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	<title>Frank A. Meyer | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>Zum Ende von «Vis-à-vis»: Hier wurde geredet, nicht geplappert</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/12/09/zum-ende-von-vis-a-vis-hier-wurde-geredet-nicht-geplappert/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 09 Dec 2016 10:11:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Frank A. Meyer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine kleine, aber feine TV-Institution geht in Rente: Am Sonntag gibts zum letzten Mal «Vis-à-vis» mit Frank A. Meyer. Über 300 Prominente hatte der SonntagsBlick-Kolumnist als Gäste in seiner Sendung. Zum Abschluss gibts ein Gespräch in eigener Sache.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Eine kleine, aber feine TV-Institution geht in Rente: Am Sonntag gibts zum letzten Mal «Vis-à-vis» mit Frank A. Meyer. Über 300 Prominente hatte der SonntagsBlick-Kolumnist als Gäste in seiner Sendung. Zum Abschluss gibts ein Gespräch in eigener Sache.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/12/09/zum-ende-von-vis-a-vis-hier-wurde-geredet-nicht-geplappert/">Zum Ende von «Vis-à-vis»: Hier wurde geredet, nicht geplappert</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Frank A. Meyer über die SRG Das Glashaus</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/05/17/frank-a-meyer-ueber-die-srg-das-glashaus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 17 May 2015 13:46:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Sonntagsblick]]></category>
		<category><![CDATA[FAM]]></category>
		<category><![CDATA[Frank A. Meyer]]></category>
		<category><![CDATA[Service public]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eigentlich ist ja alles gut mit der SRG. Sie liefert, rund um die Uhr, Radio- und Fernsehsendungen für die Deutschschweiz, die französischsprachige Schweiz, das Tessin sowie die Region der Rätoromanen: kleine Sprachräume, winzige Räume sogar, vor allem für TV-Programme, die internationalen Ansprüchen genügen sollen.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Eigentlich ist ja alles gut mit der SRG. Sie liefert, rund um die Uhr, Radio- und Fernsehsendungen für die Deutschschweiz, die französischsprachige Schweiz, das Tessin sowie die Region der Rätoromanen: kleine Sprachräume, winzige Räume sogar, vor allem für TV-Programme, die internationalen Ansprüchen genügen sollen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/05/17/frank-a-meyer-ueber-die-srg-das-glashaus/">Frank A. Meyer über die SRG Das Glashaus</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Golden Boy der begüterten Kapitalistenhasser</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2013/12/17/golden-boy-der-begueterten-kapitalistenhasser/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 Dec 2013 10:55:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Frank A. Meyer]]></category>
		<category><![CDATA[Ringier2013]]></category>
		<category><![CDATA[Ringier]]></category>
		<category><![CDATA[Cicero]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am 6. Januar wird Frank A. Meyer 70 Jahre alt. Seit bald 40 Jahren ist er ein Unikum im Ringier-Verlag. Ohne selbst je gross Verantwortung übernommen zu haben, übt er Einfluss auf die Entscheidungsträger aus. Während die einen in ihm das journalistische Gewissen Ringiers sehen, rechnen ihm andere seine Schadensbilanz vor. Doch wer ist der <a href="https://medienwoche.ch/2013/12/17/golden-boy-der-begueterten-kapitalistenhasser/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Am 6. Januar wird Frank A. Meyer 70 Jahre alt. Seit bald 40 Jahren ist er ein Unikum im Ringier-Verlag. Ohne selbst je gross Verantwortung übernommen zu haben, übt er Einfluss auf die Entscheidungsträger aus. Während die einen in ihm das journalistische Gewissen Ringiers sehen, rechnen ihm andere seine Schadensbilanz vor. Doch wer ist der Mann, über den sich Generationen von Journalisten so gerne aufregen? Ein Journalist? Ein Opportunist? Ein Politiker? Ein Angsthase? Teil 3 unserer Serie zum Ringier-Verlag.<br />
<span id="more-16912"></span></p>
<div align="right"><small>«Als mich einmal jemand fragte, was ich bei Ringier eigentlich mache, sagte ich: Ich bin einfach da, vertrete nach wie vor die publizistischen Belange, rede mit bei der Besetzung von Chefredaktionen und stehe ein für die publizistische Kultur des Unternehmens &#8211; gerade im Boulevard-Journalismus.»</p>
<p>Frank A. Meyer, zitiert in «Ringier bei den Leuten» von Karl Lüönd, Seite 450.</small></div>
<p>
Ich treffe Meyer (violettblaue Cordhosen, Hemd und Jackett, in dessen Brusttasche ein Tüchlein steckt, das mit den Hosen farblich korrespondiert) an einem <a href="http://www.cicero.de/berliner-republik/christian-lindner-fdp-neuanfang-vom-einzelnen-her/56486">Sonntagmorgen im Berliner Ensemble</a>, wo er sich einen Liberalen eingeladen hat, den er zu den Anständigen zählt, den am 7. Dezember zum neuen Vorsitzenden der deutschen FDP gewählten Christian Lindner. Parlamentarier wie Frank Schäffler, Peter Gauweiler oder Wolfgang Bosbach, die aufgefallen sind durch ihren Widerstand gegen den antiliberalen Mainstream, hält Lindner für eine kleine Gruppe, die Friedrich August von Hayek «wörtlich» nehmen würden &#8211; er hingegen habe «keine religiöse Verehrung der Schriften von Hayek». Die auf 11 Uhr angesetzte Veranstaltung beginnt heiter mit einem Austausch von Meyer und Lindner über ihre Sternzeichen (Steinbock). Nach rund zehn Minuten mischt sich «Cicero»-Chefredakteur Christoph Schwennicke aktiv in das Gespräch ein, der wohl ansonsten den Tag schweigend auf der Bühne hätte verbringen müssen. Und natürlich darf die Veranstaltung nicht zu den Zuschauervoten übergehen, bevor nicht um 12.20 Uhr ein Meyer-Exkurs über die «Marktradikalen», erfolgt, diese «Voodoozauberer der Ökonomie». «Alles ist Ökonomie», klagt er, der schon so lange keine Geldsorgen mehr hat und nie direkte Verantwortung für missglückte Projekte tragen musste.</p>
<p>Hier ein kurzer <a href="https://www.youtube.com/watch?v=K_q5uUbpTCo">Ausschnitt</a> der <a href="http://www.youtube.com/watch?v=G5754ZEdnyU">Veranstaltung</a>, man beachte die Körpersprache seiner Mitdiskutanten:</p>
<p><iframe width="450" height="253" src="//www.youtube.com/embed/K_q5uUbpTCo?rel=0" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Nach der Veranstaltung überreiche ich Meyer meine Visitenkarte und bitte ihn darum, diesen Text mit seinen Aussagen besser zu machen. Er werde sich melden, sagt er. Und meldet sich nicht. (Eine offizielle Interviewanfrage bei der Ringier-Medienstelle wurde einige Monate zuvor mit Verweis auf die bescheidene Relevanz der Medienwoche abgelehnt.)</p>
<h3>Boulevard-Kampfsprache</h3>
<p>«Vielen Dank, Frank A. Meyer, für Ihre treffende Entlarvung der Strategie planmässiger Herabsetzung von Politikern durch selbst ernannte Berliner Leitmedien», schreibt Dr. Hans Walter S.. «So hat mir ein Beitrag noch nie aus dem Herzen gesprochen», Holger P. Und auch Herbert N. spricht Meyer «aus dem Herzen». So lauten drei Leserbriefe, mutmasslich eher nicht von Anfangzwanzigern, in der Dezemberausgabe des Magazins «Cicero», einer der aktuellen Spielwiesen Meyers.</p>
<p>In dieser Ausgabe schreibt er unter dem Titel «Der Wert des Menschen» über den gesetzlichen Mindestlohn. Im bloss etwas über eine Seite hinausgehenden Text finden sich ein volles Dutzend für die Boulevard-Kampfsprache von Meyer typische Formulierungen, hier in der Reihenfolge ihres Auftretens:</p>
<ul>
<li>«neoliberale Ideologie»</li>
<li>«fanatische Privatisierer»</li>
<li>«Marktgläubige»</li>
<li>«Profitbilanzen»</li>
<li>«Marktradikale»</li>
<li>«Geldkirche»</li>
<li>«Ökonomen-Pfäffchen»</li>
<li>«Boniritter»</li>
<li>«kapitalistische Perversion»</li>
<li>«ökonomische Rechnerei»</li>
<li>«Marktanbeter»</li>
<li>«Ökonomen-Klerus»</li>
</ul>
<p>Was klingt wie in den Ergüssen eines Attac- oder Juso-Bloggers, ist immer wieder neu von Meyer, im Impressum aufgeführt als Mitglied des Publizistischen Beirats. In Deutschland wird Meyer gelesen und geliebt von jenen Menschen, die an das Soziale (vom Staat) glauben, von den letzten Ausläufern der 68er, jener zumeist bestens situierten Babyboomer-Generation, die in den nächsten Jahren die Sozialkassen an den Rand ihrer Existenz bringen wird.</p>
<h3>Statische Feindbilder</h3>
<p>Frank A. Meyer hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, das auch in der Ringier-Familie omnipräsente soziale Gewissen (siehe <a href="https://medienwoche.ch/2013/12/05/koenigshaus-der-anstaendigen/">Teil 1</a> unserer <a href="medienwoche.ch/tag/ringier2013">Serie</a>) publizistisch umzusetzen. Er verkörpert eine sozialdemokratische Grundhaltung, die mehr sozialistisch und elitär ist als demokratisch oder volksverbunden (Direkte Demokratie, in der Schweiz bestens erprobt, gehe in Deutschland nicht, <a href="http://www.direktedemokratie.com/2011/11/27/frank-a-meyer-direkte-demokratie-geht-nicht-fuer-deutschland/">behauptet</a> er beispielsweise). Seit vielen Jahrzehnten wettert er unermüdlich gegen das Kapital, von dem er bestens lebt und seine bunten Hosen kauft. Seine Feindbilder sind ermüdend statisch und heissen <a href="http://www.blick.ch/news/politik/fam/ueber-boni-banker-und-das-berner-larifari-id14863.html">Banker</a> («Wer im Hamsterrad der Geldinstitute rennt und rennt und rennt, der hat nur eins vor Augen: Geld, Geld, Geld»), <a href="http://www.blick.ch/news/politik/fam/hansel-id169902.html">Blocher</a> («Er diffamiert seine Widersacher. Er macht Andersdenkende nieder. Er höhnt und hetzt») oder auch <a href="http://www.blick.ch/news/politik/fam/ueber-muetter-maenner-und-manager-id26955.html">Weltwoche</a> («ein rechtsradikales Sektenblatt») inklusive <a href="http://www.blick.ch/news/politik/fam/laptoptaeter-id6867.html">Roger Köppel</a> («journalistischer Lustknabe»). Vor einigen Jahren hinzugekommen ist der Islam, von dem er offenbar eine grössere Bedrohung auszugehen sieht als von anderen Religionen. Das Wort, das er in der letzten Zeit am Liebsten mit Verachtung ausspuckt, ist «Marktradikale», womit er im Prinzip niemand anders meint als die klassischen Liberalen. Wer wirtschaftsliberale oder gar libertäre Positionen vertritt, wie sie in der Schweiz am ehesten in der FDP und SVP anzutreffen sind, darf mit seiner Verachtung (alternativ: Nichtbeachtung) rechnen. Sich selbst zählt er auch zu den Liberalen, zu den <a href="http://www.schweizer-illustrierte.ch/gesellschaft/espresso/ueber-links-und-rechts-und-frank-meyer">linken Liberalen</a> («Links und liberal zu sein, ist doch nett. Was gäbe es gegen dieses Etikett einzuwenden?»). Vielleicht mag Meyer die Marktwirtschaft ja deshalb nicht, weil er einsehen musste, dass jene Projekte, die im Journalismus wirklich interessant sind, vom Markt her (direkt) nicht zu finanzieren sind.</p>
