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	<title>Guardian | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Mon, 03 Feb 2020 14:12:40 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
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	<item>
		<title>Weniger ist mehr: Qualitätsjournalismus zahlt sich im Digital-Bereich aus</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2020/02/03/weniger-ist-mehr-qualitaetsjournalismus-zahlt-sich-im-digital-bereich-aus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Feb 2020 14:12:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Guardian]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Onlinepublikationen wie «The Guardian», «The Times of London» und «Le Monde» haben die Anzahl der Artikel reduziert und damit überraschend mehr Traffic, eine höheren Verweildauer und mehr Abonnenten generiert.</p>
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		<title>Mit dem «Guardian» gehts wieder aufwärts</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2018/01/25/beim-guardian-gehts-wieder-aufwaerts/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 Jan 2018 14:45:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Auf dem Radar]]></category>
		<category><![CDATA[Guardian]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die britische Zeitung «The Guardian» galt lange Zeit als Massstab für modere Online-Publizistik. Spätestens mit den Snowden-Enthüllungen avandierte der «Guardian» zu einer der führenden globalen Medienmarken. Entsprechend wurde die weltweite Präsenz ausgebaut mit Ablegern in den USA und Australien. Doch die Rechnung ging nicht auf, der Schuldenberg wuchs von Jahr zu Jahr. Es folgten magere Jahre mit Stellenabbau und einer Refokussierung des Geschäfts. Nun zeichnet sich ein Silberstreifen am Horizont ab. 2019 will der «Guardian» wieder schwarze Zahlen schreiben. Zur positiven Entwicklung beigetragen hat das neue Leser-fokussierte Finanzierungsmodell. So zahlen über 800'000 Personen einen freiwilligen Beitrag zur Unterstützung ihrer favorisierten Lektüre – denn woran der Guardian bis heute nicht rüttelt: die Inhalte stehen kostenfrei im Web. Wie der «Guardian» den Turnaround geschafft hat, beschreibt Jessica Davies in Digiday.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die britische Zeitung «The Guardian» galt lange Zeit als Massstab für modere Online-Publizistik. Spätestens mit den Snowden-Enthüllungen avandierte der «Guardian» zu einer der führenden globalen Medienmarken. Entsprechend wurde die weltweite Präsenz ausgebaut mit Ablegern in den USA und Australien. Doch die Rechnung ging nicht auf, der Schuldenberg wuchs von Jahr zu Jahr. Es folgten magere Jahre mit Stellenabbau und einer Refokussierung des Geschäfts. Nun zeichnet sich ein Silberstreifen am Horizont ab. 2019 will der «Guardian» wieder schwarze Zahlen schreiben. Zur positiven Entwicklung beigetragen hat das neue Leser-fokussierte Finanzierungsmodell. So zahlen über 800&#8217;000 Personen einen freiwilligen Beitrag zur Unterstützung ihrer favorisierten Lektüre – denn woran der Guardian bis heute nicht rüttelt: die Inhalte stehen kostenfrei im Web. Wie der «Guardian» den Turnaround geschafft hat, beschreibt Jessica Davies in Digiday.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2018/01/25/beim-guardian-gehts-wieder-aufwaerts/">Mit dem «Guardian» gehts wieder aufwärts</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Harte Gesetze für Überwachung und gegen Whistleblower</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2017/03/23/harte-gesetze-fuer-ueberwachung-und-gegen-whistleblower/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Peter Stäuber]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 23 Mar 2017 13:06:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Whistleblowing]]></category>
		<category><![CDATA[Edward Snowden]]></category>
		<category><![CDATA[Guardian]]></category>
		<category><![CDATA[Grossbritannien]]></category>
		<category><![CDATA[Gesetz]]></category>
		<category><![CDATA[Chelsea Manning]]></category>
		<category><![CDATA[Ian Cobain]]></category>
		<category><![CDATA[UK]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die britische Regierung setzt alles daran, den investigativen Journalismus zu kriminalisieren. Mit dem neuen Überwachungsgesetz und der geplanten Verschärfung der Bestimmungen für Whistleblowing würde der Preis für Enthüllungen, wie jene von Edward Snowden, massiv in die Höhe getrieben, sagt «Guardian»-Journalist und Buchautor Ian Cobain. Kaum ein Staat ist geheimniskrämerischer als Grossbritannien. Bereits 1971 bezeichnete der <a href="https://medienwoche.ch/2017/03/23/harte-gesetze-fuer-ueberwachung-und-gegen-whistleblower/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die britische Regierung setzt alles daran, den investigativen Journalismus zu kriminalisieren. Mit dem neuen Überwachungsgesetz und der geplanten Verschärfung der Bestimmungen für Whistleblowing würde der Preis für Enthüllungen, wie jene von Edward Snowden, massiv in die Höhe getrieben, sagt «Guardian»-Journalist und Buchautor Ian Cobain.<br />
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Kaum ein Staat ist geheimniskrämerischer als Grossbritannien. Bereits 1971 bezeichnete der ehemalige Kabinettsminister Richard Crossman Verschwiegenheit als die «englische Krankheit und insbesondere das chronische Leiden des britischen Staates». Daran hat sich nichts geändert, im Gegenteil: Derzeit ist eine Reform des Official Secrets Act von 1989 in Vorbereitung, die auf eine Verschärfung der Geheimhaltung abzielt. Im Zug der Gesetzesrevision hat die Regierung die unabhängige Law Commission beauftragt, die rechtliche Grundlagen zum Schutz von Staatsgeheimnissen zu überprüfen und Vorschläge zu machen, wie sie «mit den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts Schritt halten» können. Anfang Februar veröffentlichte die Kommission ihre vorläufigen Empfehlungen – und sie haben es in sich.</p>
<p>So soll die Maximalstrafe für die Enthüllung von geheimen Dokumenten von 2 auf 14 Jahre Freiheitsentzug angehoben werden. Zudem soll nicht nur die Weitergabe von empfindlichen Informationen als ein Akt der Spionage eingestuft werden, sondern ebenso das Entgegennehmen dieser Informationen. Ausserdem empfiehlt die Law Commission, dass das öffentliche Interesse nicht als Rechtfertigung für die Weitergabe geheimer Unterlagen dienen darf, und dass bereits dann eine Straftat vorliegt, wenn die Veröffentlichung von Informationen eine Gefahr für die nationale Sicherheit darstellen könnte –selbst wenn dies nicht wahrscheinlich ist. Für den Journalismus wäre die Umsetzung dieser Vorschläge verheerend.</p>
<p>«Ich bin mir sicher, dass diese Vorschläge darauf abzielen, eine künftige Chelsea Manning abzuschrecken», sagt Ian Cobain gegenüber der MEDIENWOCHE. Der Investigativjournalist arbeitet für den Guardian und hat mehrere Bücher geschrieben, zuletzt The History Thieves, in dem er sich mit der obsessiven Heimlichtuerei des britischen Staates befasst. Ob der Guardian die Snowden-Leaks publiziert hätte, wenn es die von der Law Commission empfohlenen Regelungen vor vier Jahren gegeben hätte, weiss Cobain nicht. «Fest steht jedoch, dass der Guardian viel leichter hätte strafrechtlich verfolgt werden können.</p>
<p>Aber nicht nur hochkarätige Whistleblower wie Snowden oder Manning wären von der Gesetzesverschärfung betroffen, sondern auch viele Staatsangestellte, Journalisten und Politiker. So könnte sich beispielsweise jemand, der ein Dokument über den wirtschaftlichen Schaden des Brexit veröffentlicht, der Spionage schuldig machen, genauso wie der Journalist, der das Dokument entgegennimmt.</p>
<p>Ebenso bedenklich ist die Empfehlung, dass ein Journalist nicht die Möglichkeit haben soll, sich auf das öffentliche Interesse zu berufen, um die Offenlegung von Staatsgeheimnissen vor Gericht zu verteidigen. In einem prominenten Fall aus den 1980er-Jahren vermochte ein Whistleblower mit dieser Begründung dem Gefängnis zu entkommen. Clive Ponting, damals hochrangiger Mitarbeiter im Verteidigungsministerium, veröffentlichte während des Falklandkriegs 1982 zwei Dokumente, die bewiesen, dass die Thatcher-Regierung über die Bombardierung des argentinischen Kreuzers «Belgrano» gelogen hatte: Anders als diese behauptet hatte, hielt das Kriegsschiff nicht Kurs auf die britischen Streitkräfte, als es von diesen versenkt wurde, sondern in die entgegengesetzte Richtung.</p>
