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	<title>Martin Spieler | MEDIENWOCHE</title>
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	<description>Magazin für Medien, Journalismus, Kommunikation &#38; Marketing</description>
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		<title>Macht Dominic Geisseler das Rennen?</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2013/09/02/macht-dominic-geisseler-das-rennen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Sep 2013 13:43:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Chefredaktor]]></category>
		<category><![CDATA[Tamedia]]></category>
		<category><![CDATA[Sonntagszeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Dominic Geisseler]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Spieler]]></category>
		<category><![CDATA[Peer Teuwsen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die MEDIENWOCHE hat gefragt, wer als Nachfolger von Martin Spieler an der Spitze der Sonntagszeitung das Rennen machen könnte. Aus der Umfrage sticht ein ein Name klar hervor: Dominic Geisseler. Der amtierende Stellvertreter Spielers bringt breite Erfahrungen als Chefredaktor mit und hat offenbar sein Interesse am frei werdenden Job angemeldet. An Berufserfahrung als Chefredaktor mangelt <a href="https://medienwoche.ch/2013/09/02/macht-dominic-geisseler-das-rennen/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die MEDIENWOCHE hat gefragt, wer als Nachfolger von Martin Spieler an der Spitze der Sonntagszeitung das Rennen machen könnte. Aus der Umfrage sticht ein ein Name klar hervor: Dominic Geisseler. Der amtierende Stellvertreter Spielers bringt breite Erfahrungen als Chefredaktor mit und hat offenbar sein Interesse am frei werdenden Job angemeldet.<br />
<span id="more-15755"></span><br />
An Berufserfahrung als Chefredaktor mangelt es ihm nicht. Bereits drei Mal stand Dominic Geisseler an einer Redaktionsspitze. Nun könnte es bei der Sonntagszeitung ein viertes Mal werden. Für die Leserinnen und Leser der MEDIENWOCHE <a href="https://medienwoche.ch/2013/08/26/gesucht-sparfreudiger-baustellenmanager/" target="_self">scheint der Fall klar zu sein</a>: Mit grossem Abstand vor allen anderen Namen sehen sie Geisseler als möglichen <a href="https://medienwoche.ch/2013/02/04/chefredaktor-am-sonntag/" target="_self">Nachfolger von Martin Spieler</a>.</p>
<p>Seinen ersten Spitzenjob trat der damals 38-jährige Journalist 1999 bei der Coopzeitung an. Fünf Jahre leitete er das Publikumsorgan des Grossverteilers. Danach führte er vier Jahre die Redaktion des Fernsehmagazins Tele («mein Traumjob»), bevor er den wichtigsten Posten im schweizerischen People-Journalismus besetzen durfte.</p>
<p>Bei der Schweizer Illustrierten, wo er bereits Mitte der 1990er-Jahre gearbeitet hatte, trat er ein schweres Erbe an. Als Nachfolger von Marc Walder und dem interimistischen Chef Urs Heller, der als Verlagsdirektor und Heftli-König eingesprungen war, trat Geisseler in übergrosse Fusstapfen; zu grosse offenbar. Nach neun Monaten war er wieder weg. Heller sagte damals: «Ein paar Dinge sind bei uns nicht ideal gelaufen, er und die Redaktion haben sich nicht gerade zum Dream-Team zusammengefunden.»</p>
<p>Derweil hatte Geisseler schon einen nächsten Posten gefunden, wenn auch einen Rang tiefer. Bei der Sonntagszeitung wurde er im Sommer 2007 stellvertretender Chefredaktor. Die Redaktion reagierte mit Unverständnis auf die Ernennung, berichtete das Branchenportal <a href="http://www.persoenlich.com/news/medien/redaktion-ist-konsterniert-293774#.UidQzmROqQQ" target="_blank">persoenlich.com</a>. Sie rechnete mit einer Stärkung des investigativen Journalismus; Geisseler hat andere Stärken.</p>
<p>Dieses Spannungsfeld öffnet sich auch wieder vor der Ernennung eines neuen Chefredaktors bei der Sonntagszeitung. Auch diesmal verkörpert Geisseler den soften Kurs, jetzt als Kandidat für die Spitzenfunktion. Von ihm ist bekannt, dass er seine Kandidatur schon redaktionsintern thematisiert hat. Gut möglich, dass sein Name auch deshalb in unserer Umfrage mit grossem Abstand am häufigsten geklickt wurde. Gegenüber der MEDIENWOCHE wollte Geisseler die Umfrage und seinen Spitzenplatz nicht kommentieren.</p>
<p>Die nächstfolgenden Namen, Fast-«Blick»-Chefin Andrea Bleicher und NZZaS-Mann Francesco Benini, erhielten weniger als die Hälfte (je 77) von Geisselers Stimmen (167). Ein Name tauchte in der Umfrage der MEDIENWOCHE bei den freien Nennungen besonders häufig auf: Peer Teuwsen, Redaktionsleiter der Schweizer Seiten der «Zeit». Auf Anfrage wollte sich Teuwsen nicht dazu äussern, ob diese Nennungen ein Hinweis auf eine allfällige Bewerbung sein könnten.</p>
<p>Natürlich sagt eine solche Umfrage wenig bis gar nichts aus, zumal sie anfällig für Manipulationen ist. So wissen wir nicht, wer mit welcher Motivation welche Namen gewählt hat. Abgesehen vom nicht ganz ernstzunehmenden Umfrageergebnis, gibt es aber gute Gründe, die für Geisseler als valablen Kandidaten für die Chefredaktion der Sonntagszeitung sprechen.</p>
<p>Sein Hintergrund als People-Journalist könnte eine Wahl durchaus begünstigen. So wünscht sich Verleger Pietro Supino für den künftigen Kurs der Sonntagszeitung mehr «Vanity Fair» und weniger Primeur-Bolzen um der Zitierungen willen. Ein solcher Kurswechsel kommt bei den Journalistinnen und Redaktoren aus Nachrichtenressorts natürlich schlecht an. Entsprechend negativ sind denn auch die Reaktionen von einem Teil der Redaktion: Von ihm komme wenig, was Substanz hätte, heisst es. Und man wundert sich, dass er sich so lange halten konnte.</p>
<p>Angesichts des grossen Sparauftrags und der zu erwartenden Eingriffe in Architektur und Ausrichtung der Sonntagszeitung dürfte eine externe Person, die unbelastet von einer Vorgeschichte auf der Redaktion das Ruder übernimmt, die besseren Chancen haben. Wie wir bereits vor einer Woche geschrieben haben, braucht es für die SOZ-Chefredaktion einen «sparfreudigen Baustellenmanager». Da sind in erster Linie Managementqualitäten gefragt und nicht profilierte Publizistik. Auch das spräche für Geisseler. Er sei zwar ein «lieber Cheib», habe aber journalistisch ein noch bescheideneres Profil als der amtierende Chefredaktor, heisst es von Leuten, die mit ihm zusammenarbeiten.</p>
<p><small>Korrigendum: In einer früheren Fassung stand geschrieben, Martin Spieler habe Dominic Geisseler 2007 als seinen Stellvertreter zur Sonntagszeitung geholt. Das stimmt nicht. Der damalige Chefredaktor hiess Andreas Durisch.</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/09/02/macht-dominic-geisseler-das-rennen/">Macht Dominic Geisseler das Rennen?</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Chefredaktor am Sonntag</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2013/02/04/chefredaktor-am-sonntag/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 Feb 2013 21:48:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Chefredaktion]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Spieler]]></category>