<p>Was er liebt? Die <a href="http://www.blick.ch/news/schweiz/klassischer-kanon-id1763949.html">NZZ am Sonntag</a> («gehört zum Besten, was die Schweizer Publizistik zu bieten hat»). Und <a href="http://www.presseverein.ch/2012/12/frank-a-meyer-menschen-mag-ich-auch-menschen-die-anders-denken/">Menschen</a> («Ich liebe Menschen»). Vor allem aber jene Menschen, die er für «anständig» hält. Das sind meistens Leute, die seine eigenen Haltungen und Meinungen teilen (wobei er einzelne Abweichungen durchaus tolerieren kann). Durch seine lange Karriere ist er herausragend vernetzt und kennt viele wichtige Leute aus dem politischen und journalistischen Establishment, in Deutschland und in der Schweiz. Wie viele Linke ist er aufrichtig davon beseelt und überzeugt, Gutes zu tun. Aus dieser Gewissheit speist sich ein erstaunliches Selbstvertrauen, und daraus quillt eine beachtliche Tatkraft. Eindrucksvoll von sich selbst überzeugt stolziert er wie ein Pfau durch die Redaktionen, nötigt Chefredaktoren mit dem Vorlesen seiner eigenen Kolumnen, zelebriert herrlich überzogene Blattkritiken.</p>
<h3>Meister der kontrollierten Information</h3>
<p>Meyer teilt gerne und oft aus, doch sobald es um die Konfrontation geht, scheut er wie Michael Ringier die Debatte. «Der Angstmacher ist in Wahrheit ein Angsthase», schrieb Urs Paul Engeler in seinem hervorragenden Porträt <a href="http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2004-51/artikel-2004-51-der-herr-der-sch.html">«Der Herr der Schwachen und Eitlen»</a> von 2004. Wäre Meyer wirklich offen und mutig, würde er sich in Streitgesprächen regelmässig seinen Gegnern stellen und jenen, die ihn kritisieren, Rede und Antwort stehen. Doch Meyer liebt das freie Wort vor allem für sich selbst und für jene, die er gutheisst oder wenigstens zu Wort kommen lassen will &#8211; wirklich konträre Positionen hält er unter Verschluss, wenn das möglich ist. Diese Haltung pflegt er auch in der inzwischen auf 3sat zu sehenden Sendung «Vis-à-vis», die sich vom Mainstream vor allem aufgrund ihrer hinreissend antiquierten Form abhebt &#8211; es ist die am längsten ununterbrochen und mit dem gleichen Moderator ausgestrahlte Talksendung des deutschsprachigen Fernsehens. Man darf Meyer zugute halten, dort ab und an auch Menschen einzuladen, deren Positionen er nicht vollumfänglich teilt. Und doch bleibt er ein Meister der kontrollierten Information. Weil sich mit dem Aufkommen von Publikationsformen im Internet diese Zeit zu Ende neigt, verdammt und hasst er diesen Raum, bis hin zur <a href="https://medienwoche.ch/2013/04/18/erfolgreicher-schrotthaendler/">Realitätsleugnung</a> («Zeitungsjournalisten entlarven das Funkengestiebe des Internets, von bildschirmsüchtigen Kids und Nerds fürs Sternenzelt gehalten, als unendlich viel Meteoritenschrott»). Dass Menschen einfach so im Internet schreiben können, ohne dass sie ruhig zu stellen sind, ist für Elitisten wie ihn ein Graus. Er selbst nutze das Internet nur für E-Mails, sagt er mir, das mag glauben, wer will.</p>
<h3>Bewährter Hofnarr mit Einfluss</h3>
<p>In einem Handelszeitung-Interview 1985 sagte Michael Ringier: «Wir brauchen (&#8230;) jemand, der unbelastet ist, der uns von aussen sieht. Frank A. Meyer bleibt Journalist als Anstoss und als Anstösser. Ich denke an die Hofnarren-Position im positiven Sinne.» Heute hat er die Position als Hofnarr mehr denn je inne, und seine Rolle als exzentrischer Paradiesvogel wurde perfektioniert. Ob er hingegen noch fähig ist, Ringier «unbelastet» «von aussen» zu sehen, darf doch sehr bezweifelt werden. Während seiner ganzen Karriere hat er seine Mitspieler zu grauen Mäusen gemacht und seine Macht stets höchst geschickt ausgeübt. Nie hat er eine Verantwortung übergenommen, bei der er tatsächlich abstürzen oder verlieren könnte. Deshalb ist er auch nie gestürzt, sondern blieb immer die Figur im Hintergrund. Mit Einfluss. <a href="http://www.sonntagszeitung.ch/fokus/sonntagsgespraech/sonntagsgespraech-detailseite/?newsid=263405">Der «Sonntagszeitung»</a> sagte er kürzlich: «Wer Einfluss hat, redet nicht darüber. Sonst verflüchtigt sich der Einfluss.» Dass er welchen hat, <a href="http://netzwertig.com/2008/02/06/journalisten-selbstkritik-ein-versuch-immerhin/">war ihm immer klar</a>: «Medien sind ja unglaublich mächtig, das muss man sehen. Wobei: Journalisten streiten das immer vehement ab – das ist ein Kniff.» Davon <a href="http://www.schweizer-illustrierte.ch/gesellschaft/espresso/ueber-boulevard-journalisten-und-putschisten">weiss auch Marc Walder</a>: «Sie nehmen doch selber Einfluss. Massiv sogar!» Dass Meyer Einfluss ausübt, ist ihm nicht vorzuhalten. Seine Macht im Haus ist vor allem im Duckmäusertum und der Ideenlosigkeit der Anderen zu suchen. Er ist genau so stark, wie das die anderen zulassen.</p>
<h3>Verpasste Karrieren</h3>
<p>Bei der Betrachtung von Meyer fällt auf, dass er nicht das liefert, für was er angeblich steht. Er ist mehr der Typus «meinungsstarker Blogger» als der Typus «nüchterner Journalist», was ja nicht das Schlechteste ist. Statt Fakten zu liefern, führte er in der Schweizer Illustrierten der 1970er-Jahre die Homestory ein und zeigte die angeblich «menschliche», tatsächlich aber politikferne und irrelevante Seite von Bundesräten beim Essen von Spaghetti, Risotto oder Fondue. Statt ausgewogen zu berichten, betreibt er Politik und versucht, Leute im eigenen Sinne zu beeinflussen. Statt kritisch nachzufragen, gefällt er sich als Vis-à-vis im Spiegel bedeutender Leute. Statt die Wahrheit herauszufinden, schreibt er meinungslastige Kolumnen. Heute hält er Ringier-Mitarbeiter von der Arbeit ab mit seinen Visionen eines untergegangenen Journalismus. Die Wahrheit ist, dass genau jener, der im Hause Ringier für den Journalismus steht, gar nicht für den Journalismus steht &#8211; sondern für Boulevard, für Beziehungsfilz, für Günstlingswirtschaft, für Meinungsmache, für Absprachen abseits der Öffentlichkeit. Wie einige andere Journalisten, die Ideologie mitunter mit Wahrheit verwechseln, wäre er besser frühzeitig Politiker geworden. Seine verpasste Karriere ist die eines offenen Gegenspielers von Christoph Blocher. Er hätte ein Aushängeschild der SP sein können, wie Peter Bodenmann. Ein Gewerkschaftsführer wie Lech Walesa. Ein EU-Funktionär wie Martin Schulz. Oder ein PR- und Werbekampagnenleiter im Hintergrund. Nur als Journalist taugt einer, der vor allem Politik und Propaganda machen will, nicht.</p>
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<h3>Relikt &#8230;</h3>
<p>Während der Altstar wie eh und je seine Privilegien geniesst und über den untergehenden Journalismus auf Papier doziert, produziert das Ringier-Fussvolk längst multimedial, jedoch zusammengepfercht im Newsroom. Wenn eine Andrea Bleicher keine Lust verspürt, Meyer den Hof zu machen (<a href="http://medienwoche.tumblr.com/post/60835708237/meine-eltern-erzogen-mich-man-solle-nicht">«Meine Eltern erzogen mich, man solle nicht arschkriechen»</a>), dann hat das vielleicht gar nicht so viel mit einer tatsächlichen Abneigung zu tun, sondern mehr mit dem Unwillen, mit jemandem über Journalismus zu reden, der seit Jahrzehnten weg ist von jenem Journalismus, wie er im Ringier-Newsroom betrieben wird. Frank A. Meyer gehört nun mal ins Museum, als Relikt des Ringier-Verlags im späten 20. Jahrhundert. Er ist ein anarchronistisches Auslaufmodell, von dem der Verlag offenbar tatsächlich verspricht, er könne sich damit das Image aufpolieren. Die Frage ist: Glaubt Marc Walder ernsthaft, Frank A. Meyer stehe für Journalismus? Er muss furchtbar naiv sein. Oder äusserst gewitzt. Denn man könnte es als Kniff des Unternehmens bezeichnen, die sich an Ringier reibenden Journalisten am Paradiesvogel Meyer abarbeiten zu lassen, während die Ringier-<a href="http://www.sueddeutsche.de/medien/serie-wozu-noch-journalismus-schreckgeweitete-augen-1.934245">«Rollkoffer-Kommandos»</a> im Hintergrund schon lange nicht mehr verlegerisch-journalistische, sondern vor allem kommerzielle Ziele verfolgen. «Der Espresso, den ich jeden Dienstagmorgen mit Frank A. Meyer trinke, ist in der Tat eine Versicherung für mich – dass ich journalistisch tätig bleibe», <a href="http://www.nzz.ch/aktuell/wirtschaft/uebersicht/eine-marke-auf-allen-kanaelen-1.1676634">sagt</a> Walder jedenfalls öffentlich, und es macht fast den Anschein, als glaube er, <a href="http://www.schweizer-illustrierte.ch/gesellschaft/espresso">diese Gespräche</a> seien journalistisch mindestens so wertvoll wie das, <a href="https://medienwoche.ch/2011/06/23/morgeli-sunneli-herrliberg/">was Matthias Ackeret mit Christoph Blocher macht</a>.</p>
<h3>&#8230; und Golden Boy</h3>
<p>Am 6. Januar 2014 wird Meyer 70 Jahre alt &#8211; mit ihm geht eine zumindest finanziell goldene Zeit des Journalismus zu Ende. Er ist ein Glückskind, ein Götterknabe, ein Golden Boy, der alle guten Zeiten voll ausgenützt hat und zum Verwundern aller die wichtigen Machtkämpfe für sich entscheiden konnte. Sein Auf- und Abstieg verlief erstaunlich parallel zu dem der «Blick»-Print-Ausgabe. Der Aufstieg des jungen Arbeiterkinds im Sportwagen, der die Frauen reihenweise beeindruckte. Der Höhepunkt der Macht als Strippenzieher in der ständigen Suite des Berner Nobelhotels Bellevue Palace, als er sogar <a href="http://www.parlament.ch/ab/frameset/f/v/4601/5107/f_v_4601_5107_5119.htm">Stimmen bei der Bundesratswahl</a> erhielt. Und der Abstieg seiner Relevanz mit dem Beginn des Internet-Zeitalters. Meyer ist nur «ein linker Moralist» (<a href="http://www.blick.ch/news/politik/fam/ueber-ringiers-juengsten-kolumnisten-frank-a-meyer-id10912.html">Thomas Hürlimann</a>) und «ein Journalist, mittlerweile pensioniert, der in Berlin lebt» (<a href="http://blog.persoenlich.com/?p=452">Christian Unger</a>). Eine Stimme aus dem letzten Jahrhundert in einem Konzern, in dem die zukünftige Rolle des Journalismus ein grosses Fragezeichen bleibt.</p>
