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	<title>Brexit | MEDIENWOCHE</title>
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	<link>https://medienwoche.ch</link>
	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Fri, 27 Nov 2020 06:59:00 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
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	<item>
		<title>Die Folgen des Brexit</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2020/12/10/die-folgen-des-brexit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Eliane Stöckli]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 10 Dec 2020 05:30:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beruf & Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Brexit]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsrecht]]></category>
		<category><![CDATA[Expats]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mit dem Austritt von Grossbritannien aus der EU stellen sich Fragen zur Entsendung von Arbeitnehmenden ins Königreich und bei der Anstellung britischer Staatsbürger. Worauf HR-Verantwortliche achten müssen.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Mit dem Austritt von Grossbritannien aus der EU stellen sich Fragen zur Entsendung von Arbeitnehmenden ins Königreich und bei der Anstellung britischer Staatsbürger. Worauf HR-Verantwortliche achten müssen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/12/10/die-folgen-des-brexit/">Die Folgen des Brexit</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Brexit bis zum Abwinken</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2019/05/09/brexit-bis-zum-abwinken/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Peter Stäuber]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 May 2019 11:36:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Brexit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seit drei Jahren nimmt ein Thema in der Auslandberichterstattung der Schweizer Medien besonders viel Raum ein: der geplante EU-Austritt Grossbritanniens. Wie meistern die Korrespondentinnen und -korrespondenten vor Ort den Brexit-Overkill? Wir haben bei Henriette Engbersen (Fernsehen SRF), Martin Alioth (Radio SRF) und Markus M. Haefliger (NZZ) nachgefragt. Grossbritannien-Korrespondenten leben in hektischen Zeiten. Vor bald drei <a href="https://medienwoche.ch/2019/05/09/brexit-bis-zum-abwinken/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/05/09/brexit-bis-zum-abwinken/">Brexit bis zum Abwinken</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Seit drei Jahren nimmt ein Thema in der Auslandberichterstattung der Schweizer Medien besonders viel Raum ein: der geplante EU-Austritt Grossbritanniens. Wie meistern die Korrespondentinnen und -korrespondenten vor Ort den Brexit-Overkill? Wir haben bei <a href="https://www.srgd.ch/de/aktuelles/news/2017/02/13/henriette-engbersen-wird-neue-tv-korrespondentin-fur-grossbritannien/" target="_blank" rel="noopener">Henriette Engbersen</a> (Fernsehen SRF), <a href="https://www.srf.ch/radio-srf-1/radio-srf-1/martin-alioth-unser-mann-in-grossbritannien-und-irland" target="_blank" rel="noopener">Martin Alioth</a> (Radio SRF) und <a href="https://www.nzz.ch/impressum/markus-m-haefliger-ld.154667" target="_blank" rel="noopener">Markus M. Haefliger</a> (NZZ) nachgefragt.</strong><br />
<img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-69044" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/05/MW-Brexit-Overkill_20190509.jpg" alt="" width="1456" height="976" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/05/MW-Brexit-Overkill_20190509.jpg 1456w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/05/MW-Brexit-Overkill_20190509-300x201.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/05/MW-Brexit-Overkill_20190509-768x515.jpg 768w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/05/MW-Brexit-Overkill_20190509-1024x686.jpg 1024w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2019/05/MW-Brexit-Overkill_20190509-470x315.jpg 470w" sizes="(max-width: 1456px) 100vw, 1456px" /><br />
Grossbritannien-Korrespondenten leben in hektischen Zeiten. Vor bald drei Jahren haben die Briten für den Austritt aus der EU gestimmt, seither geht in der britischen Politik alles drunter und drüber. Der Brexit hält Westminster im Atem, und so auch den Journalismus.</p>
<p>«Besonders die vergangenen sechs Monate waren viel intensiver als sonst», sagt Martin Alioth, der seit mehr als drei Jahrzehnten aus Irland für Schweizer Radio SRF berichtet. «Ich hatte unzählige Spätschichten, wenn ich jeweils eine Abstimmung im Unterhaus abwarten musste.» Im Anschluss nahm er jeweils eine Minute für die 22-Uhr-Nachrichten auf, wenn möglich noch eine Minute für 6 Uhr am nächsten Morgen, dann eineinhalb Minuten mit O-Tönen fürs ‹Heute Morgen›, und noch <a href="https://www.srf.ch/news/international/austritt-aus-der-eu-neue-positionen-im-brexit-poker" target="_blank" rel="noopener">eine News-Analyse für SRF Online</a>. «Wenn ich nicht noch Frühdienst habe, darf ich dann endlich ins Körbli. Das ist mit der Zeit ein bisschen bemühend.»</p>
<blockquote><p>«Meist habe ich nur eine Minute Sendezeit pro Antwort, da kann man nicht so sehr ins Detail gehen.»<br />
<small>Henriette Engbersen, Schweizer Fernsehen SRF</small></p></blockquote>
<p>Aber es waren auch lehrreiche Jahre. Henriette Engbersen kam knapp ein Jahr nach dem Brexit-Entscheid als Korrespondentin des Schweizer Fernsehens nach London. «Jemand sagte mal, Brexit ist wie eine Autopsie des britischen Politsystems – man taucht richtig tief in die Materie ein. Das finde ich hochspannend.» Die Komplexität ist allerdings eine Herausforderung für Fernsehjournalisten: «Meist habe ich nur eine Minute Sendezeit pro Antwort, da kann man nicht so sehr ins Detail gehen. Und eine vielschichtige, komplizierte Antwort auf ein paar wenige Sätze einzudampfen, das ist nicht einfach.»</p>
