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	<title>Blocher-Medien | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>Blochers stumpfe Waffe</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Fabian Baumann]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Oct 2016 13:47:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Basler Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Markus Somm]]></category>
		<category><![CDATA[Blocher-Medien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Wahlen im Kanton Basel-Stadt zeigen es eindrücklich: Als politisches Projekt ist die «Basler Zeitung» unter ihrem nationalkonservativen Chefredaktor Markus Somm gescheitert. Nach dem für ihn verheerenden Wahlausgang blieb Somm vielsagend stumm. Entweder hat ihm das Resultat die Sprache verschlagen oder er hat Basel schlichtweg aufgegeben: Keine Zeile in der eigenen Zeitung hat der BaZ-Chefredaktor <a href="https://medienwoche.ch/2016/10/27/blochers-stumpfe-waffe/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Wahlen im Kanton Basel-Stadt zeigen es eindrücklich: Als politisches Projekt ist die «Basler Zeitung» unter ihrem nationalkonservativen Chefredaktor Markus Somm gescheitert. Nach dem für ihn verheerenden Wahlausgang blieb Somm vielsagend stumm.</strong></p>
<p>Entweder hat ihm das Resultat die Sprache verschlagen oder er hat Basel schlichtweg aufgegeben: Keine Zeile in der eigenen Zeitung hat der BaZ-Chefredaktor bisher dem Absturz der bürgerlichen Regierungskandidaten gewidmet, die er mit seinem Blatt eigentlich zum Erfolg führen wollte. Das Resultat der Parlaments- und Regierungswahlen im Kanton Basel-Stadt entsprach aber auch gar nicht Somms Geschmack.</p>
<p>Die Verteidigung der rotgrünen Mehrheit in der Regierung dürfte im zweiten Wahlgang problemlos gelingen und im Grossen Rat haben die SP und das Grüne Bündnis je einen Sitz dazugewonnen. Verloren haben die FDP, die CVP und (bei den Regierungswahlen) die SVP. Als grösste Verliererin gilt in Basel aber die «Basler Zeitung». Das deutliche Wahlresultat ist eine erneute Watsche für deren Chefredaktor Markus Somm, der einmal mehr erfolglos einen bürgerliche Wahlsieg herbeizuschreiben versuchte.</p>
<p>Zwar betonte Somm auch diese Woche wieder, er habe «nicht in erster Linie eine politische Mission», aber so richtig nimmt ihm das niemand ab. Gar abwegig erscheint die Idee, Christoph Blocher habe vor sechs Jahren aus reinem Interesse an guter Schreibe bei der BaZ investiert und mit Somm einen Sympathisanten in die Chefposition gehievt. Für Blocher ist die Zeitung weniger ein publizistisches als ein politisches Projekt. Auch Somm, der immerhin einmal gesagt hatte, die Redaktion solle die (Baselbieter) <a href="http://bazonline.ch/basel/stadt/Willst-du-die-buergerliche-Regierung-stuerzen-/story/27041866" target="_blank">Politik «aus den Angeln heben»</a>, forderte noch vor zwei Monaten unzweideutig eine bürgerliche Wende in Basel mit «weniger Vorschriften, mehr Härte gegen Kriminalität und – mehr Heimat».</p>
<p>Es lohnt sich also durchaus, auf die Rolle der BaZ in diesem Wahlkampf zurückzublicken. Wie hat sie berichtet? Hat sie den Wahlausgang beeinflusst? Und weshalb ist es ihr nicht gelungen, einen Rechtsrutsch zu erwirken?</p>
<p><strong>1. Der Chefredaktor</strong><br />
Dass Markus Somm sich für Basel nicht besonders interessiert, war schon lange klar. Auch nach sechs Jahren als BaZ-Chefredaktor wohnt er weiterhin in Wädenswil am Zürichsee, schreibt kaum über Basel, taucht so gut wie nie an lokalen Veranstaltungen auf. Im diesjährigen Wahlkampf war sein Desinteresse aber noch einmal offensichtlicher. In manchen Wochen soll Somm nur noch einmal in der Redaktion aufgetaucht sein.</p>
<p>In einer Stadt, wo nichts die Linken und Bürgerlichen so eint wie der gemeinsame Lokalpatriotismus, kommt es nicht gut an, wenn ein Auswärtiger – und ein solcher ist Somm in jeder Hinsicht geblieben – die BaslerInnen über Basel belehren möchte. So geschehen auch bei den zwei (!) Wortmeldungen Somms zur Basler Politik im Wahljahr. Als er die angeblich schmuddelige Bahnhofshalle zum Symbol für den angeblichen <a href="http://bazonline.ch/basel/In-der-Stadt-des-rotgruenen-Biedermeiers-/story/10199616" target="_blank">Niedergang der rotgrünen Stadt</a> erkoren hatte, erntete er vor allem Spott: Somm kenne in Basel eben nichts ausser dem Bahnhof. Und als er von den bürgerlichen «Angsthasen» <a href="http://bazonline.ch/basel/land/Wahlkampf-der-Angsthasen/story/13321592" target="_blank">einen härteren Wahlkampf forderte</a>, gab es prompt eine Schelte des abtretenden liberalen Regierungsrats Christoph Eymann, der <a href="http://bazonline.ch/basel/stadt/Sie-irren-Herr-Somm/story/22923563" target="_blank">in einer Replik festhielt</a>, Somm verlange eine politische Schlammschlacht. «Das mag in Herrliberg gewünscht sein», schrieb Eymann giftig: «In Basel möchten wir das nicht.»</p>
<p>Auch am Wahltag war Somm im Basler Messezentrum der grosse Abwesende: Der Chefredaktor der grössten Zeitung in der Stadt hielt es nicht für nötig, sich an dem Anlass zu zeigen, der praktisch alle Basler PolitikerInnen und JournalistInnen in einem Saal versammelt. Am nächsten Morgen stand in der BaZ kein einziger Satz des Chefredaktors. Dafür tauchte am Dienstag im Tages-Anzeiger <a href="http://bazonline.ch/basel/stadt/die-buergerlichen-haben-versagt-und-zwar-alle/story/17634453" target="_blank">ein kurzes Interview mit Somm</a> auf, der offenbar keine Zeit hatte, seine Ideen in einen Artikel zu verpacken. Somms These: Die Bürgerlichen haben alles falsch gemacht, die Linken haben gewonnen, weil in Basel so viele Leute vom Staat leben. Und tautologisch stellt er fest: «Aus bürgerlicher Sicht wäre eine bürgerliche Wende sicher positiv.»</p>
<p>Am gleichen Tag durfte der Kenner der Gegend im Blick behaupten, die LDP habe bei den Wahlen dazugewonnen, <a href="http://www.blick.ch/news/politik/die-basler-ldp-ist-die-heimliche-wahlsiegerin-vom-wochenende-unabhaengig-elitaer-rechts-id5655064.html" target="_blank">weil sie rechts der FDP stehe</a>. Würde er gelegentlich die lokale Konkurrenz lesen, wüsste er, dass <a href="http://www.tageswoche.ch/de/2016_41/basel/731585/" target="_blank">das Gegenteil der Fall ist</a>.</p>
<p>Nein, Markus Somm ist für die Basler Bürgerlichen keine grosse Hilfe. Aber, wir erinnern uns, das ist ja gar nicht sein Ziel.</p>
<p><strong>2. Die Lokalredaktion</strong><br />
Betrachtet man die Entwicklung des Ressorts «Basel-Stadt» über die letzten Jahre, so fallen zunächst vor allem die ständigen personellen Wechsel auf. 2014 gab Raphael Suter die Leitung des Ressorts an Nina Jecker ab, die publizistisch blass blieb und diesen Sommer nach gut zwei Jahren durch Bundeshausredaktor Christian Keller ersetzt wurde. Auch andere LokalredaktorInnen bleiben nicht lange.</p>
<p>Ähnlich erratisch wie Markus Somms Personalpolitik ist auch die politische Linie des Lokalressorts, welches im Gegensatz zum Inlandteil nicht durchgehend nationalkonservative Positionen vertritt. Zwar gibt es im Ressort durchaus rechte Wahlkämpfer – etwa Gewalt- und Marihuana-Fan Mischa Hauswirth – aber allen LokalredaktorInnen ideologische Einseitigkeit zu unterstellen, wäre ungerecht. Christian Keller selbst gilt zwar als konservativ, hat aber gleichzeitig den Ruf eines hartnäckigen Rechercheurs, der auch politische Verbündete nicht schont. So fuhren Keller und seine Leute vor den Wahlen eine Kampagne gegen den freisinnigen Polizeidirektor Baschi Dürr, dem sie verschiedene Ungereimtheiten in seinem Departement vorwarfen.</p>
<p>Eine klar rechte Linie zeigte das Lokalressort vor allem an zwei Fronten: in der Sicherheits- und in der Verkehrspolitik. Im August etwa trompetete «Haudrauf-Hauswirth» in einem reisserischen Artikel, Gewalttaten würden sich im Kleinbasel «häufen» – obwohl die Statistiken sogar einen <a href="http://www.tageswoche.ch/de/2016_35/basel/728097/" target="_blank">leichten Rückgang der Gewaltdelikte</a> anzeigen. Und schon seit Jahren greift die Zeitung regelmässig den sozialdemokratischen Baudirektor Hanspeter Wessels für dessen velo- und ÖV-freundliche Verkehrspolitik an.</p>