<p>Wahr ist aber auch, dass der Ringier-Verlag ohne seinen gealterten Prinz grauer wäre, langweiliger und mehr nach Zahlen geführt würde. So abgeschmackt und pauschal seine Aussagen über die Rollkoffer-Kommandos sind und so seltsam sie sich anhören aus dem Mund eines Mannes, der alles hatte und alles machen konnte, so ein bisschen treffen sie natürlich dennoch. Fast alle, die ich auf Meyer angesprochen habe, sagten sinngemäss, dass Meyer zwar schlimm sei, ohne ihn aber alles noch viel schlimmer wäre. Stellvertretend für viele <a href="http://blog.dasmagazin.ch/2013/09/20/herr-meyer-oder-unsere-famose-branche/">schreibt Martin Beglinger</a>:</p>
<blockquote><p>Entschuldigung, aber was wollen wir Journalisten denn? Noch mehr Erbsenzähler in den Verlagshäusern? Oder als Journalisten getarnte Generalunternehmer, die Hefte und Zeitungen zwischen Salatsaucen und Konzerten verkaufen? Gerade wir Journalisten müssten doch froh sein, wenn ein Journalist das Ohr des Verlegers hat und nicht nur die Buchhalter. Stattdessen wird Meyer genüsslich vorgerechnet, was er seinen Verlag schon alles gekostet habe. Als würde das die Journalisten ernsthaft interessieren. </p></blockquote>
<p>Tatsächlich ist und bleibt er für viele eine Inspiration, ein zuverlässiger Auslöser von Liebe, Freude, Ärger und Hass. Wäre er langweilig oder irrelevant, hätte er sich nie so lange an der Macht gehalten. Es sind die anderen, die durchschnittlich sind.</p>
<h3>«Ich bleibe Journalist»</h3>
<p>Meyers Untergang, wie er im September in der NZZ am Sonntag (<a href="http://webpaper.nzz.ch/2013/09/15/hintergrund/KMA7V/abstieg-des-einfluesterers?guest_pass=471fba1b66:KMA7V:cb92a3465f3f71bfaed9c03fde5bf3ca39b3b1a0">«Abstieg des Einflüsterers»</a>, von Francesco Benini) und im Tages-Anzeiger (<a href="http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Ringiers-Schlossgespenst/story/15531599">«Ringiers Schlossgespenst»</a>, von Michèle Binswanger) beschworen wurde, ist wohl mehr Wunschdenken als Realität. «Ich bleibe Journalist, bis zu meinem letzten Tag. Und Ringier bleibt meine journalistische Heimat», sagte er <a href="http://netzwertig.com/2007/06/20/frank-a-meyer-ist-kein-dinosaurier/">2007</a> dem «Schweizer Journalist». Die Chancen, dass er recht behalten könnte, stehen gar nicht schlecht. Solange Michael Ringier lebt und etwas zu sagen hat, hat auch Frank A. Meyer etwas zu sagen. Er sei der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kardinal_Richelieu">Kardinal Richelieu</a> des Ringier-Verlags, schrieb Peter Rothenbühler 2004 in einem «Persönlich»-Porträt. In diesem Vergleich wäre Michael Ringier <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_XIII.">Ludwig XIII.</a> &#8211; letzterer stützte seinen langjährigen Berater bis zu dessen Tod. Richelieu war ein Verfechter des Zentralismus und Absolutismus, wie Frank A. Meyer zog er die Fäden im Hintergrund.</p>
<p><b>Übersicht der <a href="https://medienwoche.ch/tag/ringier2013/">Ringier-Serie</a>:</b><br />
1. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2013/12/05/koenigshaus-der-anstaendigen/">Königshaus der Anständigen</a><br />
2. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2013/12/09/palastrevolution/">Palastrevolution</a><br />
3. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2013/12/17/golden-boy-der-begueterten-kapitalistenhasser/">Golden Boy der begüterten Kapitalistenhasser</a></small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/12/17/golden-boy-der-begueterten-kapitalistenhasser/">Golden Boy der begüterten Kapitalistenhasser</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Palastrevolution</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Dec 2013 22:11:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[René Lüchinger]]></category>
		<category><![CDATA[Frank A. Meyer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im August 2013 herrschte einmal mehr Unruhe in der Führung des «Blick» und seinem Politikressort. Ein Protest des Newsroom-Kaders scheiterte, René Lüchinger wurde Chefredaktor. Mehrere langjährige Mitarbeiter gingen oder mussten gehen, so der die politische Linie prägende Henry Habegger. Im Richtungsstreit der Boulevardzeitung verlieren die in den letzten Jahren dominierenden linkskonservativen Kräfte an Einfluss. Teil <a href="https://medienwoche.ch/2013/12/09/palastrevolution/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Im August 2013 herrschte einmal mehr Unruhe in der Führung des «Blick» und seinem Politikressort. Ein Protest des Newsroom-Kaders scheiterte, René Lüchinger wurde Chefredaktor. Mehrere langjährige Mitarbeiter gingen oder mussten gehen, so der die politische Linie prägende Henry Habegger. Im Richtungsstreit der Boulevardzeitung verlieren die in den letzten Jahren dominierenden linkskonservativen Kräfte an Einfluss. Teil 2 unserer Serie zum Ringier-Verlag.<br />
<span id="more-16830"></span><br />
Die Frage nach dem «Blick»-Chef und und der Linie der Boulevardzeitung ist immer wieder neu ein Thema. Während die deutsche «Bild», politisch konservativ und mit sinkender Auflage kommerziell erfolgreich, seit 13 Jahren vom heute auch erst 49-jährigen Kai Diekmann geleitet wird, <a href="http://www.nzz.ch/aktuell/feuilleton/medien/18-blick-chefs-in-54-jahren-1.18137276">wechseln die Verantwortlichen bei der Schweizer Boulevardzeitung ständig</a>: Jürg Lehmann (1999), Werner de Schepper (2003), Rolf Cavalli (2007, interimistisch), Bernard Weissberg (2007), Ralph Grosse-Bley (2010).</p>
<h3>Abgänge langjähriger Mitarbeiter</h3>
<p>Nach der Trennung im Februar 2013 von Ralph Grosse-Bley («in bestem Einvernehmen») ergriff Andrea Bleicher die ihr interimistisch übertragene Leitung mit Enthusiasmus und stellte mehrere Mitarbeiter ein. Hinter den Kulissen wurde im März bereits René Lüchinger kontaktiert, was vermuten lässt, dass Bleicher gar nie eine echte Chance hatte, ihre interimistische Chefposition zu behaupten. Um Bleicher zu halten, wurde das Angebot an Sie, zu Lüchingers Stellvertreterin herabbefördert zu werden, mehrfach finanziell aufgebessert, die Rede ist von bis zu 300&#8217;000 Franken Jahreslohn. Dass schlussendlich sowohl Bleicher als auch ihr Lebenspartner Rolf Cavalli nach vielen Jahren Mitarbeit die Firma verliessen, hat die Ringier-Führung ernstlich überrascht, auch wenn sie durchaus informiert war über die private Beziehung der beiden. Mit Cavalli hat man sich dem Vernehmen nach noch um Ferientage gestritten. Nach 16 Jahren treuer Mitarbeit.</p>
<p>Am 11. August berichtete die NZZ am Sonntag über Lüchingers Berufung als Chefredaktor, was die Woche darauf eine breite Solidarisierungsaktion der «Blick»-Redaktion mit Bleicher auslöste, die in einem <a href="http://www.presseverein.ch/2013/08/meuterei-auf-der-blick/">Brief an Marc Walder</a> gipfelte («ein abermaliges Experiment mit ungewissem Ausgang»). Lüchinger, der bisher kaum je unbequem aufgefallen ist und mit Boulevard nur wenig Erfahrung hat, erhielt einen Dreijahresvertrag. Er ist zwar als fleissiger Arbeiter bekannt, aber man spottet schon, er werde sich wohl danach frühpensionieren lassen und nach Spanien gehen, um seinen Ruhestand zu geniessen.</p>
<p>Die Mitarbeiter-Aktion nützte nichts. Die Verunsicherung danach war aber so gross, dass neben Florian Fels (CEO Publishing), René Lüchinger, Christine Maier, Frank A. Meyer, Michael Ringier und weiteren mehr sich tatsächlich auch CEO Marc Walder mit der in einem Grosskonzern doch eher nachrangigen Personalie eines Politik-Redaktors befassen musste. Warum? Weil sich letztlich niemand endgültig dafür verantwortlich zeigen wollte, den Meyer-Vertrauten Henry Habegger zu entlassen &#8211; zu oft wurden Leute, die Meyer nahe standen, bald darauf auch zu Ex-Ringier-Mitarbeitern. Veranlasst hat den fristlosen Rauswurf von Habegger dann Florian Fels, dabei seit März 2013. Wie intern mitgeteilt wurde, sei Habeggers Verhalten in diesem konkreten Fall nur der Tropfen, der ein ohnehin volles Fass zum Überlaufen gebracht habe.</p>
<p>Hintergrund für die Entlassung von Habegger, der bei der «Schweiz am Sonntag» vorerst einen neuen Job als Politikredaktor gefunden hat, war eine Auseinandersetzung mit dem eben erst von Andrea Bleicher neu eingestellten stv. Politchef der «Blick»-Gruppe, Andreas Kunz (der in einem Weltwoche-Text 2008 die Rechnung aufstellte, dass der konzernweite Schaden, den Frank A. Meyer bei Ringier bisher angerichtet habe, sich auf rund 300 Millionen Franken belaufe). Nach dem Abgang von Andrea Bleicher geriet Kunz bald in Konflikt mit Henry Habegger und Irene Harnischberg, die seine Artikel intern aggressiv kritisierten. In der Folge erhielten die beiden Redaktoren eine von den Kadermitarbeitern in der «Blick»-Gruppe getragene, schriftliche Abmahnung &#8211; von illoyalem Verhalten war darin die Rede, von Beschimpfungen anderer Mitarbeiter und eigenmächtigem Verhalten.</p>
<h3>Fall «Carlos»</h3>
<p>Kunz, entnervt von der Auseinandersetzung, kündigte am 27. August, just an jenem Tag, als er die Titelgeschichte zeichnete, einem Dienstag (Titelschlagzeile: «Sozial-Wahn! Zürcher Jugend-Anwalt zahlt Messerstecher (17) Privatlehrer, 4 1/2-Zimmer-Wohnung und Thaibox-Kurse. Kosten: 22 000 Fr pro Monat»). Der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fall_%C2%ABCarlos%C2%BB">Fall «Carlos»</a> war auch am Mittwoch («Zu brutal für den Knast!»), Donnerstag («‹Der Staat macht ihn zur Killermaschine›») und Freitag («Samurai-Kurse für einen Mutter-Prügler!») Titelschlagzeile, immer mit Kunz als Lieferant der Story. Weil Kunz mit dem Aufgreifen des Fall «Carlos» den «Blick» für eine Woche wieder in das Zentrum der nationalen Aufmerksamkeit rückte, was sonst selten bis nie passiert, sorgten sich die Ringier-Kader mit mehreren Sitzungen um seinen Verbleib &#8211; am Ende blieb er jedoch bei der Kündigung, was jene, die sich um ihn bemühten, enttäuschte. Für Kunz ist die Sache «abgeschlossen», er <a href="http://www.tamedia.ch/de/pressekontakt/medienmitteilungen/2013/pressrelease/andreas_kunz_wird_stellvertretender_chefredaktor_der_sonntagszeitung_neue_gestaltung_und_blattar/">übernimmt</a> nun die stv. Chefredaktion der «Sonntagszeitung», gemeinsam <a href="http://www.tamedia.ch/de/pressekontakt/medienmitteilungen/2013/pressrelease/andrea_bleicher_wird_neue_stellvertretende_chefredaktorin_der_sonntagszeitung/">mit Andrea Bleicher</a>.</p>