<p>Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, die Berichterstattung interessant zu gestalten. Brexit ist oft repetitiv: Abstimmungen werden mehrere Male wiederholt, die Debatten hängen monatelang am gleichen Punkt fest, die Politik scheint sich oft im Kreis zu drehen. Wie kann man da das Interesse von Schweizer Leserinnen, Zuschauern und Zuhören fesseln? «Mir liegt sehr viel daran, etwa zur Hälfte Stücke zu bringen, die ein Thema herausgreifen und analytisch oder historisch anschauen», sagt Markus M. Haefliger, seit 2016 NZZ-Korrespondent in London. «Zum Beispiel die <a href="https://www.nzz.ch/international/gemaessigte-tories-im-brexit-druckkessel-ld.1472321" target="_blank" rel="noopener">Radikalisierung innerhalb der Tory-Partei</a>, oder die Art und Weise, wie sich die Rolle des Parlaments verändert hat – handelt es sich um eine Verfassungskrise oder eine Emanzipation? Solche Dinge herauszunehmen und genauer zu betrachten, das ist viel interessanter für die Leser.»</p>
<p>Der Output der drei Korrespondenten ist beachtlich: Alioth hat allein im März fast 30 Beiträge geliefert, Engbersen stand im gleichen Monat 20 Mal live vor der Kamera oder hat Brexit-Berichte gemacht. Haefliger hat seit März 2016 mehr als 250 Artikel über den EU-Austritt geschrieben.</p>
<blockquote><p>«Ich habe weitgehend freie Hand. Ich melde einen Text bei der Redaktion in Zürich an, schicke ihn, und dann wird er publiziert.»<br />
<small>Markus M. Haefliger, Neue Zürcher Zeitung</small></p></blockquote>
<p>Die Korrespondenten stemmen einen Grossteil der Berichterstattung allein. Die NZZ hat die Online-Berichterstattung in den vergangenen Jahren stark ausgebaut. Zudem ist die Auslandredaktion mit rund einem Dutzend Redakteuren relativ gross; das heisst, dass Kommentare oft in Zürich geschrieben werden, ebenso Texte für die Mobile-Ausgabe am frühen Morgen. Aber die Artikel für die gedruckte Zeitung schreibt in der Regel Markus Haefliger. NZZ-Korrespondenten haben grundsätzlich die Freiheit, die Themenauswahl selbst zu bestimmen: «Wir sind sehr dezentral organisiert, und ich habe weitgehend freie Hand. Ich melde einen Text an, schicke ihn, und dann wird er publiziert.»</p>
<p></p>
<p>Henriette Engbersen diskutiert jeden Morgen mit der Redaktion in Zürich, ob etwas ansteht, und wenn ja, wie und in welcher Form sie darüber berichten soll. «Wenn ich Einschätzungen machen muss, etwa zu einer Parlamentsentscheidung oder einer Ansprache der Premierministerin, dann kann ich mich ganz <a href="https://www.srf.ch/play/tv/10vor10/video/korrespondentin-henriette-engbersen-erklaert-die-wirren-um-den-brexit?id=2792c829-aa49-418c-886a-c6d70d5eb17b" target="_blank" rel="noopener">auf diese Live-Schalte konzentrieren</a>, und in Zürich machen sie dann den Vorbericht.» Bei längerfristig planbaren Themen macht Engbersen den Beitrag selbst – etwa Hintergrundberichte über die Lokalwahlen oder Reportagen für «10vor10», die Ortstermine erfordern.</p>
<p>Für Martin Alioth ist der tägliche Austausch mit der Redaktion in Bern besonders zeitintensiv. «Jeden Morgen um 4 Uhr sitzt jemand im Studio und entwirft ein Rundschreiben an alle Redaktionen, was die Auslandsthemen des Tages sind. Um diesem Frühdienst die Arbeit zu erleichtern, verfasse ich am Vorabend eine E-Mail mit Einschätzungen und verschiedenen Optionen zu den Ereignissen des Tages: Welche Konsequenzen folgen, wenn das oder jenes geschieht.» Diese Arbeit aus eigener Kraft zu leisten, würde die Redaktion völlig überfordern. Noch nie in seinem Leben habe er solch detaillierte E-Mails nach Bern geschickt wie seit dem Brexit – und es sei ein Sieben-Tage-Job: «Das heisst zum Beispiel, dass ich am Sonntagmorgen zwei Stunden vor dem Fernseher sitze, um mir zwei politische Sendungen anzuschauen, und dann am Abend höre ich nochmal eine Stunde lang ‹Westminster Hour›.»</p>
<blockquote><p>In Grossbritannien selbst sorgt die Brexit-Berichterstattung für heftige Auseinandersetzungen – insbesondere der BBC wird von beiden Seiten vorgeworfen, nicht ausgewogen zu berichten.</p></blockquote>
<p>Nur in Ausnahmesituationen geht Alioth nicht selbst ans Mikrofon: «Wenn sich über Nacht etwas marginal verschiebt und die Morgenredaktion findet, da hätten wir gern eine Minute dazu, dann macht das die Person, die gerade Frühdienst hat. Ich werde also nicht für die eine Minute aus dem Bett geholt.» Weil Alioth in Irland wohnt – wie er sagt: auf der falschen Insel –, kommt es seit letztem Herbst immer wieder vor, dass andere übernehmen: Ein SRF-Redaktor reist aus der Schweiz nach Grossbritannien und realisiert dort Vor-Ort-Berichte. «Es war zum Teil eine solche Achterbahnfahrt im Unterhaus, das könnte ich nicht noch ambulant betreuen, wenn ich auf Reisen wäre.»</p>
<p>In Grossbritannien sorgt die Berichterstattung der Medien für heftige Auseinandersetzungen – insbesondere der öffentlich-rechtlichen BBC wird vorgeworfen, voreingenommen zu sein und nicht ausgewogen zu berichten. Interessant ist, dass die Kritik von beiden Seiten kommt: Brexit-Befürworter im Parlament haben das Gefühl, die BBC habe eine deutliche <a href="https://www.theguardian.com/media/2019/feb/11/bbc-radio-4s-news-not-biased-against-brexit-says-regulator" target="_blank" rel="noopener">Schlagseite zugunsten eines Verbleibs in der EU</a>. EU-Anhänger wie der Labour-Politiker Andrew Adonis wiederum sprechen von der «Brexit Broadcasting Corporation», weil der Sender der <a href="https://www.theguardian.com/media/2019/feb/11/bbc-radio-4s-news-not-biased-against-brexit-says-regulator" target="_blank" rel="noopener">Sichtweise der EU-Kritiker mehr Platz einräume als den Brexit-Gegnern</a>.</p>
<blockquote><p>«Eine totale Objektivität ist also sowieso ausgeschlossen, und ich halte Einschätzungen für die vornehmste Aufgabe des Korrespondenten.»<br />
<small>Martin Alioth, Schweizer Radio SRF</small></p></blockquote>
<p>In der Auslandsberichterstattung hingegen sind solche Konflikte weit weniger ausgeprägt, auch bei SRF. «In den alten Zeiten sagte man beim SRF, man muss Berichterstattung und Kommentar klar trennen. Das hat aber bei der Auslandsberichterstattung nie gegolten, sondern nur bei Inland-Themen, bei denen man ein Grundwissen voraussetzen kann», sagt Martin Alioth. Dazu komme, dass allein schon der Wahrnehmungsfilter des Journalisten eine Parteilichkeit produziere, genauso die Auswahl der Fakten, die man zur Sprache bringt. «Eine totale Objektivität ist also sowieso ausgeschlossen, und ich halte Einschätzungen für die vornehmste Aufgabe des Korrespondenten. Sie sind eine Art Leitplanke für die Zuhörer, was denn das alles bedeutet.» Es gebe vereinzelte Hörer, die protestieren und sagen, Alioth sei der «Büttel der EU»: «Aber damit muss ich leben. Wenn sie sagen, ich sei EU-freundlich, dann haben sie nicht ganz unrecht.»</p>