		<category><![CDATA[Redaktionskultur]]></category>
		<category><![CDATA[Simon Bärtschi]]></category>
		<category><![CDATA[Tamedia]]></category>
		<category><![CDATA[Redaktion]]></category>
		<category><![CDATA[Sonntagszeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Pietro Supino]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Sonntagszeitung wurde bei der Gründung 1987 von einer wilden Redaktion gemacht, die Neues wagte und das Establishment aufwühlte. Dieser ehemalige Punk ist alt und fett geworden: Ängstlich um den Verlust jeden Lesers beliefert er den Mittelstand mit ganz schön langweiliger Durchschnittsware. Chefredaktor ist seit bald drei Jahren Martin Spieler, doch so richtig angekommen ist <a href="https://medienwoche.ch/2013/02/04/chefredaktor-am-sonntag/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/02/04/chefredaktor-am-sonntag/">Chefredaktor am Sonntag</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Sonntagszeitung wurde bei der Gründung 1987 von einer wilden Redaktion gemacht, die Neues wagte und das Establishment aufwühlte. Dieser ehemalige Punk ist alt und fett geworden: Ängstlich um den Verlust jeden Lesers beliefert er den Mittelstand mit ganz schön langweiliger Durchschnittsware. Chefredaktor ist seit bald drei Jahren Martin Spieler, doch so richtig angekommen ist er bis heute nicht: Statt wie ein Teil der Redaktion wirkt er wie ein verlängerter Arm des Verlags. Es fehlt der Zeitung nicht nur eine Digitalstrategie, sondern auch eine interne Kritikkultur, die frische Ideen zur Entfaltung bringen könnte.<br />
<span id="more-31160"></span><br />
<strong>Das Pensum</strong><br />
Was für einen Job hat eigentlich ein Mann mit folgenden Aufgaben?</p>
<ul>
<li>Moderator der wöchentlichen Sendung «BörsenTrend» auf Tele Züri</li>
<li>Moderator der wöchentlichen Sendung «Geld» auf Tele M1</li>
<li><del datetime="2013-01-31T08:38:47+00:00">Moderator der wöchentlichen Sendung «Geld» auf Tele 1</del> (eingestellt, wurde bis zum 26. Dezember 2012 ausgestrahlt)</li>
<li>Wirtschafts- und Börsenexperte für Radio- und TV-Stationen (auf Anfrage)</li>
<li>Verwaltungsrat der 3 Plus Group AG</li>
<li>Verwaltungsrat der Journalistenschule MAZ</li>
<li>Verwaltungsrat im «Club zum Rennweg» </li>
<li>Stiftungsrat der «Stiftung Pro Kloster Einsiedeln»</li>
<li>Präsident und Kassier der Konferenz der Chefredaktorinnen und -redaktoren</li>
<li>Dozent der Schweizer Journalistenschule MAZ</li>
<li>Dozent der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW</li>
<li>Dozent an weiteren Fachhochschulen</li>
</ul>
<p>Nun ja, er ist Chefredaktor der wöchentlich in acht Bünden erscheinenden «Sonntagszeitung», sein Name ist Martin Spieler. Er wohnt im Kanton Obwalden (Engelberg), ist verheiratet und hat mehrere Kinder. Seine Nebentätigkeiten habe er «in letzter Zeit deutlich reduziert», schreibt Spieler auf Anfrage. Als Verwaltungs- und Stiftungsrat wende er 18 Stunden im Jahr auf, als Dozent 12 Stunden. Öffentliche Auftritte seien «durchaus im Interesse der Sonntagszeitung»: «Das gibt uns eine höhere Beachtung über den Sonntag hinaus und gehört zu meinen Aufgaben als Chefredaktor.»</p>
<p>Grundsätzlich gilt für alle redaktionell tätigen Mitarbeiter bei Tamedia, dass sie eigene Nebentätigkeiten in einer schriftlichen Erklärung offenlegen müssen: «Politische Mandate, leitende Funktionen in Parteien aber auch Mandate in Verwaltungs- oder Stiftungsräten sind grundsätzlich nicht zulässig, ausser es besteht eine Ausnahmebewilligung», schreibt die Pressestelle von Tamedia. Und weiter: «Es ist im Sinne der SonntagsZeitung, dass Martin Spieler als Chefredaktor öffentlich auftritt und sich zu aktuellen Fragestellungen äussert. Dies gilt auch für Auftritte an wichtigen Ausbildungsinstitutionen wie beispielsweise der Journalistenschule MAZ. Die Mandate bei der 3 Plus Group AG und beim Club zum Rennweg, die Martin Spieler bereits vor seinem Wechsel zur SonntagsZeitung ausübte, sind wie in unseren internen Richtlinien vorgesehen mit Tamedia abgesprochen und werden periodisch überprüft.»</p>
<p><strong>Die Redaktion</strong><br />
Der deutsche «Spiegel» sei die Messlatte für die Sonntagszeitung, sagte Martin Spieler In einem Interview mit dem «Schweizer Journalist» im März 2012; publizistisch formulierte er «einen ganz klaren Führungsanspruch»: «Wir wollen die beste, informativste, spannendste, unterhaltsamste Sonntagszeitung der Schweiz sein.» Es gelingt am ehesten bei der Information: Der in Bern angesiedelte Recherchedesk, eine Kooperation mit «Le Matin Dimanche», liefert jene Storys, die zu erwarten sind, wenn mal einigen Journalisten tatsächlich Zeit zur Recherche eingeräumt wird. Aufgedeckt wurde zum Beispiel ein <a href="http://www.sonntagszeitung.ch/home/artikel-detailseite/?newsid=230577">Datendiebstahl im Nachrichtendienst des Bundes</a>.</p>
<p>Doch die damit zementierte, innerredaktionelle Zweiklassengesellschaft rief unter den Mitarbeitern viel Unmut hervor. Mittlerweile haben sich viele der in Zürich zurückgelassenen Kritiker daran gewöhnt und geniessen es, dass der Druck, am Sonntag eine Hammerstory zu liefern, nachgelassen hat, wenn die Titelseite mit Storys vom Recherchedesk besetzt wird.</p>
<p><em>Für diese Geschichte war nicht schwierig, Journalisten dazu zu bringen, etwas über Martin Spieler und die Situation der Sonntagszeitung zu sagen. Öffentliche Aussagen wollte jedoch nicht einer tätigen. Das hat zu tun mit dem allerwichtigsten Wert in der Sonntagszeitung-Redaktion: Loyalität. Wer nicht zu 100 Prozent loyal ist (natürlich gegen oben), hat keine Chance auf eine Beförderung. Das mag in vielen Firmen so sein, doch Journalismus ist ein Wettkampf unabhängiger und auch unkonventioneller Geister um die besten Recherchen, Ideen und Formulierungen. Es läuft selten lange gut, wenn das freie Wort nicht gefördert wird und am Ende immer nur die Chefs recht haben.</em></p>
<p>Während in Bern in aller Ruhe recherchiert wird, macht die Redaktion in Zürich einen unmotivierten, unterforderten Eindruck: Unzufriedenheit herrscht, Langeweile, Alltagstrott. Dafür verantwortlich ist einerseits eine unbewegliche Personalstruktur, die kaum frische Kräfte in Führungspositionen kommen lässt, andererseits die nicht vorhandene Streitkultur. «An den Redaktionssitzungen wird kaum je ein Text kritisiert», erzählt jemand aus der Redaktion. «Es fehlt an der Kritikkultur, es ist immer alles gut an den Blattkritiken», jemand anders. Und eine weitere Stimme: «Bei der grossen Redaktionssitzung wird viel gelobt, vor allem von Seiten der Führung. Am meisten lobt Spieler.» Über das Loben an sich schrieb Constantin Seibt <a href="http://blog.tagesanzeiger.ch/deadline/index.php/1592/kusse-des-todes-wie-sie-einen-journalisten-abschiessen-konnen/">vor ein paar Monaten</a>: «Lob bringt – gehäuft verabreicht &#8211; jeden Produktionsmotor ins Stottern».</p>
