker-tv/">Dialog ahoi! Meine zwei Stunden bei «Stricker TV»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Wenn die Algorithmen auf Konsens programmiert sind</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2021/01/07/wenn-die-algorithmen-auf-konsens-programmiert-sind/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Adrian Lobe]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 Jan 2021 16:21:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Telepath]]></category>
		<category><![CDATA[Algorithmen]]></category>
		<category><![CDATA[vTaiwan]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=84754</guid>

					<description><![CDATA[<p>Soziale Netzwerke müssen Gesellschaften nicht spalten, sondern können zu einer gesitteten Debatte beitragen. Das zeigt eine neue Generation von Plattformen sowie ein Demokratieexperiment in Taiwan. Vor genau zehn Jahren begann der Arabische Frühling. Die Aufstände, die über Blogs und soziale Netzwerke orchestriert wurden, gingen auch als «Facebook-Revolution» in die Geschichte ein. Internetplattformen würden helfen, autoritäre <a href="https://medienwoche.ch/2021/01/07/wenn-die-algorithmen-auf-konsens-programmiert-sind/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/01/07/wenn-die-algorithmen-auf-konsens-programmiert-sind/">Wenn die Algorithmen auf Konsens programmiert sind</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Soziale Netzwerke müssen Gesellschaften nicht spalten, sondern können zu einer gesitteten Debatte beitragen. Das zeigt eine neue Generation von Plattformen sowie ein Demokratieexperiment in Taiwan.</strong><br />
<img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-84755" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/01/MW-gepflegtes-social-networking-20210107.jpg" alt="" width="1456" height="976" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/01/MW-gepflegtes-social-networking-20210107.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/01/MW-gepflegtes-social-networking-20210107-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/01/MW-gepflegtes-social-networking-20210107-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/01/MW-gepflegtes-social-networking-20210107-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2021/01/MW-gepflegtes-social-networking-20210107-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
Vor genau zehn Jahren begann der Arabische Frühling. Die Aufstände, die über Blogs und soziale Netzwerke orchestriert wurden, gingen auch als «Facebook-Revolution» in die Geschichte ein. Internetplattformen würden helfen, autoritäre Herrscher aus ihren Palästen zu jagen und die freie Rede in die Welt zu tragen, dachte man damals.<br />
</p>
<p>Heute weiss man, dass das eine Illusion war. Facebook gilt als Spaltwerkzeug, dessen Algorithmen das Potenzial haben, Demokratien zu unterminieren und Gesellschaften zu polarisieren. Der Brexit oder die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten wäre ohne die zweifelhafte Rolle der Netzwerkunternehmen wohl nicht möglich gewesen.</p>
<p>Doch es gibt Menschen, die das Internet als Demokratisierungswerkzeug noch nicht ganz abgeschrieben haben. Zum Beispiel der Facebook-Investor <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Marc_Bodnick" target="_blank" rel="noopener">Marc Bodnick</a>, der im vergangenen Jahr die <a href="https://www.theverge.com/interface/2020/9/25/21454441/telepath-app-beta-richard-henry-marc-bodnick-quora-content-moderation-kindness" target="_blank" rel="noopener">Social-Network-App Telepath</a> gegründet hat. Die Plattform soll ein Hybrid aus Twitter und dem Internetforum Reddit sein, nur viel netter und freundlicher. Die Idee: Algorithmen sollen die Menschen nicht spalten, sondern zusammenführen.</p>
<blockquote><p>Das Motto von Telepath lautet: «Be Kind». Sei nett.</p></blockquote>
<p>Im Gegensatz zu etablierten sozialen Netzwerken kann man sich bei Telepath nicht einfach mit einer gültigen E-Mail-Adresse anmelden. Man benötigt eine Handy-Nummer, an die nach dem Download der App ein Zugangscode verschickt wird. Dann kann man sich auf eine Warteliste setzen lassen, ehe man von Gründer Marc Bodnick per SMS höchstpersönlich eingeladen wird, der Betaversion mit seinem Klarnamen beizutreten. In ein paar Schritten ist das Profil konfiguriert. Das Motto lautet: «Be Kind». Sei nett. Von der Benutzeroberfläche ähnelt Telepath dem grossen Bruder Facebook: Es gibt einen Newsfeed, Kommentare sowie einen «Gefällt mir»-Button. Das war es dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten.</p>