<h3>Verwaistes Politik-Ressort</h3>
<p>Seit ihrem Abgang hat die «Blick»-Redaktion gleich vier interimistische Chefs, dafür ist das Politikressort nach dem Abgang von Kunz, Habegger und dem bisherigen Chef, Jürg Auf der Maur, verwaist. Erkundigt man sich zur Absetzung von Habegger, so ist von einer Palastrevolution, von einem grossen Befreiungsschlag die Rede, denn Habegger war sozusagen der Abgesandte von Meyer in Zürich. Wenn auch nicht in allen Fragen gleicher Meinung, teilt er grundsätzlich Meyers Weltanschauung und setzte sie erfolgreich im «Blick»-Politikressort durch. Chefredaktoren, die ihn kritisch hinterfragten, beschied er auch mal selbstbewusst, sein Chef heisse Meyer. Gegenüber der MEDIENWOCHE gibt Habegger zur Sache keine Auskunft, bei «Interna» verfahre er immer so. Nach seinem Verständnis sind Journalisten «keine Akteure».</p>
<p>Mit den Abgängen von Henry Habegger (16 Jahre bei Ringier) und Clemens Studer (ehemaliger stv. Chefredaktor, 13 Jahre bei Ringier, ging im Februar) schwinden jene Kräfte, die den «Blick»-Politikteil gegen den Grossteil der Leserschaft auf gewerkschaftlich-sozialdemokratischer Linie gehalten haben. Werner Vontobel, seit vielen Jahren der Garant für eine solche Haltung in Wirtschaftsfragen, bleibt an Bord. Für Habegger wurde schnell Ersatz gefunden &#8211; ausgerechnet im Pressesprecher der SP Schweiz, <a href="http://www.akbonline.ch/">Andreas Käsermann</a>. Der war überrascht von der Anfrage, hatte aber Interesse am Job und unterzeichnete deshalb einen bis zum 3. Februar befristeten Vertrag. Er werde die SP in seiner Berichterstattung nun aber weder strafen noch bevorzugen, auch wenn nun einige vermuten würden: «Es stimmt: Ich wähle links, ich stimme links, ich habe schon als Bundeshausjournalist meine Denke gehabt», sagt er auf Anfrage, und natürlich ist es so, dass auch jene Politikjournalisten, die ihre politische Haltung verschleiern, eine haben. Käsermann gibt aber zu, dass er sich als Pressesprecher der SVP nicht beworben hätte: «Das hätte ich nicht glaubwürdig vertreten können.»</p>
<h3>Personelle Engpässe</h3>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2013/12/bli_20131206_0_0_a2.jpg" alt="" title="Blick vom 6. Dezember 2013, Seite 2" width="200" height="294" class="alignleft size-full wp-image-17274" />Ausgewählt wurde Käsermann auch, weil Mitarbeiter der «Blick»-Politikabteilung, die sich den Ruf einer «Schlangengrube» erarbeitet hat, derzeit verzweifelt gesucht werden, angeblich geht man die Impressen der Konkurrenz Name für Name durch. Politik findet derzeit im «Blick» kaum noch statt. Am vergangenen Freitag waren auf der Seite 2, bei der deutschen «Bild» Pflichtlektüre für die Politiker, Geschenkideen zu lesen sowie ein Bericht, dass die Oberstufe Wädenswil 40&#8217;000 Franken gewonnen hatte. Auch die an sich begehrenswerte Stelle des «Blick»-Politikchefs, die in den letzten vier Jahren von Clemens Studer, Michael Perricone und Jürg Auf der Maur besetzt wurde, wird von vielen abgelehnt. Könnte nicht Frank A. Meyer mal diesen Posten übernehmen und im Newsroom das Zepter schwingen? Dafür müsste er aber Berlin verlassen und Verantwortung übernehmen &#8211; was ausgeschlossen erscheint. Von Ringier kontaktiert wurden unter anderem Constantin Seibt (Tages-Anzeiger) und Christof Moser (Schweiz am Sonntag). Doch so richtig kann man sich Seibt nicht vorstellen beim «Blick», und auch Moser hat kürzlich öffentlich <a href="https://twitter.com/christof_moser/statuses/401029672341086208">Freiheit vor Führungsaufgaben</a> gestellt.</p>
<p>Immerhin eine Personalie konnte inzwischen vermeldet werden. Der Anfang Juni angekündigte Autorenpool der «Blick»-Gruppe, der <a href="http://www.kleinreport.ch/news/blick-geht-mit-neuem-autorenpool-die-offensive-75396/">am 1. November seine Arbeit aufnehmen wollte</a>, hat nach fünf Monaten neben Leiter Peter Hossli einen ersten Mitarbeiter gefunden: <a href="http://www.ringier.com/de/medien/medienmitteilungen/jean-francois-tanda-neu-im-autorenpool-der-blick-gruppe">Jean François Tanda</a>. Der «Blick»-Autorenpool ist übrigens eine <a href="http://www.kleinreport.ch/news/autorenpool-fuer-die-blick-gruppe-44989/">aufgewärmte Idee aus dem Jahr 2002</a>, die damals augenscheinlich keinen dauerhaften Erfolg nach sich zog. Neben den Stellen im Politikressort ist weiterhin auch der Blick.ch-Chefsessel unbesetzt, den sich derzeit Thomas Enderle und Benjamin Rüegg teilen (ad interim).</p>
<p>Die linkskonservative Fraktion um Meyer hat nach dem Abgang von Werner de Schepper 2008 die zweite Niederlage erlitten. Auch wenn nun der Weg für nachhaltige Reformen in der Zeitung freier ist als auch schon, scheuen die Journalisten vor Ringier wie Pferde vor der Klapperschlange. Mit der fristlosen Entlassung von Henry Habegger durch Florian Fels ist ein Schritt getan, es braucht aber wohl noch weitere grundlegende Veränderungen, damit die Marke «Blick» zu einer Adresse wird, die gute Journalisten anzieht. An Intrigen, Mobbing und Missachtung der Kompetenzbereiche haben verständlicherweise nur wenige ein Interesse.</p>
<h3>Ausblick</h3>
<p>Die von Fels geleitete «Blick»-Gruppe steht vor der wichtigen Frage, wie es mit den Konvergenz-Bestrebungen weitergeht. Mit dem Newsroom existiert dafür eine gute Grundlage, die letzten Entscheidungen zielten aber eher in eine andere Richtung: Weder René Lüchinger noch Christine Maier sind für herausragende Onlinekompetenz bekannt und mit <a href="http://www.blickamabend.ch/">Blickamabend.ch</a> wird diesen Donnerstag ein neues Fass aufgemacht, das seine Verträglichkeit mit <a href="http://www.blick.ch/">Blick.ch</a> erst noch beweisen muss.</p>
<p>Was die Leser wirklich interessiert und empört, zeigte kürzlich Roger Baur. <a href="http://www.blick.ch/news/schweiz/bern/berner-politiker-erhoehen-sich-den-lohn-um-50-prozent-id2543348.html">Sein Text</a> über sich selbst den Lohn erhöhende Berner Kantonsparlamentarier wurde bisher über 5000 mal bei Facebook geteilt.</p>
<p><b>Übersicht der <a href="https://medienwoche.ch/tag/ringier2013/">Ringier-Serie</a>:</b><br />
1. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2013/12/05/koenigshaus-der-anstaendigen/">Königshaus der Anständigen</a><br />
2. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2013/12/09/palastrevolution/">Palastrevolution</a><br />
3. Teil: <a href="https://medienwoche.ch/2013/12/17/golden-boy-der-begueterten-kapitalistenhasser/">Golden Boy der begüterten Kapitalistenhasser</a></small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/12/09/palastrevolution/">Palastrevolution</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Erfolgreicher Schrotthändler</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2013/04/18/erfolgreicher-schrotthaendler/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Apr 2013 11:40:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Michael Ringier]]></category>
		<category><![CDATA[Frank A. Meyer]]></category>
		<category><![CDATA[Osteuropa]]></category>
		<category><![CDATA[Ringier]]></category>
		<category><![CDATA[Qualipet]]></category>
		<category><![CDATA[Blick]]></category>
		<category><![CDATA[Ticket Corner]]></category>
		<category><![CDATA[Digital]]></category>
		<category><![CDATA[Unterhaltung]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitungen]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitschriften]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ringier bleibt weiterhin stark im Geschäft mit gedruckten Medien verankert, forciert aber unaufhaltsam den Ausbau des Digital- und Unterhaltungsgeschäfts. Im letzten Jahr erzielte das Unternehmen einen Gewinn von 32 Mio. Franken bei einem Umsatz von rund 1 Mrd. «Zeitungsjournalisten entlarven das Funkengestiebe des Internets, von bildschirmsüchtigen Kids und Nerds fürs Sternenzelt gehalten, als unendlich viel Meteoritenschrott.» <a href="https://medienwoche.ch/2013/04/18/erfolgreicher-schrotthaendler/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ringier bleibt weiterhin stark im Geschäft mit gedruckten Medien verankert, forciert aber unaufhaltsam den Ausbau des Digital- und Unterhaltungsgeschäfts. Im letzten Jahr erzielte das Unternehmen einen Gewinn von 32 Mio. Franken bei einem Umsatz von rund 1 Mrd.<br />
<span id="more-13632"></span></p>
<p style="text-align: right;"><small><em>«Zeitungsjournalisten entlarven das Funkengestiebe des Internets, von bildschirmsüchtigen Kids und Nerds fürs Sternenzelt gehalten, als unendlich viel Meteoritenschrott.»</em> Frank A. Meyer, 2013</small></p>
<p>Der Epilog passt zum <a href="http://www.ringier.com/sites/default/files/upload/field_publication_file_de_art/ringier_jahresbericht_2012_d.pdf">Ringier-Jahresbericht</a> wie die Faust aufs Auge. Da geisselt einer das Internet und preist Zeitungen und Zeitschriften als «Salon unserer demokratischen Gesellschaft». Die Illustration mit einem «Lesekabinett» von 1840 zeigt eindrücklich, wonach sich der Autor offenbar sehnt. Die Realität sieht anders aus. Meyers Arbeitgeber Ringier ist längst kein Medienunternehmen mehr im engeren Sinn, sondern ein <a href="https://medienwoche.ch/2012/09/02/in-einer-anderen-liga/" target="_self">vertikal integrierter Unterhaltungskonzern</a>. Der Autor ist Frank A. Meyer, einst <a href="http://www.nzz.ch/aktuell/startseite/newzzD5EY80EG-12-1.419410" target="_blank">Chefpublizist</a> im Hause Ringier, heute ein <a href="http://blog.persoenlich.com/?p=452" target="_blank">pensionierter Journalist in Berlin</a>. Während sein Arbeitgeber sich konsequent vom Medienunternehmen zum Unterhaltungskonzern wandelt, hält Meyer stramm dagegen. Ein Ritual, das sich Jahr für Jahr wiederholt. Und von Jahr zu Jahr weniger mit der Realität von Ringier zu tun hat.</p>
