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	<title>Jakob Augstein | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
	<lastBuildDate>Thu, 22 Jun 2017 07:09:44 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Wenn man das Halszäpfchen sieht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[René Zeyer]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 05 Feb 2017 15:42:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Josef Joffe]]></category>
		<category><![CDATA[Der Spiegel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das jüngste «Spiegel»-Cover mit dem US-Präsidenten in der Pose eines IS-Schlächters markiert den vorläufigen Tiefpunkt einer hysterischen Anti-Trump-Manie. Doch das Nachrichtenmagazin steht damit nicht allein. Damit begeben sich diese Medien selbst auf das Niveau, das sie mit ihrem Gezeter anzuprangern vorgeben. Der Träger eines grossen Namens im «Spiegel» kann sich noch steigern. Während das deutsche <a href="https://medienwoche.ch/2017/02/05/wenn-man-das-halszaepfchen-sieht/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Das jüngste «Spiegel»-Cover mit dem US-Präsidenten in der Pose eines IS-Schlächters markiert den vorläufigen Tiefpunkt einer hysterischen Anti-Trump-Manie. Doch das Nachrichtenmagazin steht damit nicht allein. Damit begeben sich diese Medien selbst auf das Niveau, das sie mit ihrem Gezeter anzuprangern vorgeben.<br />
<span id="more-33103"></span><br />
Der Träger eines grossen Namens im «Spiegel» kann sich noch steigern. Während das deutsche Nachrichtenmagazin nach der Wahl Trumps «Das Ende der Welt» kommen sah, behauptete Jakob Augstein, dass in den USA der «Faschismus die Macht ergriffen habe» und begründete es damit, dass Trump «ein Faschist» sei. Viel mehr geht da nicht, ausser noch, nachgelegt von Augstein: «Donald Trump hat damit begonnen, die amerikanische Demokratie in eine Diktatur zu verwandeln.» Passend dazu legt auch der «Spiegel» selbst noch einen drauf. Das aktuelle Titelblatt zeigt eine brüllende Trump-Figur in Dschihadisten-Pose mit blutigem Messer in der Hand, der gerade die Freiheitsstatue geköpft hat und ihr blutendes Haupt triumphierend in der Hand hält. Damit verabschiedet sich das deutsche Nachrichtenmagazin in seinem 70. Jahrgang davon, noch ernst genommen zu werden.</p>
<p>Selbst die «Zeit» steht dem in nichts nach. Dr. Josef Joffe, der Herausgeber des deutschen Blatts der gepflegten Schreibe und des unaufgeregten Nachdenkens, antwortet auf die Frage, wie man Trump aus dem Amt entfernen könne: «Mord im Weissen Haus zum Beispiel.» Wie lässt sich das noch steigern? Das Problem all dieser Trump-Kritiker ist: Wenn man das ganze Vokabular an Beschimpfungen, Kritik, ja selbst an Androhung von Gewalt durch hat, was kann dann noch kommen? Wenn bei der Erwähnung des Namens Trump sofort Gehirnstarre und intellektuelle Schnappatmung einsetzt, wenn man in Äusserungen des Unmuts bereits das Halszäpfchen sieht, weil sie dermassen herausgekräht werden, dann ist kein Platz mehr für Reflexion, Einordnung, Analyse.</p>
<p>Da weder Faschismus noch Diktatur in den USA ausgebrochen sind, da es nicht angehen kann, das Ergebnis demokratischer Wahlen mit Gewalt beantworten zu wollen, geht unsere einzige Methode verloren, mit der wir durch Erkenntnisgewinn eine Verbesserung unserer Lebensumstände bewirken können. Die Methode der Aufklärung, die Realität so gut wie möglich zu analysieren und so vernünftig wie möglich das Voranschreiten zu besseren Zuständen zu befördern. Stattdessen wird nur im wahrsten Sinne des Wortes das konfliktiv-sprunghafte Verhalten des neuen Präsidenten gespiegelt, auf dem gleichen erbärmlichen intellektuellen Niveau, das ihn auszeichnet.</p>