<p>Telepath ist in so ziemlich jeder Hinsicht ein Anti-Facebook: Die Plattform ist werbefrei, statt Algorithmen und externer Vertragsarbeiter kuratieren angestellte Moderatoren die Beiträge, Posts werden nach 30 Tagen gelöscht. Die Mitglieder können verschiedene Gruppen wie zum Beispiel «US-Politik», «Coronavirus» oder «Gardening» beitreten. Dort werden dann, gestützt auf Artikel oder Tweets, politische Themen wie etwa die Impfstrategie oder ganz unpolitische Dinge wie Zimmerpflanzen diskutiert. Und das erstaunlich gesittet.</p>
<blockquote><p>Die Diskussionskultur hebt sich wohltuend vom Gelärme und Gepoltere auf Facebook oder Twitter ab.</p></blockquote>
<p>So debattiert die Community anlässlich einer Kundgebung von Evangelikalen in Los Angeles, die sich ohne Masken versammelt hatten, inwieweit Religionsfreiheit Lockerungen beim Infektionsschutz erlaubt. Von Pöbeleien oder Hate Speech keine Spur. Auch Gründer Bodnick mischt sich hin und wieder mit eigenen Beiträgen in die Debatte ein. Die Diskussionskultur hebt sich wohltuend vom Gelärme und Gepoltere auf Facebook oder Twitter ab. Ein gelungenes Lehrbeispiel für öffentliches Räsonnement im Netz.</p>
<p>Man hat ja schon einige Social-Media-Apps kommen und gehen sehen. Wie Path, Ello, Secret oder Google+, die sich grosse Ziele steckten, es aber nicht schafften, eine kritische Masse an Nutzern zu aggregieren und zum Teil wieder abgeschaltet werden mussten. Doch seit Facebook durch diverse Datenskandale in Misskredit und unter verstärkten politischen Druck geraten ist, sind einige vielsprechende Plattformen an den Start gegangen, die sich als «bessere» und «freundlichere» Alternative zu den etablierten Netzwerken inszenieren – etwa das soziale Netzwerk Twelv, das mit dem Slogan «No likes, no drama» wirbt und den Like-Button abgeschafft hat.</p>
<blockquote><p>In einer ersten Finanzierungsrunde erhielt Telepath mehrere Millionen Dollar Startkapital.</p></blockquote>
<p>Telepath verfolgt mit dem Versprechen eines «emissionsärmeren» Diskursklimas einen ähnlichen Öko-Ansatz (weniger Massenkultur, dafür mehr Qualität bei Inhalten und Moderation), und wenn man die Berichte liest, könnte die Plattform einiges reissen. Der im Silicon Valley bestens vernetzte Gründer Bodnick, dessen Schwägerin die Facebook-Managerin Sheryl Sandberg ist, hat sich starke Partner mit an Bord geholt. In einer ersten Finanzierungsrunde erhielt Telepath mehrere Millionen Dollar Startkapital. An prominenten Namen und Influencern mangelt es auch nicht auf der Plattform selbst: So ist unter anderem Spotify-Mitgründer Daniel Ek mit einem eigenen Profil auf Telepath angemeldet.</p>
<p>Für den Anfang ist das nicht schlecht. Das Problem ist nur, dass die Diskussionen auf Telepath auffällig einseitig sind: Es dominieren linksliberale Stimmen und Quellen. Auf Impfgegner oder Trump-Anhängern stösst man in den Kommentarspalten ebenso wenig wie auf «Fox News»-Beiträge. Hinzu kommt die geringe Beteiligung: Die Foren haben meist nur ein paar Hundert Mitglieder. So wirkt Telepath zuweilen wie ein Salon, den nur geladene Gäste betreten dürfen und wo man sich seiner eigenen Werte vergewissert. Mit Parler gibt es ja bereits eine Plattform, die sich als «Free-Speech»-Alternative zu Facebook und Twitter zu profilieren versucht und zu der im vergangenen Jahr reihenweise konservative Nutzer übergelaufen sind. Telepath könnte die Balkanisierung der sozialen Netzwerklandschaft weiter vorantreiben.</p>
<blockquote><p>Wie elitär darf Öffentlichkeit sein, um die Debattenkultur zu wahren?</p></blockquote>