<p>Vor noch nicht allzu langer Zeit hatte Meyer in Verleger Michael Ringier einen treuen Verbündeten wider das Internet. «Wir brauchen Edelmetall, den Schrott gibt es im Internet», <a href="http://www.persoenlich.com/news/medien/den-schrott-gibt-es-im-internet-296027#.UW_aEytOr3E" target="_blank">sagte der Verleger</a> noch vor zweieinhalb Jahren vor deutschen Branchenkollegen. Nun ist Ringier selbst ein Schrotthändler. Und dazu erst noch ein erfolgreicher, wie die Geschäftszahlen für das letzte Jahr zeigen. Entsprechend stolz zeigt sich Ringier, dass sein Haus zu einem der «aggressivsten Medienunternehmen» zähle bei den Investitionen ins Internet. Damit meint er auch die gewagte Akquisition einer <a href="http://www.nzz.ch/aktuell/wirtschaft/wirtschaftsnachrichten/tamedia-und-ringier-uebernehmen-jobsch-1.17596178" target="_blank">50-Prozent-Beteiligung an jobs.ch</a> für knapp 200 Millionen Franken (die andere Hälfte hält Tamedia). Bei Ringier Schweiz trägt das digitale Geschäft bereits mit 28 Prozent <a href="http://www.ringier.com/de/medien/medienmitteilungen/ringier-dank-kerngeschaeft-und-diversifizierung-2012-mit-ergebnis" target="_blank">zum Ergebnis bei</a>.</p>
<p>Doch so gut wie der Verkauf von <a href="http://www.ringier.com/de/medien/medienmitteilungen/qualipet-und-ringier-lancieren-gemeinsame-eshopping-plattform" target="_blank">Tierfutter</a> und <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Ticketcorner-gehoert-nun-auch-zu-Ringier/story/30518949" target="_blank">Tickets</a> im Netz funktioniert, so harzig kommt Ringier mit kostenpflichtigen journalistischen Angeboten voran. Die erst kürzlich angekündigte <a href="http://www.blick.ch/news/wirtschaft/blick-fuehrt-bis-im-herbst-2013-eine-internet-bezahlschranke-ein-id2125212.html" target="_blank">Einführung einer «Blick»-Paywall</a> im kommenden Herbst, wurde <a href="http://www.persoenlich.com/news/medien/verschiebt-einf-hrung-der-paywall-auf-unbestimmte-zeit-305857#.UW_YOStOr3E" target="_blank">auf unbestimmte Zeit verschoben</a>. «Wenn man von den Lesern Geld will, muss man etwas Besonderes bieten», sagte Michael Ringier. Die bestehenden Inhalte taugen offenbar nicht, um sie gegen Geld online anzubieten. Wahrscheinlicher als redaktionelle Beiträge kommen multimediale Zusatzangebote aus dem Geschäftsfeld Entertainment hinter die Paywall. Als Veranstalter und Vermarkter von Sportanlässen und Konzerten bestehen ideale Voraussetzungen, die Wertschöpfungskette auch bis hinter Paywall zu verlängern. Exklusive <a href="https://twitter.com/wolanin1983/status/324526700258025473" target="_blank">Videos der Fussball-Super-League</a>, die Ringier <a href="http://www.infrontringier.ch/projekte/swiss-football-league/" target="_blank">exklusiv vermarktet</a>? Die Bild-Zeitung in Deutschland macht es vor mit der Bundesliga.</p>
<p>Doch vorerst bleibt bei Ringier das klassische Mediengeschäft mit Zeitungen und Zeitschriften und Druckereien das stärkste Standbein. Gerade in Osteuropa, wo Ringier in zwei Ländern alleine und in vier weiteren mit Axel Springer zusammen auftritt, dominiert der Printbereich das Geschäft. So konnte Ringier in Ungarn und Rumänien den Erlös aus den Druckereien sogar massiv steigern. In der Schweiz steuert der Bereich Publishing, massgeblich Zeitungen und Zeitschriften, immer noch deutlich über die Hälfte des Umsatzes zum Gesamtergebnis bei. Doch die Anzeichen des Niedergangs waren auch im vergangenen Jahr nicht zu übersehen. So hat Ringier im letzten Jahr gleich drei Druckereien geschlossen und dabei im grossen Stil Personal abgebaut. Das «gute Ergebnis» sei deshalb nur aufgrund dieser Entlassungen erzielt worden, <a href="http://www.syndicom.ch/de/newsaktivitaeten/news/news-detailansicht/news/ringier-gewinnsteigerung-aufgrund-der-schliessung-dreier-swissprinters-druckereien.html" target="_blank">vermutet die Gewerkschaft</a>.</p>
<p>Als Einziges der grossen Schweizer Medienhäuser scheint Ringier eine Formel gefunden zu haben, seine Geschäfte den veränderten Vorzeichen der digitalen Medien- und Konsumwelt erfolgreich anzupassen. Dass dabei die Unabhängigkeit des Journalismus unter Druck gerät, weil er vermehrt als Erfüllungsgehilfe für Promotion und Bewerbung der lukrativen Geschäftsfelder hinhalten muss, scheint Ringier nicht allzu grosse Sorgen zu bereiten. Ganz neu ist auch das nicht. Denn die bunten Blättli und Heftli standen den Stars und Sternchen aus Showbiz und Sport schon immer sehr nahe. Nun sind sie quasi offizielle Ringier-Mitarbeiter. Auch das ist eine Form von Transparenz.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/04/18/erfolgreicher-schrotthaendler/">Erfolgreicher Schrotthändler</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Einer aus der Familie</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/04/07/einer-aus-der-familie-2/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 07 Apr 2012 11:52:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Unger]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Werfeli]]></category>
		<category><![CDATA[Oscar Frei]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Schneeberger]]></category>
		<category><![CDATA[Rinigier]]></category>
		<category><![CDATA[Marc Walder]]></category>
		<category><![CDATA[Schweizer Illustrierte]]></category>
		<category><![CDATA[Unterhaltung]]></category>
		<category><![CDATA[CEO]]></category>
		<category><![CDATA[Frank A. Meyer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seit zwei Tagen ist Marc Walder CEO von Ringier. Er folgt auf Christian Unger, der nach drei Jahren die Spitze des Unternehmens bereits wieder verlässt. Überraschend an der Personalie ist nur der Zeitpunkt. Dass Walder einmal an der Spitze von Ringier stehen würde, hat sich in den letzten Jahren abgezeichnet. Mit der Medienmitteilung am letzten <a href="https://medienwoche.ch/2012/04/07/einer-aus-der-familie-2/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/04/07/einer-aus-der-familie-2/">Einer aus der Familie</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="alignleft" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2012/04/logo_ringier.jpg" alt="" width="120" height="120" /> Seit zwei Tagen ist Marc Walder CEO von Ringier. Er folgt auf Christian Unger, der nach drei Jahren die Spitze des Unternehmens bereits wieder verlässt. Überraschend an der Personalie ist nur der Zeitpunkt. Dass Walder einmal an der Spitze von Ringier stehen würde, hat sich in den letzten Jahren abgezeichnet.<br />
<span id="more-30461"></span><br />
Mit der Medienmitteilung am letzten Donnerstag war die Amtsübergabe <a href="http://www.ringier.com/de/medien/medienmitteilungen/neuer-ceo-bei-der-ringier-ag" target="_blank">bereits vollzogen</a>. Marc Walder, bisher verantwortlich für das Geschäft in der Schweiz und Deutschland, steht ab sofort als CEO an der Spitze des globalen Medienkonzerns Ringier.</p>
<p>Walders Vorgänger Christian Unger schreibt auf seiner Webseite, es sei für ihn der richtige Zeitpunkt, <a href="http://www.christian-unger.com/neuer-ceo-bei-der-ringier-ag/" target="_blank">«neue Aufgaben anzunehmen»</a>. Auch von offizieller Seite war bisher nichts zu den Gründen für den überraschenden Führungswechsel zu erfahren; nur ein dürres Communiqué ohne Würdigung und Dankesworte für die Leistungen des bisherigen CEO, als wolle man die Ära Unger möglichst schnell vergessen machen.</p>
<p>Der Abgang Ungers überrascht insofern, als dass der bisherige Ringier-CEO bei seinem Amtsantritt 2009, <a href="http://www1.smd.ch/SmdDocuments/?allParmsX=rWZcWEtd0ZihomJ0Df9YKVEcR6RvhT87hQKl2ONpRA9GGtI6K9jpmkZyOYR50cc*tme4m6rYsqnSWLbwkkmrrw65*I1RyxNOQ4Eu4E3qdpOv5hRTrXEeIukZH7Es92kdwYnqJy2wluoG0ryOCrqHYls4PdfJZW1De3nAmLi*v-w%3D&amp;allParmsXCRC=1663366200&amp;aktion=documentsDownload&amp;newLocale=de" target="_blank">der Sonntagszeitung sagte</a>, «sehr viel länger als nur zwei oder drei Jahre» für Ringier arbeiten zu wollen. Nun waren es nur drei Jahre. Offensichtlich hat Unger die Erwartungen an die Dauer seiner Amtszeit drastisch nach unten korrigiert – oder korrigieren müssen.</p>
<p>Einer der Gründe dafür heisst Marc Walder. Wer den Karriereverlauf des früheren Tennisprofis als Journalist und späterer Manager bei Ringier anschaut, erkennt nur eine Richtung: Nach oben. Nun ist er ganz oben angekommen. Insofern vermag höchstens der Zeitpunkt zu überraschen, nicht aber der Umstand, dass Walder irgendwann an der Spitze von Ringier stehen würde.</p>
<p>Als er vor einem Jahr danach gefragt wurde, ob er als nächstes den Posten von Unger übernehmen werde, beantwortet  Walder die Frage ausweichend <a href="http://www.mediummagazin.de/magazin-plus/die-ringnier-strategie/" target="_blank">und sagte nur</a>, dass er sehr glücklich sei und sich «in der spannendsten und zufriedenstellendsten Situation meines Berufslebens» befinde.</p>
<p>Mit Marc Walder steht nun jemand an der Spitze von Ringier, der der Verlegerfamilie sehr nahe steht. Den Verleger Michael Ringier kennt Walder seit dreissig Jahren. Deshalb gebe es eine persönliche und berufliche Komponente, die sie aber zu trennen wüssten. Die Nähe zum Verleger, sowie – noch wichtiger – die unternehmensinterne Karriere, sind denn auch die augenfälligen Unterschiede zum zurückgetretenen Christian Unger, der als externer Manager zu Ringier gekommen war. Damit war Unger eine grosse Ausnahme an der Spitze des Konzerns. Der letzte Spitzenmann ohne Stallgeruch war Peter Schneeberger Mitte der 1980er Jahre. Danach folgten mit Michael Ringier, Oscar Frei und Martin Werfeli alles Figuren mit langjähriger Ringier-Karriere.</p>
<p>Sicher nicht nachteilig wirkt sich für Walder aus, dass er es mit der grauen Eminenz von Ringier, dem Publizisten Frank A. Meyer, gut kann. Woche für Woche trinken die beiden zusammen einen Espresso, plaudern über Gott und die Welt und veröffentlichen das Gespräch als Interview in der Schweizer Illustrierten. Diese Nähe suchte Unger nicht. Im Gegenteil. Nach seinem Amtsantritt <a href="http://blog.persoenlich.com/?p=452" target="_blank">bezeichnete Unger Meyer</a> als «einen Journalisten, mittlerweile pensioniert, der in Berlin lebt», nachdem dieser versucht hatte, dem neuen CEO den Tarif durchzugeben.</p>