<p>Spieler selbst sieht das freilich anders, auf Anfrage schreibt er: «Die Stimmung in der Redaktion der Sonntagszeitung ist positiv inspirierend, konstruktiv und ich lade die Kolleginnen und Kollegen immer wieder ein, offen und auch kritisch zu diskutieren. Das ist jederzeit problemlos möglich.» Immerhin herrscht ein freundlicher, ein netter Ton vor im Umgang miteinander, was durchaus Spielers positivem Einfluss zugerechnet werden darf. Die vordergründig harmonische Stimmung kann aber nicht über die Konkurrenz von Einzelkämpfern im Redaktionsalltag hinwegtäuschen, die zum Teil eher gegeneinander als miteinander arbeiten. Viele würden gerne den Job wechseln, doch der Stellenmarkt ist derzeit ausgetrocknet. Spieler schreibt weiter: «Auch als Arbeitgeber ist die Sonntagszeitung attraktiv, was in einer im Vergleich zu anderen Zeitungen sehr geringen Fluktationsquote zum Ausdruck kommt sowie in der Tatsache, dass es uns problemlos gelingt, die besten Talente des Landes bei uns zu halten und neue zu gewinnen.»</p>
<p>Sieht man von einigen Highlights im Fokus, im Sport und im Wissen ab, füllen die personell gut dotierten Ressorts ihre Bünde uninspiriert ab, die hinteren Teile der Zeitung funktionieren vor allem als Werbetransporter. Eine Pauschalkritik, gewiss, doch den guten Voraussetzungen zum Trotz bleiben die leichteren Bereiche rund um Kultur und Freizeit mehrheitlich furchtbar uninteressant &#8211; kein Wunder, wenn einem der Chef jede Woche bescheinigt, tolle Arbeit abzuliefern. Gemessen werden sollten die gelieferten Inhalte nicht an der diesbezüglich ebenso wenig überzeugenden Konkurrenz, sondern an dem, was die «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung» oder die «Welt am Sonntag» in diesen Bereichen bieten. Viele Mitarbeiter sind schon seit Jahren, seit Jahrzehnten an unveränderter Position, ganz neue Impulse sind von ihnen nicht mehr zu erwarten.</p>
<p><strong>Die Primeurs</strong><br />
Auf der Titelseite werden wie bekannt und gewohnt Primeurs (Scoops) gebolzt. Statt sich mit allgemein bekannten Fakten auseinanderzusetzen, die an sich skandalös genug wären, präsentiert die Sonntagszeitung lieber bedeutungsarme Detailnews oder «Geheimpapiere». Der Leser wird so jeden Sonntag mit einer Reihe neuer Faktendetails konfrontiert, die insgesamt ein zerstückeltes Bild ergeben. Wer dieses kleinteilige Allerlei an Neuigkeiten verwirrt, hat Pech gehabt: Die Sonntagszeitung wird nicht für die Leser geschrieben, sondern für die anderen Journalisten. Es geht um die Zahl der Zitierungen. Ob man seinen Satz <a href="https://www.facebook.com/photo.php?v=10150395660494817&#038;set=vb.253727174674740&#038;type=2&#038;theater">«Ich freue mich auf Ihre Meinung»</a> jemals ernst nehmen konnte, bleibt fragwürdiger denn je.</p>
<p>So ist an Redaktionskonferenzen nicht etwa der Inhalt oder die Form der Texte Thema, sondern, welches Medium welche Geschichte wie aufgenommen hat. Zitiert eine Zeitung nicht konkret («wie die Sonntagszeitung schreibt»), sondern allgemein («wie aus der Sonntagspresse zu erfahren ist»), kann der sonst so versöhnliche Chefredaktor auch mal richtig wütend werden. «Es kommt nur auf die Primeurs an, und wie oft Dein Name in der Zeitung steht. Wichtig ist sogar die Reihenfolge der Namen in der Verfasserzeile», ist aus der Redaktion zu hören.</p>
<p>Diese Jagd nach Primeurs führt zu bedeutungs- und folgenlosen Geschichten, in denen irgendein aktuelles Ereignis hochgeschrieben wird zu einem «Skandal», in Folge dem gewichtige Stimmen fordern, das müsse «Konsequenzen» haben. Als Beispiel der Text <a href="http://www.sonntagszeitung.ch/home/artikel-detailseite/?newsid=203574">«Allianz für ‹Lex Weltwoche›»</a> vom 15. Januar 2012: Sechs Parteichefs liessen sich in diesem Fall von drei Journalisten überzeugen, dass die Eigentumsverhältnisse von Roger Köppels «Weltwoche» keinesfalls privat bleiben dürften («Ziel ist es, kommende Woche eine gemeinsame Erklärung zu verfassen und die ‹Weltwoche› derart unter Druck zu setzen, dass sie auch allfällige Darlehensbürgschaften offenlegen muss.»). Die Folgen: Keine. Sie sind nach wie vor privat.</p>
<p>Die Chefredaktion scheut auch nicht, sich Exklusives vertraglich zuzusichern, manchmal auch nur, damit die Konkurrenz nichts davon hat. Beispielsweise wurde die Exklusivität eines (langweiligen) <a href="http://www.sonntagszeitung.ch/wirtschaft/artikel-detailseite/?newsid=240255">Interviews mit Roberto Martullo</a> mit einer <a href="https://twitter.com/JrgAuf/status/289737116617940992">«Vereinbarung»</a> geschützt:</p>
<blockquote class="twitter-tweet">
<p>Neu: Blocher-Schwiegersohn Martullo verweigert an einer Medienkonferenz Interviews: Er habe eine Vereinbarung mit der SoZ unterzeichnet!</p>
<p>&mdash; Jürg Auf der Maur (@JrgAuf) <a href="https://twitter.com/JrgAuf/status/289737116617940992">January 11, 2013</a></p></blockquote>
<p>Man mag sich über eine solche Vorgehensweise ärgern, doch über magere Inhalte kann keine Vereinbarung hinwegtrösten.</p>
<p><strong>Der Chef</strong><br />
Die Führung von Spieler wird als «etwas emotionslos» beschrieben. Wer sich einen seiner routiniert heruntergeratterten Monologe für die Lokalsender ansieht, wird verstehen, was gemeint sein könnte. Positiv erwähnt werden die zwischenmenschlichen Fähigkeiten von Spieler, insbesondere im persönlichen Gespräch. Tatsächlich kann kaum jemand der Redaktoren viel sagen über die Zusammenarbeit mit ihm &#8211; weil er so oft abwesend ist; mit ein Grund dafür, dass Spieler in der Redaktion nur über wenig Rückhalt verfügt. Einige Redaktoren nehmen ihn wahr als verlängerten Arm von Tamedia-Verleger Pietro Supino. Als tatsächlicher Chef in der Redaktion wirkt sein Stellvertreter, Simon Bärtschi, ist dieser doch, anders als Spieler, von Dienstag bis Samstag auf der Redaktion anwesend.</p>
<p>Geführt wird die Sonntagszeitung hierarchisch. Die Chefredaktion redet mit den Ressortleitern, die Ressortleiter reden mit den Journalisten. Direkten Kontakt gibt es wenig. Anliegen von unten nach oben durchlaufen die ordentlichen Stufen, die Entscheidungswege sind lang. Wer etwas erreichen will, ist gezwungen, Umwege zu gehen, ist doch weder das offene Wort noch die schnelle, unkomplizierte Lösung eine Option. In der Folge verbringt das Kader viel Zeit an Sitzungen. Es besteht kein Klima, in dem gute Ideen rasch umgesetzt werden können.</p>