<p>Die restliche politische Berichterstattung im Lokalteil war eher wirr als eindeutig rechts. Es erschienen unter anderem: zwei bemerkenswert wohlwollende Porträts der linken Regierungsratskandidatinnen, ein unappetitlicher Artikel von Martin Regenass, der einen privaten Schicksalsschlag eines grünen Grossrats <a href="http://verlag.baz.ch/artikel/?objectid=496AF4EE-B360-4C6A-ADB19B36341D37D2" target="_blank">auszuschlachten versuchte</a>, ein paar halbwitzige Kolumnen, in denen <a href="https://medienwoche.ch/2014/10/29/der-provokateur/">Michael Bahnerth</a> im Gestus des weinerlichen Narzissmus die Linken wie die Bürgerlichen gleichsam verflucht, und ein ganzseitiges Interview mit einer Wahrsagerin.</p>
<p><strong>3. Die Glaubwürdigkeit</strong><br />
Die BaZ-Kampagnen gegen Dürr und Wessels dürften mit ein Grund sein, dass beide in den zweiten Wahlgang müssen – wobei der Bau- und der Polizeidirektor meistens einen schweren Stand haben. Die hysterischen Berichte über die angeblich steigende Gewalt verfehlten hingegen ihre Wirkung komplett: Die SVP konnte im Parlament keine Sitze dazugewinnen und eine Regierungsbeteiligung scheint nach wie vor unrealistisch.</p>
<p>Dieses Resultat liegt wohl auch an der mangelnden Glaubwürdigkeit der Zeitung. Der Ruf der BaZ hat in den letzten Jahren schwer gelitten. Nicht nur Linke sehen sie als SVP-Parteiblatt – was nicht ganz gerecht ist, aber eben auch nicht völlig grundlos. Viele Wählerinnen und Wähler lesen sie überhaupt nicht mehr oder vertrauen ihr nicht. Nur wer ohnehin schon das Gefühl hat, alles werde immer schlechter, findet sich bestätigt von den teilweise apokalyptischen Berichten der BaZ.</p>
<p>Diese Berichte sind aber auch etwas gar weit von der Realität entfernt. Markus Somm etwa zählte im August folgende Probleme auf: «Migration, Staatsverschuldung, miserable Schulen, eine EU im Zerfall, eine Verkehrspolitik, die den ­Kollaps betreibt, Dreck in den Strassen, ­Hochschulen, die versagen, Professoren, die man nicht kennt, Sozialhilfeempfänger, die sich wundersam vermehren.» Grosszügig schob Somm noch nach, die Basler Regierung sei nur für einen Teil dieser Probleme verantwortlich. Aber man muss schon sehr wenig über Basels beneidenswert gute Lage wissen, um die Mär vom sozialistischen Sodom zu glauben.</p>
<p>Die Wahlen müssten zeigen, ob die BaZ die Wahrnehmung der Leute verändern könne, schrieb Philipp Loser <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/im-basler-paralleluniversum/story/21515360" target="_blank">vor Kurzem im Tages-Anzeiger</a>. Die Wahlen haben gezeigt: Sie kann es nicht.</p>
<p><strong>4. Polarisierung und Mobilisierung</strong><br />
Wenn es der BaZ auch nach sechs Jahren nicht gelungen ist, die Verhältnisse im Kanton zu verschieben, so hat sie doch dazu beigetragen, dass die Politik polarisierter ist als auch schon. Das erstmalige Bündnis der bürgerlichen Parteien FDP, LDP und CVP mit der SVP hat wohl auch damit zu tun, dass die BaZ seit Jahren den «bürgerlichen Schulterschluss» und den Machtwechsel im Regierungsrat als höchste Ziele propagiert. In Basler Wirtschaftskreisen ist diese Botschaft durchaus angekommen, wie etwa die Wahlkampf-Interventionen von Gabriel Barell zeigen, dem Direktor des Gewerbeverbands, welcher der rotgrün dominierten Regierung immer wieder – und eher faktenfrei – Wirtschaftsfeindlichkeit vorwarf.</p>
<p>Auch in den letzten Wochen versuchten mehrere Kommentare in der BaZ, eine «bürgerliche Wende» als notwendig und wahrscheinlich darzustellen. Markus Somm spürte angeblich eine «feine Wechselstimmung» im Stadtkanton (oder doch nur in der Bahnhofshalle?). Die BaZ, aber auch andere Medien (Tageswoche, bz Basel) und die Meinungsumfragen des Sotomo-Instituts, trugen entscheidend zum Gefühl bei, dass Basel vor einer Richtungswahl stehe. Aus bürgerlicher Sicht war dies wohl kontraproduktiv: Die weit verbreitete Abneigung gegen die SVP half den linken Parteien bei der Mobilisierung und führte so zum Sieg der bewährten Kräfte. Die vorausgesagte Wende stellte sich als self-destroying prophecy heraus.</p>
<p><strong>5. Wie weiter?</strong><br />
Als politisches Instrument zur bürgerlichen Revolution in Basel ist die Sommsche BaZ ein voller Misserfolg. Nach sechs Jahren Somm ist die Wahlbevölkerung im Stadtkanton keinen Millimeter nach rechts gerückt. Gleichzeitig ist die BaZ national nach wie vor zu unbedeutend, um einen entscheidenden Einfluss auszuüben. Dies dürfte unterdessen auch Christoph Blocher bemerkt haben und es ist kein Zufall, dass in jüngster Zeit wieder das Gerücht aufkam, er plane den baldigen Verkauf der vermeintlich «gesundgeschrumpften» BaZ.</p>
<p>Auch für Markus Somms persönliche Zukunft kursieren verschiedene Szenarien: Mal hiess es, Tamedia-Chef Pietro Supino wolle ihn als neuen Tagi-Chef installieren und den Tagi möglicherweise <a href="http://www.tageswoche.ch/de/2016_41/basel/731565/die-schleichende-uebernahme-der-basler-zeitung.htm" target="_blank">gleich noch mit der BaZ zusammenlegen</a>. Anderswo hörte man, Somm solle <a href="http://www.bernerzeitung.ch/dienste/rss/story/25057856plant-blocher-eine-sonntagszeitung/story/12629916" target="_blank">eine neue Blocher-Sonntagszeitung</a> für die gesamte Deutschschweiz leiten.</p>
<p>Ob es dazu kommt, ist noch völlig unklar – auch Somm mag sich nicht dazu äussern. Klar ist hingegen: Von einem Abgang Somms aus Basel könnten alle Seiten nur profitieren. Die Stadt hätte eine neue Chance auf ein glaubwürdigeres Leitmedium. Die BaZ-Redaktion könnte beweisen, dass sie fähig ist zu konstruktiver Gesellschaftskritik jenseits ideologischer Vorgaben und Verirrungen. Und falls Blochers Sonntagsblatt zustande kommt, dürfte Somm seinen missionarischen Eifer bei einem eigens für ihn geschaffenen, parteipolitisch ehrlich deklarierten Medium ausleben. Wir wünschen Herrn Somm für seinen weiteren beruflichen Weg alles Gute.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/10/27/blochers-stumpfe-waffe/">Blochers stumpfe Waffe</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>«Die Gegenposition zum Mainstream ist immer richtig»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/02/28/die-gegenposition-zum-mainstream-ist-immer-richtig/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 28 Feb 2015 22:30:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Roger Köppel]]></category>
		<category><![CDATA[Weltwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Kurt W. Zimmermann]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[SVP]]></category>
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		<category><![CDATA[Christoph Blocher]]></category>
		<category><![CDATA[Schweiz]]></category>
		<category><![CDATA[Blocher-Medien 2014]]></category>
		<category><![CDATA[Rudolf Augstein]]></category>
		<category><![CDATA[Esther Girsberger]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mit 50 Jahren ist Roger Köppel der bekannteste Journalist der Schweiz und ein unabhängiger Verleger mit Herzblut, vieles erinnert an Rudolf Augstein. Von seinen ehemaligen Kollegen und Arbeitgebern hat er sich emanzipiert, seine Weltwoche sieht er als Truppe, die mit dem Rammbock an die Tore unerstürmter Burgen hämmert. Bei den im Oktober anstehenden Wahlen will <a href="https://medienwoche.ch/2015/02/28/die-gegenposition-zum-mainstream-ist-immer-richtig/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Mit 50 Jahren ist Roger Köppel der bekannteste Journalist der Schweiz und ein unabhängiger Verleger mit Herzblut, vieles erinnert an Rudolf Augstein. Von seinen ehemaligen Kollegen und Arbeitgebern hat er sich emanzipiert, seine Weltwoche sieht er als Truppe, die mit dem Rammbock an die Tore unerstürmter Burgen hämmert. Bei den im Oktober anstehenden Wahlen will er nun auch noch für die Schweizerische Volkspartei (SVP) als Nationalrat ins Parlament einziehen.</strong></p>
<div align="right">
<h2>«Wir werden ohne Rücksicht auf Verluste eine faire und schonungslose Klinge schlagen. Wir sind unabhängige Leute, und man wird sich daran gewöhnen müssen. Wenn wir das Maul halten sollen, muss man es uns schon stopfen.»</h2>
<p><small>Rudolf Augstein, damals 28, in einem Kommentar zum fünfjährigen Bestehen des «Spiegel» 1951, zitiert aus «Die Herren Journalisten» (Lutz Hachmeister / Friedemann Siering 2002, C.H. Beck), Seite 97.</small></div>
<p></p>