<p>Bei allen atmosphärischen und zwischenmenschlichen Komponenten bleibt für die Berufung an die Spitze der unternehmerische Leistungsausweis ausschlaggebend. Den hat sich Walder mit dem Umbau von Ringiers Schweizer Geschäfts vom Medien- zum integrierten Unterhaltungskonzern erworben. Ein Weg, der sich auch für das globale Geschäft anbietet, zumal Ringier schon heute sein Geld im Ausland  nicht nur mit Zeitungen und Zeitschriften verdient. Events, Sport und Stars, die drei Säulen, auf denen Ringier in der Schweiz sein Unterhaltungsgeschäft abstützt, kennen keine Grenzen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/04/07/einer-aus-der-familie-2/">Einer aus der Familie</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Aufgestellt für den Selbstmord</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/09/02/aufgestellt-fur-den-selbstmord/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 02 Sep 2011 08:20:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Standpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Journalisten]]></category>
		<category><![CDATA[Jungjournalisten]]></category>
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		<category><![CDATA[Frank A. Meyer]]></category>
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		<category><![CDATA[Filippo Leutenegger]]></category>
		<category><![CDATA[Roger Schawinski]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Schweizer Journalistenbranche will lieber gemeinsam alt werden, statt sich konsequent zu erneuern. Frischen Kräften bleibt der Zugang zu verantwortungsvollen Aufgaben verwehrt. Jüngere Generationen arbeiten und informieren sich woanders. So ist man auf dem besten Wege, sich selbst abzuschaffen. Änderungen sind gefragt! &#8222;Die Zukunft liegt nicht in der Vergangenheit&#8220;, stellt der einzige hauptamtliche Medienredaktor der <a href="https://medienwoche.ch/2011/09/02/aufgestellt-fur-den-selbstmord/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/09/02/aufgestellt-fur-den-selbstmord/">Aufgestellt für den Selbstmord</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" alt="" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2011/09/Bild-von-Lodovico-Agostino-Marazzani-Visconti.png" class="alignleft" width="120" height="120" /> Die Schweizer Journalistenbranche will lieber gemeinsam alt werden, statt sich konsequent zu erneuern. Frischen Kräften bleibt der Zugang zu verantwortungsvollen Aufgaben verwehrt. Jüngere Generationen arbeiten und informieren sich woanders. So ist man auf dem besten Wege, sich selbst abzuschaffen. Änderungen sind gefragt!<br />
<span id="more-28913"></span><br />
<a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/medien/simulation_alter_arena-zeiten_1.12104086.html">&#8222;Die Zukunft liegt nicht in der Vergangenheit&#8220;</a>, stellt der einzige hauptamtliche Medienredaktor der Schweizer Tageszeitungen, Rainer Stadler, in der NZZ fest: das &#8222;neue&#8220; Format der &#8222;Arena&#8220; sei nicht mehr als eine Simulation der alten. Richtig, auch <a href="https://medienwoche.ch/2011/08/19/schauinski/">Schaüinski</a> ist nicht mehr als ein abgefilmter &#8222;Doppelpunkt&#8220;, ein &#8222;Talk Täglich&#8220; mit Designer. Ist es nicht verwunderlich, dass ausgerechnet die mehr oder minder verwitterten Gesichter von Roger Schawinski (*1945) und Filippo Leutenegger (*1952) frischen Wind in die öffentlich-rechtlichen und privaten Talkformate bringen sollen?</p>
<p>Die etablierten journalistischen Formate werden zusammen mit ihrem Publikum immer älter. Jüngere Generationen werden damit oft nicht mehr erreicht, denn die <a href="http://www.mpfs.de/?id=189">informieren sich zunehmend im Web</a>. Kontakt mit journalistischen Angeboten haben sie vor allem durch Videoportale, Gratiszeitungen und Online-Portale, doch letztere befinden sich nur noch ab und zu in der Hand der etablierten Verleger. Die Frage sei erlaubt: Wann hat zuletzt eine Titelgeschichte einer Printpublikation die Jugend so begeistert, dass sie deswegen die Kioske stürmte? Es muss irgendwann im letzten Jahrtausend gewesen sein.</p>
<p>Über die Themen, die viele junge Menschen interessieren, berichten etablierte journalistische Formate nur am Rande und wenn, dann nicht selten falsch. Auch wenn das Problem vielerorts erkannt und verbessert wurde, fühlen sich Onlinespieler, Weblogger, Webnutzer zurecht oft unangemessen behandelt. Wer beispielsweise Wegweisendes lesen will über die neusten Entwicklungen im Internet, kann das im Netz täglich tun. Doch in den journalistisch etablierten Medien werden die ganze Branchen umwälzenden Veränderungen durch das Internet noch immer recht stiefmütterlich behandelt. Natürlich auch, weil es sich dabei um die direkte Konkurrenz handelt.</p>
<p>Dass Zeitungen und Zeitschriften kaum noch junge Leser für sich gewinnen können, liegt auch an den Personalstrukturen der Verlage. Es werden zwar durchaus junge Mitarbeiter beschäftigt, doch die sind entweder für online zuständig oder für untergeordnete Aufgaben &#8211; was im Bewusstsein vieler Print-Führungskräfte fatalerweise ein Äquivalent ist. Ganz im Gegensatz zur USA, dort sind die aufstrebenden Stars der journalistischen Branche <a href="http://www.thelmagazine.com/gyrobase/theyre-young-they-re-successful-theyre-not-you/Content?oid=1454923&amp;storyPage=8">26</a>, <a href="http://www.thelmagazine.com/gyrobase/theyre-young-they-re-successful-theyre-not-you/Content?oid=1454923&amp;storyPage=9">25</a>, <a href="http://www.thelmagazine.com/gyrobase/theyre-young-they-re-successful-theyre-not-you/Content?oid=1454923&amp;storyPage=7">23</a> Jahre alt. Wir erinnern uns: &#8222;Weltwoche&#8220;-Chef Roger Köppel, der sich bald als eines der grössten Talente der Schweizer Medienbranche herausstellte, schrieb ab 1994 (mit 29) lange Feuilleton-Texte im &#8222;Tages-Anzeiger&#8220; und wurde 1997 (mit 32) zum Chefredakteur des &#8222;Magazins&#8220;. Welche journalistischen Stars unter 30 oder unter 35 hat die Schweizer Medienszene eigentlich die letzten Jahre geboren? Fällt jemandem ein Name ein?</p>
<p>Überhaupt sind die Plätze in den Redaktionen bereits besetzt und besonders die wirklich attraktiven Jobs werden auch besetzt gehalten. Von Journalisten, die die grosse Sparrunde vor zwei Jahren überlebt haben. Das war gar nicht so einfach und manchmal auch einfach Zufall, denn viele von denen, die ihren Job behalten durften, sind ja nicht besser als jene, die gehen mussten. Gehen mussten alle möglichen Mitarbeiter: Aus nachvollziehbaren sozialen Gründen nicht ganz so schwer fiel der Abschied von Alten, die frühpensioniert werden konnten und von Jungen, die &#8222;sicher wieder was finden&#8220;. Doch Journalismus sollte von allen Gesellschaftsschichten für alle Gesellschaftsschichten gemacht werden. Neben den Jungen in Führungspositionen fehlen auf vielen Redaktionen die Nicht-Akademiker, eine riesige Gruppe, von denen durchaus viele schreiben können. &#8222;Tagi&#8220;-Co-Chef Res Strehle, (&#8222;68, aber lieb&#8220;), sagte in einem <a href="http://www.woz.ch/artikel/2009/nr28/schweiz/18118.html">Interview mit der &#8222;Woz&#8220;</a>: &#8222;Wir stossen niemanden ins Prekariat.&#8220; Wieviele aber das journalistische Prekariat gar nicht erst verlassen und dann irgendwann in ganz andere Jobs verschwinden, zählt niemand.</p>
<p>Geblieben sind nach den <a href="http://www.persoenlich.com/news/show_news.cfm?newsid=82610">«Mai-Massakern»</a> 2009 (eine Übersicht der Entlassungen hat <a href="http://medienspiegel.ch/abbauschlacht.html">medienspiegel.ch</a>) viele Anpassungsfähige, die eine Familie zu versorgen haben und ohne zu murren das tun, was von oben gefordert wird. Oft sind das akademisch gebildete Eltern, zwischen 35 und 55 Jahren. Kaum zum Opfer fielen den Entlassungen überraschenderweise die Vorgesetzten. Nehmen wir mal <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/ueberuns/impressum/Impressum/story/28680087">die Chefs beim &#8222;Tages-Anzeiger&#8220;</a>: Neben vier Mitgliedern der Chefredaktion gibt es zwei Nachrichtenchefs und sieben Ressortleiter. Man fragt sich unwillkürlich, ob der &#8222;Tagi&#8220; bald mehr Chefs als Mitarbeiter hat. Die Krise führt in den Printmedien immer mehr zu einer umgekehrten Hierarchie-Pyramide. Während die Inhalte produzierende Basis immer schmaler wird, bleiben die Führungsetagen unangetastet, sie werden nur gemeinsam älter. Frank A. Meyer (*1944) beispielsweise darf jeden Sonntag zweimal seine vorgestrige Sicht der Welt im &#8222;Sonntags-Blick&#8220; ausbreiten. Seine &#8222;Hasstirade gegen das Internet&#8220; (<a href="http://hyperkontext.at/weblog/artikel/frank-a-meyer-und-seine-reproduzierte-wirklichkeit-der-medien/">Zitat hyperkontext.at</a>) mit dem Titel <a href="http://www.blick.ch/news/fam/basta-125570">&#8222;Basta!&#8220;</a> sorgte im Web für ungläubiges Staunen und unverhohlenes Gelächter. Hunderte von Twitterern verlinkten einen von Michel Reimon verfassten Brief <a href="https://wp_updatethoughts.wordpress.com/2009/08/14/offenster-brief-zum-dummsten-text-eines-journalisten-uber-das-internet/">&#8222;zum dümmsten Text eines Journalisten über das Internet&#8220;</a>.</p>
<p>Natürlich gibt es überall Ausnahmen, und bei der WOZ, bei der Weltwoche und auch beim Schweizer Fernsehen hat man durchaus hin und wieder mal den Eindruck, dass auch Jüngere Verantwortung übernehmen dürfen.</p>
<p>Weil das Boot schon voll ist, erhalten junge Journalisten heute kaum Chancen, ihre Talente auszuleben. Sie bleiben im Vergleich schlecht bezahlt und müssen unter Druck Agenturmeldungen umformulieren und oberflächliche Beiträge raushauen &#8211; andere wiederum sehen Redaktionen seit jeher nur von Aussen. Die vielleicht verdienstvollste Schweizer Journalistin der letzten Jahrzehnte, Margrit Sprecher, sagte <a href="http://www.klartext.ch/?p=9219">im &#8222;Klartext&#8220; (Ausgabe 5/09)</a>: &#8222;Es ist entwürdigend, wie mit den Jungen umgegangen wird.&#8220; Zusammengestrichene und nicht erscheinende Artikel würden das Selbstvertrauen beschädigen, &#8222;das Wichtigste, das man in unserem Beruf haben muss&#8220;. Auch wenn Tamedia und NZZ erfreulicherweise angekündigt haben, neue Mitarbeiter im Online-Bereich einzustellen, werden nur wenige davon den journalistischen Bereich betreffen. Wiederum werden die meisten von denen, die Inhalte erstellen, ein Kürzel bleiben und nicht die Chance erhalten, zu einer der publizistischen Stimmen zu reifen, an die sich die Leserschaft erinnert und die sie wieder und wieder lesen will.</p>