<p>Ponting sagte während der Gerichtsverhandlung, dass die Öffentlichkeit ein handfestes Interesse an dieser Information habe – es ging nicht nur um eine dreiste Unwahrheit der Regierung, sondern auch um den Tod von über dreihundert argentinischen Soldaten. Die Geschworenen stimmten ihm zu: Entgegen der Empfehlung des Richters sprachen sie ihn frei. Geht es nach den Plänen der Law Commission, wäre dies bald nicht mehr möglich. «Es ist ein düsteres Dokument mit einigen drakonischen Vorschlägen», sagt «Guardian»-Journalist Cobain.</p>
<p>Aber der britische Staat versucht nicht nur, möglichst wenig Informationen über seine Arbeit vor den Augen der Öffentlichkeit zu verbergen, sondern will umgekehrt so tief wie möglich in das Privatleben der Bürger eindringen. Im vergangenen November verabschiedete das britische Parlament trotz der heftigen Kritik von Bürgerrechtsgruppen, Anwälten und sogar der UNO ein Überwachungsgesetz, das die staatlichen Eingriffe in Grossbritannien stark ausweitet. Laut Edward Snowden legalisierte Grossbritannien mit diesem Investigatory Powers Act «die extremste Überwachung in der Geschichte der westlichen Demokratie».</p>
<p>Gemäss den neuen Regelungen müssen Internetanbieter die Browserdaten ihrer Kunden für bis zu einem Jahr speichern – auch jene aus Apps auf Mobiltelefonen – und den Behörden zugänglich machen, ohne dass dazu ein gerichtlicher Beschluss nötig ist. Ausserdem dürfen sich die Sicherheitsbehörden in bestimmten Fällen in Computer und Telefone einhacken, um Gespräche abzuhören oder SMS zu lesen.</p>
<p>Konkrete Auswirkungen dieser Verschärfung hat Cobain bislang noch keine gespürt, und er geht auch nicht davon aus, dass er seine Arbeitsweise als Investigativjournalist drastisch ändern wird. Der Grund ist einfach: Er geht schon seit langer Zeit davon aus, dass die Sicherheitsbehörden ihn überwachen: «Der Investigatory Powers Act gibt ihnen lediglich die formelle Befugnis, das zu tun, was sie sowieso schon tun. Wenn jemand beispielsweise meine Telefondaten oder SMS einsehen will, dann macht er das einfach. Und ich verhalte mich entsprechend.» Das heisst: Arbeitstelefone und -Email sollten nie für heikle Informationen verwendet werden, und wichtige Kommunikation soll nicht per Email erfolgen, sondern durch den direkten persönlichen Kontakt.</p>
<p>Aber selbst dieses Vorgehen ist nicht immer sicher. Dominic Ponsford, langjähriger Journalist für englische Regionalzeitungen und heute Redaktionsleiter des Branchenmagazins Press Gazette, nennt das Beispiel von «Plebgate»: Als der konservative Abgeordnete und Fraktionschef Andrew Mitchell im September 2012 das bewachte Tor seines Arbeitsplatzes in der Downing Street verlassen wollte, kam es zu einem kurzen Streit mit den Polizisten, die ihn mit seinem Fahrrad nicht durch den gewohnten Ausgang passieren liessen. Eine Polizeiquelle kontaktierte die Boulevardzeitung The Sun und behauptete, Mitchell habe die Beamten «Plebs» genannt, eine abschätzige Bezeichnung für Leute aus unteren sozialen Schichten. Ein Skandal brach aus, der zum Rücktritt des Fraktionschefs führte. Die Polizei untersuchte den Vorfall und verschaffte sich dabei Zugang zu den Telefondaten der Sun-Journalisten. «Durch Triangulation der Standortdaten konnten sie feststellen, wohin die Journalisten gingen, und so vermochten sie die Polizeiquelle zu identifizieren», sagt Ponsford. «Das war ein Warnsignal. Wenn die Behörden für eine relativ triviale Angelegenheit wie ‚Plebgate‘ auf solche Überwachungsmethoden zurückgreifen, dann sollten wir uns wirklich Sorgen machen.»</p>
<p>Die britische Regierung verstehe grundsätzlich nicht, wie wichtig Whistleblower für den Journalismus seien, sagt Ponsford. «Digitale Information sollte genauso geschützt sein wie ein Notizblock und anderes Material eines Journalisten. Ich finde das ein recht einfaches Prinzip, aber die Regierung scheint es nicht zu kapieren.»</p>
<p>Laut Rachel Oldroyd, Chefredakteurin des Bureau of Investigative Journalism in London, wird es zunehmend schwieriger, Informanten ihre Anonymität zu garantieren – besonders seit das Ausmass der Überwachung mit den Snowden-Enthüllungen weitherum bekannt geworden ist: «Man fragt sich ständig, ob die Sicherheit der Quelle gefährdet ist – wird sie ihren Job verlieren, weil sie mit mir spricht? Dabei geht es nicht nur um staatliche Überwachung: Auch grosse Konzerne wollen verhindern, dass ihre Mitarbeiter mit Journalisten sprechen, und auch sie können Kommunikationen zurückverfolgen.» Für Whistleblower wie Snowden, deren Leaks wochenlang die Schlagzeilen beherrschen, kann Publizität ein Schutz sein: Seine Bekanntheit macht ihn weniger verwundbar. «Aber für weniger bedeutende Quellen, etwa im lokalen Gesundheits- oder Nahrungsmittelsektor, würde diese Strategie nicht funktionieren», sagt Oldroyd.</p>
<p>Gut möglich, dass das «goldene Zeitalter der Whistleblower» durch die geplante Gesetzesverschärfung zu Ende geht. Das Internet hat es Informanten einerseits ermöglicht, riesige Datenmengen zu kopieren und weiterzugeben, aber andererseits macht es auch die Überwachung einfacher. «Und vergessen wir nicht, dass Snowdens Informationen den Stand der Überwachung vor fünf Jahren betreffen», sagt Oldroyd. «Wer weiss, was die Sicherheitsdienste heute alles machen.»</p>
<p>Nebst der Verwendung von verschlüsselten Plattformen zur Übermittlung sensibler Daten, die Publikationen wie der Guardian auf ihren Webseiten anbieten, ist die sicherste Methode gleichzeitig die simpelste: «Die beste Möglichkeit, anonym zu bleiben, besteht darin, die altmodische Post zu benutzen», sagt Oldroyd. «Man sichert die Informationen auf einem USB-Stick und steckt ihn in einen Umschlag.»</p>
<p>Doch Ian Cobain meint trocken, dass auch das zu einem Risiko werden könnte: «Ehe man sich versieht, wird die Regierung wieder damit anfangen, Umschläge mit Wasserdampf zu öffnen» &#8211; bis vor wenigen Jahrzehnten die beliebteste Methode der staatlichen Schnüffler, Korrespondenz verdächtiger Individuen auszuspionieren.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/03/23/harte-gesetze-fuer-ueberwachung-und-gegen-whistleblower/">Harte Gesetze für Überwachung und gegen Whistleblower</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Beisst es oder will es nur spielen?</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/07/13/beisst-es-oder-will-es-nur-spielen/</link>
					<comments>https://medienwoche.ch/2016/07/13/beisst-es-oder-will-es-nur-spielen/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Adrian Lobe]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 Jul 2016 13:33:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Facebook]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitungen]]></category>
		<category><![CDATA[New York Times]]></category>
		<category><![CDATA[Guardian]]></category>
		<category><![CDATA[David Carr]]></category>
		<category><![CDATA[Katharine Viner]]></category>
		<category><![CDATA[Newsfeed]]></category>
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		<category><![CDATA[NZZ]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Facebook zählt weltweit 1,6 Milliarden Nutzer und ist neben Google der mächtigste Vermittler und Verteiler von Medieninhalten. Dem Ziel, die «beste personalisierte Zeitung» anzubieten, steht nichts mehr im Weg. Den Inhalte-Produzenten bleibt damit nichts anders als sich mit dem grössten Feind zu verbünden. 62 Prozent aller US-Amerikaner konsumieren gemäss einer aktuellen Untersuchung des Pew Research <a href="https://medienwoche.ch/2016/07/13/beisst-es-oder-will-es-nur-spielen/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Facebook zählt weltweit 1,6 Milliarden Nutzer und ist neben Google der mächtigste Vermittler und Verteiler von Medieninhalten. Dem Ziel, die «beste personalisierte Zeitung» anzubieten, steht nichts mehr im Weg. Den Inhalte-Produzenten bleibt damit nichts anders als sich mit dem grössten Feind zu verbünden.<br />
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62 Prozent aller US-Amerikaner konsumieren gemäss einer aktuellen Untersuchung des Pew Research Center News in sozialen Netzwerken. Fast zwei Drittel (66 Prozent) dieser Nachrichtennutzung in sozialen Netzwerken entfällt dabei auf Facebook. Nicht wesentlich anders dürften die Zahlen in anderen Erdteilen aussehen, wo der blaue Riese ebenfalls mit erdrückender Macht den Markt dominiert.</p>
