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	<title>Fakten | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Mon, 18 May 2020 15:36:22 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Falsche Gleichgewichtung: Fakten und wie man nicht mit ihnen umgeht</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2020/05/18/falsche-gleichgewichtung-fakten-und-wie-man-nicht-mit-ihnen-umgeht-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 May 2020 15:36:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Fakten]]></category>
		<category><![CDATA[Klimaleugner]]></category>
		<category><![CDATA[Coronavirus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>COVID-19, der Klimawandel oder meinetwegen auch die Evolution: das Wissen über all diese Themen ist mit einem überragenden Konsens gesegnet. Das ist trotzdem kein Anlass für einige wenige, dem nicht zu widersprechen. Und das ist auch ihr gutes Recht. Doch wie die Medien mit solchen Leuten umgehen und das wahrgenommene Verhältnis zwischen den Gruppen verändern, <a href="https://youtu.be/0kyCPvu8j9M">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>COVID-19, der Klimawandel oder meinetwegen auch die Evolution: das Wissen über all diese Themen ist mit einem überragenden Konsens gesegnet. Das ist trotzdem kein Anlass für einige wenige, dem nicht zu widersprechen. Und das ist auch ihr gutes Recht. Doch wie die Medien mit solchen Leuten umgehen und das wahrgenommene Verhältnis zwischen den Gruppen verändern, ist aktueller denn je.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2020/05/18/falsche-gleichgewichtung-fakten-und-wie-man-nicht-mit-ihnen-umgeht-2/">Falsche Gleichgewichtung: Fakten und wie man nicht mit ihnen umgeht</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Warum Fakten heiliger denn je sind</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2018/06/13/warum-fakten-heiliger-denn-je-sind/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 Jun 2018 06:00:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Auf dem Radar]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Fakten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine gefährliche Tendenz, die sich in weiten Bereichen des Journalismus beobachten lässt: Der Stellenwert der Fakten erodiert. «An die Stelle des Fakts tritt schleichend das Narrativ. Journalisten sind entsprechend nur noch dazu da, Leute erzählen zu lassen, wie sie etwas erlebt haben, wie sie etwas empfinden – oder, was sie irgendwo von irgendjemandem gehört haben. Und ehe man sich‘s versieht, ist alles beliebig.» Mit Journalismus habe das nicht mehr viel zu tun, schreibt Dr. Deutsch bei den Salonkolumnisten: «Meinung ohne Fakten ist bestenfalls Literatur, aber kein Journalismus.»</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Eine gefährliche Tendenz, die sich in weiten Bereichen des Journalismus beobachten lässt: Der Stellenwert der Fakten erodiert. «An die Stelle des Fakts tritt schleichend das Narrativ. Journalisten sind entsprechend nur noch dazu da, Leute erzählen zu lassen, wie sie etwas erlebt haben, wie sie etwas empfinden – oder, was sie irgendwo von irgendjemandem gehört haben. Und ehe man sich‘s versieht, ist alles beliebig.» Mit Journalismus habe das nicht mehr viel zu tun, schreibt Dr. Deutsch bei den Salonkolumnisten: «Meinung ohne Fakten ist bestenfalls Literatur, aber kein Journalismus.»</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/06/13/warum-fakten-heiliger-denn-je-sind/">Warum Fakten heiliger denn je sind</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Fakten sind im Journalismus überbewertet</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2017/10/31/fakten-sind-im-journalismus-ueberbewertet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 31 Oct 2017 13:23:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Auf dem Radar]]></category>
		<category><![CDATA[Fakten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Fixierung auf «nackte» Fakten als Grundlage der journalistischen Berichterstattung verstelle den Blick auf die gesellschaftliche Rolle des Journalismus, findet Stephen J. A. Ward auf Mediashift. Erst die Interpretation der Fakten mache die Leistung des Journalismus aus. Nicht Neutralität, sondern «Unparteilichkeit im Dienste des demokratischen Engagements» sei das richtige Ziel, schreibt Medienethiker Ward.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Fixierung auf «nackte» Fakten als Grundlage der journalistischen Berichterstattung verstelle den Blick auf die gesellschaftliche Rolle des Journalismus, findet Stephen J. A. Ward  auf Mediashift. Erst die Interpretation der Fakten mache die Leistung des Journalismus aus. Nicht Neutralität, sondern «Unparteilichkeit im Dienste des demokratischen Engagements» sei das richtige Ziel, schreibt Medienethiker Ward.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/10/31/fakten-sind-im-journalismus-ueberbewertet/">Fakten sind im Journalismus überbewertet</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Jetzt wäre erst recht Präzision gefragt</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2017/02/26/jetzt-waere-erst-recht-praezision-gefragt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[René Zeyer]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 Feb 2017 10:06:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Historiker]]></category>