<p><strong>Der Journalist</strong><br />
Was macht Spieler publizistisch? Vor allem eher uninspirierte, eher nicht so kritische Interviews. Und Editorials: Zuletzt forderte er ein zentrales Waffenregister und kritisierte Bundespräsident Maurer hart dafür, dass er sich die Freiheit nimmt, der «Arena» keinen angeblich traditionellen Besuch abzustatten («Gestatten Sie Herr Bundespräsident: Worauf haben Sie denn Lust, wenn Ihnen so vieles, das zu Ihrem Amt gehört, gar nicht behagt?»). <a href="http://www.martinspieler.ch/die-freiheit-im-internet-gilt-es-zu-verteidigen/20121202">Am 2. Dezember 2012</a> stellte er Google wie einen Dieb dar («sich bei journalistischen Texten einfach bedienen und ohne Gegenleistung gewerblich nutzen»), obwohl Google (so wie Zeitungen) nur zitiert und keine Urheberrechte bricht. Flankiert wurde das peinliche Editorial von einem Interview mit Marc Walder, der auf Vorlage von Spieler ein Leistungsschutzrecht für Presseverleger forderte («Ich will dem Verband nicht vorgreifen, aber ich bin klar dafür»). Rainer Stadler von der NZZ <a href="http://www.nzz.ch/meinung/kolumnen/hassobjekt-google-1.17866884">quittierte folgerichtig</a>: «Der Journalismus würde intelligentere Interessenvertreter verdienen.» Eine Kolumne von David Bauer zum Leistungsschutzrecht steht nach wie vor in der <a href="http://www.davidbauer.ch/2012/11/25/eine-leistung-die-es-zu-schutzen-gilt/">Originalversion</a> und in der <a href="http://www.sonntagszeitung.ch/multimedia/kolumne-bauer/kolumne-bauer-detailseite/?newsid=236003">SoZ-Version</a> online, da kann sich jeder selbst ein Bild machen.</p>
<p>Um das durch seine Bildschirmpräsenz über Jahre zementierte Image als Geldonkel aus dem Lokalfernsehen zu überwinden, reagierte er letztes Jahr und startete eine umtriebige Kommunikationsoffensive, mit angriffigen Texten und «Arena»-Auftritten. «Aber er hat einfach nichts zu sagen», so ein Journalist, der lieber anonym bleiben möchte. Dagegen Spielers Selbsteinschätzung: «Dass ich sehr viel Energie und auch Spass an meiner Tätigkeit als Chefredaktor der Sonntagszeitung habe, sehen Sie auch in der Tatsache, dass ich zu den publizistisch aktivsten Chefredaktoren des Landes gehöre und trotz meiner Führungsfunktionen nach wie vor selbst viele Interviews, Artikel und Kommentare in der Sonntagszeitung verfasse.»</p>
<p>Kein Problem hat der Chefredaktor der Sonntagszeitung, klassische PR-Berichte anzusagen, sogenannte «KMU-Porträts». <a href="https://www.youtube.com/watch?v=JWOJOz3UWms">Dieser Beitrag</a> lief 2012 auf Tele M1:</p>
<p><iframe width="450" height="253" src="https://www.youtube.com/embed/JWOJOz3UWms" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Zu seinen Nebentätigkeiten schrieb uns Spieler: «Ein Interessenkonflikt gibt es nicht: Alle meine Tätigkeiten am TV oder im Radio erfolgen immer in meiner Funktion als Chefredaktor der Sonntagszeitung.»</p>
<p><strong>Der Blogger</strong><br />
Unter <a href="http://www.martinspieler.ch/">martinspieler.ch</a> führt Spieler einen «Schweizer Wirtschaftsblog», in den er regelmässig eigene Texte kippt (zuletzt meist seine Editorials). Kommentieren kann man die Einträge, nur werden seit über einem Jahr keine Kommentare mehr freigeschaltet. Der <a href="http://www.martinspieler.ch/ubs-muss-obergrenze-fur-risiken-boni-und-verluste-einfuhren/20110919/comment-page-1#comment-16076">letzte freigeschaltete Kommentar</a> stammt vom 24. September 2011.</p>
<p><strong>Das Internet</strong><br />
Die Zeitung ist auch ohne Internet erfolgreich, war bisher die Losung. Der Text <a href="http://www.davidbauer.ch/2010/12/28/online-strategie-sonntagszeitung/">«Die SonntagsZeitung: Ein Print-Riese im digitalen Tiefschlaf»</a> von David Bauer aus dem Dezember 2010 ist nach wie vor gültig. Die aktuelle Situation ist dennoch erschreckend. Die altertümlich wirkende Website lädt nicht ein zum Besuch und hat sich, zumindest zahlenmässig, kaum entwickelt. Besuchten im Februar 2004 66’000 Unique Visitors die Website (92’596 Visits), waren es im Dezember 2012 90’000 Unique Visitors (174’519 Visits). Die iPad-Version der Sonntagszeitung kämpfte <a href="https://medienwoche.ch/2012/07/05/jeden-sonntag-das-gleiche-theater/">letztes Jahr</a> mit grossen technischen Problemen, nach wie vor ist die Gesamtbewertung der App im iTunes-Store vernichtend. 598 von aktuell 969 Bewertungen (Stand: 24. Januar) stufen die von Goldbach Media erstellte App mit einem von fünf möglichen Sternen ein, das sind über 60 Prozent. Ist es aktuell besser? Nein. Von den letzten elf Kommentaren («werde das Abo nicht verlängern, das wäre schlicht Geldverschwendung», «die App ist sehr instabil und nervt mehr als sie nützt», «ist schon eine Frechheit, dass man für sowas bezahlt») bewerten neun mit einem Stern («Gefällt mir gar nicht»), lediglich zwei verleihen zwei Sterne («Gefällt mir nicht»).</p>
<p><strong>Der Netzwerker</strong><br />
Als Spieler mit der Führung der Sonntagszeitung betraut wurde, war das für viele eine grosse Überraschung, war sein Name doch nie im Gespräch. Tamedia hat ihn wohl ausgesucht wegen seiner Loyalität, aber auch aufgrund seiner guten Kontakte zur Wirtschaft. Diese seien jedoch überschätzt, ist zu hören, denn weit über den «Club am Rennweg» gingen sie nicht hinaus («zu den wirklich wichtigen Leuten hat er null Draht»). Trotzdem bleibt er ein typischer Netzwerker &#8211; wovon die Zeitung insgesamt profitiert, worunter das Wirtschaftsressort manchmal leidet.</p>
<p><strong>Die Erfolge</strong><br />
Martin Spieler, von 2004 bis 2010 für die Handelszeitung verantwortlich, seit 2010 für die Sonntagszeitung, kann Erfolge bei den Auflagen ausweisen. Allerdings profitiert er von übernommenen Lesern, in der Vergangenheit und in der Zukunft. So konnte die Handelszeitung 2007 nach dem Ableben von Cash <a href="http://www.axelspringer.de/presse/HANDELSZEITUNG-ab-sofort-groesste-Schweizer-Wirtschaftszeitung_35340.html">27’000 Abonnements übernehmen</a>.</p>
<p>Die «verkaufte Auflage», nach den jeweiligen <a href="http://www.wemf.ch/d/unternehmen/archiv/Auflagebulletins.php:">WEMF-Auflagebulletins</a>:</p>
<p><strong>2004:</strong> nicht online verfügbar<br />
<strong>2006:</strong> Handelszeitung: 30&#8217;776, Sonntagszeitung: 201&#8217;358<br />
<strong>2008:</strong> Handelszeitung: 45&#8217;190, Sonntagszeitung: 202&#8217;141<br />
<strong>2010:</strong> Handelszeitung: 40&#8217;822, Sonntagszeitung: 188&#8217;658<br />
<strong>2012:</strong> Handelszeitung: 36&#8217;689, Sonntagszeitung: 175&#8217;882</p>