<p>Das soziale Netzwerk ist für viele Menschen das Tor zur Welt geworden. Ob der Tod David Bowies, die Vorwahlsiege Donald Trumps oder die Anschläge von Paris, Brüssel und San Bernardino – die Nutzer informieren sich zuerst auf Facebook. Gründer Mark Zuckerberg kommt seinem Ziel, Facebook zur «besten personalisierten Zeitung der Welt» auszubauen, immer näher.</p>
<p>Für Verlage ist Facebook Fluch und Segen zugleich. Einerseits erreichen Medien so viele Leser wie noch nie. Die «New York Times» versucht derzeit – unterstützt durch die Förderbänder Facebooks – mit einer spanischsprachigen Version seine digitale Leserschaft auf der Welt zu vergrössern. Andererseits begeben sich Verlage dadurch in Abhängigkeit.</p>
<p>Bei Facebook Instant Articles zeigt sich diese wechselvolle Abhängigkeitsbeziehung besonders drastisch. Bei dem 2015 gestarteten Kooperationsmodell, bei dem inzwischen auch Medien wie das «Handelsblatt», der «Tagesspiegel» oder die «NZZ» mit an Bord sind, publizieren Verlage direkt auf Facebook. Das heisst: Sie geben ihre Inhalte aus der Hand und überlassen sie dem Schicksal der Facebook-Algorithmen.</p>
<p>Der US-Konzern ködert die Medienhäuser mit einer lukrativen Vermarktungsstrategie: Die teilnehmenden Verlage können die Werbung, die bei ihren Artikeln erscheint, selbst vermarkten. Übernimmt Facebook die Vermarktung, bekommen die Medienhäuser immerhin noch 70 Prozent der Erlöse.</p>
<p>Doch es geht um mehr als nur Reichweite. Facebook bekommt Inhalte frei Haus und wird zum Verleger, die Medien, auf deren Inhalte nicht mal verlinkt wird, werden zu namenlosen Zulieferern, so die Kritik – und auch die Wahrnehmung vieler Nutzer, denen als Quelle nur noch Facebook einfällt, aber nicht mehr der ursprüngliche Absender. Die Frage ist auch: Wem gehören eigentlich die «User»? Ist ein Leser, der einen Artikel der «New York Times» auf Facebook liest, ein «New-York-Times»-Leser oder ein Facebook-Nutzer, der die «New York Times» liest? Das klingt zunächst nach Haarspalterei, hat aber massive Implikationen, was die Anzeigenerlöse und die Verfügung über Daten betrifft.</p>
<p>David Carr, der verstorbene Medienkritiker der «New York Times», <a href="http://www.nytimes.com/2014/10/27/business/media/facebook-offers-life-raft-but-publishers-are-wary.html" target="_blank">schrieb 2014 in seiner Kolumne</a>: «Für die Verlage ist Facebook ein bisschen wie der grosse Hund, der im Park auf dich zurennt. Wie so oft ist es schwer zu sagen, ob er mit dir spielen oder dich fressen will.» In dem kreativen Umfeld von Menlo-Park ist nicht klar zu ermessen, ob Facebook nur spielen will oder Fressgelüste hegt. Die Wissenschaftlerin Emily Bell, Direktorin des Tow Center for Digital Journalism und bekannt für ihre klugen Medienanalysen, schrieb kürzlich in der Fachzeitschrift «Columbia Journalism Review» einen Artikel mit dem Titel «Facebook is eating the world». «Soziale Medien», schreibt Bell in dem beissenden Artikel, «hat nicht nur den Journalismus geschluckt, es hat alles geschluckt: politische Kampagnen, Bankensysteme, persönliche Geschichten, Freizeitindustrie, den Einzelhandel, sogar den Staat und die Sicherheit. Das Handy in der Tasche ist unser Portal in die Welt.» Die Tonalität war damit gesetzt: Facebook frisst nicht nur den Journalismus, sondern die ganze Welt. Bells Kernkritik zielte darauf ab, dass Verlage die Kontrolle über die Vertriebswege verloren hätten und soziale Medien durch die algorithmische Filterung zu mächtigen Spielern würden.</p>
<p>Wenn Facebook an seinen Newsfeed-Algorithmen dreht, hat das massive Auswirkungen auf den Traffic von Nachrichtenseiten. So brach der Traffic der «Huffington Post» laut der Londoner Analytics-Firma SimilarWeb im Zeitraum zwischen Januar und September 2015 um 60 Prozent ein. Dass der Leserzustrom versiegte, lag offensichtlich an einer Modifikation des Facebook-Algorithmus. Schon nur die Ankündigung einer solchen Anpassung löst in den Redaktionen regelmässig Panik aus – was «Guardian»-Chefredaktorin, Katharine Viner, <a href="https://www.theguardian.com/media/2016/jul/12/how-technology-disrupted-the-truth">offen einräumte</a>. Jede Änderung des Newsfeed-Algorithmus ist im Grunde wie eine Redaktionskonferenz einer Zeitung: Was interessiert die Leser? Was kommt ins Blatt? Der entscheidende Unterschied ist, dass Facebook mit weltweit 1,6 Milliarden Nutzern faktisch eine Milliardenauflage hat und Informationen nicht nach Relevanz, sondern nach ökonomischer Verwertbarkeit selektiert. Die grösste personalisierte Zeitung wäre damit geschaffen. Ob sie auch die beste ist, steht freilich auf einem anderen Blatt.</p>
<p>Facebook-Produktmanager Adam Mosseri publizierte kürzlich erstmals <a href="http://newsroom.fb.com/news/2016/06/building-a-better-news-feed-for-you/" target="_blank">sogenannte «News Feed Values»</a>, eine selbst auferlegte redaktionelle Richtlinie. Der Post mit dem fürsorglichen Titel «Building a Better News Feed for You” kommt fast mit dem Pathos einer Regierungserklärung daher. «Friends and family come first», steht darin als Leitsatz geschrieben, was nicht nur eine normative Setzung ist, sondern auch praktische Implikationen hat insofern, als künftig noch mehr private Posts in den Newsfeed eingespeist werden. Damit könnte sich der bereits in der Vergangenheit beobachtete Trend eines Entertainment-Ökosystems verstärken, auch wenn Mosseri betont, dass der Feed informieren und unterhalten solle (als eine Art Infotainment). Die Frage ist nur, ob Facebook vollumfassend informiert. Einen Informationsauftrag wie die öffentlich-rechtlichen Medien hat der Internetkonzern freilich nicht.</p>
<p>Im Sommer 2014 verfolgte die Soziologin Zeynep Tufekci die Unruhen in Ferguson. Während ihre Twitter-Feeds vor Berichten überquollen, las sie auf ihrem Facebook-Profil nichts von den Protesten – obwohl sie mehrere Nachrichtenseiten «geliked» hatte. Stattdessen zeigte ihr Facebook Videos und Einladungen zur Ice Bucket Challenge. Erst am nächsten Tag erfuhr sie auf Facebook von den Ereignissen. Der Aufruhr war offenbar nicht relevant genug. Facebooks Algorithmen bestimmten, was Tufekci zu interessieren hatte. Die Wissenschaftlerin sprach von «algorithmischer Zensur» – und schrieb in einem Beitrag <a href="https://medium.com/message/the-web-of-relationships-we-have-to-save-7f337de03e34" target="_blank">auf der Plattform «Medium»</a>: «In einer offenen Rebellion fühlt sich mein Newsfeed wie Disneyland an.»</p>
<p>Der kanadisch-iranische Blogger Hossein Derakhshan, der wegen seines angeblich «subversiven» Blogs sechs Jahre in einem Teheraner Gefängnis inhaftiert war, schrieb im «Guardian» (https://www.theguardian.com/technology/2015/dec/29/irans-blogfather-facebook-instagram-and-twitter-are-killing-the-web), das Fernsehen beginne, wenn man sich auf Facebook einlogge: Man braucht nur herunter zu scrollen, schon sieht man Bilder von Freunden, Links zu lustigen Geschichten und Videos – garniert von Empfehlungen und Anzeigen. Die Maus ist zur Fernbedienung einer digitalen Dauerwerbesendung geworden. Facebook pusht seit kurzem Videos in seinem Newsfeed und hat Anfang des Jahres sein Feature Live-Videos freigeschaltet. Was es heisst, wenn 1,6 Milliarden Facebook-Nutzer Live-Videos posten können, hat Mark Zuckerberg schon Mitte April auf den Punkt gebracht. Von nun an trage jeder «eine Fernsehkamera in der Tasche», schrieb der Chef des Internetkonzerns. «Wer in Echtzeit interagiert, ist persönlicher vernetzt».</p>
<p>Wie diese visuelle Nähe aussieht, zeigte sich im Juni in aller Drastik: Nachdem der Terrorist Larossi Abballa einen Polizisten, dessen Ehefrau sowie eine Sekretärin in einem Polizeikommissariat im Pariser Vorort Magnanville getötet hatte, loggte er sich bei Facebook ein und stellte die von ihm kommentierten Aufnahmen dreizehn Minuten lang als Livestream ins Internet. Der Terroranschlag wurde als Medienereignis inszeniert.</p>
<p>Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur «Reuters» erprobt Facebook ein System, mit dem gewaltverherrliche Bilder, etwa Propagandamaterial des IS, automatisch blockiert oder sofort aus dem Netz genommen werden. Eine Art algorithmische Polizei. Bloss: Wie definiert man Terrorismus? Wie kann eine Software zwischen Realität und Fiktion differenzieren? Was würde passieren, wenn ein Algorithmus eine Szene aus einem Actionfilm als «terroristisch» einstuft? Die Wertungswidersprüche offenbaren sich bereits bei Facebooks Policy, Bilder nackter Brüste – unter anderen auch Gustave Courbets Kunstwerk «Der Ursprung der Welt» – zu zensieren, Hasskommentare dagegen zu tolerieren.</p>