		<category><![CDATA[Robert Kagan]]></category>
		<category><![CDATA[Washington Post]]></category>
		<category><![CDATA[Tages-Anzeiger]]></category>
		<category><![CDATA[Donald Trump]]></category>
		<category><![CDATA[Fakten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Realität wäre eigentlich schon düster genug. Doch manche Medien meinen die Verfehlungen des US-Präsidenten umso dramatischer erscheinen zu lassen. Zwei aktuelle Beispiele von Washington Post und Tages-Anzeiger unter der Lupe. «Die Wahrheit ist konkret», sagte Bertolt Brecht ganz richtig. Gerade hat sich die «Washington Post» die Mühe gemacht, alle Aussagen von Donald Trump seit seinem <a href="https://medienwoche.ch/2017/02/26/jetzt-waere-erst-recht-praezision-gefragt/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Realität wäre eigentlich schon düster genug. Doch manche Medien meinen die Verfehlungen des US-Präsidenten umso dramatischer erscheinen zu lassen. Zwei aktuelle Beispiele von Washington Post und Tages-Anzeiger unter der Lupe.</strong><br />
<span id="more-33110"></span><br />
«Die Wahrheit ist konkret», sagte Bertolt Brecht ganz richtig. Gerade hat sich die «Washington Post» die Mühe gemacht, alle Aussagen von Donald Trump seit seinem Amtsantritt von Faktencheckern überprüfen zu lassen. Sie kam, Stand 25. Februar, <a href="https://www.washingtonpost.com/graphics/politics/trump-claims/" target="_blank">auf 140 «falsche oder irreführende Behauptungen»</a> (Stand 26.2.). Unbestreitbar eine beeindruckende Zahl, die gerade die Runde macht in vielen Medien. Schauen wir sie uns genauer an: Wenn wir das Kriterium «falsch» nehmen, das in der Auflistung zusätzlich mit vier Pinocchio-Köpfen ausgezeichnet ist, schrumpft die Gesamtzahl bereits auf bescheidene 10 – , Mehrfachzählungen ausgenommen. Dabei wird Trumps Behauptung, er habe bereits Milliarden an Staatsausgaben eingespart, insbesondere bei der Bestellung einer neuen Air Force One, vier Mal gezählt, seine Behauptung, illegale Einwanderer hätten mitgewählt, drei Mal. Bei ganz genauer Betrachtung ist lediglich Trumps Aussage, die Mordrate sei in den USA auf einem neuen Höchststand, einwandfrei falsch. Für alle anderen ihm als Fake unterstellten Aussagen, beispielsweise dass er schon immer gegen den Irak-Krieg gewesen sei, dass er Auszeichnungen für Beiträge zum Umweltschutz bekommen habe, wurden einfach keine ausreichenden Belege gefunden und sie deshalb als falsch qualifiziert.</p>
<p>Damit bleiben 130 «irreführende Behauptungen», also schlichtweg Äusserungen, die innerhalb des breiten Spektrums der Interpretation, dem Zurechtbiegen von Darstellungen der Wirklichkeit sind. Wie es überall Gang und Gebe ist, wenn beispielsweise ein Unternehmen einen Verlust bekanntgeben muss, aber in erster Linie darauf hinweist, dass sein Gewinnrückgang kleiner als bei vergleichbaren Konkurrenten ausgefallen sei und man daher grossartig gewirtschaftet habe. Weil sich aber die meisten Journalisten, die diese Meldung der «Washington Post» weiterverbreiteten, nicht die Mühe genommen haben, die Beweislage genauer anzuschauen, kann sich Trump leider nicht zu Unrecht darüber beschweren, dass Fake News über ihn verbreitet werden. Es ist unbestreitbar, dass er selbst es mit der Wahrheit nicht allzu genau nimmt. Es ist aber genau so unbestreitbar, dass neben unsäglichen Verunglimpfungen als Faschist, Diktator und Wahnsinniger die Medien auf der Faktenebene ebenfalls den Bereich der erlaubten Interpretation verlassen – oder zu wenig kritisch nachfragen, wenn es Experten mit den Fakten nicht so genau nehmen.</p>
<p>Aktuelles Beispiel dafür ist das <span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/amerika/amerika-ist-unter-trump-nicht-faschistisch-geworden-noch-nicht/story/27834635" target="_blank">Interview des «Tages-Anzeiger»</a></span> mit dem US-Historiker Robert Kagan. Kagan ist eine einflussreiche konservative Stimme, Mitbegründer von Think Tanks und ehemaliges Mitglied der Republikanischen Partei, deren Präsidentschaftskandidaten er lauthals unterstütze, bis er sich gegen Donald Trump aussprach.</p>