<p>Fasst sich mal ein Verleger (Peter Wanner) ein Herz und setzt einen damals 31-Jährigen (Patrik Müller) an die Spitze einer Sonntagszeitung (&#8222;Sonntag&#8220;), dann wird das mit Misstrauen, man könnte auch sagen Herablassung, aus dem inzestuösen Zürich verfolgt. Thomas Knellwolf vom &#8222;Tages-Anzeiger&#8220; schrieb 2007 über die erste Ausgabe des Neulings, &#8222;die kleine, teilweise profilierte Redaktion aus Baden&#8220; habe &#8222;nichts Weltbewegendes zu vermelden&#8220;. Er stiess ausserdem auf &#8222;Interviews ohne kritische Fragen&#8220;, und auch die &#8222;lokalen Nachrichten im &#8218;Sonntag&#8216; konnten nicht überzeugen&#8220;. Dass die &#8222;Sonntag&#8220;-Redaktion viel kleiner ist als die der &#8222;Sonntagszeitung&#8220; oder der &#8222;NZZ am Sonntag&#8220;, wurde nicht erwähnt.</p>
<p>Nur wenig später tanzten die Zürcher Grossverlage um Patrik Müller wie um ein goldenes Kalb und wollten ihn zum Chef von &#8222;Tagi&#8220; und &#8222;Blick&#8220; machen &#8211; der aber lehnte alle Angebote ab (<a href="https://twitter.com/#!/patrik_mueller/status/106014245518446593">Tweet vom 23. August 2011</a>: &#8222;Liebe Zürcher, bin 8 Jahre bei Peter Wanner &#8211; es macht Spass, bei ihm zu arbeiten&#8220;). Selbst Talente zu entdecken und Verantwortung zu übertragen, gehört heute offenbar nicht mehr zu den Stärken der Grossverlage. Lieber besetzen sie die Spitzen mit alten Haudegen der Branche, oder, falls den Job gar niemand machen kann oder will, mit Marc Walder. Frische Kräfte kommen nicht an die Macht, denn die haben ja noch keine Erfahrung. Jene wiederum, die ausreichend Erfahrung sammeln durften, sind bereits so betriebsblind, dass sie nicht als frische Kräfte gelten können.</p>
<p>&#8222;Bei Ringier habe ich erlebt, dass gewisse Chefs Angst haben, bessere Leute zu engagieren, weil ihnen diese gefährlich werden könnten&#8220; sagte Müller 2009 in einem <a href="http://www.persoenlich.com/news/show_news.cfm?newsid=81502">Interview mit &#8222;Persönlich&#8220;</a>. Das ist auch in anderen Verlagen so. Doch weil sich, solange die Zahlen einigermassen stimmen, darum niemand kümmert, bleibt alles, wie es ist. Für die Zukunft ist diese Haltung jedoch Selbstmord. Wenn keine Erneuerung mehr stattfindet, wenn keine jungen oder unbequemen Journalisten mehr Verantwortung übernehmen dürfen, dann verlieren die Publikationen bald auch noch den letzten Geruch von Frische. Und werden, was sie schon zu einem guten Teil geworden sind: Rentnerblätter mit einer laufend wegsterbenden Leserschaft. Wer sich wirklich um die Zukunft des Landes Sorgen macht, wie es im aktuellen Wahlkampf fast alle Parteien behaupten, sollte die Jugend mit gutem Journalismus versorgen.</p>
<p>Der Schweizer Journalismus verabschiedet sich nach und nach von den Menschen unter 35 Jahren, sowohl als wichtige Mitarbeiter als auch als Leser. Überhaupt, die treiben sich ja, man musste es bitter erfahren, doch nur in diesem Internet rum. Ihre Zahlungsbereitschaft tendiert angeblich gegen null. Und dann sind sie auch noch untreu. Viele Wohngemeinschaften machen sich nicht mal mehr die Mühe, für jedes WG-Mitglied und für jede Tageszeitung kostenlose Probeabos aneinanderzureihen &#8211; dabei würde das doch der Auflage zugutekommen.</p>
<p>Die 548 Franken für ein NZZ-Jahresabo setzen einen gut entlöhnten Job mit Lesefreizeit voraus, ein Luxus, über den nicht alle verfügen. Studenten haben zwar 40 Prozent Rabatt, doch dann sind es immer noch über 300 Franken, die auch anders ausgegeben werden können. Und die Zukunft verheisst zweierlei: Teurere Jahresabos und weniger sichere Jobs für junge Leser &#8211; eine Todesspirale. Bei den ganz jungen Lesern setzen einige Verlage mit Projekten wie <a href="http://new.baz.ch/zisch/">&#8222;Zeitung in der Schule&#8220;</a> an, doch dann verlieren sich die Bemühungen um die Jugend wieder, Beilagen wie &#8222;Ernst&#8220; tauchten zuletzt in den 1990er-Jahren auf.</p>
<p><a href="http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/dossier/finanzkrise/Sie-begehen-Selbstmord-aus-Angst-vor-dem-Tod/story/20100068">&#8222;Selbstmord aus Angst vor dem Tod&#8220;</a> nannte Roger Schawinski die Internetstrategie der in Panik geratenen Printmedien. Doch wenn es überhaupt eine Zukunft gibt für Printmedien, dann liegt sie in dieser schmählich vernachlässigten U35-Generation, die Printprodukte gar nicht generell ablehnt, wie manch ein verzweifelter Verlagsmanager vermutet.</p>
<p>Das Problem liegt bei den Trainern der Branche. Sie und ihr aufgeblähter Stab sind zu einem guten Teil nicht für die Zukunft aufgestellt. Und da niemand Druck macht in der Schweizer Medienbranche und lieber alle vordergründig Freunde bleiben, denken die Clubpräsidenten nicht daran, zu handeln, also mal den einen oder anderen Cheftrainer zu feuern. Am Schluss bleiben die Zuschauer aus und die schönen Stadien müssen für immer schliessen. Dann wird halt wieder auf dem Acker gespielt.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/09/02/aufgestellt-fur-den-selbstmord/">Aufgestellt für den Selbstmord</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Netz-Revoluzzer Frank A. Meyer</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/05/13/netz-revoluzzer-frank-a-meyer/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 13 May 2011 06:50:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Frank A. Meyer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Fast niemand hat es gemerkt: Aber Ringier-Publizist Frank A. Meyer ist unter die Videoblogger gegangen. Schon seit Monaten gibt er auf Cicero.de und auf YouTube pointierte, mitunter emotionale «Videokommentare» ab. Im Sommer 2009 schrieb Frank A. Meyer eine legendäre Kolumne im «SonntagsBlick» mit dem Titel «Basta!». Er behauptete darin, es sei die «schöne neue Laptop-Welt» <a href="https://medienwoche.ch/2011/05/13/netz-revoluzzer-frank-a-meyer/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/05/13/netz-revoluzzer-frank-a-meyer/">Netz-Revoluzzer Frank A. Meyer</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Fast niemand hat es gemerkt: Aber Ringier-Publizist Frank A. Meyer ist unter die Videoblogger gegangen. Schon seit Monaten gibt er auf Cicero.de und <a href="https://www.youtube.com/user/CiceroOnline1/videos?flow=grid&#038;view=0&#038;sort=da">auf YouTube</a> pointierte, mitunter emotionale «Videokommentare» ab.</strong></p>
<p>Im Sommer 2009 schrieb Frank A. Meyer eine legendäre Kolumne im «SonntagsBlick» mit dem Titel <a href="http://www.blick.ch/news/fam/basta-125570">«Basta!»</a>. Er behauptete darin, es sei die «schöne neue Laptop-Welt» gewesen, die «die Finanzwirtschaft von Recht und Gesetz» befreit habe. Er echauffierte sich über die «Gesetzlosigkeit im World Wide Web», der «die Kulturindustrie zum Opfer» falle. Und dachte nach über «Internetfreaks», die «die Umwertung der bisher gültigen Werte» verkünden. Die Kolumne, die im Web für viel Heiterkeit sorgte, endete mit den Worten:</p>
<blockquote><p>«Jugend war stets das Zauberwort für Systemstürzer von rechts und links. So, wie Jugend jetzt erneut als Zauberwort der Netz-Revoluzzer gilt. Dem faulen Zauber ist rasch ein Ende zu bereiten.»</p></blockquote>
<p>Nun hat sich der Ringier-Mann doch anders entschieden und geht auf seine alten Tage selbst ins Web &#8211; kein Ende also für den «faulen Zauber». Anders als bei den <a href="http://www.weltwoche.ch/home/select_category/5.html">«Weltwoche»-Videokommentaren</a>, die ins Blaue hinausreden, verfügt er über einen (ungenannten) Sparringpartner. Meyers Format erinnert damit mehr an das seines alten Erzfeinds Christoph Blocher, der sich auf <a href="http://www.teleblocher.ch/">Tele Blocher</a> Woche für Woche von Matthias Ackeret befragen lässt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2011/05/meyer2011.jpg" alt="" width="789" height="450" class="alignnone size-full wp-image-49992" srcset="https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2011/05/meyer2011.jpg 789w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2011/05/meyer2011-300x171.jpg 300w, https://medienwoche.ch/wp_website/wp-content/uploads/2011/05/meyer2011-768x438.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 789px) 100vw, 789px" /></p>
<p>In seinem bisher neusten <a href="http://www.cicero.de/97.php?ress_id=1&#038;item=6235">Kommentar auf cicero.de</a>setzt er sich für die Rechte der Frauen ein. Und findet deutliche Worte für den Islam:</p>
<blockquote><p>«Wir können doch keinen Ausgleich mit einer Religion suchen, die Hunderte Millionen von Frauen entrechtet, unterdrückt, aufs Schändlichste peinigt, psychisch peinigt, physisch peinigt mit Auspeitschungen. Wie können wir einen Ausgleich finden? Das ist ein Männerdenken!»</p></blockquote>
<p>Zu erinnern bleibt, dass Ähnliches und Schlimmeres im Namen des Christentums geschehen ist.</p>
<p>Sind die Webprojekte der alten Herren (Chefredaktor Michael Naumann, SPD, Jahrgang 1941, Frank A. Meyer, parteilos, Jahrgang 1944) bei «Cicero» eine kleine Revolution im Hause Ringier? Nein. Denn Verleger Michael Ringier wird nicht müde, bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu betonen, dass er das Web, mit dem sein Verlag gutes Geld verdient, eigentlich verachtet. <a href="http://www.20min.ch/news/kreuz_und_quer/story/26280698">2009</a> sagte er, das Internet sei eine «Wundertüte voll Schwachsinn, Trash, Chabis, Verleumdungen und Pöbeleien». Nun also inklusive Freund Frank.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/05/13/netz-revoluzzer-frank-a-meyer/">Netz-Revoluzzer Frank A. Meyer</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Die Printverleger und das Internet</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/02/23/die-printverleger-und-das-internet-keine-liebesgeschichte/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Feb 2011 11:50:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Hanspeter Lebrument]]></category>