<p>Am 21. März 2015 ist es soweit: Roger Köppel wird 50 Jahre alt. Er strahlt noch immer Jugendlichkeit aus, was seinem noch nicht ergrauten Haar und seiner hellwachen Art, aber natürlich auch seinem nachhaltigen Lebenswandel geschuldet ist. Er raucht nicht, trinkt wenig Alkohol, treibt viel Sport, gesundheitsgefährdend ist nur das Übermass an Arbeit, das er sich aufbürdet. Dass Köppel heute der wichtigste Journalist der Schweiz ist, hat er nicht nur grossem Talent und harter Arbeit zu verdanken, sondern auch einer frühen Förderung. Bereits mit 32 Jahren wurde er zum Chefredaktor des damals renommierten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Magazin_%28Schweiz%29">«Magazins»</a> ernannt. Esther Girsberger erinnert sich, dass die damalige Entscheidung in ihre Kompetenz fiel: «Bei der Nachfolgefindung von René Bortolani dachte ich: Roger Köppel ist der Richtige. Schreibt sehr gut, ist eloquent und breit aufgestellt. Kurt W. Zimmermann dagegen, damals Geschäftsleitungsmitglied der Tamedia, reagierte zunächst mit dem Satz ‹Spinnst Du eigentlich?› auf meinen Vorschlag».</p>
<p>Zimmermann kann sich daran nicht erinnern. Auf Anfrage schreibt er: «Köppel war im Haus schon lange als gewitzter Typ aufgefallen und hatte Anhänger bis hinauf in die Unternehmensspitze. Wenn ich mich richtig erinnere, waren besonders Hans-Heinrich Coninx, Iwan Rickenbacher und Antje Landshoff sehr von ihm angetan. Auch Roger de Weck hatte zuvor mehrmals gesagt, dass er Köppel zwar für einen etwas speziellen Typen, aber für einen der kommenden Köpfe im Hause halte.» Köppel ist ein anderer Satz von Zimmermann in Erinnerung geblieben, geäussert an jener Sitzung der Geschäftsleitung, an der er sein Konzept für das «Magazin» vorstellte: «Wenn ich Dir so zuhöre, krampft sich alles in mir zusammen.» Der Trend sei damals eben «reiner Lifestyle und Sauglattismus à la SZ-Magazin» gewesen, so Köppel, und die damaligen Vorbehalte sind längst begraben: «Kurt und ich wurden bald Freunde und mein Respekt für ihn ist über all die Jahre gleichbleibend gross geblieben. Aber ohne Esther Girsberger wäre ich nie Chef des Magazins geworden – dafür bin ich ihr bis heute dankbar. Wie auch Michel Favre und Hans Heinrich Coninx, die sich auf das Abenteuer eingelassen haben.» Seine eigene Förderung hat er zurückgegeben, in dem er selbst Journalisten förderte: ehemalige Angestellte von ihm sind heute in den Chefredaktionen von «Blick», Basler Zeitung und Sonntagszeitung anzutreffen. Köppel weist darauf hin, dass er seinen Nachfolger beim «Magazin», Res Strehle, selbst angestellt und gegen Bedenken aus der Geschäftsleitung mit einem Zehnpunkte-Empfehlungsschreiben als neuen Chef empfohlen hat.</p>
<h3>«Darth Vader»</h3>
<p>«Eigentlich müsste man, wenn ich in die Redaktion komme, den Darth-Vader-Marsch spielen», sagte Köppel der <a href="http://www.zeit.de/2002/06/Bad_Guy_in_der_Warteschleife/komplettansicht">«Zeit» 2002</a>, und dieser Satz zeigt seine Faszination für die Macht und für das Böse. Und seinen Humor, den ihm einige absprechen wollen, während ihn andere nicht verstehen können. Doch verkörpert er das Böse oder strebt er es an, wie das einige seiner Gegner glauben? «Keine Sorge, der will nur spielen», ist ein geflügeltes Wort unter Hundebesitzern, dem zurecht nicht immer zu trauen ist. Und auch bei Köppel fragt man sich des Öfteren: Wohin zeigt sein innerer moralischer Kompass? Hat er überhaupt einen oder ist er tatsächlich amoralisch, wie das ein ehemaliger Mitarbeiter behauptet? In Friedenszeiten sind Artikel, die Hooligans in Schutz nehmen, pauschal über Roma urteilen und Titel, die den Koran zur «Bibel der Gewalt» erklären, einigermassen gut erträglich. Aber würde Köppel seine Macht auch ganz anders ausnützen, wenn er nur könnte? Auf welcher Seite der Macht stände «Darth Vader» in einem veränderten Machtgefüge, auf der hellen oder auf der dunklen?</p>
<p>Köppel hat auf all diese Fragen eine simple Antwort: «Ich sehe meine Aufgabe nicht darin, auf der Seite der Mehrheit zu stehen. Wenn alle auf den kleinen, dicken Aussenseiter zeigen auf  dem Pausenplatz, dann braucht der, der sich neben ihn stellt, etwas mehr Mut. Die Einnahme der Gegenposition zum Mainstream ist immer richtig. Wo alle loben, muss man kritisieren. Wo alle kritisieren, muss man loben.» Und da hat er natürlich recht. Jeder, der am Pranger der Medien oder der Bevölkerung steht, hat wenigstens einen Anwalt verdient; das gilt für Geri Müller genauso wie für Grossbanken, Rohstoffhändler oder das noch mächtigste Land der Welt. Sich selbst sieht er als <a href="http://www.duden.de/rechtschreibung/Eklektiker">Eklektiker</a>: «Wenn ein anderer eine interessante Idee hat, bin ich der erste, der die nach vorne bringt. Jeder Journalist sollte Eklektiker sein. Er muss interessante Ideen und Gedanken ungeachtet des Absenders prüfen und verarbeiten.»</p>
<blockquote class="twitter-tweet" lang="en">
<p>Breaking News: wieder Kurswechsel bei der Weltwoche! <a href="http://t.co/gzChWmyccs">pic.twitter.com/gzChWmyccs</a></p>
<p>&mdash; Markus Schär (@SchaerWords) <a href="https://twitter.com/SchaerWords/status/398757380436930560">November 8, 2013</a></p></blockquote>
<p><script async src="//platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script></p>
<p>Aufgewachsen ist Roger Jürg Köppel in der Agglo, in Kloten und Bülach. Sein Vater, ein Ostschweizer, lernte Maurer und war später Besitzer der Hochbaufirma Köppel AG, spezialisiert in Renovationen. Nach gesundheitlichen Problemen in den 1970er-Jahren verkaufte er die Firma und starb wenige Jahre später, wie auch seine Mutter. Bereits als Teenager zum Vollwaisen geworden, wuchs er in der mütterlichen Wohnung bei seinem zehn Jahre älteren Bruder und dessen Freundin auf. Die Grosseltern, Tanten und Onkel halfen im Haushalt. Als erster seiner Familie schaffte er es ans Gymnasium und später an die Hochschule. Nach der Kantonsschule Zürcher Unterland und vor seinem Eintritt in die Universität Zürich sammelte er Gepäckwagen am Flughafen Zürich. Wie ein bekannter Reporter beim Tages-Anzeiger übrigens, Constantin Seibt, der weitere erstaunliche Parallelen im Lebensweg aufweist: Die beiden hatten den gleichen Jugendfreund, den gleichen Mentor, den gleichen Professor &#8211; und schafften es trotzdem, sich dabei kein einziges Mal über den Weg zu laufen. Eigentlich wollte er Lehrer werden, sagt mir Köppel. Er habe schon immer gerne Vorträge gehalten und der pädagogische Furor habe ihn bis heute nicht verlassen.</p>
<h3>Ideenmaschine</h3>
<p>Glaubt man seinen Gegnern, so hat er aus der Weltwoche ein Propaganda- und Hetzblatt gemacht. Doch Köppel steht unbeirrbar zu dem, was er macht, und publizistisch hat er abseits fragwürdiger Titelbilder und Zuspitzungen bislang verhältnismässig wenige Fehltritte zu verantworten, <a href="http://presserat.ch/positions.htm">siehe dazu die Stellungnahmen auf Presserat.ch</a>. Für ambitionierte Journalisten kann er in vielen Bereichen nur ein Vorbild sein: Sein Output ist oft höher als der seiner Mitarbeiter oder Konkurrenten, Interviews macht er wie nebenbei, jede Woche steht ein sprachlich eloquenter und inhaltlich wegweisender Text («Editorial»), ständig beschäftigt er sich mit neuen Fragen und veröffentlicht neue Artikel. Selbst ist er vielleicht nicht der allerbeste Rechercheur, doch das macht er wett, in dem er sein Magazin konsequent auf die Recherche ausrichtet. Seine herausragende Stärke ist die Ideenmaschine, die in ihm sprudelt sowie seine glasklare, stets elegante Sprache. Dass er ein ganzes Wochenmagazin nach seiner Art prägen konnte, ohne dabei die Wurzeln des Titels zu verleugnen, ist eine beachtenswerte Leistung, die ihm (leider) niemand nachmacht. Wie lebendig und aufregend wäre doch eine Schweizer Medienszene mit zwanzig Köppels in den Sesseln der Chefredaktionen! Die müssten auch gar nicht alle männlich und liberalkonservativ sein, sondern vielleicht weiblich, grünliberal oder kommunistisch. Und nicht besessen von Politik und Wirtschaft, sondern vielleicht von Mode, Fussball, Biologie, Mangas oder Malerei.</p>
<div style="border: 1px solid #dddddd; margin: 3px 0px 10px 10px; padding: 7px; background: #ececec none repeat scroll 0% 0%; float: right; font-size: 0.9em; width: 147px; line-height: 1.3em; color: #4382cf;"> <a href="https://medienwoche.ch/tag/blocher-medien-2014/"><strong><big>Werdegang</big></strong></a></p>
<p>1988-1994:<br />
Film- und Sportredaktor bei der NZZ<br />
1994-1997:<br />
Kulturredaktor beim Tages-Anzeiger<br />
1997-2001:<br />
Chefredaktor «Das Magazin», ab 2000 zusätzlich stellvertretender Chefredaktor beim Tages-Anzeiger.<br />
2001-2004:<br />
Chefredaktor der Weltwoche<br />
