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	<title>DRS 1 | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>Lindenstrasse und Lückenfüller</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 Apr 2012 05:08:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der DRS-1-«Treffpunkt»: Moderator Dani Fohrler widmet sich mit Hilfe des Lindenstrassen-Fanclubs, einer Medienwissenschaftlerin, einem Drehbuchautor und drei Zuhörern zwei Stunden lang Fernsehserien, die auch DRS-1-Hörer interessieren könnten. Noch vor ein paar Jahrzehnten steckten Serien ganz tief in der Trashkiste. Wer etwas auf sich hielt, las ein Buch oder schaute sich Filme an, im Kino. Heute <a href="https://medienwoche.ch/2012/04/25/lindenstrasse-und-lueckenfueller/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Der DRS-1-«Treffpunkt»: Moderator Dani Fohrler widmet sich mit Hilfe des Lindenstrassen-Fanclubs, einer Medienwissenschaftlerin, einem Drehbuchautor und drei Zuhörern zwei Stunden lang Fernsehserien, die auch DRS-1-Hörer interessieren könnten.<br />
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Noch vor ein paar Jahrzehnten steckten Serien ganz tief in der Trashkiste. Wer etwas auf sich hielt, las ein Buch oder schaute sich Filme an, im Kino. Heute zeigt sich die Begeisterung des Publikums für Serien in den Einschaltquoten, den DVD-Verkäufen, den Up- und Downloads, den Tischgesprächen. Auch wenn sie in der medialen Rezeption kaum vorkommen. Die zweistündige «Treffpunkt»-Sendung zum Thema «Meine liebste Fernsehserie» versuchte herauszufinden, wer Serien schaut und warum.</p>
<p>Nachdem Moderator Dani Fohrler die Medienwissenschaftlerin Ursula Ganz-Blättler ein paar Mal Barbara Ganz-Blättler nennt, muss er kurz vor Ende der zweistündigen Sendung zwei dringende Verkehrsmeldungen verlesen. Und dann will er zu dem kommen, was er den «Höhepunkt» der Sendung nennt: Die Auswertung der <a href="http://www.drs1.ch/www/de/drs1/sendungen/treffpunkt/2785.sh10220917.html">Online-Umfrage auf drs1.ch</a>, die eine Antwort auf die Frage «Welches ist Ihre liebste TV-Serie?» einfordert. Fohrler wundert sich, dass «Mein cooler Onkel Charlie», wie die US-Sitcom «Two and a Half Men» in hiesigen Programmen unpassenderweise heisst, beim DRS-1-Publikum auf Rang 3 abgeschnitten hat. Nun ja, es könnte an den drei oder vier Stimmen liegen, die ich trotz eingebauten Cookie-Schutz dafür abgeben konnte. «Gewonnen» hat die sinnlose Umfrage die ARD-Serie Lindenstrasse vor der ZDF-Serie «Ein Fall für zwei». Da half es auch nichts, dass der Serienmontag auf SF2 mit den ebenfalls zur Auswahl stehenden «Grey’s Anatomy» und «Dr. House» mehrfach positiv angesprochen wurde.</p>
<p>Die Umfrage nimmt viel Zeit ein, Fohrler spricht sie in den zwei Stunden mindestens fünf mal an. Vielleicht versteht er darunter die viel gepriesene Konvergenz zwischen Radio und Online. Doch eigentlich ist sie nicht mehr als ein Lückenfüller, wie auch die Marotte, vor jedem Musikstück anzukündigen, was nach dem Musikstück zu hören sein wird, «grad i wenige Augeblick». Diese Zeit könnte man genau so gut mit Musik füllen. Oder noch besser mit Inhalten.</p>
<p>Ein Sender wie Deutschlandfunk hat jedenfalls keine Mühe, sich einem Thema zwei Stunden lang nur mit Worten zu widmen. Dass man das dem gemeinen DRS-1-Hörer nicht zumuten mag, ist verständlich, aber Pseudoinhalte braucht auch der keine. Als Musik zwischen den Textbeiträgen läuft, was vor mehr als 20 Jahren mal hippe Musik auf DRS3 war und heute das Rauschen der sogenannten Evergreens. Nacheinander gespielt werden: Dexys Midnight Runners, Rod Stewart, Bryan Adams, F.R. David.</p>