<p>Auch bei der NZZ wird nicht streng unterschieden zwischen Meinung und reiner Berichterstattung, sagt Haefliger: «Die eigene Meinung einzubringen, ist durchaus erwünscht.» Natürlich muss es eine interpretative Meinung sein: «Ich kann beispielsweise durchschimmern lassen, dass Boris Johnson ein Zyniker und ein Opportunist ist, ohne es direkt zu sagen. Zu schreiben, dass der Brexit ein Car-Crash ist, das überlasse ich den Leuten in Zürich.»</p>
<p>Engbersen hingegen legt Wert auf Unparteilichkeit: «Beim Schweizer Fernsehen erwarten die Zuschauer, dass die Berichterstattung ausgewogen ist, dass man beide Seiten hört. Ich probiere zu erklären, einzuordnen und einzuschätzen, damit sich die Zuschauer zu Hause eine eigene Meinung bilden können.» Der No-Deal-Brexit beispielsweise, also das vertragslose Ausscheiden aus der EU, mag aus Schweizer Sicht völlig irrsinnig scheinen. «Aber anstatt zu sagen, die harten Brexit-Anhänger hätten eine fragwürdige Meinung, habe ich den Anspruch an mich selbst, herauszufinden, was ihre Motivation ist», sagt Engbersen. «Zum Beispiel halten viele Tories einen No Deal aus parteipolitischen Gründen für sinnvoll – sie können diese Strategie ihren Wählern besser verkaufen. Das finde ich spannender als meine persönliche Meinung.»</p>
<p>Bei allem Interesse am Brexit bedauert Engbersen jedoch, dass andere Themen, die sie gern behandeln würde, weniger Priorität haben. Zum Beispiel wollte sie lange etwas machen über Messergewalt in London: «Das ist ein wichtiges Thema, da müssen Journalisten hinschauen, auch ausländische. Aber es ist wegen dem Brexit über ein halbes Jahr lang liegengeblieben. Für solche Geschichten brauche ich einfach viel mehr Zeit, bis ich dazu komme. Das finde ich schade.» Martin Alioth hingegen vermisst andere Themen weniger: «Brexit ist ein derart komplexes Projekt, dass er mir völlig ausreicht.»</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/05/09/brexit-bis-zum-abwinken/">Brexit bis zum Abwinken</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Verantwortung des Journalismus: So kann es nicht weitergehen</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2019/01/16/verantwortung-des-journalismus-so-kann-es-nicht-weitergehen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 Jan 2019 14:55:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Brexit]]></category>
		<category><![CDATA[Donald Trump]]></category>
		<category><![CDATA[AfD]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Brexit, Donald Trump, der Angriff auf den AfD-Politiker Magnitz: Unseren Kolumnisten macht es wütend, auf welche Weise viele Medien über solche Themen berichten. Denn sie lassen sich instrumentalisieren.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Brexit, Donald Trump, der Angriff auf den AfD-Politiker Magnitz: Unseren Kolumnisten macht es wütend, auf welche Weise viele Medien über solche Themen berichten. Denn sie lassen sich instrumentalisieren.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2019/01/16/verantwortung-des-journalismus-so-kann-es-nicht-weitergehen/">Verantwortung des Journalismus: So kann es nicht weitergehen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Der Brexit und seine Auswirkungen auf die TV-Branche</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2018/12/06/der-brexit-und-seine-auswirkungen-auf-die-tv-branche/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Dec 2018 12:35:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Brexit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Brexit kommt immer näher und langsam werden die Auswirkungen sichtbar. TV-Lizenzen aus Grossbritannien werden voraussichtlich ungültig, das betrifft auch einige Sender in Deutschland. Viele wollen sich zu konkreten Massnahmen bislang aber nicht äussern. Handeln müssen sie dennoch.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/12/06/der-brexit-und-seine-auswirkungen-auf-die-tv-branche/">Der Brexit und seine Auswirkungen auf die TV-Branche</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Brexit kommt immer näher und langsam werden die Auswirkungen sichtbar. TV-Lizenzen aus Grossbritannien werden voraussichtlich ungültig, das betrifft auch einige Sender in Deutschland. Viele wollen sich zu konkreten Massnahmen bislang aber nicht äussern. Handeln müssen sie dennoch.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/12/06/der-brexit-und-seine-auswirkungen-auf-die-tv-branche/">Der Brexit und seine Auswirkungen auf die TV-Branche</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Brexit als Lebenselixier des britischen Boulevards</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2017/05/09/brexit-als-lebenselixier-des-britischen-boulevards/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Peter Stäuber]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 09 May 2017 12:37:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Boulevard]]></category>
		<category><![CDATA[England]]></category>
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		<category><![CDATA[Grossbritannien]]></category>
		<category><![CDATA[Brexit]]></category>
		<category><![CDATA[Daily Mail]]></category>
		<category><![CDATA[GB]]></category>
		<category><![CDATA[Rupert Murdoch]]></category>