		<category><![CDATA[Michael Ringier]]></category>
		<category><![CDATA[Frank A. Meyer]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Wälty]]></category>
		<category><![CDATA[Printverlage]]></category>
		<category><![CDATA[Norbert Neininger]]></category>
		<category><![CDATA[Ringier]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Aus den Kaderabteilungen der Schweizer Printverlage waren seit dem zunehmenden Aufkommen des Internets immer wieder knackige Zitate über die wachsende elektronische Konkurrenz zu hören. Böse Zungen sprachen jeweils von Kriegs- und Kampfrhetorik, und es fielen Begriffe wie Internetfeindlichkeit und Ahnungslosigkeit. Um einen Überblick zu erhalten und die Haltbarkeit der Aussagen im Wandel der Zeit verfolgen <a href="https://medienwoche.ch/2011/02/23/die-printverleger-und-das-internet-keine-liebesgeschichte/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/02/23/die-printverleger-und-das-internet-keine-liebesgeschichte/">Die Printverleger und das Internet</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Aus den Kaderabteilungen der Schweizer Printverlage waren seit dem zunehmenden Aufkommen des Internets immer wieder knackige Zitate über die wachsende elektronische Konkurrenz zu hören. Böse Zungen sprachen jeweils von Kriegs- und Kampfrhetorik, und es fielen Begriffe wie Internetfeindlichkeit und Ahnungslosigkeit. Um einen Überblick zu erhalten und die Haltbarkeit der Aussagen im Wandel der Zeit verfolgen zu können, haben wir einige der Sprüche auf eine im Jahr 2007 beginnende Zeitleiste gepackt. <span id="more-28733"></span></p>
<p>Wann sagte Hanspeter Lebrument den legendären Satz «Google hat Angst vor uns»? Es war im Herbst 2007 und damals wie heute war er Präsident des Schweizer Verlegerverbands. Ein Jahr später folgte Norbert Neininger, gleich wie Lebrument schon lange Mitglied des Präsidiums, mit den Worten «Was Google macht, ist illegal.» 2010 dann schrieb Neininger, die Einführung eines Leistungsschutzrechts nach deutschem Vorbild habe «Priorität».</p>
<p>Hat die holzverarbeitende Branche seit 2007 etwas gelernt? Oder eher nicht? Das kann nun jede und jeder selbst entscheiden. Zu sehen ist die <a href="http://timeglider.com/app/viewer.php?uid=line_5e59b1f138f6272700e5bad49b7ee645">Zeitleiste der Zitate auf Timeglider.com</a>.</p>
<p>Und eingebunden hier, nach der kurzen Bedienungsanleitung:</p>
<p>1. Auf &#8222;Start&#8220; klicken.<br />
2. Scrollen: von links nach rechts (und wieder zurück).<br />
3. Zoomen: mit dem grünen Regler rechts.<br />
4. Quellenangaben: Klick auf das einzelne Zitat.<br />
5. Vollbildansicht: Klick rechts oben auf den Schraubenschlüssel.</p>
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		<title>Ringier und die Pressefreiheit</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/02/14/ringier-und-die-pressefreiheit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[René Worni]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Feb 2011 12:26:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Frank A. Meyer]]></category>
		<category><![CDATA[Ungarn]]></category>
		<category><![CDATA[Viktor Orban]]></category>
		<category><![CDATA[Axel Springer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vor knapp einer Woche meldete die SDA, die linksliberale ungarische Zeitung Nepszabadsag habe eine Verfassungsklage gegen das umstrittene Mediengesetz in Ungarn eingereicht. Die Meldung ging unkommentiert im Tagesgeschäft der Schweizer Medien unter, zumal die Agentur verschwieg, dass Nepszabadsag zu rund 70 Prozent dem Ringier Verlag gehört. Nicht einmal der Blick hielt es für nötig, auf <a href="https://medienwoche.ch/2011/02/14/ringier-und-die-pressefreiheit/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/02/14/ringier-und-die-pressefreiheit/">Ringier und die Pressefreiheit</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Vor knapp einer Woche meldete die SDA, die linksliberale ungarische Zeitung <a href="http://hungarianvoice.wordpress.com/2011/02/09/nepszabadsag-klage-gegen-mediengesetz/" target="_blank">Nepszabadsag habe eine Verfassungsklage</a> gegen das umstrittene Mediengesetz in Ungarn eingereicht. Die Meldung ging unkommentiert im Tagesgeschäft der Schweizer Medien unter, zumal die Agentur verschwieg, dass Nepszabadsag zu rund 70 Prozent dem Ringier Verlag gehört.<br />
<span id="more-28721"></span><br />
Nicht einmal der Blick <a href="http://www.blick.ch/news/ausland/verfassungsklage-gegen-ungarns-mediengesetz-106515" target="_blank">hielt es für nötig</a>, auf die Mehrheitsbeteiligung seines Mutterhauses hinzuweisen. Das ist erstaunlich, denn Ringier ist in Ungarn immerhin der bedeutendste Printverleger noch vor Axel Springer, mit dem sich das Verlagshaus im vergangenen Sommer zu einer gigantischen Ostholding (4800 Angestellte, Umsatz 414 Millionen Euro) verbrüdert hat. Seit 1994 ist Ringier in Ungarn präsent und beschäftigt heute über 1500 Angestellte, gibt zwölf Zeitungen und Zeitschriften heraus, darunter mit Blikk die auflagenstärkste und betreibt unzählige Internetseiten. Müsste es nicht das Uranliegen eines erfolgreichen Medienhauses sein, jede Bedrohung des Grundrechts der Pressefreiheit mit öffentlichem Protest zu parieren?</p>
<p>An der Dufourstrasse hält man sich bedeckt. Weder Konzernchef Christian Unger noch der für Ringier Zentraleuropa verantwortliche Florian Fels sind für eine Stellungnahme zugänglich. Nicht einmal Ringiers publizistisches Gewissen in Berlin, Frank A. Meyer, liess sich bisher öffentlich zu Ungarn vernehmen, einer, dem sonst schnell der Hals anschwillt, wenn journalistische Maximen bekräftigt sein wollen. In einer offiziellen Stellungnahme von Ringier heisst es: Ringier analysiere die medienpolitische Situation vor Ort «sehr genau» und verfolge die Entwicklung «mit Sorge». Und weiter: «Es ist aber noch zu früh, um die konkreten Auswirkungen des neuen Mediengesetzes auf unsere Medien und auf die Arbeitsbedingungen der Journalistinnen und Journalisten beurteilen und kommunizieren zu können.»</p>
<p>Die Auswirkungen sind jedoch schon längst da. «Eigentlich hätten wir den Staat zu kontrollieren, doch jetzt ist es umgekehrt, der ungarische Staat kontrolliert die Presse», sagte Karoly Vörös, Chefredaktor von Nepszabadsag bereits <a href="http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/medien_politik_wirtschaft/ungarn143.html" target="_blank">im Januar im Norddeutschen Rundfunk</a>. Seit dem Machtantritt von Viktor Orban vor neun Monaten stehen Ungarns Medien im Schwitzkasten des Ministerpräsidenten und seiner rechtsnationalen Partei Fidesz. So wurde das  Personal in den Redaktionen von Ungarns öffentlich-rechtlichem Rundfunk schrittweise ausgetauscht und in einem einzigen Medienunternehmen zentralisiert. Mit dem neuen Mediengesetz, das am 1. Januar in Kraft getreten ist, kann die Regierung direkt über den von ihr bestellten Medienrat missliebige Beiträge sanktionieren und ihre Urheber mit Geldbussen von mehreren 100 000 Euro bestrafen oder sie zur Offenlegung der Quellen zwingen. Das schüchtert ein. Die Verhaltensmassregeln des 228 Paragraphen umfassenden Regelwerkes sind laut Beobachtern schwammig formuliert und öffnen der behördlichen Willkür alle Schleusen. Sanktionen sollen indes erst ab dem 1. Juli verhängt werden. Dann gibt Ungarn den Vorsitz im EU-Ministerrat ab und tritt aus dem Rampenlicht Europas zurück. Derzeit prüft die EU das Gesetz.</p>
<p>Der Eindruck könnte entstehen, Ringier komme die Verfassungsklage des streitbaren Chefredaktors Karoly Vörös und seiner Leute gerade recht und das Schweizer Unternehmen lasse sich nur zu gern die Kohlen von der einheimischen Stiftung Szabad Sajto Alapitvangy (Stiftung Freie Presse), welche die Minderheit an dem Blatt hält, aus dem Feuer holen. Ringier-Mediensprecher Kaspar Haffner widerspricht: «Die Klage stammt vom Minderheitsbesitzer und ist insofern unabhängig von der Ringier AG. Die freie und unabhängige Berichterstattung ist die Basis unserer Tätigkeit und wir würden jede Einschränkung der Medienfreiheit in Ungarn verurteilen.» Ringier begrüsse die Prüfung durch die EU-Gremien und erwarte das abschliessende Ergebnis mit Spannung. Zu denkbaren Massnahmen will sich Haffner zum jetzigen Zeitpunkt nicht äussern. Ringiers Position ist dabei nicht gerade komfortabel, um bei den Behörden allzu laut auf die Garantie der Pressefreiheit zu pochen, denn die ungarische Kartellbehörde hat das Joint Venture mit Axel Springer noch nicht abgesegnet.</p>
<p>Die Zurückhaltung deckt sich weitgehend mit derjenigen weiterer in Ungarn führender ausländischer Medienhäuser. Den grössten Marktanteil beim Fernsehen hält RTL gefolgt von Pro7Sat1. Im Printbereich führend sind Ringier, vor Axel Springer und der WAZ-Gruppe. Wer mit der Macht quasi im Boot sitzt und von ihr ideale Rahmenbedingungen für sein Medium will und diese auch bekommt, zum Beispiel für Werbung und Productplacement, der hat keinen Anlass zu protestieren. «Die Medien haben bekommen, was sie wollten», sagte Attila Mong, ehemaliger Moderator von Radio MR1-Kossuth <a href="http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/medien_politik_wirtschaft/ungarn143.html" target="_blank">in einem Beitrag des Norddeutschen Rundfunks Mitte Januar</a>. Mong hatte unmittelbar nach der Verabschiedung des Gesetzes im vergangenen Dezember mit einer Schweigeminute protestiert und wurde deshalb zusammen mit einem Kollegen von seinem Sender entlassen. Die grossen Häuser hoffen deshalb lieber auf die Prüfergebnisse der EU. Es liege zunächst am lokalen Management, sich zur Politik des Landes zu äussern, liess sich zum Beispiel die RTL-Gruppe im selben NDR-Beitrag vernehmen. Den Kampf für die Pressefreiheit überlässt man also lieber den Kollegen vor Ort, denn allzu lauter Protest könnte das flotte Ostgeschäft trüben. Pressefreiheit? In Zeiten, wo Medienhäuser zu Unterhaltungskonzernen mutieren, sollten entsprechende Beteuerungen – so sie denn fallen – mit angemessener Vorsicht betrachtet werden.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/02/14/ringier-und-die-pressefreiheit/">Ringier und die Pressefreiheit</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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