<p>Dani Fohrler meistert seine Moderationsaufgabe aber sehr gut. Er ist engagiert, fast schon aufgedreht und bringt tatsächlich Schwung in die Sendung. Etwas mühsam ist, wie er mit den Fans der Lindenstrasse, die einen guten Teil der Sendung einnimmt, umgeht. Markus Rickli und Barbara Knoch, zwei Mitglieder aus einem Fanclub zur deutschen Serie (<a href="http://listra-fanclub.ch">listra-fanclub.ch</a>), werden von ihm mehrfach darauf hingewiesen, was es doch für ein Highlight gewesen sein muss, als sie in Köln den Stars der Sendung nahe sein konnten &#8211; was die beiden bedeutend unaufgeregter sehen. Die fahren nämlich alle paar Jahre mal nach Köln. Barbara Knoch fand es zwar schön, die Schauspieler zu sehen und von «Mutter Beimer» <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Marie-Luise_Marjan">Marie-Luise Marjan</a> manchen Schwank aus ihrem Leben erzählt zu kriegen. Allerdings war sie auch etwas enttäuscht, «weil alles sehr klein ist, weil alles nur Attrappe ist und weil so viele Scheinwerfer da sind».</p>
<p>Weiter zu Wort kommt Michael Meisheit, der seit 15 Jahren Lindenstrasse-Drehbücher schreibt («Wir entwickeln das Drehbuch meist ein, eineinhalb Jahre im Voraus»), Werner Messmer, der für SRF Serien einkauft («Das ein Teamwork von Redaktoren und der Programmleitung, ein aufwändiger Aushandlungsprozess, die oberste Geschäftsleitung redet auch ein Wörtchen mit») und eben Ursula Ganz-Blättler, Dozentin für Medienwissenschaft an der Uni St. Gallen («Etwas wie Dexter hätte es vor 20 bis 30 Jahren nicht gegeben»).</p>
<p>Während man sich die Online-Umfrage hätte sparen müssen, ist der Einbezug des Publikums zu Beginn der Sendung ein Gewinn. Drei Hörer sind live in der Sendung: Eine gesteht, wie sie «Wege zum Glück» fast in die Sucht getrieben habe und wie sie sonnige Tage drinnen verbrachte und sich vorzeitig von ihrem Jass-Chränzli verabschiedete, um keine Folge zu verpassen &#8211; nun will sie keine neue Serie mehr anfangen. Ein anderer Hörer hat seit «Dallas» und «Denver-Clan» nichts mehr richtig gepackt. Und für einen weiteren wird Lindenstrasse zu einer ungünstigen Zeit gesendet, weil dann nämlich das Abendessen stattfindet.</p>
<p><small><a href="http://www.drs1.ch/www/de/drs1/sendungen/top/treffpunkt/2785.sh10220917.html">«Meine liebste Fernsehserie»</a> vom 24. April 2012, 9 bis 11 Uhr, Radio DRS1.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/04/25/lindenstrasse-und-lueckenfueller/">Lindenstrasse und Lückenfüller</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Die Stimme zum Znacht</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/09/16/die-stimme-zum-znacht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 16 Sep 2011 07:38:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Casper Selg ist eine der bekanntesten Schweizer Radiostimmen. Nach Jahren als Leiter des «Echo der Zeit» hat der 61-Jährige für die letzten Jahre seines Berufslebens als Korrespondent nach Berlin gewechselt. Die «Medienwoche» hat Selg an seinem neuen Arbeitsort besucht und mit dem Deutschland-Korrespondenten von Radio DRS einen Sonntagnachmmitag lang über Radiojournalismus, Reportagereisen und die Konvergenz <a href="https://medienwoche.ch/2011/09/16/die-stimme-zum-znacht/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Casper