<p>Courbets zensiertes Kunstwerk würde normativ und faktisch mit einem blockierten Propagandavideo als etwas Nichtzeigenswertes gleichgestellt – was freilich nicht im Sinn einer offenen Gesellschaft sein kann, die gerade nach den Anschlägen von Paris die Ideale der Freiheit hoch hielt. Die Gefahr besteht darin, dass man Algorithmen die Deutungshoheit über die Definition von Terrorismus überlässt.</p>
<p>Facebooks Newsfeed-Algorithmus ist eines der mächtigsten Instrumente der Medienwelt: Er entscheidet, welche News wir sehen, mit wem wir interagieren und welche Seiten uns vorgeschlagen werden. Kurz vor der Brexit-Abstimmung fiel dem Blogger Jon Worth auf, dass in den Status-Updates seiner mobilen Facebook-App in der Rubrik «Gefühle/Aktivitäten» die Option «in favour of leaving the EU» für einen Austritt aus der EU auftauchte. Der mit einem Megaphon gekennzeichnete Button poppte unter dem Symbol eines Fernsehers («watching TV) und einer Kaffeetasse («having a cuppa») auf – als sei Wählen eines Freizeitbeschäftigung. Die umgekehrte Option – «in favour of remaining in the EU» – war nicht standardmässig eingestellt und nur verfügbar, wenn man gezielt danach suchte. Das Phänomen tauchte nur auf der mobilen App, nicht am Desktop auf. Mit Blick auf die anstehenden US-Präsidentschaftswahlen erscheint dieser offenkundige Bias – die Tatsache, dass Facebook seinen Nutzern einen tendenziösen Button unterjubelt, besorgniserregend. Facebook fühlt sich offenbar so mächtig, dass in der Abstimmung zur wöchentlichen Fragerunde an Mark Zuckerberg die <a href="http://gizmodo.com/facebook-employees-asked-mark-zuckerberg-if-they-should-1771012990" target="_blank">Frage zur Auswahl stand</a>: «Welche Verantwortung hat Facebook dabei zu helfen, Präsident Trump in 2017 zu verhindern?»</p>
<p><span style="line-height: 1.5em;">Facebook hat bereits in einem gigantischen sozialen Experiment die Gefühle und Entscheidungen seiner Nutzer beeinflusst und die Präferenzen von Wählern mitgesteuert, ohne dass sie es gemerkt hätten. Am 2. November 2010, dem Tag, an dem die Kongresswahlen stattfanden, schickten Forscher 61 Millionen zufällig ausgewählten Nutzern eine Nachricht auf ihre Pinnwand, die sie an den Urnengang erinnerte. Die Mitteilung im Newsfeed war mit einem «I voted»-Button und einer Zähleinheit versehen, die anzeigte, wie viele Facebook-Nutzer nach eigenen Angaben bereits ihre Stimme abgegeben hatten. Ergebnis: Der Wahlgang der beeinflussten Nutzer war um 0,39 Prozent wahrscheinlicher als in der Kontrollgruppe. Das nimmt sich zwar als geringe Varianz aus, doch in konkreten Zahlen waren dies 340 000 Stimmen mehr. Bedenkt man, dass bei der Wahl 2000 zwischen Al Gore und George W. Bush 537 Stimmen in Florida den Unterschied machten, könnte Facebook das Zünglein an der Waage sein.</span></p>
<p>Vor wenigen Wochen <a href="http://gizmodo.com/former-facebook-workers-we-routinely-suppressed-conser-1775461006" target="_blank">berichtete das Blog «Gizmodo»</a>, dass Facebook News-Kuratoren, die mit der Kuratierung der Inhalte in der Rubrik «Trending News» – eine Art Nachrichtenticker – betraut waren, hinsichtlich der Quellenauswahl Vorgaben bekamen. So sollten Seiten wie die «New York Times» priorisiert, ein konservatives Portal wie «Breitbart» weniger berücksichtigt werden. Die Kuratoren, darunter einige Journalisten, bekamen überdies die Anweisung, die Nennung des Konkurrenten Twitter in der Titelzeile von News zu vermeiden und stattdessen allgemein von «sozialen Medien» zu schreiben. Kritiker warfen dem Konzern daraufhin vor, Nachrichteninhalte zu manipulieren und konservative Seite zu zensieren.</p>
<p>Facebook ist mehr als eine «personalisierte Zeitung», zu der sie Mark Zuckerberg ausstaffieren will, sondern bereits heute ein globaler Kiosk, von dem man erwartet, dass er ein Stück weit die Pluralität des Meinungsspektrums abbildet. Ohne den geringsten Content zu produzieren, avanciert Facebook zum grössten Medienakteur der Welt. Daher ist es nur billig, dass den Internetkonzern gewisse Pflichten treffen. Dazu gehört auch, die Modifizierung der Newsfeed-Algorithmen  transparent zu machen, die einer redaktionellen Entscheidung gleichkommen.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/07/13/beisst-es-oder-will-es-nur-spielen/">Beisst es oder will es nur spielen?</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Direkter Weg vom Brüssel-Bashing zum Brexit</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/06/27/der-direkte-weg-vom-bruessel-bashing-zum-brexit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Adrian Lobe]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Jun 2016 11:10:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Guardian]]></category>
		<category><![CDATA[England]]></category>
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		<category><![CDATA[Brexit]]></category>
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		<category><![CDATA[Daily Telegraph]]></category>
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		<category><![CDATA[Presse]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Boris Johnson hat erfolgreich einen Feldzug gegen ein Zerrbild der EU geführt, das er als Brüssel-Korrespondent des «Daily Telegraph» selbst schuf. Es könnte sich als Pyrrhussieg erweisen: Der Brexit hat einen Flurschaden in der Presselandschaft hinterlassen. In den Tagen nach dem Entscheid der Briten, die EU zu verlassen, konnte man den Eindruck gewinnen, das Land <a href="https://medienwoche.ch/2016/06/27/der-direkte-weg-vom-bruessel-bashing-zum-brexit/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Boris Johnson hat erfolgreich einen Feldzug gegen ein Zerrbild der EU geführt, das er als Brüssel-Korrespondent des «Daily Telegraph» selbst schuf. Es könnte sich als Pyrrhussieg erweisen: Der Brexit hat einen Flurschaden in der Presselandschaft hinterlassen.<br />
<span id="more-27666"></span><br />
In den Tagen nach dem Entscheid der Briten, die EU zu verlassen, konnte man den Eindruck gewinnen, das Land habe das Ergebnis bereut oder zumindest die Implikationen des Entscheids nicht richtig abgeschätzt. So manchem Brexit-Befürworter überkamen Zweifel über die juristischen Modalitäten eines Austritts, mehrere hunderttausend Briten unterzeichneten eine Petition für eine erneute Volksabstimmung für einen «Breturn». Auch nach Abzug zehntausender manipulierter Stimmen dürfte <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/brexit-petition-fuer-zweites-referendum-mit-bots-manipuliert-a-1100043.html" target="_blank">die elektronische Umfrage</a> die erforderlichen 100&#8217;000 Unterzeichner erreicht haben, damit sich das Parlament dem Begehren annimmt. Und auch bei den Zeitungen, die selten wie nie zuvor polarisiert waren und eine aktive Rolle im Wahlkampf spielten, begann so etwas wie eine zaghafte Selbstreflexion.</p>
<p>Der Journalist Nick Cohen schrieb in einem bemerkenswerten <a href="https://www.theguardian.com/commentisfree/2016/jun/25/boris-johnson-michael-gove-eu-liars" target="_blank">Artikel für den «Guardian»</a> unter der Überschrift «Es gibt Lügner und dann gibt es Boris Johnson und Michael Gove»: «Die Medien verurteilen sich nicht selbst, deshalb tanze ich jetzt aus der Reihe, wenn ich sage, dass, wenn man die Herrschaft von Berufspolitikern für schlecht hält, man nur warten sollte, bis die Journalisten-Politiker kommen.» Cohen spielte auf die berufliche Karriere von Boris Johnson und Michael Gove – Johnson war unter anderen Brüssel-Korrespondent beim «Daily Telegraph» und Redakteur beim «Spectator», Gove Kolumnist der «Times» – an. «Johnson und Gove sind die schlechtesten Journalisten-Politiker, die man sich vorstellen kann: Experten, die gross wurden, indem sie das öffentliche Leben als ein Spiel behandeln. Und so spielen sie es. Sie erlangen die Aufmerksamkeit der Medien, indem sie einen grossen, dramatischen Gedanken rausbrüllen. Versagt eine Institution? Mach sie dicht! Patzt eine Person des öffentlichen Lebens? Schmeiss sie raus!» Es ist die fulminante Anklage eines Journalisten, der die eigene Zunft – zumindest zwei exponierten, ehemaligen Vertretern – im Stile eines «J’accuse» der Lüge zeiht und ihnen vorwirft, die Wähler hinters Licht geführt zu haben.</p>