		<category><![CDATA[The Sun]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als wäre nichts gewesen: Sechs Jahre nach dem grossen Abhörskandal mischen die britischen Boulevardmedien wieder munter in der Politik mit. Im Prozess zum EU-Austritt Grossbritanniens fanden Blätter wie The Sun oder Daily Mail zur alten Form zurück und befeuern den Brexit. «Crush the Saboteurs», titelte das rechtskonservative Klatschblatt The Daily Mail, als die britische Premierministerin <a href="https://medienwoche.ch/2017/05/09/brexit-als-lebenselixier-des-britischen-boulevards/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Als wäre nichts gewesen: Sechs Jahre nach dem grossen Abhörskandal mischen die britischen Boulevardmedien wieder munter in der Politik mit. Im Prozess zum EU-Austritt Grossbritanniens fanden Blätter wie The Sun oder Daily Mail zur alten Form zurück und befeuern den Brexit.<br />
<span id="more-33130"></span><br />
«Crush the Saboteurs», titelte das rechtskonservative Klatschblatt The Daily Mail, als die britische Premierministerin Theresa May vor wenigen Wochen Neuwahlen ankündigte: All jene, die den Brexit zu verhindern suchen, sollen «zerdrückt» werden. Subtile Headlines entsprechen nicht dem Stil des britischen Boulevards, aber diese derbe Aufforderung ging dann doch etwas weit: Linke und liberale Politiker und Kommentatoren, vom Schattenfinanzminister John McDonnell bis zur Fussballlegende Gary Lineker, beklagten die Aggression, zu der sich die Zeitung hatte hinreissen lassen. Angesichts der verbreiteten Empörung hielt die Daily Mail <a href="http://www.dailymail.co.uk/debate/article-4427192/DAILY-MAIL-COMMENT-saboteurs-simmer-down.html" target="_blank" rel="noopener">eine Klarstellung für angebracht</a>: «Um jede Zweifel aus dem Weg zu räumen, weder die Premierministerin noch diese friedliebende Zeitung schlägt einen Genozid vor.»</p>
<p>Dass kein Völkermord angeraten wird, wird die Leser beruhigen, aber der überbordende Eifer, mit dem sich manche britischen Boulevardblätter dem Thema Brexit nähern, ist – vorsichtig ausgedrückt – befremdend. Die New York Times nahm kürzlich <u><a href="https://www.nytimes.com/2017/05/02/world/europe/london-tabloids-brexit.html?_r=0" target="_blank" rel="noopener">die dominante Rolle unter die Lupe</a></u>, welche die «tabloid press», also der Boulevard, in der EU-Debatte spielt. Die Autorin hat sich auf ein Rendezvous mit dem wohl einflussreichsten Chefredakteur Grossbritanniens eingelassen, Tony Gallagher von The Sun. Seit 1969 gehört die Zeitung zum Medienimperium Rupert Murdochs, der die politische Konversation im Land seither in entscheidender Weise prägt – und sie stramm nach rechts drückt.</p>
<p>In den 1980er-Jahren leistete die «Sun» der Premierministerin Margaret Thatcher patriotische Schützenhilfe, als sie auf die Falklandinseln in den Krieg zog oder sich der fortschreitenden europäischen Integration verweigerte. Die eingängigen und zuweilen vulgären Schlagzeilen («Up Your Junta») wurden legendär. Beim Besuch der New York Times erzählt Gallagher genüsslich von den jüngsten Erfolgen seiner Zeitung: Er führte eine Kampagne gegen die geplante Erhöhung der Sozialversicherungsbeiträge von Freiberuflern. Es war das erste Mal, dass sich die Klatschpresse (auch die «Daily Mail» wetterte gegen die Steuererhöhung) seit Theresa Mays Amtsantritt gegen sie stellte – und die Premierministerin fügte sich ihrem Wunsch: Die Pläne wurden zurückgezogen. «Es dauerte weniger als eine Woche», sagt Gallagher.</p>
<p>In Bezug auf das EU-Referendum gibt sich der Chefredakteur vorsichtig: «Wir haben uns für den Brexit eingesetzt, aber ich glaube nicht, dass wir ihn verursacht haben.» Allerdings sandte er kurz nach Bekanntwerden des Abstimmungsergebnisses eine SMS an einen Reporter des linksliberalen Guardian, in der er die tatkräftige Mithilfe des Boulevards begrüsst: «So viel zur schwindenden Macht der Printmedien», lautete die ironische Nachricht.</p>
<p>Damit hat er wohl recht: Der politische Einfluss der Klatschpresse scheint ungebrochen – auch knapp sechs Jahre nach dem Abhörskandal. Die öffentliche Empörung darüber, dass massgeblich Mitarbeiter von News of the World und anderer Murdoch-Blätter illegal Mobiltelefone abgehört hatten, schien dem Konzern zunächst einen schweren Schlag zu versetzen. Die Enthüllung des Abhörskandals führte zur Schliessung der Sonntagszeitung News of the World und zum Rücktritt mehrerer prominenter Führungspersonen, darunter Rebekah Brooks, der Geschäftsführerin der Murdoch-Medien in Grossbritannien. Der Fall hatte auch strafrechtliche Konsequenzen. Andy Coulson, der frühere Chefredaktor von News of The World und spätere Berater von Premier Cameron, wurde zu 18 Monaten Haft verurteilt. Als Rupert Murdoch selbst vor einem Parlamentsausschuss auftrat, sagte er reuig, es sei der «demütigste Tag» seines Lebens.</p>
<p>Das mag man Murdoch abkaufen oder nicht,. Im Rückblick ist klar, dass die Episode weder seinem Konzern grösseren Schaden zufügte noch den breiteren Niedergang der britischen Revolverpresse eingeleitet hatte. Die News of the World wurde kurzerhand ersetzt durch die Sun on Sunday, die zur meistverkauften Sonntagszeitung im Land wurde, und News International änderte seinen Namen in News UK – mit Rebekah Brooks als Geschäftsführerin. Mit einer Auflage von über 1.6 Millionen ist die Sun auch heute noch die beliebteste Zeitung im Land, noch vor der Daily Mail. Und die Beziehung zur Politik wird weiterhin sorgfältig gepflegt: Laut einer Analyse der Kampagnen Media Reform Coalition und 38 Degrees hatten Führungsleute des Murdoch-Konzerns innerhalb eines Jahres <u><a href="https://www.theguardian.com/media/2017/feb/05/rupert-murdoch-access-to-downing-street-theresa-may-david-cameron" target="_blank" rel="noopener">zehn Unterredungen mit der Regierung</a></u>, entweder mit der Premierministerin selbst, ihrem Vorgänger David Cameron, oder mit dem ehemaligen Finanzminister George Osborne. Keine andere Medienorganisation geniesst ein solch intimes Verhältnis zur Downing Street.</p>
<p>So kommt den grössten britischen Zeitungen nach wie vor eine entscheidende Rolle zu in der politischen Debatte: «Es ist eine Tatsache, dass Printzeitungen […] die Tagesordnung hier weit effektiver bestimmen als Fernseh- und Radiosender, die grundsätzlich reaktive Medien sind», sagt «Sun»-Chefredaktor Gallagher gegenüber der New York Times.</p>