2004-2006:<br />
Chefredaktor «Die Welt»<br />
2006-heute:<br />
Chefredaktor und Eigentümer der Weltwoche
</p></div>
<p>Auch wenn dem inzwischen zum Millionär gewordenen Aufsteiger nachgesagt wird, geizig zu sein und in ständiger Angst vor dem Verarmen zu leben, zahlt er seine Mitarbeiter ordentlich, die Freien sogar sehr gut im Vergleich zur Konkurrenz. Er lebt in Symbiose mit seiner Firma &#8211; jeder Franken, der ausgegeben wird, sieht er als sein eigener an, jeder gemachte Fehler betrifft ihn ganz persönlich. Doch während viele Journalisten das Soziale vor allem im Herzen verspüren und auf der Zunge herumtragen, erhält Unternehmer Köppel die anderenfalls wohl schon längst an ihren Verlusten hingeschiedene Weltwoche als finanziell rentablen Hort des wertvollen Journalismus. Unterschlupf bei seiner Zeitung fanden in den letzten Jahren nicht nur eine Reihe von jungen, noch beeinflussbaren Männern, sondern auch einige gestandene Herren, die nach einem kurzzeitigen Höhenflug im Mittelmass des Consultings dümpelten, so Ex-Bilanz-Chef René Lüchinger oder Ex-Sonntagszeitung-Chef Martin Spieler. Sogar Journalisten, die ihn öffentlich frontal angriffen (René Zeyer) oder seine Karriere gefährdeten (Tom Kummer), fanden wieder Arbeit bei ihm. Wie viele andere Chefs in dieser eitlen Branche zeigen denn eine solche Grösse und eine solche Bereitschaft zum Verzeihen?</p>
<h3>Sonnenkönig und Duracellhase</h3>
<p>Oder geht es hierbei um etwas Anderes, um Macht? Um die Möglichkeit, zu herrschen, Menschen zu beherrschen? Denn wer zur Weltwoche geht, muss bereit sein, sich einem uneingeschränkt herrschenden Sonnenkönig unterzuordnen, der selbst im Einzelbüro sitzt, während die angestellten Journalisten im lärmigen Grossraumbüro kreativ werden sollen. Die «Checks und Balances», von denen Köppel so gerne schreibt, gelten natürlich für Staatsgebilde, und nicht etwa für ein privates Unternehmen wie die Weltwoche. Aber Köppel ist schlau: Um nicht als Diktator gelten zu müssen, darf selbstverständlich jeder in der Weltwoche exakt das schreiben, was ihm gefällt &#8211; aber nur, wenn es gut genug ist. Also gut genug für Köppel. Ist das nicht der Fall, wird diskutiert, und zwar so lange, bis der Opponent einsichtig wird oder aufgibt. Er (und auch Markus Somm) verhalten sich in Diskussionen wie <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Duracellhase">Duracellhasen</a> und wiederholen auch noch dann ihre Standpunkte in neuen Variationen, wenn ihre Gesprächspartner längst resigniert haben oder aus Langeweile eingeschlafen sind. Grundsätzlich ist und war es Weltwoche-Redaktoren immer möglich, etwas gegen den Willen der Chefredaktion durchzubringen &#8211; lange bis sehr lange Diskussionen muss man dafür aber aufwenden. Das ist nicht nur Abwehrstrategie, denn Köppel will tatsächlich, dass man seine Argumente nachvollziehen kann; vor allem aber will er die Diskussion gewinnen. Der Klügere gibt nach, so die Redewendung. Der Beharrliche aber gewinnt. Vielfach kommt es jedoch gar nicht zu Konfrontationen, denn gegen seine Dominanz und Argumentationskraft glauben viele Mitarbeiter nicht anzukommen. Kurz: Was Köppel nicht gut findet, wird nicht gemacht, und dann heisst es in der Weltwoche-Redaktion: «Deine Argumentation ist zu wenig gut» oder «Du musst zuerst ganz anderes schreiben, damit ich Dir dafür Platz einräume».</p>
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<p>Köppel selbst sieht es so: «Die Weltwoche ist eine Zeitung, bei der der Autor eine grössere Freiheit hat als anderswo. Wo man ihm sagt: Ich sehe es nicht so, aber wenn Du es unbedingt so schreiben willst: Es steht ja Dein Name drüber, also schreibe es. Ich bin fordernd, wenn ich das Gefühl erhalte, dass sich einzelne Leute divenhaft oder egozentrisch verhalten und glauben, sie seien Starautoren und können nur alle fünf Monate etwas schreiben. Aber habe ich schon jemals einem Journalist gesagt, was er schreiben muss und habe das gegen seinen Willen eingefordert? Nein. Wenn ich den Leuten sagen muss, was sie schreiben müssen, dann kriege ich Depressionen. Gute Journalisten lassen sich nichts diktieren. Die Weltwoche kann nicht auf Ja-Sager setzen, und würde ich solche Leute anstellen und behalten, wäre ich als Chef eine Flasche. Entscheidend ist, dass man bereit ist, die Wirklichkeit zu beschreiben, auch wenn sie den eigenen Vorurteilen widerspricht. Man muss sich auf die Sache einlassen können und etwas zu sagen haben. Diese Art von Selbstentfaltung, bei der sich das Selbst an einem Gegenstand, an einer Beobachtung oder einer triftigen Einsicht entfaltet &#8211; das ist der Reiz meines Berufes. Die Weltwoche ist das natürliche Asylheim für alle jene, die diese Art von Freiheit und Unabhängigkeit publizistisch zum Ausdruck bringen wollen. Das ist das Gegenteil von Ego-Journalismus, von Selbstbespiegelung und Nabelschau.»</p>
<p>Mitarbeiter, die ihm echt Paroli bieten konnten und das auch wollten, sind nach und nach gegangen oder gegangen worden: Markus Somm, Eugen Sorg, Thomas Widmer, Peer Teuwsen, um nur einige zu nennen. In der aktuellen Redaktion sind abgesehen von den letzten Neuzugängen am ehesten noch Stellvertreter Philipp Gut sowie Alex Baur in der Lage, Köppel rhetorisch Contra zu geben &#8211; was jetzt nicht zwingend als Kritik gesehen muss, denn viele erreichen ihre Ziele ja auch ohne Debatten. Führen ohne grosse Opposition ist natürlich bequemer, aber es macht das Blatt nicht besser. Die Weltwoche ohne potente innerredaktionelle Opposition contra Köppel ist kalkulierbarer geworden, langweiliger, und ja, schlechter. In seinem vieldiskutierten Editorial <a href="http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2014-36/editorial-begehren-die-weltwoche-ausgabe-362014.html">«Begehren»</a> (Weltwoche vom 4. September 2014) steht der Satz: «Der begehrende Mann ist nicht mehr zurechnungsfähig.» Dass es in der Weltwoche-Redaktion niemanden gibt, der Köppel so einen Satz rausstreicht, ist bedenklich. Wer Männer im Rausch ihrer Lust für unzurechnungsfähig erklärt, rechtfertigt Übergriffe jeder Art, denn Unzurechnungsfähigkeit meint Schuldunfähigkeit (siehe <a href="http://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19370083/index.html#a19">StGB Art. 19, 1 und 2</a>). Es gibt übrigens eine grosse Weltreligion, die Verschleierungs-Schutzmassnahmen getroffen hat, um den Mann vor den ungeheuerlichen Auswirkungen visueller Reize zu schützen &#8211; vielleicht könnte die das Problem bewältigen.</p>
<h3>Mit dem Rammbock an das Burgtor</h3>
<p>Es sind auch nicht alle Mitarbeiter gleich vor dem Mann, der sowohl der Redaktion als auch dem Verlag vorsteht: Er unterscheidet zwischen jenen im Schützengraben (Journalisten) und jenen im Parfümfach (alle anderen beziehungsweise die schlechten Journalisten). O-Ton Köppel: «Wir sind die ersten, die mit dem Rammbock an das Burgtor hämmern und dann mit Pech und Schwefel übergossen werden! Fünf Jahre danach, wenn die Burg erstürmt ist und wir schon längst an der nächsten Burgmauer stehen, kommen die Parfümbrigaden der NZZ am Sonntag unter dem Applaus der Hofdamen.» Zeit, um einen Moment über die phallische Symbolkraft dieses Bilds nachzudenken: Mehrere Männer versuchen gemeinsam, mit einem «Pfahl» eine «Tür» zum Bersten zu bringen, um Zugang zur «Burg» zu erhalten?</p>
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<p>Ist es das Selbstverständnis der Weltwoche, das viele Frauen davon abhält, für ihn zu arbeiten, sich für ihn in den Schützengraben zu stürzen? Köppel glaubt das. Er habe oft (und oft erfolglos) versucht, Frauen zur Weltwoche zu holen. Zwar gebe es welche, die es aushalten, auch mal in Sippenhaft genommen zu werden, doch vielleicht sei die Weltwoche manchmal nicht das ideale Betätigungsfeld für Frauen; denn von Frauen werde erwartet, dass sie immer makellos, unangreifbar und mit strahlendem Image auftreten. «Im Verhältnis nach Aussen sind Frauen oft auf Harmonie und Zurückhaltung bedacht, nach Innen dagegen, im Beziehungsverhältnis, sind sie oft jene, die die Harmonie stören.» Auch die Energien, die sie entfesseln, wenn sie sich stark exponieren, seien «heavy»: «Ich beobachte einfach, dass Frauen Mühe haben, sich so zu exponieren, wie das in der Weltwoche halt oft erforderlich ist. Es gibt ja auch nicht allzu viele Männer, die diese Unabhängigkeit haben. Bei Frauen kommt dazu, dass sie stärker kritisiert werden als Männer, wenn sie entsprechend dezidiert auftreten. Das ist eigentlich schade, weil ich viele Frauen kenne, die brillant schreiben und die ich gerne für die Weltwoche gewinnen würde, aber vielleicht ist ihnen die Hitze bei der Weltwoche zu hoch.» Ein ehemaliger Mitarbeiter sagt, Köppel sehe sich als ein General, der seine Truppe kommandiert. Wer ihn regelmässig liest, kommt nicht um die Lektüre vieler militärischer Vergleiche, was mit der Lieblingslektüre von Historiker Köppel zu tun haben könnte, historischen Sachbüchern.</p>