<p>Nun sind die Diskussionen in Grossbritannien zwar häufig scharf, aber dennoch erstaunlich diszipliniert. Niemand würde auf die Idee kommen, die Invektive einer «Lügenpolitik» (analog zur «Lügenpresse») zu verbreiten. Und doch hat sich in der Diskursmechanik in den vergangenen Wochen etwas dergestalt verschoben, nämlich dass zu den wortgewaltigsten Wortführern der Kampagne – angefeuert vom Dauertremolo der Boulevardpresse – zwei Journalisten gehören.</p>
<p>Dass Johnson das Brüsseler Geschehen als Korrespondent des «Daily Telegraph» mehrere Jahre lang verfolgte, gereichte ihm im Leave-Lager nicht zum Nachteil, im Gegenteil, es verschaffte ihm zusätzliche Autorität. Der Eindruck war: Da sprach jemand, der weiss, was er sagt. Johnson weist einen fast bilderbuchhaften Lebenslauf vor, der selbst in den elitären Zirkeln der Tories eine Seltenheit ist: Privatschule in Eton, Altertumsstudien in Oxford, dann Karriere als Journalist und Bürgermeister von London. Johnson kultiviert das Bild des schrulligen, eloquenten Vertreters der englischen Oberklasse, der in piekfeinem Queen’s English parliert und seine Reden gerne mit einem manierierten Stottern garniert, das er sich als einen elitären Code und Habitus aus seiner Studienzeit beibehalten hat. Dass der Churchill-Biograph zu Höherem – er ist weiterhin als Premierminister im Gespräch – berufen ist, ist kein Geheimnis.</p>
<p>Doch das Bild des ehrlichen Maklers bekam Kratzer. Am Freitag vor der Abstimmung postete der Journalist Martin Fletcher einen vielbeachteten <a href="https://www.facebook.com/martin.fletcher.3998/posts/10154422902371062" target="_blank">Kommentar auf Facebook</a>, in dem er seinen alten Kollegen Johnson scharf attackierte. Fletcher wurde 1999 als Brüssel-Korrespondent der altehrwürdigen «Times» berufen, ein paar Jahre nach Johnsons Wirken. Und was Fletcher darin schreibt, war alles andere als ein Loblied: «Seit 25 Jahren hat unsere Presse die britische Öffentlichkeit mit verzerrten, lügnerischen und unerbittlich feindlichen Geschichten über die EU gefüttert. Und der Journalist, der den Ton setzte, war Boris Johnson.»</p>
<p>Bevor Johnson als Korrespondent aus Brüssel berichtete, wurde er 1988 von der «Times», wo er seine journalistische Karriere begann, wegen eines erfundenen Zitats entlassen. In Brüssel waren die Grenzen der Imagination offensichtlich weiter, weshalb die Redaktion des «Daily Telegraph» den versierten Historiker dorthin versetzte. Fletcher schreibt über seinen ehemaligen Kollegen: «Er ergriff jede Gelegenheit, sich über die EU lustig zu machen oder sie denunzieren und lieferte Artikel, die unzweifelhaft bunt, aber auch grotesk überzogen und komplett unwahr waren.» An Johnsons Bürowand, so berichtete <a href="http://www.independent.co.uk/news/uk/home-news/brussels-chuckles-as-reality-hits-mythmaker-1592828.html" target="_blank">der «Independent» 1995</a>, hing ein Zettel seines Redaktionskollegen Max Hastings, der ihn daran gemahnte, noch «bombastischer» zu schreiben.</p>
<p>Johnson soll später bekundet haben: «Alles, was ich aus Brüssel schrieb, fand ich, war eine Art Rausschmeissen von Steinen über den Gartenzaun und dabei dem unglaublichen Einschlag im Gewächshaus nebenan in England zuzuhören, denn alles, was ich aus Brüssel schrieb, hatte diesen erstaunlichen, explosiven Effekt und es gab mir wirklich dieses ziemlich verrücktes Machtgefühl.» Dieses Zitat ist entlarvend. Es zeichnet das Bild eines machtbesessenen Zündlers, eines Hasardeurs, der publizistische Bomben bastelt und sie genüsslich hochgehen sieht von seiner Brüsseler Schreibstube aus.</p>
<p>Vom Brüssel-Bashing zum Brexit ist es nicht mehr weit – es existiert eine historische Kontinuität. Ist der Geist erst aus der Flasche, ist er bekanntlich schwer wieder einzufangen. Erstaunlich ist, warum dieser pro-europäisch sozialisierte und gesinnte Intellektuelle eine solche Genugtuung an destruktiven Ideen findet. David Gardner, ein Freund und Rivale aus alten Tagen und damals Journalist bei der «Financial Times», beschrieb Johnson als «gespaltene Persönlichkeit».</p>
<p>Offensichtlich gab es auch systemische Zwänge für diese EU-feindliche Berichterstattung. Fletcher berichtet, dass auch die Ressortleiter der «Times» damals nur Artikel über «gesichtslose Brüsseler Eurokraten wollten, die Britannien absurde Regeln aufoktroyieren. (…) Es war das einzige Narrativ, woran sie interessiert waren.» Der publizistische Boden für eine Austrittskampagne war lange bestellt. Fletcher konstatiert: «Boris Johnson macht jetzt Kampagne gegen eine Cartoon-Karikatur der EU, die er selbst kreierte. Er macht Stimmung gegen eine grösstenteils fiktionale EU, die keinen Bezug zur Realität hat.»</p>
<p>Der ehemalige Londoner Bürgermeister machte mit vereinfachten Formeln Politik wie ein Boulevard-Journalist, und die Boulevardpresse machte Wahlkampf wie die Altparteien. Es zeigt sich hier ganz deutlich eine Verschmelzung von Politik und Medien, die nach einer ähnlichen Systemlogik funktionieren: dem Gesetz der maximalen Aufmerksamkeit. Dass in diesem alarmistischen Geheul die leisen Töne kein Gehör finden, versteht sich von selbst.</p>
<p>Der «Guardian»-Kolumnist Peter Preston fragte selbstkritisch: «Die Bürger haben sich über den Brexit ausgesprochen. Aber haben die Medien ihnen die Wahrheit erzählt?». Das Brexit-Votum ist nur vordergründig ein Erfolg für die Boulevardpresse und «Journalisten-Politiker». In Wirklichkeit ist es eine fatale Niederlage der Presse, die ihre Leser mit selektiven und falschen Informationen versorgte und gegen die reihenweise Beschwerden vor der Regulierungsbehörde «Independent Press Standards Organization» (vergleichbar mit dem Presserat in Deutschland) anhängig sind. Die britische Presse ist laut einer Umfrage der EU-Kommission vom September vergangenen Jahres die am schlechtesten beleumundete Presse in allen EU-Staaten: 73 Prozent aller Briten misstrauen der Presse. Die Brexit-Kampagne hat mit ihren Schmutzkampagnen nicht gerade zur Glaubwürdigkeit der Presse beigetragen.</p>
<p>Bild: <a href="https://www.flickr.com/photos/53797600@N04/6996058551" target="_blank">Flickr/Andrew Parsons (CC BY-ND 2.0)</a></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/06/27/der-direkte-weg-vom-bruessel-bashing-zum-brexit/">Direkter Weg vom Brüssel-Bashing zum Brexit</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Auf zum letzten Gefecht!</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/06/17/auf-zum-letzten-gefecht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Adrian Lobe]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Jun 2016 13:09:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[BBC]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Britische Zeitungen steigen vor der Abstimmung um den Brexit selbst in den Schützengraben. Die Medienlandschaft in Grossbritannien ist vor der Abstimmung vom nächsten Donnerstag polarisierter denn je. Remain or Leave? Bleiben oder Gehen? Diese Frage spaltet Grossbritannien. Am 23. Juni stimmen die Briten in einem Referendum über den Verbleib in der Europäischen Union ab. Nach <a href="https://medienwoche.ch/2016/06/17/auf-zum-letzten-gefecht/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Britische Zeitungen steigen vor der Abstimmung um den Brexit selbst in den Schützengraben. Die Medienlandschaft in Grossbritannien ist vor der Abstimmung vom nächsten Donnerstag polarisierter denn je.<br />
<span id="more-27652"></span><br />
Remain or Leave? Bleiben oder Gehen? Diese Frage spaltet Grossbritannien. Am 23. Juni stimmen die Briten in einem Referendum über den Verbleib in der Europäischen Union ab. Nach dem Mord an der Labour-Abgeordneten Jo Cox erhält der Abstimmungskampf eine andere Wendung. Der Attentäter soll nach Augenzeugen «Britain first» gerufen haben, weshalb ihm ein politisches Motiv zugeschrieben wird. Das Remain-Lager instrumentalisierte den Anschlag, um Stimmung gegen die Brexiteers zu machen, die Boulevard-Zeitung «The Daily Star» nannte den Attentäter gar einen «Brexit Gunman». Der Brexit spaltet längst nicht nur die Politik, sondern auch die Medien.</p>