<p>Seit dem 2. September 2012 erhalten rund 36‘000 «Bund»-Abonnenten die Sonntagszeitung, und auch die 62&#8217;707 Abonnenten der Basler Zeitung (gemäss WEMF 2012) werden ab dem 3. März 2013 die Sonntagszeitung erhalten, wonach die Auflage wohl in die Nähe von 250’000 Exemplaren kommen wird. Wer rechnen kann, und Tamedia kann rechnen, sieht, dass die Sonntagszeitung unter Spieler an Auflage verliert. Während die direkte Konkurrenz, die NZZ am Sonntag, <a href="https://medienwoche.ch/2012/11/07/warum-die-nzzas-gewinnt/">zulegt</a>.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2013/02/04/chefredaktor-am-sonntag/">Chefredaktor am Sonntag</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Die wahren Web-Kommunisten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Ronnie Grob]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 07 Dec 2012 11:11:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Norbert Neininger]]></category>
		<category><![CDATA[LSR]]></category>
		<category><![CDATA[Ringier]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Spieler]]></category>
		<category><![CDATA[Marc Walder]]></category>
		<category><![CDATA[Mathias Döpfner]]></category>
		<category><![CDATA[Verleger]]></category>
		<category><![CDATA[Presse]]></category>
		<category><![CDATA[Leistungsschutzrecht]]></category>
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		<category><![CDATA[Christoph Keese]]></category>
		<category><![CDATA[Hanspeter Lebrument]]></category>
		<category><![CDATA[Google]]></category>
		<category><![CDATA[Verlegerverband]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Für immer mehr Verleger mutiert Google zum ultimativen Feindbild. Der dreiste Dieb klaue munter wertvolle Zeitungsinhalte, lautet die Klage. Dafür wollen die Verlage gesetzlich garantiertes Geld von Google. Der Ruf nach dem Staat ist die letzte Verzweiflungstat in einer gestörten Beziehung zwischen den Verlierern und dem Gewinner des digitalen Medienwandels. Ach, wie war das schön <a href="https://medienwoche.ch/2012/12/07/die-wahren-web-kommunisten/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Für immer mehr Verleger mutiert Google zum ultimativen Feindbild. Der dreiste Dieb klaue munter wertvolle Zeitungsinhalte, lautet die Klage. Dafür wollen die Verlage gesetzlich garantiertes Geld von Google. Der Ruf nach dem Staat ist die letzte Verzweiflungstat in einer gestörten Beziehung zwischen den Verlierern und dem Gewinner des digitalen Medienwandels.<br />
<span id="more-30570"></span><br />
Ach, wie war das schön in den 1920er-Jahren, als das Radio und das Fernsehen noch in den Anfängen steckten und die Presseverleger sozusagen über ein Medienmonopol verfügten.</p>
<p>Ach, wie war das schön Ende der 1940er-Jahre, als Axel Springer als einer der ersten Verleger der Nachkriegszeit von der britischen Militärregierung Lizenzen zum Drucken von Zeitungen erhielt. Lizenzen zum Drucken von Geld.</p>
<p>Und, ach, wie war das schön in den 1990er-Jahren, als Journalisten noch wochenlang Zeit hatten für eine Story, ein oben offenes Spesenbudget und wenigstens einmal in der Woche Champagnerflaschen köpfen konnten.</p>
<p>Doch The Times They Are a-Changin’. Im Internet sehen sich die vormals nur unter sich selbst konkurrenzierenden Verleger plötzlich im Wettbewerb mit der ganzen Welt, können doch heute alle Websites Werbung schalten. Die Aufmerksamkeit verteilt sich, die Gelder auch. Und dann haben sich auch noch wahrhaftige Giganten herausgebildet, die alle «was mit Medien oder Kommunikation» machen und derzeit ganze Märkte an sich zu reissen scheinen: Amazon, Apple, Facebook, Microsoft, Twitter oder Google.</p>
<p>Google wird von den Presseverlegern derzeit als Hauptfeind identifiziert &#8211; lustigerweise, denn eine konkrete Konkurrenzsituation besteht gar keine. Google News, das am ehesten als presseähnliches Produkt durchgehen könnte, verzichtet auf Werbung, generiert gar keine Einnahmen. Journalismus, von den Presseverlegern immer wieder als eigenes Kernprodukt ausgewiesen, gibt es keinen auf Google News &#8211; Artikel lesen kann nur, wer auf Links klickt.</p>
<p>Dass Google (wie so viele andere auch) Werbeeinnahmen erzielt, liegt an den Google-Produkten Adsense und Adwords, von denen die Verleger bislang so begeistert waren, dass sie selbst massenweise derartige Anzeigen schalteten (und wohl auch bezahlten). Die rege Nutzung von Google-Produkten hält Verlagsexponenten nicht davon ab, die bei über 90 Prozent der hiesigen Internetnutzern am liebsten benutzte Suchmaschine zu verunglimpfen. Für Axel-Springer-Lobbyist Christoph Keese ist Google sogar <a href="http://www.horizont.net/aktuell/medien/pages/protected/Springer-Lobbyist-Christoph-Keese-Google-ist-eine-Art-Taliban_111793.html">«eine Art Taliban»</a> (tatsächlich sagen wollte er: <a href="http://www.presseschauder.de/ist-google-ein-taliban-nein/">«in diesem Punkt eine Art Taliban»</a>).</p>
<p>Vor drei Jahren nannte Springer-Chef Mathias Döpfner Menschen im Internet <a href="http://www.manager-magazin.de/unternehmen/it/0,2828,667250,00.html">«Web-Kommunisten»</a>. Auf (von ihm so wahrgenommene) Forderungen aus dem Internet, «nur Gratisinhalte im Internet anzubieten» entgegnete er, das seien «abstruse Fantasien von spätideologisch verirrten Web-Kommunisten». Heute vergleicht er den Suchanbieter Google mit einer <a href="http://www.zeit.de/vorabmeldungen/neu-in-der-aktuellen-zeit/seite-2">«Hehlerbande»</a>: «In Wirklichkeit will Google nur erzkapitalistische Interessen durchsetzen und sein Geschäftsmodell optimieren.» Der Suchkonzern habe «noch nie nach dem Preis gefragt, der uns vorschwebt», jammert Döpfner, der bisher als Verteidiger der Marktwirtschaft aufgefallen war, sich aber mit diesen Äusserungen an die <a href="http://www.presseverein.ch/2012/11/hey-reicher-zahlen/">Bettel-Tour der WOZ-Journalisten</a> bei reichen Schweizern anschliessen könnte.</p>
<p>Die Kritik erinnert etwas an Norbert Neininger, der die NZZ-Leser mit dem Fakt überraschte, dass Facebook tatsächlich <a href="https://medienwoche.ch/2012/06/26/die-medien-die-industrie-und-das-boese/">Geld verdienen</a> wolle. Neininger war einer der frühsten und unerschrockensten Kämpfer gegen Google. Vor dem Start der Google-News-Alternative News1.ch, mit der mehrere Schweizer Verlage Geld in den Sand gesetzt hatten, <a href="http://www.persoenlich.com/news/show_news.cfm?newsid=70005">sagte er 2007 mutig</a>: «Man kann eine erfolgreiche Website wie Google nicht nur bekämpfen, sondern muss auch versuchen, sie mit einer Alternative zu schlagen.» Hat nicht geklappt, nun will auch Neininger Gesetze, um Geld zu verdienen. Wie die zunehmende Unterstützung von Presseverlegern für ein auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnittenes Leistungsschutzrecht zeigt, hört die Begeisterung für den Kapitalismus offenbar bei vielen dann auf, wenn man selbst nicht mehr richtig viel Geld verdient. Das ist so offensichtlich, dass es <a href="https://www.taz.de/Kolumne-Besser/!106756/">sogar der taz</a> auffällt.</p>