<p>Als aktuelles Beispiel dafür eignet sich sein Dekret, die Einreise von Bürgern von sieben moslemisch geprägten Staaten zeitweise zu untersagen. Es war ein Schnellschuss, sorgte für Chaos und Unsicherheit und wurde von den durchaus funktionieren Organen des US-Rechtsstaats zuerst teilweise, dann durch einen republikanischen Bundesrichter vorläufig total kassiert. Trump und seine Berater haben offenbar vor der Aufgabe versagt, eine «executive order», mit der ein US-Präsident regieren darf, so zu formulieren, dass sie umsetzbar ist und einer juristischen Überprüfung standhält. Das ist die Realität, und sie zeigt auch, dass das System von «checks and balances», also die fein austarierte gegenseitige Kontrolle der Staatsorgane in den USA, funktioniert.</p>
<p>Der Erfolg der Präsidentschaft Trumps, die zudem erst wenige Tage alt ist, hängt davon ab, ob er seine Wahlversprechen, seinen Slogan «Make America Great Again» einlösen kann. Den US-Wähler interessiert dabei das Geschrei der Medien oder die kritischen Einwürfe europäischer Politiker schlichtweg einen Dreck. Der von Existenzangst und Arbeitsplatzverlust bedrohte US-Mittelstand ist nur daran interessiert, ob es ihm unter Trump spürbar besser geht, er seinen amerikanischen Traum, oder eine Nummer kleiner sein Streben nach seinem individuellen kleinen Glück, mithilfe Trumps realisieren kann oder nicht.</p>
<p>Die Berichterstatterpflicht unserer Medien müsste darin bestehen, diese Frage zu beantworten. Zumindest Analysen und Einordnungen zu liefern, ob Trumps Massnahmen dazu beitragen werden oder nicht. Stattdessen Trump als blutrünstiger Schlächter, Amok, psychisch Gestörter, wie namhafte Psychiater per Ferndiagnose sich nicht entblöden zu konstatieren. Das ist wahrlich Analyse auf Trump-Niveau. Es ist schlimmer: erbärmlich, dumm, verlogen, falsch und tödlich für die Bedeutung der sogenannten Vierten Gewalt. Die grössten Triumphe Trumps erzielt er bislang im Lager seiner Gegner.</p>
<p>Die bisherigen Äusserungen und Handlungen von Präsident Trump erwecken den Anschein, dass er ein intellektueller Tiefflieger und jemand ist, der schneller spricht und handelt als denkt. Aber er schafft es, die versammelte Intelligenzia, die Meinungsführer, grossen Denker und auch viele Politiker auf sein Niveau runterzuziehen. Und auf diesem Niveau ist er ihnen allen einwandfrei überlegen. Einfach unfassbar.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/02/05/wenn-man-das-halszaepfchen-sieht/">Wenn man das Halszäpfchen sieht</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Tragt dem Nachrichtenmagazin Sorge!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[René Zeyer]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 03 Jan 2017 08:20:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Der Spiegel]]></category>
		<category><![CDATA[Rudolf Augstein]]></category>
		<category><![CDATA[Geburtstag]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Jakob Augstein]]></category>