<p>Mit der Wahl Trumps ist nun ein «Alptraum» für ihn Realität geworden. Als Begründung führt Historiker Kagan unter anderem an, dass Trump, was die Aussenpolitik betrifft, ignoriere, «dass sich die USA 70 Jahren lang für eine liberale Weltordnung stark gemacht haben». Nicht nur Länder wie Guatemala, Chile oder Vietnam dürften das etwas anders sehen, weil sich hier die USA für eine militärisch-imperialistische Politik im Kampf gegen den Kommunismus und was sie dafür hielten stark gemacht haben, mit schmutzigen Methoden demokratisch gewählte Regierungen stürzten oder im Fall Vietnams zahllose Kriegsverbrechen begangen. Nebenbei Kambodscha in die Steinzeit bombten und in Laos Hunderttausende von Minen zurückliessen, ohne sich bis heute der Verantwortung für begangene Taten zu stellen.</p>
<p>Im Interview wird Kagan seine Aussage im Präsidentschaftswahlkampf vorgehalten, dass «der Faschismus nach Amerika komme», sollte Trump gewählt werden. Ob das nun der Fall sei, wird Kagan gefragt, und kommt mit der Antwort davon, Originalübersetzung «Tages-Anzeiger»: «Amerika sind nicht faschistisch geworden unter Trump – noch nicht.» Weiter wird Kagan mit seiner damaligen Unterstützung des Einmarschs der USA in den Irak konfrontiert, ob das nicht ein Fehler gewesen sei? Kagans launige Antwort: «Als Historiker weigere ich mich, die Geschichte rückwärts zu schreiben. Tatsächlich hatte der Krieg negative Folgen, er wurde schlecht geführt und basierte auf falschen Annahmen der Geheimdienste. Aber ich bin dankbar, dass Saddam Hussein nicht mehr an der Macht ist.» Warum? «Saddam Hussein war nicht nur ein schrecklicher Diktator, er hatte bereits zwei Nachbarländer angegriffen, den Iran und Kuwait.»</p>
<p>Was Kagan in seiner «alternativen» Geschichtsschreibung zu erwähnen vergisst: den Jahre dauernden und grausamen Krieg gegen den Iran führte Hussein mit Einwilligung und mit militärischer Unterstützung (Stichwort Irangate) durch die USA. Und vor dem Einmarsch Saddams in Kuwait signalisierten ihm die USA, dass sie weder eine Meinung zu innerarabische Streitigkeiten hätten noch ein Verteidigungsabkommen mit Kuwait. Was der Diktator als Carte Blanche für die Invasion nahm. Eine frühe Sternstunde «alternativer Fakten» war dann die sogenannte Brutkastenlüge. Eine junge Kuwaiterin erzählte vor dem US-Kongress unter Tränen, dass sie eine Hilfsschwester in einem kuwaitischen Spital gewesen sei und gesehen habe, wie irakische Soldaten eindrangen und Neugeborene aus den Brutkästen gerissen hätten. Erst nach der «Befreiung» Kuwaits wurde bekannt, dass das Mädchen in Wirklichkeit die Tochter des kuwaitischen Botschafters in den USA war und der Propaganda-Coup von der PR-Agentur Hill &amp; Knowlton, bezahlt von der kuwaitischen Exil-Regierung, inszeniert worden war.</p>
<p>Getoppt werden diese «alternativen Fakten» nur noch durch die Erfindung von «Massenvernichtungswaffen» im Besitz des irakischen Diktators, deren Existenz vom damaligen US-Aussenminister Colin Powell vor dem Weltsicherheitsrat der UNO mit höchster Autorität vorgetragen wurde, um die Notwendigkeit einer Invasion des Iraks zu begründen. Eine der grössten Fake-News dieses Jahrtausends. Später bezeichnete Powell diese Lügengeschichte als «Schandfleck» in seiner Karriere.</p>
<p>Natürlich machen diese Beispiele und der zumindest selektive Umgang Kagans mit historischen Tatsachen Trumps Umgang mit der Wahrheit nicht besser. Aber die Erregung darüber, dass er eins ums andere Mal lügt oder zumindest irreführende Behauptungen aufstellt, ist reine Heuchelei. Das war und ist ein normaler Bestandteil der Politik. Dagegen wäre es die Aufgabe der Presse, in diesem konkreten Beispiel Aufgabe des «Tages-Anzeiger», einen einflussreichen Historiker damit zu konfrontieren, dass er tatsächlich die Geschichte rückwärts umschreibt, verantwortungslos die Faschismus-Keule geschwungen hat und sehr «alternative Fakten» bei der Beschreibung historischer Ereignisse verwendet. Aber das stillschweigende Einverständnis zwischen Interviewer und Interviewtem, dass Trump ganz furchtbar ist, verhindert das. Und gibt Trump, sehr bedauerlich, einmal mehr recht, wenn er sich über die Berichterstattung vieler Medien beschwert.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/02/26/jetzt-waere-erst-recht-praezision-gefragt/">Jetzt wäre erst recht Präzision gefragt</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>War on Facts</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2017/01/26/war-on-facts/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Adrian Lobe]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Jan 2017 09:58:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Donald Trump]]></category>
		<category><![CDATA[Fakten]]></category>
		<category><![CDATA[Scripted Reality]]></category>
		<category><![CDATA[TV-Show]]></category>