<p>Stellen wir uns mal kurz vor, Stimmen aus der Wirtschaft würden mit den gleichen Argumenten, wie sie die Verleger gegen Google vorbringen, von den Presseverlegern Geld einfordern. Zur Veranschaulichung nehmen wir ein Zitat von Norbert Neininger und wandeln es ab. Das könnte dann so klingen:</p>
<blockquote><p>Die Presseverlage – allen voran die Schaffhauser Nachrichten – verdienen Millionen unter anderem mit unseren Inhalten, also mit einem parasitären Geschäftsmodell. Für die Rückkehr der Vernunft ist es höchste Zeit: Jetzt, wo alle Firmen aufhören, ihr wertvollstes Gut (nämlich die grossen Leistungen ihrer Manager) zu verschenken, müssen wir sicherstellen, dass diese Inhalte auch rechtlich geschützt werden.*</p></blockquote>
<p>Einspruch? Aber warum denn? Martin Spieler schrieb in der Sonntagszeitung vom 2. Dezember: «Denn es muss klar sein, dass Firmen, die Inhalte gewerblich nutzen, dafür bezahlen.»</p>
<p>Mit dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Leistungsschutzrecht_f%C3%BCr_Presseverleger">Leistungsschutzrecht für Presseverleger</a> soll die mit ein- bis zweizeiligen Snippets agierende Suche im Netz, die den Verlegern kostenlos zuhauf neue Leser heranspült, lizenzpflichtig gemacht werden. Wieso, fragt sich jeder, der klar im Kopf ist. Die Antwort ist: Es gibt keine guten Gründe. Weil Presseverleger im Internet nicht die gleichen Einnahmen erreichen, die sie bisher mit Pressewerbung verdient haben, gehen sie gegen jene vor, die im Internet schöne Einkünfte erzielen. Weil sie keine rechtliche Grundlage dafür gefunden haben, denn anders, als von Presseverlegern und in Printprodukten immer wieder behauptet wird, halten sich Suchmaschinen wie Google durchaus an die Gesetze in Deutschland und in der Schweiz, ja, auch an die Urheberrechtsgesetze. Das gilt, auch wenn Verlegerverbandspräsident Hanspeter Lebrument Suchmaschinen <a href="http://www.persoenlich.com/news/show_news.cfm?newsid=105509">mit mehreren Zitaten</a> in den Dunstkreis der Kriminalität stellt («Abkupfern von Inhalten», «der industriell betriebene Klau von geistigem Eigentum», «Diebstahl von geistigem Eigentum», «Abkupfern von geistigem Eigentum»).</p>
<p>Soll man <a href="http://www.persoenlich.com/news/show_news.cfm?newsid=105509">Marc Walders Worte</a> «Google verdient auf unsere Kosten viel Geld, ohne uns Medien auch nur einen Teil davon abzugeben» besonders lustig oder besonders tragisch finden? Wer solche Sätze sagt, muss damit rechnen, von Wirtschaftsvertretern nur noch bedingt ernst genommen zu werden. Es kann ihnen nur empfohlen werden, bei jeder kritischen Beurteilung der eigenen Leistung von Ringier-Wirtschaftsredaktoren mit dem Satz «Die Konkurrenz verdient auf unsere Kosten viel Geld, ohne uns auch nur einen Teil davon abzugeben» zu antworten. Überhaupt könnten auch Politiker oder Manager von Zeitungen Schutzgelder fordern, verdienen doch Presseverlage Geld mit der Berichterstattung über deren Aktionen und von ihren Zitaten. Wie wäre es mit: «Presseverlage verdienen auf unsere Kosten viel Geld, ohne uns Managern auch nur einen Teil davon abzugeben»?</p>
<p>Eine in diesem Fall sensibilisierte Öffentlichkeit von Journalisten und Bloggern durfte am deutschen Leistungsschutzrecht exemplarisch verfolgen, wie Lobbyinteressen in Koalitionsverträge aufgenommen werden, in Gesetze gegossen werden, vom Kabinett akzeptiert werden und aktuell im Bundestag verhandelt werden. Fassungslos muss man mitansehen, wie ein durchaus lächerliches Gesetz, das im schlechtesten Fall erhebliche Rechtsunsicherheit erzeugt und im besten Fall wirkungslos bleibt, abseits der Aufmerksamkeit einer grösseren Öffentlichkeit Erfolg um Erfolg einfährt.</p>
<p>Einen konkreten Erfolg konnten die deutschen Presseverleger bereits verbuchen: <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/google-anzeigen-jetzt-auch-in-print/">Google inserierte</a> in Zeitungen für die Kampagne <a href="http://www.google.de/campaigns/deinnetz/">«Verteidige Dein Netz»</a>, die auf die Probleme eines Leistungsschutzrechts aufmerksam macht. Weitere Erfolge sind keine zu erwarten: Tritt das Gesetz in Kraft, wird Google kaum Lizenzgebühren zahlen, sondern vielmehr die betreffenden Angebote aus dem Index entfernen (oder sie gesetzkonform verstümmeln, auf Kosten der Benutzerfreundlichkeit). In Belgien haben die Presseverleger das schon mal durchgestanden: <a href="https://medienwoche.ch/2011/07/25/die-belgische-lektion/">vier Tage lang</a>.</p>
<p>Dass die 1998 gegründete Firma Google einfach mal hundertjährige Verlegertraditionen in den Schatten gestellt hat, wollte man 2008 schon nicht akzeptieren, als der Verlag Schweizer Presse mit dem ACAP-Standard (natürlich erfolglos) gegen die breit akzeptierten robots.txt-Dateien <a href="http://www.klartext.ch/?p=6863">kämpfte</a>. Der Ringier-Verlag wollte damit als «politisches Statement» klarstellen, «dass Webseiten nicht einfach urheberrechtsfreie Zonen zur unentgeltlichen Selbstbedienung sind». Intern nutzt Ringier übrigens <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Google_Apps">Google Apps</a>, und zwar in der Schweiz, in Rumänien, in Ungarn, in Vietnam und in China. Die Ringier Axel Springer Media AG nutzt Google Apps in der Schweiz, in Serbien, in Polen, in Tschechien und in der Slowakei.</p>
<p>Einfach das Beste aus der derzeitigen, womöglich vorübergehenden Übermacht von Google zu machen, scheint keine Option zu sein.</p>
<p><small>* Das Zitat von Norbert Neininger lautet <a href="http://www.persoenlich.com/news/show_news.cfm?newsid=105509">korrekt so</a>: «Die Suchmaschinen – allen voran Google – verdienen Milliarden unter anderem mit unseren Inhalten, also mit einem parasitären Geschäftsmodell. Für die Rückkehr der Vernunft ist es höchste Zeit: Jetzt, wo alle Medienhäuser aufhören, ihr wertvollstes Gut (nämlich die grossen Leistungen ihrer Redaktionen) zu verschenken, müssen wir sicherstellen, dass diese Inhalte auch rechtlich geschützt werden.»</small></p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/12/07/die-wahren-web-kommunisten/">Die wahren Web-Kommunisten</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Verlegers Wunderwelt</title>
		<link>https://medienwoche.ch/2012/12/03/verlegers-wunderwelt/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Nick Lüthi]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Dec 2012 15:21:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Ringier]]></category>
		<category><![CDATA[Marc Walder]]></category>
		<category><![CDATA[Bundesrat]]></category>