Selg ist eine der bekanntesten Schweizer Radiostimmen. Nach Jahren als Leiter des «Echo der Zeit» hat der 61-Jährige für die letzten Jahre seines Berufslebens als Korrespondent nach Berlin gewechselt. Die «Medienwoche» hat Selg an seinem neuen Arbeitsort besucht und mit dem Deutschland-Korrespondenten von Radio DRS einen Sonntagnachmmitag lang über Radiojournalismus, Reportagereisen und die Konvergenz bei der SRG gesprochen. Ausserdem erklärt Selg, wie der «Blick»-Test und der Glossen-Test funktionieren.<br />
<span id="more-28919"></span><br />
Ein schöner Septembersonntagmorgen, 11 Uhr, Casper Selg betritt das Café «Zimt + Zucker», den neuen «Spiegel», im Rest des Landes erst am Montag erhältlich, bereits in der Hand. Noch ahnt niemand, dass wir nicht eine, nicht zwei, nicht drei, nicht vier, sondern fünf Stunden über Journalismus sprechen werden, über Bern und Berlin, über 9/11 und die SRG. Tatsächlich vergeht die Zeit wie im Flug: Casper Selg, nach eigenen Angaben ein «Schnorri», erzählt, ohne zu langweilen. Probleme mit der Ausdauer bei diesem Kaffeehausmarathon haben allenfalls wir Besucher; gegen Schluss kommen sogar Bedenken auf, man könnte das Flugzeug zurück nach Zürich verpassen.</p>
<p>Den ganzen Nachmittag lang denke ich nicht daran, doch kaum höre ich zwei Sekunden der ersten<a href="http://www.drs1.ch/www/de/drs1/themen/zehn-jahre-nach-dem-11-september-2001/289131.292074.chronologie-der-11-september-2001-zum-nachhoeren.html"> Sondernachrichten vom 11. September 2001 um 15:30 Uhr</a>, wird mir sofort wieder bewusst, dass es sich bei Casper Selg um eine der bekanntesten Radiostimmen des Landes handelt. Nach langen Jahren als Redaktionsleiter ist er nun seit rund einem Jahr in Berlin, er wohnt ganz in der Nähe seines Büros an der Reinhardtstrasse, das er mit <a href="https://medienwoche.ch/2011/03/02/guttenberg-rucktritt-live/">Stefan Reinhart</a> teilt. <a href="http://www.drs4news.ch/www/de/drs4/ueber-uns/team/87706.casper-selg-information.html">Seit 1979</a> ist er als Moderator/Redaktor beim «Echo der Zeit» tätig, über die vielen Reorganisationen der letzten Jahre beim Schweizer Radio und Fernsehen kann er nur schmunzeln. Es sei erstaunlich, wie Altes neu gefeiert werde: «Die Konvergenz ist nichts wirklich Neues. Wenn die wüssten, wie eng wir Fernseh- und Radiokorrespondenten draussen auf den Aussenstationen seit vielen Jahren schon zusammenarbeiten, hätten die alle paar Tage eine Pressemitteilung dazu herausgeben können. Auch hier in Berlin arbeiten Stefan Reinhart und ich sehr eng zusammen.»</p>
<p>Das Entdecken neuer Kieze der Stadt ist der «Begleitauftrag» seiner Frau &#8211; erkundet werden die dann gemeinsam. Selg beeindruckt, wie Berlin an schwierige, gerade geschichtliche Themen mit Stil und Subtilität herangeht und spricht die erfolgreiche Renovation des Reichstags und der Museumsinsel an. Geradezu phänomenal sei, was Deutschland aus dem Osten gemacht habe. Aufgenommen fühlt er sich in Deutschland gut: «Ich dachte, man würde als Schweizer mehr beargwöhnt, aber eigentlich ist man sehr wohlgelitten. Die Schweiz hat bei allen Missetaten, also zum Beispiel beim Bankgeheimnis oder bei Abseitsstehen von der EU, sehr wenig Ressentiments hinterlassen.» Den Vortag verbrachte er an einer Veranstaltung der Berliner Partei «Die Freiheit», an der Oskar Freysinger ein Gedicht vortrug: «Es war im Wesentlichen langweilig.»</p>