		<category><![CDATA[War in Facts]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>US-Präsident Donald Trump hat nicht nur den ihm missbliebigen Medien den Kampf angesagt, viel mehr führt er einen Krieg gegen die Fakten. Von den Gefahren einer Politik als Reality-Show. US-Präsidenten führen bekanntlich Krieg. So rief Richard Nixon den War on Drugs aus, George W. Bush den War on Terror. Quasi als erste Amtshandlung zieht nun <a href="https://medienwoche.ch/2017/01/26/war-on-facts/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/01/26/war-on-facts/">War on Facts</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>US-Präsident Donald Trump hat nicht nur den ihm missbliebigen Medien den Kampf angesagt, viel mehr führt er einen Krieg gegen die Fakten. Von den Gefahren einer Politik als Reality-Show.<br />
<span id="more-33101"></span><br />
US-Präsidenten führen bekanntlich Krieg. So rief Richard Nixon den War on Drugs aus, George W. Bush den War on Terror. Quasi als erste Amtshandlung zieht nun Donald Trump in den War on Facts – undeklariert zwar, aber dennoch deutlich wahrnehmbar. Gleich nach der Inauguration legte sich Trump mit den Fakten an und bestritt das offensichtlich schwache Publikumsinteresse an den Festivitäten rund um seine Vereidigung. Seien Beraterin kreierte für das Schönreden unbestreitbarer Fakten den Begriff der «alternativen Fakten» –  als gäbe es verschiedene Lesarten von Fakten.</p>
<p>Natürlich gehören Lügen seit jeher zur Politik. Schon Cicero wetterte in seinen «Reden gegen Verres»: «Die Kapitäne lügen, die unbescholtenen Gemeindebehörden lügen, ganz Sicilien lügt.» Die Herrschaft der Fakten war immer ein Ideal, Politiker verdrehten Tatsachen, tischten Lügen auf und führten die Öffentlichkeit hinters Licht. Der frühere US-Aussenminister Colin Powell begründete den Irak-Krieg vor den Vereinten Nationen mit manipulierten Beweisen, was er später öffentlich bereute. Doch so dreist wie Donald Trump hat noch kein US-Präsident gelogen. Die «Huffington Post» wies ihm in einer einstündigen Rede, die er noch als Kandidat gehalten hatte, 71 Faktenfehler nach. Bei einer Pressekonferenz vor seiner Amtseinführung raunzte er den CNN-Reporter Jim Acosta an: «Dir gebe ich keine Frage, Ihr seid Fake-News!» Spätestens hier wurde deutlich, dass Fake-News ein Kampfbegriff ist, mit dem man dem politischen Gegner die Glaubwürdigkeit abspricht.</p>
<p>Die Behauptung von einem «postfaktischen Zeitalter» verkennt drei zentrale Punkte. Erstens: Das Phänomen ist nicht neu. Das Parlament von Connecticut verabschiedete 1893 ein Gesetz, das Personen bestrafte, die «fake» news (sic!) an Zeitungen schickten. Nachdem der US-Politiker und Aussenminister William Jennings Bryan 1896 bei der Präsidentschaftswahl unterlag, gründete er seine eigene Tageszeitung, «The Commoner», die gegen die «Epidemie der Fake-News» zu Felde zog. Zweitens: Das Problem liegt nicht nur bei der Produktion von Fake-News, die durch die monetären Anreizsysteme und die algorithmische Automatisierung der Nachrichtenauslese begünstigt wird, sondern auch in der Rezeption: Viele Nachrichtenkonsumenten sind empfänglich für montierte Berichte, weil sie einfache und eindeutige Erklärungen komplexen Abwägungen vorziehen. Und drittens: Fake-News sind nicht nur ein medientheoretisches Problem, sondern vor allem ein epistemologisches. Der neue US-Präsident führt nicht nur einen Krieg gegen die Medien, wie er kampfeslustig offenbarte, sondern auch gegen die Wirklichkeit.</p>
<p>Trump ist eine semifiktionale Figur aus dem Reality-Fernsehen. Die Ankündigung seiner Präsidentschaftskandidatur geriet zur Fortsetzung der Staffel «The Apprentice»: Wie er mit seiner Frau Melania wie ein Halbgott die Rolltreppe in seinem pompösen Tower herunterfuhr, wie er mit seiner Entourage die Bühne betrat und den «Tausenden» Fans (in Wirklichkeit waren es nur ein paar Hundert) zujubelte, wirkte wie eine Seifenoper, wie Scripted Reality.</p>
<p>Sein Start in die Politik war eine einzige Inszenierung, ein Fake. Trump bestellte bei der Agentur Crowds on Demand ein paar Claqueure, die ihm für 50 Dollar drei Stunden lang in weissen T-Shirts mit der Aufschrift «Make America Great Again» zujubelten. Sie waren nur die Statisten einer Show. Trump haftete von Anfang an etwas Fiktionales an: Seine Wahlversprechen waren fiktiv, und auch sein Habitus vom kompromisslosen Self-Made-Man, der mit der Faust auf den Tisch haut und Deals aushandelt und nebenbei die politische Klasse in Washington verschrottet, war fingiert – genauso wie die Zahl der Stockwerke in seinem Tower, die den Bewohnern eine Höhe suggeriert, die es realiter gar nicht gibt.</p>