<p>Während Boulevardblätter wie die «Sun» und «The Daily Express» einen Brexit befürworten, lehnen seriöse Tageszeitungen wie der «Guardian» oder die «Financial Times» den Austritt Grossbritanniens aus der EU ab. Die konservative Tageszeitung «Times» nimmt ähnlich wie die ihr nahestehenden Tories eine ambivalente Haltung zu der Frage ein. Eine <a href="http://reutersinstitute.politics.ox.ac.uk/news/study-shows-majority-press-coverage-eu-referendum-campaign-was-heavily-skewed-favour-brexit" target="_blank">Studie des Reuters Institute</a> for the Study of Journalism, die im Zeitraum zwischen Februar und April 928 Artikel überregionaler Pressetitel untersuchte, fand heraus, dass 45 Prozent der Artikel für einen Austritt waren, dagegen nur 27 Prozent für einen Verbleib. 19 Prozent der Artikel mit Bezug auf das Referendum waren «gemischt oder unentschlossen». Der vollständige Bericht wird erst im September veröffentlicht. Offensichtlich wollen die Autoren den Wahlkampf mit kritischem Material nicht weiter belasten. Die Polarisierung der britischen Medien zum Brexit-Referendum steht in scharfem Kontrast zu der Berichterstattung im Kontext des EWG-Mitgliedschaftsreferendum 1975, als fast alle Zeitungen eine proeuropäische Position vertraten.</p>
<p>Die Sun, mit knapp 1,8 Millionen gedruckten Exemplaren das auflagenstärkste Blatt des Landes, hat sich dabei zu einer Meinungsführerin der Brexit-Kampagne aufgeschwungen. In einem <a href="https://www.thesun.co.uk/news/1277920/we-urge-our-readers-to-believe-in-britain-and-vote-to-leave-the-eu-in-referendum-on-june-23/" target="_blank">Leitartikel vom 13. Juni</a> rief die grösste Boulevardzeitung Grossbritanniens seine Leser dazu auf, für einen Austritt zu stimmen. «We urge our readers to beLEAVE in Britain and vote to quit the EU on June 23.» Der Austritt – beLEAVE ist ein Wortspiel aus «leave» und «believe» – wurde zu einer Glaubensfrage stilisiert. Das populistisch-alarmistische Argument, das die Redaktion der Forderung nachschob, lautete: «Das ist unsere letzte Chance, uns aus der undemokratischen Brüsseler Maschine zurückzuziehen. Und es ist Zeit, sie zu ergreifen.» In der 43-jährigen Mitgliedschaft in der Europäischen Union habe sich der Staatenverbund als «zunehmend gierig, verschwenderisch, verleumdend und atemberaubend inkompetent in der Krise bewiesen», befindet das Blatt. Die Forderung ist daher klar: «Wir müssen uns von dem diktatorischen Brüssel befreien.» Dass der rechtsextreme Front National in Frankreich mit fast denselben Parolen Stimmung macht, wird geflissentlich ignoriert.</p>
<p>Das Boulevardblatt scheut selbst nicht davor zurück, die Queen als vermeintliche Kronzeugin («Queen backs Brexit») für ihre Propaganda zu missbrauchen. Die Monarchin sei für den Austritt, hiess es. Die Schlagzeile war frei erfunden. Der Buckingham Palast legte offiziell Beschwerde bei dem Boulevard-Blatt ein. So etwas gab es noch nie. Man fragt sich bei diesen Artikeln, ob die Politik oder die Medien Wahlkampf machen. Der Medienmogul Rupert Murdoch, der Eigentümer der «Sun», führt eine aus eigenem Machtstreben motivierte Kampagne für den Austritt. Murdoch steht der EU seit Jahren skeptisch gegenüber. Einem Journalisten soll er einmal gesagt haben: «Wenn ich nach Downing Street (dem Sitz des britischen Premierministers) gehe, machen sie, was ich sage. Wenn ich nach Brüssel gehe, nehmen sie davon nicht einmal Notiz.»</p>
<p>Das Revolverblatt «The Express», das dem britischen Verleger Richard Desmond gehört, der die EU-feindliche Partei Ukip unterstützt, <a href="http://www.express.co.uk/comment/expresscomment/661551/Eu-referendum-sticker-Vote-Leave-Nigel-Farage-Brexit" target="_blank">rief in einem Leitartikel</a> gar zu einem «Kreuzzug für die Freiheit» auf und verteilte in der Printausgabe Pro-Leave-Sticker, die man sich ans Auto kleben kann – als Zeichen des Brexit-Befürwortens. Die Zeitung schwor die Leserschaft auf eine wichtige Abstimmung ein. «Wo einer von fünf Wählern unentschlossen ist, sind die Leser des ‹Daily Express› das Zünglein an der Waage in der Sicherstellung, dass Britannien diese einmalige Gelegenheit beim Schopfe packt, sich von den Fussfesseln der EU und seinen undemokratischem Vorgehen, einen allmächtigen föderalen Superstaat zu etablieren, zu befreien.»</p>
<p>Die Metapher einer britischen «Gefangenschaft» in der EU zieht sich leitmotivisch durch die Pro-Brexit-Presse. Sogar Winston Churchill wird bemüht: «Wo es keinen Feind im Innern gibt, können einem die Feinde ausserhalb nicht wehtun.» Solche Blut-Schweiss-und-Tränen-Rhetorik kennt man eigentlich nur aus dem Krieg vergangener Tage. Die Tonalität ist hochtourig, aufgekratzt und alarmistisch, als würde Grossbritannien in die Schlacht ziehen. Es ist schon erstaunlich: Wo in Deutschland eine «System»- und «Lügenpresse» gegeisselt und die Konvergenz der Medien beklagt wird, werden die publizistischen Gräben in Grossbritannien grösser denn je.</p>
<p>Jede Leserschicht, jedes Milieu wird versucht anzusprechen. «Fussball-Fans unterstützen Brexit mit überwältigender Mehrheit», behauptete die Zeitung «Daily Express» und berief sich auf eine Umfrage des Buchmachers Coral, wonach 39 Prozent der Fussball-Fans bei dem Referendum für den Austritt stimmen werden. Wie die Studienautoren Fussball-Fans definieren, wurde nicht erläutert. Knapp eine Woche vor dem Referendum wird auf der Insel heftig darüber diskutiert, ob das Abschneiden der drei britischen Nationalmannschaften (England, Wales, Nordirland) an der Fussball-EM einen Einfluss auf die Volksabstimmung hat. Ein frühes Aus in der Gruppenphase könnte Wasser auf die Mühlen des «Leave»-Lagers sein und den Nationalismus befördern. Ein Weiterkommen in die Ko-Phase der Europameisterschaft könnte die Engländer dagegen mit dem Europa-Gedanken versöhnen und dem «Remain»-Lager in die Hände spielen.</p>
<p>Der «Daily Telegraph», zu dessen Kolumnisten der Londoner Bürgermeister und Brexit-Befürworter Boris Johnson gehört, schlägt indes eher moderatere Töne an, vertritt aber in Bezug auf Migration und Terrorismus dezidiert konservative und europaskeptische Positionen. Die Europaskepsis, respektive -feindlichkeit speist sich aus gerade diesen Motiven. So ist der «Daily Telegraph» Gegenstand einer Beschwerde an die Regulierungsbehörde «Independent Press Standards Organization» (vergleichbar mit dem Presserat in Deutschland), welche das Faktchecking-Portal <a href="http://infacts.org/hateful_eight/" target="_blank">InFacts eingereicht hat</a>. Die Zeitung soll Unwahrheiten und falsche Tatsachenbehauptungen verbreitet haben, etwa «der Graben zwischen den offiziellen Migrationszahlen und der ist so gross wer Grand Canyon» oder sinnentstellte Zitate wie die angebliche Aussage eines US-Gemeindienstmitarbeiter, wonach die islamistische Terrormiliz IS durch offene Grenzen nach Grossbritannien gelange. InFact widerlegt diese Behauptungen in einem Faktencheck.</p>
<p>Auch die «Sun» arbeitet mit montierten Statistiken und Stereotypen. Es tobt ein Kampf um die Wahrheit und Deutungshoheit über Fakten, die in der durch Boris Johnsons «Battlebus» populär gewordene Behauptung kulminierte, Grossbritannien überweise jede Woche 350 Millionen Pfund nach Brüssel. Mittlerweile versucht der «Daily Telegraph» wie auch die etwas weiter in der Mitte positionierte «Times» ausgewogener zu berichten und beide Seiten zu Wort kommen zu lassen – auch, um der Heterogenität der Leserschaft Rechnung zu tragen. Die jungen Leser, die auf Inhalte grösstenteils online zugreifen, sind deutlich pro-europäischer als ältere Leser. Deshalb fährt die zur selben Verlagsgruppe wie die «Sun» gehörende «Times» (beide Titel werden von Rupert Murdochs News UK verlegt) mit Rücksicht auf die eher pro-europäischen Leser einen vorsichtigeren Kurs. Die Gräben durchziehen damit auch die Verlage selbst.</p>
<p>Die einzigen Medien, die neutral und objektiv über die Kampagne berichtet, sind der linksliberale «Guardian» , die «Financial Times» sowie die BBC. Die Redaktionen begeben sich nicht in ideologische Grabenkämpfe, sondern referieren ruhig und sachlich Pro-und Kontra-Argumente. Wobei die BBC, die 77 Prozent der Haushalte über TV, Radio oder das Internet erreicht, unter besonders kritischer Beobachtung steht. Die Labour-Abgeordnete Maria Eagle kritisierte, dass die Rundfunkanstalt zur Zielscheibe von Lobby-Bemühungen beider Lager werde und Medienminister John Whittingdale, ein prominenter Befürworter des Brexit, die Verhandlungen über die am Ende des Jahres auslaufende Charter der BBC (eine Art Rundfunkstaatsvertrag) hinauszögere. Der Sender werde so zum Vehikel parteitaktischer Spielchen. Das Problem ist, dass man über derlei Einflussnahmen kaum etwas liest.</p>