<p>Dass TV-Nachrichten zu einem grossen Teil von der Berichterstattung in den Printmedien beeinflusst sind, lässt sich auch statistisch belegen: <u><a href="https://orca.cf.ac.uk/88825/7/Cushion%20et%20al%202016.pdf" target="_blank" rel="noopener">Eine Studie der Fachzeitschrift Journalism Studies</a></u> kam zum Schluss, dass Fernsehsender im Wahlkampf 2015 zu einem erheblichen Teil Themen aufgriffen, die zuerst in Printmedien behandelt wurden; besonders die konservativen Zeitungen The Daily Telegraph und die Times, die zum Murdoch-Konzern gehört, sind laut den Autoren tonangebend. Robert Peston, der früher die Wirtschaftsredaktion der BBC leitete und heute für ITV News arbeitet, <u><a href="https://www.theguardian.com/media/2014/jun/06/bbc-obsessed-agenda-daily-mail-robert-peston-charles-wheeler" target="_blank" rel="noopener">beklagte sich vor einigen Jahren</a></u>, dass die BBC geradezu «besessen» sei von der Berichterstattung der Daily Mail und des Daily Telegraph.</p>
<p>Das EU-Referendum gab dem britischen Boulevard eine einmalige Gelegenheit, auf ihren zwei Steckenpferden herumzureiten: der Einwanderung und der vermeintlich überbordenden Macht Brüssels. Gallagher ist sich völlig bewusst, dass eine Aussage – auch wenn sie nachweislich falsch ist – durch die ständige Wiederholung wahr erscheint: «Wenn man als Zeitung grosses Aufsehen macht um die Tatsache, dass alle unsere Gesetze in Europa gemacht werden, dann dringt das schlussendlich ins nationale Bewusstsein.»</p>
<p>Der Historiker <u><a href="https://www.theguardian.com/media/2016/oct/27/revenge-of-the-tabloids-brexit-dacre-murdoch" target="_blank" rel="noopener">Andy Beckett schrieb im Herbst</a></u>, dass mit dem Brexit-Votum «einer der grössten, ältesten Träume der Boulevardblätter auf spektakuläre Weise Wirklichkeit wurde». Und ihr Einfluss ist durch das Resultat noch gestärkt worden. Die Revolverpresse habe die Politik heute fest im Griff, schreibt Beckett: Der rechte Flügel der Konservativen arbeite heute so eng mit dem Boulevard zusammen wie zuletzt in den frühen 1990er-Jahren; man sehe es etwa bei der täglichen Obsession mit Immigranten, der Verunglimpfung von liberalen Briten als Vertreter der Elite sowie dem gemeinsamen Ziel des «harten Brexit». Der ehemalige Sun-Chefredakteur David Yelland sieht es genauso: Brexit stelle den bisherigen Höhepunkt der Macht des Boulevards dar.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/05/09/brexit-als-lebenselixier-des-britischen-boulevards/">Brexit als Lebenselixier des britischen Boulevards</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Direkter Weg vom Brüssel-Bashing zum Brexit</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/06/27/der-direkte-weg-vom-bruessel-bashing-zum-brexit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Adrian Lobe]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Jun 2016 11:10:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Guardian]]></category>
		<category><![CDATA[England]]></category>
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		<category><![CDATA[Brexit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Boris Johnson hat erfolgreich einen Feldzug gegen ein Zerrbild der EU geführt, das er als Brüssel-Korrespondent des «Daily Telegraph» selbst schuf. Es könnte sich als Pyrrhussieg erweisen: Der Brexit hat einen Flurschaden in der Presselandschaft hinterlassen. In den Tagen nach dem Entscheid der Briten, die EU zu verlassen, konnte man den Eindruck gewinnen, das Land <a href="https://medienwoche.ch/2016/06/27/der-direkte-weg-vom-bruessel-bashing-zum-brexit/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Boris Johnson hat erfolgreich einen Feldzug gegen ein Zerrbild der EU geführt, das er als Brüssel-Korrespondent des «Daily Telegraph» selbst schuf. Es könnte sich als Pyrrhussieg erweisen: Der Brexit hat einen Flurschaden in der Presselandschaft hinterlassen.<br />
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In den Tagen nach dem Entscheid der Briten, die EU zu verlassen, konnte man den Eindruck gewinnen, das Land habe das Ergebnis bereut oder zumindest die Implikationen des Entscheids nicht richtig abgeschätzt. So manchem Brexit-Befürworter überkamen Zweifel über die juristischen Modalitäten eines Austritts, mehrere hunderttausend Briten unterzeichneten eine Petition für eine erneute Volksabstimmung für einen «Breturn». Auch nach Abzug zehntausender manipulierter Stimmen dürfte <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/brexit-petition-fuer-zweites-referendum-mit-bots-manipuliert-a-1100043.html" target="_blank">die elektronische Umfrage</a> die erforderlichen 100&#8217;000 Unterzeichner erreicht haben, damit sich das Parlament dem Begehren annimmt. Und auch bei den Zeitungen, die selten wie nie zuvor polarisiert waren und eine aktive Rolle im Wahlkampf spielten, begann so etwas wie eine zaghafte Selbstreflexion.</p>
<p>Der Journalist Nick Cohen schrieb in einem bemerkenswerten <a href="https://www.theguardian.com/commentisfree/2016/jun/25/boris-johnson-michael-gove-eu-liars" target="_blank">Artikel für den «Guardian»</a> unter der Überschrift «Es gibt Lügner und dann gibt es Boris Johnson und Michael Gove»: «Die Medien verurteilen sich nicht selbst, deshalb tanze ich jetzt aus der Reihe, wenn ich sage, dass, wenn man die Herrschaft von Berufspolitikern für schlecht hält, man nur warten sollte, bis die Journalisten-Politiker kommen.» Cohen spielte auf die berufliche Karriere von Boris Johnson und Michael Gove – Johnson war unter anderen Brüssel-Korrespondent beim «Daily Telegraph» und Redakteur beim «Spectator», Gove Kolumnist der «Times» – an. «Johnson und Gove sind die schlechtesten Journalisten-Politiker, die man sich vorstellen kann: Experten, die gross wurden, indem sie das öffentliche Leben als ein Spiel behandeln. Und so spielen sie es. Sie erlangen die Aufmerksamkeit der Medien, indem sie einen grossen, dramatischen Gedanken rausbrüllen. Versagt eine Institution? Mach sie dicht! Patzt eine Person des öffentlichen Lebens? Schmeiss sie raus!» Es ist die fulminante Anklage eines Journalisten, der die eigene Zunft – zumindest zwei exponierten, ehemaligen Vertretern – im Stile eines «J’accuse» der Lüge zeiht und ihnen vorwirft, die Wähler hinters Licht geführt zu haben.</p>