<p>Für Trump ist Politik eine Reality Show, in der er die Wirklichkeit nachbildet und seine Wirklichkeit erfindet. Seine Tweets sind lediglich das Skript. Für den US-Präsidenten gibt es auch keine reale Freiheit, sondern lediglich die grosse Geste und Erzählung. Als Trump die skurrile Pressekonferenz vor seinem Amtsantritt mit dem Satz «You’re fired» (der Spruch aus der TV-Show «The Apprentice» wurde zu seinem Markenzeichen) beendete, fragte sich der Zuschauer: War das nun die Fortsetzung des Reality TV? Scripted Reality? Oder schon Realsatire? Kein Wunder, dass mancher Fernsehkritiker ins Grübeln über das echte und gespielte Leben kommt.</p>
<p>Der Facebook-Investor Peter Thiel, der Donald Trump im Wahlkampf als einer der wenigen Digital-Unternehmer aus dem Silicon Valley unterstützte, sagte im Oktober bei einem Auftritt vor dem National Press Club in Washington: «Eine Sache, die man unterscheiden muss, ist, dass die Medien Trump wörtlich nehmen. Ich denke, dass viele Wähler, die für Trump stimmten, ihn ernst, aber nicht wörtlich nahmen.» Ein feiner Unterschied. Deshalb läuft auch jeder Fakten-Check ins Leere, weil er an der falschen Ebene ansetzt. Jeder weiss, dass Scripted-Reality-Shows wie «The Apprentice» oder Wrestling-Events, an denen Trump teilnahm, gestellt sind. Jeder Versuch, diesen Plot zu dekonstruieren und in seine faktischen Einzelteile zu zerlegen, wirkt lächerlich. Trump als Lügner zu demaskieren ist so erkenntnisstiftend wie zu schreiben, bei der Castingshow «Deutschland sucht den Superstar» gehe es gar nicht darum, einen Superstar zu finden. Insofern wirken die Bemühungen der «New York Times» und anderer Medien, Trumps «alternative Fakten» zu widerlegen, auch reichlich hilflos.</p>
<p>Trumps Krieg gegen die Wirklichkeit besteht darin, dass er seine Politik der Logik der Reality TV unterwirft, in der etablierte und bewährte Spielregeln des politischen Betriebs (Verfassungstreue, Respektierung der Grundrechte, Achtung von Minderheiten) nicht mehr gelten und Medien nur noch Zuschauer sind. Die Folge ist, dass die Lüge gar nicht mehr sanktioniert wird, weil sie als akzeptiertes Stilmittel und Schmiermittel seiner Show-Politik quasi mit dazugehört.</p>
<p>Der Journalist Ned Resnikoff schrieb in einem brillanten Beitrag für den News-Blog «Think Progress:» «Wenn Bush [und sein Berater, Anm. d. Red.] Rove eine Fantasy-Welt mit einer klaren internen Logik konstruierten, hat Trump so etwas wie einen niemals endenden Albtraum geschaffen. In seinem politischen Universum sind Fakten unstet und vergänglich.» Es sei mehr Kafka als Herr der Ringe. «Wenn Fake-News omnipräsent werden, werden alle Nachrichten verdächtig», so Resnikoff: «Alles sieht zunächst aus wie eine Lüge.»</p>
<p>Das Problem lässt sich nicht dadurch lösen, indem man Fake-News mit dem Staubsauger filtert und dabei riskiert, auch Satire und missliebige Meinungen zu entsorgen, sondern indem man Politik in einen Raum zurückführt, in dem der Unterschied zwischen Wahrheit und Lüge sowohl sprachlich als auch inhaltlich geschärft wird. Trumps Aussagen sind als das zu begreifen, was sie sind: Fiktion.</p>
<p>«Trumps Einsatz von Fiktion als Regierungswerkzeug kann Künstler nur verzweifeln lassen», schrieb Justin Davidson kürzlich im «New York Magazine». «Er hat fremdartige Plot-Drehungen in blasse Nachahmung verwandelt und lässt jede imaginierte Groteske weich erscheinen.» Der Autor konstatiert ernüchtert: «Es gibt da keine Position, keine Ideologie, keine Strategie. Es gibt nur Donald Trump, ein erfundener Charakter, der über Jahre öffentlicher Darstellung geschliffen wurde. Diese Person hat keine Verwendung für Realitäten hinter der Kulisse.» Trump lehne den Klimawandel nicht deshalb ab, weil es seine kurzfristigen Interessen zuwiderläuft, sondern weil es Wissenschaft ist.</p>
<p>Der Philosoph und Physiker Eduard Kaeser schrieb in der NZZ: «Die Zersetzung der Demokratie beginnt mit der Zersetzung ihrer erkenntnistheoretischen Grundlagen.» Trumps War on Facts dürfte noch einen viel grösseren Schaden hinterlassen als Bushs «War on Terror».</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/01/26/war-on-facts/">War on Facts</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Rettet die Fakten!</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/11/04/rettet-die-fakten/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Adrian Lobe]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 04 Nov 2016 11:26:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Fakten]]></category>
		<category><![CDATA[Faktebnprüfung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Sie tun eigentlich nur das, was Journalismus im Kern ausmacht: Faktencheck-Portale prüfen Aussagen auf ihren Wahrheitsgehalt und ordnen sie in einen breiteren Kontext ein. Der globale Boom dieser spezialisierten Plattformen kann als Reaktion gesehen werden auf die anhaltende Vertrauenskrise der Medien. Doch auch die Faktenprüfer stehen in der Kritik. «Fakten, Fakten, Fakten», lautete der Leitsatz des <a href="https://medienwoche.ch/2016/11/04/rettet-die-fakten/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/11/04/rettet-die-fakten/">Rettet die Fakten!</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Sie tun eigentlich nur das, was Journalismus im Kern ausmacht: Faktencheck-Portale prüfen Aussagen auf ihren Wahrheitsgehalt und ordnen sie in einen breiteren Kontext ein. Der globale Boom dieser spezialisierten Plattformen kann als Reaktion gesehen werden auf die anhaltende Vertrauenskrise der Medien. Doch auch die Faktenprüfer stehen in der Kritik.<br />