		<category><![CDATA[Nachrichtenmagazin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das «Sturmgeschütz der Demokratie», wie es sein Gründer Rudolf Augstein nannte, ist in die Jahre gekommen. Es feiert seinen 70. Geburtstag, feiern wir mit. «Der Spiegel» ist weiterhin unverzichtbar, aber beim Rückblick kommt Nostalgie auf. Montag war «Spiegel»-Tag. Das galt für die deutsche Politik, das galt für ach so viele Leser, die sich für Politik, <a href="https://medienwoche.ch/2017/01/03/tragt-dem-nachrichtenmagazin-sorge/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Das «Sturmgeschütz der Demokratie», wie es sein Gründer Rudolf Augstein nannte, ist in die Jahre gekommen. Es feiert seinen 70. Geburtstag, feiern wir mit. «Der Spiegel» ist weiterhin unverzichtbar, aber beim Rückblick kommt Nostalgie auf.<br />
<span id="more-33093"></span><br />
Montag war «Spiegel»-Tag. Das galt für die deutsche Politik, das galt für ach so viele Leser, die sich für Politik, Kultur, Gesellschaft und einen informierten Blick in die Welt interessierten. Dazu für gnadenlos gut geschriebene Artikel und immer wieder journalistische Sternstunden in Form von Reportagen. Vor einigen Jahren, nach immer lustloserem Durchblättern, fand ich heraus, dass es auch ein Leben ohne «Spiegel» gibt. Daran änderte auch die Verlegung auf den Erscheinungstermin Samstag nichts. Warum? Wohl weil das Sturmgeschütz Ladehemmung bekam, vieles beliebig wurde, vorhersehbar, repetitiv. Meinung, Kommentar und Rechthaberei immer mehr ersetzten, zu «schreiben, was ist» (auch von Augstein).</p>
<p>Welche Skandale hat der «Spiegel» in den 70 Jahren seiner Geschichte aufgedeckt: Den Fall Flick und die gekaufte Demokratie mit Parteispenden, die Affäre um die «Neue Heimat», welche dicken Bretter bohrte er in der Finanzkrise eins, wie intelligent vermied er, sich an der Ausschlachtung irgendwelcher «Leaks» zu beteiligen, die das Image des Investigativjournalismus ruinierten. Neuerdings ist er auch auf diesen Zug aufgesprungen und verwertet die sogenannten «Fussball-Leaks», die ihm von einer eher obskuren Quelle zugespielt wurden. Dafür war er bei Snowden und der NSA vorne dabei, und, und, und.</p>
<p>Über welche Ressourcen verfügt der «Spiegel» bis heute: Seine Journalisten dürfen noch recherchieren, vor Ort sein, Teams bilden, unterstützt von einer Dokumentationsabteilung, die alleine schon grösser ist als die gesamte Belegschaft einer gehobenen Tageszeitung. Mit berechtigtem Stolz führt er die 14 Stationen vor, vom Manuskript des Autors bis zum Druck, die jeder Artikel durchläuft. Welch andere Welt im Vergleich zu allen übrigen deutschsprachigen Medienerzeugnissen. Wo der Redaktor nur mit Hilfe eines Korrekturprogramms sein Werk direkt ins vorgegebene Layout fliessen lässt, oberhalb von telefonieren, skypen, googeln und viel Copy-and-paste nicht recherchiert, ein überforderter Tageschef entscheidet, welche News mit wie vielen Zeilen auf engem Raum ins Blatt kommen, und der Chefredaktor lediglich überprüft, ob die Inhalte Kosten verursachenden juristischen Ärger geben oder ob einer der wenigen verbleibenden Grossinserenten sauer werden könnte. Und über allem schwebt die Klickrate im Internet auf Grossbildschirmen im Newsroom.</p>