<p>Nun sind die Diskussionen in Grossbritannien zwar häufig scharf, aber dennoch erstaunlich diszipliniert. Niemand würde auf die Idee kommen, die Invektive einer «Lügenpolitik» (analog zur «Lügenpresse») zu verbreiten. Und doch hat sich in der Diskursmechanik in den vergangenen Wochen etwas dergestalt verschoben, nämlich dass zu den wortgewaltigsten Wortführern der Kampagne – angefeuert vom Dauertremolo der Boulevardpresse – zwei Journalisten gehören.</p>
<p>Dass Johnson das Brüsseler Geschehen als Korrespondent des «Daily Telegraph» mehrere Jahre lang verfolgte, gereichte ihm im Leave-Lager nicht zum Nachteil, im Gegenteil, es verschaffte ihm zusätzliche Autorität. Der Eindruck war: Da sprach jemand, der weiss, was er sagt. Johnson weist einen fast bilderbuchhaften Lebenslauf vor, der selbst in den elitären Zirkeln der Tories eine Seltenheit ist: Privatschule in Eton, Altertumsstudien in Oxford, dann Karriere als Journalist und Bürgermeister von London. Johnson kultiviert das Bild des schrulligen, eloquenten Vertreters der englischen Oberklasse, der in piekfeinem Queen’s English parliert und seine Reden gerne mit einem manierierten Stottern garniert, das er sich als einen elitären Code und Habitus aus seiner Studienzeit beibehalten hat. Dass der Churchill-Biograph zu Höherem – er ist weiterhin als Premierminister im Gespräch – berufen ist, ist kein Geheimnis.</p>
<p>Doch das Bild des ehrlichen Maklers bekam Kratzer. Am Freitag vor der Abstimmung postete der Journalist Martin Fletcher einen vielbeachteten <a href="https://www.facebook.com/martin.fletcher.3998/posts/10154422902371062" target="_blank">Kommentar auf Facebook</a>, in dem er seinen alten Kollegen Johnson scharf attackierte. Fletcher wurde 1999 als Brüssel-Korrespondent der altehrwürdigen «Times» berufen, ein paar Jahre nach Johnsons Wirken. Und was Fletcher darin schreibt, war alles andere als ein Loblied: «Seit 25 Jahren hat unsere Presse die britische Öffentlichkeit mit verzerrten, lügnerischen und unerbittlich feindlichen Geschichten über die EU gefüttert. Und der Journalist, der den Ton setzte, war Boris Johnson.»</p>
<p>Bevor Johnson als Korrespondent aus Brüssel berichtete, wurde er 1988 von der «Times», wo er seine journalistische Karriere begann, wegen eines erfundenen Zitats entlassen. In Brüssel waren die Grenzen der Imagination offensichtlich weiter, weshalb die Redaktion des «Daily Telegraph» den versierten Historiker dorthin versetzte. Fletcher schreibt über seinen ehemaligen Kollegen: «Er ergriff jede Gelegenheit, sich über die EU lustig zu machen oder sie denunzieren und lieferte Artikel, die unzweifelhaft bunt, aber auch grotesk überzogen und komplett unwahr waren.» An Johnsons Bürowand, so berichtete <a href="http://www.independent.co.uk/news/uk/home-news/brussels-chuckles-as-reality-hits-mythmaker-1592828.html" target="_blank">der «Independent» 1995</a>, hing ein Zettel seines Redaktionskollegen Max Hastings, der ihn daran gemahnte, noch «bombastischer» zu schreiben.</p>
<p>Johnson soll später bekundet haben: «Alles, was ich aus Brüssel schrieb, fand ich, war eine Art Rausschmeissen von Steinen über den Gartenzaun und dabei dem unglaublichen Einschlag im Gewächshaus nebenan in England zuzuhören, denn alles, was ich aus Brüssel schrieb, hatte diesen erstaunlichen, explosiven Effekt und es gab mir wirklich dieses ziemlich verrücktes Machtgefühl.» Dieses Zitat ist entlarvend. Es zeichnet das Bild eines machtbesessenen Zündlers, eines Hasardeurs, der publizistische Bomben bastelt und sie genüsslich hochgehen sieht von seiner Brüsseler Schreibstube aus.</p>
<p>Vom Brüssel-Bashing zum Brexit ist es nicht mehr weit – es existiert eine historische Kontinuität. Ist der Geist erst aus der Flasche, ist er bekanntlich schwer wieder einzufangen. Erstaunlich ist, warum dieser pro-europäisch sozialisierte und gesinnte Intellektuelle eine solche Genugtuung an destruktiven Ideen findet. David Gardner, ein Freund und Rivale aus alten Tagen und damals Journalist bei der «Financial Times», beschrieb Johnson als «gespaltene Persönlichkeit».</p>
<p>Offensichtlich gab es auch systemische Zwänge für diese EU-feindliche Berichterstattung. Fletcher berichtet, dass auch die Ressortleiter der «Times» damals nur Artikel über «gesichtslose Brüsseler Eurokraten wollten, die Britannien absurde Regeln aufoktroyieren. (…) Es war das einzige Narrativ, woran sie interessiert waren.» Der publizistische Boden für eine Austrittskampagne war lange bestellt. Fletcher konstatiert: «Boris Johnson macht jetzt Kampagne gegen eine Cartoon-Karikatur der EU, die er selbst kreierte. Er macht Stimmung gegen eine grösstenteils fiktionale EU, die keinen Bezug zur Realität hat.»</p>
<p>Der ehemalige Londoner Bürgermeister machte mit vereinfachten Formeln Politik wie ein Boulevard-Journalist, und die Boulevardpresse machte Wahlkampf wie die Altparteien. Es zeigt sich hier ganz deutlich eine Verschmelzung von Politik und Medien, die nach einer ähnlichen Systemlogik funktionieren: dem Gesetz der maximalen Aufmerksamkeit. Dass in diesem alarmistischen Geheul die leisen Töne kein Gehör finden, versteht sich von selbst.</p>
<p>Der «Guardian»-Kolumnist Peter Preston fragte selbstkritisch: «Die Bürger haben sich über den Brexit ausgesprochen. Aber haben die Medien ihnen die Wahrheit erzählt?». Das Brexit-Votum ist nur vordergründig ein Erfolg für die Boulevardpresse und «Journalisten-Politiker». In Wirklichkeit ist es eine fatale Niederlage der Presse, die ihre Leser mit selektiven und falschen Informationen versorgte und gegen die reihenweise Beschwerden vor der Regulierungsbehörde «Independent Press Standards Organization» (vergleichbar mit dem Presserat in Deutschland) anhängig sind. Die britische Presse ist laut einer Umfrage der EU-Kommission vom September vergangenen Jahres die am schlechtesten beleumundete Presse in allen EU-Staaten: 73 Prozent aller Briten misstrauen der Presse. Die Brexit-Kampagne hat mit ihren Schmutzkampagnen nicht gerade zur Glaubwürdigkeit der Presse beigetragen.</p>