<p>Medienkritische Berichte, etwa über den Opportunismus der «Sun», die in ihren Lokalausgaben in Schottland, Nordirland und Irland mit Rücksicht auf die Leserschaft den Slogan «BeLeave in Britain» vom Titel nahm, findet man fast ausschliesslich bei Politico Europe oder <a href="http://www.theguardian.com/media/greenslade/2016/jun/14/the-suns-pro-brexit-campaigning-doesnt-cross-borders" target="_blank">beim «Guardian»</a>. Eine Blockbildung, wie man sie nun in den Medien sieht, kennt man eigentlich nur aus der Parteienlandschaft. Die Zeitungen sind in der Brexit-Frage nicht nur ein Kampagnenvehikel, sondern ein Kampagnenorgan, die aktiv Wahlkampf betreiben – mit Aufklebern, Wahlaufrufen und Veranstaltungen. So wie die Parteien um Wähler werben, fischen die Zeitungen nach Lesern. Der «Guardian» geisselte in einem Meinungsbeitrag die Pro-Brexit-Kampagne der «Daily Mail» als «ein im Kern rechtes politisches Projekt». Das EU-Referendum sei «die Arena, in der Machtkämpfe zwischen Teilen der Presse und dem gewählten Premierminister (David Cameron) ausgetragen werden». Die rückläufigen Auflagen, unter denen die Pressetitel leiden, könnte erklären, warum sich manche Zeitung noch stärker positioniert als sie es sonst tut. Profilschärfung stärkt Loyalitäten. Die Abstimmung wird zeigen, welches Medium lauter getrommelt hat.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/06/17/auf-zum-letzten-gefecht/">Auf zum letzten Gefecht!</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<item>
		<title>Ex-«Guardian»-Chef: Einst gefeiert, jetzt unrühmlich gegangen</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2016/05/14/einst-gefeiert-jetzt-unruehmlich-gegangen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 14 May 2016 14:36:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Guardian]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Alan Rusbridger war als „Guardian“-Chef eine Lichtgestalt. Doch der Enthüllungsjournalist und digitale Modernisierer ging zu großzügig mit dem Geld um. Jetzt gab es einen späten Aufstand gegen ihn.</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/05/14/einst-gefeiert-jetzt-unruehmlich-gegangen/">Ex-«Guardian»-Chef: Einst gefeiert, jetzt unrühmlich gegangen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Alan Rusbridger war als „Guardian“-Chef eine Lichtgestalt. Doch der Enthüllungsjournalist und digitale Modernisierer ging zu großzügig mit dem Geld um. Jetzt gab es einen späten Aufstand gegen ihn.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2016/05/14/einst-gefeiert-jetzt-unruehmlich-gegangen/">Ex-«Guardian»-Chef: Einst gefeiert, jetzt unrühmlich gegangen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Neue mediale Verbreitungswege und globaler Journalismus</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/06/14/neue-mediale-verbreitungswege-und-globaler-journalismus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 Jun 2015 13:32:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Wolfgang Blau]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschlandfunk]]></category>
		<category><![CDATA[Guardian]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=5413</guid>

					<description><![CDATA[<p>Der Journalismus von Morgen findet mobil und online statt, der digitale Wandel treibt seit Jahren Verlage, Zeitungshäuser und Redaktionen um. Das Internet zwingt sie dazu, zunehmend auch global zu denken: Immer mehr globale Player wie Google oder Apple bieten selbst Nachrichten an. Gespräch mit Wolfgang Blau, Direktor Digitalstrategie «Guardian».</p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/06/14/neue-mediale-verbreitungswege-und-globaler-journalismus/">Neue mediale Verbreitungswege und globaler Journalismus</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Journalismus von Morgen findet mobil und online statt, der digitale Wandel treibt seit Jahren Verlage, Zeitungshäuser und Redaktionen um. Das Internet zwingt sie dazu, zunehmend auch global zu denken: Immer mehr globale Player wie Google oder Apple bieten selbst Nachrichten an. Gespräch mit Wolfgang Blau, Direktor Digitalstrategie «Guardian».</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/06/14/neue-mediale-verbreitungswege-und-globaler-journalismus/">Neue mediale Verbreitungswege und globaler Journalismus</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<item>
		<title>«Ein grosses Herz, ein dickes Fell, ein schnelles Hirn – und einen Traum.»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/03/09/ein-grosses-herz-ein-dickes-fell-ein-schnelles-hirn-und-einen-traum/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Mar 2015 10:01:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Wolfgang Blau]]></category>
		<category><![CDATA[Guardian]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://medienwoche.ch/?p=3918</guid>

					<description><![CDATA[<p>An der diesjährigen Konferenz Re-Inventing Journalism der ZHAW sprach Wolfgang Blau darüber, was ihn nachts nicht schlafen lässt. Im Interview verrät er, warum er Journalist wurde, was er Menschen sagt, die im Online-Journalismus eine Gefahr für die Demokratie sehen und was er sich unter einem guten Journalisten vorstellt.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>An der diesjährigen Konferenz Re-Inventing Journalism der ZHAW sprach Wolfgang Blau darüber, was ihn nachts nicht schlafen lässt. Im Interview verrät er, warum er Journalist wurde, was er Menschen sagt, die im Online-Journalismus eine Gefahr für die Demokratie sehen und was er sich unter einem guten Journalisten vorstellt.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/03/09/ein-grosses-herz-ein-dickes-fell-ein-schnelles-hirn-und-einen-traum/">«Ein grosses Herz, ein dickes Fell, ein schnelles Hirn – und einen Traum.»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>«Guardian»-Digitalchef: «Können ohne Paywall höhere Erlöse erzielen»</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2015/01/29/guardian-digitalchef-koennen-ohne-paywall-hoehere-erloese-erzielen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Jan 2015 11:40:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Paywall]]></category>
		<category><![CDATA[Wolfgang Blau]]></category>
		<category><![CDATA[Guardian]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Für viele Verleger werde es in der digitalen Welt «nichts zu gewinnen» geben, prophezeit Wolfgang Blau, Digitalchef des «Guardian».</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Für viele Verleger werde es in der digitalen Welt «nichts zu gewinnen» geben, prophezeit Wolfgang Blau, Digitalchef des «Guardian».</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2015/01/29/guardian-digitalchef-koennen-ohne-paywall-hoehere-erloese-erzielen/">«Guardian»-Digitalchef: «Können ohne Paywall höhere Erlöse erzielen»</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Zeigt her eure Zahlen</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2011/05/05/zeigt-her-eure-zahlen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 May 2011 07:15:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Onlinejournalismus]]></category>
		<category><![CDATA[SND]]></category>
		<category><![CDATA[Datenjournalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Webgrafik]]></category>
		<category><![CDATA[Guardian]]></category>
		<category><![CDATA[MAZ]]></category>
		<category><![CDATA[Infografik]]></category>
		<category><![CDATA[WIkileaks]]></category>
		<category><![CDATA[Datablog]]></category>
		<category><![CDATA[Joseph Dreier]]></category>
		<category><![CDATA[Open Data]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Trend geht um: Der Datenjournalismus. Allmählich entdecken Medien die Möglichkeiten der Infografik im Netz. Der Guardian in London, ein Pionier dieser neuen journalistischen Disziplin, beschäftigt ein eigenes Ressort mit der Datenaufbereitung und -darstellung. Auch andernorts setzt man auf animierte Webgrafiken zur Visualisierung zahlenbasierter Zusammenhänge; etwa das ZDF mit dem Arbeitsmarkt Scanner oder die Zeit mit der <a href="https://medienwoche.ch/2011/05/05/zeigt-her-eure-zahlen/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/05/05/zeigt-her-eure-zahlen/">Zeigt her eure Zahlen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Trend geht um: Der Datenjournalismus. Allmählich entdecken Medien die Möglichkeiten der Infografik im Netz. Der Guardian in London, ein Pionier dieser neuen journalistischen Disziplin, beschäftigt <a href="http://www.guardian.co.uk/news/datablog" target="_blank">ein eigenes Ressort</a> mit der Datenaufbereitung und -darstellung. Auch andernorts setzt man auf animierte Webgrafiken zur Visualisierung zahlenbasierter Zusammenhänge; etwa das ZDF mit dem <a href="http://module.zdf.de/arbeitsmarkt-scanner/" target="_blank">Arbeitsmarkt Scanner</a> oder die Zeit mit der Visualisierung von <a href="http://www.zeit.de/datenschutz/malte-spitz-vorratsdaten" target="_blank">Handy-Verbindungsdaten</a>. In der Schweiz hat die NZZ erste Gehversuche unternommen mit einer interaktiven Karte zum <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/schweiz/dicht_an_dicht_im_mittelland_1.10307133.html" target="_blank">Wachstum der Siedlungsfläche</a> im Mittelland.<br />