<p>Als Chef ist er herausfordernd, mit einer grossen Sprunghaftigkeit in der Organisation. Mehrere Quellen sagen, dass er ohne sein Sekretariat, das ihm die E-Mails ausdruckt, den Alltag organisiert, Blumen bestellt für seine Frau und ihm sagt, wann er den nächsten Zug nehmen muss und wann zum Vortrag aufbrechen, verloren wäre. Das von ihm nach dem Buch «Das Blocher-Prinzip» bei der Weltwoche eingeführte Antragswesen findet er in der Theorie zwar genial, in der Praxis aber ist er ein Nonkonformist, der auf alle Regeln pfeift. Es ist also ein eher chaotischer Mann mit dem Wesen eines Anarchisten, der die Schweiz zu geordneten, konservativ-liberalen Werten verpflichten will. Die Folge davon: Konflikte in der Weltwoche werden oft ausserhalb der Struktur geregelt, bilateral. Seine wenigen Schwächen zusammengefasst: Sprunghaftigkeit, überbordender Wille zur Macht und obsessives Verhalten verbunden mit der Neigung, sich in totale Details zu verbeissen oder dem Thema gegenüber distanzlos zu werden. Dass er jeweils am Mittwochmorgen noch bis drei oder vier Uhr morgens an den letzten Details der neuen Ausgabe feilt, kann als grosse Leidenschaft und grosser Einsatz in der Tradition Rudolf Augsteins angesehen werden, denn auch dieser blieb oft bis tief in die Nacht in der Redaktion und wurde gelegentlich sogar morgens eingeschlafen an seinem Schreibtisch vorgefunden  &#8211; oder als mangelhafte Fähigkeit, gut zu organisieren. Oft schafft es die Realität einfach nicht, seinem Ehrgeiz zu entsprechen.</p>
<h3>Loslösung aus dem Journalistenpulk</h3>
<p>Sein Wille zur Macht manifestiert sich auch in der Nähe zur Macht. <a href="https://medienwoche.ch/2014/10/22/unter-dem-guru-von-herrliberg/">In den letzten Jahren wurde unübersehbar</a>, wie sehr er vom milliardenschweren Politiker Christoph Blocher beeinflusst ist. Offenbar musste Köppel nach und nach feststellen, dass er Blochers Positionen in nahezu jedem Punkt teilt. Öffentlich bleibt die Beziehung der beiden undurchsichtig. Sichtbar ist, dass Köppel im Zuge von Blochers Vorarbeit den Schweizer Journalismus befreit hat von der Übermacht eines linksgrünen Moralismus, wofür er geradezu obsessiv jedes tatsächliche oder vermeintliche Denkverbot besprungen und auseinandergenommen hat. Er hat sich empanzipiert und befreit von den in ehemals seinem Umfeld gepflegten Meinungen; denn viele seiner Kollegen im Journalismus haben (vielleicht nicht mal bewusst) im Nachgang der Aufstände gegen ein allzu selbstzufriedenes Bürgertum 1968 und 1980 eine ziemlich unverrückbare, elitäre Haltung angenommen, die von der breiten Masse nicht geteilt wird. Sein Mut, Haltungen und Meinungen zu vertreten, die im eigenen Umfeld zunächst kaum jemand teilte geschweige denn zu sagen oder zu schreiben wagte, steht in der Tradition selbständigen Denkens. Bei besonders kühnen Thesen mag eine Absturzgefahr in die Lächerlichkeit zu bestehen. Doch wer es nicht wagt, sich lächerlich zu machen, der bringt die Welt nicht voran; es ist das Schicksal aller Pioniere.</p>
<div style="border: 1px solid #dddddd; margin: 3px 0px 10px 10px; padding: 7px; background: #ececec none repeat scroll 0% 0%; float: right; font-size: 0.9em; width: 147px; line-height: 1.3em; color: #4382cf;"> <a href="https://medienwoche.ch/tag/blocher-medien-2014/"><strong><big>Privatleben</big></strong></a></p>
<p>Roger Köppel lebt mit seiner Frau Bich-Tien, einer früheren UBS-Mitarbeiterin, in Küsnacht bei Zürich; aus der Ehe sind bisher zwei Söhne und eine Tochter hervorgegangen. In seiner Freizeit liest Köppel gerne, «namentlich historische und philosophische Literatur, auch Theologie, Biografien, weniger Romane». Er ist Mitglied der Zunft zum Kämbel, Vorstandsmitglied der Opernfreunde Zürich und unterstützt als langjähriger Fan den Eishockeyverein «Kloten Flyers» via «Business Circle» auch finanziell. Nebenamtlich hält Köppel Vorlesungen über Schweizer Wirtschaftspolitik an der Hochschule St. Gallen (Executive MBA).</p></div>
<p>Köppels Abschied von der Denkweise seines Umfelds entwickelte sich langsam, aber stetig. Wer seinen 1998 zum Skandal aufgebauschten Text «Zum Genre des Scheissfilms» heute liest, kann gar nicht mehr recht erkennen, was genau damals so problematisch war. Die Abrechnung mit ödem, pseudogeistigem Filmstoff, wie ihn Wim Wenders, Alain Tanner oder Jean-Luc Godard mitunter erstellten, wurde wohl vor allem deshalb zum Skandal, weil sie einige Säulenheilige von ihren Sockeln runterschubste, auf die sie seine Kollegen zuvor gestellt hatten. Köppels feines Gespür für die Schwächen ihrer Positionen und der Mut, diese blosszustellen, ist nach wie vor der Hauptgrund für den Konflikt zwischen ihm und dem Journalistenpulk vom Typ sich intellektuell gebender Stadtbewohner mit SVP-Abneigung. Das Echo auf seine Provokationen erschallt in diesen Kreisen immer wieder neu und gleich. Es ist ein etwas fad gewordenes Ritual beider Seiten, das kaum noch Überraschung in sich trägt; man kann es sich jeweils am Montag in der Radio1-Sendung <a href="http://www.radio1.ch/de/podcasts/podcast-roger-gegen-roger.html">«Roger gegen Roger»</a> anhören. Das Problem sei nicht, so Köppel, dass er anders schreibe als die meisten Journalisten. Das Problem sei, dass die anderen Journalisten nicht so schreiben wie er. «Ich habe nichts gegen Leute wie Frank A. Meyer, ich kam mit dem sehr gut aus! Doch in dem Moment, als ich meine Sichtweise präsentiert habe, war ich nicht mehr erwünscht. Werde ich nun anders schreiben, damit der mich wieder mal zum Abendessen einlädt? No fucking way!»</p>
<p>Sein Weg geht hin zur Ehrlichkeit, so jedenfalls sieht er es selbst: «Das, was die Würde meines Jobs ausmacht, ist die Frage: Bin ich wirklich ehrlich? Stimmt mein Motiv? Schreibe ich das, was ich wirklich, nach bestem Wissen und Gewissen, denke? Es ist mein höchstes Ziel, dass die Weltwoche DIE Plattform des freien Denkens ist. Klar, auch ich kann mit einer Weltwoche nicht beliebig Inserenten verstören. Aber ich kann Ihnen versichern: In der Weltwoche, wie sie heute ist, können Sie zu 85 bis 90 Prozent ganz frei schreiben, was Sie denken. Bei allen anderen Zeitungen, wo ich bisher war: höchstens 50 Prozent.» Das klingt grossartig. Aber Fifa-Präsident Sepp Blatter, der «für eine breite Öffentlichkeit zum Inbegriff für Korruption geworden» ist (Zitat <a href="http://www.nzz.ch/sport/fussball/keine-gute-bilanz-1.18477761">NZZ</a>), sagt auch solche Sätze (Direktor Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit der Fifa: Walter de Gregorio, Ex-Redaktor der Weltwoche und dem Haus nach wie vor <a href="http://www.weltwoche.ch/ueber-uns/sommerfest-2014.html">freundschaftlich</a> <a href="http://www.weltwoche.ch/uploads/pics/0006_CDX_7562.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="">verbunden</a>). Gefragt nach dem «wichtigsten Überlebensprinzip in der Fifa» <a href="http://www.weltwoche.ch/weiche/hinweisgesperrt.html?hidID=552967">antwortete er Köppel</a>: «Erstens: die fundamentale Ehrlichkeit mir selbst gegenüber. Zweitens: der fundamentale Glaube daran, dass meine Mission die richtige ist.»</p>
<p>Auch der zweite Satz könnte für Köppel gelten. Als das <a href="https://medienwoche.ch/2011/11/25/ich-misstraue-der-masse/">MEDIENWOCHE-Interview 2011</a> von ihm gegengelesen zurückkam, folgte kurz darauf noch ein weiteres E-Mail. Er schrieb mir:</p>
<blockquote><p>Irgendwo hinten heisst es im Abschnitt über Keller-Sutter: «Wir machten nur unseren politischen Job». Es müsste heissen «journalistischen Job».</p></blockquote>