<span id="more-28366"></span><br />
«Fakten, Fakten, Fakten», lautete der Leitsatz des ehemaligen «Focus»-Chefredakteurs Helmut Markwort, den er jede Woche im Werbefernsehen vortrug. Das ist inzwischen schon ein paar Jahre her, und auch der «Focus» hat schon bessere Zeiten erlebt. Doch irgendwas muss mit diesen Fakten passiert sein. Auf der ganzen Welt schiessen Faktencheck-Portale wie Pilze aus dem Boden: von Montevideo über Mexiko City bis in den Himalaya nach Nepal.</p>
<p>Allein in den USA gibt es ein gutes Dutzend spezialisierter Angebote zur Überprüfung von Fakten. «<a href="http://factcheck.org/" target="_blank">FactCheck.org</a>» oder «<a href="http://www.politifact.com/" target="_blank">PolitiFact.com</a>» prüfen Aussagen von Politikern. Daneben betreiben auch grosse Zeitungen wie die «<a href="https://www.washingtonpost.com/news/fact-checker/" target="_blank">Washington Post</a>» oder «<a href="http://www.nytimes.com/interactive/2016/us/elections/fact-check.html" target="_blank">New York Times</a>» eigene Faktencheck-Portale, auf denen sich die Leser über den Wahrheitsgehalt von Aussagen informieren können.</p>
<p>In Grossbritannien hat Hugo Dixon, ein ehemaliger Journalist der «Financial Times», die Seite «<a href="https://infacts.org/" target="_blank">InFacts</a>» aufgebaut, die mit grossem Aufwand Fakten aus der Politik und Presse untersucht. Das Portal agiert der Form und Inhalt nach wie ein Medium. Gut 20 namhafte Journalisten, darunter der ehemalige Chefredakteur des «Guardian», Alan Rusbridger, die ehemalige Chefredakteurin von «Le Monde», Natalie Nougayrède, sowie der «Spiegel Online»-Kolumnist Wolfgang Münchau prüfen Argumente und Aussagen auf ihre Stichhaltigkeit.</p>
<p>In Deutschland, wo der Begriff des «<a href="http://www1.wdr.de/daserste/hartaberfair/faktencheck/" target="_blank">Faktenchecks</a>» durch Frank Plasbergs Diskussionsformat «Hart, aber fair» popularisiert wurde, gab es im «Zeit-Magazin» einen «Faktomat», bei dem Leser Aussagen von Politikern, die sie für unglaubwürdig hielten, vorschlagen, die von der Redaktion geprüft wurden. Das Format wurde nach sieben Folgen wieder eingestellt. Der «Spiegel»-Journalist Hauke Janssen hat zur Bundestagswahl 2013 den «<a href="http://www.spiegel.de/thema/muenchhausen_check/" target="_blank">Münchhausen-Check</a>» herausgebracht, den er in loser Folge online fortsetzte.</p>
<p>In der Schweiz prüfen Journalistinnen und Journalisten des <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/collectionuebersicht/faktencheck/story/26470652" target="_blank">Tages-Anzeigers</a> regelmässig Aussagen, die in der SRF-Diskussionssendung «Arena» getroffen werden. Dabei greifen sie rund zehn kontroverse Behauptungen heraus, überprüfen sie auf Stichhaltigkeit und Faktengehalt. Jede überprüfte Behauptung wird schliesslich auf einer Skala zwischen falsch und richtig eingestuft.</p>
<p>Doch nicht nur in den USA und Europa, sondern auch in Ländern, wo Journalisten mit dem Tod bedroht werden, gibt es Faktencheck-Portale. In Nigeria, das in der Rangliste der Pressefreiheit der Organisation «Reporter ohne Grenzen» auf Platz 116 von 180 liegt, prüft die Seite «<a href="http://www.buharimeter.ng/" target="_blank">Buharimeter</a>» die Wahlversprechen von Präsident Muhammadu Buhari. Zum Beispiel, die Verwaltungskosten zu senken. Nutzer können das jeweilige Wahlversprechen kommentieren. Unterstützt wird das Projekt vom Centre for Democracy and Development (CDD).</p>
<p>In Nepal betreibt das Portal «South Asia» mit der Unterstützung des Open Society Institute, einer Stiftung des Milliardärs George Soros, einen Faktencheck und «<a href="http://southasiacheck.org/category/earthquake-promise-check/" target="_blank">Earthquake Promise Tracker</a>», der die Versprechungen der Geldgeber nach dem schweren Erdbeben im vergangenen Jahr prüft. Das Team verfügt über einen festangestellten Redakteur sowie zwei Reporter, die investigativ recherchieren und korrupte Machenschaften aufdecken.</p>
<p>Was erklärt diesen Boom von Faktencheck-Portalen auf der ganzen Welt? Der Journalist <a href="http://www.poynter.org/author/alexios/" target="_blank">Alexios Mantzarlis</a>, Direktor und Redaktor des ‎International Fact-Checking Network am Poynter Institute in Saint Petersburg in Florida, identifiziert vier Gründe:</p>
<ol>