<p>Der «Spiegel» kann es sich noch leisten, Mächtigen und Wichtigen auf die Füsse zu treten, ohne Furcht vor den wohlbestückten Legal Departments von Banken, Grosskonzernen und ohne Rücksichten auf politische Befindlichkeiten. Er kann sich immer noch an seinen ewigen Vorbildern messen, «Time», «New York Times» und gelegentlich sogar am «New Yorker». Ab und an auch am «Wall Street Journal», der «Financial Times» und dem «Economist». Vom englischsprachigen Journalismus hat er auch den Sound übernommen, der ihm seinen einmaligen Ton gab, weshalb lange Jahre die meisten Artikel nicht gezeichnet waren. Die Message stand im Vordergrund, nicht der Autor. Mit ganz wenigen Ausnahmen wie Gerhard Mauz, dem Übervater der Gerichtsberichterstattung, bis heute das unerreichte Vorbild für alle. Hier lässt sich der Niedergang personifizieren. Seine Nachfolgerin Gisela Friedrichsen erwies sich nicht nur im Fall Kachelmann als eitle Selbstdarstellerin, die sich in Talkshows und unzähligen Medienauftritten selbst für wichtiger hält als die von ihr zu beschreibenden Rechtsfälle.</p>
<p>Die Abwege, auf die der «Spiegel» geraten ist, lassen sich an zwei Titelblättern festmachen. «Stoppt Putin» fordert das eine, das andere rief «Das Ende der Welt» aus, illustriert mit einer Supernova in Form einer Trump-Fratze, die die Erde verschlingt. Und während Rudolf Augstein in seinen späten Jahren immer kantigere, aber gleichbleibend intelligente Kommentare schrieb, darf inzwischen sein Adoptivsohn Jakob Augstein davon faseln, dass in den USA der Faschismus an die Macht gekommen wäre, weil Trump ein Faschist sei. Auch im seit einiger Zeit eingeführten Leitartikel geht es in der Jubiläumsausgabe um alles: «Unsere Art zu leben, die Pressefreiheit, viele andere Freiheiten und die Demokratie des Westens stehen auf dem Spiel.» Als ob das seit 1947 jemals anders gewesen wäre. Bei allem trotzigen Aufbegehren gegen Vorwürfe wie «Lügenpresse» und die Troll-Armeen des Internets, die Journalismus zu einer Leistung ohne Wert machen, die in Blogs, Foren und Social Media meist auch nichts wert ist: Es herrscht Verunsicherung im «Spiegel». Auch wenn «Spiegel online» eine der ganz wenigen News-Webseiten ist, für die viele Leser auch bezahlen würden (und es auch tun): Wo soll die Reise hingehen? Längst ist jeder Tag «Spiegel-Tag», seit vielen Jahren hat das Nachrichtenmagazin sein Alleinstellungsmerkmal verloren, seit es die von ihm anfänglich überheblich unterschätzte Konkurrenz «Focus» gibt. Längst sind die «Spiegel»-Interviews mit dem ewigen Schlusssatz «wir danken Ihnen für dieses Gespräch» nicht mehr immer Kabinettsstückchen eines redigierten und konzentrierten Dialogs, immer seltener werden die grossen Reportagen, immer mehr verdrängen Fotos und Kurzfutter längere Lesestücke.</p>
<p>Natürlich, der Zeitgeist, das Wisch-und-Weg-Konsumverhalten gegenüber Welterklärungsversuchen, die naturgemäss komplizierte Sachverhalte nicht auf wenige Schlagwörter reduzieren können. Die ewige Suche nach einem den Kioskverkauf steigernden Titel, wo Sex, Gesundheit, Schlankheitskuren, Glück oder Liebe das Pièce de Resistance, Hitler und das Dritte Reich, einrahmen. Das anhaltende Nachhecheln hinter jedem Earthshaker, Krieg, Katastrophe, Unfall, Mordfall, ohne zu beachten, dass fast alles, was am Schluss gedruckt im Blatt steht, schon längst von den elektronischen Medien im Internet abgetrocknet wurde. Und, fatal, die Teilhabe am Mainstream, am Justemilieu, wo aus Unsicherheit und Verwirrung geborene Rechthaberei, missionarischer Eifer, das Behaupten des vermeintlich Richtigen und das Verurteilen des angeblich Falschen, also die apodiktische Meinung immer mehr die Nachricht, Analyse, Einordnung, Argumentationshilfe ersetzt.</p>