<p>Ein freudscher Verschreiber der besseren Sorte, aber die Frage ist evident: Geht es um einen politischen oder um einen journalistischen Job, um eine Mission, einen Auftrag gar? Denn in Teilen der Öffentlichkeit hat sich die Vorstellung durchgesetzt, dass die Weltwoche ein SVP-Kampfblatt ist, das blind nachbetet, was die Führung vorbetet. Das ist zwar nur teilweise der Fall, und meist kommt der Vorwurf von Leuten, die seit Jahren keine Weltwoche mehr gelesen haben. Dennoch haben sich die Übereinstimmungen zu den Positionen der SVP nach blocherscher Prägung 100 Prozent angenähert, was den <a href="https://medienwoche.ch/2014/11/12/politiker-der-redaktion/">Verdacht einer Parteipropaganda</a> immer wieder nährt. Der «Einsatz für die Schweiz», sagt Köppel, sei für ihn eben immer bedeutsamer geworden. «Ich habe vielleicht erst im Ausland richtig realisiert, wie wichtig unsere Staatssäulen, wie wichtig Unabhängigkeit und Selbstbestimmung für die Schweiz sind. Diese Säulen sind die entscheidende Voraussetzung für den Wohlstand und den Erfolg unseres Landes. Nennen Sie es Mission, nennen Sie es Kampfblatt, ich habe gar nichts dagegen. Ich kämpfe für diese unabhängige, freiheitliche, selbstbestimmte und weltoffene Schweiz, die heute politisch gefährdeter ist denn je.» Was ist der Zusammenhang zum kürzlich vorgestellten <a href="https://www.credit-suisse.com/at/de/about-us/corporate-responsibility/news/barometer/identity-barometer.article.html/article/pwp/news-and-expertise/2014/12/de/national-pride-is-at-a-peak.html">CS-Sorgenbarometer</a>, das vermeldet, dass 90 Prozent der befragten Schweizer «sehr oder zumindest eher stolz» sind, Schweizer zu sein? Hat Köppel hier einen Trend erkannt oder einen erschaffen? Die Antwort ist die: Zwischen SVP und Weltwoche, zwischen Blocher und Köppel bestehen starke Wechselwirkungen. Es sind zwei Männer, die die Schweiz prägen möchten und sich gegenseitig beeinflussen.</p>
<h3>Parallelen zu Rudolf Augstein</h3>
<p>Köppel hat in den letzten Jahren das Nationale so betont wie das Liberale, und bei dieser Kombination fällt einem natürlich der Gründer des «Spiegel» ein, Rudolf Augstein, den Ralf Dahrendorf <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/spiegelspecial/d-19060270.html">1993</a> den «letzten Nationalliberalen» nannte. Köppel und Augstein teilen schwierige junge Jahre, frühe Führungserfahrungen, den Drang, einer politischen Meinung Ausdruck zu geben, eine gewisse Geneigtheit zur Ehrfurchtsverweigerung, die Sympathie für die Radikal-Liberalen der FDP / (SVP) sowie die Abneigung für übertriebene Politische Korrektheit und für die Vereinigungsbestrebungen der Länder in Europa. Während Augstein 1962/1963 von der Regierung für 103 Tage inhaftiert wurde, wurde Köppel auch schon belästigt und bedroht: 2006 wurde ein mit einem Messer bewaffneter <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Amir_Abdur_Rehman_Cheema">Student</a> vor der «Welt»-Redaktion abgefangen. Köppel nimmt es in Kauf und geht unbeirrt seinen Weg: «Wenn du eine unbequeme, unkonventionelle Zeitung aufbauen willst, dann musst du auch bereit sein, unten durch zu gehen.» <a href="http://www.persoenlich.com/news/medien/wir-sind-ein-segen-f%C3%BCr-die-schweiz-292954#.VNXX73b_CJY">2010</a> nannte Köppel den «‹Spiegel› der frühen sechziger Jahre» als Vorbild für die Weltwoche, und das gilt augenscheinlich für die mitunter fragwürdigen und verunglückten Titelbilder. Als Augstein so alt war wie Köppel heute, stand er vor einem Einstieg in die Politik, hier ein <a href="https://www.youtube.com/watch?v=mHAWuhZXaVk">Gespräch</a> kurz vor dessen 50. Geburtstag:</p>
<p><iframe width="450" height="338" src="//www.youtube.com/embed/mHAWuhZXaVk?rel=0" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Stellt man die Annahme, Köppel orientiere sich an den Tugenden von Augstein, ohne seine Laster zu übernehmen, so wäre es angesichts des unglücklichen Ausflugs von Augstein in die praktische Politik jetzt an der Zeit, sich von der Politik und auch von der Wirtschaft zu emanzipieren und den Verlockungen der Macht und des Geldes vermehrt zu widerstehen. Denn trotz gebetsmühlenartiger Betonung der eigenen Unabhängigkeit konnte er seine Gegner bisher nicht überzeugen, dass seine Weltwoche stets unvoreingenommen und von der Machtelite unabhängig vorgeht. Was nicht nur ein journalistisches, sondern auch ein kommerzielles Problem ist, und damit sind nicht prioritär die in den Anzeigenabteilungen der Zeitungsbranche üblich gewordenen Bedingungen für geschaltete Inserate gemeint. Die Leser wollen Informationen, nicht Propaganda, und Leute, die glauben, er betreibe Propaganda, meiden seine Publikationen und werden das auch zukünftig tun.</p>
<p>Köppel hat nun einen anderen Weg eingeschlagen &#8211; statt sich von der Politik zu distanzieren, will er sie selbst gestalten. Am 26. Februar 2015 verkündete an einer <a href="https://www.youtube.com/watch?v=BrYYlfwrRJc">Pressekonferenz</a>, er sei in die SVP eingetreten und wolle für die Partei kommenden Oktober in den Nationalrat einziehen. Doch wie ist es Rudolf Augstein ergangen, als er mit 50 für die FDP in den Bundestag einzog? Es ist in der Biografie von Peter Merseburger nachzulesen: «Freunde und Mitarbeiter, die sich in der politischen Alltagspraxis besser auskennen als er, melden alle ihre Zweifel an, aber geradezu störrisch beharrt Augstein darauf, eine Position in der Regierung oder die Macht in der Fraktion zu übernehmen.» Trotz vorheriger Zusicherung wird dem Parlamentsneuling der Fraktionsvorsitz verwehrt, statt in den Ausschuss für Aussenpolitik wird er in den für Medienpolitik geschickt. Und bald schon ist er immer häufiger «weder in Fraktionssitzungen noch im Bundestagsplenum zu finden, sondern im Bonner ‹Spiegel›-Büro». Augsteins Zeit im Bundestag dauert lediglich von November 1972 bis zum Januar 1973, danach legt er sein Mandat nieder. <a href="https://www.youtube.com/watch?v=eKmcWQH6OV4">Rückblickend sagte Augstein über seinen Ausflug in die Politik</a>: «Ein Mensch wie ich, was soll der im Bundestag, letztendlich?»</p>
<p><iframe loading="lazy" width="450" height="253" src="https://www.youtube.com/embed/eKmcWQH6OV4?rel=0" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Und ein Mensch wie Roger Köppel? Es wird sich herausstellen, ob sein Einstieg in die Politik ein langfristiges Engagement ist, das in einer Führungsrolle innerhalb der Partei mündet &#8211; oder ob es sich dabei nur um einen Publicity-Stunt für seine Zeitschrift handelt. Tatsächlich ist er ein herausragender Journalist und eine Bereicherung für die manchmal allzu brave, allzu harmoniesüchtige, gar feige Schweiz. Und er tut gut daran, prioritär einer zu bleiben, auch wenn seine Bekanntheit und sein Redetalent inzwischen problemlos grössere Säle füllen. In einem Betätigungsfeld wie der Politik könnten journalistische Qualitäten wie geistige Flexibilität, Provokationslust und Mut zum Umbruch in gefährlichen Wankelmut, unmotivierte Aggression und unnötige Änderungen umschlagen. Oder einfach ins Nichts verpuffen, wie bei Augstein. Köppel kontert: «Ich habe ganz andere Motive als Augstein, der mit 50 eine neue Herausforderung suchte. Ich habe ein echtes politisches Anliegen: Ich muss mich für die Unabhängigkeit und Selbstbestimmung der Schweiz einsetzen.» Auch wenn sich Köppel gerne <a href="https://www.facebook.com/profile.php?id=1208734700&#038;sk=photos&#038;pnref=lhc">wie ein Politiker</a> neben seine <a href="https://www.facebook.com/DIE.WELTWOCHE/photos/t.1208734700/10152611131622050/">Leser</a>, <a href="https://www.facebook.com/DIE.WELTWOCHE/photos/t.1208734700/10152218974217050/">Zuhörer</a> und <a href="https://www.facebook.com/DIE.WELTWOCHE/photos/t.1208734700/10151942902207050/">Fans</a> stellt &#8211; von einem Journalismus von unten ist sein Blatt nach wie vor weit entfernt. Will Köppel tatsächlich einen echten Kontrapunkt setzen zur im Journalismus so verbreiteten elitistischen Sichtweise, wie sie ein Frank A. Meyer exemplarisch vertritt, dann muss er zukünftig echte Distanz schaffen zu den Mächtigen. Auch zu jenen von der anderen Seite. Also wenn er es ernst meint mit seiner ganz persönlichen Emanzipation.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/02/28/die-gegenposition-zum-mainstream-ist-immer-richtig/">«Die Gegenposition zum Mainstream ist immer richtig»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Natürlich nationalkonservativ</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Fabian Baumann]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 13 Jan 2015 07:15:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Markus Somm]]></category>
		<category><![CDATA[Claudio Zanetti]]></category>
		<category><![CDATA[SVP]]></category>