<p>Bild: <a href="https://www.flickr.com/photos/53797600@N04/6996058551" target="_blank">Flickr/Andrew Parsons (CC BY-ND 2.0)</a></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/06/27/der-direkte-weg-vom-bruessel-bashing-zum-brexit/">Direkter Weg vom Brüssel-Bashing zum Brexit</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Auf zum letzten Gefecht!</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/06/17/auf-zum-letzten-gefecht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Adrian Lobe]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Jun 2016 13:09:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[BBC]]></category>
		<category><![CDATA[Guardian]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Britische Zeitungen steigen vor der Abstimmung um den Brexit selbst in den Schützengraben. Die Medienlandschaft in Grossbritannien ist vor der Abstimmung vom nächsten Donnerstag polarisierter denn je. Remain or Leave? Bleiben oder Gehen? Diese Frage spaltet Grossbritannien. Am 23. Juni stimmen die Briten in einem Referendum über den Verbleib in der Europäischen Union ab. Nach <a href="https://medienwoche.ch/2016/06/17/auf-zum-letzten-gefecht/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Britische Zeitungen steigen vor der Abstimmung um den Brexit selbst in den Schützengraben. Die Medienlandschaft in Grossbritannien ist vor der Abstimmung vom nächsten Donnerstag polarisierter denn je.<br />
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Remain or Leave? Bleiben oder Gehen? Diese Frage spaltet Grossbritannien. Am 23. Juni stimmen die Briten in einem Referendum über den Verbleib in der Europäischen Union ab. Nach dem Mord an der Labour-Abgeordneten Jo Cox erhält der Abstimmungskampf eine andere Wendung. Der Attentäter soll nach Augenzeugen «Britain first» gerufen haben, weshalb ihm ein politisches Motiv zugeschrieben wird. Das Remain-Lager instrumentalisierte den Anschlag, um Stimmung gegen die Brexiteers zu machen, die Boulevard-Zeitung «The Daily Star» nannte den Attentäter gar einen «Brexit Gunman». Der Brexit spaltet längst nicht nur die Politik, sondern auch die Medien.</p>
<p>Während Boulevardblätter wie die «Sun» und «The Daily Express» einen Brexit befürworten, lehnen seriöse Tageszeitungen wie der «Guardian» oder die «Financial Times» den Austritt Grossbritanniens aus der EU ab. Die konservative Tageszeitung «Times» nimmt ähnlich wie die ihr nahestehenden Tories eine ambivalente Haltung zu der Frage ein. Eine <a href="http://reutersinstitute.politics.ox.ac.uk/news/study-shows-majority-press-coverage-eu-referendum-campaign-was-heavily-skewed-favour-brexit" target="_blank">Studie des Reuters Institute</a> for the Study of Journalism, die im Zeitraum zwischen Februar und April 928 Artikel überregionaler Pressetitel untersuchte, fand heraus, dass 45 Prozent der Artikel für einen Austritt waren, dagegen nur 27 Prozent für einen Verbleib. 19 Prozent der Artikel mit Bezug auf das Referendum waren «gemischt oder unentschlossen». Der vollständige Bericht wird erst im September veröffentlicht. Offensichtlich wollen die Autoren den Wahlkampf mit kritischem Material nicht weiter belasten. Die Polarisierung der britischen Medien zum Brexit-Referendum steht in scharfem Kontrast zu der Berichterstattung im Kontext des EWG-Mitgliedschaftsreferendum 1975, als fast alle Zeitungen eine proeuropäische Position vertraten.</p>
<p>Die Sun, mit knapp 1,8 Millionen gedruckten Exemplaren das auflagenstärkste Blatt des Landes, hat sich dabei zu einer Meinungsführerin der Brexit-Kampagne aufgeschwungen. In einem <a href="https://www.thesun.co.uk/news/1277920/we-urge-our-readers-to-believe-in-britain-and-vote-to-leave-the-eu-in-referendum-on-june-23/" target="_blank">Leitartikel vom 13. Juni</a> rief die grösste Boulevardzeitung Grossbritanniens seine Leser dazu auf, für einen Austritt zu stimmen. «We urge our readers to beLEAVE in Britain and vote to quit the EU on June 23.» Der Austritt – beLEAVE ist ein Wortspiel aus «leave» und «believe» – wurde zu einer Glaubensfrage stilisiert. Das populistisch-alarmistische Argument, das die Redaktion der Forderung nachschob, lautete: «Das ist unsere letzte Chance, uns aus der undemokratischen Brüsseler Maschine zurückzuziehen. Und es ist Zeit, sie zu ergreifen.» In der 43-jährigen Mitgliedschaft in der Europäischen Union habe sich der Staatenverbund als «zunehmend gierig, verschwenderisch, verleumdend und atemberaubend inkompetent in der Krise bewiesen», befindet das Blatt. Die Forderung ist daher klar: «Wir müssen uns von dem diktatorischen Brüssel befreien.» Dass der rechtsextreme Front National in Frankreich mit fast denselben Parolen Stimmung macht, wird geflissentlich ignoriert.</p>
<p>Das Boulevardblatt scheut selbst nicht davor zurück, die Queen als vermeintliche Kronzeugin («Queen backs Brexit») für ihre Propaganda zu missbrauchen. Die Monarchin sei für den Austritt, hiess es. Die Schlagzeile war frei erfunden. Der Buckingham Palast legte offiziell Beschwerde bei dem Boulevard-Blatt ein. So etwas gab es noch nie. Man fragt sich bei diesen Artikeln, ob die Politik oder die Medien Wahlkampf machen. Der Medienmogul Rupert Murdoch, der Eigentümer der «Sun», führt eine aus eigenem Machtstreben motivierte Kampagne für den Austritt. Murdoch steht der EU seit Jahren skeptisch gegenüber. Einem Journalisten soll er einmal gesagt haben: «Wenn ich nach Downing Street (dem Sitz des britischen Premierministers) gehe, machen sie, was ich sage. Wenn ich nach Brüssel gehe, nehmen sie davon nicht einmal Notiz.»</p>
<p>Das Revolverblatt «The Express», das dem britischen Verleger Richard Desmond gehört, der die EU-feindliche Partei Ukip unterstützt, <a href="http://www.express.co.uk/comment/expresscomment/661551/Eu-referendum-sticker-Vote-Leave-Nigel-Farage-Brexit" target="_blank">rief in einem Leitartikel</a> gar zu einem «Kreuzzug für die Freiheit» auf und verteilte in der Printausgabe Pro-Leave-Sticker, die man sich ans Auto kleben kann – als Zeichen des Brexit-Befürwortens. Die Zeitung schwor die Leserschaft auf eine wichtige Abstimmung ein. «Wo einer von fünf Wählern unentschlossen ist, sind die Leser des ‹Daily Express› das Zünglein an der Waage in der Sicherstellung, dass Britannien diese einmalige Gelegenheit beim Schopfe packt, sich von den Fussfesseln der EU und seinen undemokratischem Vorgehen, einen allmächtigen föderalen Superstaat zu etablieren, zu befreien.»</p>