<p>Im grossen Jubiläumsstück setzt eine der wenigen verbliebenen Edelfedern, der «Senior Writer» wie es auf seiner Visitenkarte so schön heisst, Ullrich Fichtner, zur grossen Abrechnung mit den aktuellen Zeiten an. Er raunt von einer möglicherweise bevorstehenden Revolution, räumt selbstkritisch ein, dass der Vorwurf «im Einzelfall» durchaus berechtigt sei, dass ein «pflichtvergessener Politik- und Medienbetrieb» die Sorgen und Nöte der Bürger allzu lange ignoriert habe und nun «die Quittung dafür» bekomme. Dann teilt er aber kräftig aus und beklagt das unkontrollierte Wirken von Google, YouTube, Facebook, Twitter und Apple, das Versagen der Politik, das ungerechtfertigt schlechte Abschneiden von Medien in Sachen Glaubwürdigkeit, um die es im Übrigen, man muss nur die richtigen Statistiken hernehmen, gar nicht so übel stünde. Und malt das Idealbild an die Wand: «Der klassische Journalismus verknüpft den Akt der Publikation mit der Prüfung von Faktizität und Relevanz. Er liefert ein Wertgerüst für das öffentliche Sprechen.» Eine schöne Definition des Medienwissenschaftler Pörksen, die Fichtner da zitiert. Aber wird ihr der «Spiegel» selbst denn gerecht? Ist das nicht mehr Ausdruck von Nostalgie als eine taugliche Handlungsanleitung für heute? Ist es nicht symbolisch, dass sich in dieser Serie anlässlich des 70. Geburtstags im nächsten Heft Hans Magnus Enzensberger zu Wort melden wird? Der letzte grosse deutsche Feuilletonist und Denker, aber immerhin auch schon 88 Jahre alt. Also wo soll’s denn hingehen in den nächsten 70 Jahren «Spiegel»? Aus der Vergangenheit in die Zukunft, aber wie?</p>
<p>Wo es mit der Welt hingeht, weiss Fichtner: «So viel Argwohn, so viel Hass gegen die Macht und die Mächtigen war nach dem Krieg kaum je, höchstens Ende der Sechzigerjahre. Damals endete eine Epoche. Und eine neue begann.» Das mag ja so sein, aber wie will der «Spiegel» diese Epochenwende, gar das mögliche «Ende der Welt», widerspiegeln? Vielleicht war ja ein Spritzer Selbstkritik in der Unterzeile unter dieser unsäglichen Reaktion auf den Sieg Trumps, denn sie lautete: «wie wir sie kennen». Oder stellen wir die Frage anders: Was ist das für eine Welt, zumindest eine Medienwelt, in der «Der Spiegel» immer mehr Recherche und Reportage durch Rechthaberei ersetzt, Aufdeckung, Einordnung und Analyse durch Handlungsanleitung und Ratschläge – und dennoch unverzichtbar bleibt? Eigentlich gelesen (und gekauft!) werden muss, weil sein mögliches Verschwinden eine Lücke hinterliesse, die im deutschen Sprachraum bislang durch nichts Gleichwertiges, geschweige denn Besseres ersetzt werden könnte. Weil ohne ihn die Mächtigen ruhiger schlafen würden, so viele Schweinereien unaufgedeckt blieben. Man ist versucht, seinen Mitarbeitern, die ja auch Mehrheitsbesitzer sind, zuzurufen: Tragt dem Nachrichtenmagazin Sorge. Spielt wieder mehr den alten Rock’n’Roll des Journalismus: hinschauen, hingehen, recherchieren, beschreiben. Die Welt widerspiegeln, nicht die eigene Befindlichkeit. Und im Hinterkopf immer die wohl beste Definition des Handwerks von George Orwell: «Journalismus heisst, etwas zu drucken, von dem jemand will, dass es nicht gedruckt wird. Alles andere ist Public Relations.»</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2017/01/03/tragt-dem-nachrichtenmagazin-sorge/">Tragt dem Nachrichtenmagazin Sorge!</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Schwedenrätsel</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/08/17/schwedenraetsel/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Aug 2012 07:29:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Die Welt]]></category>