<li>Die Zunahme direkter Interaktion zwischen Politikern und der Öffentlichkeit über soziale Medien.</li>
<li>Die Explosion von Informationsquellen und die damit «konkurrierende Beschleunigung des Nachrichtenzyklus», der den Druck erhöhe habe, Dinge möglichst schnell, aber nicht notwendigerweise korrekt zu publizieren.</li>
<li>Die begründete oder nicht begründete Perzeption, dass traditionelle Medien diese Arbeit nicht mehr priorisieren, verbunden mit einem wachsenden Misstrauen aller Quellen von Autoritäten.</li>
<li>Die Abschaffung von Eintrittshürden für Faktenchecker in der medialen Arena. Heute ist praktisch jeder ein Faktenchecker, man kann Aussagen in ein paar Mausklicks überprüfen.</li>
</ol>
<p>«Alles, was es heute kostet, ein Faktenchecker zu sein, ist Zeit», sagt Mantzarlis im Gespräch mit der Medienwoche. «Man kann seine Ergebnisse online stellen, aber auch kostenlos Daten erschliessen, die vormals unzugänglich waren.» Natürlich ist Zeit auch Geld. Daher haben Organisationen Vorteile gegenüber Einzelkämpfern an der Faktenfront.</p>
<p>Das Faktencheck-Portal PolitiFact.com, ein Projekt der «Tampa Bay Times», das 2009 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde, stuft Tatsachen mit seinem «Truth-O-Meter» auf einer Skala von «falsch», «grösstenteils falsch», «halbwahr», «grösstenteils wahr» und «wahr» ein. Die Behauptung des evangelikalen Predigers Pat Robertson, Obamas Stiefvater habe ihn als Kind in der indonesischen Hauptstadt Jakarta auf eine islamische Medresse, eine Koranschule, geschickt, bewertet PolitiFact.com mit «grösstenteils falsch». Medressen gelten als Brutstätten für islamistische Terroristen. Insofern ist diese Behauptung schon starker Tobak, weil sie Obama in die Nähe des Terrorismus rückt. Das Portal hängt sich zunächst an der Definition von Medresse auf, zitiert einen Islamexperten und verweist auf eine Erinnerung Obamas, wonach er eine katholische Schule und dann eine Schule mit überwiegender muslimischer Mehrheit besuchte. Das Faktencheck-Portal gibt hier in falsch verstandener Nuancierung Robertson teilweise Recht und kommt zu dem Ergebnis, dass die Aussage «grösstenteils falsch» sei. Das impliziert aber auch, dass sie teilweise richtig ist. So bleibt ein Restzweifel, Obama könnte ja vielleicht doch auf einer Medresse gewesen sein. Der Befund stützt damit mehr eine nachweislich falsche Tatsachenbehauptung als dass er sie klar widerlegen würde.</p>
<p>Die US-Faktencheck-Seite <a href="http://www.snopes.com/category/facts/" target="_blank">Snopes.com</a> bewertet die Frage, ob der Orlando-Attentäter Omar Mateen als Wähler der Demokraten registriert war, mit «gemischt» – was schon erkenntnistheoretisch Unsinn ist. Wie kann man eine Entscheidungsfrage mit «gemischt» beantworten? War Mateen nur «ein bisschen» Demokrat? Soll hier etwas relativiert werden? Will man den fatalen Schluss vermeiden, dass die Demokraten Schuld für das Attentat tragen? Dabei lässt sich ganz einfach überprüfen, dass Mateen als Wähler der «Florida Democratic Party» in der Stadt Fort Pierce registriert war.</p>
<p>In den USA stehen Faktencheck-Seiten in der Kritik, politische Schlagseite zu haben. Eine Studie des George Mason University Center for Media and Public Affairs kam 2013 zu dem Ergebnis, dass bei PolitiFact.com die Republikaner deutlich schlechter abschneiden. Aussagen der Republikaner waren dreimal so häufig falsch wie die der Demokraten. Daraufhin kritisierten <a href="http://www.weeklystandard.com/once-again-politifact-struggles-to-explain-data-showing-they-treat-gop-unfairly/article/732009#!" target="_blank">den Republikaner nahe stehende Medien</a> das Faktencheckportal. Es ist schon paradox: In einer Welt voller Informationen scheint die Verifizierung von Fakten immer schwieriger zu werden. Faktenchecks, die als neutrale, unabhängige Prüfinstanz auftreten, tragen damit selbst zu einer Politisierung von Fakten bei.</p>
<p>Auch Google, das sich selbst als <a href="https://www.google.com/trends/story/US_cu_n5TKtVcBAAACoM_en" target="_blank">Faktencheck-Portal</a> ausweist, suggeriert eine Evidenz, die es gar nicht haben kann – und manipuliert mutmasslich seine Suchtreffer. Nach dem dritten TV-Duell zwischen Donald Trump und Hillary Clinton war laut Google Trends eine der meistgesuchten (und vermutlich von der identitären Alt-Right-Bewegung befeuerte) Frage: «Wie viele Menschen hat Obama deportiert?» Diese Frage, die eigentlich mehr eine Verleumdung ist und schon gar nicht mehr «faktencheckbar» ist, wird letztlich mit derselben werbeoptimierten Logik beantwortet, wie Google die Frage nach dem besten Café in Brooklyn beantwortet.</p>