<p>Diese Abschottungstendenzen, die sich seit geraumer Zeit beobachten lassen, berühren die Frage, wie sich Öffentlichkeit als «Sphäre der zum Publikum versammelten Privatleute» (Jürgen Habermas) im digitalen Raum konstituieren soll. Lässt man alle, also auch Holocaustleugner und Hetzer, auf dem Forum diskutieren und riskiert damit ein vergiftetes Meinungsklima (ein Weg, den Facebook lange beschritt)? Oder fasst man das Publikum enger, auf die Gefahr hin, dass man Teile der Gesellschaft ausschliesst? Wenn ja – wo zieht man die Grenze? Wie elitär darf Öffentlichkeit sein, um die Debattenkultur zu wahren? Anders gefragt: Wie weit darf man die Debattenkultur verrohen lassen, bis die Öffentlichkeit sich selbst zerlegt? Auf diese Fragen hat man in den westlichen Demokratien bislang keine Antwort gefunden.</p>
<p>Wie es funktionieren könnte, zeigt das Beispiel Taiwan. Der ostasiatische Inselstaat gilt nicht erst seit der erfolgreichen Pandemiebekämpfung als Labor in Sachen digitaler Demokratie, auf das westliche Staatenlenker mit grossem Interesse schauen. 2014 wurde dort ein Demokratieexperiment gestartet, das mithilfe von Open-Source-Software eine neue Form der Bürgerbeteiligung institutionalisierte.</p>
<p>Aus Protest gegen ein Handelsabkommen mit China hatten Mitglieder der sogenannten Sonnenblumenbewegung, darunter viele Studenten und Bürgerinitiativen, drei Wochen das Parlament in Taipeh besetzt. Die Regierung beauftragte daraufhin das Hackerkollektiv g0v (sprich: gov-zero) unter der Ägide der späteren Digitalministerin <a href="https://www.nytimes.com/2019/10/15/opinion/taiwan-digital-democracy.html" target="_blank" rel="noopener">Audrey Tang</a> mit der Entwicklung einer digitalen Plattform, um die Kommunikation mit den jungen Wählern zu verbessern.</p>
<blockquote><p>Die Demokratie, so die Diagnose der anarcho-libertären Hacker, sei zu träge. Darum schufen sie die Plattform vTaiwan.</p></blockquote>
<p>Für die Hacker-Aktivisten bestand die Krise des politischen Systems in einem Informationsproblem: Über Wahlen, wie sie in Demokratien alle paar Jahre stattfinden, würden nicht ausreichend Informationen von den Wählern an die Regierung fliessen. Auch basisdemokratische Elemente wie etwa Referenden seien als Kommunikationskanal in der Frequenz nicht hinreichend geeignet, um der Regierung zu vermitteln, was «Volkes Wille» ist. Zudem würden Volksabstimmungen die Wähler spalten. Die Demokratie, so die Diagnose der anarcho-libertären Hacker, sei zu träge: Sie halte mit den dynamischen Meinungsbildungsprozessen im Netz nicht mehr Schritt. Also schufen die Software-Aktivisten eine digitale Plattform namens vTaiwan, die die politischen Präferenzen der Wähler besser abbildet.</p>
<p>Das System funktioniert so: Jeder Teilnehmer kann einen Kommentar oder politischen Vorschlag einbringen, über den die Community abstimmt. Die Beiträge können nicht kommentiert werden; es gibt lediglich die Optionen «agree» (stimme zu), «disagree» (stimme nicht zu) oder «pass/unsure» (passe/unsicher). Dadurch wird Trolling und Hate Speech schon vom Design her ausgeschlossen.</p>
<blockquote><p>Die Algorithmen helfen die Gemeinsamkeiten hervorzuheben, nicht die Unterschiede. «Engagement» ist hier nicht destruktiv, sondern konstruktiv.</p></blockquote>
<p>Mithilfe von Machine-Learning-Algorithmen werden diese Voten dann geclustert und als grobes Stimmungsbild in einer interaktiven Karte visualisiert. Im Gegensatz zu Facebook, das durch algorithmische Feedbackloops Emotionalität und Polarisierung provoziert, ist vTaiwan auf Konsens programmiert: Man sieht nicht nur, in welchen Positionen man auseinanderliegt, sondern auch, worin man übereinstimmt. Und man stellt plötzlich fest, dass es politische Schnittmengen zwischen Bürgern gibt, die der Facebook-Algorithmus längst auseinanderdividiert hätte. Das Deliberationswerkzeug, das auf der <a href="https://blog.pol.is/pol-is-in-taiwan-da7570d372b5" target="_blank" rel="noopener">US-Plattform pol.is</a> basiert, hebt die Gemeinsamkeiten, nicht die Unterschiede hervor. «Engagement» ist hier nicht destruktiv, sondern konstruktiv.</p>
<p>vTaiwan hat sich mittlerweile in mehreren Abstimmungen, etwa bei der Regulierung des Fahrdiensts Uber, als wirkungsvolles Partizipationswerkzeug bewährt, das die Responsivität und Legitimität des politischen Systems erhöht. Zahlreiche Gesetze aus verschiedensten Politikfeldern wurden in der informellen Kammer initiiert. Colin Megill, der Gründer von pol.is, ist überzeugt, dass sich mithilfe Künstlicher Intelligenz ein besseres Diskussionsklima schaffen lässt.</p>
<blockquote><p>Der gepflegte Diskurs im digitalen Salon dürfte daher erstmal eine Nische bleiben.</p></blockquote>