		<category><![CDATA[Urheberrecht]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Spieler]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Jetzt also auch in der Schweiz: Nachdem deutsche Verleger und Chefredaktoren weitgehend faktenfrei einem Leistungsschutzrecht für Presseerzeugnisse das Wort redeten, tun ihnen das die Schweizer Kollegen gleich. Mit Martin Spieler (Chefredaktor Sonntagszeitung) und Marc Walder (CEO Ringier) eröffnen zwei Schwergewichte mit schwachen Argumenten den Reigen. Da der Text im Ressort «Nachrichten» steht, darf man davon <a href="https://medienwoche.ch/2012/12/03/verlegers-wunderwelt/">Weiterlesen ...</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Jetzt also auch in der Schweiz: Nachdem deutsche Verleger und Chefredaktoren weitgehend faktenfrei einem Leistungsschutzrecht für Presseerzeugnisse das Wort redeten, tun ihnen das die Schweizer Kollegen gleich. Mit Martin Spieler (Chefredaktor Sonntagszeitung) und Marc Walder (CEO Ringier) eröffnen zwei Schwergewichte mit schwachen Argumenten den Reigen.</strong></p>
<p>Da der Text im Ressort «Nachrichten» steht, darf man davon ausgehen, dass es sich nicht um Satire handelt. <a href="https://docs.google.com/open?id=0B-Zv5IS6RhDqaS1tMTVQNThWVGM" target="_blank" rel="noopener">Martin Spieler</a>, Chefredaktor der Sonntagszeitung, hat in die Tasten gegriffen. Um Grundsätzliches zu festzuhalten. Es geht um Freiheit und Demokratie. Und die sind in Gefahr: wegen Google! Ein Konzern, der sich bei journalistischen Texten bedient und dafür keine Gegenleistung erbringt. Aber es ist noch nicht zu spät und eine Lösung in greifbarer Nähe. Das Zauberwort heisst Leistungsschutzrecht – Simsalabim, Google zahlt und den Zeitungen geht es auf einen Schlag wieder gut. So sieht es im Paralleluniversum aus, in dem sich Chefredaktor Spieler aufhält. Dort ist er nicht alleine, Verleger leisten ihm gute Gesellschaft. Nur ein paar Seiten weiter nach Spielers Traktat legt <a href="http://www.sonntagszeitung.ch/fokus/sonntagsgespraech/sonntagsgespraech-detailseite/?newsid=236833" target="_blank" rel="noopener">Ringier-Chef Marc Walder</a> nach: Google betreibe «unlautere Ausbeutung», darf Walder unwidersprochen behaupten. Fernab juristischer Sachkenntnis dilettiert er weiter in der Metaphernhölle: Eine «moderne Art des Diebstahls»» praktiziere Google, zum Schaden für die Demokratie. Wie Spieler kennt natürlich auch Walder ein Allheilmittel gegen Google. Und – welch Wunder – es heisst auch bei ihm: Leistungsschutzrecht.</p>
<p>Es braucht kein besonderes Fachwissen, um diese Argumentation zumindest als unvollständig zu entlarven, deshalb nur kurz:</p>
<ul>
<li>Google erbringt sehr wohl eine «Gegenleistung», was Spieler explizit abstreitet. Ein nicht unwesentlicher Teil der Zugriffe auf Nachrichtenangebote im Netz werden von Suchmaschinen vermittelt.</li>
<li>Mit <a href="http://www.admin.ch/ch/d/sr/311_0/a139.html" target="_blank" rel="noopener">«Diebstahl»</a> hat Googles Geschäftspraxis rein gar nichts zu tun. Wenn Walder Google der illegalen Praxis bezichtigen möchte, dann wäre hier wenn schon der Begriff der «Schwarzkopie» angebracht. Aber das klingt halt viel weniger dramatisch.</li>
<li>Gegen eine Indexierung durch Suchdienste gibt es schon lange ein probates Mittel: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Robots_Exclusion_Standard" target="_blank" rel="noopener">robots.txt</a> und raus bist du. Wer nicht von der Suche erfasst werden oder nur Teile seines Angebots zugänglich machen will, erreicht das mit einem simplen Programmierbefehl im Handumdrehen.</li>
</ul>
<p>Wenn zwei erfahrene Medienmacher zentrale Aspekte ausblenden und wider besseren Wissens (so hoffen wir zumindest doch) ein einseitiges Bild zeichnen, dann gehört das zum Spiel und hat Methode; aus Deutschland ist solch faktenfreies Argumentieren für ein Leistungsschutzrecht hinlänglich bekannt. Nach dem gleichen Muster soll nun offenbar auch in der Schweiz Stimmung gemacht werden für eine «Lex Google».</p>
<p>Der martialische Ton, den Walder und Spieler gestern in der Sonntagszeitung angeschlagen haben, soll eine Problemlage in einem möglichst dramatischen Licht erscheinen lassen und letztlich den Gesetzgeber wachrütteln. Eine Gesetzesänderung beschliessen nicht die Verleger, sondern das Parlament. Zuletzt war das Leistungsschutzrecht für Online-Newsangbote 2009 dort ein Thema. Auf eine <a href="http://www.parlament.ch/d/suche/seiten/geschaefte.aspx?gesch_id=20093802" target="_blank" rel="noopener">Interpellation von Kurt Fluri</a> (FDP) antwortete der Bundesrat unmissverständlich: «Ein Leistungsschutzrecht würde somit einzig eine zusätzliche Schicht von Rechten schaffen, ohne dass dafür ein Bedürfnis ausgewiesen ist.»</p>
<p>Wenn in der Schweiz gerade jetzt die Forderung nach einer gesetzlich garantierten Einnahmequelle wieder aufs Tapet kommt, dann hat das nicht nur mit der Dynamik in Deutschland zu tun, sondern auch mit der kommerziellen Entwicklung des Online-Geschäfts. Das bewegt sich zwar stetig aufwärts, zeigt aber strukturelle Schwächen:</p>
<ul>
<li>Um auszugleichen, was an Einnahmen beim Print wegbricht, bringen Einnahmen aus Online-Werbung und Paywall (noch) zu wenig ein.</li>
<li>Reichweitenstärke ist nicht mehr das Privileg der Massenmedien. <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/sascha-lobo-social-media-brennt-die-werbung-nieder-a-869481.html" target="_blank" rel="noopener">Social Media</a> – wozu auch Google mit seinen Werbeformaten zählt – ist näher am Kunden dran.</li>
<li>Der kommerzielle Erfolg von Paywall-Lösungen, die nun sämtliche Grossverlage hochziehen wollen, ist alles andere als gewiss.</li>
</ul>
<p>Ein Manna wäre in dieser Situation natürlich hochwillkommen.  Mit Google haben die Verleger auch den richtigen Akteur im Visier: Gegen den Goliath anzutreten, macht sich immer gut. Wobei die Verleger als David eine denkbar schlechte Form abgeben. Auch sie wollen als Unternehmen in erster Linie Geld verdienen. Und in Bezug auf das Urheberrecht stehen die Verlage in keinem guten Licht: Mit der umautorisierten Übernahme von fremdem Bild- und Textmaterials, über die grosszügige Auslegung des Zitierrechts (<a href="http://www.texterella.de/mode-text.php/lifestyle/comments/Textklau-WELT/" target="_blank" rel="noopener">Paraphrasieren</a>) bis zu den <a href="https://medienwoche.ch/2012/04/11/geld-verdienen-mit-abgepressten-rechten/" target="_blank" rel="noopener">Total-Buy-Out-Klauseln</a> in den Arbeitsverträgen ritzen Verlage immer wieder den legalen Rahmen. Die Forderung nach einem zusätzliche Schutzrecht für Zeitungsverlage wirkt angesichts dieser unerledigten Hausaufgaben reichlich dreist.</p>