		<category><![CDATA[Thomas Steinfeld]]></category>
		<category><![CDATA[Frank Schirrmacher]]></category>
		<category><![CDATA[Feuilleton]]></category>
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		<category><![CDATA[Roman Bucheli]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Feuilletonzampano schreibt, ein anderer Feuilletonzampano ermorde einen dritten Feuilletonzampano &#8211; in einem noch nicht erschienenen Buch. Man mag es nicht recht glauben, aber so löst man in deutschen Medien eine Grossdebatte aus. Dem Leser wird die übliche Rolle zugewiesen: Dem Bestaunen von selbstgestrickten Skandalen. I, 14. August: Ein Krimi von einem bisher unbekannten schwedischem <a href="https://medienwoche.ch/2012/08/17/schwedenraetsel/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Feuilletonzampano schreibt, ein anderer Feuilletonzampano ermorde einen dritten Feuilletonzampano &#8211; in einem noch nicht erschienenen Buch. Man mag es nicht recht glauben, aber so löst man in deutschen Medien eine Grossdebatte aus. Dem Leser wird die übliche Rolle zugewiesen: Dem Bestaunen von selbstgestrickten Skandalen.<br />
<span id="more-9799"></span><br />
<strong>I, 14. August:</strong><br />
Ein Krimi von einem bisher unbekannten schwedischem Autor wird angekündigt für Ende August. Die Debatte dazu beginnt mit einem <a href="http://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article108599900/Vergeltung-Der-grausige-Tod-eines-Grossjournalisten.html">Artikel von Richard Kämmerlings</a>, der wie ein Detektiv verschiedene Indizien ordnet und zu ganz eigenen Schlüssen kommt. Schon die Schlagzeile zeigt an, wie dramatisch alles ist: Rufmord! Vergeltung! Grausiger Tod! Und natürlich: Grossjournalisten! Abgebildet dazu sind die schmallippigen Konterfeis zweier vorgeblich verfeindeter Feuilletonisten: Frank Schirrmacher von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und Thomas Steinfeld von der Süddeutschen Zeitung. Der eine soll Mordopfer, der andere Autor des Buchs sein. Dass die Debatte in der sonst gerne rechts liegengelassenen «Welt» beginnt, ist kein Zufall, denn sie ist die Nummer drei nach den zwei Zeitungen, die Partei sind in der Auseinandersetzung. Irgendjemand muss Kämmerlings mit Informationen versorgt haben, nur wer bloss?</p>
<p><strong>II, 14. August:</strong><br />
Christian Meier ist stellvertretender Chefredaktor des Mediendienstes Meedia.de &#8211; und <a href="http://meedia.de/background/meedia-blogs/christian-meier/christian-meier-post/article/der-sturm--ein-romantod-als-racheakt_100041828.html">stellt mit Schrecken fest</a>, dass er den gleichen Namen trägt wie der arme Journalist, der so grausig gemeuchelt wird im «Schlüsselroman»: Christian Meier! Er schreibt: «Der Name des Mordopfers macht mich schon mal nicht besonders glücklich.»</p>
<p><strong>III, 15. August:</strong><br />
Thomas Steinfeld, einer der zwei Feuilleton-Chefs der «Süddeutschen Zeitung», gibt gegenüber der Nachrichtenagentur dpa <a href="http://www.spiegel.de/kultur/literatur/krimi-affaere-um-frank-schirrmacher-steinfeld-outet-sich-als-sturm-autor-a-850258.html">folgende Erklärung</a> ab: «Hinter dem Autoren-Pseudonym Per Johansson verbirgt sich ein Autoren-Duo, zu dem der Kulturjournalist und Autor Thomas Steinfeld gehört». Nun ja, schon Cäsar beschrieb seine Handlungen in den Büchern über den Gallischen Krieg in