<p>Die Metapher einer britischen «Gefangenschaft» in der EU zieht sich leitmotivisch durch die Pro-Brexit-Presse. Sogar Winston Churchill wird bemüht: «Wo es keinen Feind im Innern gibt, können einem die Feinde ausserhalb nicht wehtun.» Solche Blut-Schweiss-und-Tränen-Rhetorik kennt man eigentlich nur aus dem Krieg vergangener Tage. Die Tonalität ist hochtourig, aufgekratzt und alarmistisch, als würde Grossbritannien in die Schlacht ziehen. Es ist schon erstaunlich: Wo in Deutschland eine «System»- und «Lügenpresse» gegeisselt und die Konvergenz der Medien beklagt wird, werden die publizistischen Gräben in Grossbritannien grösser denn je.</p>
<p>Jede Leserschicht, jedes Milieu wird versucht anzusprechen. «Fussball-Fans unterstützen Brexit mit überwältigender Mehrheit», behauptete die Zeitung «Daily Express» und berief sich auf eine Umfrage des Buchmachers Coral, wonach 39 Prozent der Fussball-Fans bei dem Referendum für den Austritt stimmen werden. Wie die Studienautoren Fussball-Fans definieren, wurde nicht erläutert. Knapp eine Woche vor dem Referendum wird auf der Insel heftig darüber diskutiert, ob das Abschneiden der drei britischen Nationalmannschaften (England, Wales, Nordirland) an der Fussball-EM einen Einfluss auf die Volksabstimmung hat. Ein frühes Aus in der Gruppenphase könnte Wasser auf die Mühlen des «Leave»-Lagers sein und den Nationalismus befördern. Ein Weiterkommen in die Ko-Phase der Europameisterschaft könnte die Engländer dagegen mit dem Europa-Gedanken versöhnen und dem «Remain»-Lager in die Hände spielen.</p>
<p>Der «Daily Telegraph», zu dessen Kolumnisten der Londoner Bürgermeister und Brexit-Befürworter Boris Johnson gehört, schlägt indes eher moderatere Töne an, vertritt aber in Bezug auf Migration und Terrorismus dezidiert konservative und europaskeptische Positionen. Die Europaskepsis, respektive -feindlichkeit speist sich aus gerade diesen Motiven. So ist der «Daily Telegraph» Gegenstand einer Beschwerde an die Regulierungsbehörde «Independent Press Standards Organization» (vergleichbar mit dem Presserat in Deutschland), welche das Faktchecking-Portal <a href="http://infacts.org/hateful_eight/" target="_blank">InFacts eingereicht hat</a>. Die Zeitung soll Unwahrheiten und falsche Tatsachenbehauptungen verbreitet haben, etwa «der Graben zwischen den offiziellen Migrationszahlen und der ist so gross wer Grand Canyon» oder sinnentstellte Zitate wie die angebliche Aussage eines US-Gemeindienstmitarbeiter, wonach die islamistische Terrormiliz IS durch offene Grenzen nach Grossbritannien gelange. InFact widerlegt diese Behauptungen in einem Faktencheck.</p>
<p>Auch die «Sun» arbeitet mit montierten Statistiken und Stereotypen. Es tobt ein Kampf um die Wahrheit und Deutungshoheit über Fakten, die in der durch Boris Johnsons «Battlebus» populär gewordene Behauptung kulminierte, Grossbritannien überweise jede Woche 350 Millionen Pfund nach Brüssel. Mittlerweile versucht der «Daily Telegraph» wie auch die etwas weiter in der Mitte positionierte «Times» ausgewogener zu berichten und beide Seiten zu Wort kommen zu lassen – auch, um der Heterogenität der Leserschaft Rechnung zu tragen. Die jungen Leser, die auf Inhalte grösstenteils online zugreifen, sind deutlich pro-europäischer als ältere Leser. Deshalb fährt die zur selben Verlagsgruppe wie die «Sun» gehörende «Times» (beide Titel werden von Rupert Murdochs News UK verlegt) mit Rücksicht auf die eher pro-europäischen Leser einen vorsichtigeren Kurs. Die Gräben durchziehen damit auch die Verlage selbst.</p>
<p>Die einzigen Medien, die neutral und objektiv über die Kampagne berichtet, sind der linksliberale «Guardian» , die «Financial Times» sowie die BBC. Die Redaktionen begeben sich nicht in ideologische Grabenkämpfe, sondern referieren ruhig und sachlich Pro-und Kontra-Argumente. Wobei die BBC, die 77 Prozent der Haushalte über TV, Radio oder das Internet erreicht, unter besonders kritischer Beobachtung steht. Die Labour-Abgeordnete Maria Eagle kritisierte, dass die Rundfunkanstalt zur Zielscheibe von Lobby-Bemühungen beider Lager werde und Medienminister John Whittingdale, ein prominenter Befürworter des Brexit, die Verhandlungen über die am Ende des Jahres auslaufende Charter der BBC (eine Art Rundfunkstaatsvertrag) hinauszögere. Der Sender werde so zum Vehikel parteitaktischer Spielchen. Das Problem ist, dass man über derlei Einflussnahmen kaum etwas liest.</p>
<p>Medienkritische Berichte, etwa über den Opportunismus der «Sun», die in ihren Lokalausgaben in Schottland, Nordirland und Irland mit Rücksicht auf die Leserschaft den Slogan «BeLeave in Britain» vom Titel nahm, findet man fast ausschliesslich bei Politico Europe oder <a href="http://www.theguardian.com/media/greenslade/2016/jun/14/the-suns-pro-brexit-campaigning-doesnt-cross-borders" target="_blank">beim «Guardian»</a>. Eine Blockbildung, wie man sie nun in den Medien sieht, kennt man eigentlich nur aus der Parteienlandschaft. Die Zeitungen sind in der Brexit-Frage nicht nur ein Kampagnenvehikel, sondern ein Kampagnenorgan, die aktiv Wahlkampf betreiben – mit Aufklebern, Wahlaufrufen und Veranstaltungen. So wie die Parteien um Wähler werben, fischen die Zeitungen nach Lesern. Der «Guardian» geisselte in einem Meinungsbeitrag die Pro-Brexit-Kampagne der «Daily Mail» als «ein im Kern rechtes politisches Projekt». Das EU-Referendum sei «die Arena, in der Machtkämpfe zwischen Teilen der Presse und dem gewählten Premierminister (David Cameron) ausgetragen werden». Die rückläufigen Auflagen, unter denen die Pressetitel leiden, könnte erklären, warum sich manche Zeitung noch stärker positioniert als sie es sonst tut. Profilschärfung stärkt Loyalitäten. Die Abstimmung wird zeigen, welches Medium lauter getrommelt hat.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/06/17/auf-zum-letzten-gefecht/">Auf zum letzten Gefecht!</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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