<p>Der Soziologe Will Davies hat in einem klugen Beitrag («<a href="http://www.perc.org.uk/project_posts/thoughts-on-the-sociology-of-brexit/" target="_blank">Thoughts on the sociology of Brexit</a>») die These aufgestellt, dass das Zeitalter der Fakten vorbei sei. Fakten würden durch Daten ersetzt. Fakten im Sinne allgemein überprüfbarer Aussagen – amtliche Statistiken oder universitäre Gutachten – dienten seit der Aufklärung als «autoritative Grundlage» für den politischen Diskurs. Doch mit der Politisierung der Wissenschaft passiert etwas, was die Autorität von Fakten untergräbt: Scheinbar unumstössliche Fakten werden angezweifelt. Man kennt das aus der Klimapolitik: Klimaschützer und Klimaskeptiker überziehen sich mit ideologischen Scharmützeln, jedes Lager hantiert mit eigenen Zahlen und Modellen und versucht seiner «objektiven» Sicht die Autorität wissenschaftlicher Unanfechtbarkeit zu verleihen. Und offensichtlich misstraut man auch den Faktencheckern.</p>
<p>Der Duke-Professor Bill Adair, Gründer des Portals PolitiFact, tüftelt an einem automatisierten Faktenchecksystem, einem Algorithmus, der Aussagen in Echtzeit als richtig oder falsch identifiziert. <a href="http://nordicapis.com/automated-fact-checking-the-holy-grail-of-political-communication/" target="_blank">Er nennt das den «heiligen Gral der Kommunikation»</a>. Der Algorithmus soll als unparteiischer Richter in Diskussionen eingreifen. Wenn also Donald Trump wieder eine seiner berüchtigten Lügengeschichten auftischt, würde der Algorithmus in einer Diskussionsrunde sofort einen Alert melden: «Falsch!». (Es gibt eine <a href="https://www.youtube.com/watch?v=b2Ec_oHjEFM" target="_blank">lustige Szene aus dem TV-Duell</a>, die die ganze Problematik ironisch verdichtet. Als Clinton flehentlich die Faktenchecker herbeiruft, brüllt Trump mehrfach ins Mikrofon: «Wrong!»). Bloss: Wenn die Suche nach der Wahrheit schon für Menschen schwierig ist, wie soll das dann eine Maschine schaffen?</p>
<p>Algorithmen sind bloss Werkzeuge, das heisst, wenn die Daten, mit denen man sie füttert, verzerrt sind, sind auch die Ergebnisse verzerrt. Zwar kann ein Algorithmus anhand einer Datenbasis sofort prüfen, ob eine Aussage wie «Ich habe noch nie für mehr Waffenkontrolle gestimmt» den Tatsachen entspricht. Bei komplexeren Zusammenhängen wird es schon schwieriger. Vor allem scheint das Instrument insofern nicht reliabel zu sein, als man mit der Widerlegung von Behauptungen jemanden nicht politisch wirksam als Lügner demaskieren kann.</p>
<p>Die «Huffington Post» wies Donald Trump in einer einstündigen Rede 71 Faktenfehler nach. Es schadete ihm nicht, im Gegenteil. Trump erhebt auch schon gar nicht mehr den Anspruch auf Faktentreue. Einer wie Trump ist stark, gerade weil er sich nicht den Vorsichtsregeln der Political Correctness nicht unterwirft, sondern sie genüsslich missachtet. Nach dem Motto: «Wahr ist, was ich euch sage, und nicht die in Washington!». Mit Faktenchecks kann dem Phänomen Trump nicht beikommen. Vor allem: Was hätte es für einen Erkenntnisgewinn, wenn ein Algorithmus die Aussage eines Bots, von denen es in Trumps Twitter-Account rund vier Millionen gibt, verifiziert? Ist das nicht ein Rückfall in mittelalterliches Denken, wo derjenige Recht hatte, der die stärksten Waffen hatte?</p>
<p>Das Magazin «Politico» veröffentlichte im vergangenen Jahr einen lesenswerten Artikel über die «Bewaffnung» von Faktencheckportalen («<a href="http://www.politico.com/magazine/story/2015/05/fact-checking-weaponization-117915" target="_blank">The Weaponization of Fact-Checking</a>»). Faktenchecks seien zu einer Waffe im politischen Diskurs geworden, mit der man den Gegner Schachmatt setzen kann. Politiker agieren vorsichtiger, weil sie Angst haben, «politifacted» zu werden. Die Folge: Man lässt sich nicht festnageln und beharrt auf einer wolkigen Sprache.</p>
<p>Dass wir einer Maschine die Verifizierung von Fakten überantworten, zeigt auch, dass wir offensichtlich kein Vertrauen mehr in unseren eigenen Wahrheitsbegriff haben. Wir glauben, dass die Wahrheit, der «holy grail», wie Bill Adair er es nennt, nur in der Maschine zu finden ist. Deshalb träumen Technik-Visionäre auch von Roboter-Richtern, einer Justitia 4.0, die den Angeklagten nur nach Ansehung der Daten beurteilt. Und auch von den automatisierten Faktencheckern, die über wahr oder falsch urteilen, lässt sich der Politiker ja faktisch letztinstanzlich beurteilen. Bloss: Wollen wir das in einer selbstbestimmten und freien Gesellschaft überhaupt? Der Irrtum der Entwickler ist, dass sich der Konsens über Fakten nicht automatisieren lässt, sondern nur in einer gesellschaftlichen Auseinandersetzung zu finden ist. Das Zeitalter der Fakten mag vorbei sein. Jenes der demokratischen Deliberation aber sicher nicht.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/11/04/rettet-die-fakten/">Rettet die Fakten!</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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