<p>Immerhin, und das muss man Martin Spieler bei aller Kritik an seinem Plädoyer zugute halten, will er zusätzliche Einnahmen an die Bedingung knüpfen, dass Verlage damit in publizistische Qualität und die Ausbildung von Medienschaffenden investieren. Nur: Das könnten sie schon heute – mit eigenen Mitteln und ohne ein langwieriges Gesetzgebungsverfahren mit ungewissem Ausgang abzuwarten. Insofern klingt die Forderung nach einem Leistungsschutzrecht nach einer billigen Ausrede: Zahlt Google nicht, investieren wir auch nicht in Qualität.</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2012/12/03/verlegers-wunderwelt/">Verlegers Wunderwelt</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>1.6 Kilogramm Altpapier</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Edith Hollenstein]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 Jun 2011 13:45:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medienwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Sonntag]]></category>
		<category><![CDATA[NZZ am Sonntag]]></category>
		<category><![CDATA[Kurt W. Zimmermann]]></category>
		<category><![CDATA[Sonntagszeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Felix E. Müller]]></category>
		<category><![CDATA[Sonntagsblick]]></category>
		<category><![CDATA[Altpapier]]></category>
		<category><![CDATA[Der Sonntag]]></category>
		<category><![CDATA[Manuel Puppis]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Spieler]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Sonntagszeitungen landen spätestens am Montag im Altpapier, während klassische Wochenzeitungen eine mehrtägige Haltbarkeit haben. Warum sind Zeitungen mit «Sonntag» im Titel so rasch vergänglich? Und weshalb positioniert sich kein Sonntagstitel als Wochenzeitung? Über die Bedeutung von Sport und Samstagsaktualität und die unterschätzte Langlebigkeit. Am Sonntag kaufe ich Zeitungen. Weil ich noch immer herkömmlich lese, wiegt <a href="https://medienwoche.ch/2011/06/26/1-6-kilogramm-altpapier/">Weiterlesen ...</a></p>
<p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/06/26/1-6-kilogramm-altpapier/">1.6 Kilogramm Altpapier</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Sonntagszeitungen landen spätestens am Montag im Altpapier, während klassische Wochenzeitungen eine mehrtägige Haltbarkeit haben. Warum sind Zeitungen mit «Sonntag» im Titel so rasch vergänglich? Und weshalb positioniert sich kein Sonntagstitel als Wochenzeitung? Über die Bedeutung von Sport und Samstagsaktualität und die unterschätzte Langlebigkeit.</strong></p>
<p>Am Sonntag kaufe ich Zeitungen. Weil ich noch immer herkömmlich lese, wiegt meine Sonntagslektüre sage und schreibe 1.619 Kilogramm, denn ich kaufe die «SonntagsZeitung», die «NZZ am Sonntag», den «Sonntag» und den «Sonntagsblick». Nach dem Aussortieren der Werbebeilagen bleiben noch 0.955 Kilogramm und ich weiss aus Erfahrung: Lange muss ich sperrige Papierlast nicht ertragen, denn die Sonntagszeitungen landen spätestens am Montag auf dem Altpapier-Stapel. «Weshalb», frage ich mich, «liegen sie eigentlich nicht eine Woche lang im Wohnzimmer wie klassische Wochenzeitungen, wie etwa die «Weltwoche», die «WoZ», «Die Zeit» oder der «Spiegel»?</p>
<p>Martin Spieler, Chefredaktor der «SonntagsZeitung», will nicht gelten lassen, dass sein Produkt, bereits am Wochenstart zu Makulatur wird. «Unsere Geschichten haben eine lange Haltbarkeit. Das belegen entsprechende Leserbefragungen». Als Beispiel nennt er die alle zwei Jahre publizierte, repräsentative Bundnutzungsstudie. Diese zeige, dass einzelne Bünde auf die Seite gelegt und auch noch unter der Woche genutzt werden. «Die Werte reichen von 12,3 Prozent beim Nachrichtenbund bis zu 34,5 Prozent beim Bund «Wissen», der bis Donnerstag gelesen wird.»</p>
<p>Ähnlich argumentiert Felix E. Müller, Chefredaktor der «NZZ am Sonntag»: «Unsere Zeitung wird, wie wir aus Befragungen und auch von anekdotischen Beobachtungen wissen, durchaus als Wochentitel genutzt. Das heisst, dass die Zeitung im Gegensatz zur Konkurrenz nicht am Sonntagabend ins Altpapier wandert, sondern bundweise im Verlauf der Woche gelesen wird.»</p>
<p>Okay, zugegeben: Einzelne Seiten habe ich auch schon auf dem Nachttisch oder in der Laptop-Tasche untergebracht, um sie dann am Montag oder Dienstag im Tram zu lesen. Doch hier interessiert die Frage: Wie unterscheiden sich die Sonntagszeitungen von den klassischen Wochenzeitungen? Wäre es überhaupt möglich, zum Beispiel die «NZZ am Sonntag» als Wochenzeitung zu positionieren? «Man müsste im Titel auf den Begriff &#8218;Sonntag&#8216; verzichten und die Zeitung letztlich zu einem Magazin umwandeln, das am Sonntag erscheint», sagt Chefredaktor Müller. Ein Magazin hätte aber aufgrund der längeren Produktionszeiten den Nachteil, dass kaum Samstagsaktualität berücksichtigt werden könnte. Man würde also ein Magazin ohne aktuellen Sport am Sonntag verkaufen, was sicher nicht optimal wäre.</p>
<p>Die Unterschiede zwischen Sonntagszeitungen und klassischen Wochenzeitungen liegen also vor allem in der Aktualität. Trotz gleicher Periodizität orientieren sich die Sonntagszeitungen am samstäglichen Geschehen. Dies im Gegensatz zu den an Wochentagen erscheinenden Wochenzeitungen (Donnerstag: «Weltwoche», die «WoZ», «Die Zeit». Montag: «Spiegel»), welche auf tagesaktuelle Berichterstattung verzichten. «Sonntagszeitungen schliessen letztlich die Lücke, welche Tageszeitungen aus demselben Verlag am siebten Tag hinterlassen. Sie übernehmen damit die gleiche Funktion wie eine Tageszeitung &#8211; einfach mit dem Unterschied, dass aufgrund der längeren Lesedauer am Sonntag mehr Hintergrund- und Lifestyle-Berichte publiziert werden», sagt Manuel Puppis, Oberassistent am Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich.</p>
<p>Die Aussagen der beiden Chefredaktoren zeigen: Die Sonntagszeitungen setzen vor allem auf die Tatsache, dass wir Leser am Sonntag genügend Zeit haben, um Zeitung zu lesen – Zeit für samstagsaktuelle Texte, Recherchen und Hintergrundberichte. Mit dieser Positionierung fahren die Sonntagszeitungen gut und dies soll auch so bleiben. «Sie sollen sich nicht als klassische Wochenblätter positionieren», sagt Kurt W. Zimmermann, Medienexperte und ehemaliger Chefredaktor der «SonntagsZeitung». «Die Samstagsaktualität ist ihr grosser USP. Anders als Wochenzeitschriften sind Sonntagsblätter durch den aktuellen Tagesbezug nicht dem Risiko der Beliebigkeit ausgesetzt, sondern haben ein zwingendes Leseargument. Die Samstagsaktualität, wie man immer wieder sieht, ist auch der wichtigste Treiber der Verkaufsauflage.»</p><p>The post <a href="https://medienwoche.ch/2011/06/26/1-6-kilogramm-altpapier/">1.6 Kilogramm Altpapier</a> first appeared on <a href="https://medienwoche.ch">MEDIENWOCHE</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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