<p>Nun ist er aber nicht Berlin-, sondern Deutschland-Korrespondent. Auf Reisen geht er beispielsweise, wenn die DRS-Informationssendungen von ausserordentlichen Ereignissen wie Fukushima zugestellt sind. Für ein <a href="http://www.drs2.ch/www/de/drs2/sendungen/echo-der-zeit/2646.bt10192178.html">fast zehnminütiges Feature</a> über das mehrheitlich von Rechtsradikalen bewohnte Dorf <a href="https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Jamel_%28G%C3%A4gelow%29">Jamel</a> nimmt er schon mal mehrfache Reisen durch Mecklenburg-Vorpommern auf sich.</p>
<p>Sein Credo ist, dass man auch mit Respekt sehr kritisch sein kann. Um so mehr ärgert ihn die von Leitmedien angefeuerte Empörungsmaschine: «Jeder Artikel in Deutschland muss anklagen. Bis hin zur Beleidigung. Ich kann diese Artikel und Kommentare bald nicht mehr lesen. Die Fakten sind oft noch nicht klar, schon kommt der vernichtende Kommentar. Es wird nur angeprangert, oder hochgejubelt. Dazwischen ist wenig zu sehen. Für mein Empfinden ist das ein Missverständnis, kein kritischer Journalismus.» Die Kultur des Nur-Anklagens komme auch in die Schweiz, allerdings nicht in der gleichen Schärfe. «Die Aufgabe des Journalismus, erst mal Fakten und Einordnung, Veständnishilfe zu bieten, wird vernachlässigt.»</p>
<p>Wenn er zuhört, senkt Selg seinen Kopf und starrt konzentriert auf die Tischplatte. Er ist ein grosser, schlanker Mann mit langen Fingern, sandfarbenem, angegrautem Haar, Brille und Basler Dialekt. Nach etwa einer Stunde Diskussion dreht er auf, unterstützt seine Worte mit Gesten, parodiert ehemalige Gesprächspartner. Es kommt ein Vollblutjournalist zum Vorschein, der alles andere ist als ein grauer oder langweiliger Gesprächspartner. Schnell zeigt sich die rhetorische Erfahrung des langjährigen Radiomanns: er beherrscht die Debatte mühelos und kommt auch noch Minuten später auf zu kurz gekommene Seitenaspekte der Diskussion zurück. Ich sitze ihm gegenüber, und immer, wenn er etwas sagt, was er nicht publiziert haben möchte, tippt er auf meinen geöffneten Laptop, was öfters vorkommt. Als das Gespräch auf die neuen Medien dreht, vertritt er eine Haltung, die sich als gemeinsames Verständnis unter Menschen fortgeschrittenen Alters etabliert zu haben scheint. «Ich nutze das Netz seit vielen Jahren intensiv, doch ich fange sehr unwillig an, mich mit Sozialen Medien auseinanderzusetzen. Das dort übliche Mass an Selbstdarstellung stört mich. Ich gehe davon aus, dass eine Stimme, wenn sie etwas Relevantes beizutragen hat, irgendwann auch in anderen Medien zu hören ist. Aber mir ist klar, dass das heute eine ungenügende Position ist.»</p>
<p>Ich konfrontiere ihn mit einem «Weltwoche»-Artikel von 2006 über das «Echo» mit dem vielsagenden Titel «Geistige Funkstille». Nach einem Hörtest glaubte Thomas Widmer «einen intellektuell bescheidenen, expertenfixierten, brav-bieder linken Kurs» des Formats zu erkennen. Selg winkt ab, der Text dieses Wandervogels habe ihn damals als Echo-Chef zwar genervt &#8211; aber er habe seinerzeit bewusst nicht reagiert, «weil der offenbar nichts von Radio versteht». Das dort kritisierte Korrespondentengespräch (Widmer: «eine Vervielfältigung ein und derselben Internperspektive») sei keineswegs eitle Selbstbezogenheit, sondern eines der wesentlichen Radio-Formate. «Unsere Inlandredaktion ist absolut nicht links. Die SVP hat bei uns in fast jedem Beitrag ihren Platz, egal, selbst wenn man ihre jeweilige These für plump hält.» Beim Widmer-Satz «Als Stammgäste sind Experten Weltbildbestätiger» räumt Selg dann aber doch ein, diese Gefahr bestehe durchaus. Die Auswahl der Gesprächspartner werde von der «Echo»-Redaktion aber stets sorgfältig vorgenommen: «Wir fragten uns bei jedem Experten, ob er wirklich auch Experte ist. Wir achteten in diesem Sinne stets sehr darauf, wen wir nehmen.»</p>