Im Gespräch mit der MEDIENWOCHE erklärt Joseph Dreier was Datenjournalismus leisten kann und soll und wo seine Grenzen liegen. Dreier arbeitet als <a href="http://dreierdesign.com/Dreier_Infografik/Samples.html" target="_blank">Informationsdesigner</a>, er ist Mitglied der <a href="http://www.snd.org/" target="_blank">Society for News Design</a> und leitet an der Journalistenschule MAZ Kurse in <a href="http://www.maz.ch/Journalismus/kurse.asp?n=013600_8090" target="_blank">Datenjournalismus</a> und <a href="http://www.maz.ch/Kommunikation/kurse.asp?n=020400_7421" target="_blank">Dataminig</a>.</p>
<p><span id="more-28814"></span><br />
<img decoding="async" alt="" src="https://medienwoche.ch/wp_live/wp-content/uploads/2011/05/dreier_klein.jpg" class="alignleft" width="170" height="174" /> <em>Medienwoche: Weshalb erlebt der Datenjournalismus ausgerechnet jetzt eine Blüte?</em><br />
Joseph Dreier: Weil immer mehr Daten zur freien Nutzung und Bearbeitung online zur Verfügung stehen. Genauso wie die dafür erforderliche Software. Aber so neu ist das alles eigentlich gar nicht. Beim Datenjournalismus handelt es sich um die logische Fortsetzung der Infografik im Web. Auch Datamining gibt es schon lange. Bisher war es aber der Wissenschaft – Soziologen, Psychologen, Ökonomen – vorbehalten, grosse Datensätze auszuwerten und zu interpretieren. Allmählich beginnt sich diese Arbeitsmethode auch in den Medien zu etablieren.</p>
<p><em>Welche Rolle spielten die Veröffentlichungen von Wikileaks für den Datenjournalismus?</em><br />
Ich würde das nicht überbewerten. Wikileaks trug seinen Teil dazu bei, indem auf einen Schlag grosse Datenmengen öffentlich verfügbar waren, die bearbeitet werden konnten. Wichtiger erscheinen mir die neuerdings verfügbaren umfangreichen Datensätze von Behörden, Universitäten und anderen öffentlichen Institutionen, die gerne unter dem Schlagwort <a href="http://opendata-network.org/" target="_blank">Open Data</a> zusammengefasst werden.</p>
<p><em>Wo liegen die Anfänge des Datenjournalismus?</em><br />
Das begann meiner Ansicht nach vor rund zehn Jahren mit der Aufbereitung und Darstellung von Wahlergebnissen. Schon damals haben Medien Karten ins Netz gestellt, wo Resultate interaktiv abgefragt werden konnten. Daher sehe ich den heutigen Datenjournalismus lediglich als einen neuen Begriff für bestimmte Darstellungsformen von Information, die es in ähnlicher Form früher schon gab. Aber auch der gedruckten Infografik liegt letzlich Datenjournalismus zugrunde. Damals wie heute geht es darum, Zahlen und Daten grafisch umzusetzen. Animation und Interaktivität machen den Unterschied zwischen Papier und Web aus. Man kann heute einfach mehr rausholen, weil es im Netz zusätzliche Darstellungsformen gibt.</p>
<p><em>Datenjournalismus sollte der einfacheren und transparenteren Vermittlung von Fakten dienen. Versteht das Publikum die neue Sprache?</em><br />
Ich denke sehr wohl, dass damit einem Bedürfnis entsprochen wird. Wenn man sieht, wie unattraktiv früher Daten und Zahlen dargestellt wurden, sei es mit Tabellen oder im Text eingebaut, dann sehen wir heute einen klaren Fortschritt, der vom Publikum honoriert wird.</p>
<p><em>Das Publikum soll nicht nur bunte Grafiken anschauen, sondern sich selbst einbringen. In welchem Mass ist das sinnvoll?</em><br />
Das betrachte ich eher als Spielerei. Das Publikum kann sich an der Recherche beteiligen. Das ist interessant, weil eine Redaktion damit das Feld erweitern kann. Bei der Umsetzung und der Darstellung der Ergebnisse sehe ich aber kaum Möglichkeiten, wie sich das Publikum einbringen kann. Es braucht diese redaktionelle Schleuse, wo die Daten zusammengefasst, interpretiert und veranschaulicht werden.</p>
<p><em>Wie lässt sich das Risiko des <a href="http://berlinergazette.de/datenjournalismus-populismus-transparenz-re-publica/" target="_blank">Datenpopulismus</a>, der unzulässigen Verkürzung von Fakten, vermeiden</em>?<br />
Wichtigstes Prinzip ist die Transparenz: Wie sind die Zahlen zustande gekommen, aus welchen Quellen stammen sie, wie ist die Darstellung zustande gekommen? Ganz normale journalistische Fragestellungen. Besondere Vorsicht ist angezeigt, wenn es um die Zukunft geht. Da muss man klar kennzeichnen, dass das keine gesicherten Daten sind, sondern Prognosen, Hochrechnungen und manchmal auch nur Mutmassungen.</p>
<p><em>Der Datenjournalismus im Netz ist ein junges Genre. Was sind die grössten Fehler und Mängel, die Sie beobachten?</em><br />
Schlechte Darstellungen entstehen oft, wenn Printgrafiken eins zu eins online übernommen werden. Öfters beobachte ich auch, dass Inhalt und grafische Mittel nicht miteinander korrespondieren und die Darstellung dadurch unübersichtlich wird. Sodann halte ich auch Relevanz beim Datenjournalismus für ein entscheidendes Kriterium. Wenig ergiebig war in diesem Zusammenhang jüngst die Behandlung von The Royal Wedding in London. Alles, was man auf vielen Grafiken sah, war die <a href="http://www.simplesitetutorials.org/whos-sitting-where/" target="_blank">Sitzordnung</a> in der Westminster Abbey; oder<a href="http://www.novafm.com.au/lib/images/contents/Wedding-Route-Map.jpg" target="_blank" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title=""> der Weg zum Buckingham Palace</a>. Das kann ich auch auf Google Maps nachschauen.</p>
<p><em>Wie werde ich Datenjournalist?</em><br />
Den Beruf des Datenjournalisten gibt es nicht. Das ist immer Teamwork. Datenjournalismus erfordert Rechercheure, die eine Geschichte ausgraben. Für das Storytelling braucht es Journalisten. Denn auch am Anfang eines datenjournalistischen Prozesses stehen die Fragen: Welche Geschichte will ich erzählen und welche Aussage will ich mit den Zahlen machen? Bei der Umsetzung kommen dann Grafiker und Webdesigner zum Zug, die ein Auge haben für die visuelle Inszenierung einer Geschichte. Für die Aufbereitung der Daten sind Programmierer und teilweise auch Mathematiker zuständig.</p>
<p><em>Sie unterrichten Datenjournalismus am MAZ, der Schweizer Journalistenschule. Was kann der Einzelne lernen, wenn Datenjournalismus immer im Team entsteht?</em><br />
Der schreibende Redaktor soll sich Grundbegriffe der Grafik und des Webdesigns aneignen. Zum anderen müssen Grafiker und Webdesigner journalistische Grundbegriffe lernen, wie man eine Geschichte erzählt und Sachverhalte auf den Punkt bringt. Für beide Seiten ist es sinnvoll und wichtig, sich für den anderen Bereich zu öffnen und zu interessieren. Ich versuche einen Überblick zu geben über gute und schlechte Beispiele aus der aktuellen internationalen Medienlandschaft. Gemeinsam erarbeiten wir Kriterien der Beurteilung und diskutieren verschiedene Webtools und spezielle Software für die Datenaufbereitung und -präsentation. In kleinen Übungen geht es um erste Schritte in der Praxis.</p>
<p><em>Wie wird sich der Datenjournalismus weiterentwickeln?</em><br />
Momentan wird noch viel Buntes gezeigt. Mit der Zeit wird sich der Datenjournalismus konsolidieren und zu einer klareren grafischen Sprache finden. Das ging auch bei der gedruckten Infografik so. Im Kern wird es immer darum gehen, wie ich meine Story so erzählen kann, damit sie von den Betrachtern schnell erfasst und verstanden werden kann. Womit auch klar ist, dass der Journalismus nicht ausstirbt. Denn gerade bei der Aufbereitung von riesigen Datenmengen braucht es professionelle Journalisten mehr denn je.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/05/05/zeigt-her-eure-zahlen/">Zeigt her eure Zahlen</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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