		<category><![CDATA[Blocher-Medien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vertritt die Basler Zeitung nationalkonservative Positionen? An der Dreikönigstagung der Schweizer Medien forderte BaZ-Chefredaktor Markus Somm seine Kritiker auf, ihm dies anhand seiner Leitartikel nachzuweisen. Bitteschön. Es ist schon fast ein festes Gesetz in den Schweizer Medien: Journalisten, die Christoph Blocher nahe stehen, verpassen keine Gelegenheit, diese Nähe – sei sie nun ideologisch oder organisatorisch <a href="https://medienwoche.ch/2015/01/13/natuerlich-nationalkonservativ/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/01/13/natuerlich-nationalkonservativ/">Natürlich nationalkonservativ</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Vertritt die Basler Zeitung nationalkonservative Positionen? An der Dreikönigstagung der Schweizer Medien forderte BaZ-Chefredaktor Markus Somm seine Kritiker auf, ihm dies anhand seiner Leitartikel nachzuweisen. Bitteschön.<br />
<span id="more-22602"></span><br />
Es ist schon fast ein festes Gesetz in den Schweizer Medien: Journalisten, die Christoph Blocher nahe stehen, verpassen keine Gelegenheit, diese Nähe – sei sie nun ideologisch oder organisatorisch – <a href="https://medienwoche.ch/2011/11/25/ich-misstraue-der-masse/" target="_self">zu dementieren</a>. Markus Somm, der Chefredaktor der Basler Zeitung, ging aber an der Dreikönigstagung der Medienbranche noch einen Schritt weiter, als er gegen die offenbar ehrenrührige Bezeichnung «nationalkonservativ» protestierte. Wie viele seiner Gesinnungsgenossen bevorzugt Somm das mehrheitsfähige Allerweltsadjektiv «liberal». Im Kern geht es dabei um die politisch-begriffliche Hegemonie über den Liberalismus. Tonangebende Teile der SVP sehen ihre Partei als legitime Nachfolgerin der FDP und damit als die wahre liberale Kraft im politischen Spektrum. Die Titulierung als «nationalkonservativ» erachten Somm &amp; Co. dabei offensichtlich als hinderlich.</p>
<p>Zum jüngsten Disput <a href="http://www.nzz.ch/schweiz/drei-chefredaktoren-diskutieren-1.18455692" target="_blank">kam es am 6. Januar</a> als Felix E. Müller, der Chefredaktor der «NZZ am Sonntag», den Meinungspluralismus in der BaZ anzweifelte. Diese, so Müller, verfolge eine nationalkonservative Linie und konzentriere sich auf Fragen der nationalen Identität: «Somm forderte, dass ihm dies aufgrund seiner Leitartikel nachgewiesen werden müsse. Das habe bisher niemand anhand von Zitaten getan.»</p>
<p><strong>Challenge accepted!</strong><br />
Die Zahlen geben Felix E. Müller recht. Von Somms 52 samstäglichen Leitartikeln im Jahr 2014 befassten sich 18 mit der nationalen Identität der Schweiz, mit ihrem Verhältnis zur EU und den Auswirkungen der Zuwanderung (wobei diese drei Themen oft zusammen auftreten). Dass Somm auch bei Artikeln zu ganz anderen Themen SVP-nahe Positionen vertritt –Energiewende nein, Gripen ja, Lehrplan 21 nein – und jede Gelegenheit für Kritik an der EU nutzt, versteht sich von selbst. Bemerkenswert ist auch, dass sich gerade mal ein Artikel mit <a href="http://bazonline.ch/basel/stadt/Von-klaren-Koepfen-und-dunklen-Gefuehlen/story/27707688" target="_blank">einem regionalen Thema befasst</a> – und dieser beschränkt sich auf Allgemeinheiten. Der Chefredaktor der Basler Zeitung hat offensichtlich keine Ahnung von und kein Interesse an Basel.</p>
<p>Doch sind Somms Positionen tatsächlich nationalkonservativ? Beginnen wir mit der Definition des Adjektivs «nationalkonservativ». Der «Dictionary of Public Administration» etwa definiert den Nationalkonservatismus als «eine Form des Konservatismus, die nationalistische Gefühle sowie die Erhaltung der kulturellen und ethnischen Identität propagiert.» Der Nationalkonservatismus lehne Zuwanderung und europäische Integration ab, er neige zudem zum Sozial- und Wertkonservatismus. All dies sind Positionen, welche Markus Somm vertritt – letztere etwa in seiner totalen Ablehnung der <a href="http://bazonline.ch/leben/gesellschaft/Mann-und-Frau-sind-gleich-gleicher-am-gleichsten/story/21436958" target="_blank">Förderung von Gleichberechtigung</a>, was, wenngleich «liberal», letztlich einer Legitimierung des Status Quo gleichkommt und demnach als konservativ bezeichnet werden kann.</p>
<p>Somm, der von Berufskollegen routinemässig als «brillanter Schreiber» geadelt wird (siehe etwa <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Blochers-Anhaenger-war-auch-schon-Hausbesetzer/story/12932340?dossier_id=652" target="_blank">hier</a>, <a href="http://www.srf.ch/kultur/gesellschaft-religion/wohin-des-weges-nzz" target="_blank">hier</a>, <a href="http://www.appenzellerzeitung.ch/aktuell/schweiz/schweiz-sda/Somm-entzieht-sich-NZZ-Machtkampf;art253650,4071364" target="_blank">hier</a>, und <a href="http://www.infosperber.ch/Medien/Chefredaktor-Spillmann-Somm-Seitenblick-auf-die-NZZ" target="_blank">hier</a>), fabriziert besonders gerne historisch eingefärbte Leitartikel, und zwar nach einem festen Schema. Zunächst wird das aktuelle Thema eingeführt. Dann folgt der geschichtliche Teil, in dem Somm in lockerem Erzählton eine Episode der (meistens schweizerischen) Geschichte zum Besten gibt. Die Schweizer präsentiert er dabei typischerweise als bauernschlaue Underdogs, die sich durch Glück und Geschicklichkeit einen privilegierten Platz unter den Nationen erarbeiten. Schlussendlich kommt Somm von der historischen Analogie zurück in die Gegenwart – mit der immergleichen Schlussfolgerung: Nur indem sie von der EU unabhängig bleibt, kann die Schweiz ihren historisch gewachsenen Wohlstand erhalten.</p>
<p><strong>Lob für den «Sonderfall»</strong><br />
Exemplarisch für Somms Arbeitsweise ist sein Artikel zur <a href="http://bazonline.ch/basel/stadt/Die-Geburt-des-Kleinstaates/story/27233835" target="_blank">Schlacht von Marignano</a>. Wenig überraschend interpretiert Somm die Schlacht als Ursprung des von ihm so oft gelobten Schweizer Sonderfalls: Marignano sei ein Wendepunkt «weil sich die Schweiz nach dieser Niederlage aus jeder aktiven, eigenen Aussenpolitik in Europa verabschiedet hat». Und natürlich folgt gleich der Sprung in die Gegenwart: «Dass es immer wieder Schweizer gab, die lieber ‹mitentschieden› hätten, wo über die Weltgeschichte verhandelt wurde, ob zuerst in Paris und Wien, ob dann in Berlin oder London oder schliesslich heute in Brüssel: Das begleitet unsere Geschichte genauso, wie der Wille dieser kleinen Gebilde in den Voralpen, zuerst Orte oder Stände genannt, dann Kantone, in Ruhe gelassen zu werden von den Zumutungen der Geschichte.» Viel offensichtlicher kann man die Geschichte nicht instrumentalisieren (man vergleiche den ungleich interessanteren Artikel des linksliberalen Historikers <a href="http://www.nzz.ch/feuilleton/fakten-und-fiktionen-mythen-und-lektionen-1.18453743" target="_blank">Thomas Maissen in der NZZ</a>). Mit wenigen Sätzen schreibt Somm die Schweiz aus der Weltgeschichte hinaus ins ewige idyllische Reduit.</p>
<p>Ein weiteres krasses Beispiel für Somms Geschichtsverständnis ist sein <a href="http://bazonline.ch/schweiz/standard/Papierflieger-oder-Adler/story/14301166" target="_blank">Leitartikel zum Gripen-Kauf</a>, in welchem der ehemalige GSoA-Aktivist die Idee einer luftpolizeilichen Kooperation mit Österreich nur halb ironisch als «Luftwaffe von Habsburgs Gnaden» abtut, um in einem Anfall von Pathos hinzuzufügen: «Was auf dem Spiel steht, ist genau das, was die Schweizer oder deren Vorfahren vor gut siebenhundert Jahren Stück um Stück, Jahrhundert um Jahrhundert mühselig und mit viel Beharrlichkeit und Blut erworben und verteidigt haben: unsere Souveränität.» Mit Verlaub: Dies ist kein historisch fundiertes Argument, sondern patriotischer Grössenwahn – inklusive Blut-Rhetorik.</p>