<p>Die Plattformen Telepath und vTaiwan machen deutlich, dass die Frage der Diskurskultur auch eine Frage des Designs bzw. der Programmierung ist. Der Hass wird ja nicht bloss auf Plattformen abgeladen, sondern durch eine obskure algorithmische Mechanik befeuert. Insofern lassen sich die Weichen durchaus auch in Richtung weniger Polarisierung stellen. Algorithmen sind ja lediglich Werkzeuge: So wie sie Schaden anrichten können, können sie auch Nutzen stiften.</p>
<p>Das Problem ist nur, dass sich mit Hass und Verschwörungstheorien im Netz weiter viel Geld verdienen lässt. Youtube-Videos über angebliche Chemtrails erreichen ein Millionenpublikum, selbst wenn die Clips von Content-Moderatoren schamvoll versteckt werden. Ob kleinere Netzwerke auf Dauer gegen diese aufmerksamkeitsökonomische Logik ankommen und sich seriöse Debatten monetarisieren lassen, ist fraglich, zumal Telepath auf Werbung verzichten will. Der gepflegte Diskurs im digitalen Salon dürfte daher erstmal eine Nische bleiben – zumindest auf dem privaten Markt. Doch der Erfolg von vTaiwan macht Hoffnung, dass die Demokratisierung durch digitale Technologien voranschreitet.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2021/01/07/wenn-die-algorithmen-auf-konsens-programmiert-sind/">Wenn die Algorithmen auf Konsens programmiert sind</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>«Das Monokel»: Canceln wir die «Cancel Culture»!</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2020/09/17/das-monokel-canceln-wir-die-cancel-culture/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marko Ković]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 17 Sep 2020 12:38:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Cancel Culture]]></category>
		<category><![CDATA[Das Monokel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Warum der Begriff der «Cancel Culture» als Analyseinstrument nicht taugt und in die Irre führt. In ihrem Podcast «Das Monokel», der neu auch auf der MEDIENWOCHE erscheint, diskutieren die beiden Sozialwissenschaftler Christian Caspar und Marko Kovic über Medien, Macht und Ideologie. Wer heutzutage von der politisch korrekten Meinung abweicht und es wagt, gegen den moralischen <a href="https://medienwoche.ch/2020/09/17/das-monokel-canceln-wir-die-cancel-culture/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Warum der Begriff der «Cancel Culture» als Analyseinstrument nicht taugt und in die Irre führt. In ihrem Podcast <a href="https://dasmonokel.xyz/" target="_blank" rel="noopener">«Das Monokel»</a>, der neu auch auf der MEDIENWOCHE erscheint, diskutieren die beiden Sozialwissenschaftler Christian Caspar und Marko Kovic über Medien, Macht und Ideologie.</strong></p>
<p><iframe loading="lazy" src="https://anchor.fm/dasmonokel/embed/episodes/Folge-3-Meinungsfreiheit--Teil-2--Das-Gespenst-der-Cancel-Culture-ejothj/a-a38348d" width="600px" height="153px" frameborder="0" scrolling="no"></iframe></p>
<p>Wer heutzutage von der politisch korrekten Meinung abweicht und es wagt, gegen den moralischen Mainstream schwimmend eine nicht-konforme Meinung zu äussern, wird zur Zielscheibe linker Mobs, die alles mundtot machen, was sich ausserhalb ihres engen moralischen Korsetts befindet. So in etwa lässt sich die angebliche Gefahr der <a href="https://medienwoche.ch/2020/08/21/wer-hat-angst-vor-der-cancel-culture/">«Cancel Culture»</a> zusammenfassen.</p>
<p>Das klingt schlimm. Umso mehr, wenn man zwei aktuelle Appelle gegen diese neue Form der Intoleranz liest. Sowohl in <a href="https://harpers.org/a-letter-on-justice-and-open-debate/" target="_blank" rel="noopener">«A Letter on Justice and Open Debate»</a>, als auch im <a href="https://idw-europe.org/" target="_blank" rel="noopener">«Appell für freie Debattenräume»</a>, ist die Rede davon, dass «Cancel Culture» nicht einfach unbequem sei, sondern eine grosse Gefahr für unsere Demokratie darstelle.<br />
<br />
Nimmt man das Phänomen der «Cancel Culture» aber genauer unter die Lupe, zeigt sich, dass es reichlich schwammig ist. Um die «Cancel Culture»-Suppe anzurichten, wird eine Reihe recht unterschiedlicher Einzelfälle, bei denen das angebliche «Canceln», also das Löschen oder Streichen der Betroffenen, nicht immer ganz klar ist, in einen Topf geworfen. Auf der Strecke bleibt dabei eine differenzierte Betrachtung der konkreten Ereignisse – und vor allem die inhaltliche Auseinandersetzung mit der Kritik an den vermeintlich Gecancelten.</p>