der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/De_bello_Gallico#Stil_und_Darstellungsabsicht">3. Person</a>, «um den Anschein von Objektivität und Bescheidenheit zu erwecken». Und schon sind wir einen Schritt weiter im gestellten Schwedenrätsel, «sein Mitautor soll dem Verlag S. Fischer zufolge Martin Winkler sein». Doch warum bilden zwei Autoren ein Pseudonym? Es bleibt dramatisch, denn «Spiegel Online» hält die Aufregung mit «Steinfelds Geständnis» hoch: «Frank Schirrmacher als Mordopfer», «Kulturbetrieb in Aufregung», «neue, überraschende Wendung im irrsten Feuilleton-Schauspiel des Sommers».</p>
<p><strong>IV, 15. August:</strong><br />
In einem <a href="http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/fazit/1840717/">Interview mit Deutschlandradio Kultur</a> streitet Thomas Steinfeld gleichermassen entschieden und entnervt die Unterstellungen, er habe Meier geschrieben und Schirrmacher gemeint, ab: «Das ist doch völliger Blödsinn. (&#8230;) Was für ein Unsinn! (&#8230;) Was ist das für ein Tunnelblick, was ist das für eine radikale Verschwörungsfantasie, [diese Figur] einem Mann zuzuschreiben. Der Mann hat ein Problem, würd ich sagen!» (&#8230;) Deutschlandradio: «Sie würden sagen, sie haben wirklich Schirrmacher nicht im Hinterkopf gehabt, als Sie dieses Buch geschrieben haben?»  &#8211; «Für was für einen Kindskopf halten Sie mich? (&#8230;) Was mich in den vergangen zwei Tagen diese Geschichte schon an Nerven gekostet hat, da bin ich mir gar nicht so sicher, ob ich, wenn ich die Wahl gehabt hätte, das hätte machen wollen.»</p>
<p><strong>V, 16. August:</strong><br />
«Freitag»-Herausgeber Jakob Augstein <a href="http://www.freitag.de/autoren/jaugstein/wir-toeten-was-wir-lieben">herzt</a> Frank Schirrmacher, das in der realen Welt zum Glück noch lebende «Mordopfer»: «An der wahren Identität des Opfers kann es kaum Zweifel geben: Hier wurde Frank Schirrmacher getötet. Und mehr als das: zerlegt.» «Eine hübsche Sommergeschichte!», frohlockt Augstein, und wirft Pfeilchen gegen Steinfeld: «Ein ‹großartiges intellektuelles Spielzeug› hat Schirrmacher das Feuilleton einmal genannt. Wie sehr müssen ihn all jene dafür hassen, die das Spielen vor langer Zeit verlernt haben.»</p>
<p><strong>VI, 23. August:</strong><br />
Der Roman «Der Sturm» erscheint. Autor: <del datetime="2012-08-16T16:09:51+00:00">Per Johansson</del> Thomas Steinfeld und Martin Winkler. <del datetime="2012-08-16T17:37:15+00:00">Übersetzer: Alexandra Grafenstein.</del> Ab diesem Zeitpunkt werden nun auch die Leser die Möglichkeit haben, sich eine Meinung zu bilden zu all diesen geheimnisumwitterten Fragen. Und ja, vielleicht werden sie dieses Buch kaufen und Thomas Steinfeld wird sich darüber freuen.</p>
<p><strong>VII, möglicherweise in der Zukunft:</strong><br />
Es müsste fast ein Wunder geschehen, wenn nicht in den nächsten Wochen oder Monaten die NZZ auf die Debatte reagiert, mahnend zur Ernsthaftigkeit und gelangweilt natürlich vom oberflächlichen Geplänkel. Roman Bucheli <a href="http://www.nzz.ch/aktuell/startseite/tant-de-bruit-1.15435544">könnte schreiben</a>: «Vor drei Wochen geschah das Ungeheuerliche: (&#8230;)»</p>
<p><small>Foto: <a href="https://secure.flickr.com/photos/thomasleuthard/4979031586/">CC Flickr/85mm.ch</a></small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/08/17/schwedenraetsel/">Schwedenrätsel</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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