<p>Somm, dies zeigt seine geradezu obsessive Beschäftigung mit der nationalen Unabhängigkeit von der EU, ist ein überzeugter Nationalist. Im (nicht wertend gemeinten) Sinne der <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Anthony_D._Smith" target="_blank">Nationalismustheoretiker Anthony D. Smith</a> und <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Benedict_Anderson" target="_blank">Benedict Anderson</a> ist ein Nationalist jemand, für den die Nation als historisch und kulturell definierte Gemeinschaft die einzige Quelle politischer Legitimität darstellt. Zwar gibt Somm vor, die Institutionen der Europäischen Union aus liberaler Sicht zu kritisieren und weist in diesem Zusammenhang regelmässig auf das – zweifellos bestehende – Demokratiedefizit der EU hin. Aber Somm ist überzeugt, dass sich Nationalstaat und Demokratie gegenseitig bedingen. Dass die demokratischen Defizite der EU ebenso behebbar sind wie jene einzelner Nationalstaaten, kann und will sich Somm aber <a href="http://bazonline.ch/schweiz/standard/Was-heisst-schon-nationalkonservativ/13115881/print.html" target="_blank">nicht vorstellen</a>: «Demokratie im Nationalstaat um jeden Preis: Auch das war immer eine freisinnige Position und wird es immer sein.»</p>
<p>Was Somm dabei verschweigt, sind die dunklen Ursprünge vieler europäischer Nationalstaaten in Genozid und ethnischen Säuberungen sowie die Tatsache, dass längst nicht alle Nationalstaaten demokratisch sind (man denke nur an das autoritäre Russland, welches Europas Nationalisten von Le Pen bis Orbán so anzieht). Und wenn Somm behauptet «Überall beobachten wir das Scheitern des länderübergreifenden Ansatzes» und als Beispiel den Ukraine-Konflikt (einen Konflikt zwischen Nationalstaaten) anführt (http://bazonline.ch/schweiz/standard/Wilhelm-Tell-born-again/story/22825493), dann wirkt dies zynisch angesichts der Tatsache, dass die EU und ihre Vorgängerorganisationen seit Jahrzehnten politische Stabilität und Frieden in Westeuropa (und heute auch in Ostmitteleuropa) garantieren.</p>
<p>Bisweilen steigert sich Somms Abneigung gegenüber der supranationalen EU nachgerade ins Groteske: So scheint ihm das Studentenaustauschprogramm «Erasmus» vor allem deshalb zu missfallen, weil es von der EU gefördert wird. Somms steile These anhand eigener Erfahrungen: Vor «Erasmus» war der internationale <a href="http://bazonline.ch/schweiz/standard/Geschichte-in-Bielefeld-Yoga-in-Menzingen/story/28108261?track" target="_blank">Studentenaustausch einfacher</a> (was für den Sohn eines millionenschweren ABB-Managers ja sogar zutreffen mag). Dafür ist seine Begeisterung über die Tugenden der Schweiz nahezu grenzenlos: «Die Schweiz ist heute viel stärker in die Weltwirtschaft integriert als jedes EU-Mitglied, wir nehmen mehr Zuwanderer auf als alle, wir schliessen mehr Freihandelsabkommen ab, wir sind definitiv offener, und wir sind nach wie vor viel liberaler, was praktisch alle Politikbereiche anbelangt.» Definitiv offener? Man staunt.</p>
<p><strong>Ein Mann der Mythen</strong><br />
Somms grundsätzlich konservatives Denken scheint auch in seinem Artikel zur Basler Kantonsfusion durch: «Könnte man Grenzen nach vernünftigen Gesichtspunkten ziehen, sicher würde keinem Planer einfallen, zwischen Birsfelden und Basel eine Kantonsgrenze zu legen. Doch der Geschichte, die gelenkt wird wie von unsichtbarer Hand, deren Launen niemand begreift, hat es so gefallen. Wenn es um Territorien und Grenzen geht, unterschätzen die meisten die Emotionen, die damit verbunden sind.» Einmal mehr zeigt sich: Somm ist ein Mann der Mythen, der Bauchgefühle und Traditionen, nicht eines rationalen Geschichtsbilds.</p>
<p>Die Geschichte behandelt Markus Somm – und das hat er mit Christoph Blocher gemeinsam – nie als neutrales Untersuchungsobjekt, sondern als Instrument, welches ihm politische Argumente für die Gegenwart liefert. Mit moderner Geschichtsschreibung haben seine Artikel daher gar nichts zu tun – dafür umso mehr mit Mythenbildung. Mal für Mal evoziert Somm das Zerrbild der bescheidenen, eigenbrötlerischen, vielleicht etwas langweiligen, aber dafür sicheren und prosperierenden Schweiz, die sich nicht in fremde Händel mischt und dadurch vom Rest der Welt unabhängig bleibt.</p>
<p>Es ist dies der klassische Schweizer Nationalmythos und Somm bedient damit eine grundsätzlich konservative Position, weil er heutige Politik durch eine angeblich historisch gewachsene Identität legitimiert und die supranationale EU grundsätzlich als unhistorisch ablehnt. Kurzum: Somm repräsentiert eine nationalkonservative Sicht auf die Schweiz, die den Widersprüchlichkeiten der Schweizer Geschichte nicht gerecht wird, die ihre dunklen Seiten (etwa die wirtschaftliche Kollaboration mit Diktaturen) auslässt und die schlussendlich einzig und allein der Polemik gegen Brüssel dienen soll.</p>
<p><strong>Publizistisch unehrlich</strong><br />
Dass Somm sich nicht als nationalkonservativ bezeichnen lassen will, spricht nicht für seine publizistische Ehrlichkeit. Aber er hat gute Gründe: Auch 2014 hat der selbsterklärte Rechtsfreisinnige in mehreren Artikeln einer Allianz zwischen FDP und SVP das Wort geredet – gar <a href="http://bazonline.ch/schweiz/standard/Die-Zukunft-der-buergerlichen-Schweiz/story/29707496" target="_blank">in Form von Listenverbindungen</a>. Sein Ziel ist ein geeinter und starker rechtsnationaler, wirtschaftlich libertärer Block.</p>
<p>Somms Liberalismus ist ein reiner Wirtschaftsliberalismus, wie er unter Nationalkonservativen häufig vorkommt. Andere Aspekte des traditionellen freisinnigen Programms – Menschenrechte, starke rechtsstaatliche Institutionen und durchaus auch ein Bekenntnis zu einem modernen Sozialstaat – interessieren ihn nicht. Somm ist, und auch hierin zeigt sich seine nationale Stossrichtung, komplett auf die Aussenpolitik fixiert. Nationale Unabhängigkeit ist ihm wichtiger als eine liberale Gesellschaft. Und doch: Somms «Liberalismus» ist für sein Projekt  aus ideologischer Sicht fundamental. Indem er die Deutungshoheit über den Begriff «liberal» beansprucht, versucht Somm einen freisinnigen Rechtsrutsch, welcher die FDP als Partei überflüssig macht, zu rechtfertigen.</p>
<p>Interessanterweise versuchte der Zürcher SVP-Kantonsrat Claudio Zanetti das gleiche Programm einer Annäherung von SVP und FDP letzte Woche mit der genau umgekehrten Argumentation zu legitimieren: Die FDP und die NZZ seien <a href="http://www.zanetti.ch/?p=319" target="_blank">schon immer nationalkonservativ</a> gewesen. Immerhin: Zanetti deklariert seine politische Zugehörigkeit ehrlicher als Somm. Während seine These zur FDP aber für die Zeit des späten kalten Kriegs einen gewissen Wahrheitsgehalt haben mag, verschweigt er, dass die FDP im 19. Jahrhundert als progressive Kraft Bedeutung erlangte. Dass er selbst den linken Mythenzertrümmerer und Verfassungspatrioten Niklaus Meienberg als Nationalkonservativen bezeichnet, macht seine Argumentation nicht eben glaubwürdiger.</p>
<p>Markus Somm hat indessen sein Programm schon 2011 (unter praktisch <a href="http://bazonline.ch/12468840/print.html" target="_blank">demselben Titel wie 2014</a>) knapp und klar zusammengefasst: «Manchmal muss man SVP wählen, wenn man freisinnig bleiben möchte.»</p>
<p>PS: Laut NZZ arbeitet Somm derzeit an einem Buch über die Schlacht von Marignano. Bleibt er seiner Methode treu, so kann man sich in etwa vorstellen, was darin stehen wird. Unser Titelvorschlag: «Marignano: Ein Pyrrhussieg für die EU».</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/01/13/natuerlich-nationalkonservativ/">Natürlich nationalkonservativ</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>«Blocher-Medien»: Sie sind klein und sie sind überall</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Dec 2014 08:23:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
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		<category><![CDATA[Fabian Baumann]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Christoph Blocher und der SVP wird öfter unterstellt, dass sie ein eigenes Medienimperium aufbauen wollen. In der Realität ist man davon weit entfernt: Die Präsenz im Fernsehen, im Internet und bei den Lokalmedien ist weiterhin schwach. Allerdings gibt es auch in diesen Bereichen Medien, die Verbindungen zu Blocher aufweisen. Aber welche?</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Christoph Blocher und der SVP wird öfter unterstellt, dass sie ein eigenes Medienimperium aufbauen wollen. In der Realität ist man davon weit entfernt: Die Präsenz im Fernsehen, im Internet und bei den Lokalmedien ist weiterhin schwach. Allerdings gibt es auch in diesen Bereichen Medien, die Verbindungen zu Blocher aufweisen. Aber welche?</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2014/12/03/blocher-medien-sie-sind-klein-und-sie-sind-ueberall/">«Blocher-Medien»: Sie sind klein und sie sind überall</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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