<p>Der Vorwurf des Cancelns ist stattdessen eine Art Totschlagargument: Wer «Cancel Culture» ruft, ignoriert die jeweils relevanten Sachverhalte sowie die konkreten Inhalte und vermischt damit tatsächlich problematische Fälle mit Situationen, wo Ideen und Personen legitimerweise kritisiert werden.</p>
<p>Wir plädieren darum, das Konzept der «Cancel Culture», nun ja – zu canceln. Statt pauschalisierend und undifferenziert über eine angebliche «Cancel Culture» zu reden, sollten wir uns mit drei konkreten Punkten auseinandersetzen.</p>
<p><strong>Erstens</strong> gibt es dokumentierte Fälle von Shitstorms, die sich gegen «normale» Menschen ohne Privilegien oder Macht richten. Bei solchen Shitstorms werden beispielsweise «normale», unbekannte Leute bei ihren Arbeitgebern angeschwärzt, weil sie online etwas gesagt haben, was jemandem nicht passt. Die materielle Existenz «normaler» Menschen auf diese Art zu gefährden, ist inakzeptabel.</p>
<p><strong>Zweitens</strong> müssen wir aber bedenken, dass sich ein Grossteil der Debatte um Mitglieder der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Elite dreht. Um Menschen also, die eine privilegierten Status und damit einhergehend viel diskursive Macht haben – sie sind die Leute, denen wir in der Öffentlichkeit zuhören. Wenn solche Elitemitglieder heute mit mehr Kritik konfrontiert werden, kann das in demokratischer Hinsicht ein positives Zeichen sein: Der Diskurs wird inklusiver. Stimmen, die früher nicht mitreden konnten, können dies heute eher. Das schafft Reibung, weil die diskursive Macht der Eliten erodiert.</p>
<p><strong>Drittens</strong> müssen wir endlich wieder über konkrete Inhalte und Ideen reden. Wenn Menschen für das, was sie tun und sagen, kritisiert werden – und sei das hart und polemisch –, ist das nicht «Cancel Culture» – das ist der Diskurs, von dem die Demokratie lebt. Jede Kritik pauschal als «Cancel Culture» abzutun, ist zwar eine bequeme Immunisierungsstrategie (man hat immer recht und ist immer das Opfer), aber das bringt uns als Gesellschaft nicht weiter. Es gibt in der Tat schlechte Ideen und Überzeugungen. Darüber müssen wir reden.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/09/17/das-monokel-canceln-wir-die-cancel-culture/">«Das Monokel»: Canceln wir die «Cancel Culture»!</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Bernhard Pörksen: «In einem Dialog beginnt die Wahrheit zu zweit»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2020/09/14/bernhard-poerksen-in-einem-dialog-beginnt-die-wahrheit-zu-zweit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Sep 2020 08:34:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Bernhard Pörksen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Dialog wird künftig wichtiger und er wird schwieriger, sagt der deutsche Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen. Er hat sich für sein jüngstes Buch ausführlich mit dem Miteinander Reden auseinandergesetzt.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/09/14/bernhard-poerksen-in-einem-dialog-beginnt-die-wahrheit-zu-zweit/">Bernhard Pörksen: «In einem Dialog beginnt die Wahrheit zu zweit»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Dialog wird künftig wichtiger und er wird schwieriger, sagt der deutsche Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen. Er hat sich für sein jüngstes Buch ausführlich mit dem Miteinander Reden auseinandergesetzt.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/09/14/bernhard-poerksen-in-einem-dialog-beginnt-die-wahrheit-zu-zweit/">Bernhard Pörksen: «In einem Dialog beginnt die Wahrheit zu zweit»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Der tägliche Meinungsfreiheitskampf</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2019/11/06/der-taegliche-meinungsfreiheitskampf/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Nov 2019 15:13:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Sascha Lobo]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Debatte über Meinungsfreiheit geht in die falsche Richtung: Sie ist weder akut bedroht noch absolut sicher, sondern Gegenstand eines ständigen Aushandlungsprozesses &#8211; gerade in der digitalen Transformation.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/11/06/der-taegliche-meinungsfreiheitskampf/">Der tägliche Meinungsfreiheitskampf</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Debatte über Meinungsfreiheit geht in die falsche Richtung: Sie ist weder akut bedroht noch absolut sicher, sondern Gegenstand eines ständigen Aushandlungsprozesses &#8211; gerade in der digitalen Transformation.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/11/06/der-taegliche-meinungsfreiheitskampf/">Der tägliche Meinungsfreiheitskampf</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Debatte um Meinungsfreiheit: Offenbar haben wir nichts gelernt</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2019/11/06/debatte-um-meinungsfreiheit-offenbar-haben-wir-nichts-gelernt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Nov 2019 14:55:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Meinungsfreiheit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Man könnte über vieles reden dieser Tage, zum Beispiel über rechten Terror. Stattdessen halten sich Medien mit einer Debatte über Meinungsfreiheit auf – dem Lieblingsthema der AfD. Wann hören wir Journalisten endlich auf, ständig übers rechte Stöckchen zu springen, fragt sich Matthias Schwarzer.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/11/06/debatte-um-meinungsfreiheit-offenbar-haben-wir-nichts-gelernt/">Debatte um Meinungsfreiheit: Offenbar haben wir nichts gelernt</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Man könnte über vieles reden dieser Tage, zum Beispiel über rechten Terror. Stattdessen halten sich Medien mit einer Debatte über Meinungsfreiheit auf – dem Lieblingsthema der AfD. Wann hören wir Journalisten endlich auf, ständig übers rechte Stöckchen zu springen, fragt sich Matthias Schwarzer.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/11/06/debatte-um-meinungsfreiheit-offenbar-haben-wir-nichts-gelernt/">Debatte um Meinungsfreiheit: Offenbar haben wir nichts gelernt</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ein Meinungsspektrum für alle</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2019/11/06/ein-meinungsspektrum-fuer-alle/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Nov 2019 11:54:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Buzzard]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=74025</guid>

					<description><![CDATA[<p>Seit Dienstag sammelt das Start-up Buzzard Geld, um eine Debattenplattform zu starten. Diese soll den Diskurs verändern.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Seit Dienstag sammelt das Start-up Buzzard Geld, um eine Debattenplattform zu starten. Diese soll den Diskurs verändern.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/11/06/ein-meinungsspektrum-fuer-alle/">Ein Meinungsspektrum für alle</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Macht und Herrschaft, immer gern</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2019/11/01/macht-und-herrschaft-immer-gern/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 01 Nov 2019 12:24:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Handke]]></category>
		<category><![CDATA[Twitter]]></category>
		<category><![CDATA[Feuilleton]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=73904</guid>

					<description><![CDATA[<p>Elfenbeinturm gegen Kommentarkloake: In der Debatte um Peter Handke streitet «das Feuilleton» mit «den Twitter-Usern». Es geht um die Wachablösung in der Meinungshoheit.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/11/01/macht-und-herrschaft-immer-gern/">Macht und Herrschaft, immer gern</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Elfenbeinturm gegen Kommentarkloake: In der Debatte um Peter Handke streitet «das Feuilleton» mit «den Twitter-Usern». Es geht um die Wachablösung in der Meinungshoheit.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/11/01/macht-und-herrschaft-immer-gern/">Macht und Herrschaft, immer gern</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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