<p>Wer Selg Engagement vorwirft, muss auch den klaren, nüchternen Denker anerkennen, der gerne empirisch vorgeht. So führt er bei strittigen Entscheidungen Tests durch. «Kann ich mir dieses Vorgehen als öffentlich-rechtlicher Journalist erlauben, wenn ich damit auf der Blick-Titelseite lande?» fragt zum Beispiel der «Blick»-Test, der als simple Richtlinie für heikle Entscheidungen dient. Denn man müsse sich, in allem, was man mache, immer bewusst sein, dass man dem Gebührenzahler verpflichtet sei. Auch die Entscheidung, ob eine Glosse publiziert wird oder nicht, muss durch einen Test: «Vier Leute hören zu, mindestens drei müssen regelmässig schmunzeln. Wenn das nicht so ist, fällt der Beitrag raus.» Bestanden hat diesen Test zum Beispiel <a href="http://www.drs1.ch/www/de/drs1/sendungen/echo-der-zeit/2646.bt10189740.html">diese Glosse</a> zum Kuhschweizer Tatort oder <a href="http://www.drs2.ch/www/de/drs2/sendungen/echo-der-zeit/2646.bt10064102.html">diese</a> über das Branding von Alpiq.</p>
<p>Bei wie vielen Znachts Schweizer Familien hat er zu Schinken, Käse, Tee und Brot auf DRS1 (um 18 Uhr) oder DRS2 (um 19 Uhr) halblaut im Hintergrund wichtige Hintergrundinformationen zum Weltgeschehen erzählt? Man kann es ausrechnen: Eine sehr aufmerksame Familie, die rituell «Echo der Zeit» einschaltet, hat der Sendung in 32 Jahren 375 volle Tage zugehört (325 Minuten pro Woche x 52 Wochen x 32 Jahre = 540.800 Minuten). «Echo der Zeit» wird seit dem 17. September 1945 ausgestrahlt, gegen 600.000 Menschen sollen die Sendungen täglich verfolgen.</p>
<p>Casper Selg ist sich bewusst, dass er als DRS-Mitarbeiter im Vergleich zu anderen Journalisten unter vergleichsweise komfortablen Bedingungen arbeitet. Man merkt, dass ihm das Öffentlich-Rechtliche am Herzen liegt &#8211; bei der Diskussion um die SRG ist er darum auf Konsens bedacht, einen Kampf mit der Politik will er vermeiden: «Eine Fokussierung auf die Kernaufgabe wäre angebracht. Beim Verzicht auf populäre Formate muss man dann aber – schlimmstenfalls – auch geringere Quoten in Kauf nehmen.»</p>
<p><small>Das Gespräch mit Casper Selg fand am 4. September 2011 in Berlin statt. Mit am Tisch sassen René Worni, Nick Lüthi, Thomas Paszti und Edith Hollenstein.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/09/16/die-stimme-zum-znacht/">Die Stimme zum Znacht</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>So klingt der Röstigraben</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/02/28/so-klingt-der-rostigraben/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[René Worni]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 28 Feb 2011 16:49:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wer das erste Programm des Westschweizer Radios hört, fühlt sich – verglichen mit dem Deutschschweizer Pendant – schnell einmal anregender informiert, näher am Geschehen dran und findet womöglich eine neue Radioheimat. Ein Vergleich. La Première («La 1ère»), wie das erste Programm von Radio Suisse Romande simpel heisst, ist im Vergleich zu Radio DRS 1 ein <a href="https://medienwoche.ch/2011/02/28/so-klingt-der-rostigraben/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Wer <a href="http://www.rsr.ch/la-1ere/" target="_blank">das erste Programm des Westschweizer Radios</a> hört, fühlt sich – verglichen mit dem <a href="http://www.drs1.ch/www/de/drs1.html" target="_blank">Deutschschweizer Pendant</a> – schnell einmal anregender informiert, näher am Geschehen dran und findet womöglich eine neue Radioheimat. Ein Vergleich.<br />
<span id="more-28738"></span><br />
La Première («La 1ère»), wie das erste Programm von Radio Suisse Romande simpel heisst, ist im Vergleich zu Radio DRS 1 ein Feuerwerk. Die Moderation ist frisch, schnell und geistreich und wirkt authentisch. Als Zuhörer fühlt man sich ernst genommen, also nicht in die Schublade der Jugendlichen, der Alten, Intellektuellen, der trägen Masse oder sonst einer Zielgruppe entsorgt. Debatten und Reportagen sind die Markenzeichen. Die Programmstruktur ist übersichtlich in meist einstündige Blöcke gegliedert, man findet sich schnell und intuitiv darin zurecht. Sie ist nicht bis in die Minuten verästelt wie bei DRS 1. Beim Zuhören fühlt man sich auf der Höhe der Zeit.</p>
<p>Bei DRS 1 scheint es etwas komplizierter. Die Moderation wirkt in ihrer Tonalität bemüht, Spektakuläres zu vermeiden. Begeisterung und Ausgelassenheit sind wohl ausschliesslich dem Ressort Sport erlaubt. Es entsteht bisweilen der Eindruck, DRS 1 versuche an Ueli Becks Jahrhundertstimme und ihren Duft nach frischem Kaffee und Gipfeli anzuknüpfen. Doch Beck ist nicht mehr. Regi Sager, Mike La Marr oder Bernhard Siegmann (um nur drei zu nennen) tönen dagegen wie aus dem Animationsprogramm eines bunten Nachmittages im Altersheim.<br />
Zum Glück gibt es Ausnahmetalente: Joschi Kühne etwa kann selbst belanglose Kost noch so vermitteln, dass man sich akustisch nicht ausklinkt. Oder man tröstet sich einigermassen mit der mäandrierenden Vokalmelodie von Michael Brunners Oberwalliserdeutsch.</p>
<p>Doch warum ist «La 1ère» näher bei den Leuten? Zunächst sticht ein ausgeprägter Sinn für Humor und Satire ins Ohr. Täglich (!) zwischen 11 und 12 Uhr liefern sich <a href="«Les Dicodeurs»" target="_blank">«Les Dicodeurs»</a> live vor Publikum eine wahre Schlacht an Wortspielen und Pointen, ein ausgelassenes und von Laurence Bisang geschickt geleitetes Chaos, das sich im politsatirischen Magazin <a href="http://soupe.rsr.ch/" target="_blank">«La Soupe»</a> am Sonntagmittag (ebenfalls vor Publikum) in potenzierter Form fortsetzt. Eine bunte Truppe aus Schauspielern, Kabarettisten und Kulturschaffenden unter den Fittichen von Produzentin Anne Baecher zieht alles durch den Kakao, was die Woche hergibt. Bei Bedarf lassen sie sich auch am jeweiligen Gast der Sendung aus. Letzthin geriet <a href="http://soupe.rsr.ch/?p=2720" target="_blank">Emmanuel Kilchenmann</a>, der Präsident der jungen CVP Freiburgs, zum Thema Waffenexporte ins Kreuzfeuer. Frühere Gäste waren etwa Ständerat und EU-Abgeordneter <a href="http://soupe.rsr.ch/?p=2602" target="_blank">Dick Marty</a> oder <a href="http://soupe.rsr.ch/?p=2539" target="_blank">Manon Schick</a>, die neue Chefin von Amnesty International Schweiz. Beim Deutschschweizer Pendant findet Satire auf diesem Niveau – ungeschnitten und vor Publikum – nirgends statt. Genauso wenig findet auf DRS 1 Medienkritik statt. Anders «La 1ère»: wochentags gibt es jeweils um 9.30 das halbstündige <a href="http://www.rsr.ch/#/la-1ere/programmes/medialogues/" target="_blank">Medienmagazin «Médialogues»</a>.</p>
<p>Weiter fällt die Präsenz von internationalen Themen in zahlreichen Sendungen auf. Das Ausland und vor allem die Länder des Südens scheinen in der Romandie näher, das Interesse daran selbstverständlicher, was in den Sendungen entsprechend hörbar ist. So strahlte «La 1ère» am 20. Februar in der Sendung <a href="http://www.rsr.ch/#/la-1ere/programmes/de-quoi-j-me-mele/?date=20-02-2011" target="_blank">«De quoi j’me mêle»</a> die Tunesien-Reportage von Magali Philip aus, welche junge Revoltierende in den Städten Sidi Bouzid (wo alles begann), Kasserine und Tunis besucht hat und sie direkt ins Mikrophon erzählen liess. Die Menschen haben Namen und Konturen und die Revolution in Tunesien bekommt ein «hörbares» Gesicht. Später analysierte der Sender auch die Bedeutung der Revolte speziell für die tunesischen Frauen.</p>
<p>Am selben Sonntag sendete DRS 1 am Vormittag das Porträt einer Schweizer Auswanderin in Kanada. Moderator Bernhard Siegmann: «Deet hät d’Familie Hegetschwiler-Zahner e Milchfarm mit föifedachzg Maschtochse, enere Chicoreezucht und miteme chliine Spargelgarte, s’grosse Hobby vo de Margrit Zahner. Ich han de 48-jährige Margrit Zahner telefoniert – grüezi Frau Zahner!» Am Nachmittag ein weiteres Porträt, diesmal von Karl Emmenegger, ex Nati-Handballer und seit Jahrzehnten im Rollstuhl, später einen Beitrag über das Kunstmuseum Thun mit einer Ausstellung zum Leben der Bauern. Erst im «Echo der Zeit» kamen aktuelle Themen zur Sprache und in der Sendung «International» schliesslich ein Schauplatz von Martin Alioth über die Auswirkungen des wirtschaftlichen Niedergangs in Irland. Auf «La 1ère» lief währenddessen unter anderem das Filmmagazin <a href="http://www.rsr.ch/#/la-1ere/programmes/synopsis/" target="_blank">«Synopsis»</a>, die Highlights der Woche aus <a href="http://www.rsr.ch/#/la-1ere/programmes/un-dromadaire-sur-l-epaule/" target="_blank">«Un dromadaire sur l’épaule»</a>, einer Sendung mit täglichen Reportagen aus einem wöchentlich wechselnden Schauplatz (aus Schweden, letzte Woche aus Madrid, diese Woche aus Wladiwostock) sowie das Politmagazin <a href="http://www.rsr.ch/#/la-1ere/programmes/forum/" target="_blank">«Forum»</a> mit Beiträgen und Debatten zur Libyenkrise und den zu erwartenden Flüchtlingsströmen aus Nordafrika unter Einbezug massgeblicher Experten.</p>
<p>Die kleine Schau auf die Sendungen der beiden ersten Radioprogramme der SRG in der Deutsch- und Westschweiz legt nahe: Journalistisches Fieber und Interesse am «Vorortsein», um die Zuhörerschaft möglichst hautnah teilhaben zu lassen, ist bei Radio DRS im Vergleich mit den Kollegen von RSR kaum spürbar. Wird die Reportage als Disziplin versucht, ist sie auf DRS 1 meist harmlos (zum Beispiel «Treffpunkt» aus dem Basler Reinhafen oder «Was tun, wenn die Kinder ausgeflogen sind?») oder aber sie wird in den Flaggschiffen «Echo der Zeit», «Rendez-vous am Mittag» oder «International» verschämt versteckt. Die Originaltöne wirken dann mangels Zeit eher als Zugabe, um der Form Genüge zu tun. So gesehen beweisen die Macherinnen und Macher von «La 1ère» täglich, was DRS 1 eigentlich auch noch sein könnte: ein abwechslungsreiches Radio, das seine Zuhörerschaft ernst nimmt und ihnen auch etwas zumutet.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/02/28/so-klingt-der-rostigraben/">So klingt